Montag, 20. Juni 2016

Die tödlichen Folgen des Brexit

Kein Zugang mehr zum griechischen Markt: der Brexit könnte verheerende Folgen haben.
Die EU-feindlichen Töne mehren sich in vielen Ländern. Doch eines übersehen populistischen Exit-Verfechter: Ökonomisch ist die Europäische Union inzwischen alternativlos. Ein Austritt würde Großbritannien vermutlich binnen Wochen vernichten, wie eine neue PPQ-Analyse zeigt.

Jeder Austritt wäre für jeden Mitgliedstaat wirtschaftlich der Todesstoß, darauf hat auch EU-Kommissar Juncker immer wieder hingewiesen. Was immer auch die Brexit-Befürworter sagen, auch für Großbritannien würde er unweigerlich in einer Menschheitskatastrophe enden.

Zwar müssen sich alle Länder den oftmals irrwitzigen Regeln der EU unterwerfen. Doch dafür bietet der Staatenblock die Mitgliedschaft in der EU, im Schengenraum und im Veranstalterkollegium des ESC. Güter und Kapital können sich frei bewegen, Mehrwehrsteuerkarussells drehe frei, es gibt keine Zoll- und sonstige Schranken, nur einige Zäune, die Flüchtlinge abhalten sollen.

Das hat einen Wettbewerb zwischen den Mitgliedsstaaten entfesselt, der zur erfolgreichen Lissabon-Strategie geführt hat. Das wiederum bringt Arbeitslosigkeit im Süden, aber auch große Exportchancen für deutsche Firmen.

Die britische Abhängigkeit spiegelt sich in den Exportzahlen: Großbritannien setzt die Hälfte seiner Ausfuhren in den EU-Staaten ab, hat aber beispielsweise zu den USA engere Verbindungen im Geheimdienstsektor als andere Partnerländer. Dadurch ermöglicht die Mitgliedschaft in der EU den Briten, deutsche Waren einzuführen. Nur 11,5 Prozent der britischen Exporte gehen nach Deutschland, 12,5 der britischen Importe aber kommen aus dem großen Bruderland. Als Teil der Europäischen Union kann Großbritannien tun, was in Brüssel beschlossen wird. Und in der Gemeinschaft kann das Königreich seinen globalen Einfluss regional geltend machen, politisch wie wirtschaftlich.

Ohne EU käme das Land nicht länger in den Genuss der etwa 60 Freihandelsabkommen, die die Europäische Union mit anderen Staaten geschlossen hat, sondern stürzte zurück auf den Status von Norwegen oder der Schweiz.

Würde eine Mehrheit der Briten gegen die Empfehluung aus Berlin gegen einen verbleib in der EU votieren, verlören britische Pässe ihre Geltung. Britische Fußballen könnten nicht mehr in der Bundesliga spielen, britische Firmen hätten das Recht verwirkt, an den gemeinsamen Sanktionen gegen Russland teilzunehmen. Aus dem EU-Parlament ausscheiden müssten alle britischen Vertreter, auch die EU-kritischen. dadurch flösse kaum noch Geld in Abgeordnetenbüros auf der Insel, Parlamentarier würden arbeitslos, der Fährverkehr vom festland müsste eingestellt werden.

Zwar wäre "auch die politische Zivilisation des gesamten Westens in Mitleidenschaft" gezogen, wie Jean-Claude Juncker warnt. Die starke Gemeinschaft der Reststaaten könnte das jedoch schnell wegstecken, indem untereinander noch mehr Handel getrieben würde.

Bis die britischen Beziehungen zur Europäischen Union nach einem Austritt neu geordnet worden wären, würden sieben Jahre vergehen. Das ist noch länger als der Bau des Berliner Flughafens bisher dauert. Experten zweifeln ernsthaft an, dass sich die Insel so lange aus eigenen Vorräten an Fisch und Chips ernähren kann.


Sonntag, 19. Juni 2016

Wenn das Volk gefährlich wird

Die Diskussion in Großbritannien "vergiftet die Atmosphäre", befindet die Tagesschau. Damit ist ein weiteres Mal bewiesen, dass eine Diskussion nie Ausdruck einer Atmosphäre sein kann, sondern dieser stets nur schadet: Bei Pegida war das so, bei der AfD,bei Donald Trump.

Das muss nicht sein, hat der Friedensforscher Michael Wolffsohn jetzt herausbekommen. Ohne die Gelegenheit, sich selbst zu seinen Angelegenheiten zu äußern, bleibt das Volk meist ganz ruhig, es duldet und zahlt, jammert ein wenig, ist aber insgesamt ganz zufrieden.

Die Verantwortung für die schlechte Stimmung in Britannien samt Mord an der jungen Politikerin Jo Cox, die so wichtig ist, dass der "Freitag" ihren Namen vor ihrem Tod nie erwähnte, trägt so der, der "solche Ja-oder-Nein-Elementarfragen eine Nation, also das Volk" (Wolffsohn) stellt. Diese Leute mit ihrer irrwitzigen Anbetung des Fetisch "Volksabstimmung" sind es, die die Massen "aufwühlen und oft genug auch spalten".

Das Ende ist klar. Anders als in Bundestag, wo alternativlose Entscheidungen nach symbolischer Diskussion im breiten Konsens beschlossen und exekutiert werden, bis der überraschte Außenminister sich empört und entsetzt über die Folgen der Politik seiner eigenen Regierung äußern muss, werden draußen "Emotionen von beiden Seiten hochgepeitscht", wie Wolffsohn im Emotionsfachblatt "Bild" schreibt. "Die Emotionen sind dann, zu Ende gedacht, nicht mehr beherrschbar, dann ersetzt die Waffe das Wort als „Argument“, als tödliches Argument, wie der Mord an der britischen Labour-Abgeordneten Cox zeigt."

Wer immer meinte, eine Volksabstimmung könne und dürfe über grundsätzliche Weichenstellungen in der Geschichte eines Landes entscheiden, den müssten eigentlich schon die Entscheidungen Frankreichs und Dänemarks zu Europäischer Verfassung und Euro eines Besseren belehrt haben. "Politiker erhalten in parlamentarischen Demokratien Vertrauen auf Zeit. Es wird ihnen nach bestimmter Zeit erneuert oder entzogen. Sie erhalten es, damit sie und ihre riesigen Mitarbeiterstäbe von Fachleuten über komplizierte Sachverhalte in Ruhe nachdenken und entscheiden."

So und nur so ist es richtig. Sie und nur sie haben die intellektuelle Kraft, das Wissen und den Charakter, stellvertretend darüber zu befinden, was für alle gut und richtig ist.

Zum 75. Jahrestag der Russland-Offensive: Sportverbot für Doping-Russen

Russen raus: In jedem Russen steckt irgendwo eine benutzte Ampulle.
Weil die Sanktionen der demokratischen Weltgemeinschaft vom ersten Tag an so wirksam waren, steht das Reich des russischen Imperators Wladimir Putin zwei Jahre nach der Krim-Invasion vor dem Ende. Die Börse in Moskau zeigt zwar noch Angstblüten, doch die zuletzt vom Kreml initiierte Offensive entmenschter Hooligan-Horden gegen europäische Ziele, mit dem Putin versuchte, friedliche Nato-Manöver vor seiner Haustür im Stil eines Kneipenschlägers zu beantworten, zeigt, dass die russische Führung zunehmend nervös wird und kopflos agiert.

Der Westen erkennt nun zunehmend seine Chance, den selbsternannten Präsidenten in Moskau auf seinem eigenen Spielfeld zu stellen. Zum 75. Jahrestag des letzten Befreiungsversuches deutscher Truppen gab es deshalb nicht einmal die übliche geheuchelte Gedenkstunde des Bundestages, sondern erstmals wieder Transporte deutscher Truppen nach Osten. Und die knallharte Machtpolitik mit Panzern, Sanktionen, Stoplerdraht und einer Propaganda-Offensive gegen alles Russische wird nun auch auf den Bereich des Sport ausgeweitet, wo Putin bislang noch glaubte, er könne im eigenen Land ein Turnier veranstalten und gewinnen.

Der demokratische Sportblock belehrt ihn nun eines Besseren: Die Fußball-EM in Frankreich, bei der Russland 317.000 negative Schlagzeilen machte, während das randalierende Kroatien es nicht einmal auf 80.000 brachte, könnte das letzte internationale Treffen der Jugend der Welt gewesen sein, an dem das zunehmend isolierte Reich des russischen Diktators teilgenommen hat. Pünktlich zum 75. Jahrestag des Beginns des Feldzuges deutscher Truppen zur Befreiung der gesunden, brauchbaren Teile der russischen Bevölkerung vom Joch der stalinschen Selbstherrschaft geht der Westen wieder in die Offensive.

Um die Spannungen mit Russland zu verschärfen, hat der Internationale Leichtatletikverband IAAF jetzt auf diplomatischen Druck der Westmächte beschlossen, russische Sportler von den Olympischen Spielen auszuschließen. Der Russe habe "systematisch" gedopt, zum Teil habe es "auch vom Staat getragene Dopingmethoden" gegeben.

Welthistorisch ist das einmalig, denn vom systematischen Doping, wie es etwa beim Radfahr-Team des deutschen Staatsunternehmens Deutsche Telekom über Jahre hinweg betrieben wurde, hat der seinerzeit als Finanzier auftretende Staatssender ARD nie auch nur ein Fünkchen mitbekommen. Stattdessen gelang es einem ARD-Team, das systematische Doping in Russland aufzudecken.

Und das nur in Russland, nicht in Kasachstan.



Samstag, 18. Juni 2016

Europa in Agonie: Unerwartete Aufwallungen überbordender Manneskraft

Da regt sich nochmal was: Sexismus zieht auch zur Euro.
Der Ball rollt, das Volk versammelt sich um die Nationalsymbole. Bis hinüber zum Märchen-Linken kann niemand ohne Fußball, wenn der Anpfiff naht. Es heißt wieder unsere gegen die, die eigenen Farben gegen die des Gegners, Hoffen und Bangen mit einer "Mannschaft" (MercedesBenz), die eine mendelsche Auslese ist aus dem Besten, was was mehr als 100 Jahre Fußballzucht auf deutschem Boden hervorgebracht haben.

Unschön sind die Begleiterscheinungen. Die dem Fußball immanente Medienbegeisterung, die für vier Wochen jedes wichtige Thema zur Randnotiz werden lässt. Die nationale Besoffenheit, mit der aufgeklärteste Menschen bis hin zur Kanzlerin "ihre" Kicker bejubeln. Und damit anderer Frauen Söhne kalt und hässlich herabsetzen. Apropos Söhne: Entsetzlich ist die Frauenfeindlichkeit derVeranstaltung, bei der der aufgeklärteste Kontinent der ganzen Welt Geschlechtertrennung praktiziert wie eine arabische Moschee. Und noch entsetzlicher ihr Gewaltgehalt.

Ein Erdteil, der nach Gunnar Heinsohn schon in wenigen Jahren nicht mehr genug jungmännermäßige Muskelkraft zusammenbringen wird, um seine freiwilligen Feuerwehren zu bestücken, sieht zu, wie die traurigen Reste des ewiggestrigen Typs Mann, der früher als Infanterist zum Sterben für das Vaterland bestimmt gewesen wäre, fern im Land der Franzosen aufeinandereinschlägt.

Die Behörden sind wie stets völlig überrascht von dieser unerwarteten Aufwallung an überbordender Manneskraft, auch vom Kampfeswillen einer Generation, die kaum noch die Truppen zusammenbringt, die europäische Erdnuss-Versorgung mit von alters her bewährten militärischen Mitteln in einem Land mit weniger Einwohnern als die alte DDR sicherzustellen.

Waren Hooligans nicht schon seit Jahren in einer illegalen Datei erfasst? Waren "Szenen, wie wir sie nicht sehen wollen" nicht zuletzt immer vorsorglich und zum Besten aller Zuschauer aus den Fernsehberichten geschnitten worden?

Verlässlich immerhin, wo die Verantwortung für die Randale-EM im Nachbarland liegt: Der Russe ist es, Putins Scherge, seine fünfte Fußball-Kolonne, die unser durchzivilisiertes Turnier mit brutalm Körpereinsatz zerstören will. "Für Russen ist das Turnier vor allem eine Prügel-EM", analysiert die "Welt", "Fan-Gewalt: Russen spielen auf Bewährung", weiß die Nordwest-Zeitung, "Russen greifen Engländer an", schreibt dpa 70 Jahre nach dem letzten gemeinsamen Sieg der ehemaligen Alliierten.


Kriminalität auf der Flucht: Notlügen ohne Not

Nun auch noch der Niggemeier. Nur sieben Monate nach Angela Merkels Abkehr vom flüchtlingsfreundlichen Kurs schwenkt auch Deutschlands führender Medienkritiker auf einen populistischen Kurs ein. In einer Coverversion eines Textes von PPQ, der vor vier Monaten erschienen war, lässt sich der Übermedien-Gründer über angebliche Migrantenkriminalität aus.

Über die weiß man nichts, alle ahnen etwas, die Behörden beruhigen, die Medien sekundieren, keiner glaubt es. Schlamassel.

Niggemeier, in der Vergangenheit ein Mann, der nicht nicht Zahlen umgehen kann, greift sich nun "ein Flüchtlingszitat des Innenministeriums" (Niggemeier) heraus, um zu belegen, was jeder weiß: Wenn das Bundesinnenministerium behauptet, „Zuwanderer sind nicht krimineller als Deutsche“, dann folgt diese Angabe politischen Opportunitäten. Nicht Tatsachen.

Dafür sprechen nach Niggemeiers Überlegungen nicht nur der BKA-Bericht, aus dem die staatliche Nachrichtenagentur dpa die Behauptung entnommen zu haben behauptet. Dort findet sich nämlich kein Beleg für die krude These. Sondern auch der Umstand, dass allein die altersmäßige Zusammensetzung der Menschen, "die neu zu uns gekommen sind" (Angela Merkel) es kaum möglich erscheinen lässt, dass sie weniger kriminell sind als der bundesdeutsche Durchschnittsbürger.

Flüchtlinge sind durchschnittlich jünger, männlicher, alleinstehender. Wenn also Jürgen Trittin behauptete, "sie Kriminalitätsraten unter Flüchtlingen sind verglichen mit der Gesamtbevölkerung unterdurchschnittlich", dann beschrieb er einen Wunschtraum, für den es keine faktischen Belege gab.

Sechs Monate nach den Ereignissen von Köln, die den Blick der deutschen Medien auf bestimmte Wirklichkeitsbereiche grundlegend änderten, zieht einer wie Niggemeier nun aus, darauf hinzuweisen. Vermutlich sei die Behauptung, Zuwanderer seien nicht krimineller als Deutsche, gar nicht richtig, klagt er. "Sie stand aber über vielen Artikeln über den BKA-Bericht." Und natürlich tat sie das, denn die Nachrichtenagentur hatte die Aussage einer Sprecherin des Innenministeriums zur Überschrift eines Artikels gemacht,d er die angeblichen Folgerungen aus den BKA-Zahlen zur Flüchtlingskriminalität zusammenzufassen vorgab.

Da prüft niemand mehr. Da wird Wort für Wort nachgedruckt.


Der Mythos Nachtkriminalität




Freitag, 17. Juni 2016

Zitate zur Zeit: Wirklichkeit auf dem Kopf

Es vergeht kaum ein Tag, in dem die Wirklichkeit nicht auf den Kopf gestellt, schöngeredet oder blank geputzt wird, wie das früher in der DDR mit den "Paradestrecken" der Fall war, die für Staatsgäste hergerichtet wurden.

Henryk M. Broder unterstützt Martin Schulz' Grundsatzkritik an den "Dämonen, die diesen Kontinent in den Abgrund gezogen haben", die heute "lebendiger sind denn je".

EZB: Im Kampf gegen Sparer und Selbstversorger

Warum nicht mal eine neue Schürze, auch wenn es die alte noch tut? Europas Wirtschaft braucht jeden zum Überleben.
Höher, schneller, weiter, Anleiheankauf, Sockenannahme, Helikoptergeld – bisher schien Europas Geldpolitikern kein Instrument zu abwegig, kein Programm zu groß, kein Preis zu hoch, um das selbst gesteckte Ziel zu erreichen: die Rettung des Euro und der europäischen Volkswirtschaft. Und stets betonten die Notenbanker, dass ihr Arsenal an Maßnahmen noch lange nicht erschöpft ist.

"Was Geldpolitik erreichen kann, hat sie erreicht", gab der niederländische Notenbank-Präsident Klaas Knot zu Protokoll. Sein französischer Amtskollege François Villeroy de Galhau pflichtete ihm bei: "Geldpolitik kann kein Ersatz sein für eine koordinierte Wirtschaftspolitik." Es sei höchste Zeit, dass die Politik endlich handele. Und für den spanischen Zentralbankgouverneur Luis María Linde gibt es "eine intelligentere gemeinsame Politik, um die Euro-Zone flottzubekommen".

Gemeinsam rufen die Staatsbanker zu einer Mobilisierung der gesamten Gesellschaft im Kampf gegen sogenannte Sparer und Selbstversorger. Dabei handelt es sich um Bevölkerungsgruppen, die lieber mal verzichten und einen gesellschaftlichen notwendigen Kauf auslassen als eigenes Geld in das Gemeinwesen zu investieren. Angefangen von Stromsparern, die den von der Bundesregierung und der demokratischen Opposition mühsam mit einer Million Paragraphen teuer gemachten Strom boykottieren, bis hin zu Altautofahrern, Benutzern des iPhone1 oder Jeans vom vergangenen Jahr betrügen Millionen Deutsche den Finanzminister - und damit dich und mich - um viele Milliarden Euro Umsatzssteuer jährlich.

Und in den anderen europäischen Ländern sieht es nicht besser aus: Obwohl der Wohlstand ausreichen würde, hier und da noch ein zweites Smartphone, einen dritten Flachbildfernseher oder das eine oder andere wertvolle Collier zu erwerben, lassen sich Millionen EU-Bürger selbst von Nullzinsen nicht dazu bewegen, die Wirtschaft weiter auf Touren zu bringen.

Hier setzt nach Ansicht der EZB die politische Verantwortung der Lenker Europas ein. Neben einer Strom-Nichtverbrauchssteuer her, die für jedes arglistig nicht verbrauchte Kilowatt erhoben wird, denken Jean-Claude Juncker und das EU-Direktorat über einen Masterplan zu einem selbstragenden Aufschwung nach. Danach wird künftig jedwede Weigerung, für die Wirtschaft notwendige Einkäufe in ausreichendem Maß zu realisieren, direkt und mit hundert Prozent des Warenwertes besteuert. Wer sich hartnäckig weigert, etwas zu kaufen, wer zu wenig Fleisch, Unterhosen, Nagelscheren, Schuhe, Fernsehgeräte oder sonstige Konsumgüter verbraucht oder zur Konsumvermeidung aufruft und die Verantwortung für den Wohlstand Europas damit auf die EZB schiebt, wird künftig als sogenannter Volkswirtschaftsschädling eingestuft und bestraft.

Der neue Strafrechtsparagraf Staatsgefährdende Konsumvermeidung wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu fünf Jahren bestraft. Heribert Prantl, so sieht es der Plan der EU-Kommission vor, wird die neue kreative Maßnahme zur Aufschwunggewährleistung über die Nothilfe der Zentralbank hinaus in der Süddeutschen Zeitung als „harten, aber erforderlichen Schritt“ kommentieren. Freiheit sei nicht die Freiheit von der Verantwortung, Arbeitsplätze durch Einkauf zu erhalten. „Die notwendige Bestrafung von Konsumvermeidern allein“, so der kämpferische Text, „kann dazu erziehen, in einem größeren, einem wahrhaft europäischen und globalen Maßstab zu denken als es der fremden- und fortschrittsfeindliche sächsische Gewaltleugner sich vorstellen kann.“

In wenigen Tagen wird sich der EZB-Rat zu seiner nächsten geldpolitischen Sitzung in Wien treffen, dann sollen die neuen Schritte zur Fortsetzung der erfolgreichen Lissabon-Strategie öffentlich vorgestellt werden. Eine wichtige Mission, denn tatsächlich kann die aktuelle Geldpolitik in der Euro-Zone als monetärer Triumph angesehen werden. Obwohl die Zinsen mittlerweile tief im negativen Terrain liegen und seit März 2015 Anleihen im Volumen von gut 800 Milliarden Euro aufgekauft worden sind, zeigt sich die Wirtschaft robust, der Euro ist stabil und die Inflationsrate weit bei nahe Null. Im April waren die Preise im Vergleich zum Vorjahr sogar um 0,2 Prozent zurückgegangen.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Unbelehrbar: Deutsche Ausländer kostümieren sich mit Hassfahne


Berlin ist Deutschlands Sozialhilfehauptstadt, aber auch die Hochburg der antideutschen Fußballfreunde. Hier werden deutsche Fahnen geraubt, hier wird Jagd auf feiernde Anhänger von Jogi Löws Multikulti-Mannschaft gemacht. Hier verteidigen mutige junge Männer die Abscheu vor jedem "vaterländischen" Gedanken beherzt mit der Hand. Hier bekommt der fahnenschwenkende, jubelnde und asylbewerberheimanzündende Proll aus dem dunkeldeutschen Sachsen keinen Fuß in die Tür.

Wehret den Anfängen, sagen die Aktivisten, die das braune Gras wachsen hören, wo Schwarz-Rot-Gold geschwenkt wird. "Einerseits dient der gemeinschaftliche Fußballjubel als gesellschaftlicher Kitt gegen soziale Zerfallserscheinungen, wie sie sich angesichts der größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich zurzeit zeigen. Aufs Deutschsein kann man sich im Zweifel immer einigen, wenn alles andere drumherum wegzubrechen droht."

Und dann kommt die AfD, bemächtigt sich der vom Hass auf andere Völker getriebenen völkischen Begeisterung. Am Morgen danach erwacht die Nation im 4. Reich und die Fahne wird wieder Pflicht.

Leider sind es auch genau die neu zu uns Gekommenen, die Retter aus der Inzuchtfalle und wertvoller als Gold-Mitbürger (Martin Schulz), die die linke Lehre nicht annehmen wollen und sich vor den Karren der Ewiggestrigen, der Nationalisten, Rechtsextremen, Faschisten und Zweifler spannen lassen.

Bassal, ein aus fernen Ländern stammender Nachfahre des Propheten, der in Berlin einen Elektroladen betreibt, hat schon vor Jahren keinen Zweifel an seinem Bekenntnis zu den deutschen Farben gelassen: Ganz im Sinne des Niedersachsen Christian Wulff, der mit seiner Coverversion von The Whos "Behind blue eyes" einst selbst Youtube-Geschichte schrieb, hat Bassal der schwarz-rot-golden-bunte Republik Deutschland ein musikalisches denkmal gesetzt: In seinem "Ausländerlied" feiert er mit südländischer Lebensfreude "deutsche Ausländer", die Stimme zwischen Pop-Tremor und Prediger-Tremolo.

"Lass uns tanzen, lass uns singen", fordern die Drei vom Steckdosenkiosk, denn "wir sind deutsche Ausländer, wir leben schon miteinander". Der Gesang des Multikulti-Mahdi aus dem Elektroladen muss die Grüne Jugend auf den Plan rufen. So nicht! Toleranz hat irgendwo ihr Ende.


Dreiste Tiraden: Meinungsfreiheitsschutz ist weder Zensur noch Berufsverbot

Wenn Hochschulen einen Polit-Blogger nach antiislamischen Tiraden als Dozenten feuern, ist das weder Zensur noch Berufsverbot noch schlimm für den einzelnen Betroffenen. Es geht um Meinungsfreiheitsschutz für uns alle.

Ein Gastkommentar von Horst Heinz Klabusch.

Der Berliner Statistikdozent Wolfgang Hebold ist kurzzeitig der bekannteste Hochschullehrer Deutschlands geworden, weil ihn keine Hochschule mehr beschäftigen will. Der Mathematiker betreibt einen persönlichen Blog, in dem er auf Muslime schimpft – er würde sagen: sie im Rahmen seiner Meinungsfreiheit kritisiert – und gegen die vermeintlichen „Gutmenschen“ zu Felde zieht, die diese Kritik nicht teilen.

Inhaltlich ist daran wenig Originelles, nichts Strafbares, keine Zeile, die nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt wäre, wie wir sie früher zu kennen glaubten.

Aber. Neu sind die Milieus. Wenn nicht nur Clausnitzer Arbeitslose, Dresdner Wutbürger und bayerische CSU-Mitglieder sich auf ihren privaten Webseiten gegen Menschlichkeit und Zuwanderer aussprechen, Kritik an der Regierungspolitik üben, Zweifel an Angela Merkel anmelden und die EU ins Visier nehmen, dann wird es gefährlich für das Allgemeinwohl. Dann nämlich wird mancher künftig auch nichts dabei finden, wenn demnächst auch Spitzenbeamte, Manager, Richter oder gar Bundestagsabgeordnete ihre eigene Meinung ungebremst äußern, obwohl sie weder mit dem Parteivorstand abgesprochen noch vom Arbeitgeber abgesegnet wurde.

Kein Zweifel, dass auch in diesen Verhältnissen Islam- und Ausländerfeindlichkeit ihren Stammtischplatz haben. Aber hier bleiben sie bisher recht verlässlich in der privaten Sphäre – kein Mensch, der gesellschaftliches Vorbild zu sein hat, würde einen Tortenwurf auf Beatrice von Storch verurteilen. Das tut er klugerweise erst, wenn ein Kuchen Sahra Wagenknecht trifft.

Meinungsfreiheit ist keine Meinungsäußerungsfreiheit

Für Menschen wie den angeblichen Professor Hebold offenbar ein unerträglicher Zustand. Sie verwechseln die Meinungsfreiheit permanent mit der Freiheit, ihre Meinung sagen dürfen. Niemand hat doch etwas dagegen, dass sie denken, was sie denken. Aber nicht herumkrakeelen, sondern auch mal die Klappe halten, das ist Tugend.

Dass die Betroffenen meinen, sie dürften alles sagen, nur weil es nicht strafbar ist, ist nur ein Irrtum unter vielen. Zum Glück ist den meisten Leuten in profilierten Jobs mittlerweile klar, dass sie mehr Verantwortung haben als nur die für sich selbst. Das bedeutet, sich mit umstrittenen Ansichten in der Öffentlichkeit zurückzuhalten, um die Institution, die man vertritt, nicht zu beschädigen. Und nicht selbst unter die Räder einer rasenden Reglementierungsmaschine zu kommen. Auch mal auf die Zunge beißen, die Schnauze halten, sich vorher sagen, es ändert doch sowieso nichts.

Das ist keine Correctness, keine Feigheit, keine Anpassung und keine Aufgabe zivilisatorischer Errungenschaften. Sondern eine Mischung aus Anstand, Einsicht und durchaus angebrachter Angst vor den Konsequenzen zulässiger, aber nicht zugelassener Äußerungen.

Bei dieser Schweigsamkeit aus Rücksicht auf sich selbst handelt sich um eine im besten Sinne konservative Tugend, die im 3. Reich und der DDR wurzelt. Schaut man sich sich Figuren wie Hebold an, die ihr trauriges Schicksal erleiden, weil sie meinen, sie könnten tun und lassen, was sie wollen, kann man nur begrüßen, dass entschiedene Maßnahmen der zuständigen Organe ergriffen werden, um den Missbrauch der wundert man sich, dass sie in Kreisen, in denen früher alles besser war, heute so wenig Anklang findet.

Jeder muss wissen, was er riskiert

Und die Meinungsfreiheit? Ja, die gibt es, aber jeder muss selbst wissen, was er riskiert. Die sichere Stelle? Den gutbezahlten Job? Das gesellschaftliche Ansehen? Die Zukunft der eigenen Kinder?

Menschen wie Hebold, wenn sie denn richtige Menschen wären, müssten es eigentlich berechnen können: Wenn ich meine Studenten auf meine Webseite schicke, damit sie sich Lernmaterial besorgen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch meine wüsten Pamphlete zur Kenntnis nehmen. Dies plus die Tatsache, dass ich im Statistikunterricht Aufgaben wie etwa jene stelle, Zusammenhänge zwischen Terroranschlägen und muslimischen Bevölkerungsanteilen zu berechnen, ohne zu wissen - oder weil ich weiß - wie das Ergebnis aussehen könnte, kann Menschen verunsichern. Das potenziert die Gefahr, mir den Vorwurf einzuhandeln, politische Absichten und Arbeit zu vermengen - das aber ist in Deutschland verboten.

Dass auf einen solchen gravierenden Verstoß auch die Lügenpresse  aufmerksam wird und meine Meinungsäußerung zum Anfang des Untergangs des Abendslandes macht, ist nur logisch.  Im Ergebnis erscheint eine Summe menschlicher Einfalt: Ein dummer Mathematiker, der meint, sich in alles einmischen zu müssen, bekommt die Konsequenzen eines Handelns zu spüren, mit dem er sich außerhalb der Gesellschaft begeben hat.

Das ist Meinungsfreiheitsschutz, denn es beinhaltet eine Botschaft an alle, die versucht sind, es ihm gleichzutun: Strafe muss sein und sie ist weder Zensur noch Berufsverbot. 

Mittwoch, 15. Juni 2016

Zitate zur Zeit: Die letzte Flanke


Erst wenn der letzte Abstoß geschlagen, die letzte Flanke weggefangen und der letzte Strafstoß vergeben ist, werdet ihr merken, dass Autofähnchen keine Tore schießen.

PPQ zitiert MeyView, der PPQ zitiert

Martin Schulz: Der Präsident hetzt gegen die Gegenwart

London 1944, als Europa noch in Ordnung war. 72 Jahre später sind "die Dämonen, die diesen Kontinent in den Abgrund gezogen haben, lebendiger denn je"
Martin Schulz ist ein anerkannter Gesamteuropäer, seine Bewunderer sagen sogar, er sei der letzte wahre Erbe Helmut Kohls und Francois Mitterands, ein Mann, der Europa im Innersten zusammenhält, aus tiefster Überzeugung, dass Posten wie der des europäischen Parlamentspräsidenten weitaus besser bezahlt wird als jeder deutsche Kanzlerkandidat.

Schulz, ein bekennender Deutscher, macht in seinem Kampf um Europa keine Kompromisse. Er ist bereit, zu lügen, zu betrügen, seine Ansichten je nach Wetterlage zu korrigieren. Eiun Tabu war es bislang allerdings auch für den sozialdemokratischen Populator aus Würselen, der europäischen Union und ihrem durchzivilisierten und -demokratisierten Kernland Deutschland Zivilisierung und demokratische Errungenschaften abzusprechen.

Dieses Tabu hat Martin Schulz jetzt anlässlich der akuten Brexit-Angst bei einer Rede in Heidelberg gebrochen. "Die Dämonen, die diesen Kontinent in den Abgrund gezogen haben, sind lebendiger denn je", sagte er dort und machte damit als erster führender Europa-Politiker klar, wohin die übereilte Erweiterungspolitik die EU geführt hat: Zerstrittene Partnerländer, faktisch Krieg mit Russland, die Wirtschaft liegt danieder, Rechtsextremisten sind an der Wahlurne erfolgreich wie seit 1933 nicht mehr, die Arbeitslosigkeit im Süden ist infolgedessen astronomisch, die Schuldenberge türmen sich höher als je zuvor.

Ja, Dämonen, "lebendiger denn je". Eine Wahrheit, die Europa nicht hören will.

Schulz' offenen Worten schlug natürlich sofort Kritik entgegen. "Was für eine bodenlose Hetze gegen unsere demokratischen Gesellschaften", hieß es bei Facebook. "Was für eine gedankenlose Gleichsetzung unserer lichten Gegenwart mit düsteren diktatorischen Regimes etwa zur Zeit Hitlers und unaufgeklärten Steinzeitgesellschafen wie unter Adenauer", klagten andere engagierte Bürger.

Martin Schulz allerdings blieb hart, er ist fest überzeugt, dass die Zustände in unserem gemeinsamen europäischen Jetzt schlimmer sind als die gleichstellungsfeindlichen, ungegenderten, von Atomwaffen überschatteten Zeiten des von Machos, Kettenrauchern und korrupten Parteiführern regierten Vorvorgestern. Nur konsequent: Vor vier Jahren hatte Schulz noch vor einer "Rückkehr der Dämonen" gewarnt und für den Fall, dass sie zurückkehren, ein scheitern der EU in Aussicht gestellt.

Nun ist es offenbar soweit.

Dienstag, 14. Juni 2016

Zweifel am Islamismus: Das ist doch gar kein Terror

Glaubt doch kein Mensch: Islamistischer Terror ohne Flugzeuge ist undenkbar.
Fünfzehn Jahre nach dem 11. September ist es schwer wie nie geworden, offizielle Anerkennung als islamistischer Gewalttäter zu finden. Zahllose Märtyrer sind in den vergangenen Jahren schon als irre Einzeltäter, psychisch labile Mobbingopfer und Gelegenheitsmörder aus enttäuschter Liebe in Verruf gebracht worden. Ganz besonders schwer hat es nun aber Omar Mateen, der US-Amerikaner mit sogenannten „afghanischen Wurzeln“ (dpa), der in einem Nachtclub in Orlando 50 Menschen erschoss.

Unter anderen Umständen ein klarer Fall von Terror. Doch hier nicht einmal „ein Angriff auf die offene Gesellschaft“, wie Thorsten Denkler in der Süddeutschen Zeitung erklärt. Das Wort islamistisch fällt gar nicht, oder allenfalls als Frage wie beim ZDF, wo waghalsig gemutmaßt wird, ob es nicht vielleicht doch… "Massaker in Orlando mit islamistischem Hintergrund?"

Die Indizien sprechen selbstverständlihc dagegen. Der Täter hatte sich zwar selbst als Islamisten und Gefolgsmann des IS bezeichnet. Aber war er nicht in Wirklichkeit nur "homophob, unsozial, gewalttätig"? (Spiegel) Oder "aggressiv und homophob"? (Die Zeit) Lasst uns eine Liste machen, in der wir alles durcheinanderwerfen. Die Ursache spielt doch keine Rolle, wenn die gute Absicht zu sehen ist.

Die Tat des Islamisten von Orlando jedenfalls galt im Grunde nicht dem westlichen Lebensmodell, nicht der Freiheit, dem Gedanken, dass eine individuelle Glücksvorstellung möglich ist. Sondern, so die SZ, „einer bestimmten Gruppe, einer bestimmten Lebensweise“. Der Täter wandte sich mithin gegen eine bestimmte Lebensweise inmitten der bestimmten Lebensweise des Westens, nicht gegen den ganzen Westen. Er ist damit nicht Werkzeug deren, die die westliche Lebensweise als solche ablehnen und die Islamisierung predigen. Sondern ein Opfer jener Menschen, die Islamisierung ebenso ablehnen wie die gleichgeschlechtliche Ehe.

War Anders Breivik seinerzeit noch eine Marionette gewissenloser Rechtspopulisten, ist Omar Marteen ein nur ein neues Beispiel für das massenphänomen "verwirrter Einzeltäter". Das tritt gerade wieder häufiger auf: Auch nahe Paris hat ein Mann mehrere Menschen ermordet und sich dabei "auf den IS berufen" (ARD). Aber Terror ist das doch eigentlich nicht so richtig. Mit dem Islam hat das doch auf keinen Fall zu tun.

Um anerkannten islamistischen Terror zu verüben, braucht es bekanntermaßen Flugzeuge, Bomben und mehrere koordiniert vorgehende Mordkommandos. Alles unterhalb ist, zumindest aus islamistischer Motivation verübt, nichts anderes als bedauerliche Kleinkriminalität, von der sich das Abendland nicht spalten lassen darf, um nicht den sogenannten "Falschen" in die Hände zu spielen. Einfache "Polizistenmörder" (Spiegel) sind da unterwegs, "Schwulenhasser" (dpa) und Kunstfeinde.

Wer das bestreitet, sieht nicht, dass Homophobie noch immer alltäglich ist, schreibt die SZ und vollendet damit ein semantisches Zauberkunststück, das nachweist, dass die Kraft des Wortes nicht endet, wo der Bock zum Gärtner wird. Nein, ausreichend Tinte im Füller, lässt sich selbst ein Islamist zum Heiligen verklären und seine grausame Tat zum Aufschrei einer einsamen, gequälten Seele.

Traurige EM-Schicksale: Die Mono-Nationalen

Eine ganz üble Zweiklassen-Gesellschaft, diese Fußballwelt. Einerseits sind da diese durchglobalisierten Kicker, Kerle mit Wurzeln in Ghana, Polen oder der Türkei, die es durch Heirat der Mutter oder Umzug des Vaters in ein Land verschlagen hat, das im Weltfußball immer vorn mitspielt. Flankiert werden sie von denen, die in schwächeren Mansnchaften kicken, allerdings in denen von Ländern, deren Sprache sie selbst nicht sprechen.

Solche Fußballer haben Großväter oder Großmütter, die vor hundert Jahren von Polen nach Kanada gegangen sind oder von Portgual nach Brasilien. Sie haben damit eine Rückfahrkarte – für Brasilien zu schlecht, für Portugal reicht es oder aber auf jeden Fall für Polen. In den Medien werden ihnen deshalb sogenannte "Wurzeln" nachgesagt - der Mensch ist nie in der Türkei oder in Spanien gewesen. "Aber Wurzeln hat er dort."

Zweite Klasse dagegen sind die armen Tröpfe, die das Schicksal mangels umtriebiger Vorfahren verurteilt, wie Sisyphos geschmiedet an eine einzige Fußballnation zu verharren. In Österreich geboren und aufgewachsen, Sohn österreichischer Eltern, die Kinder österreichischer Eltern waren. Niemals winkt hier ein internationaler Titel, nur selten eine EM-Teilnahme. Nicht einmal der Umstand hilft, dass spätestens die Großmutter jedes österreichischen Spielers irgendwann einmal einen deutschen Pass gehabt hat.

Benachteiligung, die von hier aus bis in alle Ewigkeit reicht. Könnte ein Sohn von Mezut Özil sich trotz dessen langjähriger Laufbahn in der deutschen Nationalmannschaft selbst eines Tages auf seine türkischen Wurzeln berufen und für die Türkei spielen - und sei es nur, weil es für die deutsche Elf nicht reicht -, so bleibt diese Türen allen versperrt, die mononational geboren sind.

Im Unterschied zu seinem Kollegen Özil hat Thomas Müller, ein Bayer mit oberbayrischen Wurzeln, nur eine Chance in einer Mannschaft eines Landes. Müller kann mit Deutschland gewinnen oder gar nicht, wie auch seine Nachkommen bei Welt- und Europameisterschaften für die DFB-Elf werden spielen können - oder gar nicht. Die multinationale Wahl, die den vieldiskutierten Jerome Boateng ins deutsche Team und seinen Halbbruder Kevin Prince in das von Ghana verschlug, bleibt ihm verwehrt bis ins fünfte Glied.

Diskriminierung, die im Unterschied zu Doppel- und Dreifachpass kein Thema ist. Obwohl in Deutschland aussortierte Nationalspieler wie Goretzka, Schmelzer oder Volland bei den Nationalmannschaften von schwächeren Fußballnationen wie Spanien, Albanien und Schweden mit Sicherheit eine hervorragende Rolle spielen könnten, verhindern ein veraltetes, auf Abstammung und Herkunft ausgerichtetes Staatsbürgerschaftsrecht und auf Benachteiligung ausgerichtete Fifa-Regelungen einen Einsatz der Mononationalen für Staaten ihrer Wahl.

Alle Türen zu Integration und Inklusion bleiben den Betroffenen verschlossen, ja, schlimmer noch: Ihr bedauernswertes Schicksal kümmern niemanden in Parteien oder Gleichstellungsindustrie. Aus der kommt bislang nicht einmal der Ruf, Sportlern die Wahl der Nation generell freizustellen.

Montag, 13. Juni 2016

Partystimmung beim Populisten: Ermordete als Wahlkampfmunition

Ein Anschlag, wiedereinmal. Und damit glücklicherweise wiedereinmal eine Gelegenheit für Hetze, Hass und Zweifel. Ralf Stegner, der linke Flügel der deutschen Arbeiterbewegung, griff die Vorlage aus Orlando umgehend auf, um Wahlkampf gegen Donald Trump zu machen: Nicht der Islamismus, nicht von irrwitzigen Religionen genährter Schwulenhass oder ein schlichter Knacks in der Birne seien verantwortlich für die 50 Toten aus Florida.

Sondern Donald Trump, die Waffenlobby, lasche Waffengesetze und die fehlende Gleichstellung Homosexueller.

Stegner, der Kämpfer, der schon seit Jahren Vorsicht vor übertriebener Demokratie predigt, zeigt damit beispielhaft, wie sich Tragödien politisch missbrauchen lassen, wenn gewissenlose Populisten freien Zugang zu Twitteraccounts bekommen: Die Folge ist eine Verhöhnung der Opfer, eine Instrumentalisierung grausamer Morde, ein Gassiführen des eigenen Hasses auf alles, was irgendwie anders ist, anders glaubt und denkt als man selbst.

Keine Stunde nach seinem Hasstweed gegen Trump war Ralf Stegner schon wieder in Partylaune. "Superszene des artistisch spielenden Jerome Boateng verhindert Gegentor", twitterte er. Aber auch die beste Stimmung verhindert bei dem Bad Dürkheimer Populisten natürlich nicht, dass er noch eine Beleidigung in die Welt pustet: "Ob diese Knalltüte von den Rechtspopulisten zusieht?!"

Stegner Beitrag zu einer Phase der gesellschaftlichen Entwicklung, die droht, außer Rand und Band zu geraten. Fremdenfeinde und Hetzer, Hasser und Rattenfänger nutzen die großzügigen Regelungen des Grundgesetzes, um ihre sogenannten "Meinungen" öffentlich zu verbreiten. Harte Rechtsradikale, Sachsen, Deutsch-Türken und andere Vandalen versuchen permanent, die freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu provozieren.

Zeit zum Eingreifen für die wehrhafte Demokratie! "Sind die Zäune der Zivilität erst eingerissen, trampeln Fanatiker und Extremisten dreist und furchtlos durch die politische Landschaft", analysiert die Süddeutsche Zeitung. Das aber darf nicht sein, es gibt schließlich ausgeschilderte Wege, Meinungskorridore und Autobahnen, auf denen gefahren werden kann. "Der Rechtsstaat hält viel aus, er muss viel aushalten - aber eines darf er auf keinen Fall zulassen: dass Volksverhetzer ihn verlachen", weil sie glauben, auch Charlie sein, Völkermorde mit Freifahrtsschein vom Gericht zu leugnen und die Kanzlerin wie im Ausland üblich in Uniform darstellen zu dürfen.



Grüne Jugend: Wie Hetzer und Hasser die deutsche Fahne missbrauchen

Nur halbherzig hat es die Bundesregierung versucht, indem sie die frühere Nationalmannschaft zukunftsorientiert in "die Mannschaft" umbenannte. Etwas weiter ging die Internationalistische Ultra-Initiative IUIMI, die ein Ende des nationalistischen Hass-Spektakels Fußball-EM und ein Umsteuern in Richtung einer einheitlichen, multinationalen EU-Mannschaft forderte.

Statt junge Männer aus befreundeten Ländern vor aller Augen aufeinanderzuhetzen bis aufs Blut und damit die noch bestehenden Gräben zwischen den Partnerländern zu vertiefen, schlägt auch die Grüne Jugend nun entschlossene Maßnahmen vor. "Auch wir wünschen uns ein spannendes, buntes und gemeinsames Fußballfest", schreiben weit vorausdenkende Funktionäre aus Rheinland-Pfalz, "doch Fußballeuphorie muss nicht patriotisch sein". Wer für eine Mannschaft sei, sei immer gegen alle anderen. "Wer sich als patriotisch definiert, grenzt Andere aus."

Am Anfang steht Fußball, am Ende steht Krieg, das lehrt die Geschichte, heißt es im "Spiegel". Eben feiern sie noch die fragwürdige "deutsche" Mannschaft "mit wehendem Deutschlandbanner in der Hand". Und am selben Abend zünden sie schon "national berauscht ein Asylbewerberheim an", schreibt Andreas Borcholte, ein kluger, großherziger, antinationaler Dichter. Ist doch so!

"Die Wirkung von Patriotismus hat immerzu Konsequenzen und wird besonders dort deutlich, wo er sich als aggressive Form darstellt und das Andere als Feind stigmatisiert", wissen die grünen Jugendlichen. Zur Fußballeuropameisterschaft fordern die Grünen deshalb alle Fans dazu auf, nationalistischem Gedankengut keinen Raum zu lassen. Keine Handbreit einem Spektakel, das nur Rechtspopulisten, Nationalisten, Fußballfans und gewissenlosen Fahnenherstellern.

Die antinationalistischen Aktivisten der IUIMI haben die Solidaritätserklärung der Grünen begrüßt, die Inkonsequenz der Forderungen aber als "knieweich und kompromisslerisch" angeprangert. Wer gegen Nationalismus sei, müsse prinzipiell gegen das Prinzip Nationalmannschaft als solches Front machen, heißt es in einer Stellungnahme der internationalistisch orientierten Fanorganisation. Man kämpfe deshalb nicht gegen Fahnen, die nur ein Symbol für ein krankes, am Kriegsprinzip längst vergangener Zeiten festhaltendes Fußballturnier seien. "Stattdessen plädieren wir für die schnellstmögliche Auflösung aller nationalmannschaften und für die Gründung einer europäischen Mannschaft, in der Spieler aller ehemaligen Länder gleichberechtigt und mit gleicher Einsatzzeit auflaufen."

Die Grüne Jugend sei herzlich eingeladen, sich in diesen Kampf einzubringen. "Aber bitte mit ernsthaften Forderungen, nicht mit einem symbolischen Kampf gegen Fahnen."

Sonntag, 12. Juni 2016

Doku Deutschland: Böser Brite provoziert Bilderberger mit Brot

Pressemitteilung, Polizei Dresden.

Die Dresdner Polizei setzte ihren Einsatz anlässlich der Bilderberg-Konferenz heute fort.

Gegen 16.55 Uhr wurde unmittelbar am Absperrzaun vor dem Tagungshotel ein Mann festgestellt, der ein Drei-Pfund-Brot bei sich hatte.

Da die Einsatzkräfte das Brot als mögliches Wurfgeschoss einschätzen, forderten sie den 32-jährigen Briten auf, die Straßenseite zu wechseln, um so den Abstand zum Zaun zu vergrößern.

Dieser Aufforderung kam er nicht nach, sodass er letztlich in Gewahrsam genommen werden musste. Er muss sich nun wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

Der Polizeieinsatz dauert an.

Mehr Doku, mehr Deutschland in der zeitkritischen PPQ-Reihe

Brexit: Warum wir die Briten nicht mehr brauchen

Sie haben die Demokratie erfunden, die Menschenrechte und den Tee, sie haben Indien die Zivilisation gebracht, Afghanistan den Frieden und Deutschland vom Hitlerfaschismus befreit. Schließlich verabschiedete sich Großbritannien sogar von seiner splendid isolation, um gemeinsam mit den Feinden von früher eine bessere Welt zu bauen: Europa, geeint und friedlich, mit zwei Währungen und vielen Sonderregeln für die Insel, denen die Partner vom Festland gern zustimmten, weil der Brite geschichtlich einige Verdienste hat.

Doch nun ist Schluss damit. Anfangs noch belächelt, wird der Ausstiegswunsch der Briten aus der immerhin mit dem Friedensnobelpreis geehrten Völkerfamilie zur materiellen Gewalt zu werden. Der Brite, vor allem der englische, scheint wirklich gehen zu wollen.

Und Europa wird ihn ziehen lassen. Denn so sehr Großbritannien auch seine Verdienste hat - die Beatles, die Stones, die Geburtstagsparaden der Queen - so wenig ist ihre Anwesenheit inmitten der gutwilligen Völker heute noch notwendig. Der Brite als solcher, er schadet nur: Verprügelt Franzosen, hetzt gegen Martin Schulz, hält an seiner eigenen separatistischen Währung fest und weigert sich, richtigherum zu fahren.

Das renommierte Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat jetzt die einzig richtige publizistische Haltung dazu in ein alternativloses Titelbild gegossen: "Please leave", steht da, und auf deutsch: "Haut doch ab!". Darunter klein als Untertitel: "Warum wir den Briten keine Träne nachweinen".

Wegweisend, denn die deutsche Qualitätspublizistik verlässt damit erstmals seit dem Ende des "Schwarzen Kanals" die knieweiche Position des unbefangenen Beobachters und beginnt, engagiert für das gemeinsame Ziel aller friedliebenden Menschen zu kämpfen - den Erhalt der Union, ohne die der Euro nichts ist, wodurch ganz Europa verschwinden würde.

Ausnahmsweise nicht im Fernsehen: Hooligan-Randale beim Fußballmärchen 2006 in Deutschland

Samstag, 11. Juni 2016

Aufatmen in Albanien: Fatwa erlaubt Fußball

Es stand Spitze auf Knopf bis kurz vor Anpfiff. Wird die sogenannte Euro - früher bekannt als Fußballeuropameisterschaft - überhaupt angepfiffen werden können? Mitten im Fastenmonat Ramadan, dessen strenge Vorschriften teilnehmende Nationen wie die Türkei, Albanien, aber auch einzelne Spieler aus Frankreich, England, Deutschland und Italien tagsüber daran hindert, zu Essen, zu Trinken und Sport zu treiben?

Zum Glück fiel einem der wenigen älteren Mitarbeiter des DFB, die im Hauptquartier in Frankfurt aus der gloriosen Ära von Theo Zwanziger übrig geblieben sind, kurz vor Toresschuss ein, dass der deutsche Fußballverband dieselbe peinigende Frage bereits vor Jahren hat höchsten Ortes entscheiden lassen. Darf ein guter Muslim - bis zu den Terroranschlägen von 2001 im Deutschen schlicht "Moslem" genannt - im Ramadan gegen den Ball treten? Darf er vor der Verlängerung einen Schluck Wasser nehmen? Und vor Spielbeginn Nudeln essen?

Entscheidende Punkte, die der DFB gemeinsam mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorbeugend abgeklärt hat. In einem theologischen Rechtsgutachten der Al-Azhar-Universität in Kairo, einer der führenden Autoritäten des Islams, kommen die Gelehrten zum Schluss, dass nichts gegen Fußball spricht.

„Der Arbeitsvertrag zwischen dem Spieler und dem Verein zwingt den Spieler zu einer bestimmten Leistung, und wenn diese Arbeit, laut Vertrag, (nicht für Amateur- und Hobbyfußball) seine einzige Einkommensquelle ist und wenn er im Monat Ramadan die Fußballspiele bestreiten muss und das Fasten Einfluss auf seine Leistung hat, dann darf er das Fasten brechen.“

Übertragen auf die Verpflichtung von Nationalspielern, für ihr Land anzutreten - selbst wenn sie das Konzept des Nationalstaates als ewiggestrig ablehnen - bleibt Fußball damit erlaubt. Wenn auch nur, weil die antretenden Stars allesamt Profis sind.

Aufgrund dieser eindeutigen Aussage verzichtete der hochangesehene Europäische Fetwa-Rat in London, der einer landeseigenen Briefkastenfirma aus Sachsen-Anhalt einst schon den Weg zu Millioneneinnahmen aus dem arabischen Raum geebnet hatte, auf ein weiteres theologisches Gutachten. Die Professoren und Imame von El-Azhar hätten beispielhaft ausführte, dass man bei allen Rechtsschulen des Islam zum gleichen oder ähnlichen Schluss gelangen könne, wenn man wolle.

Gegen die Krise: EZB startet Altsockenankauf

In der Welt der Zahlen kennt sich Annemarie Schröder bestens aus. Die 56-Jährige arbeitet bei ReWe an der Kasse, und wann immer es darum geht, Kunden, die besonders günstig an Waren herankommen wollen, abzukassieren, ist die gelernte Blumenhändlerin da und drückt mit ihren geschickten Händen die Kassentasten.

In wenigen Wochen könnte sie es im Bedarfsfall noch leichter haben, Kunden zum Einkauf von noch mehr Waren zu überreden. Dann nämlich wird die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals dazu übergehen, überzählige Haushaltsgegenstände, Altautos, gebrauchte Kleidung und abgelegte Bücher zu kaufen, um mehr Bargeld in Umlauf zu bringen, ohne die Privatschuldenquote zu erhöhen.

Es ist der nächste Coup, den sich der EZB-Rat unter der Leitung von Mario Draghi ausgedacht hat, um Europas Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Milliarden haben die Notenbanker bereits verausgabt, für europäische Staatsanleihen oder Pfandbriefe. Nun kommt der 770 Trillionen Euro schwere Second-Hand-Markt für private Waren hinzu: Alle beweglichen Güter, die in Wohnungen, Garagen und Kellern irgendwo in Europa schlummern, oft völlig vergessen von ihren Besitzern, können demnächst zu Bargeld gemacht und für neue iPhones, Jeans, Milch für Vollbäder oder Flachbildfernseher ausgegeben werden.

Die EZB wird damit zum Direktinvestor in Europas Wirtschaft, ohne dass das Geld wie bisher den Umweg über das Bankensystem nehmen muss. Die Risiken der Aktion sind zwar nicht abzuschätzen, der Nutzen für die Bürger übertrifft den der umstrittenen E-Auto-Initiative der Bundesregierung dagegen unzweifelhaft. Geht alles so wie von Draghis Spezialisten errechnet über die Bühne, wird die EZB binnen eines Jahres Alt- und Gebrauchtwaren von der Socke über das Silberbesteck bis hin zu ausgelesenen Zeitungen und Elektroschrott im Wert von rund 170 Milliarden Euro aufkaufen.

Geld, das anschließend planmäßig in den Konsum von Neuwaren fließen dürfte. Gemessen an den Erwartungen der Zentralbanker fällt die Einschätzung von Praktikern wie Annemarie Schröder geradezu euphorisch aus. "Mit der EZB als Investor für Gebrauchtartikel steigen die Preise für ältere Waren, damit erscheinen Neuwaren optisch günstiger“, glaubt sie. Dadurch entstehe höchstens die Gefahr, dass die Marktliquidität abnimmt, weil Fabriken in China nicht mehr mit der Produktion hinterherkommen. Mögliche Folge: deutlich stärkere Preisschwankungen.

Es sind aber die einzigen Bedenken, die das neue Programm der Währungshüter schürt. Immerhin ist CSPP, das "Corporate Sector Purchase Programme", nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen Draghi und seine Kollegen seit Jahren mit großem Erfolg versuchen, durch viel Geld Europa zu retten. Die Bilanzsumme der EZB, das buchhalterische Spiegelbild ihrer Aktivitäten, hat sich mittlerweile auf über drei Billionen Euro aufgebläht, dafür aber ist Europa, das 2009 schon totgesagt worden war, immer noch da.

Gemessen an der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone pumpt die EZB zwar mehr Geld ins System als die für ihren Aktionismus oft gescholtene US-Notenbank Fed, aber umgerechnet auf die Europäer sind die Zahlen keineswegs erschreckend: Rund 10.000 Euro Schuldenlast trägt jeder Bürger der Euro-Zone wegen der EZB-Schulden. Verglichen mit den 27.000 Euro, aus der normalen Verschuldung des Bundes, die auf jeden Bundesbürger entfallen, ist das eine Summe, die kaum ins Gewicht fällt.




Freitag, 10. Juni 2016

Wenn Sexis muss: Zwischen nackt und praktisch nackt


Die "Watchgroup Sexismus", der sich das machoistische Frauenboard PPQ bereits vor Jahren angeschlossen hat, wacht im Netz über Geschlechterklischees und Rollenbilder, Klischees und Vorurteile, die Verharmlosung von Gewalt, Sexismus und die besonders üblen Mehrfachdiskriminierungen, bei denen etwa Vorurteile über Geschlechterklischees im Zusammenhang mit Gewalt missbraucht werden. Und sie ist hier wieder fündig geworden:



Die Frau trägt, das ist praktisch nicht zu übersehen, einen Bikini. Es kein Minikini und kein Hauch von nichts, sondern ein schwarzes, blickdichtes Teil, das die Regionen in der Nähe der Zonen, die Nacktheit beim Menschen definieren, vollständig bedecken.

Die Frau steht auf einem großen Plakat. Das Plakat hängt auf einem großen Platz in München. Die Frau sei, so hat die Süddeutsche Zeitung mit Hilfe einer Sonderkommission aus drei Reportern herausbekommen, "praktisch nackt".

Was aber bedeutet das? Was macht ein Mädchen im Bikini nackt, obwohl sie doch sichtlich angezogen ist? Wieso ist ein brasilianisches Model in "Italian Beachwear", dem es dem abgebildeten Foto zufolge nicht gelingt, auch nur einen Blick der vorübereilenden Passanten auf sich zu ziehen, "aufreizend"? Und sexistisch?

Die Frau wirbt nicht für eine Partei, nicht für einen Schokodrink, nicht für ein Auto. Sondern für das, was sie trägt. Sexistisch ist also ihre Größe? Ihre Pose? Was genau ist "monströs und sexualisierend" (SZ) an der 114-Quadratmeter Werbefläche? Die blanke Bauchhaut, der Kajalstift? Wie vermittelt das Plakat seine geheime Botschaft "an junge Mädchen, ihr müsst möglichst dünn und fast magersüchtig sein" (SZ), wo das abgebildete Model doch allenfalls als schlank zu bezeichnen ist?

Fragen, die die Süddeutsche Zeitung mit einem Tuch zudeckt, auf dem  "Sexismus" steht. Frauen in Bikinis sind Sexismus, denn Sexismus ist praktisch Sexismus, wenn Sexismuss, weil Gabriele Nuß von der städtischen Gleichstellungsstelle "schlucken muss" (SZ).

Schlimm dabei: "Schlucken muss" ist wiederum sexistisch. Männer würden sagen: Praktisch.