Google+ PPQ: Mai 2009

Sonntag, 31. Mai 2009

Samstag, 30. Mai 2009

Frühjahrstraum zum Fußballmärchen

Halbzeit in Wolfsburg. Ein grandios aufspielender HFC führt mit zwei zu null nach Toren von Stark und David. Hier ist alles im grünen Bereich, allerdings führt Kiel in Leipzig ebenso mit zweinull. Nach dem Spiel wäre dann wie vor dem Spiel...

Und weil es spannend bleiben muss bis ganz zum Schluß, bleibt es dann auch so. Kiel gewinnt bei Sachsen Leipzig, die pleite und damit schon abgestiegen sind und deshalb seit Wochen mit der halben A-Jugend spielen, mit 3:0. Der HFC holt mit einem 2:0 beim Deutschen Meister in Wolfsburg, der Stadt, die einst Hitler zum Kraftwagenbau durch Freude gründete, drei Punkte, verliert aber noch ein Tor mehr in der Tordifferenz, die am Ende entscheiden könnte.

Dass sie das in den Hinterköpfen haben, ist den Spielern in den alten rot-weiß-quergestreiften Trikots zumindest in der ersten Halbzeit nicht anzumerken. Konzentriert, als habe es die Verschaukelung im Pokalfinale zwei Tage zuvor nicht gegeben, gehen Kanitz, Görke und Co. vom Anpfiff weg nach vorn. Wie schon in Magdeburg verzieht David erstmal knapp, dann aber schlägt der Mann zu, von dem die 1000 auf der Tribüne singen "Unser Stark ist superstark": Nach einem Freistoß von Thorsten Görke taucht René Stark ab und köpft den Ball ins linke Eck.

Spiel, Satz und Sieg, denn bei eigener Führung hat die Mannschaft von Trainer von Köhler noch nie verloren. Unentschieden gespielt allerdings schon: In den letzten beiden Punktspielen gegen Hamburg und Berlin langte eine Führung am Ende jeweils nur zu einem remis, vier Punkte blieben liegen, vier Punkte, die gereicht hätten, Halle mit einem Sieg in Wolfsburg zum Aufsteiger zu machen.

Aber die Hoffnung auf einen Kieler Patzer am letzten Spieltag gegen Lübeck stirbt zuletzt. Der HFC tut nicht viel, aber es reicht gegen die sturmstärkste Mannschaft der Liga. Wolfsburg kommt vorn allenfalls zu Ecken und Freistößen, zu Torchancen kommen sie dank der wieder großartig verteidigenden Schubert, Kamalla, Lachheb und Benes nicht. Dafür Halle, wieder mit Müller für Neubert als einziger Spitze. Nach einem mißlungenden Abwehrschlag landet der Ball bei Pavel David, den der Wolfsburger Stadionsprecher als "Pewel David" angekündigt hat. Der Tscheche visiert kurz und zirkelt die Murmel vom rechten Strafraumeck zentimetergenau in den linken Torwinkel. Die Tribüne tobt, der hallesche Anhang jubelt. Der Stadionsprecher versucht, seinen Ansagefehler zu korrigieren: Der Torschütze heiße, sagt er, "Pawel Devid".

Die Wölfe sind danach einfach zu schwach, bei Halle Erinnerungen an das 2:0 Trauma des Hertha-Spiel wachzurufen. Und Halle ist zu clever, sich noch einmal hinten herauslochen zu lassen. Unter nichtendenwollenden "Olé Olé Olé - HFC"-Gesängen von der gemütlichen Tribüne lässt die Mannschaft die Uhr herunterlaufen.

Kraft sparen für das Finale am kommenden Wochenende, das der HFC gegen das schwer abstiegsbedrohte Plauen bestreiten muss, während Konkurrent Kiel zu Hause gegen Lübeck antritt. Gewinnt Kiel, sind sie Meister und Aufsteiger, gewinnt Halle, und Kiel spielt nur unentschieden oder verliert, vollenden sich die Frühjahrsträume in der halleschen Fußballprovinz zum Fußballmärchen: Nach 18 Jahren würde der Klub von der Saale, der nach dem Mauerfall noch Zweite Bundesliga spielte und danach so tief fiel wie sonst nur das längst vergessene Stahl Riesa, zurückkehren in den bezahlten Fußball. Dieter Strotzniak, der Co-Trainer, steht am Ende vor der Fankurve und lächelt still vor sich hin. Strotzniak hat für den HFC DDR-Oberliga gespielt und er hat den tauchgang in die Fünfte Liga mitgemacht. Er war Aktiver, er war Trainer und ist heute Co-Trainer. Nach einem Auswärtssieg in Wolfsburg. Was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Nur Zugabe.

Wolfsburg gehoert Halle

Fünfzehn Grad, bedeckter Himmel ueber Wolfsburg, entspannte Stimmung in der Autostadt. Der Vfl spielt Bryan Adams zur Einstimmung auf das Schicksalsspiel des HFC in der Regionalliga, danach gleich "I Will survive". Ums Überleben geht es heute nicht, immerhin aber um den Aufstieg in die dritte Liga. Vor dem Spiel hat Steve Finke seinen Vertrag verlängert - die letzte Verlängerungsankündigung am Mittwoch, als Pavel David verkündete, bleiben zu wollen, endete mit der Niederlage in der Pokalfarce von Magdeburg. Zumindest das Stadion ist heute ganz in hallescher Hand. Jetzt kommt Darko Horvat, sofort gefeiert von den vielleicht Fünfhundert, die im alten Vfl-Stadion auf den Anpfiff warten. Eine halbe Stunde ist es noch bis dahin...

Freitag, 29. Mai 2009

Klimawandel fordert immer mehr Studien

Von der Finanzkrise vom Thron gestoßen, von den Medien irgnoriert, von Sigmar Gabriel verteidigt und von einem langen, kalten Winter lächerlich gemacht. Der Klimawandel, vor zwei Jahren noch der Superstar unter den unmittelbar bevorstehenden Apokalypsen, musste einige Zeit verschnaufen, um sich von so vielen Tiefschlägen zu erholen. Nun aber ist er wieder da, mit neuen Horrorzahlen aus einer neuen Horrorstudie, der der emeritierte ehemalige Uno-Chef Kofi Annan vorstellte. Nach den Hochrechnungen der von Annan geleiteten Organisation Global Humanitarian Forum sterben demnach heute schon pro Jahr 300.000 Menschen an den Folgen der Erderwärmung. Bis zum Jahr 2030, so hieß es, könne diese Zahl sogar auf eine halbe Million Menschen steigen.

Damit liegt der Klimawandel zumindest prognostisch wieder im Plan. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der London School of Hygiene and Tropical Medicine aus dem Jahre 2003 fielen damals 160.000 Menschen jährlich dem Klimawandel zum Opfer. Bis zum Jahr 2020, hieß es, werde sich die Zahl der Klimatoten "wahrscheinlich verdoppeln."

Nur das Wetter spielte dann nicht mit. 2006 zog die WHO eine ernüchternde Bilanz: Laut einer damals vorgelegten Studie starben 2005 statt 160.000 Menschen nur noch 150.000 "an den Folgen des Klimawandels". 10.000 weniger als zwei Jahre zuvor, wo doch 10.000 mehr notwendig gewesen wären, um bis 2020 auf mehr als 300.000 zu kommen . Allerdings, prophezeite die Weltgesundheitsorganisation optimistisch, werde diese Zahl sich vermutlich später verdoppeln.

Hat sie mit der neuen Studie nun doch noch geschafft, und das in nur vier Jahren. Ein schöner Erfolg, zu dem es aber weder Wetterveränderungen oder Klimawandel braucht: Die Zahl der Hitzetoten des klimawandelmäßig beispielhaften Sommers 2003 etwa verdoppelte sich, als längst schon wieder Winter geworden war. Aus 30.000 Todesfällen, die im Herbst 2003 gemeldet worden waren, waren nur drei Jahre und ein Durchzählen später nach DPA-Angaben allein "in zwölf europäischen Ländern insgesamt 70 000 Todesfälle" geworden.

Soviel Zeit bis zur Ewigkeit

Historische Stunde im Deutschen Bundestag: Mit 418 Ja-Stimmen hat das Hohe Haus heute eine Schuldenbremse für die Finanzen von Bund und Ländern verabschiedet. Das straffe Schuldenverbot, das die bisher nie eingehaltenen Regelungen ablöst, die die am letzten Wochenende noch frenetisch gefeierten "Väter des Grundgesetzes" 1949 niederschrieben, soll bereits im Jahr 2020 in Kraft treten. Peer Steinbrück, als Finanzminister durch seine desaströse Steuerpolitik heute schon eine historische Figur, sprach stolz von einer „finanzpolitischen Entscheidung von historischer Tragweite“.

Den Schwung der weitreichenden Entscheidung will das Parlament nutzen, um noch vor der Sommerpause weitere Pflöcke einzuschlagen und zahllose Entscheidungen von historischer Tragweite zu fällen. So soll ein Gesetzespaket beschlossen werden, das Tretrollerherstellern aus Sicherheitsgründen die Montage von zwei zusätzlichen Sicherheitsrädern ab dem Jahr 2737 vorschreibt. Handyanbietern soll es ab dem Jahr 2988 verboten sein, berührungsempfindliche Bildschirme ohne aufgedrückte Warnung "Achtung, berührungsempfindlich" anzubieten.

Ab dem Jahr 3271 tritt dann ein Verbot der Haltung von Kanarienvögeln in Käfigen in Kraft, ab dem 1. Januar 5320 will die Bundesregierung die Zinsen für Konsumentenkredite auf 4 Prozent festschreiben. Banken, die nach dem 13. 2. 8100 Leasingverträge finanzieren wollen, müssen sich dafür bei einer noch zu gründenden Bundesleasingprüfanstalt, deren Hauptsitz in Goslar sein wird, registrieren lassen. Silvesterraketen, so hieß es bei den Regierungsparteien, sollten "mit Rücksicht auf die Brauchtumspflege" erst nach dem 1.1.10000 endgültig verboten werden.

Die Welt ist schlecht, aber sie hat einen guten Geschmack

Barcelona, Manchester - und gleich danach der Hallesche FC. Zumindest beim Videoportal Youtube geht es noch gerecht zu: Das kleine PPQ-Handyfilmchen jedenfalls, in dem der tödlich in seiner Ehre gekränkte Nadsch Braham, maghrebinischer Mime in Magdeburger Diensten, nach dem Schlußpfiff beim sachsen-anhaltinischen Pokalfinale verzweifelt und vergeblich versucht, die elbtalfeuchte Luft zu begatten, erfreut sich bei den Youtube-Nutzern großer Beliebtheit. Inzwischen rangiert das Video vom Sportwitz des Jahres auf Platz vier der meistgesehenen Filme - nach drei und vor zwei weiteren Berichten vom Champions League-Finale. Nadsch Brahams erster Erfolg an der Kinokasse, sozusagen. Und das, ohne sich ganz auszuziehen.

Wofür wir gern werben: BND-Umrechner

Dreimal drei ist neun und zwei plus zwei 22: Mit dem "Gesetz zur Verfolgung der Vorbereitung von schweren staatsgefährdenden Gewalttaten" hat der Bundestag eben die Einführung der Strafbarkeit von Absichten, Plänen und Ansichten eingeführt. Schon die "Ausbildung" in "Terrorcamps" soll nächstens mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden.

Klar ist damit, dass das langweilige Prinzip aufgegeben wird, nur Delikt oder der Versuche dazu unter Strafe zu stellen. Demnächst kann eine Pakistan-Reise wie ein Selbstmordanschlag angeklagt werden, ein Aufenthalt in Syrien wird mit Gefängnis bestraft. Unklar ist noch, ob GST-Zivilschutzlager oder die Teilnahme an NVA-Manövern als "Terrorcamps" im Sinne des Gesetzes definiert werden.

Als engagiertes Bürgerrechtsportal, das sich ganz dem Kampf gegen Klima und Terror gewidmet hat, sind deshalb besonders stolz, pünktlich zur Verabschiedung des neuen Gesetzes von unserem Partner Google ein flottes Reklamefeldchen an die Seite gestellt bekommen zu haben. Darin werben wir für die Umrechnung des Bundesnachrichtendienstes in irgendwas anderes. "Schwerter zu Pflugscharen" war gestern, heute heißt es "Wanzen zu Wickelröcken". Falls das strafbar sein sollte, bitten wir um einen Hinweis.

Jetzt ist Polen doch verloren

Angeblich neutral, halfen die Schweizer schon Hitler bei der sicheren Verwahrung herausgebrochener Goldzähne. Angeregt durch eine Initiative aus Halle an der Saale, das derzeit dabei ist, die Katowicer Straße in die Kattowitzer Straße umzubenennen, haben sich die Eidgenossen nun entschlossen, gegen Polen vorzugehen. Im Verfahren der kumulativen Radikalisierung versandte die Schweizer Bundesbahn ihre neuen Fahrpläne testweise in Umschlägen mit einem aufgedruckten Kinder-Wasserball in Form einer Weltkarte, auf der Polen durch fehlen glänzt.

Wie einst im Mai grenzt Deutschland direkt an Russland, weshalb die polnische Botschaft sofort bei den Schweizer Staatsbetrieben protestierte. Die Beneluxländer, Dänemark, Tschechien und Ungarn fehlen auch, haben aber noch nicht protestiert. Die Schweiz selbst findet sich auf der Karte ebenfalls nicht. Womöglich, damit niemand die Zahngoldvorräte orten kann.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Doppelt hält besser

Der Fußballverband in Sachsen-Anhalt plant das nächste Spieljahr gründlicher als das derzeit noch laufende. Um erneute Überschneidungen zwischen dringend notwendigen Pokalendspielen, wichtigen Freundschaftsspielen und noch zu absolvierenden Aufstiegsendspielen im WM-Jahr auszuschließen, haben die weitblickenden Fußballprofis aus Braunsbedra den Finaltermin für den Landespokal 2010 auf den 15. Mai gelegt. Dann haben alle Ligen Feierabend, auch internationale Spiele ständen dann nicht mehr an, ließ Verbandschef Werner Georg wissen. Da am selben Tag das DFB-Pokalendspiel stattfinden wird, rechnet der Verband offenbar nicht mit einem gloriosen Durchmarsch seines Vertreters 1. FC Magdeburg bis nach Berlin.

Versteckte Pornos für alle

Bei einer Anhörung zum geplanten Internet-Zensurgesetz hat ein BKA-Abteilungsleiter namens Jürgen Maurer im Bundestag klargemacht, wie das wirklich läuft mit der Kinderpornografie: Typischerweise, zitiert ihn die taz, fänden sich auf Kinderporno-Seiten keine sonstigen Inhalte, vielmehr würden die Domains nur für kinderpornographische Zwecke eingerichtet.

Und zweitens, führte Maurer aus, seien kinderpornographische Angebote selbst auf Kinderporno-Seiten "oft schwer zu finden". Bei der Überprüfung der aktuellen Sperr-Listen aus Skandinavien musste sich das BKA deshalb von der örtlichen Polizei helfen lassen, um überhaupt in die Bereiche gelangen zu können, an denen die kriminellen Inhalte gelagert waren.

Nach Auskunft Familienministerin Ursula von der Leyen haben nicht-verbeamtete deutsche Internetnutzer damit weniger Probleme: täglich schaffen sie "bis zu 450.000 Zugriffe" auf Seiten mit kinderpornografischem Inhalt.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Siegen hinter der Sülze

So feiert ein Land sein Fußball-Pokalfinale, das von sich selbst nichts hält. Der örtliche Fußballverband setzt das Endspiel um den Landespokal chirurgisch genau an dem Tag an, an dem auch die Champions League ihren Sieger ausspielt. Der Kartenvorverkauf beginnt vier Tage vor dem Anpfiff, an zwei Vorverkaufsstellen zwischen Salzwedel und Zeitz - ein klares Signal, dass Fußballverbandschef Werner Georg nichts weniger will als soviel Zuschauer wie möglich.

Jeder, der kommt, ist ja ein Sicherheitsrisiko, und wird auch so behandelt: Dennoch, vermeldet ein Magdeburger Fan auf dem Weg zum Stadion, habe "Axen, der heute die Einsatzleitung macht", ihm verraten, "dass 4000 Scheiß-Hallenser auf dem Weg ins Stadion" sind.

Von Halle aus gesehen jenseits des pittoresken Flüßchens Sülze, das in Sachsen-Anhalt bäuerlich belassene Gebiete und industriell erschlossenes Land voneinander trennt, steht die rot-weiße Wand, und die rot-weiße Abwehr steht anfangs auch. HFC-Trainer Sven Köhler hat eine überraschende Anfangsaufstellung mit Hebestreit und Neubert, dem Westernhagen des deutschen Fußballs, ausgeknobelt. Und noch etwas ist neu: Statt mit den erschreckend häßlichen quergestreiften Trikot, die seit dem Pokalfinale vor einem Jahr nur eine einzige Niederlage erlebt haben, läuft der HFC mit erstaunlich geschmackvollen neuen Dressen auf.

In Rot mit weißen Schulterklappen hat Chemie die ersten Minuten für sich. Ronny Hebestreit, im Fußballherbst um einen neuen Vertrag bemüht, rackert, kämpft und köpft, Thomas Neubert versucht, vorn den Ball abzuschirmen und Löcher für seine Mitspieler zu reißen. Auf den Traversen des neuen, streng nach stalinistischer Bauästhetik konzipierten Magdeburger Stadions duellieren sich die Fankurven: Halle schwenkt rote Fähnchen, Magdeburg entrollt ein überdimensionales Plakat, so fein gearbeitet, dass niemand im weiten Rund die Botschaft zu enträtseln vermag.

Unten läuft ein typischen 0:0-Spiel, Spitze auf Knopf, und der ist für das Loch zu groß. Hier geht keiner rein. Abgesehen von einer hundertprozentigen Magdeburger Chance, die das Fußballglück zum Pfostentreffer abstuft, und einem Volleyversuch von Pawel David auf der anderen Seite, der übers Tor fliegt, ist da viel Kampf und Beißerei, aber wenig Torgefahr. Magdeburg hat zumindest mehr Freistöße, weil Schiedsrichter Gunnar Melms bei jedem halleschen Tackling ganzganzganz genau hinschaut. Dazu haben sie ihn ja geholt. Wenn ein Magdeburger samt Ball hingegen einen halben Meter jenseits der Seitenauslinie dribbelt, muss der mit leichtem Übergewicht ins Spiel gegangene Mann aus dem nahegelegenen Osterburg erstmal kurz verschnaufen. Blick nach unten. Schade, hat er nicht sehen können.

Nach vorn geht beiderseits nicht viel. Halle kommt viel durch die Mitte, obwohl Benes außen ständig frei steht. Magdeburg verdribelt und verschießt sich. Aber auch da kann Gunnar Melms glücklicherweise helfen. Als Magdeburgs Braham sich gerade mal nicht schwer verletzt auf dem Boden wälzt, sondern auf Torwart Darko Horvat zustürmt und sich dann auf die Erde wirft, glaubt das Stadion zuerst, Melms suche nach der Gelben Karte. Er werde, ahnen Blau und Rot gleichermaßen, dem sympathischen Tunesier, dessen großes Schauspieltalent bekannt ist, nun eine nachdrückliche Einweisung in die Spielregeln erteilen.

Aber es gibt dann doch Elfmeter, allerdings keine Rote Karte für Horvat. Rätsel der Regelauslegung, über die die 13.000 aber nur eine knappe Viertelstunde nachdenken müssen. Dann hat Melms den roten Karton gefunden: Hebestreit, bis dahin bester Hallenser, hatte wieder eines der nicht gern gesehen Tacklings begangen und auch noch den Ball gespielt.

Nach uralten Fußballgesetzen muss auch der HFC ein Tor schießen, um ein Spiel zu gewinnen. Nach den Gesetzen der kumulativen Agens-Arithmetik aber ist das zu zehnt schwerer als zu elft: Trifft der HFC im Normalfall etwa 1,25 mal pro Spiel, sinkt der Wert mit ersatzloser Auswechlung eines Spielers auf unter Eins.

Pokalsieger also schon zur Halbzeit der 1. FC Magdeburg, einst von sich selbst offiziell zum "Größten Klub der Welt" ernannt und anschließend dreimal hintereinander mit Niederlagen gegen den Erzfeind Halle. Der weiter spielfähige Rest des HFC ist trotzdem schon nach fünf Minuten zurück aus der Kabine, die Spieler versuchen, wild entschlossen zu schauen. Hier geht noch was, hier ist noch alles drin, sagen die Minen von Lachheb, Schubert, Kamalla und Neubert, der nun dem Westernhagen aus "Theo gegen den Rest der Welt" zum Verwechseln ähnelt.

Geht aber nicht mehr. Magdeburg steht gut, Melms tut, was er kann. Ein Pfeifen ist das, und kein Wald in Sicht. Der HFC hat kein Einsehen und ist bemüht, aber für einen Treffer reicht die ganze Aufbäumerei einfach nicht aus. Da kann die rot-weiße Wand hinter FCM-Torwart Beer, der mit dem gleichnamigen RAF-Terroristen nicht verwandt und nicht verschwägert ist, brüllen und singen und klatschen wie sie will.

Melms pfeift dann auch recht pünktlich ab, ehe doch noch etwas Unvorhergesehenes passiert. Und öffnet die Bühne für das wahre Drama dieses Abends an der Elbe. Während der maghrebinische Hobbyschauspieler Nadsch Braham sich das längst lästig gewordene Blau-weiße FCM-Trikot über den Kopf reißt und brusttrommelnd wie ein brünftiger Silverback zu den HFC-Fans eilt, stehen die HFC-Spieler ernüchtert in der eigenen Hälfte und klatschen ihren Fans Beifall. Die klatschen zurück, und der Applaus wird zum Orkan und Christian Kamalla, der einmal ein Fußball-Legastheniker war und heute Sachsen-Anhalts Beckenbauer ist, läuft wie einst der Kaiser ganz allein über den großen Platz, mit versonnenem Blick.Einmal hat er selbst die Tabellenführung in der Regionalliga mit einem Eigentor vermasselt. Das zweite Mal haben sie es alle zusammen verbockt. Jetzt der verlorene Pokal. Und in 64 Stunden, so schön hat das der Fußballverband von Sachsen-Anhalt organisiert, ist schon wieder Anpfiff zum Endspiel um den Aufstieg in die 3. Liga.

Schließlich kommt HFC-Präsident Michael Schädlich und fängt ihn ein, fängt sie alle ein, die verlorenen Sieger von jenseits der Sülze: Markus Müller, der ein T-Shirt trägt, auf dem "I love Juliane" steht, auf dem aber alle "I love Halle" lesen. Adli Lachleb, der humpelt. Nico Kanitz, den Kapitän. Pawel David, Maik Kunze, Philip Schubert, Jan Benes, Darko Horvat, der ganz schmal zu lächeln versucht. René Stark kommt dazu, Thomas Neubert, Kevin Kittler, Steve Finke und Ronny Hebestreit, der immer noch den Kopf schüttelt. Sie stehen im Kreis, zwischen sich und der Fankurve ein Polizeiaufgebot, das aussieht wie die Sondereinsatztruppen zur Entseuchung im Hollywoodschinken "Outbreak". Staatskrise in Magdeburg. Ein Böller geht hoch. Der Kreis aus Männer in Rot aber erzählt sich irgendetwas. Gibt sich auf irgendwas die Hand.

Oben im Rang versteht man kein Wort, weil die siegreichen Magdeburger von Fußballverbandschef Werner Georg, dessen Sohn Lars irgendwann vor zwei Jahren keinen Vertrag mehr beim HFC bekommen hatte, irgendeinen Pokal in Empfang nehmen. Magdeburg ist glücklich, Tabellenvierter in der vierten Liga und Landessieger in einem Land, dessen höchstklassigste Mannschaft es vielleicht schafft, in die 3. Liga aufzusteigen.

Dazu muss der HFC in 64 Stunden in Wolfsburg gewinnen.

Schulden, biologisch abbaubar

Von unerwarteter Seite kommt Hilfe in der Krise. Der hochverschuldete, aber spaßeshalber noch nicht vor der Insolvenz stehende US-Autobauer Ford, legte jetzt mit seinem neuen Ford Focus einen Wagen vor, der bei vorsichtiger Fahrweise überhaupt keinen Sprit mehr verbraucht. Gerüchteweise stehen derweil BMW und Audi vor einem weiteren Durchbruch: Den bisherigen deutschen Hubraum-Sündern soll es gelungen sein, PKW zu entwickeln, deren Tank sich während der Fahrt langsam mit Bio-Sprit, natürlich aus kontrolliert biologischem Anbau, füllt. Finanzminister-Darsteller Peer Steinbrück überlegt schon, ob sich dieses Verfahren auch auf den Staatshaushalt der Bundesrepublik anwenden lässt. Dann könnte Schulden-Peer Kredite ohne Ende aufnehmen und gleichzeitig die Rating-Agenturen überzeugen, die Bonität Deutschland mit jeder Milliarde um ein weiteres A zu verbessern.

Hallenser haben es schon immer gewusst

Unmittelbar nach dem vielbeachteten Armutsbericht hat der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) jetzt auch einen Fiesheitsbericht präsentiert. Daraus wird zum ersten Mal in der deutschen Geschichte ersichtlich, wie fies die Regionen des Landes und ihre Einwohner sind. Der Fiesheitsatlas zeigt in wünschenswerter Deutlichkeit, wie sich das Fiesheitsrisiko räumlich verteilt.

Das fieseste Bundesland ist Sachsen-Anhalt, und zwar in jeder Hinsicht: Landschaftlich, infrastrukturell, architektonisch und auch rein menschlich ist dort flächendeckend alles noch ein bisschen fieser als im Rest der Republik, wobei die Landeshauptstadt Magdeburg nach den Erhebungen des DPWV eine herausragende Rolle bekleidet.

War das schon der Weltuntergang?

Der Dax knapp an der 5000, das Konsumentenvertrauen auf dem Weg nach oben, die Preise im Sturzflug, die Staatskassen leer und Opel kurz vor der Rettung, wenigstens dem Namen nach. War er das nun schon, der Weltuntergang? Ist sie vorüber, die "schlimmste Krise des Kapitalismus" (Gesine Schwan) seit den Hunnenkriegen, den Verträgen von Tauroggen und den autofreien Sonntagen der 70er Jahre?

Ein halbes Jahr und gefühlte 470 Krisenrunden im Staatsfernsehen immerhin hat es gedauert. Ein halbes Jahr, in dem "Schutzschirme" gespannt wurden und "Rettungsschirme" entfaltet, Nachtragshaushalte wurden verabschiedet und Banken gerettet. Ein halbes Jahr, in dem sich Experten dem Jüngsten Tag nahefühlten und Provinzpolitiker die Welt retten mussten.

Jeder Tag ein Schicksalstag, jede adhoc-Meldung von der Börse ein Donnergrollen, das die nahe Apokalypse ankündigte. Bis schließlich keiner mehr hören konnte. Bis schließlich nicht einmal der Finanzminister mehr wusste: Habe ich die Bad Bank nun eigentlich gegründet? Und gibt es die West LB eigentlich noch? Hat die KfW ihre Steuerspargesellschaften im US-Bundesstaat Delaware geschlossen oder noch neue dazugegründet? Weiß Peer Steinbrück nur Bescheid oder hat er die Anweisung gegeben und brüllt deshalb so laut nach kleinen Steuertricksern, die ihre fünf Mark achtzig in der Schweiz verstecken?

Unterwegs haben sie gemerkt, dass sich mit dem Argument "Krise" alles begründen lässt. Die Krise ist der neue 11. September, die Rettung vor den Folgen extensiver Verschuldung durch noch extensivere Verschuldung der neue "Krieg gegen den Terror". "Konjunkturpakete" sind natürlich viel zu langsam und zu schwach, eine Volkswirtschaft zu retten. Ihre Wirkung kommt stets zu spät, dann nämlich, wenn die Krise längst überwunden ist. Sie dienen dennoch einem guten Zweck: Hat man sie verabschiedet, lässt sich im Nachhinein stolz behaupten, sie seien es gewesen, die das Ende der Welt, wie wir sie kennen, verhindert hätten.

Es reicht ja auch die Ankündigung einer "Abwrackpraämie", die nach Monaten immer noch eine Ankündigung ist, um den Autoabsatz anzukurbeln. Es reicht die Ankündigung von Investitionen in die öffentliche Infrastruktur, um pleitebedrohte Städte zu unternehmungslustigen Bauherren zu machen. Nichts ist so spendabel wie der Weltuntergang, denn das allerletzte Hemd hat ja keine Taschen.

Einmal runter, einmal hoch, und das bisher doch noch ohne Währungsschnitt und Armenküche, ohne brennende Barrikaden und Machtübernahme durch Oskar Lafontaine. Ging dessen heißgeliebter Sozialismus an einem Übermaß an Visionen zugrunde, die den Kontakt mit der Wirklichkeit dauerhaft nicht ertrugen, so überlebt der Kapitalismus durch das genaue Gegenteil: Ringsum ist keine Vision zu sehen, wie eine Gesellschaft sein müsste, um besser zu sein als diese. Wo es aber keinen Ort gibt, an den sich zu fliehen lohnt, bleibt der Mensch meist, wo er ist.

Pathos in Blau

Franzose sein ist auch nicht immer schön, macht einen Jonathan glauben, der als The Dada Weatherman seine eigene Folkband ist. Mit "The Green Waltz" hat der Junge, der es als sein Hobby bezeichnet, dem arktischen Eis beim Schmelzen zuzuschauen, eben ein wunderschönes Album gemacht, das es auch noch kostenlos herunterzuladen gibt. In den durchweg nur als "zerbrechlich" (Rolling Stone) zu bezeichnenden Stücken klingt er zuweilen verdächtig wie Conor Oberst von Bright Eyes. Umso rätselhafter ist es, dass sein schönes "Explode In Blue" bis heute nicht mal 600 Menschen angeschaut haben. Will die Welt etwa nicht mehr wissen, wie schlecht sie ist?

Keiner weiß nichts

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs völlig ungeniert. Peer Steinbrück, als Finanzminister dilettierender Ex-Ministerpräsident, muss der Krise, die seiner Ansicht nach eine ganz und gar amerikanische war, Tribut zollen. Der Arbeiterführer, der zuletzt mit lautem Geschrei Steuersünder jagte, um vom eigenen Versagen bei der Aufsicht über die Landesbanken und die bundeseigene KfW abzulenken, teilte jetzt mit, dass er keine Ahnung habe, wie hoch die Neuverschuldung des Bundes in diesem Jahr sein werde. Auf die Frage, ob sich das Finanzloch in diesem Jahr womöglich von dieser unbekannten Tiefe und Größe aus noch weiter vergrößern werde, ließ er die ARD wissen, dass er das auch noch nicht sagen könne. Immerhin: Hintenraus wird es irgendwann Zahlen jenseits von -zig geben. "Danach"; werde abgerechnet, versprach Steinbrück. Selbstverständlich ohne zu sagen, wann diese "danach" sein wird.

Dienstag, 26. Mai 2009

Burundi im Märchenland

Wäre Großbritannien über den Landweg erreichbar, hätte Bundesdurchgreifminister Peer Steinbrück seine geheime Steuer-GSG9 schon in Marsch gesetzt, um die in Deutschland streng verbotene Wettseite Betfair gnadenlos dicht machen zu lassen. Glücksspiel, so es nicht von der staatlichen Glücksspielagentur Lotto betrieben wird, vernichtet Existenzen, kostet Männer und Frauen Haus und Hof und treibt Kinder in Hunger und Armut.

Zumal, wenn gewissenlose Geschäftemacher, die sicherlich mit Managern im finstren Bunde sind, Wetten auf Ereignisse anbieten, die 82 Millionen Deutsche heute schon kaum noch eine Nacht ruhig durchschlafen lassen. Wer wird nächster Kanzler? Welche Koalition wird nächste Weihnachten regieren? Reicht es für Jamaika? Oder kommt Burundi? Macht die Nationale Front weiter? Oder wechselt Steinmeier als Schneeeule ins Märchenland?

Im Moment muss der eleganteste aller Arbeiterführer zumindest nicht ernsthaft darüber nachdenken, wie er die Kanzlerwaschmaschine neu möblieren wird. Nach den Betfair-Quoten bleibt die frühere Klima- und derzeitige Krisenkanzlerin Merkel ihren Wählern erhalten, regieren wird sie nach der augenblicklichen Einsatzverteilung mit der FDP müssen. Wieviele Menschen für diese unsichere Aussage bei bislang gesetzten 6500 Euro irgendein Haus oder irgendeinen Hof verlieren mussten, sagen die Briten natürlich nicht.

Nach Norden nach Norden


...und mit dem Pott zurück. Für alle die morgen auf der Seite der Guten, der Aufrichtigen, der Geschundenen stehen.

Verbot der Woche: Lego illegal

Es sind spektakuläre Bilder, die da über das Internetportal Youtube in die deutschen Kinderzimmer sickern. Ein User namens Caspalll führt dort seinen neugebauten Flammenwerfer vor, der ganz aus Legosteinen besteht.

Ein Fall für Sachsen-Anhalts Innen-Staatssekretär Rüdiger Erben, die graueste Eminenz in Magdeburg, die manchen Rasen schon wachsen hört, ehe der Samen im Boden ist. Schon im April 2007 äußerte der wackere Sozialdemokrat, dass "Spiele mit Tötungssimulation" in Sachsen-Anhalt seiner Ansicht nach bereits "definitiv verboten" seien. So verstoße das Spiel Paintball zum Beispiel irgendwie echt krass gegen das Grundgesetz.

Mit Verspätung plant nun auch die Bundesregierung, das in Sachsen-Anhalt zumindest subkutan seit Jahren gültige strenge Paintball-Verbot, das nur in den über das Land verstreuten Paintball-Arenen nicht durchgesetzt werden konnte, auf die restlichen Bundesländer auszuweiten. Der Flammenwerfer-Film aber ändert alles: Nach dem Verbot von Farbspritzpistolen werde nun zu prüfen sein, hieß es in Berlin, ob auch eine globale Anwendungsuntersagung an Besitzer von Wasserpistolen und Spritzgewehren ergehen müsse.

Rüdiger Erbven würde sicher der Ansicht sein, dass unverantwortliche Elemente, die es Amokläufern mit Hilfe von Legobausteinen ermöglichen, brandgefährliche Waffen selbst zu bauen, in seinem Bundesland ohnehin bereits seit dem Ende des 2. Weltkrieges verboten seien. Wirklich sicher aber kann die Gesellschaft nur sein, wenn die Politik in Land und Bund sich rasch entschließt, bei der Änderung des Waffenrechtes auch ein Verbot von Legosteinen, Youtube-Filmen und Teelichtern einzuschließen.

Nicht nur sauber, sondern rein

Bis gestern kämpfte die Bundesregierung der Nationalen Front unter Angela Merkel allein um ein saubereres Deutschland mit saubereren Kommunikationsnetzen, ohne Farbpistolen, Alcopops und Minderjährige, die sich auf Pausenhöfen vor Handykameras küssen. Allmählich aber versteht das Volk draueßen an den Volksempfängern, was Frauen und Männer wie Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen eigentlich wollen: Ein schönes Land mit netten Leuten, die von einer netten Herrschaft nett behandelt werden.

Mit vielen, vielen verschiedenen Graswurzel-Initiativen macht das Netz nun mbil für die große Idee vom sozialen Wohlfahrtsstaat, in dem jeder dasselbe hat und alle anderen das Gleiche. Unter Die geliebte Bundesregierung findet sich eine von Aktivisten erstellte Seite, die viele kleine Proekte bündelt: Den Onlineschutzwall für mehr Sicherheit im Deutschlandnetz, ein Umfragen-Archiv, das die begeisterte Zustimmung zur Regierungspolitik dokumentiert, eine Download-Möglichkeit für die Software "Netnanny Uschi", ein Netfilter-Programm für ein klinisch reines Internet, und ein Aufruf "Ja, wir können!", der klar macht, wie gut Monitoring in allen lebenslagen für alle Bürger wirklich ist.

Montag, 25. Mai 2009

Bridge over troubled water

Nachdem es Feta-Käse und Soja-Bratling aus kontrolliert biologischer Zucht in Deutschland zu einigem Erfolg gebracht haben, was dieses hier wohl kaum zu vermeiden:

Fliesen bis zum Verblassen

Er fliest und fliest und fliest, schreibt "Yeah!" dazu und schleicht sich von dannen. Hatte der unbekannte Fliesenlegermeister, der seit Jahren damit beschäftigt ist, die Innenstadt von Halle komplett mit kleinen Keramikplatten auszukleiden, zuletzt noch krisentypisch dunkle, apokalyptische Visionen in die abfallende Schräge der Ludwig-Wucherer-Straße geklebt, so verehrt er der Geiststraße derzeit stilisierte Vögel, die "Piepmatz" zu nennen sich keine Kindergärtnerin sich scheuen würde.

Wir als einzig offizielle Web-Galerie des Meisters dürfen anmerken, dass es sich beim abgebildeten Schablonenvogel um eine sogenannte Nachklebung handelt: Der Meister im sysiphosischen Kampf mit seinen ungezählten Feinden, dunklen Männern, die die frischen Fliesen bis zum Verblassen schänden. Ein Kunstwerk, das im Vergehen erst richtig entsteht: Er klebt neue Werke über die Schandtat, ein stoischer Kämpfer mit einer Mission, viel größer als er selbst. Und sie kommen, auch die kleinen Spatzen und Nachtigallen zu beschmutzen. In grün, der Farbe des Neides.

Hier hat der Bock noch Spaß am Gärtern. Wie unsere Kollegen von blog.fefe.de, die Klinsmann-Beleidigungspostille taz.de und der Postillion ist auch PPQ.be bei jugendschutzprogramm.de "bereits in Filter enthalten und wird als ‘Standard gesperrt’ eingestuft". Im Gegensatz etwa zu Spiegel.de und bild.de, die vom Jugendschutzprogramm "für unbedenklich gehalten" werden.

Im Gegensatz wiederum zum Humanistischen Pressedienst, dessen Seite hpd.de der Status "Standard gesperrt" hat, weil Jugendschutzprogramm.de "Kinder und Jugendliche vor Gefährdung durch Erotik oder Gewalt auf deutschsprachigen Internet-Seiten" schützt. Dazu lädt sich der besorgte Papa die "empfohlene ICRA-Software" kostenlos herunter, die er dann "kinderleicht" installieren kann. Ab sofort ist das Netz frei von Ekelportalen wie PPQ.be, von satirischen Seiten und fragwürdigen Blogs.

Dafür sorgt Mirko Drenger, ein Ex-Einkaufschef des Billig-Erotikversands Orion. Der Mann mit dem Aussehen eines Pornodarstellers ist seit einiger Zeit Chef der "Fundorado GmbH ", die hauptamtlich schmuddelige Nacktbilder im Netz zu verticken versucht und nebenbei unter dem Namen "JusProg e.V." dafür als gemeinnützig anerkannt ist, dass sie unsere Jugend, die keine Jugend ist, die "immer nur Yeah, Yeah und Yeah schreit" (Walter Ulbricht) vor Verbal-Pornoangeboten wie uns bewahrt.

Gemeinnützige Pornodarsteller also, die dafür sorgen, dass wir kein Brustbild von Angela Merkel mehr in die deutschen Kinderzimmer verklappen können. Dort wäre dann theoretisch mehr Platz für Schweinkram und Dicke-Titten-Seiten von Fundorado. Die aber haben sich zumindest auch gleich selbst gesperrt. Jugendschutzprogramm.de allerdings hatten sie bisher vergessen. Haben wir jetzt mal nachgemeldet. Sicher ist ja sicher.

Die Titanic stellt die richtigen Fragen

Seiten mit perversen Inhalten

Der Führer wird Fußballmeister

Wenn das der Führer wüsste! Kurz nachdem Adolf Hitler (oben bei der Grundsteinlegung) gemeinsam mit dem Panzer-Designer Ferdinand Porsche den später "Käfer" genannten Kraft-durch-Freude-Wagen erfunden hatte, gründete er eigens eine Stadt zur Produktion des schicken Wagens, den jeder gute Deutsche nach dem Endsieg zum volksnahen Preis von 990 Mark hätte kaufen können sollen.

Von ihrer Gründung am 1. Juli 1938 bis zum 25. Mai 1945 trug die Stadtneugründung den kantigen Namen Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben. Anderslautenden Angaben zum Trotz wurde Hitlers einzige Stadtneugründung überhaupt erst nach dem Sieg der Alliierten auf den Decknamen getauft, den der NSDAP-Gründer während der Kampfzeit bevorzugte: Aus "Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben" wurde als verspätete Hommage an Hitler, der nach dem Krieg eine eigens für ihn gebaute Residenz auf dem Klieversberg hatte beziehen wollen, die Stadt "Wolfsburg". Aus der Kübelwagenschmiede der Wehrmacht wurde das Volkswagenwerk und aus den vor dem Krieg bezahlten Anrechtsscheinen im Wert von über 280 Millionen Reichsmark, die 340.000 Menschen gekauft hatten, um einen KdF-Wagen zu bekommen, wertloses Altpapier.

Nicht wertlos wurden dagegen die VW-Aktien, die im Besitz der Familien Porsche und Piech verblieben. Volkswagen konnte so den ehemaligen Hamburger Fußballspieler und späteren Münchner Fußballtrainer Felix Magath unter Vertrag nehmen, für 55 Millionen Euro Spieler einkaufen und als erste deutsche Stadt, die auf Initiative des ehemaligen Führers und Reichskanzlers und heutigen n-tv-, ZDF- und Vox-Moderators Hitler gegründet wurde, Deutscher Fußballmeister werden.

Jetzt geht es nun nach Europa. Für Wolfsburg. Wenn das der Führer wüsste.

Wir Schmuddelkinder von PPQ


Der Jugendschutz hat uns dann doch erwischt. Mit unserer perversen Mischung aus diversen Buchstaben, die wir nach internen Kriterien immer neu und anders zusammenstellen, sowie (meistens bunten!) Bildern aus Eigen- und Fremdproduktion durften wir nicht verschont bleiben.

Verantwortlich für die Sperrung ist folgender Verein mit einem spannenden Sitz in Hamburg:


Dort wird unter anderem diese Seite produziert:

Fremde Federn: Hunde im Handstand

In der letzten Woche, hat der Postillon herausgefunden, überschlugen sich die Ereignisse, die zuvor noch einen soliden Handstand vollführt hatten. Der Postillon, wie PPQ inzwischen von der Postzeitungsvertriebsliste gestrichen, weil er "keinen Beitrag, der der Festigung der deutsch-sowjetischen Freundschaft dient" erbringt, sondern, "statt dessen verzerrende Beiträge zur Geschichte", wie es schon beim "Sputnik"-Verbot so treffend hieß. Der Postillon hat Protokoll geführt beim laufenden Irrsinn und mißbraucht das Netz nun, das Dokument des Schreckens allgemein zugänglich zu machen. Draußen tobt der Wahlkampf, der wie immer niemanden interessiert, aber wie immer endgültig über Deutschlands Schicksal entscheiden wird.

Wir wir nutzen die Stille vor dem Schuß und helfen mit Nachdruck mit einem unautorisierten Nachdruck: Gesine München belegte einen knappen zweiten Platz in der Präsidentenliga, Benno Ohnesorg wurde deutscher Meister und Horst Köhler ertränkte im Auftrag der Stasi Uwe Barschel in Wolfsburg. Wenn da nicht der Hund in der Pfanne verrückt wird, wo dann? Am treffendsten sind hier immer noch die Verse des bekannten Dachabdichters Sören Draxlhuber: Scheiß die Wand an/alter Knabe/ist es schon so spät?/ich muss dann mal.

Sonntag, 24. Mai 2009

Indie-Rock für große Bühnen

Verbot der Woche: Flügel aus der Dose

Nach dem Wasser, das voller Uran ist, ist jetzt auch die Cola voller Kokain. Im Rahmen der PPQ-Aktion "Verbot der Woche" hat die Lebensmittelaufsicht in Niedersachsen die Marke Red Bull Simply Cola aus dem Verkehr gezogen und den Verkauf verboten, nachdem Chemiker in der Cola Spuren von Kokain gefunden hatten. Auch Hessen und Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen stellten den Verkauf der Koks-Cola unter Strafe, die erst seit Mitte letzten Jahres verkauft wird.

Nach Angaben des österreichischen Herstellers ist die Red-Bull-Cola "strong and natural" und sie ist die "einzige Cola, die sowohl die Original-Kolanuss als auch das Kokablatt verwendet". Noch unklar ist, ob die Bundesrepublik auch zu diplomatischen oder militärischen Mitteln greift, um die weitere Verbreitung von Red-Bull-Cola zu verhindern und den Cola-Schmuggel zu unterbinden, da die österreichischen Behörden ein Verkaufsverbot derzeit noch verweigern.

Fest steht jedoch, dass Rom-Reisen ab Ende nächster Woche verboten werden. Eine Studie des nationalen Forschungsinstituts CNR wies bereits vor zwei Jahren eine hohe Konzentration an Kokain in der Atemluft der Heiligen Stadt nach. In der Nähe der Universität liege die Kokainkonzentration bei 0,1 Nanogramm pro Kubikmeter, weil italienische Kokain-User die beweglichen Rückspiegel von Motorrädern gern als Unterlage nutzen, "um sich das weiße Pulver in die Nase zu ziehen", wie der "Spiegel" im Juni 2007 herausfand.

Die Statistik stirbt zuletzt

Es wird später diese eine Stelle geben im Spiel Hallescher FC gegen Hertha BSC II. Thomas Neubert, der lange Stürmer, der Halle in der Vorwoche gegen Hamburg für fünf Minuten an die Tabellenspitze geschossen hatte, umkurvt einen Gegenspieler, schirmt den Ball mit dem Hintern ab, dreht sich einmal, dreht sich zweimal, stolpert, fällt, spielt im Liegen weiter, krabbelt hoch, schirmt den Ball ab, blickt kurz hoch, um zu schauen, wo das Tor steht. Im selben Moment nimmt ihm ein Berliner den Ball vom Fuß.

Alles also wie immer in Halle: Mühe, Schweiß, ein bisschen Glück treffen auf ein bisschen Pech und eine Portion Unvermögen. Der HFC, seit Anfang Mai auf Meisterkurs, aber noch sechs Tore hinter Dauertabellenführer Kiel, beginnt stark, baut anschließend sofort stark ab und als Hertha gerade ausprobieren will, wie es sich eigentlich so in der halleschen Hälfte läuft, kombinieren Kamalla, Kanitz und Benes auf Linksaußen für ein paar Sekunden bundesligareif: Spielmacher Rene Stark, beim Auswärtsauftritt in Hamburg nur Mitläufer, zieht aus 15 Metern ab. 1:0, 10. Minute - nach allen Regeln der halleschen Kunst ist das Spiel damit gewonnen, denn Halle gewinnt immer, wenn es in Führung geht.

In Kiel steht es noch 0:0, Halle ist damit erstmal wieder Tabellenführer. Und allem Anschein nach entschlossen, es auch zu bleiben. Christian Kamalla, vergangenen Saison noch Ersatzspieler , spielt souverän, als habe es die 89. Minute von Hamburg nie gegeben, als er in Vertretung des HSV-Stürmers Shahin das Ausgleichstor für den HSV schoß. Hertha spielt jetzt offensiver, im Mittelfeld verlieren Görke und Finke nun gelegentlich auch mal einen Ball. Aber da ist ja immer noch Rene Stark: Nach 25. Minuten spielt Görke ihn diesmal auf Rechtsaußen an, im Fallen kullert der HFC-Kapitän den Ball Richtung Torpfosten. Von dem aus springt er hinter die Linie.

Damit könnte Schluß sein. Bei einem Zwei-Tore-Vorsprung hat Halle zum letzten Mal nach gefühlten drei Jahren verloren. Was nicht weiter schwierig auszurechnen ist: In dieser Saison gab es erst eine Niederlage, die letzte davor datiert vom März 2008, zu Hause gegen Plauen.

Die halten in Kiel zu neunt immer noch ein 0:0, und der HFC ist dem 3:0 nahe. Markus Müller, nach seinem Siegtor beim Auswärtsspiel in Kiel zum neuen HFC-Helden ernannte. trifft aus zwei Metern nur die Lattenunterkante. Wenig später verliert Finke den Ball beim Herumstochern im Mittelfeld. Herthas Traore legt den sechsten Gang ein, seinen Schuß pariert Horvat noch. Doch im zweiten Versuch hat Boyd keine Mühe, das leere Tor zu treffen.

Statistisch gesehen ist damit der Endstand aller HFC-Heimspiele im Mai 2009 glücklich erreicht. Ginge es nach den 3141 auf den Rängen, abzüglich der zwölf mitgereisten Berliner, die unter der Anzeigetafel von fünf Ordnern und zwei Polizisten in Schach gehalten werden, könnte Schiedsrichter Christian Leicher zur Halbzeit abpfeifen. Die Tribüne, mit Sachverstand, der in Verbands- und Oberliga antrainiert wurde, weiß: Besser wirds nicht mehr.

Sie behält recht. In Kiel steht es immer noch Unentschieden, in Halle nach einer Stunde nicht mehr. Traore, ein Mann mit Beinen aus Draht, hat Schubert überlaufen und von der Linie nach innen geflankt. Die Fankurve sieht den Ball vorher im Toraus und weist der Schiedsrichter lautstark darauf hin. Hätte sie lassen sollen: Der Schiri hört nicht drauf, auch die Berliner lassen sich nicht irritieren. Wohl aber die komplette HFC-Abwehr. Die hebt kein Bein mehr, so dass Boyd in der Mitte annehmen und aus zwei Metern einschießen kann.

Zum ersten Mal überhaupt vergibt der HFC eine Zwei-Tore-Führung, und das auf der Zielgerade einer Saison, in die die Mannschaft von Sven Köhler mit dem Ziel Klassenerhalt gestartet und eher aus Versehen in den Aufstiegszweikampf mit Kiel geraten war. Der Knack ist zu hören, der durch die Köpfe geht. Stark kniet entgeistert ab, Torwart Horvath schimpft, Köhler sitzt still auf seinem Bänklein.

Für die Mannschaft ist die Situation neu, für die Statistiker auf der Tribüne auch. Die Statistik stirbt zuletzt, die Mathematik kommt zu ihrem Ende. Ein heuristischer Bruch, für den noch keine Formel greifbar ist: Hier wird es bei eigenen Vorsprung immer spannend bis nahe an den Herzinfarkt, schließlich will das Publikum für seine zehn Euro Eintritt ordentlich Adrenalin ausschütten. Aber dass ein Spiel wirklich kippt, daran erinnerten sich bis eben nur die Älteren unter den Zuschauern.

Eine Stunde ist vorbei und der Traum vom Sprung an die Spitze auch. Den Rest der Begegnung inszenieren Halle und Hertha als offene Feldschlacht, in der keiner mehr einem wehtut. Hebestreit, Neubert und Kunze kommen für Görke, David und Müller und bringen endlich auch ein paar Ecken und Freistöße mit. Aber "Zählbares springt nicht heraus" (Waldefried Forkefeld), denn Benes verstolpert, Kanitz verzieht, Stark schießt vorbei und der statistisch seit längerem überfällige Elfmeter für Halle kann nicht gepfiffen werden, weil Thomas Neubert Fruchtbarkeitstänze aufführt, statt den Weg in den Strafraum zu suchen..

Haareraufen im bröckligen Stadionrund. Kurz Zusammenzählen, wo überall die Punkte liegengeblieben sind, die nun vielleicht am Ende fehlen werden. Gegen vier von 15 Gegnern hat der HFC alle sechs Punkte geholt, gegen acht immerhin noch vier, gegen Hannover, den einzigen Gegner, gegen den zwischendurch mal verloren wurde, auch noch drei. Ausgerechnet gegen die beiden Berliner Vereine Hertha und Türkiyemspor aber, Tabellenachter und Tabellen-15., reichte es nur zu jeweils zwei Punkten.

Preußen, einmal mehr Schicksal der Region, die immer dazwischen war und nie richtig dabei? Aber vielleicht reicht selbst das Unentschieden noch. Kiel spielt auch nur 0:0 und holt das dritte Remis hintereinander - die Bilanz des Aufstiegsfavoriten ist die eines Absteigers: Fünf Punkte von 15 möglichen aus den letzten fünf Spielen. Halle holte in derselben Zeit 11 von 15 und damit zehn Punkte auf.

Hält der Trend, wird der HFC am Ende vier Punkte Vorsprung haben. Gewusst werden wird das erst nach dem Landes-Pokalfinale, das der treu für seine Vereine sorgende Fußballverband Sachsen-Anhalts direkt zwischen das Sonntagspiel gegen Hertha und das vielleicht alles entscheidende Liga-Aufstiegsvorfinale am nächsten Samstag in Wolfsburg gelegt hat. Sollen wohl im Rhythmus bleiben, die Hallenser.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Wer hat es gesagt?

Kommunismus: "Der Teufel hole seine Praxis, aber Gott erhalte ihn uns als Drohung über den Häuptern jener, so da Güter besitzen und alle anderen zu deren Bewahrung und mit dem Trost, dass das Leben der Güter höchstes nicht sei, an die Fronten des Hungers und der vaterländischen Ehre treiben möchten."

Prima Krise

Verbot der Woche: Robben gerettet

Schluss mit dem Mord an zehntausenden unschuldigen Robbenbabys, die uns so sehr an die eigenen schnuckligen kleinen Kinderchen erinnern. Im Zuge der PPQ-Aktion "Verbot der Woche" hat die EU den Handel mit Robbenprodukten von 2010 an verboten. Robben dürfen auch danach weiter angebaut werden und süß lächeln, europaweit gilt aber ein Einfuhr- und Handelsverbot. Mit Razzien soll ab 2012 gegen alte Damen vorgegangen werden, die Robbenfellmäntel in ihren Kleiderschränken horten. Ausnahmen gelten nur für die arktischen Ureinwohner, die früher Eskimos genannt wurden, nach einem weltweiten Verbot des Wortes aber nunmehr Inuit heißen. Inuit dürfen Robben jagen und verkaufen, unklar ist bislang nur an wen.

Dieser Beschluss werde in Kanada in diesem Jahr etwa 250 000 Jungrobben das Leben retten, sagte Rebecca Aldworth von der kanadischen Tierschutzgesellschaft Humane Society International. «Das EU-Parlament hat den letzten Sargnagel in das Geschäft der Robbenjäger gehämmert», freute sich der Internationale Tierschutzfonds IFAW, der darauf hinwies, dass Pelzfans noch bis Ende des Jahres die Möglichkeit haben, sich mit Robbenfellen zu bevorraten. Danach bleibt den Freunden Protesten gegen Jagd und Mord nur noch die Chance, um eines der rund 1,3 Millionen jährlich allein in Deutschland getöteter Wildschweine zu weinen.

Auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn ist restlos glücklich. «Es ist gut, dass das Abschlachten von Robbenbabys für zweifelhafte Luxusgüter nicht mehr toleriert wird», sagte sie. Kein Mensch brauche warme Mäntel oder Mützen, wo doch das Klima zunehmend wärmer werde. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas sagte, die neue Regelung entspreche der Auffassung der EU-Bürger, die die grausamen Methoden der Robbenjagd ablehnten. Gut fänden es die EU-Bürger, wenn die possierlichen Robben geschlachtet werden könnten wie die einheimischen Schweine: Erst ein aufgesetzter Betäubungsschuss mit einem supergesundheitsfreundlichen Bolzenschussgerät, wie es auch beim Verdübeln auf Baustellen Verwendung findet. Und dann das fabrikmäßige Ausweiden, ohne dass Fernsehteams ihre Kameras in jede Blutpfütze halten.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Wer hat es gesagt?

Es dünkt mich gleichgültig, dass einstweilen noch die kurzsichtigste, vielleicht ehrlichste, jedenfalls lärmendste Art Mensch, die es heute gibt, unsre Herrn Sozialisten, ungefähr das Gegenteil glaubt, hofft, träumt, vor allem schreit und schreibt; man liest ja ihr Zukunftswort ‚freie Gesellschaft‘ bereits auf allen Tischen und Wänden. Freie Gesellschaft? Ja! Ja! Aber ihr wisst doch, ihr Herren, woraus man die baut? Aus hölzernem Eisen! Aus dem berühmten hölzernen Eisen! Und noch nicht einmal aus hölzernem …

(gefunden hier)

Mannichl: Der Revolver raucht nicht mehr


Es war kalt in Deutschland, damals, kurz vor Weihnachten 2008, als der Passauer Polizeichef Alois Mannichl von einem riesenhaften, kahlgeschorenen und mit einer Schlange im Gesicht tätowierten Rechtsradikalen mit einem zufällig herumliegenden Lebkuchenmesser beinahe erstochen wurde.

Eine Tat, die zeigte, "daß hier keine Einzeltäter am Werk waren, sondern daß die Neonazis inzwischen auf ein dichtes Netz zurückgreifen können", wussten die Verfolgten des Naziregimes (VVN). Dafür sei ganz wesentlich die NPD verantwortlich, die auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann für eine "neue Dimension" verantwortlich machte.

Sechs Monate später ist nichts mehr übrig vom Traum vom rauchenden Revolver, den der schlangentätowierte Lebkuchenmessernazi im Auftrag der organisierten Rechten in der Hand hält, während er mit der anderen seinen NPD-Mitgliedsausweis vorzeigt, als habe die NPD selbst ein Interesse daran, möglichst schnell möglichst gründlich verboten zu werden.

50 Mann hatte die Sonderkommission Lebkuchenmesser, die sechs Wochen nach der Tat daran ging, den Schneematsch im Rinnstein vor dem Tatort wegzufegen, um eventuell vom Täter hinterlassene Zigarettenkippen, Speichelspuren oder Visitenkarten sicherzustellen. Ähnlich CSI-artig wirkten auch die anderen Fahndungsbemühungen: Gegenstände wurden von einem Spielplatz gesammelt, die zugewachsene Wunde im Polizeichef wurde auf Ernsthaftigkeit geprüft und aller paar Tage verkündete der Soko-Chef, man werde den Täter sicher bald haben.

Dann musste die kripo-intern "Sonderkommission Fürstenzell" genannte Sondereinheit zur Aufklärung des Staatsverbrechens neuer Qualität im April die ersten Männer abgeben. Von den Zigarettenkippen hatte man nie mehr etwas gehört, auch die Gegenstände vom Spielplatz hatte offenbar nicht der Täter benutzt, um vor und nach seiner ruchlosen Tat zur Entspannung ein wenig im gefrorenen Sand zu spielen.

Der "Spiegel", der vor sechs Monaten noch von einer von Rechtsextremen begangenen Tat ganz sicher wusste, berichtet nun, die Soko sei nach der "angeblich von einem Rechtsextremisten begangenen Tat" gegründet worden. Und werde nun aufgelöst.

"Es gibt einfach nichts mehr zu tun", hat ein Insider dem "Spiegel" erzählt, in dem Beobachter den Mann wiedezuerkennen glauben, der der Hamburger Illustrierten seinerzeit in "höchster Seelenpein" berichtet hatte, dass der Terrorist Holger Grams in Bad Kleinen von Terrorfahndern "hingerichtet" worden sei und er habe zuschauen müssen.

Ein Schicksal, dem der Schlangenmann nun sicher entgehen wird. Die Soko wird irgendwie von München aus weiterfahnden, auch Alois Mannichl ist bald nicht mehr in Passau, um gleich dem Detective Charlie Crews in der US-Serie "Life" selbst nach dem Mann zu suchen, der sein Leben zerstört hat. Hat er? Alois Mannichl wird pünktlich zur Auflösung der Soko Kripochef der gesamten niederbayerischen Polizei.

Mal wieder ein Waldschrat

Rauschende Rendite bei Staatsbrauerei

Als Josef Ackermann für die Deutsche Bank ein Renditeziel von 25 Prozent nannte, war die deutsche Arbeiterbewegung zum ersten Mal seit der Vereinigung von KPD und SPD zur SED wieder geschlossen einer Meinung: Nicht nur menschenverachtend ist es, 25 Prozent Gewinn machen zu wollen, sondern auch "völlig unmöglich" (Müntefering).

Als Thomas Schäuble, Chef der Bierbrauerei "Tannenzäpfle", jetzt eine Umsatzrendite von 29 Prozent für das vergangene Jahr verkündete, blieb die deutsche Arbeiterbewegung stumm. Die Brauerei, die kleine Fläschchen für Besserverdienende abfüllt, befindet sich in baden-württembergischen Landesbesitz. Niemand braut so gutes Bier wie der Staat, der sich die Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs und den Kampf gegen Komatrinker auf die Fahnen geschrieben hat.

Bei Tannenzäpfle gibt es alles aus einer Hand: Den Rausch und die Rendite, die auch in Zukunft höher sein wird, als es sich Joseph Ackermann auch nur erträumen kann. Belastet worden sei die Vorjahres-Bilanz ja durch einen ungewöhnlich starken Anstieg der Malzkosten, sagte Brauereichef Schäuble. Die aber sinken schon wieder. Langfristig ist noch mehr drin - Herr Müntefering, übernehmen Sie!

Die Angst trinkt mit

Eigentlich war sie erst für das Sommerloch erwartet worden, nun aber schreckt die alljährliche Meldung vom "Uran im Trinkwasser" 82 Millionen deutsche Wassertrinker doch schon zu Himmelfahrt aus den frühen Frühlingsgefühlen. "Viele Mineralwässer, darunter bekannte Marken wie S. Pellegrino und Überkinger, sind so stark mit Uran belastet, dass gesundheitliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können", hat die Nahrungsmittelschutzorganisation Foodwatch herausfindenlassen. Kann stimmen, denn die Angaben decken sich mit den 2006, 2007 und 2008 von der Nahrungsmittelschutzorganisation Foodwatch herausgefundenen Daten: 150 Proben von etwa 8200 Proben aus ganz Deutschland enthielten seinerzeit "einen Urananteil von mehr als zehn Mikrogramm pro Liter Wasser". Wie bestellt schlugen "Verbraucherschützer Alarm" (dpa).

Das tun sie auch jetzt wieder, denn "aus einer Liste mit 825 Uran-Messdaten von 435 Mineralwasser-Marken" geht laut Foodwatch hervor, dass "104 Messwerte von 55 Marken" bei "über zwei Mikrogramm Uran pro Liter" liegen. Jedes achte Mineralwasser sei danach "zu hoch mit Uran belastet und für Säuglinge und Kleinkinder nicht sicher", beschrieb foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode eventuelle Auswirkungen, von denen er nicht weiß, die er aber auch "nicht ausschließen" kann.

Die Angst trinkt mit, nächstens aber nicht nur an der Wasserflasche. Auch Tomaten, Gurken, Duschwasser und das Beckenwasser im Freibad sind mit Uran geradezu verseucht. In der Wurst ist Uran, im Schweinebraten, im Kirschkuchen, in der Milch, im Sicherheitszündholz und in der Zigarette. Und nicht zufällig. Vielmehr besteht jede Tonne Erdkruste zu etwa 2,3 Gramm aus Uran. Was automatisch zur Folge hat, dass Trinkwasser - es dem Mineralwasser hergestellt wird - , Böden und Nahrungsmittel voller Uran sind und sogar die Luft 0,04 Milliardstel Gramm pro Kubikmeter enthält.

Bei einer mittleren täglichen Atemrate eines Erwachsenen von 20 Kubikmetern Luft gelangen daher etwa 0,8 Milliardstel Gramm Uran pro Tag in den Körper, im Erzgebirge und dem Mansfelder Land eher mehr, an der Ostsee eher weniger. Mit der Nahrung nimmt ein Erwachsener zusätzlich täglich bis zu 1,5 Millionstel Gramm auf - im Ergebnis enthält ein Mensch dann 30 bis 60 Mikrogramm Uran. Deutlich mehr als eine Flasche Mineralwasser.

Aber kommt es darauf an? Hätte Foodwatch das ganze Leben untersucht und seine Auswirkungen auf die Lebenden, müsste Thilo Bode sicher das Fazit ziehen, Leben an sich sei "nicht sicher" und er könne nicht ausschließen, dass es womöglich tödlich ende.

Du bist Terrorist

Gesänge fremder Völkerschaften: Trallala im Saaletal

Völkerkundler staunen über die große PPQ-Serie "Gesänge fremder Völkerschaften",, Musiklaien aber lernen: Bordun nennt sich ein durchgehender Dauerton, der von Bands wie Corvus Corax obenrum mit Dudelsackquietschen verziert wird, das klingt wie ein etwas höherer durchgehender Dauerton, leicht variierend zwischen G und F und C. Die Menschen aber, voller Vorfreude auf die anstehende Europawahl, sammeln sich dazu im Saaletal. Und auf Befehl von oben, der historisch nicht ohne Vorbild ist, heben sie an, gemeinsam das große Trallala zu singen.

Dienstag, 19. Mai 2009

Arm, aber unglücklich

So sieht er aus, der Osten, 20 Jahre nach dem Mauerfall, schreibt Karl Eduards Kanal in einem an herz gehenden Feature aus dem Armenhaus Deutschlands, das so groß ist wie der ganze ehemals zehntgrößte Industriestaat der Erde. Kahlköpfig und verlaust, mühsam von "Tafeln" ernährt, für die schnieke Westtussen mit einem großen Herz für vom Kapitalismus behinderte Benachteiligte Kraut und Rüben kochen.

Trostlosigkeit, sieht Armuts-Reporter Karl Eduard: Der Wind pfeift durch die leeren Städte, auf den Strassen streunen Hunde und betteln, wie Journalisten, darum, einen Tritt verpasst zu bekommen. Horden von arbeitslosen Neonazis durchstreifen die Gegend auf der vergeblichen Suche nach Indern, Schwarzen oder Juden, die sich zum lynchen anbieten. Zahnlose Greisinnen locken mit käuflichem Sex, um die Reparatur ihrer Dritten finanzieren zu können, ein Bild des Grauens.

Nur hier und dort schmieren konspirativ AntifaschistInnen Aufforderungen, Sex mit Nazis zu haben, an Häuserwände, ritzen sich Hakenkreuze in zarte Mädchenhüften oder lauscht eine erregte Menschenmenge einem sozialistischen Agitator, der sich 89 noch verstecken musste, um nicht die Jacke vollgehauen zu bekommen.

“Armut bekämpfen!” So lautet der Slogan, und ausgemergelte Einwohner, denen der Wind durch die Taschen pfeift und die sich dank Abwrackprämie gerade ihren neuen BMW vom Munde abgespart haben, klatschen begeistert. Der Osten ist arm. In Lumpen gehüllte Menschen sitzen vor den Türen der verwaisten Kirchen und bitten um Cents und um eine milde Gabe. Das Geschäft der TAFELN blüht, ihretwegen muss niemand auf seine Tabakration oder seinen Klaren verzichten. Der Osten ist arm, verzweifelt und miesepetrig.

Was hilft es, früher aufzustehen, in Sachsen-Anhalt, wenn eine Wohnung in München unbezahlbar bleibt oder in Frankfurt?

Wer ist Schuld am Elend? Die Linke weiss es. Die Linke war es nicht. 40 Jahre verantwortlich dafür zu sein, dass die DDR-Bürger kein Vermögen anhäufen konnten, wegen eines untauglichen Wirtschaftssystems, das für das Wohl des Volkes in ferner ferner Zukunft die Arbeiter, Bauern und die Intelligenz ausgebeutet hat, hat weder mit der SED zu tun, als der führenden politischen Kraft in der DDR, noch mit ihrem Rechtsnachfolger DIE LINKE. Auch für die Vernichtung der Unternehmer und Handwerker, als politische Klasse, die als Selbständige dafür Sorge getragen hätten, dass ihr Weizen und der ihres Unternehmens blüht, inklusive Anschluss an Wissenschafts- und Technikentwicklung, können die Genossen nichts. Sie, die Kombinate erschufen und Produktionsgenossenschaften, in denen Arbeitsproduktivität weniger wichtig war, als jedem Bürger seinen Arbeitsplatz zu gewährleisten. Weswegen die Kombinate und Genossenschaften vor der Konkurrenz auch zusammenbrachen. Produkte, die kein Mensch mehr haben und zu Preisen, die keiner bezahlen wollte. Im Osten.

Weshalb sie im Osten immer noch und verstärkt als Hoffnungsträger gilt, die SED, die vielfach Umbenannte. Das walte Oskar. Oder Gesine oder welcher Prophet linker Glückseligkeit auch immer.

Germania geh du voran

Sie waren alle da, außer Erich Honecker. Linksextremisten mit einem Rechtsdrall, Rechtsradikale, die an Ufos glauben, Althippies und Neu-Aussteiger, der Oberschenker ÖffÖff und geldmüde Vermögenslose, frisch ernannte Adlige und ehemalieg Kinderpornografenopfer. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm hatte in der Bevölkerung des selbsternannten "Fürstentum Germania" messerscharf das Böse an sich erkannt, man wisse nur noch nicht, wieso es böse sei. Der Staat, der sich selbst in einem zerfallenen schloß samt Garten gegründet hatte, sei selbstverständliuch illegal, Pässe, die die Fürstentumsführung angekündigt hatte, ausgeben zu wollen, würden "sofort beschlagnahmt".

Unklar war, aufgrund welcher Rechtsvorschrift, denn bislang galt in Deutschland die Regel, dass die Herstellung von eigenen Ausweispapieren mit Hilfe von Bleistift, Kugelschreiber, speziellen Softwareprogrammen oder im Kartoffeldruck im Gegensatz zu ihrer "mißbräuchlichen Anwendung" straffrei ist.

Zum Glück gibt es ja aber noch das Baurecht, mit dessen Hilfe sich verdächtige Bestrebungen noch immer am wirksamsten unterbinden lassen. Weil das von Geburt an marode Fürstentum nicht an die Abwasserentsorgung angeschlossen und der früher als Kindergarten benutzte Bau nicht per Antrag auf Nutzungsänderung zum Wohnen umgewidmet worden war, beendete die Polizei die extremismusverdächtige Episode der langen Geschichte des Schlosses Krampfer heute durch eine kurzfristig anberaumte Räumng. Das nunmehr wieder leere Schlossgebäude in Plattenburg in der Prignitz solle versiegelt werden, verriet ein Polizeisprecher.

Es habe sich beim Eingreifen der Truppen des Innenministeriums völkerrechtlich nicht um einen Angriffskrieg gehandelt, die Bewohner des Schlosses, die es laut Jörg Schonbohm erstmals in der deutschen Geschichte geschafft hatten, Rechts- und Linksextremismus zu einer gesunden Mischung zu verschütteln, hätten "kaum Widerstand" (dpa) geleistet. Ob die Räumung im nächsten Jahresbericht des Verfassungsschutzes als rechtsextreme oder als linksetreme Straftat Berücksichtigung finden soll, wird eine hochrangige Regierungskommission unter Leitung führender Mathematiker beraten.

Prahlen mit Zahlen

Die Welt ist ein Hamsterkäfig, an dem immer dieselben Streben vorüberfliegen. Samstags ist "Wetten, dass...", im Mai kommt der Verfassungsschutzbericht, und, wetten, dass?, er warnt vor einer erschreckenden Zunahme an rechten Straftaten.

Auch in diesem Jahr enttäuschen die Verfassungsschützer nicht. Wie unser kleines Verfassungsschutzblog schon Ende April berichtete, hat die Zahl der rechtsradikalen Straftaten erneut deutlich zugenommen. Der "Spiegel", der Geheimnisse, die niemand erfahren soll, noch immer zuerst weiß, berichtet von "ersten Informationen", nach denen es 2008 rund 20.000 Fälle gab. Darunter seine "viele Gewalttaten" gewesen, aber nochmehr sogenannte "Propagandadelikte": 19.000 rechte Taten bestanden aus gekritzelten Hakenkreuzen, gezeigten Hitlergrüßen und gehissten Nazifahnen.

Durch eine neue Zählweise gelang es erstmals, alle diese Taten, die die Existenz des demokratischen Deutschland existenziell bedrohen, in der Statistik für "rechte Straftaten" zu erfassen. Dazu wurde Anfang vergangenen Jahres die Zählweise geändert: Eine rechte Straftat liegt jetzt auch vor, wenn ein Fünfjähriger nach einem Indien-Urlaub versucht, sein erstes Hakenkreuz zu malen, wenn ein komatös betrunkener Deutscher im Sinne des Grundgesetzes "Sheissepack" auf eine Gartenbank in der Nähe einer Synagoge kritzelt, wenn ein Unbekannter den Passauer Polizeichef Alois Mannichl mit einem Lebkuchenmesser zu erstechen versucht oder wenn ein Mädchen in Mittweida von selbsterfundenen Bilderbuch-Nazis gefoltert wird.

Die Aufklärungsrate der "rechten Strattaten" ist im Zuge der reformierten Zählung von 44,7 Prozent auf 40,5 Prozent gesunken. Mehr Taten haben nun weniger Täter, aber der Hamster hat nun wieder ein Jahr Ruhe vor dem Verfassungsschutz. Dessen nächster Bericht kommt im Mai 2010. Und wetten, dass? Er wird vor einer "erschreckenden Zunahme" rechter Straftaten warnen.

Heidi Klum nackt

Da hat sie doch tatsächlich mal jemand ausgezogen, die Heidi Klum. Roger Willemsen äußerte sich in der Sonntaz über die DIN-Model-Frau und deren Suchsendung nach Klonen ihrer selbst folgendermaßen: Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belangslosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über "Persönlichkeit" redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft... Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln... Danke, Herr Willemsen.

Das konnte Heidi Klum aber natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Sie ist die Mutter der Modelnation, das einzige Wesen, das zwischen Schön und Schein unterscheiden kann und sich dabei gegen Millionen von Millionen über die Schulder schauen lässt. Die Erfinderin der Modelfindung als öffentlicher Schauveranstaltung im Serienformat ist zu sehr Geschäftsfrau, um nicht zu wissen, dass jeder Streit alle Streitenden nach vorn bringt. Mann muss sich nur auf das Nideau des Angreifenden herablassen, schon geht ein Streit nicht nach hinten, sondern immer wieder von vorn los. Man kennt das aus der Geschichte, der Boulevard lebt davon, und er lebt nicht schlecht.

Heidi Klum also schweigt also fein still. Stattdessen äußert sich heute Papa Klum. Natürlich nicht in der taz, sondern in der zu den Klums viel besser passenden Bild-Zeitung. "Üble Hass-Attacke gegen Heidi Klum", titelt das Blatt und fragt: "Was ist bloß in den feinsinnigen Moderator Dr. Roger Willemsen gefahren?" Kann ich Euch sagen, liebe Bild-Reporter: Die Erkenntnis. Ganz einfach.

1000 Prozent mit Hiltons Büchse
Sex stirbt aus
Paris checkt vorzeitig aus
Millionenerbin im Volksgefängnis
Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Der Doktor und das liebe Vieh
Sex sells, Blasen bildet
Pack raubt die Punkte
Eva Herman nackt
Lehman-Opfer Bundesbank

Montag, 18. Mai 2009

Aufstieg dank Armut

Kommt Zeit, kommt Rat. Kommt aber eine Studie zur "Armut in Deutschland", kommt mit derselben klebrigen Folgerichtigkeit ein gellend lauter Armutsalarm. Der Paritätische Wohlfahrtsverband, der massiv Stellen abbauen müsste, gebe es nicht die vielkritisierte und seit 1945 immer weiter auseinanderklaffende "Schere zwischen arm und reich" (dpa), diagnostiziert folglich in seiner "alarmierenden Armutsstudie" (Der Spiegel), dass viele Landkreise im Osten und Nordwesten in einem "Teufelskreis der Verarmung" steckten. Und, das wird nun ein echtes Zauberkunststück werden, "die Wirtschaftskrise könnte die Lage noch verschlimmern".

In den verwendeten Zahlen von 2007 klafft die Schere noch richtig schön. Kein Wunder, denn als Bezugsgröße gelten 60 Prozent des Durchschnittseinkommens: Für einen Single 764 Euro, für einen Alleinerziehenden mit einem Kind 994 Euro, mit zwei Kindern 1223 Euro, für ein Paar ohne Kind 1376 Euro, ein Paar mit Kind 1605 Euro und ein Paar mit zwei Kindern 1835 Euro.

1835 Euro ist so ziemlich genau der Nettobetrag, den ein in Vollzeit beschäftigter Mitarbeiter eines deutschen Landtagsabgeordneten verdient - Kindergeld für Töchterchen und Söhnchen selbstverständlich schon eingerechnet. Ist Landtagsmitarbeiters Ehefrau zufällig Hausfrau, ist der Mitarbeiter also per Definition arm, weil er und seine Familie weniger als 60 Prozent des deutschen Durchschnitteinkommens zur Verfügung haben.

Wir wissen nicht, wie deutsche Landtagsabgeordnete diesen grauenhaften Umstand mit ihrem Gewissen vereinbaren. Mancher lässt seine Mitarbeiter gleich zwei Vollstellen besetzen, die meisten aber sehen der grassierenden Armut scheinbar tatenlos zu.

Deshalb auch liegt die Armenquote in Deutschland je nach Region zwischen zehn und 24 Prozent. Viele, viele Menschen müssen ähnlich leiden wie die Mitarbeiter der Frauen und Männer, die in den Landtagen sitzen und Tag für Tag dafür kämpfen, Deutschland zu einem schöneren und gerechteren Ort zu machen.

Vergebens. Denn, so fabuliert der Wohlfahrtsverband, "im Zuge der Wirtschaftskrise könnte die Armut in Deutschland massiv ansteigen". Wie das geht, rechnet der "Armutsatlas" allerdings nicht vor, denn mathematisch gibt es gar keine Formel, die ein solches Ergebnis auswerfen kann. Sinken die Durchschnittslöhne, wie neulich bei einer Demo in Berlin von fortschrittlichen Menschen gefordert, die PPQ-Leser Manfred sofort fotografierte (Foto oben, danke dafür, Manfred!), etwa weil Menschen arbeitslos werden, kurzarbeiten oder Lohneinbußen hinnehmen müssen, steigt nämlich nicht die Armut. Sondern der eben noch arme Landtagspolitikermitarbeiter, dessen Gehalt dank der Großzügigkeit seines Landtagsabgeordneten gleich bleibt, wie von Zauberhand aus dem eben noch bedauernswerten Zustand des von der Armutsschere Geschnittenen zu einem plötzlich überdurchschnittlich gut verdienenden Mitbürger auf. Und das alles ohne einen Cent mehr im Portemonnaie zu haben.

So geht Statistik, hat nun auch die "Welt" ausgerechnet, so geht Armut in einem reichen Land. Und jede Wette: Auch der nächste Armutsbericht wird es schaffen, die Armut enorm steigen zu lassen. Hat er doch bisher noch jedes Jahr geschafft. Während sich die durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 12.400 Euro im Jahr 1973 auf 27.500 Euro im Jahr 2007 mehr als verdoppelten

Mit Peer ins Nimmermehr

Er nannte es das "Gerechtigkeits-Element", damals, als der pfälzische Mecki-Igel Kurz Beck noch sein Vorsitzender war. Seinerzeit sollte Peer Steinbrück irgendein Papier vorlegen, mit dem die deutsche Sozialdemokratie beweisen konnte, dass sie nicht darauf aus ist, ihren Wählern auch noch den allerletzten Pfennig aus den Taschen zu saugen.

Es war das Jahr 2008, Deutschland war im Aufschwung, Peer Steinbrück hatte die Gelegenheit genutzt, die Steuereinnahmen des Staates auf ein Maß aufzublähen, dass trotz ständig steigender Ausgaben des Staates kein EU-regelwidriges Defizit mehr übrig blieb. Er selbst nannte es wie seine CDU-Kanzlerin "Sanierung der Staatsfinanzen". Die sei so wichtig, dass er keinesfalls etwas abgeben könne von den Milliarden-Mehreinnahmen, die er durch höhere Steuerzahlungen von Unternehmen und niedrigere Arbeitslosigkeit hatte.

Immerhin: Als Kurt Beck ihm keine andere Wahl ließ, versprach Steinbrück im Mai 2008, die Sozialabgaben von derzeit knapp 40 Prozent des Bruttolohns binnen auf 36 Prozent zu senken. 40 Milliarden Euro sollte das kosten, finanziert werden sollte es quasi automatisch. Der hochrangige Wirtschaftsexperte Steinbrück, der später im Jahr eine Krise, die ihn und seine Landesbanken wie eine Lawine unter sich begrub, "rein amerikanisch" nennen wird, rechnete schließlich mit "zusätzlichen Steuereinnahmen von fünf bis sechs Milliarden Euro jährlich", die ein bis in alle Ewigkeit anhaltender Aufschwung in die Kassen spülen werde.

Eine groteske Vorstellung, aber aufs Groteske versteht sich Peer Steinbrück bestens. Je öfter er sich irrt, um so lauter behauptet er, Recht gehabt zu haben. Zwölf Monate nach seinem Versprechen, die Sozialabgaben um zehn Prozentpunkte zu senken, bezeichnet der SPD-Arbeiterführer jetzt zum Beispiel die Steuersenkungspläne der FDP als „grotesk“. Der Mann, der zweistellige Einnahmeausfälle der Sozialkassen in Kauf nehmen wollte, um seinem wankenden Parteivorsitzenden einen Gefallen zu tun, glaubt nun, dass die FDP, die zweistellige Steuerausfälle durch Steuersenkungen in Kauf nehmen will, damit zeige, "dass ihr für die Regierungsverantwortung die erforderliche Reife fehle".

Eine Reife, die Peer Steinbrück längst nachgewiesen hat. Der Mann begründet seine Ansichten je nach Sonnenscheindauer mit ganz verschiedenen Argumenten, die sich auch gern widersprechen dürfen, so lange sie das nacheinander tun. Die "amerikanische Krise" trifft Deutschland härter als die USA. Aber daran sind die Schweiz und Botswana schuld, die deutsche Steuersünder decken. Nicht die privaten Banken wanken am meisten vor lauter Verlusten durch exotische Anlageprodukte, sondern die staatseigenen, durch Politiker beaufsichtigten? Ja, und nur mehr Politiker-Aufsicht bei den Privatbanken kann das ändern.

Das politische Geschäft ist schnelllebig, Steinbrück weiß, dass keiner sich erinnern wird, was er gestern noch als letzte Wahrheit verkündet hat. Fehlte seiner Ansicht nach vor der großen Krise "jeder Spielraum für Steuersenkungen", weil Mehreinnahmen des Staates etwa durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer "zuerst zur Schuldensenkung verwendet werden" mussten - was sie nie wurden -, so sei nun durch die "aktuellen Mindereinnahmen wegen der Finanzkrise jeder Spielraum für zusätzliche Ausgabewünsche und vollmundige Steuersenkungen dahin“. Wäre der Aufschwung morgen zurück, gälte natürlich Antwort 1 wieder unverändert.

Und wenn die Wirtschaft eines Tages doch wieder anspringe, muss der Staat zuerst mal „zurück auf den Konsolidierungskurs kommen“ (Steinbrück), von dem er unter dem Finanzminister Peer Steinbrück stets weiter weg war als der VfL Bochum von der deutschen Fußballmeisterschaft. Danach, irgendwann im Jahr Nimmermehr, kann dann auch über Entlastungen geredet werden. Wo genau und warum für die auch dann kein Geld da sein wird, verrät Peer Steinbrück, wenn es soweit ist.

Krank sei dank

Das ist doch mal ein Angebot. Mexikos Hoteliers werben in Zeiten der Schweinegrippe einfallsreich um Touristen: Urlauber, die es schaffen, sich in ihren Mexiko-Ferien mit der Schweinegrippe zu infizieren, sollen dafür in den kommenden drei Jahren mit Gratis-Aufenthalten entschädigt werden. Zum Beweis müssten die Touristen allerdings acht Tage nach der Rückkehr aus ihrem Urlaub Schweinegrippe-Symptome zeigen. 5000 Zimmer stehen für Grippeopfer bereit.

Mit dem Gröpaz am Kiosk

Normale Menschen, überfordert schon vom Sauberhalten der eigenen Küche, regelmäßigem Blumengießen und mittenrein geschobenen Auswärtsaufenthalten zur Sicherung des Broterwerbs, stauenn still und schüchtern. Wie schafft der Mann das nur? Hitler, jüngst 120 Jahre alt geworden, sendet auf allen Kanälen, gibt Interviews in allen Magazinen. Das Nachmittagsprogramm bei n-tv bestreitet der ehemalige Führer und Reichskanzler schon seit Jahren fast vollständig allein. Er erzählt dann von seinen Abenteuern im Osten oder seinen Verbrechen beim Judenmord, seine Panzer fahren unwiderstehlich Böschungen hoch und wieder runter, "deutsche Ingeneurtechnik" brummt es zufrieden in der Fangemeinde vor den Bildschirmen, die nach Ende der aktuellen Episode "Hitler und seine Kochrezepte" bruchlos zu Phoenix, 3sat oder ZDF Doku wechseln kann, wo es sofort weitegeht mit "Hitler und seine Schulfreunde" oder "Hitler - was lief da mit Speer?".

Der "Spiegel", ehemals ein aktuelles Nachrichtenmagazin, heute eine regelmäßig erscheinende Volkshochschulbegleitlektüre für Geschichtsinteressierte, hat den neuen Gröpaz (Größter Popstar aller Zeiten) mitgeschaffen. Regelmäßig hebt die Hamburger Illustrierte der Jahrhundertverbrecher auf den Titel, denn Hitler und die Vergangenheit sind ein sicherer Kaufanreiz, je länger her, je lieber. Im Windschatten machen alle mit, Aufarbeitung tut - mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Ende des 3. Reiches - mehr not denn je. Google Timeline, ein Analyseinstrument, das unbestechlich zeigt, was deutsche Medien an Wirklichkeit produzieren, zeigt Adolf Hitler im Krisenjahr 2009 im größten Boom seiner langen Karriere. Nie war er so wertvoll wie heute. Diese Woche in "Hitlers langem Schatten" (Spiegeltitel 2001):
"Hitlers europäische Helfer beim Judenmord". Wir sind gespannt auf "Hitler und die Indianer", "Heiße Liebesnächte mit Hitler - Die Eva-Braun-Tagebücher", "Hitlers Osterbräuche" und "Adolf und die Außerirdischen".