Montag, 25. August 2008

Öl ins Feuer, Öl aufs Wasser

Die Formulierung "Öl ins Feuer kippen" ist sehr beliebt und recht unumstritten: Wer Öl ins Feuer gießt, facht das Feuer an. Schwerer hat es da schon die Kundigen ebenfalls als sehr malerisch geltende Formulierung "Öl aufs Wasser gießen".

Kritiker bemängeln hier allerdings leichtfertigerweise nicht den sicherlich durchaus fragwürdigen Umweltwert einer solchen Maßnahme, sondern stellen vor allem die Frage ab, was es bringen solle, "Öl aufs Wasser" zu schütten. Dank Youtube lässt sich diese Frage endlich endgültig beantworten - und wir gießen damit hoffentlich letztinstanzlich Öl auf das Wasser, das bisher fortgesetzt unter dieser Diskussion schwappen zu müssen glaubte.

Gute Nachrichten halten sich

Richtig gute Nachrichten halten sich auch übers Wochenende. Vermeldeten wir am vergangenen Freitag schon, dass sich die Amerikaner unter ihrem bluttrünstigen Chef George W. Bush und die Iraker darauf geeinigt haben, die US-Truppen bis 2011 aus dem Irak abzuziehen, ziehen die deutschen Medien heute aufgeregt nach: Rotes Laufband und Großbuchstabengeschrei bei n-tv, brühwarm kommt die abgestandene Nachrichtensuppe aus dem Bildschirm getröpfelt und füllt glücklicherweise gleich das Loch, das der mit der Olympiade beendete heroische deutsche Kampf für ein freies Tibet reißt.

Große Freude nun bei der wiedererstarkten Friedensbewegung, die die Amerikaner mit anhaltenden weltweiten Protesten zum Abzug gezwungen hat. Bei der Anti-Globalisierungsbewegung attac, von der man interessanterweise eigentlich seit Monaten gar nichts mehr hört, hat man das schon immer gewusst und sich deshalb schon an die nächste Front begeben:Derzeit sucht Attac Saar einen gebrauchten Reisebus mit Anhänger, der zur fahrbaren Grill und Schwenkstation umgebaut werden soll. Der Anhänger in der 3,5 Tonnenklasse wird benötigt, um damit künftig gut gelagertes Buchenholz aus saarländischen Wäldern nach Helsinki, Paris, Rotterdam, Mailand und Madrid transportieren zu können, so Max Flabbes, der als Schwenkexperte und Zeremonienmeister der neu gegründeten Attac-Schwenkerakademie internationale Bruzzelseminare der Globalisierungskritiker leiten wird.

Geklaute Zitate: Es war nicht alles gut

Innenminister Wolfgang Schäuble ist ein häufiger und immer gern gesehener Leser hier bei PPQ. Wir sind immer froh, wenn wir der doch zumeist zwischen rat- und ahnunglos pendelnden Politik des nie bestochenen und nie verurteilten Parteispendennehmers ein paar Impulse geben können. Jetzt ist das gerade wieder gelungen: "Ich habe ja gelegentlich halb im Scherz gesagt, wir haben immer noch mehr Medaillen pro Kopf der Bevölkerung als die Chinesen", teilte Schäuble dem Bayrischen Rundfunk unter offensichtlicher Bezugnahme auf eine aktuelle PPQ-Berechnung mit.

Der Bayerische Rundfunk, dem wir stets gern mit Stichworten zur Seite stehen, überschreibt die Meldung mit einem PPQ-Zitat, das hier bei uns eigentlich ausschließlich vernichtende und ernüchternde Neuigkeiten aus der alten DDR ankündigt:"Es war nicht alles gut", heißt es da fröhlich unter unauthorisierter Verwendung eines gut abgehangenen PPQ-Zitates vom März 2007. Das nächste Mal heißt es aber zahlen, Bayerischer Rundfunk!

Deutschland dominiert Olympia

Wir sind Olympia! Wir sind Gold! Mit 16 Goldmedaillen haben sich die garantiert nicht gedopten deutschen Sportler drei mehr als zuletzt in Athen geholt. China konnte trotz aller Bemühungen nur 51 goldene sammeln - dabei sind 20% der Weltbevölkerung Chinesen.

Um wenigstens diesen prozentualen Anteil zu schaffen, hätten es schon 76 Goldmedaillen sein müssen, so langte es für das Reich der Mitte trotz Folter, Unterdrückung der Menschenrechte und Abschaltung des Internets, um Ablenkungen zu vermeiden, nur zu 17 Prozent aller 304 vergebenen Goldenen. Verglichen mit Deutschland schneidet China noch miserabler ab: Deutschlands 1,5% der Weltbevölkerung holten 5,3% der Goldmedaillen. Wäre China genausogut, hätte das Reich der Mitte 70 Prozent aller Wettbewerbe gewinnen und 212 Goldmedaillen abstauben müssen.

Weil heute Dein Geburtstag ist...


...da haben wir gedacht / wir singen Dir kein schönes Lied / das wir ja sonst immer gemacht. Aber erwähnen, erwähnen kann man das ja - schließlich hat dieser Dachdecker Spuren hinterlassen.

Großkonzern steigert Gewinne astronomisch

Der größte deutsche Konzern hat seine Gewinne im zurückliegenden Jahr trotz Finanzkrise, auseinanderbrechendem Mittelstand, Konsumzurückhaltung und Bildungsmisere erneut schneller steigern können als alle inländischen Konkurrenzunternehmen aus dem Dax. Wie Finanzministe Peer Steinbrück (SPD) als CFO der Bundesrepublik Deutschland AG mitteilte, konnten die Einnahmen aus der Lohnsteuer um satte neun Prozent gesteigert werden.

Die Gewinne aus dem sogenannten Solidarzuschlag, der nur befristet, aber ohne konkrete Fristsetzung erhoben wird, stiegen um ebenfalls neun Prozent, die Einnahmequelle Zinsabschlagsteuer sprudelt sogar um 33 Prozent eifriger. Aus der Stromsteuer konnte der emsige Finanzminister, dessen Kabinettskollege Horst Seehofer sich zuletzt zur Ablenkung für einen "Sozialtarif füt arme Stromkunden"(Seehofer) stark gemacht hatte, sagenhafte 45 Prozent mehr einnehmen. Allein im Juli verzeichnete Steinbrücks Monopolfirma so einen Einnahmesprung um 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Steinbrück nahm mit nunmehr 39,05 Milliarden Euro mehr ein als jemals in einem Monat zuvor. Zugleich überstiegen die Monatsgewinne des Finanzministers den Börsenwert der Deutschen Bank damit erstmals um ein ganzes Drittel.

Alexander Rüstow hat es gesagt

"Der Wohlfahrtsstaat legt Wert darauf, dass er zu jedem Bürger ein Druckrohr leitet, durch das er ihm seine Wohlfahrtsleistungen zupumpt. Zugleich aber hat er in der Geldtasche jedes Staatsbürgers ein Saugrohr. Die Funktion des Staates besteht nun darin, dass ganze ungeheure Röhrensystem in Tätigkeit zu setzen, mit unheimlichen Maschinengeräuschen und beträchtlichen Energie- und Materialverlusten."

Sonntag, 24. August 2008

Abendrot trotz Sonnenbankverbot

Keine Gefahr aus Bruno Grönings Kropf

Der stets lesenswerte Berlinpankowblogger macht ja immer wieder den Fehler, draußen im Lande nach dem Rechten zu schauen, statt aufgeregt nachzuplappern, was andere irgengdwo gelesen haben. Bei der Betrachtung von Scientoloy, der Sekte, die seit 40 Jahren nach der Weltherrschaft strebt und es inzwischen immerhin zur Herrschaft über Tom Cruise gebracht hat, stößt er so auf Bruno Gröning, den kropfgeplagten Witwentröster, der seinen Anhängern seit seinem frühen Tod von gerahmten Fotos hinter Glas zuzuzwinkern pflegt. Gröning hat hierzulande mehr Gefolgsleute als Scientology, ist aber dennoch keinem Medium auch nur eine Zeile wert. Liegt es am Fehlen eines sexy Frontmannes wie Cruise? Schmücken sich Spiegelsternwelttazszundco im Falle Scientology nur mit dem großen Namen?

Wieder einmal wird sie ordentlich angeheizt. Die Stimmung gegen und die Angst vor Scientology. Die beiden Experten auf diesem Gebiet haben sich wieder einmal zu einem Buch durchgerungen. Liane von Billerbeck und Frank Nordhausen schreiben seit 1993 über die Sekte. Ihre neue Gesamtdarstellung “Scientology - Wie der Sekten-Konzern die Welt erobern will” soll zeigen, wie “gefährlich die antidemokratische Organisation” nach wie vor ist. Klar, seitdem die amerikanischen Spinner auch in Berlin eine Zentrale haben, muss man wieder Angst haben.

Allerdings sollte man sich einmal die Realität genauer ansehen. Die Jahrmarkt-Stände der Sekte auf Berliner Straßen werden zu 99 Prozent nur noch belächelt. Ihr “Stress-Test” wird maximal noch von Jugendlichen als Mutprobe genutzt. In den Zeitungen spielt Scientology schon lange nur noch in den Meldungsspalten eine Rolle. Wenn überhaupt. Und die Mitgliederzahl in Deutschland wird auf 5.500 geschätzt. Das sind 0,0067 Prozent der Bevölkerung. Huh, das sind aber viele. Aber wenn man einmal Experte ist, muss man eben immer wieder mal ein Buch schreiben.

Jedoch keiner fragt nach Bruno-Gröning. Die Naturheiler-Sekte hat immerhin mehr als doppelt so viele Anhänger (12.000). Oder nach den Zeugen Jehovas? Die bringen es schon auf 190.000 Gläubige. Oder die Mormonen (36.000 Mitglieder), die Vereinigten Apostolischen Gemeinden (30.000), die Neugermanen (25.000)? Alles Sekten, die in der Berichterstattung keine Rolle spielen. Sind ja wahrscheinlich auch harmlos. Aber das ist Scientlogy, zumindest in Deutschland, auch.

Skandal: Queen beim Klauen erwischt!

Chic - Good Times - 1979

Queen - Another One Bites The Dust - 1980


Sugar Hill Gang - Rappers Delight - 1980

Cool bleiben

kaum hat man sich als staatsbürger und nachrichtenkonsument darauf eingerichtet, dass die welt einer katastrophe namens "globale erwärmung" entgegen taumelt, schon spielt die world meteorological organisation den spaß-am-untergang-verderber. das erste halbjahr 2008 war so kalt wie kein erstes halbjahr seit fünf jahren, für den rest des jahres erwartet die wmo mindestens gleiches. nur für alaska gilt das offenbar nicht.

Samstag, 23. August 2008

Von Bären und Banken

Auf dem Weg von einem Termin in Thalheim, dem deutschen Sunvalley, zurück nach Berlin spürte der deutsche Umwelt- und Klimaschutzminister Sigmar Gabriel einen kleinen Hunger. Er hieß seinen Fahrer vorm nächsten McDonald anhalten und holte sich einen kleinen Salat für fünf Euro, wie ein Leserreporter der Bild-Zeitung stasimäßig dokumentierte. Offen bleibt die Frage, wieso Gabriel auf dem Weg von Thalheim nach Berlin einen 46 Kilometer langen Bogen über Peißen macht. War der Minister etwa mitten in der Woche schon unterwegs nach Hause?

Klar dagegen ist, dass Engagement des ehemaligen SPD-Popbeauftragten als Pate des Berliner Eisbären Knut den deutschen Steuerzahler weitaus billiger zu stehen kommt als das Engagement von Gabriels Kabinettskollegen Peer Steinbrück für die staatseigene Mittelstandsbank IKB: Der Verkauf der IKB an den US-Heuschreckenfunds Lone Star kostet jeden Steuerzahler in Deutschland 520 Euro, die aus Gabriels Haushalt zugesagte Übernahme der Futterkosten für das Klimakatastrophensymbol Knut aber selbst im schlimmsten Falle nur vier Cent, verteilt über die nächsten 45 Jahre.

Freitag, 22. August 2008

Kuschelbär Knut kostet halbe Million

Als Sigmar Gabriel sich im vergangenen Jahr, als die direkt vor der Tür wartende Klimakatastrophe mal kurz ein Riesenthema war, kurzerhand entschloss, der Katastrophe entgegenzutreten, fiel ihm als wirklich wirksame Maßnahme nur eine Futter-Patenschaft über das Berliner Eisbärbaby Knut ein. Knut stammt schließlich aus einer Art, die sich seit ihrer Unterschutzstellung nach dem 2. Weltkrieg von 4.000 auf 25.000 Tiere vermehrt hat. Es gibt also heute fünfmal mehr Eisbären, die vom Aussterben bedroht sind als noch vor 60 Jahren.

Den Steuerzahler ließ Sigmar Gabriel, als ehemaliger Pop-Beauftragter der deutschen Sozialdemokratie Aushängeschild eines fröhlich-kämpferischen Sozialismus auf Gemeinkosten, die beeindruckende Symbolaktion gleich im ersten Jahr rund 11.900 Euro kosten lassen. Dafür bekam das Weltklima einige Fotos von Gabriel und dem Bären, die die durchschnittliche Temperatur der Atmosphäre positiv beeinflusst haben dürften. Die Patenschaft bleibt allerdings weiter bestehen - erreicht Knut die durchschnittliche Lebensdauer von Eisbären in menschlicher Obhut, die mit 45 Jahren rund 10 Jahre über der in freier Wildbahn liegt, kommen zwar sicher keine neuen Fotos des schönen Paares hinzu. Aber doch immerhin weitere Kosten in Höhe von mindestens 540.000 Euro. Sollte Knut gar, wovon beinahe auszugehen ist, weiter wachsen und noch mehr fressen, steigt die Summe vielleicht sogar auf eine Million. Und die wäre nicht mal nur symbolisch.

Globalisierung auf Fehmarn

Bei einer Kontrolle am Fährbahnhof Puttgarden auf der Insel Fehmarn hat die Polizei einen Iraker überprüft, der ein Auto mit schwedischem Kennzeichen nach Dänemark bringen wollte. Nach Angaben der Polizeidirektion Lübeck vom Freitag ist der 30-Jährige in Tschechien geboren und wohnt in den Niederlanden. Er legte einen gefälschten irakischen Führerschein und eine internationale syrische Fahrerlaubnis vor, die er mit Hilfe des gefälschten Führerscheins erlangt hatte. (dpa)

Kein Öl für Blut

Es ging nur ums Öl, das die USA unter Georg W. Bush aus purem Neid nicht dem sein Volk liebenden irakischen Präsidenten Saddam Hussein lassen wollten. US-Öl-Multis aus Bushs Heimatsstaat Texas sollten die Vorräte am Golf unter sich aufteilen dürfen - deshalb erfanden die amerikanischen Geheimdienste sogenannte Gräueltaten des bei den Irakern überausbeliebten Saddam Hussein und seines Freundes Chemie-Ali, sie behaupteten, der Irak wolle Massenvernichtungswaffen bauen und die Regierung in Bagdad unterstütze weltweit Terroristen.

Mit Hilfe dieser Lügen stürzte der schlechteste Präsident, den die USA jemals hatten, die Welt in das Irakkkriegs-Abenteuer, bei dem nur die Deutschen den Überblick behielten, weshalb sie nicht mitmachten. Fünf Jahre nach dem heimtückischen Überfall der US-geführten Invasionsstreitkräfte auf das friedliebende irakische Volk, das längst nicht mehr daran dachte, Nachbarländer wie den Iran oder Kuweit noch einmal anzugreifen, sind denn auch alle Befürchtungen deutscher Spitzenpolitiker eingetroffen. Der Irakkrieg wurde zum "Desaster" (Gernot Erler), ein "Völkermord" (Todenhöfer) fand unter den Augen der Welt statt.

Kein Geld aus den lukrativen "Oil for Food"-Geschäften floß mehr an Saddams Partner, unter denen die irakische Zeitung al-Mada unter anderem der ehemalige französische Innenminister Charles Pasqua, die indonesische Präsidentin Megawiti Sukarnoputri, der libanesische Parlamentspräsident und einen Verwandten von Ghaddafi aufzählt. Allein die russische Regierung habe aus Ölgeschäften mit Saddam Gutschriften im Wert von 1,36 Milliarden US-Dollar erhalten, den Löwenanteil des Oil for Food-Geschäfts bekamen daneben arabische und französische Firmen, die zusammen mit russischen 40% der Förderlizenzen im Irak innehatten.

Auch der Name des prominenten Embargogegners und schottischen Ex-Labourabgeordneten George Galloway, der die internationale Kampagne gegen den Irakkrieg moralisch angeführt hat, taucht auf der Liste auf. Weiterhin profitierten neben vielen anderen auch die Österreichisch-Arabische Gesellschaft, die PLO, der libysche Premierminister, die ukrainischen Kommunisten, die serbische sozialistische Partei, die russisch-orthodoxe Kirche und Jean-Marie Le Pens Irak-Solidaritätsvereinigung von Geldern, die eigentlich für die Versorgung der irakischen Bevölkerung vorgesehen waren.

Pikanterweise findet sich auf der Liste auch der Name Bevon Sevan. Sevan war der von Kofi Annan eingesetzte Leiter von Oil for Food. Unter seiner Ägide verpflichteten sich die UN gegenüber dem Irak darauf, alle Verträge, die mit Firmen geschlossen wurden, geheim zu halten. Dann kamen die Amerikaner, der Terror übernahm weltweit die Regie, zahllose Anschläge erschütterten das Abendland und die amerikanischen Truppen erlebten an Euphrat und Tigris "ein zweites Vietnam" wie es der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ein Nahost-Experte namens Heinrich Mussinghoff treffend voraussagte: Der "gesamte Nahe Osten" geriet, so prophezeite Die Zeit "in Brand".

Nun brennt er immer noch nicht, da meldet CNN auch schon, dass die USA und der Irak einen Abzug aller US-Truppen bis 2011 vereinbart haben. Was ist jetzt mit Weltmacht? Eroberung? Öl-Lizenzen? Kein Blut für Öl, forderte die Friedensbewegung bei Kriegsausbruch - und siehe, nun wird ihr Recht gegeben: Es gibt kein Öl für das Blut, dass die USA-Armee vergossen hat, um die "Weltmachtträume von Bush" (indymedia) wahr zu machen. Bislang hat nicht eine einzige US-Öl-Firma eine Lizenz zur Förderung irakischer Vorkommen erhalten.

Deutsche leiden immer länger

Immer mehr Armut unter Jung und Alt, immer fetteres Essen, Uran im Wasser, Pestizide im Brot, Rinderwahn im Schnitzel, bittere Kälte im Wohnzimmer, immer mehr Erfrierungen, Glücksspielsucht und Leberzirrhose - aber die Lebenserwartung der Deutschen steigt weiter. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ein bisschen überraschend mitteilte, werden mitten in der deutschen Depression über die täglich schlimmer werdenden Gegenwart geborene Mädchen hierzulande heutzutage im Durchschnitt 82,3 Jahre leben, Jungen können sich auf 76,9 Lebensjahre freuen.

Auch die Lebenserwartung heute schon älterer Menschen wächst unbeirrt vom schwindenden Wohlstand, der digitalen Spaltung, der wachsenden Nachfrage nach kostenlosem Essen an Reste-Tafeln der Wohlfahrsverbände, steigenden Energiepreisen und dem rasanten Abbröckeln der Mitte der Gesellschaft. So können 60-jährige Männer mit noch durchschnittlich 20,7 Jahren rechnen, die mit Jammer über wachsende Wohlstandsverluste, Rentenbesteuerung und steigende Benzinpreise gefüllt werden können. Gleichaltrige Frauen haben sogar 24,6 Jahre Zeit, die Mauer zurückzuwünschen, die Globalisierung für alles Leid der Welt verantwortlich zu machen und den Hartz-4-Enkeln gelegentlich eine vom nie ausreichenden Witwensalär abgezweigte Tafel Billigschokolade zuzustecken.

Senat zwingt zu Straftaten

Hamburg taumelt in die Anarchie, die Hafenstraße kehrt zurück. "Gewaltbereite und aggressive Teilnehmer" (Morgenpost) eines "Klimacamps", unterstützt von Aktivisten eines "antirassistisches Camps" überfielen in dieser Woche ein Bezirksamt im Hamburger Norden, um das Weltklima zu verbessern wurden die Büros der Ausländerabteilung verwüstet, eine Mitarbeiterin der Behörde verletzte sich durch Glassplitter, die aus einer Scheibe flogen, als die zum Zwecke des Kampfes gegen Rechts zerschlagen werden musste. Rund 40 Umweltaktivisten stürmten später die Baustelle des Kohlekraftwerks Moorburg, fünf kletterten auf einen Kran.

Die Polizei nahm etwa 30 Teilnehmer der Aktion fest und schimpft nun. Der schwarz-grüne Senat habe keine klare Linie gegen die Gewalttäter, die eingesetzten Beamten wüssten "vor lauter Deeskalationsstrategie“ nicht mehr, wie sie gegen die Übergriffe militanter, aggressiver und gewalttätiger „Klimacamper“ vorgehen sollten. "Dieses Camp hätte es nie geben dürfen", befand ein SPD-Politiker, der zuvor von Antirassisten und Klimaschützern bedroht worden war.

Vertreter aller Fraktionen im Innenausschuss waren sich dagegen einig, dass es grundsätzlich richtig sei, Protest auch in Form eines Zeltlagers in der Hansestadt zuzulassen. Der SPD- Abgeordnete Andreas Dressel kritisierte jedoch, dass bei Abschluss des Nutzungsvertrags für das Gelände "keine Verpflichtung der Organisatoren zum Verzicht auf Straftaten" (Dressel)verlangt worden sei.

Ein Versäumnis, das wirklich unverständlich ist - nun sind die Organisatoren natürlich zu Recht überzeugt, dass ihnen Straftaten im Dienst von allerlei guten Sachen nicht nur erlaubt, sondern dass sie geradezu zur Begehung solcher gezwungen sind.

Lebenslang lernen

Lebenslang lernen, da macht die Kanzlerin als allererste ernst. Angela Merkel hat am Donnerstag in Frankfurt am Main eine "Bildungsreise" (Merkel) durch Kindergärten, Schulen und Hochschulen quer durch die Republik begonnen, während der die Regierungschefin versuchen will, Bildungslücken zu schließen. Als promovierte Chemikerin hat die DDR-Migrantin Merkel vor allem Reserven im schöngesitigen Bereich, auch bei den Fremdsprachen will sie während ihres freiwilligen Sommersemesters zulegen. Die Regierungsgeschäfte ruhen derweil.

Ein Überfluß an Überdruss

Es regt sich nichts, es bewegt sich nichts, die Gesellschaft ist eingefroren zwischen den ewig gleichen Fronten aus Sozialjammer und Steuerklage. Die Atmosphäre in Deutschland am Anfang des dritten Jahrtausends erinnert beklemmend an die letzten Jahre der DDR.

Hier und heute ist auch kein Land, dem man das ewige Leben zutraut; kein Land, von dem man auch nur raten möchte, wie es in 30, 45 oder 70 Jahren aussieht. Eine Ökodiktatur? Eine halbsozialistische EU-Provinz? Ein vom großen Geld regiertes Viertes Reich unter der Ägide folternder Amerikaner? Eher wahrscheinlich, dass alles nicht, wie Gerhard Schulze, der Empirische Sozialforschung an der Universität Bamberg lehrt, in einem bemerkenswert realistischen Essay in der "Welt" schreibt. Vermutlich nämlich wird Deutschland nur sein wie heute. Ludwig Erhards Verheißung vom Wohlstand für alle ist wahr geworden, aber alle sind des Wohlstands längst zu überdrüssig, um ihn auch nur noch wahrzunehmen. Statt Entwicklung und Fortschritt heißt der neue Geist Konservierung: Die Deutschen sind ein Volk von Besitzstandswahrern geworden, die mit der Marktwirtschaft hadern und sich angesichts unendlicher Möglichkeiten nur noch... ja, ausdauernd langweilen.

Wohlstand für alle! Als Ludwig Erhard diese Idee in die Welt setzte, hatten die Deutschen noch viele Wünsche offen. Mit leuchtenden Augen standen sie vor den Auslagen der Nachkriegskaufhäuser und träumten vor sich hin. Hätte ich doch nur dies! Könnte ich doch nur jenes! Kaum zu glauben, was in den Jahren darauf für die breite Masse in Erfüllung ging: Auto, Eigenheim, Waschmaschine, Kühlschrank, Fernseher, Mobiltelefon. Bezahlter Urlaub, ein vielfältiges Kulturangebot, eine freie Medienlandschaft, ein weithin gepflegter öffentlicher Raum, eine funktionierende Infrastruktur rundeten die Sache nach und nach ab. Während planwirtschaftlich-totalitäre Systeme immer nur erreichten, dass alle gleich arm waren, der öffentliche Raum überall gleich verkam, die Medien gleichgeschaltet und alle gleich drangsaliert wurden, erfüllte sich in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf breiter Basis das Motto Ludwig Erhards: Wohlstand für alle.

Trotzdem steht die Marktwirtschaft wie selten zuvor in der Kritik. Der Ruf nach mehr Staat und weniger Markt ist deutlich hörbar. Immer mehr Menschen zweifeln daran, dass die Marktwirtschaft für sie etwas Gutes bedeutet. Sie sehen frustriert, wie viel Netto vom Brutto ihnen monatlich bleibt, jede noch so magere Lohnerhöhung wird von der Steuerprogression aufgefressen. Obwohl es der Staat ist, der die Erwerbstätigen ausnimmt, und nicht der Unternehmer, lasten viele die Ungerechtigkeit der Marktwirtschaft an statt der Steuerpolitik, durch die jeder halbwegs Tüchtige zur starken Schulter erklärt und zur Kasse gebeten wird.

Die Menschen fürchten sich davor, ihren Job zu verlieren und in ALG II abzurutschen, denn das ist so ziemlich das Entwürdigendste, was einem Arbeitnehmer und Leistungsträger heute passieren kann. Auch hier liegt die Ursache im staatlichen Eingriff, in einer schlecht gemachten Reform. Doch selbst die verhasste Zusammenlegung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern hält kaum jemand davon ab, den Markt für alle Übel verantwortlich zu machen. Trotz der chronischen Unfähigkeit von Staatsapparaten, die Menschen mit allem zu versorgen, was sie zum Leben brauchen, erscheint die DDR heute vielen als Sozialparadies und Kuschelzoo, in dem keiner Angst haben musste, ins Abseits zu geraten. Zehn Prozent der Deutschen wollen bei der nächsten Bundestagswahl die Linkspartei wählen. Doch gerade diese Partei, die offen für Verstaatlichung, Planwirtschaft und eine möglichst hohe Staatsquote steht, würde uns noch mehr Geld aus der Tasche ziehen. Mehr Netto vom Brutto würde unter den Linken erst recht nicht im Geldbeutel bleiben, vor allem bei denen nicht, die aufgrund eigener Anstrengung auch nur ein klein wenig bessergestellt sind als andere.

Wer oder was ist schuld an der Wohlfühlkrise, die Deutschland ergriffen hat? Wie kann es sein, dass politische Vorstellungen sich angesichts einer Gruppe schlecht verdienender Wachleute, Friseure oder Hilfsarbeiter zunehmend darauf richten, die Marktwirtschaft abzuschaffen und durch ein staatlich gelenktes System zu ersetzen, in dem subventionierte Arbeitsplätze, noch mehr Transferleistungen und Schulden machen ganz oben auf der Agenda stehen?

Die Feinde der Marktwirtschaft spielen das sogenannte Gemeinwohl gerne gegen das Individualprinzip aus. Hier die atomisierten Individuen, hilflos der Kälte des Neoliberalismus ausgesetzt, wurzellos, hedonistisch, konsumorientiert. Dort der regulierende, vorsorgende Staat, der die Menschen erzieht, nährt und kleidet. Die Klagen über die Bindungslosigkeit des modernen Menschen, über den Werteverfall und den irregeleiteten Konsumismus - sie alle gehören zum rhetorischen Arsenal derjenigen, die nach dem starken Staat rufen. Kontrolle! Regulierung! Einheitlichkeit! Reduktion! Unter dem Deckmantel der Kulturkritik wird am Fundament der Moderne gekratzt, denn mehr Staat ist nur zum Preis von weniger Freiheit zu haben.

Moderne und Marktwirtschaft haben uns einen nie da gewesenen kollektiven Wohlstand beschert, aber wenn selbst die Anwärterin auf das höchste Staatsamt, Gesine Schwan, gegen den Konsum zu Felde zieht und demonstrativ verkündet, immer nur gebrauchte Kleider zu kaufen, beginnt man schon am gesunden Menschenverstand zu zweifeln. Wenn das nun alle machen würden! Der erste Markt, aus dem ihre Kleider stammen, würde zusammenbrechen, und schon bald gäbe es ihn mangels Nachfrage nicht mehr. Wenig später würden die Leute nur noch in Lumpen herumlaufen, denn auch den Secondhandläden ginge der Nachschub aus. Etliche bisher sichere Arbeitsplätze wären verloren und mit ihnen all die vielen Möglichkeiten, sich so oder so mit Kleidung einzudecken. Die Verachtung von Konsum und Marktwirtschaft auf höchster politischer Ebene kann nicht besser zum Ausdruck bringen, was die Stimmung in den alten Industriestaaten heute kennzeichnet: wohltemperierter Überdruss, Sinnkrise und bloß nicht darüber reden, wie gut wir es haben.

Den Deutschen geht es materiell gesehen besser denn je. Die obere Hälfte der Einkommensbezieher trägt rund 95 Prozent der Steuerlast. Zwei Drittel der Erwerbsfähigen leben von eigener Arbeit - Minijobs und Teilzeitbeschäftigung nicht eingerechnet. Die meisten Arbeitnehmer verfügen über einen festen, sozialversicherten Arbeitsplatz. Lediglich zu Beginn des Berufslebens und an dessen Ende findet eine gewisse Deregulierung statt, wie eine neuere Studie zur Flexibilisierung des Erwerbsverlaufs aus der Forschungswerkstatt meines Bamberger Kollegen Hans-Peter Blossfeld ergeben hat.

All dies scheint in der Wahrnehmung nicht zu zählen. Trotz aller Potenziale und trotz des gehobenen Lebensstandards fühlen sich immer mehr Menschen vom sozialen Abstieg bedroht. Folglich wollen sie das Erreichte in Sicherheit wissen. Den allzu schlichten Wachstumsgedanken haben sie hinter sich gelassen, immaterielle Werte gewinnen an Bedeutung: weniger arbeiten, mehr Zeit mit der Familie verbringen, ein Musikinstrument lernen, eine Reise machen, einen Yoga-Kurs belegen. Den erreichten Wohlstand halten, ohne alles nur dafür zu investieren: Das ist aus der Gesellschaft der still vor sich hin schuftenden Häuslebauer geworden, wenn man einer aktuellen Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach folgt.

Nimmt man das ernst, steht die Marktwirtschaft vor einer Identitätskrise. Aus Sicht des herrschenden ökonomischen Paradigmas stellt die Erhaltung des Status quo keinen besonderen Wert dar, im Gegenteil. Die industrielle Produktion beruht darauf, dass das jeweils Erreichte möglichst bald veraltet und durch etwas Neues ersetzt wird. Genau dies jedoch sehen viele nicht mehr ein, und es ist auch gar nicht möglich. In Sicht kommt das Paradigma der Bestandswirtschaft.

Die Erhaltung und Pflege des Erreichten ist heute in kaum einem politischen Programm zu finden. Die einen schreiben sich den Fortschritt auf die Fahnen, die anderen den Rückschritt und predigen Ausstieg, Rückbau, Selbstkasteiung. Wohlstand für alle? Für die Feinde der Marktwirtschaft ist das Motto Ludwig Erhards so akzeptabel wie eine Hure im Vatikan. Die Frage aber, ob ich in Zukunft meine Wohnung noch ausreichend heizen kann, einen gepflegten öffentlichen Raum vorfinde, ein eigenes Auto fahre und nachts eine Glühbirne statt eine Sparfunzel einschalten darf, berührt die Sorgen und Bedürfnisse vieler Bürger. Nur von einer Ökonomie, die schon unter Beweis gestellt hat, dass sie trotz staatlicher Eingriffe prächtig gedeihen kann, dürfen sie eine Anpassung an neue Zeiten, dürfen sie eine Ankunft im 21. Jahrhundert erwarten.

Donnerstag, 21. August 2008

Und jetzt der Wetterbericht

vor ein paar tagen barmte ein klimaforscher noch, in der arktis könne nicht geforscht werden, weil die umstände nicht danach seien. "Es gibt dort in dieser Saison mehr Eis als erhofft. Im letzten Jahr sah das besser aus, da hätte es mit dieser Route keine Probleme gegeben. Ich hoffe jedoch, dass das Eis bis Mitte August noch schmilzt", ließ wilfried jokat wissen. sein wunsch wurde erhört. "Das Meereis rund um den Nordpol schmilzt in diesem Jahr deutlich stärker als bislang von Wissenschaftlern angenommen. Seit zwei Wochen habe es einen so starken Rückgang gegeben, dass bereits jetzt der Vorjahres-Vergleichswert fast erreicht sei, sagte der Klimaforscher Professor Lars Kaleschke" laut platschquatschagentur dpa. und fügte hinzu: "Die Talsohle folge aber noch. Im September 2007 war die geringste Eisbedeckung seit Beginn der Satellitenaufzeichnung vor 36 Jahren gemessen worden." und schwupps ist eine unerklärliche 14-tage-schmelze mit dem weltklima der vergangenen 36 jahre kurzgeschlossen. meisterlich.

Schlimmes Schicksal

Was für ein Schicksal. Vier Jahre zu trainieren, um dann bei der "triumphalen Rückkehr" (dpa) mit zwei Olympiasiegen am Hals "Goldfisch"(n-tv) genannt zu werden. Die echten Goldfische schaffen das durch einfaches Vorhandensein, Fressen und ganz langsam im Kreis schwimmen.

Freibier in der Kleiderkammer

Wulf Gallert fehlt es sichtlich nicht an den Dingen, die das Leben lebenswert machen. Aber der Chef der Linken in Sachsen-Anhalt denkt eben auch an andere, die es nicht so gut haben, dass sie sich ein paar stattliche Hängebacken anfuttern können. Diesen Menschen, das weiß Gallert, muss geholfen werden. "Was alle brauchen, muss allen gehören", verkündet der gelernte Lehrer aus Havelberg. Ja, jauchzet, frohlocket: Sobald die Linke die Macht in Deutschland übernommen hat, fängt das gute Leben für alle an. Essen und Trinken gehen aufs Haus, Klamotten kaufen musste nich mehr, kriegste so in der PDS-Kleiderkammer. Auch Zugfahren, Haareschneiden, Kondome, Wohnung, fließend warm und kaltes Wasser, Bartwichse, Internetanschluß, Fernsehen, Sprit für die Karre und Heizung in der Bude - keinen Pfennig wird das mehr kosten.

Auch Energienetze, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sollen nicht mehr privat, sondern vom Staat betrieben werden, der das viel besser und zu viel höheren Preisen kann. Wulf Gallert weiß noch, wie das in der DDR war: Krankenhäuser, die beinahe auseinanderfielen, Rezepte, die nur die Westverwandtschaft bei sich zu Hause einlösen konnte, Zahnersatz, der richtig schnell und gut angefertigt wurde, wenn ein paar D-Mark im Umschlag beim Auftrag lagen.

Ja, dahin will der führende Linke im Armenhaus wieder zurück, zu einer gerechten Gesellschaft, in der alle nichts haben und ein paar ein bisschen mehr und wenns nur Macht ist. Eine Vergesellschaftung brauche man deshalbt "weitestgehend" (Gallert) auch im Gesundheitswesen, etwa bei den Krankenhäusern. Noch nachdenken muss die Linke, ob private Arztpraxen enteignet oder entschädigt werden und ob Fettabsaugen im Wangenbereich künftig Kassenleistung wird.

Merkel legt Kaukasus-Krise bei

Als die Klimakatstrophe letztes Jahr auf dem Höhepunkt war, Zeitungen nur noch Temperaturgrafiken veröffentlichten und Brennpunkte in der ARD zeigten, wie das Wasser der Weltmeere eines Tages selbst den Brocken schlucken wird, war es Angela Merkel, die Frau aus der "rechten Hochburg" Templin (Der Spiegel), die entschlossen handelte. Merkel lieh sich eine Jacke von der Deutschen Seenotrettung und fuhr hinauf nach Spitzbergen, in die Arktis oder nach Grönland, wo sie vor einem halben hundert mitgereister Fotografen Eisbären und Gletscher, Pinguine und Robben rettete.

Seitdem ist die Klimakatatsrophe nur noch Klimahysterie, denn der traditionell leicht für Ungemach aller Art zu begeisternde Deutsche weiß: Angela ist da, die wird es richten. Um das zu tun, fährt die Kanzlerin kommende Woche nach Schweden, Estland und Litauen, denn dort, weiß die Deutsche Welle, "ist die Kritik am russischen Vorgehen im Kaukasus besonders groß". Was merkel damit zu tun hat, ob sich die Kanzlerin der Kritik anschließen oder Rußlands Vorgehen verteidigen, die Schweden an ihre Kumpanei mit den Nazis oder an die jahrhundertelange Unterdrückung der Norweger erinnern oder aber einfach vor allen hundert mitgereisten Fotografen eine Uniformjacke der litauischen Friedenstruppen überstreifen wird, muss sich zeigen. Klar ist jedenfalls, dass der Kaukasus danach kein Thema mehr sein wird.

Klammheimliche Gemeinheit

Kalt und gnadenlos, so geht der für ihren herzlosen Umgang mit Betroffenen aller Art berüchtigte Berliner Pullover-Senat unter dem Arbeiterführer Klaus Wowereit gegen schutzlose Schülerinnen und Schüler vor. Junge Leute mit Migrationshintergrund müssen nach »Vorläufigen Anwendungshinweisen« der Berliner Ausländerbehörde Im neuen Schuljahr nicht nur um ihre Noten oder das Erreichen eines Abschlusses bangen, sondern auch um ihren künftigen Aufenthalt in Deutschland.

Wer keinen Schulabschluß erreicht, keine Chance auf einen Ausbildungsplatz hat und "keine ausreichenden Bemühungen" unternimmt, das eine doch zu erlangen oder sich das andere zu beschaffen, verliert damit sein Recht auf eine unbefristete Verlängerung Aufenthaltserlaubnis und kommt für eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis »nicht in Betracht«, zitiert der "Tagesspiegel" aus dem Senatspapier.

Eine Granatensauerei, findet der Berliner Flüchtlingsrat, die »klammheimlich auf den Weg gebracht« wurde, wie die integrationspolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Bilkay Öney der längst integrierten "Jungen Welt" verriet. Praktisch betrachtet gibt es genug Beispiele, dass Jugendliche in Deutschland auch ohne Schulabschluß und jede Berufsperspektiven gut leben können. Die Grundversorgung mit den Dingen des "täglichen Bedarfs" (DDR-Konsumwerbung) stellt Vater Staat sicher, für kleine Extras lässt sich hier mal Kellnern und dort mal ein bisschen fahrradkurieren. Warum ausgerechnet migrantischen Kids eine solche Lebensperspektive durch Nichtverlängerung der Aufenthaltsberechtigung genommen werden soll, wird Klaus Wowereit erklären müssen.

Vorwärts in die Vergangenheit

Ebay, von Experten hier bei PPQ seit Monaten auf der Watchlist für untergehende Internet-Unternehmen geführt, hat beschlossen, sein Deutschland-Geschäft zu schließen. Um die Umsätze langsam zurückzufahren, orientiert sich das kriselnde Unternehmen vorwärts in eine Vergangenheit, in der das Festnetz-Telefon wichtigstes Kommunikationsmittel war. Auf dessen Hilfe setzt das Auktionshaus bei seiner sogenannten "Sicherheitsoffensive" (Ebay). Die sieht vor, dass sich jeder Verkäufer beim Einstellen eines Artikels per Telefon autorisiert: Während der Einstellprozedur ruft Ebay beim Verkäufer an und gibt, sicherlich nach Prüfung von bundeseinheitlicher Identnummer, Blutgruppe und Passdaten, einen Zahlencode durch, der dann in eine Maske des Verkaufsformulars eingegeben werden muss. Ohne diese "Autorisierung" genannte Sicherheitsmaßnahme können Angebote künftig nicht mehr eingestellt werden.

Ebay behauptet, diese Verfahren komme nur zum Zuge, wenn der Verkäufer Auktionen nicht von seinem eigenen Computer aus einstelle. Allerdings setzt es sich auch automatisch in Gang, wenn der Ebay-Kunde den Modus "Cookies ablehnen" an seinem eigenen Computer aktiviert hat.

"Natürlich bedeutet das für unsere Mitglieder erst einmal einen Mehraufwand", sagte Stefan Groß-Selbeck, Ebay-Chef in Deutschland. Allerdings steige damit die Sicherheit auf der Plattform. Wahrscheinlich schon allein dadurch, dass viel weniger Auktionen eingestellt werden.

Kabinett kippt Globalisierung

Lange, zu lange, viel zu lange hat die Bundesregierung gezögert. Und nun hat sie zwar klug entschieden, einen Teil der Globalisierung auszusetzen. Doch es ist zu spät: Mit einer Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes wollte das Kabinett von Klimakanzlerin Angela Merkel eigentlich verhindern, dass Investoren aus dem Ausland bei deutschen Unternehmen einsteigen. Unerwünschten Geldgebern soll damit der Einfluss auf deutsche Firmen verwehrt werden.

Für das Hannoveraner Traditionsunternehmen Continental aber kommt die globalisierungskritische Gesetzesinitiative zu spät: In der Nacht musste der niedersächsische Reifenhersteller und Autozulieferer sich dem seit Wochen anhaltenen Druck der aus Franken stammenden Schaeffler-Gruppe beugen und der Übernahme durch die bayerische Familienfirma zustimmen.

Eigentlich sollte die Novelle im Außenwirtschaftsgesetz verhindern, dass ausländische Fonds oder Finanzinvestoren mehr als 25 Prozent der Stimmanteile deutscher Firmen kaufen können. Die Regierung, die gerade dabei ist, ihre komplette IKB-Bank an einen ameriaknischen Finanzinvestor zu verkaufen, wollte unterbinden, dass sich russische Oligarchen, arabische Staatsfonds und bayrische Familienunternehmen in sensible Branchen einkaufen und die damit unter fremde Kontrolle kommen.

Als unbedenklich gelten nur Geldgeber aus der Europäischen Union sowie aus Island, Norwegen, der Schweiz und Liechtenstein. Bei Geldern, die aus Liechtenstein nach Deutschland strömen, so ein mit der Materie Vertrauter, handele es sich sowieso um das geld deutscher Investoren, die vor der Steuer geflohen seien. "Das ist deutsches Geld, das Geld ins Vaterland zurück will."

In einem nächsten Schritt wolle die Bundesregierung nun beraten, wie ein Gesetz beschaffen sein müsste, das deutschen Firmen Übernahmen im Ausland verbietet.

Mittwoch, 20. August 2008

Weniger ist auch mehr


Seht ihr, Kinder, so wird das gemacht. Im April diesen Jahres war sich Familienministerim Ursula von der Leyen noch ganz sicher. "Ich bin davon überzeugt, dass die Geburtenrate für 2007 deutlich über 1,4 gestiegen ist", verkündete die langhaarige Politikerin nur zwei Monate, nachdem ihr Ministerium bestätigt hatte, dass die Rate 2007 "deutlich über 1,4 Kindern pro Frau" gelegen haben soll. Das gab nochmal eine schön optimistische Schlagzeile, schließlich würe das deutsche Volk nunmehr etwas langsamer aussterben als bis dahin gedacht.

Doch vom "höchsten Wert seit der Wiedervereinigung" (von der Leyen) ist vier Monate später nichts geblieben. Mit 685.000 Geburten im Jahr 2007 wuchs die durchschnittliche Kinderzahl der erwachsenen Frauen nun doch nur auf 1,37 - weit weg von "über 1,4", statt 48.000 Geburten mehr gab es nur magere 12.000.

Aber was macht das? Genau, gar nicht. Nehmen wir eben ein anderes Jahr zum Vergleich, sagt Frau von der Leyen. Dann lässt sich fröhlich freuen: "Höher war diese Rate zuletzt im Jahr 2000, als auf jede Frau im Schnitt 1,38 Kinder kamen."

Der Mißerfolg, der nicht einmal annähernd an die eigenen schon erfüllt geglaubten Prognosen heranreicht, wird so mit zwei Sätzen zum Hoffnungsflämmchen für das grummelige Volk. Unsere Lieblingsagentur dpa hilft da selbstverständlich gern mit: "Besonders stark", kommentiert Deutschlands Staatsagentur amtlich, "nahmen die Geburten bei Frauen im Alter von 33 bis 37 Jahren zu."

"Besonders stark". Als könne sich Deutschland nunmehr gleich gar nicht vor Kindern retten. Nur so gibt das ja Gelegenheit für von der Leyen, die Gründe für den atemberaubenden Gesamtanstieg von überschaubaren 1,75 Prozent zu erläutern: Der Anstieg der Geburten sei ein «Vertrauensvorschuss» auf die Familienpolitik der Regierung. Da sind die beiden wichtigen Worte dann endlich in einem Satz zusammen: Regierung und Vertrauen. Wofür Kinder alles gut sind.

80er-Jahre-Dance-Trash live

Men without Hats: Safety Dance


Dead or Alive: You Spin Me Round

Braune Gefahr

in ihrer unergründlichen weitsicht hat die bundesregierung tatsächlich ein verbot gefunden, das es noch nicht gibt: "Minderjährigen soll aus gesundheitlichen Gründen die Nutzung von Solarien untersagt werden."

Deutschland sucht den Super-Sozialbetrüger

So geht das natürlich gar nicht. Sat1, ruhmsüchtig und bereit, das Sommerloch zu füllen, will eine so genannte Doku namens “Gnadenlos gerecht – Sozialfahnder ermitteln“ senden, die unter Verzicht auf Dieter Bohlen und die üblichen Jury-Statisten auf die Suche nach Deutschlands Super-Sozialbetrüger geht. Das Erwerbslosenforum Deutschland, in Bonn beheimatete letzte Nachhut der machtvollen Hartz-4-Proteste von einst, ist empört. An Hand von Beispielen die Arbeit von Sozialermittlern darstellen? Auch noch im Landkreis Offenbach?

Da haben die Erwerbslosenschützer, auf deren Internetseite wahrscheinlich zur Finanzierung der guten Sache gleich zwei Links zur Erotikbörse Lablue gelegt sind, doch sofort "Sorge, dass durch Ihre geplante Doku ein ähnlicher Effekt wie im Herbst 2005 eintritt". Damals hatte das ZDF unverantwortlicherweise eine ähnliche Sendung ausgestrahlt und "eine Missbrauchsdebatte von Zaum gebrochen", in deren Folge "Erwerbslose pauschal mit dem Vorwurf des Missbrauchs konfrontiert" wurden, wie Forumsssprecher Martin Behrsing in einem "Offenen Brief" schreibt.

Um das zu vermeiden, fordern die Erwerbslosenschützer vom Privatsender eine Art Warnhinweis vor jeder Sendung: "Wir erwarten von Ihnen, dass zu jeder Sendung deutlich gemacht wird, dass Einzelfälle gezeigt werden und man damit keineswegs auch nur irgendeinen Rückschluss auf arbeitslose Menschen ziehen kann".

Nach dem Vorbild der Warnhinweise auf Zigarettenschachteln könnten in einem nächsten Schritt dann generell Distanzierungshinweise TV-Pflicht werden: Der "Tatort" zum Thema Ehrenmorde könnte klarstellen, dass Morde auch in anderen Kulturkreisen üblich sind, die Olympiaberichterstattung könnte sich pauschal bei allen Dickleibigen dafür entschuldigen, dass Menschen, die 100 Meter in zehn Sekunden laufen, natürlich weniger normal sind als ein fetter Wanst, und die unübersehbare Dummheit der Hauptdarsteller in den derzeit beliebten Auswandererdokus könnte von einem Laufband mit dem Satz "Wir weinen ihnen keine Träne nach" (Erich Honecker) begleitet werden.

Dennoch müsse Sat.1 für den Fall, dass die neue Doku trotzdem die beabsichtigte Missbrauchsdebatte auslöst, noch weitergehend aktiv werden, da lassen Deutschlands Erwerbslose gar nicht mit sich handeln. Der Sender müsse eine solche Debatte "auf das schärfste" verurteilen, fordert Martin Behrsing. Zudem solle Sat.1 einfach mal behaupten, dass es nicht in der Absicht des Senders gelegen habe, einen solchen Wirbel zu machen. "Wir erwarten von Ihnen als Programmchef, dass sich Ihr Sender schützend vor arbeitslose Menschen stellt und seine besondere Verpflichtung gegenüber benachteiligten Menschen wahrnimmt", stellt der "Pressesprecher" der Arbeitslosen Deutschland mit der Souveränität eines Menschen klar, der weiß, dass er für Millionen nachmittägliche Talkshowgucker, für Fans von "Sturm der Liebe" und "Richter Holt" spricht.

Das wird Sat.1 nun nicht umstimmen. Aber hätte der Sender vor der Premiere von "Gandenlos gerecht" einen Wunsch frei gehabt - diesen Brief hätte er sich gewünscht.

Kleine Friedenstaube, flieg

ganz frisch aus dem dpa-aufwachraum: "Die Deutschen sehen den Weltfrieden vor allem durch den Iran und die USA gefährdet." uns bei ppq wundert das nicht, sind doch sowohl george w. als auch matschdattel seit langem als antisemitische endzeit-fanatiker mit apokalyptischen todesvisionen und einem faible für die anwendung von atomwaffen, die hinrichtung von schwulen und die steinigung von frauen bekannt. nur dass matschdattel bisher noch keine den weltfrieden bedrohenden raketen in polen stationieren lässt, mit denen george w. wiederum "weiter öl ins feuer gießt" (paul schäfer, die linke).

Der Hitler aus der Beatles-Stadt

Alle Jahre wieder taucht der tote Adolf Hitler auf, um für gute Unterhaltung zu sorgen. Diesmal hat ein Argentinier den Führer ausgegraben. Die originelle These des Forscher Abel Basti: Hitler, Eva Braun und diverse andere Führer der Nationalsozialisten seien am 27. April 1945 mit einer Junker 290 von Berlin über Österreich nach Spanien ausgeflogen worden. Nach einem Monat Aufenthalt in Barcelona habe man per Unterseeboot den Atlantik nach Südamerika überquert. Später, auch das ist ja bekannt, flüchtete der Obernazi in die Antarktis und von dort, das belegen auch kürzlich aufgetauchte Dokumentaraufnahmen aus dem Film "Iron Sky", ging es mit Reichsflugscheiben weiter auf den Mond.

Brigid Elizabeth Hitler, im irischen Dublin geborene Frau von Hitlers Halbbruder Alois Hitler, wusste davon nichts. Brigid traf Hitlers Verwandten im Jahr 1910 in einer Dubliner Reitshow, wo Alois als Kellner arbeitete. Gemeinsam bekamen sie den Sohn William Patrick Hitler, der am 12 März 1911 in der späteren Beatles-Stadt Liverpool geboren wurde, später aber nach Deutschland ging, um im Schattens eines Onkels Karriere zu machen.

Wie sein naher Verwandter war Alois Hitler kein besonderer Sympath - er schlug Brigid, bis sie ihn verließ. Als Katholikin konnte sie sich allerdings nicht scheiden lassen, so blieb ihr der berühmte Name auch nach ihrer Flucht aus Deutschland. Gemeinsam mit Sohn William ging Brigid Hitler in die USA, hier wohnte sie in New York und arbeitete sie für das British War Relief. Hitlers Neffe William Patrick Hitler hielt derweil Vorträge über das Leben in Deutschland und das Naziregime. Die Familie wurde ausdauernd vom FBI beobachtet, die Army musterte William Hitler 1942 aus. Am 6. März 1944 aber durfte der Neffe des Führers doch noch in die US-Marine eintreten. Nach seiner Entlassung 1947 nannte er sich Stuart-Houston, er heiratete und hatte vier Kinder. Der älteste Sohn heißt mit Vornamen Alexander Adolf.

William Hitlers Vater Alois Hitler junior nannte sich nach dem Krieg in Alois Hiller um, er starb am 20. Mai 1956 in Hamburg. Wenn das nicht auch nur Tarnung war und er auf dem Mond weiterbedient.

Immer mehr Südländer rechts


Wie schnell der rechte Ungeist um sich greift, beweist jetzt ein Fall aus Hessen. Ein brutaler Schlägertrupp, der dort sein Unwesen trieb, bestand nach tiefgründigen Recherchen der eigentlich auf flockige Promi-Themen abonnierten ARD-Redaktion "Brisant" tatsächlich aus rechtsradikalen Südländern. Die Polizei fahndet sicher nur zur Ablenkung nach "Tätern türkischer oder arabischer Herkunft".

Auszug aus dem Polizeibericht:
»… hatten sich dort mit Bein- und Knieschonern, Arm- und Brustpanzern geschützt und waren dann, überwiegend schwarz gekleidet, mit schwarzen Handschuhen gg. 01.20 Uhr in das Festzelt eingedrungen. Im Festzelt schlugen sie auf dem Weg zur Theke mit Teleskopschlagstöcken, Baseballschlägern bzw. armlangen Holzlatten mehrere Personen nieder. Nach den bisherigen Ermittlungen wurden 13 Personen verletzt, davon wurden zwei erheblich verletzt mit Rettungswagen und Notarzt in verschiedene Krankenhäuser verbracht. Alle Täter wurden als ›süddländisch‹ beschrieben und sollen ca. 18–22 Jahre alt sein.«
(Polizeipräsidium Nordhessen).

Mareille Höppner im ARD-Magazin Brisant am Montag, 17.30 Uhr:

Vier Schläger stürmen ein Volksfest, mit Basdeballschlägern, Holzlatten, Pfefferspray prügeln sie sich durch die Menge. Unheimliche Bilder (...), ein Volksfest für rechte Schläger.

Datendiebe wissen mehr

Vor einigen Wochen erst wurde bekannt, dass nicht bekannt ist, wieviele Deutsche es eigentlich gibt. Das Statistische Bundesamt hatte mal per Stichprobe durchgezählt und danach etwa 1,3 Millionen Bürger vermisst, von denen es bisher geglaubt hatte, dass sie überhaupt und in Deutschland leben.

Statt 82 Millionen Einwohner hat die regessive Republik seitdem nur noch 80,9 Millionen, vielleicht aber auch 80,3 oder 81,4 - man weiß es nicht. Was man weiß, ist, dass es allemal für neue Sorgen bei Datenschützern reicht. Denn wieviel Deutsche es auch immer geben mag - damit die "Affäre um gestohlene Daten" (dpa) "immer größere Ausmaße annehmen" (Die Welt) kann, müssen jetzt schon "die Adressen der gesamten deutschen Bevölkerung im Umlauf" sein, wie ein Datenschützer warnt.

Dubiose Datendiebe wissen also offensichtlich sogar die Anschriften von Deutschen, von denen das Statistische Bundesamt nicht einmal weiß, ob sie existieren, und wenn ja, dann wo. Damit wird der "Datenskandal" (Spiegel) noch einmal skandalöser. Nur gut, dass mit der Einführung der persönlichen Identifikationsnummer endlich eine Lösung für die zentrale Speicherung aller Daten und Vermögensverhältnisse gefunden wurde. Nach Zustellung aller Briefe hat der Staat dann wenigstens die Chance, mit den Datengangstern gleichzuziehen.

Dienstag, 19. August 2008

Wiedergeboren als Gangster

Im Hauptberuf ist er Klimaschützer, Eisbärenretter und mahnende Stimme der deutschen Arbeiterbewegung, Anti-Atom-Aktivist und Partygast bei Udo Lindenberg. Gelegentlich aber muss der frühere SPD-Pop-Beauftragte Sigmar Gabriel einfach mal raus, mal was anderes tun und dem eigenen Schauspieltalent Gelegenheit zum Auslauf geben. Dann nennt der rote Sigi sich "Michael Rispoli" und er ist sich nicht zu schade, auch mal einen Gangster zu spielen. In dieser Woche feierte Sigmar Gabrial als "Frank Asdair" (Bild rechts) einen triumphalen Einstand in der US-Krimiserie "Criminal Intent" - am Ende wurde er in Handschellen gefesselt aus hinausgetragen. Was das für die Kanzlerkandidatenkür der SPD bedeutet, ist noch unklar.

Kommunisten machen Kasse

Die Bahn erhöht die Preise, um, so schreibt die von "720 Genossinnen und Genossen" (Junge Welt) herausgegebene Berliner Kleinkunstpostille Junge Welt, ihren künftigen "Aktionären satte Renditen auf Kosten der Nutzer zu ermöglichen". Bahnchef Mehdorn nämlich wisse "um die Unersättlichkeit von Investoren", deshalb reiche der "enorme Betriebsgewinn", der derzeit gemacht werde, nicht aus.

Mehr Geld muss her im Bahnverkehr - und da liegt die von Solidaritätsaktion zu Solidaritätsaktion wankende Junge Welt nicht allzu falsch. Während der Verkaufspreis der "linken, marxistisch orientierten, überregionalen Tageszeitung mit einem hohen Anteil an Hintergrundberichten und umfassenden Analysen" versehenen Jungen Welt seit dem Mauerfall von zehn DDR-Pfennigen (umgerechnet ein halber Eurocent) auf 1,20 Euro stieg und damit um 2400 Prozent zulegte, kletterten die Bahnpreise nur von acht DDR-Pfennigen auf fünf Eurocent - eine Zunahme um nicht einmal 700 Prozent.

Kein Wunder, dass die Bahn nach den jetzt vorgelegten Zahlen bis heute nur eine magere Umsatzrendite von 5.26 Prozent erzielt. Bei 16,6 Milliarden Umsatz bleiben gerademal 970 Millionen Gewinn in der Kasse. Die könnte Bahnchef Mehdorn mit demselben Anlagevermögen im Grunde auch ohne jeden Fahrgast, ohne einen einzigen Zug, Waggon oder Schaffner erwirtschaften - eine Inhaberschuldverschreibung der Bayerischen Landesbank (BLB5K5) bringt derzeit 5,49 Prozent.

Hitler, Hitler, Hitler

heute verehrt uns die platschquatschagentur dpa eine meldung, die man einfach unkommentiert stehen lassen kann, so schön ist sie: "Die 1:4-Niederlage der deutschen Fußballfrauen im Olympia-Halbfinale gegen Brasilien hat den schwedischen TV-Moderator Rickard Olsson vor allem an die Nazi-Zeit erinnert. In seiner abendlichen Talkshow von den Spielen in Peking im öffentlich-rechtlichen Sender SVT sagte Olsson am Montagabend: "Es gibt so was mit Hitler und Deutschland, dass es immer noch schwer macht, auch nur ein bisschen Mitleid zu empfinden, wenn sie im Fußball richtig was auf die Nase bekommen. Mann denkt nur: Hitler, Hitler, Hitler,Hitler, Hitler."

Wiedergeboren als Schwimmerin

Sie ist der Star des deutschen Fernsehballetts, eine Aktrice, die alles spielen kann und alles spielt. Wenn ein Drama gefilmt werden muss, ist Veronica Ferres zuverlässig ebenso zur Stelle wie bei Dreharbeiten zu Komödien aus dem Werbemilieu oder zeitgeschichtlichen Nacktstudien. Völlig unbekannt aber war bisher, dass die Ferres unter dem Namen "Britta Steffen" auch als Schwimmerin eine ganz starke Frau geben kann. In Peking holte sie jetzt die einzigen beiden deutschen Schwimm-Goldmedaillen - dabei hatte sie ursprünglich nur mit dem Training begonnen, um den DDR-Goldfisch Kristin Otto im großen Vilsmaier-Drama "Die Wende in der Lagenstaffel" zu spielen.

Kerners kleine CO2-Fabrik

Wenn es wichtig wird, muss der erste Sturm aufs Eis. Wenn die deutsche Fußballnationalmanschhaft spielt, heißt das, ohne Johannes Baptist Kerner geht gar nichts - auch nicht bei einem Testspiel gegen Belgien. Weil Kerner aber derzeit in Peking weilt, was auch wichtig ist, weshalb er als erster Sturm von dort berichten muss, bleibt nur die große Fluglösung: So sitzt Johannes B. Kerner, Dauer-Fernsehkoch und Allzweck-Interviewwaffe der Öffentlich-Rechtlichen, derzeit im Flieger aus Peking zurück nach Hause.

Der Mann schont weder sich noch das Weltklima. 7800 Kilometer oder umgerechnet 3,6 Tonnen CO2 stellt er mit seinem Flug zum Länderspiel her, noch einmal soviel kostet es die Erderwärmung, Kerner wieder zurückzubringen nach China. Klar, die Spiele dort enden quasi direkt nach Kerners Landung. Aber auch das ist wichtig. Und da muss nunmal der erste Sturm aufs Eis.

Montag, 18. August 2008

Trotz oder wegen?

holla, da ist aber gut gemeintes wieder einmal in (fast möchte man sagen: zwangsläufig) schlecht gemachtes umgeschlagen: "Trotz (wieso "trotz", müsste es nicht "wegen" heißen?) Einführung des 25-Cent-Pflichtpfandes auf Einwegflaschen Anfang 2003 haben sich die Verbraucher Untersuchungen zufolge immer mehr von Mehrweg-Getränkeflaschen abgewandt." dass gerade die discounter, die gezwungen wurden, ein teures system zur rücknahme der einwegverpackungen zu installieren, dieses system danach favorisieren, sollte doch eigentlich niemanden wundern. aber hilfe naht, zumindest wenn man dem vorschlag der deutschen umwelthilfe folgt. die nämlich sieht "die Mehrweg-Systeme akut bedroht". und fordert deswegen was? richtig! "Weitere 20 Cent als Klimaschutzabgabe". weil das system mit dem pfand nicht funktioniert hat - soll der pfand erhöht werden. das ist genial.

Diskriminierte Rassisten

Wo Doudou Diene auftaucht, ist der Rassismus nicht weit. In den vergangenen Jahren gelang es dem Chef des Uno-Komitees zur Beseitigung von Rassismus (CERD), Spuren von Diskriminierung und Rassismus in Japan, in Brasilien, den USA, in Gyana und in der Schweiz aufzuspüren, er prangerte die Unterdrückung der Roma in Italien an und enttarnte den "Kampf gegen den Terrorismus" (Bush) als billigen Versuch, durch Verunglimpfung des Islams den Weltfrieden zu bedrohen.

Jetzt endlich hat sich der Mann aus dem Senegal auch mal die - verglichen etwa mit dem Senegal - angespannte Menschenrechtslage in Deutschland vorgenommen - und dabei ist der Experte auf Diskriminierung unbekannten Ausmaßes gestoßen.

Nein, Diene (Bild oben 2.v.l.) meint nicht die Tatsache, dass
die Homepage seines Komitees zwar sechssprachig ist, deutsche Leser aber diskriminierenderweise ebenso wie Polen, Schweden und Schweizer nicht in ihrer Muttersprache empfängt. Vielmehr ist es der Einbürgerungstest der deutschen Bundesländer, der wegen "diskriminierender Formulierungen" kritisiert wird. Von Diskriminierung zu gelebtem Rassismus aber ist es nur ein kleiner Schritt: Kaum verwunderlich also, dass das Komittee, dessen 18 weitere Mitglieder namentlich auch auf der Homepage des Sonderbeauftragten nicht namentlich genannt werden, mehr als 20 weitere Kritikpunkte aufführt.

Darunter befinden "anhaltende gewaltsame Übergriffe" auf Muslime, wie sie etwa im Irak oder Afghanistan undenkbar wären. Auch Juden würden auf eine Art angegriffen, die selbst Aktivisten der Hamas erschrecken lassen wüde. Gar nicht zu reden von Sinti und Roma, die ständig bedroht würden und sich in dieser beängstigenden Atmosphäre untereiander nur durch den Verzicht auf eine Inschrift auf ein Holocaust-Denkmal in Berlin einigen konnten.

"Auch Menschen mit dunkler Hautfarbe würden häufig angegriffen", rapportiert die Nachrichtenagentur dpa einen weiteren bislang unbekannten Fakt, den die Uno herausfand. Diene plädiert zur Abwehr rassistischer Tedenzen für mehr Rasismus. So müssten künftig Statistiken geführt werden, die die genaue ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung darstellen und gewaltsame Übergriffe entsprechend aufschlüsseln.

Datenskandal noch skandalöser

Der Skandal um den Handel mit Verbraucherdaten ist offenbar noch weitaus größer als bislang angenommen. Nachdem der Bundesverband der Verbraucherzentralen in einer Weiterdrehe der Ursprungsgeschichte Daten von sechs Millionen Bundesbürgern päsentierte, die bei Internet-Scheingeschäften erworben wurden, deckten Privatdatenschützer jetzt auf, dass auch große Firmen, an denen die Bundesregierung direkt beteiligt ist, in den gewerbsmäßigen Handel mit privaten Adressdaten verwickelt ist.

In einem "Telefonbuch" genannten Verzeichnis, dass die ehemalige Staatsfirma Deutsche Telekom alljährlich über die Filialen der ehemaligen Staatsfirma Deutsche Post kostenlos verteilen lässt, finden sich offenbar nicht nur nahezu achtzig Prozent aller 56 Millionen deutschen Telefonanschlüsse, sondern zu jeder einzelnen Nummer auch private Namen und detaillierte Wohnadressen. Die Daten, die auf DVD und CD-Rom auch rege gehandelt werden und teilweise sogar auf ungeschützten Internetseiten auftauchen, stammen offensichtlich überwiegend aus den Datenbanken der Deutschen Telekom, an der der Bund bis heute mehr als ein Drittel der Anteile hält. Es sei "kein großer Akt" gewesen, an diese Daten heranzukommen, zitieren die aus rein privatem Engagement handelnden Datenschützer den Satz eines Sprechers der Verbraucherzentralen, mit dem der zuvor stolz den erfolgreichen Ankauf von nur sechs Millionen Datensätzen kommentiert hatte.

Die Debatte um den Daten-Missbrauch war durch den Diebstahl von 17.000 Datensätzen ausgelöst worden, die offenbar ursprünglich von der "Süddeutschen Klassenlotterie" stammten. Diese Daten aus einem Call-Center waren von einer Firma in Nordrhein-Westfalen weiterverkauft worden. Über den Käufer der Dtensammlung ist nichts bekannt, es soll sich jedoch diesmal nicht um das Bundesfinanzministerium handeln, das zuletzt ein erfolgreiches Gebot für eine illegale Datensammlung aus Liechtenstein abgegeben hatte.

UPDATE: Vier Stunden nach PPQ steigt jetzt auch unser kleiner Lieblingsbruder dpa in die Telefonbuchenthüllung ein:


Auch Telekom-Kunden sollen von Datenhandel betroffen sein

Der Skandal um illegal gehandelte Kundendaten zieht immer weitere Kreise. Dem Bundesverband der Verbraucherzentralen wurden sechs Millionen Datensätze angeboten, davon vier Millionen mit Kontonummern. In Kiel tauchte eine neue CD mit mehr als 130 000 illegalen Datensätzen aus Call-Centern auf. Nach Recherchen der NDR/WDR-Sendung «Kriminalreport» sind auch Kunden der Deutschen Telekom vom illegalen Datenhandel betroffen. Daten- und Verbraucherschützer sowie die Kripo forderten schärfere Sanktionen.

Bare Münze für Münte

Franz Müntefering, so verrät die Rheinische Post, hatte sein Abgeordnetenmandat seit November letzten Jahres auf "standby" geschaltet. Der ehemalige Führer der deutschen Sozialdemokratie, gestürzt von Andrea Nahles, der früheren Gefährtin des VW-Arbeitsdirektors und Audi-Vorstands Horst Neumann, war also noch Abgeordneter, arbeitet - wegen der Erkrankung seiner Frau - jedoch nicht als solcher. Nicht mitgeteilt hat die "Rheinische Post", ob Müntefering während seiner Standby-Pause freiwillig auf die Auszahlung seiner Abgeordnetendiäten verzichtet hat oder ob ihn seine Fraktion dazu veranlasst hat.

Gesänge primitiver Völkerschaften: Der beste Koch der Welt

Staat macht Spaß

Was der Staat kann, kann nur der Staat, sprach einst Franz Müntefering, der anschließend gleich noch forderte, die Steuern noch ein bisschen mehr zu erhöhen, damit der Bürger dem Staat auch genug Kleingeld in die Hand gebe, um all die vielen Aufgaben zu erfüllen, die nur der Staat erfüllen kann.

Sowas kommt an in Deutschland, aber auch in Leipzig, wo sich Bürgerinnen und Bürger wie ein Mann vor ihre Stadtwerke warfen, als die verkauft werden sollten. Nein, sprach der Sachse, Stadtwerke müssen städtisch sein, also staatlich, weil sonst der Heuschreckeninvestor die Preise in astronomische Höhen jagt. Wonach das alte Mütterchen, die alleinstehende junge Frau und der herzkranke kleine Krankenkassenangestellte sich keinen Strom, kein Gas und kein Wasser mehr leisten kann.

Gregor Gysi, ein Volksaufklärer, dem man im Osten großen Glauben schenkt, sah schon Tausende in ausgekühlten Zimmern sterben, und der Dursttod im nächsten heißen Sommer würde wohl den Rest ereilen, wenn nicht die Verschleuderung von öffentlichem Vermögen in Form von Blockheizhäusern, Fernwärmetrassen und Wasserwerken sofort gestoppt würde.

Wurde sie. Und nun staunt der Michel: Wasser, schreibt die "Welt" unter Berufung auf eine Studie der Beratungsgesellschaft NUS Consulting - und anlässlich der "Woche des Wassers" -, ist in Deutschland teuer wie sonst nirgends auf der Welt. Für gewerbliche Kunden kostet der Kubikmeter in Deutschland derzeit 1,91 Euro. In Frankreich, das sein Wasser privat herstellen lässt, bezahlen Kunden für die gleiche Menge dagegen nur 1,27 Euro, in den USA, die ebenfalls meist private Firmen mit der Wasseraufbereitung betrauen, sogar nur 47 Cent.

Was der Staat kann, kann eben nur der Staat: Wasser viermal teurer anbieten. Es wird Zeit, das Franz Müntefering in die aktive Politik zurückkehrt. Vielleicht kann er den Börsengang der Bahn noch verhindern - der wird nach Befürchtungen von SPD-Kämpen wie Andrea Nahles nämlich für Preisssprünge von "fünf bis sieben Prozent" im Jahr sorgen. Ohne Privatisierung brachte es das Staatsunternehmen zwischen 1983 und 1997 auf durchschnittlich um 12 Prozent steigende Ticketpreise.

Sonntag, 17. August 2008

Vom Startblock stolpern

Geht gleich richtig gut los, die erste Saison in der neuen vierten Liga für den traditionsreichen Ost-Klub Hallescher FC. Zum Auftakt in der höchsten Klasse, in der der ehemalige DDR-Meister und spätere Zweitliga-Klub seit mehr als einem Jahrzehnt antreten darf, gab es ein jederzeit langweiliges 0:0 gegen den Dauerrivalen Sachsen Leipzig - eine erwartbare Enttäuschung, hatte der Klub aus Halle doch nach den Ausschreitungen im Pokalspiel gegen Hannover allerlei anderes zu tun als über einen Sieg im ersten Spiel nachzudenken.

Entsprechend unkonzentriert irrten die Weiß-Roten in der ersten Halbzeit im heimischen Kurt-Wabbel-Stadion umher, beobachtet von einer Minuskulisse aus nur 1780 Zuschauern. Der HFC hatte seine eigenen Fans zuvor ausgesperrt, um erneute Übergriffe zu verhindern, bei denen ihm ein Zwangsabstieg drohen würde.

Polizei war diesmal dennoch ausreichend angerückt. Im Gegensatz zum Hannover-Spiel, bei dem die schnelle Eingreiftruppe Hooligans und Ultras aus einsatztaktischen Gründen erst einmal fröhlich losprügeln ließ, ehe sie sich im verschleppten Paradeschritt der englischen Welsh-Guards ins Stadion schleppte, zeigten die Deeskalierungstruppen diesmal auch tapfer Präsenz - minutenlang patrouillierten drei Beamte im vollgesperrten Bereich der Fankurve. Mit Erfolg: Kein Feind zeigte sich.

Unten stolperte die mit hochkarätigen Zugängen verstärkte Mannschaft von Trainer Sven Köhler derweil gemütlich vom Startblock. Drei Chancen in 90 Minuten und Glück, dass der aus Neustrelitz nach Sachsen gewechselte Rogoli einen Elfmeter an Darko Horvats rechte Hand schoß. Am Ende Nullnull und Pfiffe, aber alles wird gut: Letztes Jahr ging die Heimpremiere noch mit 0:2 daneben.

Oberwasser für Obama

Gerade erst hat er, von dem es seit gefühlten sieben Jahren heißt, er sammle mehr Spenden ein als jemals ein Präsidentschaftskandidat zuvor, seinen Konkurrenten John McCain "beim Spendensammeln" überholt (Der Spiegel). Und jetzt darf sich Barack Hussein Obama auch noch über ein knappes, aber eindeutiges Votum der PPQ-Gemeinde freuen.

Geht es nach dem Ergebnis unserer Umfrage, wird es wieder eng im Kampf ums Weiße Haus und Zeitungsleser dürfen sich schon mal über tiefgründige Geschichten zum Thema "Warum die USA keine Demokratie sind" und "unfaires Wahlsystem in den Vereinigten Staaten" freuen. Doch am Ende wird diesmal der Liebling Europas triumphieren: 44 Prozent der Befragten sehen Obama vorn, nur 41 % geben McCain eine Chance. Hillary Clinton, rein technisch gesehen immer noch eine mögliche Kandidatin, haben nur 22 Prozent auf dem Zettel - dabei, so sagt Bills immer noch Angetraute selbst, kann jeder Kandidat ein Tag einem Attentat zum Opfer fallen.

Schildbürger hinter der Scheibe

In Schilda trugen sie einst das Licht in Säcken ins Rathaus, in Halle hängen sie Abreißzettel für Jobinteressenten hinter Schaufensterglas. Und dann wieder schimpfen, wenn einer das Glas einschlägt, bloß weil er Arbeit sucht...

Nachhaltigkeit

"Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will die Sicherheitsanforderungen für ein atomares Endlager verschärfen. Nach einem Entwurf muss künftig nachgewiesen werden, dass hoch radioaktive Abfälle dort für eine Million Jahre sicher eingeschlossen sind." ex-bundes-popper siggi gabriel sorgt sich also offenbar um sicherheit, zukunft und umwelt sowie alle schnittmengen dieser nicht hinterfragbaren paradigmen einer wohlfühlpolitik, die auch mit perwoll gewaschen nicht weicher sein könnte. eine million statt 10 000 jahre: der mann denkt in die zukunft. dass er damit alle vernünftigen prognosen über kommende zeiten (vielleicht abgesehen von der kontinentaldrift) links und rechts überholt und in der wunderwelt des obskurantismus landet, ist ihm offenbar vollkommen egal. gabriel will nachhaltigkeit fördern, und koste es den verstand.

Viel Rauch um die Rauchschwalbe

die rauchschwalbe, ein possierliches tierchen, das hauseigentümer immer wieder dazu bringt, "fassaden mit sogenannten kotbrettern" zu schützen, hat es schwer. das sächsische umweltministerium meldet jetzt qua platschquatschagentur dpa, die bestände seien in den vergangenen zehn jahren deutlich zurückgegangen. grund sei die krise der "kleinbäuerlichen landwirtschaft", weil dadurch geeignete nistplätze fehlten. unsere frage von vor mehr als einem jahr ist aber noch nicht beantwortet: was haben die schwalben, verdammt nochmal, den ganzen tag gemacht, als es noch keine "kleinbäuerliche landwirtschaft" gab? aussterben?

Saakaschwili leicht beunruhigt über Lage im Kaukasus

Samstag, 16. August 2008

Hoffnung aus dem Sauerland

Der Deutschland-Achter, das Flaggschiff der traditionsreichen Rudernation, ist nur Letzter geworden, die Bayern aus München treffen unter Klinsmann nicht mal mehr national ausreichend oft das Tor, die "Subprime-Krise" aus den USA hat über die gemeinnützig gedachten Landesbanken ins Räderwerk der schnurrenden deutschen Ökonomie eingegriffen und Angela Merkel hat sich zugunsten des Weltfriedens und der Herstellung eines Klima-Gleichgewichts zwischen Norwegen und dem Sudan ganz aus der Innenpolitik zurückgezogen. Weil auch Kurt "Mecki" Beck wegen Andrea Ypsilanti nicht mehr so recht weiß, wie er seine sozialdemokratische Rumpeltruppe locker mit links in der Bundesliga halten soll, richten sich jetzt alle Hoffnungen der von Inflation und Steuerwut geplagten Arbeiter und Bauern der Republik auf Franz Müntefering.

Mit 68 Jahren wird der Mann aus dem Sauerland, letztes Jahr wegen privater Sorgen aus der großen Politik ausgeschieden, zum neuen Hoffnungsträger der Partei von Johannes Rau, Kurt Schumacher und Andrea Nahles. "Münte", wie ihn seine Fans liebevoll nennen, soll die schwankende, wankende Sozialdemokratie aus dem tiefen Tal der Trübnis ins Licht führen, die Flügel einen und Schröders "Agenda 2010" noch vor Erreichen des magischen Datums vergessen lassen. Erstmals hat der greise Politrentner mit den malerisch zerknitterten Zügen jetzt erkennen lassen, dass er nach dem Tod seiner Frau bereit sein könnte, zurückzukehren in die erste Reihe der Partei.

Ein Schritt mit Signalwirkung: Bei Bayern München will Jürgen Klinsmann ab September wieder voll mittrainieren, um seiner Mannschaft in der Champions League auch auf dem feld helfen zu können. Und der Deutschland-Achter wird schon in den nächsten Tagen von Grund auf reorganisiert - die Versager von Peking fliegen raus, an ihrer statt werden mit Dirk Balster, Ansgar Wessling und Roland Baar die Helden der Olympischen Spiele 1988 und 1996 Deutschland in die Zukunft rudern.

Freitag, 15. August 2008

Sex stirbt auch aus

So verschieden ist die Welt. Die Deutschen schlafen wahrscheinlich dank Wolfgang Schäubles flächendeckender Sicherheitsüberwachung immer besser, wie die Bild-Zeitung heute meldet, die Amerikaner hingegen bevorzugen zunehmend Oralsex, wenn sie sich entscheiden müssen. Die Studie "Noncoital Sexual Activities Among Adolescents", die in der Juli-Ausgabe des Journal of Adolescent Health veröffentlicht wurde, offenbart nicht nur eine erstaunliche Vorliebe der Amerikaner für Analsex, sondern auch einen Trend unter Teenagern weg vom traditionellen Beischlaf hin zu oral orientierten Praktiken.

Der Studie zufolge haben 50 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren Erfahrungen mit Sex, wie ihn bisherige Generationen vorzugsweise pflegten. 55 Prozent allerdings haben mit dem anderen Geschlecht auf andere Weise verkehrt: Oralsex ist der Renner. 23 Prozent aller Mädchen, die sich selbst rein technisch als Jungfrauen bezeichnen, geben an, oral bereits sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben, unter Mädchen, die sich selbst als Nicht-Jungfrauen bezeichnen, sind es sogar 87 Prozent. "Wenn ihr Kind Sex hat, bei dem nicht der Mund von irgendwem beteiligt ist", schreiben die Verfasser der Studie, "herzlichen Glückwunsch, Sie sind die einzige Familie in ihrer Straße."

Nun geht die Angst um im prüden Amerika, dass normaler Sex ausstirbt wie Eisbären, Gorillas und exotische Sprachen. Vom Verlust der oralen Jungfrauenschaft ist die Rede und davon, dass sie immer öfter parallel zum Verlust der traditionellen Jungfernschaft stattfinde. "Wenn sie glauben, ihre Tochter lernt erst die grundlegenden Dinge und dann die weiterführenden, irren Sie." Der Koitus, wie Mama und Papa ihn kannten, ist aus der Mode, die zeit, als die Frau oben liegen durfte, vorbei. Pornofilmchen von Promis wie Paris Hilton dienen als Rollenvorbild für ein Frauenmodell, dass vor seinem Herren kniet und Spaß hat, wenn der Junge Spaß hat. Da kommt viel Arbeit zu auf Deutschlands Gleichstellungsbeauftragtinnen, sobald der Trend im Hafen Hamburg angelegt hat.

72 Fehler in 33 Fragen

Sebastian Edathy ist am Einbürgerungstest gescheitert. Der SPD-Arbeiterführer, dem eine große Zuklunft zugetraut wird, musste bei Frage 67 aus dem Test, den einbürgerungswillige Ausländer künftig beantworten sollen, passen. Er wusste nicht, dass er als wesentliche Aufgabe der Bundesländer „Schulpolitik“ hätte ankreuzen müssen. "Ebenso richtig ist auch Wirtschaftspolitik“, klagt Edathy, dennoch sei das im Test als falsch markiert, bloß weil Schulpolitik ausschließlich Ländersache sei, Wirtschaftspolitik hingegen auch Sache von Bund, EU und Weltwirtschaftsgipfel.

Auch an Frage 148 scheiterte das SPD-Präsidiumsmitglied. Hier werde bei Aufgaben der deutschen Polizei die Antwort „Bürger abhören“ als falsch markiert. Richtig sei aber seiner Ansicht nach, dass die Polizei genau dazu da sei.

Welcher auch noch so gutwillige Ausländer solle eine solche Fragestellung verstehen? Und dann auch noch 17 von 33 Fragen richtig beantworten, um Deutscher werden zu dürfen? Wo doch nach Edathys Zählung schon 72 der insgesamt 300 Frage-Antwort-Kombinationen missverständlich oder falsch sind?

Welterbe-Schutz auf Sengseng

Nach den Eisbären, der Zahl während ihres Aussterbens von rund 4000 im Jahr 1948 auf 25000 im vergangenen Jahr zugelegt hat, und den vom Aussterben bedrohten Gorillas, deren Population sich kürzlich durch einen überraschenden Fund in einem "abgelegenen Tal im nördlichen Kongo" (dpa) schlagartig verdoppelte, sind jetzt auch Sprachen vom Aussterben bedroht.

Nach Getisch, Hattisch, Altdravidisch, Urartäisch, Tschagataisch und dem klassischen Guaraní, nach Guantschisch und Elamisch, Kazukuru, Guliguli und Oskisch, das schon im Zuge der Eroberung Kampaniens durch die Römer und die Unterwerfung der Osken zwischen 370 und 290 vor Christi ausgerottet wurde, warnt die Weltbrückenschutzkommission Unesco, dass derzeit jedes Jahr zehn weitere Sprachen verschwinden. 6.000 Sprachen gibt es derzeit noch, mehr als die Hälfte davon wird allerdings von weniger als 10.000 Menschen beherrscht. Ein Viertel der Sprachen beherrschen sogar nur noch weniger als 1.000 Menschen - darunter seien Ainu, Liwisch oder Sengseng.

Wie bei Akkumulation von Kapital ziehen auch bei den Sprachen die meistgesprochenen die meisten Sprecher an. Die Hälfte der Menschheit vertraut im Alltag gerade einmal auf neun verschiedene Sprachen. Kaum nachgefragt werden die vielen bunten Regional-Dialekte, von denen es auf Neuguinea allein etwa 1100 gibt -
ein knappes Sechstel aller heute existierenden Sprachen. 850 davon, so hat die Unesco herausgefunden, wurden auf dem Territorium Papua-Neuguineas erfunden, 247 davon allein in der zu Indonesien gehörenden Provinz Jirian Jaya.

Leider weigern sich auch dort immer mehr vor allem junge Menschen, Sprachen zu lernen, die nur sie selbst und ihre nahen Verwandten verstehen können. Zeit für die Unesco, die kränkelnden Kleinsprachen unter Schutz zu stellen - die nächste Sitzung zum Thema "Waldschlösschenbrücke" etwa könnte demonstrativ auf Ainu, Liwisch oder Sengseng gehalten werden.

Donnerstag, 14. August 2008

Ypsilanti, übernehmen sie!

artikel 21, absatz 1 der hessischen verfassung lautet folgendermaßen:
"Ist jemand einer strafbaren Handlung für schuldig befunden worden, so können ihm auf Grund der Strafgesetze durch richterliches Urteil die Freiheit und die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen und beschränkt werden. Bei besonders schweren Verbrechen kann er zum Tode verurteilt werden."
koch wird sich warm anziehen müssen.

Die drei großen Plagen

Eine klare Absage an die drei großen Plagen unserer Tage formulieren die Fans des Halleschen FC in einem offenen Brief an Hooligans, Rassisten und, ja, Politiker: "Krawall, Rassismus und Politik", heißt es da offenherzig, "haben in unserem Stadion nichts zu suchen."

Ursache oder Wirkung

Oben eine aktuelle Karte der Länder, die sich bis heute weigern, das metrische System der Maßeinheiten zu übernehmen. Unten hingegen eine Karte der Länder, die bis heute Menschen auf den Mond bringen konnten. Zusätzlich eingezeichnet sind Burma und Liberia.

Letztes Bollwerk vor der Barbarei

Josef Joffe hat es herausgefunden: Wenn alles so weiter geht, ist 2048 alles zu Ende. In nämlichem Jahr werde "die letzte Zeitung im Kasten liegen" (Joffe), weil die Huffington Post in den USA ein Geschäftsmodell erfunden hat, bei dem Inhaltsproduktion so billig wird, dass sie nur noch möglich ist, wenn die Produzenten dort klauen, wo noch richtiger Journalismus stattfindet, und dazu Leserreporter beschäftigen, die nur mit Aufmerksamkeit bezahlt werden. Die "kostenlose Aufmerksamkeits-Ökonomie" wuchert rund um die guten alten Holzmedien, die die wie Joffes "Zeit" das letzte Bollwerk sind zwischen hier und heute und einer grausamen Medienbarbarei aus Billig-Blogs und Werbebotschaften.

Ohne "richtige Journalisten", die, so Joffe, "das Interessante vom Belanglosen und Blöden" trennen und mit Hilfe von Informationen Bürger zu "informierten Demokraten" erziehen. Etwa wie die "Zeit" das tut - diese Woche mit einem Text namens "Urlaub mit Obama", einer Einführung in die Art, "wie die neuen Ökomanager Konsum und Gewissen versöhnen" und dem von Joffe selbst gelösten letzten Rätsel um den Kaukasus-Krieg: "Die Ursache dieses Krieges heißt Russland".

Das hätten Youtube, Facebook und Huffington Post, bei Joffe Aushängeschilder für Plattformen, die von ihren Usern Inhalte geschenkt bekommen und "daraus eine Werbeplattform zimmern" vielleicht auch gerade noch herausbekommen. Aber es mit soviel Grandezza und Grundgehalt hinzuschreiben, niemals.

Rechter Roboter