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Mittwoch, 16. August 2017

Die Todesstrafe vermisste er

Er verlor den Geschmack an der Menschheit. Was war denn schon liebenswert an ihr? Ihm gefiel kaum noch was. Gut, Geld und Ruhm, nun ja. Die Todesstrafe vermisste er, doch durfte er das nicht zugeben. Es gab eine ganze Liste von Grundstücken, Anliegen, Methoden und Idealen, an die er nicht mehr glaubte; und obenan rangierte eine ständig wachsende Rubrik von Freiheiten, darunter so unantastbare wie die Freiheit von Lehre und Forschung, von sexueller und politischer Betätigung.

Alternativen boten sich keine. Selbst wenn er seine Phantasie aufs Äußerste bemühte, wollte ihm nicht einleuchten, dass die Gründerväter dieses gewollt hatten. Entweder war Gold rückschrittlich, oder die Zivilisation machte Fortschritte zum Schlimmeren.

Oder beides.

Nichts jedenfalls ging voran wie gewünscht. Auf die Länge gesehen, war einzig der Misserfolg mit Gewissheit vorherzusagen. Alles andere war Zufall.

Gute Absichten wurden zuschanden, böse Absichten wurden nicht besser. Das amerikanische Wirtschaftssystem war barbarisch und brachte folgerichtig in allen Bereichen der Kultur eine Barbarisierung und die Zementierung des Schwachsinns mit sich. Technologie und Hochfinanz waren auf Massenproduktion von Armut eingestellt und erzeugten diese mit zunehmender Schnelligkeit. Es war dies das einzige Produkt, dessen Wachstumsrate in den letzten fünfundfünfzig Jahren niemals zurückgegangen war.


Joseph Heller, Gut wie Gold, 1976


Fußballterror: Staatsfreie Zone


Es sind dieselben Bilder, seit Jahren. Brennende Tribünen, gestürmte Ränge, vermummte junge Männer, die sich einen Spaß daraus machen, den Staat vorzuführen. Hinetr dem Mikrophon der Sender, die die Ausschreitungen live übertragen, überforderte Kommentatoren, die klingen wie Martin Schulz. Draufhauen, wegsperren, sich das nicht mehr bieten lassen.

So geht der Sermon seit Jahren, Jahren und Jahren. Ohne dass sich je etwas ändert. Die selbsternannten Ultra-Gruppen - junge Männer mit einem aus Langeweile geborenen Hang zur Selbstdarstellung - halten den Fußball in Geiselhaft. Der Staat, der seine Grenzen nicht schützen, seine Bürger nicht selbst auswählen und seine Firmen nicht zur Einhaltung geltender Gesetze zwingen kann, steht ratlos daneben und bestaunt die Anarchie, die die sich beim Pokalspiel des FC Hansa Rostock gegen Hertha BSC nicht sehr unterscheidet von den Ausschreitungen beim G-20-Gipfel in Hamburg.

Hände hoch!


Hände hoch! Ich ergebe mich. Das ist die Botschaft, die aus dem Ostseestadion in die Wohnzimmer flimmerte. Während ein paar Vermummte Fahnen, Schals und Sitzschalen in Brand setzen, steht die Staatsmacht fünf Meter entfernt und schaut zu, schwer gepanzert, bewaffnet und einsatzbereit. Die Ausschreitungen waren angekündigt, die Einsatzleitung der Polizei, die Vereinsführungen, der DFB, die Innenministerin wussten, was passieren wird.

Aber irgendetwas hindert sie seit Jahren, gegen die kriminelle Szene der selbsternannten Fußball-Taliban vorzugehen. Die fühlt sich ermutigt von der fehlenden Gegenwehr eines Staatswesens, das wie paralysiert wirkt. Der Fußball, das Milliardengeschäft, liegt in den Händen einer Kamarilla aus egomanischen Kriminellen, die Spiele durchführen lassen, oder auch Abbrüche provozieren können, wie sie wollen. Grüppchen von krankhaft um Aufmerksamkeit buhlenden Möchtegern-Fans protestieren gegen "Kommerzialisierung", gegen "Retortenvereine" und die "Fußballmafia DFB" - und sie agieren dabei selbst wie eine mafiaähnliche Organisation: Clandestin, bewaffnet und aufgrund der Angst des Staates vor einer Auseinandersetzung weitgehend vor Strafverfolgung geschützt.

Dresche für die Säcke


Danach kommt immer der Katzenjammer. Die Vereine, die nicht wissen, was sie gegen den gewalttätigen eigenen Anhang mit zu viel Tagesfreizeit machen sollen, heben die Hände. Jahrelang schon ließen Staat und mächtiger Fußballverband kleine Klubs wie den Halleschen FC allein mit der Aufgabe, eine Bande von Durchgedrehten einzufangen, die in den letzten anderthalb Jahrzehnten hatte lernen dürfen, dass es keinen Grund mehr gibt,Respekt vor staatlichen Institutionen zu haben.

Das erinnert an die Situation in den Wendejahren der DDR, als jeder sich die Straße und die Kurve nehmen konnte, der nur bereit war, die Faust aus der Tasche zu ziehen und notfalls auch einem Uniformierten auf die Nase zu schlagen. Ratlos standen damals die grünuniformierten Volkspolizisten vor den außer Rand und Band geratenen Fußball-Fans, ebenso ratlos stehen heute die gepanzerten Einsatzkommandos der BFE in ihren schwarzen Kostümen vor den entfesselten Jungmännern mit ihren Balaklavas in Vereinsfarben.

Der DFB, größter Sportverband der Welt, demokratisch wie Nordkorea und politisch bis ins Kanzleramt vernetzt, ist stets bemüht, Schuldige außerhalb seiner Bürofluchten zu finden. Sportgerichte treten zusammen und dreschen konzentriert auf Säcke ein, aus denen die Täter längst entwichen sind.

Der Staat aber, an dem es wäre, dem kriminellen Treiben auf den Rängen Einhalt zu gebieten, duldet die rechtsfreien Zonen in den Kurven. Der Innenminister schweigt. Medien gehen auf die Suche nach denen, die vorher etwas wussten. Und szenekundige Berichterstatter, die normalerweise hinter jedem hirntoten Aufmarsch von zwölf Jack-Wolfskin-Nazis die Wiedergeburt Hitlers wittern, loben den Terror als "feuriges Spiel" (Sören Kohlhuber).

Fans, die Pyro zünden, sind nämlich "mehr Fans, als die Hoschis, die bei einer anbahnenden Niederlage vor dem Ende das Stadion verlassen".

Dienstag, 15. August 2017

Trump: Menschenmüll als Beitrag zur Debatte

Nicht mal distanziert hat er sich, der Donald Trump, nachdem ein verwirrter Einzeltäter in Charlottesville mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren ist. Glücklicherweise war der Dieselskandal schon abgeflaut und die Affäre um die Fipronil-Eier auserzählt, so dass genug Platz war, nach Wochen zunehmender Trump-Ermattung endlich mal wieder draufzuhauen auf den entgegen früherer Voraussagen hartnäckig weiter im Amt befindlichen US-Präsidenten.

Immer vorn dabei ist die von der FAZ als linkes Wutblatt neu etablierte Frankfurter Rundschau, deren Bemühungen im Kampf gegen Trump nur noch vom Hamburger "Spiegel" übertroffen werden. In immer neuen Holzschnitten sind immer neue Autoren bemüht, das Nischenblatt, das zuletzt vor vier Jahren eine offizielle Auflagenzahl meldete (damals noch 87.000), als Sturmgeschütz gegen den "irren" (FR) Amtsinhaber zu etablieren. Wüste Beschimpfungen beim kleinsten Anlass, absichtliche Übersetzungsfehler Falschübersetzungen, klinische Ferndiagnosen von Hobbypsychologen und offene Hetze - jedes Mittel ist recht, dem Weltverderber die miese Maske vom Gesicht zu reißen.

Nach Charlottesville macht sich ein Sebastian Moll daran, mitten im wild tobenden deutschen Wahlkampf die wichtigste Frage zu beantworten: "Wann ist Amerika verrückt geworden?" Dazu führt der ehemalige Sportreporter die Kategorie des "denkenden Amerikaners" ein, dem "nach Trumps Nordkorea-Äußerungen und der Relativierung rechtsradikaler Gewalt" die Sinne schwinden. Eine "neue Stufe" ist erreicht, im denkenden Amerika "herrscht Alarmstufe Rot" und der frühere Musikkritiker Tom Piazza twittert: „Die Leben von Millionen von unschuldigen Menschen sind wegen dieses Stück menschlichen Mülls im Weißen Haus in Gefahr. Er muss sofort aus dem Amt entfernt werden, bevor er uns noch weiter in diesen Abgrund führt.“

Auf Piazza, der seit seinem Wechsel in die Schriftstellerei Bücher über die Opfer von Hurrikan Katrina schreibt, die ihn für Moll in der Vergangenheit zu einem Kronzeugen für die Unmenschlichkeit des Wiederaufbaus der flutzerstörten Stadt machten, hört natürlich niemand. Beträfe sie nicht Trump, würde die menschenverachtende Menschenmüll-Formulierung dem Buchpreisträger vermutlich sogar um die Ohren fliegen. So wird sie von US-Medien einfach nicht zur Kenntnis genommen - was die FR nicht hindert, sie zu zitieren wie einen ernsthaften Beitrag zur Debatte.

Die Trump dann auch noch zerstört, als habe er nur darauf gewartet, dass sich alle seine Kritiker aus den Büschen begeben und wie die Rohrspatzen schimpfen. Neun Stunden nach Molls Versuch, die Reaktion des Präsidenten zu pathologisieren, beliebt es Donald Trump, "die „rassistische Gewalt“ vom Samstag in Charlottesville doch noch deutlich zu verurteilen" , wie das FR-Mutterblatt FAZ formuliert.

Die FR ätzt danach, Trump habe die Verurteilung vom Teleprompter abgelesen.

Ein Gerät, von dem Vorgänger Barack Obama selbst das "Guten Abend" buchstabierte.

Schmalbart: Ganz schmale Kost

Das deutsche Breitbart von links heißt Schmalbart und liegt im Koma.

Ein "Netzwerk von Menschen"  wollte der Internet-Unternehmer Christoph Kappes gründen, die alle zusammen Front machen gegen die verhängnisvolle Propaganda des rechten US-Medienunternehmens Breitbart. Das hatte nach deutschen Medienberichten gerade dafür gesorgt, dass Donald Trump trotz anderslautender Beschlüsse in Hamburg, Berlin und München US-Präsident geworden war.

In Deutschland sollte das nicht passieren - und sicherstellen sollte das schmalbart.de, eine Mitmach-Seite für Gegenpropagandisten, "offen für andere, die mitmachen wollen", aber einig darin, "Grenzen zu ziehen, wenn Unwahrheiten und Verdrehungen oder gar Fälschungen verbreitet werden".

Schmalbart richtete sich gegen "Volksverhetzung, Rassismus, Antisemitismus und jede andere Art von Menschenfeindlichkeit" und sammelte erstmal Geld für diesen wichtigen Kampf. "Wir sind dort, wo die Menschen sind, und wir wollen ihre Sprache sprechen", kündigte Christoph Kappes an, "wir sind also zum Beispiel auf Facebook, auf Youtube und auf Twitter und wir werden an den Stellen im Netz sein, wo die Diskussionen sind."

Große Pläne, aus denen acht Monate später alle Luft gewichen ist. Auf Facebook ist Schmalbart eine Leiche, auf der von Freiwilligen finanzierten Internetseite sind zwei Artikel aus Mai und Juni, die sich auftragsgemäß mit "Hetze, Hatespeech oder Hass" und "Nationalromantik" befassen, die letzten Lebenszeichen einer augenscheinlich jung verstorbenen Idee.

Dabei war die Anfang des Jahres geradezu
euphorisch von den Leitmedien gefeiert worden. "Transparenz statt Pöbelei", "Mit Fakten gegen Hetze" und "Schweigende Mehrheit muss sich wehren" jubelte es da. Der staatliche Radiosender Deutsche Welle wagte einen "Besuch bei den Anti-Populisten", die "Tagesschau" gab der "Gründung eines Onlinenetzwerks gegen rechte Hetze" den höchsten Segen durch liebevolles Lob im "Hauptstadtblog".

Danach kam dann nichts mehr. Ungestört von entschiedenen Enthüllungen der Schmalbart-Macher konnte "die agitatorische Subkultur der rechtsradikalen Facebook-Gruppen rund um die AfD in ihrer a) Trivialität, b) Aggressivität, c) Borniertheit und d) Tretmühlenhaftigkeit" (Schmalbart) ihre menschenfeindliche Agenda weiterverfolgen.

Die "knapp 200 Personen" (Schmalbart), die "ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bekundet" hatten - davon gut 100 professionelle Videoproduzenten, Programmierer, PR-Berater und Suchmaschinenoptimierer (Christoph Kappes) - scheinen mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. Selbst Vox Populisti, ein Schmalbart-Projekt, das sich "mit Beiträgen und Beitragenden von publizistischen Produkten beschäftigt, die immer wieder in Populismus-Verdacht geraten", ist nach einem letzten Beitrag über Emmanuelle Macron Mitte Mai sanft entschlafen.

Gibt es keine Populisten mehr, gegen die sich zu kämpfen lohnt? Oder ist der Kampf dann doch mühsamer als die Ankündigung? "Wann kommt die Erschöpfung?", hatte Vox Populisti im April bereits gefragt, als ein "D. Grimmbold" dem Katzenkrimi-Schreiber Akif Pirincci die Maske des türkischstämmigen Wutbürgers vom Gesicht riss. "Wie lange kann man Tag für Tag, Woche für Woche Polemik, Wut, Beleidigungen und Hass ausgießen?", hieß es da fast schon prophetisch.

Länger offenbar, als man "ein Aufklärungsportal" (Schmalbart) betreiben kann, das sich "unter anderem mit Veröffentlichungen des Kopp Verlags und des Online-Blogs Politically Incorrect auseinandersetzt" (Kappes).

Montag, 14. August 2017

Abenteuer Mittelstand: Braten bis zum Broiler

Wissen Sie, eigentlich bin ja Chemiker. Aber wenn Sie so wollen, arbeite ich als Sonnenstudiobesitzer. Nach der Wende war hier nämlich Schluss mit der Großchemie, da musste man sehen, wie es weitergeht. Ich bin über einen Kumpel auf die Sonnenbanksache gekommen, der hat da die Regionsvertretung gemacht und mich irgendwie reinrutschen lassen. Ich sage immer, das ist mein Traumberuf. Denn wenn so ein Laden erstmal läuft, dann läuft er. Ich bin drei, viermal am Tag kurz hier, nach dem Rechten gucken, das jetzt aber bitte nicht politisch verstehen. Den Rest machen meine Mädchen.

Hühnchen & Broiler


Ich sage immer, ich habe zwei Sorten Mädchen: Die Hühnchen und die Broiler. Die Hühnchen sind die, die ich bezahle, die Broiler die, die sich auf unsere Bänke legen und uns bezahlen. Klar, natürlich, alle Hühnchen sind auch Broiler, Ehrensache, das gehört zum Job. Sie können da keine bleiche Leiche hinsetzen, schließlich. Wie sähe das denn aus? Aber die Broiler sind deswegen nicht alle Hühnchen, wenn Sie verstehen, was ich meine. Das sind Kunden, wir sind Dienstleister für die, sage ich immer. Meine Hühnchen habe einen Traumjob, das können Sie mir glauben. Was machen die denn? Bisschen die Bank abwischen, bisschen Kaffee kochen, bisschen Rumschwatzen. Kommt gleich nach Spielerfrau, sage ich immer, nur dass die die Kinder nicht mit ins Studio bringen können.

Klar, schießen sie immer mal gegen unsere Branche. Gesundheitsgefährdend und krebserregend. Alles Unsinn. Bei mir hat noch keiner Krebs bekommen, in 24 Jahren nicht! Unsere Liegen, da ist alles neuester Stand, sage ich immer. Nicht wie bei den billigen Heim-Solarien, wo Sie aufwachen und gleich einen blubbernden Leberfleck auf der Stirn haben. Wenn einer hier kommt, und die Zehnerkarte in einer Woche verbrät, dass es nur so qualmt, da können Sie wetten, dass meine Mädchen den anschließend ein paar Tage zum Abkühlen schicken.

Aber das Makroökonomische und das Mikroökonomische, sage ich immer, also diese beiden spielen gegen uns, gegen die ganze Branche, die ganze Idee. Wissen Sie, das mit dem Klimawandel, dass es immer heißer wird und so, also das steckt ein gut geführtes Studio weg. Ich sage immer: Einer von tausend tut es, und der ist meistens eine Frau. Eine Frau aber geht ins Sonnenstudio, weil es da zu Schwatzen gibt und Kaffee und eine Zigarette dazu, Sonnenbank auch, natürlich, klar, sage ich immer. Aber die Sonnenbank ist nicht der Grund, sondern der Anlass, verstehen Sie?

Nach dem Freibad ins Sonnenstudio


Wenn es wärmer wird, kommen natürlich weniger. Oder kennen Sie jemanden, der nach acht Stunden im Freibad ins Sonnenstudio geht? Die paar, die das machen, müssten auf der Bank übernachten, und als Besitzer könnten Sie davon immer noch nicht leben.

Aber, sage ich immer, es gibt eben gute Monate und bessere. Allerdings bin ich ausgerastet, als sie an die Parkplätze vor der Studiotür ein „Parken verboten“-Schild gestellt haben. Stellen Sie sich das mal vor, Sie kommen da Montagmorgen an, pfeifen ein Liedchen und die Welt ist schön, und auf einmal Ihre Parkplätze sind weg. Ich habe angerufen, ich gebettelt, gebrüllt und gefleht. Aber denken Sie, das interessiert jemanden? Klar, sage ich immer, die Steuern von uns, die nehmen sie gern. Aber einem helfen, damit man sie zahlen kann? Da haben die Herren aber Besseres zu tun.

Ich bin auf dieses Amt, bringt aber nichts. Können Sie vergessen. Sie reden da mit Leuten, die haben von Wirtschaft so viel Ahnung wie von komplexen Katalysatorsystemen in der Großchemie. Das ist ja nun mein Fach, verstehen Sie? Dass so ein Parkplatz der Katalysator dafür ist, dass auch jemand auf der Sonnenbank liegt, das geht in die Köpfe nicht rein.

Wissen Sie, man kann das verkraften. Wenn ein Studio gut geführt ist, steckt es solche externen Schocks weg. Ich sage immer, „Sonne muss sein, wenns regnet komm rein“ und das glaube ich auch. Wer sich´s schön denkt, der kriegst auch schön. Es sind ja Parkplätze in der Nähe, da müssen die Broiler zwar zahlen, aber wir erstatten das dann. Treibt die Kosten, klar, sage ich immer, aber für meine Kunden ist mir nichts zu teuer.

Dann haben sie aber natürlich auch noch verboten, dass sich Jugendliche sonnen. Als kämen die bei der ganzen Computerspielerei überhaupt noch in die Sonne. Dazu müssen Sie wissen – Jugendliche kommen nicht so viele, die können sich das ja gar nicht leisten. Sechs Euro für elf Minuten 10.500 Watt? Da fragen Sie mal so eine Friseusen-Azubine, die zeigt Ihnen den Piep. Die muss erstmal ihre Handyrechnung bezahlen und dann noch das Nagelstudio. Das fällt also nicht so sehr ins Gewicht, sind nur ein paar Sportler, Fußballer, Tänzerinnen, so diese Klientel, die dadurch rausfällt. Und was sollen wir da machen? Nach dem Ausweis fragen? Bin ich die Polizei oder was?

Die Broiler rauchen alle


Das nächste ist aber schon Arbeit, ich hab das im Urin. Wissen Sie, die Broiler rauchen ja alle. Oder andersherum: Weil Sie rauchen, sind ja überhaupt erst Broiler. Die Qualmerei macht die Haut grau, wir brutzeln Sie dann wieder ein bisschen auf. Knackbraun, sage ich immer, aber jetzt bitte nicht politisch verstehen. Danach Käffchen, Schwätzchen und eine rauchen im Eckchen. Aber nun passen Sie auf: Als nächstes, das ist mir, ich muss das mal so sagen, sonnenklar, kommt die Gesundheitswarnpflicht für Sonnenstudios! Jede Wette! Und ein Kaffeeausschankverbot für Studios ohne separate Damen- und Herrentoilette. Und eine Pflicht zur Gesundheitsberatung nach Hauttyp.


Gut, werden Sie sagen, ein gut geführtes Studie steckt so was bestimmt weg. Klar doch, sage ich immer, das Geheimnis ist das Management. Finger auf jeden Posten, wie Lenin gesagt hat. Was machst Du aber, wenn Du Dein Management gar nicht mehr selber machen kannst? Wenn das alles in Berlin gemacht wird? Was denn dann? Ich kann nicht zurück in die Chemie, das ist klar, oder. Die Hühnchen, die kümmert das nicht. Die bekommen für das bisschen Rumgackern, Bankabwischen, Käffchenkochen und Rauchen vierfünfzig die Stunde und staunen Deinem Saab-Cabrio hinterher.

Ja, Hühnchens, sage ich immer, vierfuffzich ist nicht die Welt, aber woanders müsstet ihr dafür arbeiten! Wissen Sie, die haben mit Schichten tausendnochwas im Monat und für Steuern geht da kaum was ab. Da müssten Sie bei mir mal gucken! Ins Knie beißen würden Sie sich. Und beschwert hat sich in 17 Jahren keine, nicht ein Wort, wirklich. Trotzdem soll das jetzt zu wenig sein. 7,50 Mindestlohn müssen es sein. 7,50! Für Sonnenbankservicefachangestellte. Wissen Sie, das können Sie gar nicht bezahlen. Wovon denn?

Bitte unterstützen Sie die Bundesregierung im Kampf gegen Fake News und teilen Sie diese Warnung!

Martin Schulz: Auf seinem eigenen Planeten

In seiner eigenen Welt wird Martin Schulz Bundeskanzler.

Es steht schlimm um die SPD, schlimm um "Steuermann" (SPD) Martin Schulz und seine Chance auf den Platz im Bundeskanzleramt. Zwar kann seine SPD in einer jüngsten Hokus-Pokus-Umfrage des Institutes Forsa innerhalb der Fehlertoleranz um einen Zähler auf 24 Prozent zulegen und den Rückstand auf die Union damit auf 14 Punkte verkürzen. Doch anders gesagt fehlen Martin Schulz rund ein Drittel Stimmen, um Angela Merkel den Kanzlersessel doch noch abzujagen.


Den imaginären Punkt, den die SPD holt, verlieren die Grünen. Rotgrün käme damit derzeit nur auf 31 Prozent – selbst zusammen mit der Linken (unverändert zehn Prozent) würde das nicht für einen Bundeskanzler Schulz reichen.

Der Kandidat aber lebt inzwischen ganz und gar auf seinem eigenen Planeten. "Ich rechne damit, dass ich gute Chancen habe, der nächste Bundeskanzler zu werden", hat der moribunde SPD-Vorsitzende das staatliche ZDF jetzt "trotz alledem und alledem" (Ferdinand Freiligrath) wissen lassen. Selbst der vom  ZDF gestellte Moderator Thomas Walde, dem kleinen Männlein, das neben ihm die Berliner Mauer abschreitet, sichtlich gewogen, muss sich da das Lachen verbeißen.

Schulz, in seinen Jahrzehnten in der zweiten und dritten Reihe der Politik darin geübt, erwartungslos auf die Zukunft zu schauen, lebt sechs Monate nach seiner Ernennung zum Kanzlerkandidaten durch Sigmar Gabriel in einer eigenen schrägen Welt mit einer eigenen absurden Logik. Er hat keine Chance, aber "sechs Wochen Zeit". Teicht, sagt Schulz, der seiner Konkurrentin in sechs Monaten keinen Zentimeter nähergekommen ist.

Beim Aufsagen seiner Sprechblasen ins ZDF-Mikrophon lässt der Merkel mit Bart keinen Zweifel daran, dass es ihm mittlerweile völlig egal ist, ob die Leute ihn für größenwahnsinnig, schwer krank oder bedauernswert unterinformiert halten. Er salbadert vor sich hin, lobt die SPD, lobt Willy Brandt (zweimal) und rechnet alles, was jemand gut finden könnte, Sozialdemokraten zu, auch wenn er dazu Arbeitsminister wie Müntefering und Nahles zu Begründern des deutschen Wohlstandswunders erklären muss, das allenfalls die für die Wirtschaft zuständigen Wirtschaftsminister für sich reklamieren könnten.

Es ist Selbstverleugnung bis zur Schamlosigkeit, mit der Schulz dem CSU-Verkehrsminister Dobrindt den "gescheiterten" (Schulz) Autogipfel zuschiebt, die miteinladende SPD-Umweltministerin Hendricks dagegen als "sie ist da hingegangen" aus der Verantwortung nimmt. Unter dem Tisch wippen und wackeln Schulzens Beine hektisch. Der künftige Kanzler ist nervös, die Bäckchen strahlen rot, er glaubt sich selbst nicht mher und muss doch weiter das Lied vom nahen Sieg singen, immer lauter, immer misstönender.

Den roten Sheriff gibt es dann auch noch, später, im Nachtprogramm, wo ihm RTL einen zweiten Sendeplatz zur Verfügung stellt. Nun schon jenseits jeden Kontaktes zu irgendeiner Realität, selbst der eigenen, dampft der "Schulz-Zug" (SPD) Nebelwolken aus. „No-go-Areas darf es in Deutschland nicht geben. Da muss der Staat sich durchsetzen“, sagt Schulz und fordert umstandslos zu direkter Gewalt gegen „Typen“ (Schulz), wie er Kriminelle nennt. Die „müssen mal richtig einen auf die Mappe kriegen, damit sie spüren, wer im Land das Sagen hat“.

Er, der Martin, nämlich. Bald. Wenn er erst Kanzler ist, gnade Euch Typen Gott!


Sonntag, 13. August 2017

Gleichstellung: Frauenquote für das Fahrerhaus

Sindy Ehmke ist eine von nur 27 deutschen Truckerinnen.
Sie gelten als "Ritter der Landstraße", breite, knorrige Gestalten, die auf ihren großen Böcken sitzen und dafür sorgen, dass selbst nach Sachsen und Thüringen begehrte waren aus dem Westen gelangen. Mehr als 40.000 Deutsche arbeiten als Lkw-Fahrer auf der Fernstrecke, dazu kommen rund 120.000 osteuropäische Kollegen. Sie alle sind jetzt ins Visier des Familienministeriums geraten, nachdem dem unerhörte Zahlen aus der Branche gemeldet worden sind.

Es ist ein Fiasko, ein Debakel, ein Offenbarungseid für 53 Jahre Gleichstellungspolitik, was die bisher noch geheimgehaltene Studie von Familienministerin Katharina Barley offenbart. Danach sind mehr als 98 Prozent aller sogenannten Trucker mit deutscher Staatsangehörigkeit männlichen Geschlechtes. Bei den in Deutschland arbeitenden Kollegen aus dem nahen EU-Ausland in die Quote sogar bei über 99 Prozent. Weit weg von der zuletzt angestrebten Ein-Drittel-Quote für Frauen, die wenigstens die Gemüter hatte beruhigen sollen.

Eine Zahl, die das Ministerium zum Handeln zwingt. Bislang gilt die deutsche Frauenquote zwar nur für die Aufsichtsräte von 108 großen Firmen, nicht für Fabriken, Ministerien oder Behörden. Doch ein Bündnis von Frauenrechtsverbänden fordert nun, sie auf alle Unternehmen auszuweiten - auch auf die Speditionen, deren Chefetagen der Frauenfrage in der Vergangenheit überhaupt keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. "Ja, wir müssen den Druck auf Vorstände erhöhen, mehr Truckerinnen einzustellen", heißt es im politischen Berlin. Tue man das nicht, könnte gerade vor der Bundestagswahl die Glaubwürdigkeit der Gender-Politik leiden.

16 Frauenverbände, die insgesamt mehr als 12,5 Millionen Frauen vertreten, haben sich in einem gemeinsamen Appell zur Bundestagswahl an die Parteien gewandt. Hinter dem Dokument steht die Berliner Erklärung, ein überparteiliches Bündnis aus Abgeordneten und Verbänden, das sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Wirtschaft einsetzt und das die sogenannte Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten von 108 börsennotierten Unternehmen in Deutschland in Gang gesetzt hat. Jetzt geht es den Aktivisten um den Kampf um die Lkw-Kabine: Die Frauenquote solle vom 1. September an auch dort gelten, lautet die Hauptforderung. Zudem müsse perspektivisch auf eine volle Gleichberechtigung von 50:50 hingearbeitet werden.

Für Speditionsunternehmen, die die Quote nicht einhalten, müsse es, so die Aktivisten, künftig wirksame Sanktionen geben, unter anderem Geldbußen. Die künftige Regierung solle einen nationalen Aktionsplan entwickeln, damit diese und weitere Maßnahmen möglichst bald umgesetzt werden. Unterzeichner des Forderungskatalogs sind unter anderem der Deutsche Frauenrat, der Verband deutscher Unternehmerinnen und der Deutsche Ärztinnenbund. Das Dokument soll bis Donnerstag führenden Politikern von SPD, CSU, Grünen, Linker und FDP übergeben werden.

Russen provozieren mit krudem Besuchswunsch

In Berlin scheint die Sonne, die Temperaturen liegen bei mehr als 25 Grad - der Sommer ist endgültig da. Doch die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind immer noch eisig. Putins Außenminister Sergej Lawrow hat in den Terminplan seines Deutschlandbesuches, der das seit der Ukraine-Krise zerschlagene Porzellan kitten sollte, überraschend ein Treffen mit Vertretern der rechtsfaschistischen AfD und von Pegida in Dresden eingefügt.


Eine gezielte Provokation, die sich Lawrow offenbar bei seinem deutschen Amtskollegen Sigmar Gabriel abgeschaut hat. Der wollte sich im Frühjahr auf seiner Nahostreise mit Vertretern zweier israelischer Menschenrechtsorganisationen treffen, die Israels Besatzungspolitik kritisieren. Gabriel zielte dabei auf innenpolitischen Distinktionsgewinn: Am rechten und am linken Rand wird Israelkritik in Deutschland immer noch mit Begeisterung gesehen. Begeisterung, von der die SPD im anstehenden Wahlkampf zu profitieren hoffte.

Netanyahu ließ damals im Frühjahr seinen Termin mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden platzen. Daheim aber wurde Gabriel planmäßig für seine "Konsequenz" gefeiert. Auch Kanzlerin Angela Merkel positionierte sich entschlossen an der Seite des Wahlkämpfers Gabriel.

Sergej Lawrows Versuch, seine deutschen Gastgeber nun gleichermaßen zu piesacken, wird in Berlin als billige Retourkutsche bezeichnet. Der Russe, der als treuer Gefolgsmann des Pegida-Gründers Putin gilt, beharrt trotz aller Proteste der deutschen Partner darauf, Rechtsaktivisten von AfD, Pegida und anderen populistischen Gruppen zu treffen. Es handele sich um "Teile der Zivilgesellschaft", verharmloste die russische Seite im Vorfeld. Ein Eklat.

Aber wer sind diese Gruppen - und warum bringen sie die Bundesregierung so in Rage?


In Deutschland werden Regierungskritiker gewöhnlich als "Rechtspopulisten" bezeichnet, also als grundsätzlich hinterlistige Menschen, die ausschließlich darauf aus sind, mit falschen Argumenten eine falsche Politik zu vertreten, um einfache Bürger zu verführen und sich hörig zu machen. Es gibt bei dieser Betrachtungsweise keine Ausnahmen, wer nicht für uns ist, ist gegen uns, wer grundsätzlich andere Ansichten vertritt, ist ein Zweifler, Hetzer oder Hasser und darf durch einen öffentlichen Dialog nicht aufgewertet werden. Vor allem die Politiker der AfD gelten vielen Kollegen in den Regierungsparteien, aber auch bei der Oppsition, die auf dem Boden der FDGO steht, als Nestbeschmutzer, die im Sold Moskaus Unwahrheiten verbreiten. Seriöse Politiker werfen ihnen immer wieder öffentlich vor, die EU anzuzweifeln, den Euro abschaffen zu wollen und die Ideale der Gründerväter der Montanunion zu verraten.

Noch schlimmer steht es um die zuletzt schrumpfende Gruppe Pegida in Dresden, die sich mit dem gleichen Vorwurf konfrontiert sieht, allerdings auch von vorbestraften Kriminellen geführt wird. Die nach verschiedenen Berichten bereits 1989 vom KGB gegründete Vereinigung brüllt Politiker nieder, fordert Rücktritte und zeigt öffentlich Galgen. Damit will sie die Flüchtlingspolitik der Regierung ändern, die jedoch alternativlos ist. Lawrow betonte demgegenüber, es sei "weder ungehörig noch ungewöhnlich noch überraschend", dass er sich auch mit Kritikern der Bundesregierung treffen werde. Die aktuelle Regierung sei nicht Deutschland, auch wenn sie das gern so darstelle. Vielmehr seien auch Pegida und die AfD das sogenannte "Volk".

Zu den Unterstützern dieser beiden Gruppen mit Sitz in Sachsen zählen neben verführten Privatleuten auch schmuddelige Hetzer wie der Katzenkrimiautor Akif Pirincci und der holländische Hasser und Europagegner Wilders. Bei ihrer Arbeit werden die Aktivisten in der Regel von der Gruppe „Durchgezählt“ beobachtet. Mit ihren Aktionen und Veröffentlichungen gelten die Montagsdemonstranten als radikale Aufrührer, auch ein Besuch von Sigmar Gabriel, der einmal selbst nach den Rechten schaute, änderte daran nichts.



Samstag, 12. August 2017

Tarnschwurbeln: Wörterbuch Mann - Wirklichkeit

Dank Tarnschwurbeln - man kann es nicht lesen, versteht aber trotzdem, worum es geht.
Wenn eine Zeitungsanzeige "blaue Fliesen" anpries, wusste zu DDR-Zeiten jeder, dass da jemand Westgeld tauschen wollte. Der Code war allgemein bekannt, er las sich weg wie Klarschrift, niemand benötigte eine Übersetzungshilfe. Der Staat, der sich mit eigens eingeführten Forum-Schecks bemühte, den Schwarzmarkt für Devisen auszutrocknen, schaute hilflos zu: Tat er was, tat er das Falsche, tat er nichts, war das auch verkehrt. Also tat er so, als habe er nichts verstanden. Seine Parteizeitungen taten so, als wüssten sie von nichts. Und seine Bürger taten so, als hätten sie nichts getan.

Etwas mehr als ein Vierteljahrhundert hat es gedauert, bis diese Verhältnisse lebensecht rekonstruiert werden konnten. Inzwischen aber darf Vollzug gemeldet werden: Medial ist die Wirklichkeit wieder dick angezogen, damit sie sich nicht erkälten kann. Der alltagserfahrene Leser aber, der schon länger hier lebt, versteht es, die neuen Codes ebenso leichthin zu lesen wie einst das Tarnschwurbeln unter Honecker.

Das Beeindruckende am neuen Neusprech ist die unglaubliche Komplexität der Verschlüsselung, die im Gegensatz zu den aus heutiger Sicht hilflos anmutenden Versuchen in der DDR ganz ohne verfängliche Code-Worte auskommt. Sprachforscher der Hochschule für Gestalt und Gestaltung in Gera haben unter Zuarbeit der Schweriner Gebärdendolmetscherin Frauke Hahnwech eine typische Zeitungsmeldung aus dem Berliner Boulevardblatt BZ analysiert und die geheimen Algorithmen markiert, über die sich Autor und Leser miteinander verständigen können, ohne den Gegenstand ihres Gesprächs direkt zu benennen.

PPQ veröffentlicht die linguistische Analyse zum Text, der mit seinem Titel "Mann schlägt 28-Jährige im BVG-Bus, mehrere Frauen helfen ihm" bereits signalisiert, worum es geht. Der allseits gebildete Leser wird nach der Lektüre des Textes zweifellos komplett über das Geschehen und seine Hintergründe im Bilde sein, obwohl der Schreiber sich bemüht hat, alle zum Verständnis des Ereignisablaufes eigentlich notwendigen Fakten nicht zu nennen.

Dabei bedient er sich eines aus der Forschung bekannten Tricks, den bereits 1979 eine englische Doktorarbeit mit dem Titel „The Significance of Letter Position in Word Recognition“ beschrieb: Danach sind auch Reste von Inhalten in Texten komplett verständlich, wenn der Inhalt nicht völlig falsch ist. Der geübte Leser liest dann nicht mehr Wort für Wort in seiner ursprünglichen Bedeutung nacheinander wie ein Mensch, der noch nicht so lange hier lebt, sondern erkennt das Wort und erfasst seine hier gemeinte doppelte Bedeutung sofort.

Im Selbsttest, den die Forscher aus Gera PPQ zur Verfügung gestellt haben, kann das jeder ausprobieren:

Eine 28-Jährige wurde in einem Nachtbus der Linie N6 erst von einem Mann "angemacht". Als sie in Ruhe gelassen werden wollte, wurde sie von mehreren Frauen und einem Mädchen attackiert. Zeugenaussagen zufolge war die 28-Jährige gegen 2.30 Uhr in einem BVG-Bus der Linie N6 unterwegs, als sie ein fremder Mann ansprach. Dieser machte ihr Avancen, wie die Polizei berichtet und habe versucht sie „anzumachen“.

Als sie den Unbekannten aufforderte, sie in Ruhe zu lassen, brach ein Streit aus. In diesen mischten sich auch mehrere Frauen im Alter von 65 und 16 Jahren und ein zwölfjähriges Mädchen ein. Diese gehörten „augenscheinlich zu dem Mann“ dazu, so die Polizei weiter.

Die 65-Jährige drohte der 28-Jährigen, sie mit einem Schuh zu schlagen. Der Mann packte die Frau an den Haaren und schlug ihren Kopf gegen die Sitze. Anschließend schlugen die Jugendlichen und das Mädchen auf die junge Frau ein.

An der Haltestelle Müllerstraße Ecke Gerichtstraße stiegen der Mann, die Frauen und das Mädchen aus und flüchteten. Alarmierte Beamte konnten die 65-Jährige, die Jugendlichen und das Mädchen in der Nähe feststellen. Nach Überprüfung ihrer Personalien wurden sie wieder entlassen.

Der Mann konnte unerkannt flüchten. Die 28-Jährige wurde leicht verletzt.




EU für mehr Eurofilme: Warum nicht wieder 60/40?

Die amerikanische Unkultur soll europäischen Filmfreunden künftig zumindest teilweise erspart bleiben.

Die EU schraubt an neuen Auflagen für Inhaltsangebote wie Netflix, Amazon Prime & Co. Können die Anbieter derzeit noch schrankenlos und ohne rechtliche Einschränkung ihren Ami-Müll in Europas wehrlose Wohnzimmer verklappen, will der Kulturausschuss des EU-Parlaments künftig eine rote Linie einziehen: Die neue "Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste" wird nachgeschärft. Nach Inkrafttreten müssen künftig 30 Prozent der Inhalte auf Streaming-Portalen aus Europa kommen.

"Einsatz Hafenkante" statt "Narcos", der Fernsehgarten statt "Bosch", "Mord mit Aussicht" anstelle von "Hand of God". Wunderbare Aussichten für alle, die amerikanische Unkultur ablehnen. Aber reicht die Maßnahme wirklich aus?


Sie ist zweifellos wegweisend und im Sinne aller "Tatort"-Fans, die ihre Lieblinge auf den großen Plattformen bisher schmerzlich vermissen. Doch warum nur 30 Prozent? Hat nicht die einstmalige DDR mit einer harten 60/40-Regelung hervorragende Erfahrungen gemacht? Ist nicht die starke europäische Filmindustrie leicht in der Lage, dem endlosen Zustrom von billigem Hollywood-Müll, der fern ist von jeder europäischen Lebenserfahrung, eigene, hochwertige Filmkunst entgegenzusetzen? Um so auch einer gemeinsamen europäischen Identität den Weg zu ebnen?

Horst Schrotmann verantwortet im Bundesblogampelamt (BBAA) im mecklenburgischen Warin den Bereich Inhalteherstellung, der 56-Jährige verdienst sich seine ersten Sporen seinerzeit beim staatlichen Komitee für Unterhaltungskunst der DDR und er war dabei, als mit der Anordnung über die Programmgestaltung bei Tanz- und Unterhaltungsmusik des Ministeriums für Kultur der DDR der ausländische Anteil am Repertoire der DDR-Unterhaltungskünstler auf 40 Prozent begrenzt wurde. Schrotmann erinnert sich: "Als Folge der 60/40-Regel wurde die eigenständige Entwicklung der Pop- und Rockmusik der DDR gefördert", sagt er, "wir verdanken dieser Maßnahme heute noch Hits wie ,Über sieben Brücken " und "Erna kommt".

Ein Beispiel, das bei der Reform der "Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste" hätte Schule machen können. Doch der EU-Parlamentsausschuss hat die Pflichtgrenze für europäische Inhalte im Rahmen der neuen "Buy european"-Kampagne auf künftig 30 Prozent festgelegt - ein Wert, den Horst Schrotmann scharf kritisiert. "Ein Drittel eigener Filme wird nicht reichen, um wirklich einen Schub auszulösen", glaubt er. Dass die US-Portale sich künftig zwangsweise an europäischen Filmfördersystemen beteiligen müssen, hält er hingegen für zukunftsweisend. "Es ist nur gerecht, dass derjenige, der mit der Verbreitung von Kulturgütern an europäische Zuschauer Geld verdient, auch für den Fortbestand dieses Kulturgutes hier in Europa mit verantwortlich ist."

Wichtig sei nun, dieses Konzept auszuweiten. "Ich könnte mir vorstellen, dass auch die europäische Musikindustrie eine neue Blüte erleben würde, wäre nur genug Geld da, um einheimische Künstler mit namhaften Beträgen fördern zu können." Eine 60/40-Regelung würde die für diesen Zweck verfügbaren Beträge im Vergleich zur anvisierten 30/70-Regelung verdoppeln. "Deshalb sollte die EU hier keine halben Sachen machen", mahnt Horst Schrotmann.

Freitag, 11. August 2017

Zitate zur Zeit: Männer im Hohen Haus

Es gibt große Männer in diesem Haus, Männer, deren Tätigkeit die Stadt erstrahlen lässt. Den meisten anderen hingegen fehlt jedwede Stärke. Sie bedienen sich der Macht des Senats, um ihren eigenen Reichtum und Einfluss zu mehren.

Darüber muss man sich einfach im Klaren sein. Der Senat ist weder böse noch heilig, sondern eine Mischung aus beidem - wie alles andere, dem wir in unserem Leben begegnen.

Conn Iggulden, Imperium

Absage an Pauschalurteile: Auch viele friedliche Rechtsradikale!

Gegen Pauschalurteile: Die fröhlichen Schneeballschlächter wurden durch Hitlers Überinterpretation des Nationalsozialismus radikalisiert.
Pauschale Urteile, Überzeugungen, gewonnen ohne eigene Einsicht, eine globale Verdammung, die sich gegen eine ganze Gruppe von Menschen richtet, obwohl stets nur Einzeltäter hier Schuld auf sich laden. Thomas Oppermann (SPD) hat seine letzte Rede im Bundestag genutzt, dieses unsägliche Verhalten weiter Teile der Gesellschaft entschieden anzuprangern. Oppermann, selbst wegen seiner zwielichtigen Rolle in der Edathy-Affäre in Bedrängnis geraten, nahm kein Blatt vor den Mund. Er forderte mehr Differenzierung, einen klareren Blick auf Verantwortliche und Mitläufer - vor allem aber plädierte er für mehr Verständnis, um Ausgrenzung radikaler und extremistischer junger Menschen zu verhindern.

PPQ dokumentiert die wegweisende Rede im Wortlaut:


Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Mit dem Angriff auf Polen wollten die Nazis 1939 nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa Angst und Schre­cken verbreiten. Das war ein Angriff auf den freien Westen, das war der Versuch, freie Menschen in einer offenen Gesellschaft einzuschüchtern, aber das ist den Nazis nicht gelungen; sie haben ihr Ziel nicht erreicht.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Dr. Anton Hofreiter [Bündnis 90/Die Grünen])

Denn die Sowjetunion, die Briten und unsere amerikanischen Freunde haben die stärkste Antwort gegeben, die man sich vorstellen kann. Sie ha­ben nicht nach Vergeltung und Rache gerufen, sie haben nicht den Polizeistaat gefordert, sondern Millionen sind an die Front gegangen, um zu kämpfen und um klar zu zeigen: Wir lassen uns von den Nazis nicht spalten, wir stehen zusammen, wir bieten dem Terror die Stirn, und wir verteidigen die Freiheit, die Demokratie und die Menschlichkeit.

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)

Vor allem die Sowjetunion, die die Hauptlast des Krieges schulterte, hat damit der Welt eindrucksvoll gezeigt, dass Freiheit und Demokratie stärker sind als die zerstö­rerischen Kräfte von Terror und Hass. Ich finde, dafür müssen wir den Alliierten dankbar sein.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Bündnis 90/Die Grünen)

Die Ereignisse von vor 70 Jahren lenken den Blick auch auf die Situation der Nazis in Deutschland heute; denn sie haben es in diesen Zeiten schwer. Ihr Glaube, ihre Ideologie, der Nationalsozialismus, wird durch die tägliche Berichterstat­tung über den von Hitler (Rufe aus de SPD-Fraktion: "Einzeltäter! Einzeltäter!") vom Zaun gebrochenen Krieg nur noch in der hässlichen Fratze des Hitlerfaschismus darge­stellt und wahrgenommen. Abend für Abend, wenn der Führer wieder durch irgendeine Dokumentation geistert, setzen sich diese Bilder in den Köpfen fest.

Dass sich die Nazischläger auf den Nationalsozialismus berufen und damit das Empfin­den vieler friedlicher Rechtsradikaler mit Füßen treten, das ist eigentlich schon schlimm genug. Wenn jetzt aber Millio­nen friedfertiger Rechter in Deutschland in einen Topf mit Nazis geworfen werden, die Verbrechen begangen haben (Rufe bei den Grünen: "NSU!"), dann ist das eine un­verantwortliche politische Brandstiftung.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Bündnis 90/Die Grünen)

Wir alle wissen: Das kann leicht zu einer Eskalation der Gewalt führen. Deshalb müssen wir uns jetzt vor die vielen, vielen friedfertigen Rechten stellen.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Bündnis 90/Die Grünen und des Abg. Stefan Liebich [Die Linke])

Die Gegendemonstranten gegen die Organisation Pegida und ihre Demonstrationen for­dere ich auf, endlich aufzuhören mit der Stimmungsma­che gegen Andersgläubige und gegen Menschen in Deutschland, die friedlich ihrer zumeist rechtskonservativen oder rechtsradikalen Gesinnung Ausdruck verleihen.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der Linken und des Bündnis 90/Die Grünen)

Diese Leute hätten dem Bundespräsidenten zuhören sol­len, als er am Dienstag auf dem Pariser Platz gesagt hat: Egal ob Rechte, Juden, Christen, Muslime oder Nichtgläubige: „Wir alle sind Deutschland!“ – Das sollten sich die Kritiker von Pegida zu Herzen nehmen.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Ich freue mich, dass am letzten Montag 135 000 Menschen in Dresden, Leipzig, in München, in Hannover, in Berlin und in an­deren Städten auf die Straße gegangen sind und für ihre Meinung demonstriert haben. Das zeigt, dass die demokratische Mitte in Deutschland die unsäglichen Aktionen von Hitler nicht widerspruchslos allen Rechten zuschreibt.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Bündnis 90/Die Grünen])

Aber wir müssen uns auch fragen, warum sich drei junge Menschen aus Deutschland der rechten Terrorgruppe NSU angeschlossen haben. Der rechte Terror übt mit seiner Ideologie von Gewalt, Macht und Märtyrertum offenbar eine große Anziehungskraft auf junge Menschen aus. Unter dem Deckman­tel der Ideologie nutzt er die Schwäche junger Menschen. Wer keinen Schulabschluss hat, wer keine Arbeit findet, wer ein schwaches Selbstwertgefühl besitzt, wer sich ausgegrenzt fühlt, in Sachsen lebt und keine Aufstiegschancen hat, der ist anfälliger für eine solche Ideologie. Die Bundeskanz­lerin hat zu Recht darauf hingewiesen, dass das in keiner Weise Terror und Gewalt rechtfertigen kann.

Aber richtig ist trotzdem: Ausgrenzung ist immer der Nährboden für Radikalisierung. Deshalb müssen wir diese Radikalisierung im Ansatz verhindern.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Deshalb ist es gut, dass die Jugendministerin die Mittel für Prävention aufgestockt hat. Wir haben alle notwendi­gen arbeitsmarktpolitischen Instrumente. Wir müssen die Jugendlichen fördern und fordern, und wir müssen sie aus dieser Ecke herausholen, bevor die rechten Brandstifter sie dort abholen können.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Bündnis 90/Die Grünen])

Dabei müssen uns selbstverständlich auch die moderaten rechten Vereinigungen und Parteien in Deutschland unterstützen.

Meine Damen und Herren, Prävention hilft vor allem auf lange Sicht. Aber im Augenblick müssen wir sagen: Was damals in Polen passiert ist, das kann überall in Europa pas­sieren. Wir hier in Deutschland hatten sicher auch Glück. Aber in den vergangenen Jahren ist es gelungen, mehrere Kriege zu verhindern. Ich habe deshalb Ver­trauen in unsere Sicherheitsbehörden und möchte ihnen ausdrücklich für ihre schwierige Arbeit danken.

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des Bündnis 90/Die Grünen])

Die Menschen erwarten zu Recht, dass wir alles tun, um uns vor einem neuen Krieg zu schützen. Eine potenzielle Gefahr sind vor allem die vielen Hooligans. Bereits vor längerer Zeit hat das Kabinett ja beschlossen, gewaltbe­reite Fußballfans in einer speziellen Datei zu erfassen und ihnen mit Hilfe von Meldeauflagen de Ausreise aus Deutschland zu untersagen. Das sind richtige und notwendige Schritte.

Gesetze allein aber genügen nicht. Ich will – das, was ich in der Zeitung über Hakenkreuze in Dresden gelesen habe, bestärkt mich darin –, dass unsere Sicher­heitsbehörden in der Lage sind, gewaltbereiten Nazis 24 Stunden am Tag auf den Füßen zu stehen. Kein gewaltbereiter Rechtsextremer darf sich in Deutschland mehr unbeobachtet fühlen, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)

Wenn die personellen Ressourcen dafür nicht ausrei­chen, dann müssen wir sie rasch erhöhen. Auch über das Thema Mindestspeicherfristen für Rechtsradikale sollten wir in der Koalition in Ruhe reden.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

(Sabine Weiss [Wesel I] [CDU/CSU]: Das stimmt so nicht!)

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des Bündnis 90/Die Grünen)

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

(Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Unser Aufenthaltsrecht ist toll!)

(Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Es funktioniert gut in Deutschland!)

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Geiernotizen zum Thema: Womit das alles nichts zu tun hat
Bitte unterstützen Sie die Bundesregierung im Kampf gegen Fake News und teilen Sie diese Warnung!

Donnerstag, 10. August 2017

Für mehr Internetsicherheit:

Ein Passwort für alle

Bundespassworte entstehen in einem geheimem kryptografischen Verfahren und sind unknackbar.

Die Vorratsdatenspeicherung nimmt den vierten Anlauf, der Rechtsstaat zeigt sich wehrhaft gegen Gerichtsurteile und Verfassungsbedenken. Was muss, das muss, und im Kampf gegen Hetze, Hass und Zweifel kommt es vor allem darauf an, zu wissen, wo Gefahren lauern. Sicherheit wird großgeschrieben, weil Rechtspopulisten die liberalen Traditionen des Westens akut bedrohen.


Um den allgemeinen Schutzgrad vor sogenannten Cyberangriffen durch überwiegend russische Hacker weiter zu erhöhen, wird das Bundesblogampelamt im mecklenburgischen Warin ab der heißen Wahlkampfphase im Sommer einen eigenen Passwort-Dienst anbieten. Gemeinsam mit der Bundesdruckerei wird die Zentralstelle für Inhaltssicherheit bei Internetinhalten ein sogenanntes "Bundespasswort" für jeden zur Verfügung stellen, der schon länger oder kürzer hier lebt und damit Teil des deutschen Volkes geworden ist. Eine Bundespasswortvergabestelle soll die sechsfach kryptografierten Passworte dann nach dem Zufallsprinzip deutschlandweit zuteilen.

Höchstes Maas an Sicherheit


Es gehe bei der großangelegten Maßnahme darum, die heute oft als zu einfach und zu unsicher eingeschätzten Passworte der Deutschen und ihrer Gäste durch sichere Alternativen abzulösen, beschreibt Herrnfried Hegenzecht, der Chef des Bundesblogampelamptes (BBAA). Zugleich sei so künftig eine „Vollprotokollierung der Telekommunikation“ auch hinter verschlüsselten Anwendungen möglich, wie sie Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und Justizminister Heiko Maas zur Sicherstellung eines hohen Maßes an Sicherheit für unumgänglich halten.

Nach dem Startschuss Anfang Juni teilt das BBAA jedem in Deutschland gemeldeten Internetuser ein Einheitspasswort zu, das dank kryptologischer Verfahren aus Raumfahrt und Tierzucht analog und digital sicher ist. Auch bei Telefonaten werden unter Verwendung eines neuen alphanumerischen Buchstabencodes dann Datum, Uhrzeit und Rufnummer beider und eventueller weiterer Gesprächspartner gespeichert, bei Mobilfunkverbindungen auch der Standort zu Beginn des Gesprächs. Die Kommunikation über das Internet wird grundsätzlich komplett erfasst, so dass Bundespasswortinhaber stets nachweisen können, was sie wann getan haben. Gespeichert werden die Anschlusskennung, die Zugangsdaten des Computers (IP-Adresse) sowie Beginn und Ende der Internetnutzung, Polizei und Staatsanwaltschaft haben in Echtzeit Zugriff auf die Daten, sobald durch die Zugriffsgenehmigungsstelle im Kreispolizeiamt ein entsprechender Beschluss ergeht.

Infoschreiben vom BBAA



In ihrem Briefkasten werden Nutzer dann ein Informationsschreiben finden, das folgenden Wortlaut hat:

Seht geehrter HerrIn,

Wir haben Sie als Nutzer von Internetdiensten erfasst und freuen uns, Ihnen hiermit Ihr neues Passwort mitteilen zu koennen.

Ihr Passwort lautet: ZIHJ_Hasenmaus881

Die Benutzung dieses neuen Passwortes ist obligatorisch. Bitte stellen Sie innerhalb einer Woche nach Erhalt dieser De-Mail alle von Ihnen benutzten Anmeldungen bei Internet-Diensten auf dieses Passwort um.

Sie sind verpflichtet, saemtliche alten Passwoerter zu entsorgen. Fertigen Sie dazu bitte einen Ausdruck an, der die alten Zugangscodes auflistet und machen Sie die Eintraege unleserlich. Die Zentrale Bundespasswort Vergabestelle bietet auf Wunsch auch einen Passwort-Recycling-Service an. Um Ihre alten Passwoerter recyclen zu lassen, schicken Sie bitte den ungeschwaerzten Ausdruck mitsamt einem frankierten Rueckumschlag, mittels dessen wir den Eingang bestaetigen, an unsere Behoerde.

Mit freundlichen Gruessen


Ihre Zentrale Bundespasswort Vergabestelle

(Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und wird nicht persönlich unterschrieben)

Fake News: Frechheiten über den Frieden

Einfach mal behaupten, irgendwer wird es schon glauben: Die EU-Kommission als Fake-News-Fabrik.
Wer glaubhafte Fake News produzieren will, muss vor allem dreist sein und konsequent auf jeden Bezug zur Wirklichkeit verzichten. Die Mondlüge, die Saga über "Chemtrails" oder auch die kürzlich verbreitete Nachricht darüber, dass jedermann ganz genau wisse, wer in Syrien Menschen mit Giftgas ermordet, beweisen, dass ein bloßes loses Anknüpfen an kleine Ausschnitte aus der Realität mit nachfolgender Erweiterung durch reine Fantasie Menschen mehr überzeugen als die reine Nacherzählung.

Auch bei der EU-Kommission ist diese grundlegende Lehre moderner Alltags-Agitation angekommen. "Die EU garantiert seit 70 Jahren Frieden", behauptet die europäische Zentralregierung deshalb auf ihrer Internetseite - für eine Gemeinschaft, die offiziell erst am 1. November 1993 - also vor nicht einmal 25 Jahren - gegründet wurde, ein recht weitreichender Griff in die Geschichte. Der Kniff: Die EU-Kommission bezieht sich hier auf die Römischen Verträge von 1957, "die den Beginn des Friedensprojektes Europa darstellen", wie sie sagt. Die seien so eine Art Startschuss für den Frieden gewesen: "Blickt man zurück, so gab es noch nie in der Geschichte Europas so lange Frieden am Stück, jetzt bereits seit 70 Jahren."

Fake News: Wenn Märchen Münze werden.
Eine Rechnung, deren Zynismus kaum zu übertreffen ist. Mitten in diese 70 Jahre fallen der französische Indochinakrieg von 1946 bis 1954, der Algerienkrieg, der von 1954 bis 1962 tobte und zum Austritt Algeriens aus der EU führte, der Spanisch-Marokkanische Krieg (1957-1958) und der zypriotische Unabhängigkeitskrieg (1955 - 1959). Auch der Niederländisch-Indonesische Krieg um West-Neuguinea (1957-1962) kommt in den historischen Betrachtungen der EU-Propagandisten nicht vor, ebensowenig der portugiesische Kolonialkrieg, der von 1961 an immerhin 13 Jahre lang tobte und mehr als 15.000 Europäer das Leben kostete.

Die EU-Kommission streicht diesen tödlichen Kampf aus ihrer Geschichte wie sie auch den Falklandkrieg streicht und die kleinen Bürgerkriege in Baskenland und Nordirland sowieso. Ausradiert aus dem Märchen von 70 Jahren Frieden in Europa werden auch der ´74er Überfall der Türken auf Zypern, schließlich ist die Türkei kein richtiges europäisches Land und auch kein EU-Mitglied. Zypern schon, aber damals noch nicht.

Allerdings versichert die EU-Kommission ja, die EU habe den Frieden "in Europa" gesichert, was angesichts des Völkermordens auf dem Balkan während des Bosnien-, des Kroatien- und des Slowenienkrieges gewagt behauptet ist, weil alle drei Ländern zweifelsohne in Europa liegen und beim blutigen Ringen um die Herrschaft dort mehr als 200.000 Menschen starben. Dasselbe trifft auch auf den Kosovo und Mazedonien zu, leider zudem auch auf die Ukraine und Georgien, alles in schreckliche Kriege verwickelte Länder in jenem "friedlichen" Europa, von dem die EU behauptet, sie habe es die letzten 70 Jahre garantiert.

Fake News, vorgetragen für alle, die generell glauben, was ihnen gesagt wird. Geprägt auf Münzen, bekommt die Friedenslüge Gewicht, als habe sie etwas mit der Realität zu tun. Hat sie nicht: Frieden in Europa war die letzten 70 Jahre lang nur, wenn die Definition von "Frieden in Europa" bedeutet, dass gerade keines der sechs Gründerländer gegen keines der fünf anderen Krieg geführt hat.

Mittwoch, 9. August 2017

Todesstatistik: Am sichersten ist es im Haushalt

Die meisten Menschen sterben nicht bei Haushaltsunfällen.

Von wegen, Fensterputzen, Stolpern, Verbrennen und Ersticken machten die heimischen vier Wände zum gefährlichsten Ort der Welt , an dem alljährlich allein in Deutschland fast 10.000 Menschen zu Tode kommen. Diese Nachrichten waren zwar im Dienst höherer Klickzahlen begeistert verbreitet worden. es handelt sich aber auch hier wieder um einen typischen Fall von Fake News, wie sie das Bundesblogampelamt im Auftrag des Wahrheitsministerium noch vor der Bundestagswahl konsequent ausmerzen wird.


Im Fall der vermeintlich tödlichen Gefahr im Haushalt zeigen alternative Fakten ein komplett anderes Bild als das von den Medien mutwillig geschürte Angstgemälde vom mörderischen Haushaltsalltag. Danach sind von den in Deutschland im Jahr 2015 insgesamt zu Tode gekommenen 925.000 Menschen nur 9.815 bei oder nach Unfällen im eigenen Haushalt gestorben.

915.000 hingegen - umgerechnet knapp 99 Prozent - kamen nicht durch Unfälle im eigenen Zuhause zu Tode.

Die Welt da draußen ist also ein sehr viel gefährlicherer Ort als die eigenen vier Wände. Obwohl das Durchschnittsalter der Deutschen steigt und alte Menschen wegen nachlassender Muskel- und Sehkraft als besonders sturzgefährdet gelten, sterben im Verhältnis zur Aufenthaltsdauer in der eigenen Wohnung kaum Menschen daheim. Viel häufiger wird etwa im - für viele immer noch als besonders sicher geltenden - Krankenhaus gestorben.

Der Versuch der staatlichen Minijob-Zentrale, durch eine Angstkampagne unter Älteren mehr prekäre Jobs für Haushaltshilfen zu schaffen, muss deshalb als das bezeichnet werden, was er ist: Ein Fall für das Wahrheitministerium, das hier schnell klarstellen sollte, wo die Grenzen freier Berichterstattung liegen.

In bester Gesellschaft: Netz ohne Brüste und Schwänze

Noch ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz von Bundesjustizminister Heiko Maas nicht endgültig scharfgeschalten, schon aber zeigen sich Internet-Weltkonzerne offen für die von der Bundesregierung geplante Sinoisierung des deutschen Hoheitsgebietes im Netz. Weltmarktführer Google etwa schreibt Werbetreibenden bereits heute vor, was deren Banner dürfen und was nicht. Für Deutschland gilt dabei, dass Google die Darstellung von Inhalten mit erotischen Texten, Bildern, Tonaufnahmen oder Videos kategorisch verbietet. Untersagt ist auch die Darstellung von Personen oder dargestellen (gezeichneten oder gemalten) Personen, die "Sexuelle Körperteile" zeigen - wie etwa "sichtbare Genitialen, Brustwarzen oder Gesäße".

Deutschland, die Nation von Freikörperkultur, Tiergartensex und unverkrampften Parkplatztreffen, zieht damit aus Sicht des US-amerikanischen Mega-Konzerns in Sachen Netzsicherheit gleich mit liberalen Nationen wie Indien, Russland und der Türkei, für die exakt dieselben Einschränkungen gelten. Keine Haut, keine Brüste, keine Schwänze. "In diesen Ländern verbietet Google die Werbung von Inhalten für Erwachsene einschließlich Nacktheit", heißt es ebenso offiziell wie rätselhaft. Deutschland, die eingebildete liberale Demokratie, wird damit auch auf der Werbeseite, was sie auf der redaktionellen Seite schon lange ist: Ein virtueller Zensurstaat, der weltweit pro Kopf seiner Bürger die meisten staatlichen Eingriffe ins Internet zählt.

Seit dem Juli 2015 fahren deutsche Behörden eine offensive Strategie zur Verfolgung von vermeintlichen Rechtsverstößen im Internet. Wie der Transparenzbericht von Google zeigt, stieg die Anzahl der von Behörden, staatlichen Auftragnehmern, Staatsanwaltschaften und Gerichten angefragten Nutzerdaten anfragen von rund 1.000 (Januar bis Juni 2011) auf fast 9.000 (Januar bis Juni 2016).

Mit den neuen Möglichkeiten, die das Netzwerkdurchsetzungsgesetz bei Strafandrohungen, Vorzensur und Löschung ohne Gerichtsbeschluss bieten wird, sollte das erst der Anfang sein.



Dienstag, 8. August 2017

Zitate zur Zeit: Eine elegante Illusion

Zäune nützen nichts: Der Bundestag setzt deshalb auf Absperrgitter.
Siehst du diese Einfriedung? Weißt du noch, dass ich dir erzählt habe, dass das Volk Roms dorthin kommt, um über die Ernennung des Senats, der Tribunen, der Quästoren und sogar der Prätoren abzustimmen?

Es ist eine geheime Abstimmung und sie nehmen sie sehr ernst.

Trotzdem werden immer wieder die gleichen Männer gewählt, die gleichen Familien, mit nur wenigen Abweichungen.

Es scheint gerecht zuzugehen, aber die Wähler kennen keine Außenseiter. Nur die Senatoren besitzen genug Ruhm und Reichtum, damit die niedrigsten freien Männer der Stadt ihren Namen kennen.

Es ist alles nur eine Illusion, aber eine elegante.

Conn Igguleden, Imperium

Terror: Klimawandel erhitzt die Gemüter

Unter Turbanen steigt die Temperatur mit der Klimaerwärmung weiter.

Die Klimaerhitzung wird der Menschheit in Zukunft nicht nur Wetterextreme wie schwere Stürme und Dürren bescheren. Sie wird auch dazu führen, dass Terrororganisationen wie Boko Haram, der sogenannte Islamische Staat oder andere "nicht-staatliche bewaffnete Gruppen" gerade in den Ländern in Äquatornähe an noch erratische und gewalttätiger agieren. Davor warnt eine Studie des Thinktanks BBdelfi in Templin, die das Blogampelamt in Auftrag gegeben hat.


Schon der UN-Weltklimarat IPCC hatte in seinem Bericht 2014 darauf hingewiesen, dass der Klimawandel eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit darstellt, weil in vielen ohnehin nicht friedlichen Ländern mit heißem Klima jedes zusätzliche Grad zu expotentiell mehr Gewalt führt. Die EU und die G7-Staaten teilen diese Einschätzung. Bereits heute weißt die Weltkarte der Gewalt offenkundige Übereinstimmungen mit der Karte der höchsten Welttemperaturen auf: Je wärmer es dem Menschen jenseits normaler Wohlfühltemperaturen bis um die 28 Grad wird, desto schneller und häufiger kommt es zu Gewaltausbrüchen.

BBdelfi hat nun Asynchronitäten untersucht, die zwischen Staaten aufgetaucht waren, in denen es gleich warm ist, deren Gewaltniveau sich jedoch deutlich unterscheidet. Dabei stießen die Forscher auf einen unmittelbaren Zusammenhang des Gewaltniveaus mit der Kleiderordnung: Vor allem dort, wo Menschen inmitten glühender Hitze darauf bestehen, riesige Turbane und schwarze Umhänge zu tragen, steige die Gefahr von Gewalt. Hier besonders könnte der Klimawandel die Risiken für gewaltsame Konflikte noch weiter verstärken.


Wie die Wissenschaftler weiter berichten, werden Menschen, deren Leben geprägt ist von einem tagsüber ohnehin kaum erträglichen Klima, anfälliger für die Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen wie Terrororganisationen, aber auch Drogenbanden. Als Beispiele werden der Irak, Afghanistan und Mexiko genannt. Vor allem dort, wo in heißen Gegenden eine Pflicht gelte, dicke Mützen zu tragen, sei der Firnis der gesellschaftlichen Disziplin denkbar dünn. „Die lebensfeindliche Umgebung führt zu schnellen Ausrastern von teilweise großer Tragweite“, heißt es in der Studie.

Hass und Gewalt seien oft nicht religiös oder rassisch motiviert, sondern Verzweiflungstaten im Angesicht von Tagestemperaturen um die 40 Grad. Messungen ergaben, dass an solchen Tagen unter dunklen Turbanen bin zu 67 Grad herrschen können. Dies entziehe dem Hirn Wasser, Denkprozesse verlangsamen sich, es kommt zu sogenannten kleinen Infarkten. „Terrorgruppen nutzen die verzweifelte Lage der Betroffenen aus, um sie mit der Aussicht auf ein besseres Leben in kühleren Regionen anzuwerben.“

Ein Beispiel, an dem sich diese Entwicklung bereits beobachten lässt, ist den Wissenschaftlern zufolge die Terrororganisation Boko Haram, die vor allem in den völlig ausgeglühten Teilen von Niger, Nigeria, Tschad und Kamerun, der Region um den langsam austrocknenden Tschadsee, aktiv ist. Hier leidet die schnell wachsende Bevölkerung unter einer ganzen Reihe von Belastungen: Arbeitslosigkeit, Armut, vor allem aber großer Hitze. Daraus resultiert Gewalt.

Da zur Kühlung aller Gemüter nicht mehr genug Wasser zur Verfügung steht, weil die Natur die beständig wachsende Population nicht mehr versorgen kann,  entstehen Spannungen zwischen Gruppen geführt, die auf das Wasser angewiesen sind. Diese entladen sich besonders an heißen Tagen in gewaltsamen Aufständen und BürgerkriegenVor diesem Hintergrund ist es den Extremisten von Boko Haram, deren Ziel ein islamischer Staat ist, gelungen, teilweise die Kontrolle zu übernehmen.

Montag, 7. August 2017

Angst im All: Raum ohne Platz

Schon ein Gramm auf elf Fußballfelder: Bald ist das All voll.
Die Schulz-Presse im Panik-Modus, die Angstmacher bei der Arbeit. Diesmal weit draußen im Weltall, in Räumen, die noch nie ein sozialdemokratischer oder grüner Redakteur betrat. Zum Glück, denn auch so wird es schon „eng“ um die Erde, wie die Frankfurter Rundschau Pamela Dorhöfer fabulieren lässt, deren große Sorge der „Zahl der Objekte im erdnahen Raum“ gilt, die „stetig und mit wachsender Geschwindigkeit zunimmt“. Volk ohne Raum, Raum ohne Platz! Bald ist der Weltraum voll, und schuld ist wiedermal der Mensch.


Seit der nämlich 1957 den kommunistischen Satelliten "Sputnik" ins All geschossen hat, gelingt es ihm, das All allmählich mit seinem Müll zu verstopfen. Mehr als 5200 Raketen mit geschätzten 7500 Satelliten flogen bisher in die Umlaufbahn, zählt Dorhöfer vor. Die meisten seien „längst nicht mehr aktiv – aber etliche eben immer noch da“. Dazu kämen dann noch viele hunderttausende Teile mehr, darunter abgebrannte Raketenoberstufen, Batterien, Adapter, die nach dem Transport ins All gelöst wurden, Bruchstücke diverser Explosionen und Kollisionen, abgeplatzter Lack, verloren gegangene Werkzeuge – eine gewaltige Menge an Weltraumschrott, insgesamt rund 7500 Tonnen schwer.

7500 Tonnen! Schätzungen zufolge verteilt auf 750 000 Objekte mit einem Durchmesser von von mehr als einem Zentimeter und 150 Millionen Objekte mit einem Durchmesser von mehr als einem Millimeter. Nur 1300 sind funktionierende Satelliten, 4000 sind ausgediente Satelliten, die aber noch am Stück ihre Runden drehen. Der weitaus größte Teil der Objekte im Orbit stammt jedoch von Explosionen, die sich ereignen, wenn Reste von Treibstoff in abgetrennten Raketenstufen sich entzünden oder deren Tanks aufplatzen. Und all das ganze Zeug umkreist unseren Planeten!


Fast schon erstaunlich, dass die Sonne da noch durchscheinen kann? Oder auch wieder nicht, wenn der Hysteriechannel leise gedreht wird. Rein rechnerisch hat der Erdorbit in 700 Kilometern Höhe eine Oberfläche von etwa 600.000.000 Quadratkilometern. Angesichts der Alarmzahlen der FR kommt somit auf jeweils knapp 800 Quadratkilometer ein Stückchen Abfall von mehr als einem Zentimeter Durchmesser, auf jeweils etwa vier Quadratkilometer entfällt eines von mehr als einem Millimeter Durchmesser.

Ein Kilo Restmüll verteilt sich derzeit auf 80 Quadratkilometer, ein Gramm auf elf Fußballfelder.

Angst!!!



Urbane Legenden: Wie der "Spiegel" den Fidschi erfand

Liebevoll als "Vietschis" bezeichnet, wurden die Vietnamesen in der DDR vom "Spiegel" später zu "Fidschis" erklärt.

Je weiter sie in die Vergangenheit rutscht, desto mysteriöser wird die DDR. Zahlreiche Gerüchte umschwirren ihre Geheimnisse, viele Zeitzeugen, die sich noch selbst erinnern, glauben nach der zehnten ZDF-Erklärsendung über das, was war, dass es wohl doch anders gewesen sein muss. Wurden wir nicht alle getopft? Waren wir nicht alle bei der Stasi? Hatte nicht jeder einen Trabi bestellt? Oder zwei? Und waren wir nicht alle so latent ausländerfeindlich, dass wir jeden Fremden sofort beschimpft und fortgejagt hätten, wäre denn irgendwann mal einer erschienen?

Im Westen, der schon immer mehr über das Leben in der DDR wusste als Menschen, die in der DDR lebten, jemals werden erfahren können, besteht kein Zweifel daran, dass die ostdeutsche Ausländerfeindlichkeit und die permanente Resistenz früherer DDR-Bürger gegen Aufklärungsbemühungen wohlmeinender Institutionen wie der ARD, des "Spiegel" oder der Zentralen für Politische Bildung tief im Wesen der Honecker-Krüppel und ihrer arbeitslosen Nachfahren wurzelt.

Als gesicherte Erkenntnis gilt zudem, dass DDR-Menschen die von ihrer Staatsführung als Äquivalent zu den im Westteil eingesetzten Türken in den Osten geholten Vietnamesen "Fidschis" nannten, weil sie - weltabgeschlossen, wie sie nun mal leben mussten - glaubten, die schmaläugigen stillen Menschen stammten von den Fidschi-Inseln.

Dass viele Ostdeutsche das unterdessen auch glauben, ist ein klarer Beleg für die westliche Deutungshoheit über die ostdeutsche Geschichte, die am Ende irgendwann nicht mehr gewesen sien wird, wie sie war. Sondern so, wie westdeutsche Forscher sie ausgeschrieben und weitererzählt haben.

Der Begriff "Fidschis" ist ein schönes Beispiel. Er müsse eigentlich "Vietschis" geschrieben werden, weil die damit bezeichnete Gruppe aus Vietnam kam und sich ihren Namen durch die liebevolle Logik verdiente, mit der DDR-Bürger alle ihre ausländischen Nachbarn bezeichneten.  Wo der Türke im Westen zum "Kanaken" und der Kongolese zum "Nigger" wurde, streichelte der internationalistische geschulte Ostdeutsche seine Gäste verbal mit Verniedlichungs-Is.

Kam der schwarze Gastarbeiter aus Mocambique, dann war er ein "Mosi". Kubaner hießen "Gubbis", wobei das sächsische "G" das "K" ersetzte. Außerdem gab es noch "Ruskis", die der Sowjetunion entstammten und unabhängig ihrer Ethnie so genannt wurden. Und "Algis", die  aus Algerien kamen und das Kose-I sogar erhielten, obwohl sie immer Westgeld hatten und damit leichtes Spiel dabei, die nach exotischer Romantik ebenso wie nach harten Devisen ausgehungerten DDR-Mädchen in der Disko abzuschleppen. Schlägereien mit Algis waren häufig, der Grund aber war nicht deren Herkunft, sondern ihr - auch dem Westgeld zu verdankender - Erfolg bei den Frauen. Gleiches galt für die damals noch "Bundis" genannten "Wessis". Auch hier wurde das Kose-I nicht aus Sympathie, sondern aus Gründen der ostdeutschen Ordnungsliebe vergeben.

Woher kommt nun aber die Behauptung, dass der strunzdumme DDR-Bürger durch seine von der Partei verordnete Weltabgeschiedenheit hinter  Mauer und Stacheldraht so schlecht informiert war, dass er aus Vietnam stammende Menschen irrtümlich als von den Fidschi-Inseln kommend als "Fidschis" bezeichnete? Nun, die erste urkundliche Erwähnung des Begriffes außerhalb der - nie niedergeschriebenen - Gespräche im ostdeutschen Alltag stammt aus einem "Spiegel"-Artikel (Ausriss), in dem der damals noch namenlose Autor einen privaten Hörfehler in die Historie einführte: Im Artikel mit dem Titel "Nahe am Pogrom", der aus dem Frühjahr 1990 datiert, legt er die Schreibweise für "Vietschis" grund- und anlasslos mit "Fidschis" fest. Es gibt dafür keine Notwendigkeit und keine Erklärung.

Doch es ist der "Spiegel", das führende Nachrichtenmagazin der westdeutschen Republik. Hier schreibt einer vom anderen ab, so dass die Falschschreibung bereits wenig später mit großer Selbstverständlichkeit als Standard verwendet wird. Alle anderen großen Medienhäuser tun dann, was sie immer tun: Sie schreiben ab. Und so entsteht tief im Westen, in Hamburg, in einem Hochhaus mit Blick über die Hafenstadt, eine der hartnäckigsten urbanen Legenden, eines der irrwitzigsten  Medienmärchen und eine der bizarrsten Fake-News der deutsch-deutschen Geschichte: Dass Ostdeutsche Vietnamesen "Fidschis" nennen, weil sie anfangs glaubten, dass die neuen schmaläugigen Arbeitskollegen von den Fidschi-Inseln stammen.

Das geht nun nicht mehr weg, das ist nach 27 Jahren festsitzendes Allgemeinwissen, im Westen erfunden, vom Westen in die Welt gestreut, wie üblich nie hinterfragt, sondern durch unendliche  Wiederholung zu einem feststehenden Volksglauben gemacht.

Sonntag, 6. August 2017

Umfrage: Deutsche sind sauer auf Süßes

Die Mehrheit der Deutschen will umsteigen: Weg von Süßigkeiten.
Süßigkeiten sind für viele Deutsche mehr als nur ein Nahrungsmittel. Sie sind Luxus- und Prestigeobjekt, sie vermitteln Genuss und Spaß, auch ein Gefühl von Freiheit, tun zu können, was man will. Knapp 76 Millionen Deutsche essen regelmäßig süß, mehr als 2,6 Millionen Tonnen Dropse, Schokolade und leckere Teilchen verzehren sie pro Jahr.

Und trotzdem: Laut einer neuen repräsentativen Studie des Umweltministeriums und des Umweltbundesamtes will die Mehrheit der Deutschen nicht mehr so süß essen: 91 Prozent gaben an, dass das Leben besser werde, wenn der oder die Einzelne nicht auf Zuckerprodukte zugreife. 79 Prozent wünschen sich eine gesellschaftliche Entwicklung, die die Voraussetzungen dafür schafft.

Momentan essen 70 Prozent der Befragten regelmäßig oder gelegentlich sogenannte Süßigkeiten, im Alltag täglich oder mehrmals in der Woche. Auch regelmäßige Süß-Esser sind aber bereit, unter bestimmten Voraussetzungen mehr herzhaft zu essen (drei Viertel) oder ganz auf Süßes zu verzichten (zwei Drittel). „Die Menschen sind bereit, zu verzichten, aber sie brauchen gute Alternativen: weniger Süßes im Angebot, Warnaufschriften auf ungesunden Süßigkeiten und wohlschmeckende Vollkornnahrung ohne Zucker“, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Das sei eine starke und wichtige Botschaft sowohl für die Umweltpolitik als auch für die Ernährungsbranche. „Sie wird uns Rückenwind geben in unserem Einsatz für Supermärkte ohne Quengelware, für mehr Obst und klares Wasser statt Cola“, erklärte Hendricks weiter.

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, betonte, dass der Bedarf an Vollkorn, Tee und attraktiven Äpfeln so groß sei wie „die Abneigung der Landwirtschaftsindustrie, dafür zu investieren“. Auch Herbert Lehmann, Bundestagsabgeordneter (PDS) aus Neubrandenburg, kritisierte die Bundesregierung. „Sie missachtet den Willen der Bevölkerung in Sachen Ernährung." Die Menschen seien bereit, von Schokolade und Bonbons auf zuckerfreie Alternativen umzusteigen. Die Bundesregierung aber versage bei deren Bereitstellung. Behrens fordert mehr Aktivitäten beim Ausbau von Angeboten: „Eine Streuobstwiese ist schnell gemacht, man muss nur wollen“, sagte er.