| Kommentäter ohne eigene Internetseite wollen oft Revolutionäre sein. |
Er ist aufgeregt, immer wieder. Er ist empört. Entsetzt, enttäuscht. Er kann die Tinte nicht halten, es muss raus, es muss jetzt raus, es muss raus voller Adjektive und und zusammengesetzter Substantive. Es muss hart sein, ganz an die Kante, es muss Gesicht zeigen, Durchblick und Unerbittlichkeitkeit.
Er heißt immer anders, ist aber immer derselbe: Der leidende Leser von PPQ.li, ein Mann, allem Anschein nach, der unter wechselnden Namen für sich selbst spricht. Er mag das alles nicht. Er würde es lieber sehen, riefe irgendwer endlich zum Aufstand auf. Er kann das von der Baerbock nicht mehr hören, gerade jetzt. Nicht mehr hören konnte er vorher das vom DFB, das mit dem Klima, das mit der EU und auch sonst immer wieder Dinge, die er sofort eintauschen würde gegen ein anständiges Manifest, das die Menschen auf die Straße treibt, auf die Palme und in den Widerstand.
Aufruhr & Widerstand
Er ist der große Unbekannte, der zu erkennen ist an zusammengesetzten zusammengesetzen Substantiven und selbstgemachten Adjektiven. Ein ganz kurzes ist "literaturnobelpreisverdächtig", ein besonders schönes "kopfwerklich". Kombiniert mit dem farbig ausgemalten Sätzen über "das Hintergrundrauschen im grünen Blätterwald", die "schäbige Scheinheilssekte" einer "angeblichen Klimaschutzpartei" und Politik, die "nun mal ein schmutziges Geschäft" ist, entstehen poetische Miniaturen purzelnder Selbstbesessenheit und "Meisterwerke der satirisch spitzen Zunge, um in bekannter Detailverlebtheit jedem Leser anzubieten, der genug Zeit und Geduld hat, um solche Litaneien bis zum Ende durchzulesen, ohne sich durch die Abgedroschenheit gelangweilt anderen Themen zuzuwenden" (Originalzitat).
Hass im Netz
Gäbe es diesen leidenden Leser nicht, der als "Lauschangriff", "Unpluggiated" oder "Multiplikator" durch die Kommentarspalten bei PPQ.li geistert und wettert, wettert, wettert, gäbe es hier längst nur noch die von ihm geforderte "Weißheit leerer Blogseiten" zu sehen. Nach Jahren des engagierten Kampfes gegen Rechts, gegen Hass und fake news, den PPQ.li als gesellschaftliche Aufgabe im Ehrenamt führt, ist das nun Lohn: Hohn und Hass in spitzen Sätzen, Verachtung und verbale Vernichtungsfantasien, kaum gepolstert durch hüftsteifen Humor und eine Grammatik, die den höheren Schüler erahnen lässt, der womöglich damals, als Kind, selbst Mobbing und Verfolgung ausgesetzt gewesen sein mag.
Heute hasst er zurück. Heute ist er am Drücker. heute fühlt er sich wohl in der Rolle des einsamen, unzufriedenen und von keiner anderen Leidenschaft abgelenkten Einzeltäters. Die verdienstvolle Amadeu-Antonio-Stiftung hat den Typus Mensch, der hinter "Lauschangriff", "Unpluggiated" oder "Multiplikator" steckt, längst schon mit scharfen Strichen und einer Menge Steuergeld porträtiert. Seine "Abwertungen basieren auf der Annahme, dass andere weniger wert wären", charakterisieren die Meinungsfreiheitsschutzexperten die Unterminierungsversuche dieser Art Troll. Ausgeübt werde "eine Form von digitaler Gewalt", die sich oft hinter unbeholfenem Humor verstecke, um von den geltenden Meinungsfreiheitsschutzgesetzen unbehelligt zu bleiben.
Fixiert am Feind
Andere gesellschaftliche Ereignisse" als die, die bei PPQ.li analysiert werden, scheinen für ihn kaum noch Relevanz zu besitzen. Der leidende Lesende ist fixiert, wie festgeklebt an den Vorgaben der Tagestexte, die er kritisch reflektiert, indem er "zum x-ten Mal wiederkäut, was in vielen anderen Medien längst bis zum Erbrechen vorverdaut wurde". Alle Hoffnung, gehört und verstanden zu werden, hat er lange schon fahren lassen: "Wer es bisher nicht kapiert hat, welch eine ist, der wird nie etwas verstehen, denn dem Aufmerksamen reicht eine einzige kleine Geste zum Verständnis, dem Unaufmerksamen aber zehntausend Erklärungen nicht. Man kann Esel nämlich mit hunderten Wissensbüchern beladen - es bleiben Esel", heißt es dann aufklärend für die, die vielleicht noch zu retten sind.
Teil einer Klorollenhäkelei
Er ist ein Vielschreiber, der oft ohne direkte Beleidigungen auskommt, nie aber ohne den Anspruch, denen, die es sowieso nie verstehen werden, wichtige eigene Kenntnisse zugänglich zu machen. Im Gefühl dieser seiner selbstgewählten Aufgabe beteiligt sich das Vorzeigeexemplar eines Internet-Trolls nach eigenem Dafürhalten an einer "doch recht dekorativen Klorollenhäkelei für die Heckablage zur Erbauung des solche kopfwerkliche Virtuosität kunstbegeistert bewundernden Publikums". Er hasst es. Aber er muss es tun. Er kann nicht nur zusehen. Er muss eingreifen, wenn schon nicht mit der Tat, dann wenigstens mit dem Wort.
Sieht denn niemand außer ihm, dass die Welt untergeht? Und dass es höchste Zeit wäre, mit ein paar geschliffenen Texten zu den Hauptproblemen unserer Tage gegen das Verhängnis anzuschreiben? Es aufzuhalten, indem die Massen aufgerüttelt werden, an die Hand genommen und auf das Leid der unter durchgegenderten Mainstream-Medien wie PPQ.li leidenden Lesenden aufmerksam zu machen?
Hilfeschreie eines Kommentäters
Dies hier ist der Versuch, ein Hilfeschrei, der auf die Hilfeschreie des von der Gegenwart und ihrer Spiegelung wie von den eigenen Gedanken und deren gelegentlichem Ausbleiben Bedrängten aufmerksam machen will. Man muss Mitleid mit dem offenbar von seinen "Freunden" hintergangenen Kommentäter bekommen, der sogar im eigenen Zuhause vom Schlachtross zum Opferlamm zurechtgestutzt wird, wie er selbst beschrieben hat, verpackt wie immer in verschlüsselte Sätze von wolkiger Schärfe. Es sind Buchstaben der Angst, Buchstaben des Grauen, die er da kombiniert hat zu Aussagen, die Fürchterliches ahnen lassen: "Beim Hauptsache ich unterscheidet man weder Freund noch Feind", heißt es apodiktisch. Und: "Die meisten Gewaltverbrechen passieren innerhalb der Familie. Das Ehegelübte "Bis dass der Tod uns scheidet" wird oft also wirklich ernst genommen."









