Google+ PPQ: September 2012

Sonntag, 30. September 2012

Und doch nicht wiedererkannt

Die Kinder des Kindergarten gehen im Stadtpark spazieren. Plötzlich kommt ein Eichhörnchen zu den Kindern und bettelt. Da hebt die Erzieherin an: “Ei, Kinder! Was haben wir denn da? Was ist denn das? Kann mir jemand von euch sagen, was da vor uns sitzt? Keiner? Aber Kinder! Jetzt bin ich wirklich enttäuscht! Worüber haben wir denn die ganze Woche gesprochen?”

Die Lösung gibt es hier.

DNK 2012: Gerechtigkeit im Mittelpunkt

Am 29. September hat das Plenum der Deutschen Nazi Konferenz (DNK) zum dritten Mal in dieser Legislaturperiode getagt. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand der diesjährige Themenschwerpunkt Geschlechtergerechtigkeit, zu dem eine Erklärung gegen häusliche Gewalt und das Malen verfassungsfeindlicher Symbole verabschiedet wurde, sowie die aktuelle Debatte zur Terrorgruppe NSU. PPQ dokumentiert das Abschlusskommuniqué, das die Teilnehmer einstimmig verabschiedeten.

"Wir tragen in der Deutschen Nazikonferenz dazu bei, das Verhältnis zwischen Einrichtungen von Bund, Ländern und Kommunen und den Rechtsradikalen in Deutschland weiterhin auf eine gute Grundlage zu stellen"", sagte Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich während der Sitzung. Ziel der DNK ist es, die Teilhabe der rund 30.000 Mitgliedern der rechten Szene zu verbessern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gegen rechten Extremismus zu stärken.

Die Erklärung gegen häusliche Gewalt und das Malen verfassungsfeindlicher Symbole nannte Friedrich "ein wichtiges Signal" und "eine wichtige Grundlage für die künftige praktische Arbeit zur Eindämmung von häuslicher Gewalt und rechter Straftaten". Gerade angesichts der Pluralität der Neonazis in Deutschland, die sich in NPD-Anhänger, freie Kameradschaften, Neue Rechte und zahllose weitere Gruppen teilen, sei es besonders begrüßenswert, dass es der DNK gelungen ist, eine solche gemeinsame Erklärung zu verabschieden.

Die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan hielt ein Impulsreferat zum Thema Geschlechtergerechtigkeit. "Dem Staat obliegt die Pflicht, die freie Entfaltung der Lebensentwürfe der Individuen zu sichern und zu ermöglichen"", betonte sie. Insbesondere die Verbesserung der realen Lebensverhältnisse von Rechten und Rechtinnen sei dabei ein wichtiges Anliegen. Die Öffentlichkeit solle zur Kenntnis nehmen, dass rechtsextreme Mädchen und Frauen mittlerweile höhere Schulabschlüsse als rechte Jungen und Männer aufweisen und auch erfolgreicher in der Ausbildung seien.

Zum zweiten Mal haben Teilnehmer der Jungen Nazi Konferenz am Plenum der DNK teilgenommen. Sie haben – wie im letzten Jahr – dem Bundesinnenminister ihre Empfehlungen und Ideen überreicht. Ein persönlicher Austausch mit Friedrich zu den Empfehlungen ist für die Zeit nach dem Plenum geplant. Die JNK beschäftigte sich in diesem Jahr mit der Darstellung von Rechtsextremen im Internet.

Im Rahmen der Konferenz gab Friedrich zudem den Startschuss für den Jugendwettbewerb "Erfolgsgeschichten". "Besonders wichtig ist mir, dass die Beiträge des Wettbewerbs gerade auch die positiven Beispiele für die Integration von Rechten am Arbeitsmarkt in den Vordergrund rücken"", stellte der Bundesinnenminister heraus. Bewerben können sich bis zum 31. August 2012 Schüler und Studenten mit journalistischen Beiträgen – Text, Fotostrecke oder Video - über die erfolgreiche Wandlungvon Rechtsradikalinnen und Rechtsradikalne in Deutschland. Alle Details sind auf der Website der DNK zu finden.

Die Deutsche Nazikonferenz hat sich klar gegen die radikale Terrorgruppe NSU gestellt. Die Arbeitsgruppe Prävention der Nazikonferenz erörtert derzeit praktische Maßnahmen zur Prävention von Extremismus und gesellschaftlicher Polarisierung, die sie 2013 vorstellen wird. "Wir sind uns in der DNK alle einig, dass rechter Extremismus nicht akzeptabel ist und nicht in eine freie Gesellschaft, wie wir sie in Deutschland haben, passt"", betonte Friedrich.

Die DNK tagt auf mehreren Ebenen. Höchstes Gremium ist das Plenum, darunter wird die Arbeit des Plenums durch einen Vorbereitungsausschuss vorbereitet und ergänzt. An der DIK nehmen Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen, rechten Verbänden und rechtsradikalen Persönlichkeiten teil. In der vergangenen Legislaturperiode wurden theoretische Handlungsgrundlagen geschaffen. Nun geht es darum, die konkrete Teilhabe der Rechtsradikalen in Deutschland zu stärken und Ergebnisse in die Praxis umzusetzen. Für die Plenarsitzung 2013 ist "Prävention" als Schwerpunktthema vorgesehen. Für den Herbst 2012 wurde eine Tagung zum Thema "Rechte im Visier – der Kampf gegen rechts" beschlossen.

Samstag, 29. September 2012

Wer hat es gesagt?


Das Tempo der Veränderungen eskaliert. Die Verantwortung dafür tragen Medien, ihr Effekt scheint unberechenbar.

Aufkommender Weltfriede: CIAir pleite

Es ist ein harter Schlag für die Kriegstreiber überall in der Welt: World Airways, die Transportfluggesellschaft, die von Friedensaktivisten seit Jahrzehnten verdächtigt wird, im Auftrag der CIA Mordbrenner zu Einsätzen in aller Welt zu fliegen, ist pleite. Die World-Mutterholding Global Aviation hat Gläubigerschutz beantragt, nachdem die Flugaufträge des US-Militärs im Zuge des Truppenrückzugs aus Nahost eingebrochen waren. Es sei damit nicht mehr möglich, die Flotte auszulasten, begründete die Firmenleitung.

Der aufkommende Weltfriede trifft den Flughafen Leipzig/Halle besonders stark. Hier hatten die US-Streitkräfte ihren Einsatzeinheiten im Irak und Afghanistan bisher Zwischenstopps genehmigt, die nun zunehmend wegfielen. In Spitzenzeiten landeten bis zu acht US-Maschinen täglich in Sachsen, dem staatlichen Flughafen flossen dadurch hohe Landegebühren zu. Pro Monat wurden bis zu 80 Truppentransportflüge mit ungefähr 160 Soldaten pro Tag abgefertigt. Allein bis Anfang 2009 sollen 450.000 Soldaten über Leipzig/Halle in den Kampfeinsatz geflogen sein. Immer wieder regte sich in der Region Widerstand gegen die militärische Nutzung, Bürgerinitiativen und Friedensorganisationen wie die "Aktionsgemeinschaft Flughafen natofrei" forderten ein Ende der militärischen Nutzung.

Dem hatte die Geschäftsführung des Flughafens stets widersprochen. Durch die Nutzung als Drehkreuz für US-Truppentransporte habe eine Betriebsküche mit 65 Angestellten vor der Schließung bewahrt werden können. Deren Zukunft könnte wieder offen sein, ebenso wie die der mehr als 2000 Angestellten der "CIAir" genannten Fluggesellschaft.

Freitag, 28. September 2012

SPD-Kanzlerkandidatur: Ein Rentner solls richten

Er war Arbeiterführer und er führte die deutschen Truppen in eine siegreiche Schlacht gegen die Schweiz, er scheiterte als Ministerpräsident, hinterließ aber eine mit Zertifikaten und Verbriefungen bis obenhin ausgestattete Landesbank, er meisterte die größte Krise seit der Karoknappheit anno 1985 in der DDR, indem er sie für eine rein amerikanische hieltund nach seinem Ausscheiden schrieb er ein Buch, dass er "Unterm Strich" nannte, als könne er wirklich rechnen.

Nun wird der Rentner Peer Steinbrück "aller Voraussicht nach SPD-Kanzlerkandidat", wie die "Zeit" gleichlautend mit allen übrigen Medien berichtet.

Die SPD, mit der traditionell die neue Zeit zieht, löst damit eine Vorhersage ein, die hier bei PPQ vor zwei Jahren gemacht wurde. Parallel zum Rückzug des früheren Bundes-Mecki Kurt beck - ein Zeichen der Erneuerung. "Ich glaube, Peer Steinbrück ist der Richtige, wir haben keinen besseren", habe der Wahl-Magdeburger gesagt. Aus seiner Sicht sei der kernige Sozialdemokrat, der einst die Schweiz überrollen wollte, der geeignetste Kandidat, die Mitte auf ähnliche Weise anzusprechen wie das zuletzt Frank Steinmeier gelungen war. "Frank-Walter", so Gabriel, "hat gezeigt, dass niemand Parteivorsitzender sein muss, um ein scharfes Rennen zu liefern und am Ende achtbar zu unterliegen."

Steinbrück, der sich in den letzten Wochen als grimmiger Krieger im Unruhestand inszeniert und die Nähe des dauerqualmenden Alt-Kanzlers Helmut Schmidt gesucht hatte, benennt noch in dieser Woche sein Schattenkabinett. Während er selbst als primus inter pares das Kanzleramt ausfüllen wird, wofür Steinbrück offenbar auch bereit ist, seine Rolle als Kommissar im bekannten krimi "Martin Beck" aufzugeben, sehen die Planungen vor, dass der bewährte Finanzstaatssekretär und heutige EZB-Vertreter Jörg Asmussen zum Finanzminster aufrückt. Asmussen habe das Ministerium unter Steinbrück und Schäuble bereits mit "großer Umsicht" geführt und durch höhere Steuereinnahmen gespart. "Jetzt ist es Zeit, dass er in die erste Reihe tritt", lobte der ehemalige Vorgesetzte und künftige Kanzler. Gerüchte, der sachsen-anhaltische Finanzminister Jens Bullerjahn werde als Sparkommissar nach Berlin rücken, sind damit vom Tisch.

Da Außenministerium und damit die Vizekanzlerschaft traditionell an die Grünen als kleineren Koalitionspartner fallen und nach den Plänen der neuen Volkspartei mit der derzeitigen Parteichefin Claudia Roth besetzt werden, plant Steinbrück, die SPD-Seite des Kabinettstisches mit Sigmar Gabriel als Wirtschaftsminister und Andrea Nahles als Sozialministerin zu besetzen. Das Innenressort fällt an Nils Annen, für die Gesundheit hält sich Manuela Schwesig aus Mecklenburg bereit.

Das Familienministerium, für das die Schwerinerin als Favoritin galt, fällt überraschend an Klaus Wowereit, der damit als erster Mann ins Familienressort einzieht, sobald er Berlin an Renate Künast übergeben hat. Andrea Ypsilanti, deren harte Basisarbeit in den vergangenen Jahren danach "geschrieen" (Steinbrück) habe, längst vergangene Fehler nicht mehr aufzurechnen, bekommt das neugeschaffene Integrationsministerium, das sich künftig um benachteiligte Jugendliche kümmern wird. Generationswechsel auch im Justizministerium: Hier wird aus Gründen des Länderproporzes noch ein junger männlicher Jurist oder Steuerberater aus Bayern gesucht, der Kinder und internationale Erfahrung haben, aber mindestens in zweiter Ehe verheiratet sein soll. Hier sehe er aber noch Verhandlungsmasse, sagte Steinbrück, der bereit wäre, den Posten an den juristisch erfahrenen Grünen-Chef Cem Özdemir zu geben.

Die Grünen reklamierten in einer schnell einberufenen Telefonkonferenz außer dem Außenministerium erwartungsgemäß Verteidigung und Umwelt für sich. Neuer Verteidigungsminister wird danach Christian Ströbele, der plant, die Abschaffung der Bundeswehr weiter zu beschleunigen. Deutschland könne der Welt ein Beispiel geben und sich in Zukunft gewaltfrei verteidigen. Das Umweltressort möchte Parteichef Jürgen Trittin gern selbst übernehmen. Der angefragte Ersatzkandidat Rezzo Schlauch habe abgesagt. Endgültig müsse darüber aber die Basis entscheiden. Gedacht ist an einen Vorausscheid im Fernsehen nach dem Vorbild von "Deutschland sucht den Superstar". ARD, ZDF, Phoenix und RTL übertragen die Finalrunde dann parallel

Expo 58: Die Vergangenheit der Zukunft

"Wer zählt die Völker, nennt die Namen? Wer kennt die Flaggen, zählt die Häuser, schätzt die Kosten?", schwärmt die "Zeit". Ist es ein Spiel, dies alles, oder ein ernsthaftes Treiben — des Schweißes der Edelsten wert? Wie — die Nationen rings im Erdkreis geben sich hier ein Stelldichein, um gegenseitig Freud und Leid zu offenbaren?

Es geht um die Weltausstellung, die damals „Expo 58" hieß, weil 1958 das Jahr war, in dem sie stattfand. Atomium, schreibt Jan Molitor. Ein Zimmer kostet hundert und für ein Frühstück dreißig Mark. Es war noch kalt, damals, und der Regen berieselte die Besucher. Brüssel steht unter dem "asymmetrisch gezackten Stern", der über dem Gelände gegenüber dem Königsschloss Lacken leuchtet. Ringsum weht Musik aus Lautsprechern, überall knattern Fahnen.

Es gibt noch keinen Euro, es gibt noch keine Finanzpakete und Rettungsschirme. Die Vergangenheit hat noch Zukunft: glanzvolle Avenuen, weiße Tunnel, Über- und Unterführungen, riesige Parkplätze. "Und sogar inmitten des umzäunten Geheges läuft auf Betonstreben eine schräg geschnittene, pompöse Fahr- und Gehbahn, die mit der Kühnheit ihrer Linienführung obendrein künstlerische Ambitionen hat."

Der Planet Zukunft ist eine sonderbare Welt, auf Hochglanz poliert. "Stellen wir uns einen Menschen vor, der nie in Deutschland, nie in England, Frankreich, Belgien, Rußland war, ja, überhaupt nirgendwo auf der Welt, so ergibt sich notgedrungen der Typ, für den die „Expo 58" glaubhaft ist: der Marsmensch, quod erat demonstrandum.

Denn eines ist schon damals so: In Brüssel halten sich die Nationen so wenig an die Vereinbarung, dass sie das menschliche Leben der Völker rund um den Erdkreis darstellen wollen wie sie sich später an den Maastricht-Vertrag halten werden. "Sie stellen nur die Hälfte dar, nur das Gute, nicht das Schlechte, nur den Glanz, nicht den Alltag; nur die Freud, nicht das Leid."

54 Jahre, und Europa war schon fertig. 1958 schon schickte jeder Staat das nach Brüssel, womit er glaubte, tüchtig angeben zu können. So war in Brüssel "alle Tage Sonntag", befindet Zeit-Autor Jan Molitor. Nichts ändert sich wirklich. Es sieht nur im Fernsehen so aus.

Sprache: Wie aus Moslems Muslime wurden

Die Veränderungen der Welt gehen oft so langsam vonstatten, dass sie den Menschen, die sie erleben, zuallerletzt auffallen. Also gar nicht. Bundespräsident Gauck etwa spricht in seiner wegweisenden Palästina-Rede ganz selbstverständlich von „Muslimen“, die zu Deutschland gehören, wenn sie hier leben. Um die Frage, ob hier lebende Salafisten, die ja auch Muslime sind, dann auch zu Deutschland gehören, soll es nicht gehen, sondern vielmehr darum, wie sich die öffentliche Wahrnehmung von Koran-Gläubigen in Deutschland in den vergangenen Jahren durch veränderte Begrifflichkeiten verändert hat: Fort sind nicht nur der „Muselmane“, der „Mohammedaner“, der „Islamit“ und der „Sarazene“, sondern auch der Moslem, der in Deutschland über Jahrzehnte hinweg als korrekter Begriff zur Benennung der Rechtgläubigen verwendet wurde.

„Indonesien: Höchster Moslem-Rat droht USA“, schrieb der „Spiegel“ noch 2001, damals war auch Muhammad Ali noch nicht nur ein großer Boxer, sondern auch ein „Moslem“, der von sich selbst sagte „Ich bin Moslem“. Türken sagten gar von sich, sie seien Müslüman, Perser nannten sich Musalmānn, gläubige Frauen hießen hierzulande Moslemin.

Aber dann ist irgendetwas geschehen, wie ein Blick auf die Verwendungshäufigkeit des Begriffes Moslem in deutschen Zeitungsarchiven und bei Google Ngram zeigt. Der Moslem schwächelte erst spürbar, inzwischen ist er nahezu ausgestorben. Denn sein jüngerer Begriffsbruder „Muslim“ hat ihn fast vollständig verdrängt.

Zum Beispiel beim „Spiegel“, dem Maßband deutscher Mundart überhaupt. Im Jahr 1999 verwendete das Magazin den Begriff Moslem 33 Mal, im Jahr 2000 dann 40 Mal. Im Jahr 2001 steigt die Zahl der Fundstellen auf 79, weil die Anschläge vom 11. September dem Thema eine Sonderkonjunktur verschafften. Zum Vergleich: 1999 wurde „Muslim“ 34 Mal verwendet, im Jahr 2000 dann 33 Mal, 2001 bringt schließlich einen sprunghaften Anstieg auf 120 Einsätze.

Eine Zeitenwende. Unbemerkt von der breiten Bevölkerung ist der „Moslem“, der bis dato bestimmender Sprachgebrauch war, um Koran-Gläubige zu bezeichnen, in Gefolge des Herbst 2001 zur bedrohten Vokabel geworden. Gauck und Wulff, „Spiegel“ und „Welt“, dpa und Tagesschau, als habe es einen geheimen Befehl zur Umbenennung gegeben, kennen alle nur noch den aus dem englischen eingeschleppten „Muslim“ und die an die arabische weibliche Form angelehnte „Muslima“.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2009 verwendete der „Spiegel“ den Begriff „Muslim“ 170 Mal, 2010 145 Mal und 2011 135 Mal. Der Gebrauch von „Moslem“ dagegen erreicht nicht mehr annähernd die Werte aus den Jahren bevor die sich im Arabischen selbst „Muhammadi“ ‏(محمدي‎ ) nennenden „Angehören des Islam“ (Wulff) von Gläubigen einer anderen Religion zu Gläubigen der anderen Religion wurden: 11 Mal griff der „Spiegel“ 2009 auf die Vokabel zurück, acht Mal unterlief sie ihm 2010 und nur noch sieben Mal im Jahr 2011.


Was ist da geschehen? Was ist da passiert? Wer hat da ein Verdikt verhängt, dass „Moslem“ heute von fern wirkt, als klänge es wie das „Neger“ im „Spiegel“-Beitrag vom 4. Januar 1947, der von einer „Londoner Moslem-Konferenz“ berichtet, dabei aber das Kunststück fertigbringt, auch das Wort „Moslem“ zum ersten Mal im Spiegel unterzubringen?


Der „Muslim“ folgte übrigens erst ganze 14 Jahre später, am 2. August 1961.

Donnerstag, 27. September 2012

An der Modelrampe

Wenn sie lecken sollten, sie würden auch lecken. Vor 30 Jahren noch rebelliert und versucht, Sand im Getriebe zu sein. Widerspenstig, widerständig, voller Widerspruch.

Heute im Fernsehen. Und im Wettstreit darum, wer noch besser funktioniert als bloß wie geschmiert.

Doku Deutschland: Der Mann, der im Bellevue Bettina war


Sie haben natürlich Recht.Das ist meine übliche Vorgehensweise. Ich habe auf diese Weise schon Unmenschlichkeit und Sklaverei auf dem Bau, bei Springer, in einer Hühnchenfabrik und bei einer Bäckerei aufgedeckt. Gar nicht zu reden von meiner Rolle als Farbiger mitten in Deutschland, in der ich verfolgt und unterdrückt wurde wie das all unseren farbigen Mitbürgern geschieht.

In diesem Fall kam aber nicht nur die Idee von außerhalb, auch die meiste Arbeit blieb wie immer an meinem Team hängen. Der erste Gedanke schien selbst mir damals bizarr. Was wäre, wenn ich mich in die Welt der Politik begäbe, um dort herauszufinden, wie die Männer, die über uns regieren, im tiefsten Inneren ticken, fragte ich mich. Es war ein schöner Frühlingsmorgen, ich saß wie immer in der Maske, um mich auf meine Rolle als Talkshowgast vorbereiten zu lassen. Im Fernsehen trat Christian Wulff auf, einer aus der Generation der Smarten, Glatten, ein Politprofi ganz aus Teflon. Ich stellte mir unwillkürlich die Frage, wie ich an so einen herankommen könnte. Als junge Frau? Blond? Schlank und schön?

Eigentlich war das klar und ich war in dieser Talkshow dann auch nicht so besonders bei der Sache, das muss ich zugeben. Wenn ich ersteinmal in meinem Missionsmodus bin, kenne ich keine anderen Gedanken mehr. Wie lässt es sich umsetzen? Welche Tarnung brauche ich? Mit welchem Sender kann ich vorher Verträge machen? Welcher Verlag wäre interessiert? Lässt sich ein Drehbuch nach meinen Abenteuern schreiben? Habe ich eine Chance auf den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels? Solche Fragen stellt man sich da, wenn man ich ist.

Mein nächster Weg führte dann wie immer zu meinem Team aus Maskenbildnern und Chirurgen. Würde es wirklich möglich sein, aus mir eine junge, schöne Frau zu machen? Und siehe da: Es war nicht einfach, aber machbar! Vier Operationen und ein Bleaching, das meine Haut samtig und rein machen würde, dazu monatelanges Zirkel-Training, um Speckpölsterchen abzubauen und mich fit zu machen für Hackenschuhe und enge Kleider. Dann war ich bereit.

Ich traf meinen künftigen Gatten zum ersten Mal auf einer Südafrikareise, in die mich Freunde aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium geschmuggelt hatten. Dort unten, unter der Sonne des vom Rassismus befreiten afrikanischen Landes, fiel der Blick des damals noch als Ministerpräsident amtierenden großgewachsenen CDU-Mannes wie geplant schnell auf mich uns meinekaum zu übersehenden Qualitäten. Ich bin geistreich, aber nicht vorlaut, interessiert, aber nicht leicht zu haben, so hatte ich meine vielleicht größte Rolle angelegt. Ich kenne die Männer, denn ich bin ja selbst einer!

Mein Traum, unerkannt in die Kreise der großen Politik einzusickern, ging schneller in Erfüllung, als ich das selbstgedacht hatte. Eigentlich war meine Unternehmung darauf ausgelegt, mich mindestens zehn Jahre rund um die Uhr zu beschäftigen. Ich war davon ausgegangen, dass ich auf diese Weise auch noch den Nobelpreis für das am längsten dauernde Rollenspiel der Literaturgeschichte einheimsen könnte.

Aber mein künftiger Mann flog förmlich auf mich. Wenige Monate nach unserem Kennenlernen traten wir auch öffentlich gemeinsam auf, die Hochzeit war dann nur noch eine Frage der Zeit. Ich hatte mir, um meine Legende zu vervollkommnen, das Kind einer engen Freundin geliehen und bei Hofe als meine Tochter vorgestellt. Probleme würde es hier nicht geben, denn das Mädchen kam aus einfachen Verhältnissen und war selbst sehr daran interessiert, die Gelegenheit zum gesellschaftlichen Aufstieg zu nutzen. Überdies bezahlte ich die Kindesmutter wie alle meine Helfer, Assistenten und Teammitglieder recht anständig.

Ein Glückfall war dann natürlich der Umstand, dass Kanzlerin Angela Merkel, die ich nicht schätze, der ich aber meinen Respekt nicht versagen möchte, sich entschloss, meinen Gatten als Konkurrenten um die nächste Kanzlerschaft aus dem Weg zu räumen, indem sie ihm nach der Köhler-Krise den Posten des Bundespräsidenten anbot. Mir bot sich hier nicht nur die Gelegenheit, mein Rollenexperiment um mindestens drei Jahre abzukürzen, sondern auch die Chance, Politik noch einmal von einer anderen Seite kennenzulernen. Welcher Enthüllungsreporter weltweit hat bisher schon die Möglichkeit gehabt, als First Lady zu amtieren? Und darüber zu berichten?

Ich riet meinem Mann zu. Wie schon bei der Organisierung unseren Hauskredits hörte er auf mich. Nach einer Amtseinführungszeremonie, die selbst mich mitallen Wassern gewaschenen Medienprofi nicht gänzlich unbewegt ließ, zogen wir dann ins Schloss Bellevue. Kein Wohnort für eine junge Familie, wie ich mir sogleich notierte. Große, kalte Räume, jede Menge Fremde im Haus, Wachen, nachts die Beleuchtung für die Touristen und immer Terroralarm. Selbst wenn wir mal Sex haben wollten, wie gesagt, wir führten trotz dem Umstände eine ganz normale Ehe mit allen Pflichten für beide Partner, mussten wir ganz fein stille sein, um das Personal nicht zu stören. Das ist nichts, was ich haben möchte, wenn ich privat irgendwo wohne.

Hier aber war das Ertragen dieser schwierigen Lebensumstände Teil meiner Aufgabe - und Teil der Botschaft, die ich plante, den Menschen draußen im Land aus dem Reich der Mächtigen zu überbringen. Genauso würde ich auch nicht verschweigen, was mir schon nach den ersten paar Staatsbesuchen nicht verborgen blieb: Es ergab sich kaum eine Chance, sich mit den anderen First Ladys richtig dicke anzufreunden. Sogar Michelle Obama, die im Fernsehen immer sehr geerdet wirkt, beließ es dabei, freundlich zu sein. Wir duzten uns auf diese amerikanische Art, die eigentlich auch nur ein Siezen ist. Mehr muss ich nicht sagen - es wurde keine Freundschaft fürs ganze Leben aus unserer Begegnung!

Nach wenigen Monaten im Trott von Empfängen, die ich wie alle meine Aufgaben ohne Bezahlung absolvierte, von Staatsbesuchen und Auftritten bei Galas konnte ich schon sagen, dass die Brötchen, die wir uns allmorgendlich vom Stammbäcker meines Mannes aus Hannover nach Berlin einfliegen ließen, hart verdient waren. Kuchen gab es kaum, um wenigstens den Verdienstausfall aus meinem früheren Job als Reporter in Grenzen zu halten, musste ich meinen Mann überreden, mir aus seiner Apanage einen Betrag zu zahlen, der halbwegs dem Volontärsgehalt bei einem Provinzverlag entsprach.

Ich war nicht glücklich in meiner Rolle, aber das machte mich glücklich, denn es versprach ein konfliktreichen, spannend zu lesendes Buch. Schließlich blieb auch das zwischenmenschliche Verhältnis zwischen meinem Mann und mir nicht unberührt von den Umständen. Er fühlte sich wohl wirklich als Staatsmann, wenn er Rettungsschirmgesetze unterzeichnete, Reden hielt und mich auf der Schlosstreppe präsentierte.

Ich aber beschloss dann doch, es gut sein zu lassen. Ich hatte alles, was ich für mein Buch brauchen würde, beisammen. Auch einen Titel hatte ich mir schon ausgedacht: "Jenseits des Protokolls" würde ich mein neues Werk nennen und es mit einer geschickt eingefädelten Artikelserie meines alten Kollegen Hans Leyendecker sensationell gut promoten. Das würde der Welt die Augen öffnen über die Verhältnisse hinter den Kulissen der Spitzenpolitik, das würde ihnen zeigen, wie eng die Horizonte sind, zwischen denen die Anzugträger aus den Fernsehnachrichten navigieren. Solange sich nur einzelne Individuen oder Medien an dieser Demonstration von Freiheit beteiligen, wird nicht viel erreicht, glaube ich zwar immer noch. Aber wenn wirklich Millionen mein Buch kaufen, wäre das eine deutliche Botschaft. Das würde die Gegner ermüden, denn so viel können sie gar nicht demonstrieren.
Zur PPQ-Echtzeit-Serie Doku Deutschland

Mittwoch, 26. September 2012

Modebranche: Fett und häßlich holen auf

International ist es längst Standard, auf Angaben wie Namen, Geschlecht oder Familienstand sowie Fotos in der Bewerbung zu verzichten. Ohne diese Angaben werde der Fokus besser auf die Qualifikation der Bewerber gelenkt. Dabei verbessern sich insbesondere Chancen für Frauen, Migranten, Übergewichtige und Ältere. deshalb plant die Bundesregierung jetzt erstmals auch eine Übernahme der Anonymen Bewerbung bei der Wahl zum Bundestag. Damit werde Alters- und Herkunftsdikriminierung wirksam ein Riegel vorgeschoben, heißt es im politischen Berlin.

Untersuchen sprechen eine klare Sprache: Klischees und Vorurteile, aber auch das Aussehen und das öffentliche Auftreten spielten bisher eine große Rolle bei der Frage, wer es bei Wahlen in den Bundestag schafft. "Das ist häufig unbewusst", berichtet Christine Lüders von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Alte, aber auch häßliche oder vermeintlich zu dicke Menschen hätten so weniger Chancen auf ein Mandat als junge, dynamische und gutaussehende Bewerber. "Viele Wähler sind zum Beispiel der Meinung, dass ein fetter Politiker, der offensichtlich nicht auf seinen eigenen Körper aufpassen kann, besser nicht für ein ganzes Land verantwortlich sein sollte."

Diese unzulässige Benachteiligung nimmt der Bund nun ins Visier. Künftig können Bewerber für einen Platz im Bundestag auf die Angaben von Namen, Alter, Geschlecht, Herkunft und Familienstand in den Unterlagen verzichten, auch Bilder von sich müssen sie nicht mehr zur Verfügung stellen. Statt mit Fotos werde mit inhaltlichen Aussagen wie "SPD isst Currywurst" geworben. Ein Pilotprojekt in der Modelbranche habe gezeigt, dass bislang übliche Angaben nicht benötigt würden.

"So haben endlich alle Bewerbergruppen die gleiche Chance auf ein Mandat oder einen Modeljob", freut sich Lüders. Bei Frauen verbesserten sich die Chancen tendenziell, bei Bewerbern mit Migrationshintergrund seien zumindest die Nachteile verschwunden, erläuterte Lüders. Fette, Häßliche und Dumme lägen plötzlich gleichauf mit Schlauen, Hübschen und Schlanken.

Das bestätigt auch der Präsident des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit, Klaus Zimmermann. Nach seinen Beobachtungen verringern persönliche Details in Bewerbungen die Chancen aller Bewerber trotz gleicher Qualifikation nachweislich. So sinke die Chance auf einen Platz im Bundestag allein aufgrund eines türkisch klingenden Namens um 14 Prozent. Das Ergebnis sei, dass es weltweit zwar genauso viele Türken wie Deutsche gebe, im deutschen Bundestag aber nur eine Handvoll türkischstämmiger Politiker vertreten sei.

"Nach der Anonymisierung herrscht tatsächlich weitgehend Chancengleichheit", resümierte Zimmermann. Dies sei auch gut für die Politik: Weil im Parlament bisher aufgrund von Vorurteilen der Wählerinnen und Wähler die falschen Politiker saßen, während richtig qualifiziert Bewerber durchfielen, könnten durchaus Milliarden Euro verloren gehen. Das sei in den letzten Monaten deutlich geworden, als Regierung und Parlament mehrere hundert Milliarden Euro ausgaben, um die EU zu retten.

Tatort Märchenwald: Jetzt reden die Opfer


Es sind fürwahr bewegende Zeilen und erschütternde Erinnerungen, die zu Herzen gehen, die uns nach der Enthüllung der wahren Zusammenhänge, die vor fast 40 Jahren zur Verschleppung des Kinderfernsehbären Bummi nach Sibirien führten, erreichten. Kinder, die damals litten und heute Männer und Frauen sind, schwärmten noch einmal von Borstel, dem tumben Igel. Sie gedachten Herrn Uhu, dem steinmeierweisen Vogel mit den Untertellertassenaugen. Sie träumten sich für einen Moment zurück in den heilen Märchenwald der sozialistischen Fernsehkindheit, der Weltrevolution sowenig kannte wie McDonalds und Nintendo.

Kein Name ist vergessen, auch wenn er manchmal durcheinandergewürfelt wird. Die Märchenwald-Forschung steht erst am Anfang und kein Verantwortlicher für den Kahlschlag im Koboldland wird mit dem Schrecken davonkommen.

Bei der sogenannten Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit, schreibt einer der Betroffenen mutig, "wurde bislang ein auffällig weiter Bogen um diese Affäre gemacht". Dabei sei, über 20 Jahre nach dem angeblichen Ende der DDR, längst Zeit für eine Zusammenfassung und Klarstellung gewesen. "Ich selbst, der ich zu dieser Sache auch heute nur anonym zu posten wage, gehöre zu diesen Kindern, denen der charismatisch positive gelbe Bummibär gestohlen wurde, um ihn durch einen unglaubwürdigen, undurchschaubaren Niemand mit einer verstörend deformierten Physiognomie zu ersetzen", offenbar der PPQ-Leser. Der Verlust schmerze ihn bis heute, und es gebe noch immer kein Verstehen.

Nicht nur dieser Schreiber ermutigt alle, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen, nicht Ruhe zu geben und nicht nachzulassen, bis das letzte Geheimnis um die Ränkespiele hinter der Mattscheibe gelüftet ist. "Es ist wie immer das Verdienst und das Vorrecht der Blogs, das Dunkel um solche ausgeblendeten Geschehnisse zu lichten, und einen ersten Schritt zu tun, die Verantwortlichen, die glaubten, nach all den Jahren seien sie aus dem Schneider, zumindest aufzuschrecken."

Dienstag, 25. September 2012

Test: Butterbraun und Strandtoast

Die angesehene Stiftung Warentest hat 26 Sonnenstudiobesucherinnen und zwei Sonnenstudiobesucher auf ihre Qualität geprüft. Fast alle Testpersonen schnitten mit "gut" ab. PPQ.so zeigt die Testsieger der einzelnen Kategorien.

Beim Strandtoast ragt laut Warentest ein Produkt heraus: Julia, 17 Jahre alt und Stammkundin im „TanTen“. Aussehen, Geruch, Mundgefühl und Geschmack - in allen diesen Punkten konnte die angehende Verkaufsfachfrau überzeugen. Allerdings ist sie mit 49 Euro für die zweiwöchentliche Nagelpflege und 89 Euro für den Coiffeur im Monat recht anspruchsvoll bepreist.

Die Siegerin in der Butterbraun-Klasse heißt Sandy, kommt aus Mecklenburg und benutzt aller zwei Tage das Studio „City Sun&Tan“. Sandy überzeugt mit schokoladenbrauner Haut ohne Trockenfalten. Die 22-Jährige ist nahtlos durchgefärbt und dennoch deutlich günstiger als Testsieger Julia. Die Nagelpflege schlägt mit 29 Euro zu Buche, das Nachbräunen mit 14 Euro wöchentlich, beim Friseur kommt die Azubine mit 65 Euro aus. Dafür gab es von Warentest die Gesamtnote "Gut" (1,7).

Auf Rang eins bei den Männern landete Harry, 19-jähriger Kfz-Mechatroniker-Azubi. Harry ist gleichzeitig Testsieger unter den Doppelbräunern, die neben der Studiosonne auch noch Freibräunen gehen. Der Freizeitsportler (Curling) glaubt, dass die Mischung seiner Haut einen einzigartigen Tonus verleiht. Allerdings werde sie dadurch auch fettreicher. Auch Harry freut sich über die Gesamtnote "gut".

Die ausführlichen Ergebnisse zum Test finden Sie auf www.test.de und in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "test".

Tatort Märchenwald: Die Verbannung des Bummi

Er war einer der ersten, die nach dem 2. Weltkrieg ein neues Zuhause im Märchenwald fanden. Der Bär Bummi, ein brummiger, sandgelber Kerl, leistete dem Meister Nadelöhr Gesellschaft, der die fröhlichen Kinder der Arbeiter und Bauern der sozialistischen DDR ab Ende der 50er Jahre immer Sonntagsnachmittag „Zu Besuch im Märchenland“ empfing. Erst der liebenswerte Plüschteddy mit dem großen Herzen bereitete das Feld für Schnattchen und Pittiplatsch, der 1962, kurz nach dem Mauerbau, in einem offensichtlichen Westpaket in die Schneiderstube kam, um systemerhaltende Streiche zu spielen und Rock-Roller-Sprüche wie "Ach, du meine Nase" und das später durch PPQ weltweit bekanntgewordene "Platsch-Quatsch!" in die Kamera zu sagen.

Dennoch war es nicht der Kobold, den der Bannstrahl traf. Pittiplatsch, bis heute Namensgeber eines der elaboriertesten Internetblogs, wurde nach Protesten von sozialistischen Pädagogen zwar für einige Zeit vom Sender genommen und hinter den Kulissen auf zahm umerzogen. Heiligabend 1962 durfte der runde schwarze Fex wieder Possen reißen und Schnatterinchen ärgern - nur wenige erkannten, dass der, der da wieder Faxen machte, ein gebrochener Mann war, ein Schatten seiner selbst. Ihm zur Seite gestellt worden waren nun die Kobolde Nickeneck, Drehrumbum der Runde und Wuschel, drei Figuren von großer Undurchsichtigkeit. Waren sie Spitzel, die auf ihn angesetzt wurden? Waren sie seine Betreuer, weil den Machthabern der labile Zustand Pittis nicht entgangen war und sie einen öffentlichkeitswirksamen Ausfall des Stars fürchteten?

Oder hatte Pitti selbst bei der Stasi unterschrieben? Entsprechende Gerüchte machten früh die Runde, konnten aber nie belegt werden. Doch der Ablauf der weiteren Ereignisse im Märchenwald spricht eine deutliche Sprache: So lange der gebürtige Wenigeröder Eckart Friedrichson, der in der Rolle seines Lebens den Nadelöhr gab, seine schützende Hand über die Märchenwäldler hielt, ging alles gut. Fröhlich sang er mit seiner großen Zauber-Elle, die als Ersatz für eine Gitarre diente, das Lied „Ich komme aus dem Märchenland“, kein leiser Hauch von kaltem Krieg wehte durch Studio.

Doch hinter den Kulissen, so behaupten Eingeweihte, schraubten die Realpolitiker längst an einer völligen Neuorientierung der kindlichen Sendung, der sie vorwarfen, zu wenig auf Klassenkampf zu setzen, die Völkerfreundschaft zu vernachlässigen und Anarchisten wie Pittiplatsch zu viel Raum zugeben. Mit Herrn Fuchs wurde von den maßgeblichen Kreisen in Pankow und Moskau ein typischer Vertreter des auf dem Boden der DDR endgültig geschlagenen Kleinbürgertums in die Wald-WG aufgenommen. Fuchs sollte als Zielscheibe für böse Späße Adenauer ersetzen. Der Hund Moppi kam als typischer Vertreter des Proletariats hinzu – er redete nicht viel, aber Blödsinn. Zeigte aber stets deutlich, dass er bereit war, die Sache der Arbeiter mit aller Kraft zu verteidigen. Gute Voraussetzungen für eine große Karriere nicht nur im Showgeschäft.

Dann kam der Tag, an dem Bummi-Bär starb. Ein Rollkommando aus Wünsdorf fuhr unangekündigt vor den Märchenwald-Studios in Babelsberg vor. Augenzeugen erinnern sich an sieben bis neun Männer in Uniformen der sowjetischen Fallschirmjägertruppe, eine Eliteeinheit, die für den KGB besonders knifflige Aufgaben erledigte. Während zwei Mann die Eingänge sicherten, so ein Zeitzeuge, seien die anderen in die Aufenthaltsräume der Darsteller gestürmt. „Dort wurde Bummi knallhart gepackt und rausgeschleift“, erinnert sich der Mann, der bis heute unter traumatischen Träumen wegen des Vorfalls leidet. Der in einem Lied besungene („Bummi, Bummi“, oben) Star wurde stellvertretend abgestraft, vermuten Forscher heute, wo Stasiakten, die PPQ vorliegen, zumindest die halbe Wahrheit verraten.

Es soll eine Intervention von ganz oben, sprich aus Moskau gewesen sein, die zu dieser Aktion führte. Bummi verschwand spurlos. Eckhard Friedrichson verkraftete es nicht. Das Herz. Meister Nadelöhr, seit seiner Kindheit an Diabetis erkrankt, starb völlig unerwartet, für eine ganze Generation endete mit diesen beiden Verlusten die Kindheit. Das Ende der DDR, es deutete sich bereits an. Im Herbst danach folgte die Biermann-Ausbürgerung, später gingen auch Manfred Krug und Nina Hagen in den Westen, um nicht ebenfalls wie Bummi in die Sowjetunion verschleppt zu werden.

Den Feinden des Friedens im Märchenwald aber kam das nur recht. Hintergrund der Disziplinierungsaktion gegen Bummi, so wurde es später bei einer geheimen Parteiversammlung mitgeteilt, seien Hinweise darauf gewesen, dass der altgediente Bär mit seiner Rolle als Sidekick der dominanten Schnattchen und Pitti nicht mehr zufrieden gewesen sein. Bummi sei in Kreise geraten, die der DDR nicht wohlgesonnen gewesen seien, der Verdacht der Spionage und des Dissidententums habe im Raum gestanden, heißt es in den Stasi-Unterlagen, die von Mielke selbst gegengezeichnet wurden.

Gemeinsam mit der Stasi-Kinderabteilung entwarf der KGB den Plan, Bummi „zu seiner eigenen Sicherheit“ nach Moskau zu bringen. Offiziell wurde dann über den Sender erklärt, der beliebte Bär sei auf Reisen im sozialistische Ausland, um Freundschaft mit Bären aus aller Welt zu schließen. Die Lücke im Märchenwald schloß sein bärbeißiger sowjetischer Vetter Mischka, ein hochrangiger KGB-Offizier mit Einzelkämpferausbildung, der bis zum Ende der DDR tatsächlich mit Drohungen und zuweilen auch blanker Gewalt für stabile Verhältnisse im Märchenland sorgte. Gemeinsam mit Pittiplatsch und Schnatterinchen trat der alptraumhafte, dunkelhaarige Bär, der nach dem Chef der DDR-Auslandsaufklärung Mischa Wolf benannt worden war, auch in hunderten Ausgaben des Abendgrußes „Unser Sandmännchen“ auf. Noch laufen wissenschaftliche Untersuchungen, um zu ermitteln, welche Langzeitschäden die dauernde Konfrontation mit dem wortkargen Russen bei den Kindern verursacht hat.

Bummi hingegen, für viele ahnungslose DDR-Kinder immer noch ein Idol, wurde allenfalls zu hohen staatlichen Feiertagen aus seinem Moskauer Exil zugeschaltet. Er sagte dann ein paar Worte, Kenner spürten, dass er zuvor unter Drogen gesetzt worden war. Nach dem Mauerfall gab es einige hilflose Versuche des talentierten Plüschriesen, in sein altes Metier zurückzukehren. Keiner glückte. Heute lebt Bummi, immer noch schwer bewacht, inzwischen aber auch leicht umnachtet, in einem Heim für verdienstvolle Kulturschaffende der Sowjetunion in Wladiwostok. Interviewbitten von PPQ wurden von der Heimleitung ohne Begründung abgelehnt.

Montag, 24. September 2012

Wer hat es gesagt?

"Es ist mir aufgefallen, dass in einem demokratischen Land, in dem Pressefreiheit herrscht, eine gewisse Gleichschaltung der Meinung im Vordergrund steht."

Mach Dich nackt, ich bin es schon

Facebook. Fremdes, rätselhaftes Land, angefüllt mit fremden, rätselhaften Menschen. Hauptsächlich, das weiß jeder, der hier mit einem Restgehalt an Verstand spazierengeht, beschäftigen sich die Deutschen im selbsternannten sozialen Netzwerk damit, einander „Anfragen in Geburtstagskalender“ zuzusenden.

Geburtstagskalender. Dabei handelt es sich um ein kleines Programm, das genau tut, was sein Name verspricht: Es merkt sich Geburtstage und erinnert seine eingetragenen Nutzer daran, sie nicht zu vergessen. Also etwa eine Funktion, die jedes Handy, jedes Mailpostfach und jeder Outlook-Clone kostenlos und gebührenfrei erledigt.

Doch das ist zu einfach. Zu unsozial. Während breite Politikerkreise nimmermüd davor warnen, Google wissen zu lassen, dass man gerade eine Angelroute, ein Zelt und ein paar Wanderschuhe gekauft hat, weil der Verdacht besteht, dass die Firma aus Kalifornien dann sofort Einbrecher schickt, die den Umstand ausnutzen, dass der Haus drei Wochen zum Wanderangeln in der Mongolei weilt, geht der Trand bei Facebook zur Offenbarung der Gesamtperson per Geburtstagskalender.

Wer mitmacht, willigt ein, dass seine virtuellen Freunde, aber auch die Entwickler des „Geburtstagskalender“, die bei einem Drittanbieter arbeiten, alle seine bei Facebook abgelegten Daten und Kontakte sehen können. Und mehr noch: Der Geburtstagskalender darf auch noch in ihrem Namen auf Facebook posten und E-Mails schreiben.

Begierig genehmigen täglich Tausende der Software Zugriff auf ihren Namen, ihr Profilbild, ihr Geschlecht, ihre Netzwerke, ihre Nutzer-ID, auf alle Namen aus ihrer Freundesliste, auf alle Geburtstage, auf den Namen von Heimat- und Geburtsort, auf den Wohnort, die Namen der Familienmitglieder und den Beziehungsstatus. Und ganz nebenbei genehmigen sie damit auch, dass die Kalender-App ihnen Mails schicken, in ihrem Namen auf Facebook Statusmeldungen, Notizen, Pinnwandeinträge, Fotos und Videos posten darf und ihre Daten sogar benutzen kann, wenn sie selbst den Geburtstagskalender nicht benutzen.

Der Geburtstagskalender ist eine Spionagesoftware, wie sie, wäre sie in der DDR veröffentlicht worden, längst verboten wäre. Im neuen Deutschland hingegen ist sie unglaublich erfolgreich. Alle machen freiwillig mit. Mach dich nackt, ich bin es schon!, rufen sie aus den Facebook-Kulissen, die wunderlichen Gestalten, die früher auf jedes Gewinnspiel reingefallen sind und heute jede Abofalle mitnehmen. Und der Staat, der mit Verboten schützt und umsorgt, was noch nicht selber denken kann, schweigt.

Noch nie hat auch nur ein Datenschützer einen Satz zum Geburtstagskalender gesagt. Und ob das LKA Sachsen- Anhalt auf seiner ersten Internet-Warn-DVD ein Mittel gegen die Seuche empfiehlt, ist auch unklar.

Sonntag, 23. September 2012

Innovative Geschäftsideen: Prangern statt googeln

Aufgehoben ist nicht aufgeschoben! Ein neues großes Webportals, von dem Insider seit Monaten wispern, sollte in diesen bewegten Tagen starten, muss aber leider weiter warten. Die Geschichte dieses Scheiterns der Idee einer einfallsreichen gemischten Mädchengruppe aus Mitteldeutschland (oben) ist ein Lehrstück, eine Geschichte, die davon erzählt, wie ein überreguliertes, von Amtsgerichten regiertes und in Paragrafen eingepferchtes Land unternehmerische Initiative und gesellschaftliche Innovation ausbremst und erstickt. Dabei war die Idee so simpel: Eine Datenbank sollte, ganz im Sinne des vielbeschworenen Web 2.0, von ihren Nutzern gefüllt werden - nicht mit schnöden Waren wie bei Ebay und nicht mit komischen Kommmentaren wie bei Spiegel.de.

Nein, pranger.de war angetreten, den Druck aus den Köpfen vieler Enttäuschter, Verlassener und Betrogener zu nehmen. Als soziales Überdruck-Ventil wollte die von einigen kunstsinnigen Enthusiasten mit Prekariatserfahrung konzipierte Seite außerhalb der geschlossenen Anstalten Möglichkeiten schaffen, Frust konstruktiv und fröhlich abzulassen und Ärger über Ex-Freundinnen und E-Freunde, säumige Rechnungszahler und pfuschende Handwerker, verlogene Politiker und unpünktliche Lokführer gepflegt und mit einem rufschädigendem Augenzwinkern zu artikulieren.

Der erste Beitrag stand schon fest: Einer der Initiatoren plante, einer früheren Verflossenen unter der Überschrift "Meine Ex, die alte Schlampe" noch einmal ein gemeinsam angefertigtes recht pikantes Video zeigen. Auch weitere interessante Beiträge nahezu fertig erstellt: Ein Mann, dessen Auto bei einem Verkehrsunfall einen Kratzer abbekommen hatte, wollte dem Unfallgegner ein außergerichtliches "Arschloch" nachrufen, eine Frau, der bei Ebay gefälschtes Parfüm angedreht worden war, die Welt vor dem gewissenlosen Verkäufer warnen.

Doch nun, mitten in der heißen Phase, stellt sich heraus, dass pranger.de bereits belegt ist. Und auch rufmord.de die nicht minder aussagestarke Alternative, wird bereits benutzt. Von der Vereinigung der Unternehmerverbände im Aachener Industriegebiet, die sich offenbar in einer Nebenrolle als Domaingrabber gefällt. Und damit echte Initiative von unten ausbremst. Die Warnungen kleingeistiger Rechtsexperten vor möglichen rechtlichen Konsequenzen, die eine als Beleidigungs- und Beschimpfungsportal angelegte innovative neue Seite in einem restlos überregulierten Staat wie Deutschland hätte haben können, haben die Initiatoren noch verlacht. Das aber tötet jedes Geschäftsmodell. Schade drum, denn potentiell war "prangern" schon ein Wort wie "Googeln". So aber geht eine große Idee aus der Welt, ohne sie besser gemacht zu haben. Und die Chinesen bauen das dann wieder nach. www.rufmord.asia ist noch frei.

Die große PPQ-Reihe Innovative Geschäftsideen zum Mitmachen



Solifeuer für die Sturmabteilung

So lange nicht gesehen - und doch gleich wiedererkannt. Als der Hallesche FC und der FC Hansa Rostock sich zum letzten Mal gegenüberstanden, lebte die DDR noch, Helmut Kohl war der Einiger Deutschlands und Sahra Wagenknecht hatte gerade ihren ersten Parteibeitrag bezahlt. 21 Jahre dauerte es, bis die beiden Traditionsklubs aus dem Osten sich wieder über den Weg laufen konnten. Hansa hat zwischendrin einen Höhenflug bis in die erste Bundesliga hinter sich gebracht. Der HFC hat sich aus dem Tabellenkeller der 5. Liga wieder nach oben gearbeitet.

Man trifft sich nun also zwar an der Küste, aber in der Mitte: Hansa ist einer der Aufstiegskandidaten in der 3. Liga, der HFC als Aufsteiger aus Liga 4 zehrt nach einem Traumstart in die neue Spielklasse noch vom Bonus der Überraschungsmannschaft.

Die aber ist heute zu Hause geblieben. Nach einer ausgeglichenen Startphase, die auf einen verspäteten Beginn folgt, weil der Fanzug der Hallenser wegen einer ruppigen Auseinandersetzung auf dem berühmten Bahnhof von Bad Kleinen verzögert in Rostock eintrifft, übernimmt Hansa entschlossen die Regie der Partie. Halle, diesmal wieder mit Mouaya neben dem zuletzt zwangsverstammspielerten Philipp Zeiger in der Innenverteidigung, hält auf bewährte Art handfest dagegen. Hinten sicher, vorn harmlos.

Aber nur zehn Minuten lang. Dann ist der Rostocker Tscheche Smetana da - nach einer Ecke köpft er unhaltbar für Torwart Darko Horvat ein.

Das ist schon in der vergangenen Saison die ungünstigste Position überhaupt gewesen, in die der HFC geraten kann. So lange es 0:0 steht, lebt bei den Rot-Weißen, die im Ostseestadion in Grün auflaufen, immer die Hoffnung, dass sich vorn durchaus auch mal unangekündigt irgendein Ball eines Mittelfeld- oder Abwehrspielers ins gegnerische Netz verirren kann. Liegt die Mannschaft von Trainer Sven Köhler aber erst einmal hinten, ist der Traum vom Punktgewinn auch schon aus: An guten Tagen gehen die Spiele dann 0:1 verloren, an schlechten 0:2.

So kommt es auch in Rostock. Die 12.200 Zuschauer, darunter mehr als 800 aus Halle, sehen weiter eine Heimmannschaft, die das Heft in der Hand hält. Und einen Gast, der gewillt scheint, den in der gemeinsamen Geschichte bereits verlorenen 23 Partien gegen die einst aus dem erzgebirgischen Lauter an die sozialistische Ostseeküste verbannten Gegner die 24. folgen zu lassen.

In der 32. Minute ist es wieder Smetana, der für das 2:0 sorgt - justament zu diesem Zeitpunkt sind die letzten halleschen Fans endlich auch im Stadion angekommen. Vielleicht aus Sorge darüber, dass angesichts des Spielstandes gar nichts mehr passieren könnte, zünden einige Hobbyfeuerwerker direkt nach der Pause Bengalos und Böller. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Art schräge Solidaritätsgeste für die auch mit der Hereinnahme von Vorjahres-Sturmstar Andis Shala als Nebenmann für den seit zehn Spielen torlosen Nils Pichinot notorisch absente HFC-Offensive. Wenn der Verein wieder ein paar tausend Euro für eine vom DFB verhängte Strafe ausgeben muss, so die Spekulation, bleibt vielleicht wirklich kein Geld, um im Winter noch einen wie diesen Smetana zu holen, der nicht nur groß ist und herumläuft, sondern eben auch mal trifft. Der HFC könnte dann die erste Mannschaft weltweit werden, die eine ganze Saison ohne Stürmertor absolviert hat.

Das Spiel wird wegen der Feuerwerkerei wie inzwischen üblich wichtigtuerisch für Minuten unterbrochen. Danach ist Halle zumindest optisch besser dabei, außer einigen Fast-Gelegenheiten für Pichinot, der wie bisher immer denkbar knapp verpasst, und Hartmann, der nach einer Ecke neben den Pfosten köpft, kommt aber nichts Bedeutsames zustande. Hansa, vor vier Wochen noch eine Kellermannschaft im Vergleich zum HFC, muss sich in keiner Phase zum Erfolg zittern. Der HFC aber verliert nach zwei unglücklichen Heimpartien und zwei Punkten aus einem sicher geglaubten Sieg am letzten Spieltag nun auch sein erstes Auswärtsspiel in der 3. Liga. Während Hansa feiert, ziehen die Grünen mit gesenkten Köpfen ab. Es hat wie immer am Selben gelegen. Jeder da unten und jeder oben bei den HFC-Fans weiß es. Und niemand kann etwas dagegen tun.

Samstag, 22. September 2012

Fernsehen gibt Selbstvertrauen

Fernsehen gibt Selbstvertrauen. Wenn man sieht, wie dumm die Leute im Fernsehen normalerweise sind, fühlt man sich richtig klug.

Im tiefen Tal der Toleranz


Es ist soweit. Nun flieht nicht mehr nur das Geld die deutschen Lande, es fliehen auch Logik, Vernunft und die Fähigkeit, die Realität zu sehen, wie sie ist. Fähigkeiten, über die inzwischen nur noch Journalisten zu verfügen scheinen, die in der Schweiz tätig sind. Dort zumindest ist es möglich, dass die die Deutschland nur zu einem kollektiven Aufschrei wider verantwortungslose Filmemacher, selbsternannte Künstler und sonstige Sudler führend Ermordung westlicher Diplomaten in moslemischen Ländern zu einer kalten, klaren Analyse führt, wie sie in der Basler Zeitung im Text "Die künstlichen Wutanfälle" zu lesen ist. Nein, nicht der Produzent eines Billigfilmes über einen mutmaßlichen "Mohammed" und auch nicht ein Videoportal, das diesen verbreitet sind verantwortlich für einen Ausbruch an steinzeitlicher Gewalt gegen Menschen und Dinge. Sondern ein von westlicher Toleranz gezüchtetes Übermaß an Intoleranz gegenüber Anders- oder gar Nichtglaubenden, das vom milden Blick des mitfühlenden Abendlandes über Jahre verklärt wurde zu einer "Kultur", die eben noch vor der Reformation stehe.

Es ist eine jähzornige, nur auf sich selbst fixierte Kultur, die aus der Ferne betrachtet einzig und allein aus ihrer Bereitschaft besteht, sich selbst verletzt zu fühlen. Das aber führt sie bei jeder Gelegenheit vor wie ein trotziges Kind, das seine Suppe aus lauter Hunger lieber verschüttet als zuzugeben, dass es nicht mit dem Löffel essen gelernt hat.

Eine Strategie, die beim wohlmeinenden Westen ausgezeichnet verfängt. Ob es Karikaturen eines "Propheten" sind, Bilder eines Allah oder amateurhafte Schauspielereien aus der Jugend eines "Mohammed" - sobald ein verschwindend kleiner Teil des moslemischen Welt seine eingebildeten Wunden zeigt, sind Deutsche, Franzosen und Amerikaner bereit, Abstriche von grundlegenden Prinzipien wie Meinungsfreiheit oder Kunstfreiheit zu machen. Journalisten in Deutschland, in ihrem eigenen Selbstverständnis eine Speerspitze der Freiheit, stehen schlagartig der Einführung von Denk- und Sprechverboten Spalier, sie bejubeln "Maßnahmen" zur Unterdrückung von Kritik an Religionen, sie applaudieren Politikern, die nach mittelalterlichen Gesetzen verlangen, um bestimmte Götzenbilder unter Schutz zu stellen.

Das Ziel ist der Weg, denn von Mal zu Mal schrumpft der Respekt, den eine auf vorzeitlichen Vorstellungen von Ehre und Ansehen beruhende Kultur vor einer konkurrierenden Weltanschauung haben kann, die sich selbst wie im Affekt in den Staub wirft, sobald man ihr vorhält, sie habe "religiöse Gefühle" verletzt und zur Untermalung des Vorwurfs ein paar Fahnen anzündet. Im tiefen Tal der Toleranz ist die schreibende Zunft stolz darauf, von ihren eigenen Werten abzurücken, wenn es gilt, Rücksicht im Umgang mit einem vorsintflutlichen Weltbild zu üben, das, stände es im Parteiprogramm der NPD, zu einem sofortigen Verbot der Partei führen würde.

Die Verteidiger des Glaubens, der nach eigener Aussage keinen anderen neben sich gelten lassen kann, bekommen Unterstützung von den Verteidigern des Glaubens daran, dass die Freiheit jedes Einzelnen so weit reicht, wie sie nicht die Freiheit eines anderen beeinträchtigt. Beeinträchtigt der "Mohammed-Film" (dpa) die Freiheit eines Moslems? Wird irgendein Gläubiger gezwungen, sich den Film anzusehen? Ist die vorgebliche Beleidigung aus der Welt, wenn der Film nicht öffentlich gezeigt wird? Wo er doch weiter existiert?

Die Basler Zeitung sieht in der Auseinandersetzung um den Film ein Zeichen dafür, wie die Intoleranz im Namen der Toleranz Raum erobert, Maßstäbe setzt und das zulässige Meinungsspektrum einengt. Eine Ansicht, die so zutreffend ist, dass sie sich in keiner deutschen Zeitung findet.Aus hiesiger Sicht sind die tödlichen "Proteste" gegen den zivilisatorischen Fortschritt nach den "Freitagsgebeten" so etwas wie Montagsdemos mit Moscheegeruch. Man muss sie respektieren, dann muss man sich auch nicht wundern, dass man selbst nicht respektiert wird.

Freitag, 21. September 2012

Doku Deutschland: Gesprächskreis Projektverhinderung

Im Gedenken an den Wachtelkönig, der die orthodoxe Bauweise der Bundesautobahn 26 verhinderte und dafür Lärmschutzwände, Flüsterasphalt und Tempolimit brachte. Im Gedenken an den Feldhamster, der ein Zwei-Milliarden-Kraftwerk-Projekt von RWE ins Wanken brachte, lange bevor es eine Energiewende gab. Und in Erinnerung an die Kleine Hufeisennase, die durch den Bau der Dresdner Waldschlösschen-Brücke ausgerottet wurde. Ein Text aus dem kuscheligen Jahr 2007, als die Welt noch in Ordnung war, weil Deutschland keinerlei Probleme hatte, und sich so ausgiebig um die Welt der Insekten, Vögel, Fledermäuse und Käfer kümmern konnte.

Seitdem ist vieles anders geworden, Finanzprobleme haben die drängenden Sorgen der Kleintierwelt aus den Schlagzeilen verdrängt. Immer mehr Touristen drängen nach Dresden, den Todesort der Hufeisennase - 319.196 kamen, als die Stadt noch Unesco-Welterbe war, 355.362 strömten herbei, als sie den Status verloren hatte.

Ein Gedächtnisgespräch:

Ralle: Beim Steppensumpfhuhn, wenn das keine Feier wert ist!

Hufi: Ach, nicht der Rede wert!

Ralle: Quatsch nicht, Alter! Ganz großes Tennis! Ne Brücke, und auch
noch im Alleinflug.

Kricker: Und das Medienecho!

(Gelächter)

Juchti: Sind die Dresdner ganz schön aus dem Echo-Lot!

(Gelächter)

Ralle: Sind so deprimiert, dass sie sich total hängen lassen!

(Gelächter)

Hufi: Nichts gegen deine DaimlerChrysler-Aktion, 2001: "Anlagen-Bau
für Transporter gestoppt". Ein Klassiker.

Kricker: Hat der Schrempp gestaunt wie ein Auto.

(Gelächter)

Ralle: Sind die gar nicht drauf abgefahren.

(Gelächter)

Juchti: Oder die BMW-Ansiedlung in Leipzig: voll ausgebremst.

Hufi: Haben die BMW beinahe umbenannt: Baun mer woanders.

(Gelächter)

Ralle: Aber die Frankreich-Sache, 99: auch nicht schlecht.

Hufi: Haben sogar die Bauern protestiert, weil die Flurbereinigung
gestoppt wurde.

Kricker: Haben die sich richtig vom Acker gemacht.

(Gelächter)

Juchti: Mit Zornes-Furchen im Gesicht.

(Gelächter)

Ralle: Quasi ohne Umfeld.

(Gelächter)

Hufi: Na, wir sehn uns in Dresden.

Ralle: Machen frei, nehmen 'nen Brückentag.

(Gelächter)

Juchti: Machen einen auf Uno.

Ralle: Bauen? Uno momento!

(Gelächter)

Hufi: Bis denne, bleibt sauber, Leute! Und denkt an 2010: Stuttgarter Bahnhof!

(Gelächter)



Doku Deutschland:
Grass endlich geehrt
Beim letzten deutschen Autofahrer
mehr Doku: Bekenntnisse eines Blitzkriegers
Wahrheit ist flexibel
Ein Land aus Pfand
Sorgen auf der Sonnenbank
Rock an der Rütlischule
Schwimmen mit Sirenen
Hausbuchführer im Widerstand
Ich dagegen bin dafür
Der Marcellator der Herzen
Die Stimme des Bauchtrainers
Am Tresen verhaftet


Solidarpakt löscht Schulden

Der deutsche Sachverständigenrat für Wirtschaft hat einen Plan ausgearbeitet, der den Konflikt um die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland lösen könnte. Der Sachverständigenrat sieht dabei jedoch nicht die weitere Erhöhung von Steuern vor, sondern einen Schuldentilgungspakt.

Mit dem Modell werden die Schulden der ärmeren Bevölkerungsschichten im Volumen und von der Höhe nur begrenzt vergemeinschaftet. Auch würden bestimmte juristische Probleme, die bei der von PDS-Chefin Katja Knipping vorgeschlagenen Totalbesteuerung großer Einkommen und Vermögen entstehen, mit dem Modell weniger schwierig zu lösen sein.

Im Detail geht es bei dem Konzept um die Auslagerung der Verbildlichkeiten der verschuldeten Bevölkerungsgruppen in einen Tilgungsfonds. Dabei darf aber lediglich der Teil der Schulden in den Fonds verschoben werden, der die von der OECD festgelegte durchschnittliche Wohlstandsgrenze von 50 Prozent des Meridianeinkommens übersteigt. Das würde derzeit einem Volumen von rund 2,3 Billionen Euro entsprechen.

Die Haftung für den Tilgungsfonds übernehmen dann alle Bürgerinnen und Bürger solidarisch gemeinsam. Die Schulden derjenigen, die auf Raten gekauft oder zu teuer gebaut haben, werden von den Schuldnern langfristig in rund 25 Jahren getilgt werden. Nur wenn das nicht gelingt, steht die Solidargemeinschaft der Inhaber von Vermögen aller Art und der Bezieher von Einkommen, die über der Armutsgrenze liegen, für die Betroffenen ein.

Der Sachverständigenrat weist aber auch bei diesem Modell auf die Bedeutung der „strikten Ausgabendisziplin“ hin und knüpft dessen Einführung an mehrere Bedingungen. Unter anderem müssen Schuldner, die dem Pakt beitreten, versprechen, nicht mehr mehr Schulden zu machen als sie ohnehin nicht zurückzahlen können. Außerdem wird eine Strategie gefordert die verhindert, dass die Schuldenquote langfristig nicht wieder über 60 Prozent steigt. Wie diese aussehen könnte, ist noch unklar.

Tilgt ein Schuldner seinen Anteil nicht vereinbarungsgemäß, darf er keine weiteren Schulden mehr in den Tilgungsfonds übertragen. Zur Sicherheit muss er zudem vorher einen Teil seiner noch vorhandenen Vermögenswerte verpfänden, besitzt er keine, springt ein aus Soli-Zahlungen anderer Mitglieder gespeister Sammelfonds ein.

Nachteil des Modells sei es, dass finanziell stärkere Bürgerinnen und Bürger plötzlich weniger Geld hätten, wirtschaftlich schwächere dagegen mehr. Dadurch könnten viele Mitbürger, die jetzt noch gut situiert seien, auf die Schuldnerseite rutschen, wodurch die durch die verbleibenden Vermögenden zu leistenden Zahlungen immer höher würden. Gut sei aber, dass die Steuerzahler mit den höchsten Vermögen ganz am Ende die Zeche für alle würden zahlen müssen, wenn es zu einem Zahlungsausfall aller anderen kommt.

Bei SPD und Grünen stößt das Modell der Wirtschaftsexperten auf große Zustimmung. Sie wollen ihr „Okay“ zum Fiskalpakt von der Einführung dieses Modells abhängig machen. „Der Schuldentilgungspakt verbindet intelligent die Vorteile niedriger Zinsen mit Abbau von Schulden. Die gemeinsame Haftung wäre in der Höhe und zeitlich begrenzt“, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jürgen Trittin. 25 Jahre seien vor allem für viele Jüngere überschaubar.

Donnerstag, 20. September 2012

Ochs und Esel in seinem Lauf

Der Euro wird überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen.

Aktion Noteingang baut Angebotspalette aus

Sie kommen meistens nachts, sie schlagen brutal zu, sie rauben, stehlen und im Ernstfall morden sie sogar. Gert Kastemann hatte noch Glück: „Ich stieg aus dem Auto, rief meine Freundin an, um ihr zu sagen, dass ich gleich da bin, da kamen sie.“ Drei junge Männer bauten sich vor den 42-Jährigen auf und einer forderte ultimativ die Herausgabe von dessen Handy. „Sonst könnte ich was erleben.“ Kastemann, ein durchtrainierter Bauarbeiter, überlegte nur kurz. „Bei solchen Typen weiß man nie, ob die bei Gegenwehr nicht gleich ein Messer zücken.“ Kastemann gehorchte und gab sein geliebtes iPhone heraus. was ihm wenig nützte: Blitzschnell schlug einer der Täter zu, das Opfer fiel, die drei jungen Männer traten dann noch auf ihn ein, bis er bewusstlos wurde. „Erst dann sind sie abgehauen.“

Ein Verbrechensmuster, das Hauptkommissar Willfried Hartmann von der Wache Mitte der Polizeidirektion in Merseburg zur Genüge kennt, denn es ist das typische einer neuen Art von Straßenverbrechen, das sich mehr und mehr breit macht. War Raub am hellichten Tage mitten in der Stadt in den weitgehend unbelebten Gebieten Ostdeutschlands noch vor einigen Jahren nahezu unbekannt, schwappt mit der immer weiteren Verbreitung von sogenannten Smartphones eine wahre Verbrechenswelle durch Städte wie Merseburg, Halle, Dresden, Leipzig und Schwerin. „Es gibt wieder etwas zu holen“, erklärt Hartmann mit Blick auf mobile Begleiter, die auf dem schwarzen Markt schon mal einen Verkaufswert von 300 bis 400 Euro erreichen können.

Entsprechend anziehend wirken Statussymbole wie das iPhone oder das Samsung Galaxy auf zumeist jugendliche Gewalttäter. „Vor der Smartphone-Ära“, sagt Hartmann, „war Straßenraub ein ungewisses Geschäft.“ Täter mussten ihre Opfer auf Verdacht überfallen und darauf hoffen, ein paar Euro aus deren Brieftaschen zu schütteln. „Mit Glück war noch ein MP3-Player und ein brauchbares Handymodell drin.“ Heute sähe das anders aus: „Die Opfer bieten sich durch ihr öffentliches Telefonieren mit bis zu 800 Euro teuren Smartphones geradezu als Opfer an.“

Die Zahlen geben Hartmann recht. Vier Millionen Handybesitzer wurden bereits einmal bestohlen, viele von ihnen durch brutale Räuber. Eine Gefahr, die allerdings erst seit drei, vier Jahren existiert und so noch nicht im politischen Raum angekommen ist. „Dort beschäftigt man sich immer noch am liebsten mit den Opfern rechter Gewalt“, sagt Hartmann. Das sei verständlich, handele es sich dabei doch um bundesweit bis zu 800 Opfer im Jahr. Während brutalen Handyräubern höchstens 15.000 Menschen im Jahr zum Opfer fielen.

Willfried Hartmann sieht eine verschwiegene, verdrängte Gefahr. „Bisher gibt es nicht einmal eine Statistik, die die Zahl der Raubüberfälle wegen teurer Smartphones erfasst“, sagt er. Da er und seine Kollegen von der Wache Mitte aber wissen, wie akut die Gefahr inzwischen ist, steuern sie mit einer privaten Initiative gegen: In ihrer Aktion „Noteingang für Handyraubopfer“ verteilen sie überall im Revier Aufkleber, mit denen Geschäftsinhaber, Kindergärten, Schulen und Behörden von brutalen Handyräubern bedrängten Verfolgten signalisieren können, dass sie bereit sind, Hilfe und Unterschlupf zu geben. „Die Aufkleber werden im Eingangsbereich angebracht um deutlich zu machen, dass das Personal rassistische Verhaltensweisen nicht duldet und gegebenenfalls potentielle Opfer schützen wird“, beschreibt Hartmann.

Inzwischen gibt es bundesweit Initiativen, die sich an der Aktion Noteingang beteiligen - unter anderem in Sachsen, Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen. Unterstützt werden sie teilweise von Politikern - die sächsische Aktion in Mittweida hat beispielsweise Wolfgang Thierse als Schirmherren gewinnen können.

Mittwoch, 19. September 2012

E-Mails, wie wir sie gern bekommen



Ihre Mailadresse wurde gelöscht, ihre Schuld am Elend nicht.

Fliesen in der Fremde: Rio de Janeiro

Dort, wo alles anfing, werden sie inzwischen abgeschlagen, zerstört und mit dem Bagger von den Wänden gerissen. Ihre Macher werden geächtet und verfolgt, nur des nachts können sie aus ihren geheimen Ateliers kommen und neue prächtige Fliesenkunstwerke an die Wände der grauen Innenstadt kleben. Niemand in Halle, der mitteldeutschen Kachelhauptstadt, hat je erkannt, welch riesiges Potential in der von einheimischen Fliesenkünstler Kachel Gott geplanten Komplettverfliesung der gesamten Innenstadt steckt, welche Touristenströme ein solches Projekt anlocken und welche Milliardenbeträge an Währungen aus der ganzen Welt ins Stadtsäckel fließen könnten.

Hoffnung auf ein Umdenken der Behörden kommt jetzt jedoch aus Brasilien, wo der chilenische Maler Jorge Selarón bereits vor Jahren begann, seine Version der halleschen Kachelkunst zu leben. Vor aller Augen und ungestört von kunstfeindlichen Eingriffen aus dem Rathaus von Rio de Janeiro ist es Selarón gelungen, im Stadtteil Santa Teresa eine ganze Treppe zum Kachelkunstwerk zu machen. Die mit tausenden bunter Kacheln – darunter auch einigen Exemplaren des halleschen Kachelmannes - verzierte „Escadaria Selarón“ ist das Lebenswerk des vielgereisten Keramikers, der mit der Arbeit an der Front seines Hauses begann, inzwischen aber den gesamten Bau verfliest hat.

Ganz am Anfang hätten ihn Nachbarn noch verspottet, weil er die Stufen in den Farben der brasilianischen Flagge gefliest hatte, erzählt der Kachel-Künstler. Später aber wurde sein großes Vorhaben von allen im Viertel unterstützt – Fremde brachten eigene Kacheln, kauften Gemälde und spendeten für neuen Fliesenkleber. Mittlerweise hat Selarón mit 2000 Fliesen aus 60 Ländern einen bunten Kachelkosmos geschaffen, der zeigt, wie die altehrwürdige Stadt Halle aussehen könnte, ließen die Behörden die engagierten jungen Kachelkünstler endlich ihre Arbeit tun.

Der Erfolg würde, auch das zeigt das brasilianische Beispiel, nicht lange auf sich warten lassen: Bei Jorge Selarón sind schon Werbespots für National Geographic Channel, American Express, Coca-Cola, Kellogg’s Corn Flakes, Time und Playboy gedreht worden, Videos von Snoop Dogg und U2 spielten hier und weltbekannte Reiseführer empfehlen einen Besuch an der Kacheltreppe als Touristenpflicht.

Weitere Ausstellungsstücke aus der öffentlichen Galerie des unbekannten Fliesenlegers in Halle finden Freunde der gehobenen Giebelgestaltung im offiziellen Kachelverzeichnis.

Eigene Funde können wie stets direkt an politplatschquatsch@gmail.com geleitet werden, jeder Fund wird von uns auf Wunsch mit einem mundnachgemalten Kunstdruck der inzwischen von Kachel-Gegnern vernichteten Ur-Fliese prämiert.

Poleaks: Anschwärzen wird einfacher

Wikileaks ist tot, Openleaks ebenso, das Landeskriminalamt in Baden-Württemberg aber lebt und bietet seinen Kunden ab sofort die Möglichkeit, über das Internet anonyme Hinweise an die Polizei zu schicken. Bürgerinnen und Bürger, die unliebsame Nachbarn, Kollegen oder auch den Scheidungspartner anzeigen wollen, erreichen das neue Poleaks-System über einen Link, der auf den Webseiten der Polizei, der Internet-Wache Maus-Police, des LKA und des Innenministeriums zu finden ist.

Poleaks, entwickelt von einem Neuererteam innerhalb der Polizei, sichert Anzeigeerstattern, Wistleblowern und Gerüchtestreuern volle Anonymität bei gleichzeitiger Garantie, dass Hinweisen auf Rechtsextremität, Kindesmissbrauch, Korruption, Wirtschaftskriminalität und Steuervergehen entschieden nachgegangen wird."Anschwärzen wird viel einfacher", lobten erste Tester den neuen Blockwart-Service. Niemand müsse mehr mit Konsequenzen rechnen, wenn er seinen Lehrer als Rassisten, seinen Nachbarn als Nazi oder die unfreundliche Verkäuferin bei Aldi als Schwarzarbeiterin melde.

Auch nach Ansicht des sozialdemokratischen Innenministers Reinhold Gall ist die neue Poleaks-Plattform ideal, um von jedermann jederzeit gegen jeden eingesetzt zu werden. Bislang sei es notwendig gewesen, bei der Erstattung von Anzeigen Name und Anschrift anzugeben, so dass sich jeder genau überlegen musste, ob er unbegründete Anschuldigungen vorbringt. Das werde künftig nicht mehr nötig sein, den Poleaks biete Anschwärzern amtliche Anonymität. Jetzt reichen vage Hinweise, die ohne Absender hinterlegt werden. Bei zu unklarer Quellenlage könne die Polizei über ein anonymes Postfach Details bei dem Informanten einfordern, sagte Gall.

Dienstag, 18. September 2012

Sätze für die Ewigkeit XX

Zwei Hinterbänkler beim Absackerbier nach einer Parteiversammlung:

Weißt Du, Sozialdemokratie beruht auf der Kunst, mit einem Schlitten einen Berg runterzufahren, den andere hinaufgezogen zu haben, und dabei zu glauben, dass man einen umweltfreundlichen und sozialverträglichen Antrieb in die Zukunft gefunden hat.

Mehr Sätze für die Ewigkeit

Innovative Geschäftsideen: Mittwochs zum Militanz

Die Konkurrenz schläft nicht, der Abzug nähert sich – und wie viele Konkurrenten auf dem hart umkämpften Markt der Erlebnisgastronomie reagiert auch „Talibar“-Gründer Kevin Schnitte auf die sich verschärfende Situation an Hindukusch und Heimatfront: „Ab Juni bitten wir jeden Mittwoch zum Militanz“, beschreibt der quicke Gründer aus dem ostdeutschen Ilfeld, der nach Jahren als Koch bei der Bundeswehr dank eines Beitrages aus der großen PPQ-Serie "Geschäftsideen, die wir selbst auch gern gehabt hätten" vom traumatisierten und perspektivlosen Wiedereingliederungskandidaten zum erfolgreichen Geschäftsmann mit schnell wachsender eigener Restaurantkette geworden war.

Ein gesellschaftlicher Rang, den sich Kevin Schnitte nie mehr nehmen lassen will. „Nachdem sich die erste Empörung über mein Geschäftskonzept gelegt hatte“, erinnert er sich, „musste ich neu nachdenken, wie ich die Gäste anlocke.“ Die Idee, sich durch ein kärgliches, ganz im Stil von Tora Bora gehaltenes Erdrestaurant mit niedrigen Decken und Tischen, einer Vielzahl von landestypischen afghanischen Angeboten und frech in Mudschaheddin-Kostümen auftretender Bedienung von anderen Anbietern abzuheben, drohte zu verschleißen: "Leibesvisitation am Eingang, Burkas für das Personal, Bilder vom Propheten und seinen Frauen an der Wand und auf dem Boden flauschige Teppiche, damit jeder, der mag, jederzeit zum Gebet niederknien kann" berichtet Schnitte, hätten schon nach einigen Monaten nicht mehr „gezogen“.

Die Banken, die sein einmaliges Konzept anfangs nicht hatten fördern wollen, schienen im nachhinein doch recht gehabt zu haben. Aber Schnitte, der in Kundus gelernt hat, um den Taliban den finalen Todesstoß zu versetzen, kämpfte. Seine „Talibars“ (Foto oben die Filiale auf Sylt) wurden aufwendig umdesignt, statt in blauen Ganzkörperzelten bedienen ausnehmend hübsche Kellnerinnen jetzt in sexy Minis, die aufwendig von Hand mit Koranversen bedruckt wurden. „Auf der Karte stehen jetzt bei uns auch Spezialitäten wie Granat-Apfelsaft.“

Bombenstimmung aber kommt beim Partyvolk vor allem auf, wenn es heißt „Militanz in der Talibar“. Dann spielen Bands auf, der Alkohol fließt in Strömen, die Schischas qualmen, es wird lauwarmer Tee gereicht und mit den Händen gegessen. "Als Aschenbecher dienen großkalibrige Granathülsen, alle Kellner tragen völlig echt wirkende AK47 und wild wuchernde Vollbärte."

Ein bisschen Feldlagerromantik für viele Bundeswehrsoldaten, ein Ausflug in eine völlig anderem, fremde Gastronomiewelt für die meisten, die Kabul nur aus der Tagesschau kennen. Kevin Schnitte, der in einem winzigen Dörfchen in Nordthüringen aufwuchs und sein Handwerk im 300 Jahre alten "Huthaus" auf 600 Meter Höhe erlernte, sieht sich selbst als Brückenbauer zwischen der urwüchsigen, unmittelbaren und nachhaltigen Lebensweise der Koranschüler und dem verzärtelten und oft verzettelt wirkenden Sitten des Abendlandes. "Wir verstehen sie nicht, sie verstehen uns nicht", sagt der Mann, der auf der Jagd nach neuen, radikalen Rezepten noch immer einmal im Monat nach Heiderabatt fährt, „umso mehr können wir voneinander lernen.“

Gerade die Engtanz-Runden beim Militanz zeigen jeden Mittwoch, wie gut das funktioniert: Unter den Schwarzlichtstrahlen der Sprengstoff-Detektoren singen Stars wie die Engländerin Natasha Bedingfield dann Hits wie „I'm a Bomb“. Und bei den Zeilen „Dressed to kill I'll be causing mass destruction, so shield your eyes, I'm all steamed up and ready to blow, pressure max, meter red overload to get release I gotta explode” singt der ganze Saal.

Mehr heiße Gründer-Stories von jungen Deutschen, die es geschafft haben, in der großen PPQ-Serie "Geschäftsideen, die wir auch gern gehabt hätten": Die Datenbank der innovativen Geschäftsideen

Montag, 17. September 2012

Wer hat es gesagt?

Leute wie der US-Notenbankchef Ben Bernanke und Präsident Barack Obama sind Akademiker und Clowns. Sie haben mit ihren Ausgabenprogrammen und der Niedrigzinspolitik die Kreditblase erst geschaffen. So sind die Politiker mitverantwortlich für die Krise. Und genau die präsentieren sich jetzt als Retter.

Verbot der Woche: Wer provoziert, verliert

Jetzt geht Innenminister Friedrich entschieden gegen die Provokateure vor, die veranlasst haben, dass die deutsche Botschaft im Sudan angegriffen wurde. Mit einem neuen Gesetz zum Allgemeinen Provokationsverbot (APV) nimmt der CSU-Mann alle ins Visier, die versuchen, andere aufzustacheln oder zu verleiten. Das Verbot ergehe im "Interesse an der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. "Wir sind ein Land, in dem die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist, aber auch Schranken kennt", hatte Kanzlerin Angela Merkel zuvor festgelegt.


Betroffen von den im Rahmen der PPQ-Aktion "Verbot der Woche" initiierten Maßnahmen sind neben unsäglichen Filmemachern, Schriftstellern oder Karikaturisten auch junge Mädchen und Frauen, die mit gürtelkurzen Röcken und den gerade in den letzten Monaten so beliebten "Hosen" Vergewaltiger zu ihren kriminellen Taten aufstacheln.

Kurze, sexuell aufreizende Bekleidung provoziere Männer zu Handlungen, für die sie selbst nicht verantwortlich gemacht werden könnten, hieß es im politischen Berlin. Die Täter bei den betreffenden Vorfällen seien Opfer derer, die sie zu ihren Taten aufstachelten. Wie der "Tagesspiegel" herausfinden konnte, müsse sich der Rechtsstaat gegen Demagogie in Reinkultur zur Wehr dürfen, wenn die dreist behaupte, Täter seien die, die Taten täten, und nicht die, die diese Taten durch ihr Tun oder Nichttun provozierten. Dabei seien zwar "grundlegende Rechtsgüter abzuwägen und ganz unmittelbare situative Gefahren einzubeziehen". Doch wenn es nicht anders gehe, müsse eben die Straße Provokateuren in den Arm fallen.

Dagegen richte sich das neue APV-Gesetz, das erstmalig Provokationen aller Art unter Strafe stelle und damit vorbeugend wirke. Überkurze Röcke, aber auch Kinder, die entsprechend veranlagte Männer zu illegalen sexuellen Handlungen provozieren könnten, seien künftig ebenso verboten wie Schiedsrichterentscheidungen in der Bundesliga, die bei Anhängern der benachteiligten Mannschaft zu Überreaktionen führen könnten, oder Witze, die Minderheiten zu unkontrollierten Reaktionen aufstacheln. Eine Liste der künftig verbotenen Anheizungen und Aufstachelungen soll ab Anfang Oktober in allen Polizeidienststellen aushängen. Über weiterhin zulässige Meinungsäußerungen und Ansichten informiert die stündlich aktualisierte Durchsage auf 115 (Ortsnetzgebühr).

Sonntag, 16. September 2012

Sätze für die Ewigkeit XIX

Zwei Jogger, die sich nach 20 Jahren zufällig beim Laufen wiedertreffen und sich schnell einig sind, wie es so läuft.

Halb so schnell und doppelt so kaputt.

Deutschland rettet die Welt

Prächtige Nachrichten aus Hamburg! Wie die „Zeit“ in einem instruktiven Beitrag zur Verbesserung der Welt feststellt, könnte Deutschland nicht nur Griechenland, Frankreich, Spanien, Italien und Portugal retten, sondern auch die Meere der Antarktis. Unbeeinträchtigt davon wäre die Fähigkeit des Landes, auskömmliche Renten für alle zu sichern, die Rentenbeiträge zu senken, den Energieausstieg zu meistern, den Mittelstandsbauch abzuschmelzen, die Tabaksteuer weiter zu erhöhen und den Afghanistan-Einsatz fortzuführen, „so lange das nötig ist“ (Friedrich).

Andere Regierungen der Welt hätten andere Probleme; die Antarktis scheine weit weg, analysiert das großformatige Magazin. Deshalb müsse Deutschland jetzt handeln: Als von Naturkatastrophen wie dem Klimawandel traditionell am härtesten getroffenen Nation der Erde sei die deutsche Regierung in einer hervorragenden Position, bei der Antarctic Ocean Alliance - einem Zusammenschluss aus 16 internationalen Umweltschutzorganisationen, darunter Deepwave, Greenpeace und dem WWF – Druck für die Umsetzung des Planes zu Erschaffung eines Netzwerkes aus 19 Meeresschutzgebieten zu machen. Das wären dann Zonen, in denen die Fischerei, das Baden, Kreuzfahrten und der Abbau von Ressourcen stark eingeschränkt oder verboten sind. „Wie ein Ring würde sich das Netzwerk um die antarktische Landmasse legen – und diesen einmaligen Lebensraum schützen, jetzt da er noch weitgehend intakt ist“, schwärmt die „Zeit“. Später könne der Ring nach und nach Richtung Äquator ausgedehnt werden.

Deutschland sei „strategisch durchaus in der Lage, ehrgeizig aufzutreten“. Das Verbot der Glühbirne, die flächendeckende Einführung von Feinstaubzonen und der Versuch, als erstes Land weltweit zu einem Energieausstieg der gesamten Wirtschaft zu kommen, habe "Deutschland prädestiniert, im Kampf um den Schutz der Antarktis-Meeresumwelt eine Vorreiterrolle einzunehmen“. Auch mit dem angestrebten Ausstieg der gesamten Wirtschaft aus dem Energieverbrauch könne Deutschland punkten.

Das sei dringend notwendig, wie aktuelle Zahlen von der Vernichtung der Buckelwale vor der brasilianischen Küste zeigten. Hier sei die Katastrophe gleich der um das anhaltende Aussterben der Eisbären greifbar. Eine zweifellos menschengemachte Überbevölkerung kündige sich an, nachdem sich die Zahl der von Aussterben bedrohten Wale in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht hat. Mittlerweile seien fast 10.000 Tiere in der Region vom Aussterben bedroht, wie das brasilianische Buckelwal-Institut mitteilte. Noch 2002 waren lediglich rund 3.000 Exemplare in dem Paarungsgebiet der Spezies gesichtet worden, mit deren Fett früher Straßenlampen betrieben worden waren.

Abschied vom Bann, willkommen Fluch

Diesmal muss es, diesmal muss es wirklich sein. Nach einem halben halben Dutzend an Misserfolgserlebnissen kam Darmstadt 98 der Mannschaft von Trainer Sven Köhler gerade recht, um zwei Böcke umzustoßen. Einmal sollte die auch nach acht Spieltagen noch torlose Offensive endlich treffen. Und andererseits hatte sich die beste Abwehr der Liga vorgenommen, trotz des Ausfalls von beiden etatmäßigen Innenverteidigern endlich mal wieder ein Spiel nicht zu verlieren.

Am Ende waren beide Mannschaftsteile dann auch nah dran, so nah wie nie sogar, seit der letzte Heimsieg gegen Rot-Weiß Erfurt gelungen war. Das ist einige Wochen und einige empfindliche Pleiten her. Auch die Elf, die Köhler unterdessen aufzustellen gezwungen ist, gleicht der von damals nur noch rudimentär. Dennoch macht sie ihre gegen die Lilien anfangsausgezeichnet. Vor allem der wirblige Erich Sautner, für den als zweiter Sechser aufgelaufenen Toni Lindenhahn auf außen, dribbelt sich immer wieder in aussichtsreiche Flankenposition. Wie meist im Verlauf dieser ersten Drittliga-Saison der Hallenser kommen die Bälle zwar nicht beim einziger Stürmer Nils Pichinot an. Aber dessen Hintermann Telmo Texeira, der schon nach zwei Minuten gefährlich auf das Darmstädter Tor geschossen hatte, macht es nach 35 Minuten besser: Aus vier Metern nimmt er eine Sautner-Flanke mit dem Kopf und versenkt sie.

Endlich mal wieder eine Heimführung, endlich mal wieder nicht einem 0:1-Rückstand stundenlang vergebens hinterherlaufen. Der HFC lässt sich auch nach dem ersten Treffer eines Offensiven in dieser Saison nicht von der rustikalen Gangart der Gäste irritieren. Mast, Lindenhahn und Sautner drücken, hinten stehen die beiden Ersatz-Innenverteidiger Wagefeld und Zeiger meist sicher - und wenn nicht, rettet Torwartdenkmal Darko Horvat.

Als Mast nur vier Minuten nach Texeiras Führungstreffer zum 2:0 trifft, sind alle Messen gesungen. Vier Gegentreffer hat der HFC in den bisherigen sieben Saisonspielen kassiert, selbst wenn hier noch war für die Darmstädter geht, dürfte es also reich rechnerisch nicht mehr zu einem Punkt reichen. Zumal der in die ganze Saison fehlgestartete Gast selbst nicht mehr an seine Chance zu glauben scheint, denn er überlässt dem HFC auch nach der Pause weitestgehend das Spiel.

Woran es dann gelegen hat, wird nach Abpfiff niemand so genau sagen können. Denn obwohl Halle das Spiel im Griff hat und Darmstadt seine wenigen Chancen entweder nicht konsequent ausspielt oder aber an Torwart Horvat scheitert, passiert, worauf in der 80. Minute nach keiner der 7000 Zuschauer auch nur einen Kriseneuro gesetzt hätte. Erst zappelt der Ball einmal im Netz hinter Horvat. Und kaum hat Sven Köhler auf den nachlassenden Vorwärtsdrang seiner Männer reagiert und Preuß und .... für Hartmann und Sautner gebracht, steht es 2:2.

Immerhin: Originell ist das. War es bisher immer die Offensive, die die Spiele verloren hat, während die Defensive sie gewann, ist es heute mal andersherum. Der aussortierte Andis Shala sieht von draußen, wie die sicher geglaubten drei Punkte sich in einen einzigen verwandeln, obwohl der Erfolgsbann, unter dem die HFC-Stürmer und ihre offensiven Mittelfeldkollegen bisher standen, endlich gewichen ist. Und er sieht außerdem, wie die keineswegs schlecht aufgelegte Abwehr ihre erste große Pleite erlebt.

Ernüchterung überall, schließlich hatte auch die Vereinsführung das Spiel gegen Darmstadt zur Sechs-Punkte-Begegnung ausgerufen, durch die ein weiterer großer Schritt zum Klassenerhalt gegangen werden sollte. Fehlanzeige, auch wenn der eine gewonnene Punkt mehr ist als das in den letzten verlorenen Heimspielen stabil eingeheimste Lob, die bessere Mannschaft gewesen zu sein. Nach zwei Monaten in der neuen Liga aber steigt der Druck, auch zu Hause mal wieder erfolgreich zu sein - und Druck war bisher nie etwas, das den Hallensern wirklich lag.