Freitag, 20. November 2015

Spanien: Schon wieder Bürgerkrieg?

Raul Romeva, Vorsitzender des Unabhängigkeitsbündnisses Junts pel Sí (Gemeinsam für das Ja) will Katalonien abspalten, Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy ist strikt dagegen. Während der eine Unabhängigkeit bis 2017 plant, geht der andere mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Separatisten vor.

Vorerst soll das Verfassungsgericht helfen, das aber erkennen die Abspalter nicht an. Als nächstes wird Rajoy die Armee schicken müssen. Wir befragten den katalonischen Separatisten-Führer Santiago Callijo aus Vielha über die Möglichkeit eines neuen Bürgerkrieges und die Chancen, die das republikanische Spanien hätte, dass sich Deutschland diesmal auf seine Seite schlägt.

Santiago Callijo spricht auch über die anstehenden Aufgaben bei der Abtrennung Kataloniens, die Rolle Europas und die Eingliederung des FC Barcelona in die deutsche Bundesliga.

PPQ: Herr Callijo, glauben Sie, dass es nach den Beschlüssen zur Abspaltung von Katalonien noch einen friedlichen Weg zu einem demokratischen Spanien geben kann?

Callijo: Das glaube ich schon. Wenn es den demokratischen Kräften gemeinsam gelingt, eine Einheit herzustellen und eine Alternative zum bisherigen Regime anzubieten, dann ist eine Demokratie in Spanien noch immer möglich.

PPQ: Angesichts der brutalen Repression gegen die Separatisten und des fortdauernden Streites sieht es doch so aus, als sei Ihre Linie einer friedlichen Entwicklung gescheitert. Müssen Sie Ihre Strategie ändern?

Callijo: Wenn das Rajoy-Regime noch lange die derzeitige Repressionspolitik weiterführt. dann ist nicht ausgeschlossen, dass es in Spanien zu keiner friedlichen Lösung mehr kommen kann.

PPQ: Also Bürgerkrieg?

Callijo: Nein, ich sehe keinen Bruderkrieg, aber wenn Rajoy weiter eine Abspaltung verhindert, dann wird es zu heftigen Hassreaktionen kommen. Das könnte dann zu einem gewaltsamen Umsturz führen -- aber auch das muss noch nicht Bürgerkrieg bedeuten. Allerdings ist Rajoy dabei, ein Bürgerkriegsklima zu schaffen. Aber ich glaube, dass die spanische Gesellschaft entwickelt und reif genug ist, um einen wirklichen Bürgerkrieg zu vermeiden.

PPQ: Halten Sie das Schweigen der europäischen Regierungen für eine unzulässige Einmischung in die inneren Angelegenheiten Spaniens?

Callijo: Ganz im Gegenteil, ich halte sie für eine Hilfe, damit das spanische Volk einmal seine Souveränität ausüben kann. Diese Reaktionen sind wichtig, gerade damit es nicht zum Bürgerkrieg kommt.

PPQ: Sollten Sie eines Tages in einer katalonischen Regierung sitzen, würden Sie sich dann revanchieren und an der Zusammenarbeit Europas teilnehmen?

Callijo: Natürlich wird Katalonien sich zu Europa bekennen.

PPQ: Auch zu einer Mitgliedschaft in der EU?

Callijo: In die müssen wir sogar schnell rein.

PPQ: Kann die spanische Armee nach einem Abgang der katalonischen Rekruten noch eine ähnliche Rolle in der Nato spielen wie bisher?

Callijo: Allenfalls, indem Spanien den Beitritt von Katalonien zur Nato unterstützt. Beide Armeen zusammen, die spanische und die katalonische, können viel erreichen. Dann ist alles möglich.


PPQ: Und was wird aus dem FC Barcelona?

Callijo: Es wird eine katalonische Liga geben. Jedes Land hat eine. Aber Sie haben Recht, der FC Barcelona  braucht die Herausforderung, Spiele mit Gegnern auf Augenhöhe zu absolvieren. Wir überlegen, ob wir eine Eingliederung in die deutsche Bundesliga beantragen. Das wäre auch für den deutschen FCB gut.




Die wirkliche Weltmacht: Der Schoß ist fruchtbar noch

Lieber Flugzeugträger oder Bodentruppen? Lieber Willkommenskultur oder Abschottung? Lieber Spezialeinheiten oder Kompromisse? Nach den Anschlägen von Paris führt der Westen wie immer seine Selbstgespräche über eingebildete Lösungsmöglichkeiten. Hilft es, mehr Förderprogramme zu starten? Integration mit noch mehr Geld zu unterstützen? Helfen Pausenbrote für Islamisten, eine Überredungskultur der Imame? Müssen Moscheen gebaut oder abgerissen werden?

Gunnar Heinsohn, traditionell ein kühler Denker, der eher zur Sache kommt als symbolische Beruhigungspillen zu verteilen, hat auf der Achse des Guten einen hellsichtigen Texte namens "Krieg, aber wie?" geschrieben, der deutlich macht, wie weit die deutsche Diskussion zur Terrorbekämpfung vor dem Hintergrund von G36-Skandal, selbstgesteuerter Grenzöffnung und selbstmörderischer Geburtenrate an der Sache vorbeizielt.

Heinsohn sucht nach den Lehren aus den momentan laufenden Kriegen des Westens gegen den Islam und er beginnt in Afghanistan. "Als es 1950 in den internationalen Bevölkerungsstatistiken auftaucht, leben dort 0,65 Millionen wehrfähige Männer im Alter von 20-29 Jahren", rechnet er vor. Als 1978 der Warschauer Pakt das Land mit 15 Millionen Einwohnern in den Kommunismus überführen wollte, habe Afghanistan schon über eine Million wehrfähiger Jünglinge verfügt - und als die Sowjets 1989 abzogen, waren es trotz vernichtender Militäroperationen mit 1,5 Millionen Toten gerademal 0,04 Millionen weniger.

Es sind die wahnwitzigen Geburtenzahlen mit zwischen 7 und 8 Kindern, die das Rekrutierungspotential immer weiter wachsen lassen. Wo die Invasoren nur 13.000 Mann verlieren, blutet Afghanistan hundert Mal mehr. Aber die russischen Toten gehören zu kostspielig ausgebildeten Eliteeinheiten, sie sind einzige Söhne ihrer Mütter, sie sind kaum zu ersetzen.

Das bekommt auch das westliche Bündnis zu spüren, das 2001 seinen Krieg in Afghanistan beginnt. das Land kann nun schon auf 1,65 Millionen Mann im wehrfähigen Alter zurückgreifen. 14 Jahre später, 700 Milliarden Dollar haben allein die USA investiert, um die Region am Hindukusch zu befrieden, ist die Zahl der wehrfähigen, rekrutierbaren Afghanen auf 2,65 Millionen gewachsen. "Zugleich", schreibt Heinsohn, "ist die Gesamtbevölkerung seit 1950 von 8 auf 32 Millionen hochgeschnellt und für 2025 werden 40 Millionen Einwohner mit 4,25 Millionen Mann zwischen 20 und 29 Jahren erwartet."

Das reicht für die Taliban, für die Regierungstruppen und es reicht zudem noch für Flüchtlingsströme. "Wer klein ist, aber ungebrochen Verluste absorbieren kann, ist für mächtige Länder, die nur einzige Söhne oder gar einzige Kinder in Todesgefahr schicken können, ein großer Gegner", folgert Heinsohn. Das lernten Ost und West in Afghanistan und Israel im Gazastreifen, "dessen Mütter selbst ihre afghanischen Schwestern noch in den Schatten stellen".

Das Fazit ist frustrierend, ein Dokument des Scheiterns für die vielbeschworene westliche Lebensart. "Wer nur Gesamtbevölkerungen vergleicht, um sich seiner Unverwundbarkeit zu versichern, vergisst, dass selbst üppigste Rentnerscharen wenig ausrichten gegen dritte und vierte Brüder, die mit dem Rücken zu Wand stehen." Wenn Vergreiser-Nationen demographisch hochgerüstete Gegner vor Ort niederwerfen wollten, müssen sie scheitern, glaubt Gunnar Heinsohn, der die einzige Alternative in der Sicherung der eigenen Grenzen sieht.

"Hochentwickelte Aufspür- und Befestigungssysteme erlauben auch kleinen Einheiten eine effektive und obendrein bezahlbare Abwehr", glaubt er. Auch das sei von Israel zu lernen.

Entscheidend aber sei das Stoppen des Nachschubs für das Milieu, "in dem die Töter indoktriniert werden". Wie fruchtbar dieser Nährboden ist, zeige sich  daran, "dass er sogar vor dem Islamismus Fliehende in frische Rekruten für seine Anliegen verwandelt". Die dritte Variante ist nach Heinsohn "eine Kombination aus Verweigerung von Heimatschutz und Unfähigkeit zur Intervention".

Momentan favorisiere Berlin diese Option.

Donnerstag, 19. November 2015

Über Angela Merkels falsche Tugend

Ayaan Hirsi Ali hat einen realistischen Blick auf die Heilsversprechen des Islam, denn die somalischen Frauenrechtlerin Politologin wird von Islamisten seit Jahren imemr wieder mit dem Tode bedroht. In der "Welt", die nach der Trennung ihrem Autoren Matthias Matussek versucht, die von diesen vorhergesehene "neue frische Diskussion um die Einwanderung" ganz von der Spitze zu führen, durfte Ali jetzt beschreiben, wie der Lauf der Dinge von hier aus weiterschnurren wird.

Interessant, wie angstfrei und klar die nach einem Asylverfahren trotz falscher Angaben eingebürgerte Niederländerin die europäische Perspektive umreißt: Der Blick nach Israel, der Blick aber auch in die weitgehend abgeschottete USA gibt Orientierung. Neben schärferen Sicherheitsgesetzen, engerer Überwachung aller Lebensäußerungen der Bevölkerung, mehr Militäreinsätzen auf fremder Scholle und Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten gehört nach Alis Ansicht auch die Rückkehr zur nationalstaatlichen Isolation über ein eigenes, souveränes Grenzregime dazu.

Es laufe "auf eine Festung Europa hinaus, mit einem neuen Eisernen Vorhang im Osten und einer von der Marine abgeriegelten Schutzzone im Mittelmeer", schreibt sie. Angesichts der Bedrohung durch den islamischen Extremismus sei diese Strategie alternativlos. Denn soweit ist die Stimmung mittlerweile nicht nur in Frankreich, Holland, Finnland und Dresden: "Sollten Europas Führer weiterhin, wie Angela Merkel, ihre offenen Grenzen als Tugend anpreisen, werden sie bald von Populisten aus dem Amt gejagt, die besser verstehen, was die Bevölkerung will."

Die Anschläge von Paris, glaubt die 46-Jährige, öffnen denen ein Türchen, anders zu entscheiden, die bislang wider besseren Wissen behauptet hatten, es gäbe irgendetwas zu "schaffen" und danach sei es fertig. Wenn über Angst gesprochen, Furcht gefühlt und das alltagsleben von akuter Besorgnis überschattet ist, ergeben sich Handlungsmöglichkeiten, die zuvor nicht da waren: Angela Merkels Willkommenskultur, ihre offenen Arme, ihr obergrenzenloses Einladungsregime darf nun als "falsche Tugend" bezeichnet werden.

Der ganze Text steht hier


Flüchtlingskrise beendet: Zustrom ohne Zahlen

Das Ende kam mit dem Höhepunkt der Hysterie, als Deutschland mit Zahlen von einströmenden Flüchtlingen handelte wie ein Börsenspekulant mit griechischen Pleitewahrscheinlichkeiten. Zehntausend gestern, 20.000 am letzten Wochenende, eine halbe Million seit dem Mauerfalljubiläum im August. Die Balkanroute war die offene Flanke der Berichterstattung aller Brennpunkte, Reporter lauerten an den neuen Grenzzäunen, rennende junge Männer, Kinder mit großen Augen. Das Leben hatte Dramatik, Pegida bekam Zulauf, die Kanzlerin gar wackelte, während Woche für Woche neue Rekorde vom "Zustrom" (Der Spiegel) verkündet werden konnten.

Auf einmal aber war Schluss. Am 11. 11. ließ die Bundesregierung ihr Volk knapp wissen, dass sie keinen Überblick mehr darüber habe, wie viele Menschen bisher nach Deutschland gekommen seien, wo sie sich aufhielten und was sie hier täten. Ein Offenbarungseid, der früher vielleicht zum Rücktritt des Kabinetts geführt hätte - heute aber führte er zum konsequenten Abbruch der Berichterstattung über Flüchtlingszahlen.

Nichts mehr von "Rekorden", nichts mehr von "tausenden Neuankömmlingen", vom Geflüchtetenstau auf Lesbos, nicht einmal mehr von überforderten Kommunen oder ratlosen Bürgermeistern.

Ein Spuk nur, weggeblasen nicht erst am 13. November, dem Tag der "Lage im Griff"-Erklärung der Kanzlerin, auf die die Terroranschläge von Paris folgten, noch ehe Merkels Worte richtig verklungen waren. Sondern schon einen Tag zuvor, als deutsche Medien kollektiv begannen, mit der Berichterstattung aufzuhören. Während österreichische Zeitungen und Nachrichtenportale weiterhin von einem "ungebrochen hohen Andrang" im Grenzort Spielfeld berichteten. Keine Reporter mehr, die live von der Grenze berichten. Keine Experten, die Zahlen hochrechnen. Selbst Meldungen von brennenden Flüchtlingsheimen schaffen es nur noch in die regionalen Medien. Das Verschwinden des Themas registriert das Ausland. Deutsche Medien dagegen tun so, als habe es nie existiert.

Wie haben sie das nur wieder hinbekommen? Welche Strippen sind da gezogen worden, welche Hinterzimmergespräche wurden geführt? Wie im Jahr 2006, als die dunkle Seite des Sommermärchens hinter einer Mauer aus Schweigen verschwand, um der Welt Deutschland als fröhliches Paradies zu zeigen, hat irgendwer, irgendetwas das Thema Flüchtlingszustrom aus der Auslage genommen. Pünktlich 24 Stunden später sprengte sich in Paris ein halbes Dutzend Islamisten in die Luft, arglose Franzosen wurden von durchgeknallten Jüngern des Propheten ermordet und Hersteller von Zusammenhängen zwischen der Legalisierung illegaler Einwanderung und der gestiegenen Terrorgefahr aus der Gemeinde der mitfühlenden Menschen verstoßen.

Es ist vorbei, das kommt auch nicht wieder.


Mittwoch, 18. November 2015

No place called hell

Ich bitte um Verständnis, dass ich aus ganz grundsätzlichen Erwägungen die Quelle der Erkenntnis nicht weiter ausführen kann. Das dient nicht der nationalen Sicherheit unseres Landes.


they break our ties
and tell us that our thoughts are lies
because we know there's nothing on the other side
called hell and they can't seem to keep us down

they break our lovely necks because we stuck them out
because we dare to question what the hell they're on about
and they can't 'seem to keep us down

are you scared 'cause your losing control
are you scared 'cause your losing that hold

so break our bones and back. they'll grow and don't you know
the world you think you own
is only yours on loan
don't you dare to keep us down
don't you dare to keeps us down

are you scared 'cause your losing control
are you scared 'cause your losing that hold

be prepared, you've been warned, you've been told
are you scared 'cause your losing that hold

Starkes Signal: Deutschland zeigt es dem IS

Jetzt zittert der IS, der Kalif kennt seine Grenzen und der internationale Terror steckt eine gewaltige Schlappe ein. Denn das war mal ein ganz starkes Signal aus Deutschland an die Mörderhorden des Islamistischen Staates in Syrien und dem Irak: Das Fußball-Länderspiel, das die deutsche Weltmeisterelf in Hannover gegen die Niederlande austragen wollte, um zu zeigen, dass wir unsere Lebensart nicht ändern werden, nur weil ein paar tausend Terroristen das verlangen, wurde ganz kurz vor Anpfiff abgesagt. Zugleich gelang es in der Redaktion der Zeitung "Die Welt", einen einheimischen Fundamentalisten ausfindig zu machen und umgehend aus seinem Amt zu entfernen. Auch diese Symbolhandlung soll verdeutlichen, dass der Terror "uns nicht im Griff hat", wie es in Berlin hieß.

Der christliche Kolumnist Matthias Matussek hatte nach den Pariser Anschlägen auf Twitter geschrieben, er „schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen“. Diese fremdenfeindliche und menschenverachtende Überlegung verzierte er auch noch mit einem Smiley.

Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters hatte sich daraufhin in einer öffentlichen Tiefenanalyse des Textes von Matussek feinsinnig distanziert und dessen Text als „durchgeknallt“ kritisiert. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann beurteilte den Eintrag in einem unabhängigen Gutachten als „ekelhaft“. In der alten Tradition der sozialistischen Staaten hatte Matussek seinen "verdammten Smiley" (Matussek) daraufhin korrigiert wie Stalin einst die Ungnade gefallenen Genossen aus Fotos korrigieren ließ. Das aber reichte ebensowenig wie seine Erklärung, es habe sich um einen "Ausdruck sarkastischer Verzweiflung" gehandelt. Hielt der Delinquent doch zugleich verstockt an seinem Recht fest, "wütend auf die Terroristen" sein zu dürfen.

Das geht so gar nicht, denn Verhärtung und Eskalation auch in der Sprache sind ein völlig falsches Zeichen in Kriegszeiten. Und ebenso falsch könnte auch ein Fußballspiel verstanden werden, in dem junge Männer unislamisch in kurzen Hosen vor einem biertrinkenden gemischtgeschlechtlichen Publikum herumhampeln.

Gerade noch rechtzeitig hat die Bundesregierung erkannt, dass es eben nicht gelten kann, "Zeichen zu setzen, gemeinsam auf der Tribüne, Solidarität mit dem französischen Nachbarn, ein Signal gegen den Terror von Paris und für die Freiheit", wie Bundeskanzlerin Merkel und die meisten ihrer Minister ursprünglich angekündigt hatten. Vielmehr muss der Terrorismus mit Großmut, Güte und dem Nachgeben des Klügeren beschämt werden.

In einem ersten umfangreichen Manöver wurde deshalb Til Schweiger vom Sender genommen, Schüleraustauschfahrten wurden abgesagtt, Weihnachtsmärkte unter Vorbehalt gestelltt, Popkonzerte wurden storniert, Karnevalsumzüge ins nächste Jahr vertagt und eine Operettenpremiere wurde sausen gelassen.

"Unser freies Leben ist stärker als jeder Terror", ließ die Kanzlerin dazu wissen. Das kluge, angemessene Nachgeben sei so wenig ein Zurückweichen wie offene Grenzen ein Souveränitätsverlust. Die Kanzlerin hat die Lage weiter uneingeschränkt im Griff. Das gelte unabhängig von dem, was da draußen vor sich gehe, hieß es in Berlin. "Es hilft ja nicht weiter, jetzt Einzelheiten zu nennen", sagt der Innenminister.

Dienstag, 17. November 2015

Merkels Plan zum Machterhalt

"Wir schaffen das", hatte Angela Merkel versprochen - und wirklich, AfD-Chefin Frauke Petry musste nicht lange warten. Nach einer neuen Umfrage wäre ihre Alternative für Deutschland jetzt erstmals drittstärkste Partei hinter Union und SPD, wenn am Sonntag Wahlen wären. Im INSA-Meinungstrend für die kanzlernahe „Bild“-Zeitung legen die rechtspopulistischen Hetzer AfD um 0,5 Punkte auf 10,5 Prozent zu und lassen damit sowohl die friedensbewegte und flüchtlingsfreundliche Linkspartei (-1) als auch die atomkritischen und reisefreudigen Grünen (unverändert) hinter sich.

Weil sich CDU/CSU durch die zumindest symbolisch wiederangezogenen Zügel in der Frage der offenen Grenzen im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf 35 Prozent verbessern, scheint die große Machtkrise der Kanzlerin ausgestanden. Durch ihr kluges Taktieren in der Grenzpolitik hat Merkel weite Teile der Bevölkerung gegen Grüne und Linkspartei aufgebracht, gleichzeitig hat sie die SPD in eine Falle gelockt und den im politischen Ränkespiel unerfahrenen Pop-Beauftragten und SPD-Kanzlerkandidat Sigmar Gabriel dazu verleitet, sich für offene Grenzen und illegale Einwanderung stark zu machen. Sie selbst dagegen ließ sich von Horst Seehofer lange demonstrativ bitten, die Grenzen zu schließen und öffnete damit die rechte Flanke der Union soweit, dass dort Platz für eine neue Partei wurde.

Während die SPD nun einen weiteren halben Punkt auf 23,5 Prozent verliert, schafft sich Angela Merkel mit der AfD eine populistische Machtalternative auf der rechten Flanke. Glaubte Sigmar Gabriel bis vor kurzem noch, nach der nächsten Bundestagswahl gemeinsam mit Linkspartei und Grünen regieren zu können, ist nun klar, dass Merkel im Fall einer SPD, die die von Merkel vergebenen Posten und Pöstchen in Berlin verweigert, um selbst Posten und Pöstchen vergeben zu können, auch eine Machtperspektive mit Frauke Petry und co. hätte. Zusammen kämen CDU und AfD auf 45,5 Prozent der Stimmen. Das ist gerademal ein Verlust von 0,7 Prozent, den die beiden Parteien im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 erleiden - während sie gleichzeitig eine neue Machtperspektive gewinnen.

Deutschland 2015: Unterwegs in den Irrsinn

Wenn Flüchtlinge vergessen, ihre Facebook-Accounts zu reinigen: Nette Jungs, manchmal mit Gewehren.
Die Wassermetapher vom "Zustrom", die der "Spiegel" und die SPD benutzen, geht in Ordnung. Masseneinwanderung, das treffendste Wort, ist an der Grenze. "Lawine" dagegen darüber hinaus, weil Lawine, so argumentieren Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung und der Rest vom Pressefest, eine Naturkatastrophe signalisiert. "Flüchtlinge sind aber keine Naturkatastrophe."

Wäre besser, rein rechtlich gesehen. Die Bundeswehr ist derzeit trotz Verbot durch das Grundgesetz im Inneren im Einsatz, weil Artikel 35 des Grundgesetzes das zwar nicht hergibt, ohne dass die Bundesregierung Naturkatastrophe, Unglücksfall oder Verteidigungsfall erklärt. Aber es klagt niemand dagegen, weil jeder sehen kann, dass keine Naturkatastrophe auch eine sein kann.

Noch mehr Bilder von Facebook-Accounts Geflüchteter: Heute hier, morgen dort und auf einmal sind die Bärte fort.
Es gilt, am Sprachgebrauch zu arbeiten. Es gilt, sich selbst abzulenken. Wer nicht für unbegrenzte Einwanderung ohne Grenzkontrollen ist, ist gegen Flüchtlinge, gegen Mitmenschlichkeit, gegen Hilfe und Gerechtigkeit. Wer kontrollierte Einwanderung fordert, ist gegen den Frieden, gegen das Teilen von Reichtum, gegen eine Zukunft für unser Land und gegen die Kanzlerin, die allein diese Zukunft ermöglicht. Wer von Terroristen spricht, die sich unter den Flüchtlingsstrom mischen könnten, missbraucht sein Recht, besorgt zu sein. Von dort aus, wo die Pegida-Protestler stehen, denen der fremdenfeindliche Geifer aus den Mundwinkeln läuft, ist es nur noch ein Stück bis Mauerbau, Schießbefehl, Honecker, Hitler, Massengrab und Demokratieverbot.

Wir reagieren. Als 224 Russen von islamistischen Terroristen ermordet wurden, war Putin selbst schuld, hatte er den Islamistischen Staat doch mit Bombenangriffen provoziert. Niemand wäre auf die Idee gekommen, sein Facebook-Profil mit einer russischen Fahne zu verschönern, "Мы Москва" zu erklären oder Sondersendungen im Fernsehen zu bringen. Als der IS in Parist zuschlug, in Zahlen nur halb so erfolgreich, war jeder Tote mehr als doppelt so viel wert: Schlagartig trug jeder Tricolore, war jeder Franzose, Pariser, Opfer. Nur Assad durfte nicht behaupten, Paris, das Syrien seit Monaten bombardiert, sei selbst schuld. Mit dieser Ansicht stehe er weltweit ganz allein, hieß es allüberall.

Wir tun was. Vermutlich kommt der "Spiegel" bald mit einem Titelbild "Stoppt Assad jetzt". Die SPD wird sich mit CDU und CSU einig sein: Die Attentäter von Paris verwendeten Kalaschnikows - nun gilt es, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen. Martin Schulz hingegen, Europas Gesicht im Inland, wird mehr Europa fordern, mehr Gemeinsamkeit und weniger Verantwortung für sich und seine Kommissarskollegen. Die Bundesregierung hat schon Maßnahmen eingeleitet: Nach den schlimmsten Terroranschlägen in Europa seit London und Madrid spendiert sie dem Verfassungsschutz 150 neue Stellen.

Zur Bekämpfung des Rechtsextremismus.



Montag, 16. November 2015

Babymord: Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört

Es zeigte sich über Äonen eine schlimme Spaltung bei den Babymorden. Wegen des DDR-Erbes mordeten deutsche Frauen ihre Kinder vor allem im Osten, wo Verwahrlosung und Gewaltbereitschaft regieren, wie Jörg Schönbohm von der CDU schon vor Jahren analysierte. Im Westen dagegen hatte das "Schaffen von Werten" Priorität, Babys konnten wohlbehütet aufwachsen, statt in Blumenkästen vergaben zu werden.

Nun aber Aufatmen, mitten im Terrorherbst. Denn es wächst zusammen, was zusammengehört. Knapp zehn Jahre nach der Babyleichenschwemme von Brandenburg wurden in einem schmucklosen, aber gepflegten Haus in Wallenfels in Oberfranken acht tote Babys gefunden.

Gerechter Ausgleich im 25. Jahr nach der Vereinigung? Oder das Übergreifen der "Verrohung ostdeutscher Randgebiete" und der mangelnden Wertevermittlung unter dem SED-Regime auf westdeutsche Demokratie-Kernlande?

In der Sache stimmt der Kriminologe Christian Pfeifffffer zu. "Das Risiko eines Kindes, bis zum Alter von sechs Jahren von seinen Eltern getötet zu werden, ist im Osten drei bis vier Mal höher als im Westen", sagt der Experte. Dass jedoch die Wertevermittlung im SED-Regime der ausschlaggebende Faktor für diesen Unterschied sei, sei auch nach dem Fund von Wallenfels nicht grundsätzlich anzuzweifeln. "Allerdings könnte es sein, dass die Mutter eine zugewanderte frühere DDR-Bürerin ist".

Nach Angaben von Pfeifffer war die Zahl der Kindstötungen in Westdeutschland zuletzt doppelt so hoch wie im Osten. Die Gründe für die Häufung in Westdeutschland sind Pfeifffer zufolge bislang nicht ausreichend untersucht.

"Generell ist die Frage schon berechtigt: Was hat die alte Bundesrepublik den Menschen mitgegeben an Stabilität im persönlichen Bereich, an Empathie für Kinder", erklärt Pfeiffffer. Er kenne völlig überforderte Mütter bei sich in Hannover, die auch keine Unterstützung von Nachbarn oder Freunden erhielten.

Auch der Historiker Hubertus Knabe legt den Finger in die Wunde. "Es ist sinnvoll, über die gesellschaftlichen Ursachen nachzudenken", sagt der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Freilich könne man nicht sagen, dass alle Westdeutschen Kinder töteten, erklärt Knabe.

Die Instrumentalisierung des Instrumentalisierungsvorwurfs

Selten nur war die westliche Welt so einig. "Ich werde mich dem Terror entgegenstellen und dafür sorgen, dass die rechte Propaganda das Attentat nicht für ihre Zwecke nutzt", bringt die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf den Punkt, welches große Problem in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren vor allem bekämpft werden muss: Niemand darf die schrecklichen Anschläge islamistischer Terroristen in Paris "instrumentalisieren" (Der Spiegel), um die Mehrzahl der friedliebenden Muslime verantwortlich zu machen für den unübersehbar aufziehenden Weltbürgerkrieg.

Es ist nicht "hilfreich" (Merkel), an den Islam dieselben Maßstäbe anzulegen wie einst an den Kommunismus. Diesmal darf es keine Vermischung der gewaltlosen Glaubensausübung von Millionen mit dem brutalen Morden einer Handvoll Irrsinniger geben. Flüchtlinge flüchteten ja gerade vor dem Terror, sie sind nicht die, die den Terror exportieren.

Eine völlige Neubewertung dessen, was ein gemeinschaftlicher Glaube zu verantworten hat. Als der Islam noch Kommunismus hieß, herrschte im vormaligen Westen Einigkeit darüber, dass Stalin seine Verbrechen nicht nur aufgrund einer leider, leider falschverstandenen Interpretation der unsterblichen Lehren von Marx, Engels und Lenin verübte. Sondern die Lehren der drei Säulenheiligen des Weltkommunismus selbst den Keim gelegt hatten, aus dem millionenfacher Mord, aus dem Gulag, Unterdrückung, Eiserner Vorhang und jahrzehntelange Suspendierung nahezu aller Menschenrechte entspringen musste.

Der Islam hingegen, eine expansive Ideologie, deren Grundsatzdokumente nicht nur in Sure 8:40 unmissverständlich offenbaren, dass Ungläubige bekämpft werden müssen, "bis alle Versuchung aufhört und die Religion Allahs allgemein verbreitet ist", genießt den Schutz der Religionsfreiheit. Und seine Anhänger können wie einst die K-Gruppen in der alten Bundesrepublik argumentieren, es sei ja nicht der wahre Islam, den die Terroristen mit ihren Bomben und Gewehren predigen. Sondern eine falsch verstandene, in Wirklichkeit nur in den Köpfen von Islamisten existierende Variante, die es gilt, durch Fördermittel, Aufklärung und besseres Beispiel zurückzudrängen.

Übersetzt in die Geschichte: Wer den Kommunismus für den Stalisnismus verantwortlich machte, instrumentalisierte Stalin, um böswillig Kommunisten zu diskreditieren. Eine Auffassung, die nur in linken Zirkeln konsensfähig ist, deren Übertragung auf den Islam aber bis weit über die Mitte der Gesellschaft hinaus Zustimmung findet.

So funktioniert die Instrumentalisierung des Instrumentalisierungsvorwurfs als wohlfeile Ablenkung von der eigentlichen Frage, ob sich gläubige Muslime nicht von einer Religion lossagen müssten, die zum Missbrauch offenbar einlädt wie keine andere.

Sonntag, 15. November 2015

Neu im PPQ-Shop: Brecheimer!

Liebe Leserinnen und Leser,

Ihre Meinung zu PPQ ist uns wichtig. Anders als sonst bei uns üblich gibt es allerdings an dieser Stelle keine Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen.

Zu unserer Berichterstattung über die Gegenwart haben wir zuletzt derart viele beleidigende und zum Teil aggressive Einsendungen bekommen, dass eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich ist.

Wir haben die Kommentar-Funktion bei diesen Themen daher vorübergehend abgeschaltet.

Selbstverständlich können Sie trotzdem Ihre Meinung sagen – sprechen Sie einfach mal wieder mit Freunden, mit ihrer Familien, mit Arbeitskollegen und Mitreisenden in der Bahn!

Nous sommes mort metal

Es wird wieder Zeit für Symbolhandlungen, vielleicht für einen Marsch der Staats- und Parteichefs an der Spitze der Völker, die gar nicht hinterlaufen. Zeit für die Behauptung, nun sei nichts mehr, wie es war. Zeit auch, innezuhalten, für einen Moment, und klarzustellen, dass all die Gewalt gegen harmlose Metalfans in Paris nichts mit der ursprünglichen Intention des Islam zu tun hat, die gesamte Welt in ein Kalifat zu verwandeln und ganze Menschheit in einem Teil der Umma.

Islam heißt Frieden und Dschihad ist die Bemühung, immer gut rasiert auszusehen, auch wenn man einen bauchlangen Bart trägt. Alles andere ist ein Missverständnis, gezielt geschürt von Dämonenanbetern mit E-Gitarren und einer westlichen Expansionsagenda, die den Islamistischen Staat einfach zwingen musste, zurückzuschlagen gegen manische Heavy-Metal-Musik, lange Haare, kurze Bärte, Schnaps, Sex und Leben mit Spaß.

Nun kommen die Führer der freien Welt wieder zusammen wie ein Mann, die Solidaritätserklären überschlagen sich, nur die Selfies am Tatort fehlen noch.

Es ist der Bündnisfall, das Großereignis, das es nun noch mehr als bisher verbieten wird, die Grenzen einer eng begrenzten Diskussionskultur zu verlassen. In Europa, dem Weltfriedennobelpreiskontinent, herrschtKrieg, der "Dritte Weltkrieg" (Papst Franziskus) gar.

Der deutsche Innenminister warnt davor, Terror und "Flüchtlingszustrom" (Der Spiegel) zusammen zu debattieren, die Grünen warnen, Islam und Terror in einem Atemzug zu nennen. Der Teufel Assad bezichtigt den Westen, mit der Destabilisierung Nordafrikas den Samen für die Saat des Bösen gelegt zu haben.

Es gibt nun keine Finanzkrise mehr, keine Wachstumskrise, keine Zukunftskrise des westlichen Gesellschaftsmodells. Nur noch Symbole, Zusammenrücken, Grenzkontrollen. Und Menschen ändern ihre Facebook-Profilbilder, um einander Solidarität zu zeigen.




Samstag, 14. November 2015

Zitate zur Zeit: Ein fürchterliches Gemisch

Wenn die mächtigen Männer im Land, die zugleich ängstliche Männer sind, mit dir schmollen, wird´s gefährlich, denn, das weiß jeder, Macht und Angst, das ist ein fürchterliches Gemisch.

Manfred Krug, Abgehauen, 1976

Der Nazi-Kontinent

Als Europa vielen Völkern noch ein leuchtendes Beispiel dafür war, dass auch eine anhaltende Wachstumskrise, zwischenstaatlicher Streit und himmelhohe Jugendarbeitslosigkeit mit dem Freidensnobelpreis geehrt werde können, war zumindest klar, dass die Grenzen im Inneren offen sind. Nur Dänemark scherte da aus, im Sommer 2011, doch die aufrechten Europäer um SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann („schwerer Schlag für Europa“) und Grünen-Fraktionschefin Renate Künast („die Axt an die Reisefreiheit“) hielten gegen: Grenzkontrollen gehen gar nicht!

Vier Jahre später hat Frankreich nach dem zweiten großen Terroranschlag des Jahres seine Grenzen geschlossen. Auch Deutschland hat wieder symbolische Grenzkontrollen eingeführt, vorübergehend natürlich nur, seit zwei Monaten schon. Schweden macht mit und schottet sich ab, Dänemark ist sowieso dabei, Ungarn und Slowenien und Österreich bauen Zäune, Bulgarien hat sie schon und Spanien sowieso. Die Abschaffung der europäischen Grenzen ist abgesagt, die Rückkehr der Nationalstaaten steht auf der Tagesordnung.

Und plötzlich ist auch Martin Schulz wieder da, ein großer, vielleicht der größte Europäer, der einst auserkoren war, den Friedensnobelpreis für Europa in Empfang zu nehmen. Und Schulz, ausgestattet mit der Superkraft Opportunismus,  sagt "Wir würden schon gern die Grenze an der Türkei schützen". Der SPD-Mann will unterstreichen, dass Europa nicht mehr das Europa ist, das stets betonte für Freiheit, Freizügkeit und offene Türen zu stehen.

Überall gehen die Schotten hoch. Pässe und Passierscheine werden wieder wichtig. Spitzenblätter reden unwidersprochen vom "Zustrom" (Spiegel) und Spitzenpolitiker von einer "Lawine" und sie zitieren dabei alte NPD-Parolen, ohne auch nur rot zu werden.

Was ist los, was ist geschehen? Reichen zwei, drei Terroranschläge, um das, was als ewige Grundwerte behauptet wurde, wegzufegen wie Laub im Wind? War der Lack der Zivilisation wirklich so dünn, dass ein Hereintröpfeln von zwei Prozent zusätzlicher Bevölkerung alles abschleift? Und dass drunter zum Vorschein kommt, was Europa nach Analyse seines Handelns sein muss, wenn die Recht haben, die jeden, der der Entgrenzung der Nationalstaaten, der Aufgabe der Souveränität gewählter Volksvertreter, der Herrschaft der gesichtslosen Gemeinschaftsbehörden, Zentralbanken und Kommissarsrunden widerspricht, als Rechtspopulisten und Nazis bezeichnen: Ein ganzer Nazi-Kontinent?

Freitag, 13. November 2015

Die Kanzlerin hat die Lage


Zitate zur Zeit: Bannkreis um Problemzonen

Der Deutsche Bundestag hat keine einzige Abstimmung zur Flüchtlingsfrage zustande gebracht, nicht eine nennenswerte Debatte.

Die politische Klasse ist in der Lage, Monate mit Unsinn wie die Autobahnmaut und nationalen Schicksalsfragen vom Range des Mindestlohns zu verplempern. Nur die großen Sachen sind ihr zu groß.

Wolfgang Herles bestaunt die sichtbaren Folgen der Postdemokratie

Zurückrudern, getarnt als Kurshalten

In seiner ersten "Rede zur Niederlage der Union" hatte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Anfang September eine feste Verteilungsquote für Flüchtlinge innerhalb der EU gefordert. Demnach sollte Deutschland 31.500 Flüchtlinge zusätzlich aufnehmen – eine Zahl, die bereits zwei Wochen später erreicht war. Doch Juncker warnte schon damals vor Schockstarre: "Wir müssen nun aber wagemutig agieren. Es geht um Menschlichkeit, Würde und historische Fairness." Zäune seien kein Ausweg, auch "hohle Reden" brächten gar nicht.

77 hohle Reden später hat die Wirklichkeit hat den obersten Europa-Kommissar bestätigt. Trotz Junckers leidenschaftlich gespieltem Appell, doch bitte „gemeinsam nach Lösungen für die "Flüchtlingskrise" zu suchen“, sind die aktuellen Zahlen weiter so beeindruckend und "auch erschreckend" (Juncker), dass schon gar nicht mehr öffentlich buchgehalten wird. Selbst Deutschland ist angesichts dessen aus seiner über zwei Monate anhaltende Schockstarre demonstrativer Menschlichkeit erwacht. Wie am Fließband verabschieden die Regierungsparteien mittlerweile Asylrechtsverschärfungen, keine Pegida- oder AfD-Forderung ist zu "rechtspopulistisch" (SZ), als dass sie nicht noch klammheimlich Realpolitik werden kann. Der Innenminister schottet das Land mit Notverordnungen ab, die Kanzlerin schweigt, und wenn Partnerländer ihre Grenzen mit Zäunen sichern, wagt sich kein Politiker keiner Partei mehr wie noch im Fall der ungarischen Zaunbau-Pläne mit lautem Protestgeschrei aus der Deckung.

Ein viel zu heißer Herbst weht das wahre Leben in die Parteizentralen, in denen sich Heerscharen von Kreuzfahrtschiffkapitänen seit Jahren damit beschäftigt haben, die Welt nach ihren Idealen zu formen, wenigstens theoretisch. Zwischen Mindestlohn und Gender Mainstreaming, Kampf gegen rechts und Blindbewerbung, Inklusion und Klimarettung blieb kein Platz für Realpolitik, im Schaubergwerk der Modellgesellschaft für eine heile Welt aus Windkraft, Sonnenenergie, Gleichberechtigung und sicheren Renten, das Deutschland zu sein glaubte, blieb trotz Panoramascheibe kein Platz, sich umzusehen.

Nun hat das Panorama die Problemverdränger eingeholt. Eine Kanzlerin, die ihrem Land über Jahre vorstand wie eine Gallionsfigur für dessen Stärke und Erfolg, enttarnt sich binnen weniger Wochen als Kanzleigehilfin, deren Staatskunst an die ihres frühen Vorgängers Erich Honecker erinnert. Wo der in grundsympathischer Opa-Verwirrtheit seine Zuversicht ausdrückte, dass weder Ochs noch Esel den Sozialismus aufhalten würden, den Kohl und Gorbatschow längst im Begriff waren, unter sich aufzuteilen, versichert Merkel ihrem Publikum, dass „wir“ „das“ „schaffen“. Ohne konkret zu werden, wer dieses „wir“ ist, was „das“ beinhaltet und woran sich „schaffen“ messen wird.

Ein Zurückrudern, getarnt als Kurshalten. Grenzen dicht, Kontrollen beibehalten und dabei so tun, als sei das immer schon der Plan gewesen. Wäre nicht der Gang der Dinge bis hierher bereits Ausweis für ein "Staatsversagen" (Cora Stephan) erster Klasse gewesen, zeigte das Chaos beim hektischen Abwickeln des selbstorganisierten Chaos jetzt, dass das Heft des Handelns der Regierung entglitten ist. Und Jean-Claude Juncker, der Verteilquotenprediger, Schockstarrewarner, der wagemutige Mitmenschlichkeitsforderer? Seit Ende Oktober schweigt der Oberkommissar.

Natürlich, denn Juncker muss angesichts neuer Enthüllungen zu seiner Rolle bei den Steuersparstrategien für Großkonzerne erstmal sehen, wie er sich selbst rettet.

Donnerstag, 12. November 2015

Heute ausnahmsweise mal ehrlich

Ausnahmsweise heißt es ehrlich sein. Der Wahrheit in die vom Hass verzerrte Fratze schauen. Nicht drumherumreden. Schöntun. Und auf andere zeigen. Also echt:

Hat denn wirklich irgendjemand geglaubt, dass unsere Geheimdienste als einzige auf der Welt keine Freunde bespitzeln?

Hat denn tatsächlich jemand angenommen, dass uns als einzigem Land eine Fußball-Weltmeisterschaft wegen Beckenbauers schöner Augen zugeschlagen wird?

War denn allen Ernstes einer davon überzeugt, dass es beim Asyl keine Obergrenzen gibt?
Dass Deutschland nicht alle aufnehmen kann. Aber es doch tun wird?

EU beschließt neue Juden-Markierung

Die EU-Kommission hat eine Kennzeichnung von Produkten aus israelischen Siedlungen in besetzten Gebieten beschlossen. Damit soll künftig in allen 28 Mitgliedstaaten ein gelber Stern auf die Herkunft von Erzeugnissen aus jüdischer Produktion im Westjordanland und Ost-Jerusalem sowie von den Golanhöhen hinweisen, um Verbraucher vor dem Kauf zu warnen.

Bislang wurden sie als "Produkte aus Israel" bezeichnet, nach Angaben der EU handelt es sich jedoch um Produkte aus einem ehemaligen Teil der biblischen Reiche Israel und Juda, die im Arabisch-Israelischen Krieg von 1948 von Jordanien besetzt worden waren. Im Sechstagekrieg vom Juni 1967 hatte Israel das Gebiet erobert, das seither unter israelischer Militärverwaltung steht.

Die neuen Richtlinien sollen für Obst, Gemüse und Kosmetika aus jüdischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten gelten, um Verbraucher zu warnen. Für andere Produkte bleibt die Kennzeichnung freiwillig. Seit mehreren Monaten hatte die Kommission an genaueren Vorschriften für die Lebensmittelindustrie und Handelsketten gearbeitet, die einen "Boykottaufruf" nicht als solchen erscheinen lassen. Man wolle dem Staat Israel Unrecht tun, der 1948 noch in der Nacht seiner Unabhängigkeitserklärung von den vereinigten Armee der arabischen Staaten Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und Irak angegriffen worden war. Den nachfolgenden Krieg hatte Israel gewonnen.

Dafür müsse, so hieß es Brüssel, Israel bestraft werden. Nur seinetwegen hatte die arabischen Allianz den UN-Teilungsplan für Palästina nicht akzeptiert, so dass die Region bis heute umstritten geblieben ist. Gebe es kein Israel, gebe es auch keinen Streit um dessen Existenzrecht. Die neue Vorschrift, jüdische Produkte mit einem gelben Stern zu kennzeichnen, sei angemessen und maßvoll.

Die neuen Richtlinien gehen auf eine Entscheidung der EU-Außenminister aus dem Jahr 2012 zurück. Damals hatten sie beschlossen, "die geltenden Rechtsvorschriften der EU und bilateralen Vereinbarungen, die auf Erzeugnisse aus den Siedlungen anwendbar sind, kontinuierlich, umfassend und wirksam umzusetzen". Die Bundesregierung unterstützte den Vorstoß der EU. Deutschland sei ein großer Freund Israels, man verspreche sich einen „nachhaltigen“ Werbeeffekt von der neuen Juden-Markierung.

Der deutsche Bundestag hatte sich schon im vergangenen Jahr zu einer harten Linie gegen Israel bekannt. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" profitierte dennoch lange von kruden Thesen um Judengene.

Mittwoch, 11. November 2015

Doku Deutschland: Väterchen Schmidt und der Personenkult

"Die Art, wie er geraucht hat", wird Gregor Gysi fehlen. Die Welt trauert. Die Medien vergessen für einen Augenblick, dass Flüchtlingskrise ist. Das Volk weint. Selbst Jüngere hätten ihn ja gekannt, heißt es. Den Vater des Volkes. Den Lotsen. Den Mann auf der Brücke. Den Staatenlenker. Den Mythos.

Und dessen Schlagzeilen:

Altkanzler Helmut Schmidt: Unser Weltökonom
Der Mann, der die RAF besiegte
Helmut Schmidt: Der Jahrhundert-Lotse
Der Weltökonom
Ein Hanseat. Aber eigentlich ein Preuße
Aus Prinzip standhaft
Für Sie am Klavier: Helmut Schmidt
Wie geht das, ohne ihn?
Ein Leben für Deutschland
Es ist leer am Speersort
Der ewige Bundeskanzler
Der Durchbruch kam als Welterklärer
Große TV-Anteilnahme am Tod von Helmut Schmidt - Frank Rosins Kantinentest startet stark
Er schlief friedlich ein
Helmut war ein Vorbild
Sondersendung in voller Länge: Helmut Schmidt
Zwischen politischer Schnauze und Staatsmann
Schmidt-Zitate: "Willen braucht man. Und Zigaretten"
Zum Tode von Helmut Schmidt : Ein Ästhet der Macht
Helmut Schmidt: Aus Prinzip standhaft
Merkels persönlicher Abschied von Helmut Schmidt
"Schmidt war wie ein Terrier, unduldsam gegenüber Mittelmäßigkeit"
Helmut Schmidt: Mithelfen, dass der Frieden bleibt
Helmut Schmidt: Wie geht das – ohne ihn?
US-Reaktionen: "Die Welt wird ihn vermissen"
Helmut Schmidt: Was für ein Mensch!
Helmut Schmidt und die SPD: Er war doch in der richtigen Partei
Helmut Schmidt ist tot: Internationale Pressestimmen
Interview mit Leibarzt: So waren die letzten Stunden des Helmut Schmidt
Helmut Schmidt: Der Ökonom im Kanzleramt
Zum Tod von Helmut Schmidt: Der König von Deutschland tritt ab
Helmut Schmidt: Leibarzt Heiner Greten im Interview
Zum Tode von Helmut Schmidt: Ein Ästhet der Macht
Auch US-Politiker trauern um Helmut Schmidt
Henry Kissinger über Helmut Schmidt "Die Welt wird ihn vermissen"
Helmut Schmidt: Seine zehn besten Sprüche
Helmut Schmidt und seine zynischen Äußerungen
Parteien: Trauer um Altkanzler Helmut Schmidt
Helmut Schmidt: Er wusste, wie Geschichte gemacht wird
Helmut Schmidt bei Sandra Maischberger
Nachruf auf den Altkanzler: Helmut Schmidt
Helmut Schmidt - Steinbach empört mit Schmidt-Tweet
Nur eine sorgt für Empörung: Erika Steinbach, ...
Nach Tod von Helmut Schmidt: Shitstorm gegen Erika Steinbach
Helmut Schmidt Zitate: "Willen braucht man. Und Zigaretten"
Kanzler, Elder Statesman und Ehemann in Zitaten.
Helmut Schmidt: Deutschlands Bundeskanzler mit Kultstatus
Helmut Schmidt ist tot. Eine Umfrage weist ihn als beliebtesten Bundeskanzler der Deutschen aus.
Helmut Schmidt - "Er fand Dummköpfe mehr als ermüdend"
Kanzlerin #Merkel: Helmut Schmidt hat sich um unser Land verdient gemacht.
Tod des Altkanzlers: Staatsakt für Helmut Schmidt im Michel geplant
Niedersachsen trauert um Altkanzler Helmut Schmidt
"Wir verlieren einen großen Menschen": Die Anteilnahme in Niedersachsen"
Helmut Schmidt ist friedlich gestorben"
Rückblick - Helmut Schmidt und Berlin - eine besondere Beziehung
Neben seiner geliebten Loki - Begräbnis selbst geplant
Helmut Schmidts Leben in Bildern - Macher mit Schnauze
Helmut Schmidt: Eine Politikerkarriere
Helmut Schmidt: Kondolenzbuch zum Tod des Altkanzlers

Zur Reihe Doku Deutschland
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