Freitag, 25. November 2022

Umbenennung: Ein Airport für den Führer

Der Verdacht liegt nahe, dass die Umbenennungsinitiative in Sachsen nicht ohne Hintergedanken losgetreten wurde.

E
r ist klein und hässlich, abgelegen und wirtschaftlich ein Massengrab für Millionen. Daher wohl nun die an den Stadtrat in Leipzig herangetragene Idee zweier Brüder, den Flughafen Leipzig/Halle in "Führer-Airport" umzubenennen. Überall in Deutschland klingelt es da zumindest bei Älteren: Klein, hässlich, Massengrab? Über Jahrzehnte hinweg beherrschte ein Mann mit all diesen Eigenschaften die öffentliche Debatte in Deutschland. Erst Pandemie und nachfolgender Krieg hatten dafür gesorgt, dass er seine führende Stellung in den Medien verlor.  

Wie das Messer in der Eisenzeit

Doch immer wieder taucht er trotzdem auf wie ein nur knapp unter der Wasseroberfläche liegendes Riff: Vergleiche mit diesem Führer gehören wie selbstverständlich zum Handwerkszeug jedes Öffentlichkeitsarbeiters im politischen Berlin, der sogenannte "Hitlervergleich" er sitzt locker wie in eisenzeitlichen Stammesgesellschaften das Messer. Seit der Abschaffung der DDR-Fahrerlaubnis erinnert der "Führerschein" an den Mann, der Deutschland durch zwölf dunkle Jahre führte. In Sachsen gibt es heute schon die "Fuehrergruppe", Verlage veröffentlichen "Reiseführer" und "Gourmetführer".

Höchste Zeit, auch ein großes Gebäude, einen Platz oder eben einen Flughafen auf den Namen "Führer" zu taufen, mit Rücksicht auf das außerdeutsche Ausland, das eine Benennung mit dem Taufnamen des einstigen Führers und Reichskanzlers womöglich als falsches Signal missdeuten könnte. Beim Namensgeber, auf den die Petendenten in Sachsen sich formal beziehen, handelt es sich deshalb um Christian Führer, eine regional "wohlbekannte Persönlichkeit" (Leipziger Zeitung), die als Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche im Zuge der weitgehend ungenehmigten illegalen Proteste in der DDR 1989 gelegentlich auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen gewesen war. im Hintergrund aber schwebt die große Historie: Der andere, immer noch bekanntere Führer, war im Zuge seiner Amtstätigkeit in den 30er Jahren mehrfach auf dem Flugfeld bei Leipzig eingeschwebt, damals noch unbehelligt von heute üblichen Protesten.

Ein Freund von Reformen

Führer war 2014 verstorben, ohne noch miterleben zu dürfen, wie seine Vision von Hartz IV als "endlich eingeleiteter Beginn notwendiger Reformen unseres Sozialstaates" ab 2015 zu einer bunteren, diverseren Gesellschaft beitrug, ehe es dann im späten Herbst 2022 abgeschafft wurde.

Ein Führer-Flughafen hätte dem in Leipzig geborenen Theologen sicherlich gefallen, erst recht, weil der Leipziger Flughafen überwiegend davon lebt, Güterverkehr für die multiglobale Milliardenmarke Amazon abzuwickeln. Führer hatte stets dazu aufgerufen, aktiv an der Abschaffung des kapitalistischen Wirtschaftssystems mitzuarbeiten, weil der globale Kapitalismus nicht zukunftsfähig sei. Profitorientiertes Wirtschaften zerstöre die Umwelt und die Menschen, menetekelte er im Vorgriff auf Klimauntergangspropheten wie Greta Thunberg, Luisa Neubauer und Carla Hinrichs.

Ein Gegner des Kapitalismus

Führers spätes Ideal war eine Wirtschaftsform des Teilens all dessen, was da ist. Und was nicht, das eben nicht. Wie besser ließe sich das baulich verkörpern als durch einen Airport, auf dem beständig Maschinen landen, deren Sitze sich Menschen oft noch warm gegenseitig überlassen und deren Frachträume oft zwei- oder dreimal am Tag mit neuen Waren aus China voll- und wieder leergeräumt werden, um die Bewohner einer industriell weitgehend ausgebluteten Region mit dem notwendigsten an Medizin, Bekleidung, Nahrung und elektronischen Geräten zu versorgen?, dachten sich die Brüder Ronny und Daniel Würfel aus Großstolpen bei Leipzig, auf deren Idee der Vorschlag zurückgeht, das 1927 noch unter Führer-Vorgänger Wilhelm Marx eröffnete Luftdrehkreuz auf den Namen des Sachsen zu taufen. 

Die Aussichten des neuen Führer-Flughafen sind auch aufgrund der Alliteration nicht schlecht. Es gilt in Deutschland als gute Tradition, Flughäfen nach früher führenden Politikern zu nennen - vom Willy-Brandt-Flughafen in Berlin bis zum Franz-Joseph-Strauß-Flughafen in München erinnern mehrere der klimaschädlichen Start- und Landeplätze heute schon an einige der besten der Besten, die die Bevölkerung jemals hervorgebracht hat. Dem Brauch folgend, war eigentlich der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher erste Wahl für einen eigenen Flugplatz. Dem neuen Trend zur Diversifizierung folgend schlug dann allerdings die SPD den ghanaischen Philosophen Anton Wilhelm Amo vor, dessen Buch "Über die Rechtsstellung der Mohren in Europa" wegen des rassistischen Titels nicht mehr verlegt werden darf. 

Ein guter Kompromiss

Amo gilt als erster in Europa promovierter Afrikaner, auch wenn er später gemobbt und nach Afrika zurückgetrieben wurde, der Vorschlag als clevere Spitze der deutschen Sozialdemokratie gegen die FDP. Niemand wird sich nun noch auf eines von beiden einigen können, so dass Führer-Flughafen ein guter Kompromiss wäre, über den sich alle freuen könne, selbst die bekanntermaßen recht konservativen Sachsen.

Merkel und Scholz: Die Lehrer der Völker

Vier Jahre haben Deutschlands Weltgeltung weit vorangebracht: Angela Merkel musste 2018 noch reden, auf Olaf Scholz' Entscheidungen warten die Führer der G7 wie auf ein Gottesurteil.

Wie sehr vier Jahre doch die ganze Welt verändern können. Und mit ihr den Blick der Völker auf Deutschland und seine Kanzler*innen. Damals, als Angela Merkel G7-Gipfel im kanadischen La Malbaie die Arme auf den Tisch stützte und dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump die Leviten las, stand der Rest der Führungselite der globalen Schicksalsgemeinschaft noch eher skeptisch daneben. Der Japaner verschränkte abwehrend die Arme, als wolle er die guten Argumente der damals mächtigsten Frau der Welt an sich abprallen lassen wie das auch Donald Trump sichtlich vorhatte. Andere schauten neugierig, aber zumeist skeptisch zu.

Solidarischer Franzose

Nur Emanuel Macron, der Franzose, der sich trotz einiger Konflikte kerneuropäisch neben seine EU-Kollegin gestellt hatte, schien auf dem Foto, das die Bundesregierung herausgab, so dass es sich im Handumdrehen in ein Stück kerngesunden unabhängigen DPA-Journalismus verwandeln konnte, solidarisch. Auch er stützte sich auf den Tisch. Erwartungsvoll blickte er auf Trump. Was würde der Amerikaner nach Merkels Belehrung wohl noch sagen können? Merkel rettete damals den Zusammenhalt des Westens, den freien Handel und die Abmachungen mit dem Iran. Doch sie musste dazu wie eine Lehrerin auf ein trotziges Kind einreden, das einfach nicht hören will. 

Eine Schicksalsstunde, die den Präsidenten nicht nur sein Amt gekostet haben mag, sondern der Menschheit auch den Weg öffnete in eine neue gemeinsame Zukunft. Denn die Minuten an dem kleinen Tisch von La Malbaie, auf dem nur ein einziges Wasserglas für all die global leaders stand, halbvoll oder halb leer, die Kunstkritiker stritten danach lange, wie die Inszenierung gemeint gewesen war, sie änderte nicht nur den Ablauf der Geschichte der menschlichen Zivilisation. Sondern auch den Blick der Welt auf Deutschland und seine Regierungschefs, wie ein neuer Schnappschuss aus der Fotofabrik der Bundesregierung zeigt.

Primus inter pares

Es ist nicht mehr dieselbe Szene, doch es ist die gleiche, ganz anders. Musste Merkel noch verbal um Aufmerksamkeit bitten, Reden, Überzeugen, Barmen und Betteln, ist ihr Nachfolger unter den Mächtigsten der Welt primus inter pares. Alle haben sich um den Deutschen versammelt wie um ein wärmendes Lagerfeuer. Der US-Amerikaner Biden sitzt ihm zu Füßen, das Gesicht anbetend gehoben. Der Franzose knetet nervös die Finger. Wie wird Olaf Scholz entscheiden? Justin Trudeau, der Kanadier, der Deutschland zu einer heute schon lange wieder vergessenen lebensrettenden Turbine verhalf und Olaf Scholz damit schon einmal zu einem hübschen Foto, ahnt, dass er hier noch viel lernen kann. 

Auf die Bildkomposition kommt es an, darauf, mit einem kleinen Foto zu illustrieren, wie die Welt nach der Zeitenwende funktioniert. Scholz scheint auf der ikonischen Aufnahme, die vom Bundespresseamt seinem Sprecher Steffen Hebestreit zugesprochen wird, bei Hebestreits früherem Arbeitgeber aber urheberlos bleibt, nicht einmal etwas sagen wie es Merkel noch musste. Der Wumms-Kanzler der Rettungspakete, er wirkt durch Anwesenheit, er erringt das Vertrauen seiner Machtkollegen durch geduldiges Abwarten und immense Nachdenklichkeit.

Nur eine hat Antworten

Hier tragen alle enorme Verantwortung, gerade in einem Moment höchste Gefahr wie dem, in dem das Foto komponiert worden war. Gerade hatte Russland Raketen auf Polen abgeschossen, vorläufige Raketen, die außergewöhnlich weit hatten fliegen müssen und am nächsten Morgen schon wieder keine mehr gewesen sein werden. Doch die sorgenvollen Männer wissen das nicht, auch die Frau mit dem roten Schal, deren Namen die Bundesregierung nicht nennen will, kann nur das Beste hoffen. Ist es Ursula von der Leyen, unvorteilhaft getroffen? Oder eine Bedienstete, die gerade das ganz unten links zu sehende Wasserglas vom legendären Gipfel in Kanada hereingebracht hat? was steht in dem blauen Buch, das sie in der Hand trägt, während sie sich - offenbar zum Gehen entschlossen - halb abwendet?

Vieles bleibt im Unklaren, Manches aber ist nur allzu deutlich. Wo Merkel noch mühsam um Gefolgschaft werben musste unter den Partnerstaaten, ist Olaf Scholz eine naturgegebene Autorität zugewachsen. Hier in der dünnen Luft des permanenten Kampfes gegen Krise, Klima und Krieg kann nur einer sagen, wie damit umgegangen werden muss: Ratsuchend richten alle ihre Blicke auf Scholz, flehend fast schaut die Welt durch die Augen ihrer Führer nach Deutschland, um zu lernen, wie es besser geht.

Donnerstag, 24. November 2022

Meinungsfreiheit: So gefährlich ist das libertäre Konzept wirklich

Missverständliche Verfassungsgerichtsurteile dienen Hetzern und Hassern heute vielmals als Entschuldigung für ihr gesellschaftsschädigendes Treiben.
Die Füße auf den Tisch zu legen, ist nicht verboten in Deutschland, nicht einmal in einer Gaststätte. Jeder könnte es tun, jeder dürfte es, eine Strafverfolgung ist nicht möglich. Riefe ein Wirt die Polizei zu Hilfe, würde die nicht einmal stundenlang neben dem Füßehochleger stehen wie bei den Protestaktionen der Klimaklebekinder. Nein, sie würde gar nicht kommen. Denn Füßehochlegen ist unhöflich, unschön und gesellschaftlich nur im sehr privaten Rahmen akzeptiert. Aber eben nicht strafbar, ja, nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit.  

Machtwort aus Warin

Ein Gastbeitrag von Herrfried Hegenzecht, Präsident des Bundesblogampelamtes (BBAA) im mecklenburgischen Warin und  Leiter der Meinungsfreiheitsschutzkommission in der neuen Bundesdiskussionszentrale mit Sitz in Suhl.

Nein, die Füße auf den Tisch zu legen, ist tatsächlich nicht verboten in unserem Land. Doch käme deshalb jemand auf die  Idee, es zu tun? Weil er es kann? Weil kein Polizist erscheinen, kein Staatsanwalt ermitteln und Richter ein Urteil sprechen wird? weil nicht einmal das Ordnungsamt mit einem Bußgeld zur Stelle wäre? Sicherlich nicht. Die Füße auf den Tisch zu legen, das gilt als unhöflich, gemeinschaftsfeindlich, vulgär. Das tut man nicht, das lernen Kinder bereits in der Kita, wenn alles richtig läuft. Ausnahmen, etwas wenn kurzbesockte Jugendliche die Freiheit, sich gegen das Füßeaufdentischlegen zu entscheiden, die ihnen unser demokratisches Gemeinwesen zugesteht, in Ausnahmefällen, wie sie in der Deutschen Bahn häufig zu beonbachten sind, dazu missbrauchen, es eben doch zu tun.

Jugendliches Rebellentum, wie es sich auch beim Klimakleben oder überhaupt in der Vorstellung wiederfindet, zur einer auserwählten Generation zu gehören, die die letzte sein wird, die die Erde noch bewohnbar erlebt oder das Gemeinwesen noch identitär wie es immer war. Ausnahmeerscheinungen, die die Regel bestätigen: Der Mensch tendiert zum Füßehochlegen. Doch er tut es nicht, weil er Anstand hat, Sitte und Moral oder ein Loch im Strumpf, von dem er nicht will, das andere es sehen. 

Sogenannte Prediger der Meinungsfreiheit

Kann das aber nun bedeuten, überall alles in die Willkür freier Entscheidungen der seit der Anti-Tempolimitkampagne der 70er als "freie Bürger" (CDU) gerühmten Masse aus Individuen zu stellen, mit der es jeder zu hat, der gerufen wurde, die "Menge an Volks" (Friedrich der Große) zu lenken und zu leiten? Das wollen sie, die libertären Prediger der sogenannten Meinungsfreiheit, die sich nicht nur weigern, der Kunst Grenzen zu setzen, sondern auch behaupten, das Wichtigste überhaupt sei es, immer mit allen und selbst mit allen Andersdenkenden im Gespräch zu bleiben. Dazu gehöre, abweichende Ansichten anzuhören, als seien sie ernstzunehmen, absurdeste Argumente zu wiegen und zu wichten und selbst Überzeugungen aus dem Bereich des reinen Glaubens an puren Unsinn zu bedenken.

Wir als Bundesblogampelamt (BBAA), von der früheren schwarz-roten Bundesregierung im mecklenburgischen Warin gegründet, haben dieser irrigen Auffassung stets streng widersprochen. Nichts spricht gegen Meinungsfreiheit, sagen wir, aber gepflegt muss sie sein. Und wo der normale Anstand nicht hilft, widerwärtige, überkritische und verstörende Äußerungen zu unterbinden, die leicht in Hetze und Hass abkippen können, da muss ein wehrhafter Staat Mittel und Wege finden, die Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen. 

Straffreiheit ist keine Entschuldigung

Dass das Strafrecht hier nicht greift, immer noch nicht, obwohl wir über Jahre und alle Parteigrenzen hinweg schon zahlreiche und weitreichende Verschärfungen vorantreiben konnten, ist kein Widerspruch. Aber auch keine Entschuldigung. Meinungsfreiheit kann nur im geschützten Raum existieren, entlang fester Leitplanken, die nur der Staat zu ziehen in der Lage ist. Dabei geht es nicht um Geschmack oder politische Vorlieben, sondern um klare Kante gegen  die, die versuchen, den Begriff Meinungsfreiheit auszunutzen, indem sie ihn im eigenen Interesse aushöhlen und entbeinen.

Nichts ist die Meinungsfreiheit, die wir vom BBAA meinen, ohne Grenzen, nichts ist sie aber auch ohne entsprechende Verbote die überall dort greifen müssen, wo der eigene Anstand Menschen nicht mehr klar signalisiert: Ende der Fahnenstange, es reicht. Wer einen Fußballer mit hasserfüllten Sätzen wie "Ja, warum wirst du eingewechselt?" oder "Wie kann man so hin und her joggen?" überzieht, der stellt sich "außerhalb des demokratischen Konsens, der verhöhnt die Opfer von Diktatur und Gewalt", wie es der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann bemerkenswert deutlich formuliert hat. Keine handbreit diesen Faschisten, sie haben sich selbst aus unserer Gesellschaft ausgegrenzt. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist im Völker- und Europarecht und auch immer noch in unserem Grundgesetz verankert. Wer sich dagegen positioniert, der stellt sich außerhalb unserer Werte- und Rechtsgemeinschaft. 

Absichtlich genutzter  Freiraum

Denn er nutzt absichtlich nicht den Freiraum, den der Staat ihm lässt, für "sinnerfülltes Handeln in persönlichen und privaten Initiativen, mit Mitmenschlichkeit und Dienst am Nächsten, um  viel Gutes zu tun", wie es Bundeskanzler Helmut Kohl die Aufgabe jedes Staatsbürgers bereits 1987 umrissen hatte. Sondern er begeht das, was die Mitarbeiter*innen unserer Meinungsfreiheitsschutzabteilungen eine "wahrgenommene Grenzüberschreitung" nennen. Digitale Gewalt, die nicht weniger schwer verletzt als Faustschläge oder Fußtritte gegen den Kopf oder in die Weichteile, als mit einem schweren Knüppel verprügelt oder mit einer scharfen Waffe erschossen zu werden.

Da steckt Absicht dahinter, das sind nicht einfach Füße, die Unachtsamkeit oder Bequemlichkeit auf unserer gesellschaftlichen Tisch gelegt werden. Nein, hier, wo sich die selbsternannte Opposition sammelt und tummelt, wird viel mehr bezweckt: Nur weil diese Art hasserfüllter Hetzangriffe von Schwurbelnden, Querdenkenden und Libertär*innen von der Gesetzgeber*in nicht vollständig verboten, also erlaubt ist, glauben diese Täter, es sind zumeist Männer, dass sie sich eigenverantwortlich das Recht nehmen können, zu sagen, was sie denken, was immer das auch ist, so lange es nur, darauf bestehen sie, nicht strafbar sei.

Unser Tisch, unsere Regeln

Hier sind wir wieder bei unserem Tisch und den Füßen darauf. Denn klar ist: So lange diese Hetzer, Hasser und Zweifler, die manischen Kritiker und Nörgler, Kritikaster, schwurbelnden Besserwisser ihre Füße unter den Tisch stellen, den unser Staat ihnen gebaut hat, den unser Staat mit reichen Gaben deckt und den er immer wieder auch gründlich abwischt, so lange müssen wir vom BBAA als dem neben den neuen Schwerpunktstaatsanwaltschaften, dem Verfassungsschutz, dem BKA und den staatlich finanzierten unabhängigen Faktencheckern und Organisatoren von Gegenhasskampagnen zuständigen Amt dafür sorgen, dass die Bevölkerung umfassend aufgeklärt wird über die Gefahren der Propagierung des in diesen Kreisen propagierten sogenannten "libertären" Konzeptes von Gedanken-und Meinungsfreiheit. 

Es mag auf den ersten Blick einleuchtend erscheinen, dass alles, was nicht verboten ist, nicht strafbar sein kann. Doch ist es deshalb erlaubt? Kann es erlaubt sei? Wenn doch eine Generalerlaubnis dafür sorgen würde, dass jeder alles denken, sagen und schreiben dürfte, so lange er sich an die Grenzen der Gesetze hält? Nein, das Internet ist kein rechtsfreier Raum, hier gelten dieselben staatlichen Vorschriften wie in der analogen Welt: Die Füße gehören nicht auf den Tisch. Und das, was immer gerade als "Hass" gilt, gehört genauso wenig ins Netz.

Herrnfried Hegenzecht leitet seit Anfang 2010 das Bundesblogampelamt (BBAA) im mecklenburgischen Warin.

Bindenweltmeister: Götter der Geste

Die Hochtalentierten beim Zeichensetzen: Mit einer gemeinsamen Aktion brachte die Startelf des DFB Fifa und Katar in schwere Verlegenheit.

Das Gejammer über den Fehlstart kam wie "vorprogrammiert" (SZ). Fußball war auf einmal wieder die wichtigste Nebensache der Welt, obwohl doch das Setzen von Zeichen die wichtigste Sache der Welt ist. Die deutsche Truppe in Katar versagt gegen Japan, den alten Alliierten, ein Auftakt nach Russland-Maß, der für einem Moment selbst die mutige Geste vor dem Anpfiff überstrahlte: Die Gruppe der "Hochtalentierten" (Taz), erstmals seit Jahrzehnten wieder ohne ostdeutschen Ballast angetreten, hielt sich die Hand vor den Mund. Eine globale Geste, die fehlenden Meinungsfreiheit anprangert und dem Ruf der katarischen Scheichs und ihrer Verbündeten von der Fifa ernsthafte Kratzer beibringen wird.

Sieg für die Freiheit

Das Schweigen der Spieler, es ist ein Sieg für die Freiheit. Bilder, die um die Welt gehen und in Asien, Südamerika und Afrika in den kommenden Jahren neue Achtung für Deutschland als Heimat der Freiheit zu produzieren verspricht. Zumal das Team der "Hochtalentierten" (FR) nach Spielbeginn nicht abließ vom Unternehmen Zeichensetzen. Schon nach wenigen Minuten luden die Deutschen den Gegner zum ersten Treffer ein. Der zählte nicht, ließ aber erahnen, wohin dieses Begegnung unterwegs sein könnte. Auf 78 Prozent Ballbesitz würde die DFB-Auswahl später stolz verweisen. Den Japaners reichten ihre 22, nach 98 Minuten als Sieger vom Platz zu gehen.

Dabei war alles vorbereitet wie nie. Ein "Superquartier" (DPA) haben sie, das als kleine Reverenz an Kevin Kühnert die "Rote Burg" genannt wird. Sie liegt sehr abgelegen, denn niemand will sich hier gemein machen mit den locals in ihren Koran-Kitteln. Trotzdem sei es von dort nicht weit zu den Stadien. Man könne schnell im Bus zu den Spielen fahren, versicherte Oliver Bierhoff vor Turnierstart. Deshalb mietete der DFB vor dem ersten Spiel eigens ein Zweites Hotel näher am Stadion. Nichts sollte zwischen Deutschland und dem Sieg stehen. Niemals zuvor hat eine deutsche Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft so viel Aufwand betrieben. Und niemals zuvor wurde eine deutsche Mannschaft bei einer WM vom heimischen Publikum so geringgeschätzt. 

Die große Liebe der Deutschen zu ihrer Nationalmannschaft, sie erlosch, als das veraltete Nation" aus dem Namen gestrichen wurde. Das Feuer erkaltete, als die "Mannschaft" sich lange vor den Spielern des Iran weigerte, die Hymne mitzusingen, die so viel Leid über die Welt gebracht hatte. Und die Asche verwehte, als es kaum noch um Taktik, den richtigen Stürmer und den beinhärtesten Verteidiger, sondern fortwährend um Vielfalt, Toleranz mit dem Gegner und inklusive Passwege ging. "One Love" steht wie eine Menetekel über dem Ruin einer Marke, die ihre größten Schlagzeilen macht, wenn sich Werbepartner auf der Suche nach einem Aufmerksamkeitsbooster von ihr abwenden.

Beeindruckende Manifestation

Wie die "Hochtalentierten" (FAZ) gleich bei ihrem ersten Auftritt in Feindesland auf die Herausforderung reagierten, nötigt Achtung ab. Die Innenministerin saß mit berühmten Bekenntnisbinde zur lebenslangen monogamen Beziehung auf der Tribüne und sah den früheren Weltmeister dabei zuschauen, wie ihm die Felle wegschwammen. Sport war Nebensache, Tore gab es, von einem Strafstoß abgesehen, für die deustsche Seite nicht zu bejubeln. Deutlicher hätte das Zeichen nicht ausfallen können, das die Süle, Kimmich, Rüdiger und Gündoğan den Zuschauern im Stadion und daheim an den TV-Geräten zeigten: Wo die Liebe nicht frei ist, darf hochklassiger Sport, dürfen Siege und Torjubel nicht helfen, die Verhältnisse zu verkleistern. 

Das 1:2 gegen das zweitklassige Japan, es war der drastischste nur vorstellbare Protestakt gegen ein Turnier, mit dem schon allein wegen der Jahreszeit und der immer noch geltenden Gasmangellage im kalten Deutschland niemand so recht warm werden will. Gratismut? Eben nicht. Die "Hochtalentierten" (Markgräsler Tageblatt) um den deutschen Messi Musiala hätten es sich einfach machen und gewinnen können. Doch was hätte das bewirkt? Wem hatte das geholfen außer der korrupten Fifa, die nichts mehr fürchtet als ein Endspiel zwischen dem Iran und Ecuador? So lange der Koran am Persischen Golf ganz andere und eindeutig menschenrechtswidrige Suren enthält als die deutsche Ausgabe, gibt es kein Vertun. Es muss etwas getan werden. Ein Zungenkuss im Mittelkreis? Eine Märtyrerpose? das erste Transouting eines Nationalspieler?

Wer die Binde nicht tragen darf

Feministische Fußballpolitik schon im Aufbauspiel, die Außen beide Links und die Mitte aus Angst vor Unterwanderung doppelt besetzt, so dass einer auf den anderen aufpassen kann. Wer den Love-Armreif aus Elastan nicht tragen darf, der aus Rücksicht auf kulturelle Eigenheiten der Araber die zuletzt noch in Ungarn mutig präsentierte Regenbogen-Binde zeichensetzend hatte ersetzen sollen, der muss zu anderen Mitteln greifen. Früh ausscheiden, schnell "heimreisen", wie es offiziell genannt wird, wenn Kanzler oder Minister um die Welt fliegen! Zuvor hatte mit Argentinien ein anderer ehemaliger Weltmeister, der aus Doha schon fast ebenso sicher wie die DFB-Auswahl einen neuen Stern mit nach Hause nehmen sollte, ähnlich entschlossen bewiesen, dass sich viel erreichen lässt, wenn nur alle zusammen nicht mitmachen.

Für die Fifa sind die Nachrichten aus Gruppe E eine Katastrophe, der größte anzunehmende Unfall. Satte drei Prozent ihrer Gesamteinnahmen von 7,5 Milliarden Euro verdankt der "korrupte Weltverband" (FR) den Zahlungen der öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland, die alle privaten Konkurrenten überboten, weil sie sich des Interesses der Gebührenzahler bisher stets sicher sein konnten. Doch nun stehen die Zeichen auf Abschied, das Trommelfeuerwerk aus der deutschen Signalfabrik hat Fußballeuphorie in Gewissensbisse verwandelt und den einstigen Quotenhit Fußball-WM in einen Trauerfall. Wie die Supermarkkette Rewe, die ihren durch den DDR-Suppenskandal angekratzen Ruf mit einer Kündigung ihrer jahrelangen Partnerschaft mit dem DFB aufpoliert hat, werden sich ARD, ZDF, DPA, SZ, TAZ, FAZ und der übrige Buchstabensalat demnächst von der ehemaligen "Mannschaft" trennen. 

Aus dem Jammern über die peinliche Niederlage könnte dann ein nationaler Jubel werden. Schließlich reichen die eingesparten Gebührengelder zumindest rechnerisch für mehr als 400 neue ARD-Intendanten (ohne Mietzuschuss).

Mittwoch, 23. November 2022

One Love: Islamfeindliche Parole aus der Steinzeit der Liebe


Noch war der Weltfußballverband Fifa so korrupt, war das Gastgeberland einer WM so fürchterlich, grausam und unmenschlich, stellten sich die Organisatoren des Turnier als entmenschte Massenmörder heraus, hätten junge, engagierte Spieler mit ihrem Protest so viel bewirken können. Das alles sind aktuelle Grundannahmen der Medienbegleitung der Fußballweltmeisterschaft, die sich leider mit Zahlen nicht belegen lassen. Zuletzt tobte der Streit um den Slogan "One Love". Zu Unrecht, wie der Medienforscher Hans Achtelbuscher sagt.

Achtelbuscher beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Struktur öffentlicher Debatten, dem Themensterben in deutschen Medien oder der Aufmerksamkeitsspanne des Publikums. Er sagt: Fußball hat nichts mit Aktivismus für Werte zu tun, die aus einem längst vergangenen Jahrhundert stammen.

PPQ hat den renommierten Forscher vom An-Institut für angewandte Entropie gefragt, weshalb er Solidarität mit den Scheichs fordert, Gianno Infantino für den richtigen Mann am richtigen Platz hält und nicht glaubt, dass der Bundestag auch diesmal wieder in aller eile Gesetze durchpeitschen wird, wenn Bürgerinnen und Bürger aller Geschlechter daheim vorm Fernseher sitzen das Endspiel schauen.

PPQ.li: Herr Prof. Achtelbuscher, medial ist die WM jetzt bereits ein durchschlagender Erfolg. Sie hat den Krieg schon mit dem ersten Spiel als größtes Medienthema abgelöst. Alle großen Blätter, alle Leitmedien und alle Fernsehsender berichten dankbar, vor allem über den schweren Kampf der deutschen Truppe gegen lokale Befindlichkeiten am Golf. Woher kommt diese erstaunliche Einigkeit? 

Achtelbuscher: Das ist nicht schwer zu erkennen. Wer die Rohdaten anschaut, sieht deutlich, dass unsere Medien damit gegen eine bereits dreifache Ermüdung anschreiben. Die Mneschen draußen im Land, dass ist uns aus Befragungen bekannt, können einerseits das Wort Corona nicht mehr hören, andererseits hat man sich nach neun Monaten aber auch mit dem eingerichtet. Man ist schreckensresistent geworden, man will weder vom Leid der Menschen  noch von Angriffserfolgen der Ukrainer lesen und hören. Diese gesamte Waffenlieferungsdiskussion, die Frage, ob wir uns selbst sofort Öl und Gas abdrehen und sogar die Devbatte um Putins Atompläne, sie waren durch. 

PPQ.li: Immerhin fand sich in der sogenannten Entlastungsdebatte ein ausreichender Ersatz... 

Achtelbuscher: Für eine gewisse Zeit. Die Bundesregierung hat es in der Tat geschickt verstanden, über die gesamte Zeit seit Kriegsausbruch zu kommen, indem sie mit Versprechen hausieren ging. Bald nun ist Weihnachtszeit, nennen wir dieses Konzept in der Erwartungsforschung auch scherzhaft. Es lehnt sich an an die Methoden der globalen Klimakämpfer, die zwischen 1990 und heute nicht eine Tonne CO2 eingespart haben, aber davon leben, dass sie verkünden, dass sie künftig noch mehr und später noch mehr einsparen wollen würden. Die WM jedenfalls, ein uriges Spektakel, das sich ja an die Gladiatorenkämpfe im alten Rom anlehnt, kommt jetzt gerade richtig, um den womöglich langsam aus Ungeduld und Angst vor unbezahlbaren Kosten wachsenden Druck umzulenken.

PPQ.li: Scheich und Emire statt Putin, der Fifa-Präsident statt Scholz, Lindner und Habeck?? 

Achtelbuscher: Ja, unbedingt. Weil die Kommunikation der Regierenden eine eigentümliche Dissonanz erkennen ließ zwischen Ankündigen und Liefern, ich erinnere nur an den Wumms und den Doppel-Wumms, bekommen auch die treuesten Verkünder der staatlich anerkannten Wahrheit Probleme, zu erklären, dass es handgezählt mittlerweile vier oder fünf ganz, ganz große Entlastungspakete gibt. Aber keine Entlastung. sehr gut, wenn man in einem solchen  Augenblick über eine Armbinde als nationales Problem sprechen kann.

PPQ.li: Ist es denn aber nicht verständlich, dass gerade Deutschland als anerkanntes Hochmoralgebiet dort in der Wüste, wo so viel Unrecht geschieht, ein Zeichen setzen muss?.

Achtelbuscher: Wir sprechen hier von einem gigantischen publizistischen Experiment. Deutschland finanziert dieses Turnier mit wenigstens 250 Millionen Euro mit, das sind schon mal drei Prozent des Gewinns der Fifa mit diesem Turnier. Wie lässt sich da eine substanzielle Kritik verkaufen? Wie verhindert man zugleich, dass die Debatte außer Kontrolle gerät und Radikale die Frage stellen, weshalb man überhaupt an einer Veranstaltung teilnimmt, die moralisch so verkommen erscheint, Blut und Tod mit sich gebracht hat und einen selbst ja mitschuldig macht?

PPQ.li: Und wie macht man das? 

Achtelbuscher: Indem man auf einen Nebenkriegsschauplatz fokussiert. Der DFB hat das sehr klug gemacht, besser gesagt, machen wollen. Statt der Regenbogenbinde, die zuletzt noch als eine Art heiliger Gral des Bekenntnisfußballs galt und  deshalb von der Fifa als politische Botschaft gebannt und verboten wurde, hat man sich einen noch bunteren Ersatzslogan einfallen lassen. Das ist jenes One Love mit dem bunten Herzen, eine Peinlichkeit schon von der Gestaltung her, wie mir Designer sage. Schlimmer aber noch ist der inhaltliche Offenbarungseid, der sich damit verbindet.

PPQ.li: Das müssen Sie erklären. was ist denn an One Love falsch? An Buntheit bis hin in Schwarze?

Achtelbuscher: Sehen Sie, One Love ist natürlich ein westliches Konzept. Eine Liebe, dieser Slogan folgt ganz und gar der abendländischen Vorstellung von der monogamen Ehe, von der einen großen Liebe über ein Leben. One Love, one life, wie es in einem bekannten Lied einer erzkatholischen Musikgruppe heißt. Das ist aber eben nicht, wie in anderen Weltgegenden geliebt wird, wie man dort lieben und leben will. One Love richtet sich direkt gegen einen zentralen Glaubenssatz im Islam, dessen heiliges Buch Koran eben in der al-Nisa-Sure 4 klar sagt: "Heiratet, was euch an Frauen gut scheint, zwei, drei oder vier". Das ist viel mehr als eine Liebe. Und nun kommt Manuel Neuer, der sicher kein übler Torwächter ist, und sagt mit dem Oberarm, dass das falsch ist. Was würden Sie da denken?

PPQ.li: Wir sehen hier einen Akt westlicher Vormundschaft?

Achtelbuscher: Zweifellos. Schauen Sie sich die Staaten an, die ursprünglich an diesem Bindenaufstand hatten teilnehmen wollen. England, die Niederlande, Belgien, Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark sowie Norwegen und Schweden, die gar nicht teilnehmen dürfen. Das sind christliche Staaten mit Fußballverbänden, die von alten, weißen Männer mit männlicher Geschlechteridentität geführt werden. Wenn von solchen Absendern die Parole One Love gerufen wird, dann weiß die übrige Welt, was gemeint ist: Monogame Beziehungen zu einer möglichst jüngeren Frau, die althergebrachten Schönheitsidealen früherer Generationen entspricht. Das will sich die Welt aber eben nicht mehr vorsagen lassen.

PPQ.li: Aber dass ältere Männer jüngere Frauen haben und auch im arabischen Raum oder in Asien das Schönheitsideal sich an dem bemisst, was Hollywood vorgibt, das ist doch keine Neuigkeit?

Achtelbuscher: Nein, aber Hollywood injiziert so etwas subtil, ohne sich aufzudrängen, mit einem Zeithorizont von Jahrzehnten. Im Bemühen, an der WM teilzunehmen, sich aber von jeder Schuld freizuwaschen, an der WM teilzunehmen, wollten die Verbände ihren jeweiligen Medien im Land samt der zumeist öffentlich-rechtlichen Hauptfinanziers der Übertragungen etwas in die Hand geben, auf dem sich herumkauen lässt. Ja, wir sind dabei, ja, wir unterstützen damit Machthaber, Diktatoren, Menschenschinder. Aber: Wir haben ein Zeichen gesetzt. Das war die Strategie, die auch auch anknüpft an die Corona-Medienrevolution, die uns weggeführt hat von der reinen Sachberichterstatung, hin zu einer Widerspiegelung von Erziehungsinhalten und -idealen.

PPQ.li: Das ist schließlich aber misslungen. Warum denn?

Achtelbuscher: Darüber lässt sich nur spekulieren. Mag es der katarische Emir Tamim bin Hamad Al Thani gewesen sein, der immerhin drei Frauen hat und sich nichts von der Beschränkung auf ,eine Liebe' erzählen lassen wollte, weil er sie alle drei liebt und seine 13 Kinder dazu. Waren es die mächtigen Blutprinzen aus Saudi-Arabien mit ihrer langen Haremstradition? Oder ist es ein Konsens der vielen Teilnehmer aus den Entwicklungsländern gewesen, die das Konzept der Einehe seit jeher skeptisch sehen, soweit sie nicht vom Katholizismus römischer Prägung bis heute mental kolonialisiert sind? Wir wissen es Stand heute einfach noch nicht. Klar aber scheint auf jeden Fall, dass "One love", diese Parole aus der Steinzeit der Liebe, mit dem Bekenntnis der DFB-Vertreter, dass man die Binde nicht tragen, aber dennoch an seinen "Werten" festhalten werde, erledigt ist. Nun setzen sich ja die ersten ab, die trotzdem Moralweltmeister bleiben wollen. So verlieren alle und das finde ich nur gerecht.

Strompreisbremse: Auf einmal Gaspedal

Das Unheil kommt aus dem Trafo nach Hause. Doch die Deutschen bleiben stoisch.

Explodierende Energiepreise: Statt auf die Strompreisbremse treten Versorger auf einmal überall auf das Gaspedal. Das Land aber steht still und staunend. Kann man nichts machen.

Es war immer schon ein großer Vorteil der Deutschen, dass sie fähig waren, sich an neue Lebensumstände schnell und klaglos anzupassen. Im Dritten Reich kaufte man sich eine Hakenkreuzfahne, in der DDR trat man der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft bei. Der Rest war normaler Alltag, jeder richtete sich ein in den Beschränkungen und unterlief sie, wo er konnte. Und jeder nutzte die Freiheiten, soweit sie vorhanden waren, keinesfalls aber mehr.  

Die stoische Nation

Was nicht erlaubt war, aus welchen gründen auch immer, akzeptierten die Deutschen in Ost wie in West stoisch. Erwachsene Männer stehen bis heute geduldig vor roten Ampeln an leergefegten Straßen. Selbst junge Mädchen, die  im tiefen Glauben leben, dass die Welt in Kürze untergeht, wagen es allenfalls, sich aus Protest an ein altes Bild aus dem Mittelalter zu kleben. Nicht aber, den Krieg zu denen zu tragen, die aus ihrer kindlichen Sicht erstens an allem Schuld sind . Und zweitens über umfangreiche Möglichkeiten verfügen, die Welt zu retten, die sie nur eben aus Gründen der Korruption, einer tiefsitzenden Menschenfeindlichkeit oder purer Verantwortungslosigkeit nicht nutzen wollen.

Ein Volk, das auf diese Weise nicht schlecht durch die letzten paar Jahrhunderte gekommen ist, ignoriert veränderte Umstände nicht, es absorbiert sie. So wie die Deutschen nach Stalingrad sicher waren, dass der Krieg verloren ist, waren sie 1980 überzeugt, dass die DDR eines wunderschönen Tages zusammenbrechen wird. 

Als Corona kam, aber die Zombieapokalypse ausblieb, dauerte es einen Moment, aber dann beschloss eine Mehrheit einfach, nun eben mit einer zweiten Grippe zu leben. Und als Putin in die Ukraine einmarschierte, die Bundesregierung und die EU mit einem Wirtschaftskrieg antworteten und die Energiepreise explosionsartig auf das Zwanzigfache stiegen,  versicherte man sich im Zwischendeck, dass es so schlimm schon nicht kommen werde. Weil es nicht so schlimm kommen könne. Weil Deutschland dann nämlich am Ende sei.

Der Preis erreicht die Wirklichkeit

Nun ist es soweit. Nach Monaten, in denen die Bundesregierung schwieg, unterbrochen nur von kurzen Auftritten, bei denen neue Entlastungsversprechen unter die Leute gebracht wurden, erreichen die gestiegenen Großhandelspreise für Strom und Gas nun doch den Alltag der schon länger hier Lebenden. Überall trifft Post von Energieversorgungsunternehmen ein, überall reiben sich die Menschen die Augen. Neun Monate nach dem ersten "Entlastungspaket", das vor Kriegsausbruch beschlossen worden war, nach Kriegsausbruch aber umgehend zur ersten Kriegshilfe erklärt wurde, steigt der Erdgas für Endabnehmer im Schnitt um 54 Prozent. Der Strompreis verdoppelt sich annähernd: Statt des bisherigen weltweiten Rekordpreises von durchschnittlich 34 Cent pro Kilowattstunde werden nun im Durchschnitt 50 Cent fällig.

Eine Kugel Eis, wie Jürgen Trittin es nennen würde, Erfinder der nach ihm benannten Trittin-Rente und der Energiewende zum Energieausstieg, die das alles erst möglich gemacht hat. Medien tun, was sie können, um den Preisschock abzufedern: Statt mitzuteilen, wo die neuen Preise liegen werden, verlegen sie sich auf Prozentzahlen, auf die getreuliche Übermittlung der Beispielrechnungen der Propagandaabteilungen der Anbieter und auf Hinweise auf die "Strompreisbremse", die eines Tages alles zu Guten wenden werde. 

Zwischen Anpassung und Trostrechnung

Die Erhöhung wird von den Versorgern selbst am liebsten "Anpassung" genannt, auch wenn sie aufs Jahr gerechnet bei einer Durchschnittsfamilie einer Verdopplung von 900 auf 1.600 Euro entspricht. Medien nehmen den Vorschlag gern an, um keine Unruhe zu schüren. Aus Trostgründen übernehmen sie auch bereitwillig die Strategie, das Ausmaß der Preissteigerungen auf Singlehaushalte und Monate herunterzurechnen. Dann klingt das alles handhabbar. 35 Euro mehr. Nun ja. Man kann es doch nun auch wieder nicht ändern.

Das Volk ist dankbar für so viel Fürsorge. Wenn es schon schlimm wird, dann muss man so wenigstens nichts davon wissen. Strom um durchschnittlich 61 Prozent teurer, Gas um 54 Prozent, Fernwärme vorerst 30, Lebensmittel 20. Selber schuld, wer noch kein Singlehaushalt ist, der künftig nur "35 Euro" (TZ) mehr zu zahlen hat. Die fürsorgliche Art, die böse Botschaft zu übermitteln, sie findet dankbare Abnehmer überall. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Das böse Erwachen kommt später immer noch früh genug. Zu ahnen, wie übel es wird, ist belastend genug. Da muss man nicht auch noch wissen. "Das stimmt gar nicht, das stimmt gar nicht", singt sich die Heldin in einem Buch von Annie Frasier vor, das von 2002 stammt, aber bezeichnenderweise "Eisige Stille" heißt.

Das mystische Versprechen der "Strombremse"

Wer sich fragte, weshalb die Bundesregierung ihr mystisches Versprechen einer Strombremse" mit einem Preisdeckel bei 40 Cent verband, obwohl doch der durchschnittliche Strompreis in Deutschland bei nur 33 Cent lag, der hat nun seine Antwort. Es musste erst teurer werden, damit die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl, dass es billig wird, eines noch unbekannten Tages wieder richtig genießen können.

Dienstag, 22. November 2022

Kaltes Herz: Hetze, Hass und Häme für bibbernde Politikerin

Vom talentierten jungen Maler Kümram gezeichnet mit steifen Fingern: Renate Künast bibbert und friert in diesen Tagen trotz Dieselheizung im Bundestag nicht weniger als mancher von Armut bedrohte Gasheizer.

S
ie hatte nicht mit einem Jubelsturm gerechnet, nicht mit Applaus für ihre selbstauferlegten Qualen und nicht einmal damit, dass man ihr den gebotenen Respekt zollen würde dafür, dass sie nicht nur redet, sondern auch entsprechend handelt. Die frühere grüne Spitzenpolitikerin Renate Künast wollte nur einen kleinen Einblick geben ins Innere des deutschen Machtapparates, der derzeit nicht nur eine Pandemie, sondern auch einen Krieg und den Umbau der gesamten Erde zu einem nachhaltigen Ort zu bewältigen hat. Da gibt es kein Vertun, kein Zögern und kein Jammern. Was gemacht werden muss, muss gemacht werden, ganz egal, ob es draußen stürmt oder schneit.

Verzweifelt und frierend im Bundestag

Sitze mit Mantel und 3. Tasse heißes Wasser - auch zum Hände wärmen- im Büro", offenbarte Renate Künast ihre verzweifelte Lage. Ein Geständnis aus dem Deutschen Bundestag, der an ernsthaft daran zweifeln lässt, dass die Bundestagsverwaltung in der aktuellen Situation noch in der Lage ist, Arbeitsbedingungen im Hohen Haus herzustellen, wie sie der Gesetzgeber, aber auch die Europäische Union als entscheidende Instanz verlangt. "Ich zweifle das das 19 Grad sind", prangerte Künast an, die zitternden dicken Handschuhfinger ließen Komma und Doppel-S weg, die zerschossenen Zeilen aus dem Kessel von Berlinistan aber keinen Zweifel: "Nächste Woche komme ich mit Decke, Wärmflasche und Hut."

Niemand wäre gezwungen gewesen, Künast dafür Denkmale aufzustellen. Anerkennung aber hätte die frühere grüne Parteivorsitzende allemal verdient gehabt. Schließlich duckt sich Künast nicht wie andere Politikernende einfach weg vor den Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen, sondern sie durchleidet sie ebenso wie die letzte zitternde Oma in Olbernhau, der frierende Plattenbaurentner in Siegen und die Teelicht-Träumer in Bad Zwischenahn. Renate Künast, die in ihrer Amtszeit als grüne Parteivorsitzende großen Wert darauf legte, die rot-grüne Bundesregierung keine Gesetze zu verabschieden zu lassen, die eine Abkehr von der Abhängigkeit von russischen Fossilen eingeleitet hätten, erntete dennoch Hass, Hetze, aber auch Spott und Verachtung.

Als "putzig" beschimpft

Als "putzig" musste sich die Leiterin der AG Ernährung und Landwirtschaft der grünen Volkspartei beschimpfen lassen, ihr wurde empfohlen eine "Burka anzuziehen" oder sich mit ihrer Beschwerde an den Bundesklimawirtschaftsminister zu wenden, der versprochen habe, dass niemand frieren müsse. Der Versuch der prominenten Bundestagsabgeordneten und erfolgreichen Bestsellerautorin ("Hass ist meine Meinung", Heyne) jedenfalls, den Armen, Zitternden und Frierenden draußen im Lande zu zeigen, dass in Deutschland auch die Auserwählten aus der Elite der Weichensteller und Zeichensetzer, die Besserbisgutverdienenden und die  Vorantreiber des Energieausstieges solidarisch bibbern, er dank eines rechten Shitstorms ging nach hinten los.

Dabei hatte Renate Künast eben nicht nur Klage geführt über die ausbleibende Klimaerwärmung, jetzt, wo Deutschland sie so gut gebrauchen könnte. Nein, die frühere Landwirtschaftsministerin, aufgewachsen in einer Recklinghauser Arbeiterfamilie und wegen ihrer dezidiert linken Haltung jahrelang von den Mächtigen beargwöhnt, gab allen, denen es wie ihr selbst noch nicht gelungen ist, eine kriegsmäßige Kältetoleranz aufzubauen, Lebenshilfe. Es muss nicht die Heizung hochgedreht werden. Es reicht auch die Tasse heißes Wasser auf dem Tisch. Und wenn nicht, dann eben "Decke, Wärmflasche und Hut".

Kältekampf mit heißem Wasser

Niemand wird den Kältekampf gegen Russland aufgeben, niemand wird die Waffen strecken, jedenfalls nicht im Deutschen Bundestag. Nach Künasts Tweet wird dort nun wohl eine strenge Überprüfung der Arbeitsbedingungen vorgenommen werden müsse, damit das Haus, in dem verbindliche Regeln für das Funktionieren der Gesellschaft beschlossen werden, sich dann und wann selbst auch an diese Regeln hält. Renate Künasts lifehack mit der Tasse heißen Wassers auf dem Tisch statt des gewohnten Rückgriffes auf die mit Dieselgeneratoren betriebene Heizung des Bundestages zeigt einen Weg, den viele mitgehen können. Sparsam, immer wieder erneuerbar, weil dasselbe Wasser sich wiederverwenden lasst. Und nachhaltig, weil gemäß den Empfehlungen des Climate-Watch-Institutes (CLW) in Grimma nicht der Raum, sondern nur der zum Überleben bestimmte Körper geheizt wird. 

 


Starkes Zeichen gegen Gratis-Mut: Schrei nach Liebe

Nachdem die Mutbinde von der Fifa verboten wurde, ritzten tapfere deutsche Fans den One-Love-Slogan in ein Männerklo im Al-Bait-Stadion, um ein Zeichen zu setzen.

Der geplante Sturm im Wasserglas, er musste wetterbedingt ganz kurzfristig abgesagt werden. Eigentlich war die deutsche Fußball-Nationalmannschaft deutschen Medienberichten zufolge nicht nach Katar geflogen, um dort Sport zu treiben, den alten deutschen Ruf der Turniermannschaft aufzupolieren und die schwere Scharte des Russland-Debakels auszuradieren. Sondern um das Los der Katarer und ihrer "Gastarbeiter" (Die Zeit) durch das Zeigen von starken Zeichen zum Besseren zu wenden.

Diplomaten in Turnschuhen

Eigens diplomatisch vorgeschult, wussten die in allerlei höchsten Ligen erfahrenen jungen Männer zwar, dass es sich  am Persischen Golf verbieten wird, provozierend Bier auf der Straße zu trinken oder Menschenketten gegen den Emir zu bilden. Aber wenigstens mit der One-Love-Binde sollte Mannschaftskapitän Manuel Neuer auflaufen, nachdem die Fifa das Tragen der früher zeichensetzenden Regenbogen-Binde verboten hatte.

Das wäre quasi gratis gewesen, mittendrin, dabei und doch dagegen, ein deutscher Gruß ganz eigener Art, den zudem andere zivilisierte Nationen übernehmen wollten. Zwar stiegen die Franzosen aus der tapferen europäischen Protestgemeinde aus, um wie schon bei ihrer Nato-Mitgliedschaft und der Nutzung der Atomkraft ein nationales Süppchen zu kochen. Doch der Rest vom  Protest hätte rechnerisch reichen müssen,die Fifa aufzurütteln, dem Emir Gewissensbisse zu machen und die Tür zu öffnen für alle, die sich nicht einfach nur Fußballspiele in Katar wünschen, sondern ein Festival der Menschenrechte ohne Scharia, Koran, "Gastarbeiter" (Die Zeit) und trotz Gasmangellage daheim durchklimatisierte Stadien.

Aufstand des guten Gewissens

Es war dann aber natürlich der Fußballweltverband mit seinem - im Gegensatz zu deutschen Fußball- und WM-Funktionären - mutmaßlich korrupten Vorsitzenden, der dem Aufstand des guten Gewissens brutal einen  Riegel vorschob. Wer die One-Love-Binde trage, werde grausam bestraft, verkündete die Fifa. Eine gelbe Karte drohe, im Wiederholungsfall eine zweite und damit eine Sperre für das nächste Spiel. 

Ohne Manuel Neuer gegen Spanien? Wie soll das gehen? Beim DFB, dessen Führung noch nie nachgewiesen werden konnte, wie sie die Sommermärchen-WM damals nach Deutschland geholt hatte, schrillten die Alarmglocken. Man stehe selbstverständlich zu seinen Werten. Aber nicht gerade jetzt.  Die Mannschaft, die nicht mehr so heißen sollen darf, hat eine Verantwortung für die Stimmung daheim, eine Verantwortung, die in Zeiten überall eintrudelnder Energiepreiserhöhungsbriefe umso höher ist, je höher die aufgerufenen Fantasiezahlen der Versorger liegen. 

Bälle müssen rollen

Bälle müssen rollen für den Sieg im Energiekrieg, bis die Energiebremsen greifen. Und nachdem schon die von der Initiative "Fußball für alle" (FfA) und dem neuen geschlechtergerechten Fußball-Weltverband Mixed Internationale de Football Association (Mifa) ins Spiel gebrachte Entsendung von zwei bis vier Frauenfußballspielerinnen, die sich als Männer definieren und nach den Regeln des neuen Gesetzes zur Änderung personenstandsrechtlicher Vorschriften (20/2294) auch rechtlich als solche anerkannt sind, im DFB-Team in Frankfurt am Main verworfen worden war, gab der DFB nun auch den Versuch auf, mit Hilfe der One-Love-Binde für Besserung der Lebensbedingungen im arabischen Raum zu sorgen.

Deutschland wird es auf sportliche Art Zeichen setzen müssen, eine Unternehmung, die zuletzt sichtlich schwer fiel. Die vom Rückzieher der WM-Delegation schwer enttäuschten mitgereisten Anhänger machten ihrer Unzufriedenheit mit der Entscheidung mittlerweile auf ihre Weise Luft: In einer Stadiontoilette im Al-Bait-Stadion, Block 8, ritzten sie den verbotenen Slogan unübersehbar in die Zwischenwand zwischen zwei Stehkloboxen.

Montag, 21. November 2022

Ölhosen und Qualschuhe: Der freshe Schick der Klimakleber

Sie sind keine Terroristen, sondern Mahner, berufen vom Weltgericht. Sie stören den Verkehr, weil der Verkehr die Welt nicht nur stört, sondern zerstört. Ihre Mission ist es, wachzurütteln, die Menschheit zur Umkehr zu bewegen, weg von der fossilen Wirtschaftsweise, die heute acht Milliarden Menschen zu ernähren vermag. Zurück dorthin, wo weniger Leute noch ausreichten. Europa und Amerika fast vollständig zu entwalden, beständig Kriege zu führen, die immer wieder drohten, die gesamte Art auszuradieren, und jede Pandemie stoisch bis zur Durchseuchung zu akzeptieren war, weil es keine moderne Medizin, eine moderne Wissenschaft und keine Forschung nach Impfstoffen und Medikamenten gab.

Messianischer aufgestellt

Carla Hinrichs gibt seit Monaten ihr Gesicht für die Bewegung "Letzte Generation", der es binnen einiger Wochen gelang, die vorhergehenden Klimabewegungen "Fridays for future" und "Extinction  Rebellion" vollkommen vergessen zu lassen. Die Letzte Generation ist noch entschlossener, noch kompromissloser, noch messianischer aufgestellt. Ihre Mitglieder, auffallend oft junge Frauen und Mädchen, sind erfüllt vom Glauben, am Ende der letzten Tage zu leben und gerufen zu sein, dieses von der Wissenschaft bereits festgeschriebene Ende aufhalten zu müssen und zu können.

Kleber, Suppe und Farbe sind die Waffen der Wahl, Zugeständnisse an die notwendige Öffentlichkeitswirksamkeit aller Aktionen, die die sehr überschaubare Formation aufgrund der knappen Personaldecke mit geringem Personalaufwand absolvieren muss. Verwendet wird einerseits Pattex, ein Cyanacrylat-Ester, der aus einer polymerisierbaren chemischen Verbindungen auf Erdölbasis besteht, aber auch Ölfarbe auf der der Grundlage von Terpentinöl, Terpentinersatz oder Ethanol. Die Suppe hingegen entstammt oft noch der mittlerweile beerdigten Kampagne "Essen retten" und ist Bio.

Gesicht der Straßenkleber

Unschuldig weiß: Klimaschuhe von Adidas.
Als Gesicht der Straßenkleber ist Hinrichs noch nicht ganz so beliebt wie FFF-Führerin Luisa Neubauer, doch in Sachen Fernsehpräsenz hat sie die vergleichsweise kompromisslerische Versöhnlerin zuletzt bereits überholt. Auch bei "Anne Will", die sich dem Klimakleben in einer Sendung unter dem Titel "Straßen blockieren, Kunst attackieren – helfen diese Aktionen beim Kampf ums Klima?" als neuem  Unterhaltungsangebot widmete, zeigte sich Hinrichs eloquent und unerbittlich, verbal grenzenlos opferbereit und als Einzige in der grün-schwarz-roten Runde gewillt, die Klimafrage persönlich zu nehmen.

Carla Hinrichs trug bei ihrem Auftritt bei Anne Will signalhaft eine Strumpfhose aus Erdöl und Adidas-Sneaker aus Qualanbau in der Dritten Welt. Sanft schmiegen sich die Mikrofasern aus Nylon, Polypropylen und Elastan an ihre Schenkel, federnd wippen die Füße in den Turnschuhen Marke "Superstar Cloud White", hergestellt überwiegend aus Polyurethan, einem unter hohem Energieeinsatz mittels Polyadditionsreaktion von Polyisocyanaten mit mehrwertigen Polyolen produzierten Schaumstoff, der entsteht, wenn das Klimagift Kohlenstoffdioxid die Reaktionsmasse aufschäumt.Der Energieaufwand für die Herstellung liegt bei mehr als 30 kWh pro Kilogramm, die Umweltwirkungen sind dafür aber langanhaltend: Ein Paar Turnschuhe kann als Schwemmmüll in den Weltmeeren heute schon mehrere tausend weggeworfene verbotene Plastiktrinkhalme ersetzen.

Eine Moral ist gut, zwei sind besser

Das zu tragen und über das Weltklima zu sprechen, dazu gehört Charakter, dazu gehört die feste Überzeugung, dass eine Moral gut ist, zwei aber noch besser sind. Traditionell gelten Schuhe von Adidas in klimabewegten Kreisen als ausgezeichnetes Distinktionsaccessoire, mit den Produkten des Hauptausstatters der korrupten Fifa-Turniere an den Füßen protestiert es sich bequem und gewissensbissensneutral gegen Erderwärmung, Freihandel und verschwörerische Eliten, man ist unter sich mit Aktivisten wie Fidel Castro und der chinesischen Damen-Frauenfußballerinnenelf, es ruht nicht nur das Studium, sondern auch der Mensch in sich und seiner äußeren Schale aus Hightech-Chemie, milliardenschwerem Marketing, umweltzerstörender Produktionsmethoden und prekärer Billiglohnzuarbeit in den Ländern des globalen Südens.


WM-Wahnsinn: Feindflug einer Fußballelf

 

Zur weltweiten deutschen Fußballkultur gehört Bier. Blutprinzen, die das verweigern, müssen sich auf deutliche Zeichen aus Deutschland gefasst machen.

Als die ersten Gerüchte aufkamen, dass es im Land der Islamisten eng werden könnte mit dem Bierausschank im Reich der Blutprinzen, hätte die demokratische Welt noch eine Wahl gehabt, die Notbremse zu ziehen. Bier gehört zum Fußball wie Fußball zum Bier. Eins kann nicht ohne das andere, nicht jedenfalls in der zivilisierten Welt. Obwohl Budweiser, das offizielle Bierersatzgetränk der Weltmeisterschaft in Katar, in Kulturnationen ohnehin nicht als reguläres Bier gilt, hätte ein lockerer Umgang mit den engstirnigen und trinkerdiskriminierenden Vorgaben des Koran beim Thema Alkohol die dritte und die ersten Fußballwelt ein wenig miteinander versöhnen können.

Toleranzschwelle austesten

Die Gastgeber aber blieben stur. Trotz aller Kritik aus Berlin, aus den Stadien der Ligen des viermaligen Weltmeisters und mahnender Worte sogar der Innenministerin, die kurz vor ihrem Abschied aus Berlin nach Wiesbaden eigens vor Ort eilte. Aus diplomatischen Gründen begleitet von hochrangigen Vertretern der deutschen LBGTQUSWETC-Gemeinschaft, die die Toleranzschwelle der traditionell der Terrorfinanzierung verdächtigten weitläufigen Familie von Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani austesten sollten.

Das Experiment gelang, angesichts der führendsten Rolle Deutschland beim klimagerechten Umbau der globalen Wirtschaft durch die Abnahme großer Mengen katarischen Flüssiggases verzichteten die Behörden in Doha furchtsam auf ein Eingreifen. Deutschland ließ sich davon allerdings nicht täuschen: Von München bis Wolfsburg und von Mainz über Köln bis Berlin herrschte nicht nur in den direkt von Katar finanzierten Fußballhochburgen, sondern auch bei Gemeinsinnsendern und Politik Einigkeit:  Deutschland hat diese WM mit 214 Millionen Euro aus der Gebührenkasse von ARD und ZDF mitfinanziert. Adidas ist einer der Fifa-Partner, in seligem Angedenken an die engen Beziehungen, die die seinerzeit die Sommermärchen-WM 2006 nach Deutschland gekauft hatte.

Ein Zeichen setzen, oder zwei

Der Feindflug der Fußball-Nationalmannschaft nach Katar musste stattfinden, um ein Zeichen zu setzen. Die WM aber darf nicht gefeiert werden wie die früher in Diktaturen wie Argentinien und Russland abgewickelten Turniere, denn es gilt ein Zeichen zu setzen. Mutige Kommunen haben langfristig alle Public-Viewing-Veranstaltungen bei drei Grad im Novembernieselregen in einem selbstlosen Akt der Entsagung abgesagt. Der Kanzler, der zuletzt noch nach London "gereist" und "gefahren" war, um den deutschen Fußballfrauen seine Aufwartung zu machen, wird nicht kommen. Der Bundespräsident bleibt seiner Linie treu, mit Fremden, "die unsere Werte nicht teilen" (Steinmeier) lieber nicht zu reden, um sie nicht unmäßig aufzuwerten.

Das Jammern, das Wehklagen, die Gewissensbisse, sie zeigen Wirkung. Ganz einfache Menschen, die bisher der Ansicht waren, dass die Benachteiligung von Frauen, die Verachtung von Schwulen, die Ablehnung von Alkohol und Menschenrechten offizielle Haltung aller muslimischen Staaten sind, sehen sich plötzlich moralisch unter Druck gesetzt, die WM zu ignorieren, sie zu sabotieren und zu boykottieren, bis, wie Bundesinnenminister Marco Buschmann festgelegt hat, "alle Menschen akzeptiert werden, so wie sie sind, egal, welches Geschlecht sie haben und wen sie lieben."

Verständigung nur mit Unseresgleichen

Vorher, so der Liberale, könne es "keine internationale Verständigung" geben, nur das eine oder andere Geschäft. Bei Volkswagen, der Hitlergründung, teilen sich der deutsche Staat und Katar die Eigentümerrechte. Bei der ehemals Deutschen Bank, beim taumelnden Zukunftskonzern Siemens Energy und beim Beinaheimpfstoffhersteller Curevac sind Blutprinzen und deutsche Politiker Aufsichtsratskollegen. Beim FC Bayern München, der ein Drittel der deutschen WM-Equipe stellt, zahlen die Scheichs immer im Winter, wenn die Gasrechnung selbst dem Dauermeister zu teuer wird, einen Klimaausflug an den Golf.

Das WM-Land ist also kein Neuland für viele deutsche Kicker, erstmals aber dürfen sie auf dem Platz nun das Gefühl haben, mit jedem Pass Schuld auf sich zu laden, mit jedem Tor den Falschen zu dienen und mit jedem Jubel allen Bemühungen Hohn zu sprechen, den in Katar verbotenerweise immer noch "Gastarbeiter" genannten Opfern des WM-Spektakels Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ein falsches Wort, ein falscher Wimpernschlag, schon wird das Heer der öffentlich-rechtlichen Aufpasser - neben ARD und ZDF berichtet auch das teilstaatliche Magenta TV der Telekom - losprangern. Schon vor dem Anstoß war ein eigenes neues Kunstgenre entstanden, das sich allein der sogenannten "Fußballempörung" widmet. In Katar wird es seine ersten Meisterwerke zeigen.

Die besten Voraussetzungen für fröhliche Fußballwochen.

Sonntag, 20. November 2022

Sieg in der Nachspielzeit: Klimakuh vom Eis

Diese Gruppe von mutigen Männern stellte sich in Ägypten der Aufgabe, die Kuh vom Eis zu holen. Am Ende erfolgreich: Die Menschheit hält am 1,5-Grad-Ziel felsenfest.

Ohne greifbare Ergebnisse, aber erfolgreich. Auch die endlose Klimakonferenz COP27, von den Medien nach anfänglicher Begeisterung weitgehend ignoriert und von Klimaschützern als schlecht organisiert beklagt, endet erneut und wie immer als riesengroßer Erfolg für die weltweiten Klimaziele - und die deutsche Delegation unter Führung von Kanzler, Vizekanzlerin und dem Fridays-for-Future-Vorstand.

Es schien sich auch wirklich alles gegen Deutschland und die führenden Vertreter der EU verschworen zu haben beim langersehnten Klimagipfel in Scharm El-Scheich. Der Zeitplan drängte, denn die große Abschlusskundgebung mit der feierlichen Präsentation der Verhandlungsergebnisse auf dem Weg zum 1,5-Grad-Ziel sollte unbedingt noch vor dem Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft in der benachbarten katarischen Diktatur stattfinden. Dennoch stellten sich mehrere große Verschmutzer quer und verweigerten eine Zustimmung zu den von den großen demokratischen Schutznationen vorgeschlagenen Maßnahmen.

Die Übeltäter sind gut  bekannt

Namen wurde nicht genannt, ihre Aussagen nicht zitiert. Doch der Menschheit sind die Übeltäter nur zu gut bekannt. Russland China, der Iran und Nordkorea, ihnen allen ist zuzutrauen, die nächtelangen Verhandlungen bis in die notwendig gewordene Verlängerung hinein boykottiert zu haben, um Olaf Scholz' große Idee vom "Klimaklub" weiterhin ins Leere laufen zu lassen. Mit Erfolg: Nachdem der Kanzler seinen deutschen Vorschlag gemacht hatte, diese ganz kleine Gruppe elitärer Klimastaaten zu gründen, um die Welt in die richtige Richtung zu leiten, war die Initiative umgehend wieder eingeschlafen.

Nun auch noch das: Statt fester Ziele und harter Vorgaben zur Reduktion von Treibhausgasen, wie sie die EU und Deutschland seit Jahren durch fortlaufend nachgeschärfte Klimaziele vorleben, konnte sich die Weltklimagemeinde aus "nahezu 200 Staaten" (DPA) in Ägypten nur auf neue Schritte im Kampf gegen den Klimawandel einigen. Klare Kante: "Schrittweise" sollen alle Staaten der Welt bis irgendwann aus der Nutzung von Steinkohle und Braunkohle aussteigen. Ein Ende der Verwendung von Öl und Gas ist jedoch nicht geplant, dafür aber verpflichten sich die ausstiegswilligen Staaten, einen sogenannten "Geldtopf" (Annalena Baerbock) zu füllen, aus dem die Länder unterstützt werden sollen, die wie die von Fluten bedrohten Bangladesh oder Indonesien weiterhin fast vollständig auf fossile Energieträger setzen.

Kuh vom schmelzenden Eis

Angesichts des Umstandes, dass es bis zum nächsten großen Klimagipfel COP27 fast ein Jahr dauern wird, musste die Kuh zwingend vom unablässig schmelzenden Eis der kommenden "Klimahölle" (Die Zeit), obwohl sich John Kerry, der frühere Ketchup-Milliopnäre, Präsidentenbewerber und heutige Chefverhandler der Klimamacht USA, zum allem Unglück am Ende auch noch mit Corona infizierte. Ohne den Druck aus Washington, wo Joe Biden eine so erfolgreiche Klimapolitik betreibt, dass die Vereinigten Staaten zuletzt mit einem Plus von 1,5 Prozent mehr CO2-Emissionen sogar China (+0,9%) hinter sich ließen, blieb es für das große Zeichen beim kleinsten gemeinsamen Nenner: Der neue Entschädigungsfonds für Klimaopferstaaten ist beschlossen, nun beginnen die Verhandlungen darüber, wer wie viel wann an wen zahlt. Ebenso klar ist, dass die Kohlezeit enden wird, nur wann ist noch nicht klar. 

Inwieweit Öl und Gas beim Erreichen des durch die vereinten Anstrengungen von EU und Bundesregierung glücklicherweise beibehaltenen 1,5-Grad-Ziels mithelfen dürfen, wird im kommenden Jahr beim nächsten Gipfeltreffen beschlossen werden, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten direkt zwischen Ägypten und Katar ausgetragen wird. Dort geht es dann auch wieder um weitere unverbindliche knallharte Weichenstellungen innerhalb der 2015 bei der wegweisenden Klimakonferenz in Paris beschlossenen Strategie, aus der Nutzung der fossilen  Energieträger auszusteigen, sobald sich alle anderen Nationen den Vorreiterstaaten in der EU anschließen wollen. 

Der verschwundene Klimaklub

Im politischen Berlin laufen bereits erste Vorüberlegungen zu weiteren deutschen Klimavorschlägen, die den Ampel-Plänen zufolge weit über Klimaklub ®© und ein womöglich großzügiges Angebot für direkte deutsche Ausgleichszahlungen an die Opfer deutscher Wohlstandswahrung hinausgehen könnten. So plant Olaf Scholz  dem Vernehmen nach, das erfolgreiche deutsche 9- bzw. 39-Euro-Ticket als "Global Travel Pass" (GTP) zum Zentrum einer globalen Klimainitiative zu machen, die den öffentlichen Nahverkehr nicht nur in Mecklenburg und Bayern, sondern auch in Nepal, Vietnam, Peru, im ländlichen Kanada und in ganz Afrika stärken soll. 

Allein in Deutschland hatten rund 50 Millionen Nutzer des sogenannten Gute-Laune-Fahrscheins durch zum Teil zusätzliche Fahrten im Sommer 1,8 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Gelänge es, das deutsche Modell im globalen Maßstab auszurollen, würde Berliner Berechnungen zufolge bereits im ersten Jahr eine Milliarde Tonne Treibhausgase weniger emittiert. Das wäre eine Einsparung von knapp drei Prozent, die im Zusammenspiel mit einem weltweiten Haustierverbot, der sogenannten "Hundebremse", ausreichen würde, ab 2024 auf den 1,5-Grad-Pfad zurückzukehren.