Donnerstag, 19. September 2013

Was Pädophile wählen würden

Sie sind nicht mehr zu sehen, jedenfalls nicht bei Parteitagen der Grünen. Aber natürlich sind sie noch da, die bekennenden Pädophilen, die sich unter anderem in der von Düsseldorf aus agierenden Kinderliebhaber-Initiative Krumme 13 versammeln. Auch dort ist das Interesse an der Bundestagswahl groß, schließlich überstrahlt eine "Pädophilie-Debatte" zum ersten Mal überhaupt Fragen wie Mindestlohn und Maximalrettung.

Die Frage "welche Parteien können die Angehörigen der sexuellen Minderheit der Pädophilen und Pädosexuellen bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 wählen?", treibt die Redaktion um. Mit erschütterndem Ergebnis: "Pädophil-liebende Bürgerinnen und Bürger, die als alleiniges Wahlkriterium ihre sexuelle Identität und das Sexualstrafrecht/Sexualpolitik nehmen, können im Prinzip keine der im Bundestag vertretenen Parteien wählen."

Keine Partei habe sich für "die politischen und gesellschaftlichen Belange Pädophiler und Pädosexueller eingesetzt", die "geschätzten 200.000 Angehörige dieser sexuellen Minderheit" würden im Bundestag nicht durch bekennend pädophile Abgeordnete vertreten. "Der Pädophilenszene bleibt eigentlich nur die Nicht-Wählerschaft oder die Hoffnung in die Piratenpartei", urteilen die anonymen Verfasser über "eine Demokratie, die eine ganze Bevölkerungsgruppe völlig ausschließt". Enttäuschung allenthalben. Am Ende dann aber doch noch eine Wahlempfehlung, aus alter Verbundenheit vielleicht: Erststimme grün, Zweitstimme Piraten! Denn "pädophiler Aktivismus muss zur alltäglichen Normalität werden".

Wahlergebnis: Es wächst zusammen, was zusammen gehört

Sigmar Gabriel predigt die neue Innigkeit schon an, Peer Steinbrück hat bereits sein Testament gemacht. Keine Angriffe mehr auf die Teflonkanzlerin, sondern volle Breitseite gegen die FDP. Das Merkellager hält es ähnlich: Lass die Sozialdemokraten in Frieden. Schieß auf die Grünen!

Das Happyend ist absehbar. Steinbrücks "Stinkefinger" (dpa) passt haargenau in Merkels berühmte Handvulva. Und so wirds denn zum Schluss auch kommen: An den Verhandlungen mit der CDU über die Große Koalition wird der siegreiche Verlierer noch teilnehmen, dann aber wartet ein Ruhestand als Vortragsreisender, unterbrochen von gelegentlichen Polterauftritten.

Hinter dem Verlierer, der seine Partei an die Macht zurückgebracht hat, wächst zusammen, was zusammengehört. Die Große Rettungskoalition, die Europa seit Jahren vor dem Untergang bewahrt, tritt an, Deutschland zu neuen Ufern zu führen. Die Kanzlerin der Einheit muss alles um sich neu ordnen, Schicksalsfragen der Nation sind zu beantworten: Da die FDP fünf Minister stellte, die SPD aber rund zehn Prozent Stimmen mehr auf die Waage bringt, braucht sie nun wenigstens sieben Minister. Die kräftiger gewordene CSU gibt von ihren drei keinen ab, die CDU von ihren elf aber auch nicht.

Dennoch muss nicht nur für Manuela Schwesig ein Platz am Kabinettstisch gefunden werden, sondern auch für Gabriel, Frank Steinmeier, Angela Nahles und wenigstens weitere drei Sozialdemokraten aus dem Kompedanceteam. Die Koalition wird größer, spätestens zu Nikolaus wird nun auch die Regierung größer, dank Schwesig schöner und dank Gabriel gewichtiger. Neue Posten warten, Staatssekretärssaläre sind zu vergeben, eine Energiewende ruft nach Organisierung und vielleicht wird irgendwann auch wieder das Klima gerettet.

Europa wird es auf jeden Fall. Neue Vision schimmern auf, Visionen von Eurobonds und einer gemeinsamen Arbeitslosenversicherung, bei der drei Langzeitarbeitslose aus Langeneichstädt dem Saisonmaler aus Nizza über den Winter helfen. So wie die Wahl selbst sich an den großen Dingen entschied - Stinkefinger, Pädophilie in der grünen Steinzeit und zusammengesetzte Substantive mit "Mindest-" am Anfang -, wo früher noch Pillepallefragen wie Krieg, Frieden, Wachstum und Besteuerung eine Rolle spielten, so wird eine große Koalition sich auf die politischen Petitessen stürzen.

Zusammen sind beide Parteien stärker, das haben sie bei ihrem letzten Tête-à-tête gezeigt. Damals machte die SPD im Wahlkampf mit "Merkelsteuer"-Plakaten gegen die Union mobil, die angekündigt hatte, die Umsatzsteuer um zwei Prozent zu erhöhen. Die SPD war dagegen, weil eine solche Steuererhöhung die Ärmsten der Armen stets am heftigten trifft. Deshalb erhöhten beide Parteien zusammen die Umsatzsteuer dann um drei Prozent.

Mittwoch, 18. September 2013

Der Führer wieder ganz vorn


Hitler forever! Nur wenige Monate nach seinem gigantischen Comeback mit dem Buch „Er ist wieder da“ hat Adolf Hitler auch bei den begehrten First Steps Award abgeräumt. Mit dem umstrittenen Mercedes-Film „MCP“, in dem ein Mercedes den kleinen Adolf Hitler überfährt und damit Schlimmeres verhütet, siegte ein Team von der Ludwigsburger Filmakademie um Regisseur Tobias Haase, die Produzenten Lydia Lohse und Holger Bergmann und Kameramann Jan Mettler in der Kategorie Werbefilm. Der Führer, nach wie vor bekanntester Deutscher weltweit, obwohl er Österreicher war, ist damit wieder einmal ganz groß drauf und ganz vorn dabei!

Das war absehbar, denn schon als der Kurzstreifen im Internet veröffentlicht wurde, sorgte er für totale Empörung. Sittlich führt der Film den Zuschauer in die tiefste Finsternis der verkommensten Moral: Hitler ist hier noch ein kleiner, süßer Junge. Ein großer, schwarzer Mercedes überfährt ihn. Beim Anblick des toten Kindes ruft die Mutter entsetzt: „Adolf!“. Man sieht den Jungen in Form eines Hakenkreuzes auf der Straße liegen. Dann folgt die Einblendung: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“Statt Trauer über den Tod des unschuldigen Jungen aber provoziert der Streifen Genugtuung über die reife Tötungsleistung der deutschen Präzisionsmaschine, die dank des Mercedes Collison Prevention System einen Weltkrieg samt Holocaust verhindert hat.

Nie zuvor war Begeisterung über ein totes Kind so allumfassend. Dem zollte nun auch die Jury Tribut. Der Film habe das „was heutigen Werbefilmen oftmals fehlt: Wirkung“, heißt es in der Urteilsbegründung. Als Zuschauer werde man förmlich gezwungen, sich die richtige Meinung zu bilden.

Kommt jetzt die Hitlerpflicht?

Timelapse um die Welt: Jan und Tini auf Reisen

Eine Expedition zum Herzen des Klimawandels, finanziert mit Mitteln aus dem halblegalen Verkauf von Kohlendioxidzertifikaten, die in der Nähe von Heilbronn von einem DHL-Laster gefallen waren. Das Unternehmen von Tina Kämmerer und Jan Göse, binnen eines Jahres alle 981 Unesco-Weltkulturerbestätten zu besuchen, ist anfangs verlacht worden und hat medial nur ein leises Lächeln hervorgerufen. Doch die beiden experimentierfreudigen Tierschützer aus Nordsachen haben ihren Plan umgesetzt, geklemmt in einen antiquarischen Wartburg-Melkus, den Kämmerers Großvater als Scheunenfund über die Pleite der einst legendären Herstellerfirma in Dresden und der dahinterstehenden Ideologie gerettet hatte.

Mehr als 117.000 Kilometer fuhren die beiden Weltkulturerbe-Abenteuer, verbrannt wurden dabei weit über 13.000 Liter Benzin, die dem Weltklima nun nicht mehr schaden können. Eine stolze Bilanz. "Je früher alle Ölvorräte verbrannt sind", sagt Jan Göse, "umso schneller muss die Menschheit auf alternative, umweltverträgliche Energieträger umsteigen."
Die Idee zur Reise entstand bei der Hochzeit von zwei befreundeten Pärchen in Mexiko, zu der Jan und Tini, wie Kämmerer von Freunden genannt wird, per Frachtschiffreise gefahren waren. Durch einen Sturm bedingt, kamen sie zu spät zur Trauung, das Experiment war schiefgegangen und eine Wette mit Freunden aus der Chefetage der Techniker-Krankenasse geplatzt. "Wir wollten so ökologisch wie möglich von einem Kontinent zum nächsten kommen", erzählt Kämmerer, "aber das schien unmöglich."

Um mehr in Kontakt zu den ‚Locals‘ zu kommen, beschloss das Paar, das eine On-Off-Beziehung pflegt, eine Weltreise zu unternehmen, mit der auf die unhaltbaren Zustände in vielen Gesellschaften, aber auch auf Hunger, wachsende Armut und den Berg weggeworfener Lebensmittel aufmerksam gemacht werden sollte, den selbst die engagiertesten Containerer nicht abzutragen schaffen. Großvater Kämmerer bot den alten Melkus an, ein empfindliches Fahrzeug, das viel Solidarität braucht. "Es klappte großartig: Überall wurde uns geholfen, wir fühlten uns nie allein gelassen", sagt Jan Göse.

Das sei natürlich praktischer gewesen als alles vorzubuchen und selbst zu bezahlen."Aber es ist auch ungesund und teuer", erzählt Tina Kämmerer, die auf der Reise erst 24 Kilo zunahm, um später 36 Kilo abzunehmen. Beide bezeichnen ihr auf das Notwendigste zurückgeworfenes Leben, das sie nach einer Premiere im MDR in einem Old-School-Timelapse-Kurzfilm bei nächstes Cannes-Festival vorstellen werden (Video oben), analog zur Slow-Food-Bewegung, als Slow-Driving-Bewegung. "Man lernt dabei, auf etwas Schönes auch mal zu warten, die Dinge mehr zu schätzen", versichert Kämmerer. Wenn der Melkus mal fahre, freue man sich viel mehr, als wenn man mit einem modernen Mietwagen unterwegs sei und die Landschaft nur so dahinhusche.

Die Weltkulturerbestätten, zu denen dank der umsichtigen Schutzpolitik der Unesco unterdessen die meisten Orte der Erde außer Dresden gehören, wurden in Uhrzeigerrichtung abgefahren, einmal half ein reicher Sponsor, den Kämmerer und Göse in Las Palmas trafen, wo der Enkel eines deutschen Wattestäbchen-Millionärs "ziellos herumhing", wie Göse sagt. Der Mann half, den Melkus an Deck festzuschnallen, dann ging es mit seinem Segelschiff über Kapverden bis nach Brasilien. Auch hier warteten Weltkulturerbestätten, häufig von der Natur angelegt. Tini Kämmerer und Jan Göse wollen jetzt ein Buch über ihre Reise schreiben und danach auf Lesetour gehen. "Eine Weile tut es der Melkus noch", sagen sie.

Dienstag, 17. September 2013

Ordensflut mit Flutorden

Es sollte eigentlich ein Geheimnis bleiben, bis die ersten tapferen Hochwasserhelfer ihn von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in feierlichem Rahmen an die Brust geheftet bekommen. Doch durch eine Indiskretion in der Magdeburger Ministerialbürokratie ist nun vorab herausgekommen, wie der begehrte Flutorden aussehen wird, den das Land an 50.000 ausgewählte Flutkämpfer verleihen will.

Danach handelt es sich bei dem mit Fluthilfemitteln der EU finanzierten Preis um eine kleine, edel anzuschauende ovale Spange aus verzinktem Edelstahl, die der ungarische Keramiker Sandro Götz nach Vorgaben der Staatskanzlei und einer losen Skizze von Kultusminister Dorgerloh gestaltet hat. Mittig zeigt sie einen Absperrschieber, wie er aus Großwasseranlagen bekannt ist. Umgeben wird dieses symbolische Flutsignet von einem Blätterkranz, der das Wiederaufblühen der Landschaften im Osten getreu der Vorhersage des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl darstellt.

Mit der Auszeichnung soll das beispielhafte zivilgesellschaftliche Engagement der Helfer gewürdigt werden, sagte Haseloff. Auch Brandenburg und Sachsen hätten so etwas, da könne Sachsen-Anhalt nicht hintenanstehen, wolle man als Landesregierung nicht noch mehr Abwanderung in die prosperierenden Nachbarländer riskieren.

Die Idee zu einer eigenen Flutmedaille für das Frühaufsteherland hatte der ehemalige Diktaturenbeauftragte des Landes Rüdiger Erben gehabt, der sich von einer Meldung aus Sachsen inspirieren ließ, wonach dort kaum jemand eine ausgelobte Hochwasser-Medaille haben wolle. Der Flutorden von Sachsen-Anhalt müsse deshalb so hübsch gestaltet werden, dass man ihn auch gut zu Anzug, Kostüm oder Abendkleid tragen könne. Mit der nun gefundenen Gestaltung, die sich an die traditioneller historischen Notopfer-Medaillen anlehnt, sei das geschafft worden, hieß es bei der Vorstellung der sogenannten Ostmedaille.

Zu einer ersten Festveranstaltung in der Oper von Halle, bei der die Medaille vorgestellt und an Bedürftige verliehen werden soll, werden rund 900 Menschen erwartet, die bei der Juni-Flut im Einsatz waren. Die Staatskapelle wird spielen, das Puppentheater tritt auf, die Volksinitiative Holzweg liest aus Grundsatzdokumenten zur Renaturierung und ein Moderatorenduo wird Haseloff durch die Veranstaltung führen, die das MDR-Fernsehen live überträgt.

Bestellt sind derzeit 60.000 Exemplare der Auszeichnung, die später von fahrenden Verleihertrupps vergeben werden. Bei Bedarf kann laut Ministerium noch nachgeordert werden. In der Region wird derzeit überall die Werbetrommel für die Annahme des Fluthelfer-Ordens gerührt. Freiwillige können sich über die Internetseite der Städte eintragen, Bürger, die nicht mit angepackt haben, dürfen auch ihnen bekannte Helfer bei den Behörden melden.

Moralische Leuchttürme

Vor kurzem erst wurde nachwachsenden Generationen in einem Online-Seminar anhand des Lebensweges von Matthias Machnig die brennende Frage beantwortet "Mutti, wie wird man eigentlich SPD-Energieexperte? Und schon steht der Multifunktionär, der Gerhard Schröders Wahlkampagne entwarf (oben) und heute in der raren Freizeit nach seinem 24-Stunden-Job als Wirtschaftsminister nebenher mal eben noch den Wahlkampf des künftigen Kanzlers Peer Steinbrück organisiert, wieder im Fokus einer fairen Umverteilungsdebatte: Nach einem Bericht des "Spiegel" musste der studierte Soziologe in den letzten Jahren zusätzlich zu seinem Gehalt als Minister in Thüringen noch ein Ruhestandsgehalt aus seiner früheren Tätigkeit als Staatssekretär im Bundesumweltministerium entgegennehmen. Rund 100.000 Euro habe der ehemalige Terminplaner der SPD-Bundestagsfraktion und Gehilfe des Arbeiterführers Franz Müntefering zusätzlich kassieren müssen, bis die Zahlungen nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts reduziert werden konnten.

So also sieht es aus, wenn der Staat zur Beute wird und die Befreier der Armen sich selbst versorgen. Die moralischen Leuchttürme, entsprungen einer Funktionärskaste, die sich Posten und Pfründe mit der Selbstverständlichkeit mittelalterlicher Potentaten zuschiebt, strahlen nur noch Zwielicht aus: Der Hoffnungsträger der Konservativen fälscht seine Doktorarbeit, der Chef der Grünen verdankt seinen Posten der medialen Verabredung, nicht mehr über seine Bestechlichkeit zu schreiben. Der Bundespräsident kungelt nach Recht und Gesetz mit Lobbyisten. Der Finanzminister spendiert seinem Kanzlerkandidaten einen Wahlkampfhelfer aus Steuerzahlerkosten. Der Kanzlerkandidat spart bei der Putzfrau, wird aber nicht darauf angesprochen. Und sein Wahlkampfleiter, im Ehrenamt Cheforganisator der SPD-Mindestlohnkampagne, lässt sich eben doppelt bezahlen, wenn das irgendwie möglich ist. Und findet nichts dabei, schließlich habe er sich ja nach Recht und Gesetz verhalten.

Der Staat sind sie, die multifunktionalen Verantwortungsträger, denen kein Gewissen schlägt, weil sie für sich beschlossen haben, dass sie außerhalb der geschriebenen Gesetze stehen. Eine überschaubare Gruppe von Multimächtigen, die in Parteivorständen, Parlamentsbetrieben, Aufsichtsräten und Regierungsrunden sitzen, brechen fortwährend die Verfassung, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Sie höhlen völkerrechtlich bindende Verträge aus, bezeichnen ihre Fehlentscheidungen aus Angst, zu ihnen stehen zu müssen, als "alternativlos", und haben sich zum Selbstschutz ein System geschaffen, das Verantwortung über Kaskaden zunehmender Unzuständigkeit so geschickt verteilt, dass auch wiederholte und langanhaltende Verfassungsbrüche niemanden je Amt und Ansehen kostet.

Das Volk steht derweil still und staunt und diskutiert über "Stinkefinger", angeleitet von Medien, die die organisierte Verantwortungslosigkeit als Unterhaltsangebot wahrnehmen: Den "Sturz des selbstverliebten Moralimperiums" beobachtet die "Welt" am Beispiel der Grünen. Dabei ist das eine kunterbunte Veranstaltung.

Eulenfurz ergänzt

Montag, 16. September 2013

Fragen aus dem Off

Könnten sich nicht Liberale und Linke zumindest treffen in einer Ablehnung des herrschenden konservativ-obrigkeitsstaatlichen Paternalismus, war doch „Erziehung zur Mündigkeit“ stets nicht nur eine Forderung der Freiheit, sondern auch ein Auftrag zur Emanzipation aus der unterdrückenden Klassenbindung? Müsste schließlich die zunehmende Entmischung zwischen den gebildeten Erfolgreichen und den ungebildeten Erfolglosen im heutigen Wissenskapitalismus nicht Linke und Liberale beunruhigen, widerspricht diese Ungleichheit doch fundamental dem von beiden hochgehaltenen Gebot der Chancengleichheit?

Künast nahe am Pogrom

Die Verächtlichmachung des politischen Gegners ist ein legitimes Mittel der ideologischen Auseinandersetzung, gern greift man dabei auch tief in die Mottenkiste der Ressentiments, gerade als Kämpfer für das Wahre, Gute und Bessere. Renate Künast etwa, ausgewiesene Frontfrau im ewiglichen Kampf gegen rechts, hat jetzt bei Twitter rassistische Nägel mit Köpfen gemacht, um der wankenden FDP einen davon in den Sarg schlagen zu können. "Jetzt redet Fipsi bei #Jauch", schrieb die Grünen-Chefin in offensichtlicher Anspielung auf Röslers Geburt in Vietnam. Sagen möchte die Grüne Frontfrau damit wohl, dass ein solcher "Fipsi" eigentlich gar kein Recht hat, im deutschen Fernsehen zu sprechen.

Wohl ein Versuch der Anbiederung bei den Grünen-Wählern im Osten, die Asiaten historisch bedingt "Fidschis" zu nennen pflegen, seit der "Spiegel" ihnen diesen Begriff in seinem fundamelntalen Artikel "Nahe am Pogrom" nahegelegt hatte. Der Begriff hat seinen Ursprung damit im grandiosen Hör-Schreib-Fehler eines "Spiegel"-Redakteurs: "Fidschis" müsse eigentlich "Vietschis" geschrieben werden, weil die damit bezeichnete Gruppe ja aus Vietnam kam.

Bei Künast stimmt hingegen alles. "Fipsi" hat genau das rechte Maß an Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, um den Betroffenen zu beleidigen, medial aber unangreifbar zu bleiben. Im Tor zur offenen Menschenfeindlichkeit steht Renate Künast und winkt den Hass alles durch, das anders denkt, glaubt oder schreibt oder eine um Nuancen andere Hautfarbe hat. Hätte Rösler sie daraufhin "Rechtsnate" genannt, wäre das Geschrei groß. Hier aber ist die Täterin richtig, das Opfer aber falsch: Gruppenbezogene Mediengewalt, die als origineller Witz straffrei durchgeht.

HFC: So pfeift der Fan


Die Zahlen lügen nicht, sie bezeugen vielmehr eine große Liebe. Es ist die des jungen Schiedsrichters Benjamin Brand zum süddeutschen Fußballverein 1. FC Heidenheim: In vier Heidenheim-Spielen, die der 24-Jährige in den letzten Monaten pfiff, verteilte er an die Gegner des derzeitigen Tabellenführers der 3. Liga 15 Gelbe und zwei Rote Karten. Den FCH hingegen strafte Brand in denselben Spielen mit ganzen drei gelben Karten. Ähnlich ungerade sieht die Bilanz bei den Elfmetern aus: Heidenheim erhielt zwei zugesprochen. Die gegnerischen Mannschaften gingen selbst nach mehrfachen Handspielen im Strafraum leer aus.


"Ein Schiedsrichter, der der Sache nicht gewachsen war?", fragte die Südwestpresse schon im Frühjahr, als der Franke das Spitzenspiel zwischen Heidenheim und Bielefeld mit zwei Elfmetern, zwei Roten Karten und einem klaren Ja zu einem umstrittenen Tor entschieden hatte. Aber erstaunlicherweise zeigt Benjamin Brands Kartenstatistik nur eine Unwucht, wenn Heidenheim mit auf dem Platz steht. Hier hat Brand in vier Begegnungen, die Heidenheim drei Siege und ein Remis brachten, drei Gelbe Karten an FCH-Spieler vergeben - und 15 an die gegnerischen Teams, die zudem noch zwei rote Karten und zwei Elfmeter einstecken mussten. Ein Verhältnis von 3:19 - während das normale Straf-Verteilverhältnis in Spielen unter Brands Leitung zwischen 12:8 wie beim Halleschen FC und 12:13 wie beim Chemnitzer FC liegt.

Bei neutralen Spielen pflegt der Nachwuchsmann also eine recht ausgewogene Entscheidungsfindung, selbst der VfR Aalen, der sich über seine Leitungsleistungen nicht beschweren kann, erreicht mit 8:16 nur ein Verhältnis von einer Entscheidung gegen sich bei zwei Entscheidungen gegen den Gegner. Doch ist Heidenheim auf dem Platz, explodiert dieses Verhältnis auf imponierende 1:6 - ein Wert, dem auch Benjamin Brand bei keinem anderen der 15 Vereine auch nur entfernt nahekommt, bei denen er drei oder mehr Spiele geleitet hat. Auffällig auch, dass Brand in Heidenheim-Spielen insgesamt fast ein Fünftel mehr Karten zeigt (fünf pro Spiel, davon 74 Prozent für die Gegner des FCH) als in seinen übrigen 3.-Liga-Spielen (4,25 pro Spiel).

Selbst von der anderen Seite betrachtet fallen statistische Spitzen auf. In vier Spielen, die Benjamin Brand mit Heidenheim leitete, kassierten die Süddeutschen drei Gelbe Karten - 0,75 Karten pro Spiel. Ein sehr faires Team, offenbar, die Mannschaft des Ligafavoriten. Doch so fair denn doch nicht. Denn in den acht Partien, die der FCH bisher unter Leitung anderer Referees in der Saison 2013/2014 spielen musste - die von Brand geleitete Begegnung in Halle nicht mitgerechnet - kam die Mannschaft immerhin auf 16 Gelbe Karten - durchschnittlich zwei pro Spiel oder umgerechnet fast dreimal mehr als in den Spielen, die Benjamin Brand leitete.

Alles Zufall? Pech? Glück für Heidenheim? Oder pfeift da einfach ein Fan?

Sonntag, 15. September 2013

Wiedergeboren als Spiegel-Schlagzeile

Keine 24 Stunden braucht der "Spiegel", um eine PPQ-Überschrift einzusaugen, zu verdauen und als analytische Überschrift im Sportteil nachzunutzen. Dabei wird die Zeile "Gib mir Tiernamen" in Deutschland normalerweise nur einmal im Jahr verwendet, und dann in der Regel auch unter Hinzufügung von diversen Eigenbau-Erweiterungen wie "Schlag mich, tritt mich, gib mir Tiernamen" oder auch "Yeah baby, gib mir Tiernamen!".

Der stets hellwache Macher von Die Anmerkung wies nun darauf hin, dass diese Regel vom "Spiegel" nicht beachtet wurde. Alexander Siebert brauchte dort nur einen Augenblick, um die liebevolle Überschrift zum Text über einen Schnecken-Werbespot der Grünen wiederzuverwerten. Wir hatten aber zugegebenermaßen auch nur geklaut.

Noch mehr erstaunliche Wiedergeburten in der PPQ-Datenbank

Grün wirkt: Hundert gute Gründe

Ernüchternde Umfrageergebnisse, innerparteilicher Streit und Unklarheiten darüber, ob es gelingen wird, gemeinsam mit der SPD eine Mehrheit im nächsten Bundestag zu erreichen - nach Wochen wachsender Unsicherheiten haben die Grünen eine Woche vor der Bundestagswahl die letzte Zündstufe ihrer Wahlkampagne gezündet.

Gestaltet von der bewährten Werbeagentur, die schon den bei Youtube enorm erfolgreichen Schnecken-Spot mit allen politischen Grundinhalten der Reformpartei und die nach dem Vorbild einer klassischen Kampagne des "Stahlhelm" gestalteten "Und Du?"-Plakate verantwortet hat, zeigen die neuen Werbemotive die grüne Grundüberzeugung, dass höhere Steuern nicht allein stehen dürfen. Vielmehr sollen sie künftig sie durch ein enges Korsett aufeinander abgestimmter Verbotsmaßnahmen ergänzt werden. Nicht weniger als 108 gute Gründe bieten die Grünen ihren WählerInnen und Wählerern, ihr Kreuz an der richtigen Stelle zu machen: Neben dem Fleischverbot am
Donnerstag, das als "Veggie-Day" bereits Furore machte, plant die Alternativ-Partei nach auf dem Plakat abgebildeten Piktogrammen neben einem weitgehenden Rauchverbot auch weitgehende Lärmschutzmaßnahmen, ein Verbot von freilaufenden Hunden, Skifahren, Zelten und Rollerskaten im öffentlichen Raum, Flaschenbier und das Anbringen von sogenannten Freundschaftsschlössern an öffentlichen Geländern.

Der grüne Grundsatz, lieber ein Verbot mehr auszusprechen als verbotswürdige Tatbestände aus Laxheit durchgehen zu lassen, wird damit zum Wahlkampfschlager. Das Konzept dahinter steht im Einklang mit der allgemein bereits in der Vergangenheit gepflegten Verbotspraxis, die der Bundesverbotsbeauftragten Herrfried Hegenzecht in der Vergangenheit konkret so umrissen hatte: "Jedes neue Verbot ist auch eine Einladung an unsere Menschen, sich anders zu verhalten." Die Praxis habe gezeigt, dass Verbote, "wenn sie gut gemacht sind, zu Positivem führen", Ziel der grünen Kampagne sei es nun, "nachwachsenden Generationen mehr Orientierung darüber geben, wie gut Verbote helfen können, eine immer komplexere Gesellschaft zu lenken und zu leiten".

Samstag, 14. September 2013

HFC: Wiedermal optischer Sieger

Nach 93. Minuten muss man Angst haben um Andy Gogia. Breit grienend geht der HFC-Mittelfeldspieler auf Schiedsrichter Benjamin Brand aus Gerolzhofen zu, die Hand zum Schütteln ausgestreckt. Der kleine Mann in Schwarz, der hier gerade dafür gesorgt hat, dass die Siegesserie der Heimmannschaft beendet wurde, schaut irritiert, ergreift aber dann doch Gogias Hand. Nun kann er nicht mehr weg, nun muss er sich anhören, was der Georgier, Anton Müller und Sören Bertram ihm zu sagen haben.

Viel Neues ist nicht dabei. Müller schimpft, Gogia beschwert sich, Bertram winkt ab. 0:1 ist das Spiel gegen Tabellenführer Heidenheim verlorengegangen, obwohl der Hallesche FC über 70 Minuten die bessere Mannschaft war und den drei Großchancen des Favoriten fünf der Gastgeber gegenüberstehen. Zweimal, reklamieren die Männer in Rot und Weiß, hätte es zudem Handelfmeter geben müssen.

Brand aber wehrt ab. Und bahnt sich inmitten eines Pfeifkonzertes von den Rängen den Weg in die Kabine. Zurück bleibt draußen im Erdgas-Sportpark einerseits die Gewissheit, dass seit Peter Gagelmann hier niemand mehr so unterirdisch gepfiffen hat. Andererseits aber auch das gute Gefühl, dass eine Elf, die einen Aufstiegskandidaten zeitweise so dominiert, keine Angst vor dem Rest der Saison haben muss.

So überzeugend hat die Mannschaft von Trainer Sven Köhler gegen den Aufstiegsaspiranten gespielt, dass nie der Eindruck aufkam, hier träfen zwei Mannschaften mit unterschiedlichen Saisonzielen aufeinander. Wo Anfang der Saison noch blanke Angst vor dem Verlieren mit vier verlorenen Spielen hintereinander bestraft wurde, drückt der HFC mit den beiden neuen Stammaußen Schick und Schmidt und Timo Furuholm im Zentrum von Anfang an auf ein Tor. Nach zehn Minuten zieht Schick aus 30 Metern ab - mit letzter Not lenkt Heidenheim-Keeper Sabanov den Ball über die Latte.

Es ist die erste einer ganzen Reihe von Torchancen für die Rotweißen, während sich die ganz in Blau aufgelaufenen Gäste zurückhalten. Abgesehen von routiniert gespielten Flügelwechseln, die Halle so nicht zu bieten hat, kommt vom FCH so gut wie nichts. Breit ist das Spiel der Blauen, aber meist schon kurz hinter der Mittellinie beendet. Auf der anderen Seite hat Schiri Benjamin Brand seinen ersten großen Auftritt: Nach einem Schuss von Gogia klärt Reinhart unübersehbar mit dem Arm. Ein klarer Strafstoß, den der direkt neben Gogia stehende Brand verweigert.

Halle bleibt am Drücker, unterstützt von ersten wütenden Gesängen aus der Fankurve. Bis zur 17. Minute, als der für Baude spielende Florian Brügmann einen durchlaufenden Heidenheimer nur kreuzen kann. Der Blaue nimmt die Einladung an und lässt sich fallen. Schiedsrichter Brand gibt Freistoß, den Schnatterer in Höhe des Elfmeterpunktes schlägt. Hier steht Titsch-Rivero, der den Ball mit dem Hinterkopf ins kurze Eck verlängert, während die HFC-Abwehr staunend zuschaut. Auch HFC-Torwart Kleinheider streckt sich vergeblich und es steht wie eigentlich immer in Halle 0:1.

Für Heidenheim ist die Führung das Signal, es noch etwas ruhiger angehen zu lassen. Die Gastgeber aber legen angeführt von Tony Schmidt noch eine Schippe drauf. Immer wieder stört der aus Plauen gekommene Rechtsaußen schon in der gegnerischen Hälfte, zweimal holt er sich sogar den Ball. Erst vergibt Gogia eine gute Kopfballchance, dann folgt ein Versuch von Innenverteidiger Franke. Schließlich dribbelt sich Gogia auf Linksaußen durch. Seine Flanke erreicht Furuholm, der bis hierhin nur durch ständiges Gemecker über nicht ausreichend passgenaue Zuspiele aufgefallen ist. Und der Finne zielt aus zwei Metern mit der Hacke aufs Tor. Trifft aber nur den aufmerksamen Sabanov.

Zur Halbzeit ist noch alles drin, aus dem Abstiegskandidaten HFC, dessen Anhang Trainer Sven Köhler bereits in die Wüste hatte schicken wollen, scheint tatsächlich binnen drei Wochen eine Elf geworden zu sein, die den Besten in der Liga an guten Tagen auf Augenhöhe begegnen kann.

Allerdings übernimmt Heidenheim nun die Regie. Halle versucht es jetzt mit der FCH-Strategie: Es wird nicht von hinten herausgespielt, so lange nicht wenigstens vier Heidenheimer zur Forechecking angetreten sind und ausgespielt wurden. Das sieht aus hallescher Sicht optisch nicht mehr so gut aus und führt zwei Minuten nach Wiederanpfiff auch zu einer Großchance für Heidenheims Göhlert, der nach einem erneuten Freistoß aus dem Halbfeld am höchsten steigt, aber vorbeiköpft.

Doch fast im Gegenzug taucht Daniel Ziebig zentral vor dem Heidenheimer Tor auf. Nimmt mit der Brust an. Und schießt freistehend vorbei.

Spitze auf Knopf steht es hier, das spürt auch Sven Köhler auf der Bank, der jetzt Sören Bertram für Robert Schick bringt. Noch mehr Druck nach vorn soll das bringen, aber Heidenheim steht weiter sicher. Köhler, oft gescholten für seine defensive Taktik, erhöht das Risiko und wechselt mit Pierre Merkel für den defensiv überzeugenden Philipp Zeiger den zweiten Stürmer ein, nach dem Timo Furuholm schon geraume Zeit mit großen Gesten verlangt hat.

Während Bertram aber zeigt, dass er eine Verstärkung sein kann und auch Toni Lindenhahn, der wenig später für den ausgepumpten Tony Schmidt kommt, seine Ansprüche auf eine Rückkehr in die Stammelf mit mehreren schönen Flügelläufen unterstreicht, bleibt der "Kanzler" einmal mehr blass. Merkel verliert acht von zehn Kopfballduellen, die zu führen versucht, er spielt mehrere Fehlpässe, steht Furuholm einmal im Fünfmeterraum im Wege und auf seiner Habenseite steht neben einer herausgeholten Ecke, die nichts einbringt, nur ein Fernschuss von der Mittellinie, den Sabanov mit der Mütze einsammelt. Neben dem anderen Fast-Namensvetter eines Ex-Regierenden ist der frühere Braunschweiger einmal mehr der schwächste auf dem Platz - und mit zehn Mann ist auch gegen schwächelnde Heidenheimer nichts auszurichten.

Die anderen Hallenser rackern dennoch und sie sind dem Erfolg mehrfach nahe. Am nächsten, als Toni Lindenhahn rechts zur Grundlinie durchläuft und nach innen auf den wartenden Furuholm passt. Der steht einen Meter vor der Torlinie und muss dem Ball nur noch einen Stups geben. Er macht es zu zärtlich, denn Göhlert läuft auf der Linie in das Schüsschen und rettet den Vorsprung. Schiedsrichter Brand, der nach Franke inzwischen auch Kojola, Ziebig, Furuholm und Brügmann Gelb gezeigt hat, hilft auch nicht. Als Lindenhahn die ausgestreckte Hand von Philipp Heise an der Strafraumlinie anschiesst, winkt er ab. Empörung, Beschwerden, Gelb nun auch noch für Bertram. Dann ist es vorbei. Von den Rängen schallt es "Schiri, Du Arschloch".

Spielbericht beim HFC

Gesänge fremder Völkerschaften: Der Brandenburg-Blues

Einmal im Jahr veranstalten sie das "Potstock" mitten in Brandenburg, die beiden Chefs der Band Pothead, die vor einem knappen Vierteljahrhundert aus den USA nach Deutschland zuwanderten und hier trotz grassierender rechtsextremer Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Marihuana-Verbot heimisch wurden. Hartnäckig haben die beiden Migranten aus Seattle an ihrer musikalischen Karriere gearbeitet, unterhalb des Radars der großen Medien und Musikzeitschriften erspielten sich Brad und Jeff Dope mit ihrer ganz und gar unsubtilen Art Rummsrock vor allem in der ostdeutschen Provinz ein großes Fangefolge.

"Topfköpfe" nennen sich die Liebhaber des Brandenburg-Blues aus ZZ-Top-Riff und Nick-Cave-Gesang, die bei Konzerten hellauf begeistert sind von der statischen Show des Trios, das inzwischen in Berlin lebt. Von der deutschen Hauptstadt aus propagieren sie die Rückbesinnung auf die Kunst von Mudhoney und Co., stilsicher mit drei Akkorden, der Refrain ohne gehobene Stimme, das Schlagzeug ein einziges Stampfen. Pothead sind eine Mischung aus Queens Of The Stone Age und den Eagles Of Death Metal, nur im Nachbarschaftsformat.

Nach 13 Alben hat das Trio sich soweit nach oben gearbeitet, dass der Bandname als eine Art Synonym für stumpfen, endgeilen Stoner-Rock steht. Die große Liebe von Brad und Jeff gilt dem Binnenreim. „Emotion The Potion" oder auch „Rhyme in Time" nennen die Rock-Traditionalisten ihre Songs, die sie auf ausgedehnten Tourneen durch das deutsche Flachland promoten. Dort, wo Bands mit bekannten Namen sonst nie hinkommen, verbreiten die drei die Botschaft das aktuellen Albums "Jackpot": "Das Album ist ein kritischer Kommentar zum Armutszeugnis der politischen Lage und den Weltmärkten, und vor allem Kritik an den Politikern und Banken. Die Elite weiß nämlich nicht, wie es weitergehen soll."

Zur völkerkundlichen PPQ-Serie Gesänge fremder Völkerschaften

Grüne: Billiglöhner bei Böll

Engagiert ist der Wahlkampf der Grünen für "faire Löhne und Sicherheit", es geht gegen Werkverträge und Leiharbeiter, zumindest soweit nicht die Leibeigenen der eigenen Bundestagsabgeordneten gemeint sind. Doch nicht nur im Hohen Hause, wo ein Heer von 4700 Beschäftigten in 622 MdB-Büros zu vordemokratischen, vorgewerkschaftlichen Konditionen zu arbeiten gezwungen wird, sondern auch in den angeschlossen Parking Lots für verdiente Ex-Funktionäre und gefallene Hoffnungsträger regiert nicht das grüne Wahlprogramm, sondern der nackte Verhandlungskapitalismus.

Das musste sich jetzt die grüne Heinrich-Böll-Stiftung von einem Berliner Arbeitsrichter bescheinigen lassen. Danach hat die von der ehemaligen grünen Führungsfigur Ralf Fücks und Barbara Unmüßig vom Kuratorium des Instituts Solidarische Moderne geleitete Stiftung sich unerlaubter Zeitarbeit bedient. Über Jahre hatte sie einen Leiharbeiter beschäftigt, der bei Konferenzen die Auf- und Abbauarbeiten erledigte. Angestellt war der Mann bei einer Zeitarbeitsfirma, die für gänzlich andere Aufgaben verpflichtet worden war. Die Böll-Stiftung wurde verurteilt, dem unrechtmäßig dauerhaft geliehenen Mann einen festen Arbeitsvertrag zu geben. Der sei wegen der unerlaubten Zeitarbeit automatisch zustandegekommen (Az.: 33 Ca 5347/13).

Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, würde aber im Wahlkampf unerwünschte Wellen schlagen. Allerdings halten sich die Leitmedien angestrengt zurück: Nur die FAZ und der Tagesspiegel vermelden den bezeichnenden Vorfall aus dem Niemandsland zwischen politischem Anspruch an andere und eigener wirtschaftlicher Tätigkeit. Der Rest der Truppe schweigt feig still, wie immer, wenn es ans Eingemachte geht und der Ertrag eines Skandals den mit ihm einhergehenden Rufschaden des Gesamtsystems nicht zu übertreffen verspricht.

Freitag, 13. September 2013

Transparenzstelle verspricht Vorkriegspreise

Das war ein Start nach Maß für die Markttransparenzstelle, mit deren Hilfe die Bundesregierung noch rechtzeitig vor der Wahl antritt, den Weltmarktpreis für Erdöl nachhaltig zu senken. Schon zwölf Tage nach dem Start des Gesetzes gegen Benzinpreise gelingt es der vom Bundeskartellamt betreuten Datenbank, aktuelle Spritpreise von den deutschen Tankstellen in Empfang zunehmen. Von hier aus gehen die Daten dann an vier große Verbraucherinformationsportale, darunter der ADAC und die Seite clever-tanken.de.

Die ersten Erfolge der damit hergestellten Preistransparenz werden schon beim ersten Klick auf eines der Partnerportale der Kartellwächter deutlich: Bei clever-tanken heißt es „leider sind im Moment noch keine Preise der Markttransparenzstelle für ihre Suche verfügbar“. Bei der Konkurrenz von mehr-tanken.de und spritpreismonitor.de dagegen erscheinen statt korrekter Fehlermeldungen statt günstiger Preishinweise gar keine Seiten.

Besser macht es Testpartner ADAC. Hier gibt es zwar auch keine Markttransparenzpreise, aber das zum Thema ausgesuchte Foto lockt mit Super Plus für 1,42 Euro.

Benzinpreis: Zu hoch, wenn er niedrig ist

Wiedergeboren als arme Sau


Kommt das zu früh? Ist es zu spät? Oder hat Peer Steinbrück, die "coole Sau" (Gabriel) der deutschen Sozialdemokratie, wieder einmal die richtige Idee zur richtigen Zeit gehabt? Im "SZ-Magazin" jedenfalls packt der scheidende Kanzlerkandidat der SPD den Stinkefinger aus - eine Geste, mit der schon Musiker Johnny Cash im Jahr 1969 seine erste Karriere beendet hatte. Nach dem Auftritt im Gefängnis von San Quentin, vor dem die Aufnahme entstand, kleidete er sich nur noch schwarz, verzichtete auf Chartshit und schaffte es so, als stinkreicher Star zum Sprachrohr der Unterdrückten zu werden.

Für "the poor and beaten down, the sickly and the old" steht auch Peer Steinbrück ein, im schwarzen Cash-Anzug, die Unterlippe in einem leicht missglückten  Nachstellungsversuch der Cash-Geste herunterhängenlassend. Veröffentlicht wurde das Steinbrück-Foto pünktlich zum 10. Todestag von Cash: Das kann kein Zufall sein.

Doch wo Cash noch pure, echte Wut anzusehen ist, imitiert Steinbrück faden Bildschirmzorn. Der Erlauber von Verbriefungen und Erfinder der "amerikanischen Krise" ist ein Schauspieler, aber ein schlechter. Wo Cash eine Gitarre hält, weil er gleich vor ein paar hundert Schwerverbrechern singen wird, präsentiert der Kandidat trotzig seine Uhr - ein Accessoire, das sonst kein Politiker gern zeigt, wenn Wähler zuschauen.

Die Botschaft ist klar, und sie wird nicht vom Stinkefinger transportiert, der die Leitmedien-Meute elektrisiert hat, als habe die Wahlkampfsimulation der zurückliegenden Wochen schlagartig doch noch irgendeine Relevanz erlangt.

Die Uhr ist die Nachricht, die gelesen werden darf: Hier steht einer, und bald geht er, aber der stilvolle Wecker, der bleibt ihm. Wir sehen einen Mann, der den Stinkefinger zur Ablenkung hebt, einen Mann, der weiß, dass er nicht gewinnen kann, der nun aber wenigstens klarmachen möchte, dass er nie gewinnen musste, weil er ohnehin ein Gewinner ist und bleibt. Seine Uhr ist kein Zeitmesser, die die verstreichenden letzten tage in der Nähe der Macht misst, sondern ein Statussymbol, das Steinbrück versichert, dass er erfolgreich ist, bleibt und bleiben wird, auch wenn er am Ende niemals im Leben eine Wahl gewonnen hat.

Der behäbige, steife Senior posiert als die "coole Sau", zu der ihn sein behäbiger, runder Pop-Parteichef hatte erklären wollen. Und ist damit die ärmste Sau im Lager der SPD. Cash stand damals, als sein Stinkefinger-Foto veröffentlicht wurde, vor dem Comeback, das Rick Rubin ihm organisierte. Steinbrück hat seins hinter sich. Er rockt zum Abschied, gekleidet in einen Beerdigungsanzug, wie er es eben versteht. Man möchte die Musik dazu lieber nicht hören.

Steinbrück spiele nun in dieser Liga mit Stefan Effenberg, bemerkt die Frankfurter Rundschau zutreffend. In einer Liga mit Johnny Cash spielt er jedenfalls nicht.

Mehr aus der großen PPQ-Serie "Wiedergeboren als..."

Donnerstag, 12. September 2013

Gib mir Tiernamen

Ratten, Schweine und Würmer haben eine lange und schöne Tradition in der politischen Auseinandersetzung, immer wieder waren sie für ein paar enervierende Momente in der Auseinandersetzung um den besten Weg der Menschheit in eine lichte Zukunft gut. Schnecken hingegen, Feinschmeckern als Leckerli und Kleingärtnern als Feind frisch gepflanzter Salatsetzlinge und zarter Asterntriebe bekannt, mussten über mehrere Jahrtausende auf die Ehre verzichten, mehr als Randfiguren in den Schlammschlachten um Parlamentssitze und Ministerposten zu sein.

Das ändert sich nun allerdings, denn die erfolgreiche grüne Wahlkampagne nimmt auf der Zielgerade fahrt auf. Inspiriert vom Literaten Günter Grass und seinem bewegenden "Tagebuch einer Schnecke" hat der Satiriker William Cohn, bekannt aus der mittlerweile abgesetzten ZDFneo-Serie "Roche und Böhmermann", für die wechselwillige Alternativpartei einen Werbespot kreiert, auf den die die "Welt-in-Bildern-Seite Eulenfurz völlig zurecht aufmerksam macht.

Handelt es sich hier doch um das Dokument der Emanzipation der Gastropoda, auch bekannt als gemeine Hausschnecke, um ein Zeugnis des Eingreifens der so häufig als ekelhaft und widerlich denunzierten Kriechwesen in die politische Auseinandersetzung. Denn wäre die schwarz-gelbe Bundesregierung ein Tier, dann dieses! Auf rasch trocknender Gleitspur, wie Grass vielleicht dichten würde, schleicht das Tier unter seiner kunstvollen Rückenspirale ins Zentrum der Aufmerksamkeit des gemeinen Wechselwählers, assoziativ dagegengeschnitten sind hier Bilder von Bundeskanzlerin Merkel, Kristina Schröder oder Horst Seehofer.

Lichtscheu, ohne Rückgrat, mit Hang zur Vetternwirtschaft, so beschreibt sie Cohn, nicht zu verwechseln mit dem Mecklenburger Politiker gleichen Namens, der einst als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei im Landtag des Freistaates Mecklenburg-Schwerin saß. Eine Plage alle Tage, auch wenn positive Beispiele wie das der griechischen Schneckenfarm-Schwestern Vlachou dagegen sprechen. William Cohn ist guter Dinge, dass der Kampf gegen die Schnecke gewonnen werden kann. „Schon im September können wir die Schneckenplage ganz einfach wieder loswerden.“

Zukunft am Ende: Abendland im Untergang

Für die „Welt“ ist „die Übernahme von Nokia ein beachtlicher Schachzug“ von Microsoft, für den „Spiegel“ steckt „doch ein Masterplan dahinter“ und die amtliche Tagesschau urteilt "Eine Ära geht ins Grab". Jetzt, ist sich die deutsche Presse einig, gehe es für den neuen, größeren Konzern ins Gefecht mit Apple und Google – doch es wird eine Schlacht der Giganten in einem High-Tech-Reich, in dem es für Europa schon lange nur noch zu einem Platz am Katzentisch reicht.

Nokia war der letzte Versuch des alten Europa, einen Fuß in die Tür zur Zukunft zu bekommen. Nach dem Ende der Finnen, die zu ihren besten Zeiten mehr als 23 Milliarden Euro Jahresumsatz hatten verbuchen können, bleibt mit SAP nur noch ein einziger europäischer Hightech-Konzern von ähnlicher Größenordnung übrig. Zum Vergleich: Der Zweitplazierte in der Truffle-100-Liste der größten europäischen Softwarehersteller heißt Dassault Systemes, kommt aus Frankreich und bringt es auf etwa fünf Prozent der Umsätze des US-Riesen Oracle.

Es ist zu Ende. Nur noch 17 Prozent der weltweit größten Hightech-Unternehmen kämen derzeit aus Europa, warnte die Unternehmensberatung McKinsey bereits 2005. Damals erreichten lediglich drei europäische Unternehmen Umsätze von mehr als einer Milliarde Euro – heute sind es zwar zehn. Doch unter die Top Ten weltweit schafft es neben SAP nur noch die spanische Amadeus IT, ein sehr spezialisierter Produzent von Software für Reisebüros. Der Abstand der Europäer zu Hightech-Firmen aus den USA und Asien vergrößere sich zunehmend, hatte die McKinsey-Studie seinerzeit vorhergesagt. Und sie hat Recht behalten.

Siemens, das größte und lange Zeit erfolgreichste europäische Hightech-Unternehmen, liegt inzwischen auf Platz 61 der größten Firmen der Welt. Weit hinter IBM, Oracla, Microsoft, Amazon und Intel. SAP schaft es mit Ware für Firmenkunden auf Platz 66. Weit hinter Qualcomm, Cisco und Samsung. Das wars. Mehr ist da nicht unter den Top 100.

Europa existiert quasi nicht mehr als Hersteller von Innovationen, so sie nicht vier Räder haben. Es gibt kein europäisches Internet-Unternehmen von einiger Bedeutung, es gibt keinen Hersteller von innovativer Zukunftstechnologie für Verbraucher, keinen wichtigen Internet-Händler und keinen bedeutsamen Zulieferer von Grundlagentechnologien. Ein Kontinent, abgekoppelt von den Entwicklungen der Zukunft, ein Erdteil mit 500 Millionen Konsumenten, der mit Zukunft aus fremder Hand gefüttert wird. 13 Jahre nach dem wegweisenden Beschluss der EU, dass Europa im Jahre 2010 "der wettbewerbsfähigste Wirtschaftsraum der Erde" sein werde, ist die Zukunft ist ein Geschäft, das Koreaner, Chinesen, Japaner und Amerikaner miteinander organisieren.

Das Abendland wird noch benötigt als verlängerte Ladentheke, als Konsumhölle und Ort, an dem neue, weise Führer neue bizarre „Zehn-Jahres-Strategien“ erfinden. Neue Prognose: Auch Indien zieht demnächst vorbei. Die Dritte Welt, technisch gesehen, findet ein neues Zuhause.


Mittwoch, 11. September 2013

Wahlkampf: Die Versehentlichen

Der Kanzlerkandidat hatte die schwarze Putze nur versehentlich nicht versichert und versteuert. Er hat sie persönlich ja auch gar nicht gekannt. Sein „unbekannter Erpresser“ (dpa) hat auf den groben Keil, mit dem Peer Steinbrück seine Schwarzarbeiteraffäre verdübelt hat, nun noch einen passenden groben Klotz gesetzt: Er habe den Brief zwar aus einer „momentanen Verärgerung über den Kanzlerkandidaten der SPD“ geschrieben. Hatte ihn aber gar nicht abschicken wollen. Dies sei später jedoch „versehentlich“ erfolgt.

Eine Erpressung also wie das ganze Kaspertheater, halbgar, versehentlich, ergebnislos. Der Schwarzarbeitgeber zieht die Konsequenzen, stilisiert sich als Opfer und spricht im Brustton eines Heldentenors davon, dass er sich "nie" habe vorstellen können, dass in einem Wahlkampf um den obersten politischen Führungsposten in Europa auch dunkle Kapitel aus dem Leben der Bewerber ins Licht gezerrt werden. Die Medien spielen freudig mit und fragen nicht, ob der Kandidat Dreck am Stecken hat, und sei es nur alter, angetrockneter. Sondern sie werfen die Sirenen an und imaginieren einen „unbekannten Erpresser“, der als Wohnort die Wohnung der ehemaligen Steinbrück-Putzfrau in Bonn angegeben habe.

Schmierentheater, wie es zu einem Wahlkampf passt, an dessen Ende der gewinnen wird, der am wenigsten an Ansehen verloren hat. Ein versehentlicher Kandidat trifft auf eine versehentliche Amtsinhaberin, versehentlich moderiert der Fernsehclown Stefan Raab die einzige direkte Begegnung der beiden… Sigmar Gabriel, dem großen Philosophen unter den Quarkquatschern, gebührt das letzte Wort zu einer Affäre, bei der sich versehentlich auch nach fünf Tagen noch kein Leitmedium für den faktischen Gehalt der versehentlich öffentlich gewordenen Vorwürfe interessiert hat: Dies sei der „bisher absolute Tiefpunkt“ in einem „schmutzigen Wahlkampf“ gewesen, sagt der.

Holocaust: So viel Spaß für wenig Geld

Es muss nicht immer Disneyland sein und man muss mit seinen Kindern auch nicht nach Walsrode reisen, um in einem Freizeitpark richtig was zu erleben. Wer ein verlängertes Wochenende mit der Familie hat und mehr will als Filme anschauen, Minigolf im Stadtpark spielen oder beim Tag der offenen Tür der Stadtwerke dabeizusein, findet eine Alternative in der Hauptstadt Berlin. Hier wartet seit einigen Jahren das Holocaust-Mahnmal auf Besucher: Zwischen 2003 und 2005 wurde der Erlebnispark in der historischen Mitte Berlins auf einer etwa 19.000 Quadratmeter großen Fläche in der Nähe des Brandenburger Tors errichtet. Der tolle Entwurf stammt vom weltberühmten Architekten Peter Eisenman, der hier einmal mehr ein Händchen für spektakuläre Abenteuer-Landschaften bewies.

Bereits im ersten Jahr kamen über 3,5 Millionen Besucher, um zwischen den 2711 in unterschiedlichem Maß geneigten Betonstelen herumzutollen, die in parallelen Reihen auf der gewellten Grundfläche aufgestellt wurden. Wer durch eine der 54 Nord-Süd- und 87 Ost-West-Achsen stromert, merkt sofort, dass dieses Labyrinth mehr ist als ein gewöhnlicher Spaß-Bringer, wie ihn sich heute jedes Kleinstadt-Schwimmbad leistet.

Höher, länger und spektakulärer lautet hier die Devise und das zieht vor allem abenteuerlustige Gäste wie den Schlagersänger Patrick Lindner an. Man kann auf den Stelen tanzen, turnen, über sie hinweg oder von einer zur anderen springen. „Die Adrenalin-Junkies wollen immer abgefahrenere Touren“, berichtet Hendrik Anes, der den gesamten Sommer über als Aufsicht an Berlins beliebtesten Abenteuerspielplatz gearbeitet hat.

Kaum ein Berlin-Besucher kommt mehr ohne eine rasante Tour über die Pfähle oder durch das Labyrinth aus, wie zahlreiche Fotos zeigen, die Parkfans ins Internet hochgeladen haben. Vor allem, weil der Spaß sich hier über die körperliche Herausforderung definiert. Anes, der die Abläufe genau beobachtet hat, sagt: „Der Thrill-Faktor ist mittlerweile zentrales Thema - das zieht Besucher an, vor allem junge Leute.“ Es gebe laufend Innovationen, so hätten bereits Porno- und Modeaufnahmen im eindrucksvollen Ambiente des betonierten Gedenkens stattgefunden.

 Saisonhöhepunkt seien die Sommermonate, wenn besonders viele Gäste den Nervenkitzel suchen und sich schwungvoll zwischen die Stelen bewegen. Anes ist überzeugt, dass das Gerücht stimmt, wonach mancher Besucher hier „ähnliche Erlebnisse wie auf einer Achterbahn“ habe. "Ich habe ja selbst gesehen, wie begeistert die Menschen sind, wenn sie ihre Tour absolviert haben", sagt er. Als Experte empfehle er einen Besuch im herbst. Auch der habe schöne Tage. "Und da sind wir nicht so überlaufen."