Freitag, 10. Februar 2012

Immer diese Impfgegner

Es muss richtig hart sein. Ein Buch mit dem Rezept für die Rettung der Welt zu verfassen. Und dann in der Verkaufshitparade jenseits des Platzes 130.000 dahinzuvegetieren. Dabei verspricht der Titel „Wir Klimaretter - So ist die Wende noch zu schaffen“, den Toralf Staud und sein Co-Autor Nick Reimer ihrem Werk gegeben haben doch nichts weniger als ein Ende der Erderwärmung, ach was, den Abschied vom Ende der Erde.

Aber die Menschen wollen nicht hören. Dass sie nicht lesen wollen, kann niemand behaupten, denn dummerweise liegt das Buch „Die kalte Sonne: Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet“ von Fritz Vahrenholt auf Platz 19 derselben Amazon-Hitparade.

Verständlich, dass Toralf Staud stinksauer ist. Der Mann aus Salzwedel, der sein publizistisches Leben dem Kampf gegen den Rechtsextremismus widmete, ehe er begriff, dass die viel größere Gefahr nicht von ein paar wenigen Nazis, sondern von Millionen nicht nachhaltig lebenden Normalmenschen droht, rechnet deshalb nun seit Tagen ab mit dem „Sarrazin der Klimadebatte“, wie er ihn in einem Beitrag für die gleich in der Überschrift nennt, damit die, die sein Buch schon nicht gelesen haben, es sich nun ersparen können, seine Generalabrechnung mit dem Leugner und Verharmloser gar nicht erst lesen müssen.

Sie verpassen allerdings auch nichts. Der ehemalige Hamburger Umweltsenator und heutige Spitzenmanager des Energieversorgers RWE "behaupte, dass der Weltklimarat komplett irre (oder bewusst lüge) und in Wahrheit die Sonne hauptverantwortlich sei für den Klimawandel, dass in den nächsten Jahrzehnten eine natürliche Abkühlung bevorstehe und sich deshalb die Menschheit mehr Zeit lassen könne mit dem Abschied von fossilen Energieträgern". Wie Sarrazin versuche Vahrenholt dabei, politische Thesen wissenschaftlich zu unterfüttern.

Dank Toralf Staud aber, der schon im „Spiegel“ eine mutige Abrechnung mit den wenn schon nicht kruden, so aber doch „dürren“ (Staud) Thesen des unter Lobbyverdacht stehenden Ex-Politikers unterbrachte, gelingt das nicht. „Die wissenschaftlichen Belege für seine Thesen aber, das war bei Sarrazin genauso wie jetzt bei Vahrenholt, halten einer Überprüfung nicht stand“, schreibt Staud nun auch in der „Zeit“, die seinen auf links gedrehten „Spiegel“-Beitrag noch einmal „bereitwillig ausgebreitet“ (Staud).

Es ist ja auch unerhört. Da ist jemand anderer Meinung als der studierte Philosoph aus Salzwedel. Und er wagt das auch noch öffentlich zu sagen! Und mit Belegen zu untermauern, die er für Fakten hält.

Dabei halten die "einer Überprüfung" (Staud) durch den Rechtsextremismusexperten Staud natürlich nicht stand. Schon deshalb nicht, weil, wie der Liebhaber von Fügungen wie „die allermeisten Wissenschaftler“ schreibt, die Klimawissenschaft vor dem Problem stehe, „dass ihre Nachrichten für Medien unattraktiv sind: Entweder sind neue Erkenntnisse so speziell, dass sie kaum jemand versteht. Oder sie bestätigen nur ein weiteres Mal, was man über den menschengemachten Klimawandel ohnehin schon weiß.“

Damit könnte es doch gut sein. Dass der Schnee, der im Deutschland der Zukunft nie wieder fallen sollte, ziemlich dick liegt, könnte als spezielle Folge des menschengemachten Klimawandels“ ebenso durchgehen wie die nach allen Vorhersagen der vergangenen Jahre zunehmende feuchte Wärme im Winter, die nur die letzte vier Jahre mal in klirrendem Frost äußert. Aber nein, entdeckt Toralf Staud ein bisher weltweit völlig übersehenes Phänomen, das als „Staudsche Regel“ Eingang in alle journalistischen Lehrbücher finden sollte: „Offensichtlich finden Zeitungsredaktionen Kontroverse spannender als den wissenschaftlichen Konsens“.

Das muss richtig hart sein. Das tut so weh. Mehr als ein Mensch bei klarem Verstand ertragen kann. Toralf Staud tut es dann doch. Er greift zum letzten Mittel in der Sachdebatte: Vahrenholts Thesen seien „ähnlich krude“ wie die von, nein, nicht Sarrazin. Sondern die von „Impfgegnern“ (Staud). Nein, das sind nicht die, die aus Angst vor Infektionen Millionen Dosen Impfstoff kaufen, um ihn dann in den Verbrennungsofen zu kippen.

Klimavorhersagen leichtgemacht: Wenn die Indianer Feuerholz sammeln
Erst jetzt entdeckt: Die Anmerkung verarztet Staud

Kriegswinter im Klimaofen

Wie auf ein geheimes Signal dackelt die Truppe im großen Tross in die entgegengesetzte Richtung: Jetzt geht es nicht mehr darum, zu beweisen, dass jeder heiße Sommertag ein Beweis für die Existenz einer beunruhigend schnell steigenden Erderwärmung ist. Sondern darum, einen Beleg dafür zu finden, dass auch die langanhaltendste und bitterkälteste Abkühlung ihre wahre Ursache nur in der zunehmenden Erwärmung kann.

Die Erklärung der Experten ist ein Wunderwerk an Dialektik. Für gewöhnlich herrsche im Winter zwischen den hohen Breiten der Arktis und den weiter südlichen Gefilden des Nordatlantiks mit ihren Tiefdruckgebieten ein starker Luftdruckgegensatz. Dadurch können starke Westwinde vom Atlantik vergleichsweise warme Luft weit nach Mitteleuropa hinein transportieren. „Anders sieht es aus, wenn über dem arktischen Ozean die Luft erwärmt wird. Warme Luft steigt nämlich auf und das ist gleichbedeutend mit niedrigem Luftdruck“, zitiert Heise, was den durch Dauerfrost und Kältetote in Bedrängnis geratenen Erwärmungsforschern so eingefallen ist an Erklärung dafür, warum alles überhaupt nicht so kommt, wie sie immer vorhergesagt haben.

Weil Kälte von Erwärmung kommt, wie jeder weiß, der schon einmal gefroren oder geschwitzt hat. Friert man, zieht man etwas an. Dann wird einem warm. Man zieht sich wieder aus. Und beginnt wenig später wieder zu frösteln.

So entsteht eisiger Frost im Klimaofen. Fehlt das Eis im Norden wegen Erwärmung, dehnen sich über den sehr kalten Landmassen Nordskandinaviens und Nordwestrusslands Hochdruckgebiete aus, „die Väterchen Frost bis vor unsere Haustüren fegen“, erläutert der Text „Die Kälte, die aus der Wärme kam“.

Der Klimawandel ist es also, der in "hiesigen Breiten kalte Winter eher wahrscheinlich“ macht. Und das nach Temperaturaufzeichnungen, die bei Luise Berlin einzusehen sind, schon geraume Zeit länger als die pfiffigen Forscher vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung bisher geglaubt haben.

Denken wir nur an die drei extrem kalten Winter 1939/40, 1940/41 und 1941/42, älteren Opfern noch als die „drei strengen Kriegswinter“ bekannt. Theoretisch eigentlich völlig unmöglich, dass sich der Witterungsablauf damals schon so abspielte, weil das für die derzeitige Temperaturabkühlung verantwortliche getaute Eis im Norden ja seinerzeit noch voll funktionsfähig war. Dessenungeachtet kam es im Jahr 1942 in Berlin zwischen dem 6. Januar und dem 16. März zu einer Frostperiode mit 70 Tagen Dauer. Und durchschnittlich gesehen war der Winter 1939/40 mit einer Temperatur von minus 6,2 Grad sogar noch bitterer.

Wer war damals schuld? Wenn es das Abschmelzen der großen Eisflächen nicht war? Hitler? Stalin? Wieso war der Februar 1990 der wärmste aller Zeiten? Und wieso war der Winter 1979 so kalt? Und der 1963 noch kälter? Gar nicht zu reden vom Januar 1838, der mit minus 8,9 Grad trotz kompletter Arktiseisbedeckung fast auf Augenhöhe lag mit dem Kriegswinter ´40. Während der Januar 2012 bei abgeschmolzenem Arktiseis „nach dem Dezember 2011 der zweite zu milde Wintermonat in Folge“ war, wie der Deutsche Wetterdienst vor Beginn der Kaltzeit stolz meldete.

Vorhersagen und wie sie entstehen: Wenn die Indianer Feuerholz sammeln

Donnerstag, 9. Februar 2012

Der süße Kuss des Staatssparplans

Die Realität holt die Kunst ein und sie tut das mit einem Sinn für Geschichte. Nach Jahren des Zuschauens, Monaten des Rettens und abschließenden Tagen des Wartens, Hoffens und Bangens konnte das vereinigte Europa jetzt Vollzug melden: Griechenland ist ein weiteres Mal gerettet. Für nur 130 Milliarden erwirbt die Staatengemeinschaft vom schwer verschuldeten Mitgliedsland das Recht, dort scharfe Sparmaßnahmen durchsetzen zu können. Griechenland erklärt sich im Gegenzug bereit, 15.000 Beamte zu entlassen und alle Löhne in der Privatwirtschaft so lange einzufrieren werden, „bis die Arbeitslosenquote von derzeit knapp 21 Prozent auf zehn Prozent gefallen ist“.

Allein die Beamten-Entlassung bringt ein Sparvolumen von 600 Millionen im Jahr.Selbst wenn die Arbeitslosenquote in den kommenden 200 Jahren nicht auf zehn Prozent fällt, wird das Land, dass nach Ansicht des deutschen Politikers Georgios Chatzimarkakis zur besseren Spurenbeseitigung in „Hellas“ umbenannt werden sollte, die gesamte zweite Hilfstrance allein aus diesem Sparbudget schon in 216 Jahren zurückzahlen können.

Auch dabei gilt, wie die norwegische Sängerin Anne Ternheim in ihrer Coverversion des Pat McLaughlin-Schunklers sind „The longer the waiting, the sweeter the kiss“. Wer warten kann, ist klar im Vorteil, denn er hat Zeit, auf den Moment zu warten, in dem ihm das, was andere begehren, einfach so in den Schoß fällt. Im Frühling, wenn der Frost sich verzieht und die Knospen sprießen: „Though we won't be together again 'til the spring, just imagine the treasures I'll bring”.

Zusammen stehen, zusammen gehen, zusammen sterben. Ternheim, die als Norwegerin einen objektiven Blick auf den Euro hat, singt der Gemeinschaftswährung ein Schlaflied. Wer sich mit Schweinen hinlegt, steht schmutzig auf. Wer betrügt, wird betrogen. Wer Verfassungsgrundsätze aufgibt, hat keine mehr, wenn er sie am dringendsten braucht. „Come lay with me, stay with me, soon I'll be gone, I will remember you all winter long, and when I return to the one that I miss, oh, the longer the waiting, the sweeter the kiss.”

Iron Sky: Rückkehr der Reichsrekordwochen

Es ist soweit, sie kommen. Fünf Monate nach dem plötzlichen Ende der letzten bewaffneten Nazitruppe in Deutschland neigt sich der Frieden, neigen sich die Zeiten von Andacht und aufgeregter Ursachenforschung dem Ende. Die Verharmloser, Fantasten und Unbelehrbaren starten zum Angriff auf Deutschlands Allerheiligstes: Den Glauben, dass der Schoß fruchtbar noch ist. Dass man aber nur genügend Reden gegen Rechts halten muss, um ihn dauerhaft in einer Unfruchtbarkeitsspirale zu halten, an der allenfalls Fehlgeburten wie die "Zwickauer Zelle" vorüberschlüpfen.

Iron Sky ist allerdings anders. Größer. Wuchtiger. Verstörend finnisch. Das Böse wird hier nicht von drei braunen Bombern gespielt, die am Hungertuch nagend Bankazubis anschießen. Sondern von Udo Kier, der den Anführer einer auf der dunklen Seite des Mondes liegenden Nazi-Basis gibt, der sich für die "Medizin gegen die kranke Welt" hält. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges ist der Nazi-Wissenschaftler so wie von der Bild-Zeitung aufgedeckt, in die Antarktis geflohen. Auf der Polarstation Neuschwabenland werden Reichsflugscheiben gebaut, mit denen die Reste des Regimes auf die Mondrückseite flüchten.

70 Jahre haben die Nazis auf ihre Rückkehr gewartet, immerhin vier warten wir schon auf den Kinostart des Epos, das wir von Anfang an durch den Kauf von Militär-Kappen mit der Aufschrift "Raumsturmführer" unterstützt haben. Lange sah es danach aus, als würde die von ihren Machern als "Komödie" verharmloste Dokumentation hierzulande unter das Wiederbetätigungsverbot fallen, nun aber hat es Regisseur Timo Vuorensola sogar geschafft, dem 2D-StarWars aus dem Jahr 2018 einen Berlinale-Start zu organisieren. Der offizielle Trailer für das Großwerk, das vom Kinomagazin "Jungle World" bereits den Ehrentitel "wahrscheinlich beklopptester Film des Festivals" bekommen hat, ist jetzt da. Kinostart ist dann Anfang April, wobei am 20.4. keiner Vorstellungen stattfinden werden, um "Demonstrativhandlungen" vor den Filmtheatern zu verhindern.

Der Spion, der aus der Wärme kam

Vor drei Tagen wurde die syrische Spionagezelle in Berlin enttarnt. Jahrelang war der Verfassungsschutz ahnungslos, konnten die bis zu acht Mitglieder der Zelle offenbar völlig unbehelligt leben und syrische Oppositionelle ausspionieren und bedrohen. Die Öffentlichkeit ahnte nicht, dass hinter vielen Vorgängen im Land die Assad-Schergen steckten.

Wie konnte es soweit kommen? Wie konnten sich gefährliche Agenten jahrelang unentdeckt unter die deutsche Bevölkerung mischen? Bis schließlich in dieser Woche Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) und des Landeskriminalamtes (LKA) aufgeschreckt durch die blutigen Geschehnisse in Syrien zuschlugen und die beiden Köpfe der Spionageorganisation in Berlin mit Unterstützung von Spezialeinheiten festnahmen.

Einmal mehr bieten die deutschen Geheimdienste ein Bild grandioser Ahnungslosigkeit. Stillschweigend oder unwissend duldeten sie, dass die beiden Festgenommen zusammen mit sechs weiteren Verdächtigen jahrelang in der Hauptstadt lebende syrische Oppositionelle beobachteten und geheimdienstliche Agententätigkeit leisteten. Erst nach der Festnahme der 34-jährigen Syrers Akram O. und des 47-jährigen Deutsch-Libanesen Mahmoud El A. wurde das ganze, über Jahre hinweg vertuschte Ausmaß der Unterwanderung der Zivilgesellschaft deutlich: Mindestens zwei weitere Syrer, zwei Deutsch-Syrer und zwei weitere Libanesen gehörten zum Spionagenetz, zumindest einige der Verdächtigen sollen Botschaftsangehörige sein.

Wussten die Behörden nichts? Oder wollten sie nur nichts wissen? Der Fall erinnert stark an den des 45-jährigen Omar K., der im Herbst 2010 von der Bundesanwaltschaft als mutmaßlicher libyscher Spion inhaftiert wurde. Der Mann, der seinen Spionagehauptsitz im ostdeutsche Halle aufgebaut hatte, wurde verdächtigt, für den libyschen Geheimdienst im Exil lebende Oppositionelle ausgeforscht haben. Auch hier arbeitete ein ganzes Netz: Ein 42-jährigen Libyer wurde als Führungsoffizier des libyschen Geheimdienstes entlarvt, der neben Omar K. Dutzende weiterer informeller Mitarbeiter leitete. Nur wenig später entlarvten die deutschen Sicherheitsbehörden ein mutmaßliches russisches Agentenpaar, das seit mehr als 20 Jahren unerkannt in Deutschland spioniert haben soll. Die Eheleute standen nach einem Bericht des „Spiegel“ im Verdacht, für den russischen Auslandsgeheimdienst SWR gearbeitet zu haben.

Ist ganz Deutschland unterwandert? Gibt es vielleicht auch ägyptische, chinesische, argentinische, britische, namibische oder schwedische Spione im Land? Sehen die Geheimdienste tatenlos zu? Oder sehen sie weg? Bis die entsendenden Regimes marode genug sind, es ihnen heimzuzahlen? Der libysche Spion aus Halle wurde später vom Berliner Kammergericht wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten verurteilt und dürfte inzwischen wieder auf freiem Fuß sein. Von dem „russischen Agentenpärchen“ ist nach der Festnahme niemals wieder in irgendeiner deutschen Zeitung die Rede gewesen. Konnten die verdächtigen fliehen? Leben sie im Untergrund? was weiß der Verfassungsschutz? Vertuscht die Presse etwa wieder mit? Wird es einen, zwei, viele Untersuchungsausschüsse geben? Oder noch mehr? Wo bleibt die zentrale Datenbank für Spione und Spioninnen? Das Bundesagentenabwehrzentrum?

NSU: Wasserschaden durch Terro(h)rbruch

Mittwoch, 8. Februar 2012

Wulff-Monate bei PPQ: Der Bargeld-Präsident


Er gab den Menschen ein Beispiel und zeigte dem Volk in Zeiten der Finanzkrise, dass er die Möglichkeiten der modernen Technik nutzt und ihnen vertraut. Keine Angst vor dem Bankrun! Bundespräsident Christian Wulff, so teilte sein Anwalt Lehr Anfang des Jahres mit, nutze "für alle privaten Ausgaben ausschließlich die Kreditkarte der Lufthansa" (Zitat).

So ist das. Keine EC-Karte. Keine Überweisungen. Keine anonymen Bundesbank-Schecks. Kein Bargeld.

Eine grundehrliche Auskunft, an der jetzt jedoch Zweifel aufgetaucht sind. Diesmal geht es um einen Urlaub auf Sylt, den ein Unternehmer, mit dem Wulff garantiert "keine geschäftlichen, privaten oder gar politischen Beziehungen" verbindet (Kurt Beck), dem "Big, Bad Wulff"‎ (Wall Street Journal) im Jahr 2007 für den damaligen niedersächsischen Ministerpräsident verauslagt hatte, der seinerzeit auch den Ehrentitel "Krawattenmann des Jahres" trug. Nachdem die ersten Journalistenanfragen zu den Urlaubsaufenthalten des ersten Mannes im Staate kursierten, erschien der Unternehmer dann persönlich im betreffenden Hotel, um "alle existierenden Unterlagen darüber an sich zu bringen", wie die "Bild"-Zeitung berichtet.

Es geht um Summen, die Staunen machen. Wulff übernachtete vom 31. Oktober bis zum 3. November 2007 im Sylter Hotel "Stadt Hamburg", er ließ wie stets die Suite nehmen, die pro Nacht 258 Euro kostet. "Die Organisation des Aufenthalts erfolgte durch Herrn Groenewold", erklärte Wulffs Anwalt Gernot Lehr nach Bekanntwerden des Ausfluges, "Herr Groenewold hatte die Hotelkosten verauslagt. Herr Wulff erstattete Herrn Groenewold die verauslagten Kosten des Aufenthalts in den Räumlichkeiten des Hotels Stadt Hamburg." Die Zahlung sei "in bar" erfolgt.

Hier nun verwickelt sich der Bundespräsident, der seit Monaten überwiegend mit der Stimme des Anwaltes zu seinem Volke spricht, zum ersten Mal in seiner seit zwei Monaten laufenden Doku-Soap "Wulff - Ein Mann stolpert seinen Weg" in einen wirklich ernsten, im Diesseits nicht mehr sinnvoll auflösbaren Widerspruch. Denn einmal muss gelogen sein: Entweder, die Zahlung für das Hotelzimmer ist "in bar" erfolgt - bei 774 Euro sicher kein Problem, da ein Bundespräsident von Format immer ein paar Hunderter einstecken hat.

Dann aber wäre ja Wulffs Behauptung, er nutze "für alle privaten Ausgaben ausschließlich die Kreditkarte der Lufthansa" falsch. Oder es ist andersherum: Er hat die 774 Euro tatsächlich in bar "erstattet". Dann aber benutzt er eben doch nicht "ausschließlich die Kreditkarte der Lufthansa" für "alle privaten Ausgaben", sondern genehmigt sich gelegentlich Ausnahmen, von denen er bisher öffentlich erklären lassen hat, es gebe sich nicht.

Der kanns besser: Mein Dackel Präsident

Wulff-Wochen bei PPQ: Eine neue Lüge ist wie ein neues Leben

Klima-Minus nur Momentaufnahme

"Weniger Schnee, trocken-heiße Sommer und mild-feuchte Winter", so hatten die Klimaforscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung sich das ausgedacht mit den "wichtigsten Klimatrends für Deutschland". Wegen der Erderwärmung komme "Deutschland ins Schwitzen", meldete der "Focus" und bastelte aus den Hitzeträumen der Forschertruppe um Angela Merkels Klima-Chefberater Hans Joachim Schellnhube eine interaktive Karte, die das Aufheizen der Atmosphäre mit bunten Steckknöpfen illustrierte: "Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts könnte der Temperaturanstieg und die damit höhere Verdunstung in manchen Regionen Wasserknappheit verursachen", hieß es, "tauende Schneedecken im Osten" und "auch in der Mitte Deutschlands immer weniger Schnee" zeigten, dass "sich seit 1950 die Temperaturkurve signifikant nach oben bewegt" (Schellnhuber).

Die Folgen, so das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, werden grauenhaft sein. "Die derzeitige Hitzewelle", sagt Schellnhuber, sei wie ein Labor, "um zu studieren, was eine wärmere Welt bedeutet". Generell kämen auf die Gesellschaft ja höhere Investitionen für Kühlaggregate zu. "Wenn es in Deutschland im Jahresdurchschnitt wärmer wird, sparen wir zwar Heizenergie im Winter, aber die Zusatzkosten für die Kühlung wiegen dies auf." Daraus folge, dass die "bislang schon sichtbare Klimaänderung nur ein kleiner Vorbote viel größerer Veränderungen ist", die bei einem ungebremsten weiteren Anstieg der Treibhausgaskonzentration eintreten würden. "Bei Annahme einer Reihe plausibler Szenarien für die künftigen Emissionen rechnet etwa das Weltklimabüro IPCC mit einem globalen Temperaturanstieg von 1,4 bis 5,8 Grad bis zum Jahr 2100.

Im bundesweiten Durchschnitt wirkt das Wetter heute nur noch sehr kühl, doch seien zweistellige Minusgrade über mehrere Wochen nur eine "Momentaufnahme", während warme Sommertage die Erderwärmung bezeugen. Nach einem dreidimensionalen Klimamodell des Max-Planck-Instituts für Meteorologie wird sich die Zahl der Sommertage mit über 25 Grad schon bis 2050 auf 40 Tage im Jahr verdoppeln. Die Bauwirtschaft hofft bereits darauf: An zehn Wintertagen, an denen die Arbeit heute wegen niedriger Temperaturen noch ruhe, könne in Zukunft dank Erderwärmung weitergebaut werden.

Klimakonsenskritiker wie Focus-Leser Karl Wulff machen die Wissenschaft für Wetter verantwortlich, das es nicht mehr geben dürfte. "Leben die Klimaforscher in einer parallelen Welt? Die vergangenen beiden Winter hatten wir mehr Schnee als sonst", schreibt der Mann. Auch die Sommer seien "kalt und feucht" gewesen, argumentiert er.

Nicht vergebens. Eigens um die Logik-Lücke zwischen 18 Grad minus und zunehmender Erderwärmung zu überbrücken, hat der "Focus" bereits im kalten Winter 2010 Experten befragt. "Zwei harte Winter sagen noch gar nichts über das Klima aus“, sagte Prof. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung damals. Das stehe keineswegs im Widerspruch zur globalen Erwärmung, sondern belege sie sogar.

Dabei gelte die Regel "Je kälter, desto wärmer". Auch der dritte Eiswinter in Folge sei wieder ein Ausreißer, eine reine Momentaufnahme, zeige er doch besonders eindrucksvoll, dass die Erderwärmung Erdabkühlung erzeuge, die damit ursächlich von der Erderwärmung verursacht werde. Die Entwicklung liege eindeutig im Trend der Vorhersagen des UN-Klimarats, bestätigte Karl-Heinz Schellnhuber bereits 2010. Egal, ob es künftig kälter oder wärmer werde oder die Welttemperatur vielleicht sogar so bleibe. Es gebe keinen Zweifel, dass alle Voraussagen zumindest im nachhinein an das erreichte Klimaziel angepasst werden würden. Man werde dann nicht mehr von "Klimaerwärmung", sondern von "Klimaänderung" sprechen. "Das stimmt immer."

Dienstag, 7. Februar 2012

Hades-Plan: Traumhafte Zustimmung


Jubel, Trubel, Heiserkeit nach all den Monaten unter fadenscheinigen Rettungsschirmen. Aber endlich kann gefeiert werden, wie auch die "Welt" knappe vier Monate nach dem Bekanntwerden des geheimen Hades-Planes zur Übernahme ganz Europas durch Deutschland bemerkt hat.

"Die EU ist heute Angela Merkels DDR", konstatiert das Blatt in einem Text, der vordergründig wie ein Merkel-Poträt wirkt, im Inneren aber das Loblied der Männer um Helmut Kohl singt, die an jenem 27. September 1991 mutig genug waren, an ihre Vision vom Zusammenbruch Europas zu glauben und die richtigen Schlüsse für den Wiederaufbau zu ziehen.

Angela Merkel, die laut "Welt" "traumhafte Zustimmung im Volk" genießt, profitiert heute davon. Sie ist die Königin Europas, wie Autor Torsten Krauel achtungsvoll schreibt - und wenn sie "leise" (Welt) agiert, so tut sie das, weil sie laut gar nicht muss.

Eine Frau, der viele wenig zutrauten, ist genau die richtige Person, das große Hades-Konzept in der Endphase umzusetzen: "Die Wähler spüren, dass Angela Merkel eine Position der Stärke mit Fingerspitzengefühl statt Brachialgewalt erworben hat", analysiert die "Welt". Sie selbst wisse, dass sie "in Europa unglaublich aufpassen" müsse, denn "wenn Berlin Stärke zeigt, sind alte Urteile, die keineswegs nur Vorurteile sind, schnell wieder da."

Dann merken die Führer der anderen Nationen vielleicht, was vorgeht, wie die zweimal geschlagenen Deutschen über den Umweg einer Finanzkatastrophe doch noch Herrscher über einen ganzen Kontinent werden: "Deutschland wird seine Überschuldung tragen können, andere aber nicht", stand damals schon in den geheimen Hades-Protokollen, "dann stehen wir als Retter bereit", hatte Kanzler Kohl als Devise ausgegeben.

Merkel hält sich daran. "Sie hat damit Erfahrungen gesammelt", lobt die "Welt", "hat Frankreichs Präsidenten ebenso für sich eingenommen wie Polens Premier." Inzwischen sei die EU Merkels DDR und sie als Bundeskanzlerin habe "die Macht, Reformen zu erzwingen". Sie tut es wie im "Hades-Plan" vorgesehen. "Aus historischer Verantwortung und persönlicher Zuneigung", wie Angela Merkel in ihrem ersten gemeinsamen TV-Interview mit Präsident Nicolas Sarkozy bescheiden eingestand.

Hass auf den Hades-Plan
Hades-Plan schreckt Weltmacht auf

Wenn die Indianer Feuerholz sammeln

Es ist Winter und es ist kalt. Das dürfte so nicht sein, denn vereinbart war, dass feuchte Hitze Schneefall auf Jahrhunderte hinaus verhindert. Doch wie das mit dem Wetter ist, das sich nie an Vorhersagen hält: Kaum kräht der Hahn auf dem Mist, wissen die Wissenschaftler schon, warum das so ist.

Wie ihre Vorhersagen zustande kommen, welche Auswirkungen redundante und zur Resonanz neigende Systeme haben und woher ein Blog zu Motorradtouren durch Westsachsen, das Erzgebirge und das Vogtland das alles schon vor zwei Jahren wusste?

Alte indianische Weisheit, die Essenz jahrtausendealter Beobachtungen. Eingefroren in einer kleinen Begebenheit aus einem längst vergessenen Dorf der Sioux, in dem der weise Medizinmann gerade gestorben war. Sein Sohn hat wenig von den geistigen Gaben des Vaters mitbekommen. Sein schamanisches Talent ist überschaubar. Dennoch wird er natürlich Medizinmann-Nachfolger, denn wie in hochentwickelten westlichen Demokratien werden Ämter werden wie dieses auch im Indianerstamm nach Blut, Parteibuch und Nase vergeben.

Als es Herbst wird, kommen die einfachen Indianer des Stammes dann zu ihrem neuen Mann, um ihn über den kommenden Winter zu befragen. Der junge Schamane hat keine Ahnung. Das Wetter? Da kann er nur raten, doch er will sich das natürlich nicht anmerken lassen. Gleichzeitig will er auf Nummer sicher gehen. Wenn schon prophezeien, dann so, dass es nicht falsch ist. Also sagt er: “Der Winter wird kalt und lang, Leute. Am besten ihr sammelt schon mal Holz.”

Die Indianer tun, wie ihnen geheißen. Als der Winter ausbleibt, wollen sie es doch aber noch mal genau wissen. Wieder fragen sie, wie der Winter wohl werden wird? Der Medizinmann weiß es ja auch nicht. Aber besser man bleibt bei dem, was man einmal gesagt hat. Alles andere verunsichert die Leute nur. Also wiederholt er seine Warnung: “Sammelt noch mehr Holz. Der Winter wird kalt und lang!”

Gleichzeitig denkt er sich allerdings, dass es besser wäre, es genau zu wissen. Der junge Schamane packt ein paar Sachen, sattelt ein Pferd und macht sich auf den Weg in die Stadt. Dort geht er zum Wetteramt, um die Wissenschaftler zu fragen, wie der Winter wird. Die wissen das doch am besten.

Bereitwillig gibt man ihm Auskunft. Die Indianer sind schließlich Steuerzahler. Der Chefmeteorologe sagt: “Der Winter wird kalt und lang. Die Indianer sammeln Brennholz wie schon lange nicht!”

Klima: Ein Limit für das Leben
Es wird heiß und immer heißer

Montag, 6. Februar 2012

Sturm im Assad-Glas

Frechheit! Da war die Weltgemeinschaft in Deutschland doch davon ausgegangen, dass eine Verurteilung des syrischen Regimes das Morden dort schlagartig beenden wird. Und dann weigern sich Cina und Russland, eine solche Resolution des Sicherheitsrates mitzutragen! Die immerhin die erste in der Weltgeschichte hätte werden sollen, die einen meßbaren Effekt gehabt hätte!

Deutsche Medien, vor vier Jahren noch bereit, die Olympischen Spiele in China boykottieren zu lassen, um das Regime dort zur Einhaltung deutscher Rechtsstaatlichkeit und zur Befreiung Tibets von der Überfremdung durch ausländische Einwanderer zu zwingen, sind aus dem Häuschen. "Was können wir denn jetzt noch tun", fragt das "Mordenmagazin" von ARD und ZDF den CDU-Politiker Ruprecht Polenz. Der weiß natürlich Bescheid: "Die Voraussetzung für ein Eingreifen ist ein Beschluss des UN-Sicherheitsrats", gibt er zu.

Ein Tippfehler. Eine dumme Verwechlung der Redaktion. Das hat Polenz natürlich schon gesagt, als es letztes Jahr um "Maßnahmen" gegen Libyen ging, bei denen Russland und China sich anfangs weigerten, die "Dringlichkeit" (Polenz) einzusehen. Später gaben die beiden Großmächte nach. Die Nato begann, im Schutz von Bombenangriffen zur Aufrechterhaltung einer Flugverbotszone eine Unterstützungsoffensive für die Oppossition zu Diktator Gaddafi, von der in Deutschland nie berichtet wurde, wieviele Menschen sie das Leben kostete.

Der Preis aber war, dass China und Russland sich getäuscht fühlten. "Peking rechtfertigt sein Verhalten mit dem Hinweis auf den Missbrauch der UN-Resolution im Falle Libyens", schreibt die SZ, die den Begriff Missbrauch dabei in Anführungsstriche setzt wie das die Springer-zeitungen früher mit der "DDR" taten. Auch sonst ist der Sprachgebrauch identisch: Aus dem SED-Regime ist das Assad-Regime geworden, das geht wie weiland die Volkspolizei "unvermindert brutal gegen Kritiker" vor. Wobei die SZ von "Kritikern und Zivilisten" spricht, weil in Syrien wohl alle Kritiker Kritikeruniform tragen müssen.

Aber es reicht allemal für einen weiteren Sturm im Wasserglas. So wenig irgendjemand Angela Merkels China-Besuch vier Jahre nach Olympia zum Anlass nahm, die aufgeregte Menschenrechtsdiskussion von 2008 wieder aufzukochen, so wenig wird diskutiert, welche Auswirkungen aus isolierte Regimes UN-resolutionen haben, welche "Maßnahmen" eingentlich gemeitn und wie dieses geheimnisvolle "Eingreifen" aussehen würde, von dem alle Blätter wie ein Mann rauschen.

Gemeinsam mit den Demokratien der arabischen Liga versuche der Westen nun, andere Wege zur Befreiung des syrischen Volkes zu finden. Mohammed Amr, der bei der Sicherheitskonferenz in München für das endlich befreite und friedliche Ägypten sprach, lässt keinen Zweifel daran, dass gehandelt werden muss. "Was sich in Syrien abspielt, ist nicht akzeptabel", sagt er.

Fürstensuite für Pfennigfressen

Das Auto hat er doch nicht gehabt. Oder später. Aber bezahlt! 850 Euro für einen Audi Q3, wo doch ein 3er BMW nur 158 kostet, das ist bestimmt kein Präsidentensonderrabatt. Ach, der BMW kostet das am Tag? Also eigentlich 4.700 im Monat? Und der Wulffsche Audi 850 im Monat?

Von Vorteilsnahme kann keine Rede sein, sagt der Anwalt des Bundespräsidenten, der seit dem Abgang von dessen umtriebigen Sprecher das Sprecheramt mitübernommen hat. Auch der geleaste Skoda, ja, Staatsmänner fahren das heute, war günstig. Aber er war ja bei weitem nicht der günstigste auf der ganzen Welt!"

Es habe keinen „Prominentenrabatt“ gegeben, der Bundespräsident habe ausdrücklich Wert darauf gelegt, marktübliche Konditionen zu bekommen.

Alles andere ist wie immer. Alles andere wusste er nicht. Musste er nicht wissen. Hat er seine Leute dafür. Dass Freund und Sprecher Glaeseker der "Oberschnulli" eines "Eventmanagers" war? Keine Ahnung. Dass die BW-Bank nicht allen ihren Kunden zinsgünstige Präsidentenkredite anbietet? Nie gehört. Dass das Ticket vielleicht mehr kostete als auf der Rechnung stand? Hat ihm niemand gesagt.

Doch halt, falsch. Im Falle Wulff war es ja die Fürstensuite beim Oktoberfest, für die ihm eine gefälschte Rechnung untergeschoben wurde. Das mit dem Ticket war der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir, aus einem früheren Leben als Kreditnehmer des Lobbyisten Moritz Hunzinger bekannt. Derselbe "Eventmanager", der Wulffs Sprecher faustisch in die Falle lockte, schob dem nach einem Kurzasyl im Europaparlament geläutert und gestählt in die deutsche Politik zurückgekehrten "Fan von Designer-Anzüger" (Der Spiegel) eine 119 Euro günstige Eintritsskarte für einen VIP-Platz bei einem Heimspiel des FC Barcelona gegen Real Madrid zu.

Nichts, wo man nein sagt. Sondern etwas, was man mal mitnehmen kann. Die Kosten für Anreise und Übernachtung in Barcelona, so versichert Özdemir, seien aus der Parteikasse der Grünen bezahlt worden, weil am Spieltag auch ein Treffen mit den katalanischen Grünen sowie ein Interview mit einer spanischen Zeitung stattfanden. In der "taz" spricht der Grünen-Chef zudem von einer "Pressekonferenz", die er in Barcelona bestritten habe. Die allerdings leider keinerlei Spuren in spanischen Medien hinterließ.

Das "taz", der Özdemir nach dem Bekanntwerden seiner Fußballbegeisterung eine Audienz gewährte, fragt nicht weiter nach. Nicht danach, welche Themen der frühere Experte beim Thema "HealthCare Logistics im Gesundheitswesen" mit den "katalanischen Grünen" zu besprechen hatte. Nicht danach, woher der Eventmanager überhaupt seine Terminplanung kannte. Nicht danach, warum sich auf Özdemirs Homepage keine hübschen Fußballfan-Bilder von ihm finden lassen.Und auch nicht danach, wann, wie und wo Özdemir seinen CO2-Ablass für Hin- und Rückflug nach Spanien entrichtet hat.

Das Prinzip wird auch so erkennbar, bei Wulff und Öszdemir, aber auch beim rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck, der sich in seiner Zeit als SPD-Chef einen Privatjet-Flug für 3927 Euro vom "Eventmanager" spendieren ließ. Bei der ehemaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die ihren 60. Geburtstag "zumindest teilweise auf Kosten des Eventmanagers" beging, wie der "Stern" schreibt. Beim heutigen SPD-Chef und Wulff-Ankläger Sigmar Gabriel, der vor Jahren eigens eine Firma im mitteldeutschen Halle gründete, um mit der Communication, Network, Service oder kurz CoNeS genannten Entität an einen Beratervertrag des Wolfsburger Autobauers Volkswagen heranzubekommen, bei dem er kurz vorher noch als Ministerpräsident im Aufsichtsrat gesessen hatte.

Nur einen Monat, nachdem Lehmann und Gabriel die CoNeS beim Gewerbeamt als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) eingetragen hatten, begann am 1. November 2003 der Beratervertrag mit VW über „Europäische Industriepolitik“. Fortan flossen monatlich etwa 10.000 Euro von VW auf das Konto der Unternehmensberatung, die weder im Telefonbuch noch im Internet verzeichnet war.

„Ich habe ein ausgesprochen gutes Gewissen“, verkündete der werdende Vater stolz, als sein Engagement öffentlich geworden war. Ein Satz, der mehr als nur ein bisschen an die Stellungnahme von Kurt Becks Regierungssprecher zum Freiflug des Ministerpräsidenten mit der Eventmanager-Air erinnert: „Da es keine geschäftlichen, privaten oder gar politischen Beziehungen zwischen Kurt Beck und dem Inhaber der MS Medien Management GmbH, Manfred Schmidt, gibt und auch nie gab, gibt es auch keinen Anlass zu weitergehenden Spekulationen.“ Merke: Ein geschenkter Flug ist keine geschäftliche, keine private und schon gar keine politische Beziehung.

Wie Beck „wahrscheinlich“ (Beck) „nicht mal wusste, wer den Flug bezahlt hat“, wusste Özdemir nicht, wieviel eine Eintrittskarte zur VIP-Lounge in Barcelona kostet. Wulff wusste nicht, wieviel für die Fürstensuite fällig wird. Gabriel konnte nicht ahnen, dass er den VW-Auftrag nicht wegen seiner tottel Frisur, sondern wegen seiner politischen Perspektive bekommen hatte. Auch Ulla Schmidt hielt die die Übernahme eines Teils ihrer Partykosten für eine nette Geste unter Namensgleichen. So wie der heutige Bundesradfahrerpräsident Rudolf Scharping einst glaubte, Özdemir-Kreditgeber Moritz Hunzinger habe aus lauter Liebe für 50.000 Mark beim Herrenausstatters Möller und Schaar für ihn eingekauft, wie der „Spiegel“ berichtete.

Nichtwissen. Nicht erwischt werden. Und wenn, dann nicht rot werden. Eine politische Klasse aus Krämerseelen und Kleingeistern, die zwei nimmt, selbst wenn sie nur eins schlucken kann, schafft sich ab. Pfennigfressen, sagt die Oma. Kennt sie von früher.

Oben im Schloss ist noch Licht. Und der Präsident singt zum Karaoke-Mix von The Whos "Behind Blue Eyes": "Doch mein Traum ist nicht zu Ende, meine Hoffnung stirbt zuletzt, ich halte Reden, ich gehe beten, und wenn ihr noch so sehr gegen mich hetzt".

Sonntag, 5. Februar 2012

Preußen als Rausch

300 Jahre reichen also, um aus dem Schöpfer eines Reiches, das nach dem Urteilsspruch der Alliierten für Auschwitz ursächlich verantwortlich war, den flötespielenden Säulenheiligen eines unbefleckten Nationalismus zu machen, den seine Anhänger in historischen Uniformen ehren (Foto oben: Schuschke). Friedrich der Große, der Preußen in drei großen, zuweilen knappen Kriegen zur fünften europäischen Großmacht schmiedete, ist 226 Jahre nach seinem Tod nur noch der aufgeklärte Herrscher, der Multikultur förderte, Integration vorlebte und gleich einem frühen Obama die Folter per Gesetz verbot.

Einsam die Stimme der notorisch querköpfigen Jutta Ditfurth, der die plötzlich ausbrechende stramme Verherrlichung der „preußischen Tugenden“ gegen den Strich gehen. Während Friedrich von Weizsäcker Friedrich entschuldigt, weil schließlich auch die französische Revolution erstmal eine Menge Leute umgebracht habe, die Franzosen aber heute noch fänden, insgesamt seien ihre Ergebnisse positiv, nörgelt Ditfurth herum: Friedrich habe ein anderes Bild von sich schaffen wollen, als er wirklich gewesen sei! Seine Toleranz aber habe sich auf ausgesuchte Gruppen beschränkt, Menschenleben hätten ihm nichts bedeutet auf dem Weg, eine Nation von Weltbedeutung zu schmieden. Die preußischen Tugenden, ehedem geschmäht als Sekundärtugenden, mit denen man auch ein KZ befehligen könne, erstrahlen als erstrebenswerte Eigenschaften: Disziplin! Ausdauer! Ordnung! Sauberkeit!

Das mit dem Bild hat geklappt, den Rest sieht man ihm nach. Karl Eduard macht eine Ausnahem und nennt den „Blutzoll für Friedrichs Großmachtstreben und sein Toleranzversprechen“ die „zwei Seiten einer Medaille“. Der große König, dessen Ausspruch „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ heute selbst Zwangsehen entschuldigen muss, habe „in einem Moment eiserner Feldherr und im nächsten sanfter Flötenspieler sein“ können. Friedrich sei so tatsächlich beides gewesen - „Vorbild und Trugbild in der preußischen Geschichte“: Innenpolitisch handelte er oft wie ein aufgeklärter Monarch, durchaus menschlich, mitfühlend und modern für seine Zeit. Außenpolitisch agierte er jedoch als kühner Kriegsherr, dem kein Preis zu hoch war, wenn es um ruhmreiche Siege ging.

Was für ein Unterschied zu heute, wo das Staatsoberhaupt innenpolitisch alles riskiert, um einen günstigen Kredit aufzunehmen, und außenpolitisch ein Schweigegelübbte abgelegt hat. „In einer Zeit, als Krieg zu führen so normal war, wie Pfannkuchen zu essen, da führte auch der Friedrich Kriege“, schreibt Karl Eduard, „heute ist Kriege zu führen ebenso normal, nur nennt man sie nicht mehr so.“

Auch reitet Wulff unseren Truppen nicht voran, um Transparenz zu schaffen. Dafür spricht der Präsident von „Liebe zum Vaterland“ und dem „Streben nach Ehre“ bei Friedrich. Und darüber, dass wir heute ganz anders fühlen und handeln.

Bruder, Freund, Russe

Langsam, ganz langsam knüpft das neue, bessere Deutschland an immer mehr längst verschüttet geglaubte Sitten und Gebräuche seines missratenen Zwillings DDR an. Nicht nur, dass demokratische Abstimmungen wie bei FDP und SED wieder im völkerverbindendem Block stattfinden und die Gesinnungspolizei im Hochgefühl der Wichtigkeit ihrer Aufgabe um die Häuser schleicht. Nein, auch der Sprachgebrauch der Arbeiter- und Bauernrepublik ist zurück, als habe die alte BRD die zwar geschluckt, aber nicht verdaut.

Da ist das "noch", das unter Honecker als Kritikcode herhalten musste: Es musste nichts besser werden im Reich des Sozialismus, sondern allenfalls "noch besser", weil ja im Grunde längst alles gut war. Heute sagt die Bundesintegrationsbeauftragte "Wir brauchen noch mehr Eltern, die Deutsch können" und "wir müssen noch mehr in die Waagschale werfen" assistiert ihr Verteidgungsministerkollege. Beide meinen, was Günter Mittag schon sagen wollte: Unser Weg ist richtig, unsere Strategie ist gut, lasst uns weiter forsch ausschreiten, dann werdet ihr das auch noch merken.

Wenigstens werden die es tun, denen das alles vorkommt wie ein langezogenes deja vú. Die Lügen und die Schamlosigkeit, das Abgehobene und die Parteidisziplin, die Nachrichten mit der jeweiligen Tageswahrheit und die persönlichen Angriffe auf Leute, die dreist wagen, auf Recht und Gesetz zu pochen. Es ist nicht genau dasselbe. Aber es ist das Gleiche.

Selbst die Kulissen werden wieder aufgebaut. Zum Beispiel der Russe, der seinerzeit der "Bruder" und "Freund" sein sollte, im tiefsten Inneren der DDR-Seele aber immer der Besieger und Besatzer blieb, nach Leder, Machorka und Knoblauch riechend, in Lumpen gekleidet und meist mit schlechten Zähnen. Eine Vorlage, die aus dem armen Sieger den Vorlagengeber für ein ganzes Genre gebräuchlicher Beschimpfungen machte.

Weltkriegsepen aus den Mosfilmstudios avancierten zur Vorlage für den spöttishcen Spruch "das gibts doch in keinem Russenfilm". Die Dumpfheit, die der DDR-Deutsche beim Sowjetmenschen zu bemerken glaubte, weil der alle Lasten des Klassenkampfes so still zu dulden schien, führte direkt zur Entstehung des Neuerfindung des Wortes "Russe" als Verbalinjurie.

Ab da war der Dumme in der DDR "dumm wie ein Russenkind", "blöd wie ein Russenbrot" oder ein "Russenassi". Technik, die nicht funktionierte, war "Russentechnik", Wetter, das zu kalt war, hieß "Russenkälte", Essen, das nicht schmeckte, war "Russenfraß". Wer das nicht begriff, war einfach nur ein "Russe", was je nach Zusammenhang und Betonung stellvertretend für "Hinterwäldler", "Arschloch" oder "Parteiknecht" stehen konnte.

Erstaunlich damals, dass die Befreiten ihre Befreier in einem halb geheimen, halb nur nie erwähnten Akt der Auflehnung so beschimpften. Bemerkenswert, dass "Russe" heute immer noch oder schon wieder als Zutat bei der Produktion von zusammengesetzten Substantiven taugt (Screenshot oben). Während der zweite Begriff, der damals so gebraucht wurde, jedem, der es auch nur versuchen würde, die bürgerliche Existenz zu kosten verpricht.

Samstag, 4. Februar 2012

Lechts und Rinks


Ach, es hätte lustig, unterhaltsam und vielleicht sogar ein wenig informativ werden können. Doch die Twitter-Steilvorlage der Dauer-Vertriebenen Erika-Steinbach, die etwas ungelenk glaubte, die deutsche Geschichte ein bisschen zurechtrücken zu müssen, wurde in rhetorischer Weh- und Beleidigkeit beerdigt und begraben.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Steinbach twitterte verwegen, aber nicht vollkommen dumm: "Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI". Okay, vielleicht doch vollkommen dumm. Aber als jemand, dem der ideologische Stehsatz "links = gut, rechts = böse --> basta!" so langsam aus den Ohren kommt, weil er nicht so schnell kotzen kann, ist man ja schon mit wenig zufrieden - und sogar von Erika Steinbach.

Als ob weder 20 dicke Stalin-Biografien noch das Schwarzbuch des Kommunismus noch ganze Bibliotheken zum Totalitarismus geschrieben worden wären, greifen sie aber immer noch, die Erklärungs-Dichotomien von 1789: egalitär – elitär, progressiv – konservativ, internationalistisch – nationalistisch. Oder um es kurz zu machen: Links ist besser als Rechts, weil Links das Gute will (und wer das Gegenteil behauptet, ist rechts).

Links und Rechts werden in solchen Diskussionen NIE, bei Strafe: NIE, mit Fakten behelligt, mit ihrer bisherigen Politik konfrontiert oder darauf abgefragt, was sie bisher in der Geschichte angerichtet haben. Das ist offenbar auch gut so, weil Fakten Vergleiche nach sich zögen - und Vergleiche sind des Teufels. Man darf nicht einfach die einen Toten gegen die anderen aufrechnen, weil die einen tendentiell für eine gute Sache, die anderen für eine schlechte geopfert wurden (siehe oben).

Dieser Reinheits-Gedanke wurde soweit vorangetrieben, dass sich beispielsweise in Deutschland die eigentlich Rechten lieber "bürgerlich" nennen, weil "rechts" zum Schimpfwort geraten ist, zu einem Attribut, dass lieber gleich Nazis aufgeklebt wird.

Über diese merkwürdige Gemengelage hätte man im Nachgang von Frau Steinbachs Äußerungen reden können. Man hätte sagen können: Frau Sudetenland hat zwar nicht alle Latten am Zaun, aber ... Doch dieses "aber" blieb aus. Statt dessen ereilte uns das übliche ideologische Meister-Propper-Geblubber: Steinbach versuche "eine Nähe zwischen der NSDAP und der Sozialdemokratie herzustellen" (was übrigens auch die zeitgenössischen Kommunisten versucht haben), ihr Twitter-Satz sei eine "unglaubliche Entgleisung" (Inwiefern?) und "eine bösartige Verhöhnung der Opfer des NS-Terrorregimes" (Kann sich jemand an eine "bösartige Verhöhnung der Opfer des Stalin-Regimes" erinnern?).

Danke, deutsche Öffentlichkeit. Wegen dir muss man Sympathien für das blonde Blitz-Mädel Erika empfinden. Hast du gut gemacht!

Stimmen der Solidarität

Vom dramatischen Gehalt, von Schnitt und Farben her ist das oben stehende PPQ-Original-Video zum Iris Corporation-Song "Highest Love" sicher eine ganze Klasse eleganter. Die Band selbst hat sich dennoch entschlossen, einen aufwendigen Nachdreh zu veranlassen, um selbst auch ein bisschen im Film vorkommen zu können. Und nun appelliert sie wie der grundsympathische EU-Parlamentschef Martin Schulz an die gesamteuropäische Solidarität, damit das neue, mit allerlei dunkel dräuendem Symbolgehalt aufgeladene HD-Filmchen zur Mini-Oper aus dem Album "A New Saint Session" möglichst bald einen Preis gewinnt.

Als gute EuropäerInninnen rennt die Band damit bei uns ganze Scheunentore ein. Wann wird man als Deutscher schon einmal eingeladen, Franzosen zu helfen? Und dann noch so nett: "Erstens, in Ihrem Facebook-Konto anmelden." Dann "Gehe zu Seite:
Ricarda-Livemusic.com und "klicken Sie auf Vote for this artist".

"Hier wird die Stimme aufgezeichnet!", wenn auch nicht immer, weil Europas Feinde nicht schlafen. Deshalb abschließend, so übersetzt der Amerikaner Google den Franzosen Iris für das Publikum im Lande Angelas, "wieder gehen Sie auf den Link oben, um zu überprüfen, versuchen Sie es erneut zu wählen. Wenn ein Fenster erscheint, sagen: "Sie haben sich bereits für diesen Künstler gewählt", die Stimme wurde gespeichert!"

Hier noch das Originalvideo:

Wetter, dass...?

Die Suche ist beendet, der Nachfolger endlich gefunden. Handgestoppte zwei Monate nach dem Abschied von Thomas Gottschalk von der großen Samstagabendshow "Wetten, dass...?" hat das ZDF schließlich doch noch einen Ersatz für die beliebteste Elektrokaminsendung im deutschen Fernsehen gefunden. Nach Informationen, die in Offenbach am Main kursieren, verzichtet das ZDF nach den Absagen von Hape Kerkeling, Jörg Pilawa und Christian Wulff darauf, einen neuen Moderator für "Wetten, dass...?" in der bisher gewohnten Form einzustellen.

Stattdessen werde die Show einem "grundsätzlichen Lifting" unterzogen und "neu ausgerichtet", hieß es in Mainz. Ab März starte die traditionsreiche Unterhaltungssendung dann neu als "Wetter, dass...?" Inhalt der als Familien-Rateshow gestalteten bunten Multimedia-Party würden die unterhaltsamsten, obskursten und absurdesten Warnungen des Deutschen Wetterdienstes sein. Die Premierenshow werde nach den derzeitigen Planungen der aktuellen Warnung vor "markantem Wetter" (Screenshot oben) gewidmet sein, die breite Bevölkerungsgruppen verunsichert und verstört habe. Moderieren werde die neue Show Deutschlands bekanntester Zick-Zack-Prophet Dominik Jung. Unter seiner Leitung sollen Kandidaten bei "Wetter, dass...?" erraten, was der Wetterdienst mit seinen Warnungen eigentlich meint und ob überhaupt.

Unterhaltungskunst auf höchstem Niveau mit dem DWD

Freitag, 3. Februar 2012

Lügen live: Schulz sind immer die anderen

Wie dünn die Jacke ist, die hauptamtliche Europäer wie den gerade erst im Block zum Europaparlamentchef gewählten Sozialdemokraten Martin Schulz vor dem kalten Wind der Wirklichkeit schützen, zeigte Schulz´ ehemaliger slowakischer Amtskollege Richard Sulik bei „Maybrit Illner“, die auch noch sendet, wenn auch unter weitgehendstem Ausschluss der Öffentlichkeit.

Sulik, dessen liberale Partei lieber die Regierungsverantwortung verlor als den hanebüchenen Rettungsplan-Plänen der europäischen Mehrheit zuzustimmen, konfrontierte Schulz einfach mit dem Lissabon-Vertrag, der als Quasi-Verfassung des vereinten Europa weder den Ankauf von Staatsanleihen durch die gemeinsame Staatsbank noch die Übernahme von Schulden der einen Länder durch die anderen vorsieht oder gar erlaubt.

Ein wunder Punkt, wie Schulz´ erschütternde Reaktion zeigt. Nein, Argumente wusste der von fern wie ein Billig-Nachbau des ehemaligen EU-Kommissars Verheugen wirkende Buchhändler ohne Abitur nicht gegen Suliks Vorhalte geltend zu machen. Stattdessen kreischende Bosheit, Empörung und der aus einem aufgeregten Speichelregen nebelnde Vorwurf, gerade Sulik als Osteuropäer müsse doch dankbar sein, dass er überhaupt und sowieso und frech sei das, keine Solidarität zeigen zu wollen, nur weil griechische Rentner viermal so hohe Renten kassieren wie slowakische.

Bis dahin peinlich, aber was soll er machen, der Schulz, wenn doch alle Verträge gegen seine Forderung sprechen, alle Europäer müssten für alle Europäer haften und je mehr, desto besser. Dann aber stieg der Spaßbadbauer, dem sie in Würselen bis heute kein Denkmal gebaut haben, zu allem Unglück auch noch in die Keller der Geschichte, um Hitler und den 2. Weltkrieg als Zeugen für die Richtigkeit seiner Solidaritätsappelle und für die Verderbheit aller hervorzuholen, die ihm zu widersprechen wagen.

Damals nach dem Krieg, so Schulz (Film unten), hätten Belgier, Luxemburger, Niederlände und Franzosen, deren Länder der deutsche Faschismus niedergemacht hatten, aus Solidarität gesagt: „Die Deutschen kriegen mehr Marshallplanhilfe als wir, weil Deutschland seine Demokratie aufbauen muss.“ Und das sei, hätten die damals gefunden, auch gut so, denn nur so könne Deutschland ja in die Völkerfamilie zurückkehren.

Diese Solidarität habe es Deutschland überhaupt erst erlaubt, ein wohlhabendes Land zu werden, und das sei „der Gedanke von Europa“, flunkerte der Chef des Europaparlaments offensichtlich von der eigenen Rede gerührt und nebenbei völlig losgelöst von historischen Fakten. Denn wie sehen die aus?

Nun ja, Deutschland erhielt 1,4 Milliarden Dollar Marshallplanhilfe aus den USA, deutlich mehr als Belgien und Luxemburg (555 Millionen) und mehr auch als die Niederlande (977 Millionen). Frankreich aber erhielt 2,8 Milliarden – doppelt so viel wie Deutschland.

Pro Kopf der Bevölkerung sieht es sogar noch sehr viel übler aus für Schulz‘ entweder aus purer Unkenntnis oder aus schamloser Demagogie angestellten historischen Vergleich: Jeder einzelne von damals 42 Millionen Franzosen erhielt 66 Dollar. Jeder der 8,6 Millionen Belgier und Luxemburger 64 Dollar, jeder einzelne von zehn Millionen Niederländern sogar 98 Dollar.

Jeder Deutsche erhielt 18 Dollar. „Das ist der Gedanke von Europa, das ist der Gedanke von Solidarität unter Völker“, schwingt Martin Schulz nach seinem frei erfundenen Beispiel dennoch eine eingebildete Moralkeule gegen Richard Sulik, die wahrscheinlich nich in der Sendung auf seinem eigenen Kopf gelandet wäre, hätte sie dort irgendetwas von Belang treffen können.

Kalt ist das neue Warm

Wer ist an der Kälte schuld? Natürlich die Hitze! Nein, es ist noch nicht der Golfstrom, der Anfang der Woche umkippte und sich viel heftiger erwärmte als das Umgebungswasser. Sondern das zurückgehende Arktiseis, das „kältere Winter in Europa“ herbeitaut.

Eine mörderische Klimaänderung, die da eine frühere Apocalypseversion ablöst, nach der Deutschland in Zukunft nie wieder Schnee und Eis im Winter erleben sollte. „Mittlerweile sind 70 Menschen in Ost- und Mitteleuropa erfroren“, zeigt der frühere DDR-Öko-Kämpfer Nick Reimer in einem aufrüttelnden Beitrag im Weltuntergangsportal klimaretter.de die tödlichen Konsequenzen der menschengemachten Abkühlung auf. Und dieser 70 seien „erst der Anfang“, denn „je geringer die sommerliche Meereisbedeckung in der Arktis ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit für arktische Kälte im darauffolgenden Winter in München, Dresden, Potsdam, Warschau oder Kiew.“

Es ist eine Studie des Alfred-Wegner-Instituts für Polar- und Meeresforschung, das damit mutig zum letzten Mittel greift und die Erderwärmung nun endlich auch für die Abkühlung des Klimas verantwortlich macht. Dass „die seit Tagen andauernde Kälte die Temperatur in der Ukraine auf Minus 33 Grad sinken“ (Reimer) lassen hat, ist nicht darauf zurückzuführen, dass Kälte naturgemäß mit niedrigen Temperaturen einhergeht. Nein, es auch in Deutschland wird es ja „noch kälter“, wodurch womöglich die temperaturen auch hier sinken.

Schuld ist die Hitze, die der von Angela Merkel noch vor Jahren engagiert bekämpfte CO2-Ausstoss verursacht. Ein bisher geheimer Mechanismus führe nämlich nicht wie bisher angenommen dazu, dass die zunehmende Wärme das sommerliche Arktiseis schrumpfen lasse, was zu zunehmender Wärme und zu weiter schrumpfendem Arktiseis führe. Vielmehr würden „die Luftdruckgebiete so verändert, dass sie plötzlich verstärkt das europäische Winterwetter mitbestimmen“. Kalt ist das neue Warm!

Welche Erleichterung für alle, für die jede fallende Schneeflocke bisher ein Schlag ins Gesicht war. Der Mechanismus bleibt, die Erderwärmung bleibt, das Schmelzen bleibt und das CO2 bleibt schuld, nur eben nicht mehr nur an der Hitze, sondern nun auch an der Kälte: Taue das arktische Meereis besonders stark ab, erwärmt sich der arktische Ozeans, der seine gespeicherte Wärme im Herbst und Winter wieder in die Luft abgibt, was die Luftmassen stärker erwärmt. Das bewirk „veränderte Zirkulations- und Luftdruckmuster in der Arktis“, die nun nicht mehr „warme, feuchte atlantische Luftmassen“, sondern „kalte arktische Luft“ bis nach Europa tragen.

Dann gibt es – anders als früher – schon mal drei, vier oder 14 Grad minus, es fällt Schnee, Pfützen können überfrieren – alles Phänomene, die es bislang vielleicht auf Grönland gab, nicht aber in Dresden, München oder Dortmund. Und es wird noch schlimmer werden: Die Wissenschaftler haben in ihren Modellen bereits jetzt nachgewiesen, dass der Luftdruckgegensatz im Winter immer schwächer wird, je weniger Meereis im Sommer vor dem Winter in der Arktis anzutreffen ist. Behalten sie recht, könnte es ungewöhnlich und beängstiegende Wetterphänomene wie Schnee, Eis und Frost künftig häufiger geben.

Revolutionärer Vorschlag: Ein Limit für das Leben

Das braune Erbe der roten Brut

Ostdeutschland hat ein Problem mit dem Rechtsextremismus, Westdeutschland nicht. Die Ursache dafür liegt nach Angaben von Wissenschaftlern, über die die Frankfurter Rundschau berichtet, im "System der DDR". Bis heute lehnten Bürger im Osten stärker als im Westen Ausländer ab, außerdem gebe es in Osten mehr autoritäres Denken, deckte Beate Küpper bei einer Veranstaltung der Bundesstiftung Aufarbeitung in Berlin auf, was Constanze von Bullion noch vor drei Monaten in den schlichten und eher gefühltem Wissen entsprungenen Satz "es ist kein Zufall, dass die braune Mörderbande aus dem Osten kommt", gepackt hatte.

Küpper weiß Bescheid, denn die ehemalige Landtagskandidatin der damals noch PDS genannten Linkspartei ist "Mitarbeiterin des renommierten Forschungsprojekts Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit unter der Leitung des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer", der schon im vergangenen Jahr hatte herausfinden können, dass heutzutage alles schlimm, in Deutschland aber alles noch viel schlimmer ist.

"Die zunehmende soziale Spaltung zersetzt das Miteinander, die Gesellschaft ist vergiftet", weiß Heitmeyer. Seine Mitarbeiterin Küpper aber, die als Kind unter der Zwangssolidarisierung in der DDR-Pionierorganisation litt, kennt die ganze Wahrheit: Im Osten stimmten 59 Prozent der Bürger der These von Helmut Schmidt zu, dass es "sicher ein Fehler, so viele Ausländer ins Land zu lassen“ (Filder-Zeitung v. 5.2.93). Im Westen seien es gerademal lächerliche 44,5 Prozent. Auch seien in den neuen Bundesländern mit zehn Prozent der Befragten mehr Menschen bereit, "Gewalt anzuwenden".

Es ist das braune Erbe der Diktatur, Honeckers späte Rache an der Demokratie. Beate Küpper, die im vergangenen Jahr bereits eine rabenschwarze "europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung" hatte liefern können, sieht im Osten "mehr Ablehnung von Pluralismus", "mehr autoritäres Denken" und "ein Gefühl der Benachteiligung gegenüber Westdeutschen, das viele Menschen an Minderheiten auslassen".

Schon ein Blick in die Chefetagen deutscher Konzerne, deutscher Universitäten und deutscher Kabinette zeigt, dass es keinerlei Benachteiligung Ostdeutscher gibt. Auch neben Beate Küpper trugen zur rechten Gefahr im Osten ausschließlich Ostdeutsche vor: Patrice Poutrus von der Martin-Luther-Universität in Halle, der als Deutschlands Experte für Goldbroiler gilt, Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung, die früher Victoria hieß, und Bernd Wagner, der Gründer von "Exit Deutschland", einer "Aussteiger-Initiative für Rechtsextremisten", die zuverlässig immer wieder durch die Nachricht auf sich aufmerksam macht, dass sie aufgrund einer Kürzung der Fördermittel demnächst aufgeben müsse.

Poutrus, ehemals Mitarbeiter in der Abteilung Kultur der FDJ-Bezirksleitung Berlin, erinnert sich heute, dass die DDR-Gesellschaft  entgegen anders lautender Bewertungen „überhaupt nicht kuschelig“ gewesen sein. Im Nachhinein sei ihm vielmehr aufgefallen, dass der „Umgang mit Randständigen sehr hart“ war. Die Nachwende-Zeit habe dann nur noch für jeden „sichtbar gemacht, was vorher schon angelegt gewesen sei“: Alles Stasi, außer Mutti, der Rest rechts.

Bernd Wagner, der aus der Kriminalitätsbekämpfung nach dem Mauerfall in die Rettung Rechtsradikaler wechselte, machte deutlich, dass schon 1985 „ein erster polizei-interner Bericht über rechte Umtriebe in der DDR vorgelegen“ habe. Der erfahrene Funktionärssohn Jens Bisky bestätigt das: „Ost-Berlin in den späten achtziger Jahren, kurz vor dem Mauerfall, mit dem damals keiner rechnete: Wer nicht blond und blauäugig war, wer den tänzelnd tuntigen Gang nicht zu kontrollieren vermochte oder wer an Krücken ging, der passte auf, wo er hinging, der wählte in der Nacht seine Wege mit Bedacht, um nicht zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.“

Seitdem hat sich nichts geändert, sagt Wagner. In den letzten 20 Jahren sei die Misere „politisch deutlich unterschätzt worden, was wir heute merken. Das ist tragisch.“ Auch Bisky haben sich „die Bilder der Gejagten und der jagenden Meute in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda oder Guben eingeprägt“, nicht die Toten von Mölln oder Solingen. Statt Rechtsradikale zu verbieten, wurden sie in der DDR nur „beobachtet, ohne entschlossen einzugreifen“.

Anetta Kahane weiß es noch wie heute: „Ich habe mich in der DDR überhaupt nicht wohl gefühlt.“ Obwohl sie als Informelle Mitarbeiterin der Staatssicherheit selbst acht Jahre lang mithalf, den Sozialismus vor seinen Feinden zu schützen, hätten Neonazis in Ost-Berlin dauernd Leute zusammen geschlagen. Als sie enttäuscht den Dienst beim MfS quittierte, wurde es noch schlimmer: Das kommunistische Regime, das die Nazis schonte, um der späteren Bundesrepublik im Ausland zu schaden, entzog ihr die Reisegenehmigung. Kahane musste nun für immer im Osten bleiben und beobachten, wie Vielfalt fehlte, wie man sie zum Glück heute habe: Auch Linke schlügen engagiert zu und die gesamte Neonaziszene im Osten inklusive der NPD werde von erfahrenen Kadern aus den alten Ländern dirigiert.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Kreuzzug für Kristenstaaten

Was hat sich Frank Steinmeier, die sonst so bedächtige Schneeeule der deutschen Sozialdemokratie, dabei nur gedacht? Im Versuch, Boden auf seine Kanzleramtskandidaten Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück gut zu machen, hat sich der elder statesman der zweiten Reihe der klassischen linken Mitte rechts der Linkspartei in einem Interview bei der "Wirtschaftswoche" völlig vergalloppiert. Statt darauf zu verweisen, dass die angestrebte Finanztransaktionssteuer die Krisenfolgen abfangen und das Maß an Gerechtigkeit in der Gesellschaft erhöhen werde, ließ sich Steinmeier zur Forderung hinreißen, die Finanztransaktionssteuer auf Spekulationen, die Spekulation verhindern soll, solle vor allem "Kristenstaaten helfen" (Screenshot oben).

"In der Debatte um die umstrittene Maßnahme birgt der Vorschlag zusätzlich Sprengstoff", vermerkt das Blatt hellwach. Und wie! Aus dem eben erst und gegen den Widerstand der FDP befreiten Nahen Osten kam sofort Protest, der sich in Ägypten in einer Gewaltorgie Luft machte. Auch für islamische Nationen müsse "etwas abfallen" hieß es in Tripolis. Irritation dagegen bei den Regierungen in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Zypern. Man sei sich nicht sicher, ob Steinmeier Krisenländern helfen wolle, wie es sie in der Euro-Zone ja leider noch immer gebe. Oder ob sein Vorschlag ausschließlich auf religiöse Bedürftigkeit abstelle. Vor allem Griechen und Zyprioten uunterstellen der Sozialdemokratie aufgrund der Schreibweise von "Kristen", die deutsche "Arbeiterpartei" (Willy Brandt) wolle ausschließlich katholische Christen "Mit K" (Kraftklub), nicht aber orthodoxe Gläubige unterstützen.

Wulff-Wochen bei PPQ: Der Unbezahlbare

Der Mann zeigt, was Sprache kann, wie exakt und konkret sie auszudrücken versteht, was ungesagt bleiben soll, wie haarscharf sie, von einem Profi benutzt, zwischen Unwahrheit und Lüge hindurchzusegeln weiß, wie transparent sie scheinen kann, ohne auch nur ein wenig Licht zu vertragen.

Christian Wulff ist ein Vorbild, ein Vorbild nicht nur an Standhaftigkeit, weil er auf seinem verlorenen Posten ausharrt, wo andere vor lauter Peinlichkeit schon ins Exil gegangen wären. Christian Wulff aber ist auch ein Vorbild, weil er nachfolgenden Generationen vorlebt, wie wichtig es ist, nicht nur einfach Deutsch zu sprechen, sondern auch immer zu wissen, was man sagt. Und was nicht. Vom Beginn seiner Affäre ist Wulff der Strategie aller großen Gangster gefolgt: Sage so wenig wie möglich. Belaste Dich nicht selbst. Benutze Doppeldeutigkeiten, die eindeutig klingen. Lenke die Fahnder ab, indem du Nebensächlichkeiten ausgiebig diskutierst.

Dass er keine Geschäftsbeziehungen zu seinem "väterlichen Freund Geerkens" (Wulff) hatte, stimmte ja. Er hatte welche zu dessen Frau. Dass der neue Hauskredit schon "abgeschlossen" war, stimmte auch. Der Vertrag war nur noch nicht unterschrieben. Dass er trotzdem bereits galt, wie Wulff einem Millionenpublikum im Fernsehen versicherte, hatte der studierte Jurist wohl ausnahmsweise wirklich sogar selbst geglaubt. Es gehört ja kein Fachwissen dazu, im Schloss Bellevue zu residieren.

Mit Unschärfen, Löchern und Lücken immer knapp am moralischen Offenbarungseid entlang, und das über acht Wochen - niemand hat Wulff das vorgemacht und niemals wird es ihm jemand nachtun können. Denn der erste Mann im Staate ist auch im Trommelfeuer der vergangenen Wochen jederzeit in Deckung geblieben, er hat immer wieder wieder und immer weiter "gelogen, getrickst und mit Halbwahrheiten gearbeitet" (Spiegel, Stern), wie neue Zeitungsberichte zu zeigen versuchen. Danach wäre Wulffs Erklärung, dass seine Frau einen Audi Q3 bestellt und bis zur Auslieferung des Wagens vom Hersteller ein Vorserienmodell zur Verfügung gestellt bekommen habe, für das sie eine "monatliche Pauschale" zahle, auch wieder nur eine Gelegenheitswahrheit gewesen.

Die Staatsanwaltschaft prüft laut "Spiegel" den Vorwurf, dass die Regelung mit der "monatlichen Pauschale" zwar ab Dezember 2011 galt, Familie Wulff den Ökoflitzer aus Ingolstadt aber nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau, den Wulff inzwischen per Einstweiliger Verfügung verbieten ließ, schon ab Sommer 2011 gefahren habe.

Nicht mehr wiederholt werden darf die Behauptung, dass der sonst noch nirgends erhältliche Wagen dem Ehepaar Wulff als „Vorserienmodell“ zu Promotion-Zwecken kostenlos zur Verfügung gestellt worden sein soll. Das hatte neben der Welt auch der Rest der deutschen Presse aus der FR zitiert. Die "Welt" hat den Bericht inzwischen berichtigt, der Link "welt.de/politik/deutschland/article13847016/Wulff-soll-Luxuswagen-kostenlos-gefahren-haben.html" führt mittlerweile zur Seite welt.de/politik/deutschland/article13847016/Wulff-Anwalt-dementiert-kostenlose-Audi-Nutzung.html. Wulff hat offenbar einmal mehr die Wahrheit gesagt. Und das wieder so, dass selbst ihr Gegenteil noch richtig ist.

Wulff-Wochen bei PPQ: Das Zinsorakel von Luzern

Wird sich nicht durchsetzen

Experten schwören es seit Jahren, Leitmedien allerorten arbeiten daran. Internet? Das wird sich niemals durchsetzen, konnten frühe Leser hier bei PPQ schon im letzten Jahrzehnt eine amtliche Auskunft mit zum nächsten Hacker-Stammtisch nehmen. Der "Focus" ist eines der Blätter, die tagtäglich vorleben, wie das gehen soll. Ganz gegen die üblichen Gepflogenheiten hier, die eine 1:1-Übernahme fremder Inhalte eigentlich nicht vorsehen, zitieren wir nachfolgende ein komplette Qualitätsmeldung der Edelfederführer aus München. Verbunden mit der Frage: Was stimmt hier nicht? Wo liegt der Fehler? Was wurde wie immer vergessen? Vermieden? Was ist bei Focus-Online offenbar verpönt? Vielleicht sogar verboten?

Die Rätselaufgabe:

Merkel eröffnet Internetportal
Bürger sollen sich im Internet in die Politik einbringen

Künftig sollen sich die Menschen in Deutschland im Internet in die Politik einbringen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat heute ein neues Portal im Internet eröffnet. Die Autoren der am besten bewerteten Ideen sollen diese mit Merkel im Kanzleramt diskutieren können.


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will über das Internet Bürger-Ideen zu Zukunftsfragen Deutschlands sammeln. Auf einem neuen Portal können Interessierte bis zum 15. April Vorschläge machen, wie Regierungssprecher Steffen Seibert zum Start am Mittwoch in Berlin sagte.
Mit den Autoren der zehn Ideen, die von den Nutzern am besten bewertet werden, will Merkel im Kanzlereramt diskutieren. Im Mittelpunkt sollen das Zusammenleben in der Gesellschaft stehen, außerdem Grundlagen des Wohlstands und Bildungsfragen. Daneben plant Merkel Bürgergespräche am 28. Februar in Erfurt, am 14. März in Heidelberg und am 28. März in Bielefeld.

Von der Opposition kam Kritik. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagte: „Mir scheint, dass die Vorbereitungen für den Wahlkampf 2013 im Mittelpunkt der Initiative stehen.“ Die SPD werde genau prüfen, ob die notwendige Trennung von Partei- und Regierungsarbeit eingehalten werde. Die Sozialdemokraten selbst wollen Bürger bei der Erarbeitung ihres Wahlprogramms per Internet beteiligen.

Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck sagte der „Esslinger Zeitung“ (Mittwoch) mit Blick auf das Projekt der Kanzlerin: „Ich bin gespannt, ob es dabei um echte und nicht nur PR-orientierte, simulierte Bürgerbeteiligung geht.“

Das Online-Portal ist Teil eines „Dialogs über Deutschlands Zukunft“, den Merkel vor knapp einem Jahr begonnen hat. Dazu tauscht sich die Kanzlerin auch mit mehr als 120 Experten aus.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Facebook im Parallelbetrieb

Seit das Böse schlechthin sich mit F und acebook schreibt, erstaunen immer wieder schier entsetzliche Meldungen den nichtsahnenden Mediennutzer im Holzland. So berichtet die Frankfurter Rundschau vom unglaublichen Fall eines 19-Jährigen aus Bangladesch, der dort wegen einer auf Facebook geschriebenen Nachricht verhaftet wurde. "Mit der Meinungsfreiheit ist es in Bangladesch nicht weit her", analysiert das Blatt, "vor allem nicht, wenn man den Vater der Unabhängigkeit Mujibur Rahman aufs Korn nimmt".

Der 19 Jahre alte Al Nayeem Jubaer habe nichts weiter getan, als den Vater der Premierministerin Sheikh Hasina zu beleidigen. Was genau er gepostet hatte, lasse sich nicht mehr rekonstruieren, weil die Inhalte bereits gelöscht worden seien - ein Vorgang, den deutsche Datenschützer bisher für unmöglich gehalten hatten. Die bangladeschische Polizei spreche von "obszönen Bemerkungen", der jugendliche Täter kam in Haft, Facebook an die Börse.

Für deutsche Facebook-Nutzer ein Vorgang, der sich mit hiesigen Werten einfach nicht vereinbart. So war ein 18-jähriger Deutscher, der nach einem Bericht der FR in der vergangenen Woche auf Facebook mit einer "Revolution" gedroht hatte, zwar ebenfalls festgenommen worden. Nach der Einvernahme durch die Polizei aber kam der junge Mann keineswegs in Haft, sondern wurde in Psychiatrie eingewiesen. Nach Angaben der Polizei hatte der Wiesbadener vor kurzem die Schule gewechselt und in seiner neuen Klasse "einige Probleme". Er sei frustriert gewesen, sagte ein Sprecher. Wie lange er in der Klinik bleiben muss, werde jetzt ein Richter entscheiden.

Wenn alle Zeugen vernommen seien, gehe der Fall der Online-Revolutionsdrohung an die Staatsanwaltschaft. Dort werde geprüft, ob es sich um "etwas Ernstes" wie die Vorbereitung der Übernahme der Macht oder "lediglich um einen Dummen-Jungen-Streich" gehandelt habe. Eventuell reiche eine Ermahnung mit der Auflage aus, künftig keine Revolutionen mehr anzukündigen. Oder aber der Schüler werde zu einer Jugendstrafe verurteilt. Dann werde er wohl auch die Kosten für den Polizeieinsatz zur Abwendung der Revolutionsgefahr tragen müssen.

Wer hat es gesagt?

Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist Armut durch Besteuerung beseitigt worden.

Europas Rettung, ganz einfach erklärt

Weil die gelösten Rätsel immer die schönsten sind und PPQ als Online-Außenstelle des Volkshochschulverbandes Mitteldeutschland auch einen Bildungsauftrag hat, klären einfach gestrickte, aber wolllose* Beiträge hier in lockerer Folge immer wieder über die innersten Zusammenhänge des großen Ganzen auf. Kostenlos natürlich, aber eben auch umsonst im Sinne von vergebens. Dennoch ist es uns gelungen, mit Heller aus dem Gelben Forum einen Gastdozenten zu finden, der die segensreichen Auswirkungen der Kreditvergabe der EZB auch auf kleinste Sicherheiten hin erläutert. Wer im Normalfall nicht versteht, was daran schlimm sein soll, wenn die Europäische Zentralbank nicht nur griechische Staatsanleihen ankauft, sondern auch als Pfand annimmt, um Geld zu verleihen, bekommt es hier ganz genau erläutert, denn Heller verzichtet auf Fachgeschwurbel und lässt stattdessen ein eindrucksvolles Beispiel sprechen.

In dem hat die Stadt Madrid hat eine Mio Euro für 9000 Jahre an den Fußballklub Real Madrid verliehen, damit der Starfußballer Ronny ein weiteres Jahr bezahlt werden kann. Der Schuldschein des Fußballvereins wird von der Stadt als "Guthaben" geführt, weil er ja irgendwann wieder Geld sein wird.

Freilich ist er trotzdem nichts wert, denn niemand würde sie von der Stadt kaufen wollen.

Muss auch keiner mehr machen. Denn unter den derzeitigen Bedingungen geht die Stadt mit dem Zettel zu ihrer Bank, die sie wiederum legal an die EZB weiterreichen kann. Die Bank bekommt dafür, festhalten, ein Million Euro, denn soviel ist der Zettekl ja wert. Die Bank hat nun die Liquidität, eine Million Euro an die klamme Stadt Madrid auszuzahlen. Sie bekommt dafür nun auch noch drei Prozent Zinsen, ohne dass sich die Bankbilanz verschlechtert. das einzige, was weg ist, ist das wertlose Pfand.

Denn der Starfußballer Ronny ist ja noch bei Real Madrid. Nirgendwo sonst kann er so viel verdienen. Aber der Mann ist nicht blöd und steckt sein Jahressalär nicht in spanische Kommunalanleihen, sondern tut was für seine Rente ab 35: er fährt nach Berlin und kauft sich ein schönes Grundstück von der Stadt. Geld hat er dank der Million, die ihm der Verein zahlt, der das Geld von der Stadt hat, die es inzwischen über ihre Bank von der EZB erstattet bekommen hat.

Wir machen es einfach. In Berlin kauft Ronny ein städtisches Grundstück. Die Stadt Berlin bekommt eine Million und zahlt damit eine Million Schulden bei ihrer Bank zurück.

Wichtig ist, was sich geändert hat:

Die Stadt Madrid hat für eine wertlose Kreditforderung einen Starspieler für ein weiteres Jahr. Quasi ein geschenkter realer Wert für eine wertlose Forderung. Die drei Prozent Zinsen, die Madrid der spanischen Bank zahlt, verspricht sie sich durch die zusätzlichen Besucher in der Stadt wieder reinzuholen. Schließlich gäbe es einen Volksaufstand, wenn Real Madrid Insolvenz erklären müsste.

Die spanische Bank hat ein wertloses Pfand von der Stadt erhalten und an die EZB durchgereicht und dafür den Nennwert eine Million Euro für einen Zins von einem Prozent erhalten. Für diese Million Sicherheit kann sie fünf bis Millionen Kredite für ihre Kunden kreieren. Eine dieser Millionen gibt sie schon mal an die Stadt Madrid und bekommt dafür drei Prozent Zinsen. Ein gutes Geschäft.

Ronny kann sich auch nicht beklagen. Er hat nun einen richtig schönen Altersruhesitz in Berlin, voll bezahlt und unbelastet. Als Gegenleistung kickt er noch ein Jahr lang für Madrid.

Berlin dagegen hat ein Grundstück weniger, allerdings auch eine Million Schulden abbezahlt. Die Berliner haben also Schulden durch Herausgabe eines echten Wertes getilgt. Kein Schnäppchen, denn Madrid ist eine Million Schulden losgeworden, ohne irgendwas verkaufen zu müssen.

Die EZB trifft es richtig hart. Sie hat nun eine Forderung von einer Million Euro gegen eine spanische Bank und als Pfand dafür besitzt sie einen wertlosen Zettel über einen 9000 Jahre laufenden Kredit an Real Madrid. Die EZB weiß, dass das Pfand nie ausgelöst und die Forderung von einer Million nie beglichen werden wird.

Aber wissen es die Menschen, die für die Bilanz der EZB am Enmde gerade stehen werden? Wenn sie diesen Text gelesen haben, schon. „Im Management der EZB hat die Bundesbank nichts mehr zu sagen, sondern die Südländer bestimmen deren Geschäfte“, schreibt Heller.

Mehr Rettung: Europas Untergang, einfach erklärt

*wolllos = laut Bundesworthülsenfabrik ohne eigenes Wollen, ziel- und auftragslos