Dienstag, 16. Dezember 2008

Nächsten Monat gibts Geld fürs Borgen

Die US-Notenbank hat den US-Leitzins auf eine Range von 0,00 bis 0,25 Prozent gesenkt. Ab kommendes Jahr soll dann jeder, sich Geld borgt, noch welches als Bezahlung dazubekommen.

Noch neuere Terror-Dimension

Jetzt versuchen sie es nicht nur mit Lebkuchenmessern, sondern mit schrecklicher Musik. Eine funkelnagelneue Dimension rechten Terrors sind Prussian Blue, ein streng blondes Zwillingspärchen, aufgezüchtet in einer original arischen Ami-Familie. Live schon fast besser als Tokio Hotel, textlich früher "Stürmer", im Studio tendieren sie allerdings Richtung späte Kelly-Familie.

Noch eine neue Dimension rechtsextremer Gewalt

Autodieb sticht Berliner Polizist nieder
Dienstag, 16. Dezember 2008 17:20
Berlins Polizisten sehen sich immer stärker gewalttätigen Angriffen ausgesetzt. Jüngstes Opfer ist ein Polizist, der in Charlottenburg einen Autodieb festnehmen wollte. Der Räuber zog plötzlich ein Messer – und verletzte die Beamten schwer.
Allerdings handelte es sich diesmal nicht um ein Lebkuchenmesser, das der Polizist selbst zur Verfügung gestellt hatte.

Angela auf der Autobahn

Nach alten Rezepten Gekochtes schmeckt eben doch immer noch am besten. Angela Merkel, die lange versucht hat, die Weltwirtschaftskrise wegzuwünschen, ist nunmehr entschlossen, zu Handeln. Bereits im Januar zur Amtseinführung von Barack Obama wird die Mecklenburgerin die Aufschwungkorken wieder knallen lassen: Wie ihr Amtvorgänger, der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, hat sich die Führerin entschlossen, Milliarden in den Straßenbau zu investieren.

Deutschland wird, den Plänen aus dem Führerinnen-Hauptquartier zufolge, auf nagelneuen achtspurigen Trassen aus der Krise sausen. Sollten bis zum Bauginn im "frühen Frühjahr" (Merkel) noch keine Baupläne vorliegen, soll erstmal ohne losgebaut werden. Immerhin könnten dann die jetzt in Berlin noch zur Rattenjagd eingesetzten Hartz-4-Empfänger in Marsch gesetzt werden, um eventuell in die falsche Richtung gebaute Straßen wieder abzubrechen. Sie glaube an die Kraft Deutschlands, die Krise zu meistern, ließ Angela Merkel wissen. Mit einem Überfall auf Polen, wo noch Platz für viel mehr Straßen wäre, ist allerdings wegen der gespannten Einsatzlage der Bundeswehr, die am Hindukusch im Friedenskampf steht, nicht vor dem Jahr 2015 zu rechnen.

Beschriebener sterben

Ein einziges Aussterben, Niedermetzeln und Vernichten ist es draußen in Wald und Flur, seit Zeitungsseiten mit gefüllt und Fernsehzeiten vollgesendet werden müssen. Bis heute weiß niemand auch nur annähernd zu sagen, wieviele Tier- und Pflanzenarten überhaupt auf der Erde leben. Doch dass die Mehrzahl von ihnen wegen der Ausbeutung der Ressourcen durch den Menschen vom Aussterben bedroht ist, davon künden Rote Listen, immer neue Rekordaussterbezahlen der Uno und Tierschützerdemonstrationen in den Wohlstandshauptstädten der Welt.

Nicht ganz klar ist, wie es Wissenschaftlern inmitten dieses Aussterbe-Orkans gelingen konnte, in nur zehn Jahren allein am Mekong-Fluß mehr als 1000 neue Arten zu entdecken, darunter auch die Laotische Felsenratte, die bisher seit seit elf Millionen Jahren ausgestorben war. Unter den 1068 neuen Arten, die der World Wildlife Found jetzt als neuentdeckt meldete, sind 519 Pflanzen, 88 Spinnen, 279 Fische, 88 Frösche, 22 Schlangen, 4 Vögel und 15 Säugetiere.

Ist die Welt dadurch schöner geworden? Hat der Mensch Erkenntnis gewonnen? Relativiert die Entdeckung gar die Länge der Roten Liste und die Größe der Aussterbeschlagzeilen? Kein Gedanke, ganz im Gegenteil. Nach Ansicht des WWF erhöht sich durch das Anwachsen der Zahl der bekannten Tier- und Pflanzenarten nun allerdings logischerweise auch die Zahl der vom Aussterben bedrohten Arten: Bisher drohte einm Aussterben vor der Entdeckung, nun laufen wir "Gefahr, dass zahlreiche Arten verschwinden, bevor sie beschrieben werden", warnte der WWF.

Wandel ist der Welten Lohn

Ich weiß nicht, ob die Europäer überhaupt verstehen, mit welcher Geschwindigkeit und in welcher Radikalität sich die amerikanische Gesellschaft verändert. Bei Gott nicht immer nur zum Guten! Just das ist das Muster, das ich in der britischen wie in der amerikanischen Geschichte gefunden habe: ein tiefes Verlangen nach Wandel. In Amerika gibt es darum eigentlich keine Konservativen im europäischen Sinn, es gibt nur verschiedene Arten von Liberalen. Unsere religiösen Fundamentalisten glauben an die freie Marktwirtschaft! Unsere Linksliberalen wiederum sind zwar sehr konservativ, was die Ökonomie betrifft, aber sie treten für radikale Umwälzungen in der Gesellschaft ein - die Schwulenehe etc.

Montag, 15. Dezember 2008

Keine Torte für Adolf

Ihre Kinder haben sie JoyceLynn Aryan Nation Campbell, Honszlynn Hinler Jeannie Campbell and Adolf Hitler Campbell genannt und als der kleine Adolf jetzt drei Jahre alt wurde, wollten Heath und Deborah Campbell aus dem Örtchen Holland in Philadelphia dem Kleinen eine schöne Geburtstagstorte machen lassen.

Allerdings hat sich auch die örtliche Filiale der Supermarktktte ShopRite dem Kampf gegen rechts verschrieben: Sie verweigerte die Anfertigung einer Glückwunschtorte für den wiedergeborenen Massenmörder.

Familie Campbells, die ihre Kinder inmitten von Hakenkreuzen und Kriegsbüchern aufzuziehen beschlossen hat, lehnte das Angebot des Ladens ab, eine Torte anzufertigen, auf die sie selbst einen fröhlichen Gruß an ihren Adolf hätten sahnesprayen können.

Der junge Adolf Hitler Campbell wird seine Torte nun von Wal-Mart bekommen, wo auch die bisherigen beiden Geburtstagskuchen seines kurzen Lebens hergestellt worden waren. Wal-Mart wird dadurch künftig in deutschland boykottiert werden müssen. ShopRite allerdings ist auch in die Kritik geraten: Die Verweigerung der Torte für den Kleinen verstoße gegen das Gebot der Gleichbehandlung. "Es ist doch nur ein Name", glaubt Deborak Campbell.

Bushs Bürgerkriege

Wieder mehr Krieg in der Welt, und Schuld ist wie immer George W. Bush. Nachdem die Zahl der Kriege dem Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zufolge von sechs im jahr 2007 auf neun im Jahr 2008 angestiegen ist, hofft die Herausgeberin des Konfliktbarometers, Lotta Mayer auf den neuen US-Präsidenten Barack Obama. Der könne die Welt wieder friedlicher machen. «Er wird wohl insgesamt einen diplomatischeren Weg gehen als sein Vorgänger», fabulierte die selbsternannte Konfliktforscherin sinnfrei. Bush habe im Kampf gegen den Terrorismus zu häufig auf Gewalt gesetzt und damit die Verantwortung für die gestiegene Zahl der Kriege. Besinnungslos wie stets stenografiert Deutschlands Staatsagentur dpa das wörtlich mit, ohne aufzuklären, wie Bushs "Krieg gegen den Terror" nicht nur die Konflikte in Pakistan, Afghanistan und im Irak, sondern auch den Krieg zwischen Rußland und Georgien, die Offensive der türkischen Armee gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK, den Bürgerkrieg in Somalia, das Massenschlachten in Darfur, die Kämpfe im Tschad und den Bürgerkrieg in Sri Lanka ausgelöst hat.

Das Recht auf Arbeit ist auch wieder da

Jahrzehntelang litten und stöhnten die werktätigen Massen unter dem Joch des Imperialismus. Zerrieben zwischen Überproduktionskrise und Aufschwung, Globalisierung und Mindestlohn waren Arbeiterinnen und Arbeiter, Angesteltinnen und Angestellte das schmiermittel, das die spätkapitalistische Ausbeutergesellschaft am Laufen Laufen hielten, ruhiggestellt mit Fleischkäse aus China, koreanischen Flachbildschirmen und glitzernden Mobiltelefonen aus einer finnischen Gummistiefelfabrik.

Erst Angela Merkel, der mutigen Klimakanzlerin, die die Erderwärmung mit einer Reise nach Grönland beendete, gelang es jetzt, dem Kapitalismus seine Reißzähne zu ziehen. In einem historischen Kompromiß mit der deutschen Wirtschaft gelang es der Mecklenburgerin, das zuletzt in der DDR-Verfassung festgeschriebene Recht auf Arbeit wieder in Kraft zu setzen. Die deutschen großkonzerne verpflichten sich wie zuletzt unter Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, zum Wohle des Gemeinwesens auf Entlassungen wegen der schlechten Wirtschaftslage zu verzichten. Wenn keine Arbeit da ist, sollen bei BMW, SAP und Bayer alternativ die Betriebshöfe gekehrt werden. Auch könnten sich Angestellte gegenseitig auf dem Rücken kratzen. "Hauptsache, wir halten die Leute in Arbeit", hieß es aus der Verhandlungskommission zum "Nationalen Kraftakt", der in der großen und stolzen Tradition der "Nationalen Front" steht und sich auf den Satz von Kaiser Wilhelm II beruft: "Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche"

Mit Rücksicht auf die anstehenden Bundestagswahlen, vor denen die große Koalition keine Straßenschlachten und Hungerdemos brauchen kann, war zuvor die Zahlung von Kurzarbeitergeld auf 18 Monate verlängert worden. In einem nächsten Schritt soll die Kämpfe gegen rechts, gegen Glücksspiel und Kinderpornografie so weit verschäft werden, dass das Volk sich jederzeit ausreichend unterhalten fühlt. Überproduktionskrisen wird der Bundestag auf seiner nächsten Sitzung im Januar rückwirkend zum Jahresbeginn 2009 für illegal erklären und verbieten, der Globalisierung soll mit Hilfe einer Deutschquote in Gebrauchsanweisungen ein Riegel vorgeschoben werden.

Nazis mit Lebkuchenmesser

Eine "neue Dimension von Neonazi-Gewalt" und ein "Fanal mit überörtlicher Bedeutung" soll es sein und natürlich steht sofort eine ganze Hundertschaft Politexperten bereit, den Überfall auf den Passauer Polizeipräsidenten direkt in eine Forderung nach einem neuen Verbotsversuch Richtung NPD umzuinterpetieren.

Deutschland als Ganzes droht in ein Viertes Reich umzukippen, beschwören die Schlagzeilen akuteste Gefahr, wenn nicht sofort und entschlossen gehandelt wird. Archivbilder mit marschierenden Glatzköpfen kommen programmfüllend zu Ehren, Passau ist plötzlich, was eben noch Sebnitz, Dessau und Mittweida waren. Ein braunes Nest voller kleiner Hitlers, die "national befreite Zonen" schaffen, "No-Go-Areas" beherrschen und Ausländer überfallen.

Wer sich, wie der mutige Passauer Polizeipräsident, dagegenstellt, lebt gefährlich. Dann kommen die Stoßtrupps der neuen SA. Nehmen ein Messer Und setzen ihre detailliert ausgearbeiteten und sicherlich vom NPD-Vorstand abgenickten Mordpläne skrupellos um. Mit einem Lebkuchenmesser, das zufällig neben der Haustür des Opfers liegt.

Volksrepublik Amerika

Von wegen Kapitalismus. Auch im freiesten Land der Welt gehört das meiste Land nicht etwa dem Großkapital, dem militärisch-industriellen Komplex oder der Mafia. Sondern dem Staat - entweder dem Bund oder seinen Bundesstaaten. Interessant zu sehen, dass schon die Gründerväter der USA verstanden hatten, wie wichtig Grundbesitz ist: Während sich die Vereinigten Staaten etablierten, wurde der Westen erobert. Und während die unter der britischen Krone kolonialisierten Oststaaten fast völlig in Privatbesitz sind, war der Wilde Westen von Anfang an ein staatlicher Naturpark.

Des einen Freud ist des anderen Versprecher

Heute beim quasi-amtlichen Nachrichtenradio MDR Info: Die weltumspannende Rehabilitation des Keynesianismus findet ihren Niederschlag in einem kleinen Versprecher des Moderators. Nach dessen Auskunft ist Barack Obama gerade dabei, "ein großes Rettungspaket zu schüren".

Sonntag, 14. Dezember 2008

Blut unterm Baum

Wörterbuch des Unmenschen

Aus dem Wörterbuch des Unmenschen direkt in den Sprachgebrauch der Weltenretter. Franz Müntefering, führender Ämter-Hopper der deutschen Sozialdemokratie, bekommt zwar seine Partei nicht regiert und keine klare Linie organisiert, um gemeinsam mit der CDU das Land zu regieren. Am liebsten würde der SPD-Vorsitzende aber ja sowieso ganz Europa in die lichte Zukunft führen.

Dazu bedürfe es einer "gemeinsamen Steuerpolitik in Europa, bei der es kein Steuerdumping geben dürfe", legte Müntefering jetzt fest. Steueroasen müssten beseitigt werden, habe sich er so gedacht. Und machte klar, dass er an eine Art totalen Krieg gegen Volksschädlnge denkt: "Dieses Piratentum muss mit aller Radikalität verboten und ausgemerzt werden", forderte Müntefering und zitierte dabei rücksichtslos Stephen J. Kramer, den generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, der im Zusammenhang mit dem Kampf gegen Neonazis vom "Ausmerzen des Krebsgeschwürs" gesprochen und damit lustigerweise den Sprachgebrauch von Adolf Hitler übernommen hatte, der statt Piratentum und Krebsgeschwür "minderwertiger Rassen" ausmerzen wollte. (Zitat nach "Tischgespräche im Führerhauptquartier")

Kaninchen für den Konsum

Nichts Neues unter der Sonne. Trotz allem Gezeter über Gier und korrupte Manager, das kranke System und das Versagen der Politik funktioniert auch der Kapitalismus letztendlich nur so, wie schon die Marktwirtschaft in der sozialistischen DDR funktionierte. Geld geht dorthin, wo es nach Geld riecht, und es ist im völlig egal, ob die Rendite aus Ökobrot oder Solarpanelen kommt, Hauptsache, sie ist bei absehbarem Risiko möglichst viel höher als die sichere Verzinsung von Staatsbonds.

Großvater kannte nicht Solar, auch wenn er sich einen sonnenheizten Wasserspeicher für seine Sommerdusche in den Garten gebaut hatte. Er brachte neben Eiern, die die eigenen Hühner legten, auch Kaninchen in den Konsum nebenan. Da gab es dann 50 Mark oder so für das tote Tier. Am nächsten Tag hing das dann am Fleischstand zum Verkauf, für 20 Mark, weil die in ihr Volk verliebte DDR-Führung fand, hohe Fleischpreise seien dem Sozialismus auf deutschem Boden nicht angemessen. Großvater kaufte das Karnickel und brachte es anschließend in den Konsum im Nachbarort. Das gab wieder 50 Mark.

So kam es, dass der Sozialismus in den Farben der DDR immer weiter aufblühte. Am Ende hatte die DDR sieben oder acht Kaninchen erfunden, wo nur eines war. Alle standen zur Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung und trafen auch immer gleich auf rege Nachfrage. Großvaters. Der hatte nach einer Runde durch die Kaninchenan- und Verkaufsstellen nicht nur die DDR gestärkt. Sondern auch 200 oder 300 Mark verdient.

Alle sagen Autobahn

Die blonde Moderatorendarstellerin Eva Herman wurde noch ungnädig vom Hof gejagt, als sie daran erinnerte, dass Hitler mit großen Infrastrukturprojekten Herrscharen von Arbeitslosen von der Straße holte. Zum 65. Jubiläum des großen Autobahnbau-Programmes sagen aber jetzt alle Autobahn und von Sarkozy über Obama bis Merkel machen alle den Hitler. Barack Obama plant das "größte Infrastrukturprogramm seit dem New Deal der dreißiger Jahre" mit bis zu einer Billion Dollar, die in nur zwei Jahren in den Bau von Autobahnen, Straßen, Gleisen, Stromleitungen, Brücken und Tunnel fließen soll.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die den Ernstfall für die inländische Wirtschaft bisher nicht sehen konnte und wollte, will nun auch nicht mehr abseits stehen. Dem US-Programm von 1000 Milliarden Dollar setzt die ehemalige Klimakanzlerin nicht mehr nur das bisher beschlossene Konjunkturprogramm in Höhe von 32 Milliarden entgegen. Nein, zusätzlich soll wahrscheinlich schon Ende Januar, Februar, März oder April ein zweites Konjunkturrettungsprogramm beschlossen werden. Dabei werde es dann um Investitionen in die Infrastruktur, um Straßenbau, Autobahnreparturen und das Breitband-Internet gehen.

Samstag, 13. Dezember 2008

Vom Wir zum Mir

Sag wir zu mir, sagt Rainald Grebe in seinem Jammergesang über die Leiden der Leisungsträger um die 40. Die Finanzkrise ist da noch nicht mal mitvertont.

Yes we Gümbel!

Auf dem Weg zu neuen Erfolgen im Kampf gegen das finstere Narbengesicht Roland Koch hat die hessische SPD den jungen und charismatischen Neuerer Thorsten Schäfer-Gümbel zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Januar 2009 gewählt. Der 39-jährige Hessen-Obama holte wie einst die SED in der DDR begeisternde 96,7 Prozent und hat damit den Wahlsieg im kommenden Jahr schon so gut wie in der Tasche.

Andrea Ypsilanti, Mutter des Erfolges der Hessen-SPD, kam auf Platz zwei der Landesliste nur knapp hinter Gümbel ein. Beide Spitzenkandidaten versprachen ihrer Partei, künftige Wortbrüche vorher anzukündigen. Alles müsse sich einer Ablösung von CDU-Ministerpräsident Roland Koch unterordnen. "Yes we Gümbel!", riefen die begeisterten Delegierten aus, um einem ansonsten drohenden Ausschlußverfahren wegen parteischädigendem Verhaltens zuvorzukommen.

Kein Einmarsch ohne Gerd

Sein entschlossener Anti-Amerikanismus sicherte ihm die Wiederwahl, sein plakativer Pazifismus die Sympathie des Volkes. Vor dem Beginn des Irak-Krieges spielte Gerhard Schröder konsequent die Friedenskarte, Deutschland werde sich nie und auf keinerlei Weise an Vorbereitung und Durchführung des Kriegseinsatzes gegen das Saddam-Hussein-Regime in Bagdad beteiligen, weil die Bundesregierung eine Invasion für völkerrechtswidrig halte.

Deutschland setzte stattdessen auf Gespräche mit dem Massenmörder, zumindest behaupteten Gerhard Schröder und sein für die Geheimdienste zuständiger Kanzleramtsminister Walter Steinmeier das. Hinter den Kulissen allerdings gestattete der Reformkanzler Versorgungsflüge ins Kriegsgebiet von Deutschland aus, Gefangene durften über deutsche Flughäfen transportiert werden und der deutsche Geheimdienst BND, nach Darstellung von Steinmeier eine Art Friedesncorps, lieferte den US-Truppen alles, was er an angriffsrelevanten Informationen zu bieten hatte.

Der "Spiegel" berichtet jetzt, dass die Informationen des BND vor Kriegsbeginn seien "extrem wichtig und wertvoll" und "detailliert und zuverlässig" gewesen seien. Sie hätten dazu beigetragen, den Kriegsbeginn vorzuziehen und die Pläne für einen Überraschungsangriff auf den Bagdader Flughafen zu verwerfen. "Wir haben den Informationen aus Deutschland stärker vertraut als denen der CIA", zitiert die Hamburger Illustrierte den US-General Marks. Aber davon wird Walter Steinmeier natürlich nichts gewußt haben. Nichtswissen kann er ja ganz besonders gut.

Urzeitliche Rituale

Sieht aus wie ein Raumschiff, hängt voller Kunstwerke der Moderne - und wurde eingeweiht, wie es sich im Vaterland der Aufklärung geziemt: Zur Eröffnung der Moritzburg für das gemeine Volk erlebten 800 Besucher nach einem bericht der HZ, "wie Pfarrer Lienhard Krüger von der Maria-Magdalenen-Gemeinde den Neubau weihte". Und zwar mit en Worten: "Das Museum sei unter den Schutz und Segen Gottes gestellt." In Ländern, in denen Aberglaube Staatsreligion ist, hätte der Priester einen Kriegsgefangenen geschlachtet. Oder wenigstens ein Schaf. Sage noch jemand, es gebe keinen Fortschritt.