Freitag, 14. November 2014

MfS-Enthüllungswolke: Das sind die Namen der Täter

Frank, Andreas, Wolfgang und Peter - 25 Jahre nach dem faktischen Ende der DDR ist es in einem aufwändigen Experiment gelungen, die Hauptschuldigen an den Untaten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR namhaft zu machen. Zuvor hatte die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley über Jahre hinweg geklagt, dass das MfS immer ihren und die Namen anderer Oppositioneller gewusst habe - nunmehr weiß die Öffentlichkeit erstmals auch von Frank, Andreas, Wolfgang und Peter und den anderen, die im Dienst des Mielke-Ministeriums standen.

Um die Hauptschuldigen auszumachen, wurden die 91.000 Namen der hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS, die 1990 von Bürgerrechtlern auf mehreren Disketten der Stasi-Lohnbuchhaltung gefunden worden waren, aufwendig neu digitalisiert. Die ehemals von Whistleblowern des Portals Nierenspende veröffentlichte Datei war bereits vor Jahren auf Wunsch Betroffener verboten worden.

Die vollständige Liste der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaftsdienstgrade des Ministeriums für Staatssicherheit konnte sodann mit Unterstützung des US-amerikanischen Computer-Entrepeneurs Jonathan Feinberg eine von dessen Word-Clouds übertragen werden.

Hier nun, in dieser modernistischen Wolke aus puren Daten, zeigt sich das ganze, erschütternde Bild: Jürgen, Torsten, Werner, Manfred und Horst, aber auch Michael, Dieter und Bernd agierten faktisch im rechtsfreien Raum, sie waren es, die zu DDR-Zeiten den größten Anteil daran hatten, dass Menschen unterdrückt, ihrer Freiheit beraubt und bespitzelt wurden. Frauennamen finden sich, obgleich die DDR die Gleichberechtigung erfunden zu haben behauptete, kaum in der Enthüllungeswolke. Eine Marion ist da, ein Karin, eine Sabine, so klein, dass an ihrer Nebenrolle bei der Unterjochung von 17 Millionen Ostdeutschen kein Zweifel bestehen kann.

Wolfgang, Andreas, Frank und Peter dagegen, Namen aus der Generation der nach dem Zweiten Weltkrieg Geborenen, dominieren das Bild mit ihrer Größe, die ihrem Anteil an den Gesamtverbrechen des MfS entspricht. Bis heute, das verwundert kaum, hat sich keiner der Namenträger bei den Opfern der Diktatur entschuldigt.

Donnerstag, 13. November 2014

Wowereit: Neues Leben für Altbürgermeister

Lange hatte er seine Freunde im Unklaren darüber gelassen, was er nach seinem Ausscheiden aus dem Amt tun wird. Selbst als die Öffentlichkeit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit schon anmerkte, dass er nicht mehr bei der Sache war - so nannte Wowereit den DDR-Sängerdissidenten Wolf Biermann bei einer Präsentation zum Mauerfall-Jubiläum "Wolfgang Biermann" - schwieg sich der Amtsnachfolger so vieler großer Sozialdemokraten über seine Zukunftspläne aus.

Jetzt erst hat der 61-Jährige allem Rätselraten ein Ende gesetzt, wenn auch unfreiwillig. Nachdem Berliner Schüler bei einer Exkursion ins Brandenburgische Schilder mit Hinweisen auf eine neue Restauration mit dem unzweideutigen Namen "Wo-Wees Café" entdeckt hatten, reagierte das Rathaus. Ja, es stimme, hieß es nun, Wowereit plane ein neues Leben als Gastronom und Café-Betreiber. Mit dem kleinen, aber feinen Wo-Wees-Café ziele der derzeit noch Regierende auf die wachsende Zielgruppe der jungen und alten Genießer, die einen guten Kaffee zu schätzen wissen, aber auch hausgemachte Torte und Kuchenkreationen nach Omas Rezepten nicht verachten.

KLaus Wowereit habe den Neustart bereits seit einigen Jahren geplant, weil er es habe vermeiden wollen, wie andere Ex-Politiker einen Posten als Lobbyist oder Russlandversteher annehmen zu müssen. Das Wo-Wee-Café offeriere neben leichter Nachmittagskost mit Schmandkuchen und Kirschtorte auch Burritos - für die bisher als ausschließlich bratwursthörig geltende No-Go-Area Brandenburg ein gastronomischer Schritt nach vorn, der aus Wowereits Umgebung als "Mondlandung" beschrieben wird.

Russen-Kolonnen überrollen Ukraine

Diesmal sind die Panzer des Teufels Putin nicht einmal mehr unsichtbar. Die Nato hat bestätigt, dass ein russischer Militärkonvoi in die Ukraine gelangt sei. Nato-General Philip Breedlove versicherte, dass die Nato in der Ostukraine dasselbe sehe wie die OSZE. Die hatte von einer „Kolonne von 32 Panzern, 30 Lastwagen voller Kämpfer, 16 Haubitzen sowie weiterem Militärgerät“ berichtet, die aus Russland in die Ostukraine eingedrungen sei. Zudem sei eine Kolonne aus Militärlastwagen ohne Kennzeichnung gesehen worden, „die mit fünf schweren Artilleriegeschützen und fünf Raketenwerfern in Richtung der Rebellenhochburg Donezk fuhr“.

Breedlove wurde nun noch konkreter: Er habe „Kolonnen russischer Ausrüstung gesehen, vor allem russische Panzer, russische Artillerie, russische Luftabwehrsysteme und russische Kampftruppen, die in die Ukraine gebracht werden." Das wisse er genau, nur die genaue Anzahl der Einheiten sei unklar. Einigkeit mit der OSZE bestünde jedoch darüber, dass es "zahlreiche Kolonnen" seien.

Für die Kiewer Regierung ein klares Zeichen, dass „eine großangelegte Militärinvasion Russlands“ bevorsteht, wie der Uno-Botschafter Jurij Sergejew warnte. "Ich glaube, dass die Uno so schnell wie möglich darüber informiert werden muss, dass Russland eine umfassende Invasion in der Ukraine plant", schrieb er bei Twitter. 32 Panzer, etwa 900 Männer, 21 Geschütze und fünf Raketenwerfer seien "Fakten", die "keinen Zweifel" ließen. Hinzuzählen müsse man zudem noch die zahlreichen unsichtbaren Panzer und Geschütze, die Moskau zweifellos bereits in Marsch gesetzt habe, um bei erstbester Gelegenheit zuschlagen zu können.

Dabei schrecken die skrupellosen Separatisten offenbar nicht davor zurück, ihre eigene Hochburg Donezk trotz des Waffenstillstands unter Beschuss zu nehmen. Ein Reuters-Korrespondent im Stadtzentrum hörte am Mittwoch laute Explosionen nach einem schweren Artilleriebeschuss. Der „Focus“ konnte gerade noch feststellen, dass „zunächst unklar blieb, wer geschossen hat“. Da die Kiewer Regierung aber kompromisslos zum Minsker Waffenstillstandsabkommen steht, können es nur Separatisten gewesen sein, die mehrere Wohnhäuser im Stadtgebiet unter Beschuss nahmen, um spätere Angriffe gegen die reguläre ukrainische Armee begründen zu können.

Der Westen wird mit angemessener Härte reagieren und die Sanktionen gegen Russland noch einmal verschärfen. Bereits die bisherige Bilanz der Strafmaßnahmen gegen Putin zeige, dass der Weg der EU ein richtiger sei, sagte Federica Mogherini, die Außenministerin der Gemeinschaft. Der Erfolg zeige sich vor allem darin, dass "die Strafmassnahmen nötig sind, weil sie unsere einzigen Druckmittel sind, wenn wir eine militärische Lösung ausschliessen", erklärte sie.

Mittwoch, 12. November 2014

Skin-Tone-Modifier: Smileys werden multikulturell

Einseitig, von einem Gelb, das an Leberkranke gemahnt, unzureichend diversifiziert, um die gesamte Vielfalt der menschlichen Rasse* darzustellen - über Jahrzehnte hinweg wollte die Kritik am Emoji-Zeichensatz, den der Computerhersteller Apple seinen Kunden anbietet, nicht verstummen. Lange zeigte sich der Konzern harthörig, doch den Initiatoren einer Petition ist es jetzt gelungen, das wertvollste Unternehmen der Welt zu zwingen, seine einseitig auf gelbhäutige Menschen mit runden Augen und Glatze ausgerichtete Smiley-Politik den wirklichen Gegebenheiten auf der Erde anzupassen.

Ein neues Smiley-Paket, entworfen vom Unicode-Konsortium, das die Bildzeichen standardisiert, enthält in einem ersten Schritt 151 Emojis, die Menschen abbilden, dabei können alle Zeichen mit einem innovativen Skin Tone Modifier entsprechend der Notwendigkeit einer rassisch einwandfreien Zeichenpolitik in sechs verschiedenen Hauttönen gefärbt werden. Der Nutzer muss dazu auf seinem Touchscreen-Geräte nur etwas länger drücken, daraufhin öffnet sich der Modus "Hautfarbe wählen".

Aktuell handelt es sich allerdings erst um Phase 1 der Neuordnung der Standardisierung zur Durchsetzung rassisch akkurater Smileys. Nach Protesten von FeministInnen, Angehörigen von religiösen Minderheiten und sexuellen Gendergruppen steht eine Erweiterung des Zeichensatzes auf derzeit noch nicht berücksichtige Menschen an. Eigene Smileys werden dann auch Dicke, Dünne, Langhaarige, Transsexuelle, Mehrfachsexuelle, Burka- und HutträgerInnen, Bartbesitzer und Träger von Piercings erhalten. Ziel ist es laut Unicode-Konsortium, die per Emoji dargestellten Menschen "so neutral wie möglich" zu präsentieren, was "Rasse, Volkszugehörigkeit, Religion und Geschlecht" anbetrifft.

(*Zitat Grundgesetz)

Medien: Fortgesetzter Kindesmissbrauch

Diesmal großer Auftritt in der FAZ. Das kleine Mädchen, das so traurig auf eine Landschaft aus Hartz-4-Beton schaut, sitzt wie immer von der Kamera abgewandt auf ihrem kalten, verrosteten Eisengeländer. Die rote Jacke müsste freundlich aussehen, sie verstärkt aber nur den Eindruck der grässlichen Tristesse. Das Basecap auf dem Kopf desgleichen. Hier ist nichts zu retten, wie immer.

Seit Jahren schon muss das kleine Mädchen immer ran, wenn es um Armut, Kinder, Kinderarmut oder Hartz-4 oder Bildungsdefizite geht. Mit Phillip Rößler hat sie Änderungen am Armutsbericht verteidigt. Im Nordbayrischen Kurier war sie fast jeder Sechste, der arm ist. Im "Stern" hat sie als "geschundene Seele der Arbeitslosen" gesessen und auf die verheerenden Zahlen im jüngsten Armutsbericht aufmerksam gemacht - 2012. Im selben Jahr auch ein Einsatz bei Bild: "Unicef sieht relativ hohe Kinderarmut in Deutschland" - Bild.de griff zum dpa-Foto der kleinen Dunkelblonden, die damals noch eine achtlos beiseitegelegte Puppe zu Füßen liegen hatte.

Die Puppe verschwand später, sie war schon nicht mehr da, als die Taz das Mädchen verpflichtete, um eine neue Wasserbiszumkinnstandsmeldung zur Kinderarmut zu illustrieren. Im Handelsblatt ("Datenreport 2013: Arm trotz Arbeit") ist die Puppenschädeldecke noch zu erahnen, aber auch bei RTL fehlt sie, ebenso bei Neworldnews und auch in der "Kronenzeitung", in der das Mädchen seinen ersten Auslandseinsatz absolvierte, um die österreichische Armut anzuprangern.

Irgendwann um diese Zeit rutschte auch die Herkunft des Bildes ins Ungewisse: Eben noch war es von Patrick Pleul gemacht und von der halbstaatlichen deutschen Agentur dpa verbreitet worden. Und schon änderte sich alles: Die französische Agentur AFP hielt nun die Rechte am erfolgreichsten Armutsmodel Deutschlands. Das Foto selbst war auch wieder taufrisch, es stammte nun aus dem Jahr 2014. Dafür war allerdings nach der Puppe nun auch die Mütze der Schere zum Opfer gefallen.

Umso trauriger schaut das Mädchen nun aus der FAZ - jedenfalls bis die Redaktion am Abend zur Schere griff, und das Mädchen gegen ein Bild von einer von hinten fotografierten Roma-Mutter mit ihren beiden Töchtern austauschte. Das zuletzt ein "Spiegel"-Stück zur Fremdenfeindlichkeit der Deutschen illustrieren durfte.

Enthüllt: Das arme, arme Mädchen von vorn hier und hier (mit Mülltonne)

Billiger Nachmachversuch hier

Dienstag, 11. November 2014

Hitler: Dino-Ritt unter eisernem Himmel

Es war Hitler erster Hit seit dem Einmarsch in Polen einige Jahre zuvor, ein Kino-Knaller mit Ansage, der jetzt seine Fortsetzung findet. In einem ersten Trailer gestatten die Macher der Mond-Nazi-Saga "Iron Sky" einen Einblick in den geplanten nächsten Film um die wilde Fantasie samt Reichsflugscheibe, Neuschwabenlandexil und Ausflügen in die Hohle Erde.

Harte Hass-Kost, die satte Profite verspricht. Der erste Teil, zu einem großen Teil von freiwilligen Spendern finanziert, spielte mehr ein, als er kostete, auch den zweiten will Regisseur Jarmo Puskala nun wieder teilweise über Kleineinlagen finanzieren. Eine halbe Million soll bei Indiegogo gesammelt werden, für 50 Dollar gibt es nach Fertigstellung eine DVD mit dem "Dictators Cut" des Meisterwerks, für 100 ein T-Shirt mit dem T-Rex, der in "The Coming Race" Hitlers Reittier sein wird.

Zwar gilt Hitler seit den Karikaturbeschlüssen der Staatsanwaltschaft in Halle deutschlandweit als verbotenes Nazi-Symbol, als Re-Import aus Finnland aber ist der
erfolgreichste deutsche Film- und Fernsehschaffende nach den Regeln des europäischen Freihandelsabkommens zoll- und straffrei. Die nach vom Nachrichtenmagazin "Spiegel" verbreiteten kruden Gen-Thesen gedrehte Space-Opera "The Coming Race" soll allerdings erst im Jahr 2016 in die Kinos kommen. Bis dahin hätte der Gesetzgeber noch Zeit, die erneute herabwürdigende Darstellung des früheren Reichskanzlers als Reptilienmensch per Gesetz zu unterbinden.

Thüringen: Wer hört auf die irren Wahlsieger?

International ist die Pseudo-Abstimmung über eine neue Landesregierung in Thüringen nicht anerkannt, doch die drei künftigen Regierungsparteien in dem abgelegenen Bundesland auf dem Gebiet der ehemaligen DDR halten davon unbeirrt am Ergebnis fest, das mit einer Mehrheit von 40 Stimmen zustandekam.

Wie geht es jetzt weiter? Was bedeutet die Abstimmung, erst recht nach der Abrechnung des Liedermachers Biermann im Bundestag? Die "Bild"-Zeitung hat die fünf wichtigsten Fragen dazu beantwortet:


Wer hört auf die irren Wahlsieger?

Keiner außerhalb Thüringen. Der Bundespräsident etwa kritisiert die Wahl. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, selbst Ostdeutsche, ist nicht glücklich über das Votum der thüringischen SPD-Mitglieder für eine rot-rot-grüne Koalition.

Grund: Nach einhelliger Auffassung von CDU und CSU ist die Wahl ein Verstoß gegen die bundesweite Abmachung, die ehemalige SED nicht hoffähig zu machen. Diese Vereinbarung hatte bislang bei allen Wahlen in Deutschland Bestand.

Lässt sich die legitime Bundesregierung in Berlin die Wahl gefallen?

Ihr bleibt derzeit nichts anderes übrig als lautstarker Protest.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin, dies sei eine schlechte Nachricht für Thüringen. Die SPD gerate durch die Unterstützung der Linkspartei in eine staatspolitisch bedrückende Lage.

Was bedeutet die Wahl für Thüringen?

Das Problem ist: Berlin hat derzeit keine Kontrolle über die Gebiete im Süden der ehemaligen DDR, konnte also auch die SPD-interne Schummel-Wahl, bei der keine Mindestbeteiligung vorgesehen war, nicht verhindern.

Der SPD-Vorsitzende Gabriel äußerte sich zurückhaltend. Es habe eine demokratische Entscheidung gegeben, aber er freue sich nicht gerade darüber. Derzeit ist die Bundesregierung nicht in der Lage, den Kräften um die Sympathisanten von Rot-Rot-Grün, zu denen auch Putinversteher und Moskaufreunde gehören, die faktische Macht zu entwinden oder das Handwerk zu legen.

Wie reagiert der Westen auf die Wahl?

Die Europäische Union, die Vereinten Nationen und die USA schweigen bisher, halten die SPD-interne Abstimmung aber womöglich für illegal. In den alten Bundesländern wächst das Misstrauen, ob es wirklich richtig war, den jahrelang von Kommunisten unterjochten Osten zurückzunehmen.

"Der erste Fehler ist gemacht. Die SPD hat sich zu wenig um eine Koalition mit CDU und Grünen bemüht", sagte Stephan Hilsberg, Mitgründer und erster Sprecher der Ost-SPD. "Ich weiß nicht, wie die SPD aus dieser Malaise wieder herauskommen will. Die Linke kann so über Jahrzehnte hinweg stärkste Partei im linken Lager bleiben – während wir nur noch zweite oder dritte Kraft sein werden."

Wird der neue Ministerpräsident Bodo Ramelow jetzt nach anderen Bundesländern im ehemaligen Ostdeutschland greifen und die DDR wiedererrichten?

Diese Ängste flackern immer wieder auf. Schon im vergangenen Jahr hatte SPD-Chef Gabriel eine Koalition mit der Linken als einzige Möglichkeit gesehen, selbst Kanzler zu werden.

Experten rechnen derzeit allerdings nicht damit, dass die SPD tatsächlich versucht, das Thüringer Modell bereits jetzt auf Berlin zu übertragen. Eine Mehrheit der Deutschen scheint dazu noch nicht bereit.

Was bedeutet die Wahl für die Zukunft Thüringens?

Das Land ist von einer Beilegung der Krise und dem Ende der internen Zerrissenheit weiter denn je entfernt. Die Gesellschaft ist nahezu halb und halb gespalten. Ramelows Aufgabe muss die Versöhnung sein - von links und rechts, Vergangenheit und Gegenwart.

Das könnte also noch ein weiter Weg sein?

Ja, CDU-Politiker sind überzeugt, dass es auch künftig „weitere Nadelstiche“ gegen die bisher gebräuchlichen und von allen Mitgliedern der Gesellschaft akzeptierten Koalitionsmodelle geben wird. Für die Opfer der SED-Diktatur in Thüringen und anderswo dürfte die Wahl eines Linken-Politikers, der aus dem Westen stammt, unzumutbar sein, doch zumindest für Bayern ist sie kein Problem. Die EU müsse die Thüringer Bevölkerung nun dabei unterstützen, heißt es dort, „einen europäischen, demokratischen, rechtsstaatlichen Weg zu gehen“.

Montag, 10. November 2014

Harsche Kritik an krimineller Farce

Die Einwohner der von Spanien beherrschten Region Katalonien würden ihr Heimatland gern vom Mutterland Spanien abspalten - das ist das Ergebnis einer "Volksbefragung", die von Befürworter der Sezession am Sonntag inszeniert worden war. Angeblich hatten sich 80,1 Prozent der Teilnehmer für die Abspaltung ausgesprochen. Diese Zahl gab zumindest die als parteiisch geltende katalanische Regionalregierung in Barcelona bekannt. Weitere 10,1 Prozent befürworteten die Bildung eines katalanischen Staates, der aber weiterhin zu Spanien gehören sollte. Lediglich 4,6 Prozent sprachen sich für einen Verbleib in Spanien aus, obwohl die EU bereits im Fall der schottischen Abstimmung klargemacht hatte, dass abtrünnige Provinzen mit dem Austritt aus EU-Staaten auch die Mitgliedschaft in der europäischen Friedens- und Wohlstandsgemeinschaft verlieren.

Im Vorfeld hatte die spanische Regierung vergeblich versucht, das Referendum zu verbieten. Dennoch gaben 2,25 Millionen der insgesamt 5,4 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Während Regionalpräsident Artur Mas von einem "vollen Erfolg" sprach und am Ziel festhielt, ein rechtskräftigen Referendum durchzuführen, das die Grundlagen für eine Abspaltung schaffe, hat die EU-Außenbeauftragte das Referendum als „kriminelle Farce“ kritisiert. Auch die USA und andere westliche Länder sehen in der Abstimmung eine Verletzung internationalen Rechts und wollen deren Ergebnisse nicht anerkennen.

Der proeuropäische Präsident Mariano Rajoy hatte die „illegale” Abstimmung bereits vorab für ungültig erklärt. „Diese Pseudowahlen in einigen Kreisen gefährden den Friedensprozess”, teilte Rajoy in Madrid mit. Die Abstimmung sei "wertlos". Solange er Regierungschef sei, seien die Eroberungen des Bourbonenkönigs Philipp von Anjou unantastbar. Einen weiteren Abfall wie den Portugals im Jahr 1580 werde es nicht geben, bekräftigte er. "Niemand wird die Einheit Spaniens zerbrechen."

Mauerfall: Mehr Erinnerung war nie

Der Tag danach ist das genaue Gegenteil des Tages danach, wie er damals war. Fing die Geschichte des Mauerfalls vor 25 Jahren für die meisten Deutschen erst mit den Frühstücksnachrichten des 10. November an, bringt derselbe Tag ein Vierteljahrhundert danach den Katzenjammer einer Überdosis Erinnerung. Auf allen Kanälen spreizten sich die, in allen Genres, ausgebreitet von Prominenten und Unbekannten. Deutschland ist ganz nah bei sich, wenn es zurückschauen kann, die Kanzlerin, der Präsident, der wütende Liedermacher - in Höchstform, wenn es um Vergangenes geht, über das Einigkeit zumindest darüber besteht, dass es es gut ist, dass es vergangen ist.

Die Zeitungen voller Hymnen darauf, wie prima sich das Land entwickelt, wie weltoffen seine Menschen, wie friedlich sein Wesen ist. Nicht viel anders hätte sich der 65. Republikgeburtstag angefühlt, wäre es zu dem noch gekommen. Blumen, feierlich niedergelegt im Gedenken an die Opfer. Reden, mit bedeutungsschwangerer Stimme geschwungen. Das Volk, flächendeckend beschickt mit kostenlosen Erklärblättern und Gebührenfilmen.

Dank ihrer ist das Erinnern selbst denen möglich, die die Ereignisse nicht selbst erlebt haben. Ein zellulares Gedächtnis breitet seinen Einheitsinhalt über ein ganzes Land: Der Mauerfall wird zum einem weiteren Bestandteil einer Gedenkkultur, in der das Wissen um historische Fakten, angelesen oder in Filmen abgestaubt, gleichbedeutend ist mit der Erinnerung daran, wie es wirklich war.

Eine rosenkranzhafte Ritualisierung, die über 25 Jahre zu einem Teil des Kerns deutschen Wesens geworden ist. Der Einheitsbrei wird wieder und wieder kredenzt, wieder und wieder verschlungen. Die Geschichte, ursprünglich ein kompliziertes Gewürg aus wiederstreitenden Interessen, wird allmaählich zu einem dünnen Band der Fanatsie, leicht fassbar, übersichtlich und mit einer einfachen Botschaft.

Alles muss dazu Regeln folgen, eingehegt als Stolperstein oder wiederaufgebauter Grenzwachturm. Was war, muss immer bleiben, erzählt in einem Katechismus, der keine Zweifel kennt, was die wahre Wahrheit gewesen sein muss.

Als solcher gesamtgesellschaftlicher Erinnerungshöhepunkt steht auch der Mauerfall längst unter ganz besonderem rechtlichem Schutz: Vergehen gegen Mauerluftballons sind Staatsschutzangelegenheit, Übergriffe auf eine virtuelle "Lichtmauer", die zur Silberhochzeit des Mauerfalls errichtet wurde, um Touristen anzulocken, werden strenger bestraft als seinerzeit die Beschädigung des Originalbauwerks.

Was für ein Fortschritt. Marx wusste noch, dass sich alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen zweimal ereignen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Doch er irrte: Ein drittes Mal geschieht alles als großer ZDF-Zweiteiler, ein viertes Mal als feierlicher Staatsakt und als fünftes Mal als lange Nacht im RBB.

Sonntag, 9. November 2014

Mauerfall: Wahnsinn in der Wiederholungsschleife

Das also ist er, der 9. November: Der Feiertag, an dem die deutsche Mentalität alljährlich zum Endsieg ausholt. Es werden Komödien gedreht und Dokumentationen erzählen Bekanntes rituell noch einmal. Der Bundestag tagt, ein Sänger singt, eine Diskussion wird simuliert, eine Partei entschuldigt sich. Zeitzeugen fällt ein, dass es doch alles etwas anders war. Eine Geschichte ist nur eine Geschichte, bis die Menschen sie glauben. dann ist sie Geschichte.

"Ich greife in diesen Haufen und suche diesen Zettel, den ich ja vorlesen sollte", erinnert sich Günter Schabowski, sobald das Jubiläum wieder näherrückt. Zweieinhalb Jahrzehnte nach der Maueröffnung ist der antifaschistische Schutzwall als Kette von Luftballons wieder da. Bekannte Mimen spielen tumbe Stasi-Toren, Egon Krenz und Schabowski streiten, wer wen falsch verstanden hat. Der "Schicksalstag der Deutschen", von Gnaden der Großmächte geduldet, ist jahrelang nicht gefeiert worden, weil recht unterschiedliche Ereignisse sich mit dem Datum verbinden. Novemberrevolution. Hitler-Putsch. Pogromnacht.

Aber ein Vierteljahrhundert dämpft die Scham. 1918, 1923 und 1938 sind vergessen, der Mauerfall allein hat das Recht, den 9. November in Beschlag zu nehmen.

Deutschland
ist wieder da, ein schöner Blick vom Brandenburger Tor zur Bornholmer Straße, die lange Nacht der Einigkeit, ein Wahnsinn in der Wiederholungsschleife. Je länger das Ereignis selbst her ist, desto einfacher ist seine Deutung. Inzwischen war niemand mehr dagegen, alle haben auf der richtigen Seite gestanden, bis auf Erich Mielke und Margot Honecker natürlich.

Fernsehansager füllen den Mantel der Geschichte mit Geschwätz, Familien erinnern sich, Teenager, die 1989 noch nicht geboren waren, erzählen, was ihnen darüber erzählt worden ist. Ein nationales Gebet, ein Glücksgefühl aus der Instant-Terrine. Die Welt ist nicht mehr dieselbe wie zuvor. Aber von jetzt an bleibt sie so.

Samstag, 8. November 2014

HFC: Der Anfang vom Ende einer Ära

HFC Sonnenhof 0-1 Königshofer
Zu spät: In der 87. Minute kann auch Königshofer nichts mehr retten.
Fast hatte der Glaube das Wissen besiegt nach dem letzten Heimspiel des Halleschen FC gegen Wehen Wiesbaden. Erstmals seit April gelang ein Sieg, erstmals schien es wieder so, als könnte die Mannschaft, die HFC-Trainer Sven Köhler und Manager Ralph Kühne vor der Saison zusammengestellt hatten, wirklich nicht nur die teuerste sein, die jemals für den Club aus der Saalestadt auflief, sondern auch die beste. Ein Remis danach im Auswärtsspiel bei Regensburg war weniger als erhofft, aber doch mehr als befürchtet - der Hallesche FC stand also im Spiel gegen den Aufsteiger Sonnenhof Großaspach wiedereinmal am Scheideweg: Endgültig raus aus der Abstiegszone. Oder endgültig wieder dorthin, wo der Verein seit dem Aufstieg in die 3. Liga noch jedes Jahr im späten Herbst gestanden hatte.

Die Spieler des HFC entschieden nun, es besser noch schlimmer werden zu lassen als jetzt schon gut zu sein. Erneut umformiert, weil Andy Gogia, der einzige Matchwinner, den der HFC derzeit hat, sich auch noch verletzt abgemeldet hat, taumelt die Truppe in Rot und Weiß durch eine erste Halbzeit, die an Arbeitsverweigerung grenzt. Nichts geht nach vorn, von einem Eckball in der ersten Minute und ein paar peinlichen Schussversuchen gegen Ende zu abgesehen. Großaspach ist schneller, wendiger, heller, dem HFC fehlt jede Leidenschaft, es scheint minutenlang, als seien die Gäste mit einem oder zwei Mann mehr auf dem Platz.

Die 6000 Zuschauer, die nach Monaten permanenter Heimpleiten immer noch ins frühere Kurt-Wabbel-Stadion kommen, sehen einer Mannschaft beim Auseinanderfallen zu. Ivica Banovic, nach seiner Genesung der aktuelle Hoffnungsträger des HFC, müht sich zwar im Mittelfeld. Und der nach einer zwischenzeitlichen Verbannung in die Reserve rehabilitierte Timo Furuholm deutet drei-, viermal an, was er machen könnte, bekäme er pro Halbzeit nicht drei, sondern vielleicht 13 Zuspiele. Aber im Zusammenspiel funktioniert überhaupt nichts. Selbst Schick und Schmidt, zwei Männer, die seit zwei Jahren in einer Mannschaft stehen, rennen sich eher über den Haufen als die Laufwege des anderen zu antizipieren.

In der Halbzeit reagiert Sven Köhler. Er nimmt Schick, der die letzten Minuten vor der Halbzeit als Abwehrspieler für den vorgerückten Ziebig verbracht hat, vom Platz und bringt mit Kruse den etatmäßigen Kapitän. Für das Ausmaß an Zerrüttung, das im Mannschaftsverbund herrscht, mag der Umstand ein Indiz sein, dass Banovic die Kapitänsbinde nicht an seinen Kollegen weitergibt. Noch auffälliger jedoch: Sven Köhler, an der Seitenlinie wie immer agil wie ein Grabstein, lässt es kommentarlos zu.

Großaspach steht in der zweiten Hälfte tiefer und scheint zufrieden damit, den einen Punkt zu sichern. Der HFC hat Ansätze von Chancen durch Furuholm, der erstmals von einem eigenen Fanclub unterstützt wird, und Tony Schmidt. Doch schon ein Blick auf die Statistik lässt ahnen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen HFC-Torerfolg äußerst niedrig ist. Die elf Spieler, die jetzt auf dem Platz stehen, haben in den letzten 16 Partien zusammen achtmal getroffen - aller 180 Minuten einmal. Und hier sind nun nur noch 30 Minuten zu spielen.

Der einzige im Stadion, der noch Hoffnung zu haben scheint, ist Sven Köhler. Er macht keine Anstalten zu wechseln. Selbst als Großaspach erkennen lässt, dass ein torloses Unentschieden eigentlich alles ist, was sie mit nach Würtemberg nehmen wollen, zieht er weder den spielstarken Marco Engelhardt nach vorn noch versucht er, mit dem kopfballstarken Ex-Abwehrchef Marcel Franke die bis dahin nicht vorhandene Gefahr bei Ecken und Freistößen zu erhöhen.

Aber Freistöße hat der HFC ohnehin nicht. Die Strategie heißt Brechstange, der offensivste Mann ist Linksverteidiger Daniel Ziebig. Alles spielt fortwährend aneinander vorbei, es gibt keine Leidenschaft, nicht einmal Emotion. Die Schultern hängen, die Köpfe sind gesenkt. Wie verunsichert selbst die erfahrenen Spieler sind, zeigt Sascha Pfeffer, als er in aussichtsreicher Position vor dem Tor nochmal das Standbein wechselt. Und die Schusschance damit vorüberziehen lässt.

Ein Debakel, bis in die Schlussphase hinein allerdings noch bemäntelt vom erträglichen Ergebnis. Remis gegen den Vorletzten, das ist in etwa das, was der HFC zustande bringt. Aber Köhler wechselt nun doch, bringt jedoch weder Osawe noch einen Abwehrspieler, um Engelhardt weiter vorn platzieren zu können. Stattdessen kommt Stanley Ratifo, ein Nachwuchsmann, den der HFC im Sommer rein zufällig verpflichten konnte, weil der ehemalige Hallenser nach ein paar Jahren an der Ostsee darum bat, in der 2. Mannschaft mitspielen zu dürfen. Wie viel Vertrauen muss ein Trainer, der so wechselt, in die Spieler haben, die er lange beobachtet, ausgewählt und schließlich nach aufreibenden Verhandlungen unter Vertrag nehmen konnte?

Und wie sieht es andersherum aus? Im Verlauf der Saison, die zwischen Desaster und gelegentlichem Aufatmen schwankte, hat Sven Köhler von Torwart über Abwehrchef über den Mittelfeldchef bis zur Sturmspitze sämtliche Leistungsträger mindestens einmal rasiert. Er hat neue Leute geholt, ausprobiert und sie anschließend aussortiert. Bis auf Andy Gogia, Tony Schmidt, Maximilian Jansen, Sascha Pfeffer, den erst spät gekommenen Marco Engelhardt und den erst seit drei Spieltagen genesenen Banovic war jeder der 22 Spieler schon einmal auserkoren, der entscheidende Schwachpunkt in einer Mannschaft zu sein, die viel schlechter spielt als von der Papierform her möglich.

Wieviel Vertrauen können diese Spieler noch zu ihrem Trainer haben? Wenig. Wie viele neue Spieler kann ein Verein noch holen, um diesen Mangel an Vertrauen auszugleichen?

Es müssten Stand heute genug sein, um eine ganze Elf zu füllen. Denn gegen Großaspach kommt zum spielerischen Offenbarungseid am Ende auch noch die Unfähigkeit hinzu, einen Tag zu erkennen, an dem nicht mehr möglich ist als keine Niederlage zu kassieren. In den letzten Minuten rennt der HFC blind an, auch Marco Engelhardt ist ohne Absicherung ganz vorn unterwegs. Großaspach kontern einmal, Torwart Königshofer rettet mit den Fingerspitzen. Großaspach kontert zweimal, ein HFC-Spieler klärt zu Ecke. Die kommt, mittig, zentral vors Tor. Und ein kleingewachsener Brasilianer im Sonnenhof-Dress springt am höchsten und netzt ein.

Selbst jetzt aber ist von Schadensbegrenzung keine Rede. Noch mal Brechstange, wieder ist der Ball weg. Nun laufen drei Großaspacher auf Königshofer, den besten Mann im Halle-Dress, zu. Ding. Dong. Peng. Das 0:2 in der Nachspielzeit. Pfiffe von der Tribüne, "Köhler raus"-Rufe. Der HFC steht am 17. Spieltag mit noch einmal vier Punkten weniger und einer um zwei Tore schlechteren Tordifferenz da als zum selben Zeitpunkt der fürchterlichen Vorsaison.

Vielleicht nun doch das Ende einer Ära, die 2007 begann, als es hier kurz nach Amtsantritt von Sven Köhler in einer ersten Bilanz zu dessen Tätigkeit hieß: "Hoffnung trügt. Liebe wird enttäuscht. Und die Tabellenspitze ist spätestens zu Weihnachten so weit weg wie der Himalaya".

Verbot der Woche: Nazi-Werbung abgehängt

Inzwischen naht der Tag, an dem sich jemand für etwas entschuldigt, das er noch gar nicht getan hat. Nach dem ZDF, das sich für braune Hemden in den Staub warf, die eigentlich grün waren, und der ARD, die vor einem enthemmten Mob aus Fußballfans zurückwich, die nicht etwa Islamisten köpfen wollten, sondern sich darüber empörten, dass ein Fußballkommentator nach der Nennung des Vereinsnamens RB Leipzig nicht dreimal hörbar ausgespuckt hatte, zeigt ein besonders ernster und akuter Fall aus Berlin jetzt, dass da noch mehr drin ist.

Die dortige Sparkasse hatte als Werbemaßnahme eine rote Fahne an eine Fassade gehängt, versehen mit einem mittig angebrachten Kreis und einem Sparkassen-S. Das erinnerte Leute in einem Alter, die sich an diese Zeit selbst gar nicht erinnern können, an Hitlers NSDAP und deren rote Fahnen, die seinerzeit über der Gleichschaltung der Sparkassen wehten. Okay, die waren Rot mit Weiß und Schwarz, sie trugen ein Hakenkreuz und sahen auch sonst ganz anders aus als die Sparkassenfahne.

Aber ist das nicht egal? Heißt es nicht, den Anfängen zu wehren? Und den Kampf aufzunehmen gegen jede Fahne, die mit etwas Fantasie aussehen könnte wie eine Fahne bei den Dreharbeiten zum letzten Hitlerfilm? Denn ist nicht eine heute akzeptierte Fahne, die von fern, sehr fern an eine andere, längst abgehängte Fahne erinnert, der erste Schritt zurück in die Diktatur?

Nein, dazu ist die Demokratie denn doch zu wehrhaft. Nach einem #Aufschrei in den Sozialen Netzwerken reagierte die Sparkasse sofort, entschuldigte sich und ließ die Fahne eilig abhängen.

Allzeit empörungsbereit

Klima mindestens Null

Nach langer Pause ist es plötzlich wieder da, das Klima-Thema, das vor Jahren, als die Welt noch keine anderen Probleme hatte, bestimmend für den Alltag aller Mediennutzer war. Immer noch geht es um das alte Ziel, die Welt zwei Grad kühler zu machen, doch inzwischen reicht es dazu nicht mehr, entschiedene Maßnahmen zu ergreifen. "Um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten, ist eine Reduzierung des Ausstoßes der Treibhausgase um 40 bis 70 Prozent zwischen 2010 und 2050 und auf mindestens null bis 2100 notwendig", zitiert die "Welt" den engagierten Kricket-Fan Rajendra Kumar Pachauri .

Es ist das alte Kirchen-Prinzip: Um das Seelenheil zu erlangen, ist ein gottesfürchtiges Leben notwendig. Und um vom Klimawandel verschont zu werden, heißt es sich tagtaglich im Kampf dagegen zu mühen. Auf 82 Zentimeter legt dieser jetzt veröffentliche "finale" (Spiegel) Bericht des IPPC den durch die Erwärmung drohenden Meeresspiegelanstieg fest. 82 Zentimeter, die auch schon mal da waren: Vor fünf Jahren prognostizierten Forscher der Universität Bristol bis 2100 je nach Stärke der globalen Erwärmung einen Pegelanstieg von sieben (Erwärmung um 1,1 Grad Celsius) bis 82 Zentimeter (Erwärmung um 6,4 Grad) prognostiziert hatte.


Die aktuellen Alarmzahlen lassen keinen Zusammenhang mit dieser Prognose erkennen. Diesmal sind es nicht sieben Zentimeter bei 1,1 Grad Temperaturanstieg, sondern gleich 26 Zentimeter bei 1,5 Grad. Und die 82 Zentimeter des ungünstigsten Szenarios werden nicht bei 7,8 Grad Temperaturanstieg erreicht, sondern schon bei 6,4 Grad.

Die ursprüngliche Prognose stammt aus dem Jahr 2010, bekräftigt wurde sie 2012, aus dem Schrank geholt nun im Jahr 2014, wobei die Vorhersage stabil bleibt, während die ausschlaggebenden Parameter geändert wurden. Ein mathematisches wie klimatologisches Rätsel, denn schon Jahre zuvor hatte Deutschlands führender Klimawandler Stefan Rahmsdorf bekanntgegeben, "dass die verwendeten Modelle den vergangenen Meeresspiegelanstieg deutlich unterschätzen".

Alles ist noch viel schlimmer - etwa für die Südseeinsel Tuvalu, die im Jahr 2001 erstmal Schlagzeilen machte, weil sie unterging. Noch aber ist Rettung möglich - "das sind die erschreckenden Aussagen des IPCC", heißt es beim Bayrischen Rundfunk. Und Tuvalu bekommt jetzt von der EU finanzielle Hilfe, um künftig Pflanzen anbauen zu können, die auch unter Wasser gedeihen.

Freitag, 7. November 2014

Doku Deutschland: Zu wahr, um schön zu sein

Die Berechnungen sind bezaubernd: ein Bahnvorstand wie, sagen wir mal der kommende Eisenbahnspezialist Pofalla, macht am Tag im Durchschnitt 6944 Euro. Dafür muss ein Lokführer mit zwanzig Jahren Erfahrung, einer Frau und zwei Kindern drei Monate und zweieinhalb Wochen arbeiten.

Oder anders: Im Monat macht ein Vorstand 138.888 Euro. Dafür muss ein Eisenbahner fünfeinhalb Jahre gearbeitet haben. Im Vorstand der Bahn ist auch keine Frau - die Quote gilt wohl doch nur für private Unternehmen. Die Personalkosten der Bahn belaufen sich im Jahr auf zehn Milliarden Euro. Davon gehen ziemlich genau fünf Prozent auf die Lokführer. Die Bezüge des Vorstandes betragen 10 Millionen Euro. Die Vergütung des Aufsichtsrates...

Alles ein grosser Verschiebebahnhof. In der Privatwirtschaft hätte der Eigentümer den Vorstand schon zurückgepfiffen oder gefeuert. Nicht so hier, denn hier heißt der Eigentümer Bund.

Vielmehr hetzt der Eigentümer die GEZ gesponsorte TV-Propaganda auf die Eisenbahner, spricht, schreibt und sendet von vermeintlichen Differenzen in der GDL und zitiert immerzu die Konkurrenzgewerkschaft, die in der Tasche des Bahnvorstandes steckt.

Die Arbeitministerin Nahles, Mitglied einer ehemals sozialdemokratischen Partei, arbeitet an der Brechung des Streikrechts, macht damit den Noske, offenbar ihr Vorbild aus den Zeiten der Weimarer Republik, und lässt lokführende Beamte als Streikbrecher auftreten. Unterstützung kommt vom Parteichef der deutschen Sozialdemokratie: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat den GDL-Ausstand als »Missbrauch des Streikrechts« charakterisiert. Der Gewerkschaftsführer im Ruhestand Schell schließlich, kein Bahn-, sondern ein Ferrarifahrer, hetzt gegen seinen Nachfolger, einen Sachsen, der das Angebot der Bahn abgelehnt hat, ihn selbst besser zu bezahlen, wenn er darauf verzichtet, bessere Bezahlung für die Lokführer zu fordern.

Die Realität sprengt hier jeden Roman...

Mehr aus der reisgekrönten Reihe Doku Deutschland

Hooligans: Unsere Söhne, unsere Töchter

Was gehen uns 4500 deutsche Hooligans an? Viel, findet Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Bei PPQ sagt er: "Wir tragen die Verantwortung für ihre Radikalisierung."

Der Bundesinnenminister sieht Deutschland in besonderer Verantwortung beim Kampf gegen die Terrororganisation Hogesa", weil in deren Reihen mindestens 4500 deutsche Hooligans kämpfen. "Die deutschen Kämpfer sind nun mal auch Teil des Konflikts, den wir zu lösen haben", sagte de Maizière in einem Interview mit PPQ. "Es sind unsere Söhne und Töchter. Ein Großteil wurde hier geboren. Sie sind in unsere Schulen gegangen, in unsere Moscheen, in unsere Sportvereine. Wir tragen für deren Radikalisierung Verantwortung."

De Maizière begründet damit auch indirekt die veränderte deutsche Haltung in der Sicherheitspolitik. Seit Ende Oktober unterstützt die Bundesregierung Diskussionen um eine Veränderung des Demonstrationsrechtes im Inneren. Gleichzeitig wurden sowohl Demonstrationsverbote erwogen als auch Sicherheitsbehörden veranlasst, Mitglieder der Hooligan-Vereinigung besser im Blick zu behalten. Bei PPQ sagt de Maizière, Deutschland habe die "verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dafür zu sorgen, dass der Terror nicht aus Deutschland in die Welt getragen werde". 4500 Hogesa-Kämpfer halte er für viel, vor allem deshalb, weil die Zahl rasant anwachse.

Der Innenminister räumte in dem einstündigen Interview ein, auch keine eindeutige Erklärung für die Faszination zu haben, die die selbsternannten Anti-Islamisten der Hogesa hierzulande vor allem auf Medienschaffende ausübt: "Wir müssen verstört zur Kenntnis nehmen, wie dünn die Schicht der Zivilisation offenbar ist." Wenn er höre, so der Minister, "dass auch Minderjährige, die eben noch auf der Schulbank saßen, von heute auf morgen auf Demonstrationen gehen und gegen Islamismus sind, dann erschüttert mich das auch als Familienvater". Die Hooligans seien oft Menschen, die nach Orientierung suchten, denen Vorbilder fehlten. Wer bei der Hogesa mitkämpfe, fühle sich dann plötzlich, "als Teil einer globalen Bewegung, steht scheinbar auf der richtigen Seite".

Einen Kampf der Kulturen sieht der Innenminister gegenwärtig nicht, auch wenn es die Hogesa darauf anlege: "Das hätten diese Terroristen gern". Dass die Bewegung von jedem Mitglied "unbedingten Gehorsam" verlange, nannte de Maizière "kulturellen Imperialismus - das hat nichts mehr mit Fußball oder Fankultur zu tun".

Das komplette Interview...

Donnerstag, 6. November 2014

Bürger aus Glas: Alles für den Staat


Kaum ist es den Staatslenkern der Welt endlich gelungen, mit einem allumfassenden automatischen Informationsaustausch in Steuerfragen alle rechtlichen Grauzonen für die Aufbewahrung von Geld außerhalb der Griffweite der Finanzminister abzuschaffen, geht die deutsche Sozialdemokratie zielgerichtet daran, den nunmehr unbegrenzt möglichen Zugriff auf private Konten steuerwirksam nutzbar zu machen.

Jetzt, wo alle Kontenstände offenlägen, so die SPD, gebe es keinen Rechtfertigung mehr für eine bevorzugte Besteuerung von Kapitalerträgen wie Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne. Ursprünglich sei die Pauschalsteuer in Höhe von 25 Prozent eingeführt worden, „weil sich kaum kontrollieren ließ, wenn Unternehmen und Private Vermögen am Fiskus vorbei ins Ausland gebracht haben“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider. Das sei nun anders: Ohne Bankgeheimnis müsse keinerlei Rücksicht mehr darauf genommen werden, dass Kapitalanlagen, Sparvermögen und Aktiendepots aus bereits einmal versteuertem Geld angelegt worden seien. Deshalb, so Schneider, „sollten wir Vermögenserträge künftig wieder mit dem persönlichen Steuersatz besteuern“.

Ein überzeugendes Argument, das es künftig noch lukrativer erscheinen lassen dürfte, selbst für das Alter vorzusorgen. So könnte ein Gutverdiener, der im Jahr 60000 Euro brutto verdient, davon netto fast 30000 einstreicht und davon 3000 Euro im Jahr spart, Zeit seines Berufslebens 135000 Euro etwa auf einem Sparbuch anlegen. Von den rund 40000 Euro Gewinn zieht ihm Vater Staat am Ende dann nach der neuen Regelung nicht mehr nur 10000, sondern etwa 20000 Euro ab, so dass der Mann nach 45 Sparjahren noch satte 20000 Euro Gewinn verbuchen kann.

Unrechtsstaat bei Google: DDR schlägt Hitler

Eigentlich bereits seit Jahren durch ein demokratisches Dekret des Arbeiterführers Rüdiger Erben verboten, erfreut sich der Systemvergleich im Jubiläumsjahr des Mauerfalls doch ungebrochen größter Beliebtheit. Große Einigkeit herrscht dabei bei der Beantwortung der Frage, ob der Unrechtsstaat DDR ein Unrechtsstaat war: Auch wenn Gregor Gysi hartnäckig leugnet, sind alle anderen anständigen Deutschen sicher, dass er einer gewesen ist. „Wer den Begriff ablehnt, verhöhnt die Opfer“, hat der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, abschließend festgelegt.

Solcherart Verhöhnung einer gesellschaftlichen Gruppe führt automatisch zu einem Ausschluss aus der Debatte und im äußersten Fall sogar zu einer Strafanzeige wegen abweichender Ansichten.

Eine Drohung, die wirkt. Inzwischen ist die Einigkeit in Sachen Unrechtsstaat DDR sogar größer als die beim Thema Unrechtsstaat III. Reich: Google findet bei Letzterem nur knapp über 5000 Hinweise darauf, dass Hitlers Reich ein Unrechtsstaat war. Die DDR dagegen kommt auf beeindruckende 172.000 Treffer und darf damit auch nach den Regeln der Computertomografie als überführt gelten.

Desto entschiedener der Krieg, umso angestrengter wird er geführt, je länger her, desto lauter wird das Schlachtgebrüll. Ewiggestrige wie der Pfarrer Friedrich Schorlemmer, der zu DDR-Zeiten unter Kirchenschutz überwinterte, wehren sich noch gegen eine Verurteilung wegen Unrechtsbeihilfe durch unterlassen. Nachgewachsene und zugesiedelte Erben der Unrechtspartei wie Bodo Ramelow sind allerdings bereit, Abbitte für das zu leisten, was sie nicht zu verantworten haben, um künftig Verantwortung im Rechtsstaat Bundesrepublik übernehmen zu dürfen.

Mittwoch, 5. November 2014

"Keine Struktur": Nahles kritisiert Arbeitslose

Arrogant, menschenverachtend und getrübt von Klischees, so hat sich SPD-Arbeitsministerien Andrea Nahles in der Süddeutschen Zeitung über Menschen geäußert, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind. "Diese Menschen", sagte die Erfinderin des Nahlismus, hätten keine "Struktur in ihren Alltag" und sie seien damit keine Vorbilder für ihre Kinder.

Nahles stellt sich mit ihrer Äußerung in eine große arbeitslosenkritische SPD-Tradition. Vor ihr hatte bereits der damalige Parteichef Kurt Beck mehr Eigenverantwortung von Menschen ohne Tagesstruktur durch eine geregelte Tätigkeit gefordert. Beck riet dem Langzeitarbeitslosen Henrico F., sich mal zu waschen und zu rasieren. Er versprach dem von der Wirtschaftskrise Betroffenen dabei: "Schon haben Sie in drei Wochen einen Job".

Andrea Nahles will rund eine Million Betroffene nun enger an die Kandare nehmen. Ein Bundesprogramm, das zugleich als Konjunkturhilfe fungieren und Deutschland aus der Rezession hieven soll, verpflichtet Langzeitarbeitslose, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. 18 Monate lang zahlt die Bundesagentur für Arbeit bis zu 75 Prozent des Lohns.

Als beispielgebend für mögliche Aufgaben nannte Nahles das Pflanzen von Kohl und Tomaten in öffentlichen Anlagen, wie es in Andernach bereits praktiziert werde. Der Neustart ins Berufsleben dürfe Betroffene jedoch nicht überfordern, deshalb denke sie an ein Vorgehen in Stufen. "Zwei, vier oder sechs Stunden pro Tag, damit die Leute nicht gleich vor Acht-Stunden-Tagen stehen".

Für das Programm sollen 885 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Damit sollen in den kommenden fünf Jahren etwa 33.000 der rund eine Million Langzeitarbeitslose mit durchschnittlich 26.000 Euro gefördert werden. Pro Kopf und Jahr stehen damit mehr als 5300 Euro zur Verfügung, die zu 52 Prozent von der EU beigesteuert werden.

Linke: Mit 40 Stimmen Mehrheit an die Macht

Bei den umstrittenen Wahlen im Konfliktgebiet Thüringen sieht sich die bisherige Regierungspartei SPD erwartungsgemäß als Sieger. Mit den Wahlen in den umstrittenen Gebieten im Süden der ehemaligen DDR haben die pro-linken Sozialdemokraten ihre weitere Machtausübung durch eine Abstimmung unter ausgesuchten Einwohnern des Landes legitimieren lassen. 4311 der insgesamt 2,16 Millionen Thüringer wurden dabei laut SPD zur ihrer Ansicht zu einem Regierungsbündnis mit der ehemaligen SED befragt, 3334 beteiligten sich, 2195 von ihnen stimmten mit Ja.

Das waren 0,1 Prozent aller Thüringer. Mit einer knappen Mehrheit von 40 Stimmen auf alle Befragten hat Thüringen damit entscheiden, dass der erste linke Ministerpräsident seit Willy Stoph ins Amt kommen soll, gestützt auf ein Bündnis mit SPD und Grünen.

Berlin werde die Ergebnisse der Wahlen anerkennen, hieß es in Regierungskreisen, wo gerade der Bundespräsident bis zuletzt gegen eine Rückkehr der Roten in höchste Ämter gekämpft hatte: "Wir respektieren den Willen der Bevölkerung in Thüringen." Die neue EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hingegen bezeichnete die Wahlen als "illegal und rechtswidrig". Sie seien ein neues Hindernis auf dem Weg zum gesellschaftlichen Frieden. "Die Europäische Union wird die Wahl nicht anerkennen", so Mogherini.

Internationale Wahlbeobachter waren bei den Abstimmungen nicht zugegen, auch eine Mindestbeteiligung wurde nicht festgelegt. Bei der Abstimmung waren nur SPD-Mitglieder zugelassen, normale Bürger hatten kein Stimmrecht. Der Vorgang erinnert an den sogenannten Realsozialismus der siebziger Jahre mit autokratischem Ein-Parteien-System und vorher feststehendem Wahlergebnis. Auch die Uno kritisierte die Wahlen als "Hindernis für die Friedensverhandlungen". Die US-Regierung bekräftigte ihre Kritik an der Abstimmung, die nach einem Berliner Vorbild vollzogen wurden: Im Oktober hatten hier 11.000 Sozialdemokraten stellvertretend für mehr als zwei Millionen Einwohner einen neuen Regierungschef bestimmt.

Stimmen in Berlin warnten weiter davor, die Separatisten zu unterstützen, die sich gegen den Konsens der Demokraten mit den Kräften des alten DDR-Regimes einließen. "Wir werden Erfurt an den Aussagen messen, die zuvor gemacht wurden: dass der neue Ministerpräsident zur deutschen Einheit steht und diese Einheit nicht infrage stellen wird", hieß es.

Dienstag, 4. November 2014

The Gaslight Anthem: Maskenball zu Halloween

Es ist zufällig Halloween an diesem Konzerttag in Berlin, an dem die US-Band The Gaslight Anthem nach einem Jahr zurückkehrt aus Übersee, um ein neues Album vorzustellen. "Get Hurt" hat die Gemeinde gespalten, die Abkehr von den einfachen Strophe/Refrain-Strukturen und den Girl/Boy-Geschichten früherer Jahre vergnatzt die Kritik, hält aber den Anhang nicht ab, die Halle am Tempelhofer Feld bis zum letzten Platz zu füllen.

Die Band freut sich und mixt die alten und die neuen Songs zu einer beeindruckenden Setlist, die zeigt, dass der Unterschied zwischen Oldies wie "The ´59 Sound" und neuen Stücken wie "Stray Paper" so groß nicht ist. Brian Fallon, zuletzt beschuldigt, seine Scheidung zu sehr zum Grundton der aktuellen Platte gemacht zu haben, ist an diesem Abend bester Laune. Wie die ganze Band in Skelettanzug und Zombie-Schminke, zeigt der 34-Jährige sich als großartiger Unterhalter: Von ein paar als Hero Turtles verkleideten Fans will er wissen, ob sie denn auch ein Schwert dabeihaben? Er bekommt Messer und Gabel gezeigt. Einem Mädchen, das ihn aus 50 Metern mit ihrem Handy zu fotografieren versucht, bietet er an, ihrem Freund eine SMS zu schicken. Wenn sie ihm das Handy nach vorn durchreichen lässt.

Sie traut sich nicht, dabei sind die 3500 in der einst als Sporthalle für die US Air Force gebauten Konzertarena längst so guter Stimmung, dass das Smartphone unterwegs mit Sicherheit nicht verschwunden wäre. Aber lange Zeit zum Überlegen hat sie auch nicht, denn schon geht es weiter: Eine Parade aus letztlich mehr als 30 Songs, nicht unterbrochen von einer Pause vor den Zugaben, denn nach Fallons aktueller Auffassung zerstört das rituelle Rufen nach mehr Musik nur den Ablauf.

Der ist hier, bei zweiten Auftritt mit Ersatzgitarrist Brad, der Ian Perkins an der Gitarre ersetzt, weil der für den in Familienangelegenheiten verhinderten Alex Levine am Bass ersetzen muss, auf den Punkt perfekt. Zwei Stunden fegen die fünf Musiker durch "Old Haunts", "We came to dance", "Stray Paper" und "Handwritten", mittendrin gibt es eine Improvisation zu Glen Danzigs "Mother" und eine balladeske Band-Version des von Charles Dickens inspirierten Klassikers "Great Expectations".

Große Band, großer Abend, wie immer beendet mit "The Backseat". "Dark Places", die neue, finstere Nummer die das ewig letzte Lied eigentlich als standardmäßiges Finale ablösen sollte, spielen sie gar nicht.

Mediale Aufrüstung: Die Sprache des Krieges

„Atombomber“ (Bild) unterwegs in Richtung Europa, russische Jäger von deutschen Eurofightern „abgefangen“ (dpa), lettische Marineeinheiten „sichten“ russische Kriegsschiffe (dpa) und der „Spiegel“ sieht in „Russlands Luftmanöver im Westen“ eine „ Machtdemonstration über den Wolken“. Krieg liegt in der Luft, wenn die Schreibtischtäter ihre Schreibmaschinengewehre durchladen und ihre Leserschaft zur Schlachtbank führen: Greifbar scheint die Bedrohung durch Russenflieger und Kanonenboote. Der Luftraum verletzt, der Frieden in Gefahr.

So geht einfach wird aus Ereignissen, die nicht stattgefunden haben, eine Gelegenheit, den Wehrwillen zu stärken. Es braucht keine Lügen dazu, keine Erfindungen, sondern wie immer nur ein paar Begriffe, die halb falsch, halb unbeholfen verwendet und als Glanzlichter in eine Geschichte gesteckt werden, die bar jeden Inhalts ist wie diese: Russische Flugzeuge sind durch internationalen Luftraum geflogen, wie das Flugzeuge aller Nationen zuweilen tun. Es waren russische Militärflugzeuge, die sich diesbezüglich nicht anders verhalten als chinesische oder argentinische. Auch Schiffe waren unterwegs, wie immer.

Und doch entsteht hier dank kluger Regie ein packender Drive in Richtung Waffengang. Die Atombomber sind keine Atombomber, sondern sie könnten welche werden, rüstete man sie mit Atombomben aus. Diesen kleinen Halbsatz aber muss niemand in die Überschrift schreiben. Russen-Jäger über Europa? Ja, ein Viertel der russischenLandfläche gehört zu Europa – und selbst ein Flug über der Ostsee oder der Nordsee ist kein Eindringen in nationale Lufträume. Aber wer das in den vierten Absatz schreibt, provoziert bewusst, dass die Botschaft eine andere ist: Russen über Europa, Luftraum verletzt, kurz vorm Angriff, Machtdemonstration über den Wolken.

„Abgefangen“ wurden sie dann glücklicherweise doch noch. Abgefangen? Das bedeutet im normalen Sprachgebrauch der Luftwaffe, das das eindringende Flugzeug aus dem eigenen hoheitlichen Luftraum hinaus oder bis zur Landung auf einem Flughafen eskortiert wird. Hier war aber kein Flugzeug im eigenen Luftraum, es wurde auch keines zu einem Flughafen zwangseskortiert.

Das vermeintliche Abfangen war folglich ein reines Nebenherfliegen im internationalen Luftraum – ohne rechtliche Grundlage und deshalb auch ohne weitere Aktion als der Beobachtung. Erst im Nachhinein wurde es zu einem militärischen Manöver erklärt und den Medien als „Abfangen“ verkauft.

Klingt toll, klingt richtig kriegerisch.

Montag, 3. November 2014

Kohl verteidigt den Hades-Plan

Alt, krank und bestechlich, dazu mit der deutschlandweit anzutreffenden verhängnisvollen Ex-Politikertendenz zur Russlandversteherei: Ex-Kanzler Helmut Kohl holt in einem neuen Buch aus, sich selbst von jeder Verantwortung für die große Europa-Krise freizusprechen. Schuld an der großen Krise, die mittlerweile bereits länger dauert als der Zweite Weltkrieg, sei die Rot-Grüne Nachfolgerregierung gewesen, die die von ihm festgezurrten Stabilitätskriterien für die Euroländer aufgeweicht und Griechenland wider besseren Wissens in den Euro aufgenommen habe.

Kohl, einer der Väter des geheimen Hades-Planes, mit dem Deutschland fünf Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges daranging, sich den Rest Europas doch noch erfolgreich untertan zu machen, nennt die Vorgänge um den Abschied von Recht und Gesetz im zwischenstaatlichen Verkehr "wirklich ein Schandstück deutscher Politik". Konstruktionsfehler beim Euro oder beim Bau Europas habe es nicht gegeben, versichert der greise Ex-Kanzler, womit er Vermutungen bestätigt, dass der bis heute öffentlich von keiner Bundesregierung kommentierte Hades-Plan tatsächlich darauf angelegt war, eine große Schuldenkrise heraufzubeschwören. Laut Kohl sei der Euro "als feste Klammer für Europa" gedacht gewesen, eine Währung, die die divergierenden Volkswirtschaften des Kontinents wie eine eiserne Klammer zusammenzwingen sollte.  Nur an der Charakterschwäche der rot-grünen Bundesregierung sei die Absicht gescheitert, eine "Gemeinschaft der Stabilität und der Rechtstreue" aufzubauen.

Widerspruch meldet Kohl allerdings zur These an, Rechtsbruch und Vertragslosigkeit seien Erscheinungen, die zu den Grundsätzen der Gemeinschaft gehören. Hierbei handele es sich, versichert der Mann, der die Abschaffung der D-Mark als Preis für die deutsche Einheit bezahlte, um "wesentliche Fehlentwicklungen, die wir in der EU, im Euroraum, in einzelnen Mitgliedstaaten und darüber hinaus insgesamt erleben müssen". Nun sei es jedoch zu spät, irgendetwas zu ändern, um "zu einer Gemeinschaft der Stabilität und der Rechtstreue zurückzukehren“. Die EU müsse nun auf Teufel komm´raus solidarisch zu Griechenland stehen, ganz egal, was es koste.

DDR 1989: Ein deutscher Dachbodenfund


Ein Aufeinandertreffen von Macht und Volk, wie es bis dahin unvorstellbar gewesen war: Im November vor 25 Jahren stellt sich Hans-Joachim Böhme, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen SS-Standartenführer, den Bürgern seines Bezirkes. Böhme, geboren in Bernburg und seit acht Jahren Chef der SED-Bezirksorganisation im mitteldeutschen Chemierevier, kämpft ums Überleben, sein eigenes und das des Staates, den er für den seinen hält. Auf den Stufen des Rathauses versucht das Politbüromitglied, den vom neuen SED-Chef Egon Krenz ausgerufenen "Dialog" mit den revolutionären Volksmassen zu führen. Doch vergebens. Ein Gespräch mit den 7000 überwiegend aufgebrachten Menschen kann nicht zustandekommen, weil die den wankenden Bezirksfürsten nicht mehr als Gesprächspartner, sondern nur noch als Schuldigen sehen wollen.

Bizarr die Auseinandersetzung, die ein früher Bootlegger mit einem Tonbandgerät vom Zyp "Bändi" mitschneidet. Bürger konfrontierten den Parteiführer mit teilweise absurden Fragen und seltsamen Forderungen, eine junge Frau fordert ihren FDJ-Beitrag zurück, ein junger Mann beklagt, er sei ein Jahr zuvor von der Polizei verprügelt worden - "völlig grundlos", wie er beteuert. Andere verlangten höhere Renten, kürzere Arbeitszeiten und eine bessere Versorgung in den staatlichen Geschäften. Alles geht durcheinander, jahrelang nässende Wunden brechen auf, Böhme ist hörbar verdattert, erschrocken, hilflos angesicht des Zorns, der ihm entgegenschlägt.

In einem MfS-Bericht heißt es später unverhohlen: »Die Atmosphäre war insbesondere von einer aggressiven Haltung der Mehrzahl der Teilnehmer gegen den 1. Sekretär der Bezirksleitung bestimmt. In Wortmeldungen, Sprechchören und auf Transparenten wurde der Rücktritt des 1. Sekretärs gefordert." Der kämpft, aber auf längst verlorenem Posten. Böhme klingt, als sei er aus dem Himmel der eingebildeten Erneuerung gerade eben in der Hölle der Erkenntnis gelandet, dass die Zukunft ohne ihn stattfinden wird. Wenige Tage später wird sich Böhme noch einmal ins Politbüro wählen lassen, schon am Tag des Mauerfalls aber fällt auch er: Auf einer nächtlichen Sondersitzung des Sekretariats tritt der frischgebackene Reformer zurück.

Das Ende einer fast 35 Jahre währenden Parteikarriere, die im Januar 1990 mit dem Parteiausschluss ihr Ende findet. Es folgt noch ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs, das ergebnislos bleibt. 15 Jahre später wird Hans-Joachim Böhme vom Berliner Landgericht wegen Beihilfe zum Mord durch Unterlassen wegen des Schießbefehls zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der 75-Jährige mit der mächtigen Hornbrille sitzt seine Strafe in einer Neubauwohnung in Halle-Neustadt ab. Er stirbt nach verbüßter Strafe im September 2012, ohne noch einmal öffentlich Stellung bezogen zu haben.

Sonntag, 2. November 2014

Zitate zur Zeit: Grenzen aus Gewehrläufen

“Russland muss seine Verletzungen von Ukraines Souveränität und territorialer Integrität stoppen.

Russlands unverfrorener Angriff auf die Ukraine steht den grundlegendsten Prinzipien unseres internationalen Systems entgegen – dass Grenzen nicht mit Gewehrläufen gezogen werden können; dass Länder das Recht haben, ihre eigene Zukunft zu bestimmen.

Es unterminiert eine internationale Ordnung, in der Rechte der Völker und Nationen gelten, die verbieten, sie einfach mit brutaler Gewalt zu rauben.”

Barack Obama, 11.9.2014

Medialer Sieg der Hooligans: Die größere Gefahr

Nicht der Islamistische Staat ist es, der Frieden und Freiheit bedroht, nicht mordende Salafisten und Islam-Faschisten greifen das westliche Gesellschaftsmodell an. Nein, einmal mehr sind es bierbäuchige Nazis mit Ohrtunnel, turnschuhbewehrte Flaschenwerfer und Baseballkappenträger, die an den grundfesten des demokratischen rechtsstaates rütteln, indem sie "das Demonstrationsrecht missbrauchen" (NRW-Innenminister Jäger) und ein "Brutalo-Bündnis bilden" (Focus), dem Staat und Politik nichts entgegenzusetzen haben.

Das Medienecho ist eindeutig: Über eine einzige Hooligan-Demonstration wird breitbandiger, aufgeregter und engagierter berichtet als über alle Morde sämtlicher Islamisten von Iran über den Irak bis nach Syrien. 49 zum großen Teil leichtverletzte Polizeibeamte scheinen mit einem Mal die am härtesten getroffenen Opfer des von Islamisten betriebenen Kampfes der Kulturen zwischen Islam und Abendland, eine aus dem Ruder gelaufene Demonstration gerät erklärten Demokraten und Leitmedienkommentatoren zum Anlass, nach einer Abschaffung des Grundrechtes auf Demonstrationsfreiheit zu rufen.

Endlich wieder Heimspiel, endlich wieder ein Gegner, mit dem man es aufnehmen kann! So schamhaft deutsche Leitmedien über den Islamismus berichten, weil sie fürchten, von Teilen der Bevölkerung als Islam-Kritiker verstanden zu werden, so aufrüttelnd werden die Schlagzeilen, wenn es gegen die miteinander verbündeten Schlägertrupps aus den Stadionkurven geht. "Eine neue Qualität der Gewalt" wird entdeckt, eine wahlweise "bizarre" (Welt) oder "unselige Allianz" (Focus) von Schlägern und Neonazis droht mit einem Schlag mit einem "unheimlichen Vormarsch" gegen alles, was uns lieb und teuer ist. Nicht Islamist, der Bombenanschläge und Blutbäder plant, ist der führende Feind der Freiheit. Sondern der tumbe Hool mit dem törichten Glauben an ännerfreundschaft, Rasse und die Kernigkeit der Wehrmacht.

Samstag, 1. November 2014

Verfassungsgericht schützt Online-Pöbler

Mit einem neuen Urteil hat sich das Bundesverfassungsericht schützend vor Hassprediger und Online-Pöbler gestellt. Auch überspitzte Kritik fällt danach grundsätzlich in den Schutzbereich der Meinungsfreiheit, beschied die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts und gab einem Beschwerdeführer recht, der „gegen das schäbige, rechtswidrige und eines Richters unwürdige Verhalten“ einer Amtsrichterin protestiert hatte und daraufhin wegen Beleidigung gemäß § 185 des Strafgesetzbuches (StGB) verurteilt worden war.

Die verfassungsrechtlichen Maßstäbe zur sogenannten Schmähkritik gäben dem Mann das Recht, selbst überzogene oder ausfällige Kritik zu äußern, ohne dass dies als Schmähung im rechtlichen Sinne zu verstehen sei. Vielmehr muss hinzutreten, dass bei der Äußerung nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Herabsetzung einer Person im Vordergrund steht. Geschehe das, könne allerdings auf eine Abwägung unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls verzichtet werden, dann liege eine unzulässige Schmähkritik vor.

Dies war hier nicht der Fall, jedoch weigerten sich bis auf eine Landgerichtskammer alle Vorinstanzen, die Äußerungen des Angeklagten als straffrei zu bewerten. Dies habe den Mann in seinem Grundrecht auf Meinungsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG verletzt, befand nun das Bundesverfassungsgericht. Sowohl Land- als auch Oberlandesgericht hätten die verfassungsrechtlichen Maßstäbe zur Einordnung einer Äußerung als Schmähkritik falsch angewendet, diese Art Gerichtsbarkeit aber haben einen „die Meinungsfreiheit verdrängenden Effekt“. Zuletzt hatten zahlreiche Leitmedien ihre Kommentarfunktionen geschlossen, um nicht den Falschen ein Podium zu bieten.

Eine Schmähung liege vor, wenn die Diffamierung der Person im Vordergrund stehe, die Auseinandersetzung in der Sache aber in den Hintergrund trete. „Aus diesem Grund wird Schmähkritik bei Äußerungen zu Fragen, die die Öffentlichkeit wesentlich berühren, nur ausnahmsweise vorliegen und im Übrigen eher auf die sogenannte Privatfehde beschränkt bleiben.“

Auch polemische und überspitzte Kritik sei zu ertragen, wenn sie eine sachliche Auseinandersetzung zur Grundlage habe. Eine einseitige Betonung des Ehrschutzes ohne Berücksichtigung der Meinungsfreiheit gehe fehl, damit seinen die bisherigen Entscheidungen des Landgerichts und des Oberlandesgerichts aufgehoben und die Sache erneut vom Landgericht zu entscheiden.

Freispruch für Sudel-Ede

EU wird volljährig: Ein inneres Auseinanderbrechen

Was war das noch für eine Aufregung, als Frankreich und Deutschland damals damit rechnen mussten einen „blauen Brief“ von der EU zu bekommen. Monatelang bangten die Leitmedien, wann und ob es bald soweit sei, wie sehr schlimm es wäre, würden die beiden größten Nationen Europas die Konvergenzkriterien nicht mehr beachten… Immerhin legte der sogenannte „Stabilitäts- und Wachstumspakt“ fest, dass die Euro-Länder auf Dauer zur Haushaltsstabilität verpflichtet seien.

Nach dem Vertrag könnte jedes Land der Eurozone, dessen Haushaltsdefizit drei Prozent übersteigt, bestraft werden. Das ist allerdings noch nie geschehen, auch blaue Briefe wurden nicht verschickt, nachdem sich die ersten großen Defizitsünder darauf geeinigt hatten, die strengen Regeln so aufzuweichen, dass ihnen diese Peinlichkeit in jedem Fall erspart bleibt. Statt den Stabilitätspakt einzuhalten, verpflichtete sich Deutschland anno 2002 einfach, ihn bald wieder einzuhalten.

Eine Euro-Rettung später kann nun endlich jeder machen, was er will. Mehr als die Hälfte der Euro-Länder verstößt stabil gegen die Stabilitätskriterien. Frankreich liegt seit Jahr und Tag über den magischen drei Prozent, auch Italien hält die Kriterien nicht ein. Doch selbstbewusst verlangen beide Länder, dass ihnen die Vertragsverstöße erlaubt werden – schließlich seien sie ja nicht selbst daran schuld, sondern durch die deutsche Sparpolitik dazu gezwungen.

Ein perfektes Malifiz. Jeder macht jeden für alles verantwortlich und ist damit selbst jeder Verantwortung enthoben. Von blauen Briefen oder gar Strafen ist nichts mehr zu hören, angedrohte Maßnahmen blieben durchweg angedroht und werden mittlerweile nicht einmal mehr das.

Die Völkergemeinschaft, die aufgebrochen war, die dynamischste Wirtschaftsregion der Welt zu werden, um ihren Bürgern das höchste Wohlstandsniveau überhaupt bieten zu können, steht zu ihrem 21. Geburtstag vor einer desaströsen Gesamtbilanz: Die Arbeitslosigkeit ist rekordhoch, die Jugendarbeitslosigkeit übertrifft sie noch, die Mitgliedsstaaten sind so zerstritten, dass es nicht einmal mehr offene Diskussionen um den richtigen Kurs gibt. Länder wie Griechenland hat man kollektiv abgeschrieben, die Gemeinschaftswährung – aufgebläht mit der Notenpresse - genießt nur noch das Vertrauen der Spekulanten. Das Volk ist von der Fahne, der Glaube an eine gloriose Zukunft einer Nüchternheit gewichen, die nur noch das Tagwerk verwaltet.

Nicht einmal mehr verbal ist die Rede davon, dass die EU eine „einzige Erfolgsgeschichte für uns alle“ sein könnte. Eine Kapitulation der leisen Art, ein inneres Auseinanderbrechen der europäischen Einheit, ohne dass die Staatengemeinschaft wirklich auch faktisch auseinanderfällt. Europa ist im Jahr seiner Volljährigkeit noch verbunden durch Verträge. An die sich aber weder Regierungen noch das gemeinsame Parlament noch die gemeinsame Notenbank noch halten.

Das letzte Euro-Geheimnis: Wie der Hades-Plan Deutschland zur Weltmacht machte