Montag, 21. August 2017

Die Mörder benennen: "Fanatische Lieferwagenfahrer"

Mutig benennt die Süddeutsche Zeitung die Verantwortlichen für den Terror in Europa: Es sind "fanatisierte Lieferwagenfahrer".

Kaum hat Rezep Erdogan endlich ein Thema geliefert, das es erlaubt, nicht mehr über den Terror zu sprechen, verstößt die eigentlich so besonnene "Zeit" gegen den Konsens der Technokraten. Und benennt die Mörder von Nizza, Berlin und Barcelona in nie gekannter Deutlichkeit: "Fanatische Lieferwagenfahrer", seien es gewesen, die "Europa in seinem Fundament angegriffen" hätten.


Ein mutiger Schritt weg vom Geheuchel der großen Politik, der Nachrichtensender und Tageszeitungen, die es seit Jahren tunlichst vermeiden, Roß und Reiter zu erwähnen, wenn es wieder irgendwo knallt oder ein Messer gezogen wird. Zynisch und entgegen dem erklärten Interesse der Bürgerinnen und Bürger instrumentalisierten nur die rechtsextremistischen Rechtsradikalen von der rechtspopulistischen AfD die unabwendbaren Zwischenfälle von London, Turku und St. Petersburg für ihre menschenfeindlichen Zwecke.

Stimmenfang am rechten Rand, der die "Zeit" wohl ermutigt hat, die seit Wochen geführte Anti-Autofahrer-Kampagne nun Richtung Terror zu verlängern. Unter dem irreführenden Titel "Die Antwort ist Europa" reißt die Ethnologin Vanessa Vu jetzt dem Typus des mordenden Lieferwagenfahrers die Maske vom Gesicht: Er, gefangen in einem religiösen Wahn, den ihm "ideologische Hintermänner" einimpfen, die mutmaßlich gezielt nach Menschen suchen, die "entfremdet von der Gesellschaft" nach einer "anderen Gruppe" suchen, mit der sich sich "identifizieren" können (alle Zitate Vu), wird hier enttarnt als der Hauptfeind des "demokratischen, pluralistischen, offenen und toleranten" (Vu) Europa des Rechtsverkehrs, der Ampelregelung und des "Spielstraße"-Schildes.

Ein Meilenstein der Terrorberichterstattung, die sich bislang darin erschöpfte, kein Wort mit I zu verwenden und Anschläge als naturgegebenes Phänomen zu beschreiben, das zwar von "jungen Männern" (Spiegel) ausgelöst wird, letztlich aber ohne tiefere Ursache geschieht.

Keine Maßnahmen gibt es, so der Konsens, die die Gesellschaft vor dem Terror schützen können, der unvermeidlich ist, weil er keinen Zweck und kein Ziel verfolgt. Nur durch innere Panzerung aller gegen alles, durch mediale und emotionale Abstumpfung kann die westliche Zivilisation, so der "Tagesspiegel", zu einer neuen Art von Freiheit finden. Es wird eine Freiheit sein, die durch die Akzeptanz des Unumgänglichen lernt, Tote und Verletzte unaufgeregt hinzunehmen wie sterbende Greise und Opfer von Verkehrsunfällen.

Eine zynische Mär, mit der die "Zeit" aufräumt. Gegen "fanatisierte Lieferwagenfahrer", deren Erwähnung allein bisher ein Tabu nicht nur in Deutschland war, hilft keine Ignoranz, kein Verschweigen. Dem Terror der Van-, Kleintransporter- und Lieferwagen-Lenker darf "nicht nur mit Abwehr und Außenpolitik begegnet" werden, sondern er braucht Annahme und Inklusion. "Die europäischen Länder könnten zusätzlich zu ihren regionalen oder nationalen auch eine gesamteuropäische Integrationsstrategie anstreben", empfiehlt die Süddeutsche Zeitung. Den haltlosen, hoffnungslosen und doch auch verzweifelten Anhängern des Glaubens der fanatisierten Lieferwagenfahrer müsse Europa "eine Heimat bieten, bevor sie sich radikalisieren und bevor Terrororganisationen diese Menschen für sich gewinnen können".

Klingt nach einem Plan, zumal die EU nach Erkenntnissen der "Zeit" seit Kurzem bereits an gemeinsamen Maßnahmen zur Bekämpfung nicht nur der Radikalisierung von Lieferwagenfahrern arbeitet, sondern auch brutalisierte Bartträger, entmenschte Teetrinker und mordgierige Mgadara-Esser ins Visier nimmt.

Ein Anfang, dessen inklusive Absicht weiterverfolgt werden muss. "Aus diesen ersten Ansätzen müsste nun aber das Herzstück von Junckers "europäischer Sicherheitsunion" werden", fordert Vanessa Vu. "Erst dann würden wir nicht nur in einem Europa leben, zu dessen Selbstverständnis es gehört, demokratisch, pluralistisch, offen und tolerant zu sein. Sondern auch in einem, das all diese Werte wirklich ernst nimmt."

Die SPD geht offshore: Martin Schulz´ chinesisches Abenteuer

Die SPD testet in China Tütensuppen - Gewinne fallen nicht an.

Martin Schulz ist zwar der Chef, aber über den chinesischen Arm der deutschen Sozialdemokratie hat er noch nie gesprochen. Dabei steht Cavete, die Tochterfirma der SPD in Hongkong, sinnbildlich für die neue, die erzkapitalistische SPD: Globalisiert, profitorientiert und gewieft genug, Steuervorteile zu nutzen, wo sie sich bieten.

Von Prinzipien allein kann niemand leben, auch nicht eine Partei, in deren DNA die Wahrung der Menschenrechte eingraviert ist. Und so beschloss der Vorstand schon vor Jahren, den von vielen objektiven Informationen abgeschnittenen chinesischen Verbrauchern zu Hilfe zu eilen: Die SPD-Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft gründete in Hongkong eine Offshorefirma namens Cavete Global Ltd., die wiederum "finanziert" (SPD) die Internetseite okoer.com - ein Verbraucherportal für China, "das sich am Vorbild des deutschen „Öko-Test“-Magazins orientiert: Produkte des chinesischen Marktes werden mit Hilfe von „Öko-Test“ in Deutschland unabhängig getestet" (SPD).

Eine Idee, die für eine politische Partei in Deutschland naheliegend ist. Auch der "Spiegel", ehemals ein Nachrichtenmagazin,  berichtete zum Start von Martin Schulzens chinesischem Abenteuer wohlwollend vom Engagement der Sozialdemokraten in der unmenschlichen Ein-Parteien-Diktatur, das Internetseiten sperrt und die Meinungsfreiheit unterdrückt. Der Vorstand der früheren "Arbeiterpartei" (Willy Brandt) freute sich: okoer.com stoße in China auf  "großes Interesse" und habe "enorme Wachstumsraten", hieß es bei der SPD auf Vorwürfe, bei Cavete - zu deutsch so viel wie "Vorsicht!" - handele es sich um eine Briefkastenfirma zur Steuervermeidung.

Das ist natürlich Quatsch. Mit angeblich beschäftigten "100 Mitarbeitern" schafft es okoer.com nach immerhin zwei Jahren Anlaufzeit gerade auf Platz 9.700 unter allen chinesischen Internetseiten. Von einer Milliarde Chinesen erreicht die deutsche Ratgeberseite so etwa geschätzte 0,03 Prozent im Monat. Weltweit liegt das "Verbraucherportal" knapp unter Platz 100.000 - okoer.com ist damit weltweit etwa halb so "erfolgreich" (SPD) wie die Internetseite der linken deutschen Sektenzeitung "Junge Welt".

Dass "mögliche Gewinne nach deutschem Steuerrecht versteuert“ würden, wie die SPD hat wissen lassen, ist eine rein theoretische Erklärung: Gewinne wird die Partei mit ihrer Briefkastenfirma nicht erzielen.

Die Besucherzahlen des chinesischen SPD-Verbraucherportals okoer.com sind desaströs.

Sonntag, 20. August 2017

Terrorimmunes Deutschland: Lob der neuen Freiheit

Aus der Unmöglichkeit, dass Terror unsere Lebensweise verändert, ist die Unmöglichkeit geworden, uns zu besiegen. Aus der Gewissheit, dass das Gute am Ende triumphieren wird, wurde der feste Glaube, dass das Böse nicht auf ganzer Linie siegt. Mit Pollern und Betonbarrieren, Taschenkontrollen, neuen Sprachregelungen und nur noch verbal offenen Grenzen erwuchs nach London, Stockholm, Brüssel, Paris und Barcelona eine Erkenntnis: "Unsere Freiheit hat sich verändert".

Terror zum Angewöhnen


"Man kann Städte nicht zu Festungen ausbauen", stellt ein Experte in der Wiener Kronenzeitung überraschend fest. Ein Umdenken bei den Menschen müsse stattfinden, denn die Zeit der Sorglosigkeit sei vorüber. "Wir müssen uns an den Terror gewöhnen", sekundiert der Kölner Stadtanzeiger.

Der Tourismus hat sich verändert, bemerkt der Tagesspiegel. Die Verpollerung von Stadtfesten, die Durchsuchungshäufigkeit bei Veranstaltungen, die Videoüberwachung im öffentlichen Raum, Rucksackverbote, Strafen für vergessenen Koffer - alles ist anders als früher, aber damals ging es Deutschland lange nicht so gut wie heute.

Die offene Gesellschaft erfindet sich neu, sie lässt sich von Fanatikern, Dschihadisten und Selbstmordattentätern keine Angst machen. „Wir wissen, unser freies Leben ist stärker als jeder Terror“, predigt die Kanzlerin, nachdem sie sich mit dem Zählkandidaten der SPD auf eine Fortsetzung des Wahlkampfes in "deutlich leiserer" Form geeinigt hat..

"Die Freiheit hat sich verändert", sie ist nicht mehr vorab ausgehandelt wie bisher, sondern Gegenstand hausrechtlicher Vorgaben. Muss ich denn in Menschenmengen gehen? In Innenstädte? Kann ich nicht auch im Internet einkaufen, mir Essen von Edeka liefern lassen, das Livekonzert bei Netflix schauen?

 Der Freiheit, die sie meinen


Die westliche Zivilisation entwickelt sich weiter. Der Schutz, der außen fehlt, wird im Inneren nachgeholt. Frankreich ist seit Jahren im Ausnahmezustand, die offenen Schengen-Grenzen unterliegen permanenter Kontrolle. Die Zeiten, als Staaten wie Dänemark, Ungarn und Österreich sich vor Berliner Standgerichten verantworten mussten, weil sie Zäune bauten und Grenzbeamte aufmarschieren ließen, sind vorbei. Europa akzeptiert die Änderungen stoisch: "Der Anblick hochbewaffneter Paramilitärs an Frankreichs Bahnhöfen und Shopping-Malls befremdet einen zwar weiterhin, aber man nimmt ihn hin", heißt es im "Tagesspiegel".

Ein Lob der neuen Freiheit, das sich durch zahlreiche Kommentare zieht. Wir lassen uns das Singen nicht verbieten, freut sich Issio Ehrich bei n-tv. "Weil wir nicht in Angst erstarren, geht die IS-Strategie nicht auf!", jubelt die Bild-Zeitung. Unsere Mauern brechen, unsere Herzen nicht.

Deutschland ist durch Morde gereift, abgehärtet durch den multiplen Schrecken immer wieder durchdrehender "Lieferwagen" (SZ), gegen deren unschönes Treiben die Behörden  noch kein wirksames Abwehrmittel gefunden haben.

Die Menschen schon. Deutschland "wurde zumindest ein Stück weit immun gegen den Schrecken des Terrors" (n-tv). Eine Hornhaut hat sich über die Empfindlichkeiten der Vergangenheit gelegt, als Nizza, London und Paris noch tagelang Thema waren. Heute wechselt die Terrorbetroffenheit noch in der Nacht nach einem Anschlag zu kühler Gelassenheit. Ein routinierter "Brennpunkt" noch und eine "Rekonstruktion des Anschlags von Barcelona", die minutiös und unter strikter Vremeidung irritierender Begriffe wie "Islam", "Islamismus" oder "Muslim" beschreibt,  wie "der Lieferwagen seine ersten Opfer" (SZ) überfuhr. Aus und Ende.

Noch zehn, zwölf oder 20 Anschläge, und Martin Schulz, Steffen Seibert, Sahrah Wagenknecht, Christian Lindner und der Rest der berufsbetroffenen Trauertwitterer werden sich alle Selbstzitate sparen und ohne den derzeit noch nötigen Moment geheuchelten Mitgefühls zur Tagesordnung übergehen.

Samstag, 19. August 2017

Über die Legalität von Online Casinos in Deutschland – Fakten 2017

Während sich Politiker landein und landaus über unterschiedlichste Probleme im übertragenen Sinn die Köpfe einschlagen (beispielsweise Einwanderungspolitik, Klimapolitik, Verkehrspolitik, Gesundheitswesen, Finanzpolitik), gibt es am Rand immer wieder kleine Gesetzesänderungen und neue Gesetze, die nur wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen.

Weil ein Zweig im Internet boomt wie kaum ein zweiter, informieren wir Sie an dieser Stelle über die Gesetzeslage in Sachen Online Casinos. Denn hier herrschen große Unklarheiten.

Was es über Casinos in Deutschland zu wissen gibt

Egal, welche Stadt man in Deutschland besucht, man hat stets das Gefühl, dass es manche Einrichtungen wirklich überall gibt. Das sind natürlich Nahrungsmittelgeschäfte, Banken, Postfilialen, Ärzte und Apotheken ... und natürlich auch – man höre und staune – Casinos oder Spielhallen. Während im Prinzip jeder Bundesbürger ein Geschäft eröffnen darf, gibt es in anderen Bereichen glücklicherweise eine strenge Reglementierung.

Heißt: Nicht jeder darf überall ein Casino eröffnen. Das darf nur der, der eine in Deutschland anerkannte Lizenz für ein Casino hat. In erster Linie sind dies die staatlichen Spielbanken, die es in allen Bundesländern gibt – sie dürfen alle Glücksspiele anbieten, die Sie aus Film und Fernsehen auch kennen. Und es gibt auch Betriebe, die eine solche Lizenz haben und als größere Glücksspielketten auftreten. Das sind beispielsweise die Spiel-In Casinos oder die Löwen-Casinos, die es in größeren Städten gibt.

Je nach Anbieter variiert auch das Angebot. Während die staatlichen Casinos alles anbieten dürfen, was der Spielemarkt hergibt (alle Tischspiele, alle Automatenspiele), steht den alternativen Anbietern natürlich auch ein ganzes Sortiment zur Verfügung. Deshalb gleicht keine Spielbank der anderen, denn jede setzt auf den Slots-Produzenten seines Vertrauens. In sofern darf es auch nicht verwundern, wenn die Auszahlungsraten variieren. Oder wenn es unterschiedliche Dresscodes oder Eintrittspreise gibt. Aber eines haben alle landbasierten Casinos gemeinsam: Eine Lizenz, die in Deutschland gültig ist.

Ortswechsel – Casinos im Internet

Ein Phänomen der Neuzeit ist, dass sich viele Bereiche des tälichen Lebens in die digitale Welt verlagern. Das beginnt bei Gesprächen, die anstatt im Café ums Eck mittels Apps wie Tinder oder WhatsApp stattfinden. Klatsch und Tratsch werden sehr anschaulich mit Bildmaterial in Facebook geteilt. Instagram und Co haben Hochkonjunktur.

Das Internet macht auch vor Casinos nicht Halt. Ist in sofern verständlich, als dass es nicht überall Casinos gibt. Und dass man nicht immer Lust, hat, zum nächstgelegenen Casino zu fahren, sich schön anzuziehen und mit Spiel- und Konsumzwang in Scharen um Spieltische herum zu stehen. Das Internet macht es hier sehr attraktiv, vom heimischen PC oder dem Tablet oder Handy aus zu zocken. So tauscht man das Sakko gegen einen legeren Jogging Anzug, die genagelten Schuhe gegen Hauspatschen, den teuren Cocktail an der Bar gegen eine kühle Flasche Bier.

Anstatt um den Tisch gedrängt zu sein, hockt man sich einfach aufs heimische Sofa und spielt genau das Spiel, das man in der Stunde eben spielen möchte. Das Angebot ist schließlich größer als in jedem realen Casino. Welches davon bietet denn über 600 Spiele, die jederzeit nutzbar sind? Dieses Kräftemessen ist einseitig. Deshalb boomt der Markt. Aber auch hier gilt: Nicht alles ist erlaubt.

Online Casinos in Deutschland – was ist legal?

Wer jetzt den Braten riecht und meint, dass er, nur weil er ein guter App-Entwickler ist, ein Online Casino eröffnen kann und in Deutschland auf den Markt tritt, der irrt. Würden Sie das tun – und mögen Ihre Spiele noch so genial sein – würden die Handschnellen schnell klicken. Sie brauchen nämlich auch im Internet eine Lizenz, um ein Glücksspielportal in Deutschland oder der EU betreiben zu dürfen. Eine solche Lizenz muss beantragt werden und wird nur nach ausgiebige Prüfung (der Finanzen, Ihres Strafregisters, Ihrer Firma und der Firmenbücher) überhaupt bewilligt. Hier ist der Gesetzgeber äußerst streng. Eine allgemein gültige DEUTSCHE Lizenz gibt es übrigens nicht. Aber es gibt EU-Lizenzen, die in Deutschland anerkannt werden. Und nur in diesen Casinos dürfen Sie als deutscher Bundesbürger auch Ihr Glück als Kunde versuchen. Ansonsten machen Sie sich strafbar. Achten Sie also bei der Auswahl des Glücksspielportals Ihrer Wahl auf die Lizenz. Liegt diese vor, dann nichts wie los.

Wir wünschen Ihnen ganz viel Glück!

Wichtige Informationen! Besuchen Sie eine der aufgelisteten Webseiten, wenn Sie Spielsucht haben:
Spielen mit Verantwortung
Spielsucht Therapie
SOS Spielsucht

HFC: Hinfallen. Aufstehen. Hinfallen. Liegenbleiben. Trotzdem nochmal hinfallen.

0-1 durch Bigalke, wie immer liegt der HFC auch gegen Haching zurück.
Im Stadionklo ist das Licht schon aus, draußen im weiten Rund wird es an diesem sonnigen fünften Spieltag der 3. Liga gerade abgeschaltet. "Hinfallen. Aufstehen. Weitermachen", steht auf einer Werbebande. Der HFC des Jahrgangs 2017/2018 wird in den folgenden 93 Minuten beweisen, dass es auch anders geht: Man kann hinfallen, nicht wieder aufstehen. Und trotzdem noch mal hinfallen.

Ein Deja Vu, das die längste Misserfolgsserie des Klubs von der Saale im Spiel gegen den Aufsteiger aus Unterhaching noch einmal verlängert. Die Bayern, vor der Reise nach Halle mit einem Sieg und einem Remis nach vier Spieltagen nur marginal besser im Geschäft als die Gastgeber, starten gegen einen erneut vom Anpfiff weg konsterniert wirkenden HFC deutlich überlegen. Die Mannschaft von Rico Schmitt, inzwischen Inhaber des Klubrekords in Sieglosigkeit seit den Tagen der Bubi-Elf von 94/95, quält sich nahezu bewegungslos durch die erste Viertelstunde. Hinten wackelt es, vorn gibt es nicht, obwohl Schmitt das Experiment mit dem 4-1-4-1-System nun doch wieder beendet hat.

Einmal nur erreicht ein Ball den vermeintlich wiedererstarkten Petr Sliscovic. Aber der ist davon so überrascht, dass er vergibt.

Rückstand wie immer


Das Hin und Her im Mittelfeld, unterbrochen nur von Foulspielen, nachfolgenden Gelben Karten und Gesängen der HFC-Fankurve gegen den DFB, findet in der 17. Minute seinen ersten Höhepunkt. Bohl bremst einen durchlaufenden Hachinger kurz vorm Strafraum auf Kosten eines Freistoßes, den Sascha Bigalke elegant ins Tor schlenzt.

Allein, allein: Rico Schmitt, ganz rechts.
Wie immer zuletzt liegt der HFC zurück, wie immer muss nun die übliche Aufholjagd beginnen, um wenigstens - wie immer - ein Remis zu sichern. Allein es passiert nichts. Nachdem sich Ersatzkapitän Nick Fennell bereits in der 13. Minute verletzt abmelden musste, besteht das HFC-Spiel fast ausschließlich aus langen Abstößen von Schnitzler, die mal hier, mal da landen, am Ende aber immer bei einem der blau-roten Gästespieler. Würden die nicht so zögerlich nach vorn agieren, gewarnt durch die Stehaufmännchen-Auftritte des HFC in letzter Zeit, wäre der Klub von der Saale schon zum Pausenpfiff Vogelfutter.

So aber bleibt den 5.700 auf den Rängen die alte Hoffnung, die Rot-Weißen mögen auch diesmal wie verwandelt aus der Halbzeitpause kommen, hochmotiviert von einer Traineransprache, die den wahren HFC weckt und sie das Spiel drehen lässt.

 Nur noch Nachwuchs auf der Bank


Die Vorzeichen sind allerdings nicht so. Tobias Müller, der Fennell ersetzt hatte, muss verletzt draußen bleiben. Für ihn kommt Mathias Fetsch, der binnen vier Wochen vom "Königstransfer" (Schmitt) zu einem Spieler geworden ist, den der Trainer nur bringt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Ist so: Die Kaderplanung der Vereinsführung und eine unglaubliche Verletzungsserie sorgen schon am 5. Spieltag dafür, dass außer dem augenscheinlich aussortierten Vize-Kapitän Kleineheistmann nur noch drei Nachwuchskräfte auf der Bank sitzen.

Die Heranwachsenden, laut Schmitt "noch nicht bereit" für die 3. Liga, sehen nun immerhin einen HFC, der angeführt von Toni Lindenhahn und dem engagiert gestikulierenden Fetsch kämpferisch in die Waagschale wirft, was er hat. Viel ist das nicht, aber immerhin genug, um ein paar Drucksituationen aufzubauen. Das Spiel wirkt nicht gerade, als ob es kippen wollte. Aber die Gelegenheiten, in denen Haching mit präzisen Pässen auf die Flügel, kurzen Sprints und Eingaben zeigt, wie planvoller Fußball aussieht, werden seltener.

Geht noch was? Nein. Es ein Aufstand von Einzelkämpfern, ein Strohfeuer, das folgenlos abbrennt. Die Uhr tickt herunter, die Zahl der Rückpässe auf Schnitzler bleibt gleich. Zwei-, dreimal muss der zu Saisonbeginn angezweifelte Keeper alles geben, um den knappen Rückstand gegen durchgelaufene Hachinger zu retten.

In der 79. Minute gelingt das dann nicht mehr. Pass um Pass nähern sich die Gäste seinem Tor, die HFC-Abwehr steht wie Slalomstangen, Ball nach innen, Ball nach außen, Ball wieder nach innen, hüftsteif schaut die Verteidigung hinterher. Wo ist er denn, der Ball? Im Tor.

4:4, 3:3, aber kein 2:2


0:2 und nicht mal mehr Schmitt scheint an eine erneute Wende zu glauben. Ganz in der Ecke der Auswechselbank sitzt er, zwei leere Sitze neben sich, als wolle niemand mehr mit ihm zusammen gesehen werden. Der Trainer hat die Hand vorm Mund, er grübelt vielleicht über Plan C oder D oder H. Aber alles, was er noch in die Schlacht werfen kann, ist Junior Justin Neumann.

Der kommt dann auch für den fleißigen, aber durchweg glücklos agierenden Bohl. Eine symbolische Auswechslung, der in diesem Moment jedoch jeder Symbolgehalt abgeht. Es ist zu spät für alles, auch wenn Sliscovic in der 84. Minute noch den Anschlusstreffer erzwingt und El Helwe ein paar Minuten später beinahe noch das Ausgleichstor macht.

"Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", sagt ein Mann auf der Tribüne, als Schiedsricher Marcel Schütz nach drei fiebrigen Nachspielminuten ein Einsehen hat und das Trauerspiel beendet. Die HFC-Spieler fallen wie ein Mann auf den Rücken, sie liegen da, geschlagene Helden, saftlos, kraftlos, ratlos.

Das hier geht gegen den Abstieg, nur noch. Und das wissen sie jetzt auch oben, wo die Chefetage sitzt und im Moment wohl gerade über das Schicksal des Trainers berät, der in seinen 24 HFC-Spielen ganze 20 Punkte geholt hat. Allerdings: Was soll ein neuer Mann an der Seitenlinie machen? Nach den Verletzungen von Fennell und Müller hätte auch er gerademal noch 12 ligaerfahrene Feldspieler.

Seine Aufgabe wäre nur, vor dem Auswärtsspiel in Karlsruhe die zwei auszusuchen, die noch schwächer sind als die anderen zehn. Am sichersten wäre es, zu würfeln.






Glaubhafte Grimassen: Die SPD in tiefster Trauer

Martin Schulz vergießt Krokodilstränen, Eva Högl hat im Hintergrund jede Menge Spaß.
Der Parteivorsitzende, bekanntermaßen ein unglaublich schlechter Schauspieler, hat die Stirn in Falten gelegt. Die wulstigen Lippen glänzen feucht vor Trauer, Wut und Scham, der Blick irrlichtert zur Seite, Martin Schulz ist sichtlich terrormüde nach den Ereignissen von Barcelona. Wieder muss er Bestürzung heucheln, wieder muss er in Gedanken ganz bei den Opfern sein. Wieder soll er glaubhaft vermitteln, dass der Terror unser Leben nicht ändert. Wieder weiß er eigentlich vorher, dass er nur so tut als ob, weil vieles sich schon längst geändert hat.

Aber zu führen heißt, die Rolle des Führers anzunehmen. Martin Schulz tut deshalb, was auf der anderen Seite Angela Merkel tut: den Menschen die Gewissheit vermitteln, dass er auch nicht weiter weiß. Dies aber nie zugeben wird. Unsere Mauern brechen, unsere Herzen nie, der Terror kann uns töten, aber die SPD wird ihn überleben, siegesgewiss und stärker als je zuvor.

Eine ernste Stunde, denn es geht darum, glaubhaft zu sein in einer Trauer, die die Spitzenpolitik inzwischen im Monatsrhythmus simulieren muss. Schulz gelingt das auf eine pappkameradenhafte Weise, er ist nicht schlechter als in den Momenten, wo er seiner grundlosen Zuversicht Ausdruck verleiht, am Tag nach der Wahl mit klingendem Spiel in Kanzleramt einzuziehen.

Es ist der Klassenfeind, der die Inszenierung zum Einsturz bringt: Eva Högl, seit ihrem 18. Lebensjahr Sozialdemokratin und seit ihrem 40. Mitglied des Deutschen Bundestages, ignoriert die Bemühungen des Merkel mit Bart, Ernsthaftigkeit und Würde in schwerer Zeit auszustrahlen.

Högl, zurzeit stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, grinst und winkt hinter Schulz, sie ist sichtlich bester Stimmung, freut sich, Bekannte zu sehen und zu zeigt Zähne, die von der hervorragenden Gesundheitsversorgung in Deutschland künden. Ein fröhlicher Moment offenbar für Högl, dicht hinter dem Parteichef stehen zu dürfen, während der seine falschen Tränen in die Nachrichtenkanäle verklappt.

Was tut das nun mit der SPD? Nach dem Eklat um Altkanzler Gerhard Schröder und seine Feindverbindungen nach Moskau legt nun Eva Högl, in der deutschen Sozialdemokratie für die Themengebiete Inneres, Recht und Verbraucherschutz zuständig, die Axt an die Glaubwürdigkeit der Beileidsbekundungen der früheren "Arbeiterpartei" (Willy Brandt).

Zum Glück haben die beiden führenden Parteien des demokratischen Block bereits vereinbart, mit Rücksicht auf die angespannte Sicherheitslage nur noch einen Wahlkampf light ohne gegenseitige Angriffe und inhaltliche Auseinandersetzungen über grundsätzliche Fragen zu führen. Sonst drohte nun wohl ein öffentlicher Aufschrei, der zumindest Teile der Bevölkerung verunsichern könnte.

Grimassen bei der Trauerfeier: Eva Högls denkwürdiger Winkauftritt in deutschen Leitmedien

Pariser Terrorist: Wie der Mörder Salah Abdeslam verschwand

Salem Abdelsalam, ein leerer Aschenbecher.
Er sitzt nun schon länger als Deniz Yücel in Untersuchungshaft, sehr viel länger. Doch Salah Abdeslam, der als einer der Terroristen verhaftet wurde, die am 13. November 2015 mehrere Anschläge in Paris durchführten, kommt in deutschen Medien schon seit Monaten nicht mehr vor.

Wo ist er abgeblieben, der Massenmörder? Lebt er noch? Sitzt er weiter im Gefängnis von Fleury-Mérogis? Sagt er aus? Schreibt er Briefe? Schämt er sich noch? Oder steht er schon vor Gericht?

Nichts. Als hätte es den Anschlag vom Bataclan nie gegeben, hat sich ein großes Schweigen über den einzigen Überlebenden der Pariser Terrorzelle gesenkt. Bei Denis Yücel zählen Redaktionen die Monate, die er in U-Haft sitzt. Bei Abdeslam, einem Mann, der angeblich nur über die Intelligenz eines leeren Aschenbechers verfügt, herrscht Stille. Wie damals bei Arid Uka, der am Flughafen in Frankfurt zwei US-Soldaten erschoss, aber nie richtig als islöamistischer Attentäter gezählt wurde. Oder wie bei Roque M., dem Porno-Islamisten, der den Verfassungsschutz bombardieren wollte. Und nach seiner Entdeckung und Enttarnung auf Nimmerwiedersehen aus der medialen Berichterstattung verschwand.

Roque M. ist inzwischen frei, Arid Uka droht die Abschiebung in den Kosovo. Und Salah Abdesalam?

Er macht nur noch im Ausland Schlagzeilen. Die ungarische Anti-Terrorbehörde TEK hat jetzt festgestellt, dass Abdesalam im Sommer 2015 als eine Art Reiseleiter für IS-Terroristen auf dem Weg nach Mitteleuropa arbeitete. Dreimal sei Abdesalam nach Budapest gereist, berichtet die Zeitschrift Magyar Idök, dabei habe er "nicht weniger als dreizehn Terroristen, die vom islamischen Staat geschult wurden, abgeholt und nach Frankreich begleitet". Darunter seien auch drei Mitglieder des Bataclan-Mordkommandos gewesen - Omar Ismaël Mostefaï, Mohamed Foued-Aggad und Samy Amimour.

Natürlich kann das nicht stimmen, weil Terroristen die offenen Grenzen nach Europa nachweislich nie genutzt haben, um sich in die EU zu schleichen. Deshalb verzichten sämtliche deutschen Medienhäuser auch darauf, die Nachrichten aus Budapest weiterzuverbreiten. Mutmaßlich handelt es sich um von Putins Troll-Armee erfundene Fake News, die die deutsche Bevölkerung irritieren und beunruhigen sollen, um die Wahlen im Sinne des Kreml zu beeinflussen und Martin Schulz oder Angela Merkel zum neuen Kanzler zu machen.

Beweise wie ungarische SIM-Karten, die Abdelsalam und seine Schützlinge von einem Dolmetscher in Kiskorös in Südungarn gekauft hatten, könnten Teile der Bevölkerung beunruhigen. Ebenso gelten Hinweise als schädlich, dass die begeisterte Unterstützung der vielen Freiwilligen im Sommer 2015 dazu beitrug, den Terroristen den Weg ins Herz Europas zu ebnen. Zweimal habe Salah Abdeslam bei seinen Reiseleiter-Einsätzen in der Wohnung eines Mitglieds einer humanitären Organisation übernachtet, behauptet Magyar Idök.

Das wäre bei uns nicht möglich.

Freitag, 18. August 2017

Barcelona: Terror ohne Obergrenze


 Holes in your head today
But I'm a pacifist
I've walked Las Ramblas
But not with real intent

And if you tolerate this then your children will be next
And if you tolerate this then your children will be next
Will be next, will be next, will be next, will be next

Noch am Abend zog Ruhe, Besinnlichkeit und eine leichte, aufgeräumte Kampfeslust ein. Wir lassen uns unseren freiheitlichen Lebenswandel nicht von ein paar mutmaßlichen Kleinwagen, Vans und Lastautos kaputtmachen, twitterten die üblichen Brandenburger-Tor-Beleuchter. Ralf Stegner, das schärfste Schwert der SPD, retweetete Martin Schulz, der sich von jedem Terror distanzierte: "Geschockt und wütend über Nachrichten aus Barcelona. Ein feiger Anschlag auf unsere Werte! Meine Gedanken sind bei Opfern und Angehörigen", zitierte der August-Schulz den April-Schulz, der damals den März-Schulz zitiert hatte.

Angela Merkel dagegen, so behauptete Schulz, sage ja nie was. Verständlicherweise, denn während in Barcelona der Kleintransporter fuhr, stand die Kanzlerin in harten Abwehrkämpfen gegen Gesindel aus dem "Dunstkreis" (DPA) von AfD und Pegida. Ihr Sprecher Steffen Seibert musste seinen Standard-Trauertweet wieder rauskramen: "In tiefer Trauer sind wir bei den Opfern des widerwärtigen Anschlags in #Barcelona - in Solidarität + Freundschaft an d. Seite der Spanier", schrieb er, wo es zuletzt noch "Unsere Gedanken gehen zu den Menschen in #Stockholm, zu Verletzten, Angehörigen, Rettern + Polizisten. Wir stehen zusammen gegen den Terror", geheißen hatte.

Statt zusammen nun mal wieder an der Seite der Spanier. Bricht Europa jetzt auseinander?
 
Nein. Wie entfesselt mutmaßte das DDRGEZ-Fernsehen schon eine Stunde nach der Todesfahrt des "Vans" (ZDF), "Lastwagens" (ARD) oder "Lieferwagens" (n-tv), dass es sich bei dem "Zwischenfall" (Spiegel) diesmal wohl vielleicht um einen Terroranschlag handeln könne. Kein Wort vom Einzeltäter. Korrespondenten aus Madrid, keine 650 Kilometer vom Tatort entfernt, lasen Facebook-Einträge vor, nur halbgeschminkte Moderatoren fragten, wie die Stimmung so sei. Herrscht Panik? Nein, zum Glück herrscht keine Panik.

In Endlosschleife liefen dazu illegal von Youtube und Facebook heruntergeladene Privatvideos, ohne Quellenangabe undzum Vorteil aller Gebührenzahler ohne Honorarzahlung an die Inhaber der Rechte daran. Es ist Brennpunkt, es muss schnell gehen, wer hat die Nummer von dem terrorexperten? welcher Terrorexperte? Na der, den wir damals nach St. Petersburg hatten oder war es London oder Paris oder Berlin oder was? Stockholm? Ja, meinetwegen auch Stockholm. Her mit dem Mann! Wir sind tief erschüttert, entsetzt und betroffen, wissen noch nichts Genaues, warnen aber vor Pauschalurteilen. Hat die Kanzlerin sich schon distanziert?

"Heute Abend stehen wir alle mit #Barcelona. In Trauer, aber auch mit Wut. Wir werden uns diesem #Terror nicht beugen", verspricht Cem Özdemir. "Ich bin entsetzt über den Anschlag in #barcelona. Meine Gedanken sind bei den Opfern. Hass und Gewalt dürfen nicht siegen", sekundiert Sahra Wagenknecht, der Peter Tauber mutig beisteht: "Ich verurteile den feigen und hinterhältigen Anschlag in #Barcelona. Wir stehen fest an der Seite unserer spanischen Freunde."

Katalanischen, würden die selbst sagen, aber was zählen solche Feinheiten in der Stunde der Not? "Terror erklärt der freien Welt den Krieg, aber wir bleiben stärker", weiß FDP-Chef Christian Linder jetzt schon. "Jedes Opfer ist Verpflichtung, Lebensweise zu verteidigen."

Vor allem gegen die, die sie bedrohen. Denn das Schlimmste ist ja Trump, der den Anschlag wiedereinmal schneller instrumentalisiert hatte als alle anderen. "Be tough & strong, we love you!", heuchelte er. In keinem Trauertweet ist vom Islam die Rede, überall klingt es, als seien Anschläge wie Gewitter, ursachenlose Schicksalsschläge, die hereinbrechen und ertagen werden müssen.

"Unsere Mauern brechen, unsere Herzen nicht." Abstrakte Dinge aus der Natur ("Terror") erklären anderen abstrakten Dingen ("uns") den Krieg. Aber unklare Frontenstellungen ("wir") werden uns nicht von unserem Leben abhalten lassen, zumindest die Überlebenden nicht.

Europa muss zusammenstehen. Deutschland muss mit einer Stimme sprechen. Noch am Abend telefonierten Angela Merkel und Martin Schulz miteinander. Es komme jetzt darauf an, ließen sie einander wissen, dass die Terrorprobleme aus dem Wahlkampf herausgehalten werden. "Martin, wenn irgendwer garantieren kann, dass du den Anschlussvertrag in Brüssel nicht bekommst, dann bin ich das." 

Donnerstag, 17. August 2017

SPD-Wahlkampf: MontBlanc als Volksfüllhalter

Ein Füller wie der Spitzenkandidat und billiger als bei der Konkurrenz.
"Nichts kommt von selbst", hat Martin Schulz auf die hübsche Geschenkkassette gravieren lassen, in der das edelste Stück der Wahlkampfoffensive der deutschen Sozialdemokratie liegt: Der "Füllfederhalter MontBlanc Le Grand - Größe 146", ein "Mont Blanc Meisterstück, mit einer Feder aus 14 Karat Gold". Für nur 489 Euro bringt der SPD-Shop das Schreibgerät mit "Korpus und Kappe aus schwarzem Edelharz" unter die Wählerinnen und Wähler.

Ein Zeichen für mehr soziale Gerechtigkeit, denn der Vorstand der einstigen "Arbeiterpartei" (Willy Brandt) konnte am Preis kräftig drehen. Bei Konkurrenten ist der 146er für 600, beim Hersteller selbst für 570 Euro zu haben. Die Schulz-Partei aber macht Schluss mit Privilegien für wenige, sie etabliert den MontBlanc-Federhalter als Volksfüller für kleines Geld. Die SPD wird damit in der Mitte der Gesellschaft anschlussfähig: Unter Bundestagsabgeordneten gehört es seit Jahrzehnten zum guten Ton, die vom Steuerzahler freigiebig zur Verfügung gestellten Portokassen für Büromaterial bei Kassenschluss zu plündern, indem der Parlamentarier für sich und die Seinen allerfeinste Schreibgeräte anschafft.

Endlich können auch Grundschüler mit der "handgefertigten Feder aus 585er/14 K Gold mit rhodinierter Intarsie" Schreiben lernen, endlich kommt die seinerzeit noch beim deutschen Unternehmen MontBlanc entwickelte Designikone der heute zur Schweizer Richemont-Gruppe gehörenden über hundertjährigen Firma. Auch Bundestagsabgeordnete befreundeter Parteien finden hier eine Möglichkeit, die vom Bundestag eingestellte Versorgung der Volksvertreter mit edlen Schreibgeräte auf Steuerzahler-Kosten zumindest zum Teil auszugleichen.

Für die SPD besonders wichtig: Die subtile Identifikation des Spitzenkandidaten mit dem gewählten Füllermodell 146. "In den Abmessungen kleiner als der 149er, bleibt er dennoch ein großes Schreibgerät", beschreibt der Hersteller selbst das Meisterstück - ein Steckbrief, der Martin Schulz äußerst sympathisch und unverwechselbar beschreibt.

Zitate zur Zeit: Nationen existieren nur im Kopf


Es gibt nichts Reales, auf das sich eine nationale Identität beziehen kann. Nationen existieren nur in Köpfen derjenigen, die an sie glauben. Nationale Identität ist ein Hirngespinst.


Markus C. Schulte von Drach räumt in der SZ mit dem alten Mythos von der Existenz von Nationalstaaten auf

Satire bei Youtube verboten: Meinungsfreiheit mit neuer Dimension




Endlich kommt Zug in die Schaffung einer neuen, umfassenden und zeitgemäßen Definition des überkommenen Begriffes "Meinungsfreiheit". Nach Facebook und Twittter, die den Vorgaben der Maas-Gesetze zuletzt durch Einrichtung leistungsfähiger Löschzentren und intelligente Sperrvorrichtungen wie dem Shadowbanning immer besser Genüge getan hatten, bemüht sich nun auch die Videoplattform Youtube, unzulässige, fragwürdige oder auch satirische Beiträge radikal zu entfernen.

Betroffen endlich auch: Ein zynischer Hetzbeitrag, den PPQ im Januar 2009 noch unter den alten Meinungsfreiheitsgesetzen veröffentlicht hatte. In dem zweieinhalb Minuten langen Video "Al Kaida und die Goldkette" (oben) ist ein junger Islamist zu sehen, der stolz eine Panzerfaust im Schoß hält und auf sehr menschliche Art erläutert, wie ihn ein Juwelier beim Kauf einer angeblichen Goldkette betrogen hat.

Der junge Mann wirkt trotz seiner Verschleierung glaubhaft in seiner Empörung. Er habe 70 Euro für die Kette bezahlt, die Teil seiner Altersvorsorge hatte sein sollen, wettert er, doch habe habe sich herausgestellt, dass es sich keineswegs um eine hochwertige goldene Kette, sondern um billigen Modeschmuck handele. Der Verbraucherschutz, an den sich der Al-Kaida-Kämpfer daraufhin wandte, habe völlig versagt. Daraufhin habe er, der von so viel Schlechtigkeit entsetzte Kämpfer, sich dann im Internet eine russische RPG-Panzerabwehrwaffe besorgt und notgedrungen zur Selbsthilfe gegriffen.

Knapp 110.000 Zuschauer wurden über die Jahre Zeuge des offenkundig satirischen Bekenntnisses. Bis Youtube nach einem Hinweis der Meinungsfreiheitsschutzbehörde einschritt. "Wir haben dieses Video entfernt, weil es gegen unsere Community-Richtlinien verstößt", teilte die Google-Tochter mit. Wodurch und womit genau der Kurzfilm den Argwohn der Youtube-Partner Amadeu-Antonio-Stiftung, Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia e.V. und jugendschutz.net erregt haben könnte, bleibt unerwähnt.

Wolkig wird auf "unangemessene Inhalte" verwiesen, worunter Youtube Videos versteht, die "vorrangig in schockierender, respektloser oder effekthascherischer Art und Weise gestaltet" sind oder "Gewalt gegen Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Behinderung, Geschlecht, Alter, Nationalität, Veteranenstatus oder sexueller Orientierung / geschlechtlicher Identität fördern bzw. billigen, oder Inhalte, deren Ziel hauptsächlich darin besteht, Hass in Zusammenhang mit diesen Eigenschaften animieren". Auf welche Weise dies durch die ironische Darstellung eines Al-Kaida-Kämpfers als betrogener Gold-Käufer geschehen ist, bliebt offen.

Denn die mit den Maas-Gesetzen eingeführte neue Dimension umfassender Meinungs- und Kunstfreiheit gestattet es, den grundgesetzlichen Schutz nach Artikel 5 zu gewährleisten, so dass jedermann seine "Meinung in Wort, Schrift und Bild frei äußern und verbreiten" (GG) kann. Und zugleich dafür zu sorgen, dass zweifelhafte, missverständliche und nicht von den Bundesbehörden freigegebene Inhalte unsichtbar bleiben.

PPQ ist dabei in allerbester Gesellschaft. Auf einen Widerspruch gegen die Sperrung teilte Youtube inzwischen mit: "Nach einer weiteren Überprüfung der Inhalte haben wir festgestellt, dass Ihr Video unsere Community-Richtlinien verletzt und unsere ursprüngliche Entscheidung bestätigt hat. Wir bedanken uns für ihr Verständnis."

Mittwoch, 16. August 2017

Die Todesstrafe vermisste er

Er verlor den Geschmack an der Menschheit. Was war denn schon liebenswert an ihr? Ihm gefiel kaum noch was. Gut, Geld und Ruhm, nun ja. Die Todesstrafe vermisste er, doch durfte er das nicht zugeben. Es gab eine ganze Liste von Grundstücken, Anliegen, Methoden und Idealen, an die er nicht mehr glaubte; und obenan rangierte eine ständig wachsende Rubrik von Freiheiten, darunter so unantastbare wie die Freiheit von Lehre und Forschung, von sexueller und politischer Betätigung.

Alternativen boten sich keine. Selbst wenn er seine Phantasie aufs Äußerste bemühte, wollte ihm nicht einleuchten, dass die Gründerväter dieses gewollt hatten. Entweder war Gold rückschrittlich, oder die Zivilisation machte Fortschritte zum Schlimmeren.

Oder beides.

Nichts jedenfalls ging voran wie gewünscht. Auf die Länge gesehen, war einzig der Misserfolg mit Gewissheit vorherzusagen. Alles andere war Zufall.

Gute Absichten wurden zuschanden, böse Absichten wurden nicht besser. Das amerikanische Wirtschaftssystem war barbarisch und brachte folgerichtig in allen Bereichen der Kultur eine Barbarisierung und die Zementierung des Schwachsinns mit sich. Technologie und Hochfinanz waren auf Massenproduktion von Armut eingestellt und erzeugten diese mit zunehmender Schnelligkeit. Es war dies das einzige Produkt, dessen Wachstumsrate in den letzten fünfundfünfzig Jahren niemals zurückgegangen war.


Joseph Heller, Gut wie Gold, 1976


Fußballterror: Staatsfreie Zone


Es sind dieselben Bilder, seit Jahren. Brennende Tribünen, gestürmte Ränge, vermummte junge Männer, die sich einen Spaß daraus machen, den Staat vorzuführen. Hinetr dem Mikrophon der Sender, die die Ausschreitungen live übertragen, überforderte Kommentatoren, die klingen wie Martin Schulz. Draufhauen, wegsperren, sich das nicht mehr bieten lassen.

So geht der Sermon seit Jahren, Jahren und Jahren. Ohne dass sich je etwas ändert. Die selbsternannten Ultra-Gruppen - junge Männer mit einem aus Langeweile geborenen Hang zur Selbstdarstellung - halten den Fußball in Geiselhaft. Der Staat, der seine Grenzen nicht schützen, seine Bürger nicht selbst auswählen und seine Firmen nicht zur Einhaltung geltender Gesetze zwingen kann, steht ratlos daneben und bestaunt die Anarchie, die die sich beim Pokalspiel des FC Hansa Rostock gegen Hertha BSC nicht sehr unterscheidet von den Ausschreitungen beim G-20-Gipfel in Hamburg.

Hände hoch!


Hände hoch! Ich ergebe mich. Das ist die Botschaft, die aus dem Ostseestadion in die Wohnzimmer flimmerte. Während ein paar Vermummte Fahnen, Schals und Sitzschalen in Brand setzen, steht die Staatsmacht fünf Meter entfernt und schaut zu, schwer gepanzert, bewaffnet und einsatzbereit. Die Ausschreitungen waren angekündigt, die Einsatzleitung der Polizei, die Vereinsführungen, der DFB, die Innenministerin wussten, was passieren wird.

Aber irgendetwas hindert sie seit Jahren, gegen die kriminelle Szene der selbsternannten Fußball-Taliban vorzugehen. Die fühlt sich ermutigt von der fehlenden Gegenwehr eines Staatswesens, das wie paralysiert wirkt. Der Fußball, das Milliardengeschäft, liegt in den Händen einer Kamarilla aus egomanischen Kriminellen, die Spiele durchführen lassen, oder auch Abbrüche provozieren können, wie sie wollen. Grüppchen von krankhaft um Aufmerksamkeit buhlenden Möchtegern-Fans protestieren gegen "Kommerzialisierung", gegen "Retortenvereine" und die "Fußballmafia DFB" - und sie agieren dabei selbst wie eine mafiaähnliche Organisation: Clandestin, bewaffnet und aufgrund der Angst des Staates vor einer Auseinandersetzung weitgehend vor Strafverfolgung geschützt.

Dresche für die Säcke


Danach kommt immer der Katzenjammer. Die Vereine, die nicht wissen, was sie gegen den gewalttätigen eigenen Anhang mit zu viel Tagesfreizeit machen sollen, heben die Hände. Jahrelang schon ließen Staat und mächtiger Fußballverband kleine Klubs wie den Halleschen FC allein mit der Aufgabe, eine Bande von Durchgedrehten einzufangen, die in den letzten anderthalb Jahrzehnten hatte lernen dürfen, dass es keinen Grund mehr gibt,Respekt vor staatlichen Institutionen zu haben.

Das erinnert an die Situation in den Wendejahren der DDR, als jeder sich die Straße und die Kurve nehmen konnte, der nur bereit war, die Faust aus der Tasche zu ziehen und notfalls auch einem Uniformierten auf die Nase zu schlagen. Ratlos standen damals die grünuniformierten Volkspolizisten vor den außer Rand und Band geratenen Fußball-Fans, ebenso ratlos stehen heute die gepanzerten Einsatzkommandos der BFE in ihren schwarzen Kostümen vor den entfesselten Jungmännern mit ihren Balaklavas in Vereinsfarben.

Der DFB, größter Sportverband der Welt, demokratisch wie Nordkorea und politisch bis ins Kanzleramt vernetzt, ist stets bemüht, Schuldige außerhalb seiner Bürofluchten zu finden. Sportgerichte treten zusammen und dreschen konzentriert auf Säcke ein, aus denen die Täter längst entwichen sind.

Der Staat aber, an dem es wäre, dem kriminellen Treiben auf den Rängen Einhalt zu gebieten, duldet die rechtsfreien Zonen in den Kurven. Der Innenminister schweigt. Medien gehen auf die Suche nach denen, die vorher etwas wussten. Und szenekundige Berichterstatter, die normalerweise hinter jedem hirntoten Aufmarsch von zwölf Jack-Wolfskin-Nazis die Wiedergeburt Hitlers wittern, loben den Terror als "feuriges Spiel" (Sören Kohlhuber).

Fans, die Pyro zünden, sind nämlich "mehr Fans, als die Hoschis, die bei einer anbahnenden Niederlage vor dem Ende das Stadion verlassen".

Dienstag, 15. August 2017

Trump: Menschenmüll als Beitrag zur Debatte

Nicht mal distanziert hat er sich, der Donald Trump, nachdem ein verwirrter Einzeltäter in Charlottesville mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren ist. Glücklicherweise war der Dieselskandal schon abgeflaut und die Affäre um die Fipronil-Eier auserzählt, so dass genug Platz war, nach Wochen zunehmender Trump-Ermattung endlich mal wieder draufzuhauen auf den entgegen früherer Voraussagen hartnäckig weiter im Amt befindlichen US-Präsidenten.

Immer vorn dabei ist die von der FAZ als linkes Wutblatt neu etablierte Frankfurter Rundschau, deren Bemühungen im Kampf gegen Trump nur noch vom Hamburger "Spiegel" übertroffen werden. In immer neuen Holzschnitten sind immer neue Autoren bemüht, das Nischenblatt, das zuletzt vor vier Jahren eine offizielle Auflagenzahl meldete (damals noch 87.000), als Sturmgeschütz gegen den "irren" (FR) Amtsinhaber zu etablieren. Wüste Beschimpfungen beim kleinsten Anlass, absichtliche Übersetzungsfehler Falschübersetzungen, klinische Ferndiagnosen von Hobbypsychologen und offene Hetze - jedes Mittel ist recht, dem Weltverderber die miese Maske vom Gesicht zu reißen.

Nach Charlottesville macht sich ein Sebastian Moll daran, mitten im wild tobenden deutschen Wahlkampf die wichtigste Frage zu beantworten: "Wann ist Amerika verrückt geworden?" Dazu führt der ehemalige Sportreporter die Kategorie des "denkenden Amerikaners" ein, dem "nach Trumps Nordkorea-Äußerungen und der Relativierung rechtsradikaler Gewalt" die Sinne schwinden. Eine "neue Stufe" ist erreicht, im denkenden Amerika "herrscht Alarmstufe Rot" und der frühere Musikkritiker Tom Piazza twittert: „Die Leben von Millionen von unschuldigen Menschen sind wegen dieses Stück menschlichen Mülls im Weißen Haus in Gefahr. Er muss sofort aus dem Amt entfernt werden, bevor er uns noch weiter in diesen Abgrund führt.“

Auf Piazza, der seit seinem Wechsel in die Schriftstellerei Bücher über die Opfer von Hurrikan Katrina schreibt, die ihn für Moll in der Vergangenheit zu einem Kronzeugen für die Unmenschlichkeit des Wiederaufbaus der flutzerstörten Stadt machten, hört natürlich niemand. Beträfe sie nicht Trump, würde die menschenverachtende Menschenmüll-Formulierung dem Buchpreisträger vermutlich sogar um die Ohren fliegen. So wird sie von US-Medien einfach nicht zur Kenntnis genommen - was die FR nicht hindert, sie zu zitieren wie einen ernsthaften Beitrag zur Debatte.

Die Trump dann auch noch zerstört, als habe er nur darauf gewartet, dass sich alle seine Kritiker aus den Büschen begeben und wie die Rohrspatzen schimpfen. Neun Stunden nach Molls Versuch, die Reaktion des Präsidenten zu pathologisieren, beliebt es Donald Trump, "die „rassistische Gewalt“ vom Samstag in Charlottesville doch noch deutlich zu verurteilen" , wie das FR-Mutterblatt FAZ formuliert.

Die FR ätzt danach, Trump habe die Verurteilung vom Teleprompter abgelesen.

Ein Gerät, von dem Vorgänger Barack Obama selbst das "Guten Abend" buchstabierte.

Schmalbart: Ganz schmale Kost

Das deutsche Breitbart von links heißt Schmalbart und liegt im Koma.

Ein "Netzwerk von Menschen"  wollte der Internet-Unternehmer Christoph Kappes gründen, die alle zusammen Front machen gegen die verhängnisvolle Propaganda des rechten US-Medienunternehmens Breitbart. Das hatte nach deutschen Medienberichten gerade dafür gesorgt, dass Donald Trump trotz anderslautender Beschlüsse in Hamburg, Berlin und München US-Präsident geworden war.

In Deutschland sollte das nicht passieren - und sicherstellen sollte das schmalbart.de, eine Mitmach-Seite für Gegenpropagandisten, "offen für andere, die mitmachen wollen", aber einig darin, "Grenzen zu ziehen, wenn Unwahrheiten und Verdrehungen oder gar Fälschungen verbreitet werden".

Schmalbart richtete sich gegen "Volksverhetzung, Rassismus, Antisemitismus und jede andere Art von Menschenfeindlichkeit" und sammelte erstmal Geld für diesen wichtigen Kampf. "Wir sind dort, wo die Menschen sind, und wir wollen ihre Sprache sprechen", kündigte Christoph Kappes an, "wir sind also zum Beispiel auf Facebook, auf Youtube und auf Twitter und wir werden an den Stellen im Netz sein, wo die Diskussionen sind."

Große Pläne, aus denen acht Monate später alle Luft gewichen ist. Auf Facebook ist Schmalbart eine Leiche, auf der von Freiwilligen finanzierten Internetseite sind zwei Artikel aus Mai und Juni, die sich auftragsgemäß mit "Hetze, Hatespeech oder Hass" und "Nationalromantik" befassen, die letzten Lebenszeichen einer augenscheinlich jung verstorbenen Idee.

Dabei war die Anfang des Jahres geradezu
euphorisch von den Leitmedien gefeiert worden. "Transparenz statt Pöbelei", "Mit Fakten gegen Hetze" und "Schweigende Mehrheit muss sich wehren" jubelte es da. Der staatliche Radiosender Deutsche Welle wagte einen "Besuch bei den Anti-Populisten", die "Tagesschau" gab der "Gründung eines Onlinenetzwerks gegen rechte Hetze" den höchsten Segen durch liebevolles Lob im "Hauptstadtblog".

Danach kam dann nichts mehr. Ungestört von entschiedenen Enthüllungen der Schmalbart-Macher konnte "die agitatorische Subkultur der rechtsradikalen Facebook-Gruppen rund um die AfD in ihrer a) Trivialität, b) Aggressivität, c) Borniertheit und d) Tretmühlenhaftigkeit" (Schmalbart) ihre menschenfeindliche Agenda weiterverfolgen.

Die "knapp 200 Personen" (Schmalbart), die "ihre Bereitschaft zur Mitarbeit bekundet" hatten - davon gut 100 professionelle Videoproduzenten, Programmierer, PR-Berater und Suchmaschinenoptimierer (Christoph Kappes) - scheinen mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. Selbst Vox Populisti, ein Schmalbart-Projekt, das sich "mit Beiträgen und Beitragenden von publizistischen Produkten beschäftigt, die immer wieder in Populismus-Verdacht geraten", ist nach einem letzten Beitrag über Emmanuelle Macron Mitte Mai sanft entschlafen.

Gibt es keine Populisten mehr, gegen die sich zu kämpfen lohnt? Oder ist der Kampf dann doch mühsamer als die Ankündigung? "Wann kommt die Erschöpfung?", hatte Vox Populisti im April bereits gefragt, als ein "D. Grimmbold" dem Katzenkrimi-Schreiber Akif Pirincci die Maske des türkischstämmigen Wutbürgers vom Gesicht riss. "Wie lange kann man Tag für Tag, Woche für Woche Polemik, Wut, Beleidigungen und Hass ausgießen?", hieß es da fast schon prophetisch.

Länger offenbar, als man "ein Aufklärungsportal" (Schmalbart) betreiben kann, das sich "unter anderem mit Veröffentlichungen des Kopp Verlags und des Online-Blogs Politically Incorrect auseinandersetzt" (Kappes).

Montag, 14. August 2017

Abenteuer Mittelstand: Braten bis zum Broiler

Wissen Sie, eigentlich bin ja Chemiker. Aber wenn Sie so wollen, arbeite ich als Sonnenstudiobesitzer. Nach der Wende war hier nämlich Schluss mit der Großchemie, da musste man sehen, wie es weitergeht. Ich bin über einen Kumpel auf die Sonnenbanksache gekommen, der hat da die Regionsvertretung gemacht und mich irgendwie reinrutschen lassen. Ich sage immer, das ist mein Traumberuf. Denn wenn so ein Laden erstmal läuft, dann läuft er. Ich bin drei, viermal am Tag kurz hier, nach dem Rechten gucken, das jetzt aber bitte nicht politisch verstehen. Den Rest machen meine Mädchen.

Hühnchen & Broiler


Ich sage immer, ich habe zwei Sorten Mädchen: Die Hühnchen und die Broiler. Die Hühnchen sind die, die ich bezahle, die Broiler die, die sich auf unsere Bänke legen und uns bezahlen. Klar, natürlich, alle Hühnchen sind auch Broiler, Ehrensache, das gehört zum Job. Sie können da keine bleiche Leiche hinsetzen, schließlich. Wie sähe das denn aus? Aber die Broiler sind deswegen nicht alle Hühnchen, wenn Sie verstehen, was ich meine. Das sind Kunden, wir sind Dienstleister für die, sage ich immer. Meine Hühnchen habe einen Traumjob, das können Sie mir glauben. Was machen die denn? Bisschen die Bank abwischen, bisschen Kaffee kochen, bisschen Rumschwatzen. Kommt gleich nach Spielerfrau, sage ich immer, nur dass die die Kinder nicht mit ins Studio bringen können.

Klar, schießen sie immer mal gegen unsere Branche. Gesundheitsgefährdend und krebserregend. Alles Unsinn. Bei mir hat noch keiner Krebs bekommen, in 24 Jahren nicht! Unsere Liegen, da ist alles neuester Stand, sage ich immer. Nicht wie bei den billigen Heim-Solarien, wo Sie aufwachen und gleich einen blubbernden Leberfleck auf der Stirn haben. Wenn einer hier kommt, und die Zehnerkarte in einer Woche verbrät, dass es nur so qualmt, da können Sie wetten, dass meine Mädchen den anschließend ein paar Tage zum Abkühlen schicken.

Aber das Makroökonomische und das Mikroökonomische, sage ich immer, also diese beiden spielen gegen uns, gegen die ganze Branche, die ganze Idee. Wissen Sie, das mit dem Klimawandel, dass es immer heißer wird und so, also das steckt ein gut geführtes Studio weg. Ich sage immer: Einer von tausend tut es, und der ist meistens eine Frau. Eine Frau aber geht ins Sonnenstudio, weil es da zu Schwatzen gibt und Kaffee und eine Zigarette dazu, Sonnenbank auch, natürlich, klar, sage ich immer. Aber die Sonnenbank ist nicht der Grund, sondern der Anlass, verstehen Sie?

Nach dem Freibad ins Sonnenstudio


Wenn es wärmer wird, kommen natürlich weniger. Oder kennen Sie jemanden, der nach acht Stunden im Freibad ins Sonnenstudio geht? Die paar, die das machen, müssten auf der Bank übernachten, und als Besitzer könnten Sie davon immer noch nicht leben.

Aber, sage ich immer, es gibt eben gute Monate und bessere. Allerdings bin ich ausgerastet, als sie an die Parkplätze vor der Studiotür ein „Parken verboten“-Schild gestellt haben. Stellen Sie sich das mal vor, Sie kommen da Montagmorgen an, pfeifen ein Liedchen und die Welt ist schön, und auf einmal Ihre Parkplätze sind weg. Ich habe angerufen, ich gebettelt, gebrüllt und gefleht. Aber denken Sie, das interessiert jemanden? Klar, sage ich immer, die Steuern von uns, die nehmen sie gern. Aber einem helfen, damit man sie zahlen kann? Da haben die Herren aber Besseres zu tun.

Ich bin auf dieses Amt, bringt aber nichts. Können Sie vergessen. Sie reden da mit Leuten, die haben von Wirtschaft so viel Ahnung wie von komplexen Katalysatorsystemen in der Großchemie. Das ist ja nun mein Fach, verstehen Sie? Dass so ein Parkplatz der Katalysator dafür ist, dass auch jemand auf der Sonnenbank liegt, das geht in die Köpfe nicht rein.

Wissen Sie, man kann das verkraften. Wenn ein Studio gut geführt ist, steckt es solche externen Schocks weg. Ich sage immer, „Sonne muss sein, wenns regnet komm rein“ und das glaube ich auch. Wer sich´s schön denkt, der kriegst auch schön. Es sind ja Parkplätze in der Nähe, da müssen die Broiler zwar zahlen, aber wir erstatten das dann. Treibt die Kosten, klar, sage ich immer, aber für meine Kunden ist mir nichts zu teuer.

Dann haben sie aber natürlich auch noch verboten, dass sich Jugendliche sonnen. Als kämen die bei der ganzen Computerspielerei überhaupt noch in die Sonne. Dazu müssen Sie wissen – Jugendliche kommen nicht so viele, die können sich das ja gar nicht leisten. Sechs Euro für elf Minuten 10.500 Watt? Da fragen Sie mal so eine Friseusen-Azubine, die zeigt Ihnen den Piep. Die muss erstmal ihre Handyrechnung bezahlen und dann noch das Nagelstudio. Das fällt also nicht so sehr ins Gewicht, sind nur ein paar Sportler, Fußballer, Tänzerinnen, so diese Klientel, die dadurch rausfällt. Und was sollen wir da machen? Nach dem Ausweis fragen? Bin ich die Polizei oder was?

Die Broiler rauchen alle


Das nächste ist aber schon Arbeit, ich hab das im Urin. Wissen Sie, die Broiler rauchen ja alle. Oder andersherum: Weil Sie rauchen, sind ja überhaupt erst Broiler. Die Qualmerei macht die Haut grau, wir brutzeln Sie dann wieder ein bisschen auf. Knackbraun, sage ich immer, aber jetzt bitte nicht politisch verstehen. Danach Käffchen, Schwätzchen und eine rauchen im Eckchen. Aber nun passen Sie auf: Als nächstes, das ist mir, ich muss das mal so sagen, sonnenklar, kommt die Gesundheitswarnpflicht für Sonnenstudios! Jede Wette! Und ein Kaffeeausschankverbot für Studios ohne separate Damen- und Herrentoilette. Und eine Pflicht zur Gesundheitsberatung nach Hauttyp.


Gut, werden Sie sagen, ein gut geführtes Studie steckt so was bestimmt weg. Klar doch, sage ich immer, das Geheimnis ist das Management. Finger auf jeden Posten, wie Lenin gesagt hat. Was machst Du aber, wenn Du Dein Management gar nicht mehr selber machen kannst? Wenn das alles in Berlin gemacht wird? Was denn dann? Ich kann nicht zurück in die Chemie, das ist klar, oder. Die Hühnchen, die kümmert das nicht. Die bekommen für das bisschen Rumgackern, Bankabwischen, Käffchenkochen und Rauchen vierfünfzig die Stunde und staunen Deinem Saab-Cabrio hinterher.

Ja, Hühnchens, sage ich immer, vierfuffzich ist nicht die Welt, aber woanders müsstet ihr dafür arbeiten! Wissen Sie, die haben mit Schichten tausendnochwas im Monat und für Steuern geht da kaum was ab. Da müssten Sie bei mir mal gucken! Ins Knie beißen würden Sie sich. Und beschwert hat sich in 17 Jahren keine, nicht ein Wort, wirklich. Trotzdem soll das jetzt zu wenig sein. 7,50 Mindestlohn müssen es sein. 7,50! Für Sonnenbankservicefachangestellte. Wissen Sie, das können Sie gar nicht bezahlen. Wovon denn?

Bitte unterstützen Sie die Bundesregierung im Kampf gegen Fake News und teilen Sie diese Warnung!

Martin Schulz: Auf seinem eigenen Planeten

In seiner eigenen Welt wird Martin Schulz Bundeskanzler.

Es steht schlimm um die SPD, schlimm um "Steuermann" (SPD) Martin Schulz und seine Chance auf den Platz im Bundeskanzleramt. Zwar kann seine SPD in einer jüngsten Hokus-Pokus-Umfrage des Institutes Forsa innerhalb der Fehlertoleranz um einen Zähler auf 24 Prozent zulegen und den Rückstand auf die Union damit auf 14 Punkte verkürzen. Doch anders gesagt fehlen Martin Schulz rund ein Drittel Stimmen, um Angela Merkel den Kanzlersessel doch noch abzujagen.


Den imaginären Punkt, den die SPD holt, verlieren die Grünen. Rotgrün käme damit derzeit nur auf 31 Prozent – selbst zusammen mit der Linken (unverändert zehn Prozent) würde das nicht für einen Bundeskanzler Schulz reichen.

Der Kandidat aber lebt inzwischen ganz und gar auf seinem eigenen Planeten. "Ich rechne damit, dass ich gute Chancen habe, der nächste Bundeskanzler zu werden", hat der moribunde SPD-Vorsitzende das staatliche ZDF jetzt "trotz alledem und alledem" (Ferdinand Freiligrath) wissen lassen. Selbst der vom  ZDF gestellte Moderator Thomas Walde, dem kleinen Männlein, das neben ihm die Berliner Mauer abschreitet, sichtlich gewogen, muss sich da das Lachen verbeißen.

Schulz, in seinen Jahrzehnten in der zweiten und dritten Reihe der Politik darin geübt, erwartungslos auf die Zukunft zu schauen, lebt sechs Monate nach seiner Ernennung zum Kanzlerkandidaten durch Sigmar Gabriel in einer eigenen schrägen Welt mit einer eigenen absurden Logik. Er hat keine Chance, aber "sechs Wochen Zeit". Teicht, sagt Schulz, der seiner Konkurrentin in sechs Monaten keinen Zentimeter nähergekommen ist.

Beim Aufsagen seiner Sprechblasen ins ZDF-Mikrophon lässt der Merkel mit Bart keinen Zweifel daran, dass es ihm mittlerweile völlig egal ist, ob die Leute ihn für größenwahnsinnig, schwer krank oder bedauernswert unterinformiert halten. Er salbadert vor sich hin, lobt die SPD, lobt Willy Brandt (zweimal) und rechnet alles, was jemand gut finden könnte, Sozialdemokraten zu, auch wenn er dazu Arbeitsminister wie Müntefering und Nahles zu Begründern des deutschen Wohlstandswunders erklären muss, das allenfalls die für die Wirtschaft zuständigen Wirtschaftsminister für sich reklamieren könnten.

Es ist Selbstverleugnung bis zur Schamlosigkeit, mit der Schulz dem CSU-Verkehrsminister Dobrindt den "gescheiterten" (Schulz) Autogipfel zuschiebt, die miteinladende SPD-Umweltministerin Hendricks dagegen als "sie ist da hingegangen" aus der Verantwortung nimmt. Unter dem Tisch wippen und wackeln Schulzens Beine hektisch. Der künftige Kanzler ist nervös, die Bäckchen strahlen rot, er glaubt sich selbst nicht mher und muss doch weiter das Lied vom nahen Sieg singen, immer lauter, immer misstönender.

Den roten Sheriff gibt es dann auch noch, später, im Nachtprogramm, wo ihm RTL einen zweiten Sendeplatz zur Verfügung stellt. Nun schon jenseits jeden Kontaktes zu irgendeiner Realität, selbst der eigenen, dampft der "Schulz-Zug" (SPD) Nebelwolken aus. „No-go-Areas darf es in Deutschland nicht geben. Da muss der Staat sich durchsetzen“, sagt Schulz und fordert umstandslos zu direkter Gewalt gegen „Typen“ (Schulz), wie er Kriminelle nennt. Die „müssen mal richtig einen auf die Mappe kriegen, damit sie spüren, wer im Land das Sagen hat“.

Er, der Martin, nämlich. Bald. Wenn er erst Kanzler ist, gnade Euch Typen Gott!


Sonntag, 13. August 2017

Gleichstellung: Frauenquote für das Fahrerhaus

Sindy Ehmke ist eine von nur 27 deutschen Truckerinnen.
Sie gelten als "Ritter der Landstraße", breite, knorrige Gestalten, die auf ihren großen Böcken sitzen und dafür sorgen, dass selbst nach Sachsen und Thüringen begehrte waren aus dem Westen gelangen. Mehr als 40.000 Deutsche arbeiten als Lkw-Fahrer auf der Fernstrecke, dazu kommen rund 120.000 osteuropäische Kollegen. Sie alle sind jetzt ins Visier des Familienministeriums geraten, nachdem dem unerhörte Zahlen aus der Branche gemeldet worden sind.

Es ist ein Fiasko, ein Debakel, ein Offenbarungseid für 53 Jahre Gleichstellungspolitik, was die bisher noch geheimgehaltene Studie von Familienministerin Katharina Barley offenbart. Danach sind mehr als 98 Prozent aller sogenannten Trucker mit deutscher Staatsangehörigkeit männlichen Geschlechtes. Bei den in Deutschland arbeitenden Kollegen aus dem nahen EU-Ausland in die Quote sogar bei über 99 Prozent. Weit weg von der zuletzt angestrebten Ein-Drittel-Quote für Frauen, die wenigstens die Gemüter hatte beruhigen sollen.

Eine Zahl, die das Ministerium zum Handeln zwingt. Bislang gilt die deutsche Frauenquote zwar nur für die Aufsichtsräte von 108 großen Firmen, nicht für Fabriken, Ministerien oder Behörden. Doch ein Bündnis von Frauenrechtsverbänden fordert nun, sie auf alle Unternehmen auszuweiten - auch auf die Speditionen, deren Chefetagen der Frauenfrage in der Vergangenheit überhaupt keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. "Ja, wir müssen den Druck auf Vorstände erhöhen, mehr Truckerinnen einzustellen", heißt es im politischen Berlin. Tue man das nicht, könnte gerade vor der Bundestagswahl die Glaubwürdigkeit der Gender-Politik leiden.

16 Frauenverbände, die insgesamt mehr als 12,5 Millionen Frauen vertreten, haben sich in einem gemeinsamen Appell zur Bundestagswahl an die Parteien gewandt. Hinter dem Dokument steht die Berliner Erklärung, ein überparteiliches Bündnis aus Abgeordneten und Verbänden, das sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Wirtschaft einsetzt und das die sogenannte Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten von 108 börsennotierten Unternehmen in Deutschland in Gang gesetzt hat. Jetzt geht es den Aktivisten um den Kampf um die Lkw-Kabine: Die Frauenquote solle vom 1. September an auch dort gelten, lautet die Hauptforderung. Zudem müsse perspektivisch auf eine volle Gleichberechtigung von 50:50 hingearbeitet werden.

Für Speditionsunternehmen, die die Quote nicht einhalten, müsse es, so die Aktivisten, künftig wirksame Sanktionen geben, unter anderem Geldbußen. Die künftige Regierung solle einen nationalen Aktionsplan entwickeln, damit diese und weitere Maßnahmen möglichst bald umgesetzt werden. Unterzeichner des Forderungskatalogs sind unter anderem der Deutsche Frauenrat, der Verband deutscher Unternehmerinnen und der Deutsche Ärztinnenbund. Das Dokument soll bis Donnerstag führenden Politikern von SPD, CSU, Grünen, Linker und FDP übergeben werden.

Russen provozieren mit krudem Besuchswunsch

In Berlin scheint die Sonne, die Temperaturen liegen bei mehr als 25 Grad - der Sommer ist endgültig da. Doch die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind immer noch eisig. Putins Außenminister Sergej Lawrow hat in den Terminplan seines Deutschlandbesuches, der das seit der Ukraine-Krise zerschlagene Porzellan kitten sollte, überraschend ein Treffen mit Vertretern der rechtsfaschistischen AfD und von Pegida in Dresden eingefügt.


Eine gezielte Provokation, die sich Lawrow offenbar bei seinem deutschen Amtskollegen Sigmar Gabriel abgeschaut hat. Der wollte sich im Frühjahr auf seiner Nahostreise mit Vertretern zweier israelischer Menschenrechtsorganisationen treffen, die Israels Besatzungspolitik kritisieren. Gabriel zielte dabei auf innenpolitischen Distinktionsgewinn: Am rechten und am linken Rand wird Israelkritik in Deutschland immer noch mit Begeisterung gesehen. Begeisterung, von der die SPD im anstehenden Wahlkampf zu profitieren hoffte.

Netanyahu ließ damals im Frühjahr seinen Termin mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden platzen. Daheim aber wurde Gabriel planmäßig für seine "Konsequenz" gefeiert. Auch Kanzlerin Angela Merkel positionierte sich entschlossen an der Seite des Wahlkämpfers Gabriel.

Sergej Lawrows Versuch, seine deutschen Gastgeber nun gleichermaßen zu piesacken, wird in Berlin als billige Retourkutsche bezeichnet. Der Russe, der als treuer Gefolgsmann des Pegida-Gründers Putin gilt, beharrt trotz aller Proteste der deutschen Partner darauf, Rechtsaktivisten von AfD, Pegida und anderen populistischen Gruppen zu treffen. Es handele sich um "Teile der Zivilgesellschaft", verharmloste die russische Seite im Vorfeld. Ein Eklat.

Aber wer sind diese Gruppen - und warum bringen sie die Bundesregierung so in Rage?


In Deutschland werden Regierungskritiker gewöhnlich als "Rechtspopulisten" bezeichnet, also als grundsätzlich hinterlistige Menschen, die ausschließlich darauf aus sind, mit falschen Argumenten eine falsche Politik zu vertreten, um einfache Bürger zu verführen und sich hörig zu machen. Es gibt bei dieser Betrachtungsweise keine Ausnahmen, wer nicht für uns ist, ist gegen uns, wer grundsätzlich andere Ansichten vertritt, ist ein Zweifler, Hetzer oder Hasser und darf durch einen öffentlichen Dialog nicht aufgewertet werden. Vor allem die Politiker der AfD gelten vielen Kollegen in den Regierungsparteien, aber auch bei der Oppsition, die auf dem Boden der FDGO steht, als Nestbeschmutzer, die im Sold Moskaus Unwahrheiten verbreiten. Seriöse Politiker werfen ihnen immer wieder öffentlich vor, die EU anzuzweifeln, den Euro abschaffen zu wollen und die Ideale der Gründerväter der Montanunion zu verraten.

Noch schlimmer steht es um die zuletzt schrumpfende Gruppe Pegida in Dresden, die sich mit dem gleichen Vorwurf konfrontiert sieht, allerdings auch von vorbestraften Kriminellen geführt wird. Die nach verschiedenen Berichten bereits 1989 vom KGB gegründete Vereinigung brüllt Politiker nieder, fordert Rücktritte und zeigt öffentlich Galgen. Damit will sie die Flüchtlingspolitik der Regierung ändern, die jedoch alternativlos ist. Lawrow betonte demgegenüber, es sei "weder ungehörig noch ungewöhnlich noch überraschend", dass er sich auch mit Kritikern der Bundesregierung treffen werde. Die aktuelle Regierung sei nicht Deutschland, auch wenn sie das gern so darstelle. Vielmehr seien auch Pegida und die AfD das sogenannte "Volk".

Zu den Unterstützern dieser beiden Gruppen mit Sitz in Sachsen zählen neben verführten Privatleuten auch schmuddelige Hetzer wie der Katzenkrimiautor Akif Pirincci und der holländische Hasser und Europagegner Wilders. Bei ihrer Arbeit werden die Aktivisten in der Regel von der Gruppe „Durchgezählt“ beobachtet. Mit ihren Aktionen und Veröffentlichungen gelten die Montagsdemonstranten als radikale Aufrührer, auch ein Besuch von Sigmar Gabriel, der einmal selbst nach den Rechten schaute, änderte daran nichts.