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Dienstag, 4. Januar 2011

Wofür wir gern werben: Damen für kleines Geld

Der Aufschwung, vielbeschworen und nie irgendwo angekommen, er ist endlich da. Eben noch mussten wir bitter konstatieren, dass die einzige Zukunft, für die zu werben uns jemand winzigste Beträge in anämischen US-Dollar zahlte, ein Engagement als alter Krieger in einem Nahkämpfer-Facebook namens Bundeswehrzeit.de war.

Doch kaum geklagt, kaum gejammert und gestöhnt, schon schiebt uns unser freundlicher Datenkrake Google neue temperamentvolle Banner unter, die gerade gegründeten Jungunternehmen helfen sollen, sich schnell aus der Gosse des Geringverdienens hinaufzuarbeiten in die Sphären, in denen Dieter Bohlen, Bill Kaulitz und Bill Gates sich tummeln.

"Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not" hieß es in Krieg und DDR und diesem alten Motto der Vorausschauenden folgend gibt es hinter der Google-Adsense-Werbung junge, willige Sekretärinnen für nur 39 Euro zu mieten. Im Monat! Für so kleines Geld tun die Damen in den weitaufgeknöpften Blusen natürlich alles - und sogar, um es mit Rio Reiser zu sagen, noch viel mehr.

Reiser sang in einer Bluescombo und beschäftigte die spätere Grünen-Vorsitzende Claudia Roth auf Kommissionsbasis als Tippse. Als er pleite war, kaufte er sich einen Taschenkalender, trug aber nie wieder eine Uhr. Den Aufschwung, der jetzt kommt, wo jeder sich eine 39-Euro-Vorzimmerdame leisten kann, hat er entsprechend folgerichtig auch verpasst. Und es ist nicht der erste!

Noch mehr obszöne Versuchungen aus der PPQ-Bekenntnisserie Wofür wir gern werben :
Echte Ostalgie
Geliebte Bundesregierung

Sonntag, 28. November 2010

Wofür wir gern werben: Krieger-VZ

Alte Kameraden suchen wie das deutsche Staatsanwaltschaften seit mehr als 60 Jahren tun, und sich dann vernetzen, um die geile Zeit in Uniform zu feiern - dank unseres generösen Werbepartners Google können wir in unserer konsumkritischen Reihe Wofür wir gern werben endlich mittun bei der Vorbereitung des Vaterlandes auf den weltweiten Verteidigungsfall. Draußen schleicht sich der Terror in Regionalzüge, die von Islamabad aus gesehen logisches erstes Ziel für islamistische Angreifer sind, drinnen steigende Umsätze im Weihnachtswerbegeschäft: Wo uns in der Vergangenheit verschiedentlich Banner zum Lobe der echten Ostalgie und der geliebten Bundesregierung an den rechten Rand tapeziert wurden, schaltete das Adsense-Programm des kalifornischen Netzriesen Google seit einigen Tagen gelegentlich hilfreiche Hinweise auf die große Bundeswehr-Community Bundeswehrzeit, eine Art Krieger-VZ. Hier finden sich die Stalingrad- und die Kabul-Generation zum lockeren Gespräch zusammen, hier werden Erfahrungen mit Nahkampfwaffen und Koma-Sauf-Anlaufstellen ausgetauscht und man kann seinen alten Stuben-Kameraden die eigene Ordenssammlung präsentieren.

Die Nutzung des "Soldatennetzwerkes" ist selbstverständlich völlig kostenlos, nach einer gebührenfreien "Musterung" kann der große Spaß losgehen, streng getrennt nach Dienstzeiten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und der DDR. Neuerdings wird der virtuelle Dienst, den ein hoffnungsfroher Entrepeneuer aus Herten betreibt, besonders spannend durch ein Punktesystem mit "virtuellen Dienstgraden", die am Ende zum Ideal der sozialdemokratischen Gesellschaft führen werden: Eine Armee aus lauter Generalen. Dafür werben wir doch gern.

Montag, 4. Januar 2010

Wofür wir gern werben: Suchterzeugendes Selbergärtnern

Das ist doch endlich mal ein Angebot. Pünktlich zur Tiefengrabung nach den Ursachen der islamistischen Gewalt, die nach jüngsten Erkenntnissen niederländischer Nacktscanner vom Jemen ausgeht, blendet uns unser großer Werbepartner Google in unserer Reihe "Wofür wir gern werben" ein zackiges Banner mit der Empfehlung zum suchterzeugenden Selbergärtnern ein.

"Cannabis Anbau Indoor", im Stil der inzwischen selbstaufgelösten RAF durchweg klein geschrieben, dürfte auch zahlreiche Jemeniten dazu bewegen, die Droge zu wechseln. Schluß mit dem mühsamen und ermüdenden Kath-Kauen, Schluß mit dem fruchtlosen Warten auf einen Luftangriff der Amerikaner, den ein bislang streng geheimgehaltener SPD-Außenpolitiksprecher namens Rolf Mützenich "schon in den kommenden Tagen" aus dem Kaffeesatz gelesen hat.

Mützenich, der elf Jahre Politikwissenschaft, Geschichte und Wirtschaft studierte, ehe er zum Thema „Atomwaffenfreie Zonen und internationale Politik" promovierte, erwarb seine Spezialkenntnisse über den Jemen als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der SPD-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen und als Leiter des Referates „Grundsatzfragen der Landessozialpolitik“, militärtheoretisch ist er firm, seit er sozusagen als "Freund der Jugend" (Walter Ulbricht) in der Bundeskontrollkommission der SJD - Die Falken mitarbeiten durfte. "Sicherheitspolitisch ist ein militärisches Vorgehen uneffektiv", warnt der Kölner Geostratege. Dann doch lieber mal aus "2.000 günstigen Grow Artikeln für die Pflanzenzucht" auswählen. Und danach friedlich in den Wintergarten gehen und gucken, was die neue Saat macht!

Montag, 19. Oktober 2009

Wofür wir gern werben: Wunderheilende Ärzte

Er wunderheilte Lothar Matthäus, bespricht Michael Ballacks Knie, legt heilende Hände auf bei Luca Toni und Miro Klose. Nur Normalbürger durften sich bisher nie behandeln lassen von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, den Sportreporter nur ehrfurchtsvoll den "Doktor" nennen.

Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die laut Grundgesetz gar nicht zulässig ist, da waren sich die Parlamentäre der beiden neuen Mitgliedsparteien der Großen Koalition der Nationalen Rettung bei ihren Gesprächen in Berlin schnell einig. Einer der ersten beschlüsse, die CDU und FDP gemeinsam fassten, war dann auch der zum Wunderheiler des FC Bayern München: Ab sofort muss der "Doc" mit den langen Haaren und der hübschen Tochter jedermann ohne Voranmeldung diagnostizieren und operieren, nachbehandeln und betreuen.

Um den wegweisenden Beschluß hin zu einer Profikickermedizin für alle bekannt zu machen, hat die Bundesregierung über unseren Werbepartner Google formschöne Anzeigen geschaltet, die wir unseren Lesern gern in unserer beliebten Reihe "Wofür wir gern werben" präsentieren. Kassenpatienten, die den Kupon ausschneiden, bekommen beim Doc übrigens auf Knie-OPs und Bänderrisse drei Prozent Barzahler-Rabatt.

Sonntag, 29. November 2009

Wofür wir gern werben: Kurbanfleisch

Das ist doch mal ein Statement von uns und unserem Werbepartner, der nach Experten baldigst untergehenden Internet-Klitsche Google. "Opfern in Bosnien - Kurbanfleisch für Menschen in Not", trompetet der US-Netzgigant in unserer Rechtsaußenspalte, seitdem wir uns hier völlig zurecht empört gegen die Entscheidung zahlloser unbelehrbarer Schweizer Nachbarn gewandt haben, den Bau von formschönen Minaretten künftig demokratisch unterbinden zu wollen.

Im ersten Lesen bleibt sicherlich unklar, wer da in Bosnien für welchen guten Zweck geopfert werden soll. Wird Oberst Klein wieder wie damals in Varvarin Bomber anforden, um die Ungläubigen zu bestrafen? Aber nein, Oberst Klein tat ja Dienst in Afghanistan, der Nato-Angriff auf die Zivilisten in Serbien hingegen erfolgte ja durch einen Luftangriff der NATO während des Kosovo-Krieges.

Völlig zurecht natürlich, wie das Landgericht Bonn in der Abweisung einer Klage von Opfern und Hinterbliebenen befand. Von Nato-Bombern angegriffene Kläger können sich "als Individuen nicht unmittelbar auf Schutzwirkungen von zwischen Staaten geschlossenen Verträgen berufen". Dafür aber bekommen die Nachbarn in Bosnien nun wenigstens lecker "Kurbanfleisch", lebend geschlachtetund mit Liebe geschenkt. Das haben Schafe, Ziegen und Kühe gespendet, die, "wenn es ungewöhnlich große Mengen an geschächtetem Fleisch gibt", auch eingefroren werden. 2"005 verteilte das Islamic Relief-Büro in Bosnien-Herzegowina 1.244 Opfertiere als gefrorenes Fleisch an etwa 7.700 Menschen." Auf dass es wärmer werde unter den Religionskrieger. Gutes tun, kurz vor dem heiligen Abend - zweifellos ein Höhepunkt unserer sensiblen Chronik "Wofür wir gern werben".

Freitag, 26. März 2010

Wofür wir gern werben: Notopfer Kassenchef

Es liegt nicht in unserer Hand, trifft aber dank hervorragender Datenlecks, wie kürzlich auch die Stiftung Warentest lobte, immer öfter unsere ureigensten Interessen, was unser Werbepartner Google uns an Reklame in die Rechtsaußenspalte stellt.

Diesmal sind wir ganz grundsätzlich glücklich, im Rahmen unserer Serie "Wofür wir gern werben" mittrommeln zu dürfen für die kluge Gesundheitspolitik, die die im Volk leider bereits weitgehend vergessene Montanmedizinmentorin Ulla Schmidt seinerzeit im Auftrag der großen Rettungskoalition anschob. Damals wurde der weitere Anstieg der Krankenkassenbeiträge entschlossen verhindert, indem nach venezoelanischem Vorbild allen Kassen dieselbe Beitragshöhe vorgeschrieben wurde. Nur die Kassen, die mit diesen Einnahmen nicht auskamen, durften zu den normalen Beiträgen zusätzliche Gelder bei ihren Mitgliedern kassieren, um diese damit zu zwingen, zu anderen Kassen zu wechseln.

Das Notopfer Krankenkasse ist auch dringend nötig, denn die Kosten laufen den Kassen unaufhaltsam davon. So stiegen die Ausgaben der Techniker Krankenkasse für ihren Vorstandschef im vergangenen Jahr um rund 25.000 Euro auf nun 271.000 Euro - ein Plus von rund zehn Prozent. Die Barmer Krankenkasse genehmigte ihrem Vorstand empörenderweise nur 4.000 Euro mehr, Barmer-Chefin Birgit Fischer bekommt jetzt rund 203 000 Euro, das ist nur wenig mehr als Klimakanzlerin Angela Merkel erhält. Die DAK musste da mitziehen, sonst hättte ihr Chef Herbert Rebscher sicher auch einen Kassenwechsel erwogen. Auch die DAK legte 4.000 Euro drauf, so dass ihr Vorstand jetzt rund 235.000 Euro verdient. Die Mehrkosten werden aber komplett von dem Zusatzbeitrag aufgefangen, den die DAK von ihren Versicherten erhebt: Nur 41 DAK-Mitglieder reichen aus, das Gehaltsplus des Chefs zu finanzieren.

Samstag, 25. Juni 2011

Wofür wir gern werben: Dampfplauderer

Die Welt kennt ihn als "Paolo Pinkel", eigentlich aber heißt er natürlich Michel Friedman und ist Deutschlands bekanntester Aktiver in der Disziplin "Interview mit Anfassen". Weil das Geld, das der bekennende Liebhaber ukrainischer Nymphen mit seinen Nahtod-ähnlichen Fernsehsendungen verdient, nicht ganz reicht, lässt sich Friedman jetzt auch einzeln buchen, wie uns ein Werbebanner unseres großen Partners Google durch gelegentliches Aufleuchten in unserer aufklärerischen Rechtsspalte verrät. "Sie suchen einen Top-Redner zu bestimmen Themen", fragt das Internet-Portal Speakers-Excellence dort provokativ unter der Überschrift "Michel Friedman" - der Name deutet dabei an, dass auch Top-Redner zu unbestimmten Themen im Angebot sind.

Mit einem gewissen Jolly Kunjappu gelingt es der Homepage zufolge spielend, "Grenzen zu überwinden und mit Wissen, Mut, Freude und Respekt zum Erfolg" zu kommen, Marco Freiherr von Münchhausen bietet ganz im Gegensatz zu seinem Namen "100% Engagement" und "Motivation durch Werte", zu haben sind außerdem Nina Ruge, die auf Geburtstagspartys oder Trauerfeiern versichert "Alles wird gut", der dicke Rainer Calmund, dessen Predigt, "Kompetenz und Leidenschaft ist die Formel zum Erfolg" heißt, und der Berufsabenteurer Rüdiger Nehberg, der mit einem Geheimnis hausieren geht: "Heute beginnt der Rest des Lebens". Michel Friedman lässt sich bei Speakers-Excellence übrigens derzeit nicht buchen. So ist das mit der Werbung im Internet, dem "größten Tatort der Welt" (BKA-Chef Ziercke).

Mehr aus der großen PPQ-Serie Wofür wir gern werben

Montag, 19. April 2010

Wofür wir gern werben: Echte Ostalgie

Verbittert wird sie vermittelt, die gute alte DDR. "Wenn Eltern im Osten ihren Kindern von Alltagserinnerungen erzählen, neigten sie oft zum Weichspülen der DDR", so analysiert der "überwiegend drittmittelfinanzierte" (Wikipedia) Soziologe Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin messerscharf, was er in endlosen Stunden an den Abendsbrotstischen bei alten DDR-Familien zwischen Zeitz und Zappendorf erfahren musste. Da wird über Halstücher gescherzt und die baumwollene FDJ-Bluse mit der aus Kunststoffstoff verglichen, die ostdeutschen Kindergärten werden bedenkenlos gelobt und kaum jemand bekennt noch, wie schrecklich viele Ostrocktitel waren - selbst unser Werbepartner Google, als NSW-Ausländer der Sehnsucht nach einer Rückkehr des Staatssozialismus unverdächtig, verharmlost zu unserem großen Staunen in unserer Serie "Wofür wir gern werben" auf das Verharmlosenste: "Ostalgie ist Lebensfreude" propagiert der Noch-Netzriese in unserer pekunären Rechtsaußenspalte.

Nostalgie wie nie, so hieß es deshalb völlig zurecht beim Bundeskongress der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Neustrelitz, denen die tote DDR Arbeit und Brot noch auf viele Jahre zu sichern verspricht, auch denn der Vertreters Sachsen-Anhalts augenblicklich wegen systembedingten Rücktritts passen muss. Es werde nur von positiven Erinnerungen berichtet, der soziale Bereich werde idealisiert, die Diktatur ausgespart, zitiert die Nachrichtenagentur dpa die einzig amtliche DDR-Sicht. Deshalb gelte es jetzt für Lehrer, die Landeszentralen für politische Bildung und den Rest der Volkserziehungsforschung, dem etwas entgegenzusetzen: Kinder sollten erfahren, wie es wirklich war, die neue Nummer vom "Mosaik" nicht bekommen zu können, die Bierflasche vor dem Kauf herumdrehen zu müssen, um eklige Schwebteilchen zu entdecken, oder in einer Schlange nach der neuen Deep-Purple-Lizenzplatte anzustehen, um dann nur Alan Parsons Project zu bekommen.

Johannes Rink, Vorsitzender des Bundesverbandes der Opfer des Stalinismus, forderte, DDR-Geschichte eher und umfangreicher als bisher zu vermitteln. Nötig seien verpflichtende Fahrten zu Gedenkstätten, wie sie die DDR im Rahmen der beliebten Jugendweihe durchführte. Auch könnten schon in den Kindergärten Lieder gesungen werden, die die sozialistische Lebensweise entlarvten und die Freundschaft zur ruhmreichen Sowjetunion als leere Pflichtübung enttarnen.

Es gehe um eine umfangreichere Vermittlung von DDR-Geschichte als bisher. «Es kann nicht sein, dass 15-, 16-, 17- Jährige nicht wissen, wer Walter Ulbricht war", sagte Johannes Rink. Schließlich wisse jeder in dem Alter, wer Ludwig Ehrhard, Hans Wilhelmi
und Hermann Höcherl gewesen sei. Dabei sei Ulbricht als gelernter Tischler bereits 1908 dem Arbeiterjugendbildungsverein Alt-Leipzig beigetreten, er habe im Ersten Weltkrieg als Soldat an der Ost- und Westfront gedient, sei dann nach Paris emigriert und habe es von dort aus konsequent abgelehnt, Großbritannien im Weltkrieg gegen Deutschland zu unterstützen, weil "der englisch-französische Kriegsblock den Krieg gegen die sozialistische Sowjetunion will". Nicht zuletzt spielte Ulbricht mehrfach öffentlich Tischtennis und stand für eine vielgeleckte Briefmarke Modell.

Sonntag, 14. Februar 2010

Wofür wir gern werben: Die liebe Bundesregierung

Sie wird kritisiert, sie wird verlacht, sie kommt nur in die Schlagzeilen wenn sie für Streit und Hader sorgt und das Volk gut unterhält. Dabei hat die Bundesregierung unter Führung der früheren Klimakanzlerin Angela Merkel nicht nur die traditionelle Pokemon-Jacke fit für die große diplomatische Bühne gemacht, sondern auch dafür gesorgt, dass staatliche deutsche Banken wie die West LB, die Bayern LB, die IKB, die Sachsen LB, die HSH Nordbank und die Hessische Landesbank bei der Durchführung der Finanzkrise ganz vorn mitmarschierten. Doch leider finden Leistungen des Kabinetts wie die beinahe vollständige Überführung aller deutschen Geldhäuser in Gemeineigentum innerhalb von nur einem Jahr nur selten angemessene Anerkennung - statt zu applaudieren, nörgelt das Volk daran herum, dass es mit der Deutschen Bank noch immer eine deutsche Bank in Privateigentum gibt.

Ein Vermittlungsproblem, das hat die Bundespropagandaleitung inzwischen erkannt. Gemeinsam mit dem Qualitätsmedium "Die Welt" führt das Kabinett deshalb jetzt eine großangelegte sogenannte Informationskampagne im Internet durch, an der sich PPQ im Rahmen der Reihe "Wofür wir gern werben" engagiert beteiligt. In unserer Rechtsaußenspalte erscheint aus diesem guten Grund in den kommenden Tagen in unregelmäßigen Abständen eine Werbebanner, das auf die Möglichkeit hinweist, "Umfassende Bundesregierung News" über die Webadresse Welt.de/Bundesregierung abzurufen. Wie im übrigen Angebot der Qualitätsmedien auch findet der politisch interessierte Bürger dort umfangreiche Pressemitteilungen der Bundesbehörden in einer bequem zu lesenden Nachrichtenaufmachung. Der von handverlesenen Praktikanten durch gefühlvolle Hinzufügung von "sei", "habe" und Anführungsstrichen angefertigte Premium-Content ist derzeit noch kostenfrei zu haben, wird aber bereits in Kürze auch als sogenannte App für das iPhone zu haben sein.

Montag, 6. Juli 2009

Wofür wir gern werben: Der Todestest

Immer wieder überrascht uns unser Werbepartner Google mit schrägen und extraabgefahrenen bunten Werbebannern, mit denen wir dann wiederum unsere geschätzte Leserschaft überraschen und verblüffen können. Neues Highlight des formschönen und informativen Angebots in unserer kleinen und exklusiven Serie "Wofür wir gern werben" ist nun - nur knapp abgesetzt von der "Gotteslästerung", für die wir kürzlich unfassbare Fantastrilliarden einstreichen durften - der originelle "Todestest", mit dem jeder Interessierte mal eben schnell seinen Todestag ausknobeln lassen kann. Im günstigen Fünf-Tage-Paket kostet der Service nur ganze 2,99 Euro, die erst nach Bekanntgabe des jeweiligen Sterbedatums abgebucht werden. Wer im Servicezeitraum stirbt, ist von der Zuzahlung befreit.

Sonntag, 17. Juli 2011

Wofür wir gern werben: Lücke oder Implantat?

Schon lange gab es den Verdacht, dass der Internetsuchriese Google seine Ergebnislisten nach einem bestimmten Algorhythmus manipuliert. Nun endlich konnte "Welt"-Qualitätsautorin Ileana Grabitz auch Belege dafür liefern. In ihrem epochalen Text "Verleger blasen zum Angriff" prangert die Expertin die "Schieflage im hiesigen Mediensystem an". Der US-Konzern agiere nach dem Motto "Google first", zitiert Grabitz den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Zeitungsverleger Dietmar Wolff.

Jeder könne das mit einem einfachen Test nachvollziehen: Auf entsprechende Anfragen leite Google Internetnutzer direkt zu "konzerneigenen Seiten wie Google Earth oder Google Books" (Wolff), statt auf die entsprechenden Angebote der einheimischen Zeitungshäuser "Verleger Earth" und "Verleger Books". Der Konzern agiere damit als ein "Quasi-Monopolist", prangert "Welt"-Fachautorin Ileana Grabitz an, nach deren Analyse es sich bei "Google Earth" nicht um eine Software, sondern um eine Internetseite handelt. Hier lägen die "Defizite der in Folge der Digitalisierung gewaltig veränderten Medienordnung", durch die "Werbung zulasten der Verlage abgezogen" werde, was natürlich "wettbewerbswidrig" sei.

Verziert ist der "Welt"-Beitrag im Verlegernetz selbstverständlich mit einer wettbewerbswidrigen Google-Anzeige für "Lücke oder Implantat? - TÜV geprüfte Qualität - Note gut!"

Mehr aus der buchhalterischen PPQ-Serie "Wofür wir gern werben"
Schlimme Szenen aus Belgien: Google beklaut Verleger nicht mehr

Freitag, 29. Mai 2009

Wofür wir gern werben: BND-Umrechner

Dreimal drei ist neun und zwei plus zwei 22: Mit dem "Gesetz zur Verfolgung der Vorbereitung von schweren staatsgefährdenden Gewalttaten" hat der Bundestag eben die Einführung der Strafbarkeit von Absichten, Plänen und Ansichten eingeführt. Schon die "Ausbildung" in "Terrorcamps" soll nächstens mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden.

Klar ist damit, dass das langweilige Prinzip aufgegeben wird, nur Delikt oder der Versuche dazu unter Strafe zu stellen. Demnächst kann eine Pakistan-Reise wie ein Selbstmordanschlag angeklagt werden, ein Aufenthalt in Syrien wird mit Gefängnis bestraft. Unklar ist noch, ob GST-Zivilschutzlager oder die Teilnahme an NVA-Manövern als "Terrorcamps" im Sinne des Gesetzes definiert werden.

Als engagiertes Bürgerrechtsportal, das sich ganz dem Kampf gegen Klima und Terror gewidmet hat, sind deshalb besonders stolz, pünktlich zur Verabschiedung des neuen Gesetzes von unserem Partner Google ein flottes Reklamefeldchen an die Seite gestellt bekommen zu haben. Darin werben wir für die Umrechnung des Bundesnachrichtendienstes in irgendwas anderes. "Schwerter zu Pflugscharen" war gestern, heute heißt es "Wanzen zu Wickelröcken". Falls das strafbar sein sollte, bitten wir um einen Hinweis.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Wofür wir gern werben: Geklaute Dienstwagen

Die künstliche Intelligenz, mit der unser Werbepartner Google versucht, arglose Menschen dazu zu verführen, auf Werbebanner zu klicken, hinter denen wahrscheinlich ausnahmslos Abofallen, fragwürdige Kinderbilder und Kontaktanzeigen von russischen Girlgroupsängerinnen lauern, hat zuweilen einen fast schon faustisch zu nennenden Humor.

Sie ließ uns in der Vergangenheit für einen Kugellagernotdienst, eine Diebstahlverwaltung, einen Todestest und gefüllte Sandsäcke werben, was wir immer sehr gern getan haben, obgleich es uns bei längerem Nachdenken sehr vergebens erschien. Heute aber wird es menschenverachtend, was uns zur Distanzierung von unserer eigenen Werbespalte zwingt: Unter der Zeile "Dienstwagen geklaut" macht sich der Internetriese aus Kalifornien dort im Auftrag eines gewissenlosen Anzeigenkunden über unsere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt lustig, die doch weiß Gott genug zu ertragen hat, seit sie nicht mehr im Kompetenzteam des künftigen Bundeskanzlers Walter Steinmeier mitspielen darf. Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen, heißt es, doch was zu viel ist, ist zu viel. Wir müssen ein Signal setzen für die Rückkehr zur Moral! Wir fordern deshalb einen Klickboykott für die betreffende Anzeige. Uns wie sicherlich auch unseren Lesern ist es lieber zu Fuß als zu weit zu gehen.

Montag, 16. März 2009

Wofür wir gern werben: Kugellagernotdienst

Wer war nicht schon einmal in der schrecklichen Lage, die Hitlers Rüstungsminister Albert Speer monatelang den Nachtschlaf kostete. Angst hatte Speer, Angst um Schweinfurt, die große deutsche Kugellagermetropole. Hätten Amerikaner und Briten, so schreibt der Architekt in seinen "Erinnerungen", immerzu und immer wieder Schweinfurt bombardiert, statt Dresden und Hamburg in Schutt und Asche zu legen, wäre auf deutscher Seite schon Mitte 1944 keine Panzerkette mehr gerollt - mangels Kugellager.

Ein Rat, der zu spät kam, und auch im nächsten Ringen um die Weltherrschaft keine zweckdienliche Wirkung mehr zu entfalten verspricht. Denn wo es heute an Kugellagern fehlt, ist Google mit seinem friedensschaffenden Werbeprogramm Adsense zur Stelle. Weil die Amerikaner genau wissen, wie bange jedem Deutschen und erst recht jedem PPQ-Leser beim Gedanken an vielleicht demnächst plötzlich fehlende Kugellager wird, schaltet uns der Internetriese hier zielgenau ein Banner, das Abhilfe verspricht. Für den "Kugellager Notdienst" (ohne Bindestrich), der "sofort" und "per Kurier" zu liefern verspricht, werben wir deshalb heute ganz besonders gern. Klickt ihn an, dort wartet eine Liste mit tausenden von funkelnagelneuen Kugeln und Lagern und Kugellagern in allen Größen. Ein Fest für alle Kugellagerfans!

Sonntag, 6. November 2011

Wofür wir gern werben

Im Kampf gegen Einsam- und Erfolglosigkeit sind wir mit Unterstützung des Internetgiganten Google ganz vorne dabei. Wir wissen nicht, wie es ist, einsam und erfolglos zu sein, als Empathie-Board stehen wir dennoch auf der richtigen Seite: der der weißen Zähne.

Wofür wir früher gern warben

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Byu Galfin Klein: Das Schreibmaschinengewehr im Automatencafé

Das ist so, wofür dieses Netz den Unterpriviligierten, den Armen und Geschundenen dient: Sie äußern sich hier, im kleinen Globalisierungsboard PPQ, und am liebsten auf eine sehr bodenständige, einem festen Stilwillen unterworfene Art, dern tiefer Sinn bei aller Oberflächlichkeit dunkel bleibt. Der normale Leser und die normale Leserin bekommt nichts mit von dem harten Kampf hinter den Kulissen, den Googles Spamnetze gegen die Flut von Howdys und Viagra-Empfehlungen, von „Visit my Blog“ bis „byu Galfin Klein“ ausfechten. An guten Tagen schafft es ein Eintrag durch den eisernen Vorhang, in schlechten Monaten keiner, aber täglich sind sie wieder da, die Nigerianer mit ihren Uhren, die Spieleempfehler und Moviedownloader, die Burberry-Prediger und Leute, die dringend eine Antwort per Email hätten, ohne eine Frage gestellt zu haben.

„Borst hat Recht“ ist dabei ihr Gott, „PPQ-Postkasten: Richtig Geld verdienen“ ihr König und „Rechte im Kampf gegen rechts“ lieben sie wie kaum etwas sonst auf der Welt. "Therefore, you are much more valuable to the other players, almost like a teacher when they hit a road-block in the game", loben sie, und "Howdy! Do you use Twitter? I'd like to follow you if that would be ok", fragen sie. Ihr Glück ist vollkommen, denn sie gestehen "I'm undoubtedly enjoying your blog and look forward to new posts", weshalb sie umgehend alle ihre Namen hinterlassen: "Edun, Salvatore Ferragamo, Belstaff, Burberry Prorsum, several.1 Phillip Lim, Michael Kors, a few."

Nur die Süddeutsche Zeitung weiß, was es bedeutet, Tür und Tor denen zu öffnen, die keine Ruhe geben, weil sie Automaten sind, die Worte wie Schreibmaschinengewehre verschießen: "Great blog! Do you have any suggestions for aspiring writers? I'm planning to start my own site soon but I'm a little lost on everything", drohen sie damit, selbst aktiv zu werden. Werben aber natürlich nur für "a stuff of un-ambiguity and preserveness of valuable familiarity about unexpected emotions", den sie irgendwo auf einer thailändischen oder chinesischen Seite versteckt haben.

Google ist gut darin, die automatischen Masssenposts zu löschen, ehe sie das Licht der Welt erblicken. Aber die kleinen Kinderhände an den Schreibautomaten, die "the" als "tɦe" schreiben und dann für "vacuum" als "the most effective of cleaning tool" werben, machen weiter, weiter und immer weiter. Nimmermüd stellen sie ihre "questions", sie empfehlen "weight loss prоgrams" und warnen vor "cօnstantly dining on beef during aո evening meal". Stattdessen: "eat elk, vеnison or bison!"

Es gibt keinen Zusammenhang, es gibt keinen Anfang und kein Ende. Alles hängt mit allem zusammen: "WOW just what I was searching for", schreibt einer, "came here by seaarching for skin care product!" Gut getroffen. Und noch besser, dass er sich mit einem Linktipp bedankt: "visit my homepage - Free Black Hat Seo Software"

Immer ist es so, dass ihre Blogs "discusses a lot of the same topics as yours" und sie fest daran glauben, dass wir alle eine große Familie sind. Wir können mal was zusammen machen! Lasst uns alle zusammen spammen! Black Hat Seo Software! Viagra! Ugg Boots! Cheap second home mortgage! Vacuum-cleaner direkt vom Betrüger! Tɦis design is spectacular! Good Job!!! I look forward to hearing from you!

Freitag, 12. Juni 2009

Wofür wir gern werben: Sonnenschein

Der Klimawandel macht den Frühling zum Winter, die einst berechtigte Hoffnung auf einen "Sommer, wie er früher einmal war" (Rudi Carell) zum bloßen Bangen und hoffnungslosen Harren. Aber "jeden Tag geschehen schöne DInge", sagt uns Google, die große Alleswissenmaschine. Ohne zu verraten, weshalb DInge mit großem "I" geschrieben werden muss. Sind es nicht nur schöne DInge, die das geschehen, sondern gar große? Hat sich die Maschinenintelligenz vertippt? Ist der Druckfehlerteufel, dem wir hier immer wieder ein feuchtes, warmes Biotop bieten, auf dass er die harten kalten Zeiten überlebt, in denen die "Schere zwischen Arm und Reich" (Franz Müntefering) jeden Tag weiter und weiter aufklafft, auch bei Google und bei The Sunshinezu Hause?

Es bleibt zu klären, aber jetzt, wo wir es klären wollen, ist die Sonne schonwieder hinter dem Dunkel der Nacht verschwunden. "Sie wollen nur gefunden werden", höhnte Google eben noch. Aber kaum wollen wir suchen gehen, hat der Netzmoloch, beim Vertippen ertappt, ein neues Werbebanner an die Stelle gestellt: "Bestseller als Downloads - Gratis-Buchzusammenfassungen zum Herunterladen. Und vieles mehr."

Buchzusammenfassungen. Ein Lesegenuß. Dafür werben wir nun wirklich gern.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Strack-Zimmermann: Die Läutselige am Totenglöckchen

Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist das bekannteste Gesicht der inzwischen weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwundenen FDP.

Sie hat das Zetern drauf, das herablassende Besserwissen und das kampflustige Provozieren. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, von Spöttern im politischen Europa nach dem Vorbild der mitteldeutsche Sommerzeit MESZ häufig "MAZS" genannt, ist die letzte Vertreterin einer sterbenden Spezies. Fast im Alleingang behauptet die 67-Jährige die Fortexistenz einer Partei, die nach der Bundestagswahl fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit einen leisen Tod gestorben war. 

Der neue Chef heißt Dürr 

Nicht Wochen, sondern nur Tage nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag brach die ehemals so stolze liberale Partei in sich zusammen. Der Parteichef kündige. Die ehemalige Ministerriege zog sich ins Privatleben zurück. Der neue Chef hieß "Dürr", ein sprechender Name wie "Dröge" bei den ähnlich gebeutelten grünen Kollegen. 

Nur ein blieb. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, vier Worte, zwei Bundesstriche. Die ehemalige Verlagsmanagerin aus Düsseldorf startete ihre politische Profikarriere spät, zumindest für die Verhältnisse in der Berliner Republik. Strack-Zimmermann war über 50, als sie ihr erstes Parteiamt übernahm. Sie rückte erst mit fast 60 in den Parteivorstand auf, etwa ein halbes Jahrhundert älter als es in den Parteilaufbahnvorschriften für künftige Minister, Staatssekretäre und Bundesbeauftragte inzwischen vorgeschrieben ist. 

Eine für die Hinterbank 

Natürlich hat der Spätstart Gründe. In einer FDP, in der Hans-Dietrich Genscher, Guido Westerwelle oder Klaus Kinkel etwas zu sagen hatten, war der Bedarf an Frauen einerseits gering. Andererseits wählte die Herrenrunde, wenn schon, denn schon, frauliche Frauen als plakativen Beweis dafür, dass auch die FDP mit der Zeit geht. 

Strack-Zimmermann wäre damals allenfalls unbeobachtet in einer Hinterbank des Bundestages verschwunden. Erst unter Parteichef Christian Lindner bekam sie die Gelegenheit, in die erste Reihe vorzurücken und nach der Katastrophe bei der Wahl 2025 zum Gesicht des Endes einer ganzen Ära zu werden. Mit ihrem unverhohlen drohenden Satz zu einem ihr missliebigen Demonstranten "Weiß Ihr Chef eigentlich, was Sie hier am helllichten Tag machen?", hat Strack-Zimmermann ihr Verständnis von Freiheitlichkeit öffentlich gemacht. Seine Meinung soll jeder haben. Der sie sich leisten kann.

Strack-Zimmermann ist berufen, das Totenglöckchen der Liberalismus in Deutschland zu läuten. Die Totengräberin der FDP wird in ihrer Strahlkraft nur von Wolfgang Kubicki übertroffen, einem Dinosauerier aus freiheitlichen Zeiten, der noch lauter, aber vom Spielfeldrand unangenehm oft daran erinnert, wofür die FDP einst stand. Dem hat sie beim Kräftenessen um den neuen Vorsitz den Fehdehandschuh hingeworfen. Wenn schon nicht die ganze Partei, dann wenigstens eine gespaltene.

Die Partei der Gespenster 

Kubicki spricht seitdem für eine Partei, die es nicht mehr gibt, für eine Partei der Gespenster von Bürgerrechten, Freiheit und Individualität. Verführt vom Angebot, unter Scholz und Habeck ein Zipfelchen der Macht für sich beanspruchen zu dürfen, hatte Parteichef Christian Lindner 2021 den Grundsatz über Bord geworfen, lieber nicht zu regieren als schlecht zu regieren. Heute ist die Aussicht auf beides gering.

Es folgten drei Jahre, in denen es Lindner und seine Minister Volker Wissing, Marco Buschmann und Bettina Stark-Watzinger die alten Ideen des Liberalismus begruben. Statt auf Eigeninitiative, freien Wettbewerb und einen schlanken Staat zu setzen, der sich wo immer möglich aus dem Leben der Bürger heraushält, erlag die FDP dem Glauben, der Zeitgeist verlange Gesetze zur Verhinderung freier Debatten. Strack-Zimmermann war immer vorn dabei.

Die späte Zeitgeist-Partei 

Als letzte unter den traditionellen Parteien der alten Bundesrepublik verwandelte sich die FDP eine Zeitgeist-Partei: Die Liberalen Lindners standen für ein Weltbild, das sich nicht allzu sehr von dem der Grünen, der Linken, der SPD und der CDU unterschied. Differenzen waren allein taktischer, nicht strategischer Natur.

Man war sich nicht einig, ob man für das Ziel, dem Staat und seinen Parteien immer mehr Macht und Verantwortung zu geben, offensiv werben sollte. Oder - dafür stand die FDP -  Verwaltungen und Behörden lieber still ausbauen und den Vorschriftendschungel unter der Hand wuchern lassen.

Gequält schaute Lindner zu, wie seine Koalitionspartner den demokratischen Rechtsstaat fit für die Aufgabe machten, Kontrolle über das Privatleben der Menschen auszuüben. Tatenlos stand die FDP Spalier, als das Individuum seinen Anspruch verlor, als Auftraggeber der Politik über das Handeln der Parteien entscheiden und Rechenschaft einfordern zu dürfen.

So jung und schon so illiberal 

Die FDP neuen Typs war die ihrer jüngeren Funktionäre. Franziska Brandmann etwa, Chefin der Jungen Liberalen, engagierte sich gemeinsam mit ihrem Parteikollegen Alexander Brockmeier als Gründerin des Start-ups "So done" (zu deutsch so viel wie "vollkommen erledigt"), das KI-gestützt Hassnachrichten im Internet sucht und automatisiert zur Anzeige bringt.  

Auf dem Höhepunkt des Erfolges des Unternehmens gelang es, die Justiz mit 1.000 Strafanträgen pro Monat zu überschütten. "So done" initiierte damit ganz allein 0,2 Prozent aller Ermittlungsverfahren im Land. Anerkennung blieb nicht aus: Parteiübergreifend zeichnete die schwarz-grüne Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die junge Firma mit einem Gründungspreis aus, der den Namen "MUT" trägt.

"Abschalten von Hass" 

Wie andere spätliberale Kollegen gehörte auch Marie-Agnes Strack-Zimmerman zu den Auftraggebern, die beim "Abschalten von Hass" (So Done) Hilfe von der "Verfechter unseres Rechtsstaates" in Anspruch nahmen. 250 Anzeigen pro Monaten gingen in Hochzeiten in ihrem Namen raus. Die Erfolge der Abmahn- und Klagewelle blieben überschaubar. Der Rufschaden, den die beteiligten Politiker zu verzeichnen hatten, war immens. 

Für Marie-Agnes Strack-Zimmermann ein Glücksfall. Wer keinen Ruf mehr zu verlieren hat, der muss aus seienm Herzen keine Mördergrube machen. "Strackzi", wie sie sich gern nennen lässt, hat die Phase ihrer Laufbahn hinter sich gelassen, in der sie irgendwem gefallen wollte und musste. 

Zur rechten Zeit abgesprungen 

Früher als andere in ihrer Partei hat sie die beständig sinkenden Umfragewerte richtig gedeutet und zur rechten Zeit den Absprung geschafft. 2024 wagte sie den Spurwechsel aus der Bundes- in die Europapolitik. Die 5,2 Prozent der Wähler, die die FDP von sich überzeugen kontne, reichten gerade so zum Wiedereinzug ins EU-Parlament. Seitdem ist Strack-Zimemrmann stolz darauf, die letzte Spitzenkandidatin gewesen zu sein, die ihre Partei über die Fünf-Prozent-Hürde führte.

Und die wird sie wohl für immer bleiben. Unbeindruckt von den weiter sinkenden Zustimmungswerten ihrer Partei, der ist nicht gelingt, die Unzufriedenheit einer großen Bevölkerungsmehrheit mit der aktuellen Bundesregierung zu melken, agiert Strack-Zimmermann, als lege sie es darauf an, immer noch mehr Menschen vom Scheitern des Liberalismus zu überzeugen.

Die leidenschaftliche Motorradfahrerein ist für Aufrüstung und Strafen für Quertreiber in der EU, sie ist antiamerikanisch und für die Rückholung der deutschen Goldreserven aus den USA. Sie ist für Freihandel und die "Suche nach Gleichgesinnten". Aber auch für Zölle, wenn sie die Richtigen treffen. Eine ewige und unsterbliche Erbwalterin des verrückten Zeitgeistes der kurzen Ampel-Ära.

Nichts zu verlieren 

Strack-Zimmermann hat nichts zu verlieren. Bis 2029 ist ihr der Platz im EU-Parlament sicher. Am Ende der Legislaturperiode wird sie 71 Jahre alt sein und nicht mehr um eine Anschlussverwendung bangen müssen. Das macht frei, das erlaubt es ihr, die roten Karten zu ignorieren, die der FDP seit der desaströsen Bundestagswahl in jeder einzelnen Umfrage gezeigt wird. 

Nicht nur im Habitus gleicht Strack-Zimmermann verblüffend den anderen oft abfällig als "Flintenweiber" verspotteten Führerinnen Deutschlands und Europas. Christine Lagarde und Ursula von der Leyen tragen eine andere Frisur. Die innere Stärke aber, sich nicht um die Folgen des eigenen Tuns zu scheren, besitzen sie alle.

Der Kelch muss bis zur Neige

Marie-Agnes Strack-Zimmermann wirkt manches Mal sogar, als genieße sie den Absturz der FDP als ultimativen Thrill. Der freie Fall als letzte, ultimative Form von Freiheit. Losgelöst von der Erde alles hinter sich lassen, nicht mehr nachdenken über die Konsequenzen, über die Zukunft, über das, was war und sein könnte. Stattdessen einfach fallen lassen, ungebremst stürzen, hinein ins Nirgendwo, dessen Ende kein ungewisses, aufregendes ist. Nach der politischen Laufbahn kommt der Ruhestand. Kein  Aufprall in der brutalen Wirklichkeit einer Welt. Sondern der - verspätete - Rentenbeginn. 

Die letzte Aufgabe, die Strack-Zimmermann noch zu erfüllen hat, ist das Läuten der Totenglocke für die Freidemokraten. Aufrecht, aber vollkommen unbeachtet steht die entkernte Partei des Christian Dürr in den Stürmen der Zeit. Ein Bollwerk der Belanglosigkeit, von dem nicht einmal mehr die verbliebenen Mitglieder genau sagen könnten, wofür es steht. Den liberalen Mauern fehlen nicht mehr nur Putz und Anstrich, sondern auch Steine und Balken. Überall im Land rangiert die ehemals dritte Kraft mit Umfragewerten von einem bis fünf Prozent unter ferner liefen. 

Das Erbe ist verprasst 

Keine andere Partei hat ihr politische Erbe derart schnell und radikal verprasst. Selbst die SPD, die alles tut, um sich möglichst zügig aus der Geschichte zu verabschieden, sieht neben der FDP aus wie ein Erfolgsmodell. Auch sie ist in vielen Bundesländern irrelevant geworden. Doch die frühere Arbeiterpartei, die das Land in 24 der letzten 28 Jahre regiert oder mitregiert hat, bleibt auch auf den letzten Metern ihres tragischen Todeskampfes systemrelevant, weil ohne sie keine Mehrheiten mehr zu organisieren sind.

Die FDP daggeen ist wie eine Band, die den Saal mit atonalem Jazz leerspielt. Mit der Selbstverständlichkeit, mit Samurais einst ihren Seppuku begingen, stürzen sich Strack-Zimmermann und die anderen, bundesweit kaum bekannten Führer der Partei Tag ür tag neu ins Schwert. Parteichef Christian Dürr, bei X mit einem Zehntel der Follower, die Strack-Zimmermann vorzuweisen hat, vertraut darauf, dass ein stures Weiterso Wählerinnen und Wähler bald wieder überzeugen wird, die  Liberalen als Brandmauer zum Sozialismus zurückzurufen. 

Abgewehrter Angriff der Basis

Der neue Parteichef absolvierte seine Wahl mit einem Ergebnis von 82 Prozent. Auch die FDP-Basis weiß, dass außer ihm nur noch Marie-Agnes Strack-Zimemrmann verfügbar gewesen wäre. Seitdem tritt Vize Wolfgang Kubicki regelmäßig in seiner Rolle als mahnendes Klageweib auf, das über "bittere Ergebnisse" und schlimme Umfragewerten klagt und "entschlossene Kurskorrekturen" hin zu einer "mutigeren und fortschrittlicheren Wirtschafts-, Energie- und Migrationspolitik" verlangt. 

Ein unvollendetes Talent 

Doch Christian Dürr, vor 15 Jahren als politisches Talent vom entschiedenen Liberalen Guido Westerwelle entdeckt und in die Bundespolitik eingeführt, steht über solch kleinen Dingen wie Wahlergebnissen oder Wahlprognosen. Mit Mitte 20 wurde er Berufspolitiker, mit Mitte 40 hat er seine Rolle gefunden. Zahm zeiht er den  Kanzlers und die Pläne der CDU zur Einführung einer Klarnamenpflicht für die Nutzung des Internets einer Art Angst vor den Wählern. Merz-Aussage, dass er ja auch mit offenem Visier kämpfe, klinge für ihn wie: "Ich möchte wissen, wer mich kritisiert." 

Als die Union ihren großen Beschluss zur Glättung der Meinungslandschaft danngetroffen hatte, fiel FDürr dazu gar nichts ein. Parteilinei wohl, denn auch Strack-Zimmermannbegrub die Bürgerrechtstradition der FDP unter einem tiefen Schweigen. In einem Moment, in dem ihre Partei sich hätte positionieren können, forderte sie die Ausweisung iranischer Diplomaten. 

Lächelnd in den Untergang

Die großen Medien haben die FDP abgeschrieben. Nicht einmal mehr Nachrufe schreiben sie. Die Parteioberen aber akzeptieren den eigenen Niedergang kaltblütig. Mehr oder weniger desinteressiert, aber keineswegs beunruhigt von den Aussichten, schon in Kürze kaum mehr in irgendeinem Parliament vertreten zu sein, scheinen sie den Absturz hinzunehmen. Es war einmal und wird nie mehr sein. 

Ein Land, das den Liberalismus fürchtet und Individualität verabscheut, braucht keine Partei, die diese Ideale vertritt. 

Mittwoch, 3. Februar 2010

Wofür wir gern werben: Spannende Daten

Immer dort, wo das Blut fließt, immer dort, wo die großen Warenströme brausen, so ist er, unser erfolgsverwöhnter Werbepartner Google, dessen Adsense-Programm unserer Rechtsaußenspalte beinahe täglich spannende Hinweise auf aktuell gerade mehr oder weniger käufliche Konsumgüter beschert. Politisch ist die künstliche Intelligenz dabei glaubhaft unparteiisch: Pünktlich zur breiten gesellschaftlichen Diskussion um das Vermögen des Staates, in einer Doppelrolle als oberster Rechtshüter und entschlossener Rechtsbrecher gleichzeitig überzeugend aufzutreten, hat Google heute eine Datenschutzanzeige eingeschoben. "Spannende Daten gesucht", heißt es da, "jetzt anmelden und austoben". Na dann, ran!

Freitag, 5. Juni 2009

Wofür wir gerne werben



Manchmal bringt der Weltgeist aka Google in ebenso weiser wie augenzwinkernder Art eigentlich divergente Ideen und Haltungen zusammen. Obiges Beispiel mag deutlich machen, wieso wir vom schadenfrohen Weltnetz-Board PPQ zwar beharrlich den Untergang des Such-Giganten voraussagen, seiner apokalyptischen Ironie aber dennoch heimlich Beifall zollen.