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| Ein Meisterwerk der Verdrängungsliteratur: Bei Euronews findet das Gedenken an den islamischen Terror von Brüssel ohne Islamisten statt. |
Gefühliger Jahrestag
Zum Jahrestag dessen, was bei Euronews, aber auch anderswo "die Anschläge von Brüssel" heißt, geht es pflichtschuldig gefühlig zu. Eine Schreibtischreportage, verfasst in höchster Seelenpein: "Morgens um 8 Uhr erschüttern zwei Explosionen den überfüllten Abflugterminal am Flughafen Zaventem. Mindestens elf Menschen werden getötet, etwa 100 weitere verletzt." So war das, damals vor fünf Jahren, als Europa alle Kraft aufwenden musste, um mit geheuchelten Trauerbekundungen für jeweils wechselnde Städte - Stichwort je suis XXX" - die drängende Frage zum Schweigen zu bringen, wie das alles hat so kommen können.
Ein halbes Jahrzehnt später verschwimmt die Erinnerung, auch wenn bei Euronews nachzulesen ist, wie die Artikelhauptfigur Laurens Verbrennungen im Gesicht erlitt und von einem Schrapnell in Bauch und Beine betroffen wurde. "Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern", sagt er. "Ich habe schreckliche Dinge gesehen und gehört." Der Anschlag hat Europa gezeichnet, wenigstens für einige Momente. Der Prozess gegen die überlebenden Täter hat noch nicht begonnen, aber was sind auch schon fünf Jahre vor dem Gericht der Weltgeschichte, vor dem die Anwälte der "Tagesschau" etwa vor allem die Sorge umtreibt, es könnte etwas hängenbleiben am lauschigen Terrorviertel Molenbek.
Erinnerung ohne Signalbegriffe
Es geht trotzdem nicht anders. Die "Tagesschau" wie der "Spiegel", aber auch die "Neue Westfälische" und sogar "Die Zeit" verwenden Signalbegriffe wie "islamistisch", "Islamischer Staat" oder "IS-Terroristen" in ihren Gedenkbeiträgen. Zwar zeigt das ZDF beispielhaft, dass das keineswegs so sein muss, weil eine Trauerberichterstattung auch Krokodilstränen weinen kann, ohne unschöne Verantwortlichkeiten zu erwähnen. Aber wegweisend für den künftigen Umgang mit der anrollenden Welle an Anschlagsjubiläen für die Opfer von Islamisten in Nizza, Ansbach, Berlin, St. Petersburg, London, Stockholm und Hamburg sollte in einer verantwortungsvoll arbeitenden Medienlandschaft das Beispiel von Euronews sein.
Hier spielt der ehemalige Profi-Basketballer Sébastien seine Opferrolle, hier taucht auch Charlotte Dixon-Sutcliffe auf, die beim Anschlag ihren Mann verlor und sich heute als Vorsitzende der Organisation Survivors Against Terror "um die Unterstützung von Opfern von Gräueltaten kümmert" (Euronews). Was nicht vorkommt, ist das Wort mit I, der große grüne Elefant, den Medien energischer meiden als der Teufel das Weihwasser oder das Corona-Kabinett eine nachvollziehbare Logik: Worte wie Islamist, Islamisten, IS, Islamischer Staat, Islam oder auch nur muslimisch kommen im Euronews-Gedächtniswerk so wenig vor wie es überhaupt einen Hinweis auf irgendwelche Täter gibt.
Meisterwerk der Verdrängung
Der Text ist damit Meisterwerk der noch relativ neuen Kunst, fein abgewogen und höchst berührend Nachrichten, Meldungen und tiefsinnige Analysen zu verfassen, die ihren Inhalt radikal leugnen. Den Besten des Faches gelingt es, zu schreiben, ohne zu schreiben, und zu berichten, ohne zu berichten.Und die Allerbesten haben die wichtigsten Gründe dafür: Euronews gehört Naguib Sawiris, einem Ägypter, der als Aktionär des ägyptischen Mobilfunkunternehmens Orascom TMT Milliardär wurde und sein Geld nutzt, Europa mit "paneuropäischen Nachrichten" der eigenen Art zu versorgen.












