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Donnerstag, 21. Januar 2021

Plunderhafte Inszenierung: Fähnchen statt Fans für den Erlöser

Viel prächtiger als noch zuletzt bei Trump setzte Bidens Inaugurationsfeier ein Hoffnungszeichen für die ganze Welt.
 
Es geht bergab mit Amerika, das ist unverkennbar. Die einstige Weltmacht, unter dem eben aus dem Amt geschiedenen Präsidenten Donald Trump auf eine Art ruiniert, dass es dem früheren Weltpolizisten erstmals nicht gelang, wenigstens einen neuen Krieg oder bewaffneten Konflikt innerhalb einer Amtszeit loszubrechen, bringt inzwischen nicht einmal mehr die Kraft für die früher üblichen pathetischen Inszenierungen ihres neuen Führers auf.  
 
Was bei Barack Obama, in Deutschland damals noch stolz mit der Umbenennung eines Affen im Dresdner Zoo in "Obama" geehrt, als gewaltiges Spektakel aus Zukunftsgewissheit, positivem Patriotismus und viel Licht und Musik abgehandelt worden war, wurde schon mit dem Start der Ära Trump zu einer "plunderhaften Inszenierung". In einem "monströsen Bühnenbild" traten der  "Volkstribun und die kaltblaue Eiskönigin" auf, um aus der "größten Polit-Oper der Welt ein billiges Schmierentheater" (Zitate Die Welt) zu machen. 
 

Menschenschlag Kinderfresser

 
Wenigstens ein paar tausend seiner Fans, Typen vom Menschenschlag Kinderfresser, konnte Trump damals auf dem Paradeplatz in Washington begrüßen. Sein Nachfolger Joe Biden muss nun auch darauf verzichten, konnte dafür aber die Hitparade der amerikanischen Pop-Stars aufbieten. Zwar wurden zur Absicherung der Inauguration des 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten  ganze Heerscharen an Nationalgardisten in DC stationiert. Volk aber ist nicht zugelassen diesmal, Corona sei dank. Niemand hätte wollen dürfen, dass bei Biden, dem Triumphator aus dem Pandemiekeller, der kaum Wahlkampf machte und doch nachweislich ebenso knapp wie souverän zum Sieg marschierte, ohne das  Betrug eine ausschlaggebende Rolle dabei spielte, noch weniger Jubler erscheinen als vor vier Jahren bei Trump.

Der entlarvte sich selbst damals gleich mit dem ersten öffentlichen Auftritt als Präsident durch "fadenscheinige Floskeln als Diktatorendarsteller und ganz schlechter Schmierenspieler" (Die Welt). Sein Einzug ins Weiße Haus war eine "Inbesitznahme", die Feierleichkeiten eine "Kostümparade". Ernüchternd auch: Schon in den ersten 24 Stunden seiner Amtszeit konnte Trump keines seiner vollmundigen und populistischen Wahlversprechen einlösen.
 
Amerika wurde nicht größer und schon gar nicht großartiger, Guantanamo war immer noch eine Schade, die Kriege in Afghanistan und im Irak tobten weiter, der Nahe Osten stand ohne Friedenslösung da und der islamistische Terror zeigte sich unbeeindruckt von Trumps Ankündigung, ihn vom Antlitz der Erde verbannen zu wollen.
 

Ein neuer Liebling


Vier Jahre später kämen außerirdische Besucher womöglich zum Schluss, dass einige Punkte von der Liste durchaus abgearbeitet worden seien. Trump musste sich vom ersten Tag an jeweils bis zum frühen Vormittag eines jeden Tages so vielen kritischen Fragen stellen wie Angela Merkel in ihren 20 Jahren an der Macht insgesamt gesammelt hat. Was er tat, war falsch, was er sagte, war gelogen, Kriege, die er beendete, waren sowieso keine gewesen. Und über die, die er nicht begann, musste ohnehin nicht geredet werden.
 
Ein solches Schicksal wird Joe Biden erspart bleiben. Der mit fast 50 Jahren politischer Führungserfahrung ins Amt gekommene Mann aus dem auch bei deutschen Landesbanken lange Zeit äußerst gefragten Steuerparadies Delaware kann mit Blick auf das Medienecho von heute feststellen, dass er den ersten Kampf gewonnen hat: Die Federn der Welt, die Schreibmaschinengewehrstellungen in den Großraumbüros, die Danachrichtenagenturen und Heere von Kommentatoren sind ihm nicht nur gewogen, sie haben einen neuen Lieblingsstar für sich gefunden. Biden ist der erwartete Erlöser, er wird richten, was zu richten ist, heilen, versöhnen und retten.
 

Begeisterung begleitet ihn

 
Von den linken Blättern bis zu den linksliberalen Blättern, von den Gemeinsinnmedien bis zu ihren engagierten privaten Unterstützern ist das Urteil einhellig: Joe Biden wird eine gute, die verletzten seelen der Amerikaner heilende Politik machen. Schon seine versöhnende Rede zum Amtsantritt machte Lust auf mehr, mehr Klima, Gemeinsamkeit, Freihandel und Weltfrieden.

PPQ.li dokumentiert exklusiv die erste mitreißende Schlagzeilenwelle, die auf die "Feier der Demokratie" (Angela Merkel) in Washington folgte. So schwer es für Donald Trump war, sich in den Augen der deutschen Medien als US-Präsident zu qualifizieren, so sicher hat sein Nachfolger das Vertrauen der deutschen Journalisten vom Start weg in der Tasche.

Abschied des Ex-Präsidenten: Trumps Abgang ist ein Symbol – aber anders als von ihm geplant

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Amerika-Liveblog: Biden am Weißen Haus angekommen

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"Hier beginnt der Krieg": Trump ist weg, sein Mob bleibt 

46. US-Präsident Joe Biden: Der richtige Mann Biden ist ins Weiße Haus eingezogen

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Joe Bidens Antrittsrede - Ein neuer Ton

Inauguration - Joe Biden auf dem Weg ins Weiße Haus 

Amtseinführung - Joe Bidens erster Tag als US-Präsident 

Joe Biden als US-Präsident vereidigt: Beschwören der Einigkeit

Neuer US-Präsident: Joe Bidens erste Rede: alles anders als bei Donald Trump

 

Und so klangen die Schlagzeilen vor vier Jahren:
 
Trumps Amerika: Day One
Reaktionen auf Trumps Vereidigung: "Wir müssen uns warm anziehen"
Weltwirtschaftsforum in Davos: Alles auf Trump
Trumps Inauguration: Welch eine plunderhafte Inszenierung!
Neuer US-Präsident: Treffen mit Trump? „Lassen Sie uns das Beste hoffen“
Antrittsrede als US-Präsident: Das sagt Trump – und das sind die Fakten
Amerikas neuer Staatschef: His Way
Real Game of Thrones: Habemus Donald
Weltweiter Protest der Frauen: "Marsch der Millionen" gegen Trump startet
Trump macht keine Kompromisse: "Von heute an gilt: Amerika zuerst"
Trump: Dein Land, mein Land, kein Land
 Die zügellose Macht des Donald J. Trump
Wie Trump in seiner Rede das Volk definiert
Proteste in Washington: Ein Steinwurf von der Revolution entfernt
Große Trump-Show: War Melanias Outfit bei der Amtseinführung Kalkül
Die 10 wichtigsten Trump-Sätze und was sie bedeuten
Strategie gesucht: Der Twitter-Präsident und die Sach-Kanzlerin
Donald Trump: Jetzt wird neu gedealt
Obamacare: Trump weicht US-Gesundheitsreform auf
Amtseinführung Trump: Die Dämonen sind los
Ökonomen frustriert von Trump: Wenig Klarheit, viele Floskeln
Amtsübergabe im Netz: Twitter-Account @POTUS gehört jetzt Trump
Demonstration gegen US-Präsident Trump: Protest unter rosa Mützen
Trumps erster Tag als US-Präsident: Obamacare im Visier
US-Präsident: Weltweit demonstrieren Frauen gegen Trump
 „America first“ als Leitlinie
Reaktionen auf Trump-Rede: Gabriel: "Das waren hoch nationalistische Töne"
Ortsbesuch im Mittleren Westen der USA: Keine Angst vor Trump
Vorwurf der sexuellen Übergriffe: Die erste Frau klagt gegen Trump
Auf Knopfdruck Atomkrieg: Das darf Trump als Präsident wirklich entscheiden
Deutsche Reaktionen auf Trump: „Seine Vorstellungen sind eng bei den unseren“
Fehlerseite auf "Whitehouse.gov": Kaum ist Trump US-Präsident, ist plötzlich eine wichtige Webseite verschwunden
Präsident Donald Trump: Lesben, Schwule? Klimawandel - das gibt es auf der Webseite der US-Regierung nicht mehr
Pressestimmen zu Trump: "Die hässliche Grimasse der Demokratie"
Trump regiert schon los
Demonstranten gegen Trump: Das fürchten sie, das hoffen sie
Trump: Angeben, attackieren, ablenken
"Trumps Wahl war für viele junge Frauen traumatisierend"
Warum seine Antrittsrede eine Abrechnung war
Trump ist Präsident: Wider die Versöhnung
Vereidigung in Washington: Trumps großer Tag
Reaktionen auf Trump: "Wir müssen uns warm anziehen"
Trumps erste Amtshandlung: Obamacare lockern
Trumps Befugnisse und Trumps Grenzen
Der mutmaßliche Milliardär als Mann des Volkes
USA: Rabiate Streichungswelle staatlicher Förderungen

Die Anmerkung wirft einen Blick zurück auf den deutschen Medienjubel nach Obamas Inauguration

 

Sonntag, 22. Januar 2017

Doku Deutschland: "Plunderhafte Inszenierung"

Am Ende nur Enttäuschung: Zu Obamas Amtseinführung kamen noch Millionen (Bild links), verabschieden wollten ihn dann aber nur noch sehr wenige Fans (Bild rechts).
Das Echo ist verheerend. Ehrte das begeisterte Deutschland Barack Obama seinerzeit noch mit der Umbenennung eines Dresdner Affen in "Obama", fällt das Urteil über die ersten 36 Stunden der Ära Trump ernüchternd aus: Keines seiner vollmundigen und populistischen Wahlversprechen konnte der angebliche Milliardär einlösen, Amerika ist nicht größer und schon gar nicht großartiger geworden, Guantanamo ist immer noch eine Schade, die Kriege in Afghanistan und im Irak toben weiter, der Nahe Osten steht ohne Friedenslösung da, der islamistische Terror zeigt sich unbeeindruckt von Trumps Ankündigung, ihn vom Antlitz der Erde verbannen zu wollen.

Die deutsche Presse geht denn auch hart ins Gericht mit dem neuen Mann im Weißen Haus, der nur durch eine Laune russischer Staatshacker berufen wurde, die freie Welt zu führen. Von links bis rechts, von oben bis unten ist das Urteil einhellig: Trump hat eine schlechte, eine "hoch nationalistische" (Gabriel) Rede zum Amtsantritt gehalten und auch seitdem nichts dazugelernt. Immer noch beharrt er auf seiner fragwürdigen Frisur, vertraut seinen fehlenden Erfahrungen als Politiker und steht stur gegen Moderne, Aufklärung, Freihandel und Weltfrieden.

Eine exklusive PPQ-Dokumentation der ersten Schlagzeilenwelle, die der "irre" (Frankfurter Rundschau) "Wahnsinnige" (Spiegel) vermutlich mit voller Absicht provozierte, zeigt, wie schwer es für Donald Trump werden wird, sich das Vertrauen der deutschen Journalisten zu verdienen - die sehen sich derzeit noch genötigt, die erschreckenden Aktivitäten des 70-jährigen Newcomers mit Vokabeln zu beschreiben, die nicht einmal im Duden vorkommen.



Trumps Amerika: Day One
Reaktionen auf Trumps Vereidigung: "Wir müssen uns warm anziehen"
Weltwirtschaftsforum in Davos: Alles auf Trump
Trumps Inauguration: Welch eine plunderhafte Inszenierung!
Neuer US-Präsident: Treffen mit Trump? „Lassen Sie uns das Beste hoffen“
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Real Game of Thrones: Habemus Donald
Weltweiter Protest der Frauen: "Marsch der Millionen" gegen Trump startet
Trump macht keine Kompromisse: "Von heute an gilt: Amerika zuerst"
Trump: Dein Land, mein Land, kein Land

"Steinwurf bis zur Revolution"


Die zügellose Macht des Donald J. Trump
Wie Trump in seiner Rede das Volk definiert
Proteste in Washington: Ein Steinwurf von der Revolution entfernt
Große Trump-Show: War Melanias Outfit bei der Amtseinführung Kalkül
Die 10 wichtigsten Trump-Sätze und was sie bedeuten
Strategie gesucht: Der Twitter-Präsident und die Sach-Kanzlerin
Donald Trump: Jetzt wird neu gedealt
Obamacare: Trump weicht US-Gesundheitsreform auf
Amtseinführung Trump: Die Dämonen sind los
Ökonomen frustriert von Trump: Wenig Klarheit, viele Floskeln
Amtsübergabe im Netz: Twitter-Account @POTUS gehört jetzt Trump
Demonstration gegen US-Präsident Trump: Protest unter rosa Mützen
Trumps erster Tag als US-Präsident: Obamacare im Visier
US-Präsident: Weltweit demonstrieren Frauen gegen Trump

Antrittsrede als Abrechnung

Neueste Meldungen: „America first“ als Leitlinie
Reaktionen auf Trump-Rede: Gabriel: "Das waren hoch nationalistische Töne"
Ortsbesuch im Mittleren Westen der USA: Keine Angst vor Trump
Vorwurf der sexuellen Übergriffe: Die erste Frau klagt gegen Trump
Auf Knopfdruck Atomkrieg: Das darf Trump als Präsident wirklich entscheiden
Deutsche Reaktionen auf Trump: „Seine Vorstellungen sind eng bei den unseren“
Fehlerseite auf "Whitehouse.gov": Kaum ist Trump US-Präsident, ist plötzlich eine wichtige Webseite verschwunden
Präsident Donald Trump: Lesben, Schwule? Klimawandel - das gibt es auf der Webseite der US-Regierung nicht mehr
Pressestimmen zu Trump: "Die hässliche Grimasse der Demokratie"

Frech: Trump regiert schon los


Trump regiert schon los
Demonstranten gegen Trump: Das fürchten sie, das hoffen sie
Trump: Angeben, attackieren, ablenken
"Trumps Wahl war für viele junge Frauen traumatisierend"
Warum seine Antrittsrede eine Abrechnung war
Trump ist Präsident: Wider die Versöhnung
Vereidigung in Washington: Trumps großer Tag
Reaktionen auf Trump: "Wir müssen uns warm anziehen"
Trumps erste Amtshandlung: Obamacare lockern
Trumps Befugnisse und Trumps Grenzen
Der mutmaßliche Milliardär als Mann des Volkes
USA: Rabiate Streichungswelle staatlicher Förderungen

Die Anmerkung wirft einen Blick zurück auf den deutschen Medienjubel nach Obamas Inauguration

Mittwoch, 6. Februar 2019

Trump: Der erste ehrliche "Spiegel"-Artikel*


Es ist nichts weniger als eine Sensation, ein Kulturbruch, ein, vielleicht, Neuanfang der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Zweieinhalb Jahre hatte das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" es dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht verzeihen können, dass er trotz vieler eigener Artikel, die ihn als dumm und irre enttarnt hatten, ins Amt gekommen war. Zudem trug die Mannschaft um den vielfach preisgekrönten Reporterkönig Claas Relotius dem "Milliardär" (Spiegel) nach, dass er Präsident geworden war, obwohl alle, die Spiegelreporter kannten, zuvor sicher gewesen waren, er würde es nicht.

Wie ein Repetiergewehr perpetuierte der "Spiegel" die ewig gleiche Story: Trump war unfähig, ein "Hassprediger" (Steinmeier), der die Welt in einen großen Krieg stürzen, den Westen zerstören und das Weltklima so anheizen werde, dass auch der Rest der Erde untergehen müsse. Dass Trump auf die immer neuen, immer alten Bezichtigungen aus Hamburg nicht reagierte, fachte den Eifer nur an.

Niemals hat es irgendwer in so kurzer Zeit so oft auf den Titel des "Spiegel" geschafft wie der Demiurg aus New York, niemals zuvor wurde aus Berichterstattung so zuverlässig gehässige Bezichtigung. Selbst als der US-Präsident jetzt vor dem Kongress über die Lage der Nation sprach und dabei einen Moment erlebte, an dem sogar die Demokraten ihm zujubelten, blieb der "Spiegel" bei seiner Linie, Hohn und Spott sogar über die erfolgreichen Friedensbemühungen Trumps in Nordkorea auszuschütten.

Was aber wäre, wenn das ehemals angesehene Nachrichtenmagazin erstmals in seiner Trumpberichterstattung bei der Wahrheit bleiben würde? Wenn das Magazin eingestehen würde: "Ja, wir können ihm gar nicht?"

Ein Manuskript für einen Artikel, *den der "Spiegel" nie drucken wird.

Er spricht von "Zusammenarbeit", "Kompromissen" und davon, "Wunden zu heilen". Ungewohnt moderat hat US-Präsident Donald Trump in seiner Rede zur Lage der Nation eine neue Einigkeit mit den oppositionellen Demokraten beschworen. Doch Trump blieb auch hat und beharrte darauf, die von ihm im Wahlkampf versprochene Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen. Die Untersuchungen gegen ihn nannte er "lächerlich", mit dem Nordkoreaner Kim plant er ein zweites Treffen.

US-Präsident Donald Trump hat vor dem Kongress seine mit Spannung erwartete Rede zur Lage der Nation gehalten. Dabei lobte er seine bisherige Bilanz, wie das Präsidenten, aber auch Kanzlerinnen stets tun. Außerdem sprach er häufig von "Einigkeit", von "Kompromissen" und von "Zusammenarbeit" der beiden großen politischen Parteien im Land - Kritiker hatten ihm vorgeworfen, zu kompromisslos zu agieren - Trump hat die Lektion offenbar gelernt. "Gemeinsam können wir Jahrzehnte politischen Stillstands aufbrechen", sagte der republikanische Präsident. Sein Programm sei weder eines der Republikaner noch eines der Demokraten. "Es ist das Programm des amerikanischen Volkes."

Man solle nicht an zwei Parteien denken, sondern an eine Nation, sagte Trump in seiner rund 80-minütigen Rede. Ungewohnt mild warb Trump in seiner Ansprache auch um Zustimmung für die umstrittene Mauer an der Grenze zu Mexiko. Ohne direkt auf Deutschland zu verweisen, warnte Trump vor "großen, organisierten Karawanen", die von Zentralamerika aus auf dem Weg in die USA seien, obwohl Experten direkt nach seiner Wahl eine massive Auswandererwelle vorhergesagt hatten.

"Ich bitte Sie, unsere sehr gefährliche Südgrenze aus Liebe und Hingabe zu unseren Mitbürgern und unserem Land zu schützen." Republikaner und Demokraten müssten der "drängenden nationalen Krise" an der Grenze zu Mexiko mit vereinten Kräften entgegentreten. "Mauern funktionieren, und Mauern retten Leben", sagte Trump. Und: "Ich werde sie gebaut bekommen."

Nach wie vor steht die Mauer an der Grenze zu Mexiko symbolisch im Zentrum eines Haushaltsstreits zwischen Demokraten und Republikanern, der beiden Seiten zuletzt Anlass geboten hatte, den bereits unter früheren Präsidenten üblichen "Shutdown" über fünf Wochen hinweg auszudehnen. Wegen dieses längsten "Shutdowns" der US-Geschichte hatte Trump seine Rede auch erst jetzt halten können.

Ungeachtet dessen lobte sich der Präsident und er zog eine positive Bilanz seiner bisherigen Arbeit. "In den Vereinigten Staaten findet ein Wirtschaftswunder statt - und das Einzige, was es aufhalten kann, sind dumme Kriege, Politik oder lächerliche, parteiliche Ermittlungen", sagte er. "Wenn es Frieden und Gesetze geben soll, kann es keinen Krieg und keine Ermittlungen geben. Das funktioniert einfach nicht!"

Mit der Kritik zielte Trump offensichtlich auf die Untersuchungen zur sogenannten Russlandaffäre im Kongress sowie andere Ermittlungen zu Trump oder seinem Umfeld ab, die aus seiner Sicht von den Demokraten benutzt werden, um die Legitimität seiner Administration infrage zu stellen. Inzwischen beschäftigen sich mehrere Ausschüsse im Kongress seit Jahren mit der Frage, ob es bei den mutmaßlichen russischen Einflussversuchen auf die US-Präsidentschaftswahl 2016 geheime Absprachen zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Moskaus gab. Trumps versuchte den Verdacht zuletzt mit einer konfrontatitven Russlandpolitik zu zerstreuen, so machte er Druck auf Europa, die Ölpipeline Nordstream 2 nicht zu bauen, und er kündigte einen Abrüstungsvertrag mit Russland, dem er systematische Verstöße gegen dessen Vereinbarungen vorwirft.

Mit seiner disruptiven Hopp-oder-Top-Politik hat Trump bisher zahlreiche Erfolge gesammelt. Mexiko stimmte einem neuen Freihandelsabkommen zu, Deutschland versprach wie von Washington verlangt höhere Rüstungsausgaben. Selbst die Diktatur von Mordkorea hatte angesichts unverhohlener Drohungen aus Washington zuletzt eingelenkt und Abrüstungsgespräche mit Trump geführt. Trump kündigte jetzt an, dass er sich am 27. und 28. Februar erneut mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un treffen werde, diesmal in Vietnam.

Es scheint, als würde Trump sich als Friedenspräsident in die Geschichtsbücher einschreiben wollen. "Große Nationen kämpfen keine endlosen Kriege", sagte er. Mehr als 18 Jahre nach Beginn des internationalen Einsatzes in Afghanistan sei er entschlossen, den endlosen und blutigen Konflikt durch Verhandlungen mit den Taliban zu lösen. Trump sagte in seiner Rede: "Wir wissen nicht, ob wir eine Einigung erzielen werden - aber wir wissen, dass nach zwei Jahrzehnten Krieg die Stunde gekommen ist, sich zumindest um Frieden zu bemühen." Auch "die andere Seite" sehe das so. Seine Regierung führe "konstruktive Gespräche" mit einer Anzahl afghanischer Gruppen einschließlich der Taliban.

Aus Syrien hat Trump die US-Truppen schon zurückgerufen, für Afghanistan plant er dasselbe. "Indem wir Fortschritte bei diesen Verhandlungen erzielen, werden wir in der Lage sein, unsere Truppenpräsenz zu reduzieren und uns auf Terrorismusbekämpfung zu konzentrieren." Allerdings gibt es auch den anderen Trump, der unerbittlich auf Konfrontation setzt, wo er meint, es zu müssen. So stellte sich der US-Präsident wie auch - zumindest - Teile der EU - an die Seite des selbsternannten venezolanischen Gegenpräsidenten Juan Guaidó. "Wir stehen an der Seite des venezolanischen Volkes in seinem edlen Streben nach Freiheit." Zudem verurteilte Trump die "Brutalität des Maduro-Regimes", dessen sozialistische Politik Armut und Verzweiflung nach Venezuela gebracht habe.

Auch China bekam sein Fett weg. Die Volksrepublik habe die US-Industrie angegriffen, sagte Trump - und warf China erneut den Diebstahl geistigen Eigentums vor. Gleichzeitig kündigte er an, dass die Zeit vorüber sei, in der das kommunistische Regime straflos amerikanische Arbeitsplätze und amerikanischen Wohlstand habe stehlen können. Ein neues Handelsabkommen mit China werde unfairen Handelspraktiken den Boden entziehen, das chronische Handelsdefizit der USA beenden und amerikanische Arbeitsplätze schützen.

An seiner "America first"-Strategie hält Trump fest, ungeachtet der endlosen Monotonie des "Nationen sind von gestern"-Journalismus in Europa. "Unter meiner Regierung werden wir uns niemals dafür entschuldigen, Amerikas Interessen voranzubringen", sagte Trump. Jeder könne die erreichten Fortschritte sehen, sagte er mit Blick auf die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt.

Dienstag, 12. Februar 2019

Lügenpresse: Relotius lebt

Es war nicht Reue, die gelobt wurde. Und es gab auch kein Versprechen, in Zukunft eine andere Art Journalismus zu pflegen, ohne Erziehungsabsicht, ohne erfundene Fakten, ohne ausgedachte Personen oder Berichte über Ereignisse, die nie statt gefunden haben. Der "Spiegel" inszenierte das Auffliegen seines besten Schwindelreporters stattdessen als Akt innerer Hygiene: Man sei selbst betrogen worden. Man habe einen Fehler im System ertappt, das System selbst allerdings zeige genau damit, dass es völlig intakt sei. Man werde aufarbeiten. Und weitermachen, nun mit noch mehr Willen, genau zu arbeiten und sauberes Handwerk abzuliefern.

Wie das geht, zeigen Isabell Hülsen und Marc Pitzke, zwei zumindest der Ortsangabe zufolge in New York arbeitende Spiegel-Journalisten, in einer Heldengeschichte über A.G. Sulzberger, den Verleger der "New York Times", der sich mutig gegen Donald Trump stellt und sein Blatt damit unfassbar erfolgreich gemacht hat. "Der Prinz und der Pöbler" ist die fluffige Relotiusade überschrieben, die die "New York Times" als "glaubwürdigste Stimme" der USA rühmt und Sulzberger als bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Anti-Trumpismus beschreibt, der die "Times" "energisch wie wohl keiner seiner Vorgänger in die Zukunft bugsiert".

Von den Verlusten des Blattes ist dabei nicht die Rede. Selbst der Umstand, dass Sulzberger sich offenbar bereit fand, hinter dem Rücken seiner Leserinnen und Leser ein Geheimtreffen mit Trump abzuhalten, um über den künftigen Umgang miteinander zu sprechen, wird zur Heldengeschichte: Sulzberger, der Publizist, habe sich natürlich an die vereinbarte Vertraulichkeit gehalten. Trump aber, der üble Populist, habe alles öffentlich gemacht.

Das musste ein Rückspiel geben und so endet der "Spiegel"-Text mit genau dem. Diesmal kein geheimes Date, sondern ein knallhartes Interview, um das die New York Times das Weiße Haus bat. "Trump willigte ein. Bei dem Interview stellte ihn Sulzberger zur Rede. Es war ein weiterer journalistischer Coup für die "Times", endet der Text von Hülsen und Pitzke, wobei der Satzteil "stellte ihn zu Rede" einen Link zu "Trump’s Interview With The New York Times" enthält.

Ein Interview, das die gerühmte "Spüiegel"-Dokumentation den beiden Autoren unter den Text geschoben haben muss, denn selbst gelesen können sie es nicht haben. Sulzberger nämlich, der Trump darin ja "zur Rede gestellt" ("Spiegel") haben soll, verliert im gesamten Gespräch der beiden White House-Korrespondenten Peter Baker und Maggie Haberman mit Trump genau drei Worte: "I can imagine", entgegnet er eingangs höflich auf Trumps Erklärung, dass er, der Präsident, einen vielbeschäftigten Tag gehabt habe.Mehr kommt nicht vom Prinzen, der augenscheinlich  still dabei saß, während seine beiden Redakteure sich mit Trump unterhielten.

Ist also "ich kann es mir vorstellen" das neue zur Rede stellen? Oder ist die einfach richtig gut ans Ende eines Artikels passende Vorstellung, jemand habe jemanden bestimmt total zur Rede gestellt, nur der neue Relotius? Und den "weiteren Coup" der New York Times, gab es den dann? Wenn das zur Rede stellen doch nur im Kopf von Hülsen und Pitzke existiert? Wird es also Journalistenpreise geben für "Der Prinz und der Pöbler"? Wenn ja, wie viele? Und wie bedeutend werden sie sein?

Freitag, 6. Juni 2025

Trump vs. Musk: Nahkampf der Narzissten

Elon Musk Donald Trump Boxing Wrestling
Mit US-Präsident Donald Trump und dem Multimilliardär Elon Musk streiten die beiden größten Egomanen der Gegenwart auf offener Bühne, Schläge unter die Gürtellinie inbegriffen. 

Es ist beinahe wie der Streit, den sich die SPD mit ihrem ehemaligen Kanzler und Vorsitzenden Gerhard Schröder lieferte. Oder wie der Feldzug, den die CDU gegen Helmut Kohl führte. Es rappelt im Karton, es fliegen die Fetzen, es geht unter die Gürtellinie und in die Hose. Das aktuelle Drama aber läuft in den USA. Naturgemäß ist alles größer, bunter und bedeutsamer. Den Beteiligten geht es nicht darum, einander nur wehzutun oder sich aneinander zu rächen, indem der eine den anderen möglichst schwer beschädigt.

Die wichtigsten Figuren der Gegenwart

Mit Donald Trump und Elon Musk treten viel die beiden wichtigsten Figuren der Gegenwart auf: Trump ist der polarisierende Populist mit der nationalistischen Agenda. Musk der technokratische Visionär mit globalistischen Ambitionen, der zum Libertären neigt. Trump will einen starken Staat, Musk am liebsten einen ganz kleinen. Die Allianz beider beruhte auf gemeinsamen Interessen, sie richtete sich gegen das, was Trump "swamp" nennt: Verhältnisse, unter denen sich eine selbsternannte "politische Klasse" Staat, Behörden und Institutionen zu eigen gemacht und in "unsere Demokratie" umverwandelt hat.

Die beiden Egomanen haben gemeinsame Interessen. Aber auch tiefe ideologische und persönliche Animositäten. Beide befürworteten Steuersenkungen für Unternehmen und den Abbau bürokratischer Hürden. Musk lobte Trumps Deregulierungswelle 2025, einig sind sich der mächtigste und der reichste Mann auch in ihrer Kritik an der "Woke Culture" mit ihrer Identitätspolitik, die Gruppen von Menschen je nach ihren Merkmalen gezielt anders behandelt, um die gleichzubehandeln. 

Frieden um jeden Preis 

Wie Musk sieht sich auch Trump als Kämpfer für die Meinungsfreiheit, die durch politische Korrektheit und die Verengung der Freiräume für die freie Rede bedroht ist. Beide sind zudem Realpolitiker, die davon überzeugt sind, dass ein schnelles Ende des Ukraine-Krieges besser für alle Beteiligten ist als ein endlos andauerndes Ringen, bei dem die Toten stolz darauf sein können, nie aufgegeben zu haben. Friede gilt Trump wie Musk als Basis für gute Geschäfte. So lange die Kosten für einen Friedensschluss ihrer Berechnung nach niedriger sind als die für eine Fortsetzung der Kämpfe, sind sie bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen. Wie hoch, ergibt sich durch eine einfache Gleichung: Ein Krieg auf unbestimmte Zeit mit ungewissem Ausgang kostet alles. Alles, was weniger kostet, ist ein guter Deal.

Dass Trump und Musk und Musk und Trump aneinandergeraten mussten, liegt im Naturell beider begründet. Während eine multinationale Organisation wie die EU sich gemächlich bewegt, oft über ein Jahrzehnt gar nicht, haben es Trump und Musk immer eilig. Die Vorstellung, es könne zwölf Jahre an intensiven Verhandlungen brauchen, um gerade eingeführte Fluggastrechte in Teilen wieder abzuschaffen, erschiene beiden absurd. 

Zwei gegen die EU-Fluggastverordnung 

2013, als die EU begann, über eine "Änderung der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung"  zu verhandeln, gelang Musks Start Up SpaxeX der erste erfolgreiche Start einer Falcon 9 v1.1 von der Vandenberg Air Force Base. Inzwischen starten und landen SpaceX-Raketen häufiger als Busse in manchen ostdeutschen Dörfern halten.

Nur über die Richtung sind die beiden nicht einig. Aus Sicht von Musk hat Trump mit seinem "Großen schönen Gesetz", das höhere Staatsausgaben vorsieht, den gemeinsamen Konsens verraten, den Staat auf das Nötigste zurückzuschneiden. Aus Sicht von Trump hat Musk mit seinen öffentlichen Aufforderungen an republikanische Abgeordnete, das Gesetz zu stoppen - "Kill Bill" postete er - seine Kompetenzen überschritten. "Elon und ich hatten ein großartiges Verhältnis. Ich weiß nicht, ob wir das noch haben werden", sagte Trump am Rande seiner Audienz für den deutschen  Bundeskanzler Friedrich Merz, der im Angesicht des heraufziehenden Streits der Giganten zu einer Nebenfigur wurde.

Kampf der Titanen 

Trump bedeutete Musk öffentlich, dass die US-Regierung künftig auf die Dienste seiner Raketen verzichten könne. "Der einfachste Weg, in unserem Haushalt Milliarden und Abermilliarden Dollar einzusparen, besteht darin, Elons staatliche Subventionen und Verträge zu kündigen", so Trump. Er habe nie verstanden, warum Joe Biden das nicht getan habe. Musk konterte mit der Ankündigung, seine "Dragon"-Kapseln ab sofort nicht mehr zur Verfügung zu stellen. 

Der von Trump vor ein paar Tagen noch als "einer der größten Wirtschaftsführer und Innovatoren, die die Welt je hervorgebracht hat" gelobte gebürtige Südafrikaner forderte Dankbarkeit ein. "Ohne mich hätte Trump die Wahl verloren" schrieb er, der angeblich 250 Millionen Dollar in Trumps Wahlkampf gesteckt hatte. Musk fühlt sich verraten. "So eine Undankbarkeit", schrieb er und er fragte seine 220 Millionen Follower bei X: "Ist es an der Zeit, in Amerika eine neue politische Partei zu gründen, die tatsächlich die 80 Prozent in der Mitte vertritt?".

Vernichtung angedroht

Der Nahkampf der Narzissten gipfelte schließlich in Musks "Big Bomb": Donald Trump werde in den Epstein-Akten erwähnt und das sei "der wahre Grund, warum sie nicht öffentlich gemacht wurden". Aus dem ideologischen Streit war eine Schlammsschlacht geworden, in der Musk schließlich auch noch die sofortige Ablösung von Trump durch JD Vance forderte. Trump-Soldaten wie Stephen Bannon riefen derweil nach Ermittlungen gegen den reichsten Mann der Welt, um ihn möglichst schnell aus den USA ausweisen zu können. Bannon, ehemals selbst Trump-Berater, von diesem aber nach kurzer Zeit gefeuert, sagte, er sei "der festen Überzeugung bin, dass er ein illegaler Einwanderer ist und sofort aus dem Land abgeschoben werden sollte".

Wo die Mehrheit den Sieger im Streit vermutet, zeigte sich an der Börse: Die Aktien des US-Autobauers Tesla fielen um rund 14 Prozent. Musk verlor in einer Nacht rund 18 Milliarden Dollar, aber wie diese rechnerischen Einbußen interessieren den 53-Jährigen schon immer nicht mehr als den durchschnittlichen deutschen Eigenheimbesitzer die Entwicklung der Immobilienpreise. Höhnisch kommentiert Musk: "Trump hat noch 3,5 Jahre als Präsident vor sich, aber ich werde noch mehr als 40 Jahre dabei sein..."

Ein Schulhofstreit der Egomanen 

Trump selbst hat diese Art Konflikt, die sich aus dem Nichts aufschaukeln und in absoluter Unversöhnlichkeit enden, kurz zuvor im Weißen Haus beschrieben, als er den Ukraine-Krieg mit einem  Schulhofstreit verglich, bei dem keiner der Beteiligten nachgeben wolle. Russen und Ukrainer seien voller Hass aufeinander, sie ähnelten damit kleinen Kindern, die wie verrückt streiten und einfach nicht mehr aufhören können. Dann  sei es, so Trump, seiner Erfahrung nach "manchmal besser, sie eine Weile kämpfen zu lassen und sie erst dann auseinanderzuziehen". Erst ausreichend langes Leiden, so habe er es auch Wladimir Putin gesagt, motiviere die Beteiligten, mit Kämpfen aufzuhören.

Auch der Krieg des mächtigsten Mannes der Welt mit dem reichsten Mann der Welt erinnert an einen solchen Schulhofstreit. Aus den "Bros" der ersten Wochen nach Trumps Rückkehr ins Amt, in denen Musk beauftragt war, mit dem Department of Government Efficiency (DOGE) Regierungsausgaben zu drücken und Einsparungen aus dem Sieben-Billionen-Dollar-Etat der Bundesregierung in Washington zu pressen, sind zumindest für den Augenblick erbitterte Feinde geworden.

Jetzt Feind und Berater

Elon Musk, der beim Abschied aus seinem Ehrenamt bei DOGE noch versprochen hatte, dem Präsidenten weiterhin "Freund und Berater" zu sein, ruft zum Kampf gegen Trumps  One Big Beautiful Bill Act (OBBBA), der vorangetriebene Steuersenkungen mit höheren Ausgaben kombiniert. Die Vereinigten Staaten könnten sich eine noch höhere Verschuldung nicht leisten, argumentiert er mit Verweis auf die derzeit mehr als 36 Billionen Dollar schwere Kreditlast der USA, die Jahr für Jahr Zinszahlungen erfordert, die so hoch sind wie zwei deutsche Bundeshaushalte. 

In den zurückliegenden fünf Jahren sind die Kreditkosten deutlich gestiegen: 2019 zahlten die USA noch 600 Milliarden an Zinsen. Inzwischen werden 1,2 Billionen werden jedes Jahr fällig, ein Drittel mehr, als die US-Regierung für Rüstung ausgibt. Für Musk ein Weg, der zwangsläufig in die Katastrophe führt: "Wenn das ganze Geld nur für die Zahlung von Schuldenzinsen ausgegeben wird, bleibt für nichts anderes mehr Geld übrig", hat er seine Sichtweise erklärt. Ein Land sei nicht anders als ein Mensch. "Gibt ein Land zu viel aus, geht das Land pleite, genauso wie ein Mensch, der zu viel ausgibt, pleitegeht." Für Musk ist es "keine Option, diese Probleme zu lösen". Sie müssen gelöst werden.

Trump kontert mit Vorwürfen, dass Musk eben doch genau so von geschäftlichen Interessen geleitet werde, wie es dessen Kritiker immer unterstellt hatten. Trump sagte, Musk habe kein Problem mit OBBBA gehabt - bis er erfahren habe, dass vorgesehen sei, die milliardenschwerer Subventionen für Elektrofahrzeuge zu kürzen. Musk habe das Innenleben des Gesetzes "besser als fast jeder" gekannt. Und er habe nie ein Problem damit gehabt, so lange er im weißen Haus gearbeitet habe. 

Stimmt nicht, stimmt nicht 

Stimmt nicht, grollte Musk umgehend zurück: "Dieser Gesetzentwurf wurde mir nicht ein einziges Mal gezeigt." Erregt prangert er an, dass das Gesetz "mitten in der Nacht so schnell verabschiedet" worden sei, "dass fast niemand im Kongress es überhaupt lesen konnte!" Trump hat den Aufstand seines ausgeschiedenen Beraters Nummer 1 beiläufig abgetan: "Manche Mitarbeiter werden feindselig, weil sie den Abschied aus dem Weißen Haus nicht verkraften." Das sei schon früher bei Menschen passiert, die seine Regierung verlassen hätten. "Sie gehen und wachen am Morgen auf, und der Glamour ist weg", sagte Trump, der das Phänomen als Trump Derangement Syndrom bezeichnet und Elon Musk damit psychologisiert hat.

Wird der das hinnehmen? Wer wird wem als nächstes was vorwerfen? Kann einer der beiden über den eigenen Schatten springen?

 

Montag, 23. Januar 2017

Poet Ralf Stegner: Er ist nicht dicht, er ist Dichter

Ralf Stegner ist ein wütender weißer Mann, wütend auf einen anderen wütenden weißen Mann.

Das alles bringt dieser Trump in nur wenigen Stunden zustande. Erst den Klimawandel beendet, dann die größten Demonstrationen der Menschheitsgeschichte provoziert - mächtiger noch als die gegen Vietnamkrieg, Irak-Einmarsch und Nachrüstungsbeschluss. Und nun inspiriert der "Irre" (Rundschau) "Wahnsinnige" (Spiegel) den bislang jeder poetischen Anwandlung unverdächtigen Bad Dürkheimer SPD-Vordenker Ralf Stegner auch noch zum Dichten:


Die Rede von Trump
war hauptsächlich plump
halbstark statt groß
stellt selbst er sich bloß
Von Yes we can
zu angry white men
armes Amerika!

So reimt der Mann vom linken Flügel der deutschen Sozialdemokratie im Holpersound eines Vorschülers. Der würde bei einer Analyse von Stegners Lyrikversuch zuerst einmal über die erste Zeile stolpern. Stegners "die Rede von Trump" ist grammatikalisch richtig, stilistisch aber unteres Kellerniveau. Ein Possessiv im Gassensound, nur knapp über "Trump seine Rede" und Äonen entfernt von "Trumps Rede", der eleganten Flexion von "Trump", die Stegner nicht bemühen konnte, weil "Trump" in seinem Poem hinten stehen musste.

Denn dort wartet "plump" als Reimangebot. Doch um bis dahin zu kommen, muss der SPD-Parteivizechef inhaltlich Abstriche machen. denn er schreibt "hauptsächlich plump" und in diesem "hauptsächlich" versteckt Stegner - sicher von sich selbst völlig unbemerkt - ein Lob für die von seinem Parteichef als "hoch nationalistisch" (im Original mit Trennung) bezeichnete Rede. Wo etwas "hauptsächlich plump" ist, ist es zwingend zumindest in Teilen nicht "plump". Obwohl Stegner eigentlich auszog, Trumps Rede zu verdammen, teilt der Dichter damit offensichtlich zumindest die von ihm als nicht-plump erkannten Passagen.

Dann aber "halbstark statt groß", der Versuch einer Gegenüberstellung, hier insofern gänzlich misslungen, als "halbstark" und "groß" eben keine Antipoden wie in Goethes "Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben". Ja, sie sind nicht einmal einleuchtende Gegensätze wie "willig" und "schwach". Was werden sollte wie Rückerts "stets einen größeren Teil wirst du vom Ganzen sehn, doch alles Einzelne wird immer kleiner"platzt wie ein Polenböller in der Hand. Ein Halbstarker kann durchaus groß sein; halbstarkes Verhalten, wie es Stegner anzuprangern versucht, zeigt sich oft genau in großen Gesten und großer Lautstärke.

Was Ralf Stegner von Dichtung weiß, legt er in die nächste Zeile seines regellosen, anarchistischen Haikus. "Stellt selbst er sich bloß" folgt der Notwendigkeit, das reimbildende "groß" am Ende zu platzieren. Fällt aber aus dem Metrum, weil Stegner mit dem inhaltlich überflüssigen "selbst" eine Strecke von fünf Silben bis dahin zu gehen hat, obwohl doch die Ausgangszeile nur vier aufweist.

Doch das ist seine Handschrift, das originäre, knitterversische Poesiegefühl des 58-jährigen Twitterpöblers, wie das nächste Zeilenpaar zeigt. Im Sprung vom viersilbigen "von Yes we can" zum sechssilbigen "zu angry white men" geht dem Arbeiterdichter nun jeder Flow verloren. Der Vers fährt auf der Felge, es quietscht, kracht und wäre auch durch eine vertonung nicht mehr zu retten.

Ralf Stegner merkt das wohl auch selbst, denn sein Conclusio "armes Amerika!" bleibt - aus Ideenarmut, Lustlosigkeit, dem plötzlichen Bewusstwerden der Vergeblichkeit des Bemühens, einen US-Präsidenten wegdichten zu wollen - ganz ohne Reim im Nirgendwo hängen.

Ein Schulbeispiel vor allem, weil Ralf Stegner volle sieben Jahre nicht nur Politikwissenschaft und Geschichte, sondern auch Germanistik studiert hat.



Sonntag, 19. Januar 2025

Jugendidol Trump: Der "Brat"-Präsident

Auf seinem offiziellen Präsidentenfoto stellt Donald Trump das berühmte Polizei-Bild nach, das seine Wiederwahlchancen im Sommer 2023 hatte beerdigen sollen.

Da steht er nun am Ufer, still schmunzelnd, und er schaut den politisch mausetoten Leichen seiner Gegner nach, wie langsam den Fluss hinuntertreibe. Donald Trump ist älter geworden. Der alte und neue US-Präsident hat sich gewandelt. Wo er vor acht Jahren noch polternd und krakeelend gefeiert hätte, wie sich seine eingeschworenen Feinde vor ihm in den Staub werfen, bevorzugt der 78-Jährige heute kleine, humorvolle Gesten.

Augenzwinkern statt Attacke. Ignorieren statt Diskutieren. Mit seinem neuen offiziellen Präsidentenporträt hat Donald Trump seiner Strategie ein Gesicht gegeben: Unverkennbar  stellt er auf diesem Foto das berühmte Fulton County Jail Booking Photo Nummer 2313827 nach, bekannt als Trump Mugshot. Das Bild entstand im August 2023 nach Trumps Verhaftung und Einlieferung in das Gefängnis von Fulton County. Donald Trump war damals auf dem Tiefpunkt. Nicht, ob er noch einmal Präsident werden würde, war die Frage. Sondern wie lange er im Gefängnis würde verschimmeln müssen.

Ein richtiger Bandit

Es war das erste dieser Art von einem ehemaligen Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten und es schien damals den Sieg des wackeren demokratischen Systems über den Systemsprenger Trump zu markieren. Ein Verbrecherfoto, auf dem der "verurteilte Kriminelle" (Spiegel) mal wirklich aussieht "wie ein richtiger Bandit" (Spiegel)! Das Wort "Verbrechervisage" fiel kaum. Es war allerdings immer mitgemeint. Sicher schien, dass Trump keine Chance mehr haben würde, ins Amt zurückzukehren. Denn jeder konnte dank der ausgiebigen Medienbeschreibungen des republikanischen Kandidaten sehen, was für ein kriminelles Früchtchen da antrat.

Ein Irrtum, der Donald Trump heute vermutlich deutlich mehr amüsiert als es sein fest zusammengekniffenes Gesicht auf dem neuen offiziellen Porträt vermuten lässt. Aus dem Abgrund, in dem er sich im August 2023 wiederfand, in unzähligen Verfahren wegen diesem, jenem und allem anderen angeklagt, hat sich Trump nicht nur herausgearbeitet. Er tritt seine zweite Präsidentschaft auch unter völlig anderen Voraussetzungen an als seine erste.

Kein Versehen mehr

Damals war Trump ein Ausrutscher, ein Webfehler, ein Versehen, ausgelöst durch die Vernachlässigung einer rechtzeitigen und ausreichenden Aufklärung der Massen über seine üblen Absichten, faschistischen Fantasien und fürchterlichen Pläne.

Von der Amtseinführung, die als "plunderhafte Inszenierung" verhöhnt wurde, bis zu Trumps erfolgreichen Friedeninitiativen, die als durchweg als Fehlschläge  zu gelten hatten, blieb kein gutes Haar an den vier Jahren hängen. Die Welt war froh, als er verschwand und Biden übernahm. Freudig feierten die Medien ihren Anteil an der Verteidigung der Festung der Demokratie gegen die, die sie nie richtig verstanden hatten.

Vor allem die deutsche Presse ging hart ins Gericht mit dem neuen Mann im Weißen Haus, der nur durch eine Laune russischer Staatshacker berufen worden war, die freie Welt zu führen. Von links bis rechts, von oben bis unten war das Urteil einhellig: Trump hatte eine schlechte, eine "hoch nationalistische" (Gabriel) Rede zum Amtsantritt gehalten und später nie nichts dazugelernt. Immer noch beharrt er auf seiner fragwürdigen Frisur, vertraut seinen fehlenden Erfahrungen als Politiker und steht stur gegen Moderne, Aufklärung, Freihandel und Weltfrieden.

Kleinlaut und unterwürfig

Dagegen wird heute alles kleinlaut und unterwürfig. Trump ist kein "Faschist" mehr, nicht der neue Hitler und nicht einmal mehr das ultimativ Böse. Nein, er hat plötzlich nur einen "schrägen Humor" (Stern), seit klar ist, dass ihn nun "niemand mehr stoppen kann" (Stern). Trump gilt auf einmal als "brat", ein Begriff, den die Rapperin Charli XCX erfunden hat und der im Verlauf der Wahlkampagne von Trumps zeitweiliger Mitbewerberin Kamala Harris durch deutsche Medien popularisiert wurde. 

"Brat" bedeutet dabei ganz offiziell, bratte Personen ganz einfach das Leben genießen und, wie es der Deutschlandfunk nennt, "ein wenig auf alles scheißen sollen". Die Botschaft laute: "Spaß haben – egal was andere über euch denken."

Ein Pionier der Bewegung

Niemand steht so für diese Haltung wie Donald Trump, der durch seine direkte, oft kontroverse Kommunikation und sein unberechenbaren und provozierendes Verhalten wie ein Pionier des "brat"-Lebensstils wirkt. War Kamala Harris eine brave Bürgersfrau, nett, lieb und aus Marketinggründen mit allen Eigenschaften versehen, die als werbewirksam angesehen werden, ist Trump das Gegenteil. Seine Art, sich zu präsentieren, ist oft grundlos selbstbewusst, aber immer unkonventionell, Trump polarisiert, er sagt lieber etwas Kontroverses, als zu schweigen und würde für einen guten Witz keine Rücksicht auf irgendeine gesellschaftliche Gruppe nehmen. 

Medial ist dem Brat-Präsidenten sein Hang zum Voluntarismus immer negativ ausgelegt worden. Obwohl er demselben elitären Milieu entstammt, aus dem nahezu die komplette aktuelle Führungsriege der westlichen Welt entweder kommt oder in das sie sich hineinsehnt, ist es Trump gelungen, sich das Image eines manchmal leichtfertigen, manchmal rebellischen, immer aber auf Kontra gebürsteten Gegenentwurfes zu den handelsüblichen Repräsentanten der westlichen Demokratien zu erhalten. 

Abrisskugel gegen Glasmurmel

Ja, er trägt dieselbe Art Anzug wie Olaf Scholz, Emmanuel Macron und Justin Trudeau. Aber seine Wirkung gleicht der dieser Art durchbürokratisierter Politikbetreibender wie die Leinwandpräsenz James Deans der Heiner Lauterbachs: Hier eine Abrisskugel. Dort die bunte Glasmurmel.

Trumps "brat"-Ästhetik kann Anzug tragen, ohne an Wirkung zu verlieren. Während Kamala Harris' Team den "brat"-Begriff nutzte, um ihre Kandidatin bei der Jugendkultur anzubiedern und die Verbindung zu einer von Wissenschaftlern ausbaldowerten demografischen Wählergruppe herzustellen, wirkt Trump selbst als Popkultur-Phänomen. 

Brat war das kleine Glück

Nur auf den ersten Blick unterscheidet sich seine öffentliche Persona von der Art, wie Popkultur und Politik "brat" definiert haben wollten. "Brat" - zu Deutsch Göre - sollte ursprünglich Teil einer gesellschaftlichen Bewegung sein, die nach einem namenlosen Fortschritt strebt und ihn in einem Gefühl von Freiheit findet. Nur das kleine Glück war inbegriffen: "lange Sommernächte mit Freundinnen, verschmiertes Make-up, ein Drink zu viel, Hauptsache Spaß". 

So sollte das bescheidene "brat"-Gefühl nach dem Kamala-Rezept aussehen. Von einer Sehnsucht nach Meinungsfreiheit, nach Selbstbestimmung, nach einem Ende von Bevormundung und immer tiefergehender Übergriffigkeit des Staates war keine Rede. Das Design der Harris-Kampagne glich der aktuelle von den Grünen betriebenen Reklame um die "Küchengespräche" mit dem Chef von  #teamhabeck: Gezielt versuchen politische Werber, kulturelle Trends zu nutzen, um ihre Kandidaten zugänglicher und sympathischer zu machen, besonders für demografischen Gruppe, die oft als schwer zu erreichen gilt.

Schlüsselworte wie "authentisch" und "echt" sind dabei zentral, weil sich die Kampagnenplaner von ihnen versprechen, über eine persönliche Zugangsebene emotional ausgleichen zu können, was Wählerinnen und Wähler womöglich intellektuell und aufgrund gemachter Erfahrungen an Vertrauen in die Kandidierenden verloren haben. 

Auch der Begriff "brat" wurde im Herbst vergangenen Jahren als eine Möglichkeit gesehen, Harris' als zugänglich und authentisch darzustellen. Der kurze, aber erheblichen Medien-Hype, allein gespeist aus einem gezielt provozierten Online-Hype, schien das sogar zu bestätigen. Anfangs wusste niemand mit dem Wort etwas anzufangen. Aber alle machten mit. Es war nichts, aber es sollte etwas dran sein an der Notkandidatin der US-Demokraten, die als letzte Patrone der Demokratie verhindern sollte, dass Trump noch einmal Unheil im Weißen Haus anrichtet.

"Brat"-Erfinderin Charli XCX  gab dem Treiben ihren Segen, als sie schrieb: "kamala IS brat". Dieses Statement wurde durch Harris' Kampagne verbreitet, indem sie das ästhetische Design des Albums "Brat" für ihre sozialen Medien-Konten übernahm. Dies wiederum führte zu einer Flut von Memes und Videos, die fast 50-jährige Harris in ein "brat"-Girl verwandelten, oft mit der charakteristischen limettengrünen Farbe und Clips von Harris, die lacht und zur Musik von Charli XCX tanzt,

Die Selbsttäuschung war perfekt. Harris war "die Göre" des Sommers, eine These, die bis in konservative Blätter allen Ernstes vertreten wurde. Niemand lachte. Niemand fragte. Das Ausmaß an Selbstsuggestion hatte ein Maß erreicht, das es offenbar vollkommen unmöglich machte, Sein von Schein und Wunsch von Wirklichkeit zu unterscheiden. Harris, eine ausgesprochen blutleere Kandidatin, deren Reden noch inhaltsleerer waren als Reden von Politikern im Allgemeinen sind, bekam den Gören-Lack ungefragt aufgetragen. Er sollte ihr jenes geheimnisvolle Schimmern verleihen, das Kandidaten in Wahlkämpfen mehr Stimmen einbringt als Partei- und Wahlkampfprogramme.

Tod des Gefälligkeitsjournalismus

Bei Trump ist daraus mehr geworden. Der Ex-Präsident hat als einer der ersten Politiker erkannt, dass  weder "Bams, Bild" noch "Glotze" (Gerhard Schröder)  braucht, wer die sozialen Medien hat. Seit der Gefälligkeitsjournalismus alter Prägung  sein früheres Publikum durch den fortgesetzten Versuch verprellt hat, zahlende Kunden zu belehren und zu erziehen, funktioniert das Prinzip "gibst Du mir ein Interview, gebe ich Dir eine Plattform" nicht mehr. Entweder, der Politiker hat selbst eine Plattform. Oder er hat keinen Erfolg.  Und Warnungen, denen nur ja nicht zu folgen, die das beklatschen, kommen nirgendwo mehr an.

Dafür aber eine Kommunikation, die bewusst gegen die stillschweigend getroffenen Vereinbarungen der Meinungsführer*innen zu feministischer Epistemologie, Gendersternchen und Tabuthemen verstößt. Dorthin gehen, wo es weh tut, darüber sprechen, worüber alle am liebsten schweigen wollen - als   "provokante Strategie im Umgang mit seinen Konkurrent:innen" (Taz) reichte das für Trump nicht nur ins Amt, sondern auch, um jüngere Wähler insbesondere aus der Generation Z von sich zu überzeugen.

Samstag, 9. März 2024

Power-Rede bei Biden-Show: Er ist wieder da

Die Zukunft ist wieder offen: In nur 68 Minuten Rede hat Joe Biden alle Zweifel an seiner Amtsfähigkeit ausgeräumt

Was war das für eine fulminante Rede! Ein Auftritt, wie Abraham Lincoln ihn mit seiner Gettysburg Address hinlegte, eine Ansprache, wie sie Älteren noch vom damals als "Indianerhäuptling" bezeichneten Tecumseh und dessen Forderung "So live your life that the fear of death can never enter your heart" in Erinnerung ist. Ein Muster für die Menschheit wie George Marshalls "Marshall-Plan"-Verkpündung, Martin Luther Kings "I Have a Dream" und Hillary Clinton unvergessene Festlegung "Frauenrechte sind Menschenrechte". Mit einer wahrlich "kämpferischen Rede zur Lage der Nation" (FAZ) hat US-Präsident Joe Biden die deutschen Medien allesamt auf seine Seite gezogen.  

Noch lange nicht entschieden

Die eben noch zweifelten, stehen wieder hinter ihm. Die laut nachdachten, ob Deutschland nicht Vorsorge treffen müsse für den Fall, dass das von allen Erwartete eintritt und Donald Trump wieder ins Weiße Haus einzieht, schließen die Reihen fest. Nun ist die Wahl in Amerika wieder "noch lange nicht entschieden ist", denn der aktuelle Präsident "arbeitet an seinen Schwächen". Und mit einer "feurigen" (ntv) Rede hat er eindrucksvoll gezeigt, dass alle Nachrichten über seinen Gesundheitszustand nur Fake News waren, verbreitet von denen, die der Welt nichts Gutes wollen.

Was haben die Feinde des Demokraten nicht alles gegen eine zweite Amtszeit in Stellung gebracht. Von "bizarren Auftritten" schwurbelten sie, von "Aussetzern" und von Sorgen wegen seines Alters, die "immer größer" würden. Seine eigene Partei habe der Greis bereits das Fürchten gelehrt, das "Alter" werde "zum Problem" (Tagesschau), womöglich sei der 81-Jährige nun wirklich "zu alt, um zu regieren" (SZ) und seine Partei müsse ihn "auswechseln" (Der Spiegel). Der Mann aus Pennsylvania stand selbst in seiner eingeschworenen Fankurve unter verschärfter Beobachtung. Four more years? Eine dystopische Vorstellung.

Rede seines Lebens

Mit der "Rede seines Lebens" (SZ) hat der Verteidiger des Westens nun aber klargemacht, dass er "kein bisschen müde" (Taz) ist. "Überraschend fulminant" (Die Zeit) katapultierte sich Joe Biden zurück "in die Offensive": Er habe sich "angriffslustig" gezeigt, hat das ZDF herausgefunden, und er habe "scharf gegen Konkurrenten Trump" ausgeteilt, dessen Namen aber nicht einmal erwähnt. "Stärke, Vitalität, Energie", das hätten sich die Anhänger des scheidenden Präsidenten gewünscht. Und genau das war es, was Biden lieferte. Er übte sich im "Einheizen, im Kämpfen und im Kontern" (Der Spiegel). Es war gar nicht mehr wichtig, was er sagte und was nicht. Nur, dass er es noch unfallfrei über die Bühne brachte. Selbst "Selbstironie" war erkennbar im Vermächtnis eines beinahe Hundertjährigen. 

Joe Biden ist keiner, der aus dem Fenster steigt und verschwindet. Biden "geht angriffslustig in die Offensive" (ZDF), er "sucht die Konfrontation mit Trump" (Welt) und "gibt sich temperamentvoll und munter" (Taz). Wer ihm zuschaut, kann sehen, was es ihn kostet. Bewegung hinter dem Pult simulieren die Hände, es bewegen sich auch die Lippen. Augen, Oberkörper und der ganze Rest des Mannes aber absolvieren den Auftritt steif wie ein Roboter im Stromsparmodus. 

Eine Biden-Show

"Spiel, Satz, Sieg" dichtet die Zentralredaktion Mitte im Ressort Politik der Ippen-Gruppe nach Motiven eines Zeugen, der die Republikaner wegen des zunehmenden Einflusses des Mannes, den Biden nicht namentlich nennt, vor Jahren verlassen hat. Eine "Power-Rede" hat der Focus gehört, eine "Biden-Show, die Trump ärgert" hat die Bild-Zeitung gesehen. Seit Jahren schon altert der Präsident nach offiziellen Befunden nicht mehr, stattdessen werden ihm nun "bestimmte Dinge klarer als je zuvor."

Warum Biden sich das antut, die Zurschaustellung seiner Gebrechen heute schon und die Kandidatur um eine zweite Amtszeit vor den Augen einer auf Aussetzer, Ausfälle und Versprecher versessenen Öffentlichkeit? Die eigentliche Altersfrage, die eigentlich eine Frage nach der Zukunft ist, beantwortet ein Kommentator bei CNBC: "Es sind nur fünf Prozent unter 40 bei dieser Zusammenkunft, Jesussss".

Donnerstag, 29. August 2019

Welcome Greta: Begeisternde Begrüßungsparty für das Klimagewissen

Zu Ehren der Ankunft von Greta Thunberg in New York hatten Aktivisten des Zentrums für politische Schönheit die Statue of Liberty mit riesigen Greta-Zöpfen in die Statue of climate Change verwandelt.
Triumphales Willkommen für Klimaaktivistin Greta Thunberg im New Yorker Yachthafen: US-Präsident Donald Trump hält zu Ehren der „fetzigen Person“ (Trump) eine bedeutsame Rede, in der eine unüberhörbare Warnung an Klimaschädlinge versteckt ist. Die USA würden jeden bestrafen, der versuche, den Amerikanern und ihren Freunden den „blauen Himmel zu stehlen“, so Trump, der damit überdeutlich eine neue Runde im Ringen mit Chinas Exportüberschuss eröffnete. "Blue Heart“ für Klimaseglerin.

Zur Begrüßung Thunbergs hatten die Vereinten Nationen eigens 17 Segelboote auf die Wasserfläche vor Manhattan geschickt, jedes einzelne von ihnen stand mahnend für eine Klimakonferenz, deren Abmachungen gebrochen worden waren. Dazu kommt noch ein Leitboot, auf dem sich eine Kapelle versammelt hatte, die den Kölschen Hallamasch mit dem ironischen "Wollemerserinlasse" intonierte und den bekannten Udo Jürgens-Hit "Ich war noch niemals in New York" spielte.

Jubel dann vom Hafen bis hinauf zum Central Park, von Manhattan bis zur Freiheitsstatue, die zur Feier des Tages künstliche Zöpfe übergezogen bekommen hatte. Verantwortlich dafür waren ausgerechnet deutsche Unterschützer der kleinen Schwedin, die im 5,5-Millionen-Dollar-Segelboot windneutral nach New York gecruised war, um hier eine weitere Mahnung vor dem Umkippen des Weltklimas abzugeben.

Ein Gruß aus Echthaar


Das Zentrum für Politische Schönheit hatte die Zöpfe in Indien aus klimaneutralem Echthaar flechten lassen, jeder einzelne ist siebzehn Meter lang und in Gretas Originalhhaarfarbe gehalten. Die 17 steht auch in diesem Fall für die Anzahl der bisher erfolglosen Weltklimakonferenzen.

Schmunzeln bei den aus aller Welt angereisten Beobachtern, die vor allem in so großer Zahl gekommen waren, weil US-Präsident Donald Trump überraschend sein Kommen zur Willkommensparty im Hafen angekündigt hatte. Showdown zwischen Karbonsegler und Präsidentenlimousine? Würde Greta Thunberg, die vorab jedes Gespräch mit dem „Irren“ (FR) „Hassprediger (Steinmeier) verweigert hatte, überhaupt einreisen dürfen?

Aber klar. Selbst wenn Trump gewollt hätte, dass Thunberg unverrichteter Klimadinge nach Hause segelt – die geschätzt 267000 Menschen, die aus der gesamten USA angereist waren, um ihr ein herzliches Willkommen zu entbieten, hätten es zu verhindern gewusst. New York begrüßte die junge Heldin gestern mit überschäumender Begeisterung.

Die zweiwöchige Segelreise des 16-jährigen Mädchens hatte bewiesen, dass auch mehr als 500 Jahre nach Kolumbus noch Seereisen über das offene Meer möglich sind. Am 14. August war Greta Thunberg an Bord der „Malizia“ im englischen Plymouth zu ihrer selbstmörderischen Mission aufgebrochen, schon 14 Tage später - Kolumbus hatte noch zehn Wochen benötigt - erreichte der schlanke Schnellsegler aus dem Steuersparparadies Monaco unter einem gewaltig aufbrausenden Jubel von mehreren hunderttausend Klimafans das Ziel New York. Wie als wollte sie ein Zeichen geben, brach die Morgensonne im selben Moment gerade durch niedrige, milchige Wolken.

 Vorbeimarsch der amerikanischen Klimaschutzbewegung


Auf der hastig improvisierten Tribüne, von der aus sie den feierlichen Vorbeimarsch der amerikanischen Klimaschutzbewegung entgegennahm, standen neben ihr als Hauptperson führende Repräsentanten der Uno, der Unesco, der Nasa und des IPPC, dazu Kameraden und Angehörige von bisherigen Klimaopfern etwa auf den versunkenen Inseln der Südsee. Nichts hatte richtig geplant werden können, aber das Improvisationstalent der US-Amerikaner besiegte die misslichen Umstände – es regnete leicht und die Temperaturen lagen nur bei um die 30 Grad bei 82 Prozent Luftfeuchtigkeit. Nichts, bei dem ein New Yorker von Klima spricht.

 Greta Thunberg tat das ihre, um mahnende Worte für die herbeigeeilten Klimaaktivisten und Bummler zu finden. "Wir stehen jetzt an einem Scheideweg unserer Geschichte", sagte die 16-jährige Aktivistin. Deshalb müssten Prominente ihre Stimme erheben und Einfluss auf Milliarden Menschen weltweit nehmen. Ziel sei eine bessere Welt, in der der Hambacher Forst geschützt, fossile Energien im Boden belassen werden und Auftritte wie der der eigens aus Irland eingeflogenen Boygroup Westlife ebenso unmöglich seien wie die Anwesenheit der US-Schauspielerin Jessica Chastain und des österreichischen Sängers Tom Neuwirth, die die lange und klimaschädigende Reise von Berlin, wo sie Thunberg eben noch bei der Verleihung des "Bambi" assistiert hatten, nicht scheuten, weil Überlandfahrten und Interkontinentalflüge und die Kreuzfahrten des Goldene-Kamera-Partner Tui Cruises noch immer nicht wirksam reguliert sind.

Kanone im Klimakampf

 

Deutlich wurde wieder einmal: Gäbe es Greta Thunberg nicht, sie hätte erfunden werden müssen, um dem seit Jahren zusehends vergeblicher werdenden Klimakampf von Regierungen, Medien und hauptberuflichen Umweltschützern ein Gesicht zu geben. Thunberg, Tochter einer Opernsängerin und schon mit acht Jahren "durch die Beschäftigung mit dem menschengemachten Klimawandel depressiv" geworden (Wikipedia), ist derzeit die größte Kanone im Klimakampf. Im Hafen von New York erinnert sie in ihrem Furor an die Mitglieder kommunistischer Jugendorganisationen, die von Parteien wie der KPdSU und der SED regelmäßig zu Parteitagen geladen wurden, um dort Schwüre auf die Richtigkeit von Lehre und Kurs der jeweiligen Parteiführer abzulegen.

Thunberg, wegen ihres "Klimaschutz-Engagements" (Spiegel) und der Erfindung des "Schulstreiks für den Klimaschutz" (DPA) im vergangenen Jahr unter lauter Instagram-Influencern und Modedesignern in eine "Liste der einflussreichsten Teenager" aufgenommen, hat nun eher die Funktion des unschuldigen Mädchens, das den Mächtigen der Welt ins Gewissen redet, indem es sich die Marktmechanismen einer auf Klischees und simple Märchen geeichten Medienbranche zunutze macht. Ihr werde zugehört, "weil ich ein Kind bin und die Erwachsenen kriegen ein schlechtes Gewissen, weil sie wissen, dass sie das Klima auf Kosten meiner Generation schädigen", formuliert die 16-Jährige, als habe ihr ein professionelles Team von Öko-Marketendern das Wort geführt.

Zwingende kindliche Naivität



Bewaffnet mit ausgestellter kindlicher Naivität entwickelt das "zierlich wirkende Mädchen" (Luzerner Zeitung) moralischen Druck - vermeintlich auf die "Mächtigen der Welt" (DPA), in Wirklichkeit aber natürlich auf deren Wähler. "Handelt so, als würde euer Haus brennen", appellierte Greta Thunberg beim Weltwirtschaftstreffen in Davos im klassischen Ich-bin-der-weise-Joda-Stil. Löschen, was nicht brennt? Die Feuerwehr rufen?


Radikaler und totaler


Nun, nötig seien jedenfalls "sofortige Maßnahmen gegen den Klimawandel", worunter Thunberg keine halben Sachen und keine immer wieder verschobenen Klimaziele )versteht. Ihre Lösungsmöglichkeit ist viel radikaler und totaler, aber "so einfach, dass selbst ein kleines Kind sie versteht: Wir müssen den Ausstoß von Treibhausgasen stoppen". In Davos hat sich das IWF-Chefin Christine Lagarde ebenso angehört wie Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, die beide wohl begierig waren, Genaueres über Thunbergs Lösungsvorschläge zu erfahren.

Quertreiber Trump


Aber Donald Trump, eigentlich der Endgegner aller Klimaschützer weltweit, beugte dann doch das Knie vor der neuen Heldin einer ganzen Generation deutscher Mittelschüler. Spontan künftige die Tagesregie eine Ansprache des Präsidenten an, die dem Zweck diene, Greta Thunberg für ihre tapfere Erstüberquerung des Atlantik mit dem Ehrenabzeichen "Blue Heart“ auszuzeichnen, das eigentlich Navy Seals vorbehalten ist, die die Eriesee einmal komplett unter Artilleriebeschuss durchschwommen haben. Trump nutzte die Gelegenheit, Thunberg seine Hochachtung zu versichern. „Meine kleine norwegische Freundin“ nannte er die Initiatorin der weltweiten Schulstreiks und er versicherte ihr, dass es „noch nie etwas gegen Kinder“ gehabt habe. „Ich habe selbst fünf großgezogen.“

Trump droht Klimafeinden


Doch Trump wäre nicht Trump, hätte er das große Volksfest zu Ehren der „fetzigen Person“ (Trump) nicht genutzt, um seine eigene Agenda zu verfolgen. In seiner Rede ernannte der Torpedierer von Paris und Roder von Alaska sich plötzlich zu „einem der größten Freunde, die das Klima in mir hat“. Und Trump stieß eine unüberhörbare Warnung an Klimaschädlinge aus, die es darauf anlegten, das Zwei-Grad-Ziel der Menschheit zu verfehlen. Die USA würden jeden bestrafen, der versuche, den Amerikanern und ihren Freunden den „blauen Himmel zu stehlen“, so Trump, der damit überdeutlich eine neue Runde im Ringen mit Chinas Exportüberschuss eröffnete.

Am Abend fand zu Ehren der Klimasegler ein Empfang im Garten des Weißen Hauses statt, an dem der deutsche Außenminister Heiko Maas nicht teilnehmen konnte. Uno-Generalsekretär António Guterres begrüßte Thunberg und versicherte in einer Rede die Völker der Welt, dass es Zeit sei, Konsequenzen aus den Schulstreiks zu ziehen. Für jene, die mit dem Feuer der brennenden Amazonas-Wälder spielten, habe er eine nicht zu überhörende Warnung mitgebracht.


Telegramme aus Europa machen Mut


„Wir kriegen euch alle“, sagte der besonnene Portugiese in seiner Heimatsprache, wohl in der Hoffnung, dass viele brasilianische Brandroder daheim an den Empfängern ihn so besser verstehen. Greenpeace-Chef Kumi Naidoo versicherte unter dem stürmischen Beifall der New Yorker, dass es an der Schuld des Kapitalismus am Klimawandel keinen Zweifel mehr geben könne. Gefragt seien jetzt Nationen, die ihre internationationale Pflicht erfüllten und denen entgegenträten, die Klimaziele mit Füßen träten, sagte er, ohne Donald Trump namentlich zu nennen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die künftige EU-Chefin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten feierliche Glückwunschtelegramme nach New York geschickt, in denen sie darauf hinwiesen, dass die zahlreichen Bereitschaftserklärungen der demokratischen Staaten Europas zu einem klimagerechten Umbau der Gesellschaft weiter unbedingte Gültigkeit hätten. Greta Thunberg könne sich darauf verlassen, dass ihre Klimastreiks bei den Menschen des vereinigten Europa starke Untersützung fänden.