Sonntag, 2. Mai 2021

Alle fünf Minuten verliebt sich ein Journalist in Annalena Baerbock

Ein Medienecho aus Hymnen: Annalena Baerbock und die Berichterstatter - es war Liebe auf den ersten Blick.

Nun rollt er, der Baerbock-Zug, ein ICE, ein TGV, ein Shinkansen gar, nicht vergleichbar mit der Dampflok, die den Schulz-Zug zog. Die erste Woche im Amt der Bundeskanzlerinnenkandidatin verlief  für Annalena Baerbock nach Fahrplan: Jeden Tag in einem anderen Sender, überall Verehrung erntend, souverän auf Stichworte einsteigen, am Tag danach mit Wohlgefallen die Filmkritiken lesen. "An ihr kommt keiner mehr vorbei", "Baerbock kontert klug", "Jung, grün" und "Eine wie keine". Ja, könnte es denn besser laufen?  

Liebe auf den ersten Blick

Es war Liebe auf den ersten Blick zwischen Annalena Baerbock und den deutschen Medien. Wie Gerhard Schröder damals geliebt wurde, weil er nicht Helmut Kohl war, verkörpert die Grüne knapp zweieinhalb Jahrzehnte später die Alternative zu allem, was bis in die tiefsten Rindenschichten der stets merkeltreuen Zentralorgane abgeschafft gehört. Dieses laue von hinten denken, diese ewigen Jäckchen, die Raute, das Unsichtbare. Und immer nur bei Anne Will! Baerbock startet schon ganz anders, sie tingelt zu jedem Sender, in jede Redaktion, manchmal im Pullover, manchmal im Kostüm, manchmal im Kleid. Für Fotos posiert sie. Setzt unterschiedliche Gesichter auf.

Wie groß die Sehnsucht nach ihr war, zeigt sich erst jetzt, wo sie endlich da ist. Annalena Baerbock, deren germanozentrisches Weltbild sich aus öffentlich-rechtlichen Informationen speist, ihr aber in Kombination mit gewissen Wissenslücken fraglos großen Ärger eingebracht hätte, wäre sie nicht, wer sie ist, und dort, wo sie ist,  überholte mit der ersten Umfrage die Union. Mit der zweiten distanzierte sie Armin Laschet und Olaf Scholz, mit der dritten und vierten schlug ihre Beliebtheit die von Fernsehlieblingen wie Jauch, Lauterbach und Schweinsteiger.

Favoritin auf den Eisernen Thron

Annalena Baerbock ist nun Favoritin auf den Eisernen Thron der ewigen Kanzlerin, der für andere bislang als vollkommen unbesteigbar galt. Baerbock fliegen die Herzen zu, auch in den Hassportalen der sozialen Medien. Hier tritt sie als einzige der drei Kandidaten mit einer klaren Strategie auf, sou­ve­rän im Ungefähren, wie Bewunderer Thomas E. Schmidt in der "Welt" analysiert. Die grüne Kanzlerkandidatin lasse sich "durch nichts und nie­man­den" un­ter­krie­gen und begeistere ein Publikum, "das derartige Manöver zu lesen weiß".

Nun will derzeit freilich niemand Baerbock "unterkriegen", sondern jedermann sehen, was passiert, wird sie wirklich Kanzlerin. Der "Baerbock-Zug", den der "Spiegel" in Erinnerung an die glanzvolle, aber viel zu kurze Gottkanzlerschaft des Martin Schulz aus dem Depot hat fahren lassen, donnert unter lautem Beifall über die Strecke. Die letzte Politikerin, die ein solches Medienecho wie aus einer Hand genießen durfte, sitzt heute als "Comeback-Kanzlerin" (Bild) im Kanzleramt und ist immer noch dabei, "Vertrauen zurückzugewinnen" (Angela Merkel, 2018), inzwischen mit Hilfe von Armin Laschet als drittem Parteivorsitzenden der zurückliegenden Wahlperiode.

Baerbock wirkt dagegen wie ein in sich ruhendes Stück kohlscher Vergangenheit, Liebling nicht nur der Medien, sondern auch aller anständigen Menschen im Lande, die sich nach einem Neuanfang im Zeichen des weltweiten Klimakampfes, der in seiner Entschiedenheit selbst die grüne Union beschämt. selbst Teile der teilweise als rechtsextrem eingestuften AfD schwenken mittlerweile um und sammeln sich unter der Fahne der grünen Propheten

Die weht der Zukunft straff voraus, sieghaft wie zuletzt im November 2018. Diesmal aber wird nichts mehr dazwischenkommen, diesmal sind die Gegner geschwächt und die Gesellschaft ist bereit für etwas ganz Neues: Eine Kanzlerin, der die Medien zu Füßen liegen. Eine politische Ordnung, der das Bundesverfassungsgericht die Anwendung von Notmaßnahmen zur Verhängung von „gravierende Freiheitseinbußen zum Schutz des Klimas" als  "verhältnismäßig und verfassungsrechtlich gerechtfertigt" zubilligt. Und eine Gesellschaft, die ihren eigenen Umbau gar nicht mehr mitbekommt.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich frage mich, ob diese Gesellschaft überhaupt noch was mitbekommt, abgesehen von den Geschichten, die unaufhörlich aus den Empfängnisgeräten dringen.

Tanz der Kobolde hat gesagt…

Die dauerpubertären deutschen Weltretter zwischen 12 und 102 brauchen nun mal ganz dringend eine Mutti.

Nach der inzwischen etwas angeranzten Moppelmatrone sehnen nun alle Piefke-Kinderchen sich nach einer jüngeren, frischer aussehenden, eine, mit der man sich wieder stolz bei den globalen Kumpels zeigen kann.

Dieses angeblich beste Schland aller Zeiten ist längst das irreste Freilaufgehege aller Zeiten, bis zum Bersten mit allerlei weltweit zusammen gelocktem exotischen Getier mit oft bizarrem Verhalten vollgestopft.

Wir haben Platz und Hauptsache bunt, fordern ausgerechnet die Farbenblinden mit grünem Star im Hirn.

Just verwüsteten sie wieder ganze Straßenzüge um ihrer primitiven Barbarenfreiheit willen, in Ruinen wie Schweine hausen zu dürfen, wobei Schweine viel reinlicher sind.

Ich würde dieses widerliche Kotzbrockenpack in Lager stecken, um jeden Schaden abzuarbeiten zu lassen und ihnen nur Obdach und Verpflegung geben, wenn sie angemessen fleißig sind. Aber ich gelte damit vermutlich als Adolf II. Menschenwürde und so.

Für tollwütige Horden von entmenschlichten Bestien?

Es geht rasant dem Ende zu, aber die dressierten Klatschaffen kapieren es mal wieder nicht.

Kobaltblau hat gesagt…

Neues aus der Anstalt Deutschland:

Just wurde ein Autofahrer von gleich zwei unserer allweisen weisungsgebundenen Gerichte zu 200€ Geldstrafe und einem Monat Fahrverbot verurteilt.

Sein Vergehen: Während eines Regenschauers wollte er den Scheibenwischerintervall per eingebautem Touchscreen verändern, weil das nur so umständlich und gefährlich funktioniert. Er kam dabei von der Straße ab. Das galt dann als verbotene Handynutzung am Steuer.

Dieselben Fachidioten in der Politik lassen derart ausgestattete Autos zwar auf die Straße, bestrafen dann aber deren Fahrer für die Benutzung der zuvor abgesegneten Technik.

Mal wieder der ganz normale Wahnsinn deutscher Gesetzgebung, aber kein Vollmichel bemerkelt es, sondern kreuzt die Urheber solcher Schnapsideen im Wahllokal munter weiter an.

Was ist von diesem Land bzw. Volk zukünftig also noch an Vernunft zu erwarten?

Anonym hat gesagt…

https://www.t-online.de/auto/recht-und-verkehr/id_88929994/ueberraschendes-urteil-bussgeld-fuer-bedienung-des-scheibenwischers-droht.html

Mit allem nötigen Respekt, aber wer auf den Hype für so ein Kackbude hereinfällt und dafür etliche Zehntausender verbrennt, hat neben 200 Euro Bußgeld noch 200 Hiebe obendrauf verdient. Der Idiot ist von der Straße gerauscht, halt einfach zu doof zum Autofahren, und da hättest z.B. Du im Weg stehen können.

Volker hat gesagt…

... und heute noch gibt es hier und da Schwachköpfe, die sich am Gedanken der Pressefreiheit begeistern, aber gerade damit haben die kommenden Cäsaren der Weltpresse freie Bahn. Wer lesen gelernt hat, verfällt ihrer Macht, und aus der erträumten Selbstbestimmung wird die späte Demokratie zu einem radikalen Bestimmtwerden der Völker durch die Gewalten, denen das gedruckte Wort gehorcht.

Man bekämpft sich heute, indem man sich diese Waffe entreißt. In den naiven Anfängen der Zeitungsmacht wurde sie durch Zensurverbote geschädigt, mit denen die Vertreter der Tradition sich wehrten, und das Bürgertum schrie auf, die Freiheit des Geistes sei in Gefahr. Jetzt zieht die Menge ruhig ihres Wegs; sie hat diese Freiheit endgültig erobert, aber im Hintergrunde bekämpfen sich ungesehen die neuen Mächte, indem sie die Presse kaufen. Ohne daß der Leser es merkt, wechselt die Zeitung und damit er selbst den Gebieter. Das Geld triumphiert auch hier und zwingt die freien Geister in seinen Dienst. Kein Tierbändiger hat seine Meute besser in der Gewalt. Man läßt das Volk als Lesermasse los, und es stürmt durch die Straßen, wirft sich auf das bezeichnete Ziel, droht und schlägt Fenster ein. Ein Wink an den Pressestab und es wird still und geht nach Hause. Die Presse ist heute eine Armee mit sorgfältig organisierten Waffengattungen, mit Journalisten als Offizieren, Lesern als Soldaten. Aber es ist hier wie in jeder Armee: der Soldat gehorcht blind, und die Wechsel in Kriegsziel und Operationsplan vollziehen sich ohne seine Kenntnis. Der Leser weiß nichts von dem, was man mit ihm vor hat, und soll es auch nicht, und er soll auch nicht wissen, welch eine Rolle er damit spielt. Eine furchtbarere Satire auf die Gedankenfreiheit gibt es nicht. Einst durfte man nicht wagen, frei zu denken; jetzt darf man es, aber man kann es nicht mehr. Man will nur noch denken, was man wollen soll, und eben das empfindet man als seine Freiheit.

(Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes)

Anonym hat gesagt…

Händynutzung am Steuer ist verboten - leuchtet auch irgendwo ein weil der Otto Normalbürger kaum in der Lage ist mehrere tech. Geräte gleichzeitig zu bedienen .

Huhuhubschrauberbernd

Kobaltblau hat gesagt…

@ Anonym 3 (Huhuhubschrauberbernd)

Das Handyverbot am Steuer wurde nicht bezweifelt, denn es dient dem Überleben.

Und darum baut man dann zur Verkehrssicherheit wichtige Bedienungseinstellungen in Touchscreens ein, die unterhalb der Windschutzscheibe montiert sind, so dass der Fahrer bei einem Regenschauer für eine lapidare Intervalländerung des Scheibenwischers von der Straße weg dort hin schauen und dort rumtippen muss?

Wäre es im besten aller Schlands nicht längst Normalität, könnte man von lebensgefährlichen Schildbürgerstreichen höchster Beamtenschlaumeier in Kfz-Zulassungsbehörden sprechen.

Aber wo kein kluger Kläger, da bekanntlich kein kluger Richter. Ein Krähe hackt usw. ...

Die Impertinenz besteht darin, den Benutzer der zuvor amtlich zugelassenen einzigen Bedienungsmöglichkeit einer verkehrssichernden Einrichtung zu bestrafen, die er hat, um bei einem Regenguss freie Sicht zu behalten. Oder soll der etwa auf der Autobahn anhalten und warten, bis der Schauer vorbei ist, weil er seinen Scheibenwischer per eingebautem Touchscreen nicht schneller stellen darf?

Wer genehmigt erst solche Technikeinbauten, und wer verbietet dann deren Benutzung? Bingo! Die deutsche Bürokratie! Lebensgefährliche Dilettanz auf höchstem Fachidiotenniveau oder schlichtweg tödliche Korruption.

Dazu muss man echt ziemlich abgehoben sein.