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Sonntag, 22. Februar 2015

NSU-Prozess: Vom Stuhltanz zum Millionengrab


Am Anfang war der Stuhltanz um einen Platz im Verhandlungssaal, knapp zwei Jahre später herrscht Gähnen überm Millionengrab. Während Freiwillige sich im Sicherungsblog und bei Die Anmerkung um die Aufklärung der bis heute unberührten Rätsel rund um die apokalyptische Mordserie der zwei tödlichen Drei Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt mühen, produziert der von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet ablaufende NSU-Prozess in München nicht nur fortwährend neu den Eindruck, an weitergehenden Wahrheiten über die Vorgänge rund um den NSU nicht interessiert zu sein. Sondern ganz nebenher auch noch Kosten in Millionenhöhe.

Zur Halbzeit hat das Verfahren, an dem eine Rekordzahl von Nebenklägern samt 80 Nebenklägeranwälten teilnimmt, Kosten von knapp 30 Millionen Euro verursacht. Jeder Prozesstag, rechnet die staatliche Danachrichtenagentur DPA einen Beitrag des "Münchner Merkur" nach, koste etwa 150 000 Euro, habe der Präsident des Oberlandesgerichts München, Karl Huber, gesagt.

Nun darf Gerechtigkeit nie in Geld aufgewogen werden. Doch die Nebenkläger hatten ihre großen Auftritte zu Prozessbeginn. Seitdem gibt es einzelne Talkshow-Auftritte und Interviews, aber zur Aufklärung der Vorgänge hat die Juristen-Kompanie im Dienst der Opfer nach eigener Aussage bisher keineswegs beigetragen.

Wie soll das auch gehen, wenn Nebenklage-Anwälte auf der Suche nach den Verantwortlichen für zehn Morde Fragen stellen wie „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte - wie ist das zu interpretieren?"

Gerichtspräsident Huber lässt erkennen, dass die Nebenkläger-Vertreter in München zumindest nicht weiter stören. Mit 80 Nebenklägern könne man noch umgehen, sagt er. Dennoch müsse der Gesetzgeber "die Zahl der Anwälte beschränken, die die Nebenkläger vertreten." Andernfalls könne es in einem Verfahren mit Hunderten oder Tausenden Opfern passieren, dass ein Verfahren komplett zerfasere: Hunderte oder Tausende Anwälte in Nebenklagebänken. Stuhltanz im Stadion.

Ein Land schreibt einen Thriller:

NSU: Beweisschau im Internet
NSU: Klein, schmal und knochig
NSU: Die Toten auf dem Rücksitz
NSU: Hundert Tage April, April
NSU: Banküberfalltäter im Tattooarchiv
NSU: Die Fassade auf der Anklagebank
NSU: Nicht nur sauber, sondern rein

NSU: Doppelselbstmord zu dritt
NSU: Vorladung für Hollywood
NSU: Rufnummernmitnahme
NSU: Robert Redford gegen rechts
NSU: Strafe muss sein
NSU: Terror fürs Museum
NSU: Herz, Stern oder Halbmond
NSU: Schweigekomplott am Bosporus
NSU: Nazi per Nachname
NSU: Platznot auch im Alex-Prozess
NSU: Killerkatzen im Untergrund
NSU: Das weltoffene Deutschland im Visier
NSU: Liebes Terrortagebuch
NSU: NSU: Push the forearm fully forward
NSU: Heiße Spur nach Hollywood
NSU: Die Mutter von Hirn und Werkzeug
NSU: Musterstück der Selbstentlarvung
NSU: Rettung durch Rechtsrotz
NSU: Schreddern mit rechts
NSU: Softwarepanne halb so wild
NSU: Neues Opfer beim Verfassungsschutz
NSU: Im Namen der Nabe
NSU: Handy-Spur ins Rätselcamp
NSU: Brauner Pate auf freiem Fuß
NSU: Rufmord an den Opfern
NSU: Heiße Spur ins Juwelendiebmilieu
NSU: Eine Muh, eine Mäh, eine Zschäperättätä
NSU: Von der Zelle in die Zelle
NSU: Die Spur der Schweine
NSU: Gewaltbrücke zu den Sternsingern
NSU: Gebührenwahnsinn beim Meldeamt
NSU: Nun auch auf dem linken Auge blind
NSU: Die Welt ist klein
NSU: Verdacht auf Verjährung
NSU: Weniger hats schwer
NSU: Terrorwochen abgebrochen
NSU: Rechts, wo kein Herz schlägt
NSU: Was steckt dahitler?
NSU: Neue Spuren ins Nichts
NSU: Tanz den Trinitrotoluol
NSU: Der Fall Braun
NSU: Honeckers rechte Rache
NSU: Die Mundart-Mörder
NSU-Todeslisten: Sie hatten noch viel vor
NSU: Was wusste Google?
NSU: Kommando späte Reue
NSU: Die tödliche Bilanz des braunen Terrors
NSU: Mit Hasskappen gegen den Heimsieg
NSU: Mordspur nach Möhlau

Kommentare:

Volker hat gesagt…

Zur Verfollständigung der Link zum vielbenannten Bekennervideo,
das nicht nur keine Bekenntnis, sondern auch keine Täterwissen enthält, stattdessen jede Menge Fehler.
Es ist ein Trittbrettfahrervideo, produziert von Leuten, die sich nur oberflächlich über die Morde informiert haben.
Deutschland in den Grenzen von 1990, den Griechen Theodoros Boulgarides zum Türken gemacht, das schwule NSU-Logo, ein Paulchen-Panther, der aus dem Fernsehen über die Morde erfährt und sich dann auf die Suche nach den Mördern macht ... das ist alles mögliche, das ist Nonsens hoch drei.
Aber das ist kein Bekennervideo.

Deshalb auch das Schweigen im Walde. Haben die sich bis dahin sich ergangen in Abscheu vor 15min Menschenfeindlichkeit, ist dieses "Bekennervideo" auf einmal wie nicht existent.

derherold hat gesagt…

Me.E. ist/war es ein Fehler, den Prozeß so in die Länge zu ziehen ... man hätte Mitte letzten Jahres "irgendein" Urteil sprechen lassen sollen.

Im letzten Jahr hat man Porzellan zerschlagen. Ich höre mich so in westdeutshen Rechtsanwaltskreisen um. Fast zwei Jahre Prozeß ohne Zeugen, die die Täter (sowie Uwe&Uwe) am Tatort gesehen haben, haben dem einen oder anderen blauäugigen Juristen "Erleuchtung" gegeben.

Volker hat gesagt…

Bei den Freislers, Götzls und Bejamins dieses Landes gibt es keine Zweifel. Die sind im ganzen Leben noch nicht auf die Idee gekommen, in der Gerichtsshow was anderes zu tun als die Vorgaben der politischen Führung zu erfüllen.

Dass es bei den Anwälten da und dort noch einen geben soll, der sich als Interessenvertreter seiner Klienten sieht und in diesem Sinne nach Beweisen fragt, das habe ich auch schon gehört.
Allerdings muss man sagen, dass sich von den seltenen Exemplaren dieser Zunft noch keiner in die NSU-Show verirrt hat.

Wenn ich das richtig deute, sollte nach dem ersten Drehbuch der Prozess letzten Herbst zu Ende gehen. Dummerweise kam denen der Fatalist mit den geleakten Akten in die Quere, was die Drehbucherweiterung erforderlich machte.
Die müssen weitermachen, einfach um die Akten unter der Decke zu halten. Solange die Posse nicht rechtskräftig abgeschlossen ist, sind die Akten zwar offen, dürfen aber nicht öffentlich diskutiert werden (§ 353d(3), zwar nicht mehr expressis verbis, aber als Paraphrase doch).
Deshalb wird weiterverhandelt, verhandelt, verhandelt.

Welche packenden Themen die besprechen, genauer: dass es nur noch ums Zeitschinden geht, kann man mit Monaten Zeitverzug bei NSU-Watch (die Staatssicherheit verzögert die Freigabe der Protokolle immer mehr) oder zeitnah beim NSU-Prozess-Blog der ZEIT nachlesen.

Dieser Schauprozess wird nicht rechtskräftig abgeschlossen. Jedenfalls nicht in den nächsten 15 Jahren.

Die Anmerkung hat gesagt…

Fatalist und der AK NSU haben korrekt und sauber recherchiert.

Die Pumpgung-Patronen sind vom TLKA falsch asserviert worden.

Eskann heute nicht mehr nachvolzogen werden, wo sie lagen, und damit, ob einen dritte Person die Schüsse abgegeben hat.

Schreibt der Förster in der Berliner.

Kurt hat gesagt…

Hach, wenn das Hilde Benjamin noch erleben könnte!


Im letzten Jahr sind noch einige Theaterstücke produziert worden, die das Thema paraphrasieren. Deren Erfolg hielt sich aber in Grenzen. Das Narrativ einer NSU(offiziell) konnte bis jetzt nicht in den Köpfen und Herzen der Menschen in diesem unserem Land verankert werden. Und das trotz des vollen Einsatzes von Parteien- und Staatsführung. Unvergessen der Staatsakt im Berliner Schauspielhaus. Wo sonst?

PS: Die junge Regisseurin, die mit Hilfe der süddeutschen Alpen-Prawda eine szenische Lesung ausgewählter NSU-Prozess-Protokolle auf Youtube veröffentlichte, kündigte noch im
vergangenen Herbst eine Fortsetzung an. Ich bin gespannt, ob da noch was kommt.
Wo doch Pegida das neue NSU ist.

fatalist hat gesagt…

Es ist die nächste Lüge, denn die falschen Hülsen sind zu sehen. an beiden Füssen Mundlos´.

https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/02/23/wohnmobil-stregda-polizei-ordnete-patronen-falsch-zu/

Anonym hat gesagt…

die Unterladerflinte ( "pumpgun" ) wurde am Tatort geladen aufgefunden ( " Waffe war "durchgeladen" ") - wurde also nach dem Ableben eines Tatverdächtigen betätigt . ( von wem betätigt ? )

Volker hat gesagt…

Lange sah es so aus, als wenn Sie irgendwie durchkommt.
Denkste!
Heute kam der Beweis:
Eines Tages soll sie Nachbarn ausgeschimpft haben.

Möchte mal sehen, wie sie da wieder rauskommt.