Donnerstag, 23. September 2010

Hamburg dreht die Kanonen um

Hamburg dreht die Kanonen um, der "Spiegel", zuletzt auffällig geworden mit der nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel grundgesetzwidrigen Veröffentlichung von "kruden Thesen" des früheren Bundesbankers Thilo Sarrazin, kämpft jetzt mit einem neuen Meinungsreport für den Verbleib des 65-Jährigen in der SPD. Deren Parteichef Sigmar Gabriel, als Pop-Beauftragter notorisch erfolglos, drohe mit dem angestrengten Parteiausschlußverfahren gegen Sarrazin ein Debakel, der Sozialdemokratie eine Niederlage. "Auch in einem Tendenzbetrieb namens SPD reicht es nicht", schreibt das durch die Vorabveröffentlichung der nach Ansicht von Gabriel "rassistischen Thesen" in der Mitstörerhaftung, "wenn der Vorsitzende behauptet, dass Sarrazin den Grundsätzen der Partei zuwider handelte." Beweise müssten her, "Gabriel muss diese Behauptung belegen und in der Sache Farbe bekennen."

Das aber tue der Parteivorsitzende nicht - und selbst wenn er es tue, habe er vorab bereits jede Beweiskraft etwaiger Belege zerstört. Dadurch nämlich, dass "Sigmar Gabriel in mehreren Medien und Talkshows einen Angriff auf die Unschuldsvermutung fährt, die zu Gunsten des Angeklagten Sarrazin gilt, bis der Parteiausschluss rechtskräftig ist". Einen solchen Rundumschlag könne "sich vielleicht Irgendwer erlauben, nicht aber der Parteichef und Verfahrensherr Sigmar Gabriel", urteilt das Blatt in vorläufig letzter Instanz.

Der Himmel über Halle XXXV

Sparen hin, Klima her, auf eines wollen die Hallenser nicht mehr verzichten, so schwer die Zeiten auch werden, so sehr Hunger und Armut auch grassieren im Armenhaus Europas. Seit die Stadtverwaltung ihren Bürgern und deren Gästen aus aller Welt beinahe wöchentlich große Sky-Illuminationen unter dem Titel "Der Himmel über Halle" schenkt, ist die Lebenszufriedenheit der Saalestädter beinahe beständig gestiegen. Ein Sieg der Pragmatik über die ortstypische Meckerei, ein Sieg des Siegeswillens über den Fatalismus, der dem Menschenschlag eigen ist, der in grauer Vorzeit des Salzes wegen kam und in Ermangelung besserer Angebote einfach blieb.

Es ist ja aber auch eine Farbenpracht, die die stets preiswerten, sozial gerechtere, aber auch umweltfreundlichen Himmelsbilder für kleines Steuergeld bieten. Mal rot, mal blau, mal bunt und niemals braun, so will es die Stadtverwaltung und so organisiert es eine kleine Firma aus dem Örtchen Nempitz, unterstützt von eine Abteilung beim Grünflächenamt, die so flexibel auch auf Wettergegebenheiten reagiert, dass von Beamtenmentalität noch nie die Rede gewesen ist.

Ganz im Sinne der Nachhaltigkeitskriterien des IPCC, denen sich die Saalestadt freiwillig unterworfen hat, dokumentiert unser kleines heimatkundliches Board PPQ drei- und vierdimensionale Bilder des Geschehens, um auch künftigen Generationen Gelegenheit zu geben, hautnah teilzuhaben an den bunten Spektakeln. Ein Farbenrausch, ein Mustergewimmel auch heute wieder, dominiert von kardinalem Violett und deep Purple. Ein Himmel, der singt, still und doch unüberhörbar.

Mehr Himmel, mehr Halle hier.

Gesänge fremder Völkerschaften: Mit Trauerspiel in Ziel

Was für ein Trauerspiel! Noch einmal haben sie alles gegeben, noch einmal Musik gemacht, die Herzen erweichte und Füße zum Zucken brachte. Beim Laternenfest in Halle, einem ehemals großen Volksfest in Mitteldeutschland, wirkte die norwegische Band Minor Majority inmitten von hemmungslos stimmungsbereiten Humpta-Kapellen wie die Kakerlake auf dem Kirschkuchen: Entschlossen zelebrierte das Quintett um Sänger Pål Angelskår große Schwermut in leichten Melodien, Stücke wie "After Tonight" und "Let The Night Begin" begeisterten das spärlich Publikum, das im matschigen Rund verblieben war, nachdem die wieder gegangen waren, die auf Stimmungsmetal und deutsche Atzenmusik gehofft hatten.

Eine Band für den kleinen Saal auf die große Bühne zu holen, das schaffen sie nur an der Saale, und das auch noch mit durchschlagendem Erfolg. Zwei Zugaben lieferten die Norweger, darunter auch "Supergirl", das einzige Stück, mit dem sie vor Jahren einmal soetwas wie einen Halbhit hatten landen können. Danach ging Licht aus und hinter der Bühne verkündete Angelskår den anderen, das dies ihr letzter gemeinsamer Auftritt gewesen ist.

In der Stadt, in der Händel einst seine Karriere begann, beendeten Minor Majority die ihre. "This is how it goes, Me and you on the telephone, This is how we sound, This is how we grow", heißt es in ihrem schönsten Stück "Wish you’d hold that smile" (Video oben). Aber da wächst nun nichts mehr, worauf wohl schon die Zeile verweist: "This is how I fall, This is how I break".

Mittwoch, 22. September 2010

Sicher ist sicherlich sicherer

Er ist der Innenminister und in der Bundesregierung neben etlichen anderen ausgewiesener Spezialist für alle Fragen angewandter Elektrik. Jetzt hat Thomas de Maiziere, einst als Vorzimmermann bei Eberhardt Diepgen Anbahner der ersten Kontakte von DDR-Staatschef Lothar de Maiziere zu BRD-Kanzler Helmut Kohl, sich zur Sicherheit des kommenden elektronischen Personalausweises geäußert. Worte wie Donnerhall, halb offenbar im Scherz dahingesagt, halb noch berauscht vom letzten Sieg über die Finanzmärkte, Devisenspekulanten, Europafeinde und Fassadenfotografen in die Tagesschau-Kamera gesprochen. Historisch heute schon.

Steinzeitsensationen aus Holz

Knapp 7000 Jahre war das Sonnenobservatorium von Goseck alt, als es auf alten Luftaufnahmen wiederentdeckt wurde. Ein paar Spuren im Untergrund, Erdformationen, ein Kreis aus uralten Trampelspuren, das war alles, was aus der Luft zu sehen war. Vom Boden aber war da gar nichts, was einen Archäo-Tourismus hätte befeuern können, wie ihn das wirtschaftlich darbende Sachsen-Anhalt sich als Einnahmequelle erhoffte.

Immerhin ist das hölzerne Monument, das bis dahin gar nicht mehr existierte, rund 2.000 Jahre älter als Stonehenge, das die ganze Zeit über stand. Souverän abseits der Tatsachen wurde der Begriff „ältestes Observatorium der Welt“ erfunden und eine abenteuerliche Verbindung zur etwa 3000 Jahre jüngeren Himmelsscheibe von Nebra erdacht. Schon hatte die wirtschaftsschwache Region eine neue Attraktion.

Auch der Umstand, dass es Kreisgrabenanlagen wie bei Goseck zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien zu hunderten gibt, irritierte das Kultusministerium nicht. Als Teil der archäologischen Installation "Himmelswege" wurde der Versammlungs-, Handels-, Kult- und Gerichtsplatz aus der Jungsteinzeit, der sich nur als Bodenmuster erhalten hatte, umgehend aufwendig neu errichtet. Aus 1675 Eichenstämmen, geschlagen in einem vier Kilometer entfernten Wald, errichteten zehn ABM-Kräfte eines Christlichen Jugenddorfwerkes einen originalgetreuen Nachbau der ursprünglichen Kultanlage.

Der hielt allerdings zur Überraschung seiner begeisterten Schöpfernicht lange. Schon vier Jahre nach dem Bau, den seinerzeit eine Architektin hatte planen dürfen, die gleichzeitig im Vorstand des Betreibervereins sitzt, hatten Pilze die Eichenholzstämme befallen. Es sei ein kompletter Austausch der zweieinhalb Meter hohen Palisadenzäune notwendig, gestand Landrat Harri Reiche ein. Kostenpunkt der Aktion: 220.000 Euro - das kommt so günstig, weil auch die Erneuerung wieder zehn Langzeitarbeitslose abernehmen.

Diesmal sind die mit der Planung des Neubaus der Geschichte betrauten Experten zuversichlich, dass ihnen gelingen wird, was den Menschen der Jungsteinzeit glückte. Holz in Erde faule zwar immer, so dass auch die neue Konstruktion nicht ewig halten werde. Aber schätzungsweise 10 bis 15 Jahre könne sie schon stehen, ohne einzufallen. Glückt das, wird jeder einzelne der jährlich zum Holzkreis pilgernden Touristen am Ende nur zwischen 1,80 und 2,20 Euro gekostet haben. Und der jeweils nach zehn bis 15 Jahren fällige Neubau der Anlage wird den Landkreis in den nächsten 5000 Jahren auch nur zwischen bei 110 und 220 Millionen Euro kosten.

Ab Januar soll die Geschichtssensation zumindest wieder komplett sein.

Maradona Plattengott


Maradona (oder ein anderer Argentinier?) schreit "Yeah", weil ihm eine Platte unterschoben wurde. Ist das richtig und korrekt interpretiert? Wir wissen es nicht. Der hallesche Kachelmann macht Fliesen und sich rar. Ob sein künstlerisches Schweigen darauf hindeutet, dass er sich aus der Kachelstadt Halle zurückgezogen hat? Oder sammelt er nur seine kreative Energie, um im Herbst quasi zu explodieren? Auch das wissen wir nicht. Was wir wissen: Wir sind gespannt.


Alle weiteren Ausstellungsstücke aus der öffentlichen Galerie des unbekannten Fliesenlegers finden Freunde der gehobenen Giebelgestaltung im offiziellen Kachelverzeichnis. Eigene Funde können wie stets direkt an politplatschquatsch@gmail.com geleitet werden, jeder Fund wird von uns auf Wunsch mit einem mundnachgemalten Kunstdruck der inzwischen von Kachel-Gegnern vernichteten Ur-Fliese prämiert.

Dienstag, 21. September 2010

Tass ist ermächtigt, zu erklären

"In unserem Land ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört", schrieben die Mütter und Väter der friedlichen Revolution in der DDR vor zwei Jahrzehnten in ihrem Aufruf "Aufbruch 89 - Neues Forum" (Original im Bild oben) - und selten behielt ein offener Brief von unten nach oben so nachhaltig Recht. 20 Jahre nach dem Vollzug der deutschen Einheit ist der Patient ein anderer, die Diagnose aber stimmt immer noch. Während eine kleine Schicht aus Parteifunktionären, Berufspolitikern, Medienschaffenden und Talkshowschauspielern gesellschaftliche Debatten simuliert, steht das nun einige Volk stumm und staunend vor den Empfängern. Das also sollen die Sichtachsen sein, durch die sich 82 Millionen Inländern der Blick auf die Realität eröffnet?

Es ist wie in den Tagen, als Tass ermächtigt war zu erklären, welche Wahrheit das Politbüro beschlossen hatte. Die Kanzlerin, in Hamburg geboren und im Osten sozialisiert, erklärt unerwünschte Meinungen Kraft ihres Amtes zu "unnützen", der Bundespräsident, infolge einer mittleren Staatskrise ins Amt gescheitert, nachdem sein Vorgänger aus nie geklärten Gründen das Handtuch geworfen hatte, betont die Unabhängigkeit der Staatsbank und unterminiert sie im nächsten Halbsatz.

Von den Rängen kommt Applaus wie bestellt, nicht stures Nachfragen nach Hintergründen. Tass ist ermächtigt zu erklären, dass alles seine Ordnung hat. Ein Buchautor, wegen Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung mit Berufsverbot bedroht, muss die Regierenden schließlich vor dem Untergang retten, indem er staatsbürgerlich verantwortlich auf sein Recht verzichtet, die Schnellschwätzer vor Gericht bloßzustellen. Und den Staat damit, nur fünf Monate nach seiner letzten, erneut in eine Machtkrise zu stürzen.

Zu lesen ist dazu nichts. Zu hören ist dazu nichts. Die Talkshows diskutieren Stilfragen, das Publikum darf sich in Umfragen äußern. Kommentatoren vergeben Haltungsnoten. Die Regierenden gehen dazu über, in Ermangelung von Handlungsmöglichkeiten in der Gegenwart die Zukunft zu regieren. Den Parlamenten, die nachkommen werden, wird verboten, was sich jedes Parlament bisher als Grundrecht nahm: Das Schuldenmachen. Auch dem Bürger, der vor 20 Jahren euphorisch in die neue Freiheit taumelte, kommt man inzwischen am besten mit Verboten bei, die ihm suggerieren, dass sein Staat sich kümmert. Mit Glücksspiel, Nikotinverbot, dem Verbot nächtlicher Biereinkäufe, der frühkindlichen Zwangserziehung außer Haus, dem nachmittäglichen gemeinsamen Lernen in der Jungpionierfreundschaft, der Neuerfindung des guten alten "Klassenfeindes" als gesellschaftsgefährdendes Nazischwein und der Überwachung des Bürgers durch elektronische Peronalausweise, gläserne Gesundheitskarten und Sammeldatenbanken beim Finanzamt. Das alles gut getarnt durch den öffentlich und hysterische geführten Kampf gegen die Vollerfassung deutscher Hausfassaden.

"Wenn es wenigstens ein politisches Klima gegeben hätte, in dem man offen über die Probleme diskutiert hätte", wird die Systemgegnerin und Kaviarfreundin Sahra Wagenknecht in nicht allzu ferner Zukunft wieder barmen, diesmal mit der Erkenntnis im Hinterkopf, dass nun auch den Leuten im Westen zu lange erzählt worden sei, dass sie alles haben und einfach glücklich sein müssten. "Da fühlten sie sich einfach verarscht, und damit hatten sie ja auch recht."

Während ein Ministerpräsident in Hauslatschen unkommentiert von seinen sonst stets meinungsbereiten Parteigenossen den Import von Katholiken zur Aufrechterhaltung der Art fordert, arbeiten die Regierenden an der Einrichtung eines vormundschaftlichen Staates , wie ihn der längst vergessene DDR-Dissident Rolf Henrich vor mehr als 20 Jahren in seiner siechenden sozialistischen Heimat entdeckt hatte.

Betreutes Leben rund um die Uhr, mit Staatskino im Abendprogramm. Tass ist ermächtigt, zu erklären, dass alles seine gute Ordnung hat, berichten "Spiegel", "Zeit" oder "FAZ" abwechselnd vorab. Die Kanzlerin hat Tacheles gesprochen, die Arbeitsministerin neue Wohltaten vorbereitet, der Verteidigungsminister will auf Fremdenlegion umstellen, der Oppositionsführer droht faulen Ausländern mit Abschiebung, obwohl nirgendwo im deutschen Recht ein Hinweis darauf zu finden ist, dass Integration Voraussetzung für den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland ist.

"Wir weinen ihnen keine Träne nach", wird Kanzler Sigmar Gabriel, einst Pop-Beauftragter der Bebel-Erben, bei der Verabschiedung des letzten Zuges mit Abschiebehäftlingen am Berliner Hauptbahnhof sagen, die Hand stolz zum Winken erhoben. Bärbel Bohley ist tot, Rolf Henrich in Rente und Tass ermächtigt, zu erklären: Alles wird gut. Nur wer entschlossen handelt, verhindert einen neuen Sarrazin, schafft nach jedem Amoklauf immer wieder neues, verschärftes Waffenrecht, das alle künftigen verhindert, schützt Anleger, verhindert Finanzkrisen, Millionenprämien für Banker und schmutzige Speisegaststätten. Nur wer politisches Handeln unermüdlich simuliert, behält die Macht.

Wer hat es gesagt?

"War er geboren, kam er in die kombinatseigene Krippe, um nach drei Jahren in den kombinatseigenen Kindergarten überzuwechseln. War er krank, ging er in die Polyklinik des Kombinats. Im Sommer besuchte er das Ferienlager, das dem Kombinat gehörte, und anschließend war er noch 14 Tage mit den Eltern in der kombinatseigenen Ferieneinrichtung. Seine Lebenserwartungen waren gradlinig, quasi schienenfahrzeughaft: 14. Lebensjahr Jugendweihe mit Moped-Geschenk und Trabant-Anmeldung; 16. Lebensjahr Facharbeiterabschluß; 20. Lebensjahr Ende der NVA-Dienstzeit und Eintritt ins volle Erwerbsleben. Nach dem Besuch der kombinatseigenen Betriebsberufsschule war die Übernahme in den Betrieb gesichert. Und wenn er nicht silberne Löffel stahl, blieb er dort. Es galt als ehrenrührig, seinen Arbeitsplatz zu kündigen. Man wechselte eben nicht. Dem folgte eine frühe Eheschließung, weil nur ein Ehepaar einen Antrag auf Zuweisung einer gemeinsamen Wohnung stellen konnte, auf die man ohnehin acht Jahre zu warten hatte."

Montag, 20. September 2010

Verbot der Woche: Mongolennazis aus Gobi

Für den n-tv-Moderator und früheren deutschen Diktator Adolf Hitler war Tibet immer ein heißer Kandidat bei der Suche nach dem Ursprung der "arischen Rasse". Um den Nebel der Geschichte zu lüften, ließ der ungelernte Kunstmaler im Jahre 1935 das „Ahnenerbe“ als Behörde für die Erforschung des Ahnenerbguts gründen, dessen Forschungen aber weitestgehend ergebnislos blieben. Anders die von Sven Hedin, einem schwedischen Entdecker mit einer Vorliebe für Tibet, das er gleich mehrfach besuchte, ehe er von 1927 bis 1930 begann, seine Forschungen auf die Mongolei auszuweiten.

Fündig würde er erst heute werden, etwa in Ulan Bator, der Hauptstadt der ehemals sozialistischen Mongolei. Hier sind "Neonazi-Sprüche an Wänden und Fenstern keine Seltenheit", wie die Süddeutsche Zeitung hochinspiriert von einem Bericht des Guardian beschreibt. Mit "ihrer dunklen Haut und ihren schmalen Augen seien die Mongolen das Gegenteil des propagierten arischen Ideals", weiß die Rassekunde-Fachschrift aus München, "trotzdem verehren mongolische Neonazis Hitlers Ideologie einer reinen Nation".

"Hitler hat uns gelehrt, wie man die nationale Identität erhält", zitiert die SZ die Aussage eines Mitbegründers der rechtsextremen Gruppe Tsagaan Khas (Weißes Hakenkreuz) gegenüber dem Guardian, während die Übersetzung des im Original folgenden "We don't agree with his extremism and starting the second world war. We are against all those killings, but we support his ideology. We support nationalism rather than fascism", des besseren Leseverständnisses wegen nicht gelang.


Zuviel Verwirrung ohnehin hier. Nazi-Gruppen aus Untermenschen, die "ihr Volk gegen den Einfluss von außen" schützen wollen, weil sie glauben, im Blutmix mit dem übermächtigen China untergehen zu müssen. Fremdenfeindlichkeit bei den in Europa von Fremdenfeindlichkeit Verfolgten, deren größtes Geheimnis der polnische Wissenschaftler Ferdinand Ossendowski bereits 1922 in seinem Buch „Tiere, Menschen und Götter “aufgedeckt hatte. In diesem sensationellen Reisebericht aus der Mongolei beschrieb er das unterirdische Land Agharti unter der Wüste Gobi, dessen mächtige Einwohner eines Tages an die Oberfläche kommen würden, um die Erde vor der Zerstörung zu retten.

Bisher wartet die Welt vergeblich auf Vril-Flugzeuge und Flugscheiben, Raumhakenkreuzer vom Mond und Luftlandetruppen aus Neuschwabenland. Erst kommendes Jahr geht der Alptraum aller Reinstkultur-Nationalisten in Erfüllung, auch wenn die Bundesregierung derzeit plant, im Rahmen der PPQ-Serie "Verbot der Woche" eine globale Untersagungsverfügung nach Ulan Bator zu senden: Mit Götz Otto und Julia Dietze in den Hauptrollen startet Timo Vuorensolas Versuch, auf dem Mond einen Kassenknüller aus Ahnenerbe und Internetlegenden zu starten, über den die Süddeutsche Zeitung nicht lachen können wird.

Jagd auf einen Unsichtbaren


Fast wäre sie wirklich vergessen worden, die Suche nach dem geheimnisvollen Schlangenmenschen, der den Passauer Polizeichef Alois Mannichl von nicht einmal ganz zwei Jahren in einer Nacht- und Nebenaktion mit dessen eigenen Lebkuchenmesser hatte ermorden wollen. Damals war das eine Staatsaffäre, die von einer "neuen Qualität rechtsradikaler Gewalt" kündete und die Ermittlungsbehörden für wenigstens vier Wochen beschäftigte wie kein anderer Fall seit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer durch die RAF. Später war gelegentlich noch von Umgruppierungen innerhalb der Ermittlungsgruppen, wechselnden Zuständigkeiten, Krankenhausbesuchen und gesicherten DNA-Spuren die Rede. Dann aber verschwand der Mannichl-Fall aus der Berichterstattung.

Bis jetzt endlich die "Bild"-Zeitung" , ein Fachmagazin für vergessene Geschichte, sich an den geheimnisvollsten Angriff eines einzelnen Rechtsextremen auf einen hohen Repräsentanten des Staates erinnert. "Die Ermittlungen gehen weiter", tröstet das Blatt alle Krimifans, die bisher vergeblich auf eine Aufklärung gehofft hatten. Nach wie vor gebe es zwar "keine heiße Spur von dem gesuchten Täter" mit der auffälligen grünen Gesichtstätowierung. "Dennoch geben die Ermittler nicht auf." Die Sonderkommission untersuche immer noch einzelne Details, habe Passaus Leitender Oberstaatsanwalt Helmut Walch gesagt, ohne darauf einzugehen, ob die Wochen nach der Tat auf einer Ausfallstraße gesicherten Zigarettenkippen und Dreiradtrümmer eine Hilfe bei der Tätersuche gewesen sind. „Es taucht hier und da immer wieder einmal ein neuer Hinweis auf, dem man dann nachgeht.”

Bei der noch laufenden Arbeit gehen die Ermittler offenbar inzwischen davon aus, dass ein Rechtsradikaler mit Migrationshintergrund der Täter sein könnte. Es würden auch Personen aus anderen europäischen Staaten überprüft, ließ Walch wissen. Das Feierabendfahndungsboard PPQ hatte schon früh auf die Möglichkeit hingewiesen, dass es sich bei dem Mörder auch um das wütende Opfer eines irren Tätowierers oder einen im Alltag unsichtbaren Maori-Häuptling gehandelt haben kann.

Wer hat es gesagt?

Ich habe die Hälfte seiner Freunde geerbt - und alle seine Feinde.

Sonntag, 19. September 2010

Der Himmel über Halle XXXVII

Getreu der Erfahrung, dass es besser ist, alles Geld auf den Kopf zu hauen, bevor eine staatliche Zwangsverwaltung jedwede Entscheidungsgewalt über kommunale Geldmittel an sich ziehen wird, hat die hallesche Stadtverwaltung wieder mal keine Kosten gescheut. Als Begleitmaßnahme zum momentanen Stadionneubau wurde in einem Testlauf schon mal der Himmel in einem Vereins-Rot gefärbt, um eine nuancierte Abstimmung des Himmelszeltes passend zu den Trikots der hiesigen Heimmannschaft zu erreichen.

Bei diesem ersten Testlauf zeigte sich noch zuviel Gelb am Himmel. Hier werde aber noch farblich "nachjustiert", so die Stadtverwaltung gegenüber PPQ. Einen ersten Entwurf, verschwenderisch bunt vorempfunden, hat Die Anmerkung inzwischen per E-Post im Rathaus vorgelegt - exklusiv oben zu sehen.

Teddy, ein Held zum Kuscheln

Ein Gefolgsmann wie Rudolf Hess war er, treu und voller Selbstverleugnung und jederzeit bemüht, die gemeinsame Sache voranzubringen. 65 Jahre nach seinem Tod ehrt die Quedlinburger Lyonel-Feininger-Galerie ihn nun endlich: Ernst "Teddy" Thälmann, in der DDR Liebling der Kinder und Genossen, dient als Testimonial für eine Ausstellung der Werke aus der Sammlung des Berliner Galeristen und Kurators René Block. Keine Verherrlichung des Kommunismus ist das, wie das Aufhängen von Hess-Bildern (unten) eine Verherrlichung des Nationalsozialismus ist. Im Unterschied zu Hess, der zum Feind seines Führers überlief, harrte der KPD-Führer im Schützengraben aus - eine Heldengeschichte, die ihn unsterblich machte.

Das trifft ausnahmsweise mal den Richtigen, denn Thälmann war - im Unterschied zum Nazi Hess - in seinen besten Jahren nicht nur Ehrenmitglied der Besatzung des Kreuzers Aurora, sondern auch führender Verfechter der Sozialfaschismus-These, die nicht im Nationalsozialismus, sondern in der Sozialdemokratie die größte Hürde auf dem Weg zur Befreiung des Menschen durch den Menschen sah. "In Treue fest" (ARD) zu Stalin, dem weisen Führer der Völker, reinigte Thälmann die deutsche Kommunistische Partei von Links- und Rechtsabweichlern, so dass sie nach dem mühelosen Durchmarsch der NSdAP zur Macht binnen kurzer Zeit zerschlagen werden konnte.

Der Dank des Vaterlandes an den "Sohn seiner Klasse" (Defa), der "niemals gefallen ist", wie eine Facebook-Seite bis heute rühmt: Thälmann wurde von den Nationalsozialisten verhaftet und in "Schutzhaft" genommen. Als Hitler und Stalin einen gemeinsamen Pakt schließen, hofft er, dass sein früherer Fürsprecher in Moskau, der ihn nach dem Wittorf-Skandal um geklaute Parteigelder 1928 gegen den Widerstand des restlichen ZK an der Spitze der KPD gehalten hatte, ihn freihandelt.

Doch Stalin hat das Interesse an Thälmann schon verloren. Während er seinen ungarischen Vasallen Matyas Rakosi, den Vorsitzenden der Partei der Ungarischen Werktätigen, noch 1940 zu späterer Verwendung aus deutscher Haft holt, lässt der Führer der Weltrevolution seinen deutschen Statthalter fallen. Von wegen niemals gefallen. Thälmann schreibt Hilferufe in Briefen, wird aber kurz vor Kriegsende auf Befehl von Hitler umgebracht. Glück für die Ausstellungsmacher: Hätte er überlebt, wäre er womöglich an Stelle von Ulbricht zum Stalin der DDR geworden. Und die Ausstellung, die noch bis Ende Oktober läuft, müsste dann vielleicht mit einem schicken Erich Honecker- oder Erich Mielke-Bild werben.

Samstag, 18. September 2010

Visa-Gangster verbreiten Bange

Jeden Tag steht mindestens ein Dummer auf, man muss ihn nur finden, wissen findige Verbrecher überall auf der Welt. Mit ganz gerissen gefälschten Mails versuchen die international agierenden Banden, arglose Kreditkartenbesitzer auf täuschend echt nachgemachte Bankseiten zu locken. "Teuer (e) Kunde/Kundin", heißt es in den als Fälschung kaum zu erkennenden Anschreiben, (Foto links) die auch vorsichten Banknutzern kaum eine Chance lassen, den Trick zu durchschauen. "Beachtung! - Wir haben bestimmen kürzlich, dass quelqu' hat vielleicht, Ihre Karte ohne Ihre Genehmigung und einen mehrfachen Versuch der Zahlungen zu benutzen zu scheitern."

Den arglosen Empfängern wird an dieser Stelle automatisch Angst und Bange, sie sind nunmehr bereit, die Anweisungen der Kriminellen Wort für Wort zu befolgen. "Wir müssen jetzt", forden die Betrüger, "die Informationen Ihrer Kreditkarte wieder zu bestätigen". Dazu sei es nötig, "um Ihre Karte gegen l' zu schützen; betrügerische Benutzung und für die Aktualisierung Sicherheit des system Verified by VISA, Danke dieser Verbindung zu folgen:"

Den mitgelieferten Link nicht anzuklicken, wagen auch erfahrene Nutzer nicht, denn die gerissenen Gangster drohen unmissverständlich mit ernsten Konsequenzen: "Wenn Sie n' vollenden Sie dieses Verfahren vor dem 24. August 2010 wir gezwungen, Ihre Karte definitiv aufzuhängen, denn sie d' vielleicht zu benutzen; eine betrügerische Art und Weise."

Ohne zu ahnen, dass der geforderte Klick nicht etwa zu mehr, sondern zu weniger Sicherheit führt, betätigen die Betroffenen ihre Maus. Das internationale Verbrechertum ist dankbar: "Danke d' zu haben untersuchen diese Information und uns die Vertraulichkeit und die Sicherheit Ihrer Kreditkarte aufrechterhalten zu helfen" und schließt mit einem knappen "Herzlich, Ihr VerifiedbyVisa Dienst Sicherheitsdepartement."

Freitag, 17. September 2010

Der Himmel über Halle XXXVI

Die Stadtverwaltung von Halle geht mittlerweile soweit, unnütze Plattenbauten nur deswegen nicht abzureißen, damit sie einen soliden Kontrast zum mit Steuermillionen teuer finanzierten "Himmel über Halle" bilden können.  Wir finden das nicht richtig - aber schön.
Mehr Blicke in den Himmel über Halle finden sich ausgehend von hier.

Doku Deutschland: Gier ist ein Geschwür

Es sind die unerzählten Dramen und Tragödien, die im Foyer deutscher Gerichte darauf warten, von mitfühlenden Seelen entdeckt zu werden. Zwischen kurzangebundenen Vorschauen auf betrunkene Schlägereien, unterschlagene Mieten und gestohlene Kleinkrafträder stecken immer wieder auch Geschichten, aus denen das ZDF mit Hilfe von Veronica Ferres und Heino Ferch eine ganze Sommerabendserie machen würde.

Das Drehbuch hat das Leben im Rahmen der PPQ-Reihe "Doku Deutschland" bereits geschrieben, äußerst kostengünstig dazu. In der Hauptrolle der Verfilmung eines authentischen Falles aus Mitteldeutschland: Ein knapp 50-Jähriger mit offenem Blick und dünnem Haar, gespielt von Heiner Lauterbach, dem der Staatsanwalt, gespielt natürlich von wie immer überzeugenden Ulrich Noethen, Betrug in sechs Fällen vorwirft, davon einmal in einem besonders schweren Fall.

Die Kamera fährt erstmal auf die Akte zu, die auf einem gläsernen Schreibtisch liegt. Dann Blende auf Heino Ferch, ein Opfer, dem man seine persönliche und finanzielle Misere am Hemdkragen ansieht. Aus der Küche klappert Geschirr, Frau Ferch, gespielt von der Ferres in der Rolle ihres Lebens, brät kleine Bratwürstchen, denn die Lage ist ernst. Ferchs, die im Film Grabowskis heißen, sind betrogen worden. Von Heiner Lauterbach, dem jetzt Angeklagten, der in der absolut gelungenen filmischen Umsetzung des authentischen Falles, dem die Besten Mitteldeutschland zum Opfer fielen, Heinrich Asenberg genannt wird.

Asenberg begann vier Jahre zuvor im lauschigen Isernhagen, in Alicante und dem sachsen-anhaltinischen Armenhaus Tröglitz, gedreht wurde natürlich an den Originalschauplätzen der originalen Story, "dem Geschädigten Ferch, also Grabowski, vorgespiegelt zu haben, er, also Lauterbach als Asenberg, sei in der Lage, dem Ferch, also Grabowski, "für die Finanzierung eines Krankenhausneubaus in Alicante einen Kredit über 163 Mio Euro zu verschaffen", wenn Ferch alias Grabowski ihm" zuvor insgesamt 150000 Euro zur Verfügung stelle".

Genau schreibt es der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift und genau so ist es passiert. Ältere Leute, die schon viel erlebt haben, aber auch jüngere, die keine 150000 Euro besitzen, hätten dem raffinierten Gauner mit dem leutseligen Gehabe daraufhin kurzerhand die Tür gewiesen. Wären deshalb aber nie ins ZDF gekommen. Die Original-Filmfigur Grabowski hingegen, als Heino Ferch immer auf neue Rollenangebote angewiesen, geht drehbuchdienlich auf das überaus verlockende Angebot ein. Ein Krankenhaus in Alicante zu bauen ist für den sportlichen Familienvater, der bisher nur ein Einfamilienhaus in Tröglitz und eine Zweimastbark in Isernhagen besitzt, ein Lebenstraum.

Grabowski geht zur Bank, er hebt das Geld ab. Ferres macht im eine Szene, die drehbuchreif wäre, stände sie nicht ohnehin drin. Ein Messerblock fliegt durch die Designerküche. Die Kinder laufen weinend in den großen Garten, Ferch aber lässt sich nicht umstimmen. Wutentbrannt stürmt er aus dem Haus, das Geld in einem Packpapierumschlag mit Krankenkassenlogo in der Hand.

Dann hat es Lauterbach. Man sieht ihn zufrieden zählen. "Woraufhin der Angeklagte", heißt es in der Klageschrift im wirklichen Leben, "seinem Plan entsprechend das Geld für sich verwendet haben soll". Fünf weiteren Geschädigten habe der gewiefte Heiner Lauterbach mit seiner ganzen Wandlungsfähigkeit ebenfalls vorgetäuscht, "er könne binnen weniger Monate einen als Darlehen gewährten Geldbetrag verzehnfachen". Woraufhin diese ihm ebenfalls, jetzt blendet die Kamera gekonnt auf einen diabolisch grinsenden Heiner Lauterbach, dem noch ein alter Geldschein aus der weißen Weste hängt, "Beträge zwischen 7.000 und 10.000 Euro - insgesamt 41.000 Euro zur Verfügung gestellt hätten". Auch dieses Geld legte der nunmehr in Halle in aller Stille Angeklagte "seinem Plan entsprechend" nicht an, sondern er gab es aus, bis es alle war.

Gier, das zeigt diese nie gedrehte Fernsehsensation des Jahres in aller gebotenen Unverbindlichkeit, ist keine Managerkrankheit, sondern ein Geschwür, das im ganzen Volkskörper wohnt. Die letzte Szene zeigt die wie immer grandios gebrochene Veronika Ferres an der Wohnungstür. Sie hat sich von Heino Ferch getrennt, weiß aber noch nicht, ob sie auf Heiner Lauterbach warten wird. Als es klingelt, öffnet sie sofrt, ein Glas Rotwein in der Hand. Draußen steht Sven Regener, ein stadtbekannter Musiker, der von Christian Ulmen gespielt werden wird. Er hat keine Gitarre dabei, aber ein Angebot in der Tasche. Wenn Veronika Ferres ihm eine Million schenkt, wird er beim Ausgeben immer an sie denken. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt.

Rechte Gewalt: Die Tat macht den Nazi

Eines der letzten großen, abgrundtief dunklen Geheimnisse der vorgeblichen deutschen Demokratie konnte jetzt durch das zivilgesellschaftlich stets engagierte Watchblog "Die Zeit" gelüftet werden. Das Internetjournal, traditionell auf hauchdünnem Holz gedruckt, hat in jahrelanger Feinarbeit die offizielle Zahl der von Rechten, Rechtsradikalen, Rechtsextremen, Rechtsextrimisten und Rechtsmotivierten ermordeten Menschen nachgerechnet. Und dabei herausgefunden, dass Bundesbehörden offenbar seit mehr als zwei Jahrzehnten zahlreiche Opfer verschwiegen haben.

Die Dimension rechter Gewalt, die zuletzt mit dem Mordanschlag eines faschistischen Schlangenmenschen auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl "eine neue Qualität" (Bayerns Innenminister Hermann)erreichte, wird vielfach unterschätzt. Zwar seien insgesamt nicht mehr Menschen ermordet worden, schreibt das Blatt als Erläuterung einer interaktiven Landkarte voller Punkte, auf der Interessierte interaktiv mit den rechten Morden spielen können (unten). Doch hätten Polizei und Justiz beinahe hundert Opfer statistisch falsch erfasst und in verharmlosenden Schubladen als Morde unter Alkohol, Opfer von Diskoschlägereien und Auseinandersetzungen zwischen Asylbewerbern und syrischen Kioskbesitzern abgelegt.

Die bittere und entsetzliche Wahrheit: Statt 47 kosteten Mordaktionen von rechts seit 1990 mindestens 137 Opfer das Leben. Die braune Dunkelziffer ist aller Erfahrung nach sogar noch sehr viel höher.

Eine erschütternde Zahl, gerade weil, wie auch das Blatt beklagt, 2004 und 2007 gar keine Menschen von Rechten umgebracht worden seien. Zuletzt war sogar die Zahl der rechtsextremen Straftaten insgesamt zurückgegangen, obwohl nicht nur "Die Zeit", der zu allem entschlossene BKA-Chef Zierke und der in Medienlügen erfahrene Alphablogger Stefan Niggemeier nachhaltig für eine weitere Erhöhung geworben hatten.

Die neuen Zahlen aber werfen nun doch wieder ein neues Licht auf das Land der "national befreiten Zonen" und "No-Go-Areas", von denen bisher ausschließlich ausdauernd die Rede war, ohne dass sie jemals auf einer Landkarte hätten eingezeichnet werden können. Wie "Die Zeit" minutiös nachweist, bedienen sich die Behörden seit Jahren eines simplen Tricks, um die Opferzahlen schönzurechnen.

Dabei werden Todesfälle durch Gewalt nur dann als rechte Taten registriert, wenn sie von nachweislich "rechts motivierten" (BKA) Tätern begangen wurden. Ein Fortschritt gegenüber der Zeit vor der letzten von der "Zeit" ausgelösten Zählungsreform, vor der für eine Aufnahme in die Statistik nicht nur eine Gesinnung, sondern zusätzlich eine politische Motivation nachgewiesen werden musste.

Doch bei weitem nicht ausreichend, wie die Fachredaktion ermittelt hat. "Doch immer noch gibt es reichlich Fälle, in denen die Strafverfolger ein rechtes Tatmotiv kaum oder gar nicht ergründen", heisst es in dem wegweisenden Beitrag. Manchmal reiche zur Begründung schon die Tatsache, dass die Täter keine Rechtsradikalen seien. Zur kontinuierlichen weiteren Erhöhung der Fallzahlen, deren Verkündung jeweils zur Verfertigung großformatiger Warnartikel dienen kann, sei es deshalb zwingend erforderlich, auch Taten von nachweislich nicht rechts- oder gar rechtsextremistisch gesinnten Tätern in der Statistik der Opfer rechtsextremer Gewalt zu erfassen. Um vorerst noch nicht sämtliche Todesfälle durch Gewalt deutschlandweit einbeziehen zu müsen, sieht eine Gesetzesinitiative aus dem Zeitungshaus vor, zur Festlegung der aufnahmegeeigneten Taten wahlweise Eigenschaften des Opfer oder der Tatumstände heranzuziehen.

Mit Hilfe mehrerer Beispiele weist das Autorenkollektiv überzeugend nach, wie das zu funktionieren hätte: Sagen Täter etwa aus, sie hätten "für Ruhe und Ordnung" sorgen wollen, deutet das künftig ebenso unzweifelhaft auf einen rechten Hintergrund wie der Umstand, dass es sich beim Opfer um einen sogenannten "nicht-rechten" Jugendlichen, einen Obdachlosen oder Migranten handelt.

In einem der von der "Zeit" kompetent und spannend geschilderten Fälle hatten Jugendliche einen Obdachlosen erschlagen. Allein durch die Auswahl des Opfers, fanden die von dem engagierten Blatt beauftragten Experten heraus, sei der rechtsextreme Hintergrund ausreichend belegt, weil Rechtsextreme bekannt dafür seien, häufig Obdachlose anzugreifen. Komme Hass als Tatmerkmal hinzu, sei der Hintergrund gar nicht anders als von rechts zu sehen.

Im "Kampf gegen rechts" (Angela Merkel) ergeben sich mit einer Statistik diesen Zuschnitts künfitg völlig neue Perspektiven. Akte sinnloser Gewalt, wie sie Rechtsextreme, aber etwa auch die Täter in Truman Capotes Erzählung "Kaltblütig" begehen, könnten unabhängig von der konkreten Täterschaft global unter "rechts motiviert" (BKA) gezählt und zum Anlass für Aufstockung der Mittel zu ihrer vorbeugenden Bekämpfung genommen werden. Ziel müsse es sein, heißt es in Opferberatungsstellen, "Mord vom Täter wegzudenken".

Perspektivisches Ziel sei ein Aufklärungsansatz, der nach einem alten Bibelwort Taten sprechen lässt: Die Tat allein soll dann als Beleg der Gesinnung gewertet werden. Noch sei kein Konsens über diese Frage hergestellt, man habe aber angedacht, Mörder spätestens ab Januar 2012 generell als rechtsextrem oder rechtsradikal einzustufen, da das menschenverachtende ihrer Tat ja dafür spreche, dass es sich keinesfalls um "nicht-rechte" (Verein Miteinander e.V.) Jugendliche oder Erwachsene handeln könne.

Das werde den Zahlen noch einmal einen Schub geben. "Eine Bundesstiftung könnte Aufklärungsarbeit leisten und die Opfer der rechten Gewalttäter unterstützen", empfehlen die Fachautoren, die sich von der jüngst erfolgten Gründung des Blogampelamtes im mecklenburgischen Warin als zentraler Internetaufsichtsbehörde in Deutschland haben inspirieren lassen. Durh ein beständiges Anwachsen der Bedrohung durch den gewalttätigen Rechtsextremismus in der Statistik könne die Bundesstiftung auch ohne eine realen Zuwachs an Taten ermächtigt werden, "die Wirkung von Aufklärung und Opferhilfe deutschlandweit zu verstärken". Da winken neue Stellen, deren Inhaber jeden Morgen beten werden, dass bald wieder mal ein Mord geschieht.

Mehr dazu auch bei Karl Eduards Kanal.

Donnerstag, 16. September 2010

Fremde Federn

Wir haben keine Reichsschrifttumskammer, kein Ministerium für Neusprech, kein ZK und kein Politbüro, die den Ton vorgeben, und dennoch haben sich Begriffe wie "moderate Taliban" und "soziale Brennpunkte" festgesetzt, Euphemismen, die der Selbsttäuschung dienen.

Geburtstag in der Schinderstraße

Er war ein Rassist reinsten Wassers, ein Antisemit, Menschenschinder und Eroberungsreisender, gegen den beinharte Kommunisten wie Ernst Thälmann und Rosa Luxemburg direkt völkerverbindende Toleranz vorlebten. Carl Peters, am 27. September 1856 in Neuhaus/Elbe im Königreich Hannover geboren, verbrachte seine Lehrjahre in England und lernte dort von den Besten. 1884 gründete er die „Gesellschaft für Deutsche Kolonisation“ und ließ sich von dieser zusammen mit zwei Begleitern einen Auftrag zum Gebietserwerb in Ostafrika erteilen. Deutschland, so war er überzeugt, braucht Überseegebiete, will es groß und mächtig werden. Auf dem schwarzen Kontinent angekommen, dessen Bewohner er für eine Art aufrecht gehender Affen hielt, machte Peters nicht viel Federlesens. Ehe seine Truppe ein Dorf betrat, gab es eine warnende Salve aus den Gewehren, damit war dann schon mal angenehme Verhandlungsstimmung hergestellt. Die „Schutzverträge“ mit den Einheimischen schloß der Abgesandte des Deutschen Reiches, indem er Häuptlinge dazu brachte, deutschsprachige Schriftstücke mit ein paar Kreuzen zu unterzeichen.

Große Jahre für das Reich, große Jahre für Carl Peters, der in "Afrika Neger totschießt wie Spatzen", wie der "Vorwärts" schrieb. Obwohl Reichskanzler Bismarck die Verträge später „ein Stück Papier mit Neger-Kreuzen drunter“ nannte, bekam der agile Eroberer mit den Beinamen "blutige Hand" und "Hänge-Peters" den offiziellen Auftrag, Gebiete Afrika für das Reich in Besitz zu nehmen. Als Reichskommissar für das Kilimandscharogebiet hielt er sich afrikanische Mädchen als Geliebte, nach der Feststellung, dass eine von ihnen ihn mit einem Diener betrog, ließ er beide öffentlich aufhängen und zur Sicherheit auch gleich noch ihre Heimatdörfer zerstören. Einer seiner Mitarbeiter beschrieb die Atmosphäre am Hofe des Reichskommissars: „Übrigens ist Peters halb verrückt. Alles um ihn herum geht krumm vor Hieben. 100 bis 150 sind an der Tagesordnung. Es ist kaum zu glauben, welche Angst die Leute vor Peters und seinen Leuten haben“.

Den folgenden Aufstand schlug Peters so blutig nieder, dass er nach Deutschland zurückgerufen und dort auf Betreiben des kaiserlichen Disziplinargerichts unehrenhaft entlassen wurde. Er verlor seinen Titel und seine Pensionsansprüche und musste von einer kleinen Pension leben, die Kaiser Wilhelm II. ihm persönlich zahlte. 1937 war es Adolf Hitler selbst, der den inzwischen verstorbenen Schinder popstum freisprach. Die „Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums“ lobte, dass Peters „den Gedankengängen des Dritten Reiches bereits vor fünfzig Jahren“ nahestand.

Grund genug, für Städte wie Soltau, Bad Hersfeld, Delmenhorst und Lüneburg, den großen Afrika-Eroberer der frühen Tage bis heute engagiert zu würdigen. Während im Osten Straßennamen wie "Lenin" oder "Thälmann" überwiegend nur in kleineren Orten die zwei Jahrzehnte seit der Wende überlebt haben, feiern die Carl-Peters-Straßen in acht Städten und Gemeinden westwärts der früheren Grenze schon ihren 80. Geburtstag.

Umbenannt wird aber immer mal, zuweilen sogar, ohne dass sich der Name ändert: Im Bremer Stadtteil Walle verlor Carl Peters das Namensrecht, die nach ihm benannte Straße heißt allerdings immer noch so. Nur jetzt, so gratismutig arbeitet die Stadt ihre Geschichte auf, nach einem verdienten Strafrechtsreformer gleichen Namens.

Mittwoch, 15. September 2010

Wer hat es gesagt?

"Es lebe und gedeihe das einheitliche, unabhängige, demokratische friedliebende Deutschland!"