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| Jede Badewanne ist eine schreiende Ökosünde. |
Nur neun Prozent aller Haushalte in Deutschland benutzen ihre Badewanne jeden Tag. Private Badewannen stehen hierzulande zu über 96 Prozent ihrer Zeit ungenutzt in Badezimmern - gleichzeitig unterschätzen Badewannenbesitzer nach einer aktuellen Studie unterschätzen Wannenbesitzer die ökologischen Gesamtkosten ihrer Wannen systematisch um bis zu 150 Prozent. Forschungsleiter Herbert Haase vom Klimawatch-Institut (CLW) sieht hier eine neue Herausfordenrung für die Vermieter im Land. "Ein zweites Maschinen-Zeitalter steht der Wohnindustrie bevor", sagte er, „wir stehen am Start einer Revolution in privaten Bädern."
Bademodell vor dem Aus
Das bisherige Modell des privaten Bades im eigenen Haus sei weder nachhaltig noch ressorcensparend. "Es ist schlicht teuer und auf viele Länder gar nicht übertragbar", fasst Haase zusammen. Ein wenig Mathematik helfe, die bevorstehenden „Revolutionspfade“ zu erkennen. Bis zu 98,25 Prozent der Zeit stehe ein Wannenbad im Durchschnitt ungenutzt herum und verliert stetig an Wert. Wenn es benutzt werden, empfänden viele Menschen das eintauchen in einer klassische Wanne zwar als ein äußerst angenehmes Gefühl. "Aber der Preis, den unsere Welt dafür bezahlt, ist zu hoch", wagt Haase.
Die Zukunft der Wanne
Öffentliche Badehäuser
Öffentliche Badehäuser, im Mietshaus oder der Straße und dem Stadtviertel geteilte Wannen, im Zuge der Digitalisierung sieht der Experte Möglichkeiten für ganz neue Formen gemeinschaftlicher, solidarischer Wannenteilung. "Eine digitale App leitet Badewillige dorthin, wo eine Wanne in hellen, weitläufigen Badezimmern mit ihrem glänzenden Boden, weißen Säulen und futuristischer Deckenbeleuchtung in freie Wannen." Alle lassen sich innerhalb der App reservieren, buchen, entriegeln und bezahlen. Nur so könne die Zukunft der Badewannennutzung aussehen. "Fest steht, dass sich bald grundlegend ändern wird, wie wir baden", versichert Haase, „wir befinden uns am Endpunkt einer etwa dreitausendjährigen Badewannengeschichte“.
Noch sei für viele Menschen in Deutschland die eigene Wanne ein Distinktionsobjekt, in das sie viel Geld investieren. "Die eigene Wanne wartet geduldig, bis uns die Sehnsucht nach einem Vollbad packt oder die Kinder gesäubert werden müssen." Doch ökologisch gesehen verkörpere jede Wanne etliche Kilogramm Plastik, zuweilen sogar Gußeisen, Leitungen, Armaturen und Dämmmaterial. "Die Leichtigkeit mühelosen Badens ist verführerisch, denn problematisch ist, dass es zu viele sind, die sich Badewannen leisten."
Familie, Haus, Wanne
Mehr als 40 Millionen Wannen in Deutschland, eine Milliarde weltweit. „Das alte Modell lautete ja: eine Familie, ein Haus, eine Wanne“, führt Herbert Haase aus. Für dieses lange für bequem gehaltene Modell fehlten der Menschheit aber nun mehr und mehr die Ressourcen.
"Nachhaltig ist es nie gewesen." Wenn bis zum Jahr 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben, in Häusern mit Badewannen, dann könnten bald mehr als vier Milliarden Menschen gelegentlich baden. "Aber schon heute ächzen die Metropolen unter der Last des Abwassers, der Nachfrage nach Heizenergie und der Verschwendung von gewaltigen Mengen an Estern. "Es gibt zum Glück bereits Konzepte für nachhaltiges Baden", fordert Haase, "wir müssen sie nur nutzen."


