Sonntag, 20. September 2009

Da wächst zusammen, was zusammengehört

Kurz nach der Nachricht, dass der ehemalige anarchistische Straßenkämpfer, Grünen-Spitzenpolitiker und Außenminister Joschka Fischer dem Automobilhersteller BMW künftig als Fachberater für nachhaltige Umweltzerstörung zur Verfügung stehen will, hat der Konzern aus Bayern einen ersten Entwurf Fischers für einen "BMW der nächsten Generation" vorgestellt. Mit Hilfe von Fischers neu gegründeter Firma "Joschka Fischer & Co." wurde der BMW "Streetfighter" entwickelt, mit dem der "letzte Rock´n´Roller" (Fischer) zeigen will dass die Zukunft des Autobaus nicht in der Solartechnik, sondern in der Weiterverwendung gebrauchter Teile liegt.

Mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs jedes Autos falle während der Herstellung an, der "Streetfighter" hingegen komme mit zehn Prozent aus, könne also später entsprechend mehr verbrauchen, ohne weniger sparsam zu sein. Der von "Mad Max", einem von Fischers Lieblingsfilmen, inspirierte Entwurf des sogenannten 68er Modells verbraucht mit 280 PS rund 16 Liter auf 100 Kilometer, sei damit also "kein Frauenauto", wie es bei BMW hieß. Man sei jedoch sicher, dass der Tag kommen werde, "an dem die Leute wieder raus wollen aus ihren italienischen Trabi-Nachbauten und wieder richtige Autos fahren". Fischer, inzwischen vom Lauf zu sich selbst zurückgekehrtes Polit-Schwergewicht mit Beratervertrag beim Atom-Konzern RWE, sei für diese Zeit das richtige Testimonial: "Der Mann ist ein Macho und er lebt das", verriet ein Mitarbeiter.

Samstag, 19. September 2009

Mummenschanz vom Muselmann

Neue Todesdrohung gegen Deutschland! Mit niegekannter Frechheit fordert ein verschleierter Al-Kaida-Kämpfer im Internet den Rückzug deutscher Truppen aus Afghanistan und den deutscher Urlauber aus der Türkei. Anderenfalls werde seine Organisation "noch mehr noch wackligere Videoschnipsel in noch vernuschelteren Sprachen ins Internet stellen". Durch ein Konzept, das Experten "Social-Web Terror" nennen, sei es Al Kaida möglich, "so häufig mit Anschlägen zu drohen, "dass Deine Zeitungen nicht mehr hinterherkommen werden mit dem Warnen vor den Warnungen", verkündet der Sprecher, der hinter einem Tisch aus Sperrholzplatten sitzt und sich nach eigenen Angaben mit einer "alten Unterhose" seines "Freundes Ümir" maskiert hat, "um nicht abgehört werden zu könne". Wie ernst es Al Kaida mit der neuen Drohung meint, zeigt nach Ansicht von Experten die Tatsache, dass die islamistische Organisation erstmals westliche Popmusik verwendet, um "verunsicherte junge Leute" (Al Kaida) im Westen für die "Befreiung Waziristans" zu begeistern. Nach Aussage des Videosprechers, der inzwischen als Al Blabla, der Bayer identifiziert werden konnte, würden bald zahllose junge deutsche Männer, enttäuscht vom Ausgang des letzten Ausgabe von "Schlag den Raab" dem Westen "den Heiligen Krieg erklären, sich alte Unterhosen oder Handtücher um den Kopf wickeln und in ihren Kinderzimmern Fernsehstudios" zur Herstellung von Drohvideos einrichten. Inwieweit die Staatssicherheit der ehemaligen DDR mit den Taliban-Kämpfern zusammenarbeitet, ist derzeit noch unklar, das BKA prüft aber inzwischen einen Hinweis, der im Video offenbar unabsichtlich gegeben wird: Danach spricht der Moderator davon, dass sein Studio aussehe "wie das Studio von Elf99", einer Sendung, die sich zu DDR-Zeiten großer Popularität erfreute. Worauf der wiederholte Ausspruch "Ich bin das Walroß, rukedikuh, ihr seid die Eiermänner" zielt, liege derzeit noch völlig im Dunkeln, hieß es in Wiesbaden. Sicher sei, dass das Video "hochprofessionell" unter Verwendung von Strom und einer Handykamera angefertigt wurde.

Optimismus aus Übersee

Rätsel, Rätsel, Rätsel überall im Land. Woher nimmt der Walter Steinmeier nur seinen Optimismus, fragen sich die einfachen Menschen draußen auf den Marktplätzen, auf denen die Schneeeule der deutschen Sozialdemokratie äußerlich unbeeindruckt von verheerenden Umfrageresultaten mit Krächzstimme darum kämpft, die Deutschen künftig aus dem Kanzleramt umfassend kontrollieren, bevormunden und in neue Kriege führen zu dürfen.

Wie immer ist es Google, das Schweizer Taschenmesser des Datennetzes, das uns hilft, das Geheimnis um Walter Steinmeiers unerklärlichen Glauben an ein Happy End am Wahltag zu lösen. Die Suchmaschine aus Übersee weiß heute schon, was nach dem 27. September sein wird. Ja, auf die angefangene Frage "Steinmeier ist?" schlägt Google vor "Steinmeier ist Kanzler". Was denn auch sonst, sagt Franz Müntefering, zu dem den der Netzgigant als erstes assoziiert: "Müntefering neue Freundin". Während sie bei "Merkel" vorschlägt, "ist Jüdin", "isst gern Döner" oder "ist tot".

Dem Morgenrotrot entgegen

Die ganze Wahrheit über Google

Freitag, 18. September 2009

Wer hat es gesagt?

Wenn jemand ein Ding hinter einem Busche versteckt, es ebendort wieder sucht und auch findet, so ist an diesem Suchen und Finden nicht viel zu rühmen.

Qualitätsjournalismus, geklaut

Wo die Verleger doch jetzt so jammern, dass ihnen ihr handgemachter Qualitätsjournalismus dauernd geklaut wird, gehen wir gleich mal mit gutem Beispiel voran und stehlen aus dem superaufwendig von zahllosen Praktikanten zugetexteten Magazin "Focus" ein imponierendes Beispiel für elegant formulierte Volksaufklärungspoesie. Rechnerisch gibt der Beitrag Rätsel auf, aber der "Focus" steht eben für knallharte Recherche, Fakten, Fakten, Fakten und Helmut Markwort, nicht für Mathematik.

Ohne die kommt er zu solchem Ergebnis: "Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würden die Sozialdemokraten im Vergleich zur Vorwoche um 3 Prozentpunkte zulegen und auf 26 Prozent kommen. Die Union bleibt nach der am Donnerstagabend in den ARD-„Tagesthemen“ veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap unverändert bei 35Prozent. Die FDP erreicht 14 Prozent (unverändert), die Linke 11 Prozent (minus 1) und die Grünen kommen auf 10 Prozent (minus 2). Schwarz-Gelb hätte demnach mit 49 Prozent weiterhin einen knappen Vorsprung vor dem linken Lager, das auf 47 Prozent kommt.

Auch in der Kanzler-Frage haben sich Merkel und Steinmeier angenähert.

Donnerstag, 17. September 2009

Angelas Fischerhütte: Innen hui, außen pfui

Nach Jahren ist sie zurückgekehrt, die Kanzlerin, an den Ort, an dem sie als junge Politkerin ein halbes Dutzend kernige Fischer ins Halbkoma schwatzte, so dass die, soweit noch dazu fähig, sie seitdem wählen und wählen und wählen. Da oben in Lobbe, wo Rügen zu Ende ist, bietet jede Dorfschenke frischen Rügenfisch an, der offenbar durchweg im Kühlschiff aus Norwegen geliefert wird, denn "der letzte von uns", erzählt Ex-Fischer Eberhard Heuer, "hat 1998 aufgehört". Durch das EU-Recht mit den Fangquoten habe niemand mehr von der Fischerei leben können, sämtliche zwei Millionen Fischgaststätten auf Rügen mussten auf Atlantik-Lachs umstellen, der vor dem Braten zwei Tage in Boddenwasser gelaugt wird.

Angela Merkel, die nach Ansicht der beiden Fischer, die zum großen Wiedersehen vor der "Bild"-Kamera gekommen sind, "älter" geworden zu sein scheint seit 1990, trägt wie immer ihren "camelfarbenen" (Bild) Pokemon-Blazer und tröstet: "Wir werden alle nicht jünger". Die Baracke, in der diese bemerkenswerte Weisheit ausgesprochen wurde, sieht von außen aus wie unten im Bild, sie zu betreten ist verboten, das Ordnungsamt Lobbe wird den Kanzlerinnenbesuch deshalb mit einem Ordnungsgeld ahnden müssen.

Ein schönes Stück europäischer Kultur

Langsam spricht es sich auch in Übersee herum: Demokratie und Fernsehkultur sind originär europäische, wenn nicht sogar deutsche Erfindungen. Glücklicherweise hat es sich unser kleines Propaganda-Blog PPQ zur Aufgabe gemacht, diesen schönen Gedanken in die Welt hinaus zu tragen - und das mit Erfolg, wie das ehrfürchtige Echo aus Übersee zeigt. Auch das vor allem in Missouri vielgelesene Magazin Eurokulture kann dem am letzten Sonntag in einem bundesweiten Großversuch erstmals auf vier Fernsehkanälen gleichzeitig gezeigten Krimi "Das Duell" seinen geharnischten Respekt nicht versagen. Während einheimische Medienkonzerne über "Den schlechtesten ,Tatort´ aller Zeiten" lamentieren, kommt die Botschaft in Obama-Amerika an: "Simplicity in Diversity’ (Eurokulture) ist ein Trend, dem sich niemand entziehen kann, der "Prime Minister Merkel’s recent television performance" (Eurokulture) gesehen hat. Wo aber kommt der Goebbels her? Der hat doch diesmal gar nicht mitgespielt?

Druck! Druck! Eisenstuck!

„Druck, Druck, Eisenstuck“, dröhnt es aus Kakoos voluminöser Brust, auf der frischer Schweiß feucht glänzt. Der Mann mit dem dekorativen Strichcode-Tattoo am Halsansatz wälzt sich auf dem Bühnenboden, er lässt Flammen aus dem Keyboard schlagen und wirft den Mädchen in der ersten Reihe nasse Kußhände zu. Dazu tönt er sinnlich „Carola Stern / und Oliver Nix / stehen und sterben / tragische Tricks“. Kakoo, der Hühne mit dem Heldentenor, ist Sänger bei Eisenstuck, einer Band, an der sich die Geschmäcker scheiden. Hier treffen heftige Core-Gitarren auf Opern-Pathos, Keyboard-Teppiche grundieren beißend scharfe Systemkritik und wummernde Beats begleiten Texte, in denen Drummer Wurstmann eine namenlose Ex-Geliebte stöhnend um Bestrafung anfleht, denn: „Ohne Dich spür ich mich nicht“.

Eisenstuck, die jetzt als erste Band weltweit die Rammsteinballade "Pussy" coverten, sind keine Neulinge. Dreizehn Jahre hielten sich Kakoo, Wurstmann und Keyboarder Kneiperer in einem Kellerstudio am Dresdner Stadtrand vergraben, um die Erfahrungen aus ihren früheren Bands This Tragic Youth, Kaltkrawall und Elvis`Erben in eine neue Form zu gießen.

Erst all diese unterschiedlichen Einflüsse zusammen ergeben Eisenstuck. Letztes Jahr noch spielten die sechs im Vorprogramm von Punklegende Frank Black - und den Hauptact mit ihrer rauschhaften, wahlweise mit Revolutions- und Turbokapitalismus-Phantasien oder Todesängsten gespickten Show locker an die berühmte Wand. Das hatte Folgen: Erst nahm sich Ex-Onkel-Manager Carol Schrotthofer der seltsamen Gesellen an, dann drängte sich Underbelly-Produzent Jacob Crawes, der die Band zufällig bei einem ihrer seltenen Konzerte gesehen hatte, anschließend spontan hinter die Bühne, um ihnen seine Mithilfe bei der Produktion des Debütalbums anzubieten.

Sie haben abgelehnt, noch gezeichnet vom Schock um das Verschwinden ihres langjährigen Begleiters Drechselerer, der Mitte Mai von einem seiner seltenen Ausflüge in die sehenswert rekonstruierte Dresdner Innenstadt nicht zurückgekehrt war. Stattdessen haben Eisenstuck auf ihre eigene Kraft vertraut.

Und nun ist es soweit. Eisenstuck, die sich auf den obskuren ostdeutschen Liedermacher Gerhard Schöne als Namenspaten berufen, haben ihre erste Platte fertig. Das schlicht „Seuchenmatte“ betitelte Werk versammelt Brutalo-Klänge allererster Güte: Industrial-Rhythmen kämpfen gegen geschliffene Gitarrenriffs, klassische Chöre federn Kakoos wagnerianisches Röhren gegen scharfkantige Computerloops ab.

Eisenstuck sind dabei sehr absichtsvoll alles andere als politisch korrekt. In „Hype my heart“, dem mit Abstand eingängigsten der elf Stücke, keucht Kneiperer etwas, das böse Zungen eine Weltuntergangsbeschwörung nennen werden. Auch sonst geht es gnadenlos zur Sache. „Lass mich ran / stell dich nicht so an“, heißt es im heftigen Opener „Lass mich“, und „Schweigen für den Augenblick / Schweigen für den Tag“, reimt das stets barbrüstig hinter einem saalhohen Gitter auftretende Sextett in „Ende nah“.

Eisenstuck ist Pose und Provokation, Pomp und Pop. Eisenstuck lebt von der bemerkenswerten Begabung seiner Mitglieder zur abstrusen Übertreibung: Die Welt ist schlecht, die Apokalypse nah und nur grausam-klare Wahrheit kann uns retten. Die Band sei an jenem Herbstabend in der heute längst legendären Dresdner Diskothek „wie aus einer höheren Bestimmung heraus entstanden“, beteuert Trommler Wurstmann ganz ernsthaft. Eine Art Wink des Schicksals. „Die alte Gesellschaftsordnung war zusammengebrochen, alle unsere alten Freundinnen hatten uns verlassen, in unseren alten Bands lief es nicht mehr - da trafen wir uns und es war klar: Wir müssen Eisenstuck sein.“

Axtverbot ins Grundgesetz

Nach dem Axt-Überfall eines 18-Jährigen auf ein Gymnasium in Ansbach, bei dem auch Molotow-Cocktails und Messer zum Einsatz kamen, haben Politiker wie immer eine Verschärfung des Waffenrechts gefordert. Der Täter hatte nach Angaben der Polizei zwei Mädchen schwer und sieben weitere Schüler leicht verletzt, als er zwei Brandsätze in eine neunte und eine elfte Klasse schleuderte.

Unmittelbar nachdem die Polizei den Täter gestoppt hatte, begann die politische Nachbereitung des Ereignisses durch den Gewaltexperten Christian Pfeifffffer, dereinst Entdecker des gewaltauslösenden Potentials des Kollektivtopfens in der DDR, der sich sofort Zeit für einige Fernsehauftritte nahm. Pfeifffer warf den Medien vor, durch zahlreiche Berichte über Amokläufe mit seiner eigenen Unterstützung dafür zu sorgen, dass Amokläufer den Eindruck gewännen, sie könnten durch ihre Tat berühmt werden. Er, Pfeiffer, beweise hingegen seit Jahren, dass man nicht selbst Amok laufen müsse, um ins Fernsehen zu kommen. Es reiche völlig, über Amokläufe zu reden.

Das politische Berlin repetierte derweil die kurz nach dem Amoklauf von Winnenden erschlaffte Diskussion über ein schräferes Waffenrecht. Äxte dürften künftig nicht mehr in Baumärkten und nicht mehr an Minderjährige verkauft werden, forderten Spitzenpolitiker. Wer Äxte oder Messer besitze, müsse künftig mit verdachtsunabhängigen Kontrollen durch die Ordnungsämter rechnen, wer hingegen Flaschen und/oder brennbare Flüssigkeiten Jugendlichen zugänglich mache, habe mit einer Geld- oder Haftstrafe im mindestens zweistelligen Bereich zu rechnen.

"Der Staat muss konsequent sein", hieß es aus der Bundes-SPD, die die lasche Haltung von Klimakanzlerin Angela Merkel zum Verbot von Killerspielen für die Tat verantwortlich macht. Die "Linke" wies darauf hin, dass bei einer rechtzeitigen bundesweiten Einführung des in der DDR bewährten Abiturs nach 12 Jahren gar kein Schüler der 13. Klasse Amok hätte laufen können. Führende linke Politiker erneuerten ihre Forderung, die Zahl der Polizisten im Lande zu erhöhen. "Nur der Personalabbau bei der Polizei erlaubt es den Tätern, ihre Taten durchzuführen", hieß es im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin. In der DDR, die noch über einen gut ausgebauten Sicherheitsapparat verfügt habe, sei es zu solchen Vorfällen nie gekommen, obwohl Äxte, Beile und Messer zum Teil frei verkäuflich und manchmal sogar erhältlich gewesen seien.

Das Bundeskanzleramt schloß eine Gesetzesänderung noch vor der Bundestagswahl aus, kündigte jedoch an, nach dem Urnengang vom 27. September Maßnahmen ergreifen zu wollen, um Messer, Gabel, Scher` und Licht durch Polizei und Ordnungsbehörden schärfer kontrollieren zu können. "Es geht um unsere Kinder", erläuterte ein mit den Planungen vertrauter Berater der Klimakanzlerin, warum die Große Koalition ein Axtverbot ins Grundgesetz aufnehmen will. "Wenn wir dadurch der das Aufstellen von Stoppschildern vor Besteckregalen nur ein einziges Kind retten können, dann müssen wir das tun."

Gekeuchter Kataklysmus

Von wegen, sie ficken selbst! Cineasten erkennen es sofort. Rammstein, die Rummelcombo aus den Mecklenburger Weiten, hat sich im "Skandalfilm" (Bild) zu ihrem neuen Liedlein "Pussy" ganz eindeutig doubeln lassen. Mit flotten Schnitten soll darüber hinweggetäuscht werden, doch die Provokation ist hier wie überall im Rock´n´Roll seit dem Tod von Keith Moon nur billige Pose, imitiert von outgesourcten studentischen Hilfskräften.

Echte Kunstblut-Rocker wie die aus Dresden stammende Kultkapelle Eisenstuck haben solches Schmierentheater nicht nötig, sie brauchen kein nacktes Fleisch und keine schiefen Ständer, um ihre Zuhörer im Gefühl zu wiegen, etwas ganz Entscheidendes zu verpassen. Hier brennen die Flammen noch selbst, hier juckt keinem Assistenten der Schritt, hier wird keine Mietpussy bemüht. "Devils Deep" ist gekeuchter Kataklysmus auf ein stolperndes Schlagzeug aus dem Spielzeugladen, der Triumph der Authentizität über den Anschein, nicht Sex, sondern mindestens sieben auf der nach unten offenen Geschmackskala. In Dresden schon ein Geheimtipp in Künstlerkreisen!

Mittwoch, 16. September 2009

Wiedergeboren als Citibank-Kunde

Er ist einer der größten Rocksänger der Welt, ein Star mit gutem Herzen, der im Glauben fest geblieben ist und so schon Afrika und das Weltklima retten konnte. Auf der Bühne ist Bono Vox, der eigentlich bloß Paul Hewson heißt, für die Fans der Popgruppe U2 ein Gott, auf der Straße aber, wenn er gerade vom Geldautomaten kommt und auf den Bus wartet, bleibt der 49-Jährige mit den Stiefelbeinen auf dem Marmorfußboden. Das Notizbuch in der linken Hand enthält übrigens schon alle Songtexte für das im Jahr 2011 zur Veröffentlichung anstehende Album "November", mit dem das irische Quartett an die dann genau drei Jahrzehnte zurückliegende Veröffentlichung ihres ersten Großwerkes "October" erinnern will.

Geradewegs in den Untergang

Noch ein Beleg dafür, wie schnell es mit den "neuen Medien" zu Ende geht. Aber das sagen wir ja schon lange.

Millionen für die Mutterloge

Zentrale Maßnahmen des Konjunkturpakets II, so zumindest flunkerte die Bundesregierung bei der Verabschiedung des Rettungspaketes, sei die "Förderung von Investitionen zur Modernisierung des Landes", die "steuerliche Entlastungen und Stärkung der Familien" und der "Einbau einer Schuldenbremse".

Im Zuge der Umsetzung des Maßnahmeplans hat Bauminister Wolfgang Tiefensee jetzt einen Förderbescheid an die Nationale Wissenschaftakademie Leopoldina übergeben, mit dem diese einer Freimaurerloge aus Berlin das traditionsreiche Tschernyschewskij-Haus in Halle abkaufen kann. Bis vor einigen Jahren hatte die Universität das Haus genutzt, dann war es der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ zurückübertragen worden.

Die konnte nichts damit anfangen und ließ das Haus verfallen. Ein Käufer war nicht in Sicht, ja, es wurde nicht einmal versucht, einen zu finden. Dennoch ist er jetzt da: Mit 15,7 Millionen Euro aus dem Rettungspaket II wird das monumental große Gebäude zuerst einmal gekauft und dann renoviert, auf dass die Nationale Akademie später einen zünftigen Hauptsitz vorweisen könne.

Die Waldschrate werden nicht alle in Amerika

Verbot der Woche: Boykott gegen Brasilien

Er ist der erfolgreichste DSDS-Sieger, hat Millionen Platten verkauft und den deutschen Boulevard-Medien Seiten gefüllt wie kaum ein anderer. Jetzt aber steht Mark Medlock, ein junger Künstler, an den sich kaum jemand erinnern kann, der schon einmal ein Lied von ihm gehört hat, vor einem Verbot durch den deutschen Verfassungsschutz.

Grund ist ein Ausflug Medlocks nach Brasilien, wo er wegen des in Deutschland klimawandelbedingt miserablen Sommers ein Video zu einem neuen Hit drehen musste. Nach ASngaben des Musikmagazins "Bild" "versprühe" Medlock im Film "mit seinem Sommersound gute Laune", er trage "witzigerweise sogar eine Jacke mit dem Gesicht von Dieter Bohlen". Das dicke Ende aber entsetzt alle Demokraten: "Nach knapp zwei Minuten sind im Video Medlocks Tänzer zu sehen, die sich ausgelassen vor einer Wand bewegen" - und an dieser Wand hänge ein Hakenkreuz!

Hilflos der Versuch von Medlock-Manager Volker Neumüller, die Verantwortung auf andere Länder und fremde Sitten abzuwälzen. Medlock habe, "natürlich keine Nazi-Symbole in seinem Video verwendet", sondern nur eine Kneipenwand in Rio, die von "internationalen Künstlern gestaltet" worden sei. Verwendung dabei habe auch die "Swastika" gefunden, bei der es sich um "ein sehr altes Symbol" handele, "das unter anderem im Hinduismus eine wichtige Rolle" spiele. Das Symbol sei vor allem in Indien verbreitet und dort auch nicht verboten.

Nach dem Hinweis aufmerksamer Blockwärter und Blockwärterinnen will Mark Medlock dennoch schnell handeln. "Wir werden die entsprechende Szene trotzdem aus dem Video nehmen“, kündigte sein Manager an. Die Verfassungsschutzbehörden haben allerdings inzwischen intern klargestellt, dass diese Maßnahme allein nicht ausreichen wird. Das Video kursiere in der verfassungsfeindlichen Version bereits "im rechtsfreien Raum Internet", die berühmt-berüchtigten "Falschen" applaudierten Gerüchten zufolge auch schon, nachdem sie durch die "Bild"-Zeitung vom Hakenkreuz-Hit erfahren hätten.

Konsequenz aus dem Fauxpas müsse deshalb entweder ein sofortiges Verbot von Mark Medlock sein oder aber dessen Bereitschaft zum kompletten Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Brasilien.

Vor einem solchen Schritt, der das südamerikanische Land international völlig isolieren würde, stünden vorerst aber bilaterale Gespräche auf höchster Ebene an, zu denen führende indische Hinduisten geladen werden sollen. Die Bundesregierung wolle darauf dringen, das Zeigen der vorgeblichen "Swastika" auch auf dem indischen Subkontinent als verfassungsfeindliche Tat unter Strafe zu stellen. Anderenfalls müsse vermutlich auch Indien mit den Konsequenzen leben: Man werde keine Mark-Medlock-CDs mehr in das asiatische Land exportieren und bislang ausgeführte Exemplare zurückverlangen.

Wahlkampf mit wirren Linien

Andere haben den Wahl-O-Mat, der nach Beantwortung der Frage "Sind Sie für den A) Frieden? oder B) Krieg?" einen passenden Platz für das Kreuzchen am 27. September empfiehlt. Google dagegen hat ein "Trendtool", das den nach dem großen Kanzlerduell verschärft verunsicherten Volksmassen noch weiter hilft: In wirren Linien nimmt das Wahlwerkzeug aufgrund der über Google gestellten Anfragen vorweg, was "Forsa" und "Infratest" bisher teuer von unlustigen Studenten erstellen lassen mussten. Das Ergebnis des von 14 Millionen Hartgesottenen Wahlbürgern tapfer durchgestandenen Fernsehduells ist danach klar. Sowohl Steinmeier als auch Merkel haben an Beliebtheit zulegen können - der normale Effekt eines Fernsehauftritts also.

Gesänge fremder Völkerschaften: Boogie in LA

Völkerkunde hört ja nicht im Wahlkampf auf, Musikwissenschaft und Brauchtumsforschung können nicht Pause machen, nur weil eine "Schicksalswahl" (Müntefering) ansteht. In einem großangelegten Experiment sammelt das ethnologische Extrem-Board PPQ seit Jahr und Tag die melodanten Entäußerungen fremder Völkerschaften, um statt des von Samuel P. Huntington vorausgesagten "Krieg der Kulturen" einen "Freundschaftstanz der Völker" auszulösen. In Los Angeles gehen junge Menschen heute schon mit gutem Beispiel voran: Zum verhältnismäßig besinnungslos bollernden Boogie-Ersatz einer namentlich nicht bekannten Grunge-Band schieben sie einen Friedenswalzer übers Parkett in "Hennessey's Tavern".

Kein Fake!

In seiner großen Güte und Weitsicht bringt der Weltgeist hin und wieder Dinge zusammen, die nicht zusammengehören wollen, und doch zusammengehören. Die unten zu sehende Rückseite des Fernsehmagazins "Prisma" ist solch ein Fall. Wie ein Sonnenstrahl durch die Wolken bricht, so werden hier alle Diskussionen um Kanzler-Duelle und Wahlkampf-Gewürge in das sanfte Licht der Erkenntnis getaucht, vulgo: ausgekotzt.