Samstag, 14. Februar 2009

Gesänge fremder Völkerschaften: Schwelgen in Schweden

Tief im Wald, wo nur selten Fremde auftauchen, schleifen sich die größten Melodien ab. Hier heißen Bands "The Travelin' Swedes", Orte nennen sich "Lennartsfors" und ein Song von U2 klingt auf der Open-Air-Bühne des Dorffestes plötzlich ein bisschen wie richtige Musik.

Freitag, 13. Februar 2009

Amazon macht dicht

Kommando zurück für Globalisierung, offene Märkte, grenzenlosen Handel und den ganzen neumodischen Kram. Amazon, einer der Hauptprofiteure des interkontinentalen Handels, marschiert nunmehr ganz vorn bei der Abschottung der Einzelmärkte.

Euro-Kunden, die vom billigen englischen Pfund profitieren und englische CDs direkt am Heimatmarkt kaufen wollen, empfängt neuerdings der Hinweis, dass sie leider aus der falschen Weltgegend kämen, um bei amazon.co.uk bedient zu werden. Dabei ist die CD der semi-bekannten Band Iko, die eigentlich angeschafft werden sollte, in England für acht Euro zu haben. In Deutschland hingegen kostet sie 21.

Amazon entschuldige sich vielmals für die entstehenden Unannehmlichkeiten, die denen gleichen, die Kunden von Apple seit Jahren haben: Die beliebte Firma verkauft dieselben Waren weltweit zu nahezu denselben Preisen, nur in anderen Währungen. Das gleiche Produkt ist dadurch in Deutschland ein Drittel teurer als in den USA.

Mittweida reloaded

Selbst ist der Mann und manchmal auch die Frau. Die brasilianische Anwältin, die von drei hakenkreuztätowierten Neonazis in der Nähe von Zürich verschleppt, gequält und mit Teppichmesser geschnitten worden sein wollte, hat nach Ansicht der Schweizer Rechtsmediziner selbst zum Schneidwerkzeug gegriffen, um sich mit dem Namen der Schweizer Rechtspartei SVP zu verzieren. Man habe «sehr viele» kratzerartige Wunden festgestellt, die zum Teil auch etwas geblutet haben, beschrieb der Rechtsmediziner Walter Bär vom Institut für Rechtsmedizin in Baz Online.

Die besonders empfindlichen Regionen, nämlich Brustwarzen, Bauchnabel und äußere Genitalien, seien nicht betroffen gewesen. Sämtliche Verletzungen seien nicht schwer, weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit, und alle Verletzungen befänden sich in Körperregionen, die man selbst erreichen könne. Zudem sei das Verbrechensopfer, das weltweit Schlagzeilen gemacht hatte, nicht schwanger gewesen, wie es selbst behauptet hatte. "Aufgrund der Laborwerte und der gynäkologischen Untersuchung können wir sagen, dass zum Zeitpunkt der Tat keine Schwangerschaft vorlag."

Einmal mehr hat damit die gefährliche Nazibande zugeschlagen, die schon in Halle, Mittweida und Sebnitz ungestraft ihr Unwesen trieb: Die drei Männer, die zuweilen auch zu viert auftreten, sind jeweils nur am Tatort und nur vom Opfer zu sehen. Alle Versuche der Ermittlungsbehörden, der Gruppe in Deutschland habhaft zu werden, scheiterten bislang - wie man nun ahnt wahrscheinlich daran, dass der Trupp längst in die neutrale Schweiz geflüchtet war.

Angst essen Anspruch auf

In Berlin gehen jetzt die Schrotthändler auf die Barrikaden. Weil sie vom großen Kuchen Abwrackprämie nichts abbekommen. Eigentlich hätten sie, die "zertifizierten Betriebe zum Abwracken von Kraftfahrzeugen aller Art", die Nutznießer sein müssen. "Denn nur wir dürfen Autos abwracken", sagt Hakan P. aus Schöneberg. Aber immer mehr der alten Autos landen nicht bei den Schrotthändlern, sondern direkt bei den Autohäusern. Immer mehr Händler nehmen das alte Auto gern in Kauf, wenn sie dafür einen Neuwagen losschlagen können. Nur dürfen sie das eigentlich nicht. "Ein Autohaus darf nicht Abwracken, der Weiterverkauf ist ebenso verboten, das Auto muss ja schließlich aus dem Verkehr gezogen werden", sagen die Schrotthändler.
Die Autohändler schweigen dazu. "Keine Auskunft", hieß es aus einem großen Charlottenburger Oberklassewagen-Handelshaus.
Damit sind sie nicht allein. Auch alle Medien schweigen dazu. Denn die Angst, bei einer Berichterstattung den Autohäusern auf die Räder zu treten und damit eventuell große Autohersteller als Anzeigenkunden zu verlieren wiegt in der Krise schwerer, als der journalistische Anspruch der Redaktionen.

Run hält an

Der imaginäre "Run auf die Abwrackprämie" hält an. Waren vor drei Tagen erst 34.000 Anträge beim Bundesamt für die Autoverschrottung (Bafa) eingegangen, kamen nach übereinstimmenden Berichten von Bild, Spiegel und Süddeutscher Zeitung seitdem täglich 6.000 neue Anträge dazu. Nur weil beim Zusammenrechnen eine grundsätzlich andere Mathematik verwendet wird, meldet das Bafa drei Tage später stolz eine Gesamtzahl von inzwischen 44.000 eingegangenen Anträgen - 12.000 mehr als noch vor drei Tagen.

Und 6.000 weniger als nach den übereinstimmenden Berichten von Bild, Spiegel und Süddeutscher Zeitung zu erwarten war. Wo diese Anträge geblieben sind, wird wie im Falle des im Dezember noch als "boomend" bezeichneten Weihnachtsgeschäftes, das nach der im Februar vorgelegten Statistik ein einbrechendes war, später nachgemeldet, wenn es niemanden mehr interessiert.

Denn wir wissen nicht, was sie sperren

Diese Lösung hat Zukunftspotential. Der Chaos Computer Club hat den Vertragsentwurf zur Regelung der künftigen Internetzensur in Deutschland veröffentlicht, mit dem Familienministerin von der Leyen die Internet-Service-Providern verpflichtet, ihren Kunden den Zugang zu bestimmten Internetseiten zu verwehren. Die Liste der betroffenen Domains, die vom BKA zusammengestellt wird, soll danach vor der Öffentlichkeit geheimgehalten werden, damit gar niemand erst weiß, was er nicht wissen sollen darf.


Der Chaos Computer Club sieht im geplanten Vorgehen, das mit einem angeblich wunderbar funktionierenden Blockade-Modell in Skandinavien begründet wird, eine "Vorzensur ohne gesetzliche Grundlage". Das Thema Kinderpornographie werde instrumentalisiert, um eine Zensurautomatik für Internetseiten einzuführen. Der Vertragsentwurf mache deutlich, dass das Bundesinnenministerium offenbar überhaupt kein Interesse an einer Strafverfolgung gegen die Täter hat, sondern eine geheime Infrastruktur für das Zensieren von Internetseiten plant", sagte CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn.

So wird das funktionieren: Sobald das BKA festgestellt hat, dass eine Seite kinderpornographische Schriften im Sinne von § 184b des Strafgesetzbuches (StGB) beinhaltet oder auch nur zu einer anderen verlinke, die solche Inhalte habe, meldet die Behörde das an alle Zugangsianbieter. Die müssen die betreffende Seite dann innerhalb von sechs Stunden sperren. Ein Einspruchverfahren oder eine unabhängige Prüpfung ist nicht vorgesehen. Eebensowenig eine Strafverfolgung der Anbieter. "Es wird deutlich, dass das Bundesinnenministerium mit dem Thema Kinderpornographie und der Flankierung durch Familienministerin von der Leyen offenbar einen Bereich herausgesucht wurde, mit dem am ehesten gesellschaftliche Akzeptanz für Sperrmaßnahmen erreicht werden kann. Wenn aber eine solche Infrastruktur erst einmal vorhanden ist, wird eine Ausweitung auf andere Themenbereiche ein Leichtes sein", glaubt Müller-Maguhn.

Weil die Planung ganz offenkundig verfassungswidrig ist, soll sie nicht über ein reguläres Gesetzgebungsverfahren umgesetzte werden, sondern durch freiwillige Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der ISPs. Die werden per Vertrag auch noch verpflichtet, dem BKA die Anzahl der Zugriffsversuche auf die gesperrte Seiten mitzuteilen. Die Identität der Personen, von denen Zugriffsversuch durchgeführt wurde, lässt sich auf der Grundlage der beschlossenen Vorratsdatenspeicherung dann sehr schnell lüften.

Die Anmerkung macht übrigens gerade darauf aufmerksam, dass die meisten in Skandinavien gesperrten Internetseiten auf Servern in Deutschland liegen. Wusste Frau von der Leyen gar nicht. Tja. Experten eben.

Al Kaida in der Krise

Ganz schlechte Nachrichten für Al Kaida-Chef Bin Laden und seine wackeren Getreuen im "pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet" (Spiegel). Die US-Geheimdienste, meldet der "Focus", "sähen in der weltweiten Wirtschaftskrise die derzeit größte Bedrohung für die Sicherheit des Landes." Die Gefährdung durch das Terrornetzwerk El Kaida nehme hingegen ab.

Zwar hat Al Kaida die Urheberschaft für die Finanzkrise durch ihren Nuntius "Abu Talha der Deutsche" kürzlich per Youtube Video noch einmal für sich reklamiert. Allerdings zweifeln Experten daran, dass es wirklich Osama Bin Laden war, der die amerikanische Banken zwang, Kredite ohne Sicherheiten auszureichen und deutsche Landesbanken veranlasste, über irische und karibische Zweckgesellschaften in den Holzhüttenbau in Minneapolis zu investieren.

„Al Kaida ist heute weniger fähig und weniger effektiv als noch vor einem Jahr", habe der neue US-Geheimdienstkoordinator Dennis Blair klargestellt. Schon vor einem Jahr aber war der Terrororganiation außer gelegentlichen Drohvideos und Tonbandansprachen nichts mehr gelungen. Erfolgreicher sei inzwischen die Finanzkrise: Sollte sie noch „ein bis zwei Jahre“ anhalten, wäre in einigen Ländern die politische Ordnung gefährdet", warnte Blair.

Ritzen gegen rechts

Da wird doch wieder ein Preis für Zivilcourage fällig. Nach dem Vorbild der tapferen Rebecca K. aus Mittweida, der vor anderthalb Jahren von fünf selbstausgedachten Nazis in NSdAP-Jacken und mit "HASS"-Tätowierungen auf den Fingern ein Hakenkreuz in die Hüfte geritzt worden war, ist jetzt eine 26-jährige brasilianische Anwältin auf dem Bahnhof eines Dorfes in der Nähe von Zürich malträtiert worden.

Drei Neonazis verschleppten die im dritten Monat schwangere Frau
"an einen entlegenen Ort" (Basel Online) und ritzt ihr dort dann mit einem Teppichmesser, wie es die Terroristen vom 11. September benutzten, auf Oberschenkel und Bauch die Buchstaben "SVP", Kürzel einer rechtskonservativen Schweizer Partei. Einer der natürlich glatzköpfigen Täter habe nach Aussage des Opfers ein Hakenkreuz am Hinterkopf tätowiert gehabt, um besser als Nazi zu erkennen zu sein.

Der Vater des Opfers, wie seine Tochter Anwalt, beschrieb das Martyrium der Tochter: “Sie hat einen völlig zerschnittenen Körper: Gesicht, Hals, Arme, Brustkorb, Beine - vielleicht an die hundert Verletzungen.” Durch Schläge und Tritte der Täter erlitt das Opfer eine Fehlgeburt in der Bahnhofstoilette. Wenigstens, so die Polizei, seien die Verletzungen nur sehr oberflächlich und von den Tätern sehr sauber ausgeführt. Das überrasche, weil man davon ausgehe, dass ein Opfer in einer solchen Situation ja nicht still liege.

Wie unglaublich blöd auch Schweizer Nazis sind, zeigt sich allerdings daran, dass ein "S" auf dem Bauch des Opfers spiegelverkehrt in die Haut gekratzt wurde. Brasilien hat die Schweiz formell um eine «vollständige und transparente» Untersuchung gebeten. Der Geschäftsträger der Schweizer Botschaft ist ins Außenministerium gerufen worden. Die Familie des Opfers hat derweil dokumentierende Bilder der Tat ins Internet gestellt.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Steuern für Steinmeier

Was der Staat kann, kann nur der Staat, sprach einst Franz Müntefering, deshalb müsse man ihm immer genug Geld geben, damit er noch mehr machen könne. Das war lange vor der großen Krise, gilt aber auch über den zeitenwechsel weiter. Weil der deutsche Staat trotz der schweren Wirtschaftskrise im Januar deutlich mehr Steuern kassiert. Weil das Steueraufkommen von Bund, Ländern und Gemeinden im Januar stiegen im Vergleich zum Vorjahr nur um 10,3 Prozent gestiegen ist, Finanzminister Peer Steinbrück aber nach dem Vorbild Joseph Ackermann eine Rendite von 25 Prozent anstrebt, will der Sozialdemokrat nun zur Abwechslungs mal wieder eine "Börsenumsatzsteuer" einführen.

Die war erst vor 18 Jahren abgeschafft worden, aber im Kampf um den Wähler, der der deutschen Sozialdemokratie hartnäkig die kalte Schulter zeigt, ist jedes Mittel recht.

Im SPD-Wahlprogramm soll festgeschrieben werden, dass jeder Kauf und jeder Verkauf an einer deutschen Börse zusätzlich zu Makler- und Handelsgebühren noch einmal 0,5 Prozent des Gesamtwertes an Steuern kosten soll. Peer Steinbrück will damit gegen "Spekulanten" kämpfen, die deshalb jetzt als Ablösung für die bisher genannten Bankmanager als Verantwortliche für die Finanzkrise an die Laterne gehängt werden. Franz Müntefering, der von der "Financial Times" in diesem Zusammenhang wieder als offenbar immer noch amtierender SPD-Chef genannt wird, habe seine Zustimmung bereits signalisiert. Kaum verwunderlich, schließlich brächte die neue alte Steuer einen zweistelligen Milliardenbetrag, den die kommende Regierung unter Walter Steinmeier fröhlich verjuckeln könnte.

Iron Sky: Neues von den Mond-Nazis

Wenn das der Führer wüsste! Die weibliche Hauptrolle im dämonischen Nazi-Rückkehr-Komödiendrama "Iron Sky" wird von der deutschen Schauspielerin Julia Dietze verkörpert werden. Dietze, bisher eher für seriöse Rollen etwa in Til Schweigers Ritterepos "1½ Ritter", "Erkan & Stefan" und in einem McDonalds-Werbespot bekannt, spielt die SS-Offizierin "Renate Richter", die von den auf den Mond geflohenen Hitler-Getreuen zur Erde geschickt wird, um auszukundschaften, ob der Planet schon reif ist für eine Rückkehr der Nazis. Iron Sky-Regisseur Timo Vuorensola hält die blonde Deutsche für “das perfekte Gegenstück zu den Testosteron-prallen Nazis", die sonst durch die hauptsächlich von Schweden zu verantwortende Wirklichkeitssimulation irren. Ein Premierentermin steht noch nicht fest.

Fade out statt Bailout

Das Volumen der von europäischen Banken gehaltenen problematischen Wertpapiere beläuft sich einem geheimen EU-Dokument zufolge auf etwa 18,2 Billionen Euro, wie die britische Tageszeitung "Daily Telegraph" berichtet. Das Papier sei von den 27 EU-Finanzministern beim Ecofin-Treffen in dieser Woche debattiert worden.Maßnahmen wurden nicht beschlossen, was Freunde von großen Summen nicht weiter verwundert. Das kleine Einmaleins-Blog PPQ hat nachgerechnet: Stimmt die Zahl, muss Deutschland nur die kommenden acht Jahre sein gesamtes Bruttoinlandsprodukt aufwenden, um die bedrohten Banken zu bailouten.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Mein Motto: Kein Lotto


Nach den Oberverwaltungsgerichten von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt hat jetzt auch das OVG Mecklenburg-Vorpommern die Rechtmäßigkeit der 1990 auf Grundlage des Gewerbegesetzes der DDR erteilte Lizenz für den Glücksspielanbieter bwin bestätigt. Das Innenministerium des Landes hatte bwin untersagt, Sportwetten "über das Internet oder auf andere Weise" in MeckPomm anzubieten und "Werbung für sein Angebot im Bundesland zu betreiben". Das OVG bestätigte damit eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Schwerin, das bereits im Oktober 2008 verkündet hatte, die Vorschriften des Glücksspielstaatsvertrages (GlüStV) fänden auf bwin keine Anwendung. Außerdem äußerte das Gericht erhebliche Zweifel an der Vereinbarkeit des GlüStV mit Verfassungs- und Europarecht. bwin hat somit außerdem alle bisher entschiedenen Eilverfahren vor Oberverwaltungsgerichten in den neuen Bundesländern gegen entsprechende behördliche Untersagungsverfügungen gewonnen.

Die staatlichen Kämpfer gegen das Glücksspiel-Grauen, deren segensreiches Wirken von PPQ seit langem mit Sympathie begleitet wird, sollten nun entweder Oberverwaltungsgerichte oder das Internet verbieten. Wahlweise könnten die gerade mit Millionen Euro gepäppelten Spielbanken Sachsen-Anhalts das Geschäft von bwin übernehmen. Oder Ostdeutschland wird in Telebingo umbenannt und geht ab sofort als Dauerwerbesendung beim MDR über den Äther. Dann dürfte bwin die Geschäftsgrundlage entzogen worden sein.

Schall und Rauch tuns auch

Der Hans Wurst Klaus Frank Peter Heinz Otto Freidrich Wilhelm Frank Gerhard Guttenberg heißt gar nicht Wilhelm, wie Der Spiegeldachte. Aber der Frank-Walter Steinmeier heißt nun auch nicht mehr Walter. Wie die Financial Times und alle anderen deutschen Qualitätszeitungen heute im Chor enthüllen, habe der künftige Kanzler der Bundesrepublik beschlossen, wegen der größeren Griffigkeit auf seinen zweiten Vornamen zu verzichten. Er wolle damit ein Beispiel geben und ein "gewisses Maß an Verzicht vorleben" wie er es sich in der "größten Finanzkrise" (Bild) seit "Ostern 1941" (Tagesspiegel) "öfter auch von manchem Manager wünschen würde".

Alle großen deutschen Staatsmänner hätten nur einen Vornamen gehabt, von Helmut Schmidt über Kaiser Wilhelm, Hinden Burg, Adolf Hitler, Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Sarah Connor, Dieter Bohlen und Erich Honecker bis zu Helmut Kohl, Jürgen Rüttgers und Angela Merkel. Er wolle diese schöne Tradition nach seiner Machtübernahme auf Anraten von anonymen "Strategen im Willy-Brandt-Haus" (FT) am Leben halten - Frank klinge einfach "lebenspraktischer", ließ Steinmeier im Auftrag dieser "Strategen" wissen. Bei seiner Entscheidung habe er sich für Frank und gegen Walter entschieden, weil "Walter" durch den Mauerbauer Ulbricht negativ, "Frank" aber durch den alterslosen Berliner Schlagersänger Frank Schöbel ("Gold in deinen Augen") vor allem in seinem neuen brandenburger Wahlkreis positiv besetzt sei.

Die neue Sprachregelung ist bei der SPD begeistert aufgenommen worden. SPD-Chef Franz Müntefering sprach gleich dreimal klar und akzentuiert von "unserem Kanzlerkandidaten Frank Steinmeier", zitiert die FT, auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil wusste schon vom neuen Plan zur Eroberung des Kanzleramtes und ließ beim Berlinale-Empfang in der Parteizentrale bei der Erwähnung von Steinmeiers Namen wie selbstverständlich den zweiten Vornamen weg. "Alle Freunde, die mich von früher her kennen, rufen mich sowieso nur Frank", sagt der Vizekanzler selbst. Demnächst werde er sich auch das Haar tönen und sich die Augen lasern lassen. Er werde dann jünger und nicht mehr wie eine anämische Schneeeule wirken. Das sei lebenspraktischer und komme beim Wähler besser an.

Man müsse sich einfach treu bleiben, auch in der großen Politik. Er werde sich keinesfalls verbiegen lassen auf dem Weg ins Kanzleramt, sagte Walter Steinmeier mit seiner Original-Gerhard-Schröder-Stimme. Locken kämen für ihn deshalb sowenig infrage wie die Pokemon-Jäckchen, die Angela Merkel trage. "Und seien wir mal ehrlich, alte Freunde aus Niedersachsen kennen mich ja nur so, als jungen Kerl mit eher dunklem Haar."

Mannichl: Unschuldiger entschlüpft der Soko

Seit vier Wochen lang rekonstruierten Spezialisten des LKA den Stich, den ein Unbekannter Anfang Dezember letzten Jahres mit Hilfe eines Lebkuchenmessers ausführte, um den Passauer Polizeipräsidenten Alois Mannichl feige zu ermorden. Aus der verheilten Wunde erhofften sich die 50 Fahnder der Sonderkommission Lebkuchenmesser "Rückschlüsse auf den Ablauf des Verbrechens und den Täter". Wie jetzt bekannt wurde, konnten dennoch keine Fingerabdrücke im Fleisch gesichert werden, wie das im Fernsehen gelegentlich gelingt. Das Gutachten zu den vom Messer im Körper hinterlassenen Spuren widerspreche dem von Mannichl geschilderten Hergang aber nicht, erklärte der Leiter der Sonderkommission, Gerhard Zintl, allerdings bestätige es die Darstellung des Opfers genausowenig.

Es habe jedoch immerhin ergeben, dass der Stich nicht wie nach der Tat von der Polizei behauptet, von der Politik zitiert und von allen Qualitätsmedien im Chor kolportiert das Herz des Polizeidirektors "nur um zwei Zentimeter verfehlte". Das Messer sei vielmehr unterhalb der letzten Rippe, dort aber immerhin "sechs bis acht Zentimeter tief in den Bauch" eingedrungen. Der Irrtum war offenbar entstanden, weil die Ermittler glaubten, dem Opfer sei das Herz während des unvermittelten Angriffs in die Hose gerutscht.

Bei der Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft, die anstelle der anfangs üblichen stündlichen Pressemitteilungen aus der bayrischen Staatskanzlei nach langer Pause wieder einmal anberaumt worden war, wurde die anfänglich als Auftraggeber verdächtigte neofaschistische NPD von jedem Verdacht freigesprochen. „Keine Organisation stand hinter der Tat“, sagte Zintl. Auch sei die Familie des Opfers dank "bombenfester Alibis" jetzt über jeden bis heute öffentlich unausgesprochenen Verdacht erhaben. "Nichts deutet auf eine Beziehungstat", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Man suche jetzt mal wieder nach einem Einzeltäter, der immer noch 1,90 Meter groß mit kräftiger Statur, rundem Gesicht ohne Bart, Glatze oder sehr kurz geschnittenen Haaren, Leberfleck oder Tätowierung am Hals sein solle und am besten bayerischen Dialekt, gern auch mit österreichischer Einfärbung sprechen müsse.

Dabei handele es sich aber nicht um den anfangs mit Hochdruck gesuchten "Schlangenmann", nach dem inzwischen nicht mehr gefahndet wird. Gefunden werden konnte er nach Abschluß entsprechender Ermittlungen dennoch, wie die Passauer Presse berichtet: Aus der Bevölkerung sei ein Hinweis "auf einen Mann mit einer Schlangen-Abbildung am Hals" gekommen, der zudem "kein Unbekannter in Passau" sei, weil er "häufig bei Heimspielen des 1. FC Passau" zugegen und mit der Tochter eines Passauer Unternehmers liiert war.

Schnurstracks machten sich die Sonderfahnder, die keinen Mann mit Schlangentätowierung mehr suchen, aber ja neuerdings in alle Richtungen ermitteln, darob auf zum "vermögenden Hause" (Passauer Presse).

Die dort vorgefundene Ex des Schlangenmannes habe zwar keinen genauen Aufenthaltsort des Ex-Freundes nennen können. Die Polizei aber machte ihn dennoch in Österreich aus. Dort hatte er sich als Helfer in einer Baukolonne verdingt.

Geradezu dramatisch mutet der Schluß der neuen Runde im Pannen-Fall Mannichl an, wörtlich aus der Passauer zitiert: "Am Freitag wurde der Mann mit dem Schlangen-Tattoo schließlich gestellt und verhört. Doch auch er hatte für die Tatzeit ein glaubhaftes Alibi. Wieder eine Spur der SoKo, die kalt wurde."

Wer hat es gesagt?

Jeder Staat beruht in erster Linie auf dem Sicherheitsbedürfnis und dem Vertrauen der kleinen Sparer und der Hausfrauen. Hat man nicht diese beiden Kategorien zu Freunden, so kann sich keine Regierung mehr halten.

Ja, das ist der Run auf die Abwrackprämie!

Gleich sind sie alle, die Abwrackzertifikate. Allein am letzten Donnerstag erkundigten sich 477.000 Menschen bei der bundeseigenen Abwrack-Prämienhotline, wie sie ihre alten Schrottmühle loswerden können. Am Freitag waren es dann viereinhalb Millionen. Die Sachbearbeitern, das war beim NDR zu sehen, macht für jeden Anruf Kreuze auf einem karierten Schreibblock.

Ja, die Abwrackprämie wirkt. Opel hat schon im Januar 77.000 Autos mehr verkauft, alles die kleinen Modelle, die sparsamen. "Ford Deutschland verzeichnet Auftragsboom dank Abwrackprämie" (Süddeutsche). VW fordert eine Verlängerung wegen des großen Erfolges. Die Illustrierte "Focus" feiert gar den "Größten Pkw-Boom seit der Wiedervereinigung“, denn, auch das weiß die "Süddeutsche": Es herrscht ein "Ansturm auf Abwrackprämie".

Und der ist atemberaubend. Alles richtig gemacht, Angela Merkel. Die "Leute stürmen die Autohäuser" (MDR). Das Geld aus dem Abwrackprämientopf, das die "Bundesregierung bereitgestellt hat", reicht "nur für 600.000 Autos" (Bild). Man muss sich beeilen, sonst muss man den Neuwagen wieder ganz allein bezahlen. Schon fordert der ADAC eine "Aufstockung der Mittel für Abwrackprämie". Denn im "Abwrack-Wettlauf" könnten die "Prämien nur bis zum Juni reichen" (Westfälische).

Bei Ebay stehen Verkaufsangebote von Abwrackprämien-Autos, eingestellt von armen, armen Menschen, die ihr altes Auto loswerden wollen, sich aber von den 2500 Abwrackprämieneuro keinen Neuwagen leisten können, dennoch auch ein paar Minuten vor Toresschluß bei null Geboten. Dabei gibt es Millionen im Land, die immer nur Neuwagen fahren und deshalb kein altes Auto haben, das sie abwrackprämientechnisch verwerten könnten. Warum also finden die Interessenten nicht zusammen? Gibt es vielleicht gar keine? Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle treibt grafisch zur Eile an: Schon sind mehr als 34.000 Abwrackprämien beantragt. Damit sind schon 5,6 Prozent des "von der Bundesregierung bereitgestellten" Geldes so gut wie ausgezahlt. Was für ein durchschlagender Erfolg. Schnell noch die Hotline anrufen. Jetzt!

Denn wenn es so weitergeht, könnten die Mittel nur bis Juli reichen. Bis Juli 2010.

Die Gedanken sind frei

"Viel gelassener als erwartet", reagierten Moslems in aller Welt vor einem Jahr auf Geert Wilders Filmchen "Fitna", eine Horrormär von der Eroberung des Westens durch islamistische Imane und deren dummgläubige Gefolgschaft. Über das propagandistische Meisterwerk wurde seinerzeit mehr geredet als es angesehen wurde - und das gar nicht so gelassen wie unter Moslems. Das niederländische Fernsehen verweigerte die Ausstrahlung, das deutsche brachte lieber Diskussionsrunden, die über den Film sprachen, als seinem Publikum zu zeigen, worüber da geredet wurde.

Richtig so, denn schließlich sind nur die Gedanken frei, nicht aber die, die ausgesprochen werden. Geert Wilders, dem "niederländischen Rechtspopulisten" und "Missionar der düsteren Botschaften" (Spiegel) wurde deshalb jetzt die Einreise nach Großbritannien verweigert. Die Behörden in dem Land, das sich bislang rühmte, politische Ansichten nicht zu zensieren, fürchtet um die öffentliche Ordnung und Sicherheit. Wilders kritisierte die Entscheidung auf seiner Website als Verstoß gegen die Meinungsfreiheit. "Man hätte erwarten können, dass so etwas in Ländern wie Saudi-Arabien geschieht, aber nicht in Großbritannien."

Am Ende eines schönen Tages


Er (oder sie) zeigt uns ganz einfach den Finger. Hatten wir doch in den vergangenen Wochen mehrfach daran gezweifelt, dass er (oder sie) noch kachelt. Zwar war uns die Verbeugung vor einem neuen Werk gelungen, dennoch schwang in unserer Anteilnahme leiser Zweifel mit. Nun aber hat es sich ausgezweifelt: Kachelmann (oder Kachelfrau) ist wieder da, kraftvoll wie eh und je, geheimnisvoll wie immer. Zwei neue Motive, entdeckt wie immer in der Innenstadt (Kardinal Albrecht-Straße, Kreuzung Heinrich und Thomas Mann-Straße), lassen uns aufatmen. Die Farben werden zwar blasser, wir aber wissen: Das ist ein Stilmittel.

Dienstag, 10. Februar 2009

Wiedergeboren in CSI New York

Wie schaffen die das nur? Wie machen die das? Der HFC-Fußballer, der nebenher eine erfolgreiche Rockstar-Karriere pflegt. Die deutsche Schauspielerin, die in ihrer Freizeit ein Hollywoodstar aus Australien ist. Der SPD-Spitzenkandidat, der zwischendurch im Privatfernsehen als Hanswurst "Elton" Furore macht.

Normale Menschen fragen sich angesichts solcher Leistungen, wie das alles gehen kann, ob hier Zauberei oder Betrug im Spiel ist oder gar Doppelgänger eingesetzt werden. Das kann bei James Dean Bradfield (links) ausgeschlossen werden, denn der kleine Waliser, als Sänger der Rockgruppe Manic Street Preachers ("Design For Life") zu regionalem Ruhm gelangt, ist so klein, dass er seit seiner Gastrolle als "Lieutenant Dan" im Kinohit "Forrest Gump" als unfälschbar gilt. Entsprechend begehrt ist der außerhalb der Bühne normalerweise recht wortkarge Künstler bei den Regisseuren dieser Welt: Die Produzenten der beliebten Fernsehserie "CSI New York" machten ihm dann offenbar ein so unwiderstehliches Angebot, dass James Dean Bradfield, dem die Schauspielgene schon im Namen liegen, erstmal Schluß machte mit dem Rock´n´Roll und bei CSI einstieg. Dort gibt der Mann aus Blackpool den angeblich 14 Jahre älteren "Gary Sinise" aus dem US-Bundesstaat Illinois, der wiederum den scharfsinnigen High-Tech-Fahnder Mac Taylor spielt.

Wahre Kenner kann Bradfield so natürlich nicht täuschen, aber das will er ja auch gar nicht: Inzwischen hat er aus der Doppelrolle eine Vexierspiel mit drei Masken gemacht. James Dean Bradfield spielt als Gary Sinise gelegentlich in der "Lieutenant Dan Band“. Nur die Gitarre tauscht er bei Auftritten für einen guten Zweck aus Tarnungsgründen gegen einen Bass.

Noch mehr erstaunliche Wiedergeburten in der PPQ-Wiedergeboren-Datenbank.

Im Namen des Volkes

Er hängte sich in seiner Zelle auf, noch ehe ein Urteil in den rund 200 Fällen von Kindesmißbrauch ergangen war, wegen derer der Liedermacher und Texter Kurt Demmler angeklagt worden war.

Jetzt hat das Volk gesprochen. Im Gästebuch der Homepage des Pop-Dichters, die ihren Gründer überlebt hat. Der Webmaster von Demmlers Seite hat daraufhin das Gästebuch geschlossen. Die Anmerkung allerdings war schneller und hat die Einträge gerettet.