Er gilt als bester Freund des Menschen und ist
auch vielen Prominenten ein treuer Gefährte. Hunde sind treu, sie sind pflegeleicht, in der Anschaffung billiger als ein Auto und im Unterhalt versprechen sie bei geringeren Kosten ein höheres Sozialprestige abzuwerfen. Doch der
Migrationssoziologe und Klimabewegungsforscher Heiko Hassknecht, Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte an der Hochschule Vividrina, warnt jetzt vor Blauäugigkeit: 500 Millionen Hunde weltweit belasten die Atmosphäre zusammen mit mehr CO2 als ganz Deutschland auspustet.
Etwa eine Milliarde Tonnen produzieren die kleinen Klimakiller jährlich. Die Anbaufläche, die zur Produktion der Futtermenge benötigt wird, die ein einziger Hund im Mittelformat braucht, beträgt 0,84 Hektar und ist damit doppelt so groß wie benötigt würde, um genug Biomasse anzubauen, damit ein Toyota Land Cruiser 10.000 Kilometer fahren kann.
PPQ: Herr Hassknecht, Sie haben keinen Hund, und Sie wollen auch gar keinen. Wann haben Sie diese Entscheidung getroffen – und aus welchen Gründen?
Hassknecht: Als ich 30 wurde, habe ich angefangen, mich länger mit der Frage zu beschäftigen, mich viel eingelesen und bin dabei auf eine Studie gestoßen, in der Forscher herausgefunden haben, dass wir eine Milliarde Tonnen CO2 einsparen könnten, wenn wir uns keine Hunde hielten. 1,8 bis vier Tonnen sind es pro Hund und Jahr – das muss man sich mal vorstellen! Da hat es dann „Klick“ gemacht, und für mich war klar: Nee, das will ich alles ich nicht. Ich habe mich bewusst für ein leben als Haustieraussteiger entschieden, also eine Existenz ohne Katze, Maus, Hund, Wellensittich und Zierfische. Andere werden Vegetariert oder gar Veganer, bleiben aber einer urzeitlichen Kutlur verhaftet, in der der Mensch einen tierischen Freund zu benötigen glaubt. Als Aussteiger ohne solchen überflüssigen Luxus habe ich mich auf allereinfachste Weise ein völlig unabhängig von einer überbordenden Versorgungsindustrie gemacht, die rund um den Hautierkult entstanden ist. Das bringt nach meinen Berechnungen mehr als die vielen betonten Verzichtshandlungen, der sich die Modegesellschaft befleißigt, um Distinktionsgewinne zu erwirtschaften.
PPQ: Haben Sie deswegen negative Reaktionen geerntet?
Hassknecht: Also am Anfang nicht. Ich bin bestaunt worden, weil es eher so ist, dass Menschen einen Hund haben - dann interessieren sie sich in der Regel auch für Hunde. Haben sie keinen, fehlt er ihnen auch nicht. Anders gesagt: Hundebesitzer reden viel über ihre Lieblinge, aber zumeist untereinander. Wer keinen Hund hat, spricht auch nicht über diese Fehlstelle, weil er selbst sie gar nicht als solche empfindet. Wenn man aber als jemand, der beschlossen hat, keinen Hund zu haben, darauf hinweist, was der Hund uns antut, uns und unserem Klima, dann wird man angegriffen. Man bricht einen gesellschaftlichen Konsens, der unausgesprochen bestimmt, dass sich der Nichtbesitzer eines Hundes - man kann das auf Katzen, Schafe, Ziegen und Meerschweinchen erweitern - herauszuhalten habe aus den Diskussionen von Menschen, die sich aus welchen Gründen und unter welcher Maßgabe der Verachtung für den Stand der Wissenschaft auch immer - entschlossen haben, mit dem Hund zu leben. Und, das sage ich so, auch für den Hund. Aber ich denke, es gehört zu unserer Verantwortung nachfolgenden Generationen gegenüber, dass wir uns verdeutlichen, was da geschieht. In Deutschland gab es 2010 5,3 Millionen Hunde. 2012 waren es schon 7,4 Millionen! Die 30 Millionen Tonnen CO2, die noch gesenkt werden müssten, damit
Deutschland seine Klimaziele für 2020 erreicht, die wären hier ganz, ganz schnell zu holen.
PPQ: Ihnen schweben da knallharte Maßnahmen vor?
Hassknecht: Wir reden vom Überleben der Menschheit. Da finde ich die Idee, sämtliche Hunde, die nicht eine Aufgabe haben, etwa als Blindenhund oder Hütehund oder Fährtenhund, aus der CO2-Produktion zu nehmen, nicht so ungewöhnlich.Es ist ein kleiner Akt der Solidarität mit künftigen Generationen, ungleich kleiner aus meiner Sicht als etwa der Verzicht auf Fleisch, der einem Fleischfresser wie dem Menschen dauerhaft und vollständig so wenig zuzumuten ist wie er, um beim Beispiel zu bleiben, einem Hund oder einer Katze zuzumuten wäre. Das ist überhaupt der Kernpunkt meiner Forschungen: Der Verzciht auf eigens zum Zwecke der menschlichen Vergnügung gezüchtete sogenannte Haustiere, die ja letztlich nur in der Seele und im Charakter gebrochene Wildtiere sind, eröffnet den Weg zu einer größeren Freiheit für den Menschen, ohne dessen verhängnisvollen Hang zur Zucht dieser armen Kreaturen es Arten wie den Boxer, den Dackel oder den Pinscher gar nicht gäbe.
PPQ: Aus der CO2-Produktionskette nehmen bedeutet aber im Klartext, man soll diese Tiere töten?
Hassknecht: Das ist zweifellos richtig. Aber ich betone noch einmal: Es ist alternativlos, wenn Deutschland seine Kohlendioxidziele erreichen will. Eher finde ich sehr erstaunlich, wie hartnäckig sich die Politik dieser klaren Konsequenz verschließt. Man redet über dies und redet über das, aber den Kernpunkt, dass es der Hund, ich sage Hund, meine aber die gesamte Palette der sogenannten, verharmlosend sogenannten "Haustiere" genannten Geschöpfe ist, die unser Klima zerstört, den will man einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Mehr noch, selbst führende Klimapolitiker und Klimaaktivisten zeigen sich immer wieder gedankenlos mit einem Hund oder zweien, mit Katzen und anderem Getier. Als wollten sie alle Kliamschutzbemühungen der Weltgemeinschaft verhöhnen.
PPQ: Nun, Sie selbst haben ja erfahren müssen, was dem geschieht, der Klartext spricht, wie Sie es in ihrem Buch "Tödliche Tiere - der Hund als Klimakiller" tun.
Hassknecht: Mit einem schiefen Blick oder abschätzigen Kommentare habe ich schon gerechnet. dass aber militante Klimaleugner im Internet handgreiflich werden und mich beschimpfen.... Es gab Ausfälle in Hundehalterforen, aber nicht nur dort. selbst die als friedlich geltenden Kaninchenzüchter, die ja zumindest zum Teil noch in der Fleischproduktion tätig sind und nicht nur Qualzucht aus Glanzfell betreiben, haben böse Drohungen ausgesprochen. Das hat mich entsetzt, denn der Wille zur Einsicht fehlt da vollkommen. iele haben natürlich auch versucht, mich mit den gängigen Argumenten zu überzeugen. Von wegen: „Aber das sind doch liebe Tiere, viele brauchen einen Gefährten, was ist denn dann mit den Schweinen und ohne Hund bist du im Alter ganz alleine!" Das haben die Leute vielleicht auch nett gemeint, aber es nervt schon, dass es bei uns Deutschland einfach nicht gut ankommt, wenn man offenbart, dass es notwendig sein wird, Hunde, die keine andere Funktion haben als ihren Herrchen als eine Art bei Fuß laufende Handtaschen zu dienen, wegzumachen. Um das Klima zu retten. Das ist alternativlos, denn eine Gesellschaft, die ernsthaft darangehen will, sich ökologisch und nachhaltig umzubauen, kann sich den Luxus von Millionen Kuscheltieren als klimaschädlichen Kostgängern einer überzüchteten Nahrungsmittelproduktion einfach nicht leisten.
PPQ: In Ihrem Buch schreiben Sie: „Auch heute, in Zeiten des Braunkohleausstieges, der Klimademos und des Umstiegs auf das Lastenfahrrad, ist es enorm en vogue, sich einen Hund zu kaufen und sich mit ihm öffentlich zu zeigen.“ Woher rührt Ihr Eindruck?
Hassknecht: Gehen Sie durch Bionade-Berlin. Schauen Sie sich in Hamburg, Köln oder München um. Oder auf den vielerorts verlassenen Dörfern im Osten. Überall sind Hunde, große, kleine, überzüchtete, rassereine. Dass man im Jahr 2019 nicht schon allein dafür bestraft wird, dass man einen sogenannten Rassehund hält, das finde ich schon krass. Es beweist, dass es kein Unrechtsbewusstsein gibt, dass Hundehalter sich ganz unabhängig von den Fakten, die auf dem Tisch liegen, für die Guten halten. Obwohl sie es doch sind, die unsere Erde zerstören, die wir alle nur von unseren Enkeln geborgt haben.
PPQ: Warum, glauben Sie, wünschen sich immer mehr Menschen einen Hund?
Hassknecht: Ich glaube, dass viele Menschen mit den neugewonnenen Freiheiten, mit mehr Freizeit und dem oftmals schon bekannten Fernsehprogramm zum Teil nicht so viel anzufangen wissen. Die sehnen sich nach einer traditionellen, dankbaren Rolle, die ja auch vom Staat honoriert wird, der es zulässt, dass man ein anderes Gottesgeschöpf, sage ich jetzt mal, als persönlichen Sklaven hält. Der Deutsche insbesondere freut sich über den braven, deutschen Hund, der aufs Wort gehorcht und ihm zu Willen ist. Der Hund wiederum findet nach Jahrtausenden der Entmündigung fast schon freiwillig in diese Rolle, er fragt nicht mehr, ob das richtig ist. Aber der Mensch muss sich auch nie für seine Lebensweise rechtfertigen, obwohl sie die klimatische Zukunft des Planeten auf das Gefährlichste gefährdet. Hunde erzeugen heute mehr CO2 als die 60 Kraftwerke, die die deutsche Energiebranche bis 2016 stillgelegt hat.
PPQ: Sie schreiben auch, dass die meisten Hundehalter nur aus egoistischen Gründen Hunde halten. Was lässt Sie das denken?
Hassknecht: Der Hund als solcher lebt im Jetzt. Er hat weder Träume noch Visionen. Er würde, sage ich gern, nie Hunde halten! Das ist eine Sache, zu der nur Menschen fähig sind, die dann aber gern behaupten, sie täten das, damit es der Hund gut hat. Aber muss ich wirklich einen Hund halten, damit immer neue Hunde gezüchtet werden? In einer Welt, in der schon über 500 Millionen Hunde leben, die alle nur zu dem Zweck gezüchtet wurden, von Menschen gehalten zu werden? Ein Beispiel: Eine Bekannte hat mir vor Kurzem erzählt, sie würde gerne einen Hund kaufen. Ich habe ihr daraufhin vorgeschlagen, lieber ,Farmville´zu spielen. Da antwortet sie allen Ernstes ganz entsetzt: „Ich will aber etwas Echtes!“ Da ist mir die Kinnlade heruntergefallen, das fand ich ganz schrecklich. Und da fragen Sie noch, wie ich darauf komme, dass viele Menschen aus egoistischen Gründen Hunde wollen? Obwohl das deutsche Klimaziel, den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, so nicht zu erreichen ist? Ich bitte Sie.
(Heiko Hassknecht, "Tödliche Tiere - der Hund als Klimakiller", Brandenburg-Verlag, 2019, 29,99 Euro)