Montag, 13. August 2012

Auf dem Boden der Tatsachen

Schon beim Einmarsch werden diesmal alle nassgemacht, nicht nur die Gäste. Kaum haben die Mannschaften aus Halle und Unterhaching im Kurt-Wabbel-Stadion Aufstellung genommen, sprüht der Rasensprenger im Mittelkreis los, der sonst immer nur versucht, die gastierenden Vertretungen beim Warmmachen herunterzukühlen. Die Präsentation der beiden Überraschungsmannschaften der 3. Liga findet diesmal notgedrungen am Rande des Kreises statt - das Spiel aber läuft dann doch im Trockenen.

Und es bleibt erstmal auch recht trockene Kost. Ein gelbe Karte für den halleschen Abwehrchef Steven Ruprecht und eine nicht gezeigte Gelbe für Mittelfeldmann Marko Hartmann durchaus hätte sehen können, belegen die anfänglichen Probleme der bislang ungeschlagenen Köhler-Elf mit dem Tabellenführer aus Bayern. Haching spielt schnell und kombinationssicher, aber nach zehn Minuten rüttelt sich die Begegnung auf dem Niveau vorsichtigen gegenseitigen Abtastens ein. Patrick Mouaya beweist mehrmals, warum der HFC mit ihm in der zentralen Abwehr in der vergangenen Sasion nur 15 Treffer kassierte. Aber sonst passiert nicht viel, abgesehen von einem Fernschuss von Hartmann, den Haching Torwart Riederer abwehrt, und einem weiteren Versuch von Erich Sautner, der für den verletzten Toni Lindenhahn spielt, bleibt es vor den Toren meist menschenleer. Die größte Chance hat noch Steven Rupprecht, der in der 34. Minute einen Wagefeld-Eckball knapp neben den Pfosten köpft.

Nach der Halbzeit haben die Gastgeber die Hachinger dann aber am Haken. Der Druck wächst, allerdings immer noch ohne dass der HFC nennenswerte Tormöglichkeiten herausarbeiten kann. Angelo Hauk, wegen der Verletzung des bisherigen Stammstürmers Nils Pichinot trotz seiner eher durchwachsenen Leistung im Auswärtsspiel bei Stuttgart wieder von Anfang an im Kader, läuft wie immer viel, kommt aber nicht in eine vielversprechende Postion. Einmal immerhin versucht er es mit einem Seitfallzieher, aber direkt am Mann. Ein anderes Mal hat Verteidiger Jan Benes den Ball schon fast ins Tor geköpft. Auf der Linie aber steht der Hachinger Schwabl, der ihn noch mit dem Kopf wegdrücken kann. Auf der anderen Seite droht kaum mehr Gefahr für den Punkt, der Halle wegen der inzwischen angesammelten sechs Verletzten vermutlich reichen würde, droht nicht, weil Unterhaching es auch nicht besser macht.

Ein typisches 0:0, denn auch die Bayern scheinen mit einer Punkteteilung zufrieden. Zumindest bis zur 65. Minute. Da läuft sich Erich Sautner am Strafraum an zwei Hachingern fest, er verliert den Ball und die Blauen sehen sofort ihre Gelegenheit. Sieben Stationen brauchen sie, um von ihrer linken Strafraumseite auf die linke Strafraumseite der HFC zu gelangen. Von dort kommt die Flanke scharf nach innen, wo Florian Niederlechner in die kaum meterbreite Lücke zwischen Rupprecht und Mouaya läuft. Rupprecht könnte den Ball noch wegspitzeln, aber er überlegt es sich anders und zieht den Fuß zurück. Nicht so Niederlechner. Er schießt ins Tor.

Jetzt ist alle Leichtigkeit bei den Weißen fort, aus Spiel wird Kampf, aus der Hoffnung auf drei Punkte mit der Sicherheit, einen auf jeden Fall mitzunehmen, die Angst, im neuen Stadion zum ersten Mal zu verlieren. Der Wagefeld-Freistoß, der letzte Woche gegen Erfurt noch wie von selbst ins Netz segelte, fliegt diesmal drüber. Eine gefährlich Brustrückgabe des Hachingers Schwabl zum eigenen Torwart kann der gerade noch so aus der Luft fischen. Mast legt einen Ball zwar klug auf Kanitz im Hachinger Strafraum, der spielt auch klug zurück, aber da ist wieder keiner. Auch die eingewechselten neuen, alten Stürmer Pichinot und Andis Shala schaffen es nicht, wirklich hundertprozentige Torchancen herauszuarbeiten: Bei seinem einzigen Versuch trifft Shala zielsicher die Hände des Hachinger Torwarts.

So nützt es auch nichts, dass Horvat-Ersatz Rittenauer einen Kopfball bravourös über die Latte lenkte und Haching auch einen Freistoß aus vielversprechender Postion vergibt wie vorher Wagefeld auf der anderen Seite. Ausnahmsweise verliert die hallesche Abwehr ein Spiel, dass der Sturm nicht gewinnen konnte. Wer vorn keine Tore macht, wird eben hinten von einem Gegentreffer erschossen. Die Momentaufnahme nach fünf Spieltagen ist ein Bild vom Boden der Tatsachen, von dem die Fans, die schon vom "Durchmarsch" in Liga 2 geträumt hatten, nach dem Erfurt-Spiel abgehoben waren: Vier Tore in fünf Spielen - das heißt alle 112 Minuten eins. Vier Tore in fünf Spielen - aber drei davon in einem und dafür dreimal keins. Vier Tore von drei Torschützen, darunter aber kein Stürmertor. Und drei Tore nach Standardsituationen, nur eins aus dem Feld.

Sonntag, 12. August 2012

Politische Korrektheit: Zwischen unsichtbaren Linien

Stimmt alles gar nicht! Gibt’s alles gar nicht! Hats nie gegeben! Der "Freitag" hats herausgefunden! „Politische Korrektheit hat es nie gegeben, auch wenn so viele Menschen unbedingt daran glauben wollen", schreibt das Augstein-Blatt in einer fundamentalen Untersuchung über die "unheimliche Erfolgsgeschichte einer Rede- und Denkfigur", von der viele Deutsche glauben, dass sie das Alltagsleben im Griff hat.

Ein Irrtum! Zwar ist es wahr, dass Thilo Sarrazin glaubte, ein Tabu zu brechen, dass nicht eine deutsche Zeitung der Ruderin Nadja Drygalla beisprang und dass es heutzutage völlig unmöglich geworden ist, die Frage zu stellen, warum im olympischen 100-Meter-Finale kein weißhäutiger Starter antritt. Doch „politische Korrektheit“? Gibt es nicht, urteilt ein Autorenduett aus Matthias Dell und Marc Fabian Erdl.

Geredet werde von „PC“ zwar allerorten und permanent – in Zeitungsartikeln, Blogkommentaren, Klappentexten oder ganzen Büchern. Doch wer sich auf die Suche danach begebe, was PC denn nun sei, laufe ins Leere: Den Zeitpunkt, als „PC“ in die weite Welt kommt, könne man relativ exakt bestimmen, schreiben die Autoren, "vor 1990 sucht man den Begriff „Politische Korrektheit“ in Pressedatenbanken vergeblich." Das Ergebnis sei: null. "Im Laufe des Jahres 1990 ändert sich das, und Anfang der neunziger Jahre steigt die Verbreitung rasant, „PC“ ist der Darling der Debatten dieser Zeit."

Das zeugt schon mal von großer Gründlichkeit und einem sicheren Umgang mit den Recherchemöglichkeiten der Neuzeit. Bezahlt zu werden dafür, dass man herausbekommt, seit und woher. Und prompt scheitern. Doch wer beweisen will, dass es politische Korrektheit nicht gibt, sollte zuerst einmal selbst fest daran glauben, sie sei nicht Ende der 60er Jahre in den USA (Zeitungsausriss oben), sondern Anfang der 90er in der Bundesworthülsenfabrik entstanden.

Dann muss nur noch nachgewiesen werden, dass die Erfindung „Politische Korrektheit“ keinen konkreten Inhalt hat, es sich also um einen Begriff handelt, den es nicht gibt und der zudem aus nichts besteht. Und schon kann jedem, der der sich brüstet, politisch inkorrekt zu sein, entgegengehalten werden, dass er gegen ein Sprachphantom kämpft.

Ein Bubenstück von Karl-Eduard von Schnitzlerscher Gerissenheit. Denn in Wirklichkeit besteht ja ausgerechnet das Erfolgsgeheimnis des Kampfbegriffes political correctness darin, dass die Linien, zwischen denen der politisch korrekte Mensch sich bewegt, unsichtbar sind - bis zum Moment, in dem sie übertreten werden. Rassist und Frauenfeind ist nicht, wer gegen geschriebene Grundsätze verstößt. Sondern wer den Konsens der gedruckten Ansichten verlässt, herausschwimmt aus dem Meinungsmaintream - absichtlich oder auch nur unabsichtlich.

So ist es kein Mangel, dass es nie "eine positive Bestimmung von „Politischer Korrektheit“ gegeben" habe, wie die Freitagschreiber ausführen. Nein, hier sprudelt das Lebenselixier, von dem sich die Debatten um "Abweichler", "Rassisten" und "geistige Brandstifter" nähren: Die politische Korrektheit ist unbestimmt genug, in jedem Fall neu bestimmt zu werden - durch "alte, weiße, konservative, reaktionäre, heterosexuelle Männer, die keine Lust darauf haben, dass außer ihnen noch jemand die Welt erklärt", wie Matthias Dell und Marc Fabian Erdl politisch völlig korrekt argumentieren.

Die Definition, was politisch unkorrekt ist, liefert der Satz unausgesprochen mit: "Junge, schwarze, linke, fortschrittliche, homosexuell Frauen, die keine Lust darauf haben, dass außer ihnen noch jemand die Welt erklärt".

"Unter unsere Deutsche Fahne"

Hier hat alles angefangen, hier ist der jüngste Vernichtungsangriff der Unterwandertruppen des 4. Reiches auf die junge deutsche Demokratie mutig aufgedeckt worden. Das Kombinat Fortschritt aus Rostock produzierte mit seiner Enthüllung der empörenden Liebe einer jungen Frau, der die Gesellschaft alles gegeben hat, zu einem Rechtsradikalen und zugleich Rechtsextremen, der uns alle Freiheiten nehmen will, den Skandal des Sommers.

Ein Stoff, der immer noch für Diskussionen sorgt, obwohl die Bundesregierung mit der Gründung einer Behörde für die Überprüfung der ideologischen Geignetheit junger Sportkader (BÜdiG) sofort gegengesteuert hat.

Beim Kombinat Fortschritt hat sich jetzt auch ein Diskutant aus der Hauptstadt der Bewegung gemeldet, dessen mahnende Worte sich jeder oberflächliche Verharmloser ruhig in sein iPhone laden sollte.

Denn es ist ein Weckruf, ein verzweifelter Aufschrei, den Torben, der sich nach einem Google-Browser „Chrome“ nennt, in die Welt schreit: Braun oder fastbraun, wir lassen uns unsere "Deutsche Fahne" nicht beschmutzen, wir überwinden den „Nationalissmus“ (Torben) und sind mit Recht stolz darauf, uns von jedwedem Gedankengut zu distanzieren, wie unsere Eltern damals von Biermann und seinen Diversanten.

Wir dokumentieren den Aufruf im Original:

Leute wacht endlich auf!!!

Frau Drygalla ist lediglich eine von vielen.

Der braune Mob spukkt in die Gesichter aller! Es ist reiner Hohn wenn diese braune Brut unter unsere Deutsche Fahne steht und von Einigkeit und Recht und Freiheit singt.

Diese Art von Menschen sind ein Relikt längst vergangener umrühmlicher Zeiten.

Wenn wir dieses braune oder auch nur “fastbraune” Gesocks weiter tollerieren oder gar weiter walten lassen, wird alles auf daß wir bisher mit recht Stolz sein durften – damit meine ich auch die Überwindung des Nationalissmus – bald von dem blinden Hass gegen alles was “anders” Denkt verdrängt werden.

Deswegen ist die Zeit mehr als reif sich von solchem Gedankengut sichtbar zu distanzieren.

Die meist obligatorische Ausrede: Der oder Die ist nicht Nazi sondern nur ein “kleenes bischen rechts” kann in dieser Sache nicht gelten.

Gruss aus Nürnberg

Torben W.S.


Samstag, 11. August 2012

Weniger Science, mehr Fiction

"Zwölf Lektionen Europa" nennt die EU selbst eine kleine Spaßecke im Internet, in der Experten aus einer Welt berichten, die noch heile ist. Bewohnt von Menschen aus Papier, gelten in ihr Verträge, sobald sie unterschrieben wurden. Und alle halten sich daran. Es ist weniger Science als Fiction, was die europäischen Gesamtlyriker da für das informationshungrige EU-Volks draußen an den Internet-Empfängern zusammengeschrieben haben.

Das Versmaß wie Grass, die Wahrheit ein einziges Wünschdirwas. In der Serie „Was wäre, wenn“ dokumentiert PPQ ein Stück selbstbewusstes Europa im Internet, das seine Geschichte präsentiert wie ein Amputierter seinen verlorenen Arm. Schnallen Sie sich an. Wir gehen auf eine Reise in eine Traumwirklichkeit rund um den „Euro, die gemeinsame Währung für über 310 Millionen Menschen in der EU“. Nicht beirren lassen vom Hinweis, dass die Seiten gerade überarbeitet werden, um den aktuellen „Vertrag von Lissabon“ noch schnell einzuarbeiten.

Der Vertrag von Lissabon trat vor knapp drei Jahren in Kraft. Vom Rest ist jedes Wort ernstgemeint.

Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)
(a) Drei Stufen
Die erste Stufe begann am 1. Juli 1990 und umfasste:
* die vollständige Liberalisierung des Kapitalverkehrs innerhalb der EU (Abschaffung von Devisenkontrollen);
* die Aufstockung der Mittel zum Ausgleich großer Unterschiede zwischen den europäischen Regionen (Strukturfonds);
* die wirtschaftliche Konvergenz durch die multilaterale Überwachung der Wirtschaftspolitiken der Mitgliedstaaten.

Die zweite Stufe begann am 1. Januar 1994, in der Folgendes erreicht wurde:
* die Errichtung des Europäischen Währungsinstituts (EWI) in Frankfurt; dem EWI gehörten die Zentralbankpräsidenten der Mitgliedstaaten an;
* die Unabhängigkeit der nationalen Zentralbanken;
* Regeln zur Eindämmung der nationalen Haushaltsdefizite.

Die dritte Stufe begann mit dem Euro. Am 1. Januar 1999 führten elf Mitgliedstaaten den Euro ein, der damit zur gemeinsamen Währung von Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Portugal und Spanien wurde (Griechenland kam am 1. Januar 2001 hinzu). Die Europäische Zentralbank übernahm die Aufgaben des EWI und war von nun an für die in Euro festgelegte und ausgeführte Geldpolitik zuständig.

Euro-Banknoten und –Münzen wurden am 1. Januar 2002 in diesen zwölf Ländern des Eurogebiets in Umlauf gebracht. Zwei Monate später wurden die Landeswährungen aus dem Verkehr gezogen. Seitdem ist der Euro das einzige gesetzliche Zahlungsmittel für alle Barzahlungen und Bankgeschäfte in den Ländern der Eurozone, deren Bevölkerung über zwei Drittel aller EU-Bürger ausmacht.

(b) Die Konvergenzkriterien

Ein Land kann erst dann zur dritten Stufe übergehen, wenn es die Konvergenzkriterien erfüllt hat. Die fünf Konvergenzkriterien sind:
* Preisstabilität: Die Inflationsrate darf die durchschnittliche Inflationsrate der drei preisstabilsten Mitgliedstaaten um nicht mehr als 1,5 % übersteigen;
* Zinssätze: Die langfristigen Zinssätze dürfen von den durchschnittlichen Zinssätzen der drei Mitgliedstaaten mit der niedrigsten Inflation nicht mehr als 2 % abweichen;
* Haushaltsdefizite: Die Haushaltsdefizite der Mitgliedstaaten dürfen 3 % des BIP nicht übersteigen;
* Öffentlicher Schuldenstand: Die Staatsverschuldung darf maximal 60 % des BIP betragen;
* Wechselkursstabilität: Die Wechselkurse dürfen in den zwei Vorjahren die zulässige Bandbreite nicht überschritten haben.

(c) Der Stabilitäts- und Wachstumspakt

Im Juni 1997 schloss der Europäische Rat einen Stabilitäts- und Wachstumspakt , der die Euro-Länder auf Dauer zur Haushaltsstabilität verpflichtet. Nach dem Pakt kann jedes Land der Eurozone, dessen Haushaltsdefizit 3 % übersteigt, bestraft werden. Im Nachhinein wurde der Pakt als zu streng beurteilt und deshalb im März 2005 reformiert.

(d) Die „Eurogruppe“

In der Eurogruppe kommen die Finanzminister der Euro-Länder inoffiziell zusammen. Ziel ihrer Begegnungen ist es, die Wirtschaftspolitik besser abzustimmen, die Haushalts- und Finanzpolitik der Euro-Länder zu überwachen und den Euro in internationalen Währungsgremien zu vertreten.

(e) Die neuen Mitgliedstaaten und die WWU

Alle neuen Mitgliedstaaten wollen den Euro einführen, wenn sie die Voraussetzungen dafür erfüllen. Slowenien hat diesen Schritt als erstes Land aus der Beitrittsrunde 2004 getan und wurde 2007 Mitglied im Club der Euro-Länder. 2008 folgten Malta und Zypern diesem Beispiel. 2009 kam die Slowakei als jüngstes Mitglied hinzu.

Hier endet die Großerzählung aus einem Land, das es nicht gibt, aber die Hoffnung haben die Macher der EU-Homepage noch lange nicht aufgegeben. Wenn erst der Vertrag von Lissabon seine Wirkung entfaltet, heißt es in einer der anderen zwölf "Lektionen", dann aber: "Dieser Vertrag wird für mehr Demokratie und Transparenz in der EU sorgen, vereinfachte Arbeits- und Abstimmungsverfahren einführen, unsere Grundrechte in einer Charta verankern und es der EU ermöglichen, in globalen Fragen mit einer Stimme für zu sprechen.

Neue Aktion: Kein Mitleid mit Drygalla

Nadja Drygalla verließ wegen ihres Freundes, einem ehemaligen NPD-Mitglied, die Olympischen Spiele. Viele empfinden Mitleid mit der 23-jährigen – und vergessen wer die effektivsten Helfer der Neonazis sind: die Untätigen. Immer mehr anständige Demokraten erkennen das und fordern entschieden „kein Mitleid mit Drygalla!“ Beziehungen sollten Privatsache sein, das versteht sich in einem zivilisierten gemeinwesen von selbst. Doch wer Neonazis in seinem Umfeld, Freundeskreis oder seiner Familie akzeptiert und sich nicht entschieden lossagt und alle Kontakte sofort abbricht, unterstützt die rechte Szene. Er ist wird durch sein Wegsehen selbst zum Nazi, ein Menschenfeind, der gewaltätig wirkt durch Unterklassen, der mordet durch Zuschauen und Rassismus predigt, indem er sich – wie Nadja Drygalla – von einem Faschisten ficken lässt.

Doch unsere Menschen sind wachsam, sie spüren, dass hier eine offene Stellungnahme nötig ist wie seit 1976 nicht mehr, als es galt, dem Quertreiber Wolf Biermann zu zeigen, wofür das herz der wahren Kommunisten schlägt. Unzählige haben sich bei uns gemeldet, um ihren Abscheu gegenüber der jungen und von weitem recht lecker wirkenden Sportlerin öffentlich zu machen. Wir zitieren Auszüge aus den sehr persönlichen und zugleich so politischen Stellungsnahmen:


Willi Dose, Baggerfahrer, Deuben:

Mir ist die Verhaltensweise der Drygalla durch Rundfunk, Fernsehen und Presse unserer Republik bekannt. Meine Meinung ist, Drygalla hat sich nicht wie ein Bürger unserer Republik benommen. Sie hat die Menschen unserer Republik an Faschisten verraten. Ich distanziere mich von solchen Leuten und halte die Ausweisung aus London für richtig. Ueberall in unseren Tagebauen Profen-Süd und -Nord sowie in den Veredlungsanlagen haben Brigaden und Schichtkollektive ihre Zustimmung zur Ausweisung Drygallas gegeben. Sie bezeichnen Drygalla als Arbeiterverräter.

Heike Ahrend, Aldi-Verkäuferin, Nürnberg:

Die arbeitenden Menschen haben es in ihrer Geschichte immer wieder auch mit Leuten zu tun gehabt, die sich für anständige Demokraten ausgaben, ihnen jedoch in ihrem schweren und gerechten Kampf in den Rücken fielen und sich früher oder später in den Armen der Arbeiterfeinde wiederfanden. Eine davon ist Nadja Drygalla. Sie hat sich selber mit ihrem Verhalten aus dem Staat ausgeschlossen, der Bundesrepublik Deutschland heißt und zum ersten Mal auf deutschem Boden die Demokratie errichtet hat. Der Beschluss der Regierung, Nadja Drygalla aus London zurückzubeordern, ist nur der logische Schlussstrich unter ihren Verrat.

Werner Scherz, Ingenieur, Heidenheim:

Wenn einige meiner Kollegen meinen, sie müssten für den Skandal nicht Drygalla, sondern die demokratische olympische Bewegung und die gewählte Regierung verantwortlich machen, so kann ich sie nur bedauern und sie bitten, sich, wenn schon nicht der Lehren der Geschichte, so doch der Wahrheit zu widmen. Diese Frau liebt einen nazi und sie hetzt damit gegen unsere Grundwerte. Was sollen die Kinder denken, für die Frauen im Ruderachter schon immer Idole waren? Denn noch immer gilt für einen Demokarten in unserem Land die Einheit von Wort und Tat. Man kann nicht wie Nadja Drygalla Hosianna auf irgendeine abstrakte Demokratie rufen und sich zugleich auf die real in der Bundesrepublik existierende freie Meinungäußerung berufen.

Anneliese de Camago, Eisverkäuferin, Dresden:

Mit Parteinahme und Leidenschaft unterstützen wir Werktätigenin Elbflorenz die Entscheidung unserer Olympiaführung, Nadja Drygalla wegen ihrer faschistischen Verbindungen zu bitten freiwillig aus London abzureisen. Ihr Handeln ist Verrat an den Idealen der olympischen Bewegung.

Nikolaus Schneider, Präses, Evangelische Kirche in Deutschland:

Wenn ein Gottloser von seiner Gottlosigkeit umkehrt, so soll's ihm nicht schaden, dass er gottlos gewesen ist, heißt es bei Hesekiel. Daraus lernt man, dass es Umkehr geben kann und dass man die auch Frau Drygalla zugestehen muss. Die Umkehr, wie sie bei der Ruderin möglich und auch zu verlangen ist, muss tatsächlich errungen und ernst gemeint sein. In Sippenhaft für ihren Freund darf Frau Drygalla schon gar nicht genommen werden. Und ich sage ihr, bei Gott sind wir unabhängig von unserer Leistung wertgeschätzt und angenommen.

Roger Müller, Verkäufer, Rostock:

Ich bin empört, dass Frau Drygalla uns Demokraten als Lügner und Heuchler hinstellt. Sie kam 1990 in unsere Republik und hat sie ganz schön ausgenutzt. Was ist das für ein Mensch, der vorgibt, ein Demokrat zu sein, aber in gleichem Atemzug unser Land durch eine Beziehung zu einem Nazi beschmutzt? Damit hat sie sich selbst als Faschist entlarvt und darf sich jetzt nicht wundern, dass sie London verlassen musste. Ich solidarisiere mich voll mit dem Beschluss unserer Olympiaführung.

Freitag, 10. August 2012

Gesetzgeber als Gesetzbrecher

Trotz Sommerpause und Parlamentsferien ist es wieder gelungen. Die politischen Parteien, der Bundestag und die Spitzenpolitiker der Republik haben es erneut geschafft, haben ein neues, stolzes Kapitel in der langen, ruhmreichen Geschichte der rechtskonformen Verfassungsbrüche geschrieben.

Diesmal verwehrte der Gesetzgeber Auslandsdeutschen zu Unrecht ihr Wahlrecht, wie das Bundesverfassungsgericht in einer Entscheidung feststellte. Mit der Regelung zur Sesshaftigkeitserfordernis, die bestimmt, dass deutsche Staatsbürger nur wählen dürfen, wenn sie mindestens drei Monate in Deutschland gelebt haben, überschreite der Gesetzgeber seinen Gestaltungsspielraum zur Ausgestaltung der Wahlberechtigung der Auslandsdeutschen, da die Regelung mit Artikel 38 Abs. 1 des Grundgesetzes unvereinbar sei.

Beschwert hatten sie Deutsche aus Belgien, die wegen einer fehlenden Verbindung zum Stamm-Staatsgebiet nicht mit über den derzeit im Amt befindlichen Bundestag hatten abstimmen dürfen. Der Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl verbürge aber, so die Verfassungsrichter, "die aktive und passive Wahlberechtigung aller Staatsbürger" und er könne nur suspendiert werden, wenn "bei einer bestimmten Personengruppe davon auszugehen ist, dass die Möglichkeit der Teilnahme am Kommunikationsprozess zwischen Volk und Staatsorganen nicht in hinreichendem Maße besteht". Dies sei hier jedoch nicht der Fall.

Trotz der Ohrfeige aufatmen im politischen Berlin. Die letzte Wahl muss wie immer nicht wiederholt werden, hat das Bundesverfassungsgericht bestimmt: "Der festgestellte
Wahlfehler führt jedoch nicht zur Ungültigkeit der Bundestagswahl 2009".

Mehr Rechte ohne Job

Konsequentes Handeln, ganz anders als bei den deutschen Olympiasendern, die eben noch mehrere rechtsradikale und faschismusverherrlichende Äußerungen von Moderatoren verharmlost und totgeschwiegen hatten. Ganz anders der Münchner Radiosender Gong 96,3, der eine Mitarbeiterin sofort entlassen hat, nachdem diese "mit einem Nazi-Zitat Empörung ausgelöst" hatte, wie die Süddeutsche Zeitung zufrieden berichtet.

Die 39-Jährige hatte Hörern, die am selben Samstag wie sie arbeiten mussten, mit dem 1873 von Lorenz Diefenbach geprägten Satz "Arbeit macht frei" getröstet. Hörer waren empört, eine Mitarbeiterin des Senders aber wiegelte widerrechtlich ab, man solle das doch "mit Humor nehmen". Daraufhin erstattete ein aufmerksames antifaschistisches Ehepaar Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Derzeit läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung, die schuldige 39-Jährige wurde ebenso wie ihre 19-Jährige Mittäterin am Telefon umgehend entlassen, nachdem sie gestanden hatten. Gong-Geschäftsführer Georg Dingler freut sich über die konsequente Reaktion seines Hauses. "Der Sender engagiert sich schon lange gegen rechts, dazu stehen wir auch".

Die Anmerkung zum Tag des Antifaschismus

Donnerstag, 9. August 2012

Das Böse in Person: Häretiker von Heute

Das Böse unter der Sonne, es trägt einen Namen und der heißt Zweifel. Wer zweifelt, der glaubt nicht, und wer nicht glaubt, will vielleicht morgen schon nicht folgen. Wer zum Zweifeln aufruft, ist somit einer, der, so würde es in der „Tagesschau“ heißen, wäre noch das Jahr 1982 und ginge es um die Sowjetunion, „Systemkritik übt“.

Der „Spiegel“ hat Anfang der Woche in einer verdienstvollen Selbstkritik begonnen, mit denen aufzuräumen, die dissidentische Gedanken beim Thema Europa hegen, die also nicht bereit sind, an die absolut alternativlose Alternativlosigkeit der fortwährenden Rettung zu glauben. Hendrik M. Broden, in manchen dürren Wochen die einzige noch wahrnehmbare Stimme der Vernunft im Einheitsgeschrei der staatlichen Medien, legt nun heute nach. Sein Text ist, derzeit ist das ja noch nicht verboten, ebensosehr Aufruf zum Selbstdenken wie entschiedene Absage an einheitlich vorgebenes Ergebnisglauben.

In Sachen Europa, sinniert der Autor, stünden die Schuldigen schon fest, bevor das Unglück eingetreten ist. „Nein, nicht die üblichen Verdächtigen, die für alles herhalten müssen, also Freimaurer, Juden und Vegetarier, diesmal sind es Nörgler, die quer zum politischen Mainstream liegen.“ Dann zeigt Broder seine Sicht auf die vom „Spiegel" gekürten "zehn gefährlichsten Politiker Europas", die "zehn Scharfmacher", die "das Projekt Europa ernsthaft in Gefahr" bringen.

Es wird lustig, soweit einem das Lachen nicht im halse steckenbleibt. „Denn das Projekt Europa", schreibt Broder, „steht da wie ein Leistungssportler auf dem Siegerpodest: pumperlgesund, stark und voller Vorfreude auf die nächsten Wettbewerbe. Wenn da nur nicht diejenigen wären, die Europa zerreden, wie es der deutsche Außenminister Guido Westerwelle formuliert.“

Diese modernen Biermanns, Sacharows und Bohleys, die sich erdreisten, abweichende Positionen öffentlich zu formulieren, sie heißen Markus Söder, Alexis Tsipras, Marine Le Pen, Timo Soini und Geert Wilders, und wenn es irgendwie ginge, würde man sie am liebsten verbieten. Nur leider haben alle diese Miesepeter und "Scharfmacher" gemeinsam, das sie von den Wählern in ihren Ländern in die Parlamente gewählt wurde. Broder: „Freie Wahlen sind an sich was Schönes, aber nicht, wenn sie dazu führen, dass die Europa-Idee infrage gestellt wird.“

Das macht diese "Scharfmacher" zu den "zehn gefährlichsten Politikern Europas" – den Rest des Broder-Textes gibt es hier.

PPQ präsentiert: Die zehn gefährlichsten Titelbilder der Euro-Krise

Mit dem Zweiten sieht man rechter

Sie wollten das Fest der Jugend der Welt unterwandern, den deutschen Amateursport vor aller Augen bloßstellen und Kinder und Jugendliche nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern überall in der Republik in einen Strudel aus Hass, Gewalt und Menschenverachtung zerren. Mit letzter Tinte konnten Rostocker Antifaschisten das Vorhaben der Ruderin Nadja Drygalla und ihres Freundes Michael Fischä stoppen - binnen weniger Tage gelang es Funktionären und Medien, die schwärende Wunde am Standbein der olympischen Gesellschaft mit Hilfe von Kadergesprächen und aufklärenden Reportagen auszubrennen. Anschließend schwenkten die Aufklärer sofort herum und wandten sich gegen übertriebene Ansprüche an junge Sportler und gegen die eben noch verhängte Sippenhaft

Während ältere, erfahrenere "Spiegel"-Leser das Muster kennen, weil es sich in jedem Skandal wiederholt, kamen ausgerechnet die jüngsten Sportfreunde nicht mehr mit. "Mutti, darf ich jetzt gar nicht mehr mit dem Nils spielen, weil der Vater Faschist ist?", fragten viele Steppkes ängstlich. In Leserbriefen an die Redaktion der "Bravo" spielten sich Dramen ab: Beim Zelten an der Ostsee etwa hatte die 14-jährige Dortmunderin Sina den ein Jahr älteren Ronny kennen- und lieben gelernt. "Erst am Tag danach habe ich kapiert, dass Ronny ein Fascho ist", schreibt die Tochter eines Zahnarztehepaares aus wem Westend, die sich selbst als "fortschrittliches Mädchen" bezeichnet und auch schon an "Bunt statt braun"-Demonstrationen teilgenommen hat.

Sie liebe den Ronny trotz seiner "kruden Weltanschauung" und habe auch schon viel mit ihm über das 3. Reich und die menschenverachtenden Ansichten der NPD diskutiert. "Trotzdem habe ich jetzt Angst, dass ich vielleicht später nicht studieren darf, wenn ich weiter versuche, ihn von seinem falschen Weg abzubringen", schreibt die hübsche Blondine.

Das ZDF hat sich den vielen Ängsten und Befürchtungen angenommen, die jetzt in Kindergärten, auf Zeltplätzen und in Jugendfreizeitheimen grassieren. In den Kindernachrichten auf ZDF Tivi nahm sich die Politikredaktion der komplizierten Materie auf beeindruckend schlüssige Weise an: Die NPD sei eine "umstrittene Partei", mit der man deshalb keine Kontakte pflegen sollte, rät die Redaktion ihren jungen Zuschauern, viele Menschen seien auch der Meinung, Menschen, die mit Menschen befreundet seien, die sich an dieses demokratische Kontaktverbot nicht halten, sollten selbst mit einem Kontaktverbot belegt werden.

Bettina Roehl schreibt an den Bundespräsidenten

Der Fernsehführer geht in Rente

Neid, ja, auch Hass muss man sich erst einmal verdienen. Wohl kein Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland ist seit Jahren derart heftig angefeindet worden wie Adolf Hitler, der Chefdarsteller der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte und "Chefgeschichtsmoderator" aller anderen Fernsehsender. Jetzt hat sein Sender bestätigt, dass Hitler im April 2013 in den Ruhestand gehen wird, pünktlich zu seinem 124. Geburtstag.

Ein Schock für alle Fans des vielbeschäftigten Self-Made-Mannes, der kürzlich noch in Verbindung mit dem neuen Sender Hitler.tv gebracht worden war. Nur noch eine große "Hitler-Serie" wird es geben, mit dem Titel "Weltenbrand" über die Jahre 1914 bis 1945. Damals hatte alles begonnen, Adolf Hitler war als kleiner Gefreiter verstrickt in das Völkerschlachten. Später wurde er Reichskanzler, Diktator und Massenmörder, doch in den vergangenen 30 Jahren gelang ihm dann eine zweite Karriere als erfolgreichster Geschichtenerzähler in der Bundesrepublik. Hitler hat wesentlichen Anteil am Aufschwung des Bewusstseins für die Bedeutung der Vergangenheit hierzulande.

Seine Kritiker, die ihm nach Angaben der "Welt" (Ausriss oben) "eigentlich nur diesen Erfolg neiden", war und ist das gleichgültig: Sie zeihen ihn beispielsweise der "Geschichtspornografie" - so ein noch immer renommierter Professor, der allerdings seit Jahren keine überzeugende Publikation mehr vorgelegt hat. Die "Dauerpräsenz" des "Führers" sei unerträglich, sein täglich auf verschiedenen Kanälen auftauchendes Trade-Mark-Gesicht mit dem Bürstenbart beschere Alpträume, so Kritiker.

Denn Hitler, den zu zeigen Staatsanwaltschaften zum Teil verboten haben, ist ihrer Ansicht nach allein durch seine Präsenz NS-Propaganda pur. Aber Hitler und seine Arbeitgeber haben sich davon nicht beirren lassen, auch wenn ihm mitunter anzumerken war, dass verbale Tiefschläge schmerzten und schmerzen. Zeitweise erreichten Serien etwa über "Hitlers Helfer" in der besten Sendezeit eine höhere einstellige Millionenzahl an Zuschauern, eine Hitlerbegeisterungswelle lief durchs Land, die an den Hype um Lady Gaga erinnerte. Auf Phoenix, Arte und ZDF-Info laufen Geschichtssendungen mit dem Führer und Reichskanzler inzwischen ebenso in Endlosschleife wie auf den beiden privaten Nachrichtensender n-tv und N24.

Hitlers Methode, die spannend aufgemachte Montage von originalem Bildmaterial, Zeitzeugen-Interviews und manchmal Spielszenen, ist zum Gemeingut geworden. Einige der fetzigsten TV-Produktionen der vergangenen Jahre folgten diesem Schema.

Doch nun, am Ende seiner langen Karriere, die ihn zu einem der bekanntesten Menschen der Welt gemacht hat, will es Adolf Hitler noch einmal wissen. Der Größe und dem Selbstbewusstsein seiner Person angemessen, verabschiedet sich der 123-Jährige, den seine Anhänger den "Fernsehführer" nennen, mit einem „Weltenbrand“: Den Ersten Weltkrieg, der ihn zu dem machte, der er ist, bringt er als den „30-jähriger Krieg des 20. Jahrhunderts“ noch einmal in voller Länge ins deutsche Fernsehen.

Ab 18. September läuft die sensationelle Doku, erstmals komplett in Farbe und HD. Der Sound ist High Definition mit speziellen Gravitationseffekten, die Hitler beim einstigen Kriegsgegner in Marseille hat montieren lassen. Die erste Staffel der insgesamt acht Folgen langen Dokumentationsreihe mit dem packenden Titel «Weltenbrand» umfasst nach Angaben von "Quotenmeter" drei Episoden, die jeweils ab 20.15 Uhr zu sehen sein werden.

Es ist eine persönliche Abrechnung mit der Niederlage, die Hitler bis heute nicht verwunden zu haben scheint. Aufwändig restaurierte Originalaufnahmen, die der Führer zum Teil selbst auf Postkarten gemalt hat, wechseln sich ab mit und von Hand kolorierten Zeitungsausschnitten. Dazu kommen mit Hilfe von Schweineblut täuschend echt nachgestellte Szenen, die vergangenes Jahr in Minden gedreht wurden, und dreidimensionale Computeranimationen neuesten Standards.

Hitler, der eigentlich nicht einmal eine solide Ausbildung als Maler hat, später aber in die Politik gegangen war und Heerführer wurde, baute nach dem Krieg zunächst kleinen Bereich zu einer große Redaktion aus, übernahm schließlich sogar wieder eine eigene Hauptabteilung. Wahrscheinlich sei, schätzen Medienexperten, dass es keinen vergleichbar einflussreichen Nachfolger geben werde.

Hitler schreibt so zum zweiten Mal Geschichte, diesmal Fernsehgeschichte: Wenn die letzte von ihm geprägte Serie über die Zeit der Weltkriege ab dem 18. September gute Quoten erzielt, schließt sich nicht nur ein Kreis für ihn persönlich, es dürfte auch das sein schönstes Abschiedsgeschenk sein, das ihm die deutschen bescheren können. Das ZDF hat bereits aufgerufen, sich möglichst zahlreich vor dem Empfänger einzufinden. Das Motto der Werbekampagne, deren Rollout in zwei Wochen beginnt: "Der Führer spricht!"

Mittwoch, 8. August 2012

Nazi-Blitzer am Bikini-Body

Bis gestern kannte sie kaum jemand, heute ist sie in aller Munde: Das "schwedische Ex-Nackig-Model" (Bild) Victoria Silvstedt zeigte der Nation gestern stolz ihren Bikini-Body, verriet dabei aber ungewollt auch ein kleines, verstörendes Geheimnis.

Denn unten auf dem Rücken, den sonst nur ihr gut zehn Zentimeter kleinerer, aber viel reicherer Freund Maurice Dabbah zu sehen bekommt, trägt die 1,79-Meter-Superblondine offenkundig ein Tattoo, mit dem sie zumindest bei Olympia nicht mehr für die deutschen Farben punkten dürfte. Das Symbol, so bemerkten Millionen aufmerksame Bild-Leser geschockt, erinnert fatal an ein Hakenkreuz.

Auch das Management des Playboy-Bunny war alarmiert. Nachdem erste Gerüchte über eine Nähe Silvstedts zu Leute, die eine Nähe zu Leuten haben, die eine Nähe zu Leuten haben, die Leute kennen, die Hakenkreuz-Tattoos akzeptieren, tragen oder mit Leuten Umgang pflegen, die diese akzeptieren oder tragen, die Runde machten, erschien ein eiliges Dementi. Silvstedt habe nie, werde nie und stehe auf dem Boden des Grundgesetzes selbst wenn sie auf einem Liegestuhl auf einer Jacht sitze, hieß es.

Bei dem Tattoo handele es sich um eine Jugendsünde, die die pralle Blondine selbst noch nie gesehen habe, da sie sich "an einer ungünstigen Körperstelle befindet". Eine Prüfungskommission der schwedischen Reichskammer für Körperschmuck habe aber bereits vor mehreren Jahren festgestellt, dass es sich bei der Hautzeichnung um ein chinesisches Glückssymbol handele, nicht um ein indisches Sonnenrad.

Auf zum Schwur, ihr Sportsgenossen!

Junge, hochtalentierte Spitzen-Sportler müssen in Zukunft einen feierlichen Bekenntnisschwur zur Demokratie, gegen Extremismus, Totalitarismus und Radikalismus ablegen, wenn sie Geld von der Regierung wollen. Vorbild ist eine Klausel des Familienressorts, die werdende Mütter und Väter vom kommenden Jahr an sprechen müssen.

Das Bundesinnenministerium reagiert mit einer entsprechenden Verordnung auf den empörenden Fall "bisher nicht vorstellbarer Extremfall" Drygalla. Danach verlangt der Geldgeber der deutschen Amateursportler von Spitzensportlern und ihren Verbänden einen kategorischen Treueid auf das Grundgesetz. Im Zusammenhang mit der Zuweisung von Fördergeld für die Sport-Spitzenverbände müssen Empfänger in Zukunft bei jeder Überweisung einen feierlichen Schwur sprechen, hieß es im Ministerium.

PPQ® liegt der Text des feierlichen Eides vor, gesprochen werde soll er nach einer Dienstanweisung aus der Sportabteilung des BMdI möglichst nach Einbruch der Dunkelheit, dazu könnten die jungen Athletinnen und Athleten Fackeln anzünden. Um die beschwörende Wirkung zu verstärken, dürfe bedeutungsvolle Musik möglichst klassischer Herkunft gespielt werden, nicht aber Werke von Wagner.

Auf zum Schwur, ihr Sportsgenossen,
heb zum Himmel Herz und Hand!
Was die Trainer einst gelobt,
nachdem der Kriegssturm sie umtobt,
das geloben wir aufs neue,
Demokratie, dir ewge Treue!


Wundermächtig immerfort,
treiben wir für alle Sport,
stets zu siegen wir versuchen,
wenn wir verlieren, hört uns fluchen.
Wir versprechen hier aufs neue
Demokratie, dir ewge Treue!

Fest und stark ist unser Gott
alleweil der Leistungssport,
ungedopt trainieren wir,
sind unsres Landes schönste Zier.
Drum geloben wir aufs neue,
Demokratie, dir ewge Treue!

Auf dem weiten Erdenrund,
gibt es keinen schönern Bund.
Lästern uns die Feinde auch,
Treue ist ein Sportlerbrauch.
Drum geloben wir aufs neue,
Dir, Grundgesetz, die ewge Treue!

Dienstag, 7. August 2012

Die zehn gefährlichsten Titelbilder der Eurokrise


Europa steht seit Monaten direkt vor der Rettung, der Euro ist sicher, Griechenland, der größte Sorgenfall der Währungsunion, bekommt immer mehr solidarische Hilfe von seinen wohlhabenden Nachbarn. Dann ist da Spanien, dessen Probleme längst nicht so groß sind wie die griechischen, wenn sie auch größer sind, weil Spanien größer ist. Die Italiener kämpfen ebenfalls wacker gegen ihre Schuldenkrise, genau wie Zypern - und nun gibt es auch noch gute Nachrichten aus Irland, wo das Ruder erneut endgültig herumgerissen werden konnte. Die grüne Insel, das ist jetzt schon sicher, wird überleben!

Das ist die ökonomische Seite der Euro-Krise, eine einmalige Erfolgsbilanz, von der vor allem Deutschland viele Vorteile hat. Aber dann gibt es auch noch die Krisen-Profiteure. Jene Zeitungen und Magazine, die sich mit billigem Populismus wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen versuchen. So wie zuletzt das Hamburger Magazin "Der Spiegel", das im Stil einer Jagdliste über "Scharfmacher in der Euro-Krise" orakelte. In eigener Sache forderte das Magazin dabei selbstkritisch, Schluss zu machen mit abweichenden Meinungen zur Euro-Rettung. Es sei an der Zeit, an den Griechen "kein Exempel zu statuieren".

Mit Titelgeschichten wie "Akropolis adieu", "Gelduntergang" und "Die Geldbombe" habe man es sich - wie andere Populistenmagazine aus anderen EU-Ländern - "allzu leicht" gemacht. Man habe die Krise "Tag für Tag noch ein Stückchen weitergedreht" und damit am "gemeinsamen Haus Europa" (Erich Honecker) gezündelt. Scharfmachergeschichten wie "Geht die Welt bankrott" oder "Wenn der Euro zerbricht" schürten jedoch "direkt und indirekt Ressentiments gegen vermeintlich faule Südeuropäer" oder Griechen, die unwillig sind, Steuern zu kassieren. Ihr Ziel, auch das deckt der "Spiegel" nun aber auf: einfache Profitmaximierung, der eigene Vorteil am Kiosk, der Skandal um der Verkaufszahlen wegen - auf Kosten Europas.

PPQ präsentiert die zehn gefährlichsten Euro-Titelbilder und Schlagzeilen - ein Überblick

Fremde Federn: Von gebrochenen Dämmen


Von einer "Überraschung" schreibt René Zeyer beim schweizerischen Journal 21 natürlich nur ironisch. Griechenland ist pleite? Selbstverständlich, seit Jahren schon! Aber "nun ist es sozusagen amtlich alternativlos: Griechenland steht dort, wo es schon vor zwei Jahren stand: am Abgrund", heißt es bei Zeyer. Nur werde der Sturz der Hellenen heute viel tiefer sein, als er damals gewesen wäre. Und das nicht nur für Griechenland.

Es ist nicht zu leugnen, wenn man sich die Höhe der Staatsschulden in Europa, die Höhe der Arbeitslosigkeit in Spanien (so hoch wie seit Mitte der 70er Jahre nicht mehr) und das Ausmaß der Verzweiflung der Regierenden anschaut. "In den wenigen Jahren seiner Existenz hat der Euro einen Schaden angerichtet, den man sonst nur mit einem mittleren europäischen Krieg hinkriegt." Und die Medizin hat noch verheerender gewirkt, denn, so die Analyse aus der Schweiz, "die europäischen Rettungsschirme haben einen Schaden angerichtet, den man sonst nur mit ausführlichen Flächenbombardements hinkriegt."

Dabei komme das dicke Ende ja erst noch. Vielleicht schon nach dem nächsten, dem wiedermal allerallerletzten Krisengipfel, der nach bedauerlichen Fehlschlägen seiner Vorgänger grundsätzlich und für mindestens die nächsten fünf Jahre alle Probleme aus der Welt räumen wird. Danach folgt wieder ein ganz gewöhnlicher Montag nach einem Freitag, an dem wieder ein ganz neues Rettungspaket von wie immer immerhin 100 Milliarden Euro auf den Weg gebracht wurde, das ja wirklich mehr als ausreichend war, um wenigstens Spanien wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

René Zeyer lässt an seinem Urteil keine Zweifel: "Das alles ist das Resultat einer wohl inzwischen historisch einmaligen Unfähigkeit der Regierenden." In unheiliger Allianz mit dem Finanzsektor habe die Politi Privatschulden vergesellschaftet, Staatsschulden europäisiert und "mit einer unüberblickbaren Anzahl von Wortbrüchen das Vertrauen ihrer Untertanen weitgehend verspielt". Wie das Amen in der Kirche folgten nach inzwischen 19 Krisengipfeln in zweieinhalb Jahren die nächsten Katastrophen.

Optimismus gibt es nur noch, wo jede Scham verloren ist. Unerschütterlich verkündeten die Eurokraten mitten im absaufenden Euroland, dass sie alles im Griff hätten, ihre Politik weiterhin alternativlos sei und sowieso das Merkel-Unwort gelte: Fällt der Euro, fällt Europa.

Dabei sei längst es sonnenklar: Europa fällt über den Euro, das Einende, das unbedingt gerettet werden soll, ist das Trennende, das eine Rettung unmöglich macht.

Von Staatenlenkern könne man nun ja immer erwarten, dass sie einen Plan B zur Hand hätten, "wenn Plan A offensichtlich und mit Anlauf und völlig vorhersehbar in einem krachenden Desaster endet". Aber auch diese Hoffnung wird zuverlässig enttäuscht werden.

Oder ist das vielleicht der Plan?, argwöhnt Zeyer. "Heisst der Plan der Eurokraten in Wirklichkeit U für Unfähigkeit oder U für Untergang?" Er glaube nicht, dass sich ein "Schlamassel von solchen monströsen Dimensionen" lediglich mit Hilfe "unvorstellbarer Unfähigkeit" anrichten lasse. Könne es nicht sein, dass in den geheimen Sitzungssälen, bei den abhörsicheren Videokonferenzen unter den Staatenlenkern langsam eine Stimmung herrscht wie bei den letzten Lagesprechungen im Führerbunker zu Berlin?

Statt über nicht existierende Ersatzheere und die Gewissheit des Endsiegs werde dort heute einfach über nicht existierende Rettungsmilliarden und die Sicherheit der endgültigen Rettung der Eurozone schwadroniert. Während alle Beteiligten wüssten, dass sie Fantasmen nachjagen, kämen die finanziellen Einschläge immer näher. Leider gebe es aber einen gravierenden Unterschied beim Ende: "Restlos alle, die dafür Verantwortung zu übernehmen hätten, in erster Linie die Regierenden und die bedeutendsten Vertreter des Bankensektors, werden haftungslos und ungestraft davonkommen."

Montag, 6. August 2012

Gabriel garantiert Guthaben

Vier Jahre nach Angela Merkels Garantie aller deutscher Sparguthaben hat SPD-Chef Sigmar Gabriel das Versprechen der Kanzlerin auf alle Guthaben in ganz Europa erweitert. gabriel, der derzeit eine langfristig geplante Babypause während der Parlamentsferien durchführt, um junge Familien davon zu überzeugen, dass sie ihm ihre Stimme geben. meldete sich wie immer übers Wochenende aus dem Magdeburger Exil, um "eine gemeinschaftliche Haftung für die Schulden aller Euro-Staaten bei gleichzeitiger strenger gemeinsamer Haushaltskontrolle" zu fordern.

Er werde dazu sofort nach seinem Amtsantritt als Kanzler einen Verfassungskonvent einberufen, der das Grundgesetz ändern werde, die das Volk dann annehmen solle, sagte Gabriel. Er selbst sei bereit, mit seinem Gehalt und allen seinen Rücklagen zu haften und werde auch die Vorsitzenden der übrigen sozialdemokratischen Parteien in Europa dafür gewinnen.

Die Bundesregierung lehnt eine Vergemeinschaftung von Schulden der Euro-Staaten etwa über Euro-Bonds kategorisch ab. Gabriel lehnt das kategorisch ab. Um die Trilliarden aus der Schuldenkrise zurückzuzahlen, verlange er neben einer Gehaltsspende aller Sozialdemokraten die Streichung von Subventionen im Steuerrecht - etwa die Steuerfreiheit von Sonntagszuschlägen für Krankenschwestern - , die Erhöhung der Kapital-, Vermögens- und Erbschaftsbesteuerung und einen höheren Spitzensteuersatz. Es sei gerechtfertigt, von den Wohlhabenden mehr zu verlangen. Niemand werde allein reich. „Immer gehört dazu auch ein Land mit guter Bildung, Rechtsstaat und sozialem Frieden“, sagte der SPD-pop-beauftragte mit Blick auf China, wo die Rate der Reichen und Superreichen etwa zehnmal so schnell wächst wie in Deutschland. Auch Russland sei ein gutes Beispiel, so Gabriel.

"Welt" doch tiefer verstrickt?

Die mit der Abreise der umstrittenen Ruderin Nadja Drygalla von den Olympischen Spielen in London beschäftigte Zeitung "Welt am Sonntag" hat offenbar tiefere Verbindungen in die rechtsextreme Szene, als bisher bekannt. PPQ liegen Unterlagen vor, wonach das Blatt durchaus Sympathien für die Gesinnung des Freundes der Sportlerin, dem NPD-Politiker Michael Fischer, hegt.

Auf einem Foto, das Mitglieder der Nationalen Sozialisten Rostocks bei einer Demonstration im August 2009 in Malchow zeigt, sollen auch "Welt"-Abonnenten abgebildet sein, heißt es. Darüber hinaus seien im sozialen Netzwerk Facebook inzwischen Einträge gelöscht worden, aus denen auch deutlich werde, dass sich Journalisten der "Welt" durchaus auf umstrittene Seiten begeben habe.

Das Facebookprofil "Fail Better Photography", ursprünglich von Fischer ins Leben gerufen, zeige zum Beispiel eine unbekannte Frau mit Baseballschläger und einem "White Power"-Aufdruck auf ihrem T-Shirt, auch die als kriminelle Vereinigung verbotene Band "Landser" wird dort laut Bericht gewürdigt.

Reporter der "Welt", aber auch anderer Qualitätszeitungen haben diese Seiten zumindest gesichtet und versucht, dort Bilder herunterzukopieren, mit denen sie bei ihren Lesern Interesse für die rechte Gesinnung der Ruderin wecken wollten, obwohl sie laut eigener Auskunft selbst keine rechte Gesinnung haben. Die "Welt am Sonntag" gehört zum Springer-Konzern, dessen Gründer Axel Springer Mitglied des Reichsverbandes der Deutschen Presse, in der Reichsschrifttumskammer und im Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps war.

Sonntag, 5. August 2012

Italien irritiert vom Hades-Plan

Kaum hatte Angela Merkel den unabgesprochen vorgepreschten Mario Draghi lautlos zurückgepfiffen, weil es noch nicht Zeit ist, in die finale Phase des Hades-Planes einzusteigen, da empören sich die ehemaligen Verbündeten über die klaren Anweisungen aus dem Kanzleramt. Draghi habe sich Merkels Willen gebeugt, kritisiert "Il Giornale", ein Qualitätsblatt aus dem Statt von Silbio Berlusconi. "Gewonnen hat Deutschland, verloren haben Italien, Europa, der Euro."

Der angesichts der derzeitigen Situation in Europa eigentlich verständliche deutsche "Wunsch nach Hegemonie" ("Il Giornale") kommt nicht gut an im Süden. "Das Nein von Merkel und Deutschland lässt Europa in die Knie gehen", dreht der Leitartikler aus Italien die Abläufe einfach herum. Angeblich war es nicht Italien, das auf die im Hades-Plan vorgesehenen Reize genau so reagierte wie das Helmut Kohl und sein kleiner Planungskreis Anfang der 90er Jahre vorgesehen hatten. Sondern Deutschland habe Italien gezwungen, immer mehr Schulden zu machen, um immer mehr Waren importieren zu können.

"Seit gestern befindet sich Italien (und nicht nur Italien) nicht mehr in Europa, sondern im Vierten Reich", jammert das Blatt. Zwei Weltkriege mit Millionen Toten hätten nicht ausgereicht zu haben, den deutschen Wunsch nach Hegemonie zu stillen, mutmaßt "Il Giornale", um danach aus den hier bereits vor Monaten exklusiv erstveröffentlichten Hades-Papieren zu zitieren: Die Waffe der Deutschen seien nicht mehr die Kanone, sondern der Euro.

Alles über den Hades-Plan:
Deutsche Dominanz
Europa erschüttert
Vision wird Wirklichkeit
Traumhafte Zustimmung

Olympia: Der Fall Braun

75 Jahre lang war es Deutschland gelungen, eine saubere, antifaschistische Mannschaft zu den Olympischen Spielen zu entsenden. Dann aber dies: Die Freundin eines in Rostock bei der Linkspartei stadtbekannten Faschisten schmuggelt sich in den Deuschland-Achter der Damen, der prompt in der Qualifikation ausscheidet. „Jedem das seine“, würde die ARD-Studiobesatzung kommentiert haben, wäre ihr das schon bekannt gewesen. Das ZDF hätte wie immer alle Hoffnung auf die Pferde gesetzt, wenn schon die Reiter nichts taugen: Seit 2008 wird zurückgeritten!

Braune Schatten über Olympia, bei dem ehemalige Wehrmachts-Turner wie Helmut Bantz den stolzen deutschen Farben anno 1956 einen lupenreinen Neuanfang beschert hatten. Alfred Schwarzmann, Kunstturner und Silbermedaillengewinner der Spiele von 1936, unterbrach seine Turnkarriere nur kurz, um sich im Zweiten Weltkrieg als Major der Luftwaffe das Ritterkreuz zu verdienen. Mit seinem Fallschirmjägerregiment 1 kämpfte er mit um Maasbrücken und Eben Emael, die Einheit rettete Griechenland und Monte Cassino, ehe Schwarzmann zum Sport, seiner wahren Liebe, zurückkehrte. Bei den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki nahm er erneut teil und gewann wieder eine Silbermedaille, diesmal am Reck. Deutschland war stolz auf den Major der Herzen.

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Das waren noch Männer, ohne Verstrickung zu dubiosen Facebook-Nazis. Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg etwa, eben noch letzter Gouverneur der deutschen Kolonie Togo und im Dritten Reich unterwegs, um im Auftrag des Reichspropaganda-Ministeriums Handelskontakte zu knüpfen, stand für den unbelasteten deutschen Sport, das Kräftemessen auf friedliche Art, ohne NPD und Mecklenburger Kameradschaften.

Deutscher Sport im olympischen Geist wurde auch von Karl Ritter von Halt verkörpert. Halt trat am 1. Mai 1933 in die NSDAP (Mitgliedsnr. 3204950) und in die SA ein, brachte es hier zum Oberführer, ehe er mit dem Freundeskreis Himmler das Konzentrationslager Dachau besichtige ging (Foto oben) und sich als „Reichssportführer“ für die Volksgesundheit engagierte. Halt übernahm von Herzog Friedrich das Amt des obersten deutschen Olympioniken – auch er hatte nie etwas mit einem NPD-Funktionär, so dass er bei keiner Olympiade freiwillig abreisen musste, sondern schon 1956 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet werden konnte.

Sein ebenso unbefleckter Nachfolger wurde Willi Daume, der erst am 1. Mai 1937 mit der Mitgliedsnummer 6.098.980 in die NSDAP eingetreten war. Auch Daume, ehemaliger Feldhandballer und Starter in Hitlers Olympiamannschaft von 1936, war ein Mann des supersauberen Sports, ein Freund der Kanzler und Parteiführer. Während des Krieges setzte er in seiner Eisengießerei Zwangsarbeiter ein, die es gut bei ihm hatten. Nebenbei engagierte er sich als Gaufachwart für Handball und als Informant für den Sicherheitsdienst des Reichsführers SS. Daume hütete sich davor, Nazis in seinem Freundeskreis zu dulden. Dafür wurde er 1959 mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet – auch er, so hieß es in der Begründung, habe sich stets zur olympischen Idee bekannt.

Kombinat Fortschritt: Menschenfeinde äußern sich erstmals selbst

Samstag, 4. August 2012

Die Dritte-Liga-Mischmaschine

Die schlechteste Mannschaft der 3. Liga zu Gast bei der besten Ostmannschaft, der Aufsteiger aus Halle empfängt den Platzhirsch aus Erfurt, die Fanlager sind befreundet, der Himmel ist blau, das Kurt-Wabbel-Stadion prallvoll und 11.326 Zuschauer erwarten ein Fest von diesem ersten Punktspiel gegeneinander seit 20 Jahren.

"Wir mischen die 3. Liga auf!" plakatiert die Fankurve zum Einmarsch der Mannschaften. Und genau so kommt es auch. Im 3. Spiel in der 3. Liga kommt der HFC von Anfang an besser ins Spiel als die nach zwei Auftaktniederlagen bereits schwer verunsicherten Thüringer. Über Wagefeld und Hartmann tragen die Gastgeber erste vorsichtige Angriffe vor, Zählbares kommt nicht heraus, aber es ist deutlich zu spüren, dass die erstmals in unschuldigem Weiß aufgelaufenen Männer von Trainer Sven Köhler entschlossen sind, die Gunst der Stunde zu nutzen und die nächsten drei Punkte einzufahren.

Dabei vertraut Köhler wieder auf Dennis Mast auf Linksaußen, in der Abwehr stehen nach den Verletzungsausfällen von Eismann und Becken wie im Vorjahr Mouaya und Kanitz. Bis zur 20. Minute gibt es trotzdem nur eine wirklich große Chance, als Hartmann frei am langen Pfosten stehend vorbeiköpft. Dann aber der Auftritt von Nils Pichinot, dem Neuzugang aus Jena: Nach einem langen Ball aus dem Mittefeld spurtet er auf links Richtung Grundlinie, eigentlich ohne Chance, den Ball noch zu erreichen. Aber Erfurts Torhüter Sponsel will auf Nummer sicher gehen - und holt den Hallenser von den Beinen.

Elfmeter, ein völlig neues Gefühl für die Hallenser, die in der vergangenen Saison nicht nur die fairste Viertligamannschaft waren, sondern auch die, die die wenigstens Strafstöße zugesprochen kam. Maik Wagefeld aber, neuer Kapitän in Halle, stört das gar nicht. In der 21. Minute tritt er an und verwandelt sicher.

Der nächste Schock für Erfurt, auch wenn die mitgereisten 1300 Fans aus der aus unbekannten Gründen in Fußballreportagen stets "Blumenstadt" genannten Thüringer Landeshauptstadt weiter kämpferisch Lärm machen. Halle spielt jetzt breiter, Erfurt aufgeregter. Nur nach den wenigen Ecken kommt ein Hauch Gefahr auf, ansonsten haben Hartmann, Wagefeld, Ruprecht und Mouaya die Sache fest im Griff. Bemerkenswert: selbst der kleine Kanitz gewinnt die meisten Kopfballduelle gegen die Männer in Dunkelblau.

Das ändert sich erst nach der Pause, als Halle versucht, die Gäste kommen zu lassen, um kontern zu können. Mehrmals brennt es jetzt lichterloh vor Torwart Darko Horvat, der allerdings immer souverän klären kann. Bis zur 52. Minute. Ein Schuss von der Strafraumgrenze kommt so scharf, dass Horvat ihn nur nach vorn wegfausten kann, direkt in die Füße eines heranstürmenden Erfurters. Der zieht aus drei Metern sofort ab. Und schießt - schon rein physikalisch ein Wunder - am Tor vorbei.

Jetzt ist es, als würde das Team von Trainer Emmerling spüren, dass hier heute auch wieder nichts geht. "Wir ham die Schnauze voll", brüllt es aus dem Gästeblock, ein Bierbecher fliegt. Aber auch die vielen, vielen erst in den letzten Erfolgsmonaten neu zum HFC gestoßenen Zuschauer sind nicht recht zufrieden. "Da muss viel mehr kommen", fordern sie, "der muss den Mast rausnehmen" und "was der Hartmann an Fehlpässen spielt!"

Hartmann ist eigentlich Wagefeld, Mast macht eigentlich ein gutes Spiel. Er ist es, der eine Ecke herausholt, die der eingewechselte Müller tritt. Wagefeld leitet nach innen weiter, wo Ruprecht steht, der aus Nahdistanz mit dem Fuß einstochert. 2:0 in der 75. Minute, das wars auch schon, sagen die hängenden Köpfe der Erfurter.

Nur für Halle war es das noch nicht, denn jetzt kommt die 3.-Liga-Mischmaschine erst richtig auf Touren. Lindenhahn wird von Pichinot wunderbar freigespielt und läuft allein auf Sponsel zu, der den Schuss des kleinen Hallensers, aus dem wohl nie mehr ein Torschützenkönig werden wird, mit der Fußspitze pariert. Dann Freistoß für den HFC von halbrechts, Wagefeld legt sich den Ball zurecht, die kundigen Neuzuschauer diskutieren einen Linksschuss in den linken Winkel. Wagefeld hat nicht zugehört - er schießt mit rechts direkt in den rechten Winkel.

3:0, noch ein Treffer bis zur möglichen Tabellenführung. Sven Köhler bringt Philipp Zeiger, einen weiteren Neuzugang. Der ist keine zwei Minuten auf dem Platz, als er über das selbstgemachte 4:0 jubeln kann. Zumindest ein paar Sekunden, dann wird auch dem langen Langhaarigen klar, dass der Treffer nicht zählt, weil der Linienrichter ein Abseits gesehen haben will. Ist aber auch egal, denn die Liga ist auch so aufgemischt. Platz 3, besser in einer Profiliga stand der HFC seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht. Erfurt hat sich aufgegeben, die Köpfe hängen, es wird foulgespielt, wo es geht. Noch mehr Bierbecher fliegen. Dann ist Schluss und, wirklich, die Gästefans pfeifen ihre Männer aus und applaudieren den Spielern mit dem HFC-Logo auf der Brust.

Wer hat es gesagt?

Noch mehr Hilfe wird es nicht geben.


Sippenhaft ist abgeschafft

Ein Volk steht auf, ein Sturm bricht los! Die Empörung ist groß über den neuen Fall Braun rund um die Rechtsruderin Nadja Drygalla. Und der renommierte NDR legt jetzt kräftig nach, indem er neue Details zitiert, die zuvor nur seit drei Tagen bei Kombinat-Fortschritt.com nachzulesen waren. Nach Tiefenrecherchen der GEZ-Profis seien „im Internet aktuell Fotos“ der Rostocker Sportlerin veröffentlicht, „die sie im Umfeld von anderen Frauen zeigen, die mit eindeutig rechtsextremen Motiven posieren.“

Unerhört! Fotos der Sportlerin, neben denen Fotos stehen, auf andere Frauen in Szeneklamotten posieren! Die Gestaltung dieser Seite werde von irgendwem "Drygallas Lebensgefährten zugeschrieben", heißt es weiter. Vermutlich habe also dieser Michael Fischer, der sich Fischä nennt, auch die Bilder gemacht, in denen Damen in Naziklamotten zu sehen sind.

Man weiß es nicht. Es ist auch egal. Um fünf oder sechs Ecken gedacht bedeutet das, dass der Freund eines Freundes der Feind der olympischen Idee ist. Petra Pau, die alles schon längst wusste, aber getreu dem Gesetz der Omerta fein stille schwieg, wirft der Führung der deutschen Truppen bei Olympia nun vor, die Athletin nicht rechtzeitig ausgeschlossen zu haben.

Wer Gedankengut der Nazis in sich trägt und somit logischerweise den Unrechtsstaat vom Massenmörder Adolf Hitler zustimme, habe "als Demokrat und sportlicher Repräsentant für Deutschland sein Recht verwirkt", urteilt ein glühender Demokrat in den Kommentarspalten des NDR. Das Recht auf Leben? Auf Sportlichkeit? Ein anderer Freigeist stalinscher Prägung stimmt ihm begeistert zu: “Ich kann nichts Verwerfliches daran finden, NPD-nahe Menschen zu diskriminieren“. Die verdienten genau das, damit sie mal merken, wie es ist. Genauso verhalte es sich mit Mördern, für die es nur die Todesstrafe geben könne.

Friedensfreunde und Freiheitsliebende sind sich einig. Klar sei, dass alle, die das Wort „Sippenhaft“ in den Mund nehmen, Neonazis sind. Sie müssten, so ein derzeit nur mündlich vorliegendes Geheimpapier des Innenministeriums, umgehend aus allen Ruder-, Reit- und sonstigen deutschen Mannschaften entfernt werden. Schon Shakespeare lehre, dass Liebe keine Entschuldigung für den falschen Partner sein könne.

Fest steht für das gesunde Volksempfinden, dass eine Sportlerin, „deren Denken möglicherweise von Fremdenfeindlichkeit und rassistischen Hass geprägt sein könnte“, Deutschland bei Olympia nicht würdig vertreten kann wie das frühere Generationen von Sportlern und Funktionären taten. „Ein Metzger kann nicht Mitglied im Vegetarierverein sein“, folgert ein Kommentator. Deshalb könne logischerweise auch die Freundin des Metzgers nicht bei einem Vegetarierkongress auftreten. Das nach Artikel 3 Grundgesetz „niemand wegen seiner politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ darf, spiele keine Rolle. „Frau Drygalla ist ja nicht niemand“, heißt es im Olympischen Dorf.

Freitag, 3. August 2012

Am strammen Hang

Ist sie darum gar nicht erst nach London gereist? Hat sie darum alle Starts abgesagt? Trotz Parlamentspause? Obwohl sie Zeit gehabt hätte? Obwohl sie seit Jahren von den fragwürdigen Liebesspielen einer Rostocker Ruderin zu einem Rostocker Rechtsradikalen wusste? Obwohl dadurch ein Platz im Boot hätte frei sein müssen? Warum verschwieg Pau ihre Kenntnisse über die rechte Verstrickung der rechtsverstrickten Ruderin? Die Medien jedenfalls äußern einen ungeheuerlichen Verdacht: Ihr werde seit lange, „ein strammer Hang ins Nazi-Milieu nachgesagt“!

Satzsieg für den sauberen Sport

Punkt, Satz und Sieg im Kampf "Rechtsstaat gegen rechts" (Angela Merkel), Punkt, Satz und Sieg für den sauberen Sport! Nachdem eine deutsche Ruderin überführt werden konnte, verbotene sexuelle Kontakte zu einem Angehörigen der rechtsradikalen Szene in Mecklenburg zu haben, konnte der deutsche Chef de Mission Michael Vesper die Sportlerin Nadja Drygalla in einem "intensiven Gespräch" (Der Spiegel) überzeugen, das olympische Lager in London sofort zu verlassen. Damit werde Schaden von Volk und Reich abgewendet, hieß es in London. "Wir begrüßen diesen Schritt", sagte Vesper stolz.

Die Ex-Polizistin war drei Tage nach ihrem Ausscheiden mit dem Deutschland-Achter der Damen durch engagierte Antifaschisten überführt worden, in einen führenden Rostocker Neonazi verliebt zu sein. Unter der Schlagzeile "Mecklenburgische Neonazifreundin bei Olympischen Spielen" (oben) hatten mutige Aktivisten des "Kombinats Fortschritt" den ungeheuerlichen Fall öffentlich gemacht, der gehalten war, das deutsche Ansehen im Ausland nachhaltig zu beschädigen.

Die Führung der deutschen Mission in London reagierte umgehend auf das unsportliche Verhalten der Athletin. Zwar habe die 23 Jahre alte Rostockerin unter Tränen bekräftigt, "dass sie sich zu den Werten der Olympischen Charta und den in der Präambel der DOSB-Satzung niedergelegten Grundsätzen bekennt". Sie habe es jedoch strikt abgelehnt, sich von ihren Geliebten zu distanzieren. Zu gutem Sport gehöre aber eben auch Sauberkeit im privaten Umfeld, der Abbruch von Kontakten zu Diversanten, Spitzeln und Verfassungsfeinden.

Deshalb habe Drygalla von sich aus erklärt, dass sie das Olympische Dorf sowieso gerade habe verlassen wollen, um keine Belastung für die Olympia-Mannschaft entstehen zu lassen. Künftig, hieß es weiter, sollen Sportler, die für Deutschland starten, vor einer eventuellen Nominierung eine förmliche Verfassungstreue-Erklärung abgeben dürfen. Das jeweils zuständige LKA werde in Zukunft oblzudem gemeinsam mit der Abteilung "Sport B7" des Verfassungsschutzes eine igatorische Durchleuchtung des privaten Umfeldes der Athleten und deren Facebook-Accounts vornehmen. Dies geschehe "ausschließlich zum Schutz der jungen Sportler und auf völlig freiwilliger Basis", hieß es. Den Aktivisten des Kombinats Fortschritt soll eine ehrenamtliche Zuarbeit als Informelle Mitarbeiter angeboten werden.

Indien: Fremde im Dunkeln

Da muss erst der Strom ausfallen, damit der deutsche Mediennutzer mal etwas aus Indien erfährt. Die Lage in Griechenland (nichts mehr zu essen), in Spanien (keine Arbeit) und Italien (Leben unter Berlusconis dunklem Schatten) wird beinahe täglich erklärt. Auch die Menschenrechtslage in China und Russland bleibt selten einmal eine Stunde unbeschrieben. Sogar die Ukraine (vor Fußball-Europameisterschaften) und die USA (vor Wahlen) kommen in Fernsehen und Tageszeitungen gelegentlich vor.

Nicht so Indien, das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Erde, das Land, dass nie an Fußball-Großereignissen teilnimmt, das Land, dass keine olympischen Medaillen in bemerkbarer Zahl gewinnt, das Land, nach dessen aktueller Verschuldungssituation selbst Wolfgang Schäuble erst einen Saaldiener fragen müsste.

Indien ist, von Deutschland aus gesehen, das Land, in dem Fähren untergehen, Islamisten wüten und die normalen Menschen einmal im Jahr in einem heiligen Fluss baden, der in den Phoenix-Dokumentationen, die morgens um drei gesendet werden, aussieht, als komme selbst der seit zwei Wochen ungeduschte Badegast auf jeden Fall schmutziger aus dem Wasser als er hineingegangen ist. Fällt der Strom dort aus,
dann ist das kein Beleg für die Unfähigkeit staatlicher Firmen, eine aufwendige Infrastruktur zu pflegen und zu erhalten, wie jeder Stromausfall in den USA ein beleg dafür ist, dass private Energieversorger unfähig sind, eine aufwendige Infrastruktur zu pflegen und zu erhalten. Sondern Schuld des "veralteten Stromnetzes" (Stern), das der staatliche Energieversorger PSOC tapfer unterhalte, während egoistische Bundesstaaten "mehr als die ihnen zustehende Quote an Strom abgezweigen".

Keine Linkspartei meldet sich nun mit Forderungen zu Wort, auch die deutschen Stromnetze zu verstaatlichen. Kein Regierungsvertreter äußert sich besorgt. Kein Qualitätsblatt mutmaßt, dass Regulierung scheitern muss, wie es die in solchen Dingen immer unter Strom stehende Gleichspannungspostille "Zeit" angesichts der kalifornischen Stromausfälle tat "Das wirtschaftspolitische Konzept namens Deregulierung ist in Verruf geraten, ein Verdacht lastet nun auf den Empfehlungen der Marktliberalen: schön in der Theorie, aber untauglich, ja schädlich in der Praxis", hieß es damals, als San Francisco im Dunkeln saß.

Indien ist anders, Indien muss nicht erklärt werden, Indien wird beschrieben. "Die aufstrebende Wirtschaftsmacht hängt in der Stromerzeugung überwiegend von der Kohle ab, die Stromnetze sind veraltet. Besonders in den heißen Sommermonaten, in denen der Stromverbrauch deutlich ansteigt, ereignen sich immer wieder Ausfälle", heißt es über eine Naturgewalt, die Deutschland mit dem angestrebten Energieausstieg für immer in die Schranken weist.

Donnerstag, 2. August 2012

Pfeife im Wald

So viel Optimismus ist schon fast ansteckend. EZB-Präsident Draghi nennt den Euro "irreversibel", zu Deutsch also "nichtumkehrbar", was wie ein ganz starkes Argument klingt.

Die hohen Zinsen für die Krisenländer dagegen nennt er "inakzeptabel", was wie ein ganz lautes Pfeifen im Wald klingt.

Das Rezept dagegen ist dann total originell: Die Europäischen Staatschefs müssten "jetzt alle nötigen Schritte zur Stabilisierung der Währungsunion vornehmen".

Echt? Jetzt schon? Ja, ist den schon wieder... Wenn man Ratlosigkeit in eine Form gießen könnte und davon dann einen Abdruck machen würde - jede Wette, der sähe aus wie der Mario.

Kontinent der absurden Algebra

Staatsverschuldung von Griechenland 2012Zwei plus zwei ist bekanntlich 22 und obwohl nicht nur Vorschulkinder sich angesichts dieser nachvollziehbaren Rechnung gegen den Gedanken wehren, Mathematik sei keine exakte Wissenschaft, ist sie es tatsächlich nicht. Das lässt sich anhand der Schuldenkrise um Griechenland leicht nachweisen: Als die Krise begann, beliefen sich die griechischen Staatsschulden auf 300 Milliarden Euro – heute, zwei Jahre später, sind es nur noch läppische 350 Milliarden Euro.

Ein imponierender Erfolg der 29 Rettungsgipfel, in deren Folge mehr als 200 Milliarden Euro an direkten Rettungsgeldern ausgereicht wurden und private Banken und Versicherungen auf weitere 37 Milliarden Euro verzichteten.

Die Rechnung ist einfach: 300 Milliarden Euro minus 237 Milliarden Euro macht 350 Milliarden Euro.

Willkommen in Europa Irrealis, dem Kontinent der absurden Algebra. Minus mal minus ergibt hier noch mehr minus, Plus plus Plus aber ebenso. Die Krise ist gerecht in ihrer Grausamkeit. Hatten zu Beginn nur die Länder ein Schuldenproblem, die ihren Lebensstandard durch Kapitalimport finanzierten, sind zwei Jahre später auch die Staaten schwer angeschlagen, denen rein rechnerisch anfangs noch zugetraut worden war, den Deckel vom Nachbartisch einfach mal mitzuübernehmen.

Das also ist eine Politpause

Am 29. hat er es den Banken mal wieder richtig gegeben. "Es geht nicht um eine Zerschlagung der Banken, sondern um eine Abschirmung des Geschäftsbankings", ließ der Finanzexperte Sigmar Gabriel wissen. Er werde Geschäftsbanken untersagen, "Dienstleistungen an eine nicht abgeschirmte Bank oder an andere Finanzgesellschaften außerhalb des Bankensektors zu erbringen", umriss der künftige Kanzler. Die Erfolge der Landesbanken zeigten, dass dies das richtige Vorgehen sei. Er werde marode Banken verstaatlichen, müsse nur noch überlegen, welche da infrage kämen, da ja nahezu alle bereits verstaatlich seien. „Frau Merkel hat die falschen Berater“‎, legte sich Gabriel fest.

Zuvor hatte er wie immer Töchterchen Mariechen "abgefüttert“ (Gabriel) und noch schnell ein Pressekonferenz auf Twitter gegeben. Kaum war er weg, war er dann auch schon wieder da: Ostentativ forderte Sigmar Gabriel von Angela Merkel mehr Einsatz für die Bankenregulierung. "Merkels Irrglaube, die aktuelle Euro-Krise sei allein die Folge überbordender Staatsverschuldung einzelner Euro-Staaten, führte fast schon zwangsläufig dazu, dass die Arbeit an einer robusten Regulierung der Finanzmärkte und des Bankensektors aus den Augen verloren wurde", analysierte er messerscharf in einem Gastbeitrag für die "Financial Times Deutschland".

Aber keine Atempause, Mariechen ist abgefüttert! Also noch schnell eine flottes Statement zum Endlagersuchgesetz: Er schließe Gorleben nicht aus, teilte Sigmar Gabriel mit.

Das also ist die "Babypause", die der frühere Eisbären-Pate und bis heute amtierende Pop-Beauftragte der SPD bereits im April angekündigt hatte. "Drei Monate Auszeit von der Politik" hatte sich Gabriel verordnet, um sich um seine gerade erst geborene Tochter kümmern zu können. Beispielhaft für alle jungen Väter im Land, überaus emanzipiert und fortschrittlich. der Bundestag spielte mit und legte die diesjährige Sommerpause exakt so, dass Gabriels Vaterspiele genau abgedeckt wurden.

Wenn es denn sein muss, ist der feiste Favorit auf die Nachfolge von Bundeskanzlerin Merkel ohnehin da. Zur Sondersitzung des Bundestages, der außerplanmäßig Europa retten musste, eilte Gabriel ebenso herbei wie zum Protest gegen das neue Meldegesetz. Zwischendrin forderte er schnell noch ein Gesetz gegen Abzocke mit Dispozinsen‎, er warnte vor Folgen eines griechischen Euro-Austritts‎, er drohte mit einem "Nein zu Merkels Europa-Politik‎" und gab Fehler bei Hartz IV zu‎.

Dem Tagesspiegel verriet Gabriel anschließend, wie toll er sich fühle, mitten in seiner Politikpause. Er genieße seine politische Auszeit mit Tochter Marie. "Ich finde es einfach klasse", sagte Gabriel, der sich nach Angaben von Freunden vorstellen kann, nie mehr in die aktive Politik zurückzukehren. "Es geht ja auch so, findet er", sagt ein Vertrauter.

Mittwoch, 1. August 2012

Ab 22.45 wird zurückentschuldigt

Gestern noch wurde "seit 2008 zurückgeritten", heute ist das ZDF schon einen Schritt weiter: Mit "Jedem das Seine" kommentiert das Moderatorenduo im Studio den Umzug eines deutschen Athleten aus dem Olympischen Dorf in ein Hotel, wo er wohl mehr Ruhe vor seinem entscheidenden Wettkampf finde. Zum Glück sind die sozialen Netzwerke jederzeit auf Ballhöhe (Screenshot). In Mainz ist der Krisenstab zusammengetreten. Der "Spiegel" hat schon angerufen, die "SZ" ist alarmiert. Ab 22.45 Uhr soll zurückentschuldigt werden.

Teufel auch, schon wieder dieser Hitler!

67 Jahre ist er tot, immer noch aber kommen neue, beklemmende Fakten über den früheren Führer und Reichskanzler und heutigen n-tv-Starmoderator Adolf Hitler ans Licht. Nach den erschütternden Entdeckungen, dass Hitler Multimillionär war, 1938 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde und geplant hatte, Hunden das Sprechen beizubringen, hat der Berliner Kurier jetzt neue außergewöhnliche und verstörende Einzelheiten aus dem Leben des Braunauers herausgefunden.

Hitler hatte danach nicht nur eine lange geheimgehaltene Affäre mit einer Frau, die genauso hieß wiedie spätere Gattin des fortschrittlichen Schriftstellers Erwin Strittmatter, sondern auch eine perverse Vorliebe für Bücher. Mehr als 16.000 Exemplare soll der Völkermörder besessen haben, alle habe er in drei Privatbibliotheken abgeschirmt vor seinem Volk gehortet. Ob und wann Adolf Hitler die Bücher gelesen hat, soll jetzt eine Historikergruppe herausfinden, die sich regelmäßig auf den Internetseiten des "Kurier" trifft.

Gerechtigkeit für Spekulanten

Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande zeigt seiner deutschen Kollegin Angela Merkel, wie es geht. Ab heute gilt eine Finanztransaktionssteuer für französische Wertpapiere, die die Verantwortlichen mal so richtig an den Kosten der Krise beteiligen wird, wie die "Welt" irrtümlich berichtet.

Zumindest, wenn sie keine zynischen Großspekulanten sind, nicht gewissenlos mit den Aktien mittelgroßer Firmen handeln oder fahrlässig den Börsenplatz Paris ansteuern, um ein paar Siemens-Papiere ins Altersvorsorgedepot zu legen.

Denn die französische Finanztransaktionssteuer in Höhe von 0,2 Prozent ist ein sehr scheues Stück Symbolpolitik. Sie wird für jeden Kauf eines französischen Wertpapiers fällig, nicht aber für den Kauf einer deutschen Aktie an einer französischen Börse. Zahlen muss auch nur derjenige, der Aktien eines Unternehmens mit Hauptsitz in Frankreich kauft oder verkauft, das eine Mindestmarktkapitalisierung von einer Milliarde Euro hat - maßgeblich ist der 1. Dezember des Vorjahres.

Und schließlich, so hat der Sozialist Hollande aus Rücksicht auf alle Turbospekulanten beschlossen, muss ein Aktienkauf auch erst finanztransaktionsversteuert werden, wenn er eine Eigentumsübertragung zur Folge habe. Das geschieht nur, wenn zwischen Kauf und Verkauf mindestens ein Tag liegt – wie es etwa bei den Aktienkäufen von kleinen Angestellten und Arbeitern üblich ist, die sich Wertpapiere ins Depot legen, um in 20 Jahren etwas fürs Alter zu versilbern zu haben.

Die müssen dann zahlen, im Gegensatz zu allen, die nur kräftig spekulieren wollen. Die dürfen dasselbe Papier an jedem Tag jeder Woche einmal oder zwei oder dreimal pro Stunde kaufen und verkaufen und gern auch Millionen damit verdienen. Niemals wird der sozialistische Staat ihnen auch nur einen Cent Transaktionssteuer abziehen. Das ist gerecht, sagt Sigmar Gabriel, der sich schon lange eine ähnliche Regelung für deutsche Arbeitnehmer und Langzeitanleger wünscht.

Geheimreport: An der Großgeldquelle: Wo Europas Geld entsteht