Dienstag, 15. Juli 2014

Schurkenstaat Russland: Tagesspiegel schreibt Geschichte neu

Jüngst erst schlug die Stunde der Praktikanten beim Staatssender Phoenix. "Der Atomunfall von Fukushima", so orakelte ein Moderator der Ereignisstation, sei "die größte Katastrophe" gewesen, die "Japan jemals getroffenn hat". Der Atomunfall. Nicht der Tsunami mit sechzehntausend Todesopfern. Auch nicht die beiden Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, an die sich ältere Zuschauer noch erinnern. Sondern der Atomunfall, den die frühere Grünen-Frontfau Claudia Roth schon immer hatte zur ultimativen Menschheitskatastrophe umdeuten wollen.

In Deutschland ist das einfach, wie die Hauptstadt-Zeitung "Tagesspiegel" gern auch in persönlichen Briefen an ehemalige Abonnenten zugibt. Einer langjährigen Leserin, die sich bei der Redaktion über deren straffen Kriegskurs in der Berichterstattung um die Ukraine-Krise beschwerte, offenbarte Herausgeber Gerd Appenzeller auf der Suche nach einer Begründung für die fortgesetzte Scharfmacherei in den Reportagen und Kommentaren des Qualitätsblattes freimütig gleich sein komplettes Unwissen über die jüngste Geschichte. "Russland hat als erster Staat nach dem Ende des 2. Weltkrieges mit der Besetzung der Krim gewaltsam die Grenze eines Landes verändert", schreibt der fantasiebegabte Spezialist für transatlantische Beziehungen grammatikalisch etwas verschroben, inhaltlich aber eindeutig.

Schurkenstaat Russland! Appenzeller, 1943 geboren, hat doch glatt vergessen, was da noch alles war. Die Jugoslawienkriege etwa, in denen Slowenien, Kroatien, Serbien und Bosnien ihre Grenzen mit Unterstützung der Nato oder gegen den Widerstand gewaltsam verschoben oder zu verschieben versuchten. Fast eine Vietelmillion Menschen starben, ehe alle Grenzen gewaltsam neu zurechtgerückt waren.

Vergeben, vergessen. Ebenso wie der Kosovokrieg, bei dem aus einem Stück Serbien ein eigener Staat mit eigenen Grenzen wurde. Oder der Mazedonienkrieg, in dessen Folge 170.000 Menschen aus den überwiegend albanisch bevölkerten Grenzgebieten zu Kosovo vertrieben wurde. Oder Transnistrien-Konflikt, der zur Abspaltung eines Gebietes von Moldawien führte - inklusive neuer Grenzen. Oder den Krieg um Bergkarabach, in dem armenischen Truppen Teile von Aserbaidschan okkupierten. Oder die Belagerung von Zchinwali durch georgische Nationalisten im Georgisch-Abchasischen Krieg, an dessen Ende eine Bevölkerungsmehrheit in einem Referendum für die Unabhängigkeit Südossetiens von Georgien und den Anschluss an das zu Russland gehörende Nordossetien votierten - inklusive neuer Grenzziehung.

Der Qualitätsjournalist Gerd Appenzeller weiß es nicht. Und er hat offensichtlich auch kein Bedürfnis, nachzuschlagen. Nichtwissen macht vieles einfacher, vor allem für Handlungsreisende in Propaganda. Wer Kritiker der anti-russischen "Tagesspiegel"-Offensive als dumme "Opfer russischer Propaganda" bezeichnen will, lebt gut mit einer Geschichte, die es so nie gegeben hat. Das passt dann, um Gerd Apppenzeller zu zitieren, auch gut mit dem "Tagesspiegel" zusammen.

Montag, 14. Juli 2014

WM 2014: Über alles

Großes Turnier, kleiner Gang. Fancorsos überall, nationale Aufwallung und Euphorie genug, die jüngsten Enthüllungen über die Überwachung von Bundesbürgern und bundesdeutschen Institutionen durch US-Geheimdienste weiter auf den hinteren Seiten der Qualitätsblätter zu halten. Wo gemüllert wird, da fallen Späne, wo Löws unbezwingbare Löwen ihre Handgelenktäschchen in die Stadien hinein- und anschließend große hässliche Pokale hinaustragen, wird die Klimakanzlerin zur Fußballkanzlerin und alles außer der schönsten Nebensache zur Nebensache.


Die gefühlte Weltmacht hat die Macht übernommen, der "perfekte Mix aus Hurra und Hauruck" (Spiegel) bringt "die Krönung eines Weges, der vor zehn Jahren eingeschlagen wurde" (Spiegel) Klinsmann und Löw als die Gerd Schröders Fußballdeutschlands, als luthersche Reformatoren, die aus einem schlafenden Riesen einen Zwerg wie Philipp Lahm machten. Die tumben deutschen "Panzer" (Die Welt) plötzlich "technisch brillant, schnell, spektakulär" wie ihn der neue deutsche Fußballfan, der gern in Familie ins Stadion kommt, immer schon im Sinn hatte.

Angela Merkel, in deren Amtszeit die Rückkehr der häßlichen Deutschen als Traumkombinierer fällt, hat alles richtig gemacht. Europa an die Kandare genommen, den Fußball als größtmögliche Volksbespaßung entdeckt. Deutsche Tugenden inbegriffen: Als "Blutkrieger" wird Bastian Schweinsteiger gefeiert, "der vierte Stern geht auf" feiert die SZ in einem Moment nationaler Extase, für die taz ist der neue, alte Weltmeister schon wider vielleicht "über Jahre hinaus unschlagbar".

Exportweltmeister, Reiseweltmeister, Fußballweltmeister, was kann da noch kommen? Löws flache Hierarchien, die informelle Machtbalance zwischen dem Bayern-Block und den Ergänzungsspielern aus dem Rest der bunten Republik, das Halbgleichgewicht zwischen Hymnensängern und Hymnenschweigern - als fröhlicher Supermacht fliegen Deutschland die Herzen zu.

Mehr Einigkeit und Recht und Einstimmigkeit war nie seit Mauerfall und Einheitsrausch. Die Heimatfront steht wie ein Mann, glücklich und erleichtert über das Ende der längsten titellosen Zeit, die eine deutsche Nationalmannschaft je erleben musste: 1996 Europameister. 2014 Weltmeister.

Sonntag, 13. Juli 2014

Löws Geheimnis

Tief graben, dranbleiben, mit stumpfer Spitze dorthin gehen, wo das Runde ins Runde muss. Joachim Löw hat sein Erfolgsgeheimnis bisher nicht preisgeben wollen, doch PPQ-Fieldreportern in Brasilien ist es durch hartnäckiges Stalken gelungen, die Weltmeistertaktik des Badeners zu enthüllen.

Deutschland schaut gebannt, die Welt staunt.

Und dann macht Götze ihn rein. Götze, der Zwerg, dem niemand einen Siegtreffer zutraut. Klein, ganz groß. Löw, "dieses nicht zu beschreibende Glücksgefühl" (Niersbach). Deustchland ist Hadeds-Plan, Deutschland ist ein Mannschaftssport.

Zitate zur Zeit: Die Zukunft der Raumfahrt

"Ich schlage vor, dass die USA ihre Astronauten künftig mittels eines Trampolins zur ISS bringen."

Dmitri Rogosin

Mehr Zitate zur Zeit

Martin Schulz: "Russland war schon immer ein schwieriger Nachbar."

Alienfund in Mecklenburg: Außerirdische in der DDR

Wer sie kannte, war überzeugt, dass Erich Honecker und Erich Mielke in Wirklichkeit Außerirdische waren, die nie begriffen, wie das Leben auf der Erde wirklich funktionierte. Auch der SED-Funktionär Konrad Naumann und der als CDU-Mann auftretende Gerald Götting zeigten zeitlebens Anzeichen dafür, nicht von dieser Welt zu sein. Gestützt wurde das Regime der nach 1945 plötzlich in leitenden Funktionen aufgetauchten sogenannten Funktionärsriege zudem von gleichgestalteten Figuren, die von Moskau aus mit ähnlichen Brillen, Hüten und Kunststoffanzügen regierten.

Jetzt widmet sich erstmals eine Ausstellung dem Phänomen der Unterwanderung und Unterdrückung der Ostdeutschen durch Außerirdische: "Geheimsache Red Alien – Ein mysteriöser Fund in der DDR" basiert auf Halbwissen über einen angeblichen Alien-Fund in den 50er Jahren der damaligen DDR, als in der Nähe eines mecklenburgischen Truppenübungsplatzes seltsame Dinge geschahen, an die sich Zeitzeugen heute nicht mehr erinnern. Auch schriftliche Überlieferungen gibt es nicht, weil vermutlich alle Dokumente vernichtet wurde.

Das nährt den Verdacht, dass dort mindestens ein Körper eines Außerirdischen entdeckt wurde, der später in der Berliner Charité untersucht und anschließend durch herbeigeeilte sowjetische Sicherheitsorganen konfisziert wurde. Auch von sowjetischer Seite wurden alle Wachbücher und Transportunterlagen vernichtet, auf deren Basis jetzt allerdings der frühere Aufbewahrungsort des Aliens und anderer Funde in einer ehemaligen sowjetischen Bunkeranlage rekonstruiert.

Dem Besucher offenbaren sich in der Ausstellung, die aus Sicherheitsgründen im Galileo-Park (Sauerland-Pyramiden) stattfindet, die verschwundenen Reste des Extraterrestischen sowie einzigartige Fundstücke aus der rätselhaften DDR-Kultur, die darauf hinweisen, dass auch von außerirdischer Seite nach dem Verunglückten gesucht wurde.

Den Besuchern der Ausstellung stellt sich somit die Frage nach dem Ursprung und der Entstehung moderner Mythen, nach der Macht der Geheimdienste, der Presse, des Internets und anderer Medien, die unsere Wahrnehmung beeinflussen. Was ist real und was ist Inszenierung? Was und wem wollen wir heute noch glauben?

Die Ausstellung ist vom 17. Mai 2014 bis zum 20. Februar 2015 in Lennestadt zu sehen.

Samstag, 12. Juli 2014

Dramen an der Wursttheke

Es rührt das harteste Herz, dieses Leid, das sich draußen in der Welt abspielt, während Deutschland die Chancen von Jogi Löws junger Elf diskutiert. Schicksale wie Faustschläge, Lebensläufe wie Gefängnisstrafen. Mit letzter Tinte rufen die Elenden und Geknechteten um Hilfe, so sie nicht ohnehin sco in eiem Ruderboot Richtung Lampedusa sitzen. Peter Wong hat uns einen Hilferuf geschrieben, Buchstabe für Buchstabe eine Übersetzung des chinesischen Schriftzeichens, das der Legende zufolge zugleich für Risiko wie für Chance steht.


Guten Tag,

Es ist mein Interesse für Sie in Bezug auf meine Kunden zu kontaktieren; mein Name ist Herr Peter Wong, der Exekutivdirektor der Hang Seng Bank Limited.

Im Jahr 2003 starb mein Mandant, Herr Aziz Musa Numan (Ein irakischer Ölkaufmann), hinterließ die Summe von 6,5 Millionen Euro (sechs Millionen fünfhunderttausend Euro) € in unsere Bank hier. Seit er gestorben ist, hat niemand nach vorne für die Behauptung kommen.

Aziz Musa Numan und hatte seine Familie wurden während des Krieges bei einer Bombenexplosion, der sein Haus in Mukaradeeb getroffen getötet.

Ich interessiere mich besonders für die Sicherung dieses Geld von der Bank, da sie einen Hinweis anweist mir der Direktor, um den Empfänger diese sonst wird das Geld an die Regierung nach eigener hier Recht gutgeschrieben produzieren ausgegeben haben.

Es ist mein größter Wunsch, den Willen meines verstorbenen Mandanten, Herrn Aziz Musa Numan ausführen, da er nicht mehr am Leben, sowohl Frau Fatima Numan, und Tochter Nera Numan starb auch.

Ich fordere Sie auf, mich sofort für weitere Details zu berücksichtigen, dass die Bank hat mir einen Termin gegeben Grenze Mail bitte schnell handeln.

HINWEIS: Stellen Sie sicher, dass Sie dieses Projekt geheim zu halten; diskutieren nicht mit niemandem wegen der Vertraulichkeit und der Empfindlichkeit der Transaktion und meine Arbeit.

Meine offizielle Telefonleitungen sind nicht gesicherten Leitungen, wie sie regelmäßig überwacht werden, um unser Niveau der Kundenbetreuung im Rahmen unserer Qualitätspolitik insgesamt zu beurteilen. Ich wiederhole, ich glaube nicht, dass du mich durch meine offizielle Telefonleitungen in Kontakt zu antworten.

Sie können mich nur durch meine private E-Mail-Adresse zu kontaktieren: wongpr2014@gmail.com.

Ich erwarte Ihre dringende Antwort.

Mit besten Grüßen,

Herr Peter Wong.

Zukunftsträume aus der Vergangenheit

Ein heute längst vergessener großer Kämpfer für die Freiheit und gegen staatliche Gängelung, das war Eugen Richter, um die vorletzte Jahrhundertwende Reichstagsabgeordneter und 1898 Autor des Buches "Sozialdemokratische Zukunftsbilder".

In dem knapp 100-seitigen Büchlein, das seinerzeit ein Bestseller war, entwirft Richter das Bild einer Welt nach der Übernahme der Regierungsmacht durch die Sozialdemokratie. Der Ich-Erzähler, ein begeisterter Anhänger von Gleichheit und Gerechtigkeit, berichtet hier in Form eines Tagebuches, wie fabelhaft sich die Gesellschaft ändert, nachdem die Fortschrittskräfte die "rote Fahne der internationalen Sozialdemokratie auf Königs-Schloss und alle öffentlichen Gebäude Berlins" gepflanzt haben.

Richter, der die Mehrheit des Reichstages für "ein Angstprodukt der Wähler“ hielt, zeigt das Umkippen der menschenfreundlichen Vision in ein System aus Entmenschlichung, Zwang und offener Gewalt im Eiltempo - zwei Jahrzehnte vor Lenin, fast drei vor Stalin und genau 115 Jahre vor dem Leipziger Parteitag der SPD in Leipzig. Ein Horrorgemälde, das wir mit Dank an Stuff zum Anlesen empfehlen. Der Auftakt atmet noch Pathos und Siegestrunkenheit, Zuversicht und Hoffnung. Von dort an aber strudelt der Text in Abgründe, die vielen Nachgeborenen im Prinzip bekannt vorkommen werden.

Link zum kompletten Buch unten.

Wenn solches unser verewigter Bebel noch erlebt hätte! Hat er uns doch immer vorausgesagt, daß die „Katastrophe schon vor der Tür steht.“ Noch erinnere ich mich, als ob es gestern gewesen wäre, wie Bebel am 13.September 1891 in einer Versammlung zu Nixdorf in prophetischemTone ausrief, dass „eines Tages der große Kladderadatsch schnellerkommen werde, als man es sich träumen lasse.“ Friedrich Engels hatte kurz vorher das Jahr 1898 als dasjenige des Triumphs der Sozialdemokratie bezeichnet.

 Nun, ein wenig länger hat es doch noch gedauert. Aber gleichviel, unsere langjährigen Mühen und Kämpfe für die gereifteSache des arbeitenden Volkes sind nunmehr durch den Erfolg gekröntworden. Die morsche Gesellschaftsordnung des Kapitalismus und des Ausbeutersystems ist zusammengebrochen. Meine Aufzeichnungen sollen, so gut ich es vermag, die Auferstehung des neuen Reiches der Brüderlichkeit und der allgemeinen Menschenliebe für meine Kinder und Kindeskinder beschreiben.

Auch ich habe meinen Anteil an der Wiedergeburt der Menschheit. Was ich während eines Menschenalters an Zeit und Geld als rechtschaffener Buchbindermeister erübrigen konnte und nicht für meine Familie bedurfte, habe ich der Förderung unserer Bestrebungen gewidmet. Der sozialdemokratischen Literatur und unseren Vereinen verdanke ich die Festigkeit in unseren Grundsätzen und die geistige Fortbildung. Frau und Kinder sind mit mir eines Sinnes. Das Buch unseres Bebel von der Frau ist längst das Evangelium meiner Paula gewesen.

Der Geburtstag der sozialdemokratischen Gesellschaft war unser silberner Hochzeitstag. Der heutige Siegestag hat zu neuem Familienglück den Grund gelegt. Mein Franz hat sich mit Agnes Müller verlobt. Die beiden kannten sich schon lange und lieben sich herzinnig. In der gehobenen Stimmung des feurigen Tages wurde der neue Bund geschlossen. Beide sind zwar noch etwas jung, aber tüchtige Arbeiter in ihrem Fach. Er ist Setzer, sie Putzmacherin; da wird es hoffentlich nicht fehlen. Sobald die neue Ordnung in den Arbeits- undWohnungsverhältnissen eingetreten ist, wollen sie heiraten.Wir alle wanderten nach Tisch hinaus „unter die Linden“. War das dort ein Menschengewühl, ein Jubel ohne Ende. Kein Misston störte die Feier des großen Siegestages. Die Schutzmannschaft ist aufgelöst. Das Volk hält selbst die Ordnung in musterhafter Weise aufrecht...

Das komplette Büchlein findet sich hier

Freitag, 11. Juli 2014

Doku Deutschland: Kein Sperma für Veganer

Es ist zweifellos eine existenzielle Frage, wenn man sein Leben naturverträglich umstellen will. Ist es also mit der veganen Lebensweise vereinbar, dass man Sperma schluckt? Im Forum von vegan.de gibt es eine ebenso eindeutige wie moralisch einleuchtende Antwort, die allen vegan lebenden Oralexperten sämtlicher Geschlechter ans Herz gelegt sei. PPQ dokumentiert die amtliche Auskunft im Rahmen der großen Lebenshilfe-Serie "Doku Deutschland".

Sperma schlucken? Nein, das ist ganz und gar nicht mit der veganen Lebensweise zu vereinbaren! Als Veganer darf man kein Sperma schlucken, weil Menschen ja nichttierliche Menschen sind. Also dasselbe wie Tiere. Und als Veganer darf man ja auch kein Tiersperma schlucken, weil das ja von nichtmenschlichen Tieren stammt.

Das wäre genauso, als würdest Du als Veganerin Deinem Säugling Muttermilch geben - auch das ist ja total tabu! Vegane Säuglinge dürfen nur Äpfel essen, sonst nichts, alles andere wäre ja total unnatürlich. So wie Sperma schlucken.

Menschen sind die einzige Spezies, die noch im Erwachsenenalter das Sperma ihrer Artgenossen schluckt. Als ich vegan geworden bin, hat mich mein Freund gefragt, ob ich jetzt noch sein Sperma schlucken darf und ich habe ihm sofort klargemacht, dass das natürlich nicht geht. Alle Veganerinnen und Veganer bzw. Tierrechtlerinnen und Tierrechtler, die Sperma schlucken, sind in meinen Augen armselige Heuchler, denen sofort das Veganlabel entzogen gehört.

Puppen im Hitler-Bus

Deutschland ist, von außen betrachtet, ein pausenlos plapperndes Kind ganz hinten auf dem letzten Sitz eines vollklimatisierten Reisebusses Richtung Süden. Der Bus fährt, das Kind plappert. Niemand hört zu, aber das Kind hört sich nur allzugern selbst reden.

Deutschland hat, von außen betrachtet, nur drei Themen: Hitler, Hitler und Hitler. Hitler ist der meistbeschäftigte Mann im deutschen Fernsehen. Er hat Verträge mit allen Sendern, obwohl er längst tot ist. Es geht ihm gut, denn ohne ihn geht nichts. Hitler spielt sich häufig selbst im deutschen Fernsehen, ebenso oft wird er von bekannten Schauspielern verkörpert. Bruno Ganz und Helge Schneider sind das Hitlergesicht der Gegenwart: Ein Schweizer als Österreicher, ein Jazzmusiker mit grenzdebilem Humor als leberknödelsuppengeiler Straußfan. Manchmal tritt Hitler auch als seine Gehilfen Goebbels, Himmler oder Rommel auf. Dann spielt Guido Knopp einen Hitler, der Rommel spielt, und er verzieht keine Miene dabei.

Hitler ist, von außen betrachtet, Deutschland. Würde man Deutschland von innen betrachten wollen, müsste man den Volkskörper obduzieren. Weil das nicht geht, wird Hitler obduziert. Heraus springt ein Mann namens Hinze, Kunze oder Schulze, der von außen betrachtet keinerlei Sympathien für Hitler hegt. Herr Hinzekunzeschulze war allerdings schon in Landschaften und Territorien, wo er die Spuren von Hitler, Rommel und Göring mit einem gewissen Staunen betrachtet hat.

Damals brachte das Ausland Deutschland zum Schweigen, indem es kurz und scharf "Hitler!" zischte. Hinze, Kunze und Schulze staunen also lieber stumm. Mittlerweile aber hat sich Deutschland selbst schon so oft zur Ordnung gerufen, dass es auf diesem Ohr ganz taub geworden ist. Wie das Kind hinten im Bus, das nicht mehr reagiert, wenn andere Fahrgäste "Psst!" rufen, weil es seine Puppen zu laut singen lässt.

Deutschland ist, von außen betrachtet, gar kein Zufall. Deutschland ist ein Kinderkarussell, das auf Anweisung eines triefäugigen EU-Kommissars mit der Aufschrift "Kinder haften für ihre Eltern" für sich werben muss. Wo die doch längst tot sind.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Zitate zur Zeit: Wie die Alten sungen

Was Du vom Leben weißt, hast du von den Sängern gelernt, und an guten Liedern über Plünderungen herrscht großer Mangel.

George R.R. Martin

Klimakatastrophe: Rettung aus dem Hamsterrad

So können wir Menschen nicht weitermachen: Das ist die Kernbotschaft des dritten Teils des neuen Uno-Klimaberichts. Der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen muss bis Mitte des Jahrhunderts um 40 bis 70 Prozent sinken. Die Kosten sind Experten zufolge überschaubar, wenn intelligente Wege beschritten werden. Dazu macht die UNO unerwartete Vorschläge.

Denn die Bilanz bis hierher ist verheerend. Seit der Beginn des weltweiten Kampfes gegen CO2-Emissionen sind diese so stark gestiegen wie noch nie zuvor, um durchschnittlich 2,2 Prozent pro Jahr, verglichen mit nur knapp unter einem Prozent zuvor. Schuld daran ist neben dem Wachstum der Weltbevölkerung vor allem das Wirtschaftswachstum. So ist es im dritten Teil des Weltklimaberichts nachzulesen, der an diesem Sonntag in Berlin vorgestellt wurde.

Die Menschheit muss dringend handeln, wenn sie den Klimawandel auch nur halbwegs im Griff behalten will - das ist das Urteil der Experten. Dazu müsse der Anteil an CO2-armen Technologien zur Stromerzeugung bis zum Jahr 2050 um den Faktor drei bis vier steigen, besser wäre sogar noch mehr. Dazu ist ein konsequenter Umstieg auf erneuerbare Energieträger wie Wind, Solar, Wasser, Biomasse und Atom notwendig. Weil letzteres aber immer noch auf viele Vorbehalte stößt, zeigt das Uno-Umweltprogramm einen Ausweg, der weder im Vergraben der Kohlendioxidabfälle aus Brankohlekraftwerken noch in der Auslieferung der Zivilisation an die Unwägbarkeiten von Windgang und Sonnenschein liegt.

Als Alternative lautet die zentrale Forderung der Forscher: Im Energiesektor muss konsequent dekarbonisiert werden – und weil Öl, Gas und Kohledas nicht leisten können, sollen künftig Hamster zur wichtigen Quelle von Elektroenergie werden. Danach gibt es tatsächlich Möglichkeiten, die bekannten Kleinnager in große Räderbatterien einzubinden, mit denen sich kontinuierlich Strom erzeugen lässt. Zwischen 40 bis 60 Umdrehungen pro Minute schafft ein ungeübter Hamster im Durchschnitt im Laufrad, über einen angeschlossenen Generator kann er so im Schnitt 0,15 Watt erzeugen. Nur 400 der possierlichen Tiere bringen eine Glühbirne konstant zum Leuchten.

Das technische Problem der Energieversorgung komplett aus Hamsterkraft ist technisch zu bewältigen, glauben die Experten der Uno. Will man einen ganzen Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr mit Hamsterkraft versorgen, benötigt man rund 2700 Tiere. Ganz Deutschland wäre somit mit 220 Milliarden Hamstern vollversorgt, ohne dass Sonne, Wind oder Biomasse zugefüttert werden müssen. Letztere wird dann benötigt, um für den Nahrungbedarf der Tiere zu decken: 22 Millionen Tonnen Trockenfutter werden hier benötigt. Die Uno sieht allerdings keine großen Probleme, da derzeit weltweit jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel ungenutzt weggeworfen werden. Hamster gelten als anspruchslose Esser, die kleine Saaten, etwas Obst, Insekten und ihre Larven sowie Kräuter und Gräser zu sich nehmen.


Die gute Nachricht: Die Wissenschaftler haben damit einen gangbaren Weg in eine wirklich ökologische Zukunft gezeigt, die Politik muss den Rest erledigen. Ähnlich wie bei der Einführung der Sonnenenergie und der Windkraft könnten große Förderzusagen eine schnelle Einführung von Hamsterradhersteller, Hamsterradbatterien und Hamsterzuchtfarmen anheizen. In der neuen Industrie, so das IPPC, würden bis zum Jahr 2020 allein in Deutschland etwa 70.000 bis 922.000 neue Jobs entstehen. Wenn nichts passiert und die Chance der Energeiversorgung durch Hamsterräder versäumt wird, so das Urteil der IPCC-Autoren, dürften die weltweiten Durchschnittstemperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts um 3,7 bis 4,8 Grad steigen - mit dramatischen Folgen: Bis 2100 würde das IPPC noch weitere 25 Mal mit allem Nachdruck vor der fortschreitenden Erwärmung warnen.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Medien voller Mehltau

Daran wird der „Spiegel“ zugrunde gehen – an der entsetzlichen mehltaumäßigen, sozialdemokratisch-grünen politischen Korrektheit.

Doku Deutschland: Pappkamerad Kanzlerin

Rezensionen zu einem Pappaufsteller von Kanzlerin Angela Merkel, im Original beim Online-Kaufhaus Amazon.

Von A. Niedermayr

Haltbarkeit: 5.0 von 5 Sternen
Pädagogisch wertvoll: 5.0 von 5 Sternen
Spaß: 5.0 von 5 Sternen

Der Aufsteller ist in 2D und damit exakt wie das Original: platt und konturenlos. Mit ein bisschen Bastelei könnte man daraus einen Wetterhahn machen, der sich prima in den Wind dreht. Ich vermisse lediglich mehr Auswahl an Hosenanzügen und die typische Handhaltung.

5.0 von 5 Sternen
Kaum vom Original zu unterscheiden.
Von Krawallier
Die Kopie ist fast kaum vom Original zu unterscheiden. Sie hinterlässt keinen bleibenden Eindruck und ist ähnlich inkompetent. Dank Teflon- Beschichtung bleibt nichts an ihr hängen und betrachtet man sie von einer anderen Perspektive merkt man schnell wie ähnlich Inhaltslos sie ist.

Einen Unterschied habe ich allerdings doch festgestellt die Kopie hat eine wesentlich ausgeprägte Standfestigkeit und knickt nicht so schnell bei Gegenwind um. Mit knapp 40 Euro kommt sie den mündigen Steuerzahler zudem wesentlich Kostengünstiger zugute. Top!

Von Markus Barthel
Diese Pappfigur von Angela Merkel ist sehr nahe am Original und für viele Einsatzzwecke geeignet. Die Basisanwendungen "Still da stehen und gute Mine zum bösen Spiel machen" erledigt sie mit Bravour. Auch steht sie in Sachen Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit dem Original in nichts nach. Teilweise übertrifft sie ihr Vorbild sogar. So hat sie in den fünf Tagen, in der ich sie aufgestellt habe, noch nie hinter meinen Rücken meine Interessen oder Grundrechte verletzt. Das ist also schon eine reife Leistung, wenn man bedenkt, nach welchem Ebenbild sie geschaffen wurde.

Beim "der Wirtschaft in den Arsch kriechen" zeigt sich manchmal ihre etwas unstabile Bauweise. Und bei der Steigerung "Obama in den Arsch kriechen" ist deutlich, dass ihr Rückrat nicht den allerbesten Qualitätsmerkmalen genügt. Allerdings kann man das von einem Produkt in dieser Preisklassen auch nicht erwarten.

Als Entschädigung dafür bekommt man aber eine Pappfigur, die auch in einer Geisterbahn ihren Zweck erfüllt und sogar AfD-Wahlwerber aus meinem Stadtteil vertreiben kann.

Etwas schade war allerdings, dass offensichtliches Verbesserungspotential (bisher) nicht genutzt würde. So könnte ein kleiner Föhn hinter ihrem Mund die Reden ihres Originals simulieren. Das würde die Authentizität dieser Figur nochmal stark steigern.

Insgesamt also ein guter Kauf, den ich bisher nicht bereut habe.

Von Ducster
Haltbarkeit: 5.0 von 5 Sternen
Pädagogisch wertvoll: 4.0 von 5 Sternen
Spaß: 2.0 von 5 Sternen

Seit dieser Aufsteller bei mir vor'm Haus steht, fressen mir die Vögel keine Kirschen mehr vom Baum. Auch das Auto wird nicht mehr vollgekackt. Könnte auch daran liegen, dass der Anblick die armen Tiere erschreckt ...! Somit hat zumindest das 2D Modell für mich ne Daseinsberechtigung.

Von Spitzbube
Von vorn und hinten für Schießübungen hervorragend geeignet, von (schräg) oben bedingt, von den Seiten leider gar nicht.

Nach ca. 50 Treffern verschiedener Kaliber und Munitionsarten stand die Pappkameradin zwar zersiebt, aber noch aufrecht. Erst nach einer Ladung Rehposten war sie zu nichts mehr zu gebrauchen und hatte damit den Zustand des Originals erreicht.

Dienstag, 8. Juli 2014

Sensation: Nasa entdeckt Hitler-Stern

Die NASA hat in der kosmischen Nachbarschaft unseres Sonnensystems einen eiskalten Braunen Zwerg gefunden. Diese Himmelskörper stehen zwischen Sternen und Planeten – ihnen fehlt derzeit allerdings die Masse, um hell zu leuchten. Politikwissenschaftler warnen allerdings trotzdem vor den sogenannten Hitler-Sternen, denn sie gelten sie seit mehr als 70 Jahren als höchst gefährlich.

Der aktuelle Braune Zwerg wurde zuerst vom NASA-Weltraumteleskop Wise entdeckt. Er befinde sich, so informierten die Forscher, nicht in der Nähe der Erde, sondern in der unmittelbaren Nachbarschaft der Sonne. Auf dem Hitler-Stern ist es mit Minus 48 bis Minus 13 Grad Celsius so kalt wie in den Polarregionen der Erde. Damit sei er der kälteste Braune Zwerg, den man bislang gefunden habe, schreibt die US-Weltraumagentur.

WISE J085510.83-071442.5, wie das Objekt offiziell genannt wird, obwohl alle Forscher informell vom "Hitler-Stern" sprechen, ist lediglich 7,2 Lichtjahre von der Erde entfernt. Nur drei Sternensysteme liegen näher am Sonnensystem. Im Moment nähere sich der Himmelskörper der Erde allerdings nicht.

Perpetuum Mobile: Dessauer Erfinder bessert NSA-Pläne nach



Riesenaufregung in Dessau! Direkt nach der Veröffentlichung Plänen des US-Geheimdienstes NSA zum Bau eines Perpetuum Mobile meldete sich der bekannte Erfinder, Physiker und Innovationstrainer Jens Urban aufgeregt in der PPQ-Redaktion. Die über ppq.so geleakten Perpetuum-Baupläne, so der Erfinder eines Atommüll-Ofens und einers Solarlaser-Heizung für afrikanische Entwicklungsstaaten, sei physikalisch "irrsinnig", nicht funktionsfähig und in einem entscheidenden Detail "so doof, dass man am Verstand dieser Leute zweifeln muss", klagte Urban angesichts der öffentlich gewordenen Bauskizzen aus dem NSA-Hauptquartier (unten).

Jens Urban kritisierte die NSA vor allem für die Vernachlässigung der Rolle der Gravitation bei den Bauplänen für ein starkmagnetgetriebenes Fahrzeug: Die beiden frontal angebrachten Antriebsmagneten, so der seit Jahren in Dessau forschende Experte, seien nach seinen Berechnungen nicht in der Lage, "den erforderlichen Vortrieb zu gewährleisten", weil die von der Erdanziehung zugelieferte Bodenhaftung eine Vorwärtsbewegung verhindere. "Hier hat die NSA einfach mal einen Bock geschossen", klagt Urban, der selbst seit vielen Jahren in der sogenannten PM-Forschung tätig ist.

Der 43-Jährige, erfolgreich bislang vor allem mit der Erfindung eines Kraftwerkes, das tödliche Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung aus Atommüllagerstätten in Strom verwandelt, beließ es jedoch nicht bei purer Schmähkritik. Angestachelt von der Veröffentlichung der hochfliegenden NSA-Pläne hat Urban die Bauzeichnungen aus den USA an den entscheidenden Stellen nachgebessert, so dass nun ein nach seinen Berechnungen "voll funktionsfähiges Selbstfahrfahrzeug" entstanden ist. Dazu spendierte der Innovator aus der Bauhaus-Stadt dem NSA-Fahrzeug zusätzlich zu den beiden Vortriebsstartkmagneten eine dritte Magnetspule, die dazu dient, die von allen PM-Erfindern gefürchtete Gravitationskraft aufzuheben.

Unbehindert von der Anziehungskraft der Erde könne das Fahrzeug, das Urban "Magnet-Car" nennt, durch diesen dritten Starkmagneten "flott vorwärtsrollen", bestätigte Jens Urban in einem Gespräch mit der Wissenschaftsredaktion des Gründermagazins ppq.so. Die traditionsreichen Dessauer Junkerswerke, seit einigen Jahren eine Ofenfabrik und wegen der anhaltenden Klimakatastrophe seit längerem von Auftragsmangel geplagt, haben bereits Interesse angemeldet, eine Pkw-Variante des Magnet-Car (MC) zu bauen.

Der Viersitzer gilt als mitteldeutsche Antwort auf den Erfolgswagen "Tesla", kommt allerdings ohne externe Stromzufuhr aus. Das Fahrzeug soll unter dem Namen MC Nikola im kommenden Jahr bei den Händlern stehen.

Hier die alten, falschen Pläne der NSA, die Jens Urban überarbeitet hat:

Montag, 7. Juli 2014

Strei mir Sand in die Augen, Baby


Es ist die erwartete selbsterfüllende Prophezeiung: Kaum ist das bisher fast unbekannte "Recht auf Vergessen" durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes für gültig erklärt worden (hier geht es zum Antragsformular), schlagen die Hilfstruppen des Datenkraken-Imperiums zurück. Digitalität und Vergessen? Vergesst es! Eine bisher noch kleine und per Hand gepflegte Liste führt einige derjenigen auf, die sich aus den Suchergebnissen von Google haben streichen lassen. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis mit einem gehackten Script automatisch alle Löschungen im Netz auftauchen. Bald wird der "Antrag auf Entfernung aus den Suchergebnissen gemäß Europäischem Datenschutzrecht" eine Garantie dafür sein, entgegen der Intention für immer im WWW präsent zu sein.

Malerisch: Die Zukunft der Windkraft

Deutschland ist auf dem Weg zum Energieausstieg Weltmeister - doch auch andere Länder machen sich jetzt auf den deutschen Sonderweg ins Paradies. Hawaii etwa beginnt bereits, sich nach dem Verzicht auf Kohlekraftwerke, Atomstrom und Gasturbinen auch langsam von den landschaftsverschandelnden Windkraftgeneratoren zu entwöhnen. Einprägsame Bilder mit Hollywood-Appeal zeigen nun erstmals, wie schön eine negative Energiebilanz aussehen kann, wenn die nicht nachfragegerechte Erzeugung von Windstrom malerisch zu Ende geht.

Hawaii aber war auch in keiner guten Situation. Die Insel ist nur 16.625 Quadratkilometer groß und nicht die gesamte Fläche eignet sich zum Aufbau von Windräder. Der Flächenverbrauch der Windenergie aber ist so hoch, dass etwa New York zur Deckung seines Energiebedarfes jeden Quadratmeter von Connecticut brauchen würde.

Ein 770 Quadratkilometer großes Areal voller Windkraftanlagen kann zwar tatsächlich ein 1000-Megawatt-Atomkraftwerk ersetzen, um aber den Stromverbrauch der USA mit Windkraft zu decken, ist unter idealen Bedingungen eine Fläche von der Größe des Bundessaates Texas notwendig: 780.000 Quadratkilometer voller Windkraftanlagen, weil 100 Quadratmeter von mit Windkrafterzeugungsanlagen bebauter Fläche gerade mal ausreichen, ein oder zwei Glühbirnen brennen zu lassen.

Umgerechnet müsste Hawaii für seinen Strombedarf rund ein Fünftel seiner Landfläche mit Windmühlen vollstellen.

EU: Jetzt auch Tempolimit für Flugzeuge

Im Bereich des rollenden Verkehrs ist es bereits weitgehend durchgesetzt, auch viele Reeder setzen in der Krise auf die Kraft der Langsamkeit. Jetzt soll nach dem Willen der EU-Kommission auch der Luftverkehr seinen Beitrag zur Rettung des Weltklimas leisten und nur noch maximal 520 Kilometer pro Stunde fliegen dürfen. Nach einem entsprechenden Vorschlag von EU-Präsident Manuel Barroso, der mit Blick auf die Europa-Wahlen im kommenden Jahr neue Bewegung in die Rettung der Erderwärmung bringen will, votierte der Umweltausschuss im Europaparlament in Brüssel für entsprechende elektronische Geschwindigkeitsbegrenzer für kommerziell genutzte Luftfahrzeuge ab zu 3,5 Tonnen Gewicht. Flugzeughersteller müssten die notwendigen elektronischen Apparate ab 2014 einbauen. Sie sollen für einen niedrigeren Treibstoffverbrauch sorgen.

Bei einer Expertenanhörung hatten Spezialisten des Umweltbundesamtes zuvor dargelegt, dass die im zivilen Luftverkehr bisher geflogenen Geschwindigkeiten von mehr als 800 Kilometern in der Stunde das Weltklima über Gebühr mit dem Treibhausgas CO2 belasten. Derzeit stoßen große Zivilmaschinen im Durchschnitt bis zu 20.000 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Flugkilometer aus. Durch eine Senkung der Geschwindigkeit könne dieser Wert auf unter 15.000 Gramm gesenkt werden, ohne Strömungsabrisse zu riskieren. Der Luftverkehr soll damit ab 2014 nach dem «Luftraum-Ansatz» in das Emissionshandelssystem (ETS) der EU einbezogen werden, bis 2020 ein globaler Klimaschutz-Mechanismus in Kraft tritt. Damit bestätigte der Umweltausschuss ein Ziel, das die EU bereits mit einem Gesetz aus dem Jahr 2011 angepeilt hatte.

Positiver Nebeneffekt wäre überdies eine längere Luftzeit der einzelnen Maschinen der großen kommerziellen Anbieter. Der Flug von Berlin nach New York würde sich bei reduzierter Geschwindigkeit von neun auf bis zu 15 Stunden verlängern, Reisende wäre von Frankfurt nach Havanna nicht mehr 13, sondern 19 Stunden unterwegs und der Flug von Düsseldorf nach Sydney könnte nicht mehr nur 24, sondern 36 Stunden dauern. Dadurch wären viele Fluggesellschaften, so das Kalkül der EU-Kommission, gezwungen, zusätzliche Maschinen anzuschaffen, um ihre Flugpläne weiter bedienen zu können. "Wir sehen hier Potential für milliardenschwere Investitionen", hieß es in Brüssel.

Zur Erreichung des Senkungsziels können sich die Fluggesellschaften langsamer geflogene Kilometer künftig mehrfach anrechnen lassen und zwar mit dem Faktor 3,5 im kommenden Jahr und mit dem Faktor 1,3 zwischen 2018 und 2023. Dies soll die Firmen anspornen, möglichst langsam zu fliegen. Nach der Abstimmung im Umweltausschuss beginnen Vertreter von EU-Kommission, Parlament und EU-Staaten mit Verhandlungen über die Einführung des Tempolimits in allen EU-Ländern. Nach der Einigung können die neuen Vorgaben in einigen Monaten beschlossen sein, in Kraft treten soll die Regelung dann ab 1. Januar.

Sonntag, 6. Juli 2014

Verbot der Woche: Jetzt kommt das Durchblutungsverbot

Nach dem Bekanntwerden einer Studie von Forscher um Theodore Satterthwaite von der University of Pennsylvania in Philadelphia, die Unterschiede in der Hirndurchblutung von Jungen und Mädchen belegt, hat das politische Berlin schnelle gesetzliche Maßnahmen zur Lösung des Problems angekündigt. Es könne nicht sein, dass bestimmte Hirnregionen "besonders deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern" zeigten, wie die Wissenschaftler behaupten.

Eine Behauptung, diese Durchblutungsunterschiede könnten erklären, warum Frauen sozialer sind - aber auch häufiger an Depressionen oder Angststörungen erkranken, sei absurd. Der Vorwurf, das weibliche Gehirn werde in der Adoleszenz besser durchblutet als das männliche, müssten die Forscher umgehend zurücknehmen. Die Bundesregierung könne keine Differenzen bei der Anfälligkeit für psychische Erkrankungen zulassen.

„Durchblutung ist eine fundamentale Eigenschaft der Prozesse im Gehirn, und die Politik ist aufgerufen, sie Frauen und Männern gleichmäßig zuzugestehen“, hieß es in Brüssel, das ein Vorermittlungsverfahren gegen Deutschland in der Angelegenheit einleitet hat. Um dies durchzusetzen, wird im Rahmen der Aktion "Verbot der Woche" ein einheitlicher Blutstromwert für die verschiedenen Phasen der Pubertät vorgegeben. Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wie sie das Forscherteam ab der mittleren Phase der Pubertät gefunden zu haben behauptet, dürften damit damit künftig weder vorgewiesen noch gemessen werden.

Schwarzarbeit: SPD fordert Ende der Straflosigkeit

An Bekenntnissen mangelt es nicht. „Wir wollen entschlossen gegen Schwarzarbeit vorgehen“, heißt es im Koalitionsvertrag an mehreren Stellen. Doch viel konkreter sind Union und SPD bei ihren Verhandlungen nicht geworden.

Durch eine Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW), nach der das Volumen der Schattenwirtschaft in diesem Jahr gut 338 Milliarden Euro erreichen wird, gewinnt die Diskussion nun aber mächtig an Fahrt. Der Schaden durch Steuerhinterziehung beträgt im Vergleich dazu nach Angaben des Hamburger Tageblattes nur zwischen 100 Millionen und 100 Milliarden Euro jährlich.

SPD-Spitzengenossen wie die Vize-Parteichefs Ralf Stegner und Thorsten Schäfer-Gümbel dringen nicht nur auf eine Abschaffung der strafbefreienden Selbstanzeige, von der Schwarzarbeiter profitieren. Auch die Verjährungsfristen müssten schärfer gefasst werden, sagte Schäfer-Gümbel der Frankfurter Rundschau: „Schwarzarbeiter haben dadurch, dass der deutschen Justiz die Hände gebunden waren, jetzt auch noch einen wirtschaftlichen Ertrag. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben.“

Hauptforderung der SPD-Spitze aber ist die Abschaffung der Selbstanzeige, die bislang geständige Schwarzarbeiter vor Strafverfolgung schützt. „Das ist das Relikt einer feudalen Gesinnung“, wettert Stegner: „Das schützt in der Tendenz die Armenkriminalität.“

Auch Schäfer-Gümbel moniert, die Strafbefreiung verfolge einen falschen Ansatz: „Diese Möglichkeit muss oberhalb einer Bagatellgrenze fallen.“ Eine ähnliche Forderung hatte die SPD-Bundestagsfraktion schon vor drei Jahren erhoben, aber unter Schwarz-Gelb nicht durchsetzen können.

Im Bundestagswahlkampf wurde die Forderung aus Rücksicht auf Kanzlerkandidat Peer Steinbrück etwas abgeschwächt: Damals traten die Genossen nur mittelfristig für eine Änderung ein. Nun scheint sich die radikalere Position in der SPD durchzusetzen. Im Unterschied zur Steuerfahndung, die immer wieder vom illegalen Ankauf gestohlener Steuer-CDs profitiert, ist die Fahndung nach Schwarzarbeitern auf Hinweise von nachbarn angewiesen. Bei den meisten Schwarzarbeiter, die sich offenbarten, so Stegner, könne man „nicht von Reue reden, sondern von Angst vor dem Knast“. Auf die müsse der Gesetzgeber keine Rücksicht nehmen. Auch Schäfer-Gümbel sieht die SPD-Position durch die Studie Schwarzarbeit bestätigt: „Jetzt muss Herr Schäuble liefern.“


Bisher gilt Schwarzarbeit in Deutschland nicht als Verbrechen, sondern nur als Vergehen. Für den sich selbst Anzeigenden wird das mögliche Verfahren dadurch zur Formsache. Hat er zum Zeitpunkt der Schwarzarbeit soziale Leistungen bezogen, muss er diese Leistungen zurückzahlen, wenn es ihm wirtschaftlich möglich ist. Dazu kommt in einigen Fällen eine Geldstrafe.

Allerdings stößt die Forderung nach einem Verzicht auf die strafbefreiende Selbstanzeige bei Schwarzarbeit auch in der SPD auf Widerstand. „Wir brauchen volle Kassen, nicht volle Gefängnisse“, sagte der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl (SPD) unter Verweis auf die Millionen Schwarzarbeiter im Land. Ein klares Nein kommt von der Union. „Die Selbstanzeige ist weiterhin ein effektives Mittel, um an hinterzogene Steuern und Sozialabgaben heranzukommen“, sagte Fraktionsvize Ralph Brinkhaus. Bereits die schwarz-gelbe Koalition habe die Voraussetzungen für die Selbstanzeige nachhaltig verschärft. „Wir arbeiten weiter daran, den Missbrauch von Selbstanzeigen zu verhindern“, betonte Brinkhaus.

Modetrend Schwarzarbeit: Wie der Rechtsstaat missbraucht wird
Vorbild Steinbrück: Meine schwarze Putzfrau
Steinbrück: Meine Mutti wars


Samstag, 5. Juli 2014

Ai Weiwei: Im toten Herzen der leeren Städte


Er ist einer der größten Künstler der Gegenwart, ein Magier aller Materialien, ein Medienkünstler, den die großen Feuilletons lieben wie sich selbst. Der Chinese Ai Weiwei beschränkt sich nicht nicht nur auf die Widerspiegelung der Gegenwart in Bildern, Installationen und zusammengeknöpften Regenmänteln, sondern er verändert Wirklichkeit auch durch Beobachtung wie ein Quantenphysiker, der in Schrödingers Katzenkiste schaut und die possierliche Tier damit tötet oder aber zum Leben erweckt.

Tot ist auch der Osten Deutschlands, eine Region, die sich gemächlich entlang der "Straße der Gewalt" zieht. Hier wächst seit Jahren eine Kunst der besonderen Art, klein, billig und definitiv unverkäuflich. Naheliegend, dass Ai Weiwei, der aus den großen Städten des reiches der Mitte kommt, hier in der Randlage der früheren deutschen Mitte den Ort fand, eines seiner ehrgeizigsten Projekte bislang umzusetzen. Inspiriert von einem Start Up aus der Saalestadt Halle, das sich zum Ziel gesetzt hatte, sämtliche Straßen und Wege der früheren Metropole als hochauflösende Videofilme zu erfassen und ins Internet zu stellen, ehe das Google tut, schuf Ai zwischen 2011 und 2012 mehrere Langfilme über die fast völlig vom Verkehr entleerten Straßen Ostdeutschlands.

In den Filmen "Far East: The Empty Hearts of Cities" und "Newtown: Eternity Ring" fährt die Kamera die Straßen der Stadt Halle in Sachsen-Anhalt ab, ewig gleichförmig zeigen sich die menschenleeren Trottoirs, ewig leer sind die breiten Verkehrsschneisen, durch die nach den Plänen der sozialistischen Erbauer einst der neue Mensch hatte fahren sollen.

Geblieben davon sind unsichtbare Trümmer, Ideenmüllhalden, die in die Tiefe ragen, eben bis an jenes Herz der Stadt, das heute besiedelt wird von den finanziell kaum Begüterten, den Nicht-Wählern und Sympathisanten der Ränder. Ai klagt nicht an, der eifert nicht und enthält sich jeder Bewertung des fragwürdigen Sozialverhaltens der Bewohner der einstigen Neubauten, die heute weitaus älter sind als es die Neue Reichskanzlei in Berlin am Tag von Hitlers Tod gewesen ist. Ai Weiwei es erläuterte seine Filme als einen „fast mathematischen, un-emotionalen Weg, um die Ohnmacht der Menschen und die blinde Natur städtebaulicher Sanierung zu zeigen".

Unterlegt ist das epochale, immer wieder sich selbst rekapitulierende Filmwerk mit Musik der aus dem früheren Saalkreis stammenden Ego-Pop-Formation Eisenstuck, deren kontemplative Acoustic-Core-Komposition „Schweigen für den Augenblick / Schweigen für den Tag“ dieselben sechseinhalb Noten immer wieder Revue passieren lässt.

Pornoampel für Kinderfans

Ronny Müller ist praktizierender Sexualist und leitet eine Paarberatung für Pädophile in der Lausitz. Der 28-Jährige ist Mitbegründer des Präventionsprojekts "Sammelbild", das pädophile Männer mit Fotos behandelt. Nach der ersten Tagung des Edathy-Untersuchungsauschusses sprach PPQ  mit Müller über die Möglichkeit, kein Täter zu werden, trotzdem in der SPD zu verbleiben und über den Zwang für Pädophile, ihre Neigung öffentlich zu verstecken.

PPQ: Herr Müller, Sie betreuen Pädophile, die in großer Sorge vor ihren sexuellen Vorlieben leben. Wie helfen Sie denen, kann man Pädophilie denn heilen?

Müller: Heilung ist ein Marketingbegriff der Medizinindustrie. Weniges lässt sich heilen im Sinne von gesundmachen. Die sexuelle Präferenz eines Menschen – also ob er Frauen, Männer oder Kinder erregend findet – ist leider ja Bestandteil der Persönlichkeit. Und Persönlichkeitsmerkmale bleiben über die Lebensspanne weitgehend stabil. Gedanken und Empfindungen aus einem Menschen herauserziehen zu wollen ist also im Fall von Pädophilen ein gesellschaftlich zwar gewünschtes, aber kein realistisches Therapieziel. Wir unterstützen Pädophile lieber dabei, ihre sexuellen Fantasien nicht in die Tat umzusetzen.

PPQ: Welche Rolle spielen dabei Fotos? Sammelbilder, wie wir sie von Herrn Edathys Fotobeichte kennen?

Müller: Solche Aufnahmen spielen eine ganz große Rolle. Betroffene müssen als Erstes lernen: Ausleben der Sexualität mit Kindern fällt aus. Für immer. Das müssen die Patienten akzeptieren. Wer seine Sexualität nicht ausleben kann, sucht nach Ersatz – etwa in Form von Bildern oder Videos. Dabei tauchen Fragen auf: Was ist noch erlaubt, was verboten?

PPQ: Und Sie empfehlen Pädophilen, sich Darstellungen nackter Kinder anzusehen, die nach dem deutschen Strafrecht nicht als Kinderpornografie gelten? Das gleicht einer Therapie für Alkoholiker, bei der die Betroffenen sich volle Flaschen anschauen. Kann das funktionieren?

Müller: Wir empfehlen gar nichts. Die meisten suchen im Internet ohnehin danach und geraten in ein Dilemma. Wir haben daher ein Ampelsystem entwickelt, das helfen soll, dass pädophile Männer keine Kinderpornografie konsumieren und dadurch straffrei bleiben. Grün steht für unverfängliche Fotos von Kindern, die nicht mit dem Ziel gemacht wurden, sexuelle Erregung hervorzurufen. Gleichwohl werden viele Pädophile schon beim Betrachten dieser Bilder erregt und die SPD strengt dann in Einzelfällen auch Ausschlussverfahren an, um die Betroffenen zu ächten und auszumerzen.

PPQ: Dabei geht es um welche Art von Fotos?

Müller: Dazu zählen Bilder aus Wäschekatalogen, Fotos aus dem Schwimmbad oder Urlaubsvideos vom FKK-Strand, die ohne sexuelle Motivation aufgenommen wurden, und deren Besitz und Verbreitung im Moment noch nicht strafbar und eigentlich auch nicht unvereinbar mit einer Mitgliedschaft in politischen Parteien ist.

PPQ: Und was ist dann Gelb nach dem Ampelsystem?

Müller: Erotikfotos und -filme, die Jungen und Mädchen leicht bekleidet oder nackt in erotischen bis sexuell aufreizenden Posen zeigen, das sogenannte Erotic Posing. Bei Gelb sind wir aber schon in einem Problembereich. Genau wie im Straßenverkehr: Wer bei Gelb nicht vom Gas geht und bremst, der läuft Gefahr, rot zu sehen.

PPQ: Und was wäre rot?

Müller: Die rote Phase ist dadurch definiert, dass Kinder durch die Fokussierung auf Genitalien und sexuelle Handlungen in pornografischer Weise dargestellt werden und es sich damit um die Dokumentation von sexuellem Kindesmissbrauch handelt. Das ist es, was umgangssprachlich als Kinderpornografie bezeichnet wird.

PPQ: Sie glauben, wenn alle Pädophilen nur grüne Bilder nutzen würden, wäre alles in Ordnung?

Müller: Naja, selbst wer versucht, nur unverfängliche Bilder aus dem Netz zu laden, unterstützt die Pornografie-Branche. Meist werden von denselben Kindern ganze Strecken fotografiert, die nach unserem Ampelsystem bei Grün anfangen, über Gelb weitergehen und bei Rot aufhören. Und für letztere werden Kinder sexuell missbraucht. Warum der Markt so funktioniert? Weil jede der drei Kategorien eine spezielle Kundschaft hat.

PPQ: Aber werden Pädophile nicht erst an harte Darstellungen von Sex mit Kindern herangeführt wie Rechte ja auch durch Musik als Einstiegsdrohe zu Nazis werden? Es ist doch denkbar, dass jemand, der mit grünen Sachen anfängt, eine zunehmend höhere Dosis braucht, um erregt zu werden und immer drastischere Darstellungen sehen will?

Müller: Darüber streiten Forscher seit Jahrzehnten – es ist derselbe Streit, der auch um die Auswirkungen von Gewaltvideospielen geführt wird. Bauen solche Spiele Aggressionen ab oder führen sie zu Gewalttaten? Rein zahlenmäßig geht der Trend eher zu Letzterem, also wenn man alle Studien nach ihren Thesen ordnet. Der Konsum von gelben Posing-Bildern könnte die Impulse von Pädophilen steigern, schließlich auch Kinderpornografie zu konsumieren. Aber genau weiß man es nicht.

PPQ: Aber dann müssten Sie die Betroffenen doch davon abbringen, so etwas anzuschauen, anstatt es noch zu unterstützen?

Müller: Aber das kann ja eben niemand!  Wir unterstützen die Leute darin, ihren  bestehenden Konsum nach dem Ampelsystem zu ordnen. Darstellungen von Kindern, die baden, am Strand rumlaufen oder in Wäschekatalogen gezeigt werden, bilden normale Alltagsrealität ab, so etwas sehen wir alle also sowieso dauernd. Werden jedoch Kinder dazu angehalten, erotische Posen einzunehmen, kann das schon ein Verlangen auslösen, mehr sehen zu wollen. Deshalb trainieren wir mit den Patienten, sich nur im grünen Bereich zu bewegen. Schon wenn es in Richtung Gelb geht, sollte derjenige alarmiert sein. Deswegen heißt Gelb in der Ampel: Achtung! Potenzielle Gefahr für Kinder und für mich! Risikoverhalten, auf der Schwelle zum Problemverhalten! Wenn Du in der SPD verbleiben willst, musst Du jetzt aufhören!

Freitag, 4. Juli 2014

Gesänge fremder Völkerschaften: Am großen Rad

Eine "Mother I´d like to fuck" will sie sein, die US-Amerikanerin Tori Amos, die seit 25 Jahren in einer Liebesbeziehung mit einem Bösendorfer-Flügel lebt. "I I I am a M-I-L-F don' you forget, M-I-L-F don' you forget, M-I-L-F don' you forget" singt sie in "Big Wheel", einem Hit, der schon wieder so lange her ist, dass ganze Generationen von selbstbewussten jungen Sängerinnen seitdem gekommen und gegangen sind. Amos, das Wallekleid noch immer türkis, das Haar flammend rot und die Absätze spitz, ist immer noch da, 50 inzwischen und ohne die Geschmackskompromisse, die die Sängerin aus North Carolina früher gemacht hat.

Es geht ihr nicht mehr um den einzelnen Song, sondern mehr oder weniger um Songsammlungen, aus denen größere Geschichten ersteigen. Die erzählt sie mit einer Feenstimme, schuneklnd auf den Flügeln fragiler Melodien, die nicht immer gleich erkennbar sind, weil Tori Amos auf den meisten Zierrat, der frühere Platten umgab, längst verzichtet. Ob aus künstlerischen oder Kosten-Gründen ist unklar, aber zumeist sitzt sie allein auf der Bühne, häufig seitwärts zwischen Flügel und E-Piano geklemmt, und spielt auf zwei Instrumenten gleichzeitig zu einem Lied.

Zirzensisch, aber natürlich bedeutungslos, was die Frau aus North Carolina offenbar aber nur anstachelt. Ihre Lieder sind ein langer, ruhiger Fluss, die Texte ein Schwall an verrätselter Bedeutsamkeit. Don't you throw that shade on me, I've been drinkin' down your pain, gonna turn that whiskey love into rain and wash it away", singt sie zu einem schon eher zackigen Beat, den die Stöckelschuhe stampfen. Glücklich ist, wer nicht vergisst, wo hier mitzusingen ist.

WM 2014: Siegeszug der No-Name-Trikots

Überall ist vom Zweikampf der Sportgiganten Nike und Adidas die Rede, von Milliardenschlachten und Ausrüstermillionen, die die beiden Riesen in die Fußball-WM stecken, um ihre Umsätze von spektakulären Erfolgen pushen zu lassen. Zehn Mannschaften stattete Adidas aus, zehn tragen den Nike-Swoosh auf der Brust und immerhin acht wurden mit viel Geld gezwungen, die viel zu engen Trikots der ehemaligen deutschen Lifestyle-Marke Puma anzuzwängen. Mit jeweils einem Team treten noch weitere fünf eher unbekannte Ausstatter an: Burrda Sport, das 2007 mit Geldern aus Katar gegründet, setzt auf Belgien, Lotto vertraut auf Costa Rica, Ecuador hat Marathon, ein 1988 gegründetes ecuadorianisches Unternehmen, Uhlsport und Joma kleideten den Iran und Honduras ein.

Eine Zwischenbilanz nach der Viertelfinalrunde zeigt nun, wie verheerend die Puma-Strategie der knallengen Leibchen offenbar wirkte. Die Zahlen lügen nicht: Während Adidas und Nike je ein Drittel seiner Teams in die Viertelfinales brachten, gelang das Puma mit keinem einzigen Partner.

Noch schlimmer: Damit ist der drittgrößte Sportkonzern schlechter als die No-Name-Marken, die mit Belgien und Costa Rica immerhin zwei ihrer fünf Teams in die Runde der letzten Acht retteten. Zwei von fünf Teams sind satte 40 Prozent – und bei halbem Einsatz zwei Drittel des Ertrages, den die beiden Giganten erwirtschaftet haben. Es sind zudem 40 Prozent mehr als als Puma schaffte, das trotz riesigem Aufwand mit leeren Händen in die spannendste Phase des Turniers geht.

Für die Nummer 3 auf dem Weltsportmarkt ist die WM in Brasilien ein Desaster, das sich nur durch die absurde Entscheidung der Herzogenauracher erklären lässt, in eine feucht-warme WM mit strumpfhosenengen Leibchen zu gehen. Schon bei der letzten EM hatte der traditionsreiche Sportartikelhersteller mit dieser Strategie Schiffbruch erleiden. Seine nach immerhin rund 100 Jahre andauernden kostspieligen Material-Forschungen angebotenen Fußballtrikots waren dermaßen vollgesaugt mit Spielerschweiß, dass ein Sprecher von Adidas mutmaßte: „Da ist bei den Kollegen mit dem Feuchtigkeitsmanagment irgendwas schief gegangen".

Die internationale Regie der Fifa hat in der letzten Phase der WM vorsorglich darauf aufgepasst, nur ja keine Teams des gleichen Ausrüsters gegeneinander in die Viertelfinals zu schicken. So stehen sich jetzt mit Frankreich und Deutschland sowie Brasilien und Kolumbien je zweimal Adidas und Nike gegenüber, während in den anderen beiden Spielen die Adidas-Mannschaft Argentinien mit der Burrha-Truppe Belgien und Nike-Partner Niederlande mit den Marathon-Männern von Costa Rica zu tun bekommen. Nach der Papierform obsiegen Adidas und Nike hier je zweimal, im Halbfinale dann treffen jeweils wieder nicht Adidas-Mannschaft auf Adidas-Mannschaft, sondern immer Nike auf Adidas.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Mindesthürde für Rand-Demokraten

„Europa muss Extremisten die Stirn bieten“ findet Außenminister Walter Steinmeier und schreibt in der FR dann flockig über „die Gefahren des Populismus“ und seine liebsten Rezepte dagegen: Europa brauche eine „Hürde gegen Populisten“ und ein Gremium, das sie entlarve, findet der gescheiterte Kanzlerkandidat der SPD. zu lästig ist die politische Konkurrenz, zu mühsam die Überzeugungsarbeit, wenn auch die andere Seite mitreden darf.

Das geht auch einfacher, meint Steinmeier, der in Europa klare Fronten sieht: Einerseits sind das die „demokratischen Parteienfamilien “mit ihren „klaren Mehrheiten“. Und andererseits „so viele rechtsextreme Abgeordnete“ die sich „breitmachen“. Zehn Prozent sollen es sein, hat Steinmeier ausgerechnet, dabei zählt er fröhlich Rechtsextremisten und Populisten zusammen, denn wer „den Weg europäischer Integration ablehnt“, kann so viele Mandate bekommen wie nie zuvor, für den Sozialdemokraten ist er selbst dann noch ein Extremist, wenn seine Ansicht die einer Mehrheit der Bevölkerung ist.

Schuld, so Steinmeier, ist der Wegfall der Dreiprozentklausel. Der hat einen Aufwuchs an „Splitterparteien ohne seriöses politisches Programm“ zur Folge, lauter „Kleinstgruppierungen“ geraten ins Parlament, wo sie den ernsten und echten Parteien des demokratischen Blocks das leben schwer machen. Walter Steinmeier versteht das. Aber jetzt, „wo der härteste Teil der wirtschaftlichen Krise hinter uns liegt und sich überall wieder zarte Pflänzchen von Wachstum und Aufschwung zeigen, müssen wir in Europa den berechtigten Erwartungen der Menschen gerecht werden und hart dafür arbeiten, neues Wachstum anzuregen, Arbeitsplätze zu schaffen und den Menschen Perspektiven aufzeigen“, schreibt er. Das gehe natürlich nicht, wenn den Gestaltern des Europa von Morgen dauernd Andersdenkende dazwischenwuseln.

Was Europa brauche, sei deshalb eine „gesamteuropäischen Mindesthürde für den Einzug ins Europaparlament“, die alle ausschließe, die nicht zu allen politischen Fragen eine glasklare und mit dem SPD-Programm abgestimmte Antwort habe. „Ich kann nicht erkennen, wie der Einzug kleiner Splitterparteien, zumeist nicht mehr als ‚Ein-Themen-Bewegungen‘ die Repräsentativität des politischen Spektrums eines Landes erhöht“, gesteht Steinmeier. Ein Ausschluss aller Parteien, die klein oder anderer Ansicht seien als die SPD könne die europäische Demokratie und die Legitimität des Europäischen Parlaments stärken. Ein Zurück gebe es nicht, denn es gehe „um die Verteidigung unserer europäischen Grundwerte: Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Demokratie und der Schutz von Minderheiten“.

Für den Frieden: Ukrainische Armee greift wieder an

Das ist nur konsequent. Nachdem Russlands Diktator Wladimir Putin ein von der Nato gesetztes Ultimatum zur Schaffung von Frieden in der Ukraine hat verstreichen lassen, sind die Truppen des Bündnisses erneut gegen Stellungen der Rebellen im Osten des Landes vorgegangen. Die "lange erwartete Offensive" (Deutsche Welle) diene dazu, Frieden zu schaffen, teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit. Zuvor hatte Merkel Putin demonstrativ aufgefordert, binnen 72 Stunden für Ruhe in seinem Nachbarland zu sorgen. "Wir erwarten in den nächsten Stunden Fortschritte", sagte sie in Berlin.

Der Despot aber weigerte sich beharrlich - und muss nun mit den Konsequenzen leben. Der ukrainische Parlamentspräsident Oleksandr Turtschynow, ehemals in der Propagandaabteilung des Komsomol tätig, kündigte eine neue "aktive Phase" des Einsatzes der Truppen gegen "Terroristen" an. Dazu gehörten schweres Artilleriefeuer und Luftangriffe auf die Städte Lugansk und Donezk, wo sich immer noch Zivilisten verschanzt haben sollen.

EU und Nato flankieren die neue Offensive im Osten dabei erneut mit harten Sanktionen. So hat sich Frankreich entschlossen, zwei hochmoderne Hubschrauber-Träger vom Typ Mistral an Russland zu verkaufen. Der Kaufpreis von 1,2 Milliarden Euro werde ein Loch in die durch das strenge Vorgehen der Verbündeten ohnehin strapazierte russische Staatskasse reißen, hieß es in Paris.

Gleichzeitig gelang es den um Unabhängigkeit von russischem Erdgas ringenden EU-Ländern, Russlands Staatskonzern Gazprom erneut mehr Gas abzukaufen als im Vorjahr. Von Januar bis Juni seien 82,88 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa geliefert worden, erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller. Seinen Angaben zufolge waren das 2,8 Prozent mehr als im Jahresvergleich - "obwohl 2013 bereits ein Rekordjahr war", wie Miller betonte.

Damit sei Russland nun noch abhängiger von den Gaszahlungen der Europäer, hieß es in Berlin und Brüssel. Verweigere Putin weiter eine Einmischung in der Ukraine, müsse er mit weiteren Konsequenzen rechnen, die ihn hart treffen könnten.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Fremde Federn: Als Ost und West noch zusammen sangen


Wenn Willy Wimmer (CDU), früher Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, bei den Nachdenkseiten kommentiert, ist die Welt aus den Fugen. Und wenn das, was der Kopf hinter den Truppenabzugs-Verhandlungen mit der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre sagt, dann auch noch vernünftig klingt, sollte das dokumentiert werden:


Ist es wieder soweit, in Europa wie 1914 gegenüber Serbien mit Ultimaten zu kommen? Russland, so die Europäische Union habe binnen 72 Stunden sich auf substantielle Verhandlungen über den „Friedensplan“ des ukrainischen Präsidenten einzulassen. Und wenn nicht, wird dann ab 5.45 Uhr zurückgeschossen? Man hat den Eindruck, dass die Europäische Kommission und der Europäische Rat in Brüssel, vertreten durch die vorgenannten Herren, völlig durchgeknallt sind und den Kontinent absolut ins Elend stürzen wollen. Man muss nicht Ypern mit seinen bis an den Horizont reichenden Gräberfeldern besuchen, um das Verhängnisvolle dieser Sprache und dieser Haltung herauszufinden. Es ist gerade mal 15 Jahre her, dass man seitens der NATO diesen Weg „erfolgreich“ beschritten hat, indem man über die sogenannten „Verhandlungen“ im französischen Rambouillet die Bundesrepublik Jugoslawien unter allen Umständen und Bruch der sogenannten „Wiener Übereinkommen“ zu internationalen Verhandlungen nötigen wollte, um einem NATO-Diktat über den Durchmarsch durch Jugoslawien zu entsprechen. Damit Belgrad das auch richtig verstehen sollte, hatte die NATO dazu Planungen vorgelegt, die denen von Adolf Hitler gegenüber Jugoslawien aus dem zweiten Weltkrieg bis ins einzelne entsprochen haben. Rambouillet war – und das wissen wir heute zu genau – nur der Vorwand zum Krieg, der wenige Wochen später mit Bomben auf Belgrad folgen sollte. Beim Jugoslawien-Krieg hatte man seitens der NATO noch den schändlichen Umweg über die Toten von Racak eingelegt, die man unbedingt durch den verhängnisvollen amerikanischen OSZE-Repräsentanten William Walker in Pristina den Serben in die Schuhe schieben wollte.

Sind jetzt die angestrebten Wirtschaftssanktionen der Zwischenschritt, bevor es wirklich knallt? Reicht den USA nicht, was sie in Irak, Syrien und dem gesamten Mittleren und Nahen Osten bereits angerichtet und mit einer gewaltigen Lunte versehen haben? Muss der Krieg gegen Russland her? Nach dem Olympia-Krieg Georgiens gegen Russland muss man den Eindruck haben, dass im Schatten internationaler Sportereignisse losgeschlagen werden soll. Wird jetzt durch das politische Europa die völlige Umkehr des olympischen Geistes betrieben, nachdem während solcher Ereignisse wie derzeit in Brasilien Frieden und friedliche Gesinnung zu herrschen habe?

Und warum Ultimatum an Russland und warum Wirtschaftssanktionen? Warum geht die Bundeskanzlerin nicht hin und macht vor dem „Deutschen Bundestag“ ihren „Fall“? Warum – und da gehört es hin – sagt sie nicht den Damen und Herren im Plenum des deutschen Parlamentes und damit der deutschen Öffentlichkeit, wo sie die Gründe sieht, die ein derartiges Verhalten gegenüber einem europäischen Nachbarn rechtfertigt, der uns Deutschen vor 25 Jahren den Weg zur staatlichen Einheit unserer Nation gewährt hat? Was – in Gottes Namen – geht eigentlich in einer Bundeskanzlerin vor, die ihren Eid auf das Wohlergehen des deutschen Volkes abgelegt hat? War es nicht ihr Wankelmut, der vor gut zwei Jahren unter einem fadenscheinigen Vorwand ein Assoziierungsabkommen mit der Ukraine verhindert hat? Nur wegen der Dame mit blondem Haarkranz, die die meisten Deutschen nicht in der Rolle sehen wollen, auch nur den geringsten Einfluss auf unsere deutschen Belange nehmen zu können? Die Frau Bundeskanzlerin nimmt offenkundig den administrativen Weg über Brüssel, um dem deutschen Volk nicht die Wahrheit zu sagen und uns allen Rede und Antwort zu verweigern.

Wir sind schon daran gewöhnt, dass der NATO-Generalsekretär in übelster Weise herumplärrt und gegen Russland bei jeder sich bietenden Gelegenheit „hetzt“, denn anders kann man seine Darstellungen nicht bezeichnen. Wenn es Dinge gibt oder geben sollte, die wegen des russischen Vorgehens an der ukrainisch-russischen Grenze nachfragbedürftig sein sollen, stellt sich nur eine Frage: Warum geht die NATO, warum geht die EU, warum gehen die Bundeskanzlerin und der Bundesaußenminister nicht in die dafür vorgesehene OSZE? Da lobt man sich doch die Briten, die ihren neuen Weg als Außenposten Europas zeitgleich ebenfalls öffentlich gemacht haben. Brüssel trommelt für Wirtschaftssanktionen und damit für eine steigende Kriegsgefahr in Europa, Cameron lässt zeitgleich Verträge zwischen BP und der russischen Rosneft im gigantischen Milliardenbereich unterschreiben. Natürlich wird das weder London noch die Washingtoner Befehlsgeber daran hindern, das Europa der Europäischen Union weiter ins Verhängnis zu treiben. Nichts anderes ist das heutige EU-Ultimatum an Russland.

WM der Rassisten: Blockwarte im Fanblock

Schlimme Bilder aus Brasilien: Rassisten zeigen unbehelligt White- und Color-Facing.

+++Warnung: Dieser Artikel dokumentiert rassistische und diskriminierende Entgleisungen während der Fußball-WM. Deshalb enthält er an einigen Stellen rassistische und gewaltvolle Sprache+++


Whitefacing, ein Flitzer mit einer Telefonnummer auf der Brust, mehr als ein Captian America auf der Tribüne – kehrt bei dieser WM der offene Rassismus in die Fußballstadien zurück? Ein Interview mit Claudia Kromizsch vom Anti-Rassismus-Netzwerk "Fare", das PPQ-Gebärdendolmetscherin Frauke Hahnwech aus dem Korrekten übersetzt hat.

Frage: Claudia Krobitzsch, Sie engagieren sich im Netzwerk „Fußball-Aufpasser retten Entsetzen“ – kurz „Fare“. Bei den Spielen Deutschland gegen die USA und Belgien-USA traten Fans als „Captain America“ auf, eine Propaganda-Figur, die einst erfunden wurde, um die Amerikaner in den Weltkrieg gegen Deutschland zu treiben. Ist das wieder trauriger Alltag bei Spielen der US-Elf?

Krobitzsch: Captain America war lange nicht mehr zu sehen. Das hatte für mich ebenso eine neue Dimension wie die ghanaischen Fans, die sich vor dem Spiel gegen Deutschland mit weißer Farbe anmalten. Diese Praxis erinnert an das Whitefacing, ein Stilmittel des Theaterschauspiels mit Ursprung im Italien des Mittelalters, das sich rassistischer Stereotype bedient und mit dem sich weißgeschminkte Männer als Weißclowns zum Gespött machen mussten.

Frage: Sie haben die Fifa auf beide Vorfälle hingewiesen und auch das Foto von den Captain Americas an den Verband geschickt. Was ist darauf Entsetzliches zu sehen?

Krobitzsch: Die Männer in Captain-Kostümen waren während der Hymnen zu sehen. Es handelt sich dabei offenbar um Amerianer oder deutsche Amerika-Fans, wir konnten sie jedoch keiner bestimmten Fanclub-Gruppe zuordnen. Wer Hinweise zur Identifizierung hat, kann sich bei uns melden.

Frage: Beim Spiel gegen Ghana stürmte zudem ein Mann aufs Feld, bei dem nicht ganz sicher ist, welche Botschaft er vermitteln wollte. Ist das nicht total schlimm?

Krobitzsch: Der Flitzer soll ein Pole sein, der davon spricht, dass er nur seine Telefonnummer und E-Mail-Adresse auf den Bauch gekritzelt hat – dummerweise mit den Kombinationen HH, 44 und CC, also mit Codes, die häufig in Hamburg, als Vorwahl für Großbritannien und bei Versenden von Emails verwendet werden. Mehr können wir dazu bislang noch nicht sagen, denn wir haben weder versucht, ihn anzurufen, noch ihn anzumailen. Wir brauchen ihn ja als schreckliches Beispiel, das können wir uns nicht kaputtrecherchieren. Aber schlimm ist das schon.

Frage: Diskriminierende Botschaften sind beim Fußball offenbar kein rein amerikanisches Problem. Jeder diskriminiert jeden. Wurden Sie auch über Vorfälle aus anderen Stadien informiert?

Krobitzsch: Wir haben auch Franzosen oder Belgier gesehen, die sich schwarz angemalt haben. Nigerianer traten weiß auf, Brasilianer grün und Kroaten hatten sich rot angemalt, vermutlich, um Indianer zu imitieren, wie wir glauben. Wir nennen die Betroffenen indigen und haben vollen Respekt dadurch. Wir würden Klagen auf Entschädigung unterstützen. Bei Spielen Mexikos wurde der gegnerische Torhüter mit homophoben Rufen („Puto“, Stricher, d. Red.) beleidigt, also wenn er es hat hören können im Stadionlärm, dann müsste er sich beleidigt gefühlt haben, glauben wir. Besonders grauenhaft ist zudem das Foto eines offenbar kolumbianischen Fans, der mit einem Umhang voller Hakenkreuze ins Stadion gelangte, die in den meisten Ländern der Welt als Glückssymbole gelten, obwohl Hitlers Laufbahn ja gezeigt hat, dass sie gar kein Glück bringen.

Frage: Müssen wir uns Sorgen machen? Gelangt Hitler vielleicht über diese zehn oder 200 Rassisten unter den Millionen Zuschauern in den WM-Stadien schon bald wieder an die Macht?

Krobitzsch: Ich würde nicht sagen, dass die Rassisten mehr geworden sind. Sie sind dank unserer engagierten Werbearbeit für sie nur sichtbarer geworden. Jede Anklage von uns, dass da jemand eine Telefonnummer gezeigt, einen Umhang getragen oder verbotene Schminke verwendet hat, bietet den Rassisten einen neuen Kanal zum Publikum, das ja zwischen den einzelnen Spielen kaum etwas zu tun hat.Dann beschäftigt es sich damit.

Frage: Seit einigen Jahren dokumentiert Ihre Netzwerkorganisation „Fare“ solche Verfehlungen, um an Fördermittel heranzukommen. Es gibt allerdings den Vorwurf, dass Sie selbst etwa deutschsprechende Menschen diskriminieren, indem sie ihnen den Zugang verwehren. Warum tun sie das genau?

Krobitzsch: Das Fare-Netzwerk hat vor einigen Jahren ein sogenanntes Monitoring-Programm entwickelt. Bei der EM 2012 haben wir pro Spiel zwei Mitarbeiter ins Stadion geschickt, die so kostenlos Fußball schauen konnten. Danach haben sie dann im Blockwart-Stil detaillierte Beobachtungsprotokolle angefertigt und samt Fotos oder Videos von Tätern und möglichen anderen auffälligen Personen an die Uefa geschickt. Dass wir unsere Ergebnisse nicht auf Deutsch anbieten, hat damit zu tun, dass uns gegenseitiger Respekt so wichtig ist. Da hat Deutschland zuerst einmal eine Bringepflicht.

Frage: Reagiert die Fifa auf Ihre E-Mails?

Krobitzsch: Wir schicken unsere Reports an die Social-Responsibility-Stelle des Verbandes und bekommen auch Feedback. Meistens in Form von „Ihre Mail wurde am soundsovielten ungelesen gelöscht“. Aber wenn der Verband bei der jetzigen WM gemäß seiner Null-Toleranz-Politik oder dem Credo „No to racism“ handelt, führt eigentlich kein Weg an Konsequenzen für den Reichskriegsflaggenhalter vorbei. Die Reichskriegsflagge ist zwar nicht einmal in Deutschland verboten und in Brasilien ist sie es schon gar nicht. Aber das muss man den Medienarbeitern, die für uns als Treibriemen in die Öffentlichkeit fungieren, ja nicht aufs Brot schmieren.

Frage: Im Gegensatz zur EM 2012 sind Sie mit Ihren Mitarbeitern dieses Mal nicht in den Stadien. Wieso?

Krobitzsch: Wir haben der Fifa ein Angebot gemacht, dass wir Beobachter nach Brasilien schicken, doch wir erhielten keine kostenlosen Karten.

Die Anmerkung ermittelt wegen Whitefacing

Dienstag, 1. Juli 2014

Comeback des Schulzomaten: Technische Demokratie

Warum denn nicht wieder so? Schon als Martin Schulz, ein ehemaliger Buchhändler aus Würselen, zum ersten Mal nach der Macht und üppigen Tagegeldern in Europa griff, besprach seine sozialdemokratischen Hintermänner den Coup vorab im Hinterzimmer: Nach einem geheimen Abkommen durfte seinerzeit zuerst ein konservativer Abgeordneter den europäischen Parlamentspräsidenten spielen. Nach der Hälfte der Amtszeit würde dann Schulz ganz demokratisch zur Ablösung schreiten und neuer Präsident des Parlaments werden.

Demokratie, wie sie in den Randbereichen der Realität üblich ist. Vorn auf dem Balkon zum Markt wettern Gestalten wie der deutsche SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel gegen eine Politik der Hinterzimmer. Sobald aber die Fernsehkameras ausgeschaltet sind, gilt ihre größte Sorge dem Umstand, dass andere ohne sie "technische Absprachen" (Schulz) im Hinterzimmer treffen könnten.

Die deutsche Sozialdemokratie wollte zeit ihrer Historie immer dabei sein, wenn Geschichte geschrieben wurde. Jetzt ist sie es: Weil die friedliche Teilung des Amtes des Parlamentspräsidenten zwischen den beiden großen Parteiblöcken der internationalen Front beim letzten Mal so gut geklappt hat, wird die vorab abgesprochene Ämterpatronage zwischen den Volksparteien nun zur Dauereinrichtung. Einziger Unterschied: Diesmal soll Schulz, eben noch EU-Wahlsieger von eigenen Gnaden, seinen Posten räumen, sobald er in zweieinhalb Jahren das nötige Alter erreicht hat, um unter Zuhilfenahme eines Minijobs als Zeitungszusteller in die inzwischen mögliche Rente mit 63 zu gehen.

Verbot der Woche: Schutzzonen für den Bionade-Adel

Günstige Mieten dank Privatisierungsverbot!
Mit einer neuen sozialpolitischen Maßnahme will die SPD die weitere Verarmung immer größerer Bevölkerungsteile verhindern. Ergänzend zu Mietpreisbremse soll Besitzern von Immobilien, die planen, Mietwohnungen zu errichten oder zu modernisieren, der Verkauf einzelnder Wohneinheiten verboten werden. Umwandlungen seien "der Brandbeschleuniger bei Verdrängungen", sagte der Berliner SPD-Chef Jan Stöß. Wo ein Mieter Wohnungsbesitzer sei, könne kein Mieter mehr mieten. Dies sei ungerecht.

Die Berliner SPD werde die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen deshalb im Rahmen der Aktion "Verbot der Woche" per Landesgesetz untersagen. Dazu würden Milieuschutzgebiete ausgewiesen, etwa in Bereichen, in denen der Bionade-Adel sich angesiedelt habe, aber auch dort, wo noch Reste der ostdeutschen Urbevölkerung leben. Es werde damit unmöglich gemacht, Mietwohnungen in Eigentum zu verwandeln.

Mieten ist seit Ede und Unku traditionelle Art, nach der SPD-Wähler leben. Auch der Mieterverein fordert deshalb seit Jahren ein Umwandlungsverbot. Das überaus erfolgreiche Wohnungsbauprogramm der DDR habe einst gezeigt, wie einheitlich Menschen in gleichartigen Mietwohnungen leben könnten.

Ein Umwandlungsverbot sei „ein sinnvolles Mittel“ nicht nur gegen Modernisierungen, sondern auch gegen die zunehmende Individualisierung, die zu einer Ausweitung der Schere zwischen Arm und Reich führe. im Kampf dagegen plant die SPD eine spätere Ausweitung des Privatbesitz-Verbotes auf hochwertiges mobiles Eigentum wie Fahrzeuge, technische Geräte und Garderobe. Es sei "nur sozial", wenn die deutsche Sozialdemokratie sage, "kein Mann braucht wirklich sieben Markenjeans und drei Northface-Jacken, keine Frau 22 Handtaschen und neben einem iPhone auch noch ein iPad". Hier könne geteilt werden, dadurch werde die "Gesellschaft ohne Mehrkosten ein Stück weit gerechter".