Montag, 14. Dezember 2009

Ein Tannenbaum voll Taliban

Es gab eine Zeit, da war es gut, zu wissen. Die Gesellschaft unterschied zwischen Wissenden und Unwissenden, wobei erstere führten, letztere aber verführt wurden. "Wenn das der Führer wüsste", raunte es im Dritten Reich, als wüsste die Straße, was die Reichskanzlei nicht einmal ahnte. "Wenn das der Honecker wüsste", flüsterte es in der DDR, deren Bürger ihrem obersten Genossen nie eine Politik zutrauten, die im Alltag wirken solle wie die Politik ihrer Staatspartei SED eben wirkte.

Es ging darum, Bescheid zu wissen, und sei es nur aus Gründen des Selbstschutzes. Nur wer weiß, welches Wissen er zu leugnen hat, kann das glaubhaft tun. Erst nach dem Einmarsch von Russen und Amerikanern wollte niemand etwas von Konzentrationslagern gewusst haben, erst nach dem Fall der Mauer wurde die Idiotie von 40 Jahren Sozialismus mit Fahnenschwenken, Einheitsmedien und Westfernsehverbot zu einem Unwissen, das vorher nicht existierte.

So oft es gut ist, zu wissen, so oft ist es auch gut, nichts zu wissen. Am besten aber kommt der davon, der weiß, dem das aber nicht nachgewiesen werden kann. Wer das noch nicht wusste, bekommt es anhand des Falles Guttenberg-Kundus vorexerziert. Obwohl Nichtwissen im deutschen Recht sowenig vor Strafe schützt wie Wissen allein gleichbedeutend mit Beihilfe ist, treibt eine Jagdgesellschaft aus verdruckster Opposition, gelangweilter Medienmeute und moralinsauerer Friedensbewegung den mit der Amtübernahme im Verteidigungsministerium denkbar schlecht beratenen Liebslingsbaron der Deutschen vor sich her.

Längst geht es nicht mehr darum, was in Kundus passiert ist, wieviele Taliban getötet oder wieviele Zivilisten beim Bombenabwurf auf die beiden gestohlenen Tanklaster verletzte wurden. Operativ ist das Thema ausgereizt - im Gegensatz zu den Opfern des Angriffs auf die Brücke des serbischen Ortes Varvarin, die von deutschen Gerichten bescheinigt bekamen, dass sie unschuldige Opfer, aber dennoch nicht schadenersatzberechtigt seien, gibt es für die Opfer von Kundus, selbst wenn sie Täöter waren, eine Entschädigung.

Die einzige Frage, die noch von Belang ist, bleibt die danach, wer wann etwas wusste, das sich im Nachhinein gegen ihn verwenden lässt. Von Schneiderhan bis Guttenberg, von Steinmeier bis Merkel könnten alle getan haben, was in der Politik Tagesarbeit ist - wissen, was sie sagen, aber nicht sagen, was sie wissen. Und beides lässt sich nun gegen sie verwenden: Wer zuviel wusste, hätte es sagen müssen, wer nichts wusste, hätte es doch besser wissen müssen. Eine Situation, aus der Flucht nicht mehr möglich ist, weil jedes Argument nach Ausrede klingt.

Rettung vor einem Weihnachtfest voller Vermutungen und einem Tannenbaum voll Taliban kann nun nur noch die Langeweile bringen. Die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums reicht bei dergleichen Affären gegenwärtig nach neuen Berechnungen der Skandalwatchgroup noch etwa zwei Wochen. Anschließend wissen Leser und Zuschauer einfach nicht mehr, wer etwas wusste und wer etwas hätte wissen müssen. Erfahrungsgemäß sinkt die Staatsaffäre anschließend vor Schwäche nieder wie ein waidwundes Reh. Wer dann noch im Amt ist, wird es ewig bleiben.

Interaktive Geldverbrennung

Moderne Kriegsflugzeuge wurden hier ebenso erdacht wie tödliches Gaskammer-Gas, der Stapelstuhl wurde hier erfunden und das Flachdach wird nie vergessen, wo es zuerst Wasser ließ. Jetzt hat Dessau, lange nur berühmt für rechtsradikale Kriminalität, einen neuen Anziehungspunkt, der weltweit ausstrahlen wird: In den Stadtpark der Halbmetropole im Anhaltischen, bisher als Treffpunkt von Drogenhändlern und -Konsumenten ein dunkler Fleck auf der Stadtkarte, den die gewöhnlichen Einwohner aus Angst vor Kriminellen tunlichst mieden, lockt seit kurzem eine "interaktive Beleuchtungsanlage".

Die macht nicht nur tüchtig Licht, sondern sie verbrennt nebenbei auch Geld, dass es jedem auswärtigen Beobachter warm ums Herz wird. Während die große deutsche Rettungskoalition beim Adventskaffee in Berlin verhandelt, wie die darbenden deutschen Kommunen vor Unbill durch gesenkte Finanzzuweisungen gerettet werden können, ist Dessau unterwegs in innovative Gefilde. Die neuen 32 Laternen im Stadtpark leuchten nicht nur einfach, sie lichtorgeln: Ist niemand in der Nähe, werfen sie nur ein Sparlicht mit zehnprozentiger Leuchtkraft, nähert sich ein Jogger, flackert das Licht etwas heller, läuft eine Gruppe von Menschen vorüber, flammt die Lampe mit voller Kraft auf.

Das System, das den Dessauer Stadtpark künftig heller und damit sicherer machen soll, ist auch nach Ansicht der Stadtverwaltung "eine einzigartige Geschichte". Und ein Zeichen für den Wandel des Stadtparks zu einem "Interkulturellen Mehrgenerationenpark". Sowas ist nie billig zu haben, doch wer erstmal ins "Forschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau" des Verkehrsministeriums und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung gerutscht ist, darf über die Kosten seine "Modellvorhaben" (Stadtverwaltung) hinwegsehen.

Man rechnet sich da einfach schön: Jede der 32 Lampen zwischen Teehäuschen und Springbrunnen samt Bewegungssensoren und Steuerungstechnik aus der Weltraumfahrt kostet zwar 7625 Euro statt der für Straßenlaternen üblichen Kosten von 3500. Doch die Idee habe ja "auch einen willkommenen Nebeneffekt: Die Energiekosten für die Beleuchtung sinken auf 40 Prozent".

Da spart die Kommune bei typischen Stromkosten von zwischen 50 und 80 Euro pro Laterne und Jahr in nur 50 bis 80 Jahren sämtliche Mehrausgaben flugs wieder ein. Hätte der alte Hugo Junkers diese Art Sparbeleuchtung in seiner Zeit in Dessau während der 30 Jahre erfunden, wäre die Anlage inzwischen sogar schon fast abgezahlt. Ein zukunftsweisendes Konzept: Die High-Tech-Steuerung der Parkleuchten habe das Potenzial, fast die gesamte Beleuchtung der Stadt Dessau zu steuern, heißt es inzwischen im Rathaus.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Wiedergeboren als Magier

Sie schauen sich erstaunt an - und doch ist ihr erstaunter Blick nur ein Blick in den Spiegel. Die beiden Großmeister der Magie, Michel Foucault zur Linken und Pablo Picasso zur Rechten, sind nämlich ein und dieselbe Person. Während der eine die Welt der Soziologen, Historiker und Philosophen um eine "Archäologie des Wissens" bereicherte, konnte der andere mit wenigen Pinselstrichen Millionenwerte schaffen. Wieso sich Pablo Foucault nicht zu seinem Alter Ego Michel Picasso bekannte, ist bisher unbekannt. Wir mutmaßen, dass der Frauenheld, der gleichzeitig als Homosexueller unterwegs war, keinen Anlass für Gerüchte geben wollte.
Weitere Beispiele aus unserer "Wiedergeboren als"-Datenbank und der geheimen Zwillings-Sammlung belegen unseren detektivischen Spürsinn, auf den sich unsere werte Leserschaft weiterhin verlassen kann.

Klassiker aus der Kiste II

"Weil Du wieder nicht aufgepasst hast, musst Du nachsitzen", sagte der Lehrer zu Mathe-As Adam Riese.
"Ich stelle Dir zwei Fragen. Beantwortest Du die erste richtig, bleibt Dir die zweite erspart. Wieviel Nadeln hat durchschnittlich ein Tannenbaum?"
"1,5 Millionen", sagte Riese wie aus der Pistole geschossen.
Lehrer: "Wie bist Du denn darauf gekommen?"
Riese antwortete: "Dies, Herr Lehrer, ist bereits die zweite Frage!"
Und ging nach Hause.

Jung gedichtet, nie vernichtet II

Alexanderplatz 83

Nur der Narr
darf sagen
was er sieht.

Lady Gaga warnt vor Warnungen

Es kommt in Fernsehdiskussionen häufig vor, dass der Moderator, der "Ruhe, meine Herren" schreit, der lauteste im Studio ist. In der Politik allerdings ist häufig keine gültige Kategorie, weil hier alles häufig passiert. Angela Merkel etwa, in den Tagen, als die Erderwärmung noch an die Strände von Heiligendamm lockte, eine Art Weltklimakanzlerin, hat derzeit gerade vom Warnmodus in den Beruhigungsmode umgeschaltet.

Die ehemalige FDJ-Propagandistin warnt nun nicht mehr vor steigenden Temperaturen, Wasserspiegeln und Folgekosten, sondern davor, vor steigenden Temperaturen, Wasserspiegeln und Folgekosten zu warnen. Im ehemaligen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat ein legasthenischer Praktikant daraus auch noch die debile Zeile "Merkel warnt vor Panikmache beim Klimaschutz" gedrechselt, so dass nun keiner mehr gar nicht weiß, worum es vielleicht geht. Stadt und Land, Hand in Hand, Berlin und Hamburg, in Schwachsinn vereint. Ja, Lady Gaga ist Kanzlerin. Und sie ist nackt wie einst der Kaiser war.

Abriss-Exkursionen: Berufsschule der Reichsbahner

Hinter den Gleisen, wo nicht mehr viel kommt als ein paar Schrottannahmestellen und einige verlassene Weichenstellerhäuschen, verrottet ein Stück mitteldeutscher Reichsbahngeschichte. Generationen von Berufsschülern absolvierten in der Betriebsberufsschule mit dem revolutionären Bekenner-Namen "Deutsch-Sowjetische Freundschaft" hier die Minimalkaderschule der Deutschen Reichsbahn, wie die Bahnbetriebsgesellschaft der sozialistischen Arbeiter- und Bauernrepublik zum ewigen Rätselraten ihrer Staatsbürger hieß. Lokführer und Weichensteller, Handwerker und Verwaltungskräfte wurden auf dem Areal hergestellt, das seit dem Abschied der zweiten deutschen Republik aus der Weltgeschichte still vor sich hindämmert. Frisches Grün überdeckt den bröckligen Putz, die Mißbildungsanstalt versinkt hinter botanischer Tarnung wie einst Dornröschens Schloß. Dazu läuft in der Tat kitschiger Russen-Pop: Eine späte Sternstunde der deutsch-sowjetischen Freundschaft.

Samstag, 12. Dezember 2009

Kricket statt Klima

So wichtig die ganze Klimaretterei auch ist, für Rajendra Kumar Pachauri gibt es doch immer noch etwas viel Wichtigeres. Mitten in einem Seminar zur weiteren Fortsetzung der Rettung des Weltklimas ist der Chef des nobelpreisgeehrten Klimarettungskomitees IPCC vor zwei Jahren mal eben kurz von New York zu einem wichtigen Trainingstermin mit seinem Kricketteam nach Delhi geflogen. Pachauri, oberster Klimaschützer der Welt, liebe es einfach, Kricket zu spielen, sagen Mitspieler. Es gebe kaum ein Wochenende, an dem der vielbeschäftigte Nobelpreisträger nicht auf dem Platz stehe und versuche, seine Mannschaft auf die Gewinnerstraße zu bringen.

Mit seinem Posten als erster Erderwärmungsbekämpfer kann Pachauri seine Leidenschaft für den Sport dank eines gut ausgebauten Flugnetzes zwischen Nordamerika und Indien gut vereinbaren. Das Klima muss nie lange auf den obersten Klimaschützer warten. Nachdem er sein Pensum absolviert hatte, begab sich der selbstlose Mannschaftsspieler sofort wieder zum Flughafen und flog nach New York zurück, um den Rest des Seminars zur Bekämpfung des steigenden CO2-Ausstoßes nicht zu verpassen. Stolze Bilanz des sportlichen Wochenendes: 22500 Flugkilometer absolviert, 21,6 Tonnen CO2 produziert. In Kopenhagen verkündete Pachauri jetzt mal wieder, "Klimawandel ist eine Tatsache". Die Erwärmung sei im übrigen menschengemacht. Und manche tragen sogar besonders viel dazu bei.

Freitag, 11. Dezember 2009

Der feuchte Traum aller Technikfreaks

So muss er sich anfühlen, der feuchte Traum aller Technikfreaks, die gar nicht genug bekommen können von Internet und Email, Speicherplatz und Staatskonzern. Die Deutsche Telekom, vor Jahren vom damaligen SPD-Arbeiterführer Hans Eichel zu Fantasiepreisen soweit teilprivatisiert, dass Vater Staat bis heute das Sagen hat,die eisntigen Aktienkäufer aber den Vermögensschaden, wirbt mit einem wirklich unschlagbaren Angebot um Kunden für seine seinerzeit von Arbeiterführer Hans Eichel im Auftrag der SPD zu Fantasiepreisen teilprivatisierten Tochter T-Online. Das ehemalige Vorzeigeunternehmen, mittlerweile wieder ein Abteilung im großen, langsam zerbröckelnden Festnetzkonzern, bietet neuen Mitmachern auf seiner steinzeitlichen Plattform T-Online an, zu "Erleben, was verbindet"

In nur zwei Minuten könne jeder sich eine kostenlose E-Mail-Adresse mit der schwergängigen Endung @t-online.de einrichten. "Danach stehen Ihnen außer einem 1 GB großen Postfach zahlreiche Services wie Telefonauskunft oder Routenplaner zur Verfügung", verraten die Experten, wie auch unbedarfte Nutzer an Informationen kommen, die derzeit für niemanden erreichbar sind. Wer sich von der verschwenderischen größe des Ein-Gigabyte-Postfachs noch nicht überreden lässt, bekommt noch einen Hinweis darauf, dass er hier "bis zu 32 MB große Dateien empfangen" kann. Spätestens bei der nächsten Privatisierung von T-Online und Deutscher Telekom sind Postfachinhaber überdies berechtigt, Aktien aus dem bisher bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau geparkten Bundespaket bevorzugt zu Mondpreisen zu beziehen.

Hitler: Sturz von der Schweinebrücke

Er hatte fürchterliche Angst vor dem Zahnarzt, kam die letzten Wochen seines Lebens kaum noch an die frische Luft, führte aber nach seinem Tod noch ein geradezu ausschweifendes Nachleben, das letztlich an einer "Schweinebrücke" genannten Querung des Brackwasser Biederitz am Stadtrand von Magdeburg endete.

Dort wurden die vom Zahn der Zeit ausgiebig benagten Überreste des früheren Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler im Jahr 1970 durch Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KGB ins Wasser gekippt, wie der Chefarchivar des KGB-Nachfolgers FSB, ein General namens Vasily Khristoforov, jetzt in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Interfax bestätigt hat.

Vor neun Jahren hatte die russische Zeitung "Trud" erstmals von Geheimdienstdokumenten berichtet, nach denen Hitler und seine Ehefrau Eva Braun bereits im Frühjahr 1946 wieder aus den Gräbern bei Rathenow gebuddelt wurden, in denen man sie nach dem Ende des Weltkrieges insgeheim bestattet hatte. Von Rathenow aus wurden die Leichen durch Mitarbeiter der Gegenspionageeinheit "Smersh" in ein Waldstück bei Stendal gebracht, von dort aus ging die Reise weiter nach Magdeburg. Siebenmal wurde Hitler vergraben und wieder ausgebuddelt, nachdem Smersh-Chef Abakumow von Stalin persönlich den Auftrag bekommen hatte, die Spur der sterblichen Überreste zu verwischen. Für den Fall, dass die sowjetischen Truppen einmal in Ostdeutschland das Feld räumen, sollte kein Wallfahrtsort für Hitler-Verehrer entstehen.

Diese Darstellung deckte sich mit einem Bericht des damaligen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", das 1995 ein geheimes Dokument des damaligen KGB-Chefs Juri Andropow an Parteichef Leonid Breshnew zitierte, der am 13. März 1970 an seinen Chef schrieb: "Im Februar 1946 wurden in der Stadt Magdeburg auf dem Gelände der Militärsiedlung, das heute die Sonderabteilung des KGB bei der 3. Stossarmee belegt, die Leichen Hitlers, Eva Brauns, Goebbels, seiner Frau und Kinder beerdigt. Die genannte Militärsiedlung wird derzeit von der Armeeführung an deutsche Behörden übergeben." Weil damit die Entdeckung des Grabes drohte, empfahl Andropow, "die Leichen zu entfernen und durch Verbrennung zu beseitigen".

Breshnew stimmte zu, bestätigte KGB-Archivchef General Wassili Khristoforov. In einer Operation mit dem Codenamen "Das Archiv" bezogen Smersh-Leute Anfang April 1970 Posten in der seit Kriegsende von sowjetischen Truppen abgesperrten Magdeburger Klausenerstraße. In der Nacht vom 4. auf den 5. April begannen dann fünf KGB-Offiziere unter einem Zelt getarnt auf dem Grundstück Nr. 36 (Foto oben) zu graben.

In nur einem Meter Tiefe liegen hier fünf übereinander gestapelte Munitionskisten, wie ein in den Moskauer Archiven liegendes Protokoll ausweist. Die Kisten wurden geborgen und auf das Gelände einer russischen Panzereinheit in der Nähe des Schönebecker Hummelberges Schönebeck gebracht. Hier wurden sie einem zweiten Protokoll zufolge vor der Leichenhalle samt Inhalt verbrannt. Die Kisten seien mit 20 Litern Benzin übergossen und angesteckt worden, eine gute Stunde mussten die drei Offiziere warten, ehe die "Asche gesammelt und gemahlen" und anschließend in einen Sack gefegt werden konnte. Anschließend sei die Asche dann von der Schweinebrücke genannten Flußquerung bei Biederitz in die Elbe gestreut worden.

Übrig sei, schwört Vasily Khristoforov, nur noch Hitlers Kiefer. "Dessen Fragmente sind im Staatsarchiv. Es gibt keine anderen Teile des Körpers Hitlers abgesehen von diesen Proben, die am 5. Mai 1945 beschlagnahmt wurden, um den Tod des Diktators zu bestätigen." Dass Hitler überlebt habe und bis heute im Alleingang zwei Fünftel des deutschen Fernsehprogramms fülle, könne er nicht glauben, so der General. "Er war ein Mann, der völlig deprimiert und unfähig war, politische oder sonstige Entscheidungen zu treffen", bestätigt Sergei Mironenko, Chef des russischen Staatsarchives, was er so gehört hat über all die Jahre. Hitler haben verstanden, dass sein Bunker seine letzte Zuflucht werden würde. "Und so ist es auch gekommen."

Tod krönt Lebenswerk

Ist das nicht schön? Das Leben, so wie wir es kennen, muss nicht mit dem Tod enden. Auch danach sind noch große Erfolge möglich, wie Michael Jackson beweist. Der im Sommer plötzlich und von vielen so nicht erwartet verstorbene ehemalige Popstar bekommt jetzt seinen 14. Grammy, diesmal für sein Lebenswerk, das er mit seinem Tod quasi krönte. War Jackson bis zum Tag seines Ablebens ein schwerkranker und von allen belächelter Sonderling mit einer mutmaßlichen Vorliebe für leckere Knaben, avancierte er mit der Stunde seines Todes vom Auslaufmoidell, das seinen letzten Grammy anno 1995 hatte feiern können, zum "kommerziell erfolgreichsten und einflussreichsten Entertainer aller Zeiten", wie das Grammy-Komitee jetzt durch mehrfaches googeln herausfand.

Jackson werde im Internet häufiger erwähnt als der bekannte n-tv-Moderator und ZDF-Dokudramadarsteller Adolf Hitler, begründete die Jury der begehrten US-Musikpreise ihre Entscheidung. «Sein unglaublich abgehackter Tanzstil, sein einzigartiger Sound, der immer ganz eindeutig nach den blechernen 80er Jahren klang, und seine unverwechselbare Quietschstimme haben zahlreiche Künstler inspiriert und kulturelle, ethnische und Generationen-Grenzen überwunden», lobten die Experten, die inzwischenJahr für Jahr rund 100 Grammys vergeben, damit jeder Künstler irgendwann einmal einen bekommt.

Bei der feierlichen Verleihungszeremonie Ende Januar wird Michael Jackson nach derzeitigem Stand allerdings nicht selbst auftreten können, um seinen Preis in Empfang zu nehmen. Die Wiederauferstehung des Teuren von den Toten sei entsprechend uralter Gebräuche erst für Ostern geplant, hieß es beim Management des Künstlers.

Staatsaffäre fällt aus

Gerade waren wir alle noch ganz schrecklich aufgeregt, weil den brutalstmögliche Fernsehaufseher Roland Koch es all seinen Vorgänger gleichgetan und einen ihm nicht genehmen Mann mit der Mehrheit seiner Partei aus dem Amt des ZDF-Chefredakteurs gejagt hatte. Die Grünen, die den bisherigen Amtsinhaber Nikolaus Brender einst mitgewählt hatten, weil er ihnen politisch genehm war, kreischten Verfassungsklage, die SPD grummelte dunkel, sie habe "Zweifel an der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens", ein Zustand, von dem die einstige Arbeiterpartei seit Jahrzehnten wunderbar lebt.

Es hätte eine schöne Staatsaffäre werden können: Politische Parteien, die politisch Einfluss auf die politische Ausrichtung des Staatsfernsehens nehmen, klagen genau dagegen vor dem Verfassungsgericht. Doch weh, ohwe, es wird nicht soweit kommen. Nirgendwo wird erörtert werden müssen, das Nikolaus Brender es in seiner Amtzeit nicht schaffte, das dröge ZDF weniger dröge zu machen, nirgendwo wird ein Urteil darüber fallen, dass er mithalf, die letzten Inseln ansehbaren Fernsehens zu schließen, etwa indem er aus ZDF Doku den Soap- und Tierfilmkanal ZDK neo machte.

Denn nun wird alles gut, weil mit dem bisherigen Hauptstadtstudio-Leiter Peter Frey ein Nachfolger bestimmt ist, dem man kein bisschen vorwerfen kann, er sei erzkonservativ, CDU-nah und ein besonderer Freund von Roland Koch. Das Erstaunen darüber hält sich auf den Medienseiten der eben noch herzhaft empörten Qualitätspresse in überschaubaren Grenzen. Die neue Entwicklung wird nun nur noch gemeldet, nicht mehr kommentiert.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Die Unfalltoten mahnen uns

Viertausend Menschen starben im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen, viertausend Menschen, die nicht mehr beitragen können zum Bruttoinlandsprodukt, zu Aufschwung und künftiger Staatsschuldrückzahlung. Man fragt sich beinahe automatisch, was das für eine Regierung ist, die soetwas zulässt, statt vorzusorgen und die Sicherheit zu schaffen, die unsere Menschen draußen im Land zu nötig brauchen. Etwa an Fußgängerüberwegen, die sich bei Überprüfungen durch Experten des Fußgängerverbandes Geh(t)doch e.V. in Mitteldeutschland zum Teil wahre Todesfallen entpuppten: Bei Dunkelheit warnen nur zwei je beidseitig hell beleuchtete Hinweisschilder über den Überwegen, wo durchaus Platz für vier oder sogar sechs solcher Schilder wäre. Oft seien zudem, so heißt es in der 560-seitigen GD-Studie, die PPQ vorliegt, Straßen teilweise meterweit nicht durch Ampeln gesichert, Fußwege überwiegend unbeschrankt und Kreisverkehre nur unzureichend untertunnelt. Schülerlotsen würden zudem etwa in Halle nur noch an sechs Schulen eingesetzt, auch hier aber nur morgens.

Man müsste Klavierspielen können

Raketen sind verboten, Himmelslaternen, Alcopops und Kritzelbilder, der Sonntagseinkauf und das Aufstellen von hakenkreuzförmigen Kleiderständern, Polen-Besuche und Hinweise darauf, dass DFB-Chef Theo Zwanziger manchmal dieses sagt und manchmal das Gegenteil. Doch Deutschland bleibt trotz allem ein freies Land, das hat das Bundesverfassungsgericht jetzt ein für alle Mal klargestellt: Klavierspieler, die am Sonntagnachmittag in ihrer eigenen Wohnung üben, müssen dafür kein Bußgeld bezahlen.

Damit war ein Berliner mit einer Beschwerde beim höchsten deutschen Gericht erfolgreich, nachdem ein Nachbar sich durch das Klavierspiel seiner Tochter gestört gefühlt und die Polizei gerufen hatte. Nachdem die Polizisten verschwunden waren, übte die junge Musikerin einfach weiter - und das zuständige Bezirksamt setzte wegen diese vorsätzlichen Verstoßes gegen das Verbot, an Sonn- und Feiertagen Lärm zu verursachen (§ 4 LImSchG Bln), eine Geldbuße in Höhe von 75 Euro fest. Der Klavierspiel-Vater ging durch die Instanzen: Auf seinen Einspruch hin reduzierte das Amtsgericht die Geldbuße auf 50 Euro, eine weitere Rechtsbeschwerde wurde vom Kammergericht verworfen.

Zu Unrecht, befand die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts. Das Urteil des Amtsgerichts verletze den Beschwerdeführer in seinen Grundrechten, weil es das Landes-Immissionsschutzgesetz in nicht verfassungsgemäßer Weise anwendet. Es sei für den Betroffenen nicht hinreichend erkennbar, wann das Musizieren in der eigenen Wohnung an Sonn- und Feiertagen eine "erhebliche Ruhestörung" darstelle, weil der Gesetzgeber die Voraussetzungen für die Strafbarkeit oder Bußgeldbewehrung nicht konkret umschrieben habe. Die Entscheidung darüber, ob eine "erhebliche Ruhestörung" vorliege, sei hier dem als Zeugen vernommenen Polizeibeamten überlassen worden, damit werde die Entscheidung über die Sanktionsbedürftigkeit eines Verhaltens nicht durch den Gesetzgeber, sondern durch die vollziehende Gewalt getroffen. Der Polizist sei damit Ermittler, Zeuge und Richter in einer Person, ohne dass es abstrakte Maßstäbe gebe, nach denen er handeln müsse. Der Bußgeldbescheid wurde aufgehoben, das Verfahren geht nun von vorn los: Die Verfassungsrichter verwiesen die Sache zur erneuten Entscheidung an das Amtsgericht zurück

Oma und Opa im Freigepäck

Simone Wiberg vom Kundendienst hat alle Hände voll zu tun. Draußen weihnachtet es sehr und da gilt es, Geschenke zu verteilen. IT-Tours, ein touristisches Großunternehmen in einem Briefkasten in Großbritannien, lässt sich denn auch nicht lumpen. "Sie haben sich bei einer oder mehreren der zu diesem Gewinnspiel zusammengeschlossenen Dienstleistungsplattformen registriert", schreibt Frau Wimberg, ehe sie die große Festtagsüberraschung auspackt: "Damit hat Ihre E-Mail-Adresse automatisch an unserer großen Verlosung teilgenommen".

Aber es kommt natürlich noch viel besser: "Ihre E-Mail-Adresse wurde tatsächlich gezogen!", schreibt die Damei, die offenbar auf der Isle of Man sitzt, wie die beigelegte Verlinkung zum Gewinn auf kappadokien.im vermuten lässt. Aber wer wird danach schon schauen! "Heute ist also Ihr Glückstag, denn man gewinnt ja nicht schließlich jeden Tag einen tollen Preis", kriegt sich Wiberg gar nicht mehr ein angesichts der Aussicht, im feuchtkalten türkischen Winter durch Kappadokien zu reisen. Dann gratuliert sie "ganz herzlich zu Ihrem Gewinn!"

Was jetzt kommt, muss der Gewinner selbst erledigen, so hat es Wolfgang Sellmann, der in der Schweiz residierende große Beschenker hinter IT-Tours, flugreisen-guenstig.com und allerlei anderen lustigen Internetseiten, beschlossen. "Packen Sie die Koffer, denn Ihr Gewinn ist eine 8 tägige Flugreise für bis zu 4 Personen nach Kappadokien (Türkei)". Man darf also Oma und Opa mitnehmen auf die große Fahrt im "Wert von 1476,- Euro", die "zusätzlich folgende Leistungen" beeinhaltet:

• Flug mit renommierten Fluggesellschaften nach Antalya und zurück
• 20 Kg Freigepäck
• Verpflegung an Bord
• Transfer Flughafen – Hotel - Flughafen
• Begleitung eines deutschsprachigen Reiseleiters während des gesamten Aufenthaltes
• Infococktail mit Begrüßungs Getränk bei der Ankunft in Ihrem Hotel
• 2 Übernachtungen im 4 Sterne Hotel in der Region Antalya
• 3 Übernachtungen im 4 Sterne Hotel in Kappadokien
• 2 Übernachtungen im 5 Sterne Hotel in der Region Antalya
• Unterbringung im Doppelzimmer
• Frühstück in Buffetform
• 20 % Ermäßigung auf Wellness Anwendungen im 5 Sterne Hotel im Raum Antalya
• Reiseprogramm wie beschrieben
• Reisepreissicherungsschein
• 24-Stunden-Ärztebereitschaft

Nur ein bisschen Treibstoffzuschlag ist zu zahlen und dann noch eine kleine Buchungsgebühr in Höhe von knapp 200 Euro. Vorausgesetzt, der Gewinnberechtigte meldet sich bis 16. Dezember unter it-tours.net. Weil wir im kommenden Jahr schon etwas anderes vorhaben, spendieren wir unseren Gewinncode an reiselustige Leser, die wegen ihres übertrieben scharfgestellten Spamfilters vielleicht keine Gewinnbenachrichtigung bekommen konnten. Einfach msi912 eingeben und abheben. Alle weiteren Fragen, schreibt Frau Wiberg, "richten Sie bitte direkt an den Reiseveranstalter".

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Verbot der Woche: Fachwerk-Vermummung

Sachsen-Anhalt geht scharf gegen Hauseigentümer vor, die ihre Fachwerkhäuser hinter Putz verstecken. Nach dem Inkrafttreten eines Bundesgesetzes, das es im Rahmen der PPQ-Initiative "Verbot der Woche" untersagt, Feuerwerkskörper in der unmittelbaren Nähe von Fachwerkhäusern zu zünden, hat der Landtag in Magdeburg jetzt auch ein Vermummen von Fachwerkmauern durch Putz, Vorhangwände und Fassadenfarbe erlassen. Anders mache die neue bundesweite Regelung keinen Sinn, hieß es im politischen Magdeburg: "Verschalte Fachwerkbauten sind als solche für den Bürger nicht zu erkennen", hieß es im Innenministerium. Dadurch bestehe die Gefahr, dass Feuerwerkskörper von Bürgern aus Unkenntnis trotz Verbotes in der Nähe von Fachwerkhäusern gezündet würden.

Mit der neuen Regel, die direkt an das erfolgreiche Flugverbot für sogenannte "Himmelslaternen" anschließt, soll die Brandgefahr in eng bebauten Orten vermindert werden. Experten fürchten, dass Silvesterraketen großen Schaden an Fachwerkbauten anrichten. "Mit ihrer langen Brenndauer können sie leicht trockenes Material etwa in Dachstühlen entzünden", beschreibt Ingolf Hirsch, der Chef des Landesfeuerwehrverbandes. Dazu müssten nur Dachluken weit offen stehen, Dächer abgedeckt sein oder Silvesterböller mit großer Sprengkraft Verwendung finden.

In den nächsten Wochen sollen flächendeckend Inhaber von Fachwerk-Immobilien angeschrieben und aufgefordert werden, ihre Häuser deutlich als Fachwerkbauten zu kennzeichnen. Dazu reiche es aus, Vorhangfassaden abzureißen und die Fachwerkbalken farblich "deutlich kontrastierend zum Mauerwerk" zu markieren, zu wie es im Gesetzestext heißt. Um die Sicherheit für Fachwerkhäuser gerade in den Innenstädten weiter zu erhöhen, sei als nächstes an ein Kerzen-, Heizpilz- und Rauchverbot in der bei vielen Bürgern beliebten Außengastronomie in unmittelbarer Fachwerknähe gedacht. Gerade dort befinde sich oft viel trockenes, abgelagertes Holz, hat der Landesfeuerwehrverband analysiert. Mit ihrer langen Brenndauer könnten Heizpilze, Zigaretten und Wachskerzen Tische, Stühle und die teilweise als Essgeschirr gereichten Holzbrettchen besonders leicht entzünden. Dazu müsse ein Heizpilz nur unglücklich und unbemerkt auf einen Stapel Papierservietten fallen, schon Minuten später brenne dann der ganze Tisch, Stunden später stehe dann aller Erfahrung nach die Stadt komplett in Flammen.

Klassiker aus der Kiste

"Was gibt es Neues aus Weimar, Herr von Goethe", fragte Madame de Staël. "Haben Sie noch immer ein Liebesverhältnis mit Ihrer Haushälterin?"

"Nein."

"Gott sei's gepriesen. Sie war, mit Verlaub, furchtbar gewöhnlich und gänzlich unter Ihrem Niveau."

"Wir sind jetzt verheiratet."

Neues vom Untergang

A Day in the Internet
Der hier im Nerd-Board PPQ zuallererst vorhergesagte Untergang der Internet-Riesen Ebay, Google, Amazon usw. schreitet nach neuesten Erkenntnissen amerikanischer Wissenschaftler mit dem Tempo eines Erdrutsches voran. Nach der oben eingeblendeten Grafik spielt sich das wahre Leben auch im 20. Jahr der "Datenautobahn" (Helmut Kohl) weiter hauptsächlich in der wirklichen Welt ab, noch immer werden tagtäglich mehr Gespräche von Antlitz zu Antlitz geführt und vergleichsweise wenige per Telefon und Email, noch immer verkaufen schmuddlige deutsche Second-Hand-Läden in schmuddligen Nebenstraßen mehr Waren als Ebay und Amazon zusammen. Allem Anschein nach bewahrheitet sich die einst von vielen belächelte Prognose, dass sich das Internet nicht durchsetzen wird.

Gesänge fremder Völkerschaften: Koloraturen im Kreis

Nichts ist, wie es scheint, da draußen auf den kleinen Bühnen der Welt, auf denen sich kleine Bands mit großem Willen Mühen, dem Brauchtum des eigenen Volkes die schönsten Lieder und Gesänge anderer Stämme hinzuzufügen.

"What's Up", in dunkler Vorzeit ohne Klimakatastrophe gesungen von einer Gruppe namens "Die vier Nichtblonden", gehört aufgrund seiner simplen Struktur und des himmelhochjauchzend-betrübten Textes zu den Klassikern, die der völkerkundlich begeisterte Sammler auraler Ad-Hoc-Installationen auf beinahe jeder Kneipenmeile rund um den Globus auflesen kann. Hinter dem harmlosen Liedlein über die frühe Midlife-Crisis einer 25-Jährigen aber steckt kompositorischer Sprengstoff, wie ihn auch unsere beinahe schon preisgekrönte heimatkundliche Serie Gesänge fremder Völkerschaften nur selten birgt. "And I pray, oh my god do I pray I pray every single day For a revolution" jodelt die Dame auf der Volksfestbühne textgetreu, während sich das Volk weinselig in den Hüften wiegt zu den eingängigen Akkorden A, b und D. Es fehlt in der uns zur Verfügung gestellten Aufnahme das allgemeine An-die-Hände-Fassen und einen großen Batik-Kreis bilden. Aber dennoch, zumindest in den hier "lyrics" genannten Singworten ist der Geist von Barack Obama gegenwärtig: "Tryin' to get up that great big hill of hope", schraubt sich die Rock-Koloratur in die Nacht. Das einzige, was fehlt, und auch da ist das Lied nah bei der Wirklichkeit, ist "a destination".

Muss nur in den Kram passen

Die energiepolitische Sprecherin der Grünen in Sachsen-Anhalt, Dorothea Frederking, hat etwas gegen das atomare Endlager in Morsleben. Auf einem kleinen Parteitag in Dessau-Roßlau wandte sich die Politikerin gegen das Bundesamt für Strahlenschutz, das mit einem Konzept die Langzeitsicherheit der Anlage gesichert sieht. Nicht so Frederking: "Ein Nachweis über die Langzeitsicherheit ist nicht möglich, weil er lediglich auf Modellrechnungen beruht." Dass ihre ideologischen Verbündeten derzeit in Kopenhagen gerade mit solchen Modellrechnungen die Apokalypse beschwören, scheint der engagierten "Angestellten bei einem Wohlfahrtsverband (AWO) im Bereich Qualitätsmanagement" entgangen zu sein. Oder: Modellrechnung ist nicht gleich Modellrechnung.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Jung gedichtet, nie vernichtet

Auf den anderen Plätzen

Marian Homrichhausen
mit Jahrzehnten Berufserfahrung
sitzt im Studio
und überwacht
die Gänge der Dinge
auf den sieben Plätzen
nebenher schieben die Hände
schon mal die Tabelle zusammen
zur Halbzeit

Mal sehen, sagt er zum
Techniker, um fünf Mark?

Viren schaffen Arbeitsplätze

Das ist mal wieder ein kluger Plan der ehemaligen Klimakanzlerin Angela Merkel. Wenn sich die richtige Welt schon nicht von der Norddeutschen regieren lassen will, so wird nun eben die virtuelle Welt regiert, dass es kracht. Mit einem geheimnisvollen "Turbo-Internet",von dem heute auf dem "IT-Gipfel" der Regierung die Rede war, fängt es an, mit einer Zwangsüberwachung des gesamten Internetverkehrs der Bevölkerung in Echtzeit hört es auf - 40 Milliarden Euro werde der Bund dafür ausgeben, versprach Internetminister Rainer Brüderle, eine Million Jobs soll damit europaweit entstehen.

Wie das geht, verrät der Plan zur Einrichtung einer "Beratungsstelle", von der sich Besitzer vireninfizierter Computer ab kommendem Jahr dabei unterstützen lassen können, ihre Rechner von Viren und Bots zu befreien. Nach dem Vorbild der erfolgreichen Schweinegrippen-Hysterie, mit der mitten in der Wirtschaftskrise Absatzmärkte der Pharmaindustrie und Arbeitsplätze im Gesundheitswesen hatten gesichert werden können, will das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Internetzugangsanbieter dann durchweg die Genehmigung geben, vireninfizierte Rechner bei ihren Kunden durch Echtzeitanalyse des Netzwerkverkehrs von fern aufzuspüren. Die Betroffenen bekämen dann eine Warnung zugestellt, die nach dem gemeinsamen Konzept von Anbietern und Bundesamt "per Post oder Telefon" erfolgen wird. Gemeinsam mit den Fachleuten müsse der PC-Besitzer dann versuchen, alle Schädlinge von seinem Rechner zu entfernen. Wer das verweigere, müsse mit Sanktionen rechnen. "Wer im Netz ohne Virenschutz unterwegs ist, gefährdet andere Nutzer in etwa so, wie ein Autofahrer, der mit kaputten Bremsen unterwegs ist und so andere fahrlässig gefährdet.", meinte ein eco-Projektleiter gegenüber der einzigen wirklich amtlichen deutschen Nachrichtenagentur dpa.

Herzstück der bundesweiten Beratungsstelle soll ein rund 40 Mitarbeiter starkes Call-Center sein, berichtet heise.de. Damit bleiben anschließend nur noch 999.960 Arbeitsplätze durch das "Turbo-Internet" zu schaffen. Mit Hilfe der Experten müssten dann alle "infizierten Rechner im Internet eine Seite ansteuern, auf der hinterlegte Reinigungsprogramme die Viren vom Rechner entfernen", fabuliert dpa blumig. Schlage der erste Versuch fehl, "kann in einem zweiten Schritt der Provider dem Kunden einen Zugangscode für die telefonische Unterstützung mitteilen" - der, so ist zu vermuten, per Post kommt, um dort Arbeitsplätze zu erhalten.

Fraglich ist nach Ansicht von Heise noch die rechtliche Grundlage, auf der ein Provider den Netzwerkverkehr des Kunden inspizieren darf. Nach § 202b StGB sei das Abfangen von Informationen verboten, § 88 TKG lege zudem fest, dass übermittelte Inhalte dem Fernmeldegeheimnis unterliegen. Allerdings sage derselbe Paragraf im dritten Absatz, dass Betreiber eines Telekommunikationsdienstes sich Kenntnis vom Inhalt verschaffen dürfen, wenn dies zum Schutz ihrer technischen Systeme erforderlich sei. Nicht vermerkt ist zwar, dass diese Informationen an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik weiterzugeben sind, aber auch dieses Problem wird sich durch eine flotte Gesetzesänderung kurz vor der Sommerpause sicher schnell aus der Welt schaffen lassen.

Tuvalu gibt keine Ruh´

Eine der größten Geschichten der Welt schickt sich demnächst an, Jubiläum zu feiern. Zehn Jahre schon wird der Inselstaat Tuvalu dann untergegangen sein, zehn Jahre das erste Opfer von Klimawandel und steigendem Meeresspiegel. 11.000 bedauernswerte Insulaner, die es dem englischen "Guardian" verdanken, zu einem Welterfolg geworden zu sein, dem heute allein auf 52.000 deutschsprachigen und fast zwei Millionen englischsprachigen Internetseiten gehuldigt wird.

In Gang gebracht hat das alles Andrew Simms, der am 29. October 2001, einem Montag, unter der Überschrift "Auf Wiedersehen, Tuvalu" vom Hilferuf der neun Eilande berichtete. Die Regierung des Inselreiches habe an Australien und Neuseeland appelliert, wegen des steigenden Meeresspiegels alle ihre Bürger evakuieren zu dürfen, teilte Simms, hauptberuflich Mitarbeiter bei der New Economics Foundation, mit. Die erste Gruppe von Klimaopfern werde im kommenden Jahr übersiedeln dürfen und so vor den steigenden Wassermassen rund um die nur 3,5 Meter hohe Insel gerettet werden.

Natürlich stimmte das nicht. Natürlich wurde der Evakuierungsplan später Dutzende Male dementiert. Natürlich ist heute bekannt, dass der Meeresspiegel um Tuvalu seit jenem ersten Hilferuf um keinen Zentimeter angestiegen ist.

Aber das Bild, das Andrew Simms entwarf, faszinierte: "Tuvalu is paying for the rich world's experiment with the global atmosphere", fantasierte er und traf ins Schwarze. Seitdem geht Tuvalu unter - je nach Bedarf etwas öfter oder auch mal ein Jahr gar nicht, wie die Google Timeline (oben) zeigt. Insgesamt gesehen aber hat sich das Märchen des Andrew Simms durchgesetzt: Suchen Fernsehteams nach Klimaopfern, nehmen sie den beschwerlichen Weg in die Südsee auf sich, wollen Klimaforscher den Meeresspiegelanstieg illustrieren, powerpointen sie ein paar Bilder vom untergehenden Paradies.

Immer öfter muss Tuvalu herhalten, denn so nah an die Katastrophe kommt der deutsche Zeitungsleser sonst schließlich nirgends. Auf Du und Du mit "the world's first climate refugees", das zieht immer, auch wenn es nicht stimmt: Die 75 Menschen, die Neuseeland jährlich per Quote als Evakuierte aufnimmt, dürfen nicht kommen, weil Tuvalu versinkt. Sondern 75 die Quote ist, die Neuseeland üblicherweise für jedes Pazifische Entwicklungsland festlegt, unabhängig von Klimawandel.

Das aber ist keine Geschichte, die Emotionen verspricht und drastisch vor Augen führt, wie der Mensch die Welt vernichtet. Und so wird die andere erzählt, seit nun schon fast einem Jahrzehnt: Tuvalu versinkt, die Einwohner müssen flüchten, weil die Wellen immer höher steigen. "Ein kleines Inselparadies geht unter", flunkert das SZ-Magazin "jetzt", "Besuchen Sie Tuvalu, solange es noch da ist", flunkert die "Zeit", "Der Inselstaat Tuvalu ist dem Untergang geweiht", prophezeit die "Welt", "das seit Jahrtausenden hier lebende polynesische Volk hat keine Zukunft mehr ", assistiert 3Sat.

Nicht weiter verbreitet ist der schöne Abgesang an den Untergang, den der klimasensitive "Spiegel" nur zwei Monate nach dem ersten Alarm im "Guardian" anstimmt. "Die Südsee-Ente" entdeckt das Magazin seinerzeit, nachdem dpa durch amerikanische Klimaschützer auf den "Guardian"-Artikel aufmerksam gemacht worden war, woraufhin Tuval Untergangspremiere in allen deutschen Zeitungen feierte.

Auch der "Spiegel"-Versuch, die wahre Geschichte zu erzählen, half nicht viel. Zu schön war die Fantasie, zu verführerisch die Lüge. Andrew Simms, der sie sich ausgedacht hat, sagte dem "Spiegel"_Reporter damals am Telefon, Quelle seiner Untergangsinformationen sei "jemand auf der Insel". Nein, den Namen möchte er nicht sagen. Muss er auch nicht. So oder so war die Wahrheit das erste Opfer des Klimawandels auf Tuvalu.

Er bietet mehr

Er ist der Hohepriester der Klimabeschleunigung, ein Wanderer auf unablässig steigenden Wassern, der nicht müde wird, vor einer "dramatischen Beschleunigung des Klimawandels" zu warnen. Die großen Klimagipfel vor allem sind die große Stunden des Hans Joachim Schellnhuber, der als "Klimaschutzbeauftragter" der Bundesregierung und "Klimaberater" der Klimakanzlerin am besten weiß, wie schlimm die absehbare Klimakatastrophe die Welt treffen wird.

Reden andere von einem Meeresspiegelanstieg im Zentimeterbereich, macht es Schellnhuber nicht unter Metern. Andere untersuchen noch, wieviel Wasser die Meere eigentlich so enthalten, er ist schon weiter. Virtuos jongliert der Chef des Potsdamer Klimaaufsichtsamtes mit Gradzahlen und Gletschern, Küstenlinien und Flüchtlingsmillionen, immer auf der Suche nach einem neuen grausigen Superlativ.

Dass er dabei häufig vergisst, was er letztens noch wusste, gehört zum Spiel: Um sieben Meter werde der Meeresspiegel ansteigen, prognostizierte Schellnhuber im letzten Winter, vorausgesetzt natürlich, es werde soviel wärmer, wie es wärmer werde. "Dann gäbe es die heutigen Küsten nicht mehr, auch nicht in Deutschland."

Die alte Drohung zu wiederholen, reicht ja aber nicht. Neuer Stoff muss her, und sei er auch dünner als der alte, an den sich sowieso niemand mehr erinnert. Werde es noch wärmer, verriet der Fachmann jetzt in der FAZ, "könnte der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts weltweit im schlimmsten Fall um mehr als einen Meter steigen".

Holla, das wären sechs Meter weniger als noch im Winter, ein wirklich schöner Erfolg der Schellnhuberschen Klimawarnungen. Aber sicher ist das noch nicht, denn nichts Genaues weiß nicht einmal Hans Joachim Schellnhuber, der es ganz genau weiß, wie dem Deutschlandradio kurz nach seinem Diktat für die FAZ anvertraute: Danach könne die Menschheit zuversichtlich "davon ausgehen, dass der Meeresspiegel um viele Meter steigen wird, möglicherweise in der Größenordnung von 40 oder 50 Metern".

Sein Institut aber beruhigt auch schon wieder alle, die schon beschlossen hatten, aus dem Erdgeschoss auszuziehen. In einer neuen Studie gehen die Wissenschaftler von einem Anstieg um bis zu 1,90 Meter aus, heißt es gerade. Der Meeresspiegel steige danach deutlicher als bislang gedacht und etwa dreimal so hoch wie die Schätzung aus dem Sachstandsbericht des Weltklimarates von 2007 vorhergesagt hatte.

Montag, 7. Dezember 2009

Fremde Federn

Wir befinden uns in einer fundamentalen Paradoxie: Nichts genaues weiß man nicht, aber Eile ist geboten, weil Gefahr im Verzug, also lasst uns mal in den blauen Dunst hinein wursteln. So sehen politische Paradoxien immer aus; man muss Verantwortung wahrnehmen, wissend, dass man das nicht verantworten kann. Daran kann man verrückt werden, oder einfach seinem Instinkt folgen.

Kapitalismus ist gut fürs Klima

Das Kyoto-Protokoll, jedem Klimafreund über Jahre als Kochrezept für gutes Wetter weltweit eingebleut, hat seinen Zweck nie erfüllt. Störrisch ging zwar zwei Bush-Amtszeiten die Rede davon, dass allein dessen Weigerung, das rettende Papier zu unterschreiben, an der fortschreitenden Erwärmung schuld sei. Die pünktlich zum keineswegs klimaneutralen Nachfolgetermin in Kopenhagen vorgelegte Kyoto-Bilanz aber sieht nun die eifrigen Kyoto-Unterzeichnerstatten Australien, Griechenland und Spanien weit vor dem Amerikanern. Statt ihre CO2-Emissionen wie versprochen zu senken, gelang es den drei Ländern, sie zwischen 24 und 53 Prozent zu erhöhen.

Da sieht Deutschland richtig gut aus, denn immerhin konnte die Klima-Musterländler seinen Ausstoß des "Klimagases" (Angela Merkel) um mehr als ein Fünftel verringern. Allerdings reicht ein näherer Blick auf die Statistik, um zu verdeutlichen, wie das gelang: Deutschland profitierte bei seinen CO2-Einsparungen vor allem von der Stillegung der sozialistischen Schwerindustrie im "Anschlußgebiet" (Helmut Kohl). Auch Rußland Polen, Rumänien und Tschechien fiel es nach dem Zusammenbruch ihrer Kommandowirtschaft leicht, einen Platz unter den Klima-Musterschülern zu erkämpfen: Ganz zufällig liegen vier weitere ehemalige sozialistische Länder beim CO2-Sparen ganz vorn, alle schaffen Traumwerte von minus 22 bis minus 40 Prozent im Vergleich zu 1990. In einem Forschungsprojekt wurde im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes zeigte sich, dass im Zeitraum 1990 bis 2000 Minderungen der Treibhausgase um etwa 18,2 Prozent erreicht wurden, davon ungefähr die Hälfte - genau 8,5 Prozent – durch die Umstrukturierung der ostdeutschen Industrie zurückzuführen.

Das gelingt keinem alteingesessenen kapitalistischen Staat: Großbritannien, in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten immerhin vom Industriestandort zum Finanzstandort umgebaut, kommt nur auf 17 Prozent, Frankreich auf gerademal fünf. Der Wirklichkeit hält das Grundgefühl nicht stand: Im Kern ist die Euro-Krise keine Banken-, sondern eine Staatsverschuldungskrise. Der Kapitalismus samt Globalisierung hat die Menschheit nicht ärmer, sondern reicher gemacht. Und die Umwelt gesünder.

Ausgerechnet Kapitalismus ist offenbar gut fürs Klima, zumindest, wenn er an die Stelle eines staatssozialistischen Systems tritt.

Wohlstand für Willige

In der Krise liegt die Chance, das ist klar, doch hierzulande unbekannt war bisher, wie sie für den Einzelnen am besten zu finden ist. Die Antwort liefert unser internationales Auslandstagebuch PPQ natürlich nachfolgend, ohne dazu direkt einen Auftrag der Geschäftsführung von CRI Reality zu haben, die uns die lieben Zeilen eben "Mit freundlichen Gruben" zukommen lassen hat. Doch wenn es kalt wird draußen vor der Tür müssen wir alle unser Scherflein dazu beitragen, den Klimawandel nicht erschlaffen zu lassen, noch dazu wo wir von einem "wachsenden Interesse aller Welt" an Costa Rica und den "massiven Projekten" dort hören.

Jetzt wo "jeder Willige seine Mittel ins Bauen unserer Objekte anlegen und Dividende erhalten" kann, dürfen wir nicht sein wie Felix Magath, der einen Trainerjob in Gelsenkirchen dem Leben als "Fernmitarbeiter" ohne "physische Niederlassung" vorzog. Mutmaßlich wird Magath bereuen, denn wie teilt uns CRI reality mit: "Die Tatsache bleibt besten, jetzt kann der Kunde sogar beim Investieren von einer Tausend Dollars mit dem Gewinn rechnen". Naja, verwunderlich ist das nicht, hier geht es ja auch um die "Errichtung einer Reihe von Hotelkomplexen langs ganzer Kuste" mit "eine Reihe der grossten Investoren von Weltruf". Bewerber sollten keine Probleme mit dem Gesetz haben, denn die kommen dann später sowieso.

Unsere Firma ist froh uber die Erscheinung einer Reihe von offenen Stellen in unserem Mannschaftsbestand. Schon im Laufe von 5 Jahren sind wir einer der leitenden Immobilienanbieter, die auf dem Markt arbeiten. Im Moment ist Costa Rica der vordringliche Sektor fur unsere Firma. Dieses Gebiet wird immer mehr popular als Touristenerholung, und auch hat einen Sonderwirtschaftszonenstatus, was lasst man hier Firmen registrieren, die von der Besteuerung befreit sind.

Im Zusammenhang mit dem wachsenden Interesse aller Welt an dieser Republik wachst auch die Investitionsanziehungskraft dieses nicht grossen Landes. Immer mehr Firmen investieren in verschiedene Wirtschaftssektoren Costa Ricas. Wir stehen auch nicht beiseite. Unsere Firma hat eine Reihe von Vergabegesprachen fur die Errichtung einer Reihe von Hotelkomplexen langs ganzer Kuste gewonnen. Da solches massive Projekt ware es sehr schwer im Alleingang zu realisieren, hatten wir zu diesem Projekt eine Reihe der grossten Investoren von Weltruf hingezogen. Gleichzeitig vergassen wir nicht eine Minute unsere schon vorhandenen Privatkunden. Und wir als erste boten den Know-how auf dem Investitionsmarkt an, fuhrten den Begriff "Das Portfeuille des Privatinvestoren" ein. Jetzt kann jeder Willige seine Mittel ins Bauen unserer Objekte anzulegen und Dividende erhalten. Naturlich unterscheidet sich ein Zinssatz vom gezahlten Betrag, die Tatsache bleibt aber bestehen, jetzt kann der Kunde sogar beim Investieren von einer Tausend Dollars mit dem Gewinn rechnen, dass in der Jahresbilanz kalkuliert wird.

Und jetzt mehr detailliert uber eine offene Stelle und daruber, was diese Mitarbeiter zu machen haben werden. Da alle unseren Kunden in verschiedenen Weltgebieten sind, haben wir keine physische Moglichkeit solche Zahl von Niederlassungen zu offnen. Deshalb benutzen wir die Hilfe von Fernmitarbeitern in einer Reihe von Landern, von so genannten Verkaufsvertretern. Diese Leute vertreten unsere Firma im vollen Umfang, leisten das volle Leitungsprogramm. In erster Linie ist es naturlich der Service fur die Kunden, die eine Moglichkeit und einen Wunsch haben, in unser Unternehmen zu investieren. Heutzutage braucht die Firma 6 Vertreter in Ihrem Raum.

Die Anforderungen an die Bewerber sind folgende: das Alter ab 22 Jahre, die Hochschulausbildung ist bevorzugt, keine Probleme mit dem Gesetz und keine Schuldverpflichtungen. Sie mussen auch sicher PC, Internet benutzen und mobil sein.

Unsererseits geben wir die Garantie, zeitgerecht Ihr Monatslohn in Hohe von 1500 Euro zu zahlen, die Bonus entsprechend Ihren Arbeitsleistungen, exklusive Unterbringung Ihrer Mittel, und auch den bezahlten Urlaub von 28 Kalendertagen.

Wenn Sie sich angesprochen fuhlen, schicken Sie bitte *CV *zu unserer Adresse : bizness.mary.sinclair@hotmail.com , und wir werden Ihnen eine ausfuhrliche Beschreibung von Ihren Pflichten zuschicken.

Klima noch viel schlimmer!


Es ist die Schicksalswoche der Menschheit, es sind die Tage, in denen sich die Zukunft der Welt in Gesprächen zwischen deutschen, kameruner, ägyptischen und amerikanischen Spitzenpolitikern entscheidet. Kurz vor dem Beginn des langersehnten Klimagipfels in Kopenhagen treffen aber nun neue Hiobsbotschaften ein: Das deutsche Wissenschaftsmagazin "Bild" und der Forschungssender n-tv haben ermittelt, dass alles noch viel schlimmer wird "als bisher von Experten befürchtet" (Jo Brauner). Nach übereinstimmenden Angaben der beiden Fachpublikationen, die sich auf eine Studie der Allianz-Versicherung beziehen, droht der Menschheit ein "Klima-Schock". Bei einer weiteren Erderwärmung drohe in vielen Regionen ein Umkippen mit nicht mehr umkehrbaren Schäden: Nicht nur werde die Zahl von Dürren, Sturmfluten, Wirbelstürmen, Waldbränden und Überschwemmungen steigen, sondern auch die der Erdbeben, warnen Klimaexperten.

Dabei sei bereits das letzte menschengemachte Beben in China mit Schäden von 85 Milliarden Dollar die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten gewesen. Der Gipfel in Kopenhagen müsse sich aus diesem Grund auch mit dem Kampf gegen Erdbeben befassen, fordern erste Stimmen aus der Wissenschaftsgemeinde. Es müsse darum gehen, die Durchschnittsstärke der weltweiten Beben auf höchstens Stärke fünf auf der nach oben offenen Richterskala zu begrenzen.

Der Himmel über Halle XXII

Wir vom Sky-Board PPQ beobachten mit Entzücken, wie sich Stadtverwaltung und Landesregierung immerdar bemühen, dem "Himmel über Halle" neue und neue Nuancen abzugewinnen. Kaum fängt es an zu regnen, zaubern die Verantwortlichen in der Wasserpause ein Bleu ans Firmament, dass uns für den "Web-Award für klimaintensive Heimatkunde-Blogs" nominierten Hardcore-Meteorologen die Tränen in die Augen schießen. Als sei dies nicht genug, streuen die Szabados & Co. auch noch einen Hauch Puderzucker zwischen Hochspannungsleitung und Straßenlaterne, als gäbe es kein Morgen. Wie Georg Trakl schon lyrisierte: "Der Himmel ist einsam und ungeheuer". Wir erheben keinen Einspruch.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Eine für alle

Als letztes Land Europas, in dem Glaubens- und Meinungsfreiheit wirklich geachtet werden und der "Faschismus" (Staatschef Erdogan) erbittert bekämpft wird, macht die Türkei jetzt einen weiteren Schritt nach vorn auf dem Weg zur Beispielnation weltweit. Nach einem Bericht der Welt wird die Großdemokratie am Bosporus ihren Bürgern ab nächstem Jahr eine kostenlose E-Mail-Adresse nebst zehn Gigabyte Speicherplatz schenken, die von einer Behörde verwaltet und im Personalausweise vermerkt wird. Zur Stärkung von Wettbewerb und Meinungsfreiheit soll die Verwendung ausländischer Mail-Dienste wie Google und Yahoo gleichzeitig verboten werden.

Tayfun Acarer, Chef der staatlichen Internet-Behörde Anaposta, wies darauf hin, dass bisher der gesamte E-Mail-Verkehr der Türken über Server im Ausland laufe. Das solle beendet werden, um die nationale Sicherheit zu erhöhen. Dazu will Anaposta auch eine Suchmaschine anbieten, die „türkische Empfindlichkeiten“ berücksichtigen und alles herausfiltern werde, was "türkische Werte" beleidige. Die EU-Aufnahme einer solcherart globalisierten und pluralisierten Türkei dürfe dann reine Formsache sein.

Samstag, 5. Dezember 2009

Die Hunde des Führers

Müller statt Westernhagen

Dunkle Zeiten zuletzt im Kurt-Wabbel-Stadion zu Halle. Seit HFC-Regisseur René Stark verletzungsbedingt nicht mehr mitspielen kann, gelang dem Halleschen FC kein Sieg mehr, auch mit Toren klappte es nicht. Zuletzt gab es zu Hause sogar eine Heimniederlage - die erste seit dem Frühjahr, die zweite seit dem Sommer letzten Jahres.

Ein neuer Mann soll deshalb im Spiel gegen Lübeck für neuen Schwung sorgen: Nachwuchsmann Toni Lindenhahn hatte vergangene Woche beim Auswärts-Remis in Hannover eine Halbzeit lang vielversprechend gewirbelt, heute darf er von Anfang an ran. Der etatmäßige Rechtsaußen Pavel David rückt dafür in die Mitte und Stürmer Markus Müller, der sich seit Starks Ausfall hinter der einzigen Spitze Thomas Neubert hatte versuchen dürfen, sitzt nur auf der Bank.

Dennoch tut sich der HFC schwer. Die ersten paar Minuten geht es noch ein bisschen nach vorn, dann aber spielt nur noch Lübeck. Bis auf die 3. Minute: Lindenhahn wird von David angespielt, Doppelpass, Flanke von Rechtsaußen nach Linksaußen, der Lübecker Verteidiger springt nicht hoch genug und ausgerechnet der seit einiger Zeit kritisierte Kapitän Nico Kanitz, gerademal 1,65 groß, köpft den Ball ins Netz, ohne hochspringen zu müssen. Das Tor werde dem HFC-Wirtschaftsbeiratsboss Willy Klose gewidmet, der eben gerade heute seinen Geburtstag feiere, meldet sich der Stadionsprecher, der von Kanitz irgendein geheimes Zeichen bekommen haben muss. Klose hatte den Halleschen FC einst mit dem verhassten Erzrivalen VfL 96 fusionieren wollen, scheiterte damit allerdings. Daraufhin wechselte der Chef der halleschen Stadtwerke die Seiten und seine in städtischem Besitz befindliche Firma die Fußballfarben. Ein Wechsel, der sich für beide Seiten gelohnt hat: Der HFC hat einen Hauptsponsor. Willy Klose steht nun wohl als ältester Regionalliga-Torschütze aller Zeiten in den Statistiken. Oder so ähnlich.

Das hallesche Spiel wird davon nicht besser, aber das ist ganz gut so. Als die Elf von Trainer Sven Köhler Spitzenreiter Babelsberg an die Wand spielte, stand auf der Anzeigetafel zum Schluss ein 0:1. Heute läuft es andersherum: Halle würgt, Lübeck drückt. HFC-Verteidiger Jan Benes gelingt gar nichts, Steve Finke spielt Fehlpass auf Fehlpass, über Kanitz´ Seite geht gar nichts. Lübeck hat den Ball immer schnell wieder. Doch spätestens an der HFC-Innenverteidigung mit Adli Lachheb und Patrick Mouaya endet jeder Versuch der Gäste, zum Torerfolg zu kommen.

Wenn es Absicht ist, zurAbwechslung mal erst schlecht zu spielen und dann besser zu werden, dann geht der Plan heute auf. Krochen die Rotweißen in der zweiten Halbzeit gegen Babelsberg noch ausgelaugt über den Platz, explodiert Köhlers bis dahin äußerst behäbig agierende Mannschaft heute nach der Pause. Jetzt spielt nur noch der Gastgeber, angetrieben von Pavel David und Toni Lindenhahn. Nur Tore fallen nicht: Erst schießt der frei auf den Torwart zulaufende Hebestreit den Ball aus fünf Metern in die Arme des Lübecker Keepers, der bei vier Grad Plus mit kurzem Leibchen aufgelaufen ist. Dann vertändelt Thomas Neubert den Nachschuss. Und schließlich landet ein Weitschuss von Steve Finke auch noch am Lattenkreuz.

Sven Köhler hat dann ein Einsehen. Für den wie immer sehr körperlich, aber zugleich sehr kantig agierenden Neubert, von seinen Fans als einzig wahrer Westernhagen der Regionalliga verehrt, kommt der Ex-Auer Markus Müller und der macht auftragsgemäß alles klar. In der 72. Minute drückt eine einen von Ronny Hebestreit per Kopf weitergeleiteten David-Freistoß in die Maschen, in der 83. ist es eine Hebestreit-Flanke, die er einköpft, und nachdem die Lübecker sich entschlossen haben, stürmend unterzugehen, krönt er einen Lehrbuchkonter nach Eingabe von Lachheb mit seinem 3. Treffer.

Es ist allerdings Hebestreit, der die Arme beim Abpfiff am weitesten hochreißt. Der alte Mann, an der Seite der Jungen beim HFC in seinem vierten Fußballfrühling, weiß genau, warum.

Freitag, 4. Dezember 2009

Balkan boykottiert Boykott

Der türkische Staatschef Erdogan hatte gerufen, die große arabische Demokratie Syrien gebettelt. Kein anständiger Moslem solle mehr vor religiöser Verfolgung in seinem Heimatland in die Schweiz flüchten, niemand mehr beiseite geschaffte EU-Millionen in die Schweiz schaffen, wie es Yasser Arafat einst so treusorgend tat, auf dass seine Frau weiterhin Gucci-Schuhe tragen könne. So ging der Ruf landauf, landab nach dem grausamen Entschluss der Schweizer Bevölkerung, keine Gebetstürme mehr zu dulden zwischen den heimischen Bergen. Die arabische Welt war ausnahmsweise einig: Keiner würde mehr Schweizer Schokolade essen oder mit Schweizer und Präzisionsgewehren oder Messern morden, bis die Eidgenossen ihren fatalen Beschluss zum Bauverbot für Minarette aufgehoben hätten.

Die Schweiz zitterte und bangte, doch ganz grundlos, wie sich jetzt zeigt. Denn ausgerechnet die Bankalländer Serbien, Mointenegro und Mazedonien könnten den Boykott wirkungsvoll boykottieren: Anfang Dezember beschloss die EU-Kommission stellvertretend für die Schweiz, dass der Bergstaat seine Grenzen ab 19. Dezember auch für Serben, Montenegriner und Mazedonier öffnen muss. Bürger aus diese Ländern, die über einen biometrischen Pass verfügen, dürfen dann für bis zu 90 Tage in der Schweiz kommen - ohne Meldung an die Ausländerbehörde, denn das sieht das Schengen-Abkommen so vor.

Rechte Politiker, die bisher erstarrt waren vor Angst, kein Tourist werden mehr kommen, freuen sich nun auf "einen unkontrollierten Ansturm auf die Migrationsämter", wie die Basler Zeitung schreibt. «Mit dem freien Zugang zur Schweiz werden noch mehr Leute aus der Region in die Schweiz kommen», prognostiziert FDP-Nationalrat Philipp Müller auf Bazonline.

Müller, der nicht verwandt und nicht verschwägert ist mit dem im Kalten Krieg von Adenauers Schergen ermordeten gleichnamigen FDJ-Aktivisten, geht davon aus, dass viele Menschen aus dem Balkan zwar legal in die Schweiz einreisen würden, dann aber "über die erlaubte Frist hinaus im Land bleiben und schwarz arbeiten". Im Gastgewerbe, in der Baubranche und der Landwirtschaft sei Schwarzarbeit schon heute verbreitet. «Die neuen Einwanderer können dabei ihre Kontakte zur ohnehin schon großen Zahl von Landsleuten in der Schweiz nutzen", freut sich Müller. Die Neuankömmlinge wären damit vom ersten Tag an integriert, der Ausfall der aus Boykottgründen nicht mehr einwanderungswilligen Menschen aus den arabischen Ländern würde keinen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten.

Absolute Mehrheit winkt

Kurz nachdem der ausgebildete Unteroffizier der Reserve Theodor von Guttenberg den Tanklasterangriff von Kundus als "militärisch nicht angemessen" neu eingeordnet hat, liebt ihn das Volk gleich noch ein bisschen mehr. Im sogenannten Deutschlandtrend der ARD zeigen sich 69 Prozent der Deutschen mit der Arbeit des Heerführer hochzufrieden. Zustimmung, die der künftige CSU-Kanzerkandidat gut gebrauchen kann, denn auch seine kommende große Rivalin Ursula von der Leyen wird im Volk immer beliebter: Die vielfache Mutter und gescheiterte Internet-Zensorin begeistert mit ihrem Wechsel ins Arbeitsressort nun schon zwei Drittel der Wähler.

Werte, von denen der ehemals kultisch verehrte Ex-SPD-Chef und -Außenminister Walter Steinmeier nur noch träumen kann. Mit dem Amt verlor die Schneeeule der Sozialdemokratie auch den Nimbus des Mannes, den man einfach mögen muss, weil er dauernd im Fernsehen auftaucht. Ein Fünftel aller Menschen, die mit Steinmeiers "politischer Arbeit" (Infratest) eben noch zufrieden zu sein vorgaben, haben den neuen SPD-Fraktionschef inzwischen aus den Augen verloren.

Dessen Partei leidet darunter allerdings nicht. Im neuen ARD-Deutschlandtrend können die bei der Bundestagswahl schwer abgestraften Sozialdemokraten nach der Ankündigung der Traumhochzeit von Franz Müntefering mit seiner jungen Freundin Michelle Schumann einem Sprung von 20 auf 24 Prozent im Vergleich zum Vormonat machen. Ein Comeback wie aus dem Bilderbuch - zumal die Arbeiterpartei letzte Woche in einer Forsa-Umfrage noch bei nur 19 Prozent notiert worden war. Hält der atemberaubende Aufwärtstrend an, könnte sich die SPD bereits im Mai, spätestens aber im Juli kommenden Jahres über eine absolute Mehrheit freuen.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Klicken gegen rechts

Was haben sich die Verantwortlichen dabei nur gedacht? Kaum vom Presserat abgemahnt, tastet die springersche "Welt" mit dem Feingefühl eines Schreitbaggers schon nach dem nächsten Fettnäpfchen. Zu einem Artikel, der aus welchen Gründen auch imemr behauptet "In Europa wächst die Skepsis gegenüber Migranten" baut die Online-Redaktion des Blattes eine Umfrage ein, die auf die Vorgabe "Wer ist verantwortlich dafür, dass die Integration von Einwanderern in Deutschland gelingt" die Antworten "Staat und Gesellschaft. Sie müssen den Migranten helfen, sich einzuleben", "Die Migranten selbst. Wenn sie in Deutschland leben wollen, müssen sie sich anpassen" und "Beide Seiten sollten aufeinander zugehen und sich um Verständnis bemühen" vorgibt.

Prompt zeigt der muselmanenmüde Deutsche seine häßliche Fratze: 88 Prozent aller abgegebenen Stimmen entfallen bislang auf die unerhörte und sicherlich auch aufgrund deer deutschen Geschichte mehr als nur ein bisschen ungehörige Vorgabe "Die Migranten selbst". Nur ein einziges aufrechtes Prozent ist der Ansicht, Staat und Gesellschaft sollten mit den Betroffenen fremde Sprachen sprechen, die Burka anlegen und zum Ramadan fasten dieser Zwischenstand lässt das Ergebnis der Minarettabstimmung in der Schweiz wie eine Einladung an die Völker der Welt zum Multi-Kulti-Basar mit gemeinsamer Tempelbauschule wirken.

Kein Zweifel - der Zweifel daran, ob es hier nicht mit rechten Dingen zugeht, reicht bis in die Mitte der Gesellschaft. Steckt die NPD dahinter? Sind es rechte Kameradschaftskreise um den Mannichl-Mörder, die von ihren Computern aus das weltnetz manipulieren wie kosovarische Wettbetrüger den Bundesligafußball? Die Welt schaut auf Deutschland, gerade die arabische, die schon nach Hitlers Bündnis mit dem Großmufti von Jerusalem und der Gründung der SS-Division "Handschar" eine große Deutschland-Sympathie entwickelte. Und sie muss bei solchen Zahlen den Eindruck gewinnen, die Deutschen hätten aus ihrer Geschichte nichts gelernt. Wo sind die Anständigen, die das Ergebnis kippen? Wo bleibt der Aufschrei der Medien? Die Schriftstellerinitiative "Klicken gegen rechts".

Käfer lassen kacheln

Er lässt nicht locker, er gibt keine Ruhe. Von der Kulturkritik der Mainstreammedien verschmäht, vom Publikum weitetgehend ignoriert, klebt der hallesche Kachel Gott weiter unverdrossen an seinem großen Traum von der neu verfliesten Innenstadt. Am August-Bebel-Platz, wo der Kachelmann schon in der Vergangenheit immer wieder gern form- und farbschöne Fliesen angebracht hat, installierte der Mann, der nach wie vor nachts und inkognito arbeitet, jetzt eine neue Fliesenreihe aus seiner vor allem bei Kindern beliebten "Käferreihe", die sich bereits vielmals im einzigen offiziellen Kachelverzeichnis findet.

Eigene Funde können Fliesen-Feldforschungsvolunteers wie stets direkt an politplatschquatsch@gmail.com leiten. Jeder Fund wird von uns auf Wunsch mit einem mundnachgemalten Kunstdruck der inzwischen von Kachel-Gegnern vernichteten Ur-Fliese prämiert.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Ein bisschen Spaß muss sein

What goes down, must come up, sagen die alten Weisen und weisen Alten, die an den Weltbörsen früher noch mit Zetteln nach dem Feierabend geworfen haben.

Oppositionelle, bis vor zwei Wochen ein Fachbegriff, der ausschließlich zur Beschreibung der islamistischen Muslimbruderschaft Verwendung finden konnte, rufen zu einem "Marsch der Millionen" auf. "Jede Revolution hat ihre Phasen und ihren Rhythmus", analysiert die FAZ buttermesserscharf. Erst kommt der Unmut, dann die Empörung, schließlich die Euphorie, das Glück, die Siegestrunkenheit.

Und am Ende die Enttäuschung: Die neue Freiheit ist die alte Knechtschaft, nur nun unter der Knute der Clique, die der Umsturz nach oben spülte. Demokratie eine dauernde Wahl zwischen alternativlosen Entscheidungen. Ob Leipzig oder Scharm-El-Sheikh: Die Banane, die eben noch jubelnd in die Höhe gereckt wurde, ist doch nur wieder eine Gurke.Vergessen sind die von Netzwerkrecherche zitierten Erkenntnisse des eigentümlich-frei-Herausgebers André F. Lichtschlag, nirgendwo ist mehr etwas zu sehen von einer „bedrohlich totalitär“ werdenden „Eine-Welt-Zivilreligion mit Göttern wie Obama, Teufeln wie dem ,ewigen Braunauer’, Ablasshandel gegen Klimaerwärmung, Opfern mit Glühbirnenverzicht, immer neuen Steuern und Totalüberwachung, Ritualen wie Dosenpfand und Schuldkult und so weiter“. Die Damen sind im Kino, die Herren im Koma, das Fernsehen sendet ein um Inhalte aller Art bereinigtes Feiertagsprogramm.

Regression ist machbar, Herr Nachbar, seit die Abschaffung des Herrentages als Feiertag durch die DDR im Jahre 1966 infolge des Mauerfalls wieder abgeschafft wurde. Statt sich "durchgendern und transdisziplinieren" zu lassen, wie Netzwerkrecherche gruselnd empfiehlt, besteigt der Primat seine Kremserkutsche und bricht auf zur Vatertagskante, ins letzte Reservat der Machos mit Klingelmütze, Opafrack und Kotzresten am Revers.

Dabei kommt es nicht auf die Art von Geschäft an und nicht auf die Größe der Firma. Sondern nur darauf, ob Erwartungen endlich mal nicht mehr enttäuscht, sondern übertroffen werden. Selbst der Transport von Millionärsjachten und allerlei Sperrgut über die Weltmeere kann da an das alte Dichterwort erinnern: Die Sonne scheint, die Geschäfte blühen. Die Erde ist bewohnbar.

Gierig nach Wählerstimmen

Die bösen Manager sind es gewesen, die die Welt durch Gier und Spekulation an den Abgrund geführt haben, so ist es seit Ausbruch der Finanzkrise Tag für Tag irgendwo zu lesen. Und wenn die Mär mal aussetzt, findet sich garantiert irgendein in Finanzdingen erfahrener Ex-Ministerpräsident wie Peer "Retter" Steinbrück, der faktenfrei und wirr die alleinige Verantwortung der Wirtschaft und der Banken und all der grausigen "Neoliberalen" für das Beinahe-Ende der Welt beschwört.

Hans-Olaf Henkel, in den heute wieder für gut gehaltenen Zeiten der Deutschland-AG Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, hat jetzt ein Buch namens "Die Abwracker" geschrieben, das ein bisschen näher an der Wahrheit bleibt, die PPQ im Oktober 2008 aufgeschrieben hatte..

"Wir wurden in den letzten 12 bis 24 Monaten vor allem von der Politik, aber auch von vielen Leuten in den Medien, nicht richtig über die Ursachen der Krise aufgeklärt", erklärt Henkel bei n-tv. Verursacher der Krise seien nicht böse Manager, sondern "Gutmenschen" wie die US-Präsidenten Jimmy Carter und Bill Clinton. Mit Carter habe alles angefangen, denn einer der Hauptpunkte von dessen Wahlprogramm sei gewesen: "Jeder Amerikaner muss unter seinem eigenen Dach wohnen." Man habe dann "aus politischen Gründen Leuten, die sich das eigentlich gar nicht hätten leisten können, Kredite gegeben".

Als Bill Clinton ins Weiße Haus einzog, öffnete er die Schleusen noch weiter: "Er hat durch Gesetze und die Schaffung der großen Immobilienhäuser Fanny Mae sowie Freddy Mac Leute ohne Job in die Lage versetzt, Häuser zu kaufen", analysiert Henkel. Daraufhin stieg der Wert aller Häuser, weil immer mehr Käufer auftreten konnten. "In der Folge der Wertsteigerung konnte man dann plötzlich Kredite aufnehmen, um sich damit eine Weltreise oder ein neues Auto zu finanzieren." So und nicht anders sei die große Blase entstanden. "Nicht aus Gier, sondern aus Gutmenschentum. Die Politiker waren gierig nach Wählerstimmen".

Die vielbeschworenen "undurchsichtigen Finanzprodukte" kamen erst hinterher, als aus den wackligen Immobilienkredite verkäufliche Produkte gemacht wurden - eine Idee, die der damalige Finanzminister Peer Steinbrück und dessen Staatssekretär Jörg Asmussen ganz hervororagend fanden. Hier könne man in der Tat "von Gier einer kleinen Schicht von Investmentbankern sprechen, die gemerkt haben, dass man durch den Verkauf dieser Papiere Geld machen konnte", sagt Henkel.

Doch gehören dazu immer zwei: In Deutschland war es die Politik, der die Dollarzeichen in den Augen glitzerten. "Mehr als 70 Prozent dieser Papiere sind in staatlich kontrollierte Banken gewandert, nicht etwa in Privatbanken", rechnet Henkel vor. Deshalb sei es unredlich zu sagen, die Bankenkrise zeige, dass der Staat mehr zu sagen haben müsse. "Zumindest für Deutschland gilt das Gegenteil. Politiker in den Kontrollgremien staatlich kontrollierter Banken haben es verbockt. Die haben sich die Papiere aufschwatzen lassen, die uns jetzt fast versenken."

Warmer Gruß nach Kopenhagen

Was nicht passt wird passend gemacht, nicht nur auf dem Bau,sondern auch im großen Klimageschäft. Seit Unbekannte den Briefverkehr der Wissenschafter öffentlich machte, die seit Jahren in immer schrillerem Tonfall vor dem Untergang der Welt durch eine Klimakatstrophe warnen, darf Otto Normal-CO2-Hersteller zum ersten Mal ahnen, wie Forschung im Auftrag einer Religion funktioniert: Was nicht ins Weltbild passt, kommt auch nicht in die Grafik, was an Meßergebnissen nicht mit den Theorien übereinstimmt, ist ein Messfehler und wer nicht stark genug ist im Glauben, wird verstoßen und zum "Leugner" erklärt.

Es ist nicht in Ordnung, private Mail anderer zu lesen. Aber privat sind diese Briefe nie gewesen.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Zwei Runen rocken im Zweiten

Wer die demokratische Grundausbildung in der DDR durchlaufen hat, weiß, dass es nicht angeraten war, unter Erich Honecker Fan der amerikanischen Spaßcombo Kiss zu werden. Die in diesen Dingen bis heute hellwache FDJ-Zeitung "Junge Welt" hatte rechtzeitg aufgedeckt, dass Bassmonster Gene Simmons und seine Kreidekobolde ihren Bandnamen am liebsten mit einem Doppelrunen-S schreiben, wie es zuletzt Verwendung in Hitlers Schutzstaffel gefunden hatte. "Faschisten" also, wie der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan messerscharf erkennen würde.

Seitdem ist der berühmte Grüne Pfeil nicht mehr allein, denn die wegweisenden musikalischen Werke der Schminkrocker werden in Deutschland grundsätzlich in einer porentief reinen Variante ohne die teuflische Symbolsprache verkauft. Alles andere wäre auch nicht erlaubt, denn das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole wird nach § 86a BGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe geahndet. Selbst Simmons kommt nur mit einer chemisch sauberen Bühnenvariante hierher: Züchtig gerundet sind die "Kiss"-S dann.

Nur das ZDF schert nun aus. Seit Chefredakteur Nikolaus Brender von Bord ist, tanzen die Verfassungsfeinde im Gebührenfunk auf dem Tisch. In der Sendung "Leute heute", die gemeinhin als "People-Magazin" versucht, mit Kunstbrüsten, Highheelskandalen und Kurzinterviews mit den Angehörigen des Fernsehballetts von Uwe Ochsenknecht bis Hannelore Elsner Privatfernsehen zu machen, feierten Gene Simmons und die Original-SS-Runen eben ein furioses Comeback: Achtmal blendete das Zweite Deutsche Fernsehen die verbotenen Symbole ein, wie sie lämpchenblinkend zuckten oder sensibel auf den Beginn der Backstage-Area hinwiesen, während eine Praktikantin investigativ bis an den Schminktisch der Rocker vordrang. Die Strafe für den Versuch, unsere Jugend mi subtilen Nazi-Botschaften zu verderben, obwohl die keine Jugend ist, die immer nur "Yeah, Yeah" und "Yeah" schreit, wie schon walter Ulbricht wusste, folgte zum Glück für alle Freunde von Demokratie und FDGO auf dem Fuße. Am Schluss der verfassungsfeindlichen SShow sschnappte sich der greisse SSimmons die SSüsse und sschob ihr sseine sschreckliche SSechsmeter-SSunge in den SSchlund.

Strom ohne Atom

Als junge Physiker sind wir damals in der "Station der Jungen Techniker" ein und ausgegangen, später jedoch dramatisch beim Versuch gescheitert, den Geheimnissen der Quantenphysik auf die Spur zu kommen. Seitdem beschäftigt sich das Redaktionsteam von PPQ nur noch mit angewandter Physik, etwa indem wir Wasser bis zum Siedepunkt erhitzen und damit eine grobe Schlämmung auf der Basis zermahlener nachwachsender Rohstoffe anfertigen, die dann in nicht offiziell genehmigten Menschenversuchen oral eingenommen wird.

Die heutige Versuchsanordnung hingegen ist grundsätzlich ungefährlich und vom Bundesgesundheitsministerium sowie führenden Verbraucherschutzorganisationen mit dem Prädikat "sehr gut" für hervorragende und umweltfreundliche Nütze eingestuft worden. Testpersonen sollten den Punkt in obigem Bild fest anvisieren und nachfolgend ihren Kopf abwechselnd zum Bildschirm hin und vom Bildschirm fort bewegen. Wenn sich die äußeren Kreise drehen, sind Sehkraft- und -schärfe in Ordnung.

Wir forschen derzeit an Anwendungen, mit denen sich künftig aus der von den beiden Ringen erzeugte Bewegungsenergie Strom gewinnen lässt. Schaut jeder Computeranwender weltweit täglich nur vier Minuten auf das Bild und bewegt dabei seinen Kopf nach Vorschrift, könnten rund 340 Atomkraftwerke dauerhaft heruntergefahren werden.

Sonntag muss nicht arbeiten

Klare Worte vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe: Vier verkaufsoffene Sonntage im Monat sind zuviel und daher verfassungswidrig. Lässt der Gesetzgeber wie in Berlin zu, dass Geschäfte öffnen, verstößt er gegen den Sonntagsschutz im Grundgesetz. Das Verfassungsgericht habe damit "den Menschen vor das Profitinteresse", gestellt, mutmaßt das Magazin "Der Spiegel". Menschen möchten Sonn- und Feiertage, befanden die Richter, als "Tage der Arbeitsruhe" aus religiösen Gründen und zur persönlichen Erholung nutzen, keinesfalls aber zum Shoppen oder Geschäftebummeln. Die Richter gaben mit ihrer Entscheidung den Verfassungsbeschwerden der evangelischen und der katholischen Kirche statt, die aus Sorge um die seit Jahrezehnten sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher geklagt hatten.

Die ehemalige Grünen-Bundestagsfranktions- und derzeitige Chefin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Katrin Göring-Eckardt, lieferte dem ZDF erfreut das erwartet zustimmende Zitat. Das Urteil sei ein eindeutiges Signal gegen den Kommerz und für den Sonntag als gemeinsamen Ruhetag für alle, sagte Göring-Eckardt, die davon ausgeht, dass auch Atheisten und Agnostiker sich in einem Gotteststaat wohler fühlen, in dem die Angehörigen einer obskuren Glaubensrichtung, die auf die Wiederkehr eines übers Wasser laufenden "Messias" warten, bestimmen, wann wer wo Feinstrumpfhosen, AC/DC-CDs und Ernst-Jünger-Bücher kaufen dürfen. Mit dem Verbot des Handels am Sonntag sei sichergestellt, dass Familien ihre Einkäufe künftig noch mehr ins Internet verlagerten, das bekanntlich rund um die Uhr geöffnet habe. Touristen wiederum könnten sich bei Berlin-Besuchen auch eine zünftige Curry-Wurst als Andenken mitnehmen, denn Imbißstände dürften ja weiterhin öffnen.