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Sonntag, 25. Mai 2025

Afrikas Aufbruch: Klimaflucht nach oben

Hoffnung Afrika Klimawandel
Afrika hat Hoffnung, der drohenden Überflutung durch den Klimawandel mit Hilfe des Klimawandels zu entgehen.

In Südamerika ist die Furcht schon umgeschlagen. Bilder, die die "Tagesschau" im vergangenen Jahre präsentierte, zeigten, wie zwei Inselbewohner die Insel Gardí Sugdub in einem Paddelboot verlassen - auf der Flucht vor dem ständig steigenden Meeresspiegel. Schuld an der großen Flucht, die zuvor schon die Einwohner der Südseeinsel Tuvalu angekündigt hatten, ist der Klimawandel. Jahr für Jahr steigen die Fluten.  Der Anstieg hat sich inzwischen von 1,4 Millimetern jährlich zu Anfang des 19. Jahrhunderts auf 3,7 Millimeter im letzten Jahrzehnt beschleunigt. Der Klimawandel lässt das Eis der Polarregionen schmelzen. Dadurch steigt der Meeresspiegel. Und zwar immer schneller.  

Tuvalu besonders gefährdet

Menschen müssen ihre Heimat verlassen, auf Tuvalu lächelt das einheimische Personal nur noch für die Urlauber, die das Eiland besuchen, so lange es noch geht. Der tiefe im Ozean liegende Inselstaat im Südpazifik ist besonders vom steigenden Meeresspiegel gefährdet. Vor zwei Jahren schon bot Australien den bedrängten Insulanern schon Asyl für die Zeit an, wenn das Schlimmste eintritt.

Ein Vierteljahrhundert nach der Behauptung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", die Untergangnachrichten seien eine "Südsee-Ente", ist es soweit. Zuletzt besagten Nachrichten, dass die Inseln der Atolle in den letzten vier Jahrzehnten um etwa drei Prozent gewachsen seien. Wenn es keinen völlig unvorhergesehenen Anstieg des Meeresspiegels gebe, werde Tuvalu auch noch in hundert Jahren bewohnbar, rechneten Wissenschaftler aus Auckland im Magazin "Nature" vor.

Die südafrikanische Strategie

Eine Strategie, die sich Südafrika zum Vorbild genommen hat. Jedes Jahr erhebt sich zumindest das südliche Ende des ehemals als "schwarz" bezeichneten Kontinent ein Stückchen weiter aus dem Meer - eine ungewöhnliche Art Flucht vor dem Klimawandel, die bisher auf Strömungen im Erdmantel zurückgeführt worden war. Geologen der Bonner Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universitätgelang nun aber erstmals der Beweis, dass das Phänomen wohl eine andere Ursache hat: Es ist der Klimawandel selbst, der den Südafrikanern die Hilfsmittel liefert, sich vor den Folgen des Klimawandels in Sicherheit zu bringen. 

Die Natur hilft sich selbst, vor allem aber hilft sie den Menschen. Je nach Region, führt die "Tagesschau" aus, schiebe sich das südliche Ende Afrikas pro Jahr um einen oder sogar zwei Millimeter weiter aus dem Ozean heraus. Das habe wenig mit Vorgängen im Erdinneren zu tun, heißt es. Die Hauptursache liege vielmehr in den oberflächennahen Schichten der Erde. Dort führten die durch die Klimaerhitzung zunehmenden Dürren dazu, dass die Oberfläche der Erde austrockne. Feuchte Erde aber ist schwerer, sie hat Afrika bisher tief in den Erdmantel gedrückt. Ohne die Last des Wassers wird die Erdkruste leichter. Das führe dann dazu, dass sich die Südspitze Afrikas hebe.

Synchroner Aufstieg

Ein nahezu perfektes System, wie die Zahlen zeigen. Die Erderhebung erfolgt nahezu im gleichen Tempo wie der Anstieg des Meeresspiegels. Synchron steigen beide auf. Beim Meeresspiegel ist die Erscheinung längst bekannt. Ihre Ursachen liegen bei vom Menschen gemachte Gletscherschmelzen und der Wasserverdrängung der zunehmenden Anzahl von großen Kreuzfahrtschiffen. Die Kontinentaldrift nach oben dagegen, erstmals nachgewiesen am Beispiel des Kontinents Afrika, hat ihre Ursache in einer Entspannung der Erdkruste, auch sie menschengemacht. 

Die Erscheinung, die bisher nur aus polaren Regionen bekannt war. Nachdem etwa in der Antarktis der Masseverlust der Gletscher um etwa das Sechsfache zunahm, hob sich der Kontinent im Rekordtempo. Diese isostatische Bodenhebung des Felsfundamentes, auf dem 60 Prozent der gesamten Süßwasservorräte der Erde lasten, führte wiederum dazu, dass sich das Verschwinden des gesamten westantarktischen Eisschildes verlangsamte. Zwar ist der Schwund mit 252 Kubikkilometern im Jahr heute immer noch deutlich höher als früher, als nur 40 Kubikkilometer im Jahr in den Ozean strömten. Doch ohne diesen natürlichen Selbstschutzmechanismus wäre der Verlust zweifelsohne noch höher. 

Klimaflucht nach oben 

Das Anheben von Land infolge von Trockenheit anstelle von schwindender Eislast hatten sogenannte "Forschende" (Tagesschau)  der NASA zum ersten Mal vor 15 Jahren in Kalifornien bemerkt. Für Europa sind das erfreuliche Nachrichten. Vor allem Deutschland, das von Klimawandel und Dürre besonders betroffen ist, könnte die Klimaflucht nach oben, wie sie von Wissenschaftlern getauft worden ist, zu einem unerwarteten Rettungsanker werden.

Der relative Meeresspiegelanstieg ist am Pegel der ostfriesischen Insel Norderney zuletzt um 2,32 Millimeter im Jahr angestiegen, für die gesamte deutsche Nordseeküste gehen Experten von zwei Millimetern aus. Die aktuelle Dürreperiode im Land und der bevorstehende Dürresommer könnte die Lage entspannen und die strandnahen Lagen vor der drohenden Überflutung bewahren. Voraussetzung wäre allerdings, dass nicht doch wieder lange, intensive Regenfälle die Grundwasserreservoirs auffüllen.

Sonntag, 7. November 2021

Mali: Der menschliche Makel

Dreimal mehr Menschen rangeln in Mali um Essen, Wasser und Wohnung. Gängigen Medienerklärungen zufolge ist der Klimawandel schuld.

Winzig kleine, aber ganz feine Antennen sind es, die die Menschen in Mali nach Recherchen des früheren Börsensenders n-tv dazu zwingen, untereinander Krieg zu führen. Dürren zum Beispiel befeuerten den Konflikt, die Bundeswehr, die vor Ort im Hilfseinsatz ist, verliere den Kampf gegen den Klimawandel, den es fehle an Wasser und fruchtbarem Land, Ernteausfälle zwängen die Menschen, aus den ländlichen Gebieten in die Städte zu ziehen. Dort aber sorgten Armut und Ressourcenmangel dafür, dass bestehende soziale Spannungen sich verschärfen, kabelt Reporterin Clara Suchy aus Berlin.

Kampf dem Klimawandel

Der "gefährlichste Einsatz der Bundeswehr", wie stets nur einer zur Ausbildung und Stärkung der Völkerfreundschaft, er ist in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit gerückt, seit die siegreichen deutschen Truppen Afghanistan verlassen haben. Die deutsche Freiheit wird nun in Mali verteidigt - seit 2013 schon und mit abnehmendem Erfolg: "Die Stabilität in dem Land ist noch nicht gesichert", heißt es bei n-tv, und "das mag daran liegen, dass eine Ursache des Konflikts im Klimawandel liegt." Wie in Syrien komme erst die Dürre und dann der Krieg.

Ein Text, der kommenden Generationen zweifellos als Lehrmaterial für die Vorlesung "Lügen mit der Wahrheit" dienen wird. Denn beispielhaft zeigen die Ausführungen der multimedialen Nachwuchskraft, wie sich der sogenannte Torero-Effekt für die Verbreitung von Falschinformationen nutzen lässt: rechts winkt ein rotes Tuch, auf das alle schauen. Links wird gelogen, ohne dass es jemandem auffällt.

Rotes Tuch für den Torero-Effekt

Bei der Beschäftigung mit dem Thema Mali kommt es in erster Linie darauf an, nicht über das grundsätzliche Problem des westafrikanischen Landes zu sprechen: Die Bevölkerungsentwicklung. Seit Jahrzehnten wächst die Einwohnerzahl der früheren Kolonie Französisch-Sudan mit Werten um drei Prozent pro Jahr. Selbst ein über all die Jahre stagnierendes Bruttoinlandsprodukt reicht da natürlich nicht aus, all die zusätzlichen Esser mit Wohlstand zu versorgen.

Verteilungskämpfe sind die Folge, weil inzwischen dreimal so viele Menschen um Wasser, Essen und Wohnungen rangeln. Der Klimawandel mag die Konflikte "verschärfen", wie Clara Suchy feststellt. Ursächlich für die politische Instabilität in Mali, für Bürgerkrieg und Verteilungskämpfe, für ethnische Auseinandersetzungen und gewalttätige Kämpfe zwischen Anhängern verschiedener absurder Aberglauben ist er nicht. 

Tabu Bevölkerungsexplosion

Die Bevölkerungsentwicklung zu problematisieren, gilt in Deutschland allerdings traditionell als Tabu. Auch die Stockholmer Friedensforscher des SIPRI-Institutes, auf deren Erkenntnisse sich Suchy beruft, ignorieren den Elefanten im Raum mit großer Entschlossenheit. Zehn der 21 laufenden UN-Friedensmissionen fänden in Ländern statt, "die besonders anfällig für Folgen des Klimawandels sind", heißt es da. Dass 20 der 21 Staaten gelten, deren Demografiegrafik einem Pfeil von links unten nach rechts oben gleicht, bleibt absichtsvoll unerwähnt.

Stattdessen muss die "Klimakatastrophe" als Ursache herhalten: Die habe Mali "bereits hart getroffen", schreibt Suchy, so sei die jährliche Durchschnittstemperatur in Mali seit 1960 um 0,7 Grad gestiegen und es gebe zwölf Prozent weniger Niederschlag als im vorigen Jahrhundert. Zudem zeigten Untersuchungen, dass die Temperaturen in den nächsten 40 Jahren um weitere "bis zu 3,6 Grad ansteigen könnten, Hitzewellen länger andauern und Kälteperioden kürzer sein werden". Ein guter Grund offenbar, heute schon in den Krieg gegen die Nachbarn zu ziehen, schließlich "gilt die Sahel-Zone, in der Mali liegt, als eine der durch den Klimawandel am stärksten gefährdeten Regionen der Welt" (n-tv). 

Wedeln mit hoher Frequenz

Das rote Tuch, es wird hier mit hoher Frequenz gewedelt, denn es gibt viel zu verstecken unter der endlosen Textfläche, die rituell noch einen Ausflug ins Ahrtal unternimmt und Parallelen zu Mali zieht, wo "Dürren, Überschwemmungen und Temperaturschwankungen die Wanderhirten zwingen, ihre bisherigen Wanderrouten zu ändern". Das führe dann zu Konflikten", habe Farah Hegazi vom SIPRI-Institut herausbekommen. Nicht die Konkurrenz von immer mehr Menschen um einen Wohlstandskuchen, der seit Jahren nicht wächst, spielt extremistischen Gruppen in die Hände, sondern die "Folgen des Klimawandels", die "zu Arbeitslosigkeit und hoher Armutsquote" führen und  Menschen ohne Einkommen zwingen, "sich leichter bewaffneten Gruppen anzuschließen (Hegazi).

Der Kampf der Bundeswehr, er ist auch nach 13 Jahren im Einsatz noch verloren, galt er doch von Anfang an demselben falschen Feind, den deutsche Entwicklungshilfepolitik schon immer bekämpft hat. Der Hunger, die Umstände, das Wetter, das Klima, das Erbe des Kolonialismus, der Mangel an Demokratie, die politische Unzufriedenheit, der Klimawandel, der auch nach Erkenntnissen des Weltklimarates IPPC "den Kampf um schwindende Ressourcen verschärfen wird" - immer sind es die Umstände, die an allem schuld ist, stets gilt der Mensch als Objekt, geworfen in Verhältnisse, die er nicht beeinflussen kann, zumindest nicht ohne die Hilfe der Bundeswehr.

Freitag, 14. Juni 2019

Neue Konversionstherapie: Wie heilt man Klimaleugner?

Wo Klimaleugner sich freiwillig umerziehen lassen wie hier in der Climate Clinic in Bornstone/Minnesota, müssen Kameras natürlich draußen bleiben.


In kaum einem Land haben Klimaleugner so viele Rechte und Freiheiten wie in Deutschland. Dennoch gibt es immer noch Regionen, in denen ewiggestrige Bestreiter von CO2 und Klimawandel sich darüber beklagen, dass ihnen von Wissenschaftlern entschieden widersprochen wird. Erstmals gibt es jetzt aber wohl eine medizinische Möglichkeit, den Betroffenen zu helfen: Mit Hilfe fragwürdiger Methoden wie Elektroschocks können Klimaleugner angeblich "umgepolt" und zu wertvollen Mitgliedern der grünen Gesellschaft gemacht werden. Geschätzte 7.000 Menschen haben in den USA bereits eine sogenannte Konversionstherapie mitgemacht. Nun aber regt sich Kritik selbst bei denen, die große Hoffnungen auf die neue Methode gesetzt hatten.


"Ich war ein guter Mann, absolut integriert", erzählt Jens Schmelzer aus dem sächsischen Borna, "nur in mir drin war ich verängstigt und gebrochen, weil ich einfach nicht an den menschengemachten Klimawandel glauben konnte". Für die Familie des 37-Jährigen eine Tragödie. Als Schmelzers Einstellung publik wird, schneiden viele ihn und seine Angehörigen. "Richtig schlimm wurde esd ann mit Fridays for Future", sagt er, "plötzlich warnten Eltern ihre Kinder vor meinen Kindern, denn ich sei gefährlich, weil ich den Klimawandel unterstützte".

Er habe sich "jede Nacht in den Schlaf geweint und gebetet: Lieber Gott, bitte mach mich anders", erinnert sich der ausgebildete Schreiner, der sein Glück kaum fassen konnte, als er bei einer dienstlichen  USA-Reise im Spätprogramm von CBS mitbekam, dass es eine Therapie gegen sein Leiden gibt. "Ich habe sofort meine Frau angerufen, die trotz meiner Einstellung immer zu mir gehalten hat." Tief in der Nacht beschließen beide, dass Jens Schmelzer es versuchen soll. "Meine Trine sagt, die 10000 Dollar sind gut angelegt."

In diesem Moment, der sein ganzes Leben ändern sollte, seien ihm Tränen übers Gesicht gelaufen. Erstmals schlief Schmelzer wieder durch, gleich am nächsten Tag rief er die Nummer an, die er bei CBS abgeschrieben hatte. "Zwei Tage später saß ich im ersten Informationsgespräch", erzählt er, "eine Woche darauf, wies ich mich selbst in die Climate Clinic ein." Dort, im kleinen Örtchen Bornstone/Minnesota, das auf Postkarten manchmal aussieht wie von Claas Relotius erfunden, testen Wissenschaftler, Priester und IPPC-Spezialisten seit geraumer Zeit, wie sich Klimaleugner umpolen lassen. Sie gehen davon aus, dass Klimaleugnung eine Zwangsstörung ist, die man therapieren kann.

Lange Zeit wurde Klimaleugnung gar nicht als psychische Störung betrachtet und als solche in den internationalen medizinischen Handbüchern geführt. Wer nicht an den Klimawandel oder - das ist eine Untergattung der Leugnung, - an den menschengemachten Klimawandel glaubte, galt je nach Umfeld als Abweichler, origineller Andersdenker oder gar als besonders gelassener Auskenner. Erst im Jahr 2017 wurde Klimaleugnung in der Folge gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Entwicklungen von der American Psychological Association (APA) in die offizielle Liste der psychischen Störungen aufgenommen. Ab 2018 schließlich gab erste, experimentelle Therapien, bei denen sich die wissenschaftliche These bestätigte, dass Klimaleugnung unstrittig eine psychische Störung ist, die behandelbar und heilbar ist.

Bei den angewandten Therapien handelt es sich nicht um  pseudowissenschaftliche Praxis, bei der versucht wird, die Auffassungen eines Menschen zur Klimaproblematik durch den Einsatz psychologischer oder spiritueller Maßnahmen zu wandeln, sondern um sogenannte Überzeugungsanwendungen. Dabei werden vorhandene Potenziale genutzt, um mit Hilfe umfassender Fakten zum Klimawandel und zu Klimaveränderungen ein Umdenken in der betroffenen Person selbst zu erreichen. Mit Bildern von Überschwemmungen, Dürren, hungernden Kindern und ausgetrockneten Flussbetten werden Widerwillen hervorrufende Erinnerungsinhalte eingeprägt, die nach dem Verfahren des russischen Tierpsychologen Pawlow dafür sorgen, dass sie beim Wiederauftauchen im Alltagsleben Besorgnis und Angst auslösen.

Das gelingt nicht immer, weil die Opfer einer Klimaverleugnungserkrankung häufig besonders verstockt und von einem verbeinten Widerspruchsgeist erfüllt sind. Doch nach seinen Angaben von Konversationspraktikern, die Klimaleugner behandeln, ist nur bei einem Drittel der Behandlungen keine wesentliche Verbesserung festzustellen. Von den zwei Dritteln, bei denen die Behandlung erfolgreich gewesen sei, hätten 80 Prozent nachher ein gesundes, an die gesellschaftlichen Überzeugungen angepasstes Leben als voll gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft führen können. Bei 20 Prozent sei sogar eine vollständige Umorientierung in dem Sinne erfolgt, dass sie danach selbst zu begeisterten Verteidigern der Idee der menschlichen Verantwortung für das Klima der nächsten tausend oder zehntausend Jahre geworden seien.


Geschätzte 7.000 Menschen in den USA haben sich einer solchen Behandlung unterzogen. Die Erfolgrate, behauptet zumindest die Climate Clinic, sei "über die Maßen erstaunlich". Zahlen dazu gibt es nicht, aber das Gästebuch der Klinik zeigt zahlreiche lobende Einträge. "Endlich wieder Mensch", schreibt einer, "jetzt kann ich beruhigt zur nächsten Familienfeier", ein anderer.
Er bekomme im Ruhestand immer noch Dankesschreiben von einigen umerzogenen früheren Problem- und Wutbürgern, die durch die Erkenntnis, dass das Klima sich wandelt und der Mnesch daran schuld ist, heute weniger Konflikte mit ihrer Umwelt ausfechten müssen und insgesamt viel bewusster leben. Klar sei aber durch die Quote der vergeblichen Anwendungen, dass nicht jeder, der das zu wollen glaubt, auch in der Lage ist, seine  Orientierung praktisch dahingehend ändern kann, dass er das, was er eben noch geleugnet hat, nun als letzte Wahrheit annimmt.

Im Internet zeugen unzählige Foren von den inneren Kämpfen, die viele Leugner mit sich und den Fakten ausfechten müssen. Mal glaube man, mal nicht, mal leugne irgendetwas in einem, mal könne man sich damit abfinden, geirrt zu haben, schreibt einer. Doch sind diese Einträge wirklich echt? Oder handelt es sich um Fake-Bewertungen, die den kostspieligen Service der Therapeuten zu vermarkten, die unter anderem mit Wasserbädern und Elektroschocks arbeiten? Kritiker wie der Weltklimaexperte Rogo Malumbo sind überzeugt davon.


"Eine Umerziehung ist selbst in den leichtesten Fällen, in denen nur Atomkraft oder der menschengemachte Anteil daran geleugnet wird, fast unmöglich", betont der Mann, dessen Sohn in Kalumolale in der angolanischen Provinz Matumbo den Kampf gegen den Klimawandel anführt. Malumbo hat die Erfahrung gemacht, dass der Unglaube oft eine natürliche Neigung ist. "Wenn man Betroffene fragt, wollt ihr nicht glauben oder könnt ihr nicht, dann sagen sie oft, ich würde schon gern, kann aber nicht."

Der offiziell verwendete Sammelbegriff "Konversionstherapie" sei jedoch irreführend und undifferenziert. Ob therapeutische Angebote einer gezielten "Umpolung" überhaupt existierten, sei fraglich; falls dem so sei, würden diesem durch das bestehende Psychotherapeutengesetz, das von Forschungs- und Therapiefreiheit wie auch das Recht auf Selbstbestimmung ausgeht, ohnehin Einhalt geboten. Im Klimabereich spreche er lieber von Überzeugungsarbeit, die sich deutlich von unseriösen Angeboten unterscheide, bei denen der Patient unter Druck dazu gebracht werde, abzuschwören. Eine echte Hilfe seien jedoch "professionelle Beratungs- und Therapieangebote, die Menschen die Möglichkeit geben, ihre subjektiv konflikthaft erlebten Ansichten zu Umwelt- und Klimafragen, zur Rolle des CO2 und zur Bedeutung des menschlichen Anteils an Veränderungen des Wetters, wie es sie schon immer gab, zu bearbeiten und anzunehmen".



Private Ansichten zu Wettergeschehen und Klimaentwicklung seien in keinem Fall ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal , das unveränderlich und jeder therapeutischen Bemühung zum Trotz in einem Menschen wohne. "Es lässt sich beeinflussen und wir können es beeinflussen.

Weitreichende Folgen hat laut IEF auch die Formulierung, das Verbot sollte auch für "weitere Helfer" gelten: Dies würde auch Beichtpriester, Seelsorger oder Laien miteinschließen, womit Begleitung, Beratung und Verkündigung im Sinne der katholischen Lehre bzw. des christlichen Menschenbildes "jenseits der Legalität" und wegen Sanktionen wie Bußgeldern kaum mehr möglich wäre. In Deutschland seien christliche Organisationen bereits gezielt Opfer von Rufschädigung, medialen Verleumdungen, gerichtlichen Verfügungen oder Einsatz versteckter Kameras in Gesprächen geworden, womit man ihre Arbeit unterbinden wollte.



Viele Kämpfer für ein besseres Weltklima, fügt Rogo Mlaumbo hinzu, könnten sich in ein solches Dilemma nicht hineinversetzen. "Und viele Leugner kommen nicht aus ihm raus."  Gesprächstherapien, Umerziehungscamps oder Kurse, in denen man lernen soll, den Klimawandel zu akzeptieren, helfen da schon. Aber es gibt noch weit fragwürdigere Methoden: Aversionstherapien, mit bewusst herbeigeführtem Erbrechen oder Elektroschocks, während derer sich die Teilnehmer Diesel-Pkw, Regenwaldrodungen oder qualmende Schornsteine ansehen müssen.

Während in vielen US-Staaten inzwischen Gesetze Umerziehungsmethoden verbieten, die auf dem irrationalen Überschwang der Ansicht beruhen, dass wissenschaftliche Daten nur geglaubt werden können, steht Deutschland der neuen - bisher nur im Untergrund tätigen - Szene weitgehend hilflos gegenüber. Jens Schmelzers Geschichte ist zwarglimpflich ausgegangen. Der Sachse hat seine Therapie seinerzeit abgebrochen, er ist zu seiner Familie zurückgekehrt und lebt dort unter der Legende, seinen früheren Irrtum eingesehen zu haben. "Wenn ich ehrlich bin", sagt er jedoch, "habe ich immer noch eine Zweifel." Doch in den drei Wochen, die er die Konversionstherapie durchhielt, sei ihm klargeworden, dass es sich um Pillepalle und Hokuspokus handelt, mit dem nur Geld gemacht werden soll.

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Klimawandel: Treibeismangel auf dem Festland

Schrecken Klimawandel: Der verhungernde Eisbär sucht auf dem Festland vergebens nach einer Eisscholle, von der aus er fischen kann.

Es war eine schier unwiderstehliche Geschichte, die Paul Nicklen, Mitgründer der Meeresschutz-Organisation Sea Legacy, den deutschen Großgazetten auf dem Silbertablett präsentierte. Ein Eisbär, der am Klimawandel stirbt, eine „traurige Folge der Erderwärmung“, wie die Sächsische Zeitung klagt. So „grausam“ (Bild) ist er, der Klimawandel, dass er keinerlei Rücksicht auf die majestätischen Bären nimmt, deren Population seit Ende des 2. Weltkrieges von damals nur 5000 auf 25.000 bis 30.000 angestiegen ist.

Nein, beschreibt die FAS, das arktische Packeis schwinde und mit ihm die Überlebensaussichten für die neunzehn Eisbärpopulationen in der Arktis, die Eisschollen zum Jagen brauchen. Bei Packeis handelt es sich um auf dem offenen Meer treibendes Eis, das so dicht ist, dass Tiere es betreten können. Geduldig etwa die Eisbären dann an Eislöchern im Packeis, die Robben zum Atmen nutzen. Schmilzt dort im Sommer das Packeis, verkleinert sich das Jagdgebiet der Bären erheblich. Dann hat das größte Landraubtier viel weniger Chancen, eine Robbe zu erbeuten.

Genau zu sehen ist das an Nicklens inzwischen 1,5 Millionen Mal beim Sterben betrachteten Eisbären, der sich auf festen Boden befindet, offenbar in der Hoffnung, die Erde möge sich auftun und Wasser hervortreten, das dann umgehend gefriert, damit es anschließend zu den Eisschollen zerbrechen kann, von denen aus der Bär zu jagen pflegt.

Der verdammte Klimawandel hat es verhindert. 2016 registrierte das amerikanische „National Snow and Ice Data Center“ mit seinen Satellitenmessinstrumenten eine Ausdehnung der sommerlichen Meereisfläche von nur noch 4,14 Millionen Quadratkilometer auf dem offenen Meer. Das war, gleichauf mit dem Jahr 2007, der zweitniedrigste je gemessene Wert. Dem Video des sterbenden Bären zufolge gibt es davon abgesehen Landflächen in der Arktis, auf denen weder Treibeis treibt noch die für die Robbenjagd notwendigen Wasserlöcher verfügbar sind.

Kein Wunder, dass Nicklens Bär sterben musste. Zwei Eisbären müssen sich jetzt eine Fläche von 300 Quadratkilometern teilen - das sind nur noch 0,12 Saarländern. Noch 1990 hatten je zwei Eisbären ein Viertel Saarland Platz zum Jagen. Da sich die Eisschmelze zudem in den letzten Jahrzehnten nicht nur beschleunigt hat, sondern in den meisten Bärenhabitaten früher im Frühling beginnt und später im Herbst endet, verwundert es kaum, dass nun zum ersten Mal ein Eisbär am Klimawandel starb.

Eineinhalb Millionen Menschen haben inzwischen dabei zugesehen, die herzergreifende Geschichte vom Mangel an Robbenlöchern geglaubt und die beabsichtigte Botschaft empfangen: "Hier spricht das Opfer zu seinen Tätern" (Handelsblatt). Es spricht dabei Fakenewsisch.

Zuletzt haben Forscher auf Spitzbergen und in Gebieten der Barentssee mehr Eisbären entdeckt als bei der Zählung von 2004.


Montag, 10. Juni 2019

Wie das Artensterben den Klimawandel beeinflusst


Der Klimawandel mordet und tötet inzwischen ohne Ansehen der Person und der Nationalität. Neu­ge­bo­rene sterben, Alte er­trin­ken. In den Bäumen hängen tote Tiere. Manchmal können Retter die Menschen in den Fluten nicht erreichen und müssen sie zu­rück­las­sen. Vor kurzem erst musste der erste Ort am Bodensee den Klimanotstand ausrufen, weil die Situation unhaltbar geworden war. Deutschlands Behörden und Verwaltungen, traditionell immer am schlimmsten betroffen, mussten kapitulieren. Nichts geht mehr.

Oder doch, wie der grüne Erfinder Jens Urban mit seinem neuentwickelten Windrad beweist: Das Shredwheel soll beim Artensterben kräftig mitmischen - und dem Klimawandel damit Einhalt gebieten.

Urbans Idee setzt dort an, wo grüne Politik bisher auf ein Tabu stößt: Als "liebreizend", "treu" oder "possierlich" geltende Tiere wie Hunde, Katzen, Bienen und Vögel bleiben bei jeder Berechnung der Verursacher der Klimakatastrophe außen vor. Zu mächtig sind Lobbygruppen etwa von Hundehaltern, Kaninchenzüchtern oder Imkern, als dass Populisten von links und rechts sich mit ihnen anlegen wollen.

Urban aber scheut die Kraftprobe nicht, er sucht sie. "Wir müssen weg von den einseitigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt", sagt der Forscher und Hobby-Ingenieur, der entschlossen ist, das Artensterben als Waffe gegen den Klimawandel zu nutzen. Die Rechnung ist einfach: Wo ein Hund 1,8 bis vier Tonnen pro Jahr produziert, kommen 7,4 Millionen deutsche Hunde auf rund 20 Millionen Tonnen im Jahr. Zehn Millionen Katzen steuern weitere sieben Millionen Tonnen bei, 200 Millionen Vögel noch einmal acht Millionen.

Während Italien daraus schon Konsequenzen gezogen hat und auch Singvögel im Einklang mit EU-Recht scharf bejagt, ist das in Deutschland nicht zulässig. Doch Jens Urbans Shredwheel weißt nun den ausweg: Die Windräder der neuen Bauart erzeugen nicht nur umweltfreundlichen und Co2-freien Strom, sondern sie schreddern auch klimaschädliche Sing- und Greifvögel und tragen durch dieses künstliche erzeugte Artensterben dazu bei, dass vermeidbare CO2-Mengen, die derzeit noch durch die meistenteils sinnfreien Flugbewegungen der Tiere erzeugt werden, gar nicht erst anfallen.

Ein genialer Schachzug, den der letzte UN-Report über den Zustand der Biosphäre, der in der vergangenen Woche in Paris vorgestellt wurde, machte den Klimawandel noch für das Artensterben verantwortlich. "Dabei", sagt Jens Urban, "ist die Vermeidung der Entstehung von Organismen eine sichere Klimabremse."

Der Uno-Bericht, der 15 000 wissenschaftliche Studien zur Biodiversität bewertet und zusammenfasst, bestätigt das. Um Klimafolgen einzuhegen, könne ein lokales Aussterben von Populationen helfen, wie es der Kampf gegen die Stadttaube seit Jahrzehnten als Ziel ausgegeben hat.

„Wir wissen, dass viele Arten nicht in der Lage sind, das schnelle Tempo eines Windrades zu bewältigen, sei es durch Evolutions- oder Verhaltensprozesse“, sagt Urban. Damit könne ihr Fortbestand schon allein durch in normaler Geschwindigkeit laufende Windräder gefährdet werden. "So wird das Artensterben zum Todesurteil für den Klimawandel", rechnet der Entwickler vor: Schon nach dem Tod der Hälfte aller Katzen, Hunde und Vögel sei Deutschland in der Lage, seine Klimaziele einzuhalten. "Und wenn die landbevölkernden Arten stark geschrumpft sind, rückt das Zwei-Grad-Ziel wieder in Greifweite."

Damit dürfte sich auch ein aktuell zu beobachtender Effekt umkehren, nach dem derzeit die Mehrzahl der Arten ihre Reichweite vergrößert, weil sie von der Erwärmung profitieren. Wird es wieder kälter, steigt die Anzahl der Arten, deren Reichweite eingeschränkt wird und die im Kälteschock aufgeben müssen. "Damit kehrt sich die Erderhitzung um, der Planet erreicht sein Klimaminderungsziel und der Notstand in den Krisengebieten kann aufgehoben werden", verspricht Urban, der überzeugt ist: "Dafür lohnt sich das kleine Opfer".

Mittwoch, 3. Januar 2018

Verdammte Klimakatastophe: Schon wieder Eisbär tot!

Verfluchter Klimawandel: Wieder stirbt ein Eisbär und die Welt muss zuschauen.
Ein Foto der Berliner Lokalausgabe der Bild-Zeitung geht viral: Zu sehen sind laut der Redaktion die letzten Sekunden im Leben eines Eisbären. Mit der Veröffentlichung will das Blatt „die Mauern der Apathie“ im Hinblick auf den Klimawandel einreißen.

Die schon immer auch in Klimadingen engagierte Redaktion hat auf ihrer Youtubeseite eine Aufnahme hochgeladen, die mittlerweile fast 5000 mal aufgerufen worden ist. Zu sehen ist ein im Berliner Zoo sterbender Eisbär, der noch winzig klein aussieht. Schnee ist weit und breit nicht zu sehen, das winzige Tier taumelt durch die karge Landschaft, wühlt nach Essen, spielt mit einem Keks und sinkt schließlich entkräftet zu Boden. Wie Zoo- und Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem sagte, starb das Tier den Videoaufnahmen zufolge gegen 3.30 Uhr in der Nacht. Im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) wird es jetzt obduziert, um nachzuweisen, dass auch hier wieder der verdammte Klimawandeldie Todesursache war.

Es ist bereits der zweite tote Eisbär in kurzer Zeit. Im Dezember erst war ein anderes Tier ebenfalls an Klimawandel gestorben. Nun der kleine Berliner Bär, nach nicht einmal 26 Tagen auf der Welt hörte sein kleines Herz auf zu schlagen. „So sieht es aus, wenn man verhungert. Es ist ein langsamer und schmerzvoller Tod“, schreibt der Fotograf und Biologe Paul Nicklen angesichts der erschütternden Bilder.

Der Gründer der Umweltschutzorganisation „Sea Legacy“ hatte bereits im kanadischen Teil der Arktis mit seinem gesamten Team mit den Tränen gekämpft, als der andere von derzeit weitweit rund 30.000 Eisbären starb und er die Kamera draufhalten musste. Gut, dass diesmal die Bild-Zeitung die Aufgabe übernehme, die herzzerbrechenden Seiten der Natur zu zeigen, um "die Mauern der Apathie niederzureißen.

Nicklen, der dreimal den „World Press Photo Award“ für Naturfotografie gewonnen hat, bestätigt, dass das Problem der an Klimawandel sterbenden Bären nicht zu lösen sei, indem man einzelne Eisbären füttere. „Wenn die Erde sich weiter erwärmt, werden wir Bären und ganze polare Ökosysteme verlieren. Und wenn Wissenschaftler sagen, dass Eisbären in den nächsten 100 Jahren aussterben werden, denke ich an die weltweite Population von jetzt noch 24.998 Bären, die auf diese Weise sterben.“


Montag, 24. August 2026

Svenman: Die Ortskraft

Sie nennen ihn "Svenman": CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze tut alles, um Unsicherheiten über den Wahlausgang gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Auf einmal war er wieder da, unerwartet beinahe schon, denn Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich drei lange Wochen Sommerurlaub gegönnt. Die Erwartungen waren hoch, was der 70-jährige Chefreformer in diesen Tagen wohl ausbaldowert haben mochte, um das Ruder seines langsam abtauchenden Regierungsschiffes herumzureißen. Im politischen Berlin wisperten Eingeweihte von einem "großen Wurf", das Wort vom "neuen Neuanfang" machte die Runde und selbst das Merz sich "neu erfinden" werde, schien nicht gänzlich ausgeschlossen.

Schmunzelnd und euphorisch 

Dann war er wieder da. Braun gebrannt von der Klimasonne, schmunzeln und fast schon euphorisch stand Friedrich Merz vor den herbeigerufenen Kameras mitten im Waldbrand-Krisengebiet und er ließ keinen Zweifel an seiner wiedergefundenen Entschlossenheit. Dieser Mann steht in Sturm und Gegenwind, doch er beugt sich nicht. Allen, die angesichts erodierenden Umfragewerte und der Ablehnung der "KleiKo" (Katharina Dröge) durch eine imposante Bevölkerungsmehrheit gehofft hatten, erteilte Merz kühl eine Absage. 

Keine neue Politik. Keine neuen Prioritäten. Nicht einmal neue Worthülsen.  Merz, braungebrannt und erholt neben dem Stumpf eines abgebrannten Baumes, sprach Klartext: "Ich will allen Leugnern sagen: Das ist der Klimawandel!", verkündete der Kanzler, und "Wir werden alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen". Im Hintergrund waren Buhrufe linker Regierungsgegner zu hören. In Magdeburg, wo CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze nach einem erneuten anstrengenden Tag an der Wahlkampffront kurz ausspannte von seiner "Mittendrin-Tour", brach ein Herz. 

Ein Herz bricht 

Es war das Herz des 47-Jährigen, mit dem die Landes-CDU im Januar in einem Nacht- und Nebelmanöver den langjährigen Landesvater Reiner Haseloff ersetzt hatte. Schulze sollte einen Startvorsprung für den Wahlkampf bekommen, Ressourcen der Staatskanzlei zur Werbung  nutzen können und damit  den bereits bedrohlich großen Rückstand zur führenden AfD aufholen. Schulze tat, was er konnte. Schnell aber war klar, das ist nicht viel.

Als "bedauernswertester Mann Deutschlands" fiel er im laufenden Wahlkampf immer weiter hinter seinen Konkurrenten Ulrich Siegmund zurück. Schulzes Bemühungen bewegten sich zwischen Versuch und Irrtum, selbstgemachtem Unglück und unglücklichem Pech. Den Bundeskanzler hatte der - damals noch selbstbewusste - sachsen-anhaltinische Landeschef der Union zu Beginn ausgeladen, danach gezielt mit einer Absage der Abschaffung der Rente mit 63 brüskiert.

Doch der Ein-Mann-Aufstand in der Provinz zündete nicht. Merz ließ den Sturm im Wasserglas aus seinem Feriendomizil unkommentiert. Der gewiefte Taktiker durfte sicher sein: Das wächst sich aus, bestenfalls mit Gewinn.

Im Armenhaus der Republik 

Der aber will sich nicht zeigen im umkämpften Armenhaus der Republik. Umso größer war Schulzes Hoffnung, seine geplante "Aufholjagd" (Schulze) wenn schon nicht ohne den Kanzler, dann mit ihm starten zu können. Zwei Wochen sind noch Zeit. Ein Friedrich Merz, der seinen populistischen Vorführungen im Kostüm des Wutbürger und den unverhohlenen Aufrufen zur Remigration von "Menschen, die unsere Kultur nicht akzeptieren" (Sven Schulze) mit einem Machtwort unterstützt, hätte die Karten neu gemischt.

Doch dann das. Der "Klimawandel" als Schlüsselwort nach drei Wochen Schweigen. Schulze schlug, Augenzeugen fehlen, aber nur so kann es gewesen sein, beide Händen vors Gesicht. Er atmete schwer. Ihm war im gleichen Moment klar geworden, dass seine Erwartung, Merz werde in seinem Kanzlerkandidatenkostüm wiederkehren, auf den Tisch schlagen und ein Ausfegen mit dem eisernen Besen ankündigen, vergebens war. "Klimawandel", das ist er Code für Weiterso. Klimawandel, das ist die unverschlüsselte Botschaft ans Wahlvolk, dass kein Unzufriedenheitswert und keine Unmutsbekundung diesen Kanzler von seinem "klaren Kompass" (Merz) abbringen wird.

Ein Abgang mit knallender Tür 

Umgehend zog Sven Schulze die Konsequenzen. Selbst für Außenstehende war das nicht zu übersehen: Keine 24 Stunden nach dem Tiefschlag aus dem Hürtgenwald, Sven Schulze hatte zwischendurch weitere Termine seiner Mittendrin-Tour absolviert, bei denen er reihum die letzten Getreuen der Partei trifft, überraschte der Ministerpräsident mit einer erneuten unerwarteten Volte seiner Wahlkampfgeschichte. Schulze sagte dem Berliner Aktivisten Tilo Jung einen bereits bestätigten Besuch in dessen Podcast "Jung und antisemitisch" ab. Es gebe Terminprobleme, so schwer, dass auch ein anderer Tag für den Besuch in Berlin nicht infragekomme.

So weit, so normal. Die Vorgeschichte aber macht den Rückzieher Schulzes zum Politikum: Vor kurzem erst hatte der Spitzenkandidat eine Einladung des "Unscribted"-Podcast-Betreibers Ben Berndt ausgeschlagen, weil er sich nicht gemeinsam mit seinem ebenfalls eingeladenen Rivalen Ulrich Siegmund vor Mikrofone setzen wollte. 

Auf Björn Höckes Stuhl 

Verständlich, denn im selben Studio in Köln hatte schon Bernd Höcke gesessen. Schulze hätte sich von Kritikern mit Sicherheit vorwerfen lassen müssen, er rede mit Leuten, die auch mit dem hessischen Anführer des extremen Flügels der in Teilen als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei sprechen. Zudem wollte Schulze vermeiden, Siegmund Augenhöhe zu gönnen - hier er, der Ministerpräsident. Dort der "Durfkerzenverkäufer", wie ihn  Phillip Amthor, der Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Bundeskanzleramt, eben erst abgekanzelt hat.   

Ersatzhalber wurde Schulze sein Manöver zur Verteidigung der Brandmauer allerdings nun als Feigheit ausgelegt. Eine üble Unterstellung, wie der ehemalige EU-Parlamentarier nach einigen Tagen der Duldungsstarre klarstellte. Er scheue "kein Duell", hieß es nun offiziell. Doch er habe eben "neben dem Wahlkampf habe ich anderen Job: dieses Land als Ministerpräsident zu regieren". Deshalb "reise ich mitten im Wahlkampf nicht für einen Podcast in ein anderes Bundesland".

Attacke gegen das "Drückeberger"-Image 

Klare Kante. Nur fielen Schulze nun die eben erst absolvierten Gastspiels bei Markus Lanz in Hamburg und bei Sandra Maischberger in Berlin auf die Füße. Fans des Politikers aus der Börde verteidigten ihn zwar. Schließlich sind Lanz und Maischberger mit ihren - zusammengenommen - zweieinhalb Millionen Zuschauern ein ganz anderes Kaliber als Ben Unscribted, dessen Vier-Stunden-Gespräch mit Siegmund bis heute nur auf 4,8 Millionen Zuhörer kommt. Doch nach einiger Zeit des entschlossenen Zögerns reagierte Schulze mit der Zusage an Tilo Jung. Und einer Fahrt nach Berlin trotz aller Verpflichtungen als Ministerpräsident.

Jeder sollte sehen, dass er sich stellt. Keiner sollte an seiner Fähigkeit zweifeln, erst diesbezüglich entschlossen zu sein, es sich dann anders zu überlegen. Sich das dann aber auch schnell wieder anders überlegen zu können. Wenn ihm wie hier der Vorwurf gemacht wird, nun wolle er sein Bundesland ja offenbar doch verlassen, verwandelt sich Sven Schulze automatisch in die Ortskraft, die ihre Freunde den "Svenman" nennen: Bodenständig. Beweglich, aber in seiner Stellung verbunkert.

Der "Svenman"

Sven Schulze oszilliert. Sven Schulze führt einen Wahlkampf, wie ihn die Bundesrepublik noch nie erlebt hat. Der Mann, der seit Januar in der Magdeburger Stadtkanzlei sitzt, ohne dass er seine Bekanntheit merklich steigern konnte, tappert durch seine Kampagne wie ein Blinder, der durch ein Maislabyrinth irrt. Seine Botschaften sind rätselhaft. Sein Programm mutet an wie von einem Worthülsengenerator generiert. Als ihm endlich einmal nachgesagt wurde, er könne Lahme wieder gehen machen, dementierte er.

Nach sieben Monaten Wochen Aufholjagd hat er die Umfragewerte der CDU von 26 auf 22 Prozent gesenkt. Nach der Zu-Ab-Zu-Absage an die Podcaster stand er vor dem Glaubwürdigkeitsabgrund. Dann kam Friedrich Merz und gab ihn schmunzelnd einen leichten Schubs. Sven Schulze ist seitdem im freien Fall.

Ein höherer Plan 

Was wie ein Drama aussieht, das auch ein sehr persönliches wäre, könnte jedoch einem höheren Plan folgen. So viele Fehler, so viele Volten, die peinlichen Pannen und der Aufbau eines Images als Zitteraal  - das alles lässt sich mit Pech und Unfähigkeit nicht zu erklären. Allerdings mit strategischen Notwendigkeiten: Ein Svenman, der die CDU in Sachsen-Anhalt zu einem Wahlergebnis führt, das es der Partei erlaubt, gemeinsam mit der SPD und unter Duldung der Linkspartei zu regieren, erscheint aus Berliner Sicht weitaus problematischer als eine Wahlniederlage. Die würde der AfD für die kommenden Jahre die Last der Regierungsverantwortung zuschieben. Und es der CDU ersparen, sich selbst der Zerreißprobe auszusetzen, die ein Pakt mit den SED-Nachfolgern heraufbeschwören würde.

Je desaströser das eigene Wahlergebnis, desto sicherer die Einheit der Partei. Je weniger mobilisierend der Wahlkampf, desto sicherer die Katastrophe am 6. September. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Bemühungen Schulzes, den Wählerinnen und Wählern den Eindruck eines vollkommen verpeilten Spitzenkandidaten zu vermitteln, durchaus logisch. 

Der Holzclown des Urfin Jus

Auch die Einladung von Figuren wie Philipp Amthor als Wahlkampfhelfer ergeben plötzlich Sinn: Der Mecklenburger, bekannt geworden als Merz' gnadenlose Bürokratie-Kettensäge, gilt vielen Menschen in Ostdeutschland als eine Art Polit-Clown. Ältere fühlen sich häufig erinnert an Eot Ling, den Holzclown, den der menschenscheue Eigenbrödler Urfin Jus in Alexander Wolkows Buch "Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten" mit Zauberpuder zum Leben erweckt.

Jemanden wie ihn als Wahlkampfhelfer einzusetzen, hat auf potenzielle Wähler dieselbe Wirkung wie glimmendes Kaffeepulver auf Bienen, lautes Geschrei auf Rehe im Wald oder ein Podcast-Gespräch mit dem progressiven Agitator Tilo Jung auf eher bodenständig-konservative Menschen in der Börde und im Burgenland. Fast 20 Prozentpunkte Rückstand hat die CDU auf die extremistische Konkurrenz, "Svenman" müsste von heute an jeden Tag mehr als ein Prozent zulegen, um die Wahl zu gewinnen. Deutlich größer sind seine Aussichten, mit einer Fortführung seines Totentanz-Wahlkampfes eine immer noch drohende Parlamentsmehrheit der ehemaligen Volkspartei im Schulterschluss mit den SED-Erben zu verhindern. 

Die Zeit, die früher nie war 

Läuft alles gut, wird Sven Schulze  anschließend die stärkste Oppositionspartei führen. Und sich bei der nächsten Landtagswahl nicht mehr sagen lassen müssen, dass er das Zwei-Millionen-Menschen-Land mit in die Krise regiert habe und ihm nun niemand glaube, dass er bald alles besser machen werde. Sollte der Russe wider Erwarten 2030 doch noch nicht einmarschiert sein, stiege Svenman wie Phönix aus der Asche: Ein starker Mann, der für radikale Änderungen steht - zuürck in die gute alte Zeit, die früher nie war.