Montag, 18. Mai 2009

Aufstieg dank Armut

Kommt Zeit, kommt Rat. Kommt aber eine Studie zur "Armut in Deutschland", kommt mit derselben klebrigen Folgerichtigkeit ein gellend lauter Armutsalarm. Der Paritätische Wohlfahrtsverband, der massiv Stellen abbauen müsste, gebe es nicht die vielkritisierte und seit 1945 immer weiter auseinanderklaffende "Schere zwischen arm und reich" (dpa), diagnostiziert folglich in seiner "alarmierenden Armutsstudie" (Der Spiegel), dass viele Landkreise im Osten und Nordwesten in einem "Teufelskreis der Verarmung" steckten. Und, das wird nun ein echtes Zauberkunststück werden, "die Wirtschaftskrise könnte die Lage noch verschlimmern".

In den verwendeten Zahlen von 2007 klafft die Schere noch richtig schön. Kein Wunder, denn als Bezugsgröße gelten 60 Prozent des Durchschnittseinkommens: Für einen Single 764 Euro, für einen Alleinerziehenden mit einem Kind 994 Euro, mit zwei Kindern 1223 Euro, für ein Paar ohne Kind 1376 Euro, ein Paar mit Kind 1605 Euro und ein Paar mit zwei Kindern 1835 Euro.

1835 Euro ist so ziemlich genau der Nettobetrag, den ein in Vollzeit beschäftigter Mitarbeiter eines deutschen Landtagsabgeordneten verdient - Kindergeld für Töchterchen und Söhnchen selbstverständlich schon eingerechnet. Ist Landtagsmitarbeiters Ehefrau zufällig Hausfrau, ist der Mitarbeiter also per Definition arm, weil er und seine Familie weniger als 60 Prozent des deutschen Durchschnitteinkommens zur Verfügung haben.

Wir wissen nicht, wie deutsche Landtagsabgeordnete diesen grauenhaften Umstand mit ihrem Gewissen vereinbaren. Mancher lässt seine Mitarbeiter gleich zwei Vollstellen besetzen, die meisten aber sehen der grassierenden Armut scheinbar tatenlos zu.

Deshalb auch liegt die Armenquote in Deutschland je nach Region zwischen zehn und 24 Prozent. Viele, viele Menschen müssen ähnlich leiden wie die Mitarbeiter der Frauen und Männer, die in den Landtagen sitzen und Tag für Tag dafür kämpfen, Deutschland zu einem schöneren und gerechteren Ort zu machen.

Vergebens. Denn, so fabuliert der Wohlfahrtsverband, "im Zuge der Wirtschaftskrise könnte die Armut in Deutschland massiv ansteigen". Wie das geht, rechnet der "Armutsatlas" allerdings nicht vor, denn mathematisch gibt es gar keine Formel, die ein solches Ergebnis auswerfen kann. Sinken die Durchschnittslöhne, wie neulich bei einer Demo in Berlin von fortschrittlichen Menschen gefordert, die PPQ-Leser Manfred sofort fotografierte (Foto oben, danke dafür, Manfred!), etwa weil Menschen arbeitslos werden, kurzarbeiten oder Lohneinbußen hinnehmen müssen, steigt nämlich nicht die Armut. Sondern der eben noch arme Landtagspolitikermitarbeiter, dessen Gehalt dank der Großzügigkeit seines Landtagsabgeordneten gleich bleibt, wie von Zauberhand aus dem eben noch bedauernswerten Zustand des von der Armutsschere Geschnittenen zu einem plötzlich überdurchschnittlich gut verdienenden Mitbürger auf. Und das alles ohne einen Cent mehr im Portemonnaie zu haben.

So geht Statistik, hat nun auch die "Welt" ausgerechnet, so geht Armut in einem reichen Land. Und jede Wette: Auch der nächste Armutsbericht wird es schaffen, die Armut enorm steigen zu lassen. Hat er doch bisher noch jedes Jahr geschafft. Während sich die durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 12.400 Euro im Jahr 1973 auf 27.500 Euro im Jahr 2007 mehr als verdoppelten

Mit Peer ins Nimmermehr

Er nannte es das "Gerechtigkeits-Element", damals, als der pfälzische Mecki-Igel Kurz Beck noch sein Vorsitzender war. Seinerzeit sollte Peer Steinbrück irgendein Papier vorlegen, mit dem die deutsche Sozialdemokratie beweisen konnte, dass sie nicht darauf aus ist, ihren Wählern auch noch den allerletzten Pfennig aus den Taschen zu saugen.

Es war das Jahr 2008, Deutschland war im Aufschwung, Peer Steinbrück hatte die Gelegenheit genutzt, die Steuereinnahmen des Staates auf ein Maß aufzublähen, dass trotz ständig steigender Ausgaben des Staates kein EU-regelwidriges Defizit mehr übrig blieb. Er selbst nannte es wie seine CDU-Kanzlerin "Sanierung der Staatsfinanzen". Die sei so wichtig, dass er keinesfalls etwas abgeben könne von den Milliarden-Mehreinnahmen, die er durch höhere Steuerzahlungen von Unternehmen und niedrigere Arbeitslosigkeit hatte.

Immerhin: Als Kurt Beck ihm keine andere Wahl ließ, versprach Steinbrück im Mai 2008, die Sozialabgaben von derzeit knapp 40 Prozent des Bruttolohns binnen auf 36 Prozent zu senken. 40 Milliarden Euro sollte das kosten, finanziert werden sollte es quasi automatisch. Der hochrangige Wirtschaftsexperte Steinbrück, der später im Jahr eine Krise, die ihn und seine Landesbanken wie eine Lawine unter sich begrub, "rein amerikanisch" nennen wird, rechnete schließlich mit "zusätzlichen Steuereinnahmen von fünf bis sechs Milliarden Euro jährlich", die ein bis in alle Ewigkeit anhaltender Aufschwung in die Kassen spülen werde.

Eine groteske Vorstellung, aber aufs Groteske versteht sich Peer Steinbrück bestens. Je öfter er sich irrt, um so lauter behauptet er, Recht gehabt zu haben. Zwölf Monate nach seinem Versprechen, die Sozialabgaben um zehn Prozentpunkte zu senken, bezeichnet der SPD-Arbeiterführer jetzt zum Beispiel die Steuersenkungspläne der FDP als „grotesk“. Der Mann, der zweistellige Einnahmeausfälle der Sozialkassen in Kauf nehmen wollte, um seinem wankenden Parteivorsitzenden einen Gefallen zu tun, glaubt nun, dass die FDP, die zweistellige Steuerausfälle durch Steuersenkungen in Kauf nehmen will, damit zeige, "dass ihr für die Regierungsverantwortung die erforderliche Reife fehle".

Eine Reife, die Peer Steinbrück längst nachgewiesen hat. Der Mann begründet seine Ansichten je nach Sonnenscheindauer mit ganz verschiedenen Argumenten, die sich auch gern widersprechen dürfen, so lange sie das nacheinander tun. Die "amerikanische Krise" trifft Deutschland härter als die USA. Aber daran sind die Schweiz und Botswana schuld, die deutsche Steuersünder decken. Nicht die privaten Banken wanken am meisten vor lauter Verlusten durch exotische Anlageprodukte, sondern die staatseigenen, durch Politiker beaufsichtigten? Ja, und nur mehr Politiker-Aufsicht bei den Privatbanken kann das ändern.

Das politische Geschäft ist schnelllebig, Steinbrück weiß, dass keiner sich erinnern wird, was er gestern noch als letzte Wahrheit verkündet hat. Fehlte seiner Ansicht nach vor der großen Krise "jeder Spielraum für Steuersenkungen", weil Mehreinnahmen des Staates etwa durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer "zuerst zur Schuldensenkung verwendet werden" mussten - was sie nie wurden -, so sei nun durch die "aktuellen Mindereinnahmen wegen der Finanzkrise jeder Spielraum für zusätzliche Ausgabewünsche und vollmundige Steuersenkungen dahin“. Wäre der Aufschwung morgen zurück, gälte natürlich Antwort 1 wieder unverändert.

Und wenn die Wirtschaft eines Tages doch wieder anspringe, muss der Staat zuerst mal „zurück auf den Konsolidierungskurs kommen“ (Steinbrück), von dem er unter dem Finanzminister Peer Steinbrück stets weiter weg war als der VfL Bochum von der deutschen Fußballmeisterschaft. Danach, irgendwann im Jahr Nimmermehr, kann dann auch über Entlastungen geredet werden. Wo genau und warum für die auch dann kein Geld da sein wird, verrät Peer Steinbrück, wenn es soweit ist.

Krank sei dank

Das ist doch mal ein Angebot. Mexikos Hoteliers werben in Zeiten der Schweinegrippe einfallsreich um Touristen: Urlauber, die es schaffen, sich in ihren Mexiko-Ferien mit der Schweinegrippe zu infizieren, sollen dafür in den kommenden drei Jahren mit Gratis-Aufenthalten entschädigt werden. Zum Beweis müssten die Touristen allerdings acht Tage nach der Rückkehr aus ihrem Urlaub Schweinegrippe-Symptome zeigen. 5000 Zimmer stehen für Grippeopfer bereit.

Mit dem Gröpaz am Kiosk

Normale Menschen, überfordert schon vom Sauberhalten der eigenen Küche, regelmäßigem Blumengießen und mittenrein geschobenen Auswärtsaufenthalten zur Sicherung des Broterwerbs, stauenn still und schüchtern. Wie schafft der Mann das nur? Hitler, jüngst 120 Jahre alt geworden, sendet auf allen Kanälen, gibt Interviews in allen Magazinen. Das Nachmittagsprogramm bei n-tv bestreitet der ehemalige Führer und Reichskanzler schon seit Jahren fast vollständig allein. Er erzählt dann von seinen Abenteuern im Osten oder seinen Verbrechen beim Judenmord, seine Panzer fahren unwiderstehlich Böschungen hoch und wieder runter, "deutsche Ingeneurtechnik" brummt es zufrieden in der Fangemeinde vor den Bildschirmen, die nach Ende der aktuellen Episode "Hitler und seine Kochrezepte" bruchlos zu Phoenix, 3sat oder ZDF Doku wechseln kann, wo es sofort weitegeht mit "Hitler und seine Schulfreunde" oder "Hitler - was lief da mit Speer?".

Der "Spiegel", ehemals ein aktuelles Nachrichtenmagazin, heute eine regelmäßig erscheinende Volkshochschulbegleitlektüre für Geschichtsinteressierte, hat den neuen Gröpaz (Größter Popstar aller Zeiten) mitgeschaffen. Regelmäßig hebt die Hamburger Illustrierte der Jahrhundertverbrecher auf den Titel, denn Hitler und die Vergangenheit sind ein sicherer Kaufanreiz, je länger her, je lieber. Im Windschatten machen alle mit, Aufarbeitung tut - mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Ende des 3. Reiches - mehr not denn je. Google Timeline, ein Analyseinstrument, das unbestechlich zeigt, was deutsche Medien an Wirklichkeit produzieren, zeigt Adolf Hitler im Krisenjahr 2009 im größten Boom seiner langen Karriere. Nie war er so wertvoll wie heute. Diese Woche in "Hitlers langem Schatten" (Spiegeltitel 2001):
"Hitlers europäische Helfer beim Judenmord". Wir sind gespannt auf "Hitler und die Indianer", "Heiße Liebesnächte mit Hitler - Die Eva-Braun-Tagebücher", "Hitlers Osterbräuche" und "Adolf und die Außerirdischen".

Sonntag, 17. Mai 2009

Endlich kommen die Parteien auf den Punkt



Wofür wir gerne Werbung machen XXII

Wird sich nicht durchsetzen


Kurz bevor der angebliche Internet-Gigant Google im virtuellen Hades verschwindet, wie das hier im Tote-Bäume-Board PPQ seit Jahren fest geglaubt und versichert wird, bläht sich der künftige Weiße Zwerg noch einmal zu einem Roten Riesen auf - mit beachtlicher krimineller Energie. Mehr als 122 Prozent aller unserer Besucher kommen unserem Tracking-Tool nach von Google. Das dies nicht sein kann, dürfte einleuchten: Wenn 122 Prozent der User tatsächlich von Google zu PPQ umgeleitet wären, hätten wir ja viel mehr Gäste, als wir haben. Haben wir aber nicht. Quod erat demonstrandum.

Fast ein Fußballgott

Er ist im Hauptberuf als Marius Müller-Westernhagen in der Musikindustrie beschäftigt, am Wochenende aber schnürt er seine Fußballschuhe für den Halleschen FC. Dort musste Thomas Neubert zuletzt immer erstmal auf der Auswechselbank Platz nehmen, von da kommend jedoch brachte der ungelenke Schlacks stets Leistung. Auch heute beim Auswärtsspiel in Hamburg, wo Neubert sofort nach seiner Einwechslung die erste Chance nutzte und zum 1:0 einschoß. Halle damit Spitzenreiter mit zwei Punkten Vorsprung auf Aufstiegskonkurrent Kiel.

Ein Neubert jedoch reicht am Ende nicht. Es ist die Abwehr, die im finalen Kampf um den Aufstieg schwächelt. Seit HFC-Torwart Darko Horvat Ende März bei Türkiyemspor zum ersten Mal nach 980 Minuten ohne Gegentor hinter sich greifen musste, läuft es nicht mehr ganz rund in der Hintermannschaft der Hallenser. Galt zuvor die Regel, dass 1:0 gewonnen oder aber torlos Remis gespielt wird, klingelt es seitdem in nahezu jedem Spiel im halleschen Tor. Zwar trifft Halle vorn auch öfter, seit mit Markus Müller ein torgefährlicher Mann aus Aue hinzukam. Doch in den letzten acht Begegnungen musste Horvat auch neunmal hinter sich greifen - nachdem er zuvor in 21 Begegnungen nur achtmal bezwungen worden war. In der Hinrundenstatistik stehen bis zum viertletzten Spieltag 17:7 Tore, in der Rückrunde 21:9. Das reichte in der Hinrunde zu 8 Siegen und sechs Unentschieden mit 30 Punkten, in der Rückrunde zu einer Niederlage, neun Siegen und vier Remis mit 31 Punkten.

Auch diesmal geht es nicht ohne Gegentreffer ab. Fast im Gegenzug zur Führung macht Abwehrspieler Christian Kamalla, der einzige Spieler aus dem HFC-Nachwuchs, der bis hierher die Saison seines Lebens gespielt hat, selbst den Ausgleich. Jan Benes tröstet den Unglücklichen - und am Ende ist alles beim Alten: Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften. Thomas Neubert muss auf seine Krönung zum Fußballgott warten. Halle, nach Ansicht von FCM-Präsident Rehboldt eine "Gurkentruppe", bleibt im 30. Auswärtsspiel hintereinander ungeschlagen. Und punktgleich mit Kiel, das noch sechs Tore Vorsprung und das leichtere Restprogramm hat.

Das Volk ruft nach Zensur

Über stolze 98,78 Prozent der Stimmen für die "Kandidaten der Nationalen Front" durfte sich SED-Chef Erich Honecker nach der letzten Kommunalwahl in der DDR freuen. Abzüglich der in den Wahllokalen hinzugefälschten fünf bis sieben Prozent ist das nur rein zufällig deckungsgleich mit dem Prozentsatz der Deutschen, der sich nach einer Meinungsumfrage für eine Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet ausspricht. Im Auftrag der Deutschen Kinderhilfe hatte Infratest Dimap herausgefunden, dass 92 Prozent alle Wahlberechtigten dafür sind, Grundgesetz-Artikel 5 auszusetzen, wenn es um Verbrechen, Kriminalität oder Ordnungswidrigkeiten geht. Sieben Prozent gaben zu, Verfassungsfeinde zu sein. Sie waren gegen eine Zensur des Internets. Ein Prozent blieb vorsichtig und wollte keine Aussage treffen.

"Das Ergebnis der Umfrage bestätigt meinen Eindruck, dass es sich bei den Unterschreibern der Online-Petition um Internetliebhaber, Blogger, im Grunde also um eine Minderheit handelt - wenn auch eine gut organisierte", sagte der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann. Der engagierte Spendensammlern und Kämpfer gegen ein unzensiertes Internetsoll sich widerlichen Gerüchten einer Minderheit von Internetliebhaber zufolge ein "Reitpferd" mit einer Abteilungsleiterin des Familienministeriums teilen,was anderwo allerdings energischst bestritten wird. Die Deutsche Kinderhilfe war im vergangenen Jahr wegen dubioser Machenschaften aus dem Spendenrat geworfen worden. Die Kinderhilfe, so hieß es damals, habe „versucht, das System für sich zu instrumentalisieren und dabei billigend in Kauf genommen, dass alle Spenden sammelnden Organisationen in schlechten Ruf geraten".

Um den eigenen Ruf wieder aufzupolieren,beschreibt Stefan Niggemeier, organisiert der Verein derzeit mit Unterstützung aus der großen Politik eine Gegenkampagne zur erfolgreichen Online-Petition gegen die Internetzensur. Die Avantgarde dabei ist adlig, der Kreis, der am Grundgesetz herumschraubt, überschaubar klein: Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stellte den Gesetzesentwurf zur „Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen” gemeinsam mit Zensursula von der Leyen und Justizministerin Brigitte Zypries in der Bundespressekonferenz vor. Seinen Ehefrau Stephanie Freifrau zu Guttenberg hingegen ist Präsidentin des Vereins „Innocence in Danger”, der die Zahlen zur grassierenden Kinderpornografie erfunden hat, auf die sich Zensursula von der Leyen in ihrer Verbotsargumentation beruft, ohne sie jemals auch nur ansatzweise belegt zu haben.

Hauptsache Zensur, denn Zensur hilft, dass nur noch erwünschte Meldungen in der "Aktuellen Kamera" gesendet werden. Nach einer Umfrage, die Infratest nicht durchgeführt hat, sind vor allem viele Adlige dafür, dass die Liste der deutschen Empfänger von EU-Agrarsubventionen nicht veröffentlicht wird. 2007 wurden die Fördermittelprofiteure in Nordrhein-Westfalen trotzdem bekannt. Die Liste las sich wie das Who is Who des deutschen Hochadels: Neben den Grafen von Westphalen, dem Fürsten Metternich-Ratibor, dem Grafen von Nesselrode, der Freifrau von Spiegel, dem Freiherrn von Twickel mittendrin genannt: Der Freiherr von der Leyen. Das ist nur zufällig deckungsgleich.

Samstag, 16. Mai 2009

Kopfsprünge für Geisteskranke

Ein gar wunderliches Volk wohnt im Osten, wo er fast noch Westen ist. Stolz sind sie dort darauf, dass sie früher aufstehen als alle anderen, ihr Ministerpräsident ist eine wandelnde Strickjacke, der Darsteller des Finanzministers ein Motörhead-Fan und der örtliche Fußballverband tut im Ernstfall auch durch die Ansetzung eines Landespokal-Endspiels mitten in die entscheidende Phase der Regionalliga-Meisterschaft alles, um auch weiterhin dafür zu sorgen, dass Sachsen-Anhlt als einziges Bundesland überhaupt keine Vertretung in einer der ersten drei Ligen hat.

Naheliegend, dass die größte Krankenkasse in Sachsen-Anhalt nicht nur Tagungshotels betreibt, sondern die sprudelnden Beitragseinnahmen auch dazu nutzt, auf Großplakaten für rätselhafte Internetkampagnen zu werben. Unter der Aufschrift "Sachsen-Anhalt traut sich" zeigen die einen offensichtlich schwer geistesgestörten Mann, der gerade dabei ist, von einer Leiter in ein leeres Gartenplanschbecken zu springen.

So sind sie, hier in Sachsen-Anhalt. Keine Arbeit, nichts in der Birne, trotz grassierender Kinderarmut als Erwachsene mit reichlich Bauchspeck gesegnet und immer für einen Scherz im Alkohol-Koma gut. Springt der solcherart angefütterte Internetnutzer hinterher, landet er auf einer teuer gestalteten Flash-Seite, auf der er sich anmelden und Fotos hochladen kann. Die Schönsten prämiert die AOK jede Woche mit "wertvollen Preisen" (AOK). Kerngeschäft einer Krankenkasse: Die Aktion läuft seit zwei Monaten, 39 Bilder sind schon hochgeladen.

Wiedergeboren als Bayern-Boß

Glück für den FC Bayern München in der heißen Phase des Kampfes um die deutsche Fußballmeisterschaft: Die Polizei hat ihre Suche nach dem Gewaltverbrecher Thomas Wolf (Bild links) in einem Waldstück im Taunus ergebnislos abbrechen müssen, der seit sieben Wochen gesuchte Entführer hatte zuvor nicht entdeckt werden können.

Eingeweihte allerdings sind darüber nicht verwundert, schließlich spielt der FC Bayern München heute bereits in Hoffenheim, so dass Wolf, der im bürgerlichen Leben als "Karl-Heinz Rummenigge" (Bild rechts) im Vorstand des deutschen Rekordmeisters sitzt, schon aus sportlichen Gründen keine Zeit mehr hatte, das Versteckspiel mit den Fahndern fortzusetzen.

Der nach Polizeiangaben 56-jährige Wolf soll Ende März eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und dabei 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst haben. Seither befindet sich der mehrfach Vorbestrafte offiziell auf der Flucht, Fußballfans jedoch entdeckten den Gesuchten schon vor Wochen in der VIP-Lounge des FC Bayern, wo er als 55-jähriger Ex-Nationalspieler namens Rummenigge auftritt. Als Tarnung reicht es Rummenigge, die schmale Brille abzunehmen, die er als "Wolf" trägt.

Die Polizei hatte zuletzt anhand von Spuren im Fluchtauto Wolfs Reiseroute seit Ende März rekonstruiert. Danach soll der Gewalttäter unter anderem in München, Berlin und Bremen aufgehalten haben. Das deckt sich mit dem Bundesligaspielplan, der nach PPQ-Recherchen keinen Zweifel daran lässt, dass sich Rummenigge/Wolf zwischendurch jedoch auch noch in Stuttgart, Leverkusen und Bochum aufgehalten hat.

Alle Doppelgänger in der großen PPQ-Datenbank.

Freitag, 15. Mai 2009

Vergeltung bis zur Versteppung

Ein Aufatmen geht um die Welt. Die Unesco will Dresden den Titel "Weltkulturerbe" entziehen - endlich, endlich, endlich. Seit gefühlten Jahren 70 Jahren quält die Welterbekommission, in der namenlose Vertreter von Ländern wie Bahrain, Kuba (im Bild eine Impression aus der Innenstadt der Welterbestadt Havanna), Barbados, Madagaskar und Nigeria sitzen, die Weltöffentlichkeit mit der Ankündigung, die sächsische Metropole wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke von der Weltkulturerbeliste zu streichen.

Inzwischen sind einer Umfrage zufolge 70 Prozent der Deutschen überzeugt, dass Dresden durch eine solche Vergeltungsmaßnahme der Uno schwerer getroffen würde als durch all Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg. 34 Prozent der Befragten waren gar der Ansicht, um eine Streichung und damit eine komplette Versteppung von Dresden zu verhindern, müsse die Bundeswehr auch im Inneren eingesetzt werden dürfen - etwa, um die Bauarbeitertrupps an der Waldschlösschenbrücke unter Granatwerferfeuer zu nehmen.

Weltweit bietet sich ein ähnliches Bild. Bei Umfragen in Oregon, Südchile und Mittelchina gaben zahlreiche Menschen zu, überhaupt nur einen Träger des Titels "Weltkulturerbe" zu kennen - und zwar Dresden. Entsprechend seien sie besorgt um das Weltkulturerbe, wenn Dresden von der Liste genommen werden sollte. "Dann bleibt ja nichts mehr übrig", sagte ein Mann in der kanadischen Provinz Sasketchewan, die derzeit über zahlreiche Brücken und vielleicht deshalb über keinen Weltkulturerbestatus verfügt.

Wer hat es gesagt?

“Der Hass als Faktor des Kampfes, der unbeugsame Hass dem Feind gegenüber, der den Menschen über die natürlichen Grenzen hinaus antreibt, und ihn in eine wirksame, gewaltsame, selektive und kalte Tötungsmaschine verwandelt. Unsere Soldaten müssen so sein.”

Donnerstag, 14. Mai 2009

Kniefall im Countrystyle


I told them I take photos for this magazine.
They let me in to see you comb your hair.
I watched for signs as I came throught that door.
The anxious eyes that I've been waiting for.
It's no use hoping I'm a dream.

Oh Marliese.
The waiting almost brought me to my knees.
Oh Marliese.
You didn't really think I'd leave you in peace.

It's no use crying out 'cos they can't help you now.
You're forced to hear the words I have to say.
I saw your face when I was taken down.
You seemed so pleased, you're not so happy now.
It's your turn to be afraid.

So where's the smooth composure of the movie star.
You must have played this many times before.
Do I see tears? Well surely that's not true.
Don't kid yourself, it's not worth hurting you.
But remember when you try to sleep.

Zeitmaschine


Die obige Kurve zeigt die Verdachtsfälle in Deutschland im Zusammenhang mit "Kindesmisshandlungen zur Erstellung von Kinderpornografie". Seit 2002 gehen die Zahlen also - mit einem kleinen Ausschlag im Jahr 2004 - kontinuierlich zurück. Wir vom Leyen-Fan-Board PPQ können uns diese Entwicklung nur so erklären: Die Pädokriminellen sind seit sieben Jahren auf dem Rückzug, weil sie Ursulas schnellen, harten und zähen Widerstand gegen Lolita-Sex schon damals, quasi präventiv, erahnten. So beeinflusst, in einer Art Zeitschleife, die Zukunft die Vergangenheit. Kein Wunder übrigens: Unsere Kanzlerin als Chefin Ursulas ist Physikerin.

(mehr zum Thema hier)

Der Doktor und das liebe Stimmvieh

Es ist ein großer Kampf, den Dr. Dieter Wiefelspütz seit Tagen kämpft. Er tritt, er beisst, er ist der Lonesome Cowboy und der schwarze Rächer, er teilt verbale Knieschüsse aus und schlägt unter die Gürtellinie. Dr. Dieter Wiefelspütz, im wahren Leben ein kleiner, klapperdürrer Mann mit einer Helge-Schneider-Gedächtnisfrisur, erwehrt sich seiner Feinde mit Arroganz und Kälte, er will kein Mann des Volkes sein, denn das Volk stellt nur dumme Fragen. Er sucht sich die Leute, die überhaupt nur das Wort an ihn richten dürfen, sorgfältig aus.

Viel Erfolg hat Dr. Dieter Wiefelspütz damit nicht auf der Bürgerfrage-Plattform abgeordnetenwatch.de. Seit der gelernte Buchhändler vor einigen Tagen in einem Zeitungsinterview mitgeteilt hatte, er habe beschlossen, dass Paintball sittenwidrig sei, weshalb es "das in Zukunft nicht mehr geben" werde, ist der innenpolitische Sprecher der SPD, der heuer sein 22. Jahr im Bundestag absitzt, Lieblingsfeind des amorphen Gebildes, das er selbst "die Internet-Gemeinde" nennt.

Auf abgeordnetenwatch.de stellt die dem 63-Jährigen nun fortlaufend mehr oder weniger respektlose Fragen. So wollen Menschen wissen, wieso Dieter Wiefelspütz Paintball-Markierer verbieten will, nicht aber Wasserpistolen. Oder sie wünschen zu erfahren, warum das Schießen mit Farbkugeln eine "Tötungssimulation" (Wiefelspütz) sein soll, das Degenfechten aber nicht. Und schließlich setzen sie den frei gewählten Parlamentarier auch noch unter Druck: Ob er denn schon mal von Begriffen wie DNS und TLD gehört habe? Wo er doch einer der Fürsprecher der Internetzensur sei?

Dr. Dieter Wiefelspütz macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. "Ich habe diese Begriffe noch nie gehört oder gelesen. Ich stamme nämlich aus dem vergangenen Jahrtausend. DNS, TLD, GAGA, GOGO, TRALAFITTI oder was?", antwortet er souverän.

Ist ihm doch scheißegal, wenn der Fragesteller sich dann fragt: "wie Sie sich zu solch einer respektlosen Antwort hinreißen lassen" können? "Ihnen müsste doch klar sein, dass durchaus auch potentielle Wähler solche Antworten lesen, und sich daraufhin drei mal überlegen, sich von einer Person vertreten zu lassen, die einen derartigen Umgang mit anderen Menschen pflegt."

Wiefelspütz´ Antwort lautet übersetzt ins Deutsche: Dann leck mich halt. Potentielle Wähler? Dass er nicht lacht! Was interessieren ihn Wähler? Das kann er gut, so eisig aus dem Rechner blasen. Aber immer korrekt. "Mit freundlichen Grüßen" steht unter jedem Eintrag, der meist nicht einmal vorgibt, eine Antwort simulieren zu wollen.

Dr. Dieter Wiefelspütz lebt in seiner eigenen Welt, das gemeine Volk darf ihn wählen, es durfte ihn bis hierher mit rund zwei Millionen Euro aushalten - aber Rechte kann es daraus nicht ableiten.

Wenn da einer etwa frech fragt, "warum das Waffengesetz so uneinheitlich geregelt ist. In Schützenvereinen wird mit Großkaliber geschossen, was weiter erlaubt bleibt, und im gleichen Atemzug wird sich gegenseitig mit Farbkugeln zu beschiessen als sittenwidrig erklärt", dann kriegt er, was er verdient.

Keine Antwort. "Paintball hat mit Waffenrecht nichts zu tun, weil beim Paintball keine Waffen benutzt werden. Paintball hat etwas mit Ordnungsrecht und Gewerberecht zu tun", belehrt Dr. Wiefelspütz. Man sieht ihn richtig den Wollkopf schütteln angesichts von soviel Ahnungslosigkeit da unten in der Schweinesuhle, wo das liebe Vieh auf den allwissenden Doktor wartet, damit der seine Krankheiten mit vielen neuen Verboten heile.

Es sei "nach unserem Waffenrecht strikt verboten, statt auf eine Scheibe auf das Bild eines Menschen zu schießen. Auf das Bild eines Menschen zu schießen ist sittenwiedrig" (sic). Der Politiker aus Unna ist ja auch Rechtsanwalt, also geübt im Voltenschlagen: "Denkbar ist auch in diesem Zusammenhang von einer Verletzung der Würde des Menschen zu sprechen", führt er aus. Denkbar durchaus, dass er meint, keiner bemerke, was das für ein Blödsinn ist. Und weiter: "Ich halte es für sittenwidrig bzw. für eine Verletzung der Menschenwürde, das Töten eines Menschen zu simulieren."

Er hält es also. Dann ist es ja so. Wissenschaftliche Studien oder eigene Erfahrungen mit Paintball braucht Dieter Wiefelspütz schon lange nicht mehr. Für nichts. Verbotsgrund sei nach seiner Überzeugung die "Sittenwidrigkeit bzw.die Verletzung der Menschenwürde". Das sei eine Rechtsfrage. Und "ich bin nicht nur Volksvertreter sondern auch Rechtswissenschaftler", stellt der im Nebenberuf als Kurator der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" tätige Innenpolitik-Experte klar: "Ich benötige keine wissenschaftlichen Gutachten, um Fragen der Menschenwürde zu beurteilen. Das kann ich selber."


Kommt gut an, draußen im Land, wo sie sich alle seit 64 Jahren nach der Peitsche sehnen, nach Zucht und Ordnung und einem Mann ganz oben, der nicht lange Studien liest, sondern Fragen der Menschenwürde einfach mal selbst entscheidet: Dem Letzten, der sich das zutraute, weil er nicht nur Reichskanzler, sondern auch Vegetarier mit Ausnahme von Leberknödelsuppe war, flogen die Herzen von Jung und Alt nur so zu.

Sein Nachfolger trifft derzeit leider gelegentlich noch auf staunendes Unverständnis: "Entspricht es Ihrer allgemeinen Auffassung von Demokratie, dass man als innenpolitischer Sprecher der SPD Bundestagsfraktion Menschen, die sich mit ihren Fragen und Ängsten an Sie wenden, anpöbeln und mit unsachlichen Äußerungen wie "DNS, TLD, GAGA, GOGO, TRALAFITTI oder was?" zum Narren halten sollte?", beklagt ein Steuerbürger, bietet aber devot gleich nachfolgend an: "Sollte dies zutreffen, bitte ich darum, dass Sie meine Frage ignorieren."


Nur wenn Dr. Dieter Wiefelspütz "an einem echten politischen Diskurs interessiert" sei, könne er ja doch mal "erläutern, warum Sie Paintball für sittenwidrig halten, während das Schießen mit scharfer Munition nicht sittenwidrig ist und das auf Menschen sogar noch als Verteidigung des Vaterlands am Hindukusch heroisiert wird."

Was aber noch wichtiger sei und deshalb vorrangig beantwortet werden solle: "Wieso Sie der Meinung sind, dass etwas verboten werden sollte, nur weil Sie es für sittenwidrig halten?"


Mit dem PS verscherzt der Fragesteller es sich freilich gleich wieder bei der sozialdemokratischen Domina mit dem Echthaar-Dutt: Um einer Antwort a la "ich habe mich zu Amokläufen, zum Medien- und Waffenrecht und nicht zuletzt zum Paintball-Verbot in zahlreichen Stellungnahmen sehr ausführlich und sehr differenziert geäußert und meine Überzeugung begründet. Diese Stellungnahmen sind klar, deutlich und allgemeinverständlich. Meine Beiträge haben in den Medien eine große Verbreitung gefunden" vorzubeugen, glaubt der Fragesteller erklären zu müssen, "dass ich zu meiner Schande mit Hilfe von Google und den Suchbegriffen "Wiefelspütz" und "Paintball" immer nur auf Ihren einen Satz gestoßen bin, der da lautet "Paintball ist sittenwidrig. Das wird es in Zukunft nicht mehr geben".

Vielleicht, so die flehentliche Bitte, "hätten Sie die Güte, mir einen Link zu einer dieser Stellungnahmen zu übersenden."

Link! Link! Was soll das wieder sein? Neinnein, so einfach kriegt man Dr. Dieter Wiefelspütz natürlich nicht. Wenn keine Tür mehr da ist, geht der Mann mit dem listigen Mausgesicht nämlich durchs Fenster:

"Sehr geehrter Herr, mir gefällt der Ton Ihrer Frage nicht. Es fehlt Ihnen an Respekt. Suchen sie sich einen anderen Gesprächspartner", schreibt er kalt lächelnd und das Anrede-Sie gezielt kleinhaltend.

Ein schöner Erfolg für den Sozialdemokraten. Wieder einen in die Arme der Extremisten getrieben. Das gibt noch mal Extra-Fördermittel für die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", die ihn aus dem Lager der Extremisten und Demokratiefeinde, der Nicht-Wähler und Politiker-Verächter nun mit einer großen Plakatkampagne, ein paar bunten "Hingucken"-Aufklebern und einer CD mit Xavier-Naidoo-Liedern wieder rausholen wird.

Ja, mit freundlichen Grüßen,
Dr. Dieter Wiefelspütz, MdB

Privat nur im Ausland

Die Abschaffung der Unverletzlichkeit der Wohnung begründet der CDU-Experte Bosbach mit der noch nie bestehenden Unverletzlichkeit des Autos, die Abschaffung des Fernmeldegeheimnisses hingegen begründet der Bundesgerichtshof damit, dass Emails, die beim Provider liegen, so etwas ähnliches seien wie Briefe, die der Empfänger im Postamt lagern lässt statt wie bisher anzunehmen, sie seien so etwas wie ein Telefongespräch.

Künftig können nun Ermittler endlich einfacher Mails beschlagnahmen, die bei Webmailern wie web.de, bei Gmail, T-Online und AOL gespeichert sind, egal, ob sie der Nutzer schon zum Lesen auf den eigenen Rechner herunterladen oder noch gar nicht zur Kenntnis genommen hat.

Bisher musste ein Richter zustimmen, weil das Fernmeldegeheimnis galt, jetzt schützt nur noch das Postgeheimnis die Privatsphäre - oder ein Postfach im Ausland.

Unverletzlichkeit braucht Ausrede

Aufatmen bei Verfassungsfans deutschlandweit: Auch nach der geplanten Verschärfung des Waffenrechts bleiben die Grundrechte vorerst gewahrt, wenn Grundrechtenutzer immer eine Ausrede parat haben. Die ursprünglich geplanten verdachtsunabhängigen Kontrollen von Waffenbesitzern werden zwar ein-, aus Mangel an Personal aber wohl nicht durchgeführt. Auch sollen Besitzer von Gewehren und Pistolen die Möglichkeit haben, die unangemeldet anklopfenden Kontrolleure mit dem Hinweis, sie ständen gerade unter der Dusche, schauten einen spannenden Film oder hätten Telefonsex, abzuweisen. Erst wenn sich ein Waffenbesitzer „beharrlich“ weigert, seinen Waffenschrank zu zeigen, soll ihm der Entzug des Waffenscheins drohen.

Mit anderen Worten, heißt es bei Zettel,: "Es gilt zwar das Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung. Aber wer davon Gebrauch macht, der verstößt gegen seine "Mitwirkungspflicht", verfügt ergo nicht über die "notwendige Zuverlässigkeit", und somit darf man ihm den Waffenbesitzschein entziehen."

Geniale Idee, mit der auch alle anderen Grundrechte wirksam abschaffen lassen werden. Meinungsfreiheit? Ja, aber nur, wenn Sie das Richtige meinen. Religionsfreiheit? Kein Problem, mit dem richtigen Gott! Und so weiter, und so fort mit Grundrechtsmist. Oben auf dr Brüpcke feiern sie zur Ablenkung noch mit Getöse "60 Jahre Grundgesetz". Dann geht es in Vorruhestand.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Eine Halbzeit wie eine Ewigkeit

Jede Woche ein Endspiel, so geht das seit Wochen bei Halleschen FC. Außer, es ist englische Woche, dann gibt es sogar drei. Letzten Samstag der am Ende erzitterte Sieg gegen den Aufstiegs-Mitkonkurrenten Babelsberg 03, heute schon die nächste Partie, diesmal gegen Hansa Rostock, zu DDR-Oberligazeiten eine Mannschaft, mit der der HFC Chemie eigentlich immer auf Augenhöhe agierte.

Das hier allerdings ist nur noch die Reserve-Vertretung aus der Ostseestadt, die Erste von Rostock spielt zwei Ligen höher. Dahin will auch der HFC wieder - und dazu muss das noch bis zum 6. Juni 15.45 Uhr laufende Fernduell mit Noch-Tabellenführer Holstein Kiel, der zu Hause Herthas Reserve empfängt, gewonnen werden.

Halle, gegen Babelsberg mit Wucht und Kraft gestartet, tut sich gegen die Nachwuchstruppe aus Rostock dennoch schwer. Der Ball geht quer und wieder quer, ein, zwei halbgare Chance nur erspielt sich die Mannschaft von Trainer Sven Köhler, dem sie im Aufstiegsfall ein oder sogar mehrere Denkmale in Halle errichten würden.

Viel aber kann nicht schiefgehen, glaubt die Tribüne nach 25 Minuten. Auch die gern als "Hansa-Bubis" bezeichneten Blauen sind nach vorn gefährlich wie ein toter Tiger. Bis sich Halle vor der Haupttribüne im Kleinklein verliert, fünf rot-weiße Spieler nacheinander den Ball erobern und postwendend wieder verlieren. Dann hat ein bis dahin unauffällig agierender Hanseat namens Sebastian Albert an der Strafraumgrenze plötzlich den Ball, er zieht ab und der Richtung Tor ruckelnde Schuss springt dem verdutzten Keeper, bis dahin in 29 Spielen nur 15 Mal bezwungen, über die ausgestreckten Hände ins Netz.

Es wird still im Stadion, Kopfschütteln ringsherum, Trainer Köhler sitzt bewegungslos auf seinem Bänkchen und denkt wohl schon über die Ruck-Rede nach, die er im Gedenken an den damit seinerzeit grandios gescheiterten Bundespräsidenten Roman Herzog zum sogenannten Pausentee wird halten müssen.

Muss er aber gar nicht. Kaum hat sich die Freude bei Hansa gelegt, geht auch schon etwas für den Gastgeber. Görke wirft weit ein, den folgenden langen Ball unterläuft Hansa-Torwart Schenk gekonnt und am langen Pfosten hält Kanitz die Innenseite im richtigen Winkel in die fallende Flanke. 1:1. Hansa scheint irritiert, Halle will mehr. Das in dieser Saison statistisch genau aller zwei Spiele unvermeidbare Gegentor ist nun ja schon gefallen, Kanitz, der heute Geburtstag hat, Görke, Kamalla und die anderen wissen: Gelingt ihnen jetzt ein zweiter Treffer, ist das Spiel allen Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung nach wiedermal gewonnen.

Zwei Minuten nur brauchen sie diesmal, ehe es soweit ist. Erst knallt Markus Müller einen Kopfball mit Urgewalt an die Latte, dann macht Pavel David das zweite Tor perfekt. Als er einschießt, wackelt die Latte noch.

Von da an aber wackelt nur noch Halle. Kaum aus der Halbzeitpause zurück, dröhnt es "Spitzenreiter, Spitzenreiter" aus der Fankurve, denn Hertha ist im Parallelspiel in Kiel in Führung gegangen. So nah dran und doch noch 40 Minuten weit weg. Halle zittert, Halle bangt, Halle schlägt weite Bälle nach vorn und duckt sich hinten weg. Ein Kampf, ein Krampf. Hansa kommt jetzt, so gut es kann. Das ist nicht sehr gut, aber zwei-, dreimal muss Darko Horvat alles geben, sechs-, siebenmal zumindest die Hälfte.

Irgendwann steht es in Kiel angeblich 2:0 für Hertha. Ein Raunen im Rund. Oder hat Kiel nur einen Elfmeter verschossen? Keiner weiß es so genau. Es sind noch 20 Minuten zu gehen und jeder zweite Blick geht zur Uhr. Köhler wechselt, nimmt den verletzten David runter und bringt mit Kittler einen dritten Sechser fürs Mittelfeld. Hebestreit kommt für Görke und geht in den Sturm. Adli Lachheb verletzt sich und Marko Hartmann, bisher nur im Pokal eingesetzt, kommt. Stürmer Markus Müller steht jetzt auch hinten drin, Hansa drückt, Halle kontert, scheitert aber immer wieder schon weit weg vom Tor.

Eine Halbzeit wie eine Ewigkeit. Kittler vergibt nach Traumpass von Hebestreit noch eine letzte Großchance. Dann ist doch Schluß. 2:1 Sieg und bis auf sechs Tore am Tabellenführer Kiel dran, der nur 1:1 gespielt hat. Ja, nächstes Endspiel am Sonntag in Hamburg.

Fernseh-Kindergärtner im Koma

Dass Fernsehkommentatoren und Radiomoderatoren ihr erwachsenes Publikum ansprechen, als hätten sie es mit minderbemittelten Siebenjährigen zu tun, denen ganz vorsichtig erklärt werden muss, dass Herdplatten heiß und fremde Männer in dunklen Autos böse sind, daran ist der Durchschnittsdeutsche nach Jahren der Übung gewohnt. Gern ruft er an, wenn ihn sein Lieblingssender fragt, ob die Stelle im Krankenhaus, an der operiert werde, "OP" oder OK" heißt. Geduldig hört er zu, wenn ihm der "Tagesschau"-Sprecher tagtäglich neu verrät, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin und Chefin der CDU ist. Viele ahnten es, manche hatten schon davon gehört. Aber gut, es nochmal amtlich bestätigt zu bekommen.

In diesem kindergärtnernden Stil lässt sich aber noch viel mehr über die Rampe bringen. Vielleicht, so mag die Hoffnung beim ZDF gewesen sein, muss das gesamte Programm auf das Niveau zurückgeschnitten werden, das es erlaubt, Fragen wie "OP" oder "OK" zur Abstimmung zu stellen.

Einen ersten Schritt in die richtige Richtung hat der zweite deutsche Staatssender mit seinem Party-Beitrag "Baby Bundesrepublik" gemacht. In diesem "besonderen Programmschwerpunkt" (ZDF) zu den "Feierlichkeiten anläßlich des 60. Jubiläums der Veranschiedung des Grundgesetzes" nahmen die Fernsehmacher um Jörg Müllner ihr Publikum sachte bei der Hand und führten es wie kleine lobotomierte Kinder durch die sogenannte "Primetime".

"Wie unsere Demokratie laufen lernte" heißt die Sendung zur Volkserzeihung im Untertitel, und wie bei jeder großen Chartshow sind ein paar Prominente "am Start" (DJ Bobo), um die ganzen Vorteile der gewählten Hits aus ganz persönliche rSichtzu erklären. Mit der deutschen Stimme von Privatdetektiv Thomas Magnum beschreibt "Müllner in 45 Minuten die Entstehung der BRD auch mit ihren Schattenseiten: die Überwachung der westdeutschen Staatsgründer durch die Alliierten; die Kritik an der in Kauf genommenen Vertiefung der Teilung in West und Ost; den Verdacht, Bonn sei mithilfe von Schmiergeldern zur Hauptstadt ernannt worden", wie die Nordsee-Zeitung
hochkritisch anmerkt.

Eine feine Sache aber ist die Fernsehlektion Demokratie für Lobotomierte dennoch. "Namhafte Frauen und Männer, welche die ersten Gehversuche des "Babys" Bundesrepublik in Richtung Demokratie miterlebten", orgelt die Nordsee-Zeitung würdevoll, "erinnern sich an ihre Hoffnungen und Zweifel: Die Autorität des späteren Kanzlers Helmut Schmidt darf da ebenso wenig fehlen wie die scharfe Zunge von Dieter Hildebrandt."

Wer fehlt sonst noch? Na klar, Egon Bahr! Hanna Renate Laurien! Hans-Dietrich Genscher! Hellmuth Karasek! Hildegard Hamm-Brücher! Die unentwegt und bis in alle Ewigkeit als "Grande Dame ruft der Nation" anzukündigende "Grande Dame der Nation" nutzt die Gelegenheit, dem Volke draußen an den Volksempfängern "unermüdlich aufmunternd" (Nordsee-Zeitung) zuzurufen: "Ohne Bürgerinnen und Bürger gibt es keine Demokratie - das sind wir alle!"

Gute Frage, ZDF! Die richtige Antwort, wir dürfen es hier schon verraten, noch ehe der Bundesrat darüber abgestimmt hat, ist natürlich OK!!!!