Samstag, 9. September 2017

HFC: Von der Schippe gesprungen

Hallescher FC 2-1 Wiesbaden
Petar Sliscovic hat zum 2:1 getroffen.
Man kommt immer ohne Hoffnung. Und wenn man geht, ist auch die noch weg. Seit Monaten schon hat der Hallesche FC kein Heimspiel mehr gewonnen, das letzte Spiel daheim ging sogar 0:2 verloren. Trainer Rico Schmitt durfte dennoch bleiben, auf Bewährung sozusagen, wenn auch ohne klare Zielvorgabe.

Besser soll es werden, irgendwie besser. Und die Begegnung mit Wehen Wiesbaden bietet dafür schon fast die letzte Gelegenheit. Die Hessen sind vor dem Spiel Tabellensechster, mit einem Sieg würde der demoralisierte Klub von der Saale ein Lebenszeichen senden, das den Glauben des zuletzt zusehends schwindenden Anhangs an die bisher rundherum enttäuschende Mannschaft stärken würde.

Hallescher FC
Erik Zenga war noch keine Verstärkung.
Aber danach sieht es anfangs überhaupt nicht aus. Verlässlich stolpern und holpern die Mänenr in Rotweiß über den Platz, wiedereinmal ist kein Spielsystem zu erkennen, wiedereinmal beschränkt sich der Versuch des Aufbauspieles auf lange Bälle von Torwart Oliver Schnitzler, die dann auch noch regelmäßig beim Gegner landen. Der ist sichtlich an die Saale gereist, um drei Punkte abzuholen. Die Mannschaft mit dem Wasserfilter-Sponsor beginnt nach zehn ereignislosen Minuten, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Nun segeln Flanken im Fünfminutentakt vor allem von rechts in den HFC-Strafraum, in den Schmitt eine neue Abwehrformation gebaut hat: Kleineheistmann, Barnofsky und Staroszik bilden eine Dreierkette, die bei gegnerischem Ballbesitz von den weiter vorn platzierten Baumgärtel und Schilk verstärkt wird.

Theoretisch. Praktisch stehen meist alle fünf hinten, Ajani und Röse auf den Außen im Mittelfeld hängen so frei in der Luft. Wenn etwas geht, dann nur über rechts, links dagegen haben Baumgärtel und Röse schwer zu tun, den dynamischen Diawusie zu halten. Erik Zenga, der vergangene Woche nachverpflichtete neue Hoffnungsträger, ist im Mittelfed kaum zu sehen, Bohl, der zweite Sechser, ackert zwar, hat aber im Spiel nach vorn immer wieder das Pech, den anvisierten Mitspieler doch nicht zu erreichen.

Als Schilk in der 32. Minute einen dieser verlorenen Bälle doch noch irgendwie erkämpft und nach innen flankt, wo Martin Röser aus spitzem Winkel zum 1:0 vollendet, kommt das völlig aus heiterem Himmel. Die erste richtige Chance genutzt, die schwächere Elf liegt vorn. Wiesbaden, vor drei Jahren schon einmal Reanimationshelfer für Halle, steht für einen Augenblick erschüttert da.

Fängt sich aber umgehend. Fast schon wütend rennen die Hessen an, sie holen eine Ecke nach der anderen und beim HFC wirkt nur noch Kapitän Petar Sliscovic so, als habe er den Kopf nicht nur körperlich oben.

Die Strafe folgt nach sieben Minuten, als Wiesbaden wiedereinmal eine Ecke vors Tor bringt. Direkt vor dem Tor fällt Schäffler, von Staroszik umklammert. Elfmeter. Der Gefoulte tritt selbst an und trifft zum Ausgleich.

Nun ist guter Rat wieder teuer beim HFC, der in dieser Saison noch nie ohne Gegentreffer blieb - und auch deshalb noch nie gewinnen konnte, obwohl Schmitts Elf in dieser Spielzeit rund ein Drittel mal häufiger trifft als in der überwiegend torlosen vergangenen. Dafür klingelt es hinten aber auch doppelt so oft.

Absehbar, dass das auch heute so sein wird. Mit Beginn der zweiten Halbzeit drückt Wiesbaden die Hallenser endgültig in die eigene Hälfte. Der HFC spielt jetzt klassischen Kamalla-Fußball: Fuß dazwischen, Ball weit weghauen. Entweder ins Aus. Oder in der Not auf die Tribüne.

Ein Überlebenskampf, in dem Wehen Wiesbaden das bessere Ende für sich hat. Immer wieder spielen die Hessen schnellen Kombinationsfußbhall, immer wieder holen sie Ecken und Freistöße. Halle setzt nur Nadelstiche dagegen: Ein Abseitstür von Rößler, einen Weitschuss von Sliscovic von der Mittellinie über den weit vor stehenden Wiesbaden-Keeper Kolke, der das Tor des Jahres geworden wäre, landete er nicht drei Meter neben dem Gehäuse.

Pech. Aber heute zum Glück das einzige. Denn was Wiesbaden vor Schnitzlers Tor verballert, ist unfassbar. Eine Eingabe lenkt Barnofsky an den eigenen Pfosten. Andrich läuft frei durch, bekommt den Ball und schießt aus fünf Metern daneben. Ein Fernschuss sprint Schnitzler aus den Händen, aber Andrist kommt einen Schritt zu spät. Auf der anderen Seite hat Kolke einen ruhigen Nachmittag, zumindest bis HFC-Abwehrchef Kleineheistmann sich in der 65. Minute ein Herz fasst und mittig aus der eigenen Hälfte durchs Mittelfeld marschiert. Einen lässt er stehen, einen zweiten, beim dritten bleibt er hängen, der Ball aber erreicht den eingewechselten El Helwe, der klug auf den durchlaufenden Sliscovic weiterleitet. Der Kroate macht es besser als in der ersten Halbzeit, als er aus ähnlicher Position nur eine Art Rückgabe zustandegebracht hatte. Diesmal trifft er.

2:1, der erste Heimsieg nach neun Monaten und 13 sieglosen Begegnungen ist nur noch eine knappe halbe Stunde entfernt. Die aber hat es in sich.

Noch wuchtiger stürmt Wiesbaden jetzt an, im Halbdutzend holen die in augenschmerzendes Grellgrün gekleideten Westdeutschen Freistöße und Ecken. Ohne jedoch etwas Zählbares daraus machen zu können. Immer ist irgendein HFC-Bein in der Nähe, hat Schnitzler einen Finger dran oder wie in der vorletzten Spielminute gemeinsam mit El Helwe ein Knie und einen Fuß. Nur der eingewechselte Braydon Manu schafft mit einem beherzten Flügellauf noch einmal Gefahr vor Kolke, schießt allerdings dann doch weit übers Tor.

Ein Kampf gegen die Uhr, den die weit unterlegene Mannschaft mit letzter Leidenschaft führt. Dann endlich, nach vier Minuten Nachspielzeit, ist es vorüber. Die Spieler in Rotweiß ballen die Fäuste, recken die Arme, schreien sich ihre Erleichterung von der Seele.

Dem Tod von der Schippe gesprungen, beinahe schon im letzten Versuch. Jetzt geht es zu Fortuna Köln, dem Tabellendritten, und Werder Bremen, dem Siebten. Danach kommt Chemnitz und das Auswärtsspiel in Lotte. Ein Banner mit der Aufschrift "Schwarzer September" hatten die HFC-Ultras im Gedenken an zahlreiche Unglücksfälle in Septembern der vergangenen fünf Jahrzehnten an ihre Bande gehängt.

Man hat wieder Hoffnung, wenn auch wenig Anlass ist. Aber es glauben wohl noch nicht alle dran.

Heute ein Anführer: HFC-Stürmer Petar Sliscovicwar gegen Wiesbaden Halles bester Mann.





Zitate zur Zeit: Wo ist er hin, der Draht zu den Menschen?

"Wir müssen sehen, wo haben wir den Draht zu den Menschen verloren."

Die linke Parteichefin Sahra Wagenknecht im Dokumentarfilm "Nervöse Republik", wenige Sekunden, bevor sie in einen Audi A8 steigt und von ihrem Chauffeur mit 600 PS unter der Haube davongefahren wird.

Martin Schulz: "Mein Platz ist in Brüssel"

Kanzlerkandidat? Kommt für Martin Schulz nicht infrage.

Martin Schulz gilt derzeit noch als kommender Bundeskanzler der SPD. Doch der frühere EU-Parlamentspräsident mit dem großen Charisma winkt ab. "Mein Platz ist in Brüssel", sagt er. In die Gemeinschaft habe er 32 Jahre seines Lebens investiert. Sigmar Gabriel habe seine volle Unterstützung.


Paukenschlag in Würselen! Der ehemalige EU-Parlamentspräsident und gefeierte "Gottkanzler" Martin Schulz (SPD) steht seiner Partei offenbar bei der Bundestagswahl gar nicht als Kanzlerkandidat zur Verfügung. "Mein Platz ist in Brüssel", stellte der SPD-Politiker der "Welt am Sonntag" klar. Er habe 32 Jahre und damit sein gesamtes politisches Leben in Europa investiert. "Und Europa ist momentan nicht im besten Zustand. Ich versuche meinen Beitrag zu leisten, dies zu ändern", so Schulz.

Nicht nur für die SPD, die Schulz bisher für ihren Kanzlerkandidaten hielt, ist das eine gelinde Überraschung. Zieht der beliebte Würselener damit die Konsequenzen aus den frustrierenden Umfragergebnissen? Hat den 61-Jährigen die mangelnde Unterstützung von der Basis gefrustet? Unklar! "Ich unterstütze Sigmar Gabriel mit Haut und Haaren", sagt Schulz selbst. Wichtig sei jetzt: "Die SPD muss noch mehr die Partei der Menschen sein, die hart arbeiten, sich an die Spielregeln halten und das tun, was ihr Land von ihnen verlangt."

Er habe das Gefühl, viele dieser Menschen hätten das Gefühl, dass nur noch über Milliardenbeträge geredet werde, die "irgendwo" hinfließen würden, sagte Schulz. Dafür stehe die EU, eine rieisge Geldumwälzmaschine. Das seien für die meisten unvorstellbare Summen. "Wir Sozialdemokraten müssen weniger in Milliardenbeträgen und mehr an die Menschen denken, die nur wenig Geld im Monat zur Verfügung haben." Das werde er künftig konzentriert tun, offenbar von Brüssel aus.

Freitag, 8. September 2017

Fünfte Facebook-Kolonne: Mit so wenig Geld entschied Russland die US-Wahl

Nur durch den massiven Einsatz von 100.000 Dollar aus Russland ist Trump im Amt.

Wussten wir es doch! Russland hat die US-Wahl im vergangenen Jahr entschieden, hinterlistig, illegal und ohne Scham. Facebook-Erkenntnisse lassen daran gar keinen Zweifel: Dem Unternehmen zufolge schalteten „Auftraggeber aus Russland“ (SZ) zwischen Juni 2015 und Mai 2017 auf dem sozialen Netzwerk Anzeigen im Wert von 100 000 US-Dollar. Das sind monatlich rund 4300 Dollar, mit denen die „Hintermänner“ (SZ)zwar kaum Empfehlungen für einen bestimmten Kandidaten aussprachen. Aber äußert geschickt daran arbeiteten, „die soziale Spaltung in Amerika voranzutreiben“.

Mit Erfolg. Obwohl die Hillary Clinton und Donald Trump mehr als zwei Milliarden Dollar echte, ehrliche amerikanische Spendendollar gegen die russische Einflussnahme in die Schlacht warfen, reichten die „Tausende Anzeigen mit politischen Botschaften“, die „vermutlich von Russland aus in dem weltgrößten sozialen Netzwerk geschaltet“ wurde, alles zu kippen. Die bis heute unbekannten Auftraggeber aus Russland kauften die größte Demokratie der Welt für umgerechnet nur 84.000 Euro und mischten sich dann aktiv in die US-Innenpolitik ein.

Genutzt wurden dazu laut Facebook „etwa 470 inauthentische Accounts, die zwischen Juni 2015 und Mai 2017 etwa 3000 Anzeigen geschaltet hätten. Was sich nach wenig anhört, reichte offenbar, um Hillary Clinton, die allein etwa 1,35 Milliarden Euro für Werbung ausgab, zu neutralisieren und den US-Wahlkampf im Sinne des Kreml zu beeinflussen.

Dass in einem Großteil der Anzeigen weder die Wahl noch einer der beiden Kandidaten erwähnt wurde, ist besonders perfide. Alle Anzeigen von Putins fünfter Meinungskolonne enthielten nicht verbotene, vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckte Aussagen zu umstrittenen Themen wie Rassen-Spannungen, LGBT-Rechte, Einwanderung oder Waffenbesitz.

Deutsche Medien decken jetzt glücklicherweise auf:  "So manipulierte Russland die US-Wahl" (Pro7), "Tausende russische Anzeigen auf Facebook geschaltet" (RP), "Fake-Profile schürten Spannungen" (Stuttgarter Zeitung) und "Facebook verbreitete politische Anzeigen aus Russland" (Stern) enthüllen die finsteren russischen Machenschaften und schützen deutsche Wähler so wirksam vor einer Wiederholung des russischen Großangriffs.

Entmenschter Westen: Nazis brüllen Merkel nieder

Kohl muss weg Andrea Nahles Forderung Wahlkampf
Verlust der Zivilität:In Heidelberg schlug der Kanzlerin entmenschter Protest mit hetzerischen Parolen wie "Merkel muss weg" entgegen.

Ist das noch unsere weltoffene, meinungsfreudige, streitbare Demokratie? Oder schon eine Meinungsdiktatur von Gaulands Ganden? Seit Wochen schon wird Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Wahlkampfauftritten angegriffen, es wird gebrüllt und geschimpft. Hass und ohrenbetäubende Trillerpfeifen schlugen Merkel jetzt auch bei einem Wahlkampfauftritt im gutbildungsbürgerlichen Heidelberg entgegen. Der Westen außer Rand und Band - Menschen, die eben noch gute Nachbarn waren, zeigen ihr wahres Gesicht als brüllenden, keifende und trillerpfeifende Anhänger von NPD, AfD, NSDAP und AKP.

Eine Reportage aus dem Herzen der Herzlosigkeit.

Schon bevor Angela Merkel auf dem Marktplatz von Heidelberg ankommt, grölen Anhänger von NPD und AfD und zahlreichen anderen faschistischen Partein auf die Zuhörer ein, die gekommen sind, um die neuen Pläne der deutschen Sozialdemokratie zu erfahren. Dann brüllen sie die Kanzlerin während ihrer gesamten Rede nieder - aufmunitioniert von westdeutschen Blättern wie der "Taz", die die Kanzlerin als "Räuberin" bezeichnet, oder der "Süddeutschen Zeitung", die sie als "Schutzheilige der Autobranche" denunziert.

Die CDU erlebt im Ergebnis einen der schlimmsten Auftritte der bisherigen Wahlkampftour. Merkel zog ihre gut 30-minütige Rede unter anderem über Steuerpolitik, Anti-Terrorkampf und Bildungschancen aber unbeirrt durch - trotz „Buh“- und „Volksverräter“-Rufen. Auch „Abwählen“ und „Hau ab“ wurde geschrien. Zuvor war es auch in Gelnhausen, Herford und anderen Orten der alten, durchdemmokratisierten Bundesrepublik zu zum Teil ausfälligen Szenen des angeblichen "Merkel-Protests" (RP) gekommen.

Die Szenen sind immer dieselben, die Akteure auch. Merkel wird stets mit einem lauten Pfeifkonzert empfangen, das auf aus Russland gelieferten "Poisson"-Trillerpfeifen geblasen wird. Durch geschickte Wechsel schaffen es die aus Moskau finanzierten Protestler, zumeist junge, kräftige Männer mit kurzen Haaren und schwarzen, szenetypischen Kleidungsstücken, die gesamte Merkel-Rede durchzupfeifen.

„Hau ab“ - muss sich Merkel zubrüllen lassen



Andrea Nahles fordert einst "Kohl muss weg".
In Heidelberg, einer Universitätsstadt, die als Ort altbundesrepublikanischer Zivilität gilt, wird Merkel bei ihrem Wahlkampfauftritt mit Tomaten beworfen - eigentlich eine Kampfform der Linken, die so zivilen Widerstand gegen die Dauermacht des Kapitals leistet. Nun aber wird der legitime Akt der Auflehnung gegen die Verhältnisse zunehmend von Nazis missbraucht. Aus Eiern werden vegane Tomaten, aus der legitimen SPD-Forderung "Kohl muss weg", mit dem die Jusos einst für eine Erneuerung der Kohl-Demokratie warben, wird das hasserfüllte, gegen einen der wichtigsten Grundpfeiler der FDGO gerichtete "Merkel raus". Dabei haben die Demonstranten, aufgehetzte und von wer weiß wo herangekarrte Stimmungsmacher, keinerlei Alternative zu bieten. Sie schreien nur, brüllen und schimpfen.


Die politische Stimmung ist rauer geworden, der Pegida-Mob von Heidelberg, Gelnhausen und Herford versucht, die politische Diskussion mit hemmungslosen Störaktionen abzuwürgen.  Diese Menschen seien nicht in der Lage, sich einer Debatte zu stellen, sondern machten „nur Radau und Krawall“, diagnostiziert der ostdeutsche Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Die Republik werde aber nicht durch die "Brüllerei" (Tillich) westdeutscher Polit-Hooligans "vorwärtskommen.“

NPD-Anhänger und rechtsradikale Thügida vor Ort


Schätzungen zufolge waren mehrere Hundert Merkel-Gegner nach Heidelberg gekommen dort. Sie hupten, pfiffen und schrien rund um den Veranstaltungsplatz - auch in unmittelbarer Nähe zur Bühne. Ohne sich zu erkennen zu geben, hielten Anhänger der Alternative für Deutschland Plakate hoch,  mutmaßliche NPD-Mitgliedern trugen Spruchbänder. Auch die rechtsradikale Thügida aus Thüringen war vermutlich vor Ort.

Die Rechtsextremen grölten Moskauer Parolen wie „Merkel muss weg“ und „Hau ab!“, jede Menge Trillerpfeifen waren zu hören. Auf Plakaten standen radikale Aufschriften wie „Schnauze voll“, „Grenzen dicht“, „Bananenrepublik“ oder „Merkel wählen heißt Deutschland weiter quälen“. Gut, dass die Kanzlerin auch Solidarität erfährt: Gleichzeitig zum hasserfüllten Geschrei der angekarrten Demokratiefeinde applaudierten Hunderte Besucher der Kanzlerin und stellten sich so schützend vor sie.

Donnerstag, 7. September 2017

Edeka: Supermarkt protestiert mit vollen Regalen

Unten mittig standen simbabwische Kräutergurken.
Alles drin, alles dran! Volle Regale im Supermarkt als Zeichen gegen Fremdenhass: Mit dieser Aktion hat eine Edeka-Filiale in Hasselfelde (Harz) für mächtig Wirbel gesorgt. An einem Samstag im August sah es in der Filiale plötzlich aus wie immer, obwohl der Filialleiter alle Waren, die aus den Afrika und den asiatischen Hauptfluchtstaaten kamen, aus dem Regalen hatte räumen lassen. Französischer Brie, italienischer Wein, Reis aus China – alles noch da. Nur der tunesische Gousgous fehlte, etwas Humus aus Marokko, Restbestände an iranischen Seidenschals, Kräutergurken aus Simbabwe und eine persische Zigarrenmarke, die allerdings später wieder eingeräumt wurde, weil sich herausgestellt hatte, dass sie aus Serbien stammt.


Eine Aktion gegen Fremdenfeindlichkeit! Beherzt hatte der Filialleiter des Hasselfelder Marktes alle Waren aus sogenannten Fluchtstaaten aus den Regalen geräumt. Und zur Überraschung der Mitarbeiter und der Kunden entstanden kaum Lücken, in die sich die vorbereiteten Schilder mit der Aufschrift „Dieses Regal zeigt: Wir wären ärmer ohne Afrika“ stellen ließen. Nicht das einzige Schild, das auf die einzigartige Aktion hinwies. "So leer wären unsere Regale ohne Namibia", "Dieses Regal ist ohne Vielfalt ziemlich langweilig" oder "Unsere Auswahl kennt heute Grenzen" hieß es darauf. In der Tat herrschte in dem Markt gähnende Leere: Kein Wein aus dem Senegal, kein Käse aus den Uganda oder Tomaten aus Libyen - alles nicht zu haben. "Die Regale sehen aus wie auf Cuba", kommentierte ein Nutzer auf Twitter ironisch.

Trotzdem war die Aktion ein Erfolg. Viele Zeitungen schrieben über den prallvollen Markt am Ortsrand, in den sozialen Medien wurden Berichte darüber fleißig geteilt. „Wir freuen uns, dass wir viele positive Stimmen zu der Aktion am Sonnabend bekommen haben", ließ sich der Regionsleiter zitieren. Man solle aber Verständnis haben, "dass wir aktuell noch nicht mehr zu dieser Aktion sagen möchten“, hieß es. Beschwert habe sich niemand, viele Kunden hätten die Aktion bislang nicht einmal bemerkt. Man führe ja weiter alle notwendigen Lebensmittel im Sortiment. "Es hat sich gezeigt, dass Produkte aus Afrika kaum eine Rolle für die Angebotsvielfalt spielen."

Fake News: Wie das größte Problem der Deutschen verschwand

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump besetzte der Begriff die Schlagzeilen: "Fake News", soviel war für deutsche Politiker und deutsche Leitmedien sicher, hätten den "irren" (FR) "Hassprediger" (Steinmeier) ins Amt befördert. Gezielt, womöglich von russischen Trollen, lancierte Falschnachrichten, so die These, hätten Millionen Amerikaner dazu verführt und mit Lügen verleitet, statt der in Deutschland so beliebten Hillary Clinton den verrückten Millionär zu wählen.


Es zogen daraufhin mutige Reporter aus, die auf gewagten Experditionen bis nach Mazedonien vorstießen, wo sie sich von vermeintlichen Fake-News-Millionären immer denselben Bären aufbinden ließen. Die Politik, als hätte sie es bestellt, reagierte: Mit dem kurz vor Mitternacht unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossenen "Netzwerkdurchsetzungsgesetz" gelang es dem sozialdemokratischen Justizminister Heiko Maas, die Voraussetzungen für eine neue Interpretation von Meinungsfreiheit zu schaffen. Erlaubt ist seitdem nicht mehr, was nicht verboten ist. Erlaubt ist nur noch, was ausdrücklich erlaubt aussieht.

Vertiefte Netzhygiene


Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl sei es notwendig, eine solche erweiterte und vertiefte Netzhygiene einzuführen, hieß es in der SPD selbst bei moderaten Zensoren. Der Erfolg gibt den Verfechtern der radikalen Verbotspolitik im Umgang mit dem Fake-News-Phänomen recht: Kaum schien es so, als seien "Fake News" das größte Problem der Deutschen, verschwand es auch schon wieder aus der Öffentlichkeit, als habe es nie existiert.

Google Trends zeigt dazu eine überaus traurige Grafik: So entschieden noch Anfang des Jahres über das miese Treiben der Meinungsverbrecher berichtet wurde, so deutlich erschlaffte das Interesse am Thema, nachdem Experten festgestellt hatten, dass Russlands fürchterlicher Kreml-Chef Wladimir Putin womöglich alles tue, um den SPD-Kandidaten Martin Schulz ins Kanzleramt zu befördern.

Mit wenig Erfolg, wie die aktuellen Umfragen verraten. Trotz aller Bemühungen der russischen Trollarmee, durch Einträge in soziale Netzwerke und zu Facebook hochgeladene Bilder Rückenwind für den Merkel mit Bart zu erzeugen, bröckelten die SPD-Werte ebenso ab wie die der AfD, eine Partei, die ebenfalls im Verdacht steht, vom Kreml protegiert zu werden.

Wahlkampf ohne Fake News


Im Wahlkampf, der ohnehin kaum stattfindet, spielen Fake News gar keine Rolle, Netzzensur und Beschneidung der Meinungsfreiheit werden von keiner Partei thematisiert. Nur ganze acht Prozent sind noch der Ansicht, dass zum Recht auf freie Meinungsäußerung auch das Recht gehört, Dinge zu Glauben und Ansichten zu vertreten, die von anderen abgelehnt werden. Interessanterweise ist der Anteil dieser verstockten Grundgesetzgläubigen in den wirtschaftlich verheerten und von AfD-Nazibanden terrorisierten ehemaligen neuen Bundesländern mit 17 Prozent deutlich höher als in den alten (7 Prozent) und auch bei Männern (12 Prozent) als bei Frauen (5 Prozent).

Vor allem in den durchdemokratisierten Westgebieten Deutschlands hat die vor einem Jahr aus Innen- und Justizministerium angestoßene Kampagne zur Erfindung und nachfolgenden Bekämpfung von Falschnachrichten damit durchschlagende Wirkung entfaltet. Ohne jemals auch nur an einem Beispiel nachgewiesen zu haben, dass Fake News irgendeinen relevanten Einfluss auf eine isolierte politische Debatte oder gar das gesamte gesellschaftliche Leben nehmen können, glaubt die Mehrzahl der Deutschen inzwischen den gebetsmühlenartig wiederholten Beteuerungen von Spitzenpolitikern, dass sie genau das täten.




Mittwoch, 6. September 2017

Zeit für mehr Ungerechtigkeit: Privat vor Bildungsideal

Wahrheit und Wahlwerbung -
"Bildung darf nichts kosten - außer Anstrengung", plakatiert die SPD im Zuge ihres Gerechtigkeitswahlkampfes. Ein starker Spruch, der auf Zukurzgekommene zielt, die es sich finanziell nicht leisten können, ihre Kinder auf eine private Schule zu schicken. Gut, dass Spitzenpolitiker nicht zu den prekär Beschäftigten gehören, die dieses schlimme Schicksal trifft: Mecklenburg-Vorpommerns sozialdemokratische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig jedenfalls lässt ihren ältesten Sohn neuerdings eine Privatschule besuchen.

Vielleicht das klarste, authentischste Zeichen, das in diesem Wahlkampf abseits des Kirchen-Dialogs der beiden Spitzenkandidaten bisher zu sehen war. Schwesig, aufgrund des akuten Personalmangels in der SPD-Führungsetage schon als kommende Kanzlerkandidatin unter einer Parteivorsitzenden Nahles gehandelt, schert sich nicht weiter um die Parolen ihrer Partei. Schließlich geht es hier um private Interessen, die an einer Privatschule offenbar besser aufgehoben sind als an einer öffentlichen Schule in Mecklenburg-Vorpommern.

Dessen Schulen eigentlich so schlecht nicht dastehen im Bundesvergleich. Doch Manuela Schwesig ist die Bluse näher als der Rock, sie hält es wie Katharina Schwabedissen, Vorstandssprecherin des Linken in NRW. Und wählt für ihren Sohn eine private Schule.

Nicht der Vorgang als solcher ist bemerkenswert, sondern die tief in sich ruhende Selbstsicherheit, mit der Schwesig mitten im Gerechtigskeitswahlkampf darauf vertraut, anders handeln zu können als sie redet. Die Hoffnungsträgerin der SPD, die für eine "gebührenfreie Bildungskette von der frühkindlichen Bildung über die Ganztagsschule bis hin zum Studium" wirbt und das von ihrer Partei propagierte “längere gemeinsame Lernen” nach bundesweit einheitlichen Standards als Bildungsideal sieht, wählt privat etwas Besseres: Als Grund für ihre Entscheidung gab sie an, die gewählte Privatschule sei nahe an der Wohnung der Familie und stehe nicht im Widerspruch zu ihren politischen Zielen.

Nach Lieferwagenterror: EU verschärft Fahrzeugrecht

Auch mit Frontschilden aufgerüstete Terror-Jeeps sind demnächst verboten.

Die Regeln für den Besitz und den Betrieb von Kraftfahrzeugen werden strenger: Nach langen Verhandlungen haben sich EU-Kommission, Europaparlament und Mitgliedstaaten auf neue Regeln geeinigt - auch als Reaktion auf den Terroranschlag von Barcelona.


Es waren lange und zähe Verhandlungen, doch dann ging es doch ganz schnell. Nur zwei Wochen nach den Anschlägen von Spanien wird das Kraftfahrzeugbesitz- und Betriebsrecht in der EU teils deutlich verschärft: Am Dienstag teilten Vertreter der EU-Mitgliedstaaten mit, dass man sich mit der Kommission und dem Europaparlament auf die Neufassung der sogenannten Kfz-Richtlinie geeinigt habe.

Die EU-Kommission hatte bereits nach dem Terroranschlag von Nizza, bei dem ein Auto als Tatwaffe benutzt worden war, mit einer Überarbeitung der Richtlinie begonnen. Ein zentrales Ziel war das Verbot der Benutzung von Kraftfahrzeugen zu „nicht üblichen Zwecken“, wie es heißt. Besonders betroffen sind hier Vans, Kleintransporter, Lkw und Lieferfahrzeuge, die als besonders oft verwendete Tatmittel von Terrorgruppen gelten. Während Pkw meist nur eine Breite von bis zu zwei Metern haben, kommen größere Fahrzeug auf drei und mehr Meter. Das ermöglicht Terrorbanden eine große Präzision bei Amokfahrten durch belebte Straßen.

EU reagiert auf Lieferwagenterror


Dennoch war es bisher einfach, an die von der EU als „Großfahrzeuge“ definierten Transport-Kfz heranzukommen. Mieten, stehlen, kaufen, alle Möglichkeiten waren denkbar, so dass derartig gefährliche Fahrzeuge - bekannte Beispiele sind VW-Transporter oder Fiat-Vans - wiederholt bei Amokläufen und Terroranschlägen eingesetzt werden konnten. Auch in Barcelona wurde mit einer solchen Waffe getötet, dutzendfach, feige und hinterhältig.



Zwar konnte die EU-Kommission nicht damit durchsetzen, alle Varianten von Großfahrzeugen eu-weit zu verbieten, um dem Terror das Wasser abzugraben. Aber die neue scharfe Richtlinie macht dennoch Hoffnung, dass „Zwischenfälle“ (Spiegel) wie in Katalonien künftig unterbleiben.

Für Privatleute verboten sind nun künftig:

  • Vans,
  • Lieferwagen,
  • Transporter auch mit Campingaufbau
  • Der private Besitz von Schneeschiebschilden

Darüber hinaus sollen Pkw, die zu Mordinstrumenten etwa durch selbstgebastelte Lanzen, Spieße und Gitter umgebaut werden könnten, untersagt und eingezogen werden. Bisher waren sie nach dem Umbau komplett unreguliert, so lange sie nicht am öffentlichen Verkehr teilnahmen.

Um das Verbot durchzusetzen, müssen künftig alle wichtigen Teile aller Fahrzeuge markiert und bei einer neuen Lieferwagenaufsichtsbehörde registriert werden, vor allem, um die Ermittlungen nach dennoch durchgeführten Anschlägen zu erleichtern. Um entsprechende Datenbanken aufzubauen, müssen Autohändler in den EU-Staaten jede Transaktion elektronisch registrieren. Museen und Sammler, deren Autobestände auf EU-Ebene bisher nicht reguliert waren, fallen nun ebenfalls unter die Richtlinie. Allerdings dürfen sie unter Auflagen weiterhin Oldtimer kaufen, sollen allerdings Motoren und Reifen entfernen. In diesem Punkt ist die neue Richtlinie im Vergleich zum ersten Entwurf noch einmal deutlich abgeschwächt worden.

Autolobby weicht Fahrzeugverbote auf


Oldtimerbesitzer und Autohersteller waren zuvor aggressiv gegen die neue Richtlinie vorgegangen, EU-Beamte berichteten gar von Gewaltandrohungen. Die Gegner der Richtlinie behaupteten unter anderem, die EU-Kommission wolle Autos beschlagnahmen, was allerdings nicht geplant war. Der europäische Autofahrerverband Tour behauptete dreist, es gebe "keine Verbindung zwischen dem Besitz legaler Fahrzeuge und kriminellem Verhalten und Terrorismus".

Die Realität sieht allerdings oft anders aus. Schon in Nizza, danach in Charlottesville und nun in Barcelona fuhren legale Fahrzeuge gezielt in Menschenmengen. Die Täter waren einmal ein Transporter, einmal ein Lkw, einmal eine gewöhnliche Limousine.

Wie stark die EU-Richtlinie sich in den einzelnen Mitgliedstaaten auswirkt, hängt vom jeweils dort gültigen Zulassungsrecht ab. In Deutschland hat bereits angekündigt, in den meisten Punkten eigene, noch strengere Regelungen erlassen zu wollen, um die Menschen im Lande zu schützen. Die neuen Regeln müssen vom Europaparlament und den Mitgliedstaaten noch offiziell gebilligt werden, was allerdings als Formalie gilt.

Die EU-Kommission spricht insgesamt wie immer von einem Erfolg, auch wenn sie sich nicht mit allen Verbotsvorschlägen habe durchsetzen konnte. "Wir haben hart für eine ehrgeizige Vereinbarung gekämpft, die die Gefahr von Terroranschlägen senkt", sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Er wäre gern weiter gegangen, doch auch die nun gefundene Einigung sei "ein Meilenstein in der EU."

Dienstag, 5. September 2017

SPD-Prominenz lässt Schulz im Stich

Andrea Nahles aktuellstes Statement im Wahlkampf: Ist das schon die heiße Phase?
Am Abend direkt danach haben sie Franz Müntefering in die verlorene Schlacht geschickt. Kein Gabriel, keine Nahles, kein Heil, kein Stegner. Überhaupt niemand aus der aktuellen Führungsriege der maladen Sozialdemokratie traute sich, vor laufenden Kameras zu behaupten, Martin Schulz habe Merkel im Duell besiegt und nun beginne die große Aufholjagd der Sozialdemokratie samt Eroberung des Kanzleramtes.

Auch Müntefering, ein Freund klarer Nazi-Sprache, wagte es nicht, so etwas zu sagen. Grummelig wie immer tat der letzte Überlebende der siegreichen Schröderscher Wahlkämpfe allenfalls so, als sei nicht besonders Schlimmes passiert. War aber doch, denn selbst Thomas Oppermann, einer der wenigen Sozialdemokraten, die nicht in Sigmar Gabriels Plan eingeweiht sind, Schulz zum Verlieren der Wahl vorzuschicken und anschließend ohne ihn wieder in eine große Koalition zu schlüpfen, krähte nichts von "Sieg" in die Kameras. Sondern forderte kleinlaut ein zweites Fernsehduell. Derselbe Oppermann, der vor dem ersten noch behauptet hatte, danach werde Schulz „vorn liegen“.


Tut er, aber bäuchlings. In der SPD sind die Absetzbewegungen vom glücklosesten Spitzenkandidaten seit Rudolf Scharping unverkennbar: Nurmehr sehr zurückhaltend treten die Angehörigen der Parteiführung im Wahlkampf auf. Nur echte Schulzianer wie Heiko Maas sind wirklich im Lande unterwegs, um für den bedauernswerten Ex-Parlamentspräsidenten zu trommeln. Parteigrößen wie Thorsten Schäfer-Gümbel, einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden, sind hingegen sparsam unterwegs und prüfen lieber, welche Zukunftsmöglichkeiten sich für aus einer Schulz-Niederlage für sie ergäben.

Andrea Nahles, die nach den Plänen Gabriels nach dem 24. September als Ersatz für Schulz die Parteiführung übernehmen soll, lebt das vor: Im Wahlkampf tritt die Frau, die im März noch Schulz' Kommando "Agenda rückwärts" leiten sollte, gar nicht auf. Und Interviews gibt sie sehr sachbezogen, immer konzentriert auf ihren größten Wunsch „Arbeitsministerin zu bleiben, wäre nicht schlecht“ (Nahles).

Für den SPD-Spitzenkandidaten, der vielleicht als einziger in der SPD-Führung zeitweise wirklich daran geglaubt hat, eine Chance gegen Angela Merkel zu haben, ein schlimmes Zeichen. Seit Mitte August - also lange vor dem desaströsen Fernsehduell mit Angela Merkel - hat seine Partei die Veröffentlichung von aufrüttelnden Pressemitteilungen eingestellt. Der knallenge Haustürwahlkampf, gestützt auf modernste App-Technik, den die SPD noch im März plante, findet überhaupt nicht statt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der lebensgroße Pappaufsteller vom Kandidaten ist immer noch zu haben. Und bei der Tingeltour über zumeist westdeutsche Städte wie Böblingen, Emden und Aachen zieht der „Gottkanzler“ auch bei bestem Sonnenschein nicht nur ein paar hundert statt ein paar tausend Fans an.

Ein verlorener Kampf, eine beendete Ära, darauf deuten die Absetzbewegungen in der SPD schon drei Wochen vor dem Wahltag hin. Martin Schulz wird am Tag nach der Wahl ganz allein im Regen stehen, ein Parteisoldat, der sich für den Heerführer hielt und doch nur eine Marionette des in Ränkespielen geübten Sigmar Gabriel war.



#UnterstuetztMerkel: Fankurve geht viral

Klare Kante gegen Merkelraus-Rufer.

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl am 24. September geht der Wahlkampf allmählich in die heiße Phase. Die CDU um Bundeskanzlerin Angela Merkel überrascht direkt nach dem Punktsieg im TV-Duell mit Martin Schulz mit einer viralen Kampagne, bei der prominente Unterstützer für die Kanzlerin mobil machen. Neben Sophia Thomalla und Christoph Metzelder ist auch PPQ in den Werbefeldzug #unterstuetztmerkel involviert, der auf soziale Vernetzung, junge, flippige Slogans und eine aus sich selbst wachsende Breite setzt.


Dem hat die SPD nichts entgegenzusetzen! Mit Schauspielerin und Moderatorin Sophia Thomalla, Uschi Glas, Heiner Lauterbach, Arne Friedrich, Hans Sarpei und Heino hat die CDU kurz vor dem alles entscheidenden Kanzlerinnenduell eine ganze Armada an Fernsehlieblingen für eine offene Unterstützung der Frau zusammengetrommelt, die wie keine andere für Kontinuität und Erneuerung steht. Ganzkörpereinsatz für die Kanzlerrin: Sophia Thomalla ("Kleine Titten sind wie Flüchtlinge. Sie sind nun mal da, aber eigentlich will man sie nicht") wirbt mit Bauch und Brüsten,  Christoph Metzelder liefert Bein und Fuß, Heino die unverwechselbare Stimme und Hans Sarpei den intellektuellen Witz.

Auch PPQ ist dabei. „Das ist doch Ehrensache. Sie (Angela Merkel, Anm. d. Red.) ist eine der stärksten und klügsten Frauen, die wir kennen", heißt es beim Mitmachboard. Gerade in der Euro-, Ukraine- und Flüchtlingskrise habe die Kanzlerin bewiesen, wie man mit Ruhe und vor allem Menschlichkeit eine solch große Aufgabe löse. "Das Schicksal wirft ihr Probleme vor die Füße, sie aber schwebt hinüber und macht aus Deutschland das beste Deutschland, das wir jemals hatten."

Dies sei weltweit einzigartig und verlange "höchste Dankbarkeit", kommentiert die PPQ-Redaktion das eigene bürgerschaftliche Engagement für die Christlich Demokratische Union, die nun unter anderem  mit einem Schwarz-Weiß-Foto der PPQ-Symbolfigur "Pitti" werben darf (oben). Darüber hinaus werden Pitti-Puppen in den kommenden Wochen bei Merkel-Wahlkampfterminen auf den Marktplätzen der Republik an Jungwähler verteilt, so beispielsweise am 13. September bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Frauen. Honoriert werden die Auftritt Transparent aus Wahlkampfspenden.

Montag, 4. September 2017

Böhmermann und die Nazis: Geschichtsloser Geselle

Unverzeihlicher Blödsinn: Jan Böhmermann verbreitet klassische Fake News.
Geschichtslos, ungebildet, ohne den Hauch einer Ahnung über den Gegenstand, den er öffentlich verhandeln möchte. Aber laut, sehr laut, selbstbewusst und im sicheren Glauben, er tue etwas Gutes. Nein, ausnahmsweise ist nicht Ralf Stegner gemeint und auch nicht der scheidende SPD-Vorsitzende Martin Schulz. Sondern der Fernsehansager Jan Böhmermann, jenseits der stillen Spartensender bekannt geworden, als er mit einem „Schmähgedicht“ (Spiegel) über den türkischen Despoten Erdogan die Axt an die Wurzel des seit dem 1. Weltkrieg eigentlich stets hervorragenden deutsch-türkischen Verhältnisses legte.

Natürlich ist Böhmermann seit dem Skandal damals im Frühjahr weitergeeilt. Und angekommen ist er inzwischen bei einer atemlosen Warnung vor der Rückkehr des Faschismus: „Noch 3 Wochen, 21 Tage bis zum ersten Mal seit Kriegsende wieder die Nazis im deutschen Parlament sitzen“, zählt der fröhliche Gebührenempfänger schon mal runter. Womit Jan Böhmermann, 1981 geboren, sich als lebendes Beispiel für das Versagen des deutschen Schulsystems outet.

Böhmermann, ausweislich seiner Selbstbeschreibung bei Twitter "from the motherland of fun", weiß augenscheinlich nichts von den vielen, vielen Nazi-Abgeordneten, die in den vergangenen sieben Jahrzehnten im Deutschen Bundestag saßen: 750 NSDAP-Mitglieder schafften den Sprung. Seinerzeit, vor der Explosion der Mitgliederzahlen des Bundestages, ausreichend Personal, um das Parlament anderthalb Mal zu füllen.

Böhmermann kennt nicht die Parteien, in denen Goldfasane und Nachwuchsfaschisten sich sammelten, er hat noch nie von der Deutschen Partei gehört, die nicht nur im Bundestag saß, sondern auch in der Bundesregierung. Er weiß nichts von Waldemar Erich Kraft, ehemals Chef der „Reichsgesellschaft für Landbewirtschaftung in den eingegliederten Ostgebieten mbH“, oder Fritz Rößler, von Hans Globke, der es vom Experten für "Blutschutzfragen" zum Kanzleramtsminister brachte, oder von Kreisleiter Richard Langeheine, Theodor Heuss und der FDP, die 1951 auf ihrem Bundesparteitag die Freilassung aller „so genannten Kriegsverbrecher“ verlangte und die Gründung des Verbands für ehemalige Wehrmachts- und SS-Angehörige begrüßte, um die "Integration der nationalistischen Kräfte in die Demokratie" (FDP) voranzubringen.

Jan Böhmermann ist in seiner selbstbewusst herausposaunten Unbildung ein Lehrer seines Volkes, wie er im Buche steht. Ausgestattet mit großen Sorgen und kleinem Wissen tut er das Richtige, denn er warnt vor den Falschen, wenn auch mit falschen Argumenten. Doch der Zweck heiligt die Mittel und sein Publikum - durch dieselben Schulen der Einfalt und Geschichtsvergessenheit gegangen wie der bedauernswerte Vordenker - merkt ja nicht, dass der krude Komödiant Fake News verbreitet.

Für seinen Nazi-Warn-Tweet, der so falsch ist, das nicht einmal das Gegenteil einen Hauch von Wahrheit enthielte, bekommt Jan Böhmermann keine Kritik an seiner öffentlich ausgestellten Missbildung zu hören. Sondern tausende von Re-Tweets von Leuten, die in der Schule auch nicht aufgepasst haben.

Twitter, nach den Maas-Regeln eigentlich verpflichtet, Böhmermanns Fake News zu löschen, hat bisher noch nicht auf die rasante Verbreitung der Falschnachricht reagiert.

Sonntag, 3. September 2017

Das TV-Duell: Ein Abend in der Worthülsenfabrik

Ein Abend in der Worthülsenfabrik, Merkel mit gegen Merkel ohne Bart, SPD light gegen  Halbglatze, beide wohlpräpariert, mit "Softskills" (ARD) und blauem Binder/Blouson. Ein historischer Tag, nach dem bereits morgen die Koalitionsgespräche beginnen können.


Die unvergesslichen Kernsätze, nachfolgend im PPQ-Protokoll.



Zugegebenermaßen war das eine harte und zugespitzte Formulierung. Dass man die Demokratie nicht im Schlafwagen voranbringt.

Wir sind eine Partei von Maß und Mitte. Da kommen wir sicherlich heute noch dazu. Ob es die Frage der Flüchtlinge war. Und dann gleichermaßen um jeden Wähler kämpfen. Je mehr Menschen zur Wahl gehen. Ich habe in bestimmten, sehr dramatischen Fragen Entscheidungen getroffen. Trotzdem werde ich alle Kraft einsetzen, um möglichst viele Menschen zu überzeugen.

Nein, ich empfinde es nicht als Bedrohung, aber ich empfinde es als große Aufgabe. Dass wir in Konfliktlösung investieren müssen.

Dass, was die Menschen zu uns bringen, ist wertvoller als Gold, denn es ist der Glaube an Europa. Das ist etwas, worauf wir stolz sein können. Was wir brauchen ist eine europäische Lösung.

Ich habe dann sehr schnell mit dem französischen Präsidenten telefoniert. Es musste entschieden werden. Wir haben das völkerrechtlich überprüft. Wir haben damals eine sehr dramatische Situation gehabt. Das wird so nie wieder passieren.

Das will ich aber jetzt gar nicht weiter in den Mittelpunkt stellen. Mit Wasserwerfern gegen tausende von Menschen? Natürlich müssen wir steuern, ordnen. Deshalb EU-Türkei-Abkommen. Ich halte es nach wie vor für absolut richtig.

Das ist schwer einzuschätzen. Das dauert, die Integration, das kriegt man nicht von einem Tag auf den anderen hin. Ich glaube, dass es nicht für Ihre Enkel sein sollte. Im Verlauf der nächsten Jahre. Das ist unter Umständen eine Generationsaufgabe.

Trotzdem wird es Jahre dauern. Ich will hier überhaupt keinen an den Pranger stellen. Die Geistlichkeit muss viel stärker deutlich machen, dass das nichts mit dem Islam zu hat.

Das kommt auf ihre Erziehung an. Denen muss man mit klaren Sätzen sagen, dass Deutschland ein Land ist, das Israel schützt. Wir wollen ja hoffen, dass die Menschen, die zu uns kommen, in Ausbildung kommen. Passt diese Religion zu unserem Land? Ein großartiges Zitat, dass ich für das Schlusswort aufbewahrt hatte: Jenseits von Richtig oder Falsch, dort treffen wird uns. Sie sehen, der Islam ist eine Religion wie jede andere auch. Aber die Hassprediger, die haben in unsrem Land nichts zu suchen.

Wir haben da schon sehr viel mehr Sensibilität entwickelt. Ich habe mit dem Bundesinnenminister darüber auch sehr gesprochen. Wir müssen auch Imam-Ausbildung hier bei uns machen. Wir haben vier. Das muss verstärkt werden. Wir werden das weiter tun, dort, wo es heute noch nicht so ist, wie es ist. Null Toleranz an der Stelle.

Wenn ich Kanzler werde, werde ich nicht nur das Abkommen kündigen. Ich denke, der Punkt ist beendet. Da hat Frau Merkel recht.

Ich war heute nicht in der Kirche.

Ich war in einer Kapelle.

Ich war gestern in einer Kirche.

Wahrscheinlich im stillen Kämmerlein weitergebetet.

Wir haben an dem Thema sehr hart gearbeitet.

Es ist so, dass im Einzelfall geprüft werden muss. Da sitzt ein 18-jähriger Junge, da ruf ich mal den bayrischen Ministerpräsidenten an. Und die schieben auch nicht ab. Kann man überhaupt abschieben. Mal sinds die Sozis, mal sinds die Schwarzen. Kommen hierher, wollen Asyl und dann Terroranschläge verüben. Die fliegen raus. Wenn in diesem Amt schneller gearbeitet werden würde.

Damit sind wir in Europa führend. Wir haben leider Erlebnisse gehabt, wo es um gut Integrierte ging.
Wer die Sprache gut gelernt hat.

Der Seehofer, der dann in diesem Telefongespräch zu mir sagte, nee, da haben Sie recht, der wird nicht abgeschoben. Wir können sie nicht nur nicht schließen, wir wollen sie nicht schließen. Die Mittelmeergrenze lässt sich nicht schließen. Die macht uns große Sorgen. Zu sagen, das geht so nicht, das geht nicht. Deshalb brauchen wir ein europäische Einwanderungsrecht. Wer illegal über die Grenze kommt, der wird zurückgewiesen. Entweder wir schaffen, dass Europa ein Solidarpakt ist. Oder wir lassen es.

Wir haben gelernt, dass dort, wo es keine Landgrenze gibt, der Grenzschutz sehr viel schwieriger ist. Wir müssen da natürlich viel investieren. Da steckt Ausbildung vorher drin. Wir wollen ein Fachkräftezuwanderungsgesetz. Ich würde nicht warten, bis ich den Letzten in Europa überzeugt habe.

Im Einzelfall prüfen.

Wir müssen schauen, wie können wir das verkraften. Es kann sein, dass wir uns so entscheiden, wie der Bundesinnenminister das sagt.

Das mit Herrn Erdogan das nicht nur nicht sinnvoll ist... Wenn Bundesbürger, die unschuldig in Haft gehalten werden, nicht mehr geschützt... ich sage das ganz klar.

Die Beitrittsverhandlungen sind zur Zeit nicht existent. Vorsicht. Leisetreterei ist Letzte, was wir brauchen, da stimme ich Ihnen zu. Deshalb bin ich dafür, dass wir die Vorbeitrittsbeihilfen einfrieren. Ich war noch nie dafür, dass die Türkei der EU beitritt. Ob wir die Tür zuschlagen oder die Türkei, das wird man sehen.

Erdogan verstehe eine einzige Sprache. Jetzt ist Schluss. Ich habe mich bei Ihnen noch nicht für eine Frage bedankt. Es hat keinen Sinn, dieses Flüchtlingsabkommen aufzukündigen.

Das letzte Mal hat er mit seinem Tweet die Welt an die Grenze geführt. Ganze Bevölkerungsgruppen... Dem muss doch ein deutscher Kanzler sagen... Wir müssen uns mit allen anderen demokratischen Kräften zusammenschließen. Mit unseren mexikanischen Freunden. Mit den Gegnern im Kongress.

In der Tat gibt es sehr viele Sorgen. Man muss in aller Klarheit sagen: Für uns kommt nur eine friedliche Lösung in Betracht. Europa muss sich in diesen Fragen von Krieg und Frieden stark einbringen. Ich bin dankbar, dass Herr Schulz auch gesagt hat, hier geht es um Krieg und Frieden. Da gibt es ein hohes Maß an Gemeinsamkeit. Ich will einen Kurs der Vernunfthaltung.


Ich hatte schon länger vorgeschlagen, dass sich Europa stärker engagiert. Wer weiß, wann Donald Trump wieder zum Tweet greift. Dann sinkt die Rente stark ab, die Beiträge steigen.

Jeder Arbeitslose ist einer zu viel. Gerade auch Alleinerziehende. Es ist schlicht und ergreifend falsch. Es gibt ausschließlich das, was wir unter Franz Müntefering vereinbart haben. Könn` Sie gleich machen. Was heute sicher scheint, das ist für morgen noch nicht sicher. Natürlich sage ich das ganz sicher.

Finde ich doll, Frau Merkel. Bei mir wird es sie in jedem Fall nicht geben.

Ich sage auch nicht, wenn bei Ihnen irgendeine Untergruppe, die Vermögenssteuer muss kommen, Herr Schulz ist für die Vermögenssteuer. Sie schaffen das gleich wieder ab.

Ein Lehrstück deutscher Innenpolitik. Zusammenarbeit von CSU und der Linken im Bundesrat, um die Muat durchzusetzen.

Es gab keine Mehrheit für die Maut.

Die SPD-Länder haben zugestimmt.

Am Ende war es der Herr Ramelow, der der CSU zur Mehrheit verholfen hat.

Sie haben Recht: Ich komme gleich zur Musterfeststellungsklage. Sie muss kommen. Was da abgelaufen ist, davon werden wir noch lange, lange Probleme haben. das ist ohnegleichen. Die älteren Euro-3, Euro-4-Normen schnell von der Straße holen.

Menschen, die nicht und nichts dafür können. Hier stehen wir vor einem Scherbenhaufen, den wir wiederaufbauen müssen.

Das mache ich, ich rufe den Heiko Maas an. Dann haben wir einen weiteren kompetenten Sozialdemokraten.

Kommt darauf an, wo sie wohnen. Zunächst mal, bei 3500 Euro werden wir deutlich entlasten. Ich würde mal sagen, Im Monat zwischen 200 Euro, kommt noch der Kinderbonus dazu, pro Kind von 150 mal zwei ist 600 pro Jahr abgezogen.

So kann man das nicht sagen. Wir haben sehr wohl 2009 eine Steuerreform gemacht.Jetzt haben wir in der Tat, das wird durchaus für die Familien eine Entlastung geben. Und wir werden für jedes Kind das Kindergeld um 50 Euro erhöhen.

Bei uns ist es so, die müssen sich entscheiden, ob sie das Ehegattensplitting oder das Familiensplittung nehmen. Mehrwertsteuersenkung entlastet die Verbraucher nicht.

Ja.

Nein.

Ja.

Ja.

Ich antworte immer so kurz, die macht immer noch drei Sätze.

Schlecht.

Schlecht. das ist ein sehr trauriger Zustand.

Gerhard Schröder hat sich um dieses Land große Verdienste erworben.

Wir dürfen uns nicht an den Terror gewöhnen.

Im Fall Amri gab es einen Fehler. Im Fall Amri gab es viele Fehler. Aber ich kann Ihnen keine Garantie geben. Ich will das noch mal sagen, ich habe das eben schon gesagt. Wer zusätzlich betrügt und Terrorakte plant, der muss hier raus.

Wir haben die Pflicht, alles herauszufinden. Bei Amri sind Fehler passiert. Es kann keine 17 Identitäten mehr geben. Wenn es keinen Schlendrian gibt. der hätte schon lange in Abschiebehaft sitzen müssen. Das absolut Machbare muss unternommen werden.

Wir haben Rekrutierungprobleme bei der Polizei. Da gehen zwei, drei Jahre ins Land. Ich bin der Sohn eines Polizeibeamten. Entlastung ist ein Muss.

Wenn ich sehe, dass mir Polizisten aus einigen Bundesländern sagen. Ich mach´ das doch nicht aus Spaß.

Darf ich Ihnen mal eine Frage stellen.

Ja.

Kennen sie das Flächenland in Deutschland mit der höchsten Kriminalitätsrate?

Sagen Sie es mir einfach.

Sachsen-Anhalt, CDU-regiert. Hören Sie dieses Schwarze- oder Rote-Peter-Spiel auf.

Zitate zur Zeit: Politiker lassen täglich die Sonne aufgehen

Heute haben leider viele Politiker die Angewohnheit, von sich selbst das Bild eines Apoll zu zeichnen, durch dessen heldenhafte Taten die Sonne Tag für Tag gut von Ost nach West kommt.


Roger Letsch hat Katrin Göring-Eckardts Buch „Ich entscheide mich für Mut“ gelesen

Das TV-Duell: Beide Kandidaten als Sieger ausgerufen

Amtsinhaberin Angela Merkel (l.) und Martin Schulz gingen beide als Sieger aus dem TV-Duell hervor.
Studio G im Sendezentrum Adlershof. Hier, wo DDR-Medienchef Joachim Herrmann früher passgenaue Propaganda für den blühenden Sozialismus in den Farben der DDR herstellen ließ, geht es heute um alles. Aufgergt ist die Stimmung, Spannung liegt in der Luft. Im Lounge-Bereich sitzen schon führende Politiker wie Hermann Gröhe oder Ursula von der Leyen, aber auch Stars und Sternchen wie Ex-Tennisprofi Michael Stich oder Ex-Boxerin Regina Halmich haben sich eingefunden, um Augenzeuge des großen TV-Duells um die nächste Kanzlerschaft zu werden.

High Noon in Studio B


High Noon im Studio B, in das Angela Merkel und ihr mächtiger Herausforderer Martin Schulz kurz vor acht geführt werden. Die Beobachter draußen rücken vor den Monitoren zusammen. Sie werden kommentieren, analysieren und über den Sieg entscheiden. Während des Duells wird darüber gesprochen, wie es ist. Nach dem Duell, wie es war. Damit alle bei Laune bleiben, werden Häppchen gereicht: Gnocchi, Nudeln und Currywurst mit Pommes. Alles auf Kosten der vier Sender ARD und ZDF sowie RTL und Prosieben, die das Fernsehduell diesmal gemeinsam ausrichten, weil sich beide Kandidaten wegen weitgehender Übereinstimmung der Meinungen geeignigt haben, dass ein Aufeinandertreffen ausreicht.

Dann ist es soweit. Der Zweikampf beginnt. Jetzt geht es um Emotionen, echten Streit, da wird auch mal richtig attackiert, geholzt. Angela Merkel plaudert freundlich, sie lächelt in die Kamera. Sie kennen mich, sagt sie, nur mit andreen Worten. Martin Schulz, körperlich unscheinbar, aber mit blitzenden Brillenaugen,  ist angriffslustig. Er verbreitet von Anfang an gepflegte Langeweile, betet Teile des SPD-Wahlprogrammens auswendig herunter.

Leidenschaft marke Schulz, Emotionen Marke Merkel. Verbissen verteidigen beide Duellanten ihre gemeinsamen Positionen: Ja, in der Regierungszeit der großen Koalition wurde alles richtig gemacht. Nein, 2015 darf sich, wird sich nicht wiederholen, weil bald 2018 ist. Es geht um Bildung, Straßen, Schultoiletten, um Kernfragen der Gegenwart wie Alter, Jugend und Infrastruktur.

Satz umd Satz schießen die beiden wohlpräparierten Politprofis die Worthülsen aufeinander ab, mit denen sie sich in der Bundesworthülsenfabrik haben austatten lassen. Es ist knapp, aber es ist ein Null zu Null zwischen den Kontrahenten. Angela Merkel zitiert das Statistische Bundesamt zitiert. Martin Schulz zitiert sich selbst: "Wir müssen Europas Kopf bleiben", betont der Würselener seinen festen Willen, die in den letzten Jahren mühsam erkaufte deutsche Dominanz in Europa nicht mehr aufzugeben.

Kalendersprüche zum  Mitschreiben


Kalendersprüche zum  Mitschreiben: "Jeder Mensch muss in Würde altern können." Oder: "Jeder Mensch bekommt die Gesundheitsversorgung, die er braucht." Es gibt ein "nie ging es Deutschland so gut". Und natürlich ein "die, denen es noch nicht so gut geht, können darauf hoffen, dass es besser wird". Das Moderatorenteam steht zeitweise wie katatonisch vor diesem Ausbruch an lebendiger Demokratie, vor diesem Duell von Merkel ohne und Merkel mit Bart.

Die Kanzlerin, diesmal nicht in SPD-Rot, und der Herausforderer, diesmal mit rotem Binder,  merkeln miteinander, sie umarmen den Gegner, weichen unangenehmen Fragen pfeilschnell aus, müssen das aber gar nicht tun, weil abgesprochen wurde, unanagenehme Fragen nicht zu stellen. Beider Motto ist das immer gleiche: weiter so, nur noch besser. Deutschland brauche keine Vision, sondern zuverlässige Verwalter, die still, kompetent und nüchtern zentrale Probleme lösen. Wie eben die Frage der Schultoiletten, des britischen EU-Ausstieges und einer Reform der Bundeswehr

Schulz hatte angekündigt, rücksichtslos angreifen zu wollen. Gerüchte besagten, dass er Stasi-gerüchte über Merkel aufgreifen werde, zudem wolle er darauf hinweisen, dass die Kanzlerin in Wirklichkeit gar keine Ostdeutsche sei sondern wie die Attentäter vom 11. September 2001 aus hamburg stamme. Doch der Sozialdemokrat zögert. hat er Angst um seine Anschlussverwendung? Zu zaghaft, zu technokratisch, zu unverständlich setzte Schulz seine Attacken. Er wolle "mehr Schultoiletten bauen", verspricht er. Zwölf Milliarden stelle die SPD dafür zur Verfügung.


Es spricht Bände, dass Merkel der mitlaufenden Uhr zufolge während des gesamten "Duells" weniger Redeanteile hatte als der selbsternannte Gottkanzler. Diesen Herausforderer ließ sie ins Leere laufen, Schulz haspelte auf seine rheinisch-sympathische Art verzweifelt durch seine mit Fakten vollgepackten Zettel, brannte aber kein Argumentationsfeuerwerk ab.

Zwei blasse Sieger


So blieben beide Kandidaten blass. Das passt zum bisherigen Verlauf dieses Wahlkampfs. Angela Merkel geht entspannt in die Wahl, sie weiß um ihren großen Sympathievorsprung. Ihre CDU oder gar Programmatisches kommen kaum vor. Allein der Kanzlerbonus soll ihr den Sieg sichern. das wird reichen.

Martin Schulz hat dem nichts entgegenzusetzen, er ist aus den Himmeln der Ernennungszeit auf den Boden der tatsache gestürzt, dass er nie mehr war als ein trockener Bürokrat, der es geschickt verstanden hat, sich für einen Moment das Mäntelchen des Volkstribunen umzuhängen. Seine Partei wird ab heute entdgültig nicht mehr auf Sieg spielen, sondern auf Platz. Es geht jetzt nicht mehr um das Kanzleramt, sondern um die bedrohten Ministerposten, die Stellen als Staatssekretäre, die Genossen, die noch nicht verbeamtet in einer Budnesverwaltung untergebracht werden konnten.

Nach den zuletzt in Serie verlorenen Landtagswahlen, die hunderten guter Genossen ihre Stellen kosteten, braucht die SPD nichts dringender im Bund eine erneute Beteiligung an einer Großen Koalition. Martin Schulz Aufgabe ist nun noch eine einzige, im Dienst der Partei: Er wird die Niederlage am 24. September mannhaft schultern, Verantwortung übernehmen und den Weg frei machen für einen Neuanfang unter der linken Vordenkerin Andrea Nahles.

Auf Schulz wartet dann im kommenden Jahr der Posten als Chef der EU-Kommission.

Samstag, 2. September 2017

Fake News vom Februar: Kippt er?

Mitte Februar wusste es der "Spiegel" genau: „Angela Merkel muss Schulz fürchten!“ Die Umfrageergebnisse des Spezialdemokraten waren wundervoll, die Hymnen in den Politikteilen von SZ und Taz und FR wollten gar nicht mehr verstummen. Halbwüchsige wurden vor Kameras gezerrt, wo sie sich als Fanboys des Mannes mit dem schütteren Bart outen mussten. Schulz saß im Fernsehen und erzählte noch mal die ausgedachte Story, wie er beinahe mal Fußballprofi geworden wäre. „Kippt sie?“, fragte der „Spiegel“, wie immer nicht nur Pulsfühler, sondern Pulsmacher.

„Klimawandel“ hieß die Titelgeschichte, die behauptete, dass Angela Merkel nun aber mal richtig um ihre Macht fürchten müsse, weil die „Kanzlerinnendämmerung“ eingesetzt habe. „Mit Martin Schulz hat Merkel einen starken Gegner bekommen, der Begeisterung versprüht“, dachten sich die Redakteure in ihrem Hamburger Hochhaus aus, während sie ein Bild des trocken und traurig wirkenden Mannes mit der sozialdemokratischen Entsorgungsgeschichte in Brüssel betrachteten. Ein Vierteljahrhundert hatte Schulz im Dienst der Partei im belgischen Exil verbracht. Nun war er zurück, ein bettvorleger, wiedergeboren als Tiger. Merkel müsse jetzt schnell lernen, wie der neue alte Mann „den Habitus des Populisten mit linksliberalen Inhalten zu füllen“ und mit einem „Bekenntnis zu Europa, zur Willkommenskultur“ (Spiegel) auch "AfD-Wähler für sich zu gewinnen".


Sechs Monate später klingt der Wahnsinn gar nicht mal so viel verrückter als damals, weil mehr als hundert Prozent auch beim Irrsinn einfach nicht drin sind. Die ganze mehrseitige Geschichte in Deutschlands größtem „Nachrichtenmagazin“ war, das hat die Geschichte seitdem gezeigt, ausgedacht, zusammengesponnen, frei erfunden.

Fake News, für die Facebook-Nutzer inzwischen gesperrt werden. Russen, die sich in Deutschland aufhalten, können für ähnliche Behauptungen sogar ins Gefängnis kommen: „Ungesetzliche Verbindungsaufnahme“ oder Kontakte zu einem mutmaßlichen Spion des russischen Nachrichtendienstes FSB haben ernste Konsequenzen, da sie den Ausgang der Wahlen mehr beeinflussen können als zwei Millionen Plakate, Fernsehspots, Büttenreden und Talkshows. Auch das steht im "Spiegel".

Auch das glauben sie dort, in Hamburg.

Nur ihnen glaubt keiner mehr.

Und niemand weiß, warum.

TV-Duell der Moderatoren: Kommando Gleichschaltung

Einer wird gewinnen: Morgen Abend steigt das lange erwartete TV-Duell der Mega-Moderatoren.

Morgen ist es wieder soweit: Vor den Augen von Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz kämpfen die besten deutschen Moderatoren von vier Sendern um die Gunst der Zuschauer. Maybrit Illner (ZDF) und Sandra Maischberger (ARD) treten für das gebührenfernsehen an, die Privaten schicken Peter Kloeppel (RTL) und Claus Strunz (ProSieben/Sat.1) in die Fernsehhölle, in der es nicht nur ums Überleben, sondern auch darum geht, einen guten Eindruck zu machen, um bei möglichen Zielgruppen für den eigenen Sender zu punkten. Vor allem die Privaten stehen unter Druck, sie müssen angreifen, um bei den Quoten zu den Gebührensendern aufzuschließen.


Gleichschaltung aller Sender


Alle vier TV-Sender übertragen live, die Veranstaltung gilt als Höhepunkt eines Fernsehjahres. Was aber erwarten die Zuschauer? Wer beabsichtigt, das TV-Duell zu sehen? Was erhoffen diese vom Gipfeltreffen der Mega-Moderatoren? Antworten hat das internationale Meinungsforschungsinstitut Semwatch im Auftrag des An-Instituts für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung in Halle an der Saale auf der Grundlage einer repräsentativen Befragung ermittelt.

Vier von zehn Befragten (42 Prozent) denken, dass es keinen Gewinner des Schlagabtausches der hochbezahlten Fernsehprofis geben wird. Zehn Prozent sehen einen Sieg von Illner voraus, neun glauben an Kloeppel, nur acht Prozent glauben, dass Sandra Maischberger gewinnen wird. Auch wenn der größte Teil der Befragten ein Unentschieden erwartet, liegt auch hier Maybrit Illner deutlich vor Claus Strunz, von dem rund ein Drittel (31 Prozent) der Befragten sagt, der Name sage ihnen nichts.

Eine Mehrzahl der Befragten geht davon aus, dass die gebührenpflichtigen Sender am Ende des Abends die Gewinnern sind. Die Befragten sind geteilter Meinung darüber, ob es zu einem spannenden Schlagabtausch zwischen den Moderatoren kommen wird. 44 Prozent aller Befragten bezweifeln das, 39 Prozent gehen von einer unterhaltsamen Anmoderation der vorbereiteten Antworten von Merkel und Schulz aus.


Rund ein Drittel der Wahlberechtigten (35 Prozent) plant, das Duell zwischen Kloeppel, Strunz, Illner und Maischberger im TV zu sehen, obwohl jeder Vierte (27 Prozent) vom letzten Mal noch weiß, dass es sich nicht lohnt. Das TV-Publikum wird eher aus älteren Fans der vier Ansager bestehen. Unter den Befragten, die 65 Jahre und älter sind, äußern deutlich mehr die Absicht, die Sendung zu verfolgen (45 Prozent) als dies jüngere Befragte tun. Man habe ohnehin nichts anderes zu tun, Montag wieder Arbeit, da gehe es früh zu Bett, sagten 43 Prozent. Und da kein "Tatort" komme, sei Zeit für das Live-Ereignis.

In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen wollen hingegen nur 28 Prozent das Duell anschauen, viele davon aber im Internet. In der Gruppe derjenigen, die noch nicht so lange hier leben, sind es wohl noch weniger. Aber dazu wurde nicht speziell befragt.

Nicht-Zuschauer sind skeptisch


Die voraussichtlichen Zuschauer geben zudem deutlich häufiger als Nicht-Zuschauer an, häufiger Fernsehen zu schauen. Allerdings bestätigten sechs von zehn Zuschauern (60 Prozent), dass der mit Spannung erwartete Ausgang des TV-Ereignisses sie nicht in ihrer Entscheidung beeinflussen wird, welche Sender künftig geschaut werden. 23 Prozent der Zuschauer erwarten hingegen, dass sich die wahl des besten Moderators vielleicht doch langfristig auf ihre Sehgewohnheiten auswirken wird. Vor allem viele Wechselzuschauer, die Privatsender wegschalten, sobald einer der ausufernden Werbeblöcke gezeigt wird, erwarten sich durch das TV-Duell der Moderatoren Hilfe bei ihrer Entscheidung darüber, ob künftig häufiger bei Werbung durchgehalten oder gleich die "Tatort"-Wiederholung im Dritten geschaut wird.

„Immerhin 21 Prozent der unentschiedenen Zuschauer erwarten sich einen Fingerzeig durch das TV-Duell. Das sind hochgerechnet immerhin fast fünf Prozent der Fernsehzuschauer", analysiert Jens Fadenberg von Semwatch. Im Unterschied zu anderen Formen der Eigenwerbung sei der potenzielle Zuschauergewinn durch einen Sieg beim TV-Duell der Moderatoren deutlich größer. „Wenn die Privaten mit ihren Quoten nochmal auf Augenhöhe an ARD und das ZDF herankommen wollen, wäre ein eindeutiger Sieg von Peter Kloeppel und Claus Strunz ein Muss.“


Freitag, 1. September 2017

Entscheidungsschlacht im TV: Das sind die Regeln beim Kanzler-Duell

Das TV-Duell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) gilt als die entscheidende Schlacht um die Macht im Land. Morgen Abend werden sich die beiden Polit-Giganten auf Augenhöhe gegenüberstehen - Merkel, 1,64 Meter groß, trifft auf Schulz, mit 1,68 ganze zwölf Zentimeter kleiner als die Papp-Schulze, die seine Partei im Wahlkampf verteilt hat.

Drei Wochen vor der Bundestagswahl kommt es zum Kräftemessen auf allen vier großen Sendern, das Erste, ZDF, RTL und Sat.1 schalten sich gleich und übertragen ein demokratisches Einheitssignal.

Der verbale Schlagabtausch, über dessen Regeln in monatelangen Verhandlungen zwischen Kanzleramt, SPD-Zentrale und Delegationen der vier Sender entschieden wurde, soll diesmal wie immer wieder rund anderthalb Stunden dauern. Absprachegemäß sollen nur sogenannte weiche Themen zur Sprache kommen, wie sie die beiden großen Volksparteien ohnehin im Wahlkampf thematisiert haben: Gerechtigkeit, gutes und gerne Leben, Klima, Bildung, Rente und Europa. Beide Kandidaten bekommen dann Gelegenheit, die in den Parteiprogrammen enthaltenen Versprechen für die entsprechenden Zielgruppen aufzusagen. Eine Jury stoppt die Zeit, Überziehungen werden dem Gegenüber als Gutschrift zugeteilt.

Unabhängig vom Ausgang des einzigen Aufeinandertreffens von Merkel und Schulz wird es bei einem einzigen Duell der beiden Spitzenkandidaten bleiben. Die Sender und Herausforderer Schulz hatten sich zwei Auseinandersetzungen gewünscht – eine im Ersten sowie dem ZDF, die andere auf RTL und Sat.1. Doch Angela Merkel setzte sich mit ihrer Forderung durch, aufgrund der ohnehin bereits entschiedenen Wahl auf unnötige Inszenierungen im Vorfeld des Urnengangs zu verzichten. Nicht über Grenzöffnung, Flüchtlinge, die veränderte Sicherheitslage im Land, den seit Jahren nur durch Notmaßnahmen am Leben gehaltenen Euro oder die zerrüttete EU reden könne man auch bei einem einzigen "Duell", hieß es übereinstimmend bei SPD und CDU.

Kein Thema sollen auch persönliche Angriffe sein, das haben die Parteizentralen verbindlich vereinbart. Schulz wird Merkel ihre weder mit dem Parlament noch der SPD oder mit den EU-Partnern abgesprochene Grenzöffnung nicht vorwerfen. Angela Merkel verzichtet im Gegenzug darauf, Martin Schulz mit peinlichen Fragen zu seiner jahrelang geübten Praxis der Entnahme üppiger Tagegelder aus dem EU-Haushalt zu traktieren. Das war eine Bedingung der SPD dafür, Merkels Nutzung von Bundeswehr-Hubschraubern im Wahlkampf und die von der CDU geschaffenen Wahlkampf-Minijobs für enge Vertraute in die Öffentlichkeit zu zerren.

Nur so könne die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in den kommenden vier Jahren einer fortgesetzten großen Koalition geschaffen werden.

Neu ist der Ablaufplan, nach dem all diese Themen nicht zur Sprache kommen sollen, wie die vier Sender mitteilten: Jeweils über eine Länge von 45 Minuten werden zwei Moderatorenpaare die mit den Parteizentralen abgesprochenen Fragen an die Kandidaten stellen. Die gemischt privat und gebührenfinanzierten Duos bilden die beiden Parteizentralen als verlässlich geltenden Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL) sowie Sandra Maischberger (Das Erste) und Claus Strunz (Sat.1). Die Themenkomplexe stehen wie die Reihenfolge und der Wortlaut der Antworten vorab fest, die Reihenfolge, in der die Fragen vorgelesen werden, wird vorher unter Aufsicht von zwei Notaren in einem transparenten Glaskäfig neben der Hauptshow-Bühne ausgelost.

Für die Vorbereitung, Ausrichtung, technische Ausstattung und den Ablauf des Duells seien die vier Sender gemeinsam verantwortlich, so dass erstmals RTL-Kulissenschieber mit ZDF-Fakenewscheckern Schulter an Schulter zusammenarbeiten.

Das TV-Duell der Kandidaten findet nach 2002, 2005, 2009 und 2013 in diesem Jahr zum fünften Mal statt. Bei der Premiere 2002 hatte es noch zwei Live-Sendungen mit Gerhard Schröder und Edmund Stoiber gegeben.

Wahlkampfeinsatz: Steinmeier am Tiefpunkt

Er ist der Bundespräsident, und er ist entsetzt, empört, ratlos. Seit Alexander Gauland „entsorgen“ gesagt hat, weiß Walter Steinmeier nicht mehr Aus noch Ein. Deutschland erlebe derzeit "einen Tiefpunkt in der politischen Auseinandersetzung", sagte das Staatsoberhaupt dem Berliner "Tagesspiegel". Wer heute die Ideen und die menschenverachtende Sprache von damals im Wahlkampf benutze, vergifte das Klima „in unserem Land“, so der Sozialdemokrat, der aus dem Schatten Gerhard Schröders trat, als er im Herbst 2008 gemeinsam mit Franz Müntefering beschloss, den damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt "Mecki" Beck zu „entsorgen“ (Stern).

Mit Müntefering hatte Steinmeier eine Hand gefunden, zu der ein Mund gehörte, der keine Scheu vor klaren Worten kannte. Bei „Münte“, wie sie ihn in der SPD nannten, wurde „ausgemerzt“ und Menschengruppen wurde mit Tiervergleichen überzogen, dass es für jeden Hassprediger wie ein Fortbildungsseminar war. Der Sprach­for­scher Uwe Pörksen betrachtete Mün­te­fe­rings ge­fähr­li­chen Umgang mit Metaphern und warnte im „Spiegel“: „Ein fataler, ihre Adressaten brutal erniedrigender Assoziationsraum sind die Feindbilder der NS-Zeit, die Bilder von Parasiten, Maden, Ungeziefer und die zu ihnen gehörenden Tätigkeitswörter: ausmerzen, vertilgen, vernichten. Mit Recht gilt die Grenze vor dieser Sprachwelt als unüberschreitbar.

„Entsorgen“ war nun nicht dabei, denn entsorgt wird in der Sozialdemokratie traditionell gern und oft. Als die CDU ihren glücklosen Ministerpräsidenten Oettinger in Brüssel entsorgte, nannte EU-Kommissar Günther Verheugen (SPD) die Nominierung eine "Entsorgungsaktion". Der SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs kündigte gar an, Merkel „entsorgen" zu wollen. Und Siegmar Gabriel, dem Steinmeier seinen Posten zu verdanken hat, wollte schließlich sogar die ganze Regierung entsorgen. Für Walter Steinmeier damals kein „Tiefpunkt in der politischen Auseinandersetzung“. Nicht einmal, als der damalige ukrainische Ministerpräsident Jatzenjuk ankündigte, „Untermenschen ausmerzen“ zu wollen, vergiftete das das Klima. Oder jedenfalls beschwerte sich der damalige Außenminister nicht darüber.

Der Schock darüber, dass jemand so spricht, setzt erst jetzt ein, dafür aber besonders heftig. Steinmeier, als Bundespräsident in einem lauen, flauen und eigentlich kaum wahrnehmbaren Wahlkampf, der alle wichtigen Fragen auf leisen Pfoten umgeht, eigentlich zu Zurückhaltung und strikter Neutralität verpflichtet, wirft sich wie ein Löwe auf den politischen Hauptgegner.

Der Mann, der den US-Präsidenten einen „Hassprediger“ nannte und ihn auf eine Stufe stellte mit den Inspiratoren von Terroranschlägen, ist die glaubwürdigste Instanz dafür.