Montag, 22. Dezember 2008

Schäferlied für Vollidioten

Schäfer-Gümbel lässt es wieder krachen. Nachdem sein Kanzlerkandidat die kommende Machtübernahme durch die deutsche Sozialdemokratie, die Zahnfee als Gesundheitsministerin und die Bundespräsidentschaft des Weihnachtsmannes vorhergesagt hat, hat sich auch der hessische Spitzenkandidat einige Gedanken gemacht. Anschließend erklärte er dem Finanz-Fachorgan "Bild", dass er eine plane, alle Besitzer von mehr als 750.000 Euro zu verpflichten, zwei Prozent ihres Vermögens dem Staat zu überlassen - als Kredit zum Zinssatz von 2,5 Prozent.

Damit, so hat sich Gümbel mal so gedacht, könne "die Wirtschaft belebt werden". Derzeit reißen Anleger mit mehr als 750.000 Euro Vermögen und welche mit weniger dem Bund seine sicheren Staatsanleihen ja noch ganz ohne Zwangsverpflichtung aus den Händen - ein Unding, denn wenn der Staat jemanden mit Zwang zu etwas verpflichten kann, warum soll er dann hinnehmen, dass derjenige es freiwillig tut?

Richtig ist auch falsch

Jaja, Toyata. Alles richtig gemacht! Nicht wie die deutschen Autobauer auf "Spritfresser" gesetzt, die sich nur Reiche leisten können. Nicht wie die unfähigen Ami-Buden riesige SUVs gebaut, die nur in Ländern größer als der Kosmos überhaupt einen Parkplatz finden. Toyota zeigt der Welt, wie es geht, befanden zumindest deutsche Öko-Experten wie Sigmar Gabriel, ehemaliger Pop-Beauftragter der SPD und heute als Pate eines drei Meter großen Eisbären tätig.

"Wer die richtigen Autos baut, findet auch Abnehmer", tönt es von Greenpeace, deren Dienstwagen mit Wind über die Straßen segeln. Renate Künast, die Grünen-Chefin, der zu Ehren das Landwirtschaftsministerium in Verbraucherschutzministerium umbenannt wurde, plädierte dafür, dass deutsche Behörden überhaupt nur noch Autos von Toyota kaufen: Die fahren mal mit Benzin, mal mit Strom, sie stecken bis obenhin voller Schwermetallverbindungen, sie sind teuer, sie sind langsam, aber sie sind schick und irgendwie öko.

Die deutschen Kommunen aber haben nicht gehört auf die Werbesprüche der grünen Kenner. Sachsen-Anhalt kauft gerade erst wieder Volkswagen als Polizeiautos, die bayrische Staatsregierung ordert neue BMW. Und Toyota baut die richtigen Autos, sparsam, leise und schick. Doch zum zweiten Mal in sieben Wochen senkt der weltgrößte Autobauer jetzt seine Jahresprognose. Toyota stehe vor einer beispiellosen Notlage, teilte das Unternehmen mit. Operativ sei bis Ende März mit einem Minus von 1,7 Milliarden Euro zu rechnen.

Grund sei der ungebrochene weltweite Absatzeinbruch und die Stärke des Yen. Toyota erwartet nun für 2008/2009 nur noch einen weltweiten Absatz von 7,54 Millionen Fahrzeugen. Zuvor war von 8,24 Millionen Fahrzeugen ausgegangen worden.

Sonntag, 21. Dezember 2008

Noch mehr neue Dimensionen

Noch mehr neue Dimensionen, diesmal feministischer Gewalt gegen Polizisten: Bei einer Wohnungsdurchsuchung sind drei Polizeibeamte in Bremen von zwei Frauen mit Schlägen, Tritten und Bissen traktiert und verletzt worden. Eine 23-Jährige und ihre Mutter attackierten die Beamten, als diese die Wohnung der Tochter durchsuchen wollten.

Mit durchschlagendem Erfolg. Durch einen Tritt gegen den Brustkorb erlitt ein Polizist eine Prellung, wenig später brach der fienstsportgestählte Mann mit Atemnot zusammen. Eine Beamtin verletzte sich an beiden Händen, ein Kollege erlitt eine tiefe Bisswunde. Die 23-jährige Gewalttäterin stand unter dem Verdacht, Kleidung gestohlen zu haben. Gegen sie wird nun wegen Diebstahls und Widerstands gegen die Staatsgewalt ermittelt, gegen ihre Mutter immerhin schon wegen "Gefangenenbefreiung".

Glaube, Liebe, Hoffnung

Frank-Walter Steinmeier, SPD-Kanzlerkandidat und Schneeeule der deutschen Politik, hält es mitten in der Zeit der Zeichen und Wunder für möglich, dass seine Partei bei der Landtagswahl in Hessen im Januar und bei der Bundestagswahl im September stärkste Partei wird. Steinmeier ist überdies überzeugt, dass es den Weihnachtsmann wirklich gibt, der Heilige Geist über Franz Müntefring ausgegossen worden ist und die internationale Finanzkrise mit Hilfe eines NPD-Verbotes bekämpt werden sollte. Die Zeit rufe nach sozialdemokratischen Antworten, hat der Bundesaußenminister es darußen vom Walde her schallen hören.

Die "Marktradikalen" bei den deutschen Staatsbaken BayernLB, WestLB und LBBW hätten die Finanzkrise verursacht, er aber werde sofort nach seiner Wahl zum Bundeskanzler eine gerechte neue Wirtschaftsordnung schaffen, in der auch der Staat handlungsfähig sei und Sicherheit gebe. Dies könne geschehen, indem alle "Marktradikalen" unter Vormundschaft der Kreditanstalt für Wiederaufbau gestellt und alle "Rechtsextremisten" verboten würden. Diese Aufgabe könne die SPD am besten lösen, und das würden die Menschen erkennen, sagte Steinmeier. Deshalb sehe er direkt nach der Stillen Zeit ein neues sozialdemokratisches Jahrhundert anbrechen, wie es zuletzt unter Führung von Kanzler Gasgerd Schröder alle Menschen glücklich machte. Ein erster Schritt dazu müsse ein härteres Vorgehen gegen Rechtsextremismus sein Dass die rechte Szene glaube, "ungestraft Hakenkreuzflaggen bei Beerdigungen in Gräber legen zu können", sei zutiefst erschreckend. "Hier muss der Fahndungsdruck erhöht werden", rät der Kanzlerkandidat, der entschlossen scheint, sich nunmehr auch für Innenpolitik zu interessieren.

Samstag, 20. Dezember 2008

Siegen in Sachsen

Es gibt diese Minute kurz nach dem Schlußpfiff an diesem Abend im Leipziger Zentralstadion, in der alle aus Halle jubeln, als seien sie gerade Weltmeister geworden. Nur Michael Schädlich, der Präsident des Halleschen FC, geht allein ein Stück über den Rasen wie einst Franz Beckenbauer über den Rasen in Rom kurz nach dem WM-Endspielsieg 1990. Auf den Rängen kaspern sie ausgelassen nach dem höchsten Saisonsieg, nach einer Halbserie ohne Niederlage, nach einer Hinrunde, wie sie noch niemals eine Mannschaft des HFC besser gespielt hat. Schädlich aber ist ganz in Gedanken, er sieht nicht, er hört nichts. Bis schließlich seine Spieler an ihm vorbeidefilieren wie am Uefa-Chef, der die Champions-League-Trophäe austeilt.

Dabei ist es nur ein Vier zu Null in der Vierten Liga, nur ein weiterer Sieg auf dem Weg aus den muffigen Kellerzimmern des deutschen Amateurfußballs hinauf in die Etagen, in denen Luft zum Atmen ist und Geld genug, richtigen Fußball zu spielen. Aber die Mannschaft von Trainer Sven Köhler hat heute Abend hier im Zentralstadion bewiesen, dass es nicht nur Zufall ist, der sie, die Aufsteigertruppe aus dem Fußball-Armenhaus, an die Spitze der Regionalliga gebracht hat. Spielerisch ist die Elf aus gescheiterten Profis und ehrgeizigen Nachwuchsleuten auch bei den alten, heißgeliebten Feinden aus Leipzig zu keiner Offenbarung fähig. Aber mit Glück - schon in der zweiten Minute darf Kapitän Nico Kanitz einen an Ronny Hebestreit verwirkten Elfmeter verwandeln - und Einsatzwillen zwingen sie die Leipziger, die über weite Strecken schlechter wirken, in die Knie.

Lange sieht es indes nicht so aus, als könnte der Gast hier einen deutlichen Sieg landen. Halle führt und führt also seine größte Tugend vor: Einen Vorsprung verwalten und gelassen warten, was passiert. Das hat seit August nie mehr eingebracht als das 2:0 beim Aufstiegskonkurrenten Babelsberg, aber auch nie mehr gekostet als anderthalb Handvoll Unentschieden. Auch in Leipzig sieht es nach Wiederanpfiff so aus, als könnte der Sparflammenfußball nur als Flammenrückstoß enden. Ein paar Lok-Fans und ihre halleschen Kinder-Kollegen entzünden im HFC-Block bengalische Feuer, Schiedsrichter Kemptner unterbricht das Spiel, Getümmel auf den Traversen, Ratlosgkeit auf dem Platz. Nico Kanitz geht, um wenigstens symbolisch zu beruhigen, was sich bis hierher nicht von Strafen und nicht von Fördergeldern hat beruhigen lassen. Als es weiter geht, ist Halle kurzzeitig aus dem Rhythmus, ein Leipziger fällt im halleschen Strafraum - wieder Strafstoß.

Im Tor aber steht Darko Horvat, der Mann, der nach eigener Aussage ein Leben lang kein Elfmetertöter war. Und seit kurzem jeden Strafstoß hält, der auf sein Tor geschossen wird. So auch hier: Horvat, von den HFC-Fans beharrlich "Horvart" genannt, weil sich das besser auf "unser Torwart" reimt, taucht ins linke Eck und fängt sicher.

Die Partie ist entschieden, denn aus dem Spiel trifft Leipzig, das wissen die 5900 Zuschauer aus der ersten Hälfte, nicht einmal das leere Tor. Die Hallenser dagegen machen Tore, wo gar keine Chancen sind. Erst köpft Maik Kunze nach einer Ecke, die erst die zweite der Hallenser ist, während dei Anzeigetafel stolz vermeldet, leipzig habe bis hierher schon deren fünf gehabt. Danach dreht Sachsen noch einmal auf, doch von oben sieht das aus wie eine teure Limousine, die sich in weichem Boden festgefahren hat. Viel Getöse, es spritzt Schlamm, Trainer Dirk Heyne, von den Hallensern geheimnisvollerweise nicht mit "Heyne, heyne, hüte Deine dschweine" anfeuert, gestikuliert und brüllt. Aber die Karre sitzt im Schlamm, das bisschen, was auf sein Tor flattert, fängt der Horvat-Torwat mit einer Hand.

Auf der anderen Seite geht es leichter. Der für den rackernden und rennenden und sogar zweimal mitvoller Absicht aufs Tor schießenden Thomas Neubert eingewechselte Christian Beck holt sich einen langen Ball. Und legt ihn ungewohnt elegant per Bogenlampe über den bedauernswerten Sachsen-Keeper Lippmann ins Netz. 3:0 für Halle.

Sachsen Leipzig, vor zwei, drei Jahren noch auf dem direkten Weg in die erste Bundesliga und nun Kanonenfutter für Oberliga-Aufsteiger, ist noch gar nicht wieder bei der Sache, da folgt der letzte Teil der Hinrichtung. Maik Kunze fällt im Strafraum, als er nach zwei, drei Tänzel- und Meidbewegungen gar nicht mehr weiß, wohin mit dem Ball. Den nun folgenden Strafstoß schiebt diesmal Torsten Göhrke ins Netz. Zuschauer aus Leipzig sind jetzt nicht mehr in der WM-Schüssel, Gesänge nur noch aus der halleschen Kurve zu hören. Gesiegt haben sie hier zuletzt immer, nie aber so locker, leicht und hoch. Schieri Kemptner zeigt allerdings Gnade mit den geschlagenen Hausherren und erspart ihnen ein Debakel in der Nachspielzeit. Was Rot-Weiß trägt im Stadion, feiert den höchsten Sieg seit zwei Jahren dennoch, als bedeute er schon den Aufstieg. Das Wort nimmt natürlich keiner im weiten Rund in den Mund. Aber Michael Schädlich wird, in seinen langen, einsamen kurzen Sekunden unten auf dem Rasen, kein anderes gedacht haben.

Für Breitbildfernseher und Triumphgeheul optimiert:

Freitag, 19. Dezember 2008

Des Pudels Kernkraft

Die Kernkraft ist eine sehr sichere Technik, die Beschäftigten in den Anlagen dort sind kaum von Unfällen bedroht. Bei den alternativen, erneuerbaren Energien ist dies noch nicht in gleichem Maße gegeben. Hier gibt es Arbeitsplätze mit den meisten und folgeträchtigsten Unfällen, und es gibt die Möglichkeit für Unfälle mit erheblichen Opferzahlen. Sowohl in der Risikodebatte als auch in der Praxis besteht also Nachholbedarf. (meint Lutz Niemann in der Welt)

Bundesregierung plant schärfere Gesetze gegen Stollenklau

Zwei Kurierfahrer, ein 27 Jahre alter Deutscher und ein 35 Jahre alter Pakistani, haben laut Staatsanwaltschaft inzwischen gestanden, am 10. Dezember ein an den Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“ adressiertes Paket in einer Sammelstelle in Mainz an sich genommen, aufgerissen und über den Inhalt, einen Stollen, hergefallen zu sein.

Sie zogen das Etikett von dem ramponierten Päckchen und klebten es auf eine Lieferung an die Landesbank Berlin - auf eben jenes Paket, in dem sich unter anderem mehr als 900 so genannte Microfiches mit tausenden Kreditkartenabrechnungen und acht Briefe mit Pin-Nummern befanden.

Die Kurierfahrer, angestellt bei einem Subunternehmen des eigentlichen Vertragspartners der Landesbank, mischten die Sendung unter die anderen und spielten der „Rundschau“ damit unbewusst ein Beweismittel zu, das, nachdem es in der Redaktion geöffnet worden war, hohe publizistische Wellen schlug.

Alter Schwede

Zehntausend wegen der Finanzkrise verzweifelte Bürger Lettlands haben per Petition um eine Invasion aus Schweden vom anderen Ufer der Ostsee gebeten. In der Internet-Bittschrift heißt es: "Wir, die Bürger von Lettland, möchten Schweden bitten, Lettland zu besetzen. Wir würden gerne schwedische Bürger werden, und werden uns an die Gesetze des Landes halten." Dafür hoffe man im Gegenzug auf die gleichen Rechte wie dortige Bürger.

Als Hintergrund gelten die massiven Folgen der Finanzkrise in dem kleinen baltischen Staat mit explodierender Arbeitslosigkeit, einer Inflationsrate von 15 Prozent, drastischen Einkommenskürzungen im öffentlichen Dienst sowie Bankzusammenbrüchen.

Die schwedische Botschaft in Riga antwortete mit einem Augenzwinkern: Man könne dem Wunsch nach einer Invasion nicht nachkommen, weil die eigene Armee dafür leider zu klein sei.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Die blutige Spur des Lebkuchenmannes

Die Polizei in Passau malt noch, der "Spiegel" harrt noch der Akteneinsicht. Nur PPQ kann jetzt schon exklusiv das Phantombild des Lebkuchenmesserstechers aus Bayern vorlegen, um den Fahndungsdruck auf den vielleicht flüchtigen, vielleicht aber auch aus Österreich stammenden Täter zu erhöhen.

Der Mann, der den rechten Nationalisten angehört, vielleicht aber - darauf lässt die vom Opfer bemerkte Schlangentätowierung schließen, die aber auch Leberfleck sein kann - auch ein extremer Einzelgänger aus dem Triaden-Milieu ist, hatte den Passauer Polizeipräsidenten in einer Gewalttat, schlimmer als alle Mordanschläge der RAF und Molotow-Cocktailwürfe der APO, nach einem generalstabsmäßig ausgearbeiteten Plan, bei dessen Umsetzung ihm nach Erkenntnissen der Polizei bis zu 100 hochrangige Rechts-Funktionäre halfen, mit einem zufällig am Haus des Opfers herumliegenden Lebkuchenmesser gestochen. Er war zuletzt im sächsischen Mittweida gesehen worden, wo er einer 17-Jährigen gemeinsam mit drei Spießgesellen ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt hatte.

Alle Jahre wieder

Es ist ja (fast) jedes Jahr die gleiche Veranstaltung. Die Statistischen Landesämter geben bekannt, dass die neue Statistik in den neuen Statistischen Jahrbüchern nun gedruckt vorliegt. Wie auch heute wieder. Und alle Medien stürzen sich auf die Zahlen. Wo gibt es Neues, wo die ganz großen Veränderungen? Welcher Preisindex ist interessant? Und jedes Jahr das gleiche Ergebnis: Nichts. Nichts ist wirklich interessant. Jedenfalls nicht so, dass man es veröffentlichen könnte. Oder doch?
Dass Sachsen-Anhalt immer noch abnimmt zum Beispiel. Also die Bevölkerung. Um 11 Promille im Jahr 2006. Oder absolut um 27.900 Menschen. Könnte man also sagen, wenn es weiter so geht, ist statistisch gesehen Sachsen-Anhalt in etwa 875 Jahren ein Land ohne Leute. Ohne Frühaufsteher. Nix mehr da.
Wahrscheinlich aber geht es noch schneller. Denn in Sachsen-Anhalt sind 43,8 Prozent der Männer und 31,8 Prozent der Frauen übergewichtig und somit stärker vom frühen Verfettetes-Herz-Tod bedroht. Bei den stark Übergewichtigen sind die Frauen in diesem Land die Stärkeren. 18,3 Prozent aller Frauen sind viel zu fett, bei den Männern sind es 17,7 Prozent. Das statistische Aussterben könnte also noch schneller gehen, als bisher statistisch errechnet.
Und noch ein paar interessante Zahlen aus der Statistik: 7.174.900, 3.900, 296.900 und 743.500. Na, was sind das für Zahlen? Richtig! Es ist jeweils die Zahl der im Jahre 2003 in Sachsen-Anhalt lebenden Hühner, Gänse, Enten und Truthühner. Rein statistisch betrachtet. Natürlich.

Schmidt wird schick

Wie alter Wein immer besser werden alte Leute zuweilen immer wichtiger.Helmut Schmidt scheiterte als Kanzler und fiel danach über Jahrzehnte durch konsequentes Rauchen auf. Seine Partei mochte ihn nicht, in aktuellen politischen Debatten spielte der Mann, der Helmut Kohl den Weg zur Kanzlerschaft geebnet hatte, keine Rolle. Schmidt war zu rechts und zu norddeutsch, zu Wirtschaft und zu Nato, um als schick zu gelten.

Aber eine bestimmte Haltung, lange genug durchgehalten, das weiß jeder Skispringer, bringt die weitesten Sprünge. Und mit denen landet man am Ende zuverlässig ganz oben und vorn. Ein Vierteljahrhundert nach seinem unfreiwilligen Abgang aus dem Bundeskanzleramt hat Helmut Schmidt es folglich geschafft: Dank nebliger Ratschläge, die immer klingen, als kämen sie aus dem Mund eines Weisen, schlägt dem zu aktiven Zeiten vom Unglück der RAF, von der Ölkrise und dem Nato-Doppelbeschluß verfolgten Polit-Oldtimer die geballte Verehrung des Volkes entgegen, das ihn einstmals wegen seiner Amerikanähe und seines Unwillens, im Kalten Krieg die weiße Fahne zu hissen, aus dem Amt demonstrierte.

So rannten die Alten


Vintage Parkour - Watch more Free VideosJüngst erst erklärte Deutschlands staatliche Nachrichtenagentur dpa
das "Parkour" genannte wilde Querfeldeinlaufen durch vollgebaute Städte zur neuen "Trendsportart". Ein Franzose habe das Kletterwandern über Stock und Stein vor ein paar Jahren erfunden, eine Eröffnungsszene im vorletzten "Bond"-Film habe es bekannt gemacht. Kann man glauben. Muss man aber nicht.

Wärme friert die Arktis zu

Im Februar war es fast geschafft. Der "Spiegel" und der Rest der Meute orakelten vom Artiseis, das demächst ganz verschwunden sein würde. Wenn die Temperaturen nur so ähnlich hoch sein würden wie im Jahr 2007, würde die Nordpassage eisfrei, wusste der selbsternannte Polarforscher Arved Fuchs, auch norwegische Wissenschaftler warnten, dass das Eis der Arktis bald Geschichte sein werde.

Ein knappes Jahr später wird abgerechnet. 2008 konnte von der World Meteorological Organization offiziell zu einem der 10 wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen erklärt werden. Die globale Oberflächentemperatur habe 2008 bei 14,31 Grad Celsius gelegen und damit 0,31 Grad über dem Jahresdurchschnitt zwischen 1961 und 1990. Allerdings sei der Rekordwert aus dem Jahr 2005 "geringfügig" unterboten worden. Klingt schon fast wie leider - aber Schuld war glücklicherweise nicht eine nachlassende Welterwärmung, sondern nur ein starker "La Nina Effekt" in der zweiten Hälfte von 2007, der so nicht wiederholt werden konnte.

In den letzten acht Jahren ist die Oberflächentemperatur damit gegenüber dem Jahrzehnt davor um 0,2 Grad angestiegen. Den Trend der Klimaerwärmung bestätigt auch, dass die zehn wärmsten Jahre seit der Temperaturaufzeichnung in den 11 Jahren seit 1997 gewesen seien. Das wärmste Jahr bleibt 2005 mit einer globalen Temperatur von 14,8 Grad.

Nun bleibt zu hoffen, dass die neuen Hiobsbotschaften sich langsam auch bis in den hohen Norden herumsprechen. Dort konnten die Vorhersagen von Experten und Klimafachzeitschriften bislang nicht umgesetzt werden. Nach aktuellen Daten des NASA Marshall Space Flight Center und der Universität of Illinois, ist das arktische Eis in den vergangenen zwölf Monaten nicht etwa wie geplant und vorausberechnet zusammengeschmolzen. Sondern um dreißig Prozent gewachsen.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Der Landtag von Thüringen steht in der Erfurter Jürgen-Fuchs-Straße. Seit einiger Zeit schon ist diese Benennung nach dem DDR-Bürgerrechtler amtlich. Die Fraktionen von SPD und CDU haben darauf reagiert, indem sie beispielsweise ihre Briefbögen änderten. Nur die Fraktion der Linken residiert komischerweise in der Arnstädter Straße. Die Briefköpfe wurden nicht dem geändert, angeblich, weil die Fraktion eben in einer Parallelstraße ihre Räume hat. Diese Sprachregelung wiederum scheint nicht zu Birgit Klaubert, der Vizepräsidentin des Landtages, durchgedrungen zu sein. Die nennt im Impressum ihrer Homepage als Adresse die Arnstädter Straße, zeigt aber gleich daneben den Thüringer Landtag - der in der Jürgen-Fuchs-Straße steht. Ist wahrscheinlich nur Schussligkeit.

Zwei Paar Schuhe

Man möchte sich nicht vorstellen, wie groß die Begeisterung gewesen wäre, hätte der Man getroffen. Vielleicht mit einem Lebkuchenmesser mitten ins Auge. Und wie empört die Empörung, wäre das nicht im Irak und nicht Bush passiert, sondern in Magdeburg und Frau Merkel.

Männer des Jahres im Wandel der Zeiten

Das "Time"-Magazin hat wieder zugeschlagen. Wenig überraschend erklärte die US-Illustrierte Barack Obama zum „Mann des Jahres“. In der engeren Wahl waren nach Angaben des Verlags auch US-Finanzminister Henry Paulson, der französische Präsident Nicolas Sarkozy, die republikanische Kandidatin für das Amt des US-Vizepräsidenten, Sarah Palin, sowie der chinesische Regisseur Zhang Yimou. 2007 war der russische Ministerpräsident Wladimir Putin „Mann des Jahres“, der acht Monate später erstmal in den Krieg zog.

Vor 70 Jahren hatte "Time", immer nah am Zeitgeist, Adolf Hitler zum "Man of the Year" erklärt.

Nazi-Pullover aus Dubai

Eine ganz neue, schreckliche Dimension von Ausländerfeindlichkeit mitten in Deutschland spiegelt sich gerade in verschiedenen Gerichtsverfahren, die von unterschiedlichen Immobilienbesitzern gegen die angeblich brandenburgische Firma Mediatex angestrengt worden sind. Weil zu den Kunden des Modeunternehmens nicht nur Outdoorfans, sondern auch Neonazis gehören, sollen mehrere Läden der Firma in Berlin, Magdeburg und Leipzig aus ihren gemieteten Geschäftsräumen ausziehen.

Ein Schlag gegen rechts, dessen subtile Fremdenfeindlichkeit, gepaart mit einer sorgfältig gepflegten Aversion gegen Investoren aus arabischen Ländern, sich jetzt erst enthüllt. Denn seit Mitte November ist Mediatex ein ausländisches Unternehmen: Thor Steinar ist nach Dubai verkauft worden und gehört jetzt dem arabischen Geschäftsmann Faysal Al Zarooni (im Bild).

Dessen Faysal Al Zarooni Group of United Arab Emirates investiert weltweit in Technologiefirmen, Unterhaltsangebote und Immobilien, sogar in deutschland, wo arabischen Investoren allerdings unter anderem von der Katholischen Kirche das Leben schwer gemacht wird. Die möchte, dass Mediatex wegen der Nazi-Kundschaft aus dem in Kirchenbesitz befindlichen Hundertwasserhaus in Magdeburg auszieht - ein Fehdehandschuh, geworfen in Richtung aller rechtgläubigen Moslems weltweit.

Reiche immer ärmer

Wiedermal gute Nachrichten von der Krisenfront. Wie noch keine Maßnahme der Regierung zuvor hat der Zusammenbruch der Finanzmärkte die "Schere zwischen arm und reich" (Spiegel) in deutschland schließen helfen. Während Hartz4-Empfänger nach wie vor stabil nichts besitzen, weil nichts verlierenkann, wer nichts hat, haben zahllose Besserverdiener Millionen und Abermillionen eingebüßt.

Allein die 20 so genannten Superreichsten im Land, denen der Zorn von Oskar Lafontaine und Peer Steinbrück gleichermaßen gilt, haben nach einer Studie des Wirtschaftsmagazins „Capital“ im Jahr 2008 Einbußen von über 39 Milliarden Euro hinnehmen. Ganz vorn liegt mit mit fast vier Milliarden verlorenen Euro der Duisburger Haniel-Konzern. Auf den Plätzen folgen demnach die Industriellenfamilien Henkel, Siemens, Wacker und Merckle mit einem Minus von jeweils mehr als drei Milliarden Euro.

Auto-Nazis werden ausgemerzt

Wo ein Wille ist, ist ein Weg, und wo eine Zahlenkombination ist, kann ein Nazi sein. In Brandenburg lassen die Behörden sich aber nun nicht mehr von tumben Neo-Faschisten hinters Licht führen. Wie der Berlinpankowblogger entdeckt hat, geht der Vrefassungsschutz dort in die Offensive gegen faschistische Zahlen- und Buchstabenkombinationen auf Autokennzeichen.

Der Verfassungschutz Brandenburg hat eine Broschüre veröffentlicht, in denen “Kritische Erkennungsnummern” der Rechtsextremisten aufgeführt sind. Abgebildet sind auch zehn Beispiel-Kennzeichen. Wie TF HJ 032 (HJ=Hitlerjugend), P NS 065 (NS=Nationalsozialismus) usw. Auch Nummern und Zahlen haben eine tiefere Bedeutung und sind deshalb auf der kritischen Liste: So ist die 14 eine Abkürzung der Parole eines amerikanischen Neonazi-Führers, 18 steht für den ersten und den achten Buchstaben des deutschen Alphabetes und somit für AH (Adolf Hitler).

Also Vorsicht ihr Nils Steffens, Konrad Zabels, Siegfried Schultzes, Susanne Adelberts: Und wenn ihr auch noch 14 Jahre verliebt seid oder 18 Jahre verheiratet oder in der Hausnummer 28 wohnt oder Euch alles egal ist wie 88, dann könnte sich bald der Geheimdienst mit Euch befassen. Aber vielleicht sind die Jungs ja so schlau und erkennen, dass eure Kennzeichen für harmlose Namen und Daten stehen. Denn immerhin ein Satz in der Broschüre heißt: “Häufig gibt es Menschen, die auf ihren Kfz-Kennzeichen ihre Initialen und das Geburtsjahr verwenden möchten."

Fünfjahrplan statt Prognose

Im weiter, siegesgewissen Reich des real existierenden Sozialismus war Demoskopie ebenso verpönt wie Wirtschaftsforschung. Prognosen zur Entwicklung von Weltmarktpreisen oder Wirtschaftswachstum wurden nicht benötigt, weil Planungschef Gerhard Schürer je nach Bedarf in den Fünfjahr-Plan schrieb, wieviel wovon produziert und zu welchen Preisen verkauft werden würde.

Das über fast vierzig Jahre erfolgreiche Modell, mit dem von Stalin bis Breschnew alle Sowjetführer Fabelhaftes erreichten, wird nun endlich auch im neuen Deutschland zur Anwendung kommen. Die Krise macht es möglich: Weil immer neue und immer schlechter werdende Vorhersagen zur Wirtschaftsentwicklung die Menschen in Deutschland immer unsicherer werden lassen, hat Klaus Zimmermann, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, einen "vorübergehenden Prognosestopp" angeregt. Ökonomen verwirrten unsere Menschen nur mit ihren Zahlen, die dann doch nie stimmten. Gäbe es keine schlechten Prognosen mehr, würde sich die Wirtschaft von ganz allein erholen. "Das ist eine Frage der intellektuellen Redlichkeit", verriet der DIW-Chef, und klarzustellen, was er damit meint.

"In den meisten Modellen, die wir für unsere Vorhersagen nutzen, kommen keine Finanzkrisen vor", glaubt er. Wenn sie aber vorkämmen, dann sei die jeweilige Krise so spezifisch, "dass wir sie nicht erfassen können." Daraus gezogene Erkenntnisse sein also völlig unnütz, sie machten nur unnötige Schlagzeilen.

Die großen Vorhersage-Institute wollen nach dem Prognose-Moratorium alllerdings keine Mitarbeiter entlassen, obwohl die dann nicht mehr gebraucht werden. Stattdessen soll es ein Entlassungsmoratorium geben. Die freiwerdenden Fachkräfte könnten versuchen, Fünfjahr-Pläne zu erstellen, nach denen Deutschland dann unabhängig von den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen weiterentwickelt und vervollkommnet werden könnte. DDR-Planungschef Gerhard Schürer, der als Rentner in Berlin lebt, hat schon seine Bereitschaft signalisiert, als Berater einspringen zu wollen.