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Donnerstag, 8. August 2013

NSU: Rufnummernmitnahme zum Tatort

Es war der 24. Januar 2012, als der Münchner Starjournalist Hans Leyendecker dem ganz nahe auf die Spur kam, was heute als „NSA-Affäre“ Millionen erregt. Leyendecker, seit seiner Erfindung eines Kronzeugen im Fall der Erschießung des RAF-Terroristen Wolfgang Grams mehrfach ausgezeichnet, ging seinerzeit einem Anruf nach, der von einer Telefonzelle in der Nähe der Zwickauer Polenzstraße an ein Handy gegangen war, das sich in der Trappentreustraße im Münchner Westend befand. Wann? Ja, am 5. Juni 2005 um 15.22 Uhr – vier Stunden später wurde ganz in der Nähe der 41 Jahre alte Grieche Theodorous Boulgarides mutmaßlich von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen.

Nun ist da dieser Anruf auf das Handy mit der Nummer 0162/4639557, von dem die Ermittler durch eine Funkzellenauswertung wissen, die sie 2005 durchgeführt haben. Sechs Jahre danach taucht die Nummer wieder auf: Das Telefon und eine auf die Rufnummer lautende Rechnung werden im Brandschutt des Hauses gefunden, das Zschäpe nach dem Tod der beiden Männer am 4. November 2011 angezündet haben soll.

Hans Leyendecker, der sich zuweilen auch als „Investigativreporter“ bezeichnen lässt, wird hier ausweislich seines Textes nicht stutzig. Die Frage, wieviele Telefonnummern die Ermittler der Sondereinheit Bosporus wohl neben der 0162/4639557 noch seit 2005 abgespeichert haben, um sie im Ernstfall mit anderswo auftauchenden Nummern abzugleichen, stellt er nicht. Naheliegend aber, dass es in den Stunden rund um den Tatzeitpunkt mehrere Zehntausend gewesen sein müssen.

Und obwohl es keine Vorratsdatenspeicherung und keinen dringenden Tatverdacht gegen keinen einzigen Inhaber einer der Nummern gar, wurden alle Metadaten aus den Kommunikationsvorgängen gespeichert. Über sechs Jahre – schließlich wussten die Ermittler so lange nicht, welche Nummer am Ende eine Verbindung zu den eventuellen Tätern haben könnte. Erst als sie dann die passende Rechnung im Terroristenhauptquartier fanden, erwies sich die Unschuld der Besitzer der meisten Rufnummern.

Hans Leyendecker beklagt das nicht. Er merkt es nicht einmal. Er fragt auch nicht, auf wen das Handy angemeldet war, ob es selbst für Anrufe benutzt wurde oder noch weitere Anrufe empfing – und wenn ja, woher all dieses Wissen sechs Jahre später plötzlich kommt. Stattdessen fragt er sich „Warum ging Zschäpe, die daheim geblieben war, in eine Telefonzelle, um Böhnhardt und Mundlos anzurufen?“ Und schließt die naheliegende Frage an: „Wusste sie von dem bevorstehenden Mord?“


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Kommentare:

Cordt hat gesagt…

Blöde Frage. Frau Z. mußte in die Telefon-Zelle ausweichen, weil bei ihr daheim jemand dauertelefonierte. Telefonkonferenz. Ein typisches Merkmal terroristischer Gruppen. Wir kennen das von al Qaida.

Die Metadaten können jetzt übrigens gelöscht werden, wie es der Datenschutz vorsieht. Die Verbrechen sind aufgeklärt. Und hat die Speicherung uns Unschuldigen geschadet? Na sehen Sie! Selbst Sherlock Holmes bedient sich manchmal verwegener Ermittlungsmethoden.

eulenfurz hat gesagt…

Die Metadaten können jetzt wieder ins Archiv zurück, wo sie vor dem Zugriff böser Terroristen geschützt sind, die uns alle terrorisieren wollen.

Welch ein Glück, daß unsere wohlweisen Regenten alles abspeichern (von geschredderten Akten mal abgesehen)! Selbst die Dönermorde konnten damit zeitnah verhindert werden!

Oels hat gesagt…

Nagut, hier hätte Leyendecker vielleicht für die Begriffsstutzigen noch etwas ausholen müssen, dafür reißt er im letzten Absatz seines spitzenmäßigen Investigationsartikel alles wieder raus, wo er gekonnt den Bogen von der NSU zur RAF spannt.
Ungefähr so: Nach dem Tod der beiden Killer und nach dem Brand soll Zschäpe die Bekenner-Videos verschickt haben. Auf allen Briefsendungen klebte eine Briefmarke. Die Terroristen der Roten Armee Fraktion frankierten ihre Post auch immer mit Briefmarken !

Kurt hat gesagt…

Wenn das Franz Kafka noch erleben könnte!