Mittwoch, 19. August 2009

Geschenke von Gabriel

Fünftausend Energiesparlampen verschenkt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel an die Wähler in seinem Landkreis, um das Verbot der herkömmlichen Glühbirne sozialverträglich abzufedern. Etwa "vier bis fünf Euro", so erklärte der übernächste SPD-Kanzler in der ARD-Rateshow "Hartaberfair", die sich ganz dem Thema Glühlampenverbot widmete, koste eine der Lampen "im Laden".

Die große Frage dabei ist nicht nur, wo sonst als im Laden Sigmar Gabriel kauft, sondern: Zahlt der Bärenpate die fälligen 25.000 Euro aus eigener Tasche? Und wenn das so ist - warum weiß er den genauen Preis nicht? Bekommt Sigmar Gabriel, der auffällig Produkte der Firma Osram lobte, Sonderkonditionen für seine Wahlgeschenke?

Dass der Testfamilie in der Sendung das grelle Licht der Sparlampen gar nicht gefiel, kratzt am Selbstbewusstsein des Volksbeglückers überhaupt kein bisschen. Die vorgestellte reiche Familie könne sich ja vielleicht teures Glühbirnenlicht leisten, viele arme Familien aber seien sicher glücklich, mit Hilfe der Sparlampen viel Geld zu sparen und dafür gern bereit, sich an die neue Art Licht zu gewöhnen.

"Und wem das gar nicht passt", so der Ökobilanzexperte Gabriel, "der nimmt eben eine Kerze". Guter Rat: Die Glühbirne hat einen aufs Licht bezogenen Wirkungsgrad von fünf Prozent, der Rest ist Abwärme. Die Kerze schafft nur ganze 0,04 Prozent - 99,6 Prozent der Energie verpuffen sinnlos. Wenigstens in Sigmar Gabriels Logik, die nicht einberechnet, dass die Heizung in einem Glühbirnengeheizten Raum genau soviel weniger aufgedreht werden muss wie die Glühbirne Wärme spendet.

Wer bietet mehr?

Bei uns im Weltverbesserer-Board PPQ waren schon oft frei laufende Frechheit, Verblendung und Substanzlosigkeit zu begutachten. Manchmal war es nicht sonderlich schwierig, die dummdreisten Milchmädchen auszumachen, hin und wieder haben wir uns aber auch Mühe gegeben, flottierenden Unsinn als flottierenden Unsinn kenntlich zu machen. Der folgende Ausschnitt aus einem Interview mit den Spitzenkandidaten der Linkspartei in Köln, Jörg Detjen und Gisela Stahlhofen, nimmt unserer Meinung nach in dieser Sammlung der tolldreisten Hirnlosigkeiten einen Spitzenplatz ein. Der geneigte Leser mag selber entscheiden, ob wir wieder einmal frisch-fromm-fröhlich-frei dahingeschmiert haben, oder ob diese Preziose ohne unser Zutun im Lokalteil einer regionalen Tageszeitung versendet worden wäre. Zur Information nur soviel: Es geht um die Finanzierung kommunaler Unternehmen und deren Dienstleistungen.

Detjen: Das Problem, Aufgaben durch Outsourcing billiger zu machen, bleibt. Denken Sie an die Debatte um die Bezahlung der Beschäftigten in den städtischen Sozialbetrieben. Überall gibt es Bestrebungen, Beschäftigte der Kommune in privatwirtschaftliche Strukturen zu drängen, um sie schlechter bezahlen zu können.

Wie sollen kommunale Betriebe sonst konkurrenzfähig bleiben?

Stahlhofen: Das ist doch gar nicht die entscheidende Frage. ... Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn.

PPQ-Postkasten: Richtig Geld verdienen

Samer Rafea hat einen Plan, aber leider gar keine Ahnung. Am liebsten wäre ihm, jemand würde ihm dabei helfen, eine gutbesuchte Internetseite ins Netz zustellen, mit der sich "richtig Geld verdienen" (Rafea) lässt. Deshalb hat uns der "große Freund von Wikiseiten", wie er sich selbst nennt, eben eine Mail geschrieben. Schließlich seien wir, das wussten wir noch gar nicht, "Marktführer" auf diesem uns eigentlich völlig fremden Gebiet.

Kurz und gut, Rafea möchte ein Mediawiki installieren und einrichten lassen. Leider fehlen ihm die Programmierkenntnisse, was ihn aber nicht abhält "große Hoffnung" zu haben, "bald eine gute Webseite durch gute Open Sources wie zum Beispiel MediaWiki zu besitzen".

Der Rest im Original für alle, die mitlachen oder dem Entrepeneur gleich die ganze Arbeit erledigen wollen:

Im Moment bin ich noch bei der Recherche, wie ich es am kostengünstigsten hinbekomme (über gute Programmierer und günstige virtuelle Server). Da Sie offensichtlich der Marktführer im deutschsprachigen Raum sind, schreibe ich Sie an.

Ich habe mich schon hiermit beschäftigt Wikipedia. Viele gute Artikel mit Google Ads kombiniert.

Nun, meine Fragen kurz im Detail: 1.Eine Installation + Einrichtung des MediaWiki für ca. 100 Unterseiten, welche weitere Folgeseiten generieren (Ads for Feeds) und ca. 20.000-50.000 selbsterstellte Seiten errichten.

2.Integration von Google Adsense (3) Anzeigen Blöcke im Standard-Layout würde ca. wieviel Zeit kosten?

3.Die Konfiguration der Kategorien + Themenbereiche +Features + XML Feeds usw. würde ca. wieviel Zeit kosten?

4.Das Wiki soll so programmiert sein, dass die "User" bzw. die "Feeds"den Content liefern. Im Sinne eines großen Forum und würde kosten?


Ich hoffe Sie können mit diesen Angaben etwas anfangen und teilen mir mit, was alles noch berücksichtigt werden sollte, um diese Kooperation mit Ihnen zu schaffen!


Falls das noch jemand wissen wollte: Ja, schreibt der künftige Web-Millionär, "ich habe ein Google-Account, bin auch Betreiber von bescheidenen Webseiten( Hosting by Strato) integriert mit Google-Adsense mit der Option, damit auch mal richtig Geld zu verdienen. Diese vielen Hilfsmittel, Werkzeuge zu kombinieren ist schon eine Wissenschaft für sich. Alles unter der Berücksichtigung das ich nur minimalste Programmierkenntnisse besitze."

Wer den Meister direkt anschreiben und seine Hilfe anbieten möchte: Mail

Senioren ohne Schußwaffen

Erste Erfolge des raschen Handelns der Politik nach dem Amoklauf von Winnenden werden derzeit in Schwalmbach gefeiert: Kein von Computerspielen aufgeputschter Jugendlicher, der schlecht bewachte Waffen aus dem Schlafzimmerschrank seines Schützerbruder-Vaters entwendet hat, griff dort zum Gewehr, um sich an der Welt zu rächen. Sondern ein 71-jähriger Senior.

Der Mann, der drei Menschen tötete und einen Mann verletzte, habe, so die Polizei "gezielt auf seine vier Opfer geschossen". Ziel sei es gewesen, die Personen zu bestrafen, die für das langwierige Verkaufsverfahren des Hauses verantwortlich waren.

Bei den Toten handelt es sich um zwei Rechtsanwälte und einen Gutachter des Kreises Viersen. Sie sollten den Wert des Hauses ermitteln, das im Zuge einer Ehescheidung zwangsversteigert werden soll. Der Täter war bereits vor drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt worden, nachdem er zwei Personen mit einem Baseballschläger attackiert hatte. Das Verfahren musste damals wegen Verhandlungsunfähigkeit des Mannes eingestellt werden.


Im politischen Raum bahnt sich unterdessen eine erneute Diskussion zur Verschärfung des Waffenrechtes an. Um künftig Amokläufe noch wirksamer zu verhindern, sollen vorerst Baseballsschläger und ähnliche Gegenstände nicht mehr an Menschen im Rentenalter verkauft werden. Eine Genehmigung zum Kauf erhält nur, wer seine Fingerabdrücke registrieren lässt und daheim einen mit Fingerabdruckscanner versehenen Baseballschlägerschrank besitzt. Verdachtsunabhängige Kontrollen vor allem in Altenheimen sollen sicherstellen, dass Rentnerinnen und Rentner nicht über Schußwaffen verfügen.

Um die Kriminalitätsvorsorge zu verbessern, wird zudem die Strafprozessordnung dahingehend geändert, dass Verhandlungsunfähigkeit kein Kriterium für eine Verfahrenseinstellung ist.

Thierse im Tieftauchgang

Klare Sache, sagt Uwe Biermann bei "welt.de", kann das Entchen nicht schwimmen, ist das Wasser schuld. Und kann die SPD nicht die Wahl gewinnen, weil sie vor allem Dienstwagen fährt, ihre Mitverantwortung für die Finanzkrise zu verstecken sucht und einen Kanzlerkandidaten präsentiert, der so erfrischend ist wie altes Massageöl, müssen die Medien dran glauben.

So hat es Wolfgang Thierse, der große alte Talibanbart-Träger der deutschen Volksdemokratie beschlossen und so soll es sein. "Der journalistische Zeitgeist ist nach rechts gerückt", orakelt der Mann, der Zeit hat, jeden Tag sieben Zeitungen zu lesen: "Ein Großteil der Kommentatoren schreibt die SPD ab und ihre Niederlage herbei", findet er. Das machen die absichtlich, natürlich, gerade die Zeitungen tun das, die der SPD gehören. Ebenso wie die Umfrageinstitute absichtlich so schwache Zahlen für die deutsche Sozialdemokratie herbeifragen.

Thierse, der sich nach Ansicht seines früheren Vorsitzenden Kurt Beck auch "Rasieren und waschen könnte und dann vielleicht Aussicht auf einen Job" nach der Politik hätte, kennt den Ausweg: "Weniger häufige Umfragen", dann klappts auch wieder mit dem Wahlsieg. Was das Volk nicht weiß, macht das Volk nicht heiß! Denn derzeit, so der frühere Bürgerrechtler, von dem zum Abbau der Bürgerrechte durch Internetzensur, Datenspeicherung und wachsende Überwachung kein Zitat überliefert ist, gebe "das Stakkato der Umfragen nicht nur Stimmungen wieder, sondern erzeugt und verstärkt sie auch". Am Ende stehe eine "Stimmungsdemokratie", die Thierse nur gut finden kann, wenn sie Vorteile für seine Partei hat - hat sie die nicht, beklagt er "Sachthemen" seien "immer schwerer zu kommunizieren".

Da hat er mal recht, der Sozialdemokrat, der als die drei Politikangebote der SPD die "Massenarbeitslosigkeit im Zentrum der Wahlauseinandersetzung", das Versprechen "mehr Geld für Bildung ausgeben" zu wollen und eine "seriösere Finanzpolitik als Schwarz-Gelb" nennt und dabei mit Absicht Inhalt und Etikett verwechselt: Gegen Massenarbeitslosigkeit zu sein, schafft keinen Arbeitsplatz, mehr Geld für irgendwas ausgeben würden wir alle gern, können wir aber nicht, weil es alles andere als seriöse Finanzpolitik wäre, auf der familiären Ebene gesehen.

Das Echo auf Thierses verzweifelte Medienschelte ist entsprechend. Verheerend. "Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten", kommentiert "Such die Maus" bei der Welt, die den gegenwartsskeptischen Spruch sogar stehen lässt: "Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht."

Blick zurück nach vorn

Räder rollen, Ketten rasseln, die Zukunft ist ein Land, in dem alle glücklich sein werden, die Alten wie die Jungen, die, die für die Sache stehen, und die, die sich noch gegen den Aufbruch in eine neue Zeit wehren.

Als ehrenamtliches Heimatkunde-Board kredenzen wir ab und zu gern etwas absurd Eigentümliches aus der Region, die vor vier Jahrzehnten im Begriff war, jeden Moment aus der Kokon der entwickelten sozialistischen Gesellschaft hinüberzuschlüpfen in die Ära des nichtendenwollenden Kommunismus, in dem jeder nach seinen Bedürfnissen und nach seinen Fähigkeiten bedient worden wäre. Wobei noch nicht feststand, ob Bedürfnisse prioritär zu Fähigkeiten sein würden oder Fähigkeiten ein Vorrecht vor Bedürfnissen gehabt hätten.

Das ist bis heute ungeklärt, die SPD mag es eher so, die FDP eher andersherum. Schön aber noch mal die filmische Schau über all die neuen Gebäude, die mittlerweile längst wieder abgerissen worden sind oder unmittelbar vor dem Abriß stehen. Räder müssen rollen, Ketten müssen rasseln, denn die Zukunft ist immer noch ein Land, in dem alle glücklich sein werden.

Gesetze mit der Kettensäge

Wer würde da nicht zustimmen? Kaum hat man die geltenden Dienstwagenbenutzungsregeln mal kreativ zu seinem eigenen Vorteil ausgelegt, schon schimpft die ganze Welt auf einen. Wenn korrektes Verhalten zu dem Vorwurf führe, man handle unmoralisch, dann müssten die Gesetze dazu eben so geändert werden, dass so etwas nicht mehr passieren dürfe, fordert Bundesdienstwagenministerin Ulla Schmidt.

Zwei Tage nach dem Geständnis der Gesundheitsexpertin aus dem Konsequenzteam des künftigen Kanzlers aller Deutschen, Walter Steinmeier, dass sie seit Amtsantritt nie ohne ihren Dienstwagen im Urlaub war, muss zugleich auch noch das Bundesurlaubsgesetz geändert werden. Denn Ulla Schmidt hat nicht nur die Dienstwagenbenutzung im Urlaub gestanden, sondern auch einen Verstoß gegen das Bundesurlaubsgesetz: „intensive Arbeit“ habe sie bei ihren Besuchen bei der Hofmalerin des Bundesgesundheitsministerium geleistet, so die Noch-Ministerin. Nach der derzeitigen Gesetzeslage aber darf "während des Urlaubs keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit" geleistet werden - und unter "Erwerbstätigkeit" wird wird "jede Tätigkeit verstanden, die mit Geld oder geldwerten Gütern, etwa der Benutzung des Dienstwagens, entlohnt" werde.

Da sich Schmidt mit ihrer Erwerbstätigkeit während der Ferien, die eigentlich einem Erholungszweck dienen, offensichtlich das Recht zur Benutzung des Dienstwagens verschaffen wollte, muss der Gesetzgeber auch hier noch einmal mit der Kettensäge ran. Neben der Dienstwagenrichtlinie und allen Gesetzen zur steuerlichen Behandlung von Dienstwagen muss auch das Bundesurlaubsgesetz schnell so geändert werden, dass Ulla Schmidt künftig nichts mehr falsch machen kann.

Wagemutige Wahlfahrt

Eine Expedition in die Fremde, ein Ausflug ins Unbekannte, eine Begegnung mit Exotik und enigmatischen Eigenarten der Eingeborenen, das ist es, was die Teilnehmer an der Wahlfahrt09 bei ihrer Reise mit einem klapprigen Bauwagen quer durchs Land zu findn hoffen. Wie das Land so "tickt" in den Wochen und Tagen vor der erneuten "Schicksalswahl" (Helmut Kohl) will das "Team junger Fotografen, Print-, Radio- und Videojournalisten" herausfinden. In 50 Tagen geht es durch 20 Städte, auf der Suche nach dem Unbekannten, nach den großen Geschichten, die sonst keiner schreibt.

Im Falle Halle jedoch kommt raus, was immer herauskommen muss, wenn der Geschichtenerzähler auf einem Bauwagen direkt auf dem Marktplatz residiert und wartet, dass eine Geschichte an die Tür klopft und um Einlaß bittet. Es gibt den üblichen authentischen Eintopf aus Stimmen aus dem Volk, parteipolitisch genau abgewogen: Ein älterer Mann berichtet, warum er die CDU wählt, natürlich ein älterer Mann. Und eine unge Frau aus dem Westen, Überraschung, beichtet, dass sie ihr Kreuzchen bei der Linken machen wird. Noch mehr O-Ton zum Thema warum früher alles besser war und warum Familie Altermal ein neues Schlafzimmer bräuchte.

Das twittert und Facebookt dann über alle Kanäle, auf Vimeo gibt es sogar zwei etwas abgestandene Videos von den Stationen in Görlitz und Eisenhüttenstadt dazu. Sehenswertes oder Interessantes aber hat Deutschland den Recherchen des ost-westdeutschen Journalistenteams zufolge derzeit nicht zu bieten - und so gesehen beschreiben die Werke aus der Wahlfahrt09-Fabrik wiederum recht treffend, wie das Land so tickt, kurz vor der Wahl.

Dienstag, 18. August 2009

Verbot der Woche: Grünen warnen vor Wahlen

Eine intellektuelle Herausforderung sind sie alle, die aktuellen Plakatmotive der grünen Wahlkampagne. Mal zeigen sie verspielt eine Sonne mit Bauhelm, um an die erfolgreiche FDJ-Kampagne "Max braucht Wasser" zu erinnern, mal nimmt eine Bombe in Apfelform augenzwinkernd Bezug auf die Schöpfungsgeschichte, um christlich orientierte Wähler aus ihren Wickelrock-Milieus abzuholen, mal zeigt ein Motiv ganz offen und gar nicht politisch korrekt verfassungsfeindliche Symbole, um aufzurütteln.

Ganz nebenbei verraten die Grünen aber unterschwellig auch die Pläne der Großen Koalition der Nationalen Front für den Tag nach der anstehenden Bundestagswahl: "Die", womit nach PPQ-Informationen nur die derzeitigen Regierungsparteien gemeint sein können, planten im Zuge der PPQ-Aktion "Verbot der Woche" ein unbegrenzt geltendes Wahlverbot. Damit könnten künftig allein Plakatklebekosten in Höhe von 80 Millionen Euro eingespart und in Bildung investiert werden, heißt es in einem gemeinsamen Geheimpapier von Walter Steinmeier und Angela Merkel, das als Reaktion vom Kanzleramt inzwischen als "unredlich" zurückgezogen wurde.

Rocken gegen die Regeln

Rocken gegen die Regeln, das machen Radiohead am liebsten, seit sie mit "Creep" damals fast einen richtigen Hit hatten. Vor kurzem erst ließ Thom Yorke die Welt wissen, dass seine längst in Richtung Jazz abgedriftete Truppe nie mehr ein Album machen wolle, weil ihnen das zu langweilig sei.

Stattdessen werde es immer mal wieder einzelne Songs geben. Den ersten hat Jonny Greenwood, der Klampfer mit der Fußpedalorgel, gerade auf der Bandwebseite öffentlich gemacht. "There Are My Twisted Words", ein Song in drei Geschwindigkeiten gleichzeitig, darf im Moment kostenlos heruntergeladen werden. Was man bekommt ohne Geld sind fünfeinhalb Minuten Geklapper und Gegniedel, am Ende singt Yorke sogar noch, wahrscheinlich die nämlichen Worte, man versteht es nicht genau. In der mitgelieferten CD-Inlay-Datei aber wird behauptet: "written and played by radiohead" und das glauben wir dann mal.

Immer wieder montags

Montags kommt neuerdings keine Post mehr, eine andere Tradition aber hält sich tapfer. An jedem ersten Arbeitstag der Woche sammeln sich in der geschmacklos, aber prachtvoll sanierten Einkaufsmeile von Halle die Angehörigen aller sozialen Bewegungen zur Montagsdemo. Rentner sind dabei, die gegen die Rente mit 67 wettern, Blinde, die für die Beibehaltung des Blindengeldes kämpfen, Mitglieder der Vierten Internationale warnen, dass es nach den Wahlen ans Zahlen gehe, verraten aber nicht, wieviel sie zu kassieren gedenken, wenn man ihnen denn wirklich seine Stimme geben würde.

Gerhard Schröder selbst rief die Geister, die hier spuken, als er damals die "Agenda 2010" verkündete. Die Massen vor allem im Osten gingen auf die Straße, die Enttäuschten und Entrechteten im Westen, geübter im Umgang mit den Möglichkeiten der Demokratie, gründeten die WASG und schufen sich so wenigstens ein paar auskömmliche Jobs abseits von Hartz IV.

Die sieben Aufrechten hingegen, die seit sechs Jahren an der Tradition festhalten, ihren Protest mit einer Trommel, einem Plakat und der immergleichen Protestrede auf die Straße zu tragen, ernten nur Achselzucken, Schmunzeln und ehrliches Bedauern der Passanten für ihren Windmühlenflügelkampf jenseits der politischen Realität: "Wir kämpfen weiter, bis die unmenschlichen Hartz-Gesetze zurückgenommen werden", ruft die Hauptrednerin abschließend. Nächsten Montag seien sie wieder da und sie freuten sich wie immer "über jeden, der sich uns anschließt".

Montags nur Mails

In Sachsen-Anhalt gilt traditionell der schöne Brauch der "Draußen nur Kännchen"-Kultur: Jeder kann sich im selbsternannten "Land der Frühaufsteher" wünschen, was er möchte, gebracht wird trotzdem, was auf der Speisekarte steht. Die Deutsche Post, ein Staatsunternehmen, das seit der Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen läuft wie am Schnürchen, hält es ebenso: Montags gibt es nur noch Mails, keine Briefe mehr, weil sich das Austragen im Sommer einfach nicht lohnt.

Kunden des gelben Riesen hatten schon länger geargwöhnt, dass die Post, zu einem Drittel im Besitz des Bundes, die Zustellung von Sendungen aller Art nicht als Unternehmenszweck, sondern als lästige Zwangsaufgabe sieht. Immer wieder verschwinden Sendungen, andere brauchen Wochen bis zum Empfänger in der Nachbarstadt. Kürzlich flog ein Post-Mitarbeiter-Pärchen am Flughafen Halle-Leipzig auf, das über Monate hinweg hunderte Paketsendungen an sich selbst umadressiert hatte - die Ipod, Laptops und Handys kamen so zwar nicht bei den Empfängern an, ihr Fehlen fiel aber bei der Post auch nicht weiter auf. Denn ein bisschen Schwund ist hier immer - und ein bisschen mehr immer öfter.

Das hat die Deutsche Post jetzt auch freimütig zugegeben: Im Sommer sei "die Produktionskapazität dem Briefaufkommen" angepasst worden, sagte eine Sprecherin. Weil im Juli und August nur etwa 80 Prozent der Sendungen unterwegs seien, habe das Unternehmen "eine Reihe von Leistungseinschränkungen getroffen". Sendungen wurde nicht mehr am Wochenende sortiert, sondern erst am Montag - womit das Rätsel gelöst ist, dass Kunden zuletzt an Montagen nie mehr Post erhielten.

Derzeit plant der Fast-Monopolist, sich als Internet-Unternehmen neu zu erfinden: Über den wegweisenden neuen Service "Brief im Internet" soll dann jeder Briefe im Internet schreiben und versenden können, die die Deutsche Post dann als echte ausgedruckte Briefe bei Tante Karola und Opa Horst abgibt. Aber natürlich nicht montags!

Montag, 17. August 2009

Des Wahnsinns fette Beute


Die Grünen beginnen in Halle den Bundestags-Wahlkampf nicht nur als Erste, sondern auch mit einem Paukenschlag. Als ehemalige Spaß-Partei versuchen die Ökos offenbar, an alte Zeiten anzuknüpfen. Während sich Münte und Gutte noch gegenseitig die Pest an den Hals wünschen, ist der Tofu-Burger unter den deutschen Parteien schon herzhaft dabei, die Grenze zwischen Sinn und Simsalabim zu verwischen. Dürfen Äpfel ab sofort nicht mehr als Handgranaten verwendet werden? Ist explodierendes Obst schädlich für den Weltfrieden? Sind Farben für die Zukunft der Menschheit zuständig? Man weiß es nicht und wird es nie erraten. Doch genau diese Abwesenheit von erkennbaren Inhalten macht die Grünen zu Pionieren. Während die anderen Parteien noch um Rest-Sinn kämpfen, haben sich die Vollkorn-Politiker von solchen Überflüssigkeiten längst verabschiedet. Zum Slogan wird das pure Ressentiment, denn ohne Slogans und Ressentiments kommt man heute einfach nicht durch.

Verdachtsunabhängige Kontrolle

Eine Tatsachenbericht, zitiert aus Real Life:

"Guten Tag. Verdachtsunabhängige Kontrolle”

“…Tag.”

“Darf ich bitte Ihre IP-Adresse und Ihren E-Ausweis sehen?”

“Sicher, Herr Wachtmeister…”

“Unter Ihrer IP wurde vorgestern illegales Filesharing betrieben…”

“Das war ich nicht. Wie Sie sicher in ein paar Millisekunden feststellen können, habe ich eine dynamische IP-Adresse.”

“Nun gut. Sind Ihre Windows Updates und die Anti-Viren-Software auf dem neusten Stand?”

“Sicher. Heute morgen erst hat mein PC automatisch neu gestartet und eine Stunde Arbeit gelöscht.”

“Sie sollten öfter abspeichern.”

“Ja, ich weiß das jetzt auch. Gibt es sonst etwas?”

“Wie ich sehe, haben Sie da einen Werbeblocker.”

“Der ist völlig legal. Ich kenne meine Rechte!”

“Sicher, sicher. Aber bedenken Sie, wenn das jeder machen würde…”

“Würden Sie bitte ihre Arbeit machen?”

“Öffnen Sie doch bitte Mal Ihren Cookie-Speicher…”

“Ist das wirklich nötig?”

“Wir haben Hinweise auf illegale Downloads in Ihrem IP-Bereich. Also stellen Sie sich nicht so an”

“Also gut. Aber nur unter Protest…”

“Na, was haben wir denn da: chefkoch.de, Google, Amazon, Gayromeo?”

“Stimmt etwas nicht?”

“Da sind zwei Cookies von Rapidshare…”

“Na und?”

“Sie wissen schon, was das ist?”

“Ja, ein völlig legaler Service”

“Was haben Sie denn da heruntergeladen?”

“Das geht sie nun wirklich nichts an.”

“Sie wissen schon, dass ich ruck-zuck eine Festplattenvisitation beantragen kann?”

“Ich habe nichts unrechtes getan. Wenn Sie etwas vorzuweisen haben, tun Sie das. Wenn nicht…”

“Schon gut, schon gut. Sie dürfen weitersurfen. Und denken Sie daran: beide Hände auf das Keyboard!”

Eine neue Lüge ist wie ein neues Leben

Erst war es eine Dienstfahrt, dann ein Skandal, dann wurde es zur Privatfahrt und nun war das die allererste: Dienstwagenministerin Ulla Schmidt, Speerspitze der Volksgesundheit im Konsequenzteam des künftigen Kanzlerdarstellers Walter Steinmeier, hat lange nachgedacht und auf eine Anfrage der FDP nun eine ganze Palette an Begründungen dafür gebracht, warum sie in der Vergangenheit wann und wo und wie völlig zurecht einen Dienstwagen mit im Urlaub hatte.

Seit 2004 war die gepanzerte Dienst-Limousine immer mit vor Ort, wenn die Gesundheitsministerin klimafreundlich in Spanien urlaubte - für die Überführung der Limousine samt Fahrer von Berlin nach Alicante zahlte jeweils der Steuerzahler. Erst nachdem ihr das Auto in diesem Jahr bei einem dienstlichen Besuch bei der Hofmalerin des Gesundheitsministeriums in Alicante gestohlen wurde und die Wellen der Empörung über die 2500-Kilometer-Dienstfahrt hochschlugen, überlegte sich Ulla Schmidt eine neue Rechtsgrundlage für ihre Dienstwagenausflüge. In diesem Jahr rechnete sie die Fahrt erstmals als Privatfahrt ab.

Schon im Kindergarten lernt man eigentlich, dass der sich ins Unrecht setzt, der seine gerade geplatzte Lüge mittendrin mit einem schnellen "aber" in eine nue umtauschen will. In Deutschland aber klappt das: Die als "Tagesschau" regelmäßig wiederaufgeführte DDR-Nostalgiesendung "Aktuelle Kamera" war heute ermächtigt zu erklären, dass Ulla Schmidt im Urlaub viele Dienstfahrten gemacht habe, für jede einzelne eine handgeschnitzte Begründung vorweisen könne und die Dienstwagen-Affäre damit gar keine sei.

Birnen-Berge in der Blindenanstalt

Ein schöner Erfolg weitsichtiger Verbotspolitik sind die mitten in der Wirtschafts- und Absatzkrise explodierenden Verkaufszahlen für herkömmliche Glühbirnen. Seit die große Koalition der Nationalen Front beschlossen hat, dass seine Untertanen das traditionell beliebte Leuchtmittel ab dem 1. September nicht mehr käuflich erwerben dürfen, stürmen die irregeleiteten Käufer die Geschäfte, um sich für die vor uns liegenden glühbirnenlosen Zeiten gewaltige Vorräte anzuschaffen.

Erstmals wird so nicht Schulden gemacht auf Kosten der Zukunft, sondern auf Kosten der Gegenwart gespart. Mutmaßlich länger als ein Jahrzehnt würden die gehamsterten Birne-Berge ausreichen, alle deutschen Wohnzimmer zu beleuchten, vermuten Experten - der Energiesparbeschluss der EU, die der Bundesregierung befohlen hatte, die matten und klaren 100 Watt starken Glühlampen zuerst zu verbieten und dieses Verbot dann nach und nach auf alle anderen Wattstärken auszuweiten, war zwar eigentlich als milliardenschweres Förderprogramm für Energiesparlampen gedacht, erreicht aber auch so seinen Zweck, politisches Handeln zu simulieren, wo das Volk beunruhigt auf jemanden wartet, der ihm den Ausweg aus der Klimakatastrophe zeigt.

Dass es die ausgeknipste Glühbirne sein wird, die die Erderwärmung stoppt, steht jedoch kaum zu befürchten. Das Argument, eine herkömmliche Glühbirne verwandele nur fünf Prozent des verbrauchten Stroms in Licht, der Rest "verpuffe zu Wärme" hält natürlich keiner Überprüfung stand: Denn wo eine Glühbirne im klimatisch derzeit überwiegend unter Zimmertemperatur liegenden Deutschland Räume einfach mitheizt, muss nach der Umstellung auf Energiesparlampen künftig zugeheizt werden, um dieselbe Wärme im Raum zu haben.

Abgesehen davon ist der Ersatz auch nur dort richtig sparsam, wo das Licht länger als eine Stunde am Stück brennt. Überall sonst verbraucht die Energiesparlampe umgerechnet auf die Leuchtminute sogar mehr Strom als die gute alte Glühbirne, der 1961 schon Ady Berber als "blinder Jack" in der Edgar-Wallace-Komödie "Die blinden Augen von London" hatte den Garaus machen wollen (Foto oben).

Fleißiges Flieschen

Er lässt nicht nach, er gibt nicht auf, der Kachelmann von Halle, der seit Jahren damit beschäftigt ist, die komplette Innenstadt von Halle neu zu verfliesen, um der in der Historie stets unterschätzten Saale-Metropole endlich den verdienten Titel einer Unesco-Weltkulturerbestätte als erste Freiluft-Kachelkunst-Galerie zu verschaffen. Selbst dort, wo er mit seinem gigantischen Unterfangen schon erste Erfolge erzielt hat, justiert der große Unbekannte der mitteldeutschen Fliesenlegerei sein Werk gelegentlich nach: Ein Team aus freischaffenden Kacheleologen entdeckte jetzt in der Ludwig-Wucherer-Straße aktuell durchgeführte Ergänzungsklebungen an einem bei Freunden und Anhängern des Klebe-Künstlers bereits als klassisch geltenden Kachel-Triptychon: Auf der bisher farblosen Fuß-Fliese wurde eine Käferklebung hinzugefügt, die Mittelfliese erhielt eine neue, reinweiße Grundierung, von der Experten annehmen, dass sie direkt vor Ort an der Wand von der Hand Kachel Gottes selbst ausgeführt wurde.

Weitere Sichtungen wie immer gern an politplatschquatsch@gmail.com, alle bisherigen Arbeiten des Kachel Gott von Halle im großen Online-Kachelverzeichnis.

Sonntag, 16. August 2009

Sonnenlicht des Sozialismus

Bei Reparaturarbeiten am "Roten Turm" auf dem Markt von Halle an der Saale wurde eines Tages ein Brief gefunden, verfasst von einem Arbeiter im Jahre 1897 und an die Nachfahren adressiert. Der Mann schrieb: "Seid gegrüßt, Ihr kommenden Geschlechter. Im Sonnenlicht der sozialistischen Gesellschaft werden Geschlechter leben, die sich nicht in das geistige Elend zurückversetzen können, welches unsere Zeit so schrecklich macht..."

Glück für ihn, dass seine Zeilen gerade noch rechtzeitig entdeckt wurden, um im Sommer 1981 einer 35.000-köpfigen Menschenmenge bei einer "machtvollen Manifestation auf dem Hallmarkt", wie die Heimatzeitung lobte, verlesen werden zu können.

Zehn Jahre später schon wäre das Schreiben wegen erwiesener Verherrlichung des falschen Sonnenlichts augenblicklich im Stadtarchiv gelandet.

Mechaniker der Macht

Er ist - wenigstens glaubt er das von sich selbst - der letzte der großen Aufrechten, der Politik nicht für sich selbst betreibt, sondern weil er die Welt besser, gerechter und glücklicher machen will. Franz Müntefering, angesichts der verheerenden Umfrageergebnisse für seine Partei zunehmens zornig auf das Wahlvolk, scheint mittlerweile bereit, jeden meineid zu schwören und jede Beleidigung zu äußern, wenn ihm das für eine halbe Stunde zwei Zeilen im Videotext bringt.

Für Klimakanzlerin Merkel, so nörgelt der SPD-Chef, stehe nicht die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit an Nummer eins, sondern die eigene Karriere. Weil die CDU-Chefin das SPD-Versprechen, nach einem Wahlsieg schnell Vollbeschäftigung zu schaffen, gespreizt als "unredlich" bezeichnet hatte, ziehe er den Schluss: "Die große Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist ihr egal.“

Wie die Bundeskanzlerin interessiert sich allerdings natürlich auch Franz Müntefering in Wirklichkeit nicht für Arbeitslose oder für die "Schaffung von Arbeitsplätzen", sondern ausschließlich für Wählerstimmen, wie die unbestechliche Analyse der Google-Timeline zum Suchbegriff "Müntefering + Arbeitslose" verrät. Vor einem Jahr etwa hatte der Franz, der Wahlkampf kann wie kein andere, das Thema zum Beispiel völlig links liegenlassen. Auch längerfristig verraten die Kurven vor allem eins: Naht eine Wahl, schwatzt die Müntefering-Maschine über Arbeitsplätze, Gerechtigkeit und Soziales, ist der Wahltag überstanden, lässt der Eifer schlagartig nach.

„Frau Merkel hat von Anfang an eine Politik unter der Maßgabe gemacht: Was muss ich tun, damit ich Kanzlerin bleibe? Sie hat nicht zuerst gefragt: Was ist gut und nötig fürs Land?“, klagt der greise Parteikämpfer, der es ganz genauso hält: Ein Manager der Macht, der selbst sein Gewissen als Waffe im Kampf um den eigenen Vorteil einsetzen würde. Hätte er denn eins.

Musenkuss in Marrakesch

They found us in the courtyard at our table in the shade
We toasted our last few moments and then the end came
They took us back to the airstrip in that beaten up old car
And we rattled across the African scrubland in silence
Our hands locked together with cold steel cuffs
Sometimes I wish it was still that way

Now a whole world has died since then, so many faithless days
I was born alone and lucky and I'm just used to it that way
My dice still roll in sixes and yours still turn up ones
And I have taken my good fortune and I've run and run
But I always swore I'd come back for you
Is it too late now to come back for you ?



Now beneath this lonely junction on the northbound M6
We spray our words of signature on the concrete bridge
And between the words of wisdom and the slogans of despair
Someone's just gone and written 'I'm sorry' there
Well I always swore I'd come back for you
Is it too late now to come back for you?
You're the only one I'll ever love