Freitag, 26. Juni 2009

Kachelverzeichnis geht online

Ein Mammutwerk ist es geworden, dieses erste große und allgemeine Kachelverzeichnis der mitteldeutschen Fliesenkunst, das Kacheologen aus vier Nationen nach jahrelanger Feldforschung in den Straßen und Gassen der sachsen-anhaltinischen Kulturhauptstadt Halle erstellt haben. Mit freundlicher Unterstützung der weltgrößten Suchmaschine Google, die ihre Angebote Maps und Google Earth exklusiv für die erste umfassende Dokumentation des einmaligen Versuchs öffnet, die City einer deutschen Großstadt komplett neu zu verfliesen, ist es gelungen, alle bislang bekannten Fundstellen von Kacheln aus der Käferserie, Keramiken der ikonografisch legendären "Fäuste"-Reihe, aus der fußballaffinen "Maradona"-Serie und den verschiedenen anderen Werken des rätselhaften Kachel Gott von der Saale in eine moderne Navigationslösung einzubetten.

Obwohl zuweilen noch unklar ist, welche Botschaft der von Kunstfreunden "Kachelmann" genannte Baukultur-Avantgardist mit seiner nächtlichen Kleberei zu verbreiten hofft, erwägt die Stadtinformation der Saalestadt inzwischen, eigene thematische Stadtführungen entlang der bislang erschlossenen Kachelwege anzubieten. PPQ geht als einzig offziell zugelassene Online-Galerie des künstlernden Fliesenlegers noch einen Schritt weiter: Mit Hilfe des zum Vertrieb im Apple-App-Store angemeldeten Kachelverzeichnisses sind ab sofort gebührenfreie virtuelle Rundgänge durch die mehrere Quadratkilometer große Freiluft-Galerie des Kachel-Giganten möglich.

Die internationale Kacheologie erhoffe sich von der neuen Applikation auch eine größere Aufmerksamkeit von Bundeskulturstiftung und die Unesco-Weltkulturerbekommission für die einmalige Kunstaktion im öffentlichen Raum", sagten Fliesen-Forscher bei der feierlichen Online-Schaltung der Virtual-Galerie in San Francisco.

Die Volksbewegung zur Entdeckung weiterer Fliesversuche an Hausfassaden müsse noch breiter werden, um die nach Ansicht einiger Experten vermutlich erst durch die Raumanordnung der Fliesen im Kartenbild erkennbare Botschaft des Kachelmannes an die Welt sichtbar zu machen. "Das Kachelverzeichnis, das quelloffen geführt wird", so hieß es, "ist vielleicht nur ein kleiner Schritt für den Internet-Giganten Google, aber ein großer Sprung nach vorn für die internationale Kacheologie."

Bomben statt Brücken

Die Liste der Stätten, die nach Ansicht der anonym agierenden Weltkulturerbekommission der Unesco zum Weltkulturerbe gehören, lässt keinen Zweifel daran, dass wertvoll meist nur ist, was vom Zahn der Zeit so richtig schon zerbissen wurde.

Auch Dresden wäre vermutlich auf der vielbeschriebenen und wenig gelesenen Liste der allmächtigen, aber ohne demokratische Legitimation, erkennbare Mitglieder, nachgewiesene fachliche Kenntnis, persönliche Verantwortlichkeit und Widerspruchsrecht agierende Kommission geblieben, wenn es noch im Originalzustand nach der Zerbombung gegen Ende des zweiten Weltkrieges wäre. Dann könnte die sächsische Kulturmetropole gleiches Recht für alle reklamieren: Die Buddhastatuen von Bamian nämlich wurden ja von den Taliban nicht nur mit einer Brücke überhaut, sondern in die Luft gejagt.

Ihren bis heute bestehenden Status als Weltkulturerbestätte aber haben sie durch ihr bloßes Nichtmehrvorhandensein so wenig verloren wie die kubanische Hauptstadt Havanna den ihren durch die Tatsache, dass die Stadt dank der Bemühungen der übrigens derzeit gerade in der Weltkulturerbekommission vertretenen kubanischen Regierung schneller vergammelt, zerfällt und auseinanderbricht als sie Bomber Harris kaputtbomben hätte können.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Alles fliest


Vor ein paar Tagen schrieben wir: "Das blaue Auge deutet auf eine vertiefende Beschäftigung mit religiösen Mythen aus Vorderasien hin, nimmt aber gleichzeitig das Blau der Maradona-Motivs auf." Doch das ist nicht alles. Der Kachelmann Halles, seit einiger Zeit besser als "Kachel Gott" bekannt, musealisiert seine Werke nicht durch Unveränderbarkeit. Vielmehr ist des öfteren serielles Arbeiten wie bspw. bei Andy Warhol zu begutachten. Motive werden variiert, in neue Kontexte gestellt und immer neu und anders erfahrbar gemacht.

Das blaue Auge linst also in mindestens zwei Varianten in die Stadt und schafft so eine Koinzidenz von Blick und Gegenblick, die das Auge des Betrachters mit dem Auge des Schöpfers auf einer quasi astralen Ebene kurzschließt. Wieso die UNESCO der kompletten Fliesung eines anhaltischen Oberzentrums die Anerkennung als Weltkulturerbe beharrlich verweigert, obwohl nicht die winzigste Brücke den Blick auf auch nur eine Kachel versperrt, wird immer schleierhafter.

Dresden und die Rache der Enterbten

Eigentlich mag es die Uno-Welterbekommission ja kaputt. Die meisten der als "Welterbe" in eine umfängliche Liste geschriebenen Orte und Plätze auf Erde sind Ruinen oder - wie die Altstadt Havannas oder die Lehmruinen von Shibam im Jemen (Bild oben) - doch wenigstens auf einem guten Weg dorthin.

Auch das Dresdner Elbtal wird nun nach Ansicht der Unesco-Welterbekommission, in der derzeit Staaten wie Kuba, Marokko und Mauritius sitzen, demnächst irreversibel zerstört, wenn die geplante Waldschlösschenbrücke "die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen zerschneidet". Doch zum Weltkulturerbe wird das Elbtal deshalb nicht ernannt, stattdessen verliert es nach fünf Jahren erfolgreichen Jahren als wertvoller Teil des Welterbes seinen Titel. Dresden ist nun eine Stadt wie jede andere, auf Augenhöhe mit Hohenmölsen in Sachsen-Anhalt, Seligman in Utah und dem Städtchen Hammamet in Tunesien. Nichts zu sehen dort in Sachsen, sagt die Unesco, nix wert, was es zu sehen gibt, "gucke se dich an, Rambo, alles kaputt hier nach der Wende" (Elsterglanz).

"Die Blamage ist jetzt amtlich", knirscht der "Spiegel", der traditionell vom Blamagen lebt. Da bricht ein Pfeiler weg, der die Berichterstattung des ehemaligen Nachrichtenmagazins drei Jahre lang prägte. Denn nun ist das Thema nun hoffentlich auch durch. Das Elbtal wird es weiter geben, glaubt auch Zettel, und es wird weiter schön aussehen für jeden, der Augen im Kopf hat und Dresden wird weiter Touristenströme anlocken. Nur von der Welterbekommission mit ihren anonymen Mitgliedern, die in den letzten drei Jahren deutschlandweit weltbekannt wurde, weil sie drohte, Dresden den Titel abzuerkennen, wird man künftig nichts mehr hören.

Äpfel nur nach Ampel-Norm

Die EU-Kommission, eben noch von einer begeisterten Fast-Mehrheit ihrer Bürger im Amt bestätigt, macht endlich ernst mit dem rigorosen Abbau von bürokratischen Hemmnissen. Ab heute setzt die Europaregierung die häufig kritisierten Regeln außer Kraft, nach denen Obst und Gemüse eine bestimmte Form und Größe haben muss, wenn es in der EU verkauft werden dürfen soll.

Die sogenannten Vermarktungsnormen für 26 Arten Obst und Gemüse sind ab sofort aufgehoben, teilten die Eurobürokraten mit. Die Initiative der Kommission, diese Normen abzuschaffen, sei "ein wichtiges Element der laufenden Bemühungen, die EU-Regeln zu straffen und zu vereinfachen sowie die Bürokratie abzubauen"

Dies bedeute einen Neuanfang für die krumme Gurke und die knorrige Karotte, freut sich die für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständige Kommissarin Mariann Fischer Boel. "Es ist ein konkretes Beispiel für unsere Bemühungen, unnötige Bürokratie abzubauen". Ohnehin sei es "sinnlos, einwandfreie Erzeugnisse wegzuwerfen, nur weil sie die 'falsche' Form haben". Das sei den Kommissionsmitgliedern in den zurückliegenden Jahren, in denen krumme Gurken erfolgreich hatten vom Markt gedrängt werden können, mehr und mehr klargeworden.

Vor allem auch, weil dei krumme Gurke zum Imageproblem der Eurokraten wurde. Mit großer Geste werden Aprikosen, Artischocken, Spargel, Auberginen, Avocados, Bohnen, Rosenkohl, Karotten, Blumenkohl, Kirschen, Zucchini, Gurken, Zuchtpilze, Knoblauch, Haselnüsse in der Schale, Kopfkohl, Porree, Melonen, Zwiebeln, Erbsen, Pflaumen, Staudensellerie, Spinat, Walnüsse in der Schale, Wassermelonen und Chicoree nun in die Freiheit des Wildwuchses entlassen. Ein Fest für alle Europa-Fans, das nur leicht getrübt wird durch die Tatsache, dass die Vermarktungsnormen für Äpfel, Zitrusfrüchte, Kiwis, Salate, Pfirsiche und Nektarinen, Erdbeeren, Gemüsepaprika, Tafeltrauben und Tomaten weiter bestehen bleiben.

Die Mitgliedstaaten könnten, so versichert die Kommission aber auch diese Früchte, die ohnehin nur drei Viertel des EU-Handelswerts mit Obst und Gemüse ausmachen, von den Normen ausnehmen. Dazu müssten sie entbürokratisierungsmäßig allerdings im Einzelhandel mit einer entsprechenden Kennzeichnung verkauft werden: Jeder Apfel, der nicht nach der Norm gewachsen ist, müsse nur ganz einfach von einem EU-Handelskommissionsmitglied als unbedenklich zertifiziert, im EU-Apfel-Zentralverzeichnis mit den DNA-Proben nicht-handelsfähiger Apfelsorten abgeglichen, mit einem Etikett nach der neuen Ampel-Norm als "zur Verarbeitung bestimmtes Erzeugnis" gekennzeichnet und vom Verbraucher, der zuvor eine Haftungsverzichtserklärung in drei Kopien zu unterzeichnen und von einem Notar zu beglaubigen hat, beim Verzehr durch "geeignete technische Maßnahmen" dokumentiert werden.

Verbot der Woche: Verfassungsfeindliche Vokabeln

Endlich Klarheit für alle, die bisher nicht wussten, was hierzulande im Rahmen der großen PPQ-Serie "Verbot der Woche" genau schon verboten und was vielleicht doch noch erlaubt ist. Das Bundesverfassungsgericht hat jetzt klargestellt, dass die Wortkombination "die Fahnen hoch“ nicht in der Öffentlichkeit verwendet werden darf. Wer es dennoch tut, macht sich strafbar. Das höchste deutsche Gericht bestätigte damit die Verurteilung eines fränkischen NPD-Kreisvorsitzenden wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen: Der Mann hatte bei einer Parteiversammlung ein T-Shirt mit diesem Aufdruck getragen und damit gegen die Verfassung verstoßen.

Die Wortkombination "die Fahnen hoch“, so das Bundesverfassungsgericht, sei dem Textbeginn des Horst-Wessel-Liedes ("Die Fahne hoch“) und damit der Parteihymne der NSDAP zum Verwechseln ähnlich. Der Umstand, dass hier im Gegensatz zum Original die Mehrzahl verwendet worden sei, ändere daran nichts. Bis auf Weiteres bleiben die drei einzelnen Worte "die", "Fahnen" und "hoch" allerdings erlaubt, ebenso wie "die Hände hoch" weiter in Kriminalfilmen verwendet werden darf. Eine freiheitliche Gesellschaft müsse das ertragen können. Auch "geil", das dem im Hitler-Gruß verwendeten "Heil" nahekommt, und ""Riddler", ein Begriff aus einem US-Comic, dürfen für eine Übergangszeit noch benutzt werden, nicht jedoch der Satz "Wes Brot ich ess", da er der Wessellied-Zeile "Der Tag für Brot bricht an" zu ähnlich sieht.

In einem "Zugangserschwerungsgesetz für verfassungsfeindliche Vokabeln" (ZEGfvV) will die Bundesregierung nun noch vor der Sommerpause eine amtliche Liste erlaubter Sätze und Formulierungen verabschieden, um "Rechtsklarheit für jeden Bürger herzustellen", wie es aus Koalitionskreisen hieß.

Reichtum macht arm

Alarmierende Nachrichten kommen dieser Tage aus den Kreisen der Reichen und Superreichen. Jahrelang klaffte die Schere zwischen denen und der Normalwelt der Armen und Allerärmsten immer weiter auseinander - jetzt aber droht neues Ungemach, denn ausgerechnet die Reichen werden nun immer ärmer. Wie unser kleines Millionärs.Board PPQ bereits vor Monaten warnte, hat die Finanzkrise ausgerechnet die "High Net Worth Individuals" besonders hart getroffen. Die Zahl der Millionäre schrumpfte im vergangenen Jahr um 14.9 Prozent, die Gruppe der Ultrareichen mit einem Vermögen von mindestens 30 Millionen Dollar verlor sogar ein Viertel ihrer Mitglieder.

Das Gesamtvermögen der Besitzer von millionenschweren Vermögen sank nach dem Wealth-Report von Merrill Lynch/ Capgemini insgesamt in einem Jahr um 19.5 Prozent und beträgt nun nur noch 32.8 Milliarden Dollar - soviel wie zwei Jahre zuvor.

Die Top-Reichtumsländer sind immer noch die USA, Japan und Deutschland. In ihnen leben rund 54 Prozent aller Reichen und Superreichen. Grossbritannien hingegen ist von China überholt worden, auch in der Schweiz hat die Zahl der Millionäre abgenommen. Im letzten Jahr gab es nur noch 185300 Dollar-Millionäre in der Schweiz - 26600 weniger als 2007.

Weil Nicht-Vermögensbesitzer im gleichen Zeitraum überhaupt kein Geld verloren, klappte die Schere zwischen Armn und Reich erstmals seit dem Jahr 2000 zusammen. Allerdings am wenigsten in Deutschland - hier ging die Zahl der Millionäre nur um 2.7 Prozent auf derzeit 809700 Millionäre zurück, die im Durchschnitt nur zehn Prozent ihres Vermögens verloren. In Japan hingegen sank die Zahl der Millionäre um fast zehn Prozent, entsprechend schneller näherten sich Reich und Arm an.

Schuld am Zurückbleiben Deutschland ist die Angst der deutschen Großanleger vor zuviel Risiko bei ihren Investitionen. Statt wie die staatseigenen Landesbanken in fragwürdige amerikanische Immeobilienkredite, undurchschaubare Lehman-Zertifikate und wacklige Optionen zu investieren, blieben dei Reichen konservativ und auf Vermögenserhalt bedacht. Die Bundesregierung erwägt nunmehr, Reiche und Superreiche künftig mit Hilfe einer Invest-Abgabe zu zwingen, wie die Staatsbanken KfW und IKB auch Schrottpapiere zu kaufen. Sozial sei, was bei Reichen Armut schaffe, denn wenn das Kamel nicht durchs Nadelöhr gehe, müsse wenigstens in breitere Himmelstüren investiert werden.

Menschen wie Götter

Was der Kachel Gott von Halle für die deutsche Kunst-Keramik im öffentlichen Raum, ist Jeremy Enigk aus Seattle für den popmusikalischen Obertongesang.

Ein Klassiker aus der Emo-Rock-Kiste, die damals gerade den Aufdruck The Fire Theft trug, ist des Barden Nummer "Heaven" - eine Art Schlüssel zum gottesfürchtigen Gesamtwerk. An guten Tagen kann Enigk das Stück auch in dieser Höhe souverän singen, dieser hier auf Youtube dokumentierte Versuch hingegen geht nicht ganz schief, aber auch nicht ganz gut. Nur ein Mensch, der Rock-Gott. Ist das nicht schön?

Mittwoch, 24. Juni 2009

Hoch soll er kleben

Es sind seine produktivsten Tage, diese Wochen und Monate im Strudel der Finanzkrise. Der hallesche Fliesenleger, von Kachelogen und Fliesenfans mittlerweile liebevoll "Kachel Gott" genannt, führt sein Projekt der Neuverfliesung der gesamten Innenstadt mit beeindruckender Konsequenz weiter: Beinahe täglich melden Kachel-Spotter neue Funde an ungewöhnlichen Orten, fast scheint es manchmal, als spiele der große unbekannte Kachel-Katz und Maus mit seiner beständig anwachsenden Gefolgschaft, die hier auf PPQ eine zentrale Anlaufstelle mit einer umfassenden Online-Galerie des Riesen gefunden hat. In der Geiststraße ist er jetzt wieder aufgetaucht und hat, direkt neben eine kürzlich erst dokumentierte grellgrüne Fliese, ein bislang einzigartiges Exemplar aus lauter kleinen Mini-Kacheln geklebt - in zirka drei Metern Höhe.

Die Kacheologie bestaunt die neue Volte im künstlerischen Schaffen des nach neuesten Vermutungen von führenden Fliesenforschern wohl tatsächlich mit Hilfe einer Leiter arbeitenden Meisters, der noch immer unter dem Radar der Wahrnehmung breitester Bevölkerungsschichten kachelt.

Das Gesamtwerk des enigmatischen Keramikers soll jedoch nun demnächst in einem eigenen Kachelverzeichnis nach dem Vorbild des vor Jahren vom Heimatdichter und Kunstfreund Mike Bach erstellten Köchelverzeichnisses für Graffitikunst im Vorharz im Überblick erschlossen werden. Fördermittelanträge an die Bundeskulturstiftung und die EU sind unterwegs. Google Maps hat indes bereits zugesagt, als Sponsor und Datenlieferant für das notwendige Kartenmaterial bereitstehen zu wollen.

Größer, langsamer, weiter

Ganz großer Bahnhof bei der Übergabe vom Bahnhof auf dem in Bau befindlichen Großflughafen Berlin Brandenburg International, kurz BBI. Der unterirdische Rohbau des 405 Meter langen und 60 Meter breiten zukünftigen Flughafen-Bahnhofes wurde nun im Beisein von Tiefensee, Platzeck und natürlich uns Wowereit an die Bahn zum Weiterausbau übergeben. 635 Millionen Euro kostet allein das Bahn-Vorhaben am BBI.
Doch wenn am 30. November 2011 BBI und auch der dazugehörige Bahnhof tatsächlich eröffnen sollten (was zu bezweifeln ist), werden hier noch lange keine ICE oder Regionalexpress-Züge halten. Denn um eine schnelle Direktverbindung zu gewährleisten (versprochen sind 20 Minuten vom Hauptbahnhof), müsste die Bahn auf direktem Wege vom Berliner Hauptbahnhof nach Schönefeld fahren. Aber das geht nicht. Denn wenn auch der Widerstand gegen BBI an sich unterdessen recht müde, und eigentlich auch sinnfrei geworden ist, waren die Lichtenrader Anwohner bisher erfolgreich. Sie verhinderten bis jetzt den Ausbau der so genannten Dresdner Bahn. Eine Strecke, die momentan noch (inklusive Bahn-Kurbel-Schranken-Übergang)mitten durch Lichtenrade führt. Aber da fahren eben nur S-Bahnen. ICE und Expresszüge will dort niemand vorbei rasen sehen. Eine Baugenehmigung wurde deshalb bisher nicht erteilt. Und ist auch nicht in Aussicht. Selbst wenn, könnte es Jahre bis zum Bau dauern.
Also werden die vielen Urlaubssüchtigen und Business-Vielflieger und alle die anderen Fluggäste schön mit der S-Bahn nach Schönefeld gurken müssen. Etwa 40 bis 50 Minuten braucht diese dazu. Inklusive Warte- und Fußwegezeiten also eine Stunde und mehr. Da wird sich wohl der eine oder andere, zumindest im Westen oder Süden wohnende Berliner, für den ICE zum Flughafen Leipzig entscheiden. Von dort kann man indessen auch (fast) in die ganze Welt fliegen.

Zum BBI kommen dann aber zum Troste Berlins wenigstens noch die Nachbarn. So zumindest Klaus Wowereit: "Polen ist ein großes Einzugsgebiet für BBI." Und für Spargelerntehelfer.

Vernunftbegabt ja

Vernunftbegabt ist er, der Mensch. Aber vernünftig, nein, vernünftig ist er nicht.

Europa ist empört

EU verurteilt brutale Gewalt im Iran, meldet das endgültige Satire-Magazin Titanic. Und das wurde auch höchste Zeit:

Die Europäische Union hat die brutale Gewalt gegen Oppositionelle im Iran scharf verurteilt. Daß es der iranischen Regierung nicht gelinge, Proteste mittels sanfter und gut versteckter Staatsgewalt kleinzuhalten, daß sie statt dessen mit (im Internet gut dokumentierbarer) roher Gewalt reagiere, deute auf den niedrigen Grad der zivilisatorischen Entwicklung im Iran hin, teilte ein EU-Sprecher mit. Es sei regelrecht rückständig, politische Konflikte nicht durch Scheingefechte in vorgeblich kritischen Medien abzufedern und die restliche Renitenz der Bevölkerung mit Konsumanreizen zu ersticken. "Die Mullahs müssen einfach eingestehen, daß ihre Methoden ineffektiv sind", so der Sprecher, "und daß man von der westlichen Zivilisation einiges lernen kann." Vor allem könne sich der Iran ein Vorbild daran nehmen, wie man eine Wahl überflüssig und uninteressant werden lasse - so wie etwa kürzlich die der EU.

Versteckte Scharlatane

Bill Clinton ist laut MarketWatch der eigentliche Schuldige an der Finanzkrise. In den drei letzten Jahren seiner Amtszeit habe der Ex-Präsident ein fruchtbares Umfeld für "Immobilien-Scharlatane" und Verstecke für Wall-Street-Schwindler geschaffen.

Marketwatch schließt sich damit mit nur acht Monaten Verspätung einer Analyse an, die hier im kleinen Immobilienanleger-Blog PPQ im Oktober 2008 zu lesen war. Noch zwei, drei Jahre, dann dürften der "Spiegel" folgen und mit ihm wie immer der ganze Rest vom Schützenfest.

You Weren´t There

Die große Frage dieser Tage ist ja eigentlich, ob man gezwungen ist, sich für die Vorgänge im Iran zu interessieren. Ob man für bare Münze nehmen muss, was einem von Leuten erzählt wird, die sich von anderen leuten etwas haben erzählen lassen, ob man Scholl-Latour trauen soll, der wenigstens im Ungefähren bleibt, oder der "Bild"-Zeitung, die Bilder und Filme dokumentiert, aber hinzufügt, dass sie leider nicht prüfen könne, ob das Blut Blut oder vielleicht Erdbeermarmelade ist.

Die BBC hat nach Recherchen von SchallundRauch gestern eine Nachricht über Demonstrationen der Opposition im Iran mit einem Bild illustriert, das eine Demonstration von Anhänger Ahmedinedschads zeigte - nur den Wahlsieger oder Wahlbetrüger hatten sie weggeschnitten. So harsch falsch fällt es natürlich auf, für alles andere bleibt nur der New-Model-Army-Song "You weren´t there" als Soundtrack: All this information swims round and round / like a shoal of fish in a tank going nowhere / Up and down between the glass walls. Was es bedeutet aber weiß man nicht.

Well, you say it's such a small, small world
flying Club Class back from the far-east
curled up safe and warm in the big chair
you were drifting through the skies of anywhere
Get the courtesy car to the Sheraton
there's live on-the-spot reports on the CNN between the ad-breaks
so you think you know what's going on - but you don't
because you weren't in Belfast, no you weren't there
and no you weren't in Waco, no you weren't there
and you weren't in Kosovo, you weren't there
and you weren't in my head so you don't know how it felt
walking arm in arm with crowds to the square
and the banners waving and the sun glinting

All this information swims round and round
like a shoal of fish in a tank going nowhere
Up and down between the glass walls
You're so safe in the knowledge they're impenetrable
and you look out at the world and see nothing at all
so go back to sleep and you'll be woken when the time comes
and you'll never know just what hit you or where it came from
because you weren't in Bradford, no you weren't there
and you weren't on the hill, no you weren't there
and you weren't with us so you never saw
just what happened when the television crews came knocking on the door
how the people told them all to go to Hell,
smashed the cameras and sent them away
There were sirens going off and policemen coming in
and all that you love was being swept away
in the rush of a black tide all done in your name
and you'll never know just what happened there
or how it feels - just how it feels . . .

Dienstag, 23. Juni 2009

Wer rettet die Piraten?

Empörendes meldet Das Wirtschaftsblatt von den wüsten Gestaden der somalischen Piratenküste. Ein russischer Kreuzfahrtunternehmer bietet dort jetzt reichen Russen Jagdausflüge an, deren Wild die wilden Piraten auf der gefährlichsten Wasserstraße der Welt bilden.

Das Kreuzfahrtschiff ist dabei der Köder für die Piraten, versuchen sie, das scheinbar harmlose Schiff zu entern, erleben die Afrikaner ihr blaues Wunder. "Statt wehrloser Handelsmatrosen", fantasiert das Wirtschaftsblatt, "stehen ihnen bis an die Zähne bewaffnete russische Touristen gegenüber".

Ein Tag an Bord des gecharterten Kreuzfahrschiffes kostet 5.790 Dollar. Dafür wird aber solange geschippert, bis die echten Piraten auch wirklich angreifen. Mindestens ein Piratenüberfall mit Kaperungsversuch wird vom Reiseunternehmer garantiert.

Eine Maschinenpistole des Typs AK-47 kann von den russischen Kreuzfahrtpassagieren an Bord für 9 Dollar am Tag gemietet werden. 100 Schuss Munition kosten 12 Dollar. Ein Granatwerfer kostet 175 Dollar am Tag. Dazu gehören drei Granaten, die im Mietpreis enthalten sind. Die Benutzung eines an der Reeling fest installierten Maschinengewehres soll 475 Dollar kosten.

Damit die Piraten aber nicht doch noch auf dumme Ideen kommen, erhalten die reichen Russen einen Extra-Personenschutz. An Bord des Schiffes halten jederzeit zahlreiche ehemalige Mitarbeiter russischer Sondereinsatzkommandos ein wachsames Auge auf die Gäste. Die russischen Elitekämpfer sollen vor allem in der Nacht für Sicherheit auf dem Kreuzfahrtschiff sorgen - welche Festnahmeregeln im Falle eines wirklichen Überfalls gelten und ob die Bundesmarine wirklich auslaufen wird, um die bedrohten Flibustier vor den ballergeilen Ruthenen zu schützen, wird in einer Uno-Sicherheitsratssondervorstellung Ende August entschieden, die Ergebnisse sollen dann im Wahlkampf verwendet werden.

Woche der Wahrheit bei McDoof

Ist denn schon wieder Woche der Wahrheit? Oder was haben sie den Welterklärern bei Welt und Stern in den Kaffee getan? Erst der Dauerrenitent Broder, der von Israel aus erklärt, dass sich die deutsche Politik ihre NPD nur hält, um eine Trommel zu haben, auf die man draufschlagen kann, wenn das Volk in die falsche Richtung guckt. Und nun Stern-Schreiber Walter Wüllenweber, dem die Tinte zu Sätzen gerinnt, die nach Protestdemo nur so schreiben:

In Deutschland haben die Armen Geld genug. Sie besitzen Spülmaschinen, Mikrowellenherde, DVD-Spieler, meist mehrere Fernseher, die neuesten Handys sowieso. Das listen die Erhebungen des Statistischen Bundesamtes detailliert auf. Hartz-IV-Empfänger verfügen heute über einen höheren materiellen Lebensstandard als westdeutsche Facharbeiter in den 1970er Jahren oder 16 Millionen DDR-Bürger kurz vor der Wende.


So wahr, so klar, so unbeendet. Denn gerade wo keine Armut ist, muss sie bekämpft werden, daran lässt auch Wüllenweber keinen Zweifel. Nur "wenn das Haben der einzige Maßstab zur Beurteilung von sozialen Situationen wäre, wenn nur das monatliche Haushaltseinkommen zählen würde - dann könnten wir uns zufrieden zurücklehnen", schreibt er, denn "dann müssten wir uns um die soziale Gerechtigkeit in Deutschland keine Gedanken machen".

Was wäre das aber für eine Welt? Alle lässig zurückgelehnt, unreich, aber auch unarm! "Soziale Gerechtigkeit" heißt doch eben gerade "soziale Gerechtigkeit", weil sie mit Gerechtigkeit wenig, mit Wortklauberei aber viel zu tun hat. Merke: Wo es kein Gegenteil für einen Begriff gibt, gibt es auch keinen Begriff. Das gilt grundsätzlich, also auch für "soziale Gerechtigkeit", deren Widerpart ja die "unsoziale Gerechtigkeit" sein müsste. Ein Wort, das selbst in einer langen Merkel-Rede auffallen würde.

Beschrieben wird also, was es gar nicht gibt, ein Ziel, das als Zustand unerreichbar bleiben muss, weil es weder definiert noch definierbar ist. Wüllenweber setzt mit den üblichen Vokabeln nach: "Chancengleichheit" und, das scheint ein neuer Einfall, "Chancenungerechtigkeit". Ist aber Gerechtigkeit schon hergestellt, wenn jeder gleich oft würfeln darf? Oder doch erst, wenn jeder die gleiche Zahl an Sechsen beisammen hat?


"Die Almosen vom Staat sind nur ein Schmerzmittel", formuliert der Stern-Schreiber scharf, sie machten "die Benachteiligung erträglich, aber sie beseitigen sie nicht".

Was durchaus im Interesse von Staat und Teilen der Armen liegt, würde man gern hinzufügen, rührte das nicht an ein hierzulande besonders liebevoll respektiertes Tabu. Das befiehlt strikt, mehr Bildung zu fordern, wo ein gern spätaufstehender Genußtrinker mit seinem Leben durchaus zufrieden ist. Es fordert, für mehr Förderung zu plädieren, wo Faulheit und Selbstgenügsamkeit die einzigen Hürden auf dem Weg zur selbstfinanzierten Existenz sind. Und es verlangt, niemals zu erwähnen, dass "Chancengleichheit" als Voraussetzung für "soziale Gerechtigkeit" so lange nicht zu erreichen sein wird, wie Menschen dumm oder schlau, klug oder dämlich, schnell oder lahm und schön oder häßlich geboren werden.

Deukisch

Scheiß auf die Pisa-Studie. Die Berliner Jugend spricht eh nur noch Deukisch. Kein Wunder, geschrieben wird es ja auch.

Gesänge fremder Völkerschaften: Poguen in Polen

Brücken zu bauen nicht nur im Elbetal, sondern weltweit, mit diesem Anspruch ist das Völkerkunde-Board PPQ vor Jahr und Tag angetreten, die verschiedensten musikalischen Entäußerungen der Völker dieser Welt in einer allumfassenden Datenbank der Gesänge fremder Völkerschaften zu bündeln. Ob Saxophon in Schanghai, schüchterner Dylan in Los Angeles oder singender Jangtse-Treidler in China - in der aural nicht immer museumswürdigen Ausstellungen klingender Kurz-Skulpturen hat alles Platz, was singt und drei Akkorde kennt. So auch unsere neueste Entdeckung, der polnische Pogues-Nachbau Trzy Majtki aus Gdansk, das früher Danzig war und noch früher Gdansk. Trzy Majtki heißt allem Anschein nach "Drei Matrosen", auf der Bühne und auf der Cover der CD sind vier Männer abgebildet, die im Auftreten zwischen Red-Hot-Chilli-Peppers-Bassist und Computer-Nerd changieren. Ihre Musik nennen sie "Shanty", für uns klingt es ein bisschen nach den fabelhaften Mora Per aus Schweden, die eine PPQ-Expedition im vergangenen Jahr entdeckte. Was keineswegs mit der Tatsache im Zusammenhang gesehen werden darf, dass das epochale neue Album "Brev till en vän" bisher ein Geheimtipp geblieben ist.

Fremde Federn: Nachgeholter Widerstand

Rituale dürfen nicht so genannt werden, denn sobald der Mythos zum Dogma erstarrt, ist er tot. Henryk M. Broder unterlässt es trotzdem nicht, die Dinge zu nennen, was sie sind - gerade eben in der Welt, die seine Rede "Das Undenkbare denken" nachdruckt. Wer bisher nicht wusste, was die "rechte Gefahr" in Deutschland ist und wozu die NPD gebraucht wird, darf es sich hier erklären lassen. Von einem Juden, falls jemandem das wichtig ist.

Lassen sie sich, schreibt Broder, "von den Berichten über die Umtriebe der NPD nicht täuschen. es droht keine zweite Machtergreifung, die NPD ist ein öffentlicher Störfaktor, aber politisch ist sie vollkommen irrelevant. Niemand will mit ihr etwas zu tun haben. Die Partei hat Mühe, eine Bank zu finden, bei der sie ein Konto eröffnen könnte: Zu sagen, die Nationaldemokraten seien politische Außenseiter, wäre schon eine Schmeichelei, sie sind Aliens auf einer Umlaufbahn, auf der sie ganz allein ihre Runden drehen. wobei sie gelegentlich abstürzen und verglühen. Wie kommt es, werden Sie nun fragen, dass so viel über die NPD geredet und geschrieben wird? Ich will Ihnen diese Frage gerne beantworten.

Sich gegen die NPD zu positionieren, ist der einfachste Weg, sich als Demokrat zu präsentieren. Es ist eine Form des nachgeholten Widerstandes gegen die NSDAP. Weil man damals versagt hat, will man heute nicht versagen. Unter dem Motto „Wehret den Anfängen“ treten Demokraten gegen einen Feind an, den sie erst mit der Lupe suchen müssen. Mehr will ich dazu nicht sagen. Das bedeutet freilich nicht, dass es im wiedervereinigten Deutschland keinen Antisemitismus mehr geben würde. Natürlich gibt es ihn, so wie es ihn in jedem anderen europäischen Land gibt, in einem mehr, im anderen weniger."

Montag, 22. Juni 2009

Canaletto-Blick mit Betoneinfassung

Es ist ein gar seltsames Ding um den grandiosen Blick auf das Elbtal, den die Unesco-Weltkulturerbekommission vor einigen Jahren in den Rang eines zu erhaltenden Erbstücks der Menschheit erhob.

Und das Seltsame ist nicht etwa die Tatsache, dass das natürlich entstandene Tal als menschliches Kulturerbe gilt, nicht aber aber das Grüne Gewölbe, der Zwinger und der Rest der kulturträchtigen sächsischen Metropole. Nein, verwunderlich ist, dass das, was da "Welterbe" genannt wird, genaugenommen nur in der Vorstellung der Welterbekommission existiert.

Der unverstellte Blick das Elbtal entlang ist nämlich eine reine Vorstellung, die sich in der Praxis seit jeher genausowenig verwirklichen läßt wie ein freier Blick den kompletten Grand Canyon in Nevada entlang. An der Stelle, an der die Brückenfeinde monatelang protestierten, wird die Dissonanz zwischen vermeintlich vor der Zerstörung stehendem Weltkulturerbe und der Realität schnell erkennbar: Das Hochufer, von dem aus der Blick die klassischen Flußbiegungen entlangschweifen sollte, ist bis auf 15 Meter Höhe mit Bäumen und Gebüsch zugewachsen. Auch von der erhöhten Terasse der Waldschlösschen-Brauerei geht der Blick nur ins Blattwerk. Man muss schon einen Kran besteigen, den man extra mitgebracht hat (Bild oben), um das Welterbe erahnen zu können.

Und sieht dann vor allem einen wuchtigen Brückenbau aus DDR-Zeiten, den der "Tagesspiegel" jetzt auch zum ersten Mal entdeckte. Was den Autoren des Hauptstadtblattes zehn Jahre nach Beginn des Brückenstreits zur Frage veranlasste, was hier eigentlich womit noch zerstört werden könne, wo doch die Silhouette aus Blickrichtung Waldschlösschen ohnehin von häßlichen DDR-Hochhäusern bestimmt sei. Weltkulturerbe. Canaletto-Blick mit Betoneinfassung.

Diese Frage aber wird sonst sowenig gestellt wie überhaupt nach dem Blick gesucht wird, der angeblich durch den Brückenbau zur Vernichtung freigegeben wurde. Seit Jahr und Tag diskutiert Deutschland aufgeregt, wie sehr Dresden der Verlust des Titels schaden könne, von dem höchstwahrscheinlich 97 Prozent der Weltbevölkerung gar nicht wissen, dass es ihn überhaupt trägt. Oder wussten Sie, dass die Unesco einem Antilopen-Schutzgebietes im Oman, das 1994 in die Liste aufgenommen worden war, den Titel vor zwei Jahren wieder aberkannte?

Wir hier beim Welterbeschutz-Blog sind natürlich nur deshalb nicht in den Oman gefahren. In Dresden tun es uns schon zehn Prozent der Touristen nach, behauptet ein leitender Brückenfeind und Museumschef in Dresden - allein wegen des Streits kommen sie nicht mehr. Wirtschaftskrise? Nie gehört! Einbrechende Touristenzahlen von Warnemünde bis Heidelberg? Kann nicht sein. Auch die jüngste Gewinnwarnung der Lufthansa hat ihre Ursache mit Sicherheit im Brückenstreit.

Die finden aber sicher schnell neue Ziele. Ganze 35 neue "Weltkulturerbestätten" will die Unesco den bisher geadelten 878 in 145 Staaten auf der Welterbeliste hinzufügen, zu denen unter anderem die welterbegerecht langsam wegfaulende Altstadt von Havanna gehört. Neu hinzukommen jetzt die Ruinen von Loropéni in Bukina Faso, die Altstadt der ehemaligen Hauptstadt Ribeira Grande auf Cap Verde und der heilige Berg Sulaiman in Kirgistan.