Montag, 14. Dezember 2009

Wiedergeboren als Gourmet

Es hört und hört und hört nicht auf. Die große Weltverschwörung, haha, wird nicht von den Jesuiten oder den Bilderbergern geplant. Nein, dem Investigativ-Board PPQ liegen anderen Erkenntnisse vor. Das Duopol Doppelgänger/Zwillinge will die Welt davon überzeugen, dass rund 6,8 Milliarden Menschen auf der Erde unterwegs sind. Dabei sind es nachgewiesenermaßen nur halb soviele. Jüngstes Beispiel: die Doppel-Existenz von Michael Nyman und Alfred Biolek. Der eine kocht, der andere komponiert - und doch atmen beide nur die Luft eines Mannes! Der geheime Plan hinter der virtuellen Verdoppelung ist uns noch unklar, doch wie in den meisten Fällen dürfte es auf die Verbreitung von Angst und Schrecken hinauslaufen.

Weitere Beispiele aus unserer "Wiedergeboren als"-Datenbank und der geheimen Zwillings-Sammlung belegen diese Gedankengänge auf das Deutlichste.

Am Puls der Zeit

Ein Tannenbaum voll Taliban

Es gab eine Zeit, da war es gut, zu wissen. Die Gesellschaft unterschied zwischen Wissenden und Unwissenden, wobei erstere führten, letztere aber verführt wurden. "Wenn das der Führer wüsste", raunte es im Dritten Reich, als wüsste die Straße, was die Reichskanzlei nicht einmal ahnte. "Wenn das der Honecker wüsste", flüsterte es in der DDR, deren Bürger ihrem obersten Genossen nie eine Politik zutrauten, die im Alltag wirken solle wie die Politik ihrer Staatspartei SED eben wirkte.

Es ging darum, Bescheid zu wissen, und sei es nur aus Gründen des Selbstschutzes. Nur wer weiß, welches Wissen er zu leugnen hat, kann das glaubhaft tun. Erst nach dem Einmarsch von Russen und Amerikanern wollte niemand etwas von Konzentrationslagern gewusst haben, erst nach dem Fall der Mauer wurde die Idiotie von 40 Jahren Sozialismus mit Fahnenschwenken, Einheitsmedien und Westfernsehverbot zu einem Unwissen, das vorher nicht existierte.

So oft es gut ist, zu wissen, so oft ist es auch gut, nichts zu wissen. Am besten aber kommt der davon, der weiß, dem das aber nicht nachgewiesen werden kann. Wer das noch nicht wusste, bekommt es anhand des Falles Guttenberg-Kundus vorexerziert. Obwohl Nichtwissen im deutschen Recht sowenig vor Strafe schützt wie Wissen allein gleichbedeutend mit Beihilfe ist, treibt eine Jagdgesellschaft aus verdruckster Opposition, gelangweilter Medienmeute und moralinsauerer Friedensbewegung den mit der Amtübernahme im Verteidigungsministerium denkbar schlecht beratenen Liebslingsbaron der Deutschen vor sich her.

Längst geht es nicht mehr darum, was in Kundus passiert ist, wieviele Taliban getötet oder wieviele Zivilisten beim Bombenabwurf auf die beiden gestohlenen Tanklaster verletzte wurden. Operativ ist das Thema ausgereizt - im Gegensatz zu den Opfern des Angriffs auf die Brücke des serbischen Ortes Varvarin, die von deutschen Gerichten bescheinigt bekamen, dass sie unschuldige Opfer, aber dennoch nicht schadenersatzberechtigt seien, gibt es für die Opfer von Kundus, selbst wenn sie Täöter waren, eine Entschädigung.

Die einzige Frage, die noch von Belang ist, bleibt die danach, wer wann etwas wusste, das sich im Nachhinein gegen ihn verwenden lässt. Von Schneiderhan bis Guttenberg, von Steinmeier bis Merkel könnten alle getan haben, was in der Politik Tagesarbeit ist - wissen, was sie sagen, aber nicht sagen, was sie wissen. Und beides lässt sich nun gegen sie verwenden: Wer zuviel wusste, hätte es sagen müssen, wer nichts wusste, hätte es doch besser wissen müssen. Eine Situation, aus der Flucht nicht mehr möglich ist, weil jedes Argument nach Ausrede klingt.

Rettung vor einem Weihnachtfest voller Vermutungen und einem Tannenbaum voll Taliban kann nun nur noch die Langeweile bringen. Die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums reicht bei dergleichen Affären gegenwärtig nach neuen Berechnungen der Skandalwatchgroup noch etwa zwei Wochen. Anschließend wissen Leser und Zuschauer einfach nicht mehr, wer etwas wusste und wer etwas hätte wissen müssen. Erfahrungsgemäß sinkt die Staatsaffäre anschließend vor Schwäche nieder wie ein waidwundes Reh. Wer dann noch im Amt ist, wird es ewig bleiben.

Interaktive Geldverbrennung

Moderne Kriegsflugzeuge wurden hier ebenso erdacht wie tödliches Gaskammer-Gas, der Stapelstuhl wurde hier erfunden und das Flachdach wird nie vergessen, wo es zuerst Wasser ließ. Jetzt hat Dessau, lange nur berühmt für rechtsradikale Kriminalität, einen neuen Anziehungspunkt, der weltweit ausstrahlen wird: In den Stadtpark der Halbmetropole im Anhaltischen, bisher als Treffpunkt von Drogenhändlern und -Konsumenten ein dunkler Fleck auf der Stadtkarte, den die gewöhnlichen Einwohner aus Angst vor Kriminellen tunlichst mieden, lockt seit kurzem eine "interaktive Beleuchtungsanlage".

Die macht nicht nur tüchtig Licht, sondern sie verbrennt nebenbei auch Geld, dass es jedem auswärtigen Beobachter warm ums Herz wird. Während die große deutsche Rettungskoalition beim Adventskaffee in Berlin verhandelt, wie die darbenden deutschen Kommunen vor Unbill durch gesenkte Finanzzuweisungen gerettet werden können, ist Dessau unterwegs in innovative Gefilde. Die neuen 32 Laternen im Stadtpark leuchten nicht nur einfach, sie lichtorgeln: Ist niemand in der Nähe, werfen sie nur ein Sparlicht mit zehnprozentiger Leuchtkraft, nähert sich ein Jogger, flackert das Licht etwas heller, läuft eine Gruppe von Menschen vorüber, flammt die Lampe mit voller Kraft auf.

Das System, das den Dessauer Stadtpark künftig heller und damit sicherer machen soll, ist auch nach Ansicht der Stadtverwaltung "eine einzigartige Geschichte". Und ein Zeichen für den Wandel des Stadtparks zu einem "Interkulturellen Mehrgenerationenpark". Sowas ist nie billig zu haben, doch wer erstmal ins "Forschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" des Verkehrsministeriums und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung gerutscht ist, darf über die Kosten seine "Modellvorhaben" (Stadtverwaltung) hinwegsehen.

Man rechnet sich da einfach schön: Jede der 32 Lampen zwischen Teehäuschen und Springbrunnen samt Bewegungssensoren und Steuerungstechnik aus der Weltraumfahrt kostet zwar 7625 Euro statt der für Straßenlaternen üblichen Kosten von 3500. Doch die Idee habe ja "auch einen willkommenen Nebeneffekt: Die Energiekosten für die Beleuchtung sinken auf 40 Prozent".

Da spart die Kommune bei typischen Stromkosten von zwischen 50 und 80 Euro pro Laterne und Jahr in nur 50 bis 80 Jahren sämtliche Mehrausgaben flugs wieder ein. Hätte der alte Hugo Junkers diese Art Sparbeleuchtung in seiner Zeit in Dessau während der 30 Jahre erfunden, wäre die Anlage inzwischen sogar schon fast abgezahlt. Ein zukunftsweisendes Konzept: Die High-Tech-Steuerung der Parkleuchten habe das Potenzial, fast die gesamte Beleuchtung der Stadt Dessau zu steuern, heißt es inzwischen im Rathaus.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Wiedergeboren als Magier

Sie schauen sich erstaunt an - und doch ist ihr erstaunter Blick nur ein Blick in den Spiegel. Die beiden Großmeister der Magie, Michel Foucault zur Linken und Pablo Picasso zur Rechten, sind nämlich ein und dieselbe Person. Während der eine die Welt der Soziologen, Historiker und Philosophen um eine "Archäologie des Wissens" bereicherte, konnte der andere mit wenigen Pinselstrichen Millionenwerte schaffen. Wieso sich Pablo Foucault nicht zu seinem Alter Ego Michel Picasso bekannte, ist bisher unbekannt. Wir mutmaßen, dass der Frauenheld, der gleichzeitig als Homosexueller unterwegs war, keinen Anlass für Gerüchte geben wollte.
Weitere Beispiele aus unserer "Wiedergeboren als"-Datenbank und der geheimen Zwillings-Sammlung belegen unseren detektivischen Spürsinn, auf den sich unsere werte Leserschaft weiterhin verlassen kann.

Klassiker aus der Kiste II

"Weil Du wieder nicht aufgepasst hast, musst Du nachsitzen", sagte der Lehrer zu Mathe-As Adam Riese.
"Ich stelle Dir zwei Fragen. Beantwortest Du die erste richtig, bleibt Dir die zweite erspart. Wieviel Nadeln hat durchschnittlich ein Tannenbaum?"
"1,5 Millionen", sagte Riese wie aus der Pistole geschossen.
Lehrer: "Wie bist Du denn darauf gekommen?"
Riese antwortete: "Dies, Herr Lehrer, ist bereits die zweite Frage!"
Und ging nach Hause.

Jung gedichtet, nie vernichtet II

Alexanderplatz 83

Nur der Narr
darf sagen
was er sieht.

Lady Gaga warnt vor Warnungen

Es kommt in Fernsehdiskussionen häufig vor, dass der Moderator, der "Ruhe, meine Herren" schreit, der lauteste im Studio ist. In der Politik allerdings ist häufig keine gültige Kategorie, weil hier alles häufig passiert. Angela Merkel etwa, in den Tagen, als die Erderwärmung noch an die Strände von Heiligendamm lockte, eine Art Weltklimakanzlerin, hat derzeit gerade vom Warnmodus in den Beruhigungsmode umgeschaltet.

Die ehemalige FDJ-Propagandistin warnt nun nicht mehr vor steigenden Temperaturen, Wasserspiegeln und Folgekosten, sondern davor, vor steigenden Temperaturen, Wasserspiegeln und Folgekosten zu warnen. Im ehemaligen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat ein legasthenischer Praktikant daraus auch noch die debile Zeile "Merkel warnt vor Panikmache beim Klimaschutz" gedrechselt, so dass nun keiner mehr gar nicht weiß, worum es vielleicht geht. Stadt und Land, Hand in Hand, Berlin und Hamburg, in Schwachsinn vereint. Ja, Lady Gaga ist Kanzlerin. Und sie ist nackt wie einst der Kaiser war.

Abriss-Exkursionen: Berufsschule der Reichsbahner

Hinter den Gleisen, wo nicht mehr viel kommt als ein paar Schrottannahmestellen und einige verlassene Weichenstellerhäuschen, verrottet ein Stück mitteldeutscher Reichsbahngeschichte. Generationen von Berufsschülern absolvierten in der Betriebsberufsschule mit dem revolutionären Bekenner-Namen "Deutsch-Sowjetische Freundschaft" hier die Minimalkaderschule der Deutschen Reichsbahn, wie die Bahnbetriebsgesellschaft der sozialistischen Arbeiter- und Bauernrepublik zum ewigen Rätselraten ihrer Staatsbürger hieß. Lokführer und Weichensteller, Handwerker und Verwaltungskräfte wurden auf dem Areal hergestellt, das seit dem Abschied der zweiten deutschen Republik aus der Weltgeschichte still vor sich hindämmert. Frisches Grün überdeckt den bröckligen Putz, die Mißbildungsanstalt versinkt hinter botanischer Tarnung wie einst Dornröschens Schloß. Dazu läuft in der Tat kitschiger Russen-Pop: Eine späte Sternstunde der deutsch-sowjetischen Freundschaft.

Samstag, 12. Dezember 2009

Kricket statt Klima

So wichtig die ganze Klimaretterei auch ist, für Rajendra Kumar Pachauri gibt es doch immer noch etwas viel Wichtigeres. Mitten in einem Seminar zur weiteren Fortsetzung der Rettung des Weltklimas ist der Chef des nobelpreisgeehrten Klimarettungskomitees IPCC vor zwei Jahren mal eben kurz von New York zu einem wichtigen Trainingstermin mit seinem Kricketteam nach Delhi geflogen. Pachauri, oberster Klimaschützer der Welt, liebe es einfach, Kricket zu spielen, sagen Mitspieler. Es gebe kaum ein Wochenende, an dem der vielbeschäftigte Nobelpreisträger nicht auf dem Platz stehe und versuche, seine Mannschaft auf die Gewinnerstraße zu bringen.

Mit seinem Posten als erster Erderwärmungsbekämpfer kann Pachauri seine Leidenschaft für den Sport dank eines gut ausgebauten Flugnetzes zwischen Nordamerika und Indien gut vereinbaren. Das Klima muss nie lange auf den obersten Klimaschützer warten. Nachdem er sein Pensum absolviert hatte, begab sich der selbstlose Mannschaftsspieler sofort wieder zum Flughafen und flog nach New York zurück, um den Rest des Seminars zur Bekämpfung des steigenden CO2-Ausstoßes nicht zu verpassen. Stolze Bilanz des sportlichen Wochenendes: 22500 Flugkilometer absolviert, 21,6 Tonnen CO2 produziert. In Kopenhagen verkündete Pachauri jetzt mal wieder, "Klimawandel ist eine Tatsache". Die Erwärmung sei im übrigen menschengemacht. Und manche tragen sogar besonders viel dazu bei.

Freitag, 11. Dezember 2009

Der feuchte Traum aller Technikfreaks

So muss er sich anfühlen, der feuchte Traum aller Technikfreaks, die gar nicht genug bekommen können von Internet und Email, Speicherplatz und Staatskonzern. Die Deutsche Telekom, vor Jahren vom damaligen SPD-Arbeiterführer Hans Eichel zu Fantasiepreisen soweit teilprivatisiert, dass Vater Staat bis heute das Sagen hat,die eisntigen Aktienkäufer aber den Vermögensschaden, wirbt mit einem wirklich unschlagbaren Angebot um Kunden für seine seinerzeit von Arbeiterführer Hans Eichel im Auftrag der SPD zu Fantasiepreisen teilprivatisierten Tochter T-Online. Das ehemalige Vorzeigeunternehmen, mittlerweile wieder ein Abteilung im großen, langsam zerbröckelnden Festnetzkonzern, bietet neuen Mitmachern auf seiner steinzeitlichen Plattform T-Online an, zu "Erleben, was verbindet"

In nur zwei Minuten könne jeder sich eine kostenlose E-Mail-Adresse mit der schwergängigen Endung @t-online.de einrichten. "Danach stehen Ihnen außer einem 1 GB großen Postfach zahlreiche Services wie Telefonauskunft oder Routenplaner zur Verfügung", verraten die Experten, wie auch unbedarfte Nutzer an Informationen kommen, die derzeit für niemanden erreichbar sind. Wer sich von der verschwenderischen größe des Ein-Gigabyte-Postfachs noch nicht überreden lässt, bekommt noch einen Hinweis darauf, dass er hier "bis zu 32 MB große Dateien empfangen" kann. Spätestens bei der nächsten Privatisierung von T-Online und Deutscher Telekom sind Postfachinhaber überdies berechtigt, Aktien aus dem bisher bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau geparkten Bundespaket bevorzugt zu Mondpreisen zu beziehen.

Hitler: Sturz von der Schweinebrücke

Er hatte fürchterliche Angst vor dem Zahnarzt, kam die letzten Wochen seines Lebens kaum noch an die frische Luft, führte aber nach seinem Tod noch ein geradezu ausschweifendes Nachleben, das letztlich an einer "Schweinebrücke" genannten Querung des Brackwasser Biederitz am Stadtrand von Magdeburg endete.

Dort wurden die vom Zahn der Zeit ausgiebig benagten Überreste des früheren Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler im Jahr 1970 durch Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KGB ins Wasser gekippt, wie der Chefarchivar des KGB-Nachfolgers FSB, ein General namens Vasily Khristoforov, jetzt in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Interfax bestätigt hat.

Vor neun Jahren hatte die russische Zeitung "Trud" erstmals von Geheimdienstdokumenten berichtet, nach denen Hitler und seine Ehefrau Eva Braun bereits im Frühjahr 1946 wieder aus den Gräbern bei Rathenow gebuddelt wurden, in denen man sie nach dem Ende des Weltkrieges insgeheim bestattet hatte. Von Rathenow aus wurden die Leichen durch Mitarbeiter der Gegenspionageeinheit "Smersh" in ein Waldstück bei Stendal gebracht, von dort aus ging die Reise weiter nach Magdeburg. Siebenmal wurde Hitler vergraben und wieder ausgebuddelt, nachdem Smersh-Chef Abakumow von Stalin persönlich den Auftrag bekommen hatte, die Spur der sterblichen Überreste zu verwischen. Für den Fall, dass die sowjetischen Truppen einmal in Ostdeutschland das Feld räumen, sollte kein Wallfahrtsort für Hitler-Verehrer entstehen.

Diese Darstellung deckte sich mit einem Bericht des damaligen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", das 1995 ein geheimes Dokument des damaligen KGB-Chefs Juri Andropow an Parteichef Leonid Breshnew zitierte, der am 13. März 1970 an seinen Chef schrieb: "Im Februar 1946 wurden in der Stadt Magdeburg auf dem Gelände der Militärsiedlung, das heute die Sonderabteilung des KGB bei der 3. Stossarmee belegt, die Leichen Hitlers, Eva Brauns, Goebbels, seiner Frau und Kinder beerdigt. Die genannte Militärsiedlung wird derzeit von der Armeeführung an deutsche Behörden übergeben." Weil damit die Entdeckung des Grabes drohte, empfahl Andropow, "die Leichen zu entfernen und durch Verbrennung zu beseitigen".

Breshnew stimmte zu, bestätigte KGB-Archivchef General Wassili Khristoforov. In einer Operation mit dem Codenamen "Das Archiv" bezogen Smersh-Leute Anfang April 1970 Posten in der seit Kriegsende von sowjetischen Truppen abgesperrten Magdeburger Klausenerstraße. In der Nacht vom 4. auf den 5. April begannen dann fünf KGB-Offiziere unter einem Zelt getarnt auf dem Grundstück Nr. 36 (Foto oben) zu graben.

In nur einem Meter Tiefe liegen hier fünf übereinander gestapelte Munitionskisten, wie ein in den Moskauer Archiven liegendes Protokoll ausweist. Die Kisten wurden geborgen und auf das Gelände einer russischen Panzereinheit in der Nähe des Schönebecker Hummelberges Schönebeck gebracht. Hier wurden sie einem zweiten Protokoll zufolge vor der Leichenhalle samt Inhalt verbrannt. Die Kisten seien mit 20 Litern Benzin übergossen und angesteckt worden, eine gute Stunde mussten die drei Offiziere warten, ehe die "Asche gesammelt und gemahlen" und anschließend in einen Sack gefegt werden konnte. Anschließend sei die Asche dann von der Schweinebrücke genannten Flußquerung bei Biederitz in die Elbe gestreut worden.

Übrig sei, schwört Vasily Khristoforov, nur noch Hitlers Kiefer. "Dessen Fragmente sind im Staatsarchiv. Es gibt keine anderen Teile des Körpers Hitlers abgesehen von diesen Proben, die am 5. Mai 1945 beschlagnahmt wurden, um den Tod des Diktators zu bestätigen." Dass Hitler überlebt habe und bis heute im Alleingang zwei Fünftel des deutschen Fernsehprogramms fülle, könne er nicht glauben, so der General. "Er war ein Mann, der völlig deprimiert und unfähig war, politische oder sonstige Entscheidungen zu treffen", bestätigt Sergei Mironenko, Chef des russischen Staatsarchives, was er so gehört hat über all die Jahre. Hitler haben verstanden, dass sein Bunker seine letzte Zuflucht werden würde. "Und so ist es auch gekommen."

Tod krönt Lebenswerk

Ist das nicht schön? Das Leben, so wie wir es kennen, muss nicht mit dem Tod enden. Auch danach sind noch große Erfolge möglich, wie Michael Jackson beweist. Der im Sommer plötzlich und von vielen so nicht erwartet verstorbene ehemalige Popstar bekommt jetzt seinen 14. Grammy, diesmal für sein Lebenswerk, das er mit seinem Tod quasi krönte. War Jackson bis zum Tag seines Ablebens ein schwerkranker und von allen belächelter Sonderling mit einer mutmaßlichen Vorliebe für leckere Knaben, avancierte er mit der Stunde seines Todes vom Auslaufmoidell, das seinen letzten Grammy anno 1995 hatte feiern können, zum "kommerziell erfolgreichsten und einflussreichsten Entertainer aller Zeiten", wie das Grammy-Komitee jetzt durch mehrfaches googeln herausfand.

Jackson werde im Internet häufiger erwähnt als der bekannte n-tv-Moderator und ZDF-Dokudramadarsteller Adolf Hitler, begründete die Jury der begehrten US-Musikpreise ihre Entscheidung. «Sein unglaublich abgehackter Tanzstil, sein einzigartiger Sound, der immer ganz eindeutig nach den blechernen 80er Jahren klang, und seine unverwechselbare Quietschstimme haben zahlreiche Künstler inspiriert und kulturelle, ethnische und Generationen-Grenzen überwunden», lobten die Experten, die inzwischenJahr für Jahr rund 100 Grammys vergeben, damit jeder Künstler irgendwann einmal einen bekommt.

Bei der feierlichen Verleihungszeremonie Ende Januar wird Michael Jackson nach derzeitigem Stand allerdings nicht selbst auftreten können, um seinen Preis in Empfang zu nehmen. Die Wiederauferstehung des Teuren von den Toten sei entsprechend uralter Gebräuche erst für Ostern geplant, hieß es beim Management des Künstlers.

Staatsaffäre fällt aus

Gerade waren wir alle noch ganz schrecklich aufgeregt, weil den brutalstmögliche Fernsehaufseher Roland Koch es all seinen Vorgänger gleichgetan und einen ihm nicht genehmen Mann mit der Mehrheit seiner Partei aus dem Amt des ZDF-Chefredakteurs gejagt hatte. Die Grünen, die den bisherigen Amtsinhaber Nikolaus Brender einst mitgewählt hatten, weil er ihnen politisch genehm war, kreischten Verfassungsklage, die SPD grummelte dunkel, sie habe "Zweifel an der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens", ein Zustand, von dem die einstige Arbeiterpartei seit Jahrzehnten wunderbar lebt.

Es hätte eine schöne Staatsaffäre werden können: Politische Parteien, die politisch Einfluss auf die politische Ausrichtung des Staatsfernsehens nehmen, klagen genau dagegen vor dem Verfassungsgericht. Doch weh, ohwe, es wird nicht soweit kommen. Nirgendwo wird erörtert werden müssen, das Nikolaus Brender es in seiner Amtzeit nicht schaffte, das dröge ZDF weniger dröge zu machen, nirgendwo wird ein Urteil darüber fallen, dass er mithalf, die letzten Inseln ansehbaren Fernsehens zu schließen, etwa indem er aus ZDF Doku den Soap- und Tierfilmkanal ZDK neo machte.

Denn nun wird alles gut, weil mit dem bisherigen Hauptstadtstudio-Leiter Peter Frey ein Nachfolger bestimmt ist, dem man kein bisschen vorwerfen kann, er sei erzkonservativ, CDU-nah und ein besonderer Freund von Roland Koch. Das Erstaunen darüber hält sich auf den Medienseiten der eben noch herzhaft empörten Qualitätspresse in überschaubaren Grenzen. Die neue Entwicklung wird nun nur noch gemeldet, nicht mehr kommentiert.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Die Unfalltoten mahnen uns

Viertausend Menschen starben im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen, viertausend Menschen, die nicht mehr beitragen können zum Bruttoinlandsprodukt, zu Aufschwung und künftiger Staatsschuldrückzahlung. Man fragt sich beinahe automatisch, was das für eine Regierung ist, die soetwas zulässt, statt vorzusorgen und die Sicherheit zu schaffen, die unsere Menschen draußen im Land zu nötig brauchen. Etwa an Fußgängerüberwegen, die sich bei Überprüfungen durch Experten des Fußgängerverbandes Geh(t)doch e.V. in Mitteldeutschland zum Teil wahre Todesfallen entpuppten: Bei Dunkelheit warnen nur zwei je beidseitig hell beleuchtete Hinweisschilder über den Überwegen, wo durchaus Platz für vier oder sogar sechs solcher Schilder wäre. Oft seien zudem, so heißt es in der 560-seitigen GD-Studie, die PPQ vorliegt, Straßen teilweise meterweit nicht durch Ampeln gesichert, Fußwege überwiegend unbeschrankt und Kreisverkehre nur unzureichend untertunnelt. Schülerlotsen würden zudem etwa in Halle nur noch an sechs Schulen eingesetzt, auch hier aber nur morgens.

Man müsste Klavierspielen können

Raketen sind verboten, Himmelslaternen, Alcopops und Kritzelbilder, der Sonntagseinkauf und das Aufstellen von hakenkreuzförmigen Kleiderständern, Polen-Besuche und Hinweise darauf, dass DFB-Chef Theo Zwanziger manchmal dieses sagt und manchmal das Gegenteil. Doch Deutschland bleibt trotz allem ein freies Land, das hat das Bundesverfassungsgericht jetzt ein für alle Mal klargestellt: Klavierspieler, die am Sonntagnachmittag in ihrer eigenen Wohnung üben, müssen dafür kein Bußgeld bezahlen.

Damit war ein Berliner mit einer Beschwerde beim höchsten deutschen Gericht erfolgreich, nachdem ein Nachbar sich durch das Klavierspiel seiner Tochter gestört gefühlt und die Polizei gerufen hatte. Nachdem die Polizisten verschwunden waren, übte die junge Musikerin einfach weiter - und das zuständige Bezirksamt setzte wegen diese vorsätzlichen Verstoßes gegen das Verbot, an Sonn- und Feiertagen Lärm zu verursachen (§ 4 LImSchG Bln), eine Geldbuße in Höhe von 75 Euro fest. Der Klavierspiel-Vater ging durch die Instanzen: Auf seinen Einspruch hin reduzierte das Amtsgericht die Geldbuße auf 50 Euro, eine weitere Rechtsbeschwerde wurde vom Kammergericht verworfen.

Zu Unrecht, befand die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts. Das Urteil des Amtsgerichts verletze den Beschwerdeführer in seinen Grundrechten, weil es das Landes-Immissionsschutzgesetz in nicht verfassungsgemäßer Weise anwendet. Es sei für den Betroffenen nicht hinreichend erkennbar, wann das Musizieren in der eigenen Wohnung an Sonn- und Feiertagen eine "erhebliche Ruhestörung" darstelle, weil der Gesetzgeber die Voraussetzungen für die Strafbarkeit oder Bußgeldbewehrung nicht konkret umschrieben habe. Die Entscheidung darüber, ob eine "erhebliche Ruhestörung" vorliege, sei hier dem als Zeugen vernommenen Polizeibeamten überlassen worden, damit werde die Entscheidung über die Sanktionsbedürftigkeit eines Verhaltens nicht durch den Gesetzgeber, sondern durch die vollziehende Gewalt getroffen. Der Polizist sei damit Ermittler, Zeuge und Richter in einer Person, ohne dass es abstrakte Maßstäbe gebe, nach denen er handeln müsse. Der Bußgeldbescheid wurde aufgehoben, das Verfahren geht nun von vorn los: Die Verfassungsrichter verwiesen die Sache zur erneuten Entscheidung an das Amtsgericht zurück

Oma und Opa im Freigepäck

Simone Wiberg vom Kundendienst hat alle Hände voll zu tun. Draußen weihnachtet es sehr und da gilt es, Geschenke zu verteilen. IT-Tours, ein touristisches Großunternehmen in einem Briefkasten in Großbritannien, lässt sich denn auch nicht lumpen. "Sie haben sich bei einer oder mehreren der zu diesem Gewinnspiel zusammengeschlossenen Dienstleistungsplattformen registriert", schreibt Frau Wimberg, ehe sie die große Festtagsüberraschung auspackt: "Damit hat Ihre E-Mail-Adresse automatisch an unserer großen Verlosung teilgenommen".

Aber es kommt natürlich noch viel besser: "Ihre E-Mail-Adresse wurde tatsächlich gezogen!", schreibt die Damei, die offenbar auf der Isle of Man sitzt, wie die beigelegte Verlinkung zum Gewinn auf kappadokien.im vermuten lässt. Aber wer wird danach schon schauen! "Heute ist also Ihr Glückstag, denn man gewinnt ja nicht schließlich jeden Tag einen tollen Preis", kriegt sich Wiberg gar nicht mehr ein angesichts der Aussicht, im feuchtkalten türkischen Winter durch Kappadokien zu reisen. Dann gratuliert sie "ganz herzlich zu Ihrem Gewinn!"

Was jetzt kommt, muss der Gewinner selbst erledigen, so hat es Wolfgang Sellmann, der in der Schweiz residierende große Beschenker hinter IT-Tours, flugreisen-guenstig.com und allerlei anderen lustigen Internetseiten, beschlossen. "Packen Sie die Koffer, denn Ihr Gewinn ist eine 8 tägige Flugreise für bis zu 4 Personen nach Kappadokien (Türkei)". Man darf also Oma und Opa mitnehmen auf die große Fahrt im "Wert von 1476,- Euro", die "zusätzlich folgende Leistungen" beeinhaltet:

• Flug mit renommierten Fluggesellschaften nach Antalya und zurück
• 20 Kg Freigepäck
• Verpflegung an Bord
• Transfer Flughafen – Hotel - Flughafen
• Begleitung eines deutschsprachigen Reiseleiters während des gesamten Aufenthaltes
• Infococktail mit Begrüßungs Getränk bei der Ankunft in Ihrem Hotel
• 2 Übernachtungen im 4 Sterne Hotel in der Region Antalya
• 3 Übernachtungen im 4 Sterne Hotel in Kappadokien
• 2 Übernachtungen im 5 Sterne Hotel in der Region Antalya
• Unterbringung im Doppelzimmer
• Frühstück in Buffetform
• 20 % Ermäßigung auf Wellness Anwendungen im 5 Sterne Hotel im Raum Antalya
• Reiseprogramm wie beschrieben
• Reisepreissicherungsschein
• 24-Stunden-Ärztebereitschaft

Nur ein bisschen Treibstoffzuschlag ist zu zahlen und dann noch eine kleine Buchungsgebühr in Höhe von knapp 200 Euro. Vorausgesetzt, der Gewinnberechtigte meldet sich bis 16. Dezember unter it-tours.net. Weil wir im kommenden Jahr schon etwas anderes vorhaben, spendieren wir unseren Gewinncode an reiselustige Leser, die wegen ihres übertrieben scharfgestellten Spamfilters vielleicht keine Gewinnbenachrichtigung bekommen konnten. Einfach msi912 eingeben und abheben. Alle weiteren Fragen, schreibt Frau Wiberg, "richten Sie bitte direkt an den Reiseveranstalter".

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Verbot der Woche: Fachwerk-Vermummung

Sachsen-Anhalt geht scharf gegen Hauseigentümer vor, die ihre Fachwerkhäuser hinter Putz verstecken. Nach dem Inkrafttreten eines Bundesgesetzes, das es im Rahmen der PPQ-Initiative "Verbot der Woche" untersagt, Feuerwerkskörper in der unmittelbaren Nähe von Fachwerkhäusern zu zünden, hat der Landtag in Magdeburg jetzt auch ein Vermummen von Fachwerkmauern durch Putz, Vorhangwände und Fassadenfarbe erlassen. Anders mache die neue bundesweite Regelung keinen Sinn, hieß es im politischen Magdeburg: "Verschalte Fachwerkbauten sind als solche für den Bürger nicht zu erkennen", hieß es im Innenministerium. Dadurch bestehe die Gefahr, dass Feuerwerkskörper von Bürgern aus Unkenntnis trotz Verbotes in der Nähe von Fachwerkhäusern gezündet würden.

Mit der neuen Regel, die direkt an das erfolgreiche Flugverbot für sogenannte "Himmelslaternen" anschließt, soll die Brandgefahr in eng bebauten Orten vermindert werden. Experten fürchten, dass Silvesterraketen großen Schaden an Fachwerkbauten anrichten. "Mit ihrer langen Brenndauer können sie leicht trockenes Material etwa in Dachstühlen entzünden", beschreibt Ingolf Hirsch, der Chef des Landesfeuerwehrverbandes. Dazu müssten nur Dachluken weit offen stehen, Dächer abgedeckt sein oder Silvesterböller mit großer Sprengkraft Verwendung finden.

In den nächsten Wochen sollen flächendeckend Inhaber von Fachwerk-Immobilien angeschrieben und aufgefordert werden, ihre Häuser deutlich als Fachwerkbauten zu kennzeichnen. Dazu reiche es aus, Vorhangfassaden abzureißen und die Fachwerkbalken farblich "deutlich kontrastierend zum Mauerwerk" zu markieren, zu wie es im Gesetzestext heißt. Um die Sicherheit für Fachwerkhäuser gerade in den Innenstädten weiter zu erhöhen, sei als nächstes an ein Kerzen-, Heizpilz- und Rauchverbot in der bei vielen Bürgern beliebten Außengastronomie in unmittelbarer Fachwerknähe gedacht. Gerade dort befinde sich oft viel trockenes, abgelagertes Holz, hat der Landesfeuerwehrverband analysiert. Mit ihrer langen Brenndauer könnten Heizpilze, Zigaretten und Wachskerzen Tische, Stühle und die teilweise als Essgeschirr gereichten Holzbrettchen besonders leicht entzünden. Dazu müsse ein Heizpilz nur unglücklich und unbemerkt auf einen Stapel Papierservietten fallen, schon Minuten später brenne dann der ganze Tisch, Stunden später stehe dann aller Erfahrung nach die Stadt komplett in Flammen.

Klassiker aus der Kiste

"Was gibt es Neues aus Weimar, Herr von Goethe", fragte Madame de Staël. "Haben Sie noch immer ein Liebesverhältnis mit Ihrer Haushälterin?"

"Nein."

"Gott sei's gepriesen. Sie war, mit Verlaub, furchtbar gewöhnlich und gänzlich unter Ihrem Niveau."

"Wir sind jetzt verheiratet."

Neues vom Untergang

A Day in the Internet
Der hier im Nerd-Board PPQ zuallererst vorhergesagte Untergang der Internet-Riesen Ebay, Google, Amazon usw. schreitet nach neuesten Erkenntnissen amerikanischer Wissenschaftler mit dem Tempo eines Erdrutsches voran. Nach der oben eingeblendeten Grafik spielt sich das wahre Leben auch im 20. Jahr der "Datenautobahn" (Helmut Kohl) weiter hauptsächlich in der wirklichen Welt ab, noch immer werden tagtäglich mehr Gespräche von Antlitz zu Antlitz geführt und vergleichsweise wenige per Telefon und Email, noch immer verkaufen schmuddlige deutsche Second-Hand-Läden in schmuddligen Nebenstraßen mehr Waren als Ebay und Amazon zusammen. Allem Anschein nach bewahrheitet sich die einst von vielen belächelte Prognose, dass sich das Internet nicht durchsetzen wird.