Mittwoch, 26. September 2012

Tatort Märchenwald: Jetzt reden die Opfer


Es sind fürwahr bewegende Zeilen und erschütternde Erinnerungen, die zu Herzen gehen, die uns nach der Enthüllung der wahren Zusammenhänge, die vor fast 40 Jahren zur Verschleppung des Kinderfernsehbären Bummi nach Sibirien führten, erreichten. Kinder, die damals litten und heute Männer und Frauen sind, schwärmten noch einmal von Borstel, dem tumben Igel. Sie gedachten Herrn Uhu, dem steinmeierweisen Vogel mit den Untertellertassenaugen. Sie träumten sich für einen Moment zurück in den heilen Märchenwald der sozialistischen Fernsehkindheit, der Weltrevolution sowenig kannte wie McDonalds und Nintendo.

Kein Name ist vergessen, auch wenn er manchmal durcheinandergewürfelt wird. Die Märchenwald-Forschung steht erst am Anfang und kein Verantwortlicher für den Kahlschlag im Koboldland wird mit dem Schrecken davonkommen.

Bei der sogenannten Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, schreibt einer der Betroffenen mutig, "wurde bislang ein auffällig weiter Bogen um diese Affäre gemacht". Dabei sei, über 20 Jahre nach dem angeblichen Ende der DDR, längst Zeit für eine Zusammenfassung und Klarstellung gewesen. "Ich selbst, der ich zu dieser Sache auch heute nur anonym zu posten wage, gehöre zu diesen Kindern, denen der charismatisch positive gelbe Bummibär gestohlen wurde, um ihn durch einen unglaubwürdigen, undurchschaubaren Niemand mit einer verstörend deformierten Physiognomie zu ersetzen", offenbar der PPQ-Leser. Der Verlust schmerze ihn bis heute, und es gebe noch immer kein Verstehen.

Nicht nur dieser Schreiber ermutigt alle, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen, nicht Ruhe zu geben und nicht nachzulassen, bis das letzte Geheimnis um die Ränkespiele hinter der Mattscheibe gelüftet ist. "Es ist wie immer das Verdienst und das Vorrecht der Blogs, das Dunkel um solche ausgeblendeten Geschehnisse zu lichten, und einen ersten Schritt zu tun, die Verantwortlichen, die glaubten, nach all den Jahren seien sie aus dem Schneider, zumindest aufzuschrecken."

Dienstag, 25. September 2012

Test: Butterbraun und Strandtoast

Die angesehene Stiftung Warentest hat 26 Sonnenstudiobesucherinnen und zwei Sonnenstudiobesucher auf ihre Qualität geprüft. Fast alle Testpersonen schnitten mit "gut" ab. PPQ.so zeigt die Testsieger der einzelnen Kategorien.

Beim Strandtoast ragt laut Warentest ein Produkt heraus: Julia, 17 Jahre alt und Stammkundin im „TanTen“. Aussehen, Geruch, Mundgefühl und Geschmack - in allen diesen Punkten konnte die angehende Verkaufsfachfrau überzeugen. Allerdings ist sie mit 49 Euro für die zweiwöchentliche Nagelpflege und 89 Euro für den Coiffeur im Monat recht anspruchsvoll bepreist.

Die Siegerin in der Butterbraun-Klasse heißt Sandy, kommt aus Mecklenburg und benutzt aller zwei Tage das Studio „City Sun&Tan“. Sandy überzeugt mit schokoladenbrauner Haut ohne Trockenfalten. Die 22-Jährige ist nahtlos durchgefärbt und dennoch deutlich günstiger als Testsieger Julia. Die Nagelpflege schlägt mit 29 Euro zu Buche, das Nachbräunen mit 14 Euro wöchentlich, beim Friseur kommt die Azubine mit 65 Euro aus. Dafür gab es von Warentest die Gesamtnote "Gut" (1,7).

Auf Rang eins bei den Männern landete Harry, 19-jähriger Kfz-Mechatroniker-Azubi. Harry ist gleichzeitig Testsieger unter den Doppelbräunern, die neben der Studiosonne auch noch Freibräunen gehen. Der Freizeitsportler (Curling) glaubt, dass die Mischung seiner Haut einen einzigartigen Tonus verleiht. Allerdings werde sie dadurch auch fettreicher. Auch Harry freut sich über die Gesamtnote "gut".

Die ausführlichen Ergebnisse zum Test finden Sie auf www.test.de und in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "test".

Tatort Märchenwald: Die Verbannung des Bummi

Er war einer der ersten, die nach dem 2. Weltkrieg ein neues Zuhause im Märchenwald fanden. Der Bär Bummi, ein brummiger, sandgelber Kerl, leistete dem Meister Nadelöhr Gesellschaft, der die fröhlichen Kinder der Arbeiter und Bauern der sozialistischen DDR ab Ende der 50er Jahre immer Sonntagsnachmittag „Zu Besuch im Märchenland“ empfing. Erst der liebenswerte Plüschteddy mit dem großen Herzen bereitete das Feld für Schnattchen und Pittiplatsch, der 1962, kurz nach dem Mauerbau, in einem offensichtlichen Westpaket in die Schneiderstube kam, um systemerhaltende Streiche zu spielen und Rock-Roller-Sprüche wie "Ach, du meine Nase" und das später durch PPQ weltweit bekanntgewordene "Platsch-Quatsch!" in die Kamera zu sagen.

Dennoch war es nicht der Kobold, den der Bannstrahl traf. Pittiplatsch, bis heute Namensgeber eines der elaboriertesten Internetblogs, wurde nach Protesten von sozialistischen Pädagogen zwar für einige Zeit vom Sender genommen und hinter den Kulissen auf zahm umerzogen. Heiligabend 1962 durfte der runde schwarze Fex wieder Possen reißen und Schnatterinchen ärgern - nur wenige erkannten, dass der, der da wieder Faxen machte, ein gebrochener Mann war, ein Schatten seiner selbst. Ihm zur Seite gestellt worden waren nun die Kobolde Nickeneck, Drehrumbum der Runde und Wuschel, drei Figuren von großer Undurchsichtigkeit. Waren sie Spitzel, die auf ihn angesetzt wurden? Waren sie seine Betreuer, weil den Machthabern der labile Zustand Pittis nicht entgangen war und sie einen öffentlichkeitswirksamen Ausfall des Stars fürchteten?

Oder hatte Pitti selbst bei der Stasi unterschrieben? Entsprechende Gerüchte machten früh die Runde, konnten aber nie belegt werden. Doch der Ablauf der weiteren Ereignisse im Märchenwald spricht eine deutliche Sprache: So lange der gebürtige Wenigeröder Eckart Friedrichson, der in der Rolle seines Lebens den Nadelöhr gab, seine schützende Hand über die Märchenwäldler hielt, ging alles gut. Fröhlich sang er mit seiner großen Zauber-Elle, die als Ersatz für eine Gitarre diente, das Lied „Ich komme aus dem Märchenland“, kein leiser Hauch von kaltem Krieg wehte durch Studio.

Doch hinter den Kulissen, so behaupten Eingeweihte, schraubten die Realpolitiker längst an einer völligen Neuorientierung der kindlichen Sendung, der sie vorwarfen, zu wenig auf Klassenkampf zu setzen, die Völkerfreundschaft zu vernachlässigen und Anarchisten wie Pittiplatsch zu viel Raum zugeben. Mit Herrn Fuchs wurde von den maßgeblichen Kreisen in Pankow und Moskau ein typischer Vertreter des auf dem Boden der DDR endgültig geschlagenen Kleinbürgertums in die Wald-WG aufgenommen. Fuchs sollte als Zielscheibe für böse Späße Adenauer ersetzen. Der Hund Moppi kam als typischer Vertreter des Proletariats hinzu – er redete nicht viel, aber Blödsinn. Zeigte aber stets deutlich, dass er bereit war, die Sache der Arbeiter mit aller Kraft zu verteidigen. Gute Voraussetzungen für eine große Karriere nicht nur im Showgeschäft.

Dann kam der Tag, an dem Bummi-Bär starb. Ein Rollkommando aus Wünsdorf fuhr unangekündigt vor den Märchenwald-Studios in Babelsberg vor. Augenzeugen erinnern sich an sieben bis neun Männer in Uniformen der sowjetischen Fallschirmjägertruppe, eine Eliteeinheit, die für den KGB besonders knifflige Aufgaben erledigte. Während zwei Mann die Eingänge sicherten, so ein Zeitzeuge, seien die anderen in die Aufenthaltsräume der Darsteller gestürmt. „Dort wurde Bummi knallhart gepackt und rausgeschleift“, erinnert sich der Mann, der bis heute unter traumatischen Träumen wegen des Vorfalls leidet. Der in einem Lied besungene („Bummi, Bummi“, oben) Star wurde stellvertretend abgestraft, vermuten Forscher heute, wo Stasiakten, die PPQ vorliegen, zumindest die halbe Wahrheit verraten.

Es soll eine Intervention von ganz oben, sprich aus Moskau gewesen sein, die zu dieser Aktion führte. Bummi verschwand spurlos. Eckhard Friedrichson verkraftete es nicht. Das Herz. Meister Nadelöhr, seit seiner Kindheit an Diabetis erkrankt, starb völlig unerwartet, für eine ganze Generation endete mit diesen beiden Verlusten die Kindheit. Das Ende der DDR, es deutete sich bereits an. Im Herbst danach folgte die Biermann-Ausbürgerung, später gingen auch Manfred Krug und Nina Hagen in den Westen, um nicht ebenfalls wie Bummi in die Sowjetunion verschleppt zu werden.

Den Feinden des Friedens im Märchenwald aber kam das nur recht. Hintergrund der Disziplinierungsaktion gegen Bummi, so wurde es später bei einer geheimen Parteiversammlung mitgeteilt, seien Hinweise darauf gewesen, dass der altgediente Bär mit seiner Rolle als Sidekick der dominanten Schnattchen und Pitti nicht mehr zufrieden gewesen sein. Bummi sei in Kreise geraten, die der DDR nicht wohlgesonnen gewesen seien, der Verdacht der Spionage und des Dissidententums habe im Raum gestanden, heißt es in den Stasi-Unterlagen, die von Mielke selbst gegengezeichnet wurden.

Gemeinsam mit der Stasi-Kinderabteilung entwarf der KGB den Plan, Bummi „zu seiner eigenen Sicherheit“ nach Moskau zu bringen. Offiziell wurde dann über den Sender erklärt, der beliebte Bär sei auf Reisen im sozialistische Ausland, um Freundschaft mit Bären aus aller Welt zu schließen. Die Lücke im Märchenwald schloß sein bärbeißiger sowjetischer Vetter Mischka, ein hochrangiger KGB-Offizier mit Einzelkämpferausbildung, der bis zum Ende der DDR tatsächlich mit Drohungen und zuweilen auch blanker Gewalt für stabile Verhältnisse im Märchenland sorgte. Gemeinsam mit Pittiplatsch und Schnatterinchen trat der alptraumhafte, dunkelhaarige Bär, der nach dem Chef der DDR-Auslandsaufklärung Mischa Wolf benannt worden war, auch in hunderten Ausgaben des Abendgrußes „Unser Sandmännchen“ auf. Noch laufen wissenschaftliche Untersuchungen, um zu ermitteln, welche Langzeitschäden die dauernde Konfrontation mit dem wortkargen Russen bei den Kindern verursacht hat.

Bummi hingegen, für viele ahnungslose DDR-Kinder immer noch ein Idol, wurde allenfalls zu hohen staatlichen Feiertagen aus seinem Moskauer Exil zugeschaltet. Er sagte dann ein paar Worte, Kenner spürten, dass er zuvor unter Drogen gesetzt worden war. Nach dem Mauerfall gab es einige hilflose Versuche des talentierten Plüschriesen, in sein altes Metier zurückzukehren. Keiner glückte. Heute lebt Bummi, immer noch schwer bewacht, inzwischen aber auch leicht umnachtet, in einem Heim für verdienstvolle Kulturschaffende der Sowjetunion in Wladiwostok. Interviewbitten von PPQ wurden von der Heimleitung ohne Begründung abgelehnt.

Montag, 24. September 2012

Wer hat es gesagt?

"Es ist mir aufgefallen, dass in einem demokratischen Land, in dem Pressefreiheit herrscht, eine gewisse Gleichschaltung der Meinung im Vordergrund steht."

Mach Dich nackt, ich bin es schon

Facebook. Fremdes, rätselhaftes Land, angefüllt mit fremden, rätselhaften Menschen. Hauptsächlich, das weiß jeder, der hier mit einem Restgehalt an Verstand spazierengeht, beschäftigen sich die Deutschen im selbsternannten sozialen Netzwerk damit, einander „Anfragen in Geburtstagskalender“ zuzusenden.

Geburtstagskalender. Dabei handelt es sich um ein kleines Programm, das genau tut, was sein Name verspricht: Es merkt sich Geburtstage und erinnert seine eingetragenen Nutzer daran, sie nicht zu vergessen. Also etwa eine Funktion, die jedes Handy, jedes Mailpostfach und jeder Outlook-Clone kostenlos und gebührenfrei erledigt.

Doch das ist zu einfach. Zu unsozial. Während breite Politikerkreise nimmermüd davor warnen, Google wissen zu lassen, dass man gerade eine Angelroute, ein Zelt und ein paar Wanderschuhe gekauft hat, weil der Verdacht besteht, dass die Firma aus Kalifornien dann sofort Einbrecher schickt, die den Umstand ausnutzen, dass der Haus drei Wochen zum Wanderangeln in der Mongolei weilt, geht der Trand bei Facebook zur Offenbarung der Gesamtperson per Geburtstagskalender.

Wer mitmacht, willigt ein, dass seine virtuellen Freunde, aber auch die Entwickler des „Geburtstagskalender“, die bei einem Drittanbieter arbeiten, alle seine bei Facebook abgelegten Daten und Kontakte sehen können. Und mehr noch: Der Geburtstagskalender darf auch noch in ihrem Namen auf Facebook posten und E-Mails schreiben.

Begierig genehmigen täglich Tausende der Software Zugriff auf ihren Namen, ihr Profilbild, ihr Geschlecht, ihre Netzwerke, ihre Nutzer-ID, auf alle Namen aus ihrer Freundesliste, auf alle Geburtstage, auf den Namen von Heimat- und Geburtsort, auf den Wohnort, die Namen der Familienmitglieder und den Beziehungsstatus. Und ganz nebenbei genehmigen sie damit auch, dass die Kalender-App ihnen Mails schicken, in ihrem Namen auf Facebook Statusmeldungen, Notizen, Pinnwandeinträge, Fotos und Videos posten darf und ihre Daten sogar benutzen kann, wenn sie selbst den Geburtstagskalender nicht benutzen.

Der Geburtstagskalender ist eine Spionagesoftware, wie sie, wäre sie in der DDR veröffentlicht worden, längst verboten wäre. Im neuen Deutschland hingegen ist sie unglaublich erfolgreich. Alle machen freiwillig mit. Mach dich nackt, ich bin es schon!, rufen sie aus den Facebook-Kulissen, die wunderlichen Gestalten, die früher auf jedes Gewinnspiel reingefallen sind und heute jede Abofalle mitnehmen. Und der Staat, der mit Verboten schützt und umsorgt, was noch nicht selber denken kann, schweigt.

Noch nie hat auch nur ein Datenschützer einen Satz zum Geburtstagskalender gesagt. Und ob das LKA Sachsen- Anhalt auf seiner ersten Internet-Warn-DVD ein Mittel gegen die Seuche empfiehlt, ist auch unklar.

Sonntag, 23. September 2012

Innovative Geschäftsideen: Prangern statt googeln

Aufgehoben ist nicht aufgeschoben! Ein neues großes Webportal, von dem Insider seit Monaten wispern, sollte in diesen bewegten Tagen starten, muss aber leider weiter warten. Die Geschichte dieses Scheiterns der Idee einer einfallsreichen gemischten Mädchengruppe aus Mitteldeutschland (oben) ist ein Lehrstück, eine Geschichte, die davon erzählt, wie ein überreguliertes, von Amtsgerichten regiertes und in Paragrafen eingepferchtes Land unternehmerische Initiative und gesellschaftliche Innovation ausbremst und erstickt. Dabei war die Idee so simpel: Eine Datenbank sollte, ganz im Sinne des vielbeschworenen Web 2.0, von ihren Nutzern gefüllt werden - nicht mit schnöden Waren wie bei Ebay und nicht mit komischen Kommmentaren wie bei Spiegel.de.

Nein, pranger.de war angetreten, den Druck aus den Köpfen vieler Enttäuschter, Verlassener und Betrogener zu nehmen. Als soziales Überdruck-Ventil wollte die von einigen kunstsinnigen Enthusiasten mit Prekariatserfahrung konzipierte Seite außerhalb der geschlossenen Anstalten Möglichkeiten schaffen, Frust konstruktiv und fröhlich abzulassen und Ärger über Ex-Freundinnen und E-Freunde, säumige Rechnungszahler und pfuschende Handwerker, verlogene Politiker und unpünktliche Lokführer gepflegt und mit einem rufschädigendem Augenzwinkern zu artikulieren.

Der erste Beitrag stand schon fest: Einer der Initiatoren plante, einer früheren Verflossenen unter der Überschrift "Meine Ex, die alte Schlampe" noch einmal ein gemeinsam angefertigtes recht pikantes Video zeigen. Auch weitere interessante Beiträge nahezu fertig erstellt: Ein Mann, dessen Auto bei einem Verkehrsunfall einen Kratzer abbekommen hatte, wollte dem Unfallgegner ein außergerichtliches "Arschloch" nachrufen, eine Frau, der bei Ebay gefälschtes Parfüm angedreht worden war, die Welt vor dem gewissenlosen Verkäufer warnen.

Doch nun, mitten in der heißen Phase, stellt sich heraus, dass pranger.de bereits belegt ist. Und auch rufmord.de die nicht minder aussagestarke Alternative, wird bereits benutzt. Von der Vereinigung der Unternehmerverbände im Aachener Industriegebiet, die sich offenbar in einer Nebenrolle als Domaingrabber gefällt. Und damit echte Initiative von unten ausbremst. Die Warnungen kleingeistiger Rechtsexperten vor möglichen rechtlichen Konsequenzen, die eine als Beleidigungs- und Beschimpfungsportal angelegte innovative neue Seite in einem restlos überregulierten Staat wie Deutschland hätte haben können, haben die Initiatoren noch verlacht. Das aber tötet jedes Geschäftsmodell. Schade drum, denn potentiell war "prangern" schon ein Wort wie "Googeln". So aber geht eine große Idee aus der Welt, ohne sie besser gemacht zu haben. Und die Chinesen bauen das dann wieder nach. www.rufmord.asia ist noch frei.

Die große PPQ-Reihe Innovative Geschäftsideen zum Mitmachen



Solifeuer für die Sturmabteilung

So lange nicht gesehen - und doch gleich wiedererkannt. Als der Hallesche FC und der FC Hansa Rostock sich zum letzten Mal gegenüberstanden, lebte die DDR noch, Helmut Kohl war der Einiger Deutschlands und Sahra Wagenknecht hatte gerade ihren ersten Parteibeitrag bezahlt. 21 Jahre dauerte es, bis die beiden Traditionsklubs aus dem Osten sich wieder über den Weg laufen konnten. Hansa hat zwischendrin einen Höhenflug bis in die erste Bundesliga hinter sich gebracht. Der HFC hat sich aus dem Tabellenkeller der 5. Liga wieder nach oben gearbeitet.

Man trifft sich nun also zwar an der Küste, aber in der Mitte: Hansa ist einer der Aufstiegskandidaten in der 3. Liga, der HFC als Aufsteiger aus Liga 4 zehrt nach einem Traumstart in die neue Spielklasse noch vom Bonus der Überraschungsmannschaft.

Die aber ist heute zu Hause geblieben. Nach einer ausgeglichenen Startphase, die auf einen verspäteten Beginn folgt, weil der Fanzug der Hallenser wegen einer ruppigen Auseinandersetzung auf dem berühmten Bahnhof von Bad Kleinen verzögert in Rostock eintrifft, übernimmt Hansa entschlossen die Regie der Partie. Halle, diesmal wieder mit Mouaya neben dem zuletzt zwangsverstammspielerten Philipp Zeiger in der Innenverteidigung, hält auf bewährte Art handfest dagegen. Hinten sicher, vorn harmlos.

Aber nur zehn Minuten lang. Dann ist der Rostocker Tscheche Smetana da - nach einer Ecke köpft er unhaltbar für Torwart Darko Horvat ein.

Das ist schon in der vergangenen Saison die ungünstigste Position überhaupt gewesen, in die der HFC geraten kann. So lange es 0:0 steht, lebt bei den Rot-Weißen, die im Ostseestadion in Grün auflaufen, immer die Hoffnung, dass sich vorn durchaus auch mal unangekündigt irgendein Ball eines Mittelfeld- oder Abwehrspielers ins gegnerische Netz verirren kann. Liegt die Mannschaft von Trainer Sven Köhler aber erst einmal hinten, ist der Traum vom Punktgewinn auch schon aus: An guten Tagen gehen die Spiele dann 0:1 verloren, an schlechten 0:2.

So kommt es auch in Rostock. Die 12.200 Zuschauer, darunter mehr als 800 aus Halle, sehen weiter eine Heimmannschaft, die das Heft in der Hand hält. Und einen Gast, der gewillt scheint, den in der gemeinsamen Geschichte bereits verlorenen 23 Partien gegen die einst aus dem erzgebirgischen Lauter an die sozialistische Ostseeküste verbannten Gegner die 24. folgen zu lassen.

In der 32. Minute ist es wieder Smetana, der für das 2:0 sorgt - justament zu diesem Zeitpunkt sind die letzten halleschen Fans endlich auch im Stadion angekommen. Vielleicht aus Sorge darüber, dass angesichts des Spielstandes gar nichts mehr passieren könnte, zünden einige Hobbyfeuerwerker direkt nach der Pause Bengalos und Böller. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Art schräge Solidaritätsgeste für die auch mit der Hereinnahme von Vorjahres-Sturmstar Andis Shala als Nebenmann für den seit zehn Spielen torlosen Nils Pichinot notorisch absente HFC-Offensive. Wenn der Verein wieder ein paar tausend Euro für eine vom DFB verhängte Strafe ausgeben muss, so die Spekulation, bleibt vielleicht wirklich kein Geld, um im Winter noch einen wie diesen Smetana zu holen, der nicht nur groß ist und herumläuft, sondern eben auch mal trifft. Der HFC könnte dann die erste Mannschaft weltweit werden, die eine ganze Saison ohne Stürmertor absolviert hat.

Das Spiel wird wegen der Feuerwerkerei wie inzwischen üblich wichtigtuerisch für Minuten unterbrochen. Danach ist Halle zumindest optisch besser dabei, außer einigen Fast-Gelegenheiten für Pichinot, der wie bisher immer denkbar knapp verpasst, und Hartmann, der nach einer Ecke neben den Pfosten köpft, kommt aber nichts Bedeutsames zustande. Hansa, vor vier Wochen noch eine Kellermannschaft im Vergleich zum HFC, muss sich in keiner Phase zum Erfolg zittern. Der HFC aber verliert nach zwei unglücklichen Heimpartien und zwei Punkten aus einem sicher geglaubten Sieg am letzten Spieltag nun auch sein erstes Auswärtsspiel in der 3. Liga. Während Hansa feiert, ziehen die Grünen mit gesenkten Köpfen ab. Es hat wie immer am Selben gelegen. Jeder da unten und jeder oben bei den HFC-Fans weiß es. Und niemand kann etwas dagegen tun.

Samstag, 22. September 2012

Fernsehen gibt Selbstvertrauen

Fernsehen gibt Selbstvertrauen. Wenn man sieht, wie dumm die Leute im Fernsehen normalerweise sind, fühlt man sich richtig klug.

Im tiefen Tal der Toleranz


Es ist soweit. Nun flieht nicht mehr nur das Geld die deutschen Lande, es fliehen auch Logik, Vernunft und die Fähigkeit, die Realität zu sehen, wie sie ist. Fähigkeiten, über die inzwischen nur noch Journalisten zu verfügen scheinen, die in der Schweiz tätig sind. Dort zumindest ist es möglich, dass die die Deutschland nur zu einem kollektiven Aufschrei wider verantwortungslose Filmemacher, selbsternannte Künstler und sonstige Sudler führend Ermordung westlicher Diplomaten in moslemischen Ländern zu einer kalten, klaren Analyse führt, wie sie in der Basler Zeitung im Text "Die künstlichen Wutanfälle" zu lesen ist. Nein, nicht der Produzent eines Billigfilmes über einen mutmaßlichen "Mohammed" und auch nicht ein Videoportal, das diesen verbreitet sind verantwortlich für einen Ausbruch an steinzeitlicher Gewalt gegen Menschen und Dinge. Sondern ein von westlicher Toleranz gezüchtetes Übermaß an Intoleranz gegenüber Anders- oder gar Nichtglaubenden, das vom milden Blick des mitfühlenden Abendlandes über Jahre verklärt wurde zu einer "Kultur", die eben noch vor der Reformation stehe.

Es ist eine jähzornige, nur auf sich selbst fixierte Kultur, die aus der Ferne betrachtet einzig und allein aus ihrer Bereitschaft besteht, sich selbst verletzt zu fühlen. Das aber führt sie bei jeder Gelegenheit vor wie ein trotziges Kind, das seine Suppe aus lauter Hunger lieber verschüttet als zuzugeben, dass es nicht mit dem Löffel essen gelernt hat.

Eine Strategie, die beim wohlmeinenden Westen ausgezeichnet verfängt. Ob es Karikaturen eines "Propheten" sind, Bilder eines Allah oder amateurhafte Schauspielereien aus der Jugend eines "Mohammed" - sobald ein verschwindend kleiner Teil des moslemischen Welt seine eingebildeten Wunden zeigt, sind Deutsche, Franzosen und Amerikaner bereit, Abstriche von grundlegenden Prinzipien wie Meinungsfreiheit oder Kunstfreiheit zu machen. Journalisten in Deutschland, in ihrem eigenen Selbstverständnis eine Speerspitze der Freiheit, stehen schlagartig der Einführung von Denk- und Sprechverboten Spalier, sie bejubeln "Maßnahmen" zur Unterdrückung von Kritik an Religionen, sie applaudieren Politikern, die nach mittelalterlichen Gesetzen verlangen, um bestimmte Götzenbilder unter Schutz zu stellen.

Das Ziel ist der Weg, denn von Mal zu Mal schrumpft der Respekt, den eine auf vorzeitlichen Vorstellungen von Ehre und Ansehen beruhende Kultur vor einer konkurrierenden Weltanschauung haben kann, die sich selbst wie im Affekt in den Staub wirft, sobald man ihr vorhält, sie habe "religiöse Gefühle" verletzt und zur Untermalung des Vorwurfs ein paar Fahnen anzündet. Im tiefen Tal der Toleranz ist die schreibende Zunft stolz darauf, von ihren eigenen Werten abzurücken, wenn es gilt, Rücksicht im Umgang mit einem vorsintflutlichen Weltbild zu üben, das, stände es im Parteiprogramm der NPD, zu einem sofortigen Verbot der Partei führen würde.

Die Verteidiger des Glaubens, der nach eigener Aussage keinen anderen neben sich gelten lassen kann, bekommen Unterstützung von den Verteidigern des Glaubens daran, dass die Freiheit jedes Einzelnen so weit reicht, wie sie nicht die Freiheit eines anderen beeinträchtigt. Beeinträchtigt der "Mohammed-Film" (dpa) die Freiheit eines Moslems? Wird irgendein Gläubiger gezwungen, sich den Film anzusehen? Ist die vorgebliche Beleidigung aus der Welt, wenn der Film nicht öffentlich gezeigt wird? Wo er doch weiter existiert?

Die Basler Zeitung sieht in der Auseinandersetzung um den Film ein Zeichen dafür, wie die Intoleranz im Namen der Toleranz Raum erobert, Maßstäbe setzt und das zulässige Meinungsspektrum einengt. Eine Ansicht, die so zutreffend ist, dass sie sich in keiner deutschen Zeitung findet.Aus hiesiger Sicht sind die tödlichen "Proteste" gegen den zivilisatorischen Fortschritt nach den "Freitagsgebeten" so etwas wie Montagsdemos mit Moscheegeruch. Man muss sie respektieren, dann muss man sich auch nicht wundern, dass man selbst nicht respektiert wird.

Freitag, 21. September 2012

Doku Deutschland: Gesprächskreis Projektverhinderung

Im Gedenken an den Wachtelkönig, der die orthodoxe Bauweise der Bundesautobahn 26 verhinderte und dafür Lärmschutzwände, Flüsterasphalt und Tempolimit brachte. Im Gedenken an den Feldhamster, der ein Zwei-Milliarden-Kraftwerk-Projekt von RWE ins Wanken brachte, lange bevor es eine Energiewende gab. Und in Erinnerung an die Kleine Hufeisennase, die durch den Bau der Dresdner Waldschlösschen-Brücke ausgerottet wurde. Ein Text aus dem kuscheligen Jahr 2007, als die Welt noch in Ordnung war, weil Deutschland keinerlei Probleme hatte, und sich so ausgiebig um die Welt der Insekten, Vögel, Fledermäuse und Käfer kümmern konnte.

Seitdem ist vieles anders geworden, Finanzprobleme haben die drängenden Sorgen der Kleintierwelt aus den Schlagzeilen verdrängt. Immer mehr Touristen drängen nach Dresden, den Todesort der Hufeisennase - 319.196 kamen, als die Stadt noch Unesco-Welterbe war, 355.362 strömten herbei, als sie den Status verloren hatte.

Ein Gedächtnisgespräch:

Ralle: Beim Steppensumpfhuhn, wenn das keine Feier wert ist!

Hufi: Ach, nicht der Rede wert!

Ralle: Quatsch nicht, Alter! Ganz großes Tennis! Ne Brücke, und auch
noch im Alleinflug.

Kricker: Und das Medienecho!

(Gelächter)

Juchti: Sind die Dresdner ganz schön aus dem Echo-Lot!

(Gelächter)

Ralle: Sind so deprimiert, dass sie sich total hängen lassen!

(Gelächter)

Hufi: Nichts gegen deine DaimlerChrysler-Aktion, 2001: "Anlagen-Bau
für Transporter gestoppt". Ein Klassiker.

Kricker: Hat der Schrempp gestaunt wie ein Auto.

(Gelächter)

Ralle: Sind die gar nicht drauf abgefahren.

(Gelächter)

Juchti: Oder die BMW-Ansiedlung in Leipzig: voll ausgebremst.

Hufi: Haben die BMW beinahe umbenannt: Baun mer woanders.

(Gelächter)

Ralle: Aber die Frankreich-Sache, 99: auch nicht schlecht.

Hufi: Haben sogar die Bauern protestiert, weil die Flurbereinigung
gestoppt wurde.

Kricker: Haben die sich richtig vom Acker gemacht.

(Gelächter)

Juchti: Mit Zornes-Furchen im Gesicht.

(Gelächter)

Ralle: Quasi ohne Umfeld.

(Gelächter)

Hufi: Na, wir sehn uns in Dresden.

Ralle: Machen frei, nehmen 'nen Brückentag.

(Gelächter)

Juchti: Machen einen auf Uno.

Ralle: Bauen? Uno momento!

(Gelächter)

Hufi: Bis denne, bleibt sauber, Leute! Und denkt an 2010: Stuttgarter Bahnhof!

(Gelächter)



Doku Deutschland:
Grass endlich geehrt
Beim letzten deutschen Autofahrer
mehr Doku: Bekenntnisse eines Blitzkriegers
Wahrheit ist flexibel
Ein Land aus Pfand
Sorgen auf der Sonnenbank
Rock an der Rütlischule
Schwimmen mit Sirenen
Hausbuchführer im Widerstand
Ich dagegen bin dafür
Der Marcellator der Herzen
Die Stimme des Bauchtrainers
Am Tresen verhaftet


Solidarpakt löscht Schulden

Der deutsche Sachverständigenrat für Wirtschaft hat einen Plan ausgearbeitet, der den Konflikt um die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland lösen könnte. Der Sachverständigenrat sieht dabei jedoch nicht die weitere Erhöhung von Steuern vor, sondern einen Schuldentilgungspakt.

Mit dem Modell werden die Schulden der ärmeren Bevölkerungsschichten im Volumen und von der Höhe nur begrenzt vergemeinschaftet. Auch würden bestimmte juristische Probleme, die bei der von PDS-Chefin Katja Knipping vorgeschlagenen Totalbesteuerung großer Einkommen und Vermögen entstehen, mit dem Modell weniger schwierig zu lösen sein.

Im Detail geht es bei dem Konzept um die Auslagerung der Verbildlichkeiten der verschuldeten Bevölkerungsgruppen in einen Tilgungsfonds. Dabei darf aber lediglich der Teil der Schulden in den Fonds verschoben werden, der die von der OECD festgelegte durchschnittliche Wohlstandsgrenze von 50 Prozent des Meridianeinkommens übersteigt. Das würde derzeit einem Volumen von rund 2,3 Billionen Euro entsprechen.

Die Haftung für den Tilgungsfonds übernehmen dann alle Bürgerinnen und Bürger solidarisch gemeinsam. Die Schulden derjenigen, die auf Raten gekauft oder zu teuer gebaut haben, werden von den Schuldnern langfristig in rund 25 Jahren getilgt werden. Nur wenn das nicht gelingt, steht die Solidargemeinschaft der Inhaber von Vermögen aller Art und der Bezieher von Einkommen, die über der Armutsgrenze liegen, für die Betroffenen ein.

Der Sachverständigenrat weist aber auch bei diesem Modell auf die Bedeutung der „strikten Ausgabendisziplin“ hin und knüpft dessen Einführung an mehrere Bedingungen. Unter anderem müssen Schuldner, die dem Pakt beitreten, versprechen, nicht mehr mehr Schulden zu machen als sie ohnehin nicht zurückzahlen können. Außerdem wird eine Strategie gefordert die verhindert, dass die Schuldenquote langfristig nicht wieder über 60 Prozent steigt. Wie diese aussehen könnte, ist noch unklar.

Tilgt ein Schuldner seinen Anteil nicht vereinbarungsgemäß, darf er keine weiteren Schulden mehr in den Tilgungsfonds übertragen. Zur Sicherheit muss er zudem vorher einen Teil seiner noch vorhandenen Vermögenswerte verpfänden, besitzt er keine, springt ein aus Soli-Zahlungen anderer Mitglieder gespeister Sammelfonds ein.

Nachteil des Modells sei es, dass finanziell stärkere Bürgerinnen und Bürger plötzlich weniger Geld hätten, wirtschaftlich schwächere dagegen mehr. Dadurch könnten viele Mitbürger, die jetzt noch gut situiert seien, auf die Schuldnerseite rutschen, wodurch die durch die verbleibenden Vermögenden zu leistenden Zahlungen immer höher würden. Gut sei aber, dass die Steuerzahler mit den höchsten Vermögen ganz am Ende die Zeche für alle würden zahlen müssen, wenn es zu einem Zahlungsausfall aller anderen kommt.

Bei SPD und Grünen stößt das Modell der Wirtschaftsexperten auf große Zustimmung. Sie wollen ihr „Okay“ zum Fiskalpakt von der Einführung dieses Modells abhängig machen. „Der Schuldentilgungspakt verbindet intelligent die Vorteile niedriger Zinsen mit Abbau von Schulden. Die gemeinsame Haftung wäre in der Höhe und zeitlich begrenzt“, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin. 25 Jahre seien vor allem für viele Jüngere überschaubar.

Donnerstag, 20. September 2012

Ochs und Esel in seinem Lauf

Der Euro wird überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen.

Aktion Noteingang baut Angebotspalette aus

Sie kommen meistens nachts, sie schlagen brutal zu, sie rauben, stehlen und im Ernstfall morden sie sogar. Gert Kastemann hatte noch Glück: „Ich stieg aus dem Auto, rief meine Freundin an, um ihr zu sagen, dass ich gleich da bin, da kamen sie.“ Drei junge Männer bauten sich vor den 42-Jährigen auf und einer forderte ultimativ die Herausgabe von dessen Handy. „Sonst könnte ich was erleben.“ Kastemann, ein durchtrainierter Bauarbeiter, überlegte nur kurz. „Bei solchen Typen weiß man nie, ob die bei Gegenwehr nicht gleich ein Messer zücken.“ Kastemann gehorchte und gab sein geliebtes iPhone heraus. was ihm wenig nützte: Blitzschnell schlug einer der Täter zu, das Opfer fiel, die drei jungen Männer traten dann noch auf ihn ein, bis er bewusstlos wurde. „Erst dann sind sie abgehauen.“

Ein Verbrechensmuster, das Hauptkommissar Willfried Hartmann von der Wache Mitte der Polizeidirektion in Merseburg zur Genüge kennt, denn es ist das typische einer neuen Art von Straßenverbrechen, das sich mehr und mehr breit macht. War Raub am hellichten Tage mitten in der Stadt in den weitgehend unbelebten Gebieten Ostdeutschlands noch vor einigen Jahren nahezu unbekannt, schwappt mit der immer weiteren Verbreitung von sogenannten Smartphones eine wahre Verbrechenswelle durch Städte wie Merseburg, Halle, Dresden, Leipzig und Schwerin. „Es gibt wieder etwas zu holen“, erklärt Hartmann mit Blick auf mobile Begleiter, die auf dem schwarzen Markt schon mal einen Verkaufswert von 300 bis 400 Euro erreichen können.

Entsprechend anziehend wirken Statussymbole wie das iPhone oder das Samsung Galaxy auf zumeist jugendliche Gewalttäter. „Vor der Smartphone-Ära“, sagt Hartmann, „war Straßenraub ein ungewisses Geschäft.“ Täter mussten ihre Opfer auf Verdacht überfallen und darauf hoffen, ein paar Euro aus deren Brieftaschen zu schütteln. „Mit Glück war noch ein MP3-Player und ein brauchbares Handymodell drin.“ Heute sähe das anders aus: „Die Opfer bieten sich durch ihr öffentliches Telefonieren mit bis zu 800 Euro teuren Smartphones geradezu als Opfer an.“

Die Zahlen geben Hartmann recht. Vier Millionen Handybesitzer wurden bereits einmal bestohlen, viele von ihnen durch brutale Räuber. Eine Gefahr, die allerdings erst seit drei, vier Jahren existiert und so noch nicht im politischen Raum angekommen ist. „Dort beschäftigt man sich immer noch am liebsten mit den Opfern rechter Gewalt“, sagt Hartmann. Das sei verständlich, handele es sich dabei doch um bundesweit bis zu 800 Opfer im Jahr. Während brutalen Handyräubern höchstens 15.000 Menschen im Jahr zum Opfer fielen.

Willfried Hartmann sieht eine verschwiegene, verdrängte Gefahr. „Bisher gibt es nicht einmal eine Statistik, die die Zahl der Raubüberfälle wegen teurer Smartphones erfasst“, sagt er. Da er und seine Kollegen von der Wache Mitte aber wissen, wie akut die Gefahr inzwischen ist, steuern sie mit einer privaten Initiative gegen: In ihrer Aktion „Noteingang für Handyraubopfer“ verteilen sie überall im Revier Aufkleber, mit denen Geschäftsinhaber, Kindergärten, Schulen und Behörden von brutalen Handyräubern bedrängten Verfolgten signalisieren können, dass sie bereit sind, Hilfe und Unterschlupf zu geben. „Die Aufkleber werden im Eingangsbereich angebracht um deutlich zu machen, dass das Personal rassistische Verhaltensweisen nicht duldet und gegebenenfalls potentielle Opfer schützen wird“, beschreibt Hartmann.

Inzwischen gibt es bundesweit Initiativen, die sich an der Aktion Noteingang beteiligen - unter anderem in Sachsen, Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Unterstützt werden sie teilweise von Politikern - die sächsische Aktion in Mittweida hat beispielsweise Wolfgang Thierse als Schirmherren gewinnen können.

Mittwoch, 19. September 2012

E-Mails, wie wir sie gern bekommen



Ihre Mailadresse wurde gelöscht, ihre Schuld am Elend nicht.

Fliesen in der Fremde: Rio de Janeiro

Dort, wo alles anfing, werden sie inzwischen abgeschlagen, zerstört und mit dem Bagger von den Wänden gerissen. Ihre Macher werden geächtet und verfolgt, nur des nachts können sie aus ihren geheimen Ateliers kommen und neue prächtige Fliesenkunstwerke an die Wände der grauen Innenstadt kleben. Niemand in Halle, der mitteldeutschen Kachelhauptstadt, hat je erkannt, welch riesiges Potential in der von einheimischen Fliesenkünstler Kachel Gott geplanten Komplettverfliesung der gesamten Innenstadt steckt, welche Touristenströme ein solches Projekt anlocken und welche Milliardenbeträge an Währungen aus der ganzen Welt ins Stadtsäckel fließen könnten.

Hoffnung auf ein Umdenken der Behörden kommt jetzt jedoch aus Brasilien, wo der chilenische Maler Jorge Selarón bereits vor Jahren begann, seine Version der halleschen Kachelkunst zu leben. Vor aller Augen und ungestört von kunstfeindlichen Eingriffen aus dem Rathaus von Rio de Janeiro ist es Selarón gelungen, im Stadtteil Santa Teresa eine ganze Treppe zum Kachelkunstwerk zu machen. Die mit tausenden bunter Kacheln – darunter auch einigen Exemplaren des halleschen Kachelmannes - verzierte „Escadaria Selarón“ ist das Lebenswerk des vielgereisten Keramikers, der mit der Arbeit an der Front seines Hauses begann, inzwischen aber den gesamten Bau verfliest hat.

Ganz am Anfang hätten ihn Nachbarn noch verspottet, weil er die Stufen in den Farben der brasilianischen Flagge gefliest hatte, erzählt der Kachel-Künstler. Später aber wurde sein großes Vorhaben von allen im Viertel unterstützt – Fremde brachten eigene Kacheln, kauften Gemälde und spendeten für neuen Fliesenkleber. Mittlerweise hat Selarón mit 2000 Fliesen aus 60 Ländern einen bunten Kachelkosmos geschaffen, der zeigt, wie die altehrwürdige Stadt Halle aussehen könnte, ließen die Behörden die engagierten jungen Kachelkünstler endlich ihre Arbeit tun.

Der Erfolg würde, auch das zeigt das brasilianische Beispiel, nicht lange auf sich warten lassen: Bei Jorge Selarón sind schon Werbespots für National Geographic Channel, American Express, Coca-Cola, Kellogg’s Corn Flakes, Time und Playboy gedreht worden, Videos von Snoop Dogg und U2 spielten hier und weltbekannte Reiseführer empfehlen einen Besuch an der Kacheltreppe als Touristenpflicht.

Weitere Ausstellungsstücke aus der öffentlichen Galerie des unbekannten Fliesenlegers in Halle finden Freunde der gehobenen Giebelgestaltung im offiziellen Kachelverzeichnis.

Eigene Funde können wie stets direkt an politplatschquatsch@gmail.com geleitet werden, jeder Fund wird von uns auf Wunsch mit einem mundnachgemalten Kunstdruck der inzwischen von Kachel-Gegnern vernichteten Ur-Fliese prämiert.

Poleaks: Anschwärzen wird einfacher

Wikileaks ist tot, Openleaks ebenso, das Landeskriminalamt in Baden-Württemberg aber lebt und bietet seinen Kunden ab sofort die Möglichkeit, über das Internet anonyme Hinweise an die Polizei zu schicken. Bürgerinnen und Bürger, die unliebsame Nachbarn, Kollegen oder auch den Scheidungspartner anzeigen wollen, erreichen das neue Poleaks-System über einen Link, der auf den Webseiten der Polizei, der Internet-Wache Maus-Police, des LKA und des Innenministeriums zu finden ist.

Poleaks, entwickelt von einem Neuererteam innerhalb der Polizei, sichert Anzeigeerstattern, Wistleblowern und Gerüchtestreuern volle Anonymität bei gleichzeitiger Garantie, dass Hinweisen auf Rechtsextremität, Kindesmissbrauch, Korruption, Wirtschaftskriminalität und Steuervergehen entschieden nachgegangen wird."Anschwärzen wird viel einfacher", lobten erste Tester den neuen Blockwart-Service. Niemand müsse mehr mit Konsequenzen rechnen, wenn er seinen Lehrer als Rassisten, seinen Nachbarn als Nazi oder die unfreundliche Verkäuferin bei Aldi als Schwarzarbeiterin melde.

Auch nach Ansicht des sozialdemokratischen Innenministers Reinhold Gall ist die neue Poleaks-Plattform ideal, um von jedermann jederzeit gegen jeden eingesetzt zu werden. Bislang sei es notwendig gewesen, bei der Erstattung von Anzeigen Name und Anschrift anzugeben, so dass sich jeder genau überlegen musste, ob er unbegründete Anschuldigungen vorbringt. Das werde künftig nicht mehr nötig sein, den Poleaks biete Anschwärzern amtliche Anonymität. Jetzt reichen vage Hinweise, die ohne Absender hinterlegt werden. Bei zu unklarer Quellenlage könne die Polizei über ein anonymes Postfach Details bei dem Informanten einfordern, sagte Gall.

Dienstag, 18. September 2012

Sätze für die Ewigkeit XX

Zwei Hinterbänkler beim Absackerbier nach einer Parteiversammlung:

Weißt Du, Sozialdemokratie beruht auf der Kunst, mit einem Schlitten einen Berg runterzufahren, den andere hinaufgezogen zu haben, und dabei zu glauben, dass man einen umweltfreundlichen und sozialverträglichen Antrieb in die Zukunft gefunden hat.

Mehr Sätze für die Ewigkeit

Innovative Geschäftsideen: Mittwochs zum Militanz

Die Konkurrenz schläft nicht, der Abzug nähert sich – und wie viele Konkurrenten auf dem hart umkämpften Markt der Erlebnisgastronomie reagiert auch „Talibar“-Gründer Kevin Schnitte auf die sich verschärfende Situation an Hindukusch und Heimatfront: „Ab Juni bitten wir jeden Mittwoch zum Militanz“, beschreibt der quicke Gründer aus dem ostdeutschen Ilfeld, der nach Jahren als Koch bei der Bundeswehr dank eines Beitrages aus der großen PPQ-Serie "Geschäftsideen, die wir selbst auch gern gehabt hätten" vom traumatisierten und perspektivlosen Wiedereingliederungskandidaten zum erfolgreichen Geschäftsmann mit schnell wachsender eigener Restaurantkette geworden war.

Ein gesellschaftlicher Rang, den sich Kevin Schnitte nie mehr nehmen lassen will. „Nachdem sich die erste Empörung über mein Geschäftskonzept gelegt hatte“, erinnert er sich, „musste ich neu nachdenken, wie ich die Gäste anlocke.“ Die Idee, sich durch ein kärgliches, ganz im Stil von Tora Bora gehaltenes Erdrestaurant mit niedrigen Decken und Tischen, einer Vielzahl von landestypischen afghanischen Angeboten und frech in Mudschaheddin-Kostümen auftretender Bedienung von anderen Anbietern abzuheben, drohte zu verschleißen: "Leibesvisitation am Eingang, Burkas für das Personal, Bilder vom Propheten und seinen Frauen an der Wand und auf dem Boden flauschige Teppiche, damit jeder, der mag, jederzeit zum Gebet niederknien kann" berichtet Schnitte, hätten schon nach einigen Monaten nicht mehr „gezogen“.

Die Banken, die sein einmaliges Konzept anfangs nicht hatten fördern wollen, schienen im nachhinein doch recht gehabt zu haben. Aber Schnitte, der in Kundus gelernt hat, um den Taliban den finalen Todesstoß zu versetzen, kämpfte. Seine „Talibars“ (Foto oben die Filiale auf Sylt) wurden aufwendig umdesignt, statt in blauen Ganzkörperzelten bedienen ausnehmend hübsche Kellnerinnen jetzt in sexy Minis, die aufwendig von Hand mit Koranversen bedruckt wurden. „Auf der Karte stehen jetzt bei uns auch Spezialitäten wie Granat-Apfelsaft.“

Bombenstimmung aber kommt beim Partyvolk vor allem auf, wenn es heißt „Militanz in der Talibar“. Dann spielen Bands auf, der Alkohol fließt in Strömen, die Schischas qualmen, es wird lauwarmer Tee gereicht und mit den Händen gegessen. "Als Aschenbecher dienen großkalibrige Granathülsen, alle Kellner tragen völlig echt wirkende AK47 und wild wuchernde Vollbärte."

Ein bisschen Feldlagerromantik für viele Bundeswehrsoldaten, ein Ausflug in eine völlig anderem, fremde Gastronomiewelt für die meisten, die Kabul nur aus der Tagesschau kennen. Kevin Schnitte, der in einem winzigen Dörfchen in Nordthüringen aufwuchs und sein Handwerk im 300 Jahre alten "Huthaus" auf 600 Meter Höhe erlernte, sieht sich selbst als Brückenbauer zwischen der urwüchsigen, unmittelbaren und nachhaltigen Lebensweise der Koranschüler und dem verzärtelten und oft verzettelt wirkenden Sitten des Abendlandes. "Wir verstehen sie nicht, sie verstehen uns nicht", sagt der Mann, der auf der Jagd nach neuen, radikalen Rezepten noch immer einmal im Monat nach Heiderabatt fährt, „umso mehr können wir voneinander lernen.“

Gerade die Engtanz-Runden beim Militanz zeigen jeden Mittwoch, wie gut das funktioniert: Unter den Schwarzlichtstrahlen der Sprengstoff-Detektoren singen Stars wie die Engländerin Natasha Bedingfield dann Hits wie „I'm a Bomb“. Und bei den Zeilen „Dressed to kill I'll be causing mass destruction, so shield your eyes, I'm all steamed up and ready to blow, pressure max, meter red overload to get release I gotta explode” singt der ganze Saal.

Mehr heiße Gründer-Stories von jungen Deutschen, die es geschafft haben, in der großen PPQ-Serie "Geschäftsideen, die wir auch gern gehabt hätten": Die Datenbank der innovativen Geschäftsideen

Montag, 17. September 2012

Wer hat es gesagt?

Leute wie der US-Notenbankchef Ben Bernanke und Präsident Barack Obama sind Akademiker und Clowns. Sie haben mit ihren Ausgabenprogrammen und der Niedrigzinspolitik die Kreditblase erst geschaffen. So sind die Politiker mitverantwortlich für die Krise. Und genau die präsentieren sich jetzt als Retter.

Verbot der Woche: Wer provoziert, verliert

Jetzt geht Innenminister Friedrich entschieden gegen die Provokateure vor, die veranlasst haben, dass die deutsche Botschaft im Sudan angegriffen wurde. Mit einem neuen Gesetz zum Allgemeinen Provokationsverbot (APV) nimmt der CSU-Mann alle ins Visier, die versuchen, andere aufzustacheln oder zu verleiten. Das Verbot ergehe im "Interesse an der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. "Wir sind ein Land, in dem die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist, aber auch Schranken kennt", hatte Kanzlerin Angela Merkel zuvor festgelegt.


Betroffen von den im Rahmen der PPQ-Aktion "Verbot der Woche" initiierten Maßnahmen sind neben unsäglichen Filmemachern, Schriftstellern oder Karikaturisten auch junge Mädchen und Frauen, die mit gürtelkurzen Röcken und den gerade in den letzten Monaten so beliebten "Hosen" Vergewaltiger zu ihren kriminellen Taten aufstacheln.

Kurze, sexuell aufreizende Bekleidung provoziere Männer zu Handlungen, für die sie selbst nicht verantwortlich gemacht werden könnten, hieß es im politischen Berlin. Die Täter bei den betreffenden Vorfällen seien Opfer derer, die sie zu ihren Taten aufstachelten. Wie der "Tagesspiegel" herausfinden konnte, müsse sich der Rechtsstaat gegen Demagogie in Reinkultur zur Wehr dürfen, wenn die dreist behaupte, Täter seien die, die Taten täten, und nicht die, die diese Taten durch ihr Tun oder Nichttun provozierten. Dabei seien zwar "grundlegende Rechtsgüter abzuwägen und ganz unmittelbare situative Gefahren einzubeziehen". Doch wenn es nicht anders gehe, müsse eben die Straße Provokateuren in den Arm fallen.

Dagegen richte sich das neue APV-Gesetz, das erstmalig Provokationen aller Art unter Strafe stelle und damit vorbeugend wirke. Überkurze Röcke, aber auch Kinder, die entsprechend veranlagte Männer zu illegalen sexuellen Handlungen provozieren könnten, seien künftig ebenso verboten wie Schiedsrichterentscheidungen in der Bundesliga, die bei Anhängern der benachteiligten Mannschaft zu Überreaktionen führen könnten, oder Witze, die Minderheiten zu unkontrollierten Reaktionen aufstacheln. Eine Liste der künftig verbotenen Anheizungen und Aufstachelungen soll ab Anfang Oktober in allen Polizeidienststellen aushängen. Über weiterhin zulässige Meinungsäußerungen und Ansichten informiert die stündlich aktualisierte Durchsage auf 115 (Ortsnetzgebühr).