Freitag, 10. Juli 2009
Donnerstag, 9. Juli 2009
Gesänge fremder Völkerschaften: Sächsische Beeren für die Beatles
Knut knutscht Porno-Star
Berlin feiert. Berlin trauert. Gerade erst war bekannt geworden, dass der Zoologische Garten Berlin den Kampf um Eisbär Knut gewonnen hat. Mehr oder weniger jedenfalls. Der Zoo Neumünster, der Knuts Papa Lars an Berlin ausgeliehen hatte und somit eigentlicher Besitzer des Kult-Patenkindes Sigmar Gabriels ist, bekommt satte 430.000 Euro. Zu zahlen in drei Raten. Zoodirektor Blaszkiewitz nahm es mit einem Lächeln. Und winkte mit seiner Vier-Finger-Hand in die Gerichtsrunde. Dafür darf Knuti nun in Berlin bleiben. Die Fan-Gemeinde feiert.Eine andere trauert. Denn es wird nie, nie wieder Film von und mit Berlins Pornosternchen Leonie geben. Die junge Dame hat sich für die Familie entschieden. Mutter einer Tochter, will sie nun auf gar keinen Fall zurück ins Pornogeschäft. Damit ist sie allerdings weg vom Fenster und aus den Schlagzeilen. Aber vielleicht besucht sie ja mit ihrer Kleinen mal uns Knut. Und kuschelt ne Runde mit ihm. Wär doch ne schöne Schlagzeile: Kuschel-Knut knutscht kuscheligen Kult-Pornostar.
Gefährder Tarzan
Kinder, wie die Zeit vergeht! Vor genau 50 Jahren begann die Bundesrepublik, ihre Bürger mit einem Verbreitungsverbot für bestimmte Druckerzeugnisse vor dem Schund und Schmutz zu schützen, von dem die gegenüberliegende DDR wusste, dass das größere Deutschland eigentlich darauf gründete. Die Rote Liste der verbotenen Bücher, Filme und Schallplatten wird nur in einem Mitteilungsblatt namens "BPjM-Aktuell" veröffentlicht und enthält als ersten Eintrag mit dem Datum vom 9. Juli 1954 das Verbot von zwei Comic aus der "Tarzan"-Serie: Von "Der Riese aus grauer Vorzeit" und "Tarzan - Der Urwald brennt". Auf den Tag genau 32 Jahre, nachdem der spätere Tarzan-Darsteller Johnny Weismüller in Alameda, Kalifornien in 58,6 Sekunden einen neuen Weltrekord über 100 Meter aufgestellt hatte, stand hierzulande fest, dass die Hefte auf Jugendliche "nervenaufpeitschend und verrohend wirken" und sie "in eine unwirkliche Lügenwelt versetzen". Dagegen schritten die ersten Zenseure der jungen Republik mit aller Entschiedenheit ein: "derartige Darstellungen", so hieß es, seien "das Ergebnis einer entarteten Phantasie".
Hetze gegen Hass
Prinzipiell trete seine Vereinigung gegen Zensur ein, hatte Rose zuvor auf dem Podium betont, zumindest gelte das, solange die Freiheit der Information dem Schutz von Minderheiten wie den Sinti und Roma diene. Gerade die aber würden durch die mißbräuchliche Nutzung der Meinungsfreiheit "in immer schlimmeren Maße bedroht und mit rassistischer Propaganda diffamiert". Dies stelle eine Gefahr für den Rechtsstaat dar. "Viele" Internetseiten, so der Kämpfer gegen Netzzensur, der sie alle durchgezählt hat, "erinnerten inzwischen an den "Stürmer" in der Zeit des Nationalsozialismus".
So werde Musik der Gruppe "Landser" tausendfach über Videoportale wie YouTube verbreitet, obwohl "Landser" hierzulande als kriminelle Vereinigung verurteilt worden sei. Und jedesmal, wenn er sich nach dem Anschauen eines solchen Clips beschwere und das Herunternehmen des Videos verlange, werde es kurze Zeit später wieder eingestellt - dann aber manchmal sogar unter dem Stichwort "Netzwerk gegen Zensur". Da ein strafrechtliches Vorgehen gegen dieses "Treiben" (Rose) kaum möglich sei und er sich nach entsprechenden Suchanfragen zum Thema "Landser", die er bei Youtube eingebe, nicht immer wieder neu beleidigen lassen wolle, sei es unbedingt nötig, "neue Mittel und Wege" zur Bekämpfung von Hassseiten zu finden.
Den Vorschlag, künftig einfach nicht mehr nach "Landser"-Videos zu suchen und zufällig gefundene Landser-Videos nicht mehr anzuschauen, lehnte Romani Rose ab. Diese Lösung sei zu einfach.
Drebbe jewischt im Mansfeller Land
Kachelland ist abgebrannt
Und ist der Handel noch so klein
Muhammed Turlak ist kein großer Musiker, aber ein Händchen für Geschäfte hat er. Vor zwei Wochen kaufte der Münchner beim Internet-Auktionshaus Ebay eine hübsche Takamine-Gitarre, die der Verkäufer aus Geldnot loswerden musste. Turlak übernahm nicht nur die Gitarre, sondern für seine 281 Euro Kaufpreis auch den kompletten Auktionstext des Verkäufers: Kaum war er zu Hause angelangt, stellte er die Klampfe, deren Ladenpreis bei rund 500 Euro liegt, wieder zum Verkauf. Gestern nun wurde er belohnt: 351 Euro brachte die Aktion ein - 24 Prozent Gewinn in einer Woche. Bis zum Ladenpreis sind es noch knapp 150 Euro - vermutlich wird das Instrument also nächste Woche wieder bei Ebay stehen und auf den nächsten Käufer warten.
Yahoo macht zu
Einsam wie ein tonloser Rufer in einer Wüste aus Lärm warnen Experten hier beim Technikfolgeabschätzungsblog PPQ seit Jahren vor dem Untergang der geheimnisvollen Entität, die wir "Internet" nennen. Verlacht und verdammt worden sind mutige Männer und weitsichtige Frauen dafür, dass sie offen ausgesprochen haben, wie das Schicksal von Yahoo, Google, Ebay und all der anderen großen Namen im Netz aussehen wird: Verschwinden werden sie, wie die Inkas verschwunden sind.Yahoo geht jetzt einen ersten, wichtigen Schritt hin zu einer Welt, die ihren Neuigkeitsbedarf wieder über anständige Zeitungslektüre stillt: Geocities, der "Assistent und Community für die kostenloser Erstellung von Web-Sites", wird am 26. Oktober 2009 geschlossen.
Mittwoch, 8. Juli 2009
Der Himmel über Halle VII
Einst sah man hier noch Schornsteine. Die sind schon lange weg, das Kraftwerk Trotha läuft nicht mehr mit Kohle, sondern mit Erdgas. Und so schieben sich auch keine schwarzen Rußwolken mehr dazwischen, wenn man aus seinem Kröllwitzer Garten in den Himmel über Halle schaut.
Wer weiß schon wie, wer weiß schon wann
Zuerst sollen China und Indien gefragt werden, ob sie mit zwei Grad einverstanden wären. Anschließend sollen Verhandlungen darüber beginnen, wieviel weniger Kohlendioxid welcher Staat künftig ausstoßen soll. Konkrete Zahlen für die langfristige Reduzierung von Treibhausgasen wurden nicht vereinbart, bei Experten gilt die Festlegung der Zwei-Grad-Grenze allein als ausreichend für die Rettung der Welt. In einer letzen Verhandlungsrunde wollen die Staatsschefs dann festlegen, ob die Zwei-Grad-Regelung bis ans Ende aller Tage gelten oder eine Öffnungsklausel für Nachverhandlungen ab dem Jahr 7324 enthalten sein soll.
Ja, er lebt noch!
Es war eine der bewegensten Trauerfeiern, die jemals im Staples-Center von Los Angeles stattgefunden haben. Milliarden vor den Fernsehschirmen weinten, Amazon verzeichnete einen nie gekannten Ansturm auf die unvergleichlichen CDs des jüngst verstorbenen Pop-Sängers, Tänzers, Komponisten, Choreographen und Freund aller Kinder Michael Jackson.Der ist nach seinem erfolgreichen Comeback nun jedoch Gegenstand zahlreicher Gerüchte und Spekulationen. Dass der Sarg mit den sterblichen Überresten des selbsternannten "King Of Pop" geschlossen blieb und der weiter erblasste Leichnam entgegen anderslautender Absprachen zwischen der Jackson-Familie und CNN nicht öffentlich gezeigt wurde, deutet nach Ansicht von Experten darauf hin, dass Michael Jackson in Wirklichkeit noch lebe. Vermutlich sei er nach Nordkorea gebracht worden, wo mit Elvis Presley und John Lennon bereits seit Jahren prominente Pop-Aussteiger Zuflucht gesucht haben.
Pjöngjang habe sich in den zurückliegenden Jahrzehnten zum Fluchtpunkt zahlloser ehemaliger Rockrebellen gemausert, die in der abgeschotteten asiatischen Metropole - zusätzlich getarnt durch Hansaplast-Streifen im Gesicht, eine Anglermütze und eine Kaputze (Foto oben) - unter dem persönlichen Schutz des begeisterten Popmusikfans und Diktators Kim Jong Ill stehen. Hier liege auch der einzige Grund, warum Nordkorea von der internationalen Staatengemeinschaft noch immer am Leben erhalten und die Einreise ins Land streng reguliert sei. Die Weltöffentlichkeit solle keine Gelegenheit erhalten, zu entdecken, dass Größen wie Janis Joplin, Jimi Hendrix oder John Bonham ihren Tod nur inszeniert hätten, um sich ins Privatleben zurückzuziehen.
Dienstag, 7. Juli 2009
Finde die sieben Unterschiede
Was macht Demmler eigentlich? Gab es nach seiner öffentlichkeitswirksamen Verhaftung und dem nachfolgenden Selbstmord eine Trauerfeier? Kam die auch im Fernsehen?
Der letzte Tanz im Liegen
Eine ganze Woche hat er genervt wie selbst zu besten Quieckgesangzeiten nicht. Michael Jackson auf allen Kanälen, Michael Jackson auf allen Sendern. Selbst wer nicht wollte, durfte dabeisein auf dem Weg des "Superstar" in die ewigen Jagdgründe des Popgeschäfts. Jackson, zu Lebzeiten ein vergessener Held der 80er, dessen letzte Hits aus den 90ern datierten, wurde im Hinscheiden zur Heroenfigur für die Geschichtsbücher. Obsessiv pflegte eine mediale Weltverschwörung das Bild des dürren kleinen Mannes mit dem halbweggefaulten Gesicht: Ein "King of pop" soll der Zwerg in den napoleonischen Phantasieuniformen plötzlich gewesen sein und ein großer Musiker auch noch.Die Kinderschänderei, der Jackson einen Gutteil seiner späten Tage widmete, hatte kaum einen Platz mehr im Panoramagemälde vom seltsamen Herren der "Neverland"-Ranch. Das Volk folgte folgsam: Wie auf einen geheimen Befehl hin kauften die Massen sich Alben mit der Musik des Mannes, der gemeinsam mit Benny aus der Olsenbande als letzter Galoschenträger in die Weltgeschichte eingehen wird.
Ein Verdienst, das zweifelsohne alle anderen Leistungen überstrahlen wird. Jackson, der seinen letzten Tanz im Liegen, aber vor der größten Kulise seiner Laufbahn absolvieren wird, ist noch nicht begraben, aber schon so gut wie vergessen: Im Herbst noch eine Live-CD, später noch ein Album mit unveröffentlichten Aufnahmen und zu Weihnachten dann der Luxus-Pack mit allen DVDs und berührenden Backstage-Aufnahmen aus seinen letzten Tagen. Noch zwei, drei große Geschichten vom Streit ums Erbe, dem Streit um die Kinder und den zum geheimen Grab wallfahrenden Fans. Das wars dann. Abschied für immer. Und endlich Aufatmen.
Papst will liebevollen Weltdiktator
Kurz vor dem Ausbruch der großen Krise hat Papst Benedikt zum Glück noch mal richtig fett in Gold investiert, so dass die Kurie mit einem blauen Auge durch den Zusammenbruch der Märkte gekommen ist. Dennoch mag der Heilige Vater sich eine Wiederholung des großen Weltenbrandes nicht vorstellen: Kurz vor den G-8-Gipfel hat er heute seine neue Enzyklika "Caritas in Derivate" (zu deutsch: "Die Wahrheit in Verbriefungen") vorgelegt, in der er die Einrichtung einer neues Weltregierung anmahnt und vorschlägt, dass auch nach dem Abklingen der Krise ein permanenter Krisengipfel für anhaltende Aufregung allerorten sorgen soll."Der Papst", analysiert die Illustrierte "Spiegel, "hat offensichtlich das Vertrauen in die bestehende Ordnung verloren". Anstelle des wilden, von Eigeninteressen getriebenen Wirtschaftens auf der Welt stellt sich Benedikt eine zentral gesteuerte Weltwirtschaft vor, über die "eine echte politische Weltautorität" jenseits von Uno und WTO bestimmt. Infrage käme beispielsweise Gerhard Schürer, der als ehemaliger Planungschef der DDR Erfahrung damit hat, die Herstellung der tausend kleinen Dinge, nach denen es den Menschen immer wieder und häufig ohne wirklichen Grund verlangt, zu organisieren.
Nach Ansicht von Papst Benedikt könne die künftige Weltregierung (Bild oben mit Schürer, 7. von links)) ruhig autoritär bestimmen, wo es lang geht. Ähnlich wie Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sieht der Heilige Vater Vorteile im Prinzip Befehl und Gehorsam: "Die ganzheitliche Entwicklung der Völker und die internationale Zusammenarbeit erfordern, dass eine übergeordnete Stufe internationaler Ordnung für die Steuerung der Globalisierung errichtet wird." Ecclestone hatte der ehemaligen deutschen übergeordneten Stufe nationaler Ordnung, einem Mann namens Adolf Hitler, bescheinigt, er habe wenigstens die Macht gehabt, Dinge durchzusetzen. Benedikt XVI. schwebt etwas Ähnliches vor, "um die Weltwirtschaft zu steuern, die Ökonomien zu sanieren, den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren".
Das Gremium könnte in Zukunft Preise festlegen, Visa erteilen, Flüsse sauberhalten und per Dekret angeschlagene Autobauer sanieren, um die Erde endlich zu einem wirklichen Paradies zu machen. Einen Termin für die Ausrufung des umfassenden Weltfriedens hat Papst Benedikt in seiner wegweisenden Schrift noch nicht festgelegt, Experten rechnen aber damit, dass der erste liebevolle Weltdiktator bereits in den nächsten zwölf Monaten gewählt wird. Gerhard Schürer, der heute als Pensionär in Mecklenburg lebt, hat gegenüber PPQ erklärt, er freue sich schon auf seine neue Aufgabe.
Verbot der Woche: Badehosen
Immer noch gibt es gesellschaftliche Bereiche, die nicht ausreichend reguliert und geordnet sind. Weil die Europäische Union auch in Sachen Bademoden nach wie vor noch keine ausreichend exakten europaweiten Regeln erlassen hat, ist die Gemeinde Allstedt im sogenannten Mansfeld-Südharz-Kreis jetzt auf eigene Faus vorgesprescht: Badehosen, die über die Knie reichen, wurden im Zuge der PPQ-Aktion Verbot der Woche jetzt verboten. "Watershorts" seien "zu lang", unhygienisch und damit nicht in der Lage, zum Bevölkerungswachstum beizutragen.Auch umwelttechnisch trügen die langen Badehosen nicht zur Gesundung des Weltklimas bei. "Träger langer Badeshorts schleppen zu viel Wasser aus dem Becken heraus und verteilen es auf dem Rasen", heißt es bei den Verantwortlichen, die weiter auf eine europaweite Regelung drängen. Es musse in punkto Tragevorschriften für sogenannte Badeshort zu einer europaweiten Harmonisierung kommen, um Wettbewerbsnachteile auszugleichen. Sei Brüssel nicht bereit, eine entsprechende Verordnung zu erlassen, müsste ein kerneuropa aus Deutschland, dem katholischen Polen und den an Auslandsurlaub ohnehin wenig interessierten Franzosen "vorangehen", sagte ein Sprecher.
Reagiere die EU-Kommission dennoch weiterhin nicht, müsse die Bundesregierung noch vor der Sommerpause handeln und die Maße für möglichst knappe Badebekleidung wenigstens bundesweit verbindlich festschreiben. Der Minikini könne so zur Standardkleidung werden, sagte ein Sprecher. "Das schützt die Ressourcen und ist nachhaltig, auch für kommende Generationen."
Montag, 6. Juli 2009
Was muss, das Asmussen
Wofür wir gern werben: Der Todestest
Immer wieder überrascht uns unser Werbepartner Google mit schrägen und extraabgefahrenen bunten Werbebannern, mit denen wir dann wiederum unsere geschätzte Leserschaft überraschen und verblüffen können. Neues Highlight des formschönen und informativen Angebots in unserer kleinen und exklusiven Serie "Wofür wir gern werben" ist nun - nur knapp abgesetzt von der "Gotteslästerung", für die wir kürzlich unfassbare Fantastrilliarden einstreichen durften - der originelle "Todestest", mit dem jeder Interessierte mal eben schnell seinen Todestag ausknobeln lassen kann. Im günstigen Fünf-Tage-Paket kostet der Service nur ganze 2,99 Euro, die erst nach Bekanntgabe des jeweiligen Sterbedatums abgebucht werden. Wer im Servicezeitraum stirbt, ist von der Zuzahlung befreit.
Die Gitarre des Grauens
Herzzerreißend. Eine Tragödie ja fast! Und wie hilfreich Muhammed Turlak denen entgegenkommt, die ihm sein Lieblingsinstrument abkaufen, um ihn aus der schrecklichen finanziellen Notsituation zu retten: "Achten Sie bei den anderen online-shop Aktionen auf den Vermerk "B-WARE" oder VORFÜHR-GERÄT. Bei meiner Gitarre handelt es sich um eine 1A-Gitarre in Top-Zustand !!!"
"So, und jetzt zu den Facts", endet der Eintrag des Gitarrenfreaks aus München, der die wahre Geschichte verschweigt: Hier handelt es sich um die Gitarre des Grauens, die jeden, der sie spielt, ins Unglück stürzt. Nur drei Tage, bevor Muhammed Turlak Besitzer des Instruments wurde, hatte ein Verkäufer namens Yeah_XXL die Takamine EG-531 SSC über Ebay verkauft, weil er "aus Geldnot" dazu gewungen war. Auch der Rest seiner Verkaufsanzeige ist identisch mit der, die Muhammed Turlak jetzt verwendet. Erlös damals 281 Euro. Mal sehen, ob Turlak, der sie am 28. Juni gekauft, zwei Tage gespielt, und am 1. Juli zum Verkauf eingestellt hat, mehr rausholt.
Ein S bessser
Der künftige sozialdemokratische Kanzler Walter Steinmeier hat sich ein Logo für seine erfolgreiche Wahlkampagne schneidern lassen, das es in sich hat. Über der Schrift "Steinmeier 09", der noch knapp das Parteikürzel "SPD" hinzugefügt wurde, weil 99 Prozent aller Wahlberechtigten in Deutschland sich immer wieder fragen, ob Steinmeier nun eigentlich Kommunist, Liberaler oder gar Christdemokrat ist, prangt selbstbewusst ein dreifaches "S" in den belgischen Nationalfarben.Gewagt, gewagt, denn wer jemals eine Broschüre der Bundeszentrale für Politische Bildung in der Hand halten oder eine Grundschule in der verschiedenen DDR besuchen durfte, weiß, dass das Doppel-S hierzulande eine unselige Geschichte hat, seit Heinrich Himmler beschloß, seine Schutzstaffel nicht kernig mit "SchS", sondern mit "SS" abzukürzen und als Schriftart eine Blitzrune zu verwenden.
Auf die vertraut auch der Sozialdemokrat, doch setzt er zum Zwecke der Unterscheidung auf drei S-Runen. Leider ohne das klar wird, wofür sie stehen. "Steinmeier Schafft S?" "Sozialdemokratischer Super-Sieg"? Ein "S" besser? "Steinmeiers schickes Signet"? Oder gar "Steinmeier-SS"?
Polizeimeldung der Woche: Der Alkcotest
Dülmen, Auf dem Quellberg (ots) Ein 18-jähriger Dülmener befuhr am 04.07.2009 gegen 00.25 Uhr mit seinem Pkw die Straße Auf dem Quellberg" unter Einfluß alkoholischer Getränke. Er wurde angehalten und kontrolliert. Ein vor Ort durchgeführter Alkcotest verlief positiv. Bei dem Betroffenen handelt es sich um einen jungen Fahranfänger der sich noch in der Probezeit befindet. Die Weiterfahrt wurde untersagt, eine Strafanzeige wurde gegen ihn gefertigt. Originaltext: Polizei Coesfeld
Der Himmel über Halle VI
Sonntag, 5. Juli 2009
Circus Bizarrus: Tanz auf der Tartanbahn
Ein Circus Bizarrus mit Baumstammwerfen, Männern in Lederwämsen und feuerspuckenden Frauen, bei dem die Überbleibsel der Grufti-Bewegung in ihren Schnabelschuhen neben Odin-Jüngern mit urgermanischen Met-Wampen zum nervtötenden Fiepen schottischer Dudelsack-Orchester schunkeln. Zehn- oder gar fünfzehntausend Highland-Hungrige sind auch diesmal im Flachland zusammengeströmt, gemeinsam das Knoblauchbrot zu brechen, Trinkhörner voll Kirschmet zu trinken, testweise Blechschwerter zu schwingen und auch mal so einen feschen Schottenrock anzuprobieren.
"Mein Leben für Odin", trägt einer als Bekenntnis auf dem T-Shirt, der andere erinnert mit "Der Gott, der Eisen wachsen ließ, wollte keine Knechte" an Ernst Moritz Arndt, und ein dritter, zünftig im Lederpanzer, mit auf den Arm tätowiertem "Unsere Ehre heißt Treue" an einen anderen großen Verehrer von germanischen Götterkulten. Dazwischen gibt es Naturdarm-Wurscht vom Schwenkgrill und Ärger mit der Polizei, als die alternativen Inhaber einer hölzernen Kinderrutsche Anzeige erstatten müssen: Ein Erwachsener hat die Einnahmequelle der Familie zerstört, jetzt soll eine Polizeibescheinigung helfen, den Schaden ganz unalternativ von der Versicherung ersetzt zu bekommen. Die Beamten stehen ein bisschen staunend vor den rohen Brettern, die eben noch eine bei Kindern höchst beliebte Rutschbahn gewesen sein sollen. Versicherungsschaden?
Eine wunderliche Parallelwelt tut sich dem Besucher auf, schaut er einen Moment länger in die härenden Hauszelte, in denen die mittelalterlich gewandeten Profi-Vorzeitler die Zeit zwischen Auftritten als Feuerschlucker, Lanzenwurflehrer oder germanischer Reiter verbringen.
Der Tag ist voller wunderlicher Wettbewerbe, das tinnitusähnliche Geräusch musizierender Dudelsack-Divisionen schwebt über dem Gelände, auf dem "Drachentöteshow" und und schottisch-jakobitischer Breitschwertwettkampf mit der großen Heimdjall-Reitshow um Zuschauer wetteifern. Mit Einbruch der Dunkelheit naht der kultische Höhepunkt der Regressionsversammlung: Das Hereintragen der Ebronen-Elfen-Prinzessin auf den Schultern einiger hochgewachsener Umzugsmitarbeiter, um die herum selbsternannte Zauberer, Druiden und als Bäume verkleidete reife Frauen wirbeln, wird von Tausenden begeistert gefeiert, obgleich es, wohl eine Referenz an die dunklen Zeiten, aus denen das deutsche Volk kommt, mangeln Beleuchtung nicht zu sehen ist.
Umso imposanter wirkt danach das Feuerwerk, an diesem Abend das zweite im schuldenstarrenden Halle an der Saale, und die anschließende Verbrennung eines zwölf Meter hohen Mannes aus Stroh, den die urgermanischen Organisatoren vom kalifornischen Burning Man-Festival geklaut haben. Hier allerdings wird das Prasseln der Flammen freundlich überlagert von den quietschenden Ohrbohrern der "Pipebands" aus aller Welt, die erneut die drei Lieder blasen, für die ihre Säcke ausgelegt sind.
Dagegen klingt der anschließende Schotten- und Irenfolk aus Rostock wie das Manna der Musik überhaupt. Bei den drei Damen von Sally Gardens schlagzeugt die aparte Sängerin Tiny mit den Fuß, die sehenswerte Geigerin Juliane singt Chor und eine handfeste Bassistin namens Beany macht sehr passable Ansagen. Trunken tanzt der Germane nun selig auf der Tartanbahn.
Samstag, 4. Juli 2009
Abriß-Exkursionen: Paradies der Pioniere
Es war einmal und ist nicht mehr: Die Peißnitzinsel, gelegen zwischen zwei Saalearmen und den beiden Städten Halle und Halle-Neustadt, diente zu DDR-Zeiten als "Naherholungsgebiet" für die Chemiearbeiterstadt. Eine "Pioniereisenbahn" umrundete die Insel, ein "Pionierhaus" versammelte jeden Nachmittag allerlei "Arbeitsgemeinschaften", ein Planetarium erschloss den revolutionären Massen die Welt des Kosmos und zwischen den weitläufigen Grünanlagen warteten Schachtische, Tischtennisplatten, Galgenkegelgerüste und Minigolf-Anlagen auf Publikum. Die drei Ausleih-Stationen für Park-Lektüre, Golfschläger, Schachfiguren und Kegelausstattung kündeten Ende der 80er als erste vom Ende der gesellschaftlichen Vision des Sozialismus: Die Türen blieben plötzlich grundlos geschlossen, die Minigolf-Anlage ungejätet. Zwanzig Jahre später findet nur noch der Kenner auf Abriß-Exkursion Spuren früherer Besiedelung. Unter dickem satten Grün verstecken sich die Ruinen von Großschachplatte, Mini-Golf und Kegelbahn, von der Ausleihstation geblieben ist ein wandloses Stahlgerippe, das aus dem Urwaldgrün glüht wie die Rudimente einer verlorenen Maya-Stadt. Die Tischtennisplatten sind abgerissen und durch neue ersetzt worde. Die Pioniereisenbahn hat ihre Abkürzung behalten: Sie heißt jetzt Park-Eisenbahn.
Kumulative Kachelung
Im Visier das Nichts
SPD-Abgeordnete, in Geldsachen traditionell eher weniger gut informiert, waren anschließend der Ansicht, die Regierung habe nun einen guten Instrumentenkasten zur Verfolgung der Steuerflucht. Unkooperative Staaten, die auf der Liste der OECD ständen, könnten unter Druck gesetzt werden.
Das Dumme daran ist, dass es unkooperative Staaten, die auf der Schwarzen Liste der OECD stehen, nicht mehr gibt. Standen im März noch mehr als 42 Staaten auf der Liste, schafften es bis heute alle, heruntergenommen zu werden. Gegen die verbliebenen Steueroasen allerdings, die es nicht gibt, dürfte Steinbrücks neues Steuerfluchtgesetz ein äußerst scharfes Schwert sein: Jeder Schwinger ein Heumacher, wie es im Boxen heißt, jeder Schlag ein Luftspalter, wie die alten Ritter sagten. Aber Hauptsache, das Publikum freut sich.
Gesänge fremder Völkerschaften: Rentnerband im greisen Osten
Lindenberg als Modell für den Osten - während die "Alterspyramide" (Angela Merkel) in den Artikel-23-Gebieten sich tagtäglich ein wenig mehr zuspitzt, weil der Gipfel immer breiter wird, erreichen uns kritische Hinweise darauf, dass einheimisches Fröhlichsein und Singen im Rahmen unserer völkerkundlichen Serie Gesänge fremder Völkerschaften viel zu wenig Aufmerksamkeit erfährt. Auch in unseren eigenen Fußgängerzonen, unter Brücken udn auf Radiosenderbühnen werde zeitweise Großartiges und noch häufiger Schlimmes geboten, das es verdient hätte, dem kollektiven Google-Gedächtnis der Menschheit hinzugefügt zu werden. Leider sind die Bedingungen für Volkskorrespondenten in Deutschland derzeit wegen der hierzulande geltenden restriktiven Gesetzgebung gegen Online-Betrug noch ungleich schwieriger als etwa in China, der Schweiz oder Schweden. Ein wagemutiges PPQ-Team hat die Super-8-Kamera dennoch trotzig mitten hineingehängt in die Live-Aufführung dreier angegrauter Unplugged-Rocker, die die Kneipenmeile mit ihrem atonalen Schaffen verzückten. In die Gesänge fremder Völkerschaften passt es sich ein: Die Musikanten hatten einen weiten, weiten Weg bis zum Auftrittsort zurückgelegt.
Freitag, 3. Juli 2009
Wenn das Zensursula wüsste
Der Dreck ist weg
Was waren das noch für Zeiten, als jeder fünfte Tag in Mitteldeutschland Nebel brachte, als auf der Saale meterhohe Schaumberge trieben und der Regen in der Lage war, Löcher in Feinstrumpfhosen zu ätzen. Viel übriggeblieben ist nicht vom einstigen industriellen Herzen der DDR, die sich selbst als "zehntgrößten Industriestaat der Welt" zu bezeichnen pflegte. Nach der Karte des “Pollutant Release and Transfer Register”, die das Umweltbundesamt im Internet veröffentlicht hat, stoßen nur noch ein paar wenige Schornsteine hierzulande Ruß und Qualm und Dampf und Schmutz aus. De-Industrialisiert, aber sauber ist das Land immerhin.
Mittweida in Möhlau
Wieder ein rechtsterroristischer Anschlag im Osten? Wie zuletzt in Mittweida? Heimbewohner erinnerten sich prompt, Unbekannte mit Benzinkanistern auf dem Gelände gesehen zu haben. Zeugen gab es keine, Gerüchte viele und Schlagzeilen noch viel mehr - erst über das Nazi-Opfer, dann über den Kiosk eines Syrers, der nur ein paar Kilometer entfernt kurz vor der Rückkehr des verbrannten Irakers ins Heim in Brand geraten war.
Die Auflösung lag nahe und sie ist richtig: "Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei zum Brand des Imbissverkaufs in Dessau-Roßlau haben zweifelsfrei ergeben", kabelt ein Polizeisprecher heute verdruckst, "dass der Brand vorsätzlich mittels eines Brandbeschleunigers gelegt wurde." Kriminalbeamte hätten am Brandort Spuren sichern können, "welche dem 28-jährigen Asylbewerber aus Möhlau zweifelsfrei zugeordnet werden konnten, der in der gleichen Nacht mit schweren Brandverletzungen in ein Krankenhaus in Bitterfeld eingeliefert wurde".
Die geheimnisvollen Nazis, von denen der Verletzte berichtet hatte, fanden sich nicht, auch Spuren hatten sie nirgendwo hinterlassen. Diese vorläufigen Ermittlungsergebnisse ließen den Schluss zu, "dass sich der 28-Jährige zur Tatzeit am Brandort in Dessau-Roßlau befunden und sich dort seine schweren Brandverletzungen zugezogen haben könnte".
Schwundgeld in Schweden
Verballer die Staatsknete
Von nichts kommt nichts und deshalb darf in Deutschland bislang nur mit Rettungsgeld um sich werfen, wer wie Ursula von der Leyen oder Karl-Franz-Gustav von und zu Guttenberg Reste alten Adels als Namensbestandteil führt. Bislang, aber nun nicht mehr: Mit dem kostenlosen Online-Spiel "Verballer die Staatsknete" werden jetzt Kreti und Pleti im Kostüm von Münte, Merkel und Guide zum fröhlichen Verteiler virtueller Fantastrilliarden von Geld, das erst in dem Moment entsteht, wo es jemand mit der Feuerwehrspritze ein den Rachen von Schäffleropelquellekarstadtwestlb schießt.Richtig gute Staatskneteschützen schaffen es laut High Score, in den paar Sekunden Spielzeit runde 240 Milliarden Euro durch sinnlose Verschwendung entstehen zu lassen. Da ist noch Hoffnung für spätere Generationen: Wo das Geld herkommt, ist noch viel, viel, viel mehr.
Amateurtrainer des Jahres
Das ist aber natürlich eine völlig überholte Ansicht. Der sächsische Landespolizeipräsident Bernd Merbitz zum Beispiel, der in Dresden eine Vollzeitstelle besetzt, wurde jetzt mit dem Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Sein Vorgesetzter, der sächsische Innenminister Albrecht Buttolo, ordnete die Verleihung weltgeschichtlich völlig richtig ein: „Bernd Merbitz ist für sein jahrelanges Engagement im Kampf gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus im Bereich polizeilicher Präventions- und Ermittlungsarbeit bekannt", sagte er. Insbesondere als langjähriger Chef der Sonderkommission Rechtsextremismus habe der hochrangige Polizeibeamte sich "einen herausragenden Ruf erworben".
In Kürze geehrt werden sollen Papst Benedikt mit dem Goldenen Band für katholische Laienpriester, der im Herbst scheidende SPD-Vorsitzende Franz Müntefering mit dem Großen Preis für Hobbypolitiker und Fußball-Bundestrainer Joachim Löw mit der diamantenen DFB-Spange für den "Amateurtrainer des Jahres".
Das Phantom der Verfassung
Sie will es, sie will es wirklich. Seit in Berlin kurz vor Weihnachten bekannt wurde, dass bereits im Herbst vergangenen Jahres eine Finanzkrise die Welt erfasst hatte, trommelt die ehemalige Klimakanzlerin Angela Merkel nimmermüd für "eine "neue Finanzmarktverfassung". Das "Rettungspaket", mit dem die Regierung auszog, die Krise zu bekämpfen, sei "ein erster Schritt auf dem Weg zu einer neuen Finanzmarktverfassung" gewesen, ließ die ehemalige Wandzeitungsredakteurin wissen. Es gehe darum, "wie wir eine Finanzmarktverfassung weltweit so gestalten können, dass daraus Krisen, wie wir sie jetzt erlebt haben, nicht mehr entstehen können", begründete sie ihre Forderung, als habe eine bislang bestehende "alte Finanzmarktverfassung" mehrere Kapitel enthalten, die es ausdrücklich erlauben, die Weltwirtschaft an den Abgrund zu führen.
Was Merkel nicht weiß: Es gab und gibt auch im Moment keine "Finanzmarktverfassung", die durch eine neue ersetzt werden könnte. Wie die unbestechliche Timeline von Google beweist (oben) gab es in der Menschheitsgeschichte bislang überhaupt nur einmal die Forderung nach einer "Finanzmarktverfassung" - und zwar nach dem Markteinbruch infolge der Terroranschläge vom 11. September. Damals blieb es allerdings bei der Forderung. Die ominöse "Finanzmarktverfassung", von der Angela Merkel behauptet, sie müsse durch eine "neue" ersetzt werden, wurde nie und nirgendwo von keinem verabschiedet.
Es bleibt Angela Merkel Geheimnis, warum sie eine nicht vorhandene Finanzmarktverfassung nun durch eine "neue Finanzmarktverfassung" ersetzen will. Statt einfach zu sagen, dass eine Finanzmarktverfassung überhaupt ersteinmal benötigt werde. Aber "neu" klingt immer gut. Und sie will es ja, sie will es wirklich: Gut aussehen in der Krise.
Kachelforschung 2.0
Hinweise zu neuen Fundorten gehen wie immer an politplatschquatsch@gmail.com
Erfolgreiche Finder dürfen sich wie stets über einen signierten und mundgemalten Kunstdruck der legendenumwobenen Ur-Fliese freuen.
Wofür wir gern werben: Gotteslästerung
Als zentrale Anlaufstelle für evangelische und katholische Taliban im weltweiten Datennetz beschickt uns unser Partner Google tagtäglich mit ebenso aufwendig wie sensibel ausgesuchter Werbung, die hilft, unser aufwendig und sensibel gestaltetes non-kommerzielles Angebot zu finanzieren. Nachdem wir bereits die große Freude hatten, für Sonnenschein "Reklame" (Erich Honecker) machen zu dürfen, was in der Folge zu "Glutofentemperaturen" (Bild) in Deutschland führte, machen wir uns jetzt augenscheinlich nicht nur für den restlosen Abverkauf aller noch vorhandenen Michael-Jackson-Pretiosen, sondern auch gegen "Gotteslästerung" stark.
Eine Aufgabe, der unsere gelegentlich gottlos wirkenden Leser dann und wann ruhig auch mal einen Gedanken widmen könnten. Denn vieles, was wir hier vor allem manchmal in den geheimen Kommentarspalten lesen müssen, zeigt, dass viele noch nicht verstanden zu haben scheinen, wie wichtig es ist, Gott als dem Licht und der Liebe und eine ganze Reihe anderer Dinge den gebührenden Respekt entgegenzubringen. Wir jedenfalls tun das, indem wir unserem Bundespräsidenten Horst Köhler ein schmetternde Werbebanner entgegenstrecken: "Stopp Gotteslästerung, Horst Köhler!", rufen wir aus.
Donnerstag, 2. Juli 2009
Fremde Federn
Wir verabschieden uns bis zum nächsten Mal mit einem Zitat von Richard Needham: "Wenn Du älter wirst, verlierst Du das Interesse an Sex, deine Freunde sterben, deine Kinder ignorieren dich. Es gibt natürlich noch andere Vorteile, aber die genannten sind doch die größten."
Schnitzel für Gretta

Vielleicht findet Gretta ja doch noch einen Freund. Vielleicht einen in Berlin. Vielleicht kann sie sich dann dort ausführen lassen. Vielleicht in ein Restaurant am Kudamm. Vielleicht ist dann auch eine Bedienung da, die ihre Sprache spricht. Die Karte macht es schon: Schnizel swinoy c kartofelem po francuski. Vielleicht kann sie´s bis dahin aber auch auf Deutsch: Schnitzel Pommes.
Piraten und verkauft
Nachdem Sabine Bätzing, die von Onlinern kultisch verehrte knackige Bundesdrogenbeauftragte mittlerweile bekannt gemacht hat, dass Online-Sucht auf dem besten Weg ist, eine anerkannte und damit förderwürdige Krankheit zu werden, fällt es uns allerdings doppelt schwer, mit den neuen Hiobsbotschaften herauszurücken, die neben anderen großen Medienhäusern auch Toms Hardware vermeldet. Pirate Bay, eine zumindest bei Offline-Medienschaffenden mythenumwobene Internetseite, auf der Eingeweihte fast soviele illegale Datein zum Download finden wie bei, ja, Google, ist verkauft worden und soll demnächst ganz legal werden.
Ja, ist denn das die Möglichkeit!, möchte man rufen. Gibt es demnächst dann wirklich nur noch 773 andere Torrent-Tracker? Und wie überleben die Internetsüchtigen das? Wo sollen sie die ganzen Downloads herbekommen, um all die Festplatten zu füllen, die auch immer bulliger und billiger werden? Gibt es Fördermittel aus dem Bätzing-Etat? Virtuelles Download-Methadon, um die Entzugserscheinungen zu mildern? Wo doch alle legalen Michael-Jackson-Downloads diese Woche an den Mann gebracht worden sind?
Keine Ahnung - und wer sich fragt, warum wir das überhaupt erörtern, obwohl wir doch üblicherweise eher zu Berichten mit Blut, Gewalt, Wahlfälschung, Ausrottung der Wale und Sex unter greisen Politikern neigen: Die Überschrift musste irgendwohin.
Hallo, es ist deine neue Freundin!
Der guten Tag neue Freund!!! Wie geht es euch? Danke fur Ihren Brief! Ich erwartete es. Ich habe wenig Zeit wirklich, um auf der Webseite zu sagen. Also, dass geben Sie, unser e-mail die Bekanntschaft zu beginnen?!!! Wie du schon wei?t, dass meinen Namen Gretta. Aber es nicht meinen gegenwartigen Namen, diesen meinen Spitznamen im Internet.
Ich mag, wenn mich Gretta nennen, Weil so mich die nahen Menschen nennen. Geben Sie wir werden einander grosser verschiedener Fotos schicken! Ich will Ihre Fotos an verschiedenen Stellen und den Ereignissen sehr sehen. Es ist schade, aber ich habe wenig Fotos auf meinem Computer wirklich. Ich werde mich ofter bemuhen, dir von den neuen Fotos zu erfreuen. Gut? Ich werde dir das Foto mit diesem Brief schicken. Teile mir unbedingt den Kommentar mit. Geniere sich nicht, weil ich die Komplimente mag!!! Ich werde Ihnen nicht viel uber mich sagen. Naturlich, ich mag der Sport und selbst der sehr sportliche Mensch. Zur freien Zeit habe ich gern, im Park zu spazieren, fur mich ist die Jahreszeit und das Wetter nicht wichtig. Ich denke dass diese sehr gute und fur die Gesundheit nutzliche Beschaftigung.
Manchmal muss man sich von der schmutzigen stadtischen Luft erholen und, auf die Natur hinausgehen! Manchmal es wenn sich ergibt, ich komme auf den Ausflugen mit Picknick zu meinen Freundinnen auf der Natur vor. Ich liebe der Tiere. Besonders mag ich die Kater und die Hunde. Sie mogen die Kater? Gerade sitzt jetzt auf meinen Knien mein Kater Tomis hilft mir eben, Ihnen den Brief zu schreiben:)) Es wird gut sein, wenn du mir grosser uber dein Hobby erzahlen wirst? Du liest die Bucher gern? Welche Literatur bevorzugst du? Ich mag die Krimis und die Bucher uber die Psychologie. Gut denke ich, dass ich beenden werde, diesen Brief zu schreiben. Ich denke dass in folgendes Mal ich Ihnen grosser uber meine Familie und daruber erzahlen werde, warum suche ich Die Beziehungen im Internet! Ihnen wird es interessant sein, es zu erkennen? Wenn es interessant ist Jenes werde ich Ihnen es unbedingt erzahlen.
Bitte antworten Sie nur auf meine E-Mail: nervasid@gmail.com
Ich hoffe, was es Ihnen mit mir interessant war? Ich wunsche den guten und saturierten Tag!
Gretta.
Die Rente ist sicher
So geht das mit der Globalisierung, wenn man mal genau hinschaut. Die anonymen "Spekulanten" und "Heuschrecken", von denen Franz Müntefering immer spricht, sind am Ende ein paar Lehrer aus Rotterdam, die vom "emotionalen Run" auf die Songs eines Toten profitieren. Den gebe es immer, beschreibt Imagem-Chef André de Raaff in der FTD. UNd so traurig er Jacksons Tod finde - der Ansturm auf seine Platten sei "finanziell schon interessant" für den Pensionsfonds wie ABP, der fast 200 Milliarden Euro in Aktien, Anleihen und Hedge-Fonds gesteckt hat.
Erst seit Anfang 2008 investiert ABP auch in Musik fürs Depot. Der Investmentarm APG gründet den Musikverlag Imagem und kauft Tausende Songlizenzen. Heute hält Imagem Rechte an rund 100.000 Titeln, darunter Hits von Madonna, Britney Spears, den Spice Girls und Daft Punk - Stücke, die der Pensionsfonds für eine "neue, lukrative Anlageklasse" hält. Trotz der Krise der Musikindustrie versprechen Musikrechte stetige und sichere Einnahmen. Bislang schaffte ABP fast immer eine Rendite von acht Prozent pro Jahr. Diese sei mit Musikrechten auch künftig problemlos zu erreichen, glaubt de Raaff.
Welches Land wird hier beschrieben?
Mike Stone is gone
Maldens Nase war breit wie ein Bus, knollig und zernarbt. Keine Nase für einen Hauptdarsteller, glaubte Malden selbst. Auf den Straßen von San Francisco wurde er es doch - ab 1974 brachte er allen, die das ZDF empfangen konnten, den Geist von San Francisco ins Wohnzimmer. Der Geist wird bleiben, auch wenn Mike Stone gegangen ist: Mit 97 Jahren ist Karl Malden in Kalifornien gestorben, in Brentwood, 40 Meilen entfernt von seinem alten Revier auf der anderen Seite der Bay.
Mittwoch, 1. Juli 2009
Like a rolling swan


Eine besonders harte Nuss haben PPQ-Nutzer diesmal zu knacken. "Finden Sie sieben Unterschiede!" wäre mit Blick auf die beiden obigen Fotos eine unfaire Aufforderung, da es nur drei Unterschiede gibt. Deswegen gehen wir gleich final in media res: Welches Bild zeigt den Cover-Liebling des "Rolling Stone" und welches eine deutsche Ex-Bundespräsidenten-Kandidatin? Kleiner Hinweis: Die Frage ist nicht leicht zu beantworten ...
Gesänge fremder Völkerschaften: For those about to frog
Das Geld der Gläubigen
Das war es doch wert! Die im vergangenen Jahr im Kulturkampf um den Thor-Steinar-Laden im Magdeburger Hundertwasserhaus noch siegreiche Gero AG ist in ihrem übrigen Geschäftsleben nicht ganz so erfolgreich gewesen. Wie die Nachrichtenagentur ddp meldet, hat die kircheneigene Firma, die sich selbst als Top-Arbeitgeber" bezeichnet, "in den vergangenen fünf Jahren knapp 100 Millionen Euro verloren". Die bischöfliche Vermögensverwaltung geht vornehm von Verlusten "im deutlichen zweistelligen Millionenbereich" aus - die Firma soll nun "so seriös wie möglich abgewickelt" werden.
Seriöser zumindest als sie bislang die Tätigkeit von zahlreichen Kirchenfirmen "strategisch koordinierte" und als Invest-Feuerwehr etwa beim Hundertwasserhaus einsprang. Als dessen Bau an der Finanzierung zu scheitern drohte, sprang die Gero-Tochter Gero BTV ein. Mit 9,6 Millionen Euro Eigenkapital und 17,6 Millionen Euro von der NordLB avancierte die Gero BTV-Tochter Centum Aqua Immobilien zum Bauherren des 2004 anlaufenden Projekts. Nach Angaben von ddp wuchsen die Verbindlichkeiten wuchsen bis Ende des Jahres 2007 auf 24,5 Millionen Euro. Das Bistum muste ein Rettungspaket schnüren und der Nord LB die Rückzahlung des Kredites durch die Kirche zusagen, um eine Zwangsversteigerung des Hundertwasserhauses zu verhindern.
Das Geld der Gläubigen aber war noch lange nicht alle. Zwölf Millionen Euro pumpte die Katholische Kirche über die Gero in ein Biotech-Unternehmen namens Meltec, das anschließend in die Krise rutschte. Auch die Beteiligung einer weiteren Gero-Tochter namens Futura an der BGI Biopark Infrastrukturgesellschaft, die gezielte genetische Veränderungen von Pflanzen erforscht, schluckte nicht nur katholische Glaubwürdigkeit und 13 Millionen Euro öffentlicher Fördermittel, sondern auch noch drei Millionen an Kirchenkapital. Schneller hätte man das Geld nur mit Madoff-Papieren verlieren können.
Wie bei Madoff habe es auch bei Gero "Hinweise auf Gefahren der Geschäftsentwicklung lange Zeit" nicht, sagt Ulrich Krah, dem Leiter des bischöflichen Vermögensamtes. Weder die Geschäftsführer noch die Wirtschaftsprüfer hätten bis 2008 "konkrete Warnungen an die Aufsichtsgremien oder den Gesellschafter gegeben, die das Ausmaß der späterhin festgestellten unternehmerischen Fehlentwicklung hätten erkennen lassen können". Allerdings habe es im Aufsichtsrat "erhebliche Bedenken gegen die Geschäftsführung mehrfach gegeben", warum sagt Krah nicht und ddp fragt auch nicht danach.
Dennoch trennte sich die Kirche letztes Jahr von Gero-Vorstand Norbert Diehl - damals mit den Worten "auf eigenen Wunsch" und nach "15jährigem Engagement für das Unternehmen des katholischen Bistums Magdeburg" - und mit einer offiziellen Verabschiedung "im Rahmen der Feierlichkeiten zum 15. Jahrestag der Firmengründung".
Anschließend reichte die Kirche eine Schadensersatzklage ein. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Diehl, der sich seit seinem Abschied "vorrangig in den Dienst der Zeit-Stifter der von ihm gegründeten Diehl-Ziesewitz-Stuftung" hatte stellen wollen, wird die hundert Millionen sicher aus dem Ärmel schütteln.
Verbot der Woche: Rassistisches Russengas
Im Rahmen der PPQ-Aktion "Verbot der Woche" wird der Bundestag noch in der Sommerpause zu einer Sondersitzung zusammentreten, auf der ein weitreichendes Verbot von rassistischem Russengas in Deutschland beschlossen werden soll.
Betroffen davon wären neben einigen Millionen Gaskunden auch die Fußballspieler aus Gelsenkirchen, das Kabinett hat aber zugesichert, in Härtefällen schnell helfen zu wollen. So werde Ex-Kanzler Schröder nach dem Erlaß eines Betätigungsverbotes eine Stelle als Lobbyist für die Sonnenenergie erhalten, Fußballer könnten in Herzogenaurach kostenlos zu Fachverkaufskräften für Sportartikel umschulen.
Unterkühle Wohnungen sollen hingegen nicht anderweitig beheizt, sondern als Mahnmal gegen soziale Kälte in die Bundesdenkmalschutzliste aufgenommen werden.
Einfach ein schöner Satz
"In Politikern wie Sabine Bätzing schlummert das Grauen totalitärer Erziehungsdiktaturen."
Beschnitten in die Steinzeit
Denn künftig sollen Beschneidungen von Mädchen und jungen Frauen künftig lebenslang verfolgt werden. Bisher gilt für entsprechende Taten, die vor allem in der steinzeitlichen Logik afrikanischer Völker Tradition haben, eine Verjährungsfrist von zehn Jahren. Wie für alle Taten, die mit Freiheitsstrafe zwischen mehr als 5 und bis zu 10 Jahren geahndet werden. Längere Verjährungsfristen von bis zu 30 Jahre gelten bislang nur für Taten, auf die Freiheitsstrafen von mehr als 10 Jahren oder lebenslang stehen.
Insofern hatte das deutsche Recht eine gewisse Systematik. Der Radiergummidiebstahl verjährt als einfacher Diebstahl nach drei Jahren, der schwere Raub hingegen viel viel später, der Mord aber nie.
Nun allerdings wird die in der Nähe zur Körperverletzung angesiedelte Praxis der Genitalbeschneidung verjährungstechnisch dem Mord gleichgestellt. «Diejenigen, die sich an unschuldigen Mädchen vergreifen, müssen lebenslang das Damoklesschwert des Strafrechts fürchten», sagte Jürgen Gehb von der CDU, der sich "rechtspolitischer Sprecher der Unionsfraktion" nennt. Eine gänzlich neue Logik gießt sich da ihr Fundament: An unschuldigen Mädchen vergreift sich auch der Vergewaltiger, dessen Tat bisher selbst im schwersten Fall nach zehn Jahren verjährt ist. Wenn der sich aber erst auch ein Leben lang vor dem "Damoklesschwert des Strafrechts fürchten" muss, wird auch die Tat des gewöhnlichen Körperverletzer nicht mehr schneller verjähren dürfen. Und wenn der nach 20 Jahren noch angeklagt werden kann, warum denn dann der Radiergummidieb nicht?
Am Ende steht ein steinzeitliches Strafrecht, das keine Verjährung mehr kennt. Fortschritt, aber kein zivilisatorischer.
Schrilles Gedenken an "Wahnsinnsmeisterleistungen"
Claudia Roth, als Tänzerin weltmeisterlicher Ambitionen unverdächtig, rühmt am Musiker Jackson "allein schon seine Auftritte" als "choreografische Wahnsinnsmeisterleistungen, schrill, provokant, unerhört intensiv". Mit dem Medium Video, das er für die Popkultur erschlossen habe, habe sich Jackson "echt einen Platz in der Kultur- und Mediengeschichte" verdient - schließlich, das sagt Claudia Roth nicht, begann damit der endgültige Siegeszug der Oberfläche über den Inhalt.
Aber auch die gegenkulturelle Tat verklärt Roth im Nachhinein zur revolutionären Tat. Jackson habe "Kraft gemacht", er sei jemand gewesen, "der im schwarzen Getto geboren worden ist" und "außerordentlich rätselhaft" war. Allerdings räumt sie ein, dass Michael Jackson "nicht auf die Straßen gegangen" sei und demonstriert habe. "Aber er hat Songs gemacht, die ich auch politisch bezeichnen möchte", sagt die führende grüne Pop-Kritikerin und nennt "Make the World a better Place".
Das ist ja auch das Ziel der Claudia Roth, die sich wie Jackson immer "eingesetzt gegen den Hunger auf der Welt und für Nelson Mandela". Zwei Punkte, an denen sie ihrem Geistesverwandten politische Wirkung unterstellt. "Traurig" (Roth) sei sie nur darüber gewesen, das Jackson versucht habe, kein Schwarzer mehr zu sein. "Das hat mich sehr traurig gemacht, diese Schattenseite seines Lebens, die ja rätselhaft geblieben ist, seine Verzweiflung, dieses sich ändern wollen."
Für Claudia Roth bleibt Michael Jackson auch wegen seiner "Schrillheit" (Roth) und der "Provokanz, die er geliefert hat" in Erinnerung. Und natürlich wegen der "einfach unglaublich schönen Songs, die er performt hat". Welche waren das gleich? Ja, stimmt, "Make the World a better Place". "Entschuldigung", sagt Claudia Roth, jetzt auf der Suche nach dem Missing Link zwischen deutschen Grünen und amerikanischem Schwarzen: "Das ist das, was wir auch tun wollen. Wir machen es mit anderen Mitteln, aber vielleicht ist das eine Hymne, die für viele Menschen auch ein Ansporn ist, die Welt tatsächlich schöner und besser und gerechter zu gestalten."
Der Himmel über Halle V
Kaum aber ist nun der Sommer da, kommt schon wieder Kritik auf: Zu heiß, zu feucht, der Mond am Himmel über Halle viel zu dunkelorange. Ist das schon der Klimawandel? Ist ein roter Mond der Preis, den die Menschheit für den Raubbau an der Natur bezahlen muss? Einen Tag nach der Wetterwende fragt Wetter 24 schon beunruhigt: Wie lange bleibt es heiß? Die Angst vorm Klimatod, sie ist zurück, bald gibt es sicher auch wiedermal Neuigkeiten von den Eisbären. Gut sieht er aber aus, der Mond.




