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Freitag, 31. August 2012

NSU: Die Miet-Mörderin

600 Ordner mit Ermittlungsakten hat die besondere NSU-Aufbauorganisation "Trio" in neun Monaten zusammengetragen, um den 3. Strafsenat davon zu überzeugen, um Beate Zschäpe, die letzte Überlebende aus dem "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), auch weiterhin in Untersuchungshaft zu behalten. die 37-Jährige sei das "Herz der Terrororganisation" gewesen, fabuliert Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung, sie habe "das geraubte Geld" verwaltet und "die Fahrzeuge für die Morde" angemietet.

600 Aktenordner für 14 Banküberfälle in zwölf Jahren, wie der Premium-Reporter vorrechnet. "Insgesamt erbeuteten sie 619.770 Euro", hat sich Leyendecker von den Ermittlern zusammenrechnen lassen. Dieses "viele geraubte Geld" (Leyendecker) nun habe Zschäpe nach den Feststellungen der Bundesanwaltschaft "verwaltet".

Ausgegeben kann sie es jedenfalls nicht haben, denn im ausgebrannten Wohnmobil wurden am Todestag von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt 110.000 Euro Bargeld gefunden. Etwa 40.000 Euro davon stammten noch aus Banküberfällen aus dem Jahr 2008, 70.000 aus dem gerade erst begangenen letzten Überfall.

Insgesamt hatte Zschäpe in den 13 langen Jahren, in denen sie das Untergrundleben der zwei tödlichen Drei finanzieren musste, so nur 490.000 Euro aus zur Verfügung.

Was Hans Leyendecker als "viel Geld" erscheint, ist in Wirklichkeit denkbar wenig: 490.000 Euro ergeben, aufgeteilt auf 13 Jahre Untergrund, ein Jahreseinkommen von 12.564 Euro pro Kopf. das sind monatlich 122 Euro weniger, als die Bundesagentur für Arbeit derzeit an Hartz-4-Leistungen für Paare mit Kindern zahlt.

Ökonomisch gesehen rät die Vernunft zu Kindern statt Killer, denn Verbrechen lohnt sich nicht. Das Pro-Kopf-Nettoeinkommen der drei hauptamtlichen NSU-Mitarbeiter Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt lag nur 19 Euro über dem pfändungsfreien Existenzminimum von 1.028 Euro und damit weit unter dem von der Linken anvisierten Mindestlohn von 8,50 Euro.

Doch den Faschisten keinen Fußbreit und der Logik keinen Raum. Nach "noch im Sommer" und "noch im Herbst" werde die nun für "schon im Frühjahr" erwartete Klage Beate Zschäpe auch den Vorwurf der Beteiligung an den NSU-Morden machen, mutmaßt Hans Leyendecker.

Die NSU sei, so Leyendecker diesmal knapp vor dem Dementi der Bundesanwaltschaft, "nach den Feststellungen der Ermittler eine abgeschottete Gruppe gewesen, in der jeder für alles mitverantwortlich gewesen sein soll". Fort ist das "Netzwerk", fort der "große Unterstützerkreis", fort sind die Mitwisser und "Helfer". Weil Zschäpe "Wohnmobile angemietet" habe, "mit denen die Mörder zum Morden fuhren", sei sie nicht der Beihilfe schuldig, sondern werde direkt des Mordes angeklagt.

Als Präzendenzfall dürfte hier ein erstaunlicherweise immer noch abfällig als "Dönermord von Döbeln" (dpa) bezeichneter Mordfall vom letzten November dienen. Dabei geht es um eine kaltblütige Hinrichtung im NSU-Stil, die die Staatsanwaltschaft einem 32-jährigen Iraker zur Last legt. Der Gebrauchtwagenhändler hatte in den Abendstunden des 1. November 2011 - drei Tage vor der Entdeckung der NSU - das Dönerrestaurant "Aladin" in Döbeln betreten und ohne Vorwarnung dreimal mit einer NSU-typischen Pistole Marke "Ceska" aus tschechischer Produktion auf den 41-jährigen Ladeninhaber gefeuert. Das Opfer, ein gebürtiger Libanese, starb.

Während der mutmaßliche Täter inzwischen vor Gericht steht, ist ein mutmaßlicher Komplize bis heute untergetaucht. Der Mann hatte den Tatort ausgekundschaftet, den Fluchtwagen gefahren und bei der Beschaffung der Tatwaffe in einem Ort an der deutsch-tschechischen Grenze geholfen. Auch ihm droht nach dem Vorbild der NSU-Anklage nun wohl nicht wie üblich eine Verurteilung wegen Beihilfe, sondern eine wegen Mordes.


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Kommentare:

Tom hat gesagt…

Ich meine gelesen zu haben, daß die Bundesanwaltschaft den Herrn Leyendecker schon dementiert hat:

Ob die Zschäpe auch wg. Mordes bzw. Beihilfe zum Mord angeklagt werde, sei noch nicht entschieden.

Anonym hat gesagt…

Sie dürfte zwar körperlich besser drauf sein als R.Heß up sine olen Dage, vielleicht erhängt sie sich noch mit dem Kabel ihres Elektrorasierers. Wahrscheinlicher dünkt mich aber, daß sie zehnmal lebengslänglich kriegt. Wetten werden noch angenommen...
Was bei Demjanuk Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.

Volker hat gesagt…

"Die Bundesanwaltschaft hatte dem Gericht zusammen mit dem Antrag den aktuellen Aktenbestand von etwa 680 Stehordnern übermittelt. …
Auch Zschäpes Verteidiger haben offenbar große Teile dieses Aktenbestandes erhalten, um zum Antrag der Bundesanwaltschaft Stellung nehmen zu können. Allerdings kritisierten die Anwälte laut SZ in einer Erklärung, dass ihnen nach Übersendung „von exorbitant umfangreichem Aktenmaterial eine Stellungnahmefrist von nicht einmal fünf Werktagen gesetzt“ worden sei.
"

3 Anwälte haben 4 Tage, um 680 Akten durchzuarbeiten.
Runtergerechnet hat die die Verteidigung sagenhafte achtnhalb Minuten pro Ordner.

Ist aber kein böser Wille. Die Justiz muss die Akten die ganze Zeit an diverse „Autoren“ verborgen. Da muss die Verteidigung eben zurückstehen.

Tolle Sache, so´n Rechtsstaat. Leider fällt mir grad nicht ein, inwiefern der sich vom Unrechtsstaat unterscheidet.

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@Anonymus
Zschäpe kriegt überhaupt keine Strafe.

Anonym hat gesagt…

Richtig. Ich "vergas" glatt, daß sie ja Döner ermordet hat und nicht etwa Gefilte Fisch oder Hamansohren...