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Dienstag, 20. September 2016

Islamistengipfel gegen Pauschalurteile

In speziellen Gebetskabinen kann beim Islamistengipfel für das Seelenheil der Ungläubigen gebetet werden.
Nur wenige Wochen nachdem die islamophobe Slowakei, deren Regierung angekündigt hat, muslimischen Flüchtlingen die Einreise zu verweigern, die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat, werden auf dem ersten Europäischen Islamisten-Gipfel europäische und US-amerikanische Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenkommen, um neue Wege für für die Herausforderung der islamophoben Intoleranz und antimuslimischen Gewalt in Europa zu finden.

Neben bekannten Islamisten aus aller Welt kommen in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo Repräsentanten von Untergrundgruppen aus 17 europäischen Ländern und Anhänger verschiedener Religionsschulen zusammen. Bei den Beratungen des hochangebundenen Gipfels geht es vor allem um Methoden, mit denen sich der Islamismus als konsequenteste Anwendung des Islam von seinem schlechten Ruf befreien lässt. "Nicht alle Islamisten sind gewalttätig, längst nicht morden oder selbstmorden", sagt Hasan El-Karambachan vom Org-Büro.

Die friedliche Seite des Islamismus

Mit Hilfe von führenden internationalen Islamismus-Wissenschaftlern soll der Gipfel den Beweis dafür erbringen, dass Islamismus eine friedliche Seite hat, die bisher fahrlässig negiert wird. Große Hoffnung, sagt El-Karambachan, setze man auf eine Präsentation von länderspezifischen Fallbeispielen zum Ausmaß von Islamismusfeindlichkeit und empfohlene Strategien dagegen.

Daran anschließen wird sich eine Podiumsdiskussion zu dem Thema, wie islamistische Gemeinden gemeinsam gegen verschiedene Formen von Vorurteilen und religiöser Intoleranz wehren vorgehen. Sobald Einhelligkeit hergestellt ist, soll die Unterzeichnung einer gemeinsamen Islamismus-Erklärung aller Teilnehmer den friedlichen Charakter der meisten Islamisten manifestieren. Erwartet wird auch eine Absage der Teilnehmer an die zunehmende Islamismusfeindlichkeit in der Politik. „Diese oft pauschal geäußerte Islamismusophobie stellt eine große Herausforderung für die europäische Demokratie und Freiheit dar, sowie für ihre Werte Toleranz und Pluralismus“, heißt es in einem Entwurf der Erklärung "An die Völker der Welt".

 Gewalt schadet Islamisten am meisten

Als Antwort auf die jüngsten Terroranschläge im Nahen Osten warnte Muddassar Al-Ali, Mitglied des Beratungsgremiums des Gipfels und Schirmherr des Mullah-Faith-Forum in Brest: "Unser Islamisten-Gipfel verurteilt die entsetzlichen Angriffe und sieht sie als Form der religiösen Intoleranz". Vorverurteilungen seien abscheulich und deshalb abzulehnen.

Es gelte, die Anstrengungen gegen die pauschale Ablehnung des Islamismus zu verdoppeln. "Die Angriffe des IS haben nicht nur die westliche Gesellschaft getroffen, sondern auch unseren Glauben an eine konsequente Auslegung des Koran im Sinne seines Stifters in Mitleidenschaft gezogen." Eine islamismusfeindliche Reaktion aber sei genau das, worauf IS-Terroristen und islamophobe Aktivisten aus dem rechten politischen Spektrum hoffen, "um ihre These vom Kampf der Kulturen in die Tat umzusetzen.“

Donnerstag, 14. Juni 2012

Die falsche Furcht des Pädagogen

Principiis obsta! - Wehret den Anfängen!, sagten schon die alten Lateiner, wenn sie an die Feinde des Rechtsstaates dachten. Zum Glück handeln die Verantwortlichen der moderne Demokratie ganz in diesem Sinne: Wo sich gefährliche Gedanken breit machen oder gar Sätze geäußert werden, die so nicht im Grundgesetz stehen, wird durchgegriffen, um eine weitere Erosion der einheitlichen Gedankenwelt zu verhindern.

Hart, aber gerecht traf es jetzt einen verantwortungslosen Dortmunder Lehrer, der auf einer Demonstration der rechtspopulistischen Partei ProNRW rechtswidrig behauptet hatte, er habe „mehr Angst vor Islamisten als vor Nazis“. Umgehend wurde Mann, der sich bei seinem Auftritt in aller Öffentlichkeit in provokativer Absicht als „homosexuell und linksgerichtet“ bezeichnet hatte, von der Stadt vom Unterricht entbunden worden. Weitere Disziplinarmaßnahmen seien geplant, berichtete die WAZ, die als einzige große Qualitätszeitung Platz für die prompte Reaktion auf das empörende Verhalten des Pädagogen freischlagen konnte.

Die Vorwürfe gegen den Mann, von dem sich die schwule Community umgehend lossagte, wiegen schwer. Er sei „von Islamisten bedroht worden“, behauptete er, ohne Beweise vorzulegen, auch hätten „islamistische Eltern“ versucht, seinen Unterricht zu beeinflussen“. Am schlimmsten aber sei ahistorischer Satz: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Islamismus die größere Gefahr ist und dass der Rechtsextremismus das ist, was alle einfach blind bekämpfen, ohne zu reflektieren.“

Umgehend begann die zuständige Bezirksregierung Arnsberg mit einer Prüfung, ob der Lehrer des Dortmunder Stadtgymnasiums durch seine öffentlichen Äußerungen gegen dienst- und beamtenrechtliche Vorschriften verstoßen hat. Bis zur „Klärung des Sachverhalts“ sei dem Täter die Ausübung sämtlicher Dienstgeschäfte verboten. Ziel der Bezirksregierung sei es, ein Disziplinarverfahren gegen den mit Doktortitel auftretenden Pädagogen einzuleiten, um ein Exempel zu statuieren.

Wie wichtig das ist, beweisen zahlreiche zweifelhafte Kommentare im Forum der WAZ. Dort zeigen sich die meisten Diskutanten uneinsichtig. Frech kritisieren sie die notwendigen Maßnahmen der staatlichen Organe als „Berufsverbot“ und „Rückfall in dunkle Zeiten“. Provokativ wird außerdem auf ein vermeintliches Recht der freien Rede angespielt, der Vorwurf aufgemacht, „das ist DDR 2.0“ und behauptet, es sei „sehr vernünftig, als Homosexueller Angst vor Islamisten zu haben“. Die Ermittlungsbehörden haben inzwischen mit der Prüfung der IP-Adressen der Verantwortlichen begonnen. Mit ersten Festnahmen ist im Laufe der Woche zu rechnen.

Mittwoch, 4. Juli 2007

Das Medienschwert der Mullahs

Jetzt wird es ernst im Krieg der Kulturen: Die Globale Islamische Medienfront, selbst ernanntes Sprachrohr des islamischen Staates Irak, greift zum Medienschwert, um die Vorherrschaft der Ungläubigen endgültig zu brechen. In einem langen, verschwurbelten Aufsatz beschreiben die Gimf-Macher, wie entbehrungsreich sie die große Kampagne gegen den großen Satan USA und seine Helfershelfer vorbereitet haben "Auf manche schöne Stunde" habe man verzichtet, heißt es, und einer der Brüder habe sogar seine Heirat um Monate verschoben. Nun aber, ehe der Verfassungsschutz daran geht, alle frischverheirateten Allah-Anhänger hochnotpeinlich zu befragen, gehts endlich los, es wird zurückgelogen, dass sich die Balken biegen, und jeder kann mitmachen. "Wenn du irgendeine dieser Fähigkeiten besitzt, dann kontaktiere uns bitte durch unsere Vertreter in einem Forum", bitten die Internet-Islamisten um Mitmacher mit Kenntnissen in webdesign und Videobearbeitung. Kannst Du nicht? Kein Problem, denn "selbst wenn du keine dieser Fähigkeiten besitzt, musst du dir keine Sorgen machen, da es eine Menge anderer Dinge gibt, durch die du dich beteiligen kannst."
Nein, zu früh auf die Jungfrauen gefreut, Du brauchst keinen Bombengürtel! Allahs Attacke soll vor allem von einer 5. Kolonne geritten werden, die "Themen der Kampagne in den Foren verbreiten, was eine Aufgabe ist, die jeder tun kann, alles was du brauchst ist eine Emailadresse und ein Benutzername. Melde dich in Foren an und verbreite… einfach nur kopieren und einfügen!!", empfehlen die Gimf-Kämpfer, die ihren Krieg netterweise mit Hilfe der Plattform des US-amerikanischen Blog-Anbieters Wordpress führen müssen, weil arabische Anbieter vergleichbare Dienste nicht offerieren.

Wichtig sei es, die so genannten "Inhalte", die zumeist aus ellenlangen Beschwörungen irgendwelcher Heiliger und schwulstigen Lobpreisungen wie "Scheich Yusuf Al-Ayeery, möge Allah barmherzig mit ihm sein" bestehen, "in nicht-islamischen Foren zu verbreiten; so wie Musik-, Jugend- und Sport Foren." Der Verbreiter, raten die Medien-Mullahs, "sollte die beste Art und Weise beim Kommunizieren mit den Besuchern dieser Foren wählen, da die Art auf die man mit Mitgliedern eines Musikforums spricht, nicht die gleiche Art ist, die man in Jihad-Foren verwendet."

Tun sie nicht? Tatsächlich. Nun, wir stellen uns gerade vor, wie jemand im Rammstein-Forum ganz unauffällig eine Bemerkung dazu fallen lässt, dass die Bombe am Glasgower Flughafen noch viel geiler geknallt hat als die Sprengkörper auf der letzten Tour der Berliner. Lauter tätowierte, biertrinkende Ostler, die im Nebenberuf Onkelz hören, werden mit fliegenden Totenkopf-Fahnen zum Propheten überlaufen.

Zumal es hier ja ."multimedial zugeht. Auch die Fernsehsender bekommen in nächster Zeit mehr Anrufe von Medienschwert-Schwingern. "Nachdem du die nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hast (wahrscheinlich das berühmte Taschentuch vor der Muschel - PPQ), kannst du anrufen und dich in irgendeinem Programm beteiligen", rät die Gimf. Aber Achtung, bei Neun Live bleibt auch der ratesicherste und betfleißigste Scharia-Schwätzer gern mal in der Warteschleife hängen!

Der empfohlene Versuch, "zu erwähnen, dass du an der Medienschwert-Kampagne, die den Islamischen Staat verteidigt, mitwirkst, nachdem du auf Sendung bist", dürften so schwer fallen wie das Verständnis dieses Satzes. Dennoch ist sich die Gimpf sicher, "das Millionen Menschen den Namen der Kampagne hören und neugierig danach suchen werden". Das ist dann auch schon die halbe Miete auf dem Weg zur Weltherrschaft des wahren Glaubens. Denn dann werde "Allah die Herzen von manchen der Zuschauer dieser Programme aufklären."

Samstag, 10. September 2011

Zu Besuch bei den Bewohnern des Höllenfeuers

Ein Besuch zum Geburtstag von Nineeleven, ein Besuch bei denen, die sonst, abgesehen von Wiglaf Droste, ganz allein feiern müssten. Wobei Feiern hier in der Parallelwelt der deutschen Islamisten eine traurige Sache sind. "Assalaamu alaykum wa rahmatullahi wa barkaatuh", radebrecht ein noch unsicherer Neuankömmling hier bei Ahlu-Sunnah, der Gemeinschaft der friedliebenden Intoleranz. Ihn plagtn eine große Not derzeit. Nein, nicht der Terror vbon Glaubensbrüdern. Nicht Unterentwicklung und Not im Reich Allahs. Nicht Kriege, Bigotterie des saudischen Königshauses, nicht die brutale Gewalt in Nordafrika. Sondern die "U-Bahn-Saufnasen" (Zitate alle im Original).

"Heute war ich in der U-Bahn, als dann ein Mann mit einer Bierflasche in seiner Hand kam und sich neben mich saß", beschreibt er (Originalzitat). Die Frage sei doch aber nun "ist es erlaubt weiterhin neben ihm sitzen zu bleiben oder muss man sofort aufstehen und einen anderen Platz suchen? Oder muss man den Wagong wechseln?"

Ein Problem, das zehn Jahre nach dem 11. September mitten in Deutschland wirklich erörtert wird. Wie auch die Frage, ob es denn nun schon eine "Fatawa über Filme" (O-Ton) gebe, wie bei ahlu-sunnah.com ein anderer Nutzer wissen möchte. Höflich sind sie ja hier: "Ich hoffe diese Frage erreicht euch bei beste Gesundheit und starkem Iman". Aber sie sind auch seltsam, wie Lebewesen von einem anderen Stern mit ihren traurigen Anliegen, die von einem ganz traurigen Leben künden. "Was sagen die Großgelehrten über das schauen von Filmen und Serien? Wird dies als Zeitvertreib eingestuft?"

Das ist doch mal eine Sorte Seelenpein, von der der religiös nicht Erweckte nur träumen kann. Fernsehen. Filme. Serien. Was sagt Allah eigentlich dazu? Und "falls es erlaubt ist, unter welchen Umständen wird es haram? Wenn Frauen dabei sind? Wenn Männer mit Frauen Kontakt haben? Wenn Allah und/oder die Engel diffarmiert wird, ist es automatisch haram oder?"

Man weiß es nicht, man vermag es nicht einmal zu ahnen. Rätsel der Religion! Hätte Allah "James Bond" geguckt? "Two and a half Men"? Oder nur die "Tagesschau"? Und wie steht es mit dem "Mädchen auf dem Besenstiel"? "Die Zauberei", soweit weiß der Fragesteller schon, was in der Religion des Friedens Sache ist, "wird mit der Todesstrafe bestraft im Islam, ist dann automatisch jedes Film haram in dem Zauberei praktiziert wird?"

Deutschland im Jahre 2011, Barakallahu fiekum. Niemand, der hier solche Ungewissheit zu leben gezwungen ist, muss lange auf Auskunft warten. Das Internet, staatsamtlich besiegelt ein Hort von Islamfeindschaft und blonden Düngemittelbombenbauern, ist auch ein Zuhause für Wahsinnige der anderen Fraktion. Fernsehen? Alkohol? Klare Sache!

Auf Ahlu-Sunnah.com, einer deutschen Internetseite, die im texanischen Houston, also mitten im Herzen des Reichs des Bösen registriert ist, kommt alles zur Sprache, was den jungen islamisten bewegt. Sex vor der Ehe, okay? Spenden für Pierre Vogel, in Ordnung? Integration als eine religiöse Pflicht - eine "Kotzerregende Aussage"? Frauen beim Marathon? Erschütternd.


Natürlich gibt es auch hilfreiche eine "Fatwa" von irgendeinem analphabetischen Mullah, nach der "es dem Muslim nicht erlaubt ist zu dulden, dass in seiner Gegenwart Schändlichkeiten begangen werden ohne sich dagegen zu währen mit der Hand, Zunge oder dem Herzen und dies ist das Schwächste an Glauben".


Gucke da. Wenn das nicht hilft. "Allah is preparing us for victory", hat einer der sympathischen Nachwuchswelterlöser in seine Signatur geschrieben, um Zuversicht zu zeigen, dass es auch nach dem Ende von Sheik Bin Laden irgendwie weitergeht mit dem Dschihad, der allerlei "Vorzüge" hat, wie ein anderer Nutzer per Avatar verkündet. Man ist glaubensfest, auch wenn alle gegen einen sind. Und man steht zu sammen gegen alle, die mit Gemeinheiten, Beschimpfungen oder dummen Fragen hereinschneien wie ein Kerl, der sich "freier glaube" nennt.

"Ich glaube nicht an eine Religion um es auf den Punkt zu bringen. "werde ich auch als Materialist und Irregeführter abgestempelt oder werde ich als freigeistiger Gläubiger akzeptiert und anerkannt?", fragt der die Mini-Umma im elektrischen Untergrund scheinheilig. Die Antworten könnte klarer nicht sein: "Hallo, wer die von dir genannten Glaubensüberzeugungen in sich trägt, wird ins ewige Höllenfeuer eingehen", bekommter Bescheid. "Allāh der Erhabene" habe schon im "Qur'ān" gesagt, "wer eine andere Religion als den Islam begehrt: wird im Jenseits unter den Verlierern sein" und auch letzte Prophet Allāhs, Muḥammad, schwurbelte zu Lebzeiten Ähnliches. “Jeder Mensch, ob Jude oder Christ, der von mir hört und stirbt, ohne an das zu glauben, womit ich gesandt wurde, wird ein Bewohner des Höllenfeuers sein.”

Widerworte dagegen sind nicht erwünscht, eine Diskussion darüber muss sich jeder Rechtgläubige zurecht verbitten. "Kannst du mir bitte erklären, aus welchem Grund du dich in diesem Forum angemeldet hast? Hast du tatsächlich erwartet, dass man deinen Irrweg akzeptiert, oder bist du nur hier um uns zu provozieren und beleidigend zu werden?", schreibt der DienerdesBarmherzigen, der unter Barmherzigkeit offenbar versteht, Andersdenkende nicht erst vor den Kopf zu stoßen, ehe er ihn abschlägt.

Während sich draußen, in der richtigen Kindergeburtstagswelt, inzwischen jeder vor einem fliegenden Fernsehstandgericht verantworten muss, der den Islam für nicht toleranzdienlich hält, ist Meinungsfreiheit hier drinnen klar definiert: "Jeder der glaubt, dass es erlaubt ist einer anderen Religion als der von Muhammed, sallallahu alaiyhi wa sallam, zu folgen, ist ein Ungläubiger in Allah, der bereuen muss." Tue er das, ist alles gut.

"Jedoch wenn nicht so muss er exekutiert werden."

Dienstag, 22. August 2023

Am schlimmsten betroffenes Gebiet: Die Religion der Angst

Deutschland gilt traditionell als am schlimmstes betroffenes Gebiet.


Gerade erst wurde die Angst vor den Atomkraftwerken abgeschaltet. Ein Moment, der unmittelbar auf das Ende der Angst vor Corona und den Mutanten folgte. Doch schon ist Ersatz verfügbar: Der Dritte Weltkrieg. Die De-Industrialisierung. Die Lichter werden ausgehen, die Preise bis zum Mond steigen. Heizen unbezahlbar. Essen desgleichen. Deutschland als traditionell am schlimmsten betroffenes Gebiet ersetzt eine Urangst schneller durch die nächste als die Apokalypsen wahr werden können.

Im mentalen Ausnahmezustand

E-Roller auf Gehwegen, von SUVs beiseitegewischte Radler. Messer in Verbotszonen. Islamisten im Supermarkt. Nachrichtenseiten und Fernsehen, aber auch Literaten und Regisseure inszenieren die ganze Welt als Abfolge von Katastrophen, Skandal und unerwarteten Zusammenbrüchen. Sie haben die Macht, Menschen, die selbst nicht betroffen sind, in einen mentalen Zustand zu versetzen, in denen die Erwartung, demnächst schon betroffen zu sein, den Blick auf die Welt bestimmt. Ist es in Deutschland mal nicht zu warm, wie im Frühjahr, dann findet sich ein anderer Ort, an dem es sicherlich noch viel zu wärmer ist. Fehlt es an Wasser, kündigt sich die schon von der Bibel vorhergesagte unendliche Dürre an. Ist es nicht diese Plage, dann fehlt es sicher an Trockenheit und geklagt werden kann über viel zu viel Regen.

Nicht das Sein, sondern Bilder prägen das Bewusstsein. Irgendwo ist immer etwas, das sich fürchten lässt. Die Gemeinschaft der Mediennutzer lechzt nach Informationen über den jeweils aktuellen Untergang. Allerdings ist ihre Aufmerksamkeitsspanne so schmal, dass die Nachrichten über das Entsetzen von gestern schon keine Chance mehr haben, wenn neuer Schrecken verkündet werden kann. Syrien verschwand, als der Ukrainekrieg begann. Der Hunger in Afrika, die Erdbeben in Nepal und in der Türkei, die Rodungen im Regenwald, die Menschenrechte in Katar - was eben noch das gesamte Interesse aller fordert, weil die gemeinsame Zukunft aller Menschen der demokratischen Gesellschaften davon abhängt, ist Augenblicke später nur noch eine Fußnote für Leute mit ganz speziellen Interessen.

In keinen Schuhkarton 

Das erste Gesetz der Mediendynamik bestimmt knallhart, dass die Welt in keinen Schuhkarton passt, unweigerlich aber in 15 Minuten Tagesschau. Das zweite Gesetz der Mediendynamik hingegen besagt, dass Großereignisse nie gleichzeitig stattfinden, sondern immer fein säuberlich hintereinander, als plane eine große göttliche Regie den Ablauf von Flugzeugabstürzen, Prominentenhochzeiten, Sportevents und Skandalen mit traumwandlerischer Sicherheit.

Nur selten werden Löcher zugelassen, nur selten kommt Luft an die Wirklichkeit so wie in dieser Sommerwoche. Private wie staatliche Fernsehsender müssen Wetter und Ölleck zu einem dünnen Brei aufkochen, um die Massen satt zubekommen. Autounfälle schaffen es in die Tagesschau, sogar der Atomstreit bekam wieder einige Minuten Sendezeit, ohne dass noch jemand vor den Empfängern gewusst hätte, worum es dabei ging, als es noch wichtig war.

Liebgewordene Marionetten

All die liebgewordenen Marionetten der täglichen Presseschau, sie sind im Zwangsurlaub. Greta ist weg, Luisa, Putin, Orban und Johnson, wer war noch gleich dieser Borsalino aus Brasilien, der unseren Regenwald angezündet hat? Und überhaupt Australien, brennt es noch oder bereut es schon? Kaeser? Siemens? Nuhr? Was ist mit Steimle? Tellkamp? Den Koboldbatterien? Den geplanten Strafen für Klimaleugner? Kramp-Karrenbauers Syrieneinsatz? Oder war es Libyen? Oder war Libyen Merkels Friedensplan? Halten sich denn auch alle dran? Was macht Kühnerts Sozialismus? Die Mietbremse? Was machen die palästinensischen Tage des Zorn? Selbst Trump ist auf einmal verschwunden.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die naturgegebene Aufmerksamkeitsspanne der Öffentlichkeit, die einerseits nie peripher, sondern immer zentral ausgerichtet ist, andererseits aber zeitlich enge Grenzen habe. Aus der Historie der begleitenden Entrophieforschung ist bekannt, dass ein nicht unmittelbar betroffenes Publikum zwei, allerhöchstens drei Jahre bereit ist, einer spezifischen Problemlage zu folgen. So war es in der Finanzkrise von 2008 bis 2010, beim Zusammenbruch Griechenlands von 2012 bis 2015, auch die erste Ukrainekrise währet nur von 2014 bis 2016, denn dann kam schon die Flüchtlingskrise von 2015 bis 2017. Nach Ablauf einer Zeitspanne von bis zu 24 Monaten läuft sich "jedes Thema tot, es langweilt, selbst wenn es sich um die angebliche „Dauersorge um den Euro" handelt.

Gerade noch Hasswochen

Waren gerade noch Hasswochen, nach dem Doppelmordanschlag auf einen Fußballfan und eine Autogrammsammlerin in Halle, ruft es aus allen Ecken des politischen Überbaus schon wegen anderer Problemlagen wütend und zornig nach härteren Strafen, früherer Vorsorge, besser Bildung, einem aus gespeicherten Vorratsdaten gebauten Panzer gegen den Hass, nach Aufklärung, Hassaussteigerprogrammen und frühkindlicher Überwachung. Auf dass die Mörder von morgen schon erkannt werden können, ehe sie noch ihr erstes Nutzerprofil in einem anonymen Forum angelegt und das erste Waffenteil aus dem heimischen 3D-Drucker gezogen haben.

Klima ist haltbar, aber inzwischen auch rum, abgetaucht seit den Todesschüssen auf eine Synagoge. Selbst der Untergang der Linkspartei, der eine kurze Greta-Sendepause füllte, als die damals noch heiß als Anwärterin auf den Friedensnobelpreis gehandelte Schwedin auf hoher See gen Amerika schipperte, scheint vorerst abgesagt. Die Rettung der EU durch von der Leyen, der gemeinsame EU-Etat, die europaweite Flüchtlingsverteilung, die in 14 Tagen stehen soll, der Fall Sachsens an die Feinde der Demokratie, Trumps zigste Amtsenthebung, der Bruder- und Schwesterkampf um den SPD-Vorsitz und Putins Versuch, die Ukraine zu übernehmen - kein Thema, nirgends.

Wie der Streit in der Koalition um die Grundrente, das Tempolimit und die Torwartfrage beim DFB kommt für den Moment nichts gegen die Einmann-Welle aus rechtsextremistischer Mordlust an, die nicht abzusehen war, ehe sie geschah. Hernach aber in Nullkommanichts zu einem nur logischen Symbol einer allgemeinen gesellschaftlichen Verrohung erklärt werden konnte, für die die sich seit Luckes Zeiten quasi tagtäglich weiter nach rechts außen radikalisierende AfD die sofortige und vollkommene Verantwortung zu übernehmen habe. Wer sonst?

Immer bleiben die Krisen ungelöst

Das Publikum, leidensfähig, aber schnell gelangweilt, sieht sich einem Bombardement ausgesetzt, das es von einer Hilflosigkeit in die nächste stürzt. Immer ist jetzt der Moment, in dem etwas getan werden müsste. Immer ist es morgen schon längst zu spät. Immer blieben die Krisen ungelöst, ein Notverband aus niedrigen oder hohen Zinsen, aus Versprechen und Plänen muss reichen. Immer kommt die Rettung allein aus der Ablenkung durch das nächste Drama, die nächste Tragödie. "Man lernt, sich hilflos zu fühlen, wenn man andere beobachtet, die unkontrollierbaren Ereignissen, etwa Naturkatastrophen, ausgesetzt sind", hat der Medienwissenschaftler Norbert Bolz einmal geschrieben. Eine Chance zum Genuss: Glücklich ist der, der seine eigene Situation mit der jener vergleichen kann, die es wirklich erwischt hat.

Wie der Reiche, der Wohlhabende, der, der ein wenig gespart hat mehr unter dem drohenden Verlust des Zusammengerafften leidet als der, der nichts zu verlieren hat, genießt der Deutsche die nie endende Aussicht auf schlechte Zeiten durch imaginierte Betroffenheit. Es gehört zur korrekten Haltung, anzunehmen, dass der Klimawandel natürlich hierzulande am schlimmsten wüten wird. Es gehört zum Selbstbild, anzunehmen, dass die eigene Art der Heizung ein globaler Kipppunkt ist.

Eine Droge für alle

Die anstehenden Katastrophen werden konsumiert wie eine Droge, mit der eine ganze Angstindustrie handelt. Je röter die Wetterkarten, desto wärmer wird es. Je hektischer die Themenwechsel, desto atemloser die Angst. Je unsichtbarer die Bedrohung, desto überzeugender das Argument, die Apokalypse werde eher morgen als übermorgen eintreten, wenn nicht sofort gehandelt werden. In welcher Weise auch immer.

Die Verkünder der schlechten Botschaften sind dabei längst Opfer der eigenen Parolen geworden. Jetzt länger sie denselben Vers predigen, desto überzeugter sind sie davon, dass er stimmen muss. Je weniger die Wirkung verfängt, desto sicherer scheint ihnen der Fakt, dass es noch nicht genug ist, noch nicht reicht, dass die Rettung der Welt nur gelingen kann, wenn die Angst noch größer wird und die Bereitschaft, die Apokalypse als unabwendbar anzuerkennen, schwerer wiegt als das Bedürfnis, einfach so weiterleben zu können. 

Querdies und Leugnerdas

Die moralische Unterstellung, jeder, der das wolle, versündige sich an allen anderen, hat etwas religiöses. Wer so denkt und so handelt, der gilt als Zyniker, als Neoliberaler, als Querdies und Leugnerdas. Unempfänglich für die Heilsversprechen, die den Ängstlichen gemacht werden - Erlösung durch Solar, Erlösung durch Wärmepumpen, Erlösung durch ein Tempolimit - tritt er aus der Gemeinschaft der Gläubigen aus. Ein Verweigerer der Verheißung, die Menschheit mit der Kraft der Änderungen des eigenen Verhaltens retten zu können, genau jetzt, genau nun, als teil einer erwählten Generation, der es gegeben ist, in den paar wenigen Jahren ihrer Anwesenheit auf diesem Planeten alle Weichen für immer zu stellen.

Anderenorts ist dieser Glaube denkbar schwach. Der Ägypter, der Japaner, die Türken, selbst Verbündete wie Dänemark, Schweden oder Portugal haben zumeist noch nicht einmal Kenntnis genommen von den vielen Formen der anstehenden Apokalypse, die auf dem deutschen "Markt der Gefühle" (Norbert Bolz) zum Tageskurs angeboten werden. Unvergessen die Jahre, als mit kleiner Münze auf das Angstkonto eingezahlt wurde: Radioaktivität im Trinkwasser war damals ein Klassiker, der "Supergau im Wasserglas", der sich seitdem irgendwie weggestrahlt zu haben scheint. Es kam bessere Ware rein, frischer, schlimmer, wertiger sogar als "radioaktives Uran", der deutschen  Angstreligion so lange treu diente.

Wie lange ist es noch fünf vor 12?

Statt der sieben Plagen gibt es unendlich viele Bedrohungslagen. Was, wenn? Wie lange noch ist es fünf vor 12? Statt "Was darf ich hoffen?", frage die neue, grüne Religiosität: "Was muss ich fürchten?", hat Bolz vor 15 Jahren analysiert, als die die Katastrophenrhetorik noch am Anfang stand, als nur systemrelevante Banken gerettet werden mussten und nicht ganz Gesellschaften vor sich selbst. Seitdem hat die "Industrie der Angst" (Bolz) Wachstumsraten erwirtschaftet, die in der Zulieferindustrie des Stichwortgewerbes ganze Divisionen von Gefälligkeitswissenschaftlern ernährt, eine Landschaft aus Beobachtungsbehörden, eine Politikergeneration am Rande des Nervenzusammenbruchs und eine kindliche Protestbewegung mit totalitärem Machtanspruch über die Mehrheit hat heranwachsen lassen. 

Die Welt, wird da geglaubt oder wenigstens gepredigt, sei noch zu retten, wenn nur ja alle am Gottesdienst der Vorsorge und Sicherheit teilnehmen, "Umweltbewusstsein" zeigen, "nachhaltig" leben, flach atmen, das ökologische Gleichgewicht wertschätzen und sorgsam horchen, was die Hohepriester der Natur an Botschaften ablauschen, die zur Richtschnur unseres Handelns werden müssen. Nicht bewegen. Schluss mit Wachstum. Einrichten im Heute für alle Zeiten. Wozu noch neue Technik, wenn dei EU verfügen kann, dass die alte repariert werden muss?