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Montag, 30. März 2015

NSU: Morde aus dem Grab heraus

Erst verbrannte sich Florian Heilig, ein Zeuge im Mordfall Kiesewetter, Stunden vor einer Vernehmung durch das LKA in seinem Auto. Dann erlitt Corelli alias Thomas Richter, ein V-Mann des Bundesverfassungsschutzamtes mit Verbindungen zur NSU, einen Zuckerschock und verstarb in seiner Wohnung, nicht einmal 30 Jahre alt. Und nun hat es auch noch die Ex-Freundin von Florian Heilig getroffen: Die 20-Jährige erlitt "einen Krampfanfall in ihrer Wohnung" (Spiegel) und starb wenig später im Krankenhaus.

Drei junge Menschen, nicht einmal 40 Jahre alt, gesund und einsatzbereit, und alle auf einmal tot. Ist es Zufall, ist es Pech oder ist es der NSU, der da mit langem Arm aus dem Grab heraus weitermordet? Thomas Richter, der während seiner aktiven Tätigkeit als Vertrauensmann des Bundesamtes für Verfassungsschutz rund 180.000 Euro für seine Dienste gezahlt bekommen haben soll, befand sich zum Zeitpunkt seines tragischen Frühablebens in einem Zeugenschutzprogramm. Seit zwei Jahren bereits, allerdings hatten ihn noch immer weder BKA noch Untersuchungsausschüsse angehört. Kurz vor einer geplanten Vernehmung wurde Richter dann am 7. April 2014 von seinem Vermieter tot in seiner Wohnung gefunden, gestorben an einer bisher nicht bemerkten Diabeteserkrankung.

Bei Florian Heilig, der behauptet hatte, er kenne den wahren Mörder der Polizistin Kiesewetter, war es noch ein bisschen enger. Der frühere Nazi mit Verbindungen zum NSU soll sich erst direkt auf dem Weg zu einer Vernehmung selbst angezündet haben.

Ein Fremdeinwirken schlossen Ermittler monatelang aus. Ähnlich wird es nun bei der 20-jährigen Melisa Marijanovic laufen, die im NSU-Untersuchungsausschuss in Stuttgart in einer nicht-öffentlichen Sitzung erklärt hatte, sie fühle sich bedroht, wobei sie nicht sagte, von wem. Marinkovic wurde zuvor beschuldigt, ihren damaligen Freund Florian Heilig per Handy auf den Parkplatz bestellt zu haben, auf dem er sich später verbrannt haben soll. Sie wäre damit die einzige gewesen, die hätte aussagen können, wer sie veranlasst hat, Heilig nach Bad Canstatt zu bestellen.

Ein großes Sterben im Dienst einer großen Sache, so scheint es, denn schon Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten den Ermittlern mit ihrem Abgang im Wohnmobil unlösbare Denksportaufgaben hinterlassen: Selbstmord mitten im Feuer, aber kein Ruß in der Lunge. Patronenhülsen, die verraten, dass nach dem letzten Schuss noch jemand durchgeladen hat. Spätauftauchende Bekenner-DVDs. Rucksäcke ohne Brandspuren. Ähnlich wie bei Florian Heilig, hier wurden wichtige Beweismittel Monate später von Verwandten des Toten aus dem ausgebrannten Autowrack geborgen.

Passt alles zusammen, alles ergibt ein einheitliches Bild. In jedem Mafia-Thriller läuft das so, kein Tom-Clancy-Roman kommt diese Konstellation aus. Im Fall NSU stört allerdings die Aufklärung nach Aktenlage, die das Ermittlerkollektiv der Seite NSU-Leaks seit Monaten in beeindruckender Weise verfolgt. Jeder tote Zeuge wird in dieser Situation nicht zu einem Garanten für mehr Sicherheit, sondern zu einem Anlass, noch misstrauischer nachzuforschen. Am Ende kommt dann irgendwann vielleicht doch noch alles raus.

Und die Republik ist wirklich nicht mehr dieselbe wie vorher.


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Kommentare:

Kurt hat gesagt…

Hach, wenn das Hilde Benjamin noch erleben könnte!

derherold hat gesagt…

Hilde Benjamin: "CDU-Meier, Sie haben zugegeben, fünf Döner-Verkäufer ermordet zuhaben, um der Republik zu schaden !"

"CDU-Meier". "Ah ... Rembrandt?"

Benjamin: "Steht hier ... in ihrem Vernehmungsprotokoll. In Ihrem Vernehmungsprootokoll, das nach Ihrem Selbstmord angefertigt wurde."

fatalist hat gesagt…

Danke für die Blumen, beste Grüße!

ppq. so hat gesagt…

eure hervorragende arbeit hat jedes lob verdient

Anonym hat gesagt…

@ fatalist: Ich bin mir meiner Unverschämtheit bewußt, aber als advocatus diaboli gefragt:
Das gemeine Volk möge sich ja ALLES bieten lassen, aber die Hochmögenden haben sich auch an ihren (z.T.)verbeamteten Edelknechten vergriffen, und das ginge ja nun gar nicht?
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Schmähungen seitens eines (frustrierten) Büttels sehe ich als Ehrung.
- Halbgott in Weiß -