Die Pandemie war noch frisch. Die Regierung ratlos. Das Robert-Koch-Institut riet dringend davon ab, Einwegmasken zu tragen, weil nirgendwo welche vorrätig waren. Deutschland war gut vorbereitet, plakatierte die CDU. Aber doch nicht darauf. Jena, eine Art Little Westen mitten im Osten, wollte nicht länger auf Anweisungen warten.
Ab 17.03.2020 untersagte der Bürgermeister alle organisierten Veranstaltungen und den Betrieb von gastronomischen Einrichtungen, auch Sport- und Fitnesseinrichtungen mussten schließen. Nur Einzelhandel und Lieferservice sind davon nicht betroffen. Wenige Tage später folgte die Anweisung, im öffentlichen Raum generell einen "Mund-Nase-Schutz" zu tragen. Niemand durfte mehr auf die Straße, ohne sich eine Maske umzubinden. Eine Maske, die niemand hatte.
Zauberwort "Mund-Nase-Schutz"
Wie später überall im Land wurde genäht. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Der einzige aufrechte Politiker, der sich noch ohne Maske sehen ließ, war der spätere Bundespräsident, der im Italienurlaub in Schlumper-T-Shirt und ohne "Mund-Nase-Schutz" ertappt wurde, fröhlich lächelnd keine 150 Kilometer Luftlinie vom Krisengebiet Bergamo entfernt.
In Jena waren sie dankbar für die Entscheidung ihres Stadtoberhauptes. Endlich tat jemand was. Endlich wusste jemand, was zu tun war! Das Meldesystem für Corona-Verbrecher, das das Portal Correctiv ins Netz gestellt hatte, war noch fast benutzt.
Das Lesen eines Buches auf einer Bank noch legal. Armin Laschet hatte trotz seiner schlamperten Art, Maskenvorbild zu spielen, noch alle Chancen, Kanzler zu werden. In der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) waren Experten eben erst dabei, das Wort "Alltagsmaske" zu erfinden, das unnützen Stofflappen vor Nase und Mund das Gepränge einer wirksamen Virenbrandmauer geben sollte.
Jena als Labor
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| Eindeutige Zahlen. |
Wer jemanden kannte, besorgte sich Masken. Wer nicht, der nähte. Wer welche hatte, ging bedeckt aus dem Haus. Viele trugen beim unerlässlichen Einkaufen zudem Gummi- oder Gartenhandhandschuhe, die sie nach dem Einkauf wegwarfen. Sicher ist sicher. Desinfektionsmittel waren überall aus. Aber Wodka tat es auch. Die Angst, das Ende der Welt miterleben zu müssen, überwog die Freude, sich noch nicht angesteckt zu haben.
Der Oberbürgermeister als Volksheld
Der Oberbürgermeister, der den Mut hatte, eine Maskenpflicht einzuführen, war ein Volksheld. Dass sich Menschen freiwillig gegen die Maßnahme aussprachen, konnte eine Mehrheit nicht nachvollziehen. Es ging doch um die Gesundheit aller und ums Überleben der Menschheit. Besser mit Maske unterwegs als am Beatmungsgerät im Krankenhaus! Besser ein bisschen Freiheit ungefragt opfern als Teil der Todesstatistiken des RKI und der John-Hopkins-University zu werden.
Lebenslust brach sich Bahn in Berechnungen von 7- und 14-Tages-Inzidenzen. Die Wahrscheinlichkeit des eigenen Todes hing am Alter und, Achtung, neues Wort "Vorerkrankungen". Nicht nur, noch ein neues Wort, "vulnerable Gruppen" mühten sich, Infektionsgefahren auszuweichen. Man wechselte besser die Straßenseite, wenn sich andere Menschen von vorn näherten. Man hielt die Luft an, wenn sich eine Begegnung nicht vermeiden ließ. Die Maske, gefertigt nach alten Rezepten der DDR-Zivilverteidigung, gab ein gutes, ein geschütztes Gefühl. Aber sicher ist sicher.
Die Maske hilft beim Überleben
In Jena half die Maskenpflicht beim Überleben. Schon im Juni 2020 bewies ein Team um den Makroökonomen Klaus Wälde von der Universität Mainz, dass es dem Rathaus durch die frühzeitige Einführung der Maskenpflicht gelungen sei, die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 "praktisch auf null" zu senken. Das Ergebnis bestätigte eindrucksvoll die Ergebnisse einer Meta-Analyse der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die der Mund-Nase-Bedeckung ebenfalls eine "gute Schutzwirkung" attestiert hatte.
Bedenken, dass Masken ihre Träger zu unvorsichtigen Handlungen verleiten könnten, weil sie sich in falscher Sicherheit wögen, waren damit hinfällig. Das Labor Jena half mit seinem Beispiel auch anderen: Weil Thüringen mit seiner allgemeinen Maskenpflicht erste Ende April folgte, ließen sich die Auswirkungen der Masken-Maßnahme von den Mainzer Forschern mit Hilfe der synthetischen Kontrollmethode ("synthetic control method") mathematisch berechnen.
Ein Wunschergebnis
Das synthetische Jena wurde dabei mit Städten wie Darmstadt, Cloppenburg, Rostock und Trier verglichen, die etwa die gleiche regionale Bevölkerungsdichte haben und in denen das Durchschnittsalter der Bevölkerung, der Anteil von Senioren, die Ausstattung mit Ärzten und Apotheken vergleichbar sind. Das Ergebnis fiel aus, als habe es sich die Regierung gewünscht. Die Studie ergab, dass nach Erlass der Maskenpflicht in Jena die Gesamtzahl der dort registrierten COVID-19-Fälle lediglich von 142 auf 158 gestiegen war.
Die Zunahme entsprach damit nur 22,9 der Zunahme in der Vergleichsgruppe. Masken waren gut. Masken waren sicher, Masken retteten unzählige Leben. Masken brachten nicht nur Trost, sie brachten auch Rettung. Noch waren sie aus Baumwolllappen genäht und zum Teil sogar gestrickt. Doch sie waren zum damaligen Zeitpunkt das einzige, was getan werden konnte. Also mussten sie wirken. Alles andere hätte den Eindruck erweckt, als sei nicht nur jeder Einzelne, sondern auch die Regierung machtlos gegen unsichtbare Krankheitserreger.
So schnell viele Freunde
Am Primat des Staates zu rühren aber heißt, die Demokratie infragestellen. Die Maske als Symbol der von oben verordneten staatlichen Fürsorge fand deshalb schon schnell viele engagierte Freunde. Correctiv und Volksverpetzer, Tagesschau und heute, Die Zeit, der Spiegel und die SZ, sie alle stopften mit großem Eifer alle früheren Warnungen des Robert Koch-Instituts vor Schutzmasken zurück in die Tube.
Nie seien Masken "weniger verfügbar" gewesen. Nie habe die Regierung "nicht vorgesorgt". Dazu komme, dass nicht jede behördlich verordnete Grundrechtseinschränkung nach individuellem Gusto ablehnt werden könne, weil es zur "normalen politischen und juristischen Praxis" gehöre, dass Grundrechte auf dem Verordnungsweg eingeschränkt und aufgehoben werden.
Die Maske entscheidet alles
An der Maske entschied sich alles. Die Maske war der Ausweis der richtigen Gesinnung. Die Maske bewies, wes' Geistes Kind ihr Träger war. Ohne war kein Mensch, jedenfalls keiner, der Empathie und Folgschaft zeigte. Bis zur Ausrufung der Impfung als Rettung zeigte sich der Gehorsamswille des guten Bürgers im Bekenntnis zur Maske.
Der damit verbundene massive Eingriff in die Freiheitsrechte war nicht nur ein Stresstest, in dem der Rechtsstaat versagte. Die Maske brachte auch den ersten Moment, in dem ein Politiker sagte "Das Tragen einer Maske ist kein Eingriff in die Grundrechte", damit den anderen auferlegten Zwang meinte, eine Maske tragen zu müssen. Und dafür beklascht, bejubelt und gefeiert wurde.
Die Sehnsucht, sich etwas sagen zu lassen
Nicht das Virus schaffte die vom Grundgesetz garantierten Freiheitsrechte ab. Es war der Mensch mit seiner ewigen Sehnsucht, sich sagen zu lassen, was er tun und lassen soll. Wer sich dagegen wehrte, wurde aussortiert - erst als "Maskenverweigerer", später und noch brutaler als "Impfgegner". Die Politik, unter Angela Merkel eigentlich etwas, das nicht stattfand, machte sich die Situation zunutze. Nie zuvor konnte eine bundesdeutsche Regierung sich mit einer Hand die rechtliche Grundlage schaffen, um mit der anderen nach ihr zu handeln.
Fantasieorgane wie die im Grundgesetz nicht einmal erwähnte "Ministerpräsidentenkonferenz" lieferten die Ermächtigungsgrundlage, um "Maßnahmen" zu erlassen, deren Inhalt, Zweck und Ausmaß von ähnlicher Zielschärfe waren wie die Einmal-am-Tag-Tankstellenregel der schwarz-roten Koalition, die aus der Zeit damals gelernt hat, dass es egal ist, ob etwas getan wird, weil es nützt, oder nur, um zu zeigen, dass man etwas tut. Das Volk verlangt nach Symbolen. Es ist bereit, dafür mit Vertrauen zu zahlen, so unsinnig die jeweilige "Maßnahme" auch zu sein scheint.
In Jena fing es an
In der Pandemie wurden Grundrechte zum Gegenstand von Hausrecht und Polizeigesetzen. Der Platzverweis als Verwaltungsakt war die höchste Form hoheitlichen Handelns im Dienst der Gemeinschaft. Oft entstand der Eindruck, Staatsorgane hätten den Verstand verloren: In Gaststätten mussten Gäste Maske tragen,so lange sie standen. Saßen sie, legte sich die Ansteckungsgefahr umgehend. Auf der Straße kontrolllierten Polizisten die Abstandsregel mit dem Zollstock. Konzerte fanden vor einem Publikum statt, das durch luftige Käfige vor Viren geschützt wurde.
In Jena fing es an. Die erste Stadt, in der eine ausgedachte Ermächtigungsgrundlage genutzt wurde, um eine ausgedachte Schutzmaßnahme als angemessen und verhältnismäßig zu legitimieren, zeigte, dass staatliche Gewalt und deren Ausübung gegenüber dem Bürger nicht auf das Notwendige beschränkt sein muss. Und sie bewies, dass "Verordnung", die durch ein Regierungs- oder Verwaltungsorgan der Exekutive erlassen wird, im Handumdrehen alles auszuhebeln vermag, was an Grundrechten in der Verfassung als "unveräußerlich" bezeichnet wird.
Eingeschränkte Freiheit
Wenige Tage nach dem Jenaer Experiment wurden Maskenpflichten überall ausgerollt.
Auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes wurde das öffentliche Leben massiv eingeschränkt. Selbst gesellschaftiche Bereiche, die unter dem besonderen Schutz der Verfassung stehen wie die
Versammlungsfreiheit, die Religionsausübungsfreiheit und die
Berufsfreiheit, mussten pausieren. Demonstrationen wurden verboten, Gottesdienste
durften nicht stattfinden und Unternehmer mussten ihre Läden, Kneipen und Hotels dichtmachen.
Was das alles genau bewirkt hat, wurde später nie wieder untersucht, nicht von den Mainzer Forschern um Klaus Wälde und sein synthetisches Jena, aber auch nicht von anderen Wissenschaftler, die neugierig waren, was denn Masken nun genau bringen und was nicht. Nach der ersten Studie, vorgenommen in den Tagen direkt nach dem Erlass der Maskenpflicht in Jena, fand nie wieder eine Untersuchung statt. Wie auch insgesamt auffällt, wie uninteressiert die gesamte Wissenschaft, die Politik und die medien and er Frage sind, was das alles "gebracht" (NDR) hat.
Für Jena kann es so viel nicht gewesen sein, sondern im Gegenteil: Bis heute zählt die Stadt
49.274 Infektionen mit Corona insgesamt, das ergibt eine Infektionsrate von 44,59 Prozent mit 228 Verstorbenen. Trier, die seinerzeit vom Mainzer Team als Vergleichskommune gewählte andere Stadt mit rund 110.000 Einwohnern, aber ohne frühe Maskenpflicht, kommt nur auf 45.594 Ansteckungen, also eine Quote von 41,24 Prozent. Und 87 Corona-Tote.



3 Kommentare:
Ob die Maske schützt, hängt nicht nur von der Maske selbst ab. Wichtig ist, dass sie direkt auf der Haut liegt. Deshalb ist für Bartträger und Bartträgerinnen eine Rasur erforderlich.
Ob Lichtgestalt Claus Ruhe dem nachgekommen, wollen wir lieber gar nicht erst fragen.
Der Vergleich Stockholm vs. Hamburg scheint zu zeigen, dass die ganzen Maßnahmen, einschl. Maske, Null Einfluss auf die halluzinierte Pandemie hatte. Aber moraltechnisch gesehen lagen die Hamburger uneinholbar vor Stockholm. Und darauf kommt es doch an. Oder?
Im größeren Maßstab gilt selbiges für den Vergleich Deutschland gegen den Rest der Welt.
Einige meinten aus dieser Bilanz schlussfolgern zu dürfen
„Die Maske muss der Maske wegen getragen werden. Als Symbol für Gehorsam den Maßnahmen und Regierenden gegenüber“.
Aber ich glaube, wer so redet ist ein Realist.
das hast du schön geschrieben.
Der dummdreiste Mehrheitspöbel hat mal wieder nicht nur gehorsam mitgemacht, sondern auch aktiv gegen die angeblichen Ketzer gehetzt. Immer noch unwissend abergläubisches Mittelalter in den Schwachköpfen. Dagegen hat Vernunft keineChance.
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