Ja, es lebt noch, es lebt noch, es lebt noch! Das Weltklima, von dem man fast schon so lange nichts mehr gehört hat wie vom Passauer Polizeichef Alois Mannichl und den früher allmonatlich in allen deutschen Zeitungen abgedruckten Hitzerekord-Meldungen des Deutschen Wetterdienstes, hat auch ohne die schützende Hand von Angela Merkel und dem Eisbärenpaten und SPD-Pop-Beauftragten Sigmar Gabriel überlebt. Jetzt meldet es sich mit neuen ungeheuerlichen Prognosen zu Wort: Nach Ansicht von Mojib Lativ vom Leibniz-Institut in Kiel könnte die in den vergangenen Jahren so engagiert propagierte Klimaerwärmung vorerst trotz ihres großen publizistischen Erfolges ausfallen. Statt heißer werde es in den nächsten 20 Jahren wahrscheinlich kälter werden.
Schuld an der völlig unplanmäßigen Entwicklung sei ein "natürlicher Abkühlungstrend", der die Effekte der durch den Menschen hervorgerufenen Erwärmung überwiege. Hervorgerufen werde der von den Regierungschef des Kyoto-Unterzeichnerländer nie förmlich ratifizierte Kühlungeffekt durch ein Phänomen im Atlantik, das als North Atlantic Oscillation bekannt sei, sich aber bisher hinter Klimatabllen mit aufwärts gerichten Kurven verstecken konnte. Bisher habe die NAO dazu beigetragen, die Atmosphäre aufzuheizen. Nun kippe der Effekt und kühle, so Latif. Auch der dramatische Eisverlust in der Arktis sei wahrscheinlich eher auf zyklische Veränderungen zurückzuführen als wirklich Folge einer unumkehrbaren globalen Erwärmung. Die letzten Berichte zeigten, dass der Eisverlust in diesem Jahr geringer gewesen sei als in den zurückliegenden beiden Jahren.
So geht sie unbemerkt dahin, die Hysterie, die in den warmen Frühlingsmonaten vor zwei Jahren eine ganze Gesellschaft im wohligen Schauer des nahe bevorstehenden Hitzetodes gruseln ließ. Kaum ist die gute alte Glühbirne verboten, schon zeigt sich Besserung auf dem Thermometer. Plötzlich heißt es, kein Modell könne die komplexen Vorgänge in der Atmosphäre wirklich zuverlässig vorhersagen. Auch seien längst noch nicht alle Prozesse, die dort abliefen, verstanden. "Wir müssen noch einen weiten Weg gehen, um sie zu verstehen, denn im Moment zerstören sie unsere Vorhersagen," klagt Tim Stockdale vom European Centre for Medium-Range Weather Forecasts in Reading.
Die Großen räubern in den verstaubten Beständen vergriffener Bücher, die Kleinen bedienen sich nach dem Aus von Pirate Bay bei Mininova und den zehntausend anderen Suchmaschinen für Premium-Inhalte. Die aber findet der geschmackssichere Surfer inzwischen auch in der kleinen Piratenbucht PPQ, denn dank unseres großen Werbepartners Google können wir immer wieder überraschend günstige Angebote für Freunde von Sang und Klang machen.
Heute etwa offeriert die von uns nicht direkt redaktionell betreute Rechtsaußenspalte "MP3 von BND", was unser an Verschwörungstheorien, obskuren Live-Mitschnitten längst aufgelöster Beatformationen und modernster Abhörtechnik traditionell interessiertes Publikum spontan elektrisieren dürfte wie ein Zungenkuss mit einem feuchten Weidezaun. Da heißt es zugreifen, zumal erste Rückläufer berichten, dass sowohl die vertonten Totenmasken der ersten RAF-Generation als auch die von Reichssicherheitsminister Schäuble unter Verschluß gehaltenen geheimen Zusatzprotokolle zum Buback-Mord vom BND-Archiv sogar als AAC-Dateien herausgegeben werden.
Es ist der klassische Kachel-Maradona, nun aber mit der aufrüttelnden Zeile "Street Soul" versehen. Halles Kachel Gott, angetreten, die gesamte Innenstadt der Saalemetropole neu zu verfliesen, lässt nicht locker: Beinahe Nacht für Nacht klebt er neue, filigrane Kunstwerke an alte Häuser, unerkannt wie Batman, ohne den Dank der breiten Volksmassen wie Angela Merkel, im harten Streit mit der nie ermüdenden Entropie.
Und er siegt, mit Fleiß und Fliese. In der Adam-Kuckhoff-Straße, inzwischen eine der zentralen Freiluft-Galerien für das erstaunliche Schaffen des Kachelmannes und Anziehungspunkt für zahlreiche Kachel-Touristen, entdeckte ein Fliesenforschungs-Volunteer jetzt den modernistischen Maradona, der umgehend Eingang in das zentrale Kachelverzeichnis gefunden hat.
geleitet werden, jeder Fund wird von uns auf Wunsch mit einem mundnachgemalten Kunstdruck der inzwischen von Kachel-Gegnern vernichteten Ur-Fliese prämiert.
In Walter Steinmeier hat die SPD die beste Schröder-Kopie gefunden, die man ohne Geld kaufen kann, doch der von Parteichef Franz Müntefering vorhergesagte Sieg bei der Bundestagswahl deutet sich immer noch nicht mit ausreichender Klarheit an. Jetzt geht die deutsche Sozialdemokratie deshalb in die Offensive und wirft alles in die Wahlschlacht, was sie noch an Munition im Keller hat. Fefe zum Beispiel entdeckte in Berlin alte Schröder-Plakate, die, neu aufgehängt, endlich die Wende bringen sollen. Wer genau hinschaut, sieht rechts hinten im Bild ganz klein ein aktuelles Großplakat von Steinmeier.
Schluss mit der Rumzickerei, Aus für so tun als ob. Der kommende sozialdemokratische Kanzler Walter Steinmeier hat Pläne bekanntgegeben, die hier im Nachrichten-Junkie-Board PPQ kultisch verehrte Nachrichtenschleuder Deutsche Presseagentur über ein "Stiftungsmodell" zu verstaatlichen
"Für den Fall, dass sich das Geschäftsmodell von dpa trotz notwendiger innerer Reformen auf Dauer nicht trägt und sich weitere Gesellschafter abwenden", zitiert das ehemalige Nachrichtenmagazin "Spiegel" aus einem Buch, zu dem Steinmeier einen sicher von äußerst kundigen Sekundanten verfassten Aufsatz zuliefern lassen hat, schlage er "ein Reformmodell - zum Beispiel als Stiftung" vor.
Insgesamt kann der Chef der im Mediengeschäft stark engagierten SPD sich sowieso "eine stärkere Rolle des Staates auch im Medienbereich vorstellen", verrät der "Spiegel" vorab. Steinmeier sei für "eine steuernde, stützende Hand der Gesellschaft, notfalls auch des Staates, wo nicht nur eine vorübergehende Marktschwäche, sondern ein offensichtliches Marktversagen im Medienbereich" festgestellt oder erwartet werde.
Unter einem Stiftungsrat aus Medienpolitikern der großen Parteien kann DPA dann bald noch erfolgreicher Regierungspolitik erläutern, erklären und popularisieren, ähnlich wie es die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender seit Jahren so überzeugend tun. Meldungen, die die Presseagentur direkt aus dem Kanzleramt kabelt, müssten dann in den Redaktionen von "Aktueller Kamera" und "Heute" auch nicht mehr aufwendig umgeschrieben werden. Das setze Synergieeffekte frei und spare Geld, das in mehr bunte Nachmittagsmagazine und spannende Gesprächsrunden mit Spitzenpolitikern investiert werden könne.
"Wer die Medien dem Markt überlässt, schwächt sie in ihrer demokratischen Rolle", verweist Steinmeier auf das Beispiel der DDR, in der die führenden Medienhäuser durchweg zentral kontrolliert und von der ebenfalls in staatlichem Besitz befindlichen Nachrichtenagentur mit den interessantesten Neuigkeiten gefüttert wurden. Einen "Markt" benötigten gern gelesene Zeitschriften wie die "Für Dich" und stets vergriffene Tageszeitungen wie die "Junge Welt" nicht.
Völlig klar, was die Süddeutsche eben meldet: Der deutsche Oberst, der die Amerikaner rief, um die beiden entführten Tanklastwagenbei Kundus bombardieren zu lassen, durfte den Angriff gar nicht befehlen. Die Bundeswehr ist nämlich immer noch eine Parlamentsarmee!
Richtig wäre folglich gewesen, eine Sondersitzung des Bundestages einzuberufen und dort darüber abstimmen zu lassen, ob die Tanklaster angegriffen und wenn ja, ob mit 200-, 500- oder 2000-Pfund-Bomben geworfen werden soll.
Die sozialistische Sozialwissenschaft nahm Demoskopie nie ernst und zwanzig Jahre nach dem Mauerfall tun es ihr die real existierenden demoskopischen Praktiker nun endlich gleich: Einer brühwarm von Forsa angefertigten Umfrage zufolge legt die Linkspartei nach ihren Wahlerfolgen in Thüringen und im Saarland und dem von der Bundeswehr in Afghanistan veranlassten Angriff auf zwei gestohlene Tanklastzüge um vier Punkte auf nun 14 Prozent zu. Das sind mal eben 40 Prozent Stimmen mehr als vergangene Woche.
Ein Jahr nach dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise haben Union und SPD eine positive Bilanz der in Deutschland auf den Weg gebrachten Maßnahmen gezogen. "Wir können stolz sein auf das, was unser Land in den letzten zwölf Monaten geleistet hat", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Bundestag. Ihr Kollege in der Großen Koalition der Nationalen Front, der Außenminister und kommender SPD-Kanzler Frank-Walter Steinmeier, stimmte der Christdemokratin zu. Er würdigte die Anstrengungen der vergangenen Monate als "gemeinsamen Erfolg aller Beteiligten".
Deutschland endlich wieder Spitze!, jubelt das politische Berlin. Durch die mit Augenmaß und riesigen Schuldenmilliarden getroffenen Maßnahmen der Großen Koalition sei die deutsche Wirtschaftsleistung nur um 6,9 Prozent eingebrochen, freut sich Angela Merkel, während die USA einen Rückgang von 3,9 Prozent und Griechenland einen um 1,9 Prozent verkraften musste. Polen gelang ein Wirtschaftszuwachs von 2,2 Prozent, gilt aber seit dem Überfall vom 1. September 1939 als Sonderfall.
Deutschland sei damit "besser" durch die Krise gekommen als viele im Herbst vergangenen Jahres erwartet hatten, versicherte Angela Merkel. Damals hatte SPD-Finanzminister Peer Steinbrück die Menschen noch darüber aufklärt, dass es sich um eine "rein amerikanische" Krise handele, die Deutschland kaum betreffe. Inzwischen ist der Krisenmanager der National Front einen Schritt weiter: "Wir schauen nicht mehr in den Abgrund", versichert Steinbrück im Webportal "Der Westen".
Es ist das Lied, das immer ganz am Ende kommt, wenn alles andere zu kompliziert wird. C, D und A-Moll gehen auch nach dem siebten Bier und dann nimmt "Mama this badge from me", das der Sänger sowieso nicht mehr braucht, weil "it's getting dark too dark to see" und alle Welt fühlt sich als ob sie "knockin' on heaven's door".
Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Uraufführung im Western "Pat Garrett & Billy The Kid" dröhnt der Dylan-Klassiker über Volksfeste und Kurbühnen, an Lagerfeuern und auf Parkfesten, als habe Mama die Knarren nie vergraben und die kalte schwarze Wolke, die in G, D und C besungen wird, sich nie abgeregnet. Die Dylanologie ist bis heute auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie das Klopfen an der Himmelstür richtig klingen muss. Zahlreiche Experimente von "namhaften" (Peter Struck) Gruppen wie Guns ´N Roses und hochbezahlten Einzelinterpreten wie Eric Clapton gingen schief, weitere Test wurden unumgänglich.
PPQ, als völkerkundliches Basisboard seit Jahren angetreten, das kulturelle Erbe der Menschheit zu bewahren und die Verbreitung von westlicher Kunst und Lebensart unentgeltlich zu verbreiten, hat deshalb in einer bislang einzigartigen Versuchsanordnung namens "Project Heavens Door" (zu deutsch: Geheimprojekt "Himmeltür") fünf freiwillige Musikformationen gebeten, ihre mutmaßlichen Gefühle beim Klopfen an die Himmeltür freiweg zu intonieren, unabhängig voneinander, gern mit spontan erfundenem Text, weil Dylan ja nur zwei magere Strophen lieferte, und natürlich ohne einengende vorherige Absprachen oder gar Proben.
Herausgekommen ist ein neunminütiger Experimentalfilm, der das totgegniedelte, kaputtgekrähte und niedergetanzte Werk zu neuem Leben erweckt. Halb Barjazz, halb Heimorgel-Tröten, ein wenig Schrammel-Folk und ein paar Teile Puhdys-Metal, überzuckert mit irischer Folklore: It feels like they´re knockin' on heaven's door!
Vorsicht, das Bundesverbraucherministerium zwingt uns dazu, darauf hinzuweisen, dass das beiliegende Video neun Minuten lang ist und bei Schwangeren, Ravern und Konsumenten von Alcopops dauerhafte Gehörschäden verursachen könnte.
Kurz vor der "heißen Phase des Wahlkampfes", die sicherlich von Lafontaine, Merekel oder gar von Steinmeier irgendwann am Nachmittag des 24. September eingeläutet werden wird, fällt allmählich auf, dass der Wähler mittlerweile nicht mehr nur im Privatradio angesprochen wird, als sei er ein leicht debiler Trottel, sondern durchweg auf allen Fernsehkanälen. Ein Besuch bei Will, Plaßbeck oder der als "Tagesschau" reanimierten "Aktuellen Kamera" - und schon fühlt sich der mündige Bürger, als sei er zufällig in die "Sendung mit der Maus" geraten, wo einem dauernd jemand fürsorglich erklärt, wie Scher´und Licht eigentlich funktionieren.
Überall wird auf eine möglichst eingängige Formel gebracht, was als politische Botschaft vorgezeigt wird, ohne eine zu sein. Wer dem inhaltsleeren Gebrabbel Marke "Wissen macht ahhhh!" mit von den machern ungeplanter Aufmerksamkeit folgt, findet sich unversehens in einem Land und unter Leuten wieder, die ihm völlig fremd sind: Überall lauert offene und versteckte Armut, alle Menschen haben panische Angst vor Heute, Morgen, den Taliban, der Wirtschaftskrise, dem Weltklima; davor, ein falsches Wort zu sagen, und vor allem davor, von ihren Politikern die Wahrheit gesagt zu bekommen. Kinder sind arm, Rentner fürchten um ihre Rente, Handwerker schuften zu Billiglöhnen, Alleinerziehende stehen vor den Suppenküchen Schlange.
Nie war die Welt schrecklicher! Nie das Leben grausamer! Die Parteien nun versichern kollektiv, sie hätten die Lösung für diese Probleme, die im wahren Leben natürlich keine sind. Alle versprechen Gerechtigkeit, als ob hierzulande pure Willkür und frühindustrielle Ausbeutung regierten, alle sagen uns niedrigere Managergehälter, sozial ausgewogenere Steuern, mehr Frieden und mehr Sicherheit zu.
Es ist ein Beruhigen und Beschwichtigen in der Luft: Dein Geld ist sicher. Dein Arbeitsplatz wird erhalten. Die Rente bekommst Du in voller Höhe und noch ein bisschen obendrauf. Und aus Afghanistan planen wir den Abzug in Zeiträumen, in denen Hitler einst ganze Weltkriege unterbrachte: Der Führer wollte damals Linz zur schönsten Stadt der Welt machen, sobald alle Kriegsgegner niedergeworfen gewesen wären - von 1939 aus gerechnet spätestens 1950. Heute, in Ermangelung der Möglichkeit, im Jetzt zu regieren, plant die Große Koalition der Nationalen Front in ähnlichen Zeiträumen. 2015 der Abzug aus Afghanistan. Ab 2019 keine neuen Schulden mehr. 2020 die Abschaffung der Arbeitslosigkeit. 2050 die Rettung des Weltklimas.
Frau Merkel ist dann 96 Jahre alt, sie wird bei "Beckmann" oder "Kerner" oder, das ist am wahrscheinlichsten, bei beiden sitzen, aussehen wie aus Stein gebrannt und erzählen, wie sie das alles geschafft hat. Denn für all das, versichern die Parteien, sorgen wir, Deine Parteien, denn wir sind Dein Staat, wenn Du nur bereit bist, uns noch einmal das Vertrauen zu geben, das wir bis hierher noch jedes Mal so zuverlässig enttäuscht haben.
Dabei sind wir ja gar nicht so. Wir sind nicht alle bedürftig, die meisten wollen es nicht einmal sein. Viele von uns fahren Autos, manche sogar größere Modelle, wie sie in Berlin Kreuzberg lieber nicht auf der Straße geparkt werden sollten. Wir kommen gut zurecht, ohne dauernd beschützt zu werden, wir lesen meist nicht einmal das Kleingedruckte in den Garantieheften unserer neuen LCD-Fernseher, Laptops und Handys. Gehungert haben wir das letzte Mal, als Erich Honecker noch an der Macht war und der Spätverkauf wegen Inventur geschlossen hatte. Seitdem können wir sogar vergessen einzukaufen, dann gibt es eben Bringepizza oder Döner.
Aber wenn Wahlkampf ist, darf keine Wirklichkeit sein. Wir hätten keinen Cent mehr, würde man allen Manager des Landes die Hälfte ihres Einkommens nehmen, denn wir sind nicht arm und wir werden nicht reich werden. Aber wir sind es ja auch nicht, die als Stimmvieh interessieren. Unter der Kanonade dreister und dummer Politparolen verändert das deutsche Volk wie von Zauberhand seine Zusammensetzung: Zurück bleibt ein nach Betreuung und Bemutterung lechzendes Kollektiv an Menschen, dem man auf Streichholzschachteln mitteilen muss: "Vorsicht, kann zu Bränden führen" und auf Sprayflaschen rät "Nicht inhalieren". Der Bürger aus den Sonntagsreden, der seinen Platz im Gemeinwesen engagiert ausfüllen und seinen Status als freier, selbstverantwortlicher Mensch eigenverantwortlich verteidigen soll, ist Objekt der Zwangszuwendung der großen Mutter Staat, ein Rädchen in der Apathiemaschine, das sich den letzten Rest Freiheit nimmt, der ihm bleibt - und sich abwendet, wo er nur kann.
Seit Monaten zünden Angehörige der außerparlamentarischen Opposition in Berlin nachts Autos an, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Nach Ansicht der Polizeiführung helfen dabei inzwischen auch die Besitzern der anzuzündenden Autos mit. Der Leiter des Landeskriminalamtes, Peter-Michael Haeberer, wertete das Abstellen von Fahrzeugen der Ober- und Luxusklasse in den Büprgerkriegsbezirken Friedrichshain und Kreuzberg im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses als eigenverantwortlichen Aufruf der Besitzer, ihre Autos anzuzünden. „Würde ich meiner Frau einen Brillantring kaufen und sie würde ihn unter einer Laterne liegen lassen, würde ich mich auch wundern.“ Wahrscheinlich darüber, dass er am nächsten Morgen noch da ist.
Parteien und Gewerkschafter bezeichneten das Geständnis des LKA-Chefs, dass es mitten in der deutschen Hauptstadt gesetzlose Bezirke gibt, die von autonomen Brandstiftern international befreit wurden, reflexhaft als „unerträgliche Bemerkung“. Angeblich würden durch seine "dummen Aussagen Opfer zu Tätern gemacht“, flunkert der CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel. Der innenpolitische Sprecher der FDP, Björn Jotzo, schwärmte von einem Land, das es längst nicht mehr gibt: „Jeder muss sich unabhängig vom Lebensstil überall frei und ohne Angst bewegen können. Auch wer ein Auto besitzt, das Linksextremen nicht gefällt, muss überall angstfrei parken können.“
Wenn das der Führer wüsste! Kaum hat sich der ehemalige Reichskanzler und Massenmörder bereit erklärt, sein im deutschen Fernsehen seit Jahrzehnten u.k.-gestelltes Gesicht unentgeltlich für eine verdienstvolle medizinische Aufklärungskampagne zur Verfügung zu stellen, rehabilitiert die Deutsche Münze auch schon seine legendäre Panzerwaffe. MDM Deutsche Münze, offizielle Vertretung der neuerdings wieder staatlichen deutschen Münzprägestätten in Hamburg und der Hauptstadt Berlin, freut sich über alle Maßen, mit der Silberprägung "Kampfpanzer Königstiger" zum ersten Mal in der bundesrepublikanischen Geschichte "eine Silber-Gedenkprägung zur deutschen Panzer-Legende Tiger II" anbieten zu können, die in die Geschichte einging, weil mehr Tiger II wegen technischer Defekte und Treibstoffmangel von den eigenen Besatzungen als durch Feindbeschuß zerstört wurden.
In 333er oder 1000er Silber und höchster Prägequalität "Polierte Platte" erinnere die "Ausgabe an einen Meilenstein der deutschen Panzerentwicklung im Zweiten Weltkrieg", schwärmen die Entwicklungsingenieure von MDM über die in Silber wiederaufgelegte Henschel-Entwicklung, die "in einem speziellen, technisch sehr aufwändigen Münzpräge-Verfahren unter höchster Sicherheitsstufe" hergestellt werde.
Auf der Rückseite der Panzer-Münze stehen rätselhafterweise die Wappen von 17 Bundesländern, aber keine Hakenkreuzfahne.
Nächsten Monat dann als Goldprägung, gemäß dem alten Motto des Panzergenerals Guderian "Klotzen, nicht kleckern", das zuletzt von der Sparkasse Halle als Werbespruch verwendet wurde: Die amerikanische Atombombe, ein Meisterwerk von Feinmechanik und Strahlenschutz, hier als 1000-Yen-Münze zu haben. Und zu Weihnachten dann folgt die Kalaschnikow, das in Opferzahlen gerechnet erfolgreichste automatische Gewehr der Weltgeschichte, als Zehn-Rubel-Sammlermünze in Platin.
Er kämpfte ein Leben lang für den Vegetarismus, machte sich gegen das Laster des Rauchens stark und selbst aus dem Grab heraus engagiert sich Adolf Hitler noch für die gute Sache. Für die Initiative Regenbogen stand der der Führer und frühere Reichskanzler, der derzeit als Moderator für n-tv, das ZDF und andere Fernsehsender arbeitet, jetzt unentgeltlich für eine "schockierende Kampagne" (Bild) vor der Kamera, die auf die weitgehend unbekannte Gefahr durch ungeschützten Geschlechtsverkehr aufmerksam machen soll.
Wie die Initiative "Regenbogen" mitteilt, halte man diese "extreme Methode für nötig", um die nach 25 Jahren Aids-Aufklärung überwiegend völlig ahnungslosen Menschen draußen im Lande endlich darüber zu informieren, dass es eine Krankheit namens "Aids" gibt, die durch sexuelle Kontakte übertragen werde. Wer sich mit Aids infiziere, so haben offenbar brandneue wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben, laufe Gefahr, an der Erkrankung zu sterben. Aids sei damit ein Massenmörder wie Hitler, das sei auch der Grund, aus dem man sich für Hitler als Hauptdarsteller des Videoclips entschieden habe. Außerdem habe für den früheren Führer gesprochen, dass er immer für eine Schlagzeile gut sei.
"Ich bin überzeugt, wenn ich Raucher gewesen wäre, nie würde ich den Sorgen standgehalten haben, die mich seit so langer Zeit belasten. Vielleicht verdankt dem das deutsche Volk seine Rettung."
Nach dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgern Rüttgers, der die Arbeitsmoral der Rumänen in Zweifel zog und damit die gesamte Bevölkerung des südosteuropäischen Landes "rassistisch" (Renate Künast) beleidigte, sorgt jetzt auch die führende Kritikerin des CDU-Politikers für Wirbel. "Otto Normalverbraucher hat keine Ahnung, wie man ein Atomkraftwerk betreibt", stellte Renate Künast kurzerhand die Intelligenz der gesamten deutschen Bevölkerung infrage. Und bewies damit souverän, wie richtig ihre eigene Beobachtung ist: "Manchmal kommt man sich vor wie der Esel zwischen zwei Misthaufen, und beide stinken".
Um das Weltklima zu retten, die Gletscher zu kühlen und der Klima-Kanzlerin Angela Merkel zu einer zweiten Amtszeit zu verhelfen, hat die EU Anfang des Monats zum äußersten Mittel gegriffen: In einer ersten Stufe wurde der Verkauf von 100-Watt-Glühbirnen in der gesamten Europäischen Union untersagt.
Eine Maßnahme, die auch in Polen, traditionell ein Land, das europäische Werte hochhält, buchstabengetreu umgesetzt wird. Die verbotenen 100-Watt-Birnen sind deshalb schlagartig aus den Läden verschwunden, in den Baumarktregalen liegen nunmehr Stapel von 99-Watt-Birnen.
Paul ist tot, kein Freispiel drin, aber Thomas rockt noch immer wie der Teufel. Zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR steht bei Renft, der mythenumwobenen Rockkapelle aus Leipzig, ein Kran am Bass und ein Magdeburger an der Gitarre, der Sound klingt wie einstmals in der Schkeuditzer "Sonne", wo sie Stoni aus Biergläsern tranken und das Leben der Rolling Stones auf der Modelleisenbahnplatte nachspielten. "Nach der Schlacht" ist ein Monument von Song, das "Sympathy For The Devil" des Weltsozialismus: "Nach der Schlacht war`n die grünen Wiesen rot, nach der Schlacht war` n viel Kameraden tot. Und man stellt sich auf das verblieb`ne Bein, und man meint, das müsse der Sieg schon sein", röhrt Thomas Schoppe und dampft wie ein Pferd dabei.
Allerdings zeigt hier keiner aus dem Fenster, dort spaziert auch niemand entlang, keine neuen Menschen, kein neuer Mensch. Ganz wie es Gerulf Pannach seinerzeit schon vermutete: Alle sehen tatsächlich aus, wie sie waren, außen und unter den Haaren, die licht geworden sind und beim enthemmten Tanzen gar nicht mehr fliegen wollen. Eine Überraschung ist das bestimmt nicht für Klaus Renft, der ein limitierter Bassmann war, aber eine Legende geworden ist, die dem Spektakel so gelassen aus dem Pop-Paradies zuschauen kann, ein Bierglas mit Stoni in der einen, die stinkende Pfeife in der anderen Hand.
A: Testosteron-Überschuss, oder völlig verunglückte Ironie - eine plausible Erklärung für seine Entgleisung hatte der Verkaufschef von Audi Finnland, Esko Kiesi, am Ende selbst nicht. "Meine undurchdachten Äußerungen und der Schaden, den ich angerichtet habe, tun mir leid", teilte Kiesi in einer öffentlichen Erklärung mit. Sein Versuch, die Macho-Sprüche als lustigen Unernst hinzustellen, hatten zuvor die Empörung noch angeheizt.
Stein des Anstoßes war ein Interview in einer Sondernummer der finnischen Frauenzeitschrift "Anna", in dem Kiesi munter drauflos geplappert hatte: Der Spruch "Technische Jobs können Frauen ohne die Hilfe eines Mannes ohnehin nicht bewältigen" war dabei eine der moderaten Aussagen. Doch damit ließ es Kiesi nicht bewenden. "Das Aussehen eines Autos hängt stark von den Rädern und der Aufhängung ab. Bei einer Frau sind es die Schuhe", erklärte der Audi-Manager den verdutzten Journalistinnen.
Der Manager gab auch seine Überzeugung zum Besten, dass eine Frau ihre Form verliere, "wenn die Absätze unter sieben Zentimetern" seien. Und die Qualität einer Beziehung zwischen Frau und Mann lässt sich laut Kiesi leicht ermitteln: "Weigert sich eine Frau, zu bügeln und sauberzumachen, wird der Beziehung bald die Luft ausgehen."
Ein Sturm der Entrüstung brach los, vor allem im Internet schäumten Leserinnen und Leser ob des "Chauvinismus". Audi ging auf Distanz, solche Aussagen spiegelten ganz und gar nicht das Verhältnis des Herstellers zu Frauen wieder und seien eine persönliche Meinung von Herrn Kiesi. Der beugte sich am Donnerstag schließlich dem öffentlichen Druck, gab seinen Posten auf und brach eine Debatte in der PPQ-Reihe Gespräche im Zwischendeck vom Zaun.
B:Gab seinen Posten auf. Die Welt ist irre.
A: Irre war sie schon immer. Schlimmer: Sie wird von Woche zu Woche und Monat zu Monat und Jahr zu Jahr humorloser.
B:Der Meinungsmainstream verengt sich.
A: Nee, das ist weltumspannender Zeitgeist. Ich kann sogar eine Nadel in den Kalender stecken: die "menschenverachtenden Folterfotos", die US-Streitkräfte in Baghdad machten, wo sich Muslime halb"nackt" fotografieren lassen mussten. Man brauch nicht darüber debattieren, ob man das machen sollte, Aber der Aufschrei und die Haftstrafen waren völlig unverhältnismäßig.
Nun die "abscheulichen" und "widerlichen" Sexparties in der Botschaft von Kabul, wo es in der westlichen Welt 2009 auch entspannt heißen köennte, "Tja, Clinton hätte sich auch besser nicht erwischen lassen".
Was den Amis Sex ist, ist uns der Fremdenhass, die Ausländerfeindlichkeit, der Rassismus und neuerdings auch wieder Sexismus.
Ein Moralphänomen in der westlichen Hemisphäre, das sich von den freiheitlichen Werten und der aufgeklärten Gesellschaft verabschiedet. 35 Jahre nach den Sex Pistols sollte das alles eigentlich nicht für solche Skandale taugen; vor allem nicht in Europa und in dessen Boulevardmedien, in denen gleich unter den vielfältigen "Verurteilungen des Tages" irgendeine Berliner Pornotussi erklärt, wie sich ihre Vagina beim ersten Sex nach der Geburt angefühlt hat ("ich war wieder Jungfrau").
B:Genau so ist es. Wobei ich eben hier lebe und die Tendenz der unablässigen Aufgeregtheit über irgendwelchen Quatsch hier als besonders ausgeprägt empfinde.
Andererseits ist die Aufregung zumeist nur eine mediale. In Wirklichkeit regt sich kein Mensch über Rüttgers auf, wenn er bei klarem Verstand ist und schon mal südöstlicher als Dresden war. Medien wiederum haben die Lektion gelernt, dass Unterhaltung Lärm erfordert, den sie in Ermangelung wirklicher Geräusche dann gern selbst machen.
Dieses Wort "gilt" etwa, das heutzutage an die Stelle der Kronzeugen tritt, die früher gebraucht wurden, um Aufregung zumindest zu heucheln, ist verräterisch. Für irgendwen gilt irgendwer als irgendwas - und schon ist die schönste "Debatte um" im Gange, an der eigentlich gar niemand teilnimmt außer der Medien, die sich gegenseitig im Eifer befeuern, irgendeinen Piep dazu beizutragen.
A: Am Ende ist die öffentliche Meinung aus empörungsgeilen Entscheidungsträgern und pflichtschuldigen, staatstragenden Einheitsmedien ist die Neuauflage von "die Partei hat immer recht".
Aber diese "Debatten um" bilden das Fundament für restriktivere Gesetzgebung. Mir jedenfalls fällt kein Beispiel ein in der letzten Zeit, wo irgendwas freier oder freiheitlicher geworden wäre. Und deswegen sind, ob die Leute nun an Debatten teilnehmen oder empört sind oder eben nicht, diese Entwicklungen gefährlich, weil die einen Leute das hinnehmen und die anderen von der öffentlich gemachten Meinung zu Punks stilisiert werden wie die Leute von der Piratenpartei, einfach nur, weil sie sich dem Empörungskonsens entgegenstellen. Da können fünf oder 85 Prozent der Meinung sein, dass Kinderpornos unser grösstes Problem sind - am Ende eines jeden solchen Prozesses sind wir wieder ein bisschen mehr DDR. Will sagen: Ob fünf oder 85 Prozent der Meinung sind, dass Rüttgers wegen des Rumänen-Spruches Hitler ist - einen Kniefall muss er trotzdem hinlegen.
Beängstigend, nichts Geringeres als das finde ich diese Atmosphäre.
Sein Kampf ist ein ungeheurer. Seit Jahren schon versucht der hallesche Kachel Gott beharrlich, die Innenstadt der Saalemetropole komplett neu zu verfliesen, um der früheren Diva in Grau den wohlverdienten Platz im Unesco-Weltkulturerbeverzeichnis zu erobern. Doch so emsig er auch des nachts auszieht, bewaffnet mit Leiter und Fliesenkleber, um neue Kunstwerke an die bröckelnden Fassaden zu heften, Elemente wie Stark-Regen und Schleifwind arbeiten emotionslos gegen ihn.
In der Reilsstraße, Ecke Hegelstraße, ganz in der Nähe des alternativen Hochkulturzentrums GiG, zeigen sich die entsetzlichen Folgen der Erosion in aller Pracht: Der Jubelschrei "I love Yeah", von ehrenamtlichen Fliesenforschern erst jüngst entdeckt und unserem großen deutschen Kachelverzeichnis zur Verfügung gestellt, weist schon unübersehbare Spuren von natürlichem Abrieb auf. Die Farbe, mit Herzblut aufgebracht, blättert, die Botschaft dunkelt ab, schwindet und verblasst zu einer Milchschrift, wie sie nur große Geister wie Lenin lesen können. Eile ist geboten, die die Preziosen zu bannen, auf dass sie hier in der einzigen offiziellen Kachel-Galerie erhalten bleiben: Fliesenfunde aller Art können kostenfrei an politplatschquatsch@gmail.com
gemeldet werden, jeder Fund wird von uns auf Wunsch mit einem mundnachgemalten Kunstdruck der inzwischen von Kachel-Gegnern vernichteten Ur-Fliese prämiert.
Viele halten ihn für ein kaltes, neoliberales Arschloch, für den Kettenhund der Klima-Kanzlerin und den Durchführungsgehilfen des Großkapitals. Volker Kauder (Foto oben links) aber, offiziell in Hoffenheim geboren und seit vier Jahren CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, hat noch eine ganz andere, eine weiche und verletzliche Seite. Schon seit der Sohn jugoslawischer Eltern sich seine ersten Sporen als Sozialdezernent im Landkreis Tuttlingen verdiente unterstützt er nicht nur ehrenamtlich Waffenexporte der Firma Heckler & Koch, einen in seinem Wahlkreis ansässigen Waffenhersteller, sondern engagiert sich auch im Kostüm des angeblich aus Ulm stammenden "Berthold Huber" (Foto oben rechts) für deutsche Arbeitsplätze in der Metallindustrie.
Der schönste Lohn für den langjährigen Vorsitzenden der Bundesvereinigung „Aktion Psychisch Kranke“: Als Huber wurde Kauder vor zwei Jahren zum Vorsitzenden der mächtigen Industriegewerkschaft Metall gewählt, obwohl er es wegen seiner in Fahrt kommenden CDU-Laufbahn nicht geschafft hatte, auch in der Maske seines alter ego einen Studienabschluss zu erreichen.
Das macht aber nichts, denn als Berthold Huber ist das CDU-Mitglied Volker Kauder natürlich SPD-Mitglied, weshalb ihn auch bis heute niemand erkannt hat: IG-Metall-Mitglieder kenen keine CDU-Politiker, CDU-Mitglieder wiederum sehen sich keine Bilder von IG-Metall-Funktionären an. Eine perfekte Tarnung für ein perfektes Doppelleben und eine beeindruckende Leistung, wie sie nur wenige andere Aktive in der großen PPQ-Wiedergeboren-Datenbank vorweisen können.
Zwei gestohlene Tanklaster, die nicht nur theoretisch als Bombe hätten benutzt werden können, aus der Luft unschädlich gemacht, und schon teufelt eine Generalversammlung deutscher Nahkampfspezialisten von einer "neuen Eskalationsstufe am Hindukusch" und davon, dass die Bunderegierung endlich das Wort Krieg in den Mund nehmen müsse. Deutsche Staatsanwälte, deren Ermittlungen der eigenen Findgeschwindigkeit bei Kinderpornos nicht mehr hinterherkommen, kündigen Ermittlungen an, ungediente Fernsehkommenatoren imaginieren eine Pflicht von Bomberpiloten, "Taliban" und "Zivilisten" vor dem Ausklinken ihrer Bomben unterscheiden zu müssen.
Mehr Unsinn wurde kaum je geschwatzt in einer Zeit, die wahrlich keinen Mangel an veröffentlichtem Unsinn leidet. Wären Taliban-Kämpfer auch außerhalb der Momente, in denen sie den Abzug durchziehen oder sich in die Luft sprengen, nicht Zivilisten, sondern reguläre Kombattanten in Uniform, gebunden in Befehlsketten und im Gefecht erkennbar als Gegner, stünden die Truppen des Westens in Afghanistan in einem Krieg.
Genau das aber tun die Taliban nicht. Sie sind weder eine Armee, noch sind ihre Kämpfer als Gegner erkennbar, noch halten ihre kämpfenden Einheiten sich sonst in irgendeiner Art an die Grundlagen der Haager Landkriegsordnung, nach der sich die bewaffneten Formationen der konkurrierenden Staaten des Abendlandes mehr als 100 Jahre lang abschlachteten. Kein Taliran trägt eine Schärpe mit der Aufschrift "Islamist", kein Mullah-Kommandant behängt sich mit Schulterklappen oder weißt sich an einer Straßensperre mit seinem Al-Kaida-Mitgliedsausweis aus.
Das ist für den, der gegen die Taliban kämpfen soll, nicht schön. Trifft er die Richtigen, wird es heißen, es seien die Falschen gewesen. Trifft er die Falschen ebenso. Bombardiert er gestohlene Tanklastwagen, ehe sie brennend in eine Schule, Kaserne oder in ein Rathaus gelenkt werden können, ist er ein Unhold, der harmlose Zivilisten ermordet. Lässt er die Tanklaster fahren und explodieren, ist er ein Besatzer, der nicht einmal die friedliebenden Zivilisten schützen kann, die seines Schutzes bedürfen.
Kompliziert ist das und weder vor Ort noch an einem fernen Schreibtisch korrekt aufzulösen, solange Teile der afghanischen Bevölkerung sich ein besseres Leben davon versprechen, unter den Steinzeit-Islamisten zu vegetieren. Dass deutsche Politiker den Eindruck erwecken, es sei anders, dass sie behaupten, es gebe außer Beharrlichkeit ein Mittel, den Krieg, der keiner ist, weil an Kriegen immer zwei Armeen beteiigt sein müssen, ohne Tod und Blut zu führen, erzählt mehr pber die, die da sprechen, als über die, über die angeblich gesprochen wird.
Es ist kein runder Geburtstag, also gibt es auch keine remasterte Box mit neu entdeckten alten Aufnahmen aus dem Badezimmer. Als Freddie Mercury am 5. September 1946 geboren wurde, hieß er ja auch noch Farrokh Bulsara, das ist ähnlich wie bei Barack Obama, der ja auch erstmal Barry Soetoro hieß. Nur dass Mercury auf Sansibar geboren wurde, um später als Second-Hand-Verkäufer auf dem Kensington-Markt Karriere zu machen.
Die ersten Singversuche des Mannes mit der hängenden Oberlippe waren erbarmungswürdig, wie ein Anhören der Werke seiner Gruppe Smile offenbart, die ersten paar Alben seiner zweiten Band Queen aber enthielten dann dennoch die wuchtigsten und theatralischsten Momenten, die Rockmusik je produziert hat. Während Mercury, May, Deacon und Taylor später versuchten, Erfolge auf der Tanzfläche herbeizukomponieren, entdeckte selbst die westlicher Dekadenz abholde Arbeiter- und Bauernrepublik UdSSR den revolutionären Charme der überkandidelten Feudal-Werke des Ансамбль Kуин. Eine hellblaue Plastik-Single der außerhalb der Sowjetunion für unspektakulär gehaltenen Nummer "Jealousy" vom Album "Jazz", auf deren Rückseite sich das heute leider weitestgehende vergessene sowjetische "Vokal-Instrumental-Ensemble" Cmeruschka austoben durfte, sah Ende der 70er aus wie in den 30er veröffentlich, kostete dafür aber auch nur 60 Kopeken.
Durch die dünne Schallfolie, die heute nicht mehr in der offiziellen Band-Diskografie auftaucht, hätte man, wäre man nicht so auf die fürchterlich verknisterte Musik fixiert gewesen, durchsehen und erkennen können, dass ein Land, das Musik auf Plastiktüten veröffentlicht, den Krieg der Systeme verlieren wird.
Im Sinne der Vertiefung des Weltfriedens wirkend, ziehen PPQ-Kamerateams seit Jahren um die Erde, um das musikalische Schaffen der verschiedenen Kultur- und Wertegemeinschaften für Menschen mit Flugangst und ohne Führerschein bequem zugänglich zu machen. Eine besondere Kostbarkeit urtümlicher Volkskultur konnte im polnischen Gdansk, in der Heavy-Metal-Popmusik auch als "Danzig" bekannt, mitgeschnitten werden: Die Frania-Band, so benannt nach dem bekanntesten in Polen gebauten Kühlschrankmodell, spielt auf dem Langen Markt der Hansestadt zum Hochzeitstanz für ein junges Paar auf, die Gefrierschranktür-Bassdrum wummert, der jesusgleiche Leadgitarrist jodelt, die Hochzeitsgesellschaft brodelt und das eben vermählte Paar schwingt fröhlich durch die Fußgängerzone, als Gage gibt es zwei Pullen Grasowka-Wodka. Eine Kostbarkeit der Kleinkunst, ein Diamant im großen völkerkundlichen Gesangsarchiv, die der Einheimische cool mit "Niezli jak niezli, ale najwazniejsze ze maja dystans do siebie, wlasnej sztuki i sie dobrze tym bawia" kommentiert. Ohne uns zu verraten, was das meint.
Das oben auf dem Bild ist Jennifer Metzlaff (23), politisch aktiv bei den Jusos in Duisburg. Sie studiert seit 2006 an der Privatuni European Business College Düsseldorf, wo das Eventmanager-Studium im Monat 590,- Euro kostet. Die sechs Semester Regelstudienzeit sind dank SPD schon für nur etwas über 21.240 Euro Studiengebühren zu haben.
Die Zehn Gebote haben 279 Worte, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung hat 300 Worte. Die EU-Verordnung zur Einfuhr von Karamellbonbons hingegen kommt mit 25.911 Worten aus.
Was für ein grandioses Gefühl! Nachdem wie auf ein geheimes Kommando sämtliche Leitmedien und demnächst nur noch kostenpflichtig einzusehenden Mainstream-Online-Magazine uns heute plötzlich darauf hingewiesen haben, dass der Wahl-O-Mat der regierungsunabhängigen und vollneutralen Bundeszentrale für Politische Bildung uns auch in diesem Jahr vollautomatisch eine total gut zu unseren Frisuren passende Partei zum Ankreuzen bei der Bundestagswahl zuweisen kann, sind wir ins Risiko gegangen und haben den Parcour aus 38 überwiegend sinnfreien Fragen wie "Soll die D-Mark wiedereingeführt werden" oder "Die Bundeswehr soll sofort aus Afghanistan abgezogen werden" erfolgreich absolviert. Wobei letzteres eigentlich ja keine Frage ist. Sondern eine Forderung.
Das Ergebnis aber darf dessen ungeachtet als großer Erfolg für die Erziehungsbemühungen gelten, denen wir kollektiv in gruppentopfenden Kindergärten und allgemeinbildenden polytechnischen Oberschulen des Unrechtsstates DDR unterzogen worden sind: Das von Margot Honecker entwickelte System der gnadenlosen Austreibung des freien Willens durch frühmorgendliche Fahnenappelle, geistfreien Staatsbürgerkundeunterricht, vormilitärische Ausbildung mit Atomaktentaschenhochreißen und "Frösi"-Lektüre hat aus uns nicht etwa verkappte Linksextreme oder Vertreter der "braunen Brut" (Helmut Kohl), sondern "lupenreine Demokraten" (Gerhard Schröder) gemacht, auf deren Wahlteilnahme sich laut Grafik einige Parteien freuen dürfen.
Rüttgers und Rumänien, die Geschichte eines "Wahlkampfeklats" (dpa) oder gezieltes Ausbremsen eines unbequemen Ministerpräsidenten, der den Mut hat, eine schreckliche Wahrheit auszusprechen? Rein numerisch gesehen liegt Jürgen Rüttgers, der stocksteife Volkstribun, mit seinen Vermutungen über die Art, in der im ehemaligen Reich von Nikolae Ceaucescu gearbeitet wird, völlig daneben. In Rumänien arbeiten Beschäftigte im Durchschnitt wöchentlich 41,7 Stunden und damit etwas länger als Deutsche - die durchschnittliche effektive Arbeitszeit liegt hier bei 41,1 Stunden in der Woche.
Der Fremdenfeind Jürgen Rüttgers rührt jedoch mit seiner "Hetze" (Jusos) an einen wunden Punkt: Statistisch gesehen ist jeder Rumäne genauso lange an seinem Arbeitsplatz wie sein deutscher Kollege, er stellt in derselben Zeit aber immer noch nicht einmal die Hälfte an Gütern her. Das liegt nach Ansicht des "Manager-Magazin" an nebelhaften "fehlenden Qualifikationen und schlechteren persönlichen Lebensbedingungen"; aber auch nicht näher bezeichnete "Mentalitätsunterschiede" spielten wohl eine Rolle. In der Erntezeit etwa steige der Krankenstand schlagartig auf 20 Prozent, auch bestehe "eine hohe Diebstahlgefahr", weil "aus den Zeiten des Sozialismus die Einstellung" stamme, "man besorgt sich im Betrieb, was es im Handel nicht gibt".
Davon war vor zwei Jahren auch die SPD um ihren damaligen Parteichef Kurz "Mecki" Beck und seinen heutigen Nachfolger Franz Müntefering felsenfest überzeugt. In Rumänien werde niemals ein Handy von derselben Qualität entstehen können wie im Ruhrgebiet, hieß es damals, als Kurt Beck sein nagelneues Nokia-Handy mutig boykottierte und auf Steuerzahlerkosten auf in China gebautes Gerät der Konkurrenz umstieg, um deutsche Arbeitsplätze zu erhalten. Die Standortpolitik des finnischen Telefonkonzerns nannte die SPD damals "menschenverachtend".
Wer es nicht passend hat, muss eben mit großen Scheinen zahlen.
Ungeheuerlich! Unfassbar! Entsetzen landauf, landab nach den unglaublichen verbalen Entgleisungen, die sich der scheidende CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers im Wahlkampf vor den Augen eines Teams der Juso-Dokumentations-Division geleistet hat. Rüttgers, einst bekanntgeworden durch die beschämende Forderung, lieber Kinder zu bekommen, statt Inder zum importieren, sagte nach den bei Youtube hinterlegten Filmaufnahmen, die das Juso-Gegenspionage-Korps unter Lebensgefahr machen konnte: "Im Unterschied zu den Arbeitnehmern im Ruhrgebiet kommen die in Rumänien nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da".
Als wären "die in Rumänien" und "morgens um sieben" nicht schon schlimme Herabwürdigungen, setzte Rüttgers noch einen drauf: "Sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen", teilte er mit, "und sie wissen nicht, was sie tun."
Was der Cineast Rüttgers als subtile Anspielung auf den großen Film mit James Dean gemeint hatte, kommt im politischen Berlin als Brandbrief an. Unter dem Titel "Fremdenfeindliche Hetze des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers" haben die Jusos die zwei Sätze des CDU-Mannes hochgeladen. Dabei ist gar nicht klar, ob "die in Rumänien" alle in Rumänien versammelten Menschen, das heisst auch die nicht-rumänischer Nationalität oder die mit deutschem Stammbaum meint, was der Fremdenfeindlichkeit eine ganz besonders exotische Note gäbe
Mit den schrecklichen Vorwürfen an die gesamte Bevölkerung des EU-Aufnahmekandidaten aus Osteuropa, die inzwischen schon zu diplomatischen Verwicklungen geführt haben sollten, gewinnt der Bundestagswahlkampf erneut an lähmender Schärfe. SPD-Chef Franz Müntefering wird im innersten Kreis jetzt umgehend darüber frohlocken, "dass die Schwarzen die Maske fallen lassen und ihr wahres Gesicht zeigen", das allen vorliegenden Daten aus Blockwart-Kreisen zufolge ein menschenverachtendes, mehrwertsteuererhöhendes und mindestlohnverachtendes sein werde. Der kommende SPD-Kanzler Walter Steinmeier hingegen wittert Morgenluft im Umfragetief: "Die Merkel-Mannschaft verliert die Nerven", so kommentierte er nichtöffentlich. Kein Rumäne, der etwas auf sich halte, werde jetzt noch CDU wählen, da sei er ganz sicher.
Die in Rumänien geborenen Bestsellerautoren Marita Vollborn und Vlad Georgescu, mit ihrem Buch "Brennpunkt Deutschland: Warum unser Land vor einer Zeit der Revolten steht" im Augenblick auf Platz 271.000 in der Amazon-Verkaufshitparade, gehen mit gutem Beispiel voran. Beide Migranten mit bundesdeutschem Pass wollen am 27. September 2009 auf die Wahl der CDU verzichten, erklärten sie. Die Begründung leuchtet ein: "Sper sa detinem inteligenta si spiritul demnitatii pentrua a-l sanctiona pe Domnia sa Rüttgers prin alegerea oricarui partid nealaturat de CDU ca semn de protest fata de jignirile aduse natiunii Romane".
Nachdem sich Libyens revolutionärer Staatschef Muhammar Ghaddafi der Initiative des deutschen Arbeiterführers und Bankaufsehers Peer Steinbrük angeschlossen hat, nach der die Schweiz möglichst umgehend verboten werden soll, denkt die Bundesregierung offenbar über weitergehende Schritte auch gegen andere Nachbarländer nach, die sich nicht an deutsche Gesetze zu halten bereits sind.
Polen war schon vor Monaten ins Visier der Behörden geraten, weil das frühere Ostblock-Land sich weigerte, die Hersteller von handwerklich erstaunlich gut gemachten Militaria aus dem Dritten Reich an die deutsche Strafverfolger auszuliefern. Polen hatte argumentiert, dass es keinen Einfluß auf Kleinunternehmer habe, die auf Wochenmärkten SS-Uniformen und HJ-Dolche aus eigener Herstellung verkauften.
Obwohl sich die deutsche Seite später anläßlich des 60. Jahrestages des Kriegsbeginns erneut entschuldigt hatte und von mehreren Festakten Zeichen der Versöhnung ausgesandt wurden, hat sich die Situation nach einem Besuch deutscher Beamter am ehemaligen Sommersitz des Führers und deutschen Reichskanzlers und späteren Fernseh-Moderators Adolf Hitler inzwischen verschärft. In einem staatlichen Ladengeschäft, so berichteten die Experten des Bundesinnenministeriums, verkaufe Polen dort Wehrmacht-Aschenbecher, SS-Eierhandgranatenfeuerzeuge und andere Erinnerungsstücke an die Kriegsjahre. Damit würde, so heißt es in einem internen Bericht, "deutschen Interessen ernsthafter Schaden zugefügt", auch finanziell, weil die Bundesregierung als Inhaber der Markenrechte an den Erkennungszeichen von SS, Wehrmacht und Sicherheitsdienst "niemandem eine Lizenz zur Nutzung" erteilt habe. Polen soll aufgefordert werden, die zweifelhaften Angebote sofort zu unterlassen. Anderenfalls werde der Film "Vier Panzersoldaten und ein Hund" ab Mitte Oktober jeweils Dienstagabend zur besten "Dallas"-Sendezeit in der ARD gezeigt.
innerhalb der nächsten acht Tage wird es gleich drei Pressetermine anlässlich der Utopia-Ausstellung im Miniatur Wunderland geben. Sie sind ganz herzlich eingeladen.
Donnerstag, 03. September 2009, 12.30 Uhr Miniatur Wunderland Der erste Hamburger Bürgermeister Ole von Beust kommt zur Endabnahme des CDU-Dioramas.
Samstag, 05. September 2009, 11.00 Uhr Miniatur Wunderland Franz Müntefering und Olaf Scholz kommen zur Endabnahme des SPD-Dioramas „Sonnendeck“.
Mittwoch, 09. September 2009, 10.00 – 12.00 Uhr Miniatur Wunderland Offizielle Eröffnung der Ausstellung im Miniatur Wunderland Politiker aller Parteien sind anwesend. Separate Einladung folgt.
Nicht einmal 24 Stunden hat es gedauert, und mit Telepolis macht das erste Mainstream-Medium Anstalten, dem abgängigen Kinderpornokampf-Helden Peter Vogt nicht nur Heldentum hinterherzurufen und ihm Kränze als erfolgreicher Kindrpornofahnder zu winden, wie das der offenbar einmal mehr bewusstose "Focus" tut, sondern sein vor allem ja immer mediales Schaffen ähnlich ganzheitlich zu beleuchten wie das unser fröhliches Kreditkartennutzer-Blog PPQ direkt nach der Demission des Pornoringsprengers getan hat.
Telepolis stellt auch fast die richtigen Fragen, aber fast ist eben auch vorbei. Autorin Bettina Winsemann ist nahe dran, schafft es aber schließlich nicht, zum Knackpunkt vorzudringen, der da heißt: Wie viele der von Vogt seit 2004 präsentierten mehr als 37.000 "Täter" (Der Spiegel") waren in Wirklichkeit nur Tatverdächtige? Bei wie vielen bestätigte sich der Verdacht nicht? Wie viele Anklagen hat der Starstrafverfolger denn tatsächlich erhoben? Und wie viele Urteile waren Lohn seiner aufopferungsvollen Tätigkeit zur Rasterfahndung in 20 Millionen Kreditkartendaten und Ausspionierung von abertausenden Microsoft-Nutzerdaten? Telepolis, das hätten wir doch gern noch gewusst.
"Die Volkssolidarität wurde im Oktober 1945 im Osten Deutschlands gegründet mit dem Anliegen, soziale Not und Elend nach dem Ende des Krieges zu lindern. Der Verband hat eine lange Tradition des sozialen Engagements für ältere Menschen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, sozial Benachteiligte und für Kinder und Jugendliche. Seit der Gründung ist der Grundwert Solidarität Leitmotiv des Wirkens des Verbandes."
So ist sie, die Volkssolidarität: Kümmert sich in hehrem Bemühen um alle und jeden, wenn der Betroffene nur alt oder jung oder krank oder arm genug ist. Beim Blick aufs Große und Ganze (Solidarität!) kann natürlich das eine oder andere Detail schon mal im toten Winkel verschwinden, wenn es nicht gerade dem blinden Fleck zum Opfer fällt:
"Nach der Pleite zweier Immobilienfonds der Volkssolidarität in Mecklenburg-Vorpommern droht 1 017 Anlegern der Totalverlust ... Die Betroffenen zahlten zusammen knapp 5,5 Millionen Euro in die Volkssolidarität Sozialimmobilienfonds GmbH & Co. KG ein. Beim zweiten Fonds, der Volkssolidarität Sozial-Immobilien GmbH (VSI), könnten die 369 Anleger, die zusammen 1,5 Millionen Euro einzahlten, bei optimaler Verwertung der Immobilien voraussichtlich damit rechnen, fünf Prozent ihrer Einlagen zurückzubekommen."
Okay, die Rendite ist nicht direkt rekordverdächtig, aber das hat seinen guten Grund:
"Allerdings gab der Insolvenzverwalter zu bedenken, dass es sich dabei um Gebäude wie Obdachlosenheime, Kitas, Häuser für betreutes Wohnen und Seniorenbegegnungsstätten handele."
Häh? Ach so:
"Das sind Immobilien, die keinen greifbaren Marktwert haben."
Immerhin hat die Volkssolidarität jetzt wieder viele Gründe, sich an ihr Leitmotiv zu erinnern:
"Zu den betroffenen Anlegern gehören vornehmlich ältere Menschen, bei denen die Volkssolidarität mit üppigen Renditezahlungen um Einlagen geworben hatte."
Es ruckelt im Kleinen und es knarrt im Großen, es lässt sich nicht vollständig ausdrucken, selbst wenn man den Büromindestdrucker im Dienstwagen mit sich führt, und auch durch überall aufgetellte Stopp-Schilder wird es nicht kleiner, sondern immer nur noch größer. Das Internet ist ein Phänomen, das von Experten hier bei PPQ seit Jahr und Tag zuverlässig totgesagt wird, zuletzt musste Ebay dann Skype verkaufen, bei Google fiel Gmail aus und Microsoft seine Suchmaschine "Live" in "Bing" umbenennen.
Wer die Zeichen rechtzeitig erkannte, konnte Millionär werden - umso stolzer sind wir, dass PPQ jetzt vom kleinen, aber feinen kalifornischen Werbevermarkter Google ausgewählt worden ist, per formschönem Banner exklusiv eine preisgesenkte Neuentwicklung anzubieten, die es in sich hat: "Internet-Steckdosen" sind der letzte Schrei auf dem Markt der zunehmenden Konnektivität. Per Internet-Steckdose lassen sich bislang noch nicht vernetzte Geräte wie Kaffeemaschinen, Föne und Akkuladegeräte komplikationslos mit dem weltweiten Datennetz verbinden. Einmal angeschlossen, funktionieren sie wie gehabt, können aber über Google Maps lokalisiert und über eine eigene IP-Adresse von jedem Ort der Welt angesteuert werden. Unsere Großeltern hätten sich das sicherlich noch nicht träumen lassen!
Die neuen Medien machen die Menschen keineswegs dümmer. Sie vergrößern lediglich die Möglichkeiten, Dummheit auszudrücken. (Vince Ebert in der FR vom 2.September)
2004 hatte Peter Vogt, Leiter der Zentralstelle im Kampf gegen Kinderpornografie in Sachsen-Anhalt, noch "27.000 Täter in 166 Länder" (dpa) ermittelt. Nach Abschluß der "Operation Marcy" war der Oberstaatsanwalt Deutschlands erfolgreichster Kinderpornojäger. Dass von den 27.000 Täter, die offenbar doch nur Verdächtige waren, ein Jahr später nur der Auslöser der Ermittlungen, ein 29-jähriger Magdeburger, verurteilt wurde, machte schon keine Schlagzeilen mehr.
Denn Peter Vogt war weitergeeilt. Mit einem gesunden Bewusstsein für karrieredienliche Aktionen beantragte der Kinderpornoexperte für die "Operation Mikado" den Datenabgleich von 20 Millionen Kreditkartennummern per Rasterfahndung. Jeder Kartenbesitzer, dem 79,99 Dollar aus dem Ausland abgebucht worden war, fand sich als Mitglied eines neuen weltweiten Kinderpornorings verdächtigt. Das gab wieder eine schöne hohe Zahl für schöne große Schlagzeilen, wieder war weniger von Verdächtigen als vielmehr von Tätern die Rede, als wäre mit einem Verdacht allein schon irgendwer irgendwo angeklagt und verurteilt worden. Auch die Aktion "Himmel" war so gesehen ein Erfolg: 12.000 Verdächtige meldete die Staatsanwaltschaft Berlin Ende 2007, 300 Täter, so Vogt, kämen aus Sachsen-Anhalt.
In keinem Fall wurde bis heute bekannt, dass Anklage erhoben wurde oder ein Urteil aus einem Verdächtigen tatsächlich einen Täter gemacht hätte.
Denn die Geister, die er rief, ist Peter Vogt später nie mehr losgeworden. Aus den zehntausenden angeblich schwerpädophilen "Tätern", die er jeweils ermittelt haben wollte, wurden nicht nur keine zehntausend Verfahren, sondern ausweislich der öffentlich gewordenen Verurteilungen gar keine. Im Jahr 2007 habe die Steigerungsrate bei der Zahl der Kinderporno-Verdächtigen im Land im zweistelligen Bereich gelegen, so behauptete der Cheffahnder zwar. "Der Verfolgungsdruck ist größer geworden: Je mehr wir durchsuchen, desto mehr Hinweise finden wir auf weitere Verdächtige", hieß es. Aus den verdächtigen aber wurden kaum Verurteilte.
Auch, weil die Spezialfahnder eigenen Angaben zufolge im Datenmüll ersticken. 41 Terrabyte umfassten die Dateien, die bereits Anfang des Jahres im Landeskriminalamt (LKA) auf Auswertung warteten. "Eine Zahl, die so groß ist, dass es selbst Computerspezialisten schwer fällt, sich darunter etwas vorzustellen", orakelte die Magdeburger "Volksstimme", bei der das Internet noch ausgedruckt wird. Erst eine Umrechnung in elektronische Bilddateien mache die Zahl greifbarer: 364 Millionen Bilder seien das. Jeder der 20 Beamten der Porno-Abteilung müssten sich so ein Jahr lang täglich 81.000 Bilder anschauen, um innerhalb eines Jahres alle wenigstens einmal gesehen zu haben.
Infolge einer Gesetzesverschärfung, die Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb nach Vollzug begeistert feierte, ist die Flut der Bilder noch einmal angeschwollen. Nachdem der Bundesgerichtshof festgestellt hatte, dass automatisierte Auswerteprogramme auch solche Fotos als Kinderpornografie erkennens, die so genanntes nichtstrafbares "Posing" enthalten, mussten die Ermittlungsbeamten alle als kinderpornographisch verdächtigten Fotos jeweils einzeln bewerten, um festzustellen, ob die volljährige Paris Hilton (wie auf unserem Beweismaterial) einen zulässigen und gesetzlich völlig korrekten Blowjob ableistet oder ernste Zweifel am Alter der Beteiligten weitere Prpüfungen erforderlich machen. Nachdem das Gesetz verschärft wurde, waren dann auch Bilder strafbar, die vorher nicht unter den Kinderporno-Paragrafen gefallen wären.
Deshalb dauert die Bearbeitung. Über zwei Jahre müssen die Anfang 2009 noch 146 Tatverdächtigen in Sachsen-Anhalt warten, ehe sie Bescheid bekommen, ob ihre Bilder strafbar waren oder nicht. Nachdem Vogt bereits Ende letzten Jahres in einem Papier darauf hingewiesen hatte, dass er mehr Männer und eine bessere Ausstattung benötige, hat der oberste Kinderpornofahnder jetzt das Handtuch. Er ziehe seine Konsequenzen aus den Äußerungen von Innenminister und Justizministerin. Diese hatten bestritten, dass das Problem das Ausmaß von mehreren hundert Fällen angenommen habe. Wenn in Sachsen-Anhalt noch Fälle aus den Jahren 2005 und 2006 bei der Polizei lägen, so der bei der NVA ausgebildete Innenminister, liege das allein daran, dass die Staatsanwaltschaft nicht genug Druck auf die Polizei ausgeübt habe.
Die ursprünglich für die Beschäftigung mit Feingeistigem gegründete Wochenzeitschrift "Die Zeit" ist nach Auskunft des ehemaligen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" unverhofft an brisante und absolut streng geheime Papiere aus dem Bundesfinanzministerium herangekommen. Die belegten, so "Der Spiegel", dass "auch deutsche Banken in großem Maße von den Offshore-Paradiesen" profitierten.
"Erstmals" (Der Spiegel) zeigten die "internen Papiere des Bundesfinanzministeriums" auf, "wie tief deutsche Banken in das anrüchige Geschäft mit Steueroasen verstrickt sind". Hiesige Finanzinstitute unterhielten über ihre Tochtergesellschaften in Liechtenstein und der Schweiz Geschäftsbeziehungen zu mehr als 1600 Stiftungen und Trusts in fast allen Steuerparadiesen der Welt, habe die deutsche Finanzaufsicht Bafin im Auftrag des Bundesfinanzministeriums herausgefunden. "Die meisten Geschäftsaktivitäten", heißt es zum Thema Offshore in einem internen Vermerk des Bundesfinanzministeriums, "unterhalten die Deutsche Bank, die Commerzbank und Sal. Oppenheim.
Nach den Informationen manage allein der Branchenprimus Deutsche Bank von der Schweiz aus Geschäftsbeziehungen zu mindestens 566 Stiftungen und Trusts, die nicht nach Schweizer Recht ausgestaltet sind, sondern nach dem anderer Steueroasen - von Curaçao bis zu den britischen Jungferninseln. Hinzu kommen 204 Tochtergesellschaften, Beteiligungen und Rechtseinheiten in 13 Offshore-Zentren mit zusammen 2428 Kundenbeziehungen, allein 868 davon in Singapur. Das scheint nicht mal illegal zu sein - die streng geheimen Angaben erfragten die Bafin-Beamten der Einfachheit halber bei den Banken selbst.
Zahlen etwa für die staatliche West LB, die nach einer sehr oberflächlichen Zählung allein mit 49 Tochtergesellschaften arbeitet, hatten die Experten von Wirtschaftsquerschuss bereits im Januar vorgelegt, damals allerdings beim "Spiegel" kein Aufsehen damit erregt.
Für Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ist die "Beschaffung der genannten Angaben" nach vermutlich sogar ernstgemeinten Angaben der "Zeit" "Teil einer neuen Strategie". Es gehe darum, das Netz von Bankenaktivitäten offenzulegen, das Steuerflucht überhaupt erst ermöglicht, hieß es.
Streng geheimen Blogeinträgen und extern zugänglichen Berichten im Internet zufolge unterhalten deutsche Staats- und Landesbanken, aber auch Landesfinanzministerien und bundeseigene Banken wie die IKB in zahllosen Steuersparparadiesen mehr oder weniger überhaupt gar kein bisschen geheime Niederlassungen. So hat das Land Sachsen-Anhalt 100 Millionen Euro von arabischen Geldgebern über die in Amsterdam residierende Steuersparstiftung "Stichting" eingesammelt, die IKB unterhielt ihr Steuersparvehikel "Rhineland Funding" im US-Steuersparbundesstaat Delaware. und die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau mit Steinbrück an der Spitze half Großanlegern über eine Tochterfirma namens "KfW International Finance" dabei, den Fiskus auszutricksen.
Im Untergang noch hat der sächsische Kellenschwenker, sozialdemokratische Wirtschaftsminister, mutige Verfassungsfeind und "Ponojäger" (O-Ton) Thomas Jurk unser kleines Samisdat-Blog PPQ hinaufgespült in die Wahrnehmung des Internet-Mainstream. Heise.de, ein von uns gern gelesenes Nerd-Magazin, das sich meistens überhaupt nicht an die Tages-Themenvorgaben aus Kanzleramt und Jubiläumskalender hält, hat uns danach gefragt, ob wir glauben, dass unsere engagierte "Berichterstattung" über Jurks verfassungsfeindlichen Chat in der "Freien Presse" zu den jüngsten Wahlrerfolgen der SPD in Sachsen beigetragen hat.
Glauben wir nicht, denn so einfach ist die Welt ja nicht. In Wirklichkeit interessiert sich doch kein Mensch dafür, wenn ein Politiker erklärt, dass ihm die Verfassung scheißegal ist, wie es Jurk selbstbewusst getan hat. Das "schlechte Wahlergebnis", auf das Heise.de anspielt, können wir im übrigen gar nicht sehen. Wir glauben, dass wir Franz Müntefering richtig verstanden haben und das genauso geplant gewesen ist: In Sachsen gnadenlos untergehen und die erreichten zehn Prozent, abgegeben von offensichtlich völlig schmerzlosen SPD-Fans und Jurk-Aficionados, als optimistischen Auftakt für die Aufholjagd bis zum Bundestagswahltag verkaufen. Walter Steinmeier, die dieser Tage allabendlich mit Butterfahrtgrinsen durch sinnfreie Fernsehspots stolperndeSchnee-Eule der weltweiten Arbeiterbewegung, nennt sich doch nicht ohne Grund immer noch "Kanzlerkandidat".
Die drei Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und dem Saarland sind glücklich verschieden und verlaufen sich derzeit in vorhersehbarer Macht-Arithmetik. Dennoch verwundern die Haupt- und Nebenbeteiligten weiter mit Rhetorik vom anderen Stern. Zuerst hatte sich das Nachrichtenradio MDR Info von Sinn und Verstand verabschiedet und trötete in die Welt hinaus: "Von den möglichen Koalitionen sind alle möglich." Wir vom Wahrscheinlichkeits-Board PPQ hatten zwar fest damit gerechnet, dass potenziell alles denkbar ist - aber gut, wir lassen uns gerne berichtigen. Dann stieg Franz "Knitterface" Müntefering in den Ring und delirierte einen Satz, der in Stein gemeißelt gehört: "Umfragen sind Umfragen". Um dem überraschten Publikum gleich eine weitere Weisheit um die Ohren zu hauen: "In Wahlkämpfen kann sich etwas verändern." Während das Publikum noch "Ach nee" denkt, freut sich Frank-Walter Steinmeier vehement darüber, dass seine Partei in drei von drei Fällen die Fünf-Prozent-Marke übersprungen hat: "Die SPD hat Rückenwind". Die grüne Vordenkerin Claudia Roth definiert in der Zwischenzeit die Ziele ihrer Politik neu: "Unser Ziel ist es, Schwarz-Gelb zu verhindern." Getoppt wird sie - natürlich - von Bodo Ramelow, der nach dem Ergebnis in Thüringen (CDU 31,2, Linke 27,4 Prozent) kein Halten mehr kennt: "Das Ergebnis ist ein klarer Auftrag der Wähler an die Linke, eine Regierung zu bilden."
Sandro Wolf hat wieder schönes Wetter gemacht über Halle, Christian Kamalla darf erstmals in der neuen Saison zu Hause mitspielen und nach zehn Minuten, in denen nur der Gastgeber den Ball spielt, schließt Ronny Hebestreit die erste richtige Torchance auch schon zum 1:0 ab. Ein Spielstand, so war es immer, seit der Hallesche FC vor anderthalb Jahren vom Abstellgleis in die Erfolgsspur wechselte, der das Endergebnis vorwegnimmt, so der Gegner nicht Hertha BSC heißt.
Das tut die Amateurvertretung von Wolfsburg nicht, deshalb sieht alles nach einem überaus entspannten Heimsieg aus, auch wenn der Club nach der Führung keine ordentliche Kombination zusammenbekommt. Neuerdings aber sind in Halle nicht nur Siege, sondern auch spannende Spiele im Kartenpreis enthalten. Thomas Neubert, Fußballgott und etatmäßiger Chancentod, nimmt seinem Gegenspieler also nach einer Wolfsburger Ecke elegant den Ball vom Fuß und spielt ihn wohltemperiert von der eigenen Torauslinie in die Beine des an der Strafraumgrenze wartenden Wolfsburgers Karimov, der nicht lange überlegt, sondern das Leder ins lange Eck schießt.
Im Normalfall reicht das nicht für einen Punkt in Halle, weil der hinten neuerdings auch mit der Innenverteidigung Kamalla/Lachheb wacklige HFC vorn seit jüngsten trefflich die Strategie verfolgt, zum Schluß ein Tor mehr als der Gegner geschossen haben zu wollen.
Deshalb schert sich Pavel David, Matchwinner der Auftaktbegegnung gegen Goslar , nicht weiter darum, dass Schiedsrichter Eduard Beitinger ihn wegen ein paar kleiner Fouls schon mehrmals ermahnt hat. Als Beitinger nach einem weiteren körperbetonten Einsteigen an der eigenen Torauslinie Freistoß gegen ihn pfeift, schimpft der Tscheche, als werde er für seine Wortbeiträge zum Spiel bezahlt. Kapitän Nico Kanitz kommt und schiebt ihn fort, der Schiedsrichter beruhigt sich und trabt ab - zumindest bis ihm David nochmal hinterherruft, dass sich doch total ungerecht behandelt fühlt.
Der Mann ist 30 Jahre alt, er hat schon in höheren Ligen gespielt und schlimme Schiedsrichter erlebt. Der hier ist nur die Normalausgabe, die mal was richtig sieht und mal was nicht, ein Typ mit Abiturientengesicht, der sich bemüht, ohne böswillig zu sein, sich aber auch nicht alles gefallen lassen will.
Als David, dem bis dahin nichts gelungen ist, einen schon stürzenden Wolfsburger vorm eigenen Strafraum legt, fummelt der Regensburger in seiner Tasche und holt erwartungsgemäß kein Taschentuch und keine Brieftasche heraus, sondern ncohmal die Gelbe und dazu noch die Rote Karte.
David schüttelt den Kopf, als verstehe er überhaupt nicht, was passiert ist. Das bis eben noch zufrieden ins Dämmerlicht entschlummernde Stadion ist nun in heller Aufregung. Emotionen" Große Gefühle! Champions League-Verlängerungs-Empörung!
Und Schlafwagen-Fußball. Wolfsburg, bis vor Spielbeginn ohne Gegentor ungeschlagener Tabellenführer, ist der vom letzten Spiel in Wolfsburg bekannte langweilige Gegner. Die Amateure des Meisters würden gern, können aber nicht. Beim HFC ist das nicht so sicher - der könnte vielleicht, mag aber zu zehnt einfach nicht mehr. Rene Stark ist ein Schatten früherer Tage, der neue Linksverteidiger Sieber gewinnt keinen Zweikampf, "Müller, Müller", ruft die Tribüne nach dem Erlöser der Schlacht gegen Hertha, sogar "Neubert raus" fordern einige der 3115. Während die drei mitgereisten Wolfsburger, bewacht von 11 Ordnern, still genießen.
Dann soll Neubert doch raus. HFC-Trainer Sven Köhler holt Marcus Müller, um nach Hebestreit, für den Angelo Hauk spielt, auch den ungelenken Sturmtank zu erlösen. Während Co-Trainer Strotzniak winkt, läuft Rechtsverteidiger Jan Benes außen zum ersten Mal bis zur Grundlinie durch. Es ist die 65. Minute und der erste FC-Angriff der zweite Hälfte, der Ball knödelt irgendwie nach innen, vorbei an zwei Wolfsburgern, die ihn wohl straffer erwartet hatten und vorbeifallen. Und im Augenblick, als auf der Tribüne einer ätzt: "Den Ausgleich macht Neubi noch, dann kann er raus" drückt der Marius Müller-Westernhagen des deutschen Niedrigpreisfußballs den Ball über die Linie.
Stürmer gewinnen Spiele, die Abwehr aber gewinnt Meisterschaften und beide zusammen steigen auf, so sieht es aus in diesem Moment, da der Mond langsam aufzieht und das flutlichtlose Kurt-Wabbel-Stadion im Halbdunkel des Sommerabends versinkt. Und im Jubel natürlich, der grenzenlos ist, weil nichts auf einen zweiten HFC-Treffer hindeutete.
Aber so machen sie das hier. Unauffällig und gründlich, herzlos und gemein. Mit dem aus Braunschweig geholten Selim Aydemir bringt Köhler nun sogar noch einen Fußballer, neben Hauk schon der zweite auf dem Platz. Gemeinsam mit Müller wirbeln die drei einsamen Offensiven in der letzten Viertelstunde stürmischer als die gesamte Restelf in den zurückliegenden 170 Minuten. Einmal trifft Hauk beinahe, einmal müsste der 18-jährige Aydemir, berühmt geworden, weil er ein Auslaufen in Braunschweig per Straßenbahn absolvierte, nur noch abspielen.
Er tut es nicht. Wolfsburg bringt noch einen Stürmer. VfL-Trainer Lorenz Günther Köstner schüttelt den Kopf. Dramatik, die in der Tragödie enden muss. 94. Minuten sind gespielt, Wolfsburg hat die 12. Ecke, abgewehrt nach rechts an die Außenlinie, kein Hallenser bewegt sich mehr, auch Jan Benes nicht, der die Flanke zur Führung lieferte und jetzt dort draußen an der Außenlinie stören müsste. Es war ein langer Arbeitstag, alle warten auf den Schlußpfiff, nur zwei Wolfsburger nicht. Flanke. Der eingewechselte Fabian Klos steht mutterseelenallein am langen Pfosten. Er hält den Kopf hin. Einer muss es ja machen.
Die Anzeigetafel schafft es nicht mehr, während der Spielzeit auf 2:2 umzuschalten.
Erst war sie gefährlich, dann tödlich, später nur noch harmlos. Die Schweinegrippe sorgte erst für Angst, dann für Panik, dann nur noch für ein müdes Gähnen,. Selbst die Diskussionen um die Impfungen interessieren nur noch kranke Schwestern und RKI-Mitarbeiter. Einen ähnlichen Verlauf gab es, als sich das Virus Scientology in Deutschland ausbreiten wollte. Nach ersten ernsten besorgniserregenden Nachrichten, interessieren sich unterdessen allenfalls noch Buchautoren und Neu-Journalisten und Sektengegnger anderer Sekten (Kirchen) für jenes amerikanische Virus. Aber eins steht jetzt fest: Es gibt mehr als doppelt so viele Schweinegrippeninfizierte (etwa 11.000) als Schweinescientologyinfizierte (etwa 5000) in Deutschland. Die harmlose Grippe ist also doch gefährlicher als man denkt. Oder aber Scientology ist harmloser als immer wieder behauptet wird.
Unvorstellbar wäre das gewesen in den Tagen, als eine Birne noch auf dem Kanzlerthron der wiedervereinigten Republik thronte. Seit heute aber ist es amtlich: Zur Rettung des Weltklimas hat die Europäische Union in ihrer Weitsicht ein Verbot der traditionellen Glühbirne verfügt. Die habe, so heißt es, Wohnungen unzulässig aufgeheizt und damit Fernwärmelieferanten benachteiligt.
Dem Aufatmen in Umweltschützer- und Blockheizkraftwerkbeschäftigtenkreisen folgt das Verbrechen auf dem Fuße. Weil Traditionalisten darauf bestehen, ihre Wohnung weiter mit Glühbirnen zu heizen, ist jetzt der Zoll gefordert. Noch mehrere Jahre lang werden die verbotenen Glühbirnen weiterverkauft werden dürfen, weil die Vorratslager voll sind. Gleichzeitig aber ist die Einfuhr aus dem Nicht-EU-Ausland verboten - wer Glühbirnen schmuggelt, macht sich strafbar, jedenfalls ein bisschen, wie der Tagesspiegel gemeinsam mit Experten des Bundesfinanzministeriums herausfinden konnte.
Der gewerblicher Import von Glühlampen ist jedoch ordnungswidrig, wenn er dem Ziel dient, verbotene Glühbirnen in der EU zu verkaufen. Erwischten Schmugglern drohen Strafen von bis zu 50.000 Euro.
Für Privatleute, die etwa nach einer Urlaubsreise Glühbirnen zum Eigengebrauch importieren, gilt eigentlich dasselbe, aber einig sind sich die zuständigen Ministerien der Nationalen Front da nicht. Das Bundesfinanzministerium geht davon aus, dass „im Hinblick auf den Zweck der Regelung (Energieeinsparungen)“ in der entsprechenden EU-Verordnung Ausnahmen für Einfuhren durch private Endverbraucher darin „nicht vorgesehen“ seien. Heißt: Es ist verboten. Das konkurrierende Bundeswirtschaftsministeriums hingegen gibt Entwarnung: Es gebe für Privatleute „keine Einfuhrregelung und keine Mengenregelung" einerseits, andererseits aber ausdrücklich "auch kein Importverbot“.
Die Wahrheit liegt in der Mitte: Zum Eigenverbrauch lässt das "Energiebetriebene-Produkte-Gesetz" (EBPG) vom Februar 2008, das die Umsetzung der EU-Richtlinie in Deutschland regelt, geringe Mengen Glühglas im Privatgepäck zu, ähnlich wie beim Betäubungsmittelgesetz wird erst die "nicht geringe Menge, von der derzeit noch völlig unklar ist, wer sie wo definieren wird, kriminell.