Dienstag, 21. August 2012

Benzinpreis: Nur gerade erst ist immer

Qualität kommt von Quälen, und das in jedem Fall wenn es um echte Qualitätszeitungen geht. Die „Welt“ etwa, das qualitative Flaggschiff des größten inländischen Medienkonzerns, weiß, dass Superlative sich super verkaufen. Deshalb also feiert das Berliner Blatt einen Text zum Thema Benzinpreis mit der Überschrift „Autofahrer zahlen höchste Spritpreise aller Zeiten“. Mitten in der Urlaubszeit erreiche der Spritpreis „neue Spitzenwerte“, heißt es in dem analytisch gemeinten Text, der einen „hohen Ölpreis“ und einen „schwachen Euro-Kurs“ dafür verantwortlich macht, dass „Tanken für die Deutschen besonders teuer“ geworden ist.

Nun ist es allerdings von „besonders teuer“ bis zu „teuer wie nie“ ein ganzes Stück, selbst auf vier Rädern. Benzin kostet heute etwa 1,74 Euro pro Liter, Diesel 1,56 Euro. Die höchsten Spritpreise aller Zeiten aber sind das natürlich nicht. Ganz im Gegenteil: Teuer ist es im Vergleich zu anderen Ländern, aber nicht zu anderen Zeiten.

Denn bei 1,74 und 1,56 Euro erarbeitet der Durchschnittsdeutsche sich heute mit seinem Durchschnittsstundenlohn von etwa 12 Euro netto in der Stunde knappe sieben Liter Benzin oder 7,5 Liter Diesel, mit denen er rund 100 bis 150 Kilometer weit fahren kann.

Paradiesische Verhältnisse, wenn wir in die Geschichte schauen. Ende der dreißiger Jahre lag der Preis für einen Liter Benzin in Deutschland zum Beispiel zwar nur bei 39 Pfennig. Doch wer 150 Kilometer mit dem Auto fahren wollte, musste dafür den durchschnittlichen Tageslohn eines Arbeiters hinlegen. Das heißt: Acht Stunden Arbeit für 150 Kilometer. Heute reicht eine.

Zumindest, so lange das Verbot des Diktaturenvergleichsbeachtet wird, dessen Mißachtung aus dem "nie zuvor" von "Welt", "Tagesschau", dpa und dem Rest des Medienchores ein läppisches "seit 60 Jahren" machen würde.

Das Diktaturenvergleichsverbot, an das sich auch die Süddeutsche Zeitung sklavisch hält (rechts), schützt aber noch mehr sensible Daten. Denn auch damals, als Sprit noch teuer war, war nur der kleinste Teil das Ladenpreises auf den tatsächlichen Ölmarktpreis zurückzuführen. In den 30er Jahres lag der Preis für einen Liter Benzin ab Raffinerie bei zwei bis drei Pfennig pro Liter, also bei etwa zehn Prozent dessen, was dem deutschen Autofahrer in Rechnung gestellt wurde. An Einkaufs-, Verteilungs- und Vermarktungskosten kamen noch einmal 18 Pfennige hinzu. Das heißt, der Preis für einen Liter Benzin lag bei etwa 20 Pfennigen und damit ziemlich genau auf der Höhe des Benzinpreises, den Autofahrer in den Vereinigten Staaten zur selben Zeit zahlen mussten.

Doch unter Hitler war der Benzinpreis ein politischer Preis. Der wurde durch einen Steueranteil von fast 50 Prozent nach oben getrieben, dazu kam noch die preistreibende gesetzliche Vorschrift, inländisch produzierten Alkohol hinzufügen.
Damals nicht, um die Umwelt zu retten, sondern um die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.

Das Ergebnis aber ist verblüffend ähnlich: Betrug der Staatsanteil am Tankstellenpreis seinerzeit rund die Hälfte, liegt er heute dank Mineralöl-, Ökosteuer- und Umsatzsteuer bei 54 Prozent (beim Ökosprit E10 sogar über 55 Prozent). Von 1,76 Euro landen so 94 Cent im Säcklein des Finanzministers – zöge man die vom Preis an der Tankstelle ab, kostete Benzin derzeit 92 Cent – also etwa, so wenig ändert sich wirklich in der Welt, genau das, was im Augenblick an den Zapfsäulen in der USA bezahlt werden muss.

Fremde Federn

Erinnern Sie sich daran, wie Al Gore (und viele andere) nach dem Hurrikan "Katrina" 2005 behaupteten, dass uns immer mehr verheerende Wirbelstürme bevorstehen würden? Seitdem hat die Häufigkeit von Wirbelstürmen stark abgenommen; laut einer Messung ist die globale "Accumulated Cyclone Energy", mit der die Energie von Wirbelstürmen gemessen wird, sogar auf dem niedrigsten Stand seit den späten 70er-Jahren.

Montag, 20. August 2012

Verbot der Woche: Glühbirnenmissbrauch

Wenn ab 1. September die letzten Glühlampen eingezogen werden, um das Weltklima zu retten, will die EU-Kommission mit harten Maßnahmen gegen trickreiche Händler vorgehen, die unter Ausnutzung von fragwürdigen Gesetzeslücken weiterhin Glüh- und sogenannte Speziallampen anbieten. Das hat die EU-Kommission im Rahmen der PPQ-Aktion Verbot der Woche angekündigt. Deutschland sei gefordert, das Verbot stärker zu überwachen, hieß es in Brüssel. Wichtig sei auch eine bessere Aufklärung der Menschen über die Folgen ungenühgender Verdunklung. Hier will die EU-Kommission selbst mit einer millionenschweren Werbeoffensive ansetzen. Die von der New Yorker Agentur Gemini konzipierte Kampagne geht hierzulande im Oktober unter dem Claim "Verdunklung - Der Feind sieht Dein Licht" an den Start. Mit "Feind" sei dabei der Klimawandel gemeint.

Den deutschen Behörden macht Energie-Kommissar Günther Oettinger anderweitig Druck: Die Behörden müssten das Handelsverbot für Glühlampen strenger überwachen und das Strafmaß für unbelehrbare Glühbirnenanhänger erhöhen, sagte eine Sprecherin. Sie reagierte damit auf Berichte, wonach derzeit noch erhältliche Glühbirnen und sogenannte "stoßfeste Spezialglühlampen" derzeit verstärkt verkauft werden.

Menschen versuchten sich offenbar zu bevorraten, dies sei irrig und diene nicht der Umwelt. Nachdem in den vergangenen Jahrenein Verkaufsverbot für traditionelle Glühbirnen Schritt für Schritt in Kraft getreten sei, handele es sich um einen Umgehungstatbestand, wenn weiterhin mit herkömmlichen Lampen Licht gemacht werde.

Das Kabinett in Berlin hat inzwischen auf die Mahnungen reagiert. Die Regelung, dass Händler Restbestände an alten Lampen weiter verkaufen dürfen, gehöre auf den Prüfstand, hieß es aus CSU-Kreisen. Im Zuge der Umsetzung des Energieausstiegs-Konzeptes der Koalition müsse auch zu drastischen Maßnahmen gegriffen werden, um Glühbirnenmissbrauch durch Ewiggestrige zu verhindern.

"Da steht die Glaubwürdigkeit der Politik auf dem Spiel", sagte ein Mitarbeiter des Umweltministeriums. Es gehe nicht an, dass viele ehrliche Lampennutzer sich für viel Geld sparsame Sparleuchten angeschafft hätten, notorische Lichtsünder aber unbehelligt weiter Kohlendioxid in die Atmosphäre blasen könnten. Hier sei Bundesinnenminister Friedrich gefordert, mit der schnellen Aufstellung einer speziellen Lampenpolizei gegenzusteuern.

Regelmäßige Razzien bei auffällig gewordenen Graumarkt-Glühbirnen-Händlern und in verdächtigen Haushalten, aber auch monatliche Pflichtbesuche von Energieberatern zur Haushaltskontrolle, wie sie Umweltminister Peter Altmaier plant, könnten hier "nachhaltig das Klima ändern". Nach dem Willen von Altmaier sollen die Pflicht-Energieberatungen kostenlos sein, also von der Gemeinschaft der Steuerzahler finanziert werden. Dabei sollen Arbeitslose als Stromsparhelfer die Haushalte besuchen. Altmaier sagte, die Zahl der freiwilligen Helfer der Lampenpolizei müsse "massiv ausgeweitet" werden. Womöglich könnten auch Rentner als ehrenamtliche Energieberater gewonnen werden.

Das PPQ-Verbotstagebuch:
Femegericht
Sexynazimaus
Saufen in Bayern
Virtuelle Radiergummis
Bienenburka
Nackt im Kind
Sonnenschein
Diktaturenvergleich
Fachwerk-Vermummung
Führer aus Parrafin
Milchglas für Kameras
Boykott

In Vergangenwart und Gegenheit

Vom Sozialismus lernen heißt siegen lernen, das hat auch der neue Umweltminister Peter Altmaier schleunigst verinnerlicht.

Kaum drei Monate im Amt, legt der gelernte Europapolitiker schon einen sehr konkreten Zehn-Punkte-Plan zu energetischen Umgestaltung Deutschlands vor. Während die Hauptstadtpresse völlig überrascht reagiert hat, konnten PPQ-Analysten gemeinsam mit Hightech-Historikern des Bundesblogampelamtes (BBAA) in Warin (Mecklenburg) bereits die Quelle des inspirierten Energieausstiegskonzeptes ergründen.

Nach einem Tiefencheck durch Linguisten, Öko-Ökologen und den sozialpsychologischen Dienst der Bundesworthülsenfabrik handelt es sich bei dem von Altmaier vorgelegten Papier um eine Coverversion der vom Politikbüro des ZK der SED der DDR vor genau 30 Jahren vorgelegten und damals äußerst erfolgreichen Parolen zum 1. Mai.

Man habe bei genauer Durchsicht nur wenige Abweichungen gefunden, beschreibt Hannes Hegenzecht vom BBAA. Allerdings habe Peter Altmaier seine Thesen angesichts der zunehmenden Leseschwäche weiter Teile der Bevölkerung kürzer gefasst und sich zum einfacheren Auswendiglernen auf zehn beschränkt, statt 27 aneinanderzureihen.

Eine Arbeitsgruppe junger BBAA-Mitarbeiter hat die Thesen von allem ideologischen Brimborium entkleidet, das Fleisch um die Knochen weggeschnitten und den Rest auf den harten Kern eingeschmolzen.

Herausgekommen ist ein Dokument der verblüffenden Gleichzeitigkeit, dessen zentrale Satzbausteine sich beliebig verschieben lassen, ohne dass das Endergebnis leidet. 20 starke Thesen für eine Energiewende hin zu mehr Mitgeschöpflichkeit sind übriggeblieben, knappe Sätze, in denen Vergangenwart und Gegenheit ineinanderfallen, als seien sie aus einem Geist.


1) Hohes Leistungswachstum durch steigende Arbeitsproduktivität, Effektivität und Qualität!

2) Energiewende als Kernaufgabe moderner Umwelt- und Wirtschaftspolitik erfolgreich und effizient umsetzen!

3) Alle Kraft für den wissenschaftlich-technischen Fortschritt!

4) Neuer Schwung für Klimaschutz - alles für das Wohl des Volkes und den Frieden!

5) Mit Spitzenleistungen am Reißbrett und im Labor zu hoher ökonomischer Effektivität und Qualität!

6) Nukleare Entsorgung im Dienste des Volkes im Konsens regeln!

7) Mikroelektronik, Robotertechnik und neue Technologien Voraussetzung für eine beschleunigte Steigerung der Arbeitsproduktivität!

8) Naturschutz und Gewässerschutz bewährter Einheit von Partei und Volk voranbringen!

9) Höhere Veredlung von Rohstoffen und Material!

10) Einführung einer bundesweiten Wertstofftonne - Schlüssel zu größerer Effektivität der Arbeit!

11) Neuerer und Erfinder! Eure Ideen und schöpferischen Lösungen für hohen Leistungszuwachs unserer Volkswirtschaft!

12) Schutz vor elektromagnetischen Feldern verbessern!

13) Durch konsequente Intensivierung und umfassende Rationalisierung ein besseres Verhältnis von Aufwand und Ergebnis!

14) Diskussion über unkonventionelle Erdgasvorkommen verantwortlich gestalten!

15) Senkung des Produktionsverbrauchs und der Kosten Gebot sozialistischen Wirtschaftens!

16) Bürgerbeteiligung und Transparenz als Voraussetzung erfolgreicher Umweltpolitik!

17) Lehren aus Rio: Neue Wege in der Europäischen und Internationalen Umweltpolitik!

18) "Qualitätsarbeit aus Deutschland" - Markenzeichen unserer Leistungsfähigkeit!

19) Perspektiven in der Umweltpolitik bis 2030!

20) Durch enge Verbindung von Wissenschaft und Produktion mehr qualitativ hochwertige Konsumgüter!

Der große PPQ-Quiz: Welche Parole stammt aus welcher Zeit? Anworten an politplatschquatsch@gmail.com

Sonntag, 19. August 2012

Pussy schwört No Pasaran


Kirchenstörerin Nadeschda Tolokonnikowa streicht ihr weißes T-Shirt glatt. Darauf ist zu lesen: "No Pasaran!" Das ist auch das Motto von Maria Alekhina. Die beiden Moskauerinnen und ihre Bandkollegin Jekaterina Samutsevitsch müssen nun wegen Störung der Religionsausübung zwei Jahre lang ins Gefängnis - und zwar ohne Bewährung, wie die Berliner Zeitung zufrieden meldet.

Das weltweit empört aufgenommene Urteil fällte jetzt ein Gericht in Moskau. Tolokonnikowa und ihre Freundinnen waren nach eigenen Angaben am 21. Februar 2011 zur Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gereist, um in der Kirche ein "Anti-Putin-Gebet" mit Punkmusik aufzuführen. Damit sollte allen klargemacht werden, wie die Bibel richtig zu verstehen sei.

Das sah dann so aus: Die drei jungen Frauen zogen sich Skimützen über und lärmten zu atonaler Musik herum, sie riefen Verbalinjurien und forderten die Vertreibung des Staatsoberhauptes. Komplizen der selbsternannten Künstlerinnen filmten den Auftritt. Gottesdienstbesucher überwältigten die drei Frauen. Die Medien in Deutschland reagierten hellauf begeistert.

Die Strafe folgte auf dem Fuße: In einem beschleunigten Verfahren wurden sie bereits wenig später verhaftet. Am Freitag waren die drei Musikantinnen nun angetreten, um einen Freispruch oder wenigstens eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung "herbeizupredigen". Entspannt saßen sie auf der Anklagebank. "In Moskau ist uns kein Hass entgegengeschlagen. Dafür wollen wir danken."

Mit Kopfnicken bestätigten sie alle Vorwürfe: "Ja, unsere Aktion im Dom war von Gott gesegnet!" Dabei sei es ihnen völlig gleichgültig gewesen, dass es sich um eine Internetübertragung handelte. Heil sei allein im Wort Gottes zu suchen, sagten sie. "Lest die Bibel, auch wenn es nur fünf Minuten am Tag auf der Toilette sind!"

Dann reichte es den Staatsorganen. Zuviel haben sich die Musikerinnen geleistet. Tolokonnikowa beklagte Abtreibungen und mahnte zur Buße. Alekhina forderte zur Lektüre der Bibel auf. Dazu hielt Jekaterina Samutsevitsch auch den Staatsanwalt an. "Ich hoffe, dass Sie Buße tun!" Außerdem hatten die Mitglieder von Pussy Riot an der Besetzung eines Zoos teilgenommen und Gottesdienste durch Zwischenrufe unterbrochen.

Doch nicht immer waren die Frauen von Gott geleitet. Nadeschda Tolokonnikowa hatte früher in Pornofilmen mitgewirkt. Dann habe sie zum wahren Widerstand und zu einer höheren Moral gefunden, sagt sie. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern ihrer Band Pussy Riot trat sie ab Oktober 2011 immer wieder öffentlich auf - mal auf der Kremlmauer, mal im Fernsehen. Auf der Kremlmauer protestierten sie gegen die Herrschaft Putins und die Korruption. Dennoch mussten die Bandmitglieder bislang keine Strafverfolgung fürchten.

Erst als sie die Kathedrale in Moskau stürmten, kamen sie mit dem Gesetz in Konflikt. Alle drei Künstlerinnen sind nach einem psychiatrischen Gutachten voll schuldfähig. Die Moskauer Richter warfen den Angeklagten vor, Millionen von Gläubigen verstört zu haben. "Sie haben ihre eigene religiöse Auffassung rücksichtslos über die der anderen gestellt. So etwas geht nicht!"

Worte, die im Westen Empörung auslösten. Nachdem Kanzlerin Angela Merkel das Urteil als nicht im Einklang mit den "europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie stehend§ bezeichnet hatte, fegte ein Sturm der Entrüstung durch die Medienlandschaft. Der "Spiegel" kommentierte das Urteil inzwischen hart: „Mit der der Urteilsverkündung endet ein Prozess, der Russlands Gesellschaft wie kein anderer gespalten und Russlands Bild im Ausland nachhaltig geschadet hat.“

Gericht: Kultband keine Kunst


Auch eine Rockband kann wegen "religiös motivierten Rowdytums" bestraft werden. Dies entschied jetzt der Bundesgerichtshof, wie alle angeschlossenen Medien einstimmig berichten. Er bestätigte damit ein Urteil des Berliner Kammergerichts gegen die Texterin und Sängerin der Punk-Band "Pussy Riot", Nadeschda Tolokonnikowa.

Im Prozess hatte die 22-jährige Tolokonnikowa die Einstufung ihrer Band Pussy Riot als Beleidiger der "Gefühle der Gläubigen" kippen wollen. Angeblich zeige das Merkel-Regime mit einer Verurteilung "der Welt seine Fratze", so die Internationale Presse zum Pussy-Riot-Urteil.

Dabei war die Aufforderung zur antidemokratischen "Vertreibung Putins" nicht so gemeint. "Die Band wollte vor allem Musik machen, gehört werden und Platten verkaufen", argumentierte ihr Anwalt Arnold Wegelsdorf. Er wies insbesondere den Vorwurf der konspirativen Tätigkeit zurück. Zwar habe die Band stets vermummt agiert und seit ihrem Kurz-Auftritt auf dem Roten Platz keine öffentlichen Auftritte gehabt. Auch habe niemand habe die aktuelle Besetzung von Pussy Riot gekannt.

Dies habe aber weniger der Vermeidung von Strafverfolgung gedient, sondern sollte die Band vor allem interessant machen. "Erst durch diese Anonymität sind sie zur Kultband der internationalen Medien geworden", argumentierte Wegelsdorf. Demselben Zweck diente auch die Mitwirkung der damals hochschwangeren Nadeschda Tolokonnikowa in einem Gruppensexorgie-Porno im besetzten Zoologischen Museum. Das Video der ganzkörperengagierten Kunstaktion ist hier zu sehen.

Die vor zwei Jahren gegründete, dreiköpfige Band hatte öffentliche Konzerte auch aus Mangel an musikalischem Können vermieden, ihre Mitglieder waren lange Zeit unbekannt. Die größten Hits wurden heimlich bei spontanen Kurzauftritten aufgenommen und auf das ausländische Videoportal Youtube geladen. Die Gruppe erzielte dort Millionen Klicks.

Bundesanwalt Jochen Mampe wies den künstlerischen Anspruch jedoch als "reinen Schutzmantel" zurück. Auch von Gesinnungsstrafrecht könne keine Rede sein. "Darüber kann man diskutieren, wenn es um eine Vereinigung geht, die Straftaten erst plant, hier wurden sie aber permanent ausgeführt", sagte Lampe. Immerhin habe die Band führende Politiker auf dem Altar einer Kirche als „die Scheiße Gottes“ bezeichnet und in einem Text den Patriarchen Gundjaj mit einem Hund verglichen.

Gleich zu Beginn der Verhandlung zitierte der Vorsitzende Richter Fritz Hermolf einige Pussy Riot-Texte. "Um den Heiligsten nicht zu betrüben, müssen Frauen gebären und lieben" oder "Schlampen pissen hinter die roten Mauern, Unruhen künden von der Abtreibung des Systems ", so ein anderer Pussy Riot-Song. Hermolf ließ damit keinen Zweifel daran, dass die einzelnen Songs weder von der Kunst- noch von der Meinungsfreiheit gedeckt sind. "Dann ist es aber auch die logische Folge", so Hermolf später in der Urteilsbegründung, "dass eine Band, die nur noch darauf ausgeht, strafbare Stücke zu spielen, eine kriminelle Vereinigung ist."

Es sei nun allerdings nicht mit einer Welle von Strafverfahren gegen andere Bands zu rechnen, schreibt der Kölner Stadtanzeiger. Denn so konsequent und professionell wie "Pussy Riot" habe wohl keine andere Gruppe aus dem Untergrund agiert. "Im Normalfall genügt den Strafverfolgern die Verurteilung wegen Volksverhetzung, die ebenfalls mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden kann." Nur bei Gruppen, deren Zusammensetzung unbekannt sei oder die wie Pussy Riot aus dem Ausland agieren, sei der Umweg über die kriminelle Vereinigung für die Abstrafung interessant. "Denn die Volksverhetzung verjährt bereits nach sechs bis zwölf Monaten, wenn sie auf einer CD veröffentlicht wurde." Glück für Pussy Riot: Die Band hat bislang noch keine CD veröffentlicht, so dass die drei Mitglieder im Unterschied zur Führung der Naziband Landser, die für drei Jahre und vier Monate hinter Gitter musste, nur zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt werden konnten.

Neues aus dem Rechtsstaat: Landgericht Mainz bestätigt Haftstrafe gegen Kirchenstörer

Samstag, 18. August 2012

Sieg für den Sandsack


Es ist der erwartet leichte Gegner, der da zur ersten Pokalrunde ins hallesche Kurt-Wabbel-Stadion kommt. Der MSV Duisburg hat in dieser Saison noch nicht gewonnen und bisher erst ein Tor geschossen. Als Tabellenletzter der 2. Liga steht der Verein aus dem Ruhrpott gerade sechs Platz vor den Hallensern, die Platz sechs in der 3. Liga belegen.

Entsprechend kommt dann auch von Anfang an nichts von den ganz in Trauerschwarz aufgelaufenen Schützlingen von Ex-Werder-Torwart Oliver Reck. Die erste Chance hat Halles Verteidiger Nico Kanitz, der mit einem Fernschuss fast das lange Eck trifft, auch die zweite geht aufs MSV-Tor, als Nils Pichinot eine Flanke von Benes nicht erwischt.

Das ganze Elend dieses Tages ist hier schon im Grundsatz angelegt. Halle spielt, Duisburg spielt quer, Halle greift an, Duisburg greift zu allen Mitteln, um die Begegnung langsam zu machen. Es ist wie Sandsackboxen. Dauernd fällt ein Schwarzer, dauern schreit einer getroffen auf. Und dauernd wird das belohnt, wenn Schiedsrichter Robert Hartmann Freistoß für den MSV gibt.

Es dauert bis zur 14. Minute, ehe es auch mal gefährlich vor Horvat-Vertreter Jürgen Rittenauer wird. Adli Lachheb, interessanterweise ein Ex-Hallenser, köpft beinahe ins Tor.


Die sicherste Abwehr Deutschlands in der vergangenen Saison wackelt nun komischerweise. Die Roten bekommen den Ball nicht weg, ein Schwarzer nimmt sich das Bein von Jan Benes und stürzt sich drüber. Schiedsrichter Robert Hartmann zögert keine Sekunde: Elfmeter.

So geht das derzeit hier in Halle: Kein Glück und dann auch noch Pech dazu. Denn so weit weg wie Jürgen Rittenauer von dem hoch in die Mitte geschossenen Ball bleibt, so widerstandslos geht er ins Netz.

Das Drama nimmt nun den erwarteten Verlauf. Noch mehr Schwarze, die sich auf dem Rasen wälzen, auch ohne von einem Roten berührt worden zu sein. Noch mehr Einwürfe, die bis zur Ausführung eine Minute brauchen. Noch mehr Zeitspiel vom MSV-Torwart. Noch mehr Nachsicht von Robert Hartmann, der sich geduldig anschaut, wie der MSV versucht, sich in die nächste Runde zu kratzen und zu beißen.

Nach einer knappen halben Stunde immerhin die erste richtige Chance der Schwarzen. Jovanovic köpft aus 13 Metern - Rittenauer lenkt den Ball um den Pfosten.


Von nun an spielt überhaupt nur noch eine Mannschaft, abgesehen von einem Verlegenheitsschuss von Adli Lachheb, der am Querbalken des HFC-Tores landet. In den zehn Minuten vor der Pause tritt der HFC eine Ecke nach der anderen, aber entweder die Bälle finden keinen abnehmer, oder Marco hartmann wartet zu lange mit dem Abschluss oder MSV-Stürmer Jovanovic rettet für seinen Torwart auf der Linie.

Erfahrene HFC-Zuschauer wissen, das wird heute nichts mehr. Fünfeinhalb Spiele sind absolviert, die Torausbeute der Köhler-Elf liegt bei vier. Eigentlich hätte die HFC-Hälfte jeweils nach oben geklappt werden können. Dabei bleibt es auch in der zweiten Halbzeit, obwohl der MSV, gegen den der HFC im Pokalwettbewerb vor zwei Jahren ausschied, weiterhin nur hinten wartet, ob den Hallensern noch etwas einfällt.

Schiedsrichter Hartmann zieht jetzt ein ums andere Mal die gelbe Karte für einen Schwarzen, die aber bleiben beim Verschleppen, Verzögern und dem Vermeiden jeden Versuchs, hier mitzuspielen. Trainer Sven Köhler wechselt erst Nils Pichinot aus und Andis Shala ein. Dann kommt für den defensiven Marco Hartmann, bis dahin neben Lindehahn, Ruprecht, Mast, Mouaya und Wagefeld einmal mehr bester Hallenser, der offensivere Telmo Texeira.

Aber bei Temperaturen um die 35 Grad schwinden jetzt die Kräfte. Es geht meist nur noch hoch nach vorn, wenn Flanken von außen kommen, finden sie keinen Abnehmer. Einmal schafft es Mast - aber eben auch nur fast. Der MSV-Torwart macht die Beine gerade noch rechtzeitig zu. Andis Shala, von diesem einen Moment einmal mehr eher katatonisch unterwegs, bekommt eine Flanke genau auf den Kopf serviert. Eigentlich müsste der letzte Saison als Torfabrik eingekaufte Stürmer nur in die lange Ecke köpfen. Allerdings ist er zu früh losgesprungen und schon wieder auf dem Weg nach unten, als er den Ball trifft, der deshalb weit über das Tor segelt.

Dass Trainer Sven Köhler seinen Stürmern nicht viel weiter traut als ein F-Jugend-Spieler einwerfen kann, zeigen die letzten Minuten. Regisseur Müller spielt nun in der Abwehr, Abwehrchef Ruprecht rückt nach vorn. Statt Stürmer Angelo Hauk wird Mittelfeldmann Erich Sautner eingewechselt, als Toni Lindenhahn signalisiert, dass es nicht mehr weitergeht.

Trotzdem wäre noch alles drin gewesen, zumindest in einer gerechten Welt. Denn in den Nachspielzeit lenkt ein Duisburger den Ball an der Grundlinie mit der Hand vom Tor weg. Doch Schiedsrichter Robert Hartmann bleibt seiner Linie treu - er sieht ein völlig anderes Spiel, er lässt weiterspielen, wo etwas zu pfeifen wäre, und pfeift ab, wo nichts gewesen ist. Nach dem letzten Pfiff feiern die halleschen Fans ihre Elf trotz des erneuten Erstrundeaus´, für die Mannschaft der Gäste haben sie nur höhnische "Absteiger, Absteiger"-Rufe.

Klar ist allerdings, so unverdient dieses Aus gegen Duisburg war: Passiert im Sturm des HFC nicht in den kommenden Wochen ein mittelgroßes Wunder, spielen auch die Rot-Weißen zu Weihnachten gegen den Abstieg.

Statistik zum Spiel:
HFC:
27 Flanken
21 Torschüsse
12 Ecken
1 Gelbe Karte

MSV:
6 Flanken
8 Torschüsse
2 Ecken
6 Gelbe Karten

Spielauswertung beim MSV

Endlich wieder daheim

Niemand muss umziehen, um im Westen anzukommen. Es reicht, wenn sich Ostdeutsche zu Hause so systemkonform benehmen wie früher.

Der Sieger heißt: Griechenland

Seit vier Jahren schon quält sich die weltweite Schifffahrtsbranche durch die größte Flaute aller Zeiten. Frachtraten, vor Ausbruch der Finanzkrise noch auf Weltrekordhöhe, liegen heute bei nicht einmal mehr bei zehn Prozent der Beträge aus dem Jahr 2008, die damals im Boom bestellten Schiffsneubauten, die jetzt fertig werden, verstopfen den Markt, Reeder barmen, Schifffahrtsgesellschaften fahren reihenweise in die Pleite.

Am härtesten betroffen davon ist wie immer Deutschland, denn deutsche Anleger besitzen dank herzensguter Steuersparregelungen, die hierzulande sowohl rot-grüne als auch schwarz-rote als auch schwarz-gelbe Regierungen überlebten, 40 Prozent aller Schiffe, die auf den Weltmeeren kreuzen. Mehr als 100 deutsche Schiffsfonds, in denen Anleger die Möglcihkeit hatten, Investitionen als Kosten abzuschreiben und Gewinne später nur nach der niedrigen Tonnagesteuer versteuern zu müssen, wurden inzwischen geschlossen, weitere 800 Fonds sind von der Insolvenz bedroht, glaubt das Hamburger Beratungsunternehmen TPW.

Die Commerzbank - mit 15 Milliarden engagiert - und die NordLB, die die Seefahrt im öffentlichen Auftrag finanzierte, haben sich bereits ganz oder teilweise aus dem Markt zurückgezogen, Fondsanbieter wie Lloyds und MPC kämpfen gegen den Untergang. Nach einem Bericht des "Telegraph" haben "die meisten der 20 Top-Banken für die Schifffahrt haben alle Mittel gestoppt", um die härteren Eigenkapitalanforderungen erfüllen zu können, die die EU zur Krisenbekämpfung verhängt hat.

Doch wo Verlierer sind, sind immer auch Gewinner - und in diesem Fall sind es die griechischen Großreeder, die vom Zusammenbruch der Schifffahrtsmärkte profitieren. Während die klammen deutschen Schiffsbesitzer ihre Schiffe nur über Wasser halten können, wenn sie einen Teil ihrer Flotte verkaufen, greifen die Oligarchen der traditionellen Frachtreederei-Nation beherzt zu. "Die Griechen sitzen auf einem Haufen Geld", sagt Dimitris Morochartzis von Lloyds Intelligence, "sie sind vollständig von politischen Unruhen in Griechenland entfernt".

Dieselben Schiffe, die die erfahrenen griechischen Branchenkenner während des Booms an die blutigen Anfänger aus Deutschland verkauft hätten, kauften sie jetzt für einen Bruchteil des Preises zurück. Die griechische Gruppe Costamare etwa hat ihre Flotte seit Anfang 2011 für rund 1,2 Milliarden Dollar erweitert, unter anderen durch den Kauf des deutschen Schiffes "Stadt Lübeck", den der deutsche Schiffsfonds König & Cie. Renditefonds 38 für 11,3 Mio abstoßen musste. Finanziert wurde der Eigentumsübergang von der deutschen Hypovereinsbank.

Die Schwäche deutscher Charterreeder resultiert aus der Kreditknappheit und einem Mangel an Eigenkapital, analysiert die Financial Times. Seit Ausbruch der Krise im Jahr 2008 haben Reeder aus Griechenland 73 Schiffe neu bestellt. Das sind 44 Prozent aller von Charterreedern neu georderten Schiffe. Deutsche Unternehmen kamen nur auf 35 Bestellungen oder 23 Prozent. "Die Eigentümerstruktur der weltweiten Containerschiffsflotte ändert sich angesichts der Finanzkrise, weil griechische Reeder die Position der deutschen Eigner als die größten Charterreeder.

Apple iPhone 6: Jetzt kommt das iStone!

Es war in den seinen letzten Tagen das am besten gehütete Geheimnis des damals noch amtierenden Apple-Chefs Steve Jobs. Und jetzt ist es durch die Indiskretion eines ehemaligen Mitarbeiters gezielt geleakt worden: Der erfolgreichste Hightech-Konzern der Gegenwart plant mit dem iPhone 6 offenbar einen totalen Neustart seines Smartphone-Geschäftes. Trotz der Erfolge, die das iPhone noch immer hat, so hieß es inoffiziell aus der Firmenzentrale in Cupertino, müsse Apple rechtzeitig umdenken, „damit uns nicht dasselbe geschieht, was Nokia passiert ist“. Der ehemalige finnische Gummistiefelhersteller hatte im weltweiten Handygeschäft jahrelang dominiert, war aber dann durch falsche und zu späte Weichenstellungen in Richtung multimedialer Geräte ins Hintertreffen geraten.

Jobs selbst war es, der das Konzept hinter dem Handy entwarf, das Apple noch einmal komplett neu erfinden soll. Dabei warf der zuletzt schwer kranke, aber in seiner Schaffenskraft ungebremste Visionär offenbar alles über Bord, was derzeit noch als Must-Have für ein erfolgreiches Smartphone gilt. Nur im Namen des Neulings bleibt Jobs dem Konzept mit dem i treu: Das iStone, (hier erste geleakte Fotos), aber verzichtet ansonsten auf alle Zutaten, die aus dem Vorgänger iPhone einen Welthit machten.

Beim Nachfolger gibt es keine von Fremdfirmen programmierten Apps mehr, auch auf zusätzliche Speicherkarten wird verzichtet. Dafür ist das iStone das erste Handy weltweit, das ohne Akku oder Batterie auskommt – und das sogar auf unbegrenzte Dauer. Jobs ist ein erneuter Geniestreich gelungen. Statt den Wettbewerb der anderen Hersteller um immer kleiner, schneller und weiter mitzumachen, geht das neue Apple-Phone einen ganz anderen Weg. Nachhaltig solle das Gerät sein, hatte Steve Jobs seiner Entwicklungsabteilung mit auf den Weg gegeben, der typische Apple-Schick müsse erhalten werden, nicht aber auf Kosten unserer Umwelt.

Die Ingenieure und Zeichner haben diese Idee eins zu eins umgesetzt. Das iStone glänzt mit einer eleganten mattschwarz bis dunkelgrau schillernden Oberfläche. Es liegt wertig in der Hand, verzichtet aber auf die längst langweilig gewordenen bequemen Rundungen des iPhone. Stattdessen gibt es Kanten zu fühlen, vermeintliche Brüche zu spüren. Jedes einzelne Gerät solle, so heißt es bei Apple, unverwechselbar individuell sein.

Auch bei der Kommunikation geht der Trendkonzern ab von den Gewissheiten der Vergangenheit. Hieß es bislang, Konzerne wie Apple stellen die Geräte her, Telefongesellschaften liefern die Chipkarten dazu, so muss hier nun mancher umdenken. Das iStone kennt keine Chipkarte, es vertraut voll und ganz auf die neue und absolut kostenlose Technologie Near Field Communication. Dazu nutzt das Wunderwerk der Technik eine Weiterentwicklung der Spracherkennungssoftware Siri: Wer etwa seinen Freund Günter anrufen will, sagt einfach „Günter“ oder aber auch „eyh, Günter“ oder „hallo Günter“. Und soweit der Betreffende erreichbar ist, wird sofort eine Verbindung hergestellt.

Auffallend dabei ist, wie klar die Sprachqualität ist. Kein Knirschen, kein Rauschen, selbst Umgebungsgeräusche kommen sauber durch. Auch die Handschriftenekennung ist von ähnlicher Qualität, kein Tippen auf winzigen Tasten ist mehr nötig, alles wird einfach auf dem Bildschirm vermerkt. Wenn der Platz nicht reicht, kann auf der Rückseite weitergeschrieben werden.

Ebenso beeindruckend ist die Fotofunktion, auf die das iStone zugunsten einer Echtzeit-Darstellung in 3D verzichtet. Während der iStone-Besitzer sich dreht, sieht er ein nach oben und unten bis zu 160 Grad umfassendes dreidimensionales Bild seiner Umgebung, das er ohne Qualitätsverluste auch mit anderen teilen kann.

Das iStone sei damit das erste echte Social-media-Phone, verlautete aus Apple-Kreisen. Statt sich in virtuellen Räumen zu treffen, gehe es zurück ins echte Leben, wenn auch über den Umweg des ungewöhnlichen Smartphones. Das übrigens, darauf ist man bei Apple sehr stolz, nicht in China gebaut, sondern in Europa und den USA für die jeweiligen Märkte separat abgebaut wird.

Dazu hat der Hightech-Riese mehrere Shale-Tagebaue in Deutschland, Finnland, Russland und Italien erworben. Vorteil: Direkt aus den Schneidestrecken, an denen die iStones auf Maß gebracht werden, gehen sie in den Handel. Aufwendig verpackt, soll das iStone ab Herbst zu haben sein. Der Preis liegt in den USA wohl bei günstigen 299 Dollar, europäische Käufer müssen aller Erfahrung nach mit 299 Euro rechnen. Für eine Werbekampagne hat das Unternehmen inzwischen bereits Bob Dylans Klassiker „Rainy Day Women“ eingekauft – das Lied enthält die Zeile „Everybody Must Get Stoned“.


Freitag, 17. August 2012

Wer hat es gesagt?

Nur keine eigene Verantwortung übernehmen! Immer ist es ein Dritter, der Teufel, Hitler, Honecker oder wer auch immer, der schuld an allem ist. Und jetzt ist es eben der Kapitalismus. Solange es einen solchen Dritten gibt, braucht man sich selbst nicht zu ändern.

Der ganze, großartige Text steht hier.

Rechte Gewalt bricht ein: Kann Hitler helfen?

Ist das nun schon das Todesurteil für eine ganze Branche? Bedeuten diese Zahlen Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend für tausende von engagierten hauptamtlichen Bekämpfern des Bösen? Erleben wir das Ende einer großen, über Jahre hinweg neidisch beäugten Erfolggeschichte mit?

Ein Bericht des „Tagesspiegel“ lässt es beinahe vermuten. Wie das Berliner Blatt beschreibt, das durch eine Texttauschpartnerschaft mit der gleichermaßen gut informierten und dolle engagierten „Zeit“ ganz nah am Thema kämpft, haben politische Extremisten hierzulande im ersten Halbjahr „knapp 10.000 Straftaten verübt“. Exakt handele es sich um 9868 Delikte, darunter seien 870 Gewalttaten gewesen, bei denen 574 Menschen verletzt wurde. Das habe die Antwort der Bundesregierung auf die seit Jahren zu einer schönen Tradition gewordene Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Petra Pau ergeben.

Soweit, so gut. Auch, dass die meisten Straftaten von Tätern aus der rechtsextremen Szene begangen wurden, dürfte noch beruhigend an alte Zeiten erinnern, als Pau mit jeder an den "Tagesspiegel" weitergeleiteten Antwort auf ihre Frage nach der Zahl registrierter rechter Taten das Wort „Rekord“ versenden durfte, egal, wie hoch die Zahlen gerade waren. Doch die Details der gewohnten Meldung zerstören die Idylle: In den ersten sechs Monaten zählte die Polizei nämlich nur noch spärliche 6121 rechte Delikte – fast 2000 weniger als im ersten Halbjahr des vergangenen Berichtszeitraumes.

Hält der Trend, würde die Zahl rechter Straftaten aufs Jahr hochgerechnet von 16142 auf 12242 einbrechen – ein Rückgang um rund ein Viertel.

Ein ähnliches Bild zeichnet die vorläufige Statistik der rechten Gewalttaten. 256 konnten hier rechten Tätern zugeschrieben werden – aufs Jahr hochgerechnet wären das am Jahresende etwa 512 rechte Gewalttaten. Verglichen mit 755, die im letzten Jahr beklagt werden konnten, ein Rückgang um mehr als 30 Prozent.

Aus dem ausbleibenden Anstieg, den PPQ bereits vor Jahren auf eine strukturelle Schwäche der rechten Szene zurückgeführt hatte, ist ein eklatanter Einbruch geworden, der mehr bedroht zahllose Betreuungs-, Beratunges- und Begleitungsprojekte für Aussteiger, gealterte Führungskader und leberkranke Ex-Skinheads.

Der Feind geht verloren, die noch zur Weltmeisterschaft 2006 staatsamtlich beschworene Gefahr, rechte könnten demnächst schon „ganze Landstriche national befreien“, lässt sich nicht einmal mehr als Witz weitererzählen. Bleibt zu hoffen, dass innovative Konzepte wie die Pflichtlektüre von Hitlers Bestseller "Mein Kampf" im Schulunterricht den Trend noch wenden können. Die fein austarierte Infrastruktur zum "Kampf gegen rechts" (Angela Merkel) braucht dringend Nachschub.

Rechte Gewalt: Weniger ist mehr

Donnerstag, 16. August 2012

Die vier Phasen der Eurorettung

Im Rückblick auf zweieinhalb Jahre Euro-Rettung sind die Parallelen zu den Reaktionen von Mannschaften und Passagieren auf ein plötzliches Loch im Schiffsrumpf nicht mehr zu übersehen. Im Wochenrhythmus äußern die Retter selbst inzwischen die Befürchtung, dass die Rettungsbemühungen am Ende nicht ausreichen werden. Ihre veränderten Argumentationsmuster gleichen dabei denen eines Kapitäns, der anfangs nicht daran denkt, sein leckgeschlagenes Schiff aufzugeben. „Ha, das titschen wir weg!“, tröstet er die Passagiere.

Sind alles Lappen nass, ändert sich der Satz auf: „Das Meiste haben wir rausgeschöpft und im Rest können wir schwimmen!“ Wenn die Nichtschwimmer protestieren, ist die dritte Reaktion dann einfach eine Durchhalteparole: „Ach, die anderen werden das schon wegtitschen. Oder ausschöpfen.“

Und weil es dazu selbst nie kommt, endet alles in einer Erkenntnis, die nur noch im Selbstgespräch ausgesprochen werden darf: „Oh, es lässt sich nicht wegtitschen. Also bloß nicht drüber reden, das gibt nur eine Panik.“

Teure Täter, billige Opfer

Für Anetta Kahane, ehemals als IM 'Victoria' engagiert und heute Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, ist Lage absolut übersichtlich. Zuletzt ist die Zahl der rechtsextremen Straftaten zwar erneut gesunken, aber immer noch, klagt die hauptberuflich in der Opferarbeit tätige Berlinerin, gebe „die Bundesregierung weniger Geld für die Bekämpfung des Rechtsextremismus aus, als man für eine Abwasseranlage in einer mittelgroßen Stadt bezahlt“.

Empörend! Für die rund 16.000 Opfer rechtsextremer Gewalt – darunter mehrere tausend wehrlose Wände, die sich mit Hakenkreuzen beschmieren lassen mussten -, stehen bundesweit nur 24 Millionen Euro zur Verfügung. Umgerechnet sind das nicht einmal ganz 1.500 Euro pro Tat. Selbst wenn alle von Nazis beschmierten Sachgegenstände auf Entschädigung verzichteten und nur die Opfer rechter Gewalt sich die 24 Millionen Euro Bekämpfungsmittel teilten, so Kahane, entfalle auf jedes der 755 Rechtsextremistenopfer des vergangenen Jahres nur ein Betrag von kaum mehr als 31.000 Euro. Damit werde der alltäglichen Rassismus genauso verklärt wie der Antisemitismus, prangert die Expertin an.

Völlig zu recht, wie ein Blick auf die verhätschelten Opfer nicht-rechter Gewalt im Lande zeigt. Rund 25 Millionen Euro beträgt der Jahresetat der bundesweit tätigen Hilfsorganisation Weißer Ring, die sich in den knapp 5,9 Millionen Fällen um Ausgeraubte, Zusammengeschlagene und Abgestochene kümmert, in denen es den Ermittlungsbehörden alljährlich leider nicht gelingt, den rechtsextremistischen Hintergrund eines gewalttätigen Angriffs, eines Einbruchs oder eines Diebstahls nachzuweisen.

Auf ein Verbrechensopfer entfallen im nicht-rechten Täter-Fall trotz der fehlenden politischen Komponente 4,24 Euro, das sind kaum 1.495 Euro pro Fall weniger, als zur Bekämpfung rechter Verbrechen ausgegeben werden. Für die 195.300 Opfer von Gewalttaten, bei denen der ideologische Hintergrund nicht gerichtsfest gemacht werden konnte, sieht es sogar noch besser aus.

Obwohl rechtsextreme Kriminalität sich durch die ihr „innewohnende Brutalität“ und eine „deutlich höheren Quote an Verletzten“ (Innenminister Friedrich) spürbar von normaler Gewaltkriminalität unterscheidet, die Verletzten generell nicht so sehr wehtut, steht dem Weißen Ring auch zur Bekämpfung der normalen Gewalt ein Betrag von 126 Euro pro Gewaltopfer zur Verfügung, wenn er all seine Mittel ausschließlich dafür verwendet. Der Unterschied bei den Ausgaben zur Bekämpfung von gefährlicher rechter und ganz normaler  Gewaltkriminalität, die zum Leben dazu gehört, schrumpft damit auf lächerliche 30.874 Euro – ein Ergebnis, über das sich Opfer erster Klasse, Opfer zweiter Klasse und die Mitarbeiter der jeweiligen örtlichen Abwasseranlagen sicher gemeinsam freuen können.

Mittwoch, 15. August 2012

Auferstanden aus Ruinen

Es ist schon ein mächtiger Aderlass im Anschlussgebiet, den der deutsche Osten nach dem Mauerfall zu erdulden hatte. Von wegen "blühende Landschaften", höhnt es auch 17 Jahre nach der ersten Bundesgartenschau in einer ehemaligen DDR-Stadt.

Aber ein Blick auf alte Filmaufnahmen aus den Zeiten von Quick-Cola, Karo und Bison-Jeans zeigt dann doch, dass die sechs Bundesgartenschauen, die nach Kohls berühmten "Blüh!"-Befehl in Ostdeutschland ausgerichtet wurden, nicht vergeblich waren. Auferstanden aus Ruinen präsentiert sich der Arbeiterstaat, das Geld der Zahnärzte, Steuerberater und Opel-Händler aus Siegen, Hagen und Haselünne hat vielleicht nicht die versprochene Rendite gebracht, aber doch viel Gutes bewirkt zwischen Bergen und Saalfeld.

Hirnschaden aus der Ladenkasse

Ganz genau ein Jahr ist es her – und obwohl seinerzeit aufgrund einer Greenpeace-Pressemitteilung deutschlandweit engagiert vor dem neuen Killer aus der Ladenkasse gewarnt worden war, droht offenbar immer noch dieselbe alte Todesgefahr.

Es geht um den oft unterschätzten Killer Bisphenol A und seinen noch gefährlicheren Bruder Bisphenol S, die sich beide in Einkaufsbons verstecken, um von hier aus tödliche Attacken auf nichtsahnende deutsche Hausfrauen und deren minderjährige Kinder zu starten. Vor einem Jahr, als Bisphenol erstmals zur Angst der Woche gekürt worden war, überschritten die in Kassenzetteln nachgewiesenen Mengen teilweise den Tagesrichtwert, den ein schlanker Erwachsener laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit höchstens aufnehmen sollte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin warnte daraufhin davor, sich von Kassenbons zu ernähren oder auch nur Bons zuzufüttern.

Dennoch muss Greenpeace nun erneut warnen: „Supermärkte benutzen Gift-Bons“, der „Einkauf in deutschen Supermärkten ist möglicherweise gefährlicher als bislang angenommen“. Zwei große Ketten setzen weiterhin giftige Kassenzettel ein, obwohl die giftigen Substanzen in den Bons können beim Anfassen über die Haut ins Blut gelangen können, wo sie die Reifung des Gehirns von Ungeborenen und Kleinkindern irreversibel schädigt. Der Stoff ist deshalb seit Juni 2011 in Babyflaschen EU-weit verboten. Greenpeace zufolge ist die Chemikalie bei Thermopapier nicht nur viel höher konzentriert als in Plastik, sondern auch weniger fest gebunden.

Die Folgen sind im Alltag überall zu besichtigen. Menschen, die früher Umgang mit Kassenzetteln hatten – etwa bei Aldi Nord, Rewe, Galeria Kaufhof, der Deutschen Bahn und der Deutschen Post – agieren heute überwiegend wie Hirngeschädigte. Einerseits haben viele von ihnen vor der Finanzkrise Lehman-Zertifikate gekauft, weil zwölf Prozent Rendite total geil klang. Andererseits wunderten sie sich nach der Finanzkrise, wo ihr Geld geblieben war – dabei hatten das nun einfach andere, denen ihrerseits zwölf Prozent Rendite worden war. Auch die schlechten Ergebnisse deutscher Schüler bei den Pisa-Aufgaben und die hohen Einschaltquoten bei „Popstars“ und „Wer wird Millionär“ sind nach Angaben von Greenpeace auf Kassenbons zurückzuführen.

Jahrelanger Umgang mit Gift-Bons führe zu Debilität, das zeige sich daran, dass Nachrichtenagenturen wie AFP und DPA es tatsächlich schaffen, die Greenpeace-Originalmeldung 1:1 abzutippen, dann aber stolz wie Bolle „Copyright © 2012 AFP. Alle Rechte vorbehalten“ darunterschreiben.

Dienstag, 14. August 2012

Olympia-Rückblick: Leiden nach London

Gewaltig rumsten die Abschüsse von vier Feldhaubitzen über die Festversammlung der Hunderttausend hin. Bei der Schlußfeier der Olympischen Sommerspiele schickte eine bunte Showtruppe dem Muskelkrieg von London ein martialisches Echo nach. Zum ersten Male in der Geschichte des "friedlichen Wettstreits der Völker und Nationen" hatte ein gastgebendes Land schweres Rock-Geschütz mitten im Olympia-Stadion aufgefahren.


"Hier ist jeder der Teufel des anderen", hatte eine Berliner Sprinterin schon bald nach Beginn der Spiele von der Atmosphäre in der deutschen Olympia-Mannschaft vorlaut geäußert. Die Teufelei ging, nach Ende der olympischen Tage offenbar erst richtig los. Noch ehe die "Medaillen-Bomber" der Deutschen mit ihren 44 Gold-, Silber- und Bronzeplaketten sowie fast zehnmal so vielen London-Fahrern wieder auf deutschem Boden gelandet waren, wurde sozusagen das Fell des Sündenbocks unter den Enttäuschten geteilt.

"Wir sind durch zu hartes Training um unsere Staffel-Medaille gekommen", erläuterte eine Leichtathlethin das Versagen der chancenreichen 4 mal 100-Meter-Frauenstaffel, die kurz vor der verpatzten Entscheidung noch Europameister geworden war. Ein Kollege von der 4 mal 100-Meter-Schwimmstaffel der Männer vergaß sich in seinem Unmut über die entgangene Medaille sogar so weit, daß er falsch Zeugnis gegen seinen nächsten Sport-Vorgesetzten gab: "Als wir in London aus dem Flugzeug stiegen, waren wir in Hochform. Als wir nach dem Training durch an den Start gingen, waren wir ausgepumpt oder verletzt."

Mit seinem Maulen offenbarte der junge Mann nicht nur den alten Charakterfehler der Deutschen, nach eigenem Versagen anklagend mit dem Finger auf andere zu zeigen. Er gab mit seiner Theorie von sportlicher Hochform auch all denen eine Vorstellung von der Selbsteinschätzung deutscher Olympia-Teilnehmer, die die Reporter von ARD und ZDF beim Abschlußtraining nicht hatten beobachten können.

Die Wirkung solcher Äußerungen aus dem deutschen Olympia-Team war durchschlagend. Sportlich nichtsahnende Illustrierten-Redakteure stellten daraufhin Indizien zu Bildleisten zusammen, auf denen die Opfer des falschen deutschen Trainings nach den jeweiligen Beständen des Bild-Archivs registriert waren.

London hat bewiesen, daß deutsche Olympia-Teilnehmer kein Verständnis für Trainingshärte haben - nicht immer aus Gründen, die außerhalb ihres Charakters liegen. Ein Fachmann und neutraler Augenzeuge der Londoner Ereignisse, der nicht genannt werden will, prangerte gewisse Mitglieder der deutschen Olympia-Mannschaft an, "von denen man den untrüglichen Eindruck hat, sie machen blau. Sie haben eine Reise geschenkt bekommen, sie wurden belohnt, ehe sie gearbeitet hatten." Ein anderer Experte bemerkte ironisch im Hinblick auf das halbgute Abschneiden der Deutschen bei den Olympischen Reiter-Spielen: "Vielleicht wären hier ein paar Pferde nötig, um gewissen deutschen Laufern über die Aschenbahn zu helfen."

Auch der Sportwart des deutschen Teams erklärte: "Wir hatten zwei Trainingssysteme in unserer Mannschaft: die weiche' Methode der Westdeutschen und die 'harte' der Ostdeutschen." Deprimierend dabei sei: "Beide Systeme haben versagt."


Es lag wohl auch an der Unterbringung - so musste der Diskuswerfer Hartwig auf der Straße schlafen. Andere Teilnehmer berichten: "Wir wohnen alle so eng aufeinander und werden nervös und gereizt. Viele von uns können nachts nicht schlafen und verlieren dementsprechend ihre Form."

So wurde es nichts mit Spitzenleistungen, wie ein Sprinter bestätigte: "Zwei Nächte habe ich nicht mehr geschlafen. Diese ewige Rennerei hier macht mich verrückt."

Nur als Nervensache läßt sich erklären, dass die deutsche Leichtathletik-Mannschaft von zahlreichen Ausfällen heimgesucht wurde, deren Ursachen sich nicht immer ganz erklären ließen. "Erfolgreichster Teilnehmer der Deutschen muß Hiob sein", spöttelte die Tageszeitung "Die Welt" und stellte fest: "Die deutschen Athleten haben, bis auf wenige Ausnahmen, den Kampf vor dem Kampf Verloren. Der bloße Gedanke, sich zur Stunde X stellen zu müssen, hat einige entnervt, bei anderen hat er die seltsamsten Krankheiten und Verletzungen hervorgerufen, die kein Arzt zu heilen vermag."


Der Rest der schonungslosen und für alle Zeiten geltenden Analyse aus dem Jahr 1956 kann hier im Original nachgelesen werden.

Europa wird Pflichtfach

Europa, der große Erzieher, er bekommt immer mehr Rückdeckung beim Versuch, Liebe zu erzwingen und Freiwilligkeit herbeizupressen. Auch die FAZ, eigentlich für eine links und rechts davon seltene Portion  Einheitsbrei-Skepsis bekannt, lässt jetzt die Posaunen blasen, um ein noch schönes und neueres Europa herbeizuerziehen, wenn es schon nicht von allein kommen will. Der Mensch, so viel ist auch bei den Konservativen an Lehren aus der DDR-Geschichte hängengeblieben, ist formbar, wenn man nur will. Konnte ihn Stalin dazu bringen, seine Nachbarn zu essen, und Hitler davon überzeugen, dass der Franzmann der Erbfeind ist, so müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn es mit den heutigen technischen Möglichkeiten nich machbar wäre, hinderliche Nationalismen ganz aus den Menschen herauszuerziehen.

Der Weg dazu führt nach Überzeugung der FAZ, bei der ältere Leute arbeiten, die den Klang eines ordentlichen Volksempfängers noch im Ohr haben, über die Medien. Dort „brauchen wir eine europäische Quote in Kino, Radio und Fernsehen“, heißt es in einem Beitrag, der sich der Errichtung eines echten Europa auf dem Umweg über die Herbei-Erziehung eines europäischen Einheitsvolkes widmet. Wie in Kanada solle künftig ein gewisser Teil des öffentlich-rechtlichen oder öffentlich geförderten Programms für Filme, Songs, Shows aus europäischen Ländern reserviert sein, die der jeweils benachbarte Europäer sicher gern anschaut, oder aber nicht, ist auch egal. „Es kann nicht sein, dass im frühen Fernsehen mit „Einer wird gewinnen“ und „Spiel ohne Grenzen“ mehr Europa war als heute.“ Nein, umgekehrt! Europa muss auf allen Kanälen laufen. „In die Talkshows zum Thema Europa sollten mindestens zwei Gäste aus einem anderen als dem Senderland kommen“, empfiehlt die FAZ – etwa so, wie damals beim DDR-Fernsehen der Mischka-Bär an der Seite von Pittiplatsch und Schnatterinchen den Quotenrussen machten. Über Fragen wie „Billiglohn bei Aldi“, „Wallraff – alles gelogen“ oder „Länderfinanzausgleich – muss der Westen weiterzahlen“ könnten kompetente Griechen, Italiener oder Esten fröhlich mitdiskutieren.

Denn spätestens nach vier, fünf Jahren wären sie aufgrund der weitergehenden FAZ-Pläne ohnehin Experten in deutscher Innenpolitik. Schließlich wird in Zukunft „jeder Schüler, jede Schülerin europäische Mailfreunde“ bekommen, dazu jede Klasse eine Pflicht-Partnerklasse. Alle müssen sich dann dauernd treffen und austauschen, darüber wird ein Europatagebuch geführt. Auslandssemester für Studierende und Rotationsprogramme für Beamte sollten ebenso Pflicht werden. Zeitungen müssen sich sowieso stärker vernetzen und austauschen als bisher. Möglich wäre es, im Lokalteil ständige Rubriken einzurichten, in denen Einwohner der europäischen Partnerstädte über die dortigen Probleme mit der Müllentsorgung, dem Wetter oder dem Angebot auf dem Wochenmarkt berichten.

„In Zeiten der digitalen Bildkonferenzen muss das auch alles nicht unendlich teuer sein“, mutmaßt die FAZ, die auch eine Lösung für die Frage hat, wie all diese Menschen sich über all diese Themen verständigen. Eine Einschränkung bei der Entfaltung der Möglichkeiten sei notwendig, 27 Amtssprachen seien einfach zu viel. „Kanada sei auch hier Vorbild, beschränken wir uns für den Alltag auf zwei oder drei.“ Sprechen dann erst alle Europäer deutsch, spanisch und französisch, werde „der politische Diskurs schon in wenigen Jahren ein ganz anderer sein, kennen wir auch andere als unsere ewiggleichen nationalen Politiker.“

Montag, 13. August 2012

NSU: Rettung durch Rechtsrotz

Das war verdammt knapp. Am 18. August läuft der Termin ab, zu dem die Bundesanwaltschaft ihre Klage gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe vorlegen muss. Bisher aber klang aus den Echokammern der der offiziellen Federführer der Ankläger nur ein dünnes Zwitschern. Es schien fast so, als würde aus dem größten deutschen Nazi-Verfahren seit Nürnberg ein kleiner Prozess wegen Brandstiftung werden.

Zum Glück aber haben die Ermittler noch einmal das Innerste nach Außen gedreht. Und sie sind fündig geworden: Als wollte Gott selbst die gute Sache unterstützen, wurden auf einer Jogginghose, die in der ausgebrannten Wohnung der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) in Zwickau sichergestellt worden war, Blutspuren gefunden, die sich der 2007 ermordeten Polizistin Michele Kiesewetter zuordnen lassen, hat das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ermittelt. Glücklicherweise fanden sich in den Hosentaschen der braunen Buchse außerdem zwei gebrauchte Taschentücher, die DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Mundlos aufwiesen.

Damit steht nun immer noch nicht fest, dass Mundlos beim Mord an Kiesewetter anwesend war, erklärte ein Terrorexperte, denn die DNA-Spuren wiesen leider kein Entstehungsdatum auf. Deshalb könne es sein, dass der NSU-Gründer die Hose irgendwann später in der Caritas-Kleiderkammer gefunden und mitgenommen habe, warnten Ermittler. Sicher sei man sich hingegen, dass Beate Zschäpe als sogenannte Haushälterin der NSU offenkundig überfordert war. "Wenn es wirklich Mundlos´ Lieblingshose war, hätte sie die als anständige Hausfrau in fünf Jahren wenigstens fünfzig Mal gewaschen", glaubt ein Ermittler. Dann wäre es schwer geworden, noch Blutspuren zu finden, auch die Mundlos-DNA hätte ein regelmäßiges Leeren der Hosentaschen vor der Wäsche wohl nicht überstanden.

So aber profitiert die 300-köpfige Aufbauorganisation "Trio" davon, dass der braune Dreck auch privat ein unreines Leben führte. Bei der Jogginghose handelte es sich um ein seltenes feuerfestes Exemplar, zudem wurde es glücklicherweise nicht oder doch nicht allzu häufig  gewaschen. Nach dem letzten Tragen verblieben die wichtigen Taschentücher mit den Rotzspuren des erkälteten Uwe Mundlos dann glücklicherweise auch noch am Ort.

Vielleicht aber geht noch mehr: Die Bundesanwaltschaft hat jetzt angewiesen, die zusammengeknüllten Rotzfahnen zu öffnen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der kunstsinnige Uwe Mundlos auf die Zellstoffbahnen Tatortskizzen und kleine Tagebucheintragungen zu den Verbrechen seiner Terrorbande vorgenommen hat. "Unter Umständen", hofft ein Mitarbeiter der CSI Frühlingsstraße, "finden wir noch ein datiertes Bekennerschreiben im Inneren."


Ein Land schreibt einen Thriller:
NSU: Schreddern mit rechts
NSU: Softwarepanne halb so wild
NSU: Neues Opfer beim Verfassungsschutz
NSU: Im Namen der Nabe
NSU: Handy-Spur ins Rätselcamp
NSU: Brauner Pate auf freiem Fuß
NSU: Rufmord an den Opfern
NSU: Heiße Spur ins Juwelendiebmilieu
NSU: Eine Muh, eine Mäh, eine Zschäperättätä
NSU: Von der Zelle in die Zelle
NSU: Die Spur der Schweine
NSU: Gewaltbrücke zu den Sternsingern
NSU: Gebührenwahnsinn beim Meldeamt
NSU: Nun auch auf dem linken Auge blind
NSU: Die Welt ist klein
NSU: Verdacht auf Verjährung
NSU: Weniger hats schwer
NSU: Terrorwochen abgebrochen
NSU: Rechts, wo kein Herz schlägt
NSU: Was steckt dahitler?
NSU: Neue Spuren ins Nichts
NSU: Tanz den Trinitrotoluol
NSU: Der Fall Braun
NSU: Honeckers rechte Rache
NSU: Die Mundart-Mörder
NSU-Todeslisten: Sie hatten noch viel vor
NSU: Was wusste Google?
NSU: Kommando späte Reue
NSU: Die tödliche Bilanz des braunen Terrors
NSU: Mit Hasskappen gegen den Heimsieg
NSU: Mordspur nach Möhlau

Wer hat es gesagt?

Nirgendwo ist Sozialismus so schön wie im Kapitalismus.