Sonntag, 16. September 2012

Sätze für die Ewigkeit XIX

Zwei Jogger, die sich nach 20 Jahren zufällig beim Laufen wiedertreffen und sich schnell einig sind, wie es so läuft.

Halb so schnell und doppelt so kaputt.

Deutschland rettet die Welt

Prächtige Nachrichten aus Hamburg! Wie die „Zeit“ in einem instruktiven Beitrag zur Verbesserung der Welt feststellt, könnte Deutschland nicht nur Griechenland, Frankreich, Spanien, Italien und Portugal retten, sondern auch die Meere der Antarktis. Unbeeinträchtigt davon wäre die Fähigkeit des Landes, auskömmliche Renten für alle zu sichern, die Rentenbeiträge zu senken, den Energieausstieg zu meistern, den Mittelstandsbauch abzuschmelzen, die Tabaksteuer weiter zu erhöhen und den Afghanistan-Einsatz fortzuführen, „so lange das nötig ist“ (Friedrich).

Andere Regierungen der Welt hätten andere Probleme; die Antarktis scheine weit weg, analysiert das großformatige Magazin. Deshalb müsse Deutschland jetzt handeln: Als von Naturkatastrophen wie dem Klimawandel traditionell am härtesten getroffenen Nation der Erde sei die deutsche Regierung in einer hervorragenden Position, bei der Antarctic Ocean Alliance - einem Zusammenschluss aus 16 internationalen Umweltschutzorganisationen, darunter Deepwave, Greenpeace und dem WWF – Druck für die Umsetzung des Planes zu Erschaffung eines Netzwerkes aus 19 Meeresschutzgebieten zu machen. Das wären dann Zonen, in denen die Fischerei, das Baden, Kreuzfahrten und der Abbau von Ressourcen stark eingeschränkt oder verboten sind. „Wie ein Ring würde sich das Netzwerk um die antarktische Landmasse legen – und diesen einmaligen Lebensraum schützen, jetzt da er noch weitgehend intakt ist“, schwärmt die „Zeit“. Später könne der Ring nach und nach Richtung Äquator ausgedehnt werden.

Deutschland sei „strategisch durchaus in der Lage, ehrgeizig aufzutreten“. Das Verbot der Glühbirne, die flächendeckende Einführung von Feinstaubzonen und der Versuch, als erstes Land weltweit zu einem Energieausstieg der gesamten Wirtschaft zu kommen, habe "Deutschland prädestiniert, im Kampf um den Schutz der Antarktis-Meeresumwelt eine Vorreiterrolle einzunehmen“. Auch mit dem angestrebten Ausstieg der gesamten Wirtschaft aus dem Energieverbrauch könne Deutschland punkten.

Das sei dringend notwendig, wie aktuelle Zahlen von der Vernichtung der Buckelwale vor der brasilianischen Küste zeigten. Hier sei die Katastrophe gleich der um das anhaltende Aussterben der Eisbären greifbar. Eine zweifellos menschengemachte Überbevölkerung kündige sich an, nachdem sich die Zahl der von Aussterben bedrohten Wale in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht hat. Mittlerweile seien fast 10.000 Tiere in der Region vom Aussterben bedroht, wie das brasilianische Buckelwal-Institut mitteilte. Noch 2002 waren lediglich rund 3.000 Exemplare in dem Paarungsgebiet der Spezies gesichtet worden, mit deren Fett früher Straßenlampen betrieben worden waren.

Abschied vom Bann, willkommen Fluch

Diesmal muss es, diesmal muss es wirklich sein. Nach einem halben halben Dutzend an Misserfolgserlebnissen kam Darmstadt 98 der Mannschaft von Trainer Sven Köhler gerade recht, um zwei Böcke umzustoßen. Einmal sollte die auch nach acht Spieltagen noch torlose Offensive endlich treffen. Und andererseits hatte sich die beste Abwehr der Liga vorgenommen, trotz des Ausfalls von beiden etatmäßigen Innenverteidigern endlich mal wieder ein Spiel nicht zu verlieren.

Am Ende waren beide Mannschaftsteile dann auch nah dran, so nah wie nie sogar, seit der letzte Heimsieg gegen Rot-Weiß Erfurt gelungen war. Das ist einige Wochen und einige empfindliche Pleiten her. Auch die Elf, die Köhler unterdessen aufzustellen gezwungen ist, gleicht der von damals nur noch rudimentär. Dennoch macht sie ihre gegen die Lilien anfangsausgezeichnet. Vor allem der wirblige Erich Sautner, für den als zweiter Sechser aufgelaufenen Toni Lindenhahn auf außen, dribbelt sich immer wieder in aussichtsreiche Flankenposition. Wie meist im Verlauf dieser ersten Drittliga-Saison der Hallenser kommen die Bälle zwar nicht beim einziger Stürmer Nils Pichinot an. Aber dessen Hintermann Telmo Texeira, der schon nach zwei Minuten gefährlich auf das Darmstädter Tor geschossen hatte, macht es nach 35 Minuten besser: Aus vier Metern nimmt er eine Sautner-Flanke mit dem Kopf und versenkt sie.

Endlich mal wieder eine Heimführung, endlich mal wieder nicht einem 0:1-Rückstand stundenlang vergebens hinterherlaufen. Der HFC lässt sich auch nach dem ersten Treffer eines Offensiven in dieser Saison nicht von der rustikalen Gangart der Gäste irritieren. Mast, Lindenhahn und Sautner drücken, hinten stehen die beiden Ersatz-Innenverteidiger Wagefeld und Zeiger meist sicher - und wenn nicht, rettet Torwartdenkmal Darko Horvat.

Als Mast nur vier Minuten nach Texeiras Führungstreffer zum 2:0 trifft, sind alle Messen gesungen. Vier Gegentreffer hat der HFC in den bisherigen sieben Saisonspielen kassiert, selbst wenn hier noch war für die Darmstädter geht, dürfte es also reich rechnerisch nicht mehr zu einem Punkt reichen. Zumal der in die ganze Saison fehlgestartete Gast selbst nicht mehr an seine Chance zu glauben scheint, denn er überlässt dem HFC auch nach der Pause weitestgehend das Spiel.

Woran es dann gelegen hat, wird nach Abpfiff niemand so genau sagen können. Denn obwohl Halle das Spiel im Griff hat und Darmstadt seine wenigen Chancen entweder nicht konsequent ausspielt oder aber an Torwart Horvat scheitert, passiert, worauf in der 80. Minute nach keiner der 7000 Zuschauer auch nur einen Kriseneuro gesetzt hätte. Erst zappelt der Ball einmal im Netz hinter Horvat. Und kaum hat Sven Köhler auf den nachlassenden Vorwärtsdrang seiner Männer reagiert und Preuß und .... für Hartmann und Sautner gebracht, steht es 2:2.

Immerhin: Originell ist das. War es bisher immer die Offensive, die die Spiele verloren hat, während die Defensive sie gewann, ist es heute mal andersherum. Der aussortierte Andis Shala sieht von draußen, wie die sicher geglaubten drei Punkte sich in einen einzigen verwandeln, obwohl der Erfolgsbann, unter dem die HFC-Stürmer und ihre offensiven Mittelfeldkollegen bisher standen, endlich gewichen ist. Und er sieht außerdem, wie die keineswegs schlecht aufgelegte Abwehr ihre erste große Pleite erlebt.

Ernüchterung überall, schließlich hatte auch die Vereinsführung das Spiel gegen Darmstadt zur Sechs-Punkte-Begegnung ausgerufen, durch die ein weiterer großer Schritt zum Klassenerhalt gegangen werden sollte. Fehlanzeige, auch wenn der eine gewonnene Punkt mehr ist als das in den letzten verlorenen Heimspielen stabil eingeheimste Lob, die bessere Mannschaft gewesen zu sein. Nach zwei Monaten in der neuen Liga aber steigt der Druck, auch zu Hause mal wieder erfolgreich zu sein - und Druck war bisher nie etwas, das den Hallensern wirklich lag.

Samstag, 15. September 2012

Die nächste Empörung bitte


Das ist nämlich "Buddha bei die Fische" ...

Mit gegen für

So debattiert Deutschland über den den islamfeindlichen (Spiegel, dpa und alle anderen) Mohammed-Film "Die Unschuld der Muslime": "Ich hoffe, es gibt rechtliche Mittel, die Ausstrahlung des Films zu stoppen. Ich kenne den Film und seinen Inhalt nicht, kann deshalb nicht darüber urteilen."

Wer hat es gesagt?

Freiheit ist keine Spielwiese für anarchistische Willkür und kein Tummelplatz für destruktive Nörgler.

Armut: Steigendes Sinken

Mit dem Zählen ist es schon schwierig, aber Rechnen können sie auch nicht. „Jeder siebte Deutsche ist von Armut bedroht“, meldet die Qualitätspostille „Welt“ unter Bezugnahme auf das Statistische Bundesamt - und weil das Blatt nicht selbst gerechnet hat, sondern die Mathematik an die einzige wahre staatliche Danachrichtenagentur dpa ausgelagert wurde, steht das genauso in allen anderen 432 deutschen Zeitungen, Online-Nachrichtenportalen und Premium-Magazinen.

Erstaunlich ist das, weil zugleich wie jedes Jahr um diese Zeit berichtet wird, dass „die Gefahr, in die Armut abzurutschen“, in Deutschland „gestiegen“ sei. Die „sogenannte Armutsgefährdungsquote“ habe im Jahr 2011 15,1 Prozent betragen, im Jahr zuvor habe sie noch bei nur 14,5 Prozent gelegen.

Ein Zahlenwunder, war doch seinerzeit noch gemeldet worden, das jeder sechste Deutsche arm sei. Und noch ein Jahr zuvor war alles sogar noch viel, viel schlimmer: „Nach den Daten, die sich auf das Jahr 2008 beziehen, sind insgesamt 15,5 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht“, hieß es damals im Armutsbericht der Bundesregierung. Eine Situation, die seitdem auch nicht besser wurde: Nach Berechnungen der staatlichen Nachrichtensendung „Tagesschau“ war noch im März 2012 „fast jeder sechste Deutsche“ arm oder von Armut bedroht.

Mit einem Trick ließ sich die Schreckensbilanz sogar noch aufhübschen. „Rechnet man Personen, die Sozialtransfers wie beispielsweise Hartz IV oder Kindergeld erhalten, noch hinzu“, imaginierte die „Tagesschau“ eine Situation, in der niemand mehr Sozialtransfers bekommt, „verdoppelt sich das Armutsrisiko. Das bedeutet, dass jeder vierte Deutsche arm oder armutsgefährdet ist. Das sind mehr als 20 Millionen Menschen.“ „Jeder vierte Deutsche“ sei damit arm oder armutsgefährdet.

Heute ist es nur noch „jeder siebte Deutsche“, das aber bedeutet rätselhafterweise, dass „die Gefahr, in die Armut abzurutschen, ist in Deutschland gestiegen“ ist, wie die „Welt“ reportiert.

Eine bestechende Berechnung. Noch mehr steigen könnte die Armut nach dieser gänzlich arithmetikfreien Logik, wenn jeder zehnte, 20. oder gar 50. Deutsche arm würde, und sei es eventuell nur dadurch, dass man alle Personen hinzurechnet, die derzeit noch Arbeit haben, diese aber ja durchaus auch verlieren könnten. Die Armut wäre allgemein, spätestens bei „jeder hundertste Deutsche arm“ sogar allumfassend, nach "Welt"-Maßstäben.

Denn wie sagte einst der Fußballer Horst Szymaniak, als er in Gehaltsverhandlungen mal richtig hart pokern wollte: „Ein Drittel mehr Geld? Nee, ich will mindestens ein Viertel“.

Armut im Archiv:
Jeder vierte, sechste und siebente Deutsche ist arm oder könnte es bald sein
Jeder Achte ist jetzt schon jeder Sechste
Armut trifft vor allem Armut

Freitag, 14. September 2012

Kleines Ding


Es ist unglaublich (beschämend, empörend etc.), mit was für kleinen Flaggen sich die Angestellten der Empörungsindustrie zufrieden geben müssen. Andererseits stellt sich natürlich die Frage, ob nicht der deutsche Staat wegen der Winzig-Fahne beleidigt sein müsste. Im Auswärtigen Amt grummelt es schon: "Wie stehen wir denn jetzt da? Es ist beschämend und empörend, dass es im Sudan keine ordentlichen Deutschland-Fahnen zum Verbrennen gibt. Das wirft übrigens auch kein gutes Licht auf die Arbeit von diesem Niebel ..."

Verbot der Woche: Spalterischer Populismus


Hinweg mit Furcht und Feigheit, endlich stellt sich das junge, demokratische Europa seinen Feinden! An die Spitze der europäischen Idee hat sich Italiens amtierender Regierungschef Mario Monti gesetzt – ein Mann, der keinen Zweifel daran lässt, dass er Europa bis zum Letzten verteidigen wird. An Ideen, wie das gehen sollte, mangelt es dem früheren EU- Binnenmarkt-Kommissar nicht. Man könne zum Beispiel "spalterischen Populismus" unter Strafe stellen, schlug er vor. Wer sich gegen die "Vollendung der Integration" einsetze und damit eine „Rückbildung der Union“ in Kauf nehme, müsse von allen aufrechten Demokraten bekämpft werden. Die „unmenschlichen Maßnahmen der Spalter“, assistierte die Bundesregierung, müssten vor aller Welt angeklagt werden.

Monti, im Nebenerwerb Berater bei Goldman Sachs, verspricht sich von einem massierten Vorgehen gegen Euroskeptiker, -zweifler und -leugner einen Schub nach vorn für das europäische Zusammenleben. Im Rahmen der PPQ-Aktion „Verbot der Woche“ könnten praktische Konsequenzen gegen Populisten zeigen, dass es sich für niemanden lohne, Europa in Frage zu stellen. Falsches Denken müsse bekämpft werden, wo es auftrete, unterstützt von einer groß angelegten Propagandaoffensive, die den wenigen versprengten Anhängern der "spalterischen Populisten" zeige, dass Europa ohne sie besser auskomme.

Gehaltstabelle aus der Großgeldquelle

Nun ist er endlich da, der ESM, die Großgeldquelle, aus der in den kommenden Jahrzehnten Stabilität und Wohlstand für alle Völker Europas sprudeln werden . Aber nicht nur für sie, sondern auch für die künftigen Bediensteten ist die Einrichtung der Rettungsinstitution ein wahrer Segen, wie Papiere verraten, die die Piratenpartei unter Verletzung aller Geheimhaltungsvorschriften gestohlen und  haben öffentlich zugänglich ins Internet gestellt hat. Nach der vertraulichen "VS-NfD Anlage 14" ist der ESM auch eine Badewanne für Bürokratenträume: Mitarbeiter haben hier nicht nur Anspruch auf 30 Tage bezahlten Urlaub im Jahr, wobei nicht abgegoltene Urlaubsansprüche nicht zum nächsten April verfallen, sondern "drei Jahre lang mitgeführt" werden können.

Nein, hinzu kommen auch noch "17 dienstfreie Tage als Betriebsurlaub", die bis auf die Erklärung, die "öffentlichen Feiertage im Großherzogtum Luxemburg" seien "eingeschlossen" nicht weiter erläutert werden. Klar ist, dass kein freier Tag verlorengeht: "Fällt ein öffentlicher Feiertag im Großherzogtum Luxemburg auf ein Wochenende, tritt ein anderer arbeitsfreier Tag an dessen Stelle."

Oh, so schön ist sonst nur Panama, wenn auch nicht in Wirklichkeit. Zumal der ESM so schlecht nicht zahlt. Getreu den Mahnungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der bereits vor längerer Zeit "deutliche Lohnsteigerungen" gefordert hatte, starten Hilfskräfte und Praktikanten beim Rettungsschirm mit 22.000 Euro brutto im Jahr, können aber mit mindestens 23.000 netto rechnen. Das übliche Anfangsgehalt für Assistenten und Praktikanten liegt bei 53.000 Euro netto (4.600 Euro im Monat), Nachwuchskräfte können mit 69.000 bis 83.000 Euro rechnen - ein Stundenlohn von 58 Euro.

"Diese Lohnsteigerungen tragen auch zum Abbau von Ungleichgewichten innerhalb Europas bei", sagte Schäuble, dessen eigenes Gehalt weit unter dem eines leitenden ESM-Angestellten liegt.

Kosten entstehen dem deutschen Steuerzahler durch die Personalaufwendungen des ESM jedoch nicht, vielmehr verdient Deutschland noch kräftig an jedem Euro, der hier zum Fenster hinausgeworfen wird. Finanziert werden die ESM-Gehälter über eine ausschließlich der Geldwertstabilität verpflichtete Geldpresse mit Risikopuffer und Wachstumsimpulsgeber. Deutsche Mitarbeiter des ESM, so das Finanzministerium, gäben an Heimreisewochenenden "jede Menge Geld" in regionalen Kneipen, Kaufhäusern und Fitnessklubs aus, das im Gegensatz zu den originären Rettungstrillionen als direkte Konjunkturspritze im Inland wirke.

Donnerstag, 13. September 2012

Christen stürmen britische Botschaften


Ein mutmaßlich christenfeindlicher Film löst nach einem Bericht von n-tv heftige anti-britische Ausschreitungen in Italien und Brasilien aus. Hunderte Menschen protestieren vor den britischen Botschaften der beiden Länder. In Norfolk stirbt sogar ein Mitarbeiter des britischen Außenministeriums. Auch Einzelteile der Flagge wurden verbrannt.

"Hinter den Angriffen aufdie Vertretungen stehe "ein obskurer Amateurfilm, der sich in beleidigender Weise über den Erlöser Jesus lustig macht", fand die taz heraus. Der Film habe nach Angaben von Augenzeugen mit automatischen Waffen und Granaten auf das Konsulat gefeuert. Ein Großteil des Gebäudes brannte nieder. Die Ausschreitungen hätten etwa drei Stunden gedauert, danach habe sich die Lage beruhigt, sagte ein Mitarbeiter des Innenministeriums.

Britische Diplomaten zeigten sich bestürzt über den Tod des Botschafters und verurteilte nach Angaben ihres Hauses die Attacke von Bewaffneten auf die diplomatische Vertretung aufs Schärfste. Ausgelöst wurden die anti-britischen Ausschreitungen durch einen von der britischen Komikertruppe Monty Python produzierten Film, in dem nach Ansicht vieler Christen der Sohn Gottes, Jesus, verunglimpft wird.

Vor der britischen Botschaft in Rom demonstrierten zuvor Hunderte aufgebrachte Christen. Einigen gelang es, die Mauern der Vertretung zu erklettern und die britische Flagge herunterzureißen. Die Behörden schickten zusätzliche Sicherheitskräfte, um die Menge von einer Erstürmung der Botschaft abzuhalten. Die Botschaft hatte zuvor in einer Erklärung "die fortgesetzten Bemühungen fehlgeleiteter Individuen, die religiösen Gefühle der Christen zu verletzen", verurteilt. Die meisten Christen seien friedlich.

Bereits Anfang Juli 1979 war der Film "Das Leben des Brian" entstanden, der vielen Christen aber erst durch eine Veröffentlichung bei Youtube bekannt wurde. In dem Machwerk wird Jesus als als naiver Idiot dargestellt, der zwischen „Sadismus und völliger Blödheit“ agiert. Der Film sei so witzig, dass er verboten werden müsse, hatten vorher bereits Behörden in Norwegen entschieden.

Um wen geht es?

Leser stimmen über Bücher ab. Leser fällen ein Urteil. Manche haben es nicht gelesen, weil alles schon in der Zeitung stand. Andere wollen es nicht lesen, weil nichts mehr in der Zeitung stehen soll. Um wen geht es? Wer sammelt hier Sympathiepunkte?

escort(176)
wer kauft den mist(139)
prostitution(135)
schamlos(131)
unverschämtheit(121)
ehrensold(112)
callgirl(107)
niveaulos(107)
lügen(102)
prostituierte(94)
geltungssucht(83)
ich sage nein zu diesem buch(74)
schnorren(66)
eiskalt(59)
maßlos(59)
wen interessiert s(48)
hähnchen(46)
korruption(42)
frechheit(37)
ohne studienabschluß(30)
braucht kein mensch(23)
hure(22)
tattoo(21)
geklaut(19)
urheberrechtsverletzung(18)
abzocke(16)
filz(16)
google(16)
peinlich(15)

Mittwoch, 12. September 2012

Stimme aus der Gruft

To contract new debts is not the way to pay old ones.

GEORGE WASHINGTON, letter to James Welch, April 7, 1799

Dax 10000: Euro-Endspiel am Ende


Wiedermal ein Schicksalstag, wiedermal nimmt die totale Euro-Rettung Fahrt auf. Wiedermal ein Euro-Endspiel, diesmal auswärts in Karlsruhe. Die Verfassungsschützer gegen die Euro-Skeptiker, die Guten also gegen die Bösen.

Es war ein Abnutzungskampf (Löw vro dem Österreich-Spiel, Hitler in seiner Weisung Nr. 41) wie damals in Stalingrad. In der Schlacht fuhren Giga-Geldgeschütze auf, aus "Spekulanten", die an allem Schuld waren, wurden "Euro-Skeptiker", die an allem Schuld sein würden. Aus einem Europa, das gegründet worden war, um Handelsschranken zu beseitigen und Arbeitsmärkte zu vergrößern, wurde ein Kontinent, dessen Unterschiede eine vom Alltag abgehobene Klasse aus Bürokraten mit Verboten einzuebnen versucht. Vergebens: Der Patient versucht permanent, in vier Richtungen zugleich zu laufen, er spricht mit einem Dutzend Stimmen gleichzeitig, er fiebert allwöchentlich und hypochondert mal über Finanzmärkte, die ihm all das angetan hätten, mal über Demokratiedefizite, die dringend geschaffen werden sollten. Aufrecht hält sich das lavede Gebilde, weil ihm selbst die Kraft fehlt, zusammenzufallen. Und die Kraft fehlt ihm, weil es nicht weiß, was danach kommen wird.

Wie das Bundesverfassungsgericht, dass es auch nicht weiß, in der Frage urteilen wird, ob der deutsche Bundespräsident einen völkerrechtlichen Vertrag unterschreiben darf, der die inländischen Steuerzahler zu "uneingeschränkter Solidarität" (Gerhard Schröder) mit und grenzenlosen Hilfszahlungen an malade Partnerstaaten verpflichtet, liegt auf der Hand. "Niemand kann mit Sicherheit sagen, welche Maßnahmen für uns am besten sind", sagt Andreas Voßkuhle. Also Antrag auf Einstweilige Verfügung abgelehnt. ESM genehmigt. Wenn es das Gericht auch "vor besondere Herausforderungen gestellt hat" (Voßkuhle). Kann ja vielleicht auch gut ausgehen. Beim Beitritt wird die Haftung auf "190 Milliarden, 24 Millionen, 800.000 Euro" (Voßkuhle) begrenzt, dabei muss es bleiben, nur wie, weiß auch Vosskuhle nicht zu sagen. Es wie beim Eheschwur: Liebet euch auf ewiglich. Nur können Ringe dies binden?

Doch wo ein politischer Wille ist, und verdanke er sich auch nur einem Mangel an politischer Entschlossenheit, da ist immer auch eine unabhängige Urteilsbegründung. Egal, was vorher gesagt worden ist, egal, was in Verträgen steht oder auf Wahlplakaten versprochen wurde.

„Die Prüfung hat ergeben, dass die angegriffenen Gesetze die Verfassung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht verletzen“, sagte Voßkuhle. Und wenn doch: Eine Verfassung ist eine Verfassung, weil sie jederzeit neu verfasst werden kann. Politik dagegen ist ein anderes Wort für Biegsamkeit, Charakterstärke zeigt hier, wer im richtigen Moment am glaubhaftesten so tun kann, als seien seine Versprechen von gestern genau das, was er heute einzulösen entschlossen sei. Selbst wenn das eine das Gegenteil des anderen ist.

So siegt Europa mit jeder Niederlage mehr, so sinkt die Inflation, während sie steigt, und Gesetze sind immer genau das Papier wert, auf dem sie stehen - zum Tages-Rollenpreis.

Die Zukunft wird ein Fest für Anleger, nicht für Festgeldsparer. Inflation bei Vermögenswerten, Häusern, Äckern, Silbermünzen. Dax 10000, Gold mindestens fünf, während der Euro als nächstes Ziel die 1,35 anvisiert, um dann, emsig verdünnt durch die EZB, in den Gleitflug Richtung 1,15 überzugehen. Im Außenhandel macht dieser Kurs Europa zehn Prozent wettbewerbsfähiger. Selbst die schwächeren Euro-Staaten finden dann dies und das, was sie ausführen können: Eine Schuldenbremse mit Gaspedal. Karlsruhe ist ermächtigt zu erklären, dass alles seine Ordnung hat. Die Politik wird alles richtig gemacht haben: Seit sie die Gegenwart nicht mehr regieren kann, hat sie begonnen, die Zukunft per Gesetz in feste Formen zu betonieren.

Den Rest der Malaise, im Neusprech der Multimediokratie ein permanenter Kampf des Fortschritts gegen Ewiggestrige, finanzieren die Deutschen, deren Exportüberschuss noch einmal zulegen wird, während die Kaufkraft sinkt. Amerika wird zähneknirschend zusehen, denn Amerika war es, das diese Rettungstaktik nach dem Zusammenbruch von Lehman Bros. vorgemacht hat. China schweigt, denn China schweigt immer, um die Kunden nicht zu vergrämen.

Alle werden allen mehr verkaufen, alle werden von allen mehr beziehen, alle werden allen das notwendige Kleingeld dazu borgen. Bis sich Soll und Haben, Wollen und Wünschen, Können und Dürfen irgendwo ganz am Ende der Unendlichkeit ausgeglichen haben.

Eulenfurz: 190 Milliarden? Subbotnik für die gute Sache
Alle haben, was sie wollen.

Wer hat es gesagt?

"Wir haben keinen Plan B und den brauchen wir auch nicht."

Apple: iStrom für das iPhone

Diese Überraschung ist dem Computergiganten Apple wieder gelungen. Während alle Welt auf die Vorstellung des neuen iPhone 5 wartet, das wie immer einen drastisch verbesserten Bildschirm haben wird und noch schneller, kantiger und bunter zu werden verspricht, hat Unternehmen aus Cupertino Pläne bestätigt, dass neben dem neuen Smartphones ein völlig neues Produkt auf den Markt gebracht werden soll.

Beim sogenannten iStrom handelt es sich um probiotisch hergestellten Umweltstrom, der über ein schick designtes kleines Kästchen im typischen Apple-Weiß generiert wird. Aus bis zu einem Dutzend handelsüblicher Eier, die in den raumsparenden Kasten platziert werden, erzeugt der iStrom-Prozessor (iSP) durch anaerobe Gärung Methan (CH4), das über einen auf der Plattform iOS laufenden Brenner mit PowerVR SGX 535 elektrischen Strom erzeugt. Apple-Ingenieuren war es zuvor gelungen, den beißend riechenden Naturstrom durch eine Filterapp mit Multi-Touch-Funktion zu minimieren.

Zwölf Eier wandelt der iSP (oben), den Firmenchef Tim Cook "iEnergy-Extender" oder auch iEE nennt, in rund 1,24 Kilowattstunden Strom um. Damit kann ein handelsübliches iPhone bei normaler Nutzung zirka ein Jahr lang jeden Tag aufgeladen werden. Eines der neuen iStones, die Apple kürzlich vorgestellt hatte, kommen mit Hilfe des iEE sogar ein Leben lang damit aus.

Apple, so hieß es in Cupertino, wolle mit seiner neuen Innovation dazu beitragen, den unaufhaltsamen Klimawandel zu beenden. Apple sei auf dem Weg, seinen Kunden als erstes Computer-Unternehmen überhaupt einen Weg zur klimaneutralen mobilen Internet-Nutzung zu weisen. iPhone- und iStone-Nutzer könnten ihre Handys zu Hause an den iEE anschließen und dort mit grüner Energie aufladen, die keine weiten und damit stets verlustreichen Leitungswege hinter sich habe. Das "Green-Concept", das Apple in Zukunft verfolgen werde, lasse dabei auch noch Raum für die Energieversorgung anderer Geräte, deshalb habe man erstmals auf die bekannten geschlossenen Apple-Anschlußmöglichkeiten verzichtet und sich für Open Source-Lösungen entschieden. "An den iEnergy-Extender passen alle handelsüblichen Stecker", verriet ein mit der Entwicklung vertrauter Apple-Mitarbeiter dem US-Techblog "Appleuse". Auf einen Ansturm ist Apple vorbereitet, zahlreiche Auftragsfertiger in China, Vietnam und MyanmardemfrüherenBirma sind seit Monaten mit der Montage der kleinen Biostrom-Stationen beschäftigt.

Die Angst, dass es mit zunehmender Verbreitung des iEE bald keine Eier mehr geben könne, haben Manager des Konzern als "grundlos" bezeichnet. Zur Einleitung der anaeroben Gärung brauche es nicht zwingend Eier. Es sei genauso möglich, sich den benötigten Strom aus iTunes herunterzuladen. Dazu betreibe Apple in Kolumbien, MyanmardemfrüherenBirma und Griechenland große iStrom-Fabriken mit von Imagination Technologies gelieferten PowerVR SGX 7000-Prozessoren, die das Energy-Extending-Verfahren industriell anwenden.

Dienstag, 11. September 2012

Wulff-Jahre bei PPQ: Wulff gegen Wulff

Von der First Lady zur PR-Unternehmerin in eigener Sache: Die gelernte PR-Frau Bettina Wulff hat passend zum vorgezogenen Erscheinen ihres Buches über ihre Zeit als First Lady eine Flutwelle an angeblichen Berichten über angebliche Gerüchte über ihre angebliche Rotlicht-Vergangenheit losgetreten. Am Samstag hatte die "Süddeutsche Zeitung" als erstes Blatt in großer Aufmachung über die vergessenen Vorwürfe berichten dürfen. Die Zeitung berichtete, dass Bettina Wulff beim Hamburger Landgericht Klage gegen Suchmaschinenbetreiber und Talkmaster eingereicht hat.

Jetzt kommt heraus, dass die frühere Präsidentengattin auch gegen Bettina Wulff und deren Buchverlag Riva klagen will. Riva wird beschuldigt, in Wulffs angeblichem Erinnerungsbuch "Meine Sicht der Dinge" das angebliche Vorleben der ehemaligen First Lady thematisiert zu haben. Bettina Wulff soll als Autorin hinter der Kurzbiografie stehen, die Bettina Wulff als Fortsetzung einer Rufmord-Kampagne sieht. Dass sie deren zweite Runde angeblich selbst inszeniert habe, mache keinen Unterschied, hieß es bei ihren Anwälten. Der Riva-Verlag hatte erst kürzlich ein angebliches Buch zurückziehen müssen. Eine offizielle Erklärung gab es nicht.

In ihrer Klage gegen sich selbst verwahrt sich Bettina Wulff gegen angebliche Rotlicht-Gerüchte, von denen in „Jenseits des Protokolls“ angeblich die Rede ist. Im Buch wird angeblich ausgiebig geschildert, dass das angebliche Pseudonym der First Lady angeblich ,Lady Viktoria‘ gelautet habe. Auch der Name der angeblichen Wirkungsstätte - ein angebliches Etablissement namens ,Chateau Osnabrück‘ – sei genannt worden. Selbst völlig unbegründete und bisher nur von Schweizer Bloggern kolportierte angebliche Gerüchte, Bettina Wulff habe in einem Berliner FKK-Klub namens ,Artemis‘ als ,Gesellschaftsdame‘ gejobbt, werden haarklein vor der Öffentlichkeit ausgebreitet.

Gleich auf acht Seiten widmet sich Bettina Wulff den Rotlicht-Verleumdungen, die zwischen März und Ende August in keiner einzigen deutschen Zeitung mehr Erwähnung gefunden hatten. Damit handelt es sich um die Ausführungen der ehemaligen Präsidentengattin um die ausführlichsten Schilderungen der angeblichen Vorlebensgerüchte, die es bisher gab.

Ein Umstand, den Bettina Wulff nicht hinnehmen will. „Ich kann nicht so viel essen, wie man kotzen möchte“, vertraute sie Vertrauten an. Mit einer Klage gegen die schöne Buchautorin will die 38-Jährige verhindern, dass die bösen Gerüchte mit jedem Kauf eines Exemplars ihres Buches weitere Verbreitung finden. Die entsprechenden Passagen im Buch müssten geschwärzt werden. Zuvor hatte ihre Rufmord-Kampagne bereits durchschlagenden Erfolg gehabt: Bereits in den ersten 72 Stunden nach Bekanntmachung ihrer Klage berichteten deutschlandweit rund 27.000 Zeitungsbeiträge darüber, dass es da gar nichts zu berichten gibt. In den Bestsellerlisten schoß der angebliche Insiderbereicht von Platz 2945 auf Platz 14.


Datenschützer Peter Schaar unterstützt Bettina Wulff im Kampf mit dem Riva-Verlag und der Buchautorin. Wulffs Klage gegen Bücher, die angebliche Gerüchte transportierten, sei "recht und billig". "Ich halte es für recht und billig, wenn Betroffene auch die Möglichkeit haben, ehrverletztende Assoziationen in Bücher auszuschließen, über die auch die Medien nicht berichten dürfen", sagte Schaar. Bettina Wulff will noch mehr. Die Klage gegen Günther Jauch, der in einer Talkshow Ende vergangenen Jahres eine Frage zu den angeblichen Gerüchten um Bettina Wulffs angebliche Vergangenheit gestellt hatte, ziele darauf, dem Quizmaster zu untersagen, künftig aus der Zeitung vorzulesen, ließ Wulff mitteilen. Jauch hat unterdessen zugestimmt.

Von der Suchmaschine Google verlangt Bettina Wulff, dass eine Erwähnung ihres Namens im Zusammenhang mit Begriffen wie "Gerüchte", "Vorleben", "Jauch", "Rotlicht", "Prostitution", "Escort", "Lady", "Victory", "Chateau", "Osnabrück", "Gesellschaftsdame" und "angeblich" verboten wird. Die Konkurrenzsuchmaschine Bing darf die Suchkombinationen vorerst weiterverwenden (Foto oben).

Wulff-Wochen bei PPQ: Das Schweigen wird lauter
Buch-Promotion per Gericht

Elf Jahre elfter September

Es war der Tag, nach dem nie wieder etwas so sein würde wie zuvor. Amerika war angegriffen worden, nun befand sich auch Europa im Krieg. Eine Epochenzäsur, die live im Fernsehen kam. Nach den Hochhäusern brachen die Börsenkurse ein, Bin Laden hatte den Westen dort getroffen, wo es ihm am wehesten tat. Beim Geld und bei der Ehre.

 Peter Kloeppel, ein Nachrichtenmann, fasste die neuen Zeiten zusammen: "Noch nie zuvor gab es Anschläge von einem solchen Ausmaß". Zumindest nicht, seit Arminus den Römern im September 1992 Jahre zuvor im Teutoburger Wald ebenfalls unangekündigt und aus dem Hinterhalt eine vergleichbar große Schlappe beigebracht hatte.

Gerhard Schröder versicherte, wohin auch immer George W. Bush marschieren wolle, die Bundeswehr werde mit ihm ziehen. Die Opposition warnte ein bisschen vor einem Nahen Osten, der demnächst "komplett in Flammen stehen" (Gernot Erler)  werde. Fernsehsender vermieden es, Bilder feiernder Palästinenser zu zeigen. Und in deutschen Medien wurde der Begriff "Moslem" generell durch das englische "Muslim" ersetzt.

Im Übrigen stand nun die Befreiung der Völker auf dem Programm, Regimewechsel von außen wurden hoffähig. Monatelang schien es, als würde niemals wieder von etwas anderem die Rede sein als von Osama und seinen bärtigen Gesellen. Immer wieder waren dieselben wackligen Aufnahmen aus "Terrorcamps" zu sehen, immer wieder nahm der "Terrorfürst" dieselbe Parade von Wickelköpfen in Tarntracht ab.

Niemals wieder würde das Leben wie zuvor sein, niemals wieder würden Blumen blühen, die nicht die Blumen des Bösen sind, würden Flugzeugpassagiere Wasserflaschen mit an Bord nehmen dürfen und Hotelgäste ein Zimmer bekommen, ohne einen Ausweis zu zeigen.

Es dann wirklich alles anders geworden. Aber ganz anders. Nur bemerkt hat es niemand. Facebook und das Smartphone, LCD-Fernseher und Flatrate-Internet, die voreilige europäische Einigung, die Einführung des Euro und die Globalisierung der Arbeitsteilung haben die Welt mehr verändert als Bin Ladens Al Kaida, die, allen Bemühungen zum Trotz, nicht mehr als eine Fußnote der Weltgeschichte geblieben ist. Aus der "Basis" wuchs kein Überbau, weil der diesseitige Konsum offenbar auch die Mehrzahl der tiefgläubigen Moslems mehr lockte als die jenseitigen Versprechungen eines gescheiterten Bauunternehmers. Der Traum von einer Massenbewegung, die in einem Dschihad des unbedingten Willens das weltumspannende Kalifat errichten werde, blieb eine Illusion.

Das Medienecho zum elften Jubiläum des Tages, der alles änderte, zeigt es. Wo im vergangenen Jahr zum zehnjährigen Geburtstag des Terrors noch Sondersendungen mit der Schlagkraft römischer Legionen wüteten, gähnt dieses Jahr nur Leere, gefüllt mit Nichts. Es gibt keine Neuigkeiten über den Einsturz, keine Berichte über akute Verschwörungstheorien, keine neuen Bücher, keine vor innerer Bewegung zitternden Berichte ehemaliger Augenzeugen, die die eigenen Erinnerungen noch einmal besucht haben.

Der 11. September, der alles veränderte, hat alles gelassen, wie es war: Deutschland, stets die von allen Katastrophen, Seuchen und Krankheiten am heftigsten betroffene Region der Welt, braucht runde Jubiläen, um in sich zu gehen.

Montag, 10. September 2012

Doku Deutschland: Mein Leben als Escort

Ich war damals 22 und hatte gerade begonne, zu studieren. Eine Freundin hat mir dann mal erzählt, in einer Prosecco-Laune, dass sie als Escort­-Dame bei "EscortLady" jobbt. Ich muss dazu sagen, dass ich nachts Regale einräumen gegangen bin, manchmal auch bedienen in einem Irish Pub hier bei uns um die Ecke. Meine Freundin hatte eine ganz ruhige Art darüber zu reden, sie war aufmerksam, kam trotz des Jobs sehr sympathisch rüber. Ich kannte sie mindestens zwei Jahre und hatte nichts geahnt! Natürlich hat man sich manchmal gewundert, wie sie das alles finanziert, sie hatte immer Geld und ging nicht kellnern.

Eine ganz normale junge Frau, nicht so wie in "Pretty Woman", wie ich mir das immer vorgestellt hatte. Hohe Absätze und eine blendende Schönheit. "Weißt Du, ich wünschte mir, dass die Arbeit als Escort-Dame nichts so Verwerfliches an sich hätte", sagte meine Freundin, ich will ihren Namen mal lieber nicht sagen, wer weiß, was sie heute darüber denkt. Sie hat Familie, ich glaube zwei Kinder, wir haben uns ein bisschen aus den Augen verloren, wie das so ist.

Ich dachte danach jedenfalls, ich hatte ja auch prosecco, "eigentlich ist doch gar nicht so viel dabei, eigentlich bist du ja schön blöd, dass du dich in der Kneipe von besoffenen Studenten begaffen lässt statt schön mit einem Geschäftsmann mit guten Umgangsformen was Teures essen zu gehen."

Ich habe dann ein Buch gelesen, in dem Escort-Damen von ihren Erlebnissen erzählten, das war unheimlich spannend, aber ich hatte einfach nicht den Mut, losugehen und zu fragen, ob sie mich nehmen. Meine Freundin hatte da nur gekichert, "guck Dich an2, hat sie gesagt. ich dachte, so schlecht stehen meine Chancen wohl nicht.

Aber ich war noch nicht so weit. Erst ein halbes Jahr später, ich hatte mich mit dem Chef von dem Pub gezofft, weil der mehr wollte als meine Arbeitskraft, dachte ich, mir jetzt auch egal, ich versuche es mal. Ich wollte mich auch selber testen und sehen, ob ich das hinkriege, verstehen Sie? Aber klar lockte auch das Geld.

Beim Kellner hatte ich mit Trinkgeld 15 Euro die Stunde, meine Freundin hatte mir erzählt, dass sie als Hostess 500 für eineinhalb Stunden bekommt. Das ist verlockend für ein junges Ding. Stellen Sie sich mal vor: Wenn du da zehn Termine im Monat machst, verdienst Du mehr als Deine Eltern.

Und mit Prostitution hat das wenig gemein, wirklich. Die Chefin von "Escort Lady", wo ich dann schließlich mit meiner Freundin hingegangen bin, weil die ja dort bekannt war, hat mir in aller Ruhe erklärt, wie das läuft. Es ist wirklich Begleitservice - Du triffst den Mann, Du gehst mit ihm Essen, Theater, Kino, Konzert, Du redest. Wenn er möchte, dass da mehr läuft, hast Du wie bei jedem normalen date die Wahl: Möchtest Du auch?

Ich habe mich bei meinen Terminen von Anfang an so verhalten, dass der respekt auch von der anderen Seite da war. Das beginnt beim Auftreten – ich trete sehr selbstbewusst auf. Ich mache mich vorher zurecht, ich bin gespannt, aber nicht unruhig. Die Männer behandeln einen dann auch zuvor­kommend – es ist wie ein ganz ­normales Date, ausser, dass halt ein Preis dahintersteht.

Mit den meisten Kunden ist ­es einfach ein angenehmes Gefühl: Man kennt es aus dem Alltag nicht, dass jemand einem die Türe aufhält und den Stuhl zurechtrückt. Man erlebt es heute nicht mehr so oft, dass man wie eine Dame behandelt wird. Das ist bei den Terminen aber immer so.

Aus meiner Sicht liegt das am Publikum. Das sind überwiegend Manager, Firmeninhaber oder zumindest Leute, die behaupten, das zu sein. So zwischen 55 und 65, Männer, die Geld haben und viel herumkommen in der Welt. Die haben Stil, wenigstens mehr oder weniger. Wobei einem schon klar wird, dass es das Kleinhirn ist, das sie dirigiert. Sie sagen sich, hach, ich bin so oft allein unterwegs und lebe so viel in Hotels, ich will nicht ­immer allein rumziehen. Aber so gut ich das verstehen kann, geht es doch am Ende eigentlich immer um das Eine, Sie wissen schon.

Es ist eine große Einsamkeit in diesen Erfolgsphären. Die suchen das Zwischenmenschliche, Gespräche, Wärme, jemanden, der zuhört. Irgendwann redet man dann auch über Sex, man erfährt von den Frauen zu Hause, vom Frust, von der Liebhe, die noch da ist oder auch nicht. Man kommt sich nie vor wie eine Betrügerin oder Ehebrecherin, man kommt sich auch nicht vor wie eine Hure, wenn Sie das glauben.

Ganz im Gegenteil. Soll ich Ihnen mal mein größtes Geheimnis verraten? Ich habe meinen späteren Mann auf einem dienstlichen Date kennengelernt.


Zur zivilisationskritischen Reihe Doku Deutschland



Der Euro macht den Unterschied

Der Euro bringt Wohlstand, Brot und Frieden, ohne ihn wäre Europa gar nicht mehr da, so heißt es. Wenn Thilo Sarrazin das Gegenteil behauptet, ist er ein Europagegner, wer aber behauptet, er lüge, hat oft Schwierigkeiten, das zu belegen: In Schweden, der Schweiz und Dänemark leben schließlich auch Menschen und sie sind keineswegs im Krieg oder bettelarm, nur weil sie nicht mit dem Euro zahlen. Eine Studie des World economic Forum listet jetzt 144 Länder der Erde in einer Hitparade der Wettbewerbsfähigkeit auf. Die "Welt" las aus den Zahlen heraus, dass "die Schuldenkrise das Wettbewerbsgefälle zwischen den 17 Ländern der Eurozone immer weiter" vergrößere, der "Spiegel" sah die USA zufrieden "an Wettbewerbsfähigkeit‎ verlieren" und die Rheinische Post frohlockte "Deutschland hängt USA ab".

‎Interessant am Wettbewerbsbericht 2012 aber ist eigentlich etwas ganz anderes: Anhand der Rangliste lässt sich einfach berechnen, ob der Euro den Ländern, die sich für ihn entschieden haben, eher Vor- oder Nachteile bringt.

Dazu reicht nicht der Blick auf Deutschland allein, auch die Tatsache, dass mit Finnland, den Niederlanden und Deutschland drei Euro-Staaten zu den besten zehn von insgesamt 144 Ländern zählen, sagt wenig aus. Vielmehr braucht es den Dreisatz: Anzahl der Länder / Anzahl der Euroländer / Anteil der Euroländer. Das ergäbe die erwartbare Normalverteilungeldings schwer verzerrt, weil das mehr oder weniger industrialisierte Euro-Gebiet sich auf diese Art auch mit Mali, Nicaragua, Surinam und Benin vergliche, was optisch bessere Ergebnisse brächte, aber nicht angemessen wäre.

Deshalb kürzen wir vor der Berechnung die 44 unterhalb von 100 platzierten Länder heraus. Im Bereich der Top 10 müssten damit eigentlich nun 1,7 Euroländer liegen - mit drei Vertretern liegt der Euro sehr viel besser als zu erwarten gewesen wäre.

Auch unter den Top 20 schneidet die Einheitswährung besser ab. Rein rechnerisch müssten 3,4 Euro-Länder es unter die besten 20 schaffen, tatsächlich aber sind sechs hier platziert. Unter den Top 30 sind es acht bei technisch notwendigen 5,1 und unter den Top 40 sind es zehn – rechnerisch wären 6,8 nötig, um im Schnitt zu bleiben. Bis zur Halbzeit der Liste hält diese Tendenz (Top 50 13 zu 8,5, Top 60 15 zu 10). Nur die Slowakei und Griechenland schaffen es nicht in die erste Hälfte der Top 100.

Alles gut also für den Euro? Zeigt sich hier - sehr versteckt - seine segensreiche Wirkung? Nun, schauen wir auf das Global Competitiveness Ranking des Jahres 2001. Damals standen mit Finnland und den Niederlanden zwei spätere Euro-Länder unter den Top 10.

Mit Irland, Deutschland, Österreich, Belgien und Frankreich schafften es weitere fünf unter die Top 20 - zusammen macht das sieben, ein Land mehr als heute. Spanien, Portugal, Italien und Estland lagen damals irgendwo unterwegs zu den Plätzen bis 30 - macht zusammen schon elf. Heute sind so wettbewerbsfähig nur noch acht Euro-Länder. Bis Platz 40 folgten damals noch Slowenien, Griechenland und die Slowakei, schlechter als Platz 40 aber war kein späteres Euro-Land platziert, wobei Zypern, Luxemburg und Malta in der Liste seinerzeit - warum auch immer - nicht erfasst wurden.

Besser geworden ist augenscheinlich nichts, vieles aber schlechter. Während europäische Nicht-Euro-Länder wie Schweden (von 11 auf 3), die Schweiz (von 15 auf 1), Dänemark (14 auf 8) und sogar Großbritannien (12 auf 10) sich nach oben schieben konnten, rutschten die meisten Euro-Staaten ab: Finnland von 1 auf 4, Irland von 11 auf 29, Österreich von 18 auf 19, Portugal von 25 auf 45 und Spanien von 22 auf 36, Estland fiel von 29 auf 33, Italien von 26 auf 43 und Griechenland von 36 auf 90.

Verbessern konnten sich nur Deutschland - von 17 auf sechs, Holland sprang von 8 auf 7, Belgien kletterte von 19 auf 15 und Frankreich schaffte zumindest einen Klimmzug von 20 auf 18.

Eine einfache Addition zeigt die Gesamtauswirkung der Veränderungen. Alles in allem betrugt die Rangsumme (Platzzahlen zusammengerechnet, unter Auslassung der einmal nicht genannten Länder) der späteren Euroländer vor elf Jahren 286. Heute liegt sie bei 345.

Eine Katastrophe, denn das entspricht einer Verschlechterung der gesamten Eurozone um rund 20 Prozent. Die von einigen Ländern erreichten Verbesserungen - ob direkt durch die Währung bewirkt oder nicht - wurden also von den übrigen Ländern nicht nur vollkommen aufgezehrt, nein, die schlechteren Länder verschlechterten sich sogar in einem so hohen Maß, dass die Verbesserungen der wenigen, die mit dem Euro wirklich besser wurden, völlig konterkariert worden sind.