Google+ PPQ: Februar 2009

Samstag, 28. Februar 2009

Wer hats gesagt?

"Die Menschen denken als Herde; man kann erleben, wie sie als Herde verrückt werden, während sie nur langsam, und nur einer nach dem anderen, wieder zu Sinnen kommen.”

Verbot der Woche: Hitler im Herzen

Der britische Prediger Richard Williamson hat sich jahrelang mit einem Talar getarnt, um seine verbotenen Gedanken zu bemänteln. Sein Landsmann, der englische Pop-Sopran Antony Hegarty, behauptet hingegen, schwul, dick und vielleicht sogar eine Frau zu sein, um ungestraft Lieder über die braune Brut singen zu können. Nachdem der Vorsteher der inzwischen von Amerika aus agierenden Gruppe "Antony And The Johnsons" bereits auf seinem Debütalbum bemerkte, er trage "Hitler in meinem Herzen", hat jetzt auch das Bundeszulassungsamt für Popmusiktexte (BuzPot) den fragwürdigen Song entdeckt und auf den Index gesetzt. Es handele sich bei der "süßlichen Ode" um ein "mit Klavierspiel und dynamischer Melodieführung" nur unzureichend "getarnten Versuch, ein jugendliches Popmusikpublikum aus der Mitte der Gesellschaft nach rechts" zu rücken. Da Hegarty es zudem verabsäumt habe, dem BuzPot vor der Veröffentlichung ein Textblatt vorzulegen, sei das illegale Herunterladen des Stücks, das unter anderem die Zeile "lalala la" enthält, aus dubiosen Quellen mit Ablauf des Monats Februar von Deutschland aus verboten, verfügte die Behörde.

Send "Hitler in My Heart" Ringtone to your Cell !!!

As I search for a piece of kindness
And I find Hitler in my heart

And he is whispering
"As sure as love will spring
From the Well of Blood in Vain, oh Jew!
The Well of Blood in Vain!"
La la la la la la

And I fell into a deeper precipice
With mouths of rapists
Jaws dropped down
Jaws dropped down
Jaws dropped

Don't punish me
For wanting your love inside of me
Don't punish me
For wanting your love inside of me

And I find Hitler in my heart
From the corpses flowers grow

And I find Hitler in my heart
From the corpses flowers grow

And I find Hitler in my heart
From the corpses flowers grow
Flowers grow
From the corpses flowers grow
Flowers grow

Donnerstag, 26. Februar 2009

Wer hat es gesagt?

"Langfristigkeit ist irreführend im Tagesgeschäft. Langfristig sind wir alle tot. Ökonomen machen es sich zu leicht, wenn sie uns in stürmischen Zeiten nicht mehr zu erzählen haben, als dass der Ozean wieder ruhig ist, wenn sich der Sturm gelegt hat"

Was stimmt hier nicht?

Schrecklicher Vorfall in Halle: "Der Anruf einer 14-Jährigen löste am Mittwoch um 12.14 Uhr bei der Polizei Großalarm aus: Sie sei von zwei maskierten Männern entführt, gefesselt und in einen Käfig gesperrt worden, sagte die Schülerin. Wo sie sei, wisse sie nicht, ergänzte sie. Dann endete das Gespräch abrupt."

Nachdem das Mädchen von einem Fußgänger gefunden worden war, konnte es mehr erzählen: "In der Nähe der Pulverweiden habe ihr jemand einen dunklen Sack über den Kopf gezogen und sie an einen anderen Ort gebracht, wo sie von zwei Männern mit Klebeband an den Händen und Füßen gefesselt worden sei."

"Der Fußgänger (hatte) das Mädchen gefesselt und mit dem Schal geknebelt in einem Anbau der ehemaligen Gaststätte (gefunden)."

Hajen: Sharks

Manchmal sitzen auf windigen Bühnen bei schlecht besuchten Pop-Festivals kleine, nicht ganz unscheinbare Lichtgestalten und spielen Lieder, wie man sie schon immer im Kopf hatte, aber nie singen konnte.
Sharks

Dienstag, 24. Februar 2009

Eene Handynummer und zwee Schachteln F6


Nebenan macht gerade Plus zu. Und bei Netto stehen sie deshalb doppelt an. Gransee, die Perle des Oberhavelkreises, im Winter 2009. An der Kasse drei lebendige Skinheads, wie sie außerhalb der Brandenburger Pampa nur noch in der Fantasie von Mittweidaer Oberschülerinnen und Passauer Polizeipräsidenten ihr glatzköpfiges Unheil treiben. Die hier sind überfällig. Einer trägt schon Versicherungsvertretermantel. Die anderen sind jünger, aber bester Laune.

"Was wollt ihr", fragt die Kassierein, ein rossmannschleckerblondes Mädchen, das in längst vergangener Zeit eine prächtige Brandenburger Bauersfrau abgegeben hätte. "Eene Handynummer und zwee Schachteln F6", sagt die kleinste Bomberjacke fröhlich. "Nee, Handynummer hamwa nich", höhnt das Kassenmädchen ohne eine Sekunde Nachdenken zurück. Routine im Netto Gransee, wo die Kunden immer noch ladenneue Einstrich-Keinstrich-Wattejacken aus NVA-Beständen auszuführen haben, wenn sie nicht lieber zur praktischen vietnamesischen Jogginghose greifen.

Draußen vor der Tür schauen vier langhaarige Jung-Granseer dem Untergang der Stadt zu. Wer hier nicht zum Baumverschneiden kommandiert ist oder im Bestattungsinstitut arbeitet, ist Tourist oder er läuft mit traurig gesenktem Kopf durch eine historische Innenstadt, der die Fördermittelmillionen aus jeder Pflasterritze quellen. Wenn das hier schon das Leben ist, was machen dann die Toten? Der Chef vom Fotoladen kennt sich aus: Ein USB-Kabel will die Dame aus Bayern? "Das kaufen Sie mal besser zu Hause", rät der Mann, "denn wenn es nicht das richtige ist, können Sie es ja nach dem Urlaub bei uns nicht mehr umtauschen!" Höflich und freundlich sind sie hier. USB-Kabel aber hat er eigentlich sowieso gar nicht. "Vielleicht bei Retzer?" Auf jeden Fall nicht bei Peter Schmidt, der einen Haushaltwaren- und Elektroladen mit Original-DDR-Leuchtreklame über der Tür betreibt. Die Leuchten funktionieren nicht mehr. Aber Schmidt weiß auch nicht, was das ist, ein USB-Kabel. "USB?" Der Mann wird zum Fragezeichen. USA kennt er. USB? Kabel immerhin hat er verstanden, und dafür gibt es hier, inmitten von angegrauten Kühlschränken, verstaubten Zimmerpropellern und Kisten unbekannten Inhalts, auch ein Regal.

Mit allerlei Elektrokabeln, laut Beschriftung sämtlichst ohne USB. "Nicht mal USA ist dabei", deutet Schmidt die Lücke im Angebot zum Triumph um. "Am besten, Sie gehen zu Retzer", empfiehlt er ein bisschen traurig, nicht seinetwegen, sondern wegen der Kundin. "Wenn ichs gehabt hätte, wärs nämlich billiger gewesen." Allerdings, freut sich der kundige Ladeninhaber, "ist es ja genau deshalb wahrscheinlich schon weg."

An der Ecke zum Markt, auf dem ein paar lustlose Pakistani seltsame Kopfbedeckungen anbieten, stehen ein paar ältere Männer beisammen. Kurz vor Retzer, bei dem eine rosmmannschleckerblonde Tresenkraft einem rüstigen Senioren gerade die Handykarte per SMS auflädt. Die Zukunft ist angekommen an der Oberhavel. USB-Kabel liegen hinten links. Draußen winken die älteren Männer dem Bofrost-Laster zu, der vorbeifährt und Kühlnahrung bringt. In Gransee sind null Grad.

Zwillinge, bei der Geburt getrennt





Heute eine besonders harte Nuss aus unserer "Wiedergeboren als"-Datenbank bzw. der "Heimliche Zwillinge"-Sammlung: Der eine hat viele Vornamen und der andere ist der neue deutsche Wirtschaftsminister. Nein, halt: Der eine druckt immer die Wahrheit und der andere ist Chefredakteur der Bild-Zeitung. Aber welcher ist welcher?

Leberwurst im Quittengelee


Vor manchen Gefahren wird man gerne und zu Recht gewarnt. Nachdem die Stiftung Warentest in vielen rein pflanzlichen Brotaufstrichen diverse Saumägen, Leberwürste und ganze Schnitzel in Mengen gefunden hat, welche die Höchstgrenzen teilweise um das 1000fache überstiegen, müssen die Hersteller jetzt darauf hinweisen, dass ihre ausschließlich aus Obst und Gemüse hergestellten Produkte außerdem vegetarisch sind.

Klabusterbären mit neuer CD am Start

Hardcore Hardcore

Das ist keine leicht Kost, schon gar nicht für alle Punks und Fans von Hardcore-Musik oder anderen Sachen, die manch einer bei bestimmten Praktiken mit dem Begriff Hardcore in Verbindung bringt. Ein Neonazi namens Timo S. hat sich den Namen Hardcore jetzt schützen lassen. Nachzulesen beim Deutschen Patent- und Markenamt. Nun hat Hardcore-Musik jedoch ihren Ursprung ausgerechnet in der linken Szene.
Der Nazi-Typ will übrigens Klamotten und Banner mit Hardcore-Aufdruck vertreiben. Nach Palästinenser-Tüchern und schwarzen Kapuzenjacken aus der linken Szene kommen die Rechten nun also auch noch mit Hardcore-T-Shirts zu ihren Demos.
Müssen sie jetzt nur noch ihre Gesinnung ändern. Dann können sie im linken Block mitlaufen.

Let your light in, babe

Hoppla

"Die Behandlung der Gefangenen in Guantanamo entspricht der Genfer Konvention - zu diesem Ergebnis kommt ein von Präsident Obama in Auftrag gegebener Pentagon-Bericht." Zum Glück ist Bush endlich weg.

Montag, 23. Februar 2009

Hier spricht der Experte

Walter Steinmeier, ehemals als "Frank" bekannter Spitzenkandidat der deutschen Sozialdemokratie für die Nachfolge der Klimarettung- und Wirtschaftsschutzschirmkanzlerin Angela Merkel, hat in einem Interview mit der "Financial Times" erstmals tiefe Kenntnis der derzeit in Deutschland geltenden Rechtsvorschriften für die Versteuerung von Aktiengewinnen eingeräumt. Um zum langfristigen Aktienbesitz zu ermutigen, schlug der derzeitige Außenminister vor, "könnte der Mindestzeitraum verlängert werden, währenddessen Investoren ihre Aktien halten müssen, um die Kapitalertragsteuer zu umgehen."

Steinmeier gab allerdings zu, dass die Bundesregierung "dies nur auf nationaler Ebene regulieren" könne. Was das Kabinett, dessen Teil Walter Steinmeier bislang zu sein vorgab, kürzlich getan hat: Zum ersten Januar diesen Jahres wurde die bis dahin geltende einjährige Haltefrist ersatzlos abgeschafft, seitdem müssen Aktionäre anfallende Kursgewinne versteuern, egal, ob sie die Aktien vorher zehn Minuten, zehn Monate oder 66 Jahre gehalten haben.

Verbot der Woche: Dänen werden wir es zeigen

Im Zuge der Austrocknung von Steueroasen und politisch nicht korrektem Humor zur Beseitigung der Finanzkrise (Fikri) sowie der Wirtchaftskrise (Wikri) hat die Bundesregierung erneut weitreicehnde Maßnahmen beschlossen. Auf Anregung von Elvi Presley, der nach dem Ende seiner Gesangslaufbahn lange als Tankstellenpächter in Naples, Florida, tätig war und seit Ende vergangenen Jahres nun unter dem Namen "Cem Özdemir" als Grünen-Chef dillettiert wird das Kabinett noch in dieser Woche ein Sendeverbot für dänische TV-sender in Deutschland beschließen. Elvis Özdemir hatte sich zuvor von den Oppositionsbänken besorgt geäußert, weil es seit letztem Freitag um 14.37 Uhr "antisemitische Denkweisen nicht nur am rechten Rand oder bei linken sogenannten Anti-Imperialisten gibt, sondern auch in der muslimischen Community - insbesondere bei männlichen arabischen, türkischen und kurdischen Jugendlichen". Das war zuvor nicht bekannt gewesen.

Als Ursache für diese verhängnisvolle Tendenz gilt die Sendung "Den 11. Time" im dänischen Fernsehen. Durch sie sind muslimische Jugendliche in Deutschland unterdessen dreimal so antisemitisch wie ihre deutschen Altersgenossen und die Angehörigen anderer Einwanderergruppen.

Nach Mallorca durften wir nicht

Während die deutschen Großdichter im Angesicht des herbeieilenden Mauerfalljubiläums voluminöse Traktate verfassen, in denen das richtige Leben im falschen und das falsche im richtigen wieder ins richtige Verhältnis gebracht werden sollen, begnügt sich derBerlinpankowblogger mit einer Einheitsminiatur. Nach der das Thema dennoch als gründlich und in allen Facetten abgearbeitet gelten darf. Das geht dann so:


Wie es sich denn so als Kommunist gelebt habe, damals, in der DDR, wollte neulich ein Kollege von mir wissen. Natürlich war das Thema Mauer und die Jahre, die seit ihr vergangen sind, der Auslöser. Nun, sagte ich zu ihm, das wisse ich nicht mehr so genau. Denn als Kommunist hätte ich nie so richtig gelebt, in der DDR. Oder würde er sich an seine Jugend als Kapitalist erinnern? Das wäre aber doch ganz was anderes, so könnte ich ihm nicht kommen, sprach er und wollte sich davonschleichen. Halt, sagte ich, ich war noch nicht fertig. Denn ich will erzählen, wie ich gelebt habe, damals in der DDR.

Ich war Musiker, ich war Schlosser, ich war jung, ich war verliebt. Ich hatte Freunde, und hab sie heute noch, ich hatte eine Jeans, eine Jeansjacke, eine Gitarre, lange Haare, Bart, fast jedes Wochenende mindestens ein Party. Ich hatte Glück, ich hatte Pech, ich hatte zwei Bands und viele Muggen (Mugge = MUsikalisches GelegenheitsGEschäft), ich war Trampen und Campen, wobei das damals immer Zelten hieß, ich hatte nen Walkman und ein Spulentonbandgerät. Manchmal war ich traurig, dann konnte ich gute Texte schreiben, dann war ich wieder glücklich, da konnte ich gut Musik machen. Ich ging zur Schule und in die Lehre, ich ging in die Kaufhalle und in die Kneipe. Ich trank gern Bier, Campa und Pfeffi, Klaren Juwel mit Quick-Cola gemischt, am liebsten mit Freunden und aus der Flasche. Ich war HFC-Fan und Fan von Deep Purple, ich hörte gern BAP, Herrn Kunze und Lift. Ich war auf Montage, in Schichten im Kraftwerk, ich stand an der Stanze, der Säge, am Fließband. Ich ging sehr gern schwimmen und rauchte viel Karo, manchmal auch Semper oder F6.Alles in allem, es war meine Jugend, eine Jugend, verdammt gut und schön. Auch wenn ihr im Westen das niemals verstehn wollt.

Da sprach mein Kollege: Nun gut, das hatte ich alles nicht. Aber wollte ich auch nicht. Denn ich durfte dafür nach Mallorca, nach Mallorca durftet ihr nicht. Und da musst ich ihm Recht geben. Nach Mallorca, nach Mallorca durften wir nicht.

Wer hat es gesagt?

"Ich möchte daran erinnern, dass bis jetzt noch kein Arschloch einen Krieg gewonnen hat, indem es fürs Vaterland starb. Gewonnen hat es ihn, wenn es dafür sorgt, dass die anderen Arschlöcher fürs Vaterland sterben."

Sonntag, 22. Februar 2009

Ausverkauf im Untergrund

Liebe Medienbekannte!

Zwei Frauen boten mir an, mal mit mir bei meinem Draußenschlafen (- was ich ja diesen ganzen Winter als extreme Demonstration einfachen und unabhängigen Naturlebens durchführe -) mitzumachen... Ist das noch eine Winterstory für Euch, bevor der Schnee wegtaut?... Öff mit 2 Frauen unter verschneiter Decke...

Euer Öff!Öff!

Ich grüße das Natürliche (Göttliche) Licht in Allen!
"das Öff!Öff!" alias Jürgen Wagner
Schenker-Bewegung

Wofür wir gern werben 2

Der Welt größtes Hirn hat nicht allzulange gebraucht, um die wahren Qualitäten unseres kleinen Ballett-Blogs PPQ zu erkennen: Tatsächlich, hier gibt es Dinge zu lesen, die sonst nirgendwo stehen, hier werden Tubas geblasen und Tabus besprochen, hier wird angeprangert und heute besorgt, was morgen schon verschoben sein könnte. Google, das Hirn im weltweiten Datennetz, beschickt uns über sein Adsense-Programm deshalb mit besonders exquisiten Werbeinhalten. Manchmal finanziert uns ein kleiner Textblock zum Thema Darmreinigung die auch nach der Abwrackprämie noch fehldenden Tausender zum neuen Saab, manchmal wird unseren Lesern prophylaktisch auch zu einem Anwaltsbesuch geraten, bei dem besprochen werden soll, wie strafbar es eigentlich ist, hier zu schmöckern. Für die, die danach immer noch wiederkommen, spendierte die Werbemaschine aus Kalifornien heute eine besonders spezielle Spezialität: Wer wollte, konnte sich über einen Link in der Werbespalte rechts außen zeitweise eine wunderhübsche Diebstahlverwaltung besorgen! Gibt es sonst nirgends, echt.

Haltet den Dieb!

Neue Erkenntnisse über die Ursachen der verheerenden Finanzkrise hat die frühere Klimakanzlerin Angela Merkel beim EU-Gipfer in Berlin zum Besten gegeben. Danach stehe nun fest, dass weder die von der US-Regierung Clinton forcierte stärkere Kreditvergabe an nicht-solvente Schuldner noch die weltweit verfolgte Politik des billigen Geldes, weder die unter staatlicher Führung mit amerikanischen Immobilien spekulierenden deutschen Landesbanken noch die dem Exportweltmeister Deutschland zu seiner wirtschaftlichen Stärke verhelfenden Ungleichgewichte im Welthandel waren, die die Krise auslösten. Vielmehr konnte die Physikerin aus Mecklenburg nachweisen, dass Steueroasen, Hedge Fonds und Rating-Agenturen die Verantwortung für den Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte tragen.

Nach den gut vierstündigen Gesprächen der Staats- und Regierungschefs der sechs größten EU-Wirtschaftsmächte im Kanzleramt sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag, Europa wolle durchsetzen, dass künftig alle Finanzmärkte, Finanzprodukte und Akteure einer lückenlosen Kontrolle und Aufsicht unterliegen. Als
Kontrolleure sind Experten wie DGB-Chef Sommer, Linken-Führer Lafontaine, SPD-Finanzzauberer Steinbrück, Narbengesicht Roland Koch, der Kurzzeit-SPD-Chef Matthias Platzeck, Beck-Putschist Frank-Walter Steinmeier, Straßenbauminister Wolfgang Tiefensee, CSU-Wurzelgesicht Michael Glos, Bärenpate Sigmar Gabriel, die rote Heidemarie Wieczorek-Zeul und dem grünen Gewerkschafter Frank Bsirske vorgesehen, deren segensreiches Wirken im Verwaltungsrat der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau große Erfolge zeitigte. Sollten diese Kräfte nicht ausreichen, könnten auch Politiker eingesetzt werden, die bislang erfolgreich die Aufsicht über die landeseigenen Landesbanken geführt hätten.

Ziel der EU sei es, so das verlorene Vertrauen in die Märkte wiederherzustellen. Merkel bezeichnete den Finanzgipfel der sechs EU-Staaten in Berlin als Erfolg. Wenn es jetzt noch gelänge, alle Steueroasen "auszutrocknen", das Steueroasen bekanntlich Hauptursache für die "Fikri" gewesen seien, sehe sie die Welt auf einem guten Weg. Ohne "Heuschrecken" (Franz Müntefering), Bankmanager und Steuerflüchtlinge werde die Wirtschaft schnell auf einen Wachstumspfad zurückfinden, zeigte sich Merkel optimistisch. Mit Hilfe von stärkerer Kreditvergabe an nicht-solvente Schuldner und durch eine weltweit zu befolgende Politik des billigen Geldes, unterstützt von Landesbanken, die unter staatlicher Führung mit amerikanischen Immobilien spekulieren, werde es rasch gelingen, den nächsten Aufschwung zu organisieren.

Zwillinge, bei der Geburt getrennt

Die Verschwörung nimmt Ausmaße an, die sogar uns Hohlweltlern von PPQ den Atem stocken lässt. Nachdem wir erst kürzlich enthüllen konnten, dass Morgan Freeman und Kofi Annan ein und dieselbe Person sind, unsere "Wiedergeboren als"-Datenbank und die "Heimliche-Zwillinge"-Sammlung also immer signifikanter und brisanter wurden, müssen wir heute schon wieder sagen: Wir werden von der herrschenden Neuschwabenland-Mafia verarscht, dass es nur so kracht. Stefan Gwildis, halb-erfolgreicher Nachahmer amerikanischer Soul-Größen, und TV-Arzt George Clooney sind identisch. Das heißt, um es kurz zu machen: Gwildis ist Clooney, der singt, während er eigentlich Dienst im OP-Raum schieben sollte. Bzw.: Clooney ist ein Sänger, der als Gwildis Erfolge im medizinischen Bereich feiert. Oder so. Jetzt müssen wir nur noch erkennen, worauf dieses ganze Vexierspiel hinausläuft. Wird schon irgend etwas mit der Abwrackprämie zu tun haben.

Samstag, 21. Februar 2009

Abwracken ohne Untermenschen

Klares Bekenntnis der Bundesregierung zur sozialen Gerechtigkeit: Manager werden keine Boni mehr bekommen, sobald der Staat sämtliche Banken übernommen hat. Im Gegenzug werden Hartz-4-Empfänger dafür von der Nutzung der Abwrackprämie ausgeschlossen. Wollen sie ihrem 17 Jahre alten Mazda 323 untr die Schrottpresse legen, dürfen sie das gern tun.
Die 2.500 Euro, die anschließend eigentlich im Tausch gegen einen funkelnagelneuen "Dacia" nach Rumänien überwiesen werden sollten, werden allerdings unbürokratisch als "Einnahme in Geldeswert" auf die sogenannte "Grundsicherung" angerechnet. Ein altes Auto verkaufen heißt so, knapp fünf Monate raus aus Hartz-4 und wieder auf eigenen Beinen stehen, berichtet die "Lausitzer Rundschau". Mit der Materie vertraute Kreise im Umfeld des Kabinetts ließen wissen, dass die Abwrackprämie nie als "Banker-Boni für Untermenschen" gedacht gewesen sei.

Wer hat es gesagt?

"Gut, dass Hitler nicht Kräuter heißt, sonst müsste man ihn mit »Heil Kräuter« grüßen."

Freitag, 20. Februar 2009

Datenbank für Nazi-Babys


Dass Minderjährige unter 14 Jahren in Deutschland straflos rauben, stehlen und morden dürfen, ist ja völlig in Ordnung. Dass sie jedoch verfassungsfeindliche Parolen rufen, Musik von Skinhead-Bands hören oder gar kleine Hitlerbilder in ihre Hausaufgabenhefte kritzeln könnten (unsere empörende Originalzeichnung links), ohne dass Vater Staat sie deshalb für alle Ewigkeit eine Sperrung als Lehrer oder Ordnungsamtsbeamter vormerken kann, geht so natürlich nicht. CDU/CSU, seit Jahren Verfechter von mehr Kinderrechten, möchten jetzt die Altersgrenze für die elektronische Speicherung personenbezogener Daten von bisher 16 Jahren auf 14 oder 12 Jahre, vielleicht aber auch sicherheitshalber auf sechs oder zwei Jahre absenken.

Mit der Regelung, die sich an der bewährten Altersgrenze des 1943 von Reichskanzler Adolf Hitler in Kraft gesetzten "Reichsjugendgesetzes" orientieren soll, werde eine bessere Überwachung terrorverdächtiger Minderjähriger erreicht, zitiert die "Berliner Zeitung" den innenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Hans-Peter Uhl. Gerade in Kindergärten und Vorschulen tummeln sich nach CDU-Erkenntnissen, erst recht zur Mittagszeit, zahllose "Schläfer".

Es solle jetzt auch nicht mehr lange über die Frage diskutiert werden, um Müter und Väter draußen im Land nicht unnötig aufzuschrecken. Noch vor der Sommerpause werde das Verfassungsschutzgesetz geändert. Auch die in Sachsen-Anhalt bisher praktizierte Regelung, die Daten einfach gegen alle Rechtsvorschriften zu speichern, wäre dann wieder in Ordnung.

Wirklichkeit ohne Welpenschutz

Vorm Rewe-Laden und am U-Bahnhof um die Ecke stehen sie eigentlich ab neun Uhr morgens. Und beim Döner sitzen sie abend um elf noch. Die Gesichter grau, die Hand an der Bierflasche, in der anderen eine Zigarette. Der Tag ist lang und leer und statt zu Hause zu sitzen, wo "Vera am Mittag" virtuelle Leidensgenossen vorführt, trifft der arbeitslose Mann Mitte 50 in Ostdeutschland lieber echte Menschen, die wie er von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Sie stehen da, die vier, fünf Männer in alten Jeans und Jogginghosen, Windjacken übergeworfen oder Anoraks an aus Länden, die es schon lange nicht mehr gibt. Sie schwatzen über Fußball und die Kumpels, die heute nicht da sind. Sie vertreiben sich die Zeit, die sowieso zu nichts anderem zu gebrauchen ist.

Eine erfundene Szene, natürlich, die wir - siehe oben - notgedrungen mit einem gestellten Bild unter Zuhilfenahme recht teurer Models illustrieren mussten. Ausgedacht hat sie sich der Junge-Union-Bundesvorsitzende Philipp Mißfelder, der sie so genau imaginierte, dass er anschließend der Ansicht war: „Die Erhöhung von 'Hartz IV' war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.“

Das ist allerdings gelogen. Es gibt sie nicht in Deutschland, die Arbeitslosen, die Bier trinkend bei Wind und Wetter beisammenstehen, die nichts anderes tun als Flaschen sammeln und Flaschen leeren, die mehr Geld für Zigaretten ausgeben als für hochwertige Bio-Kost. Rainer Brückers, Bundesvorstand der Arbeiterwohlfahrt, weiß das ganz genau. Mißfelders Beschreibung zeige “eine völlige soziale Inkompetenz“, ist der Experte sicher. Arbeitslose und Hartz-4-Empfänger tränken grundsätzlich keinen Alkohol, gebe man ihnen etwas mehr geld, tränken sie als logischerweise auch nicht mehr Alkohol. "Und das Rauchen schädlich ist", hätte Brückers beinahe noch gesagt, "wissen auch Arbeitslose schon lange."

Klar, dass Grüne und Jusos, traditionell eng verbunden mit dem Milieu der Flaschensammler und Kiosk-Trinker, sich dieser Kritik umgehend anschlossen. „Mißfelder ist ein Anschieber für diskriminierende Stimmungsmache. Seine Stammtischparolen gegen Arbeitssuchende sind unerträglich und müssen Konsequenzen haben“, sagte eine Brigitte Pothmer, die ihre Tätiogkeit als "Grünen-Arbeitsmarktexpertin" bislang hervorragend geheimgehalten hat. In acht Jahren politischer Tätigkeit bringt sie es auf 550 Erwähnungen in Google-News - immerhin doppelt so viele wie Pittiplatsch der Liebe, abstinenter Star des DDR-Fernsehens und Säulenheiliger unseren kleinen Eckensteher-Boards PPQ.

Pothmer kommt allerdings eher aus der Tierquäler-Ecke. „Als Wiederholungstäter dürfte ihm von seiner Parteiführung kein Pardon mehr gewährt werden" fordert sie Konsequenzen für den Verstoß Mißfelders gegen die gute deutsche Polit-Sitte, niemals und unter keinen Umständen auch nur daran zu denken, die Wahrheit zu sagen. Der "Welpenschutz ist abgelaufen“, bestimmte die Hundezüchterin.

Wie man von Goebbels lernt, den politischen Gegner zu besiegen, führt bei der Gelegenheit auch die Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel vor. „Alle 'Hartz-IV'-Empfänger zu Alkoholikern und Nikotinsüchtigen zu erklären, zeigt deutlich Mißfelders fehlende soziale Kompetenz und sein mangelndes Verständnis für die Probleme der Menschen“, lässt sich das Ex-Mitglied des Terroristenhilfsvereins Rote Hilfe e.V von der FAZ zitieren. Zwar hat Mißfelder mit keiner Silbe "alle Hartz-4-Empfänger" zu irgendwas erklärt noch überhaupt von Alkohol- oder Nikotinsucht gesprochen. Aber wie Goebbels lehrt, gehört es sich in einer anständigen politischen Auseinandersetzung, dass dem Gegner erstmal etwas angedichtet wird, was man hernach als absolut ungeheuerlich verurteilen kann, gern auch gleich verallgemeinernd: „Der Sozialchauvinismus der Jungen Union ist unerträglich“, urteilte Drohsel.

Da ist dann auch der DGB nicht weit, denn sich aus dem Fenster lehnen, wenn unten die Kameraleute stehen, hat noch nie geschadet. NRW-SPD-Generalsekretär Michael Groschek forderte erstmal ein „klare Entschuldigung“, ohne zu verraten bei wem und wie sie zu überbringen ist. Vor Rewe hier bei uns um die Ecke haben sie tagsüber gar kein "Phönix" an, auch MDR INfo läuft eigentlich kaum. Sein Kollege, ein DGB-Landesvorsitzender namens Guntram Schneider, machte es dann auch lieber globaler. Mißfelders Äußerung sei „unverschämt“. Sie zeige, „wie sehr Mißfelder Arbeitslose und 'Hartz-IV'-Empfänger verachtet“. „Mit solch einer Haltung qualifiziert man sich für den Stammtisch“, glaubt der Politiker, dem noch mitzuteilen wäre, dass es einer Qualifikation für den Rewe-Stammtisch (rechts neben dem Eingang) nicht bedarf. Man geht einfach rein, kauft ein Bier und stellt sich dazu.

Wer hat es gesagt?

Unser Verdienst ist es, daß die Zeit kommen wird, in der das Leben nicht mehr einfach ein Leben des Brotes und der Mühe sein wird, auch kein Leben des Müßigganges, sondern in der das Leben Kunstwerk-Leben sein wird. ... Es wird kein Wettlaufen mehr nach Besitz und Prestige geben. Die Menschen werden in lyrischer Inspiration, Originalität, musikalischer Eleganz, Überraschung, Fröhlichkeit und geistiger Elastizität wetteifern.

Zu Besuch im Märchenland

nun weist argentinien den piusbruder-sektenbischof williamson aus. weil der "die argentinier, das jüdische volk und die gesamte menschheit" beleidigt habe. ...dass sich die komplette westliche welt seit wochen mit diesem oppa beschaeftigt, der seit jahrzehnten daran glaubt, dass die ersten menschen aus angeruehrtem lehm gefertigt waren und der nun auch der ansicht ist, die nazis hätten keine juden umgebracht...

etwas surrealeres als das und den unfehlbaren stellvertreter, der sich fuer seine fehler entschuldigen soll, habe ich noch nicht erlebt. was ein maerchenland, unsere zeit. da muss man dem lynchenden, arabischen mob im vergleich sogar bescheinigen, aus relativ vernuenftigen leute zu bestehen.

Petition der Kerzenmacher

War das eine Aufregung im Hohen Hause! Angeführt vom Minderjährigen-Liebhaber Daniel Cohn-Bendit empörte sich das Europäische Parlament durch vorzeitiges Verlassen des Saales über die Rede des Tschechen Vaclav Klaus, derzeit amtierende EU-Ratspräsident. Was Klaus sagt, ist nicht falsch, aber die Abgeordneten flüchten dennoch entsetzt, "wütend werden Fäuste geschwungen" notiert die "Financial Times", der als "roter Dani" im Barrikadenkampf erfahrene Grüne Daniel Cohn-Bendit, inzwischen Fraktionsvorsitzender von irgendwas in Brüssel, erinnerte sich bis in die Gründungstage der EU zurück: "In diesem Haus wurde noch nie eine in der Substanz bessere Karnevalsansprache gehalten."

Fehlte nicht viel, und die ehrwürdigen Volksvertreter hätten "Klaus raus" gerufen. Denn das darf ja keiner: Ihr Europa der Bürokraten mit der Sowjetunion vergleichen, ihnen sagen, dass es die Politik der Regierungen war, die den baken erst die Gelegenheit gab, sich mit Milliarden und aber Milliarden zu verzocken. Da deutsche Qualitätszeitungen mit Sicherheit zu dünn sein werden, um Vaclav Klaus´ Rede von ein paar Sätzen abgesehen zu zitieren, hier die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Die gesamte Rede steht dann hier.

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren,

den Status quo, d.h. die gegenwärtig vorhandene institutionelle Anordnung der EU, als ein für alle Male nicht kritisierbares Dogma zu betrachten, ist ein Irrtum, der sich leider immer mehr verbreitet, obwohl es im absoluten Widerspruch sowohl mit der rationellen Denkweise als auch mit der mehr als zwei Jahrtausende dauernden Geschichte der Entwicklung der Europäischen Union ist. Ebenso ein Irrtum ist die a priori postulierte, und deshalb ebenso nicht kritisierbare Annahme über eine einzige mögliche und richtige Zukunft der Entwicklung der europäischen Integration, die in der „ever-closer Union“ oder in dem Fortschreiten der immer tiefer gehenden politischen Integration der Mitgliedsländer besteht.

Weder der vorhandene Zustand, noch das Postulat der Unbestreitbarkeit des Beitrags einer ständigen Vertiefung der Integration sind für einen europäischen Demokraten unanzweifelbar bzw. sollten nicht unanzweifelbar sein. Ihr Erzwingen durch diejenigen die sich – mit den Worten des berühmten tschechischen Schriftstellers Milan Kundera gesprochen – als „Besitzer der Schlüssel“ zur europäischen Integration sehen, ist unannehmbar.
...
Das heutige System des Entscheidens in der Europäischen Union ist etwas anderes, als das von der Geschichte geprüfte und in der Vergangenheit erprobte System der klassischen parlamentarischen Demokratie. In einem normalen parlamentarischen System gibt es einen Teil der Abgeordneten, der die Regierung unterstützt und einen oppositionellen Teil. Doch das ist im Europäischen Parlament nicht der Fall. Hier wird nur eine Alternative durchgesetzt und wer über andere Alternativen nachdenkt, wird als Gegner der europäischen Integration angesehen. In unserem Teil Europas lebten wir noch bis vor kurzem in einem politischen System, in dem jegliche Alternative unzulässig war und wo es aus diesem Grund auch keine parlamentarische Opposition gab. Wir haben die bittere Erfahrung gemacht, dass dort, wo es keine Opposition gibt, die Freiheit verkommt. Deshalb muss es politische Alternativen geben.

Und nicht nur das. Die Beziehung zwischen den Bürgern eines Mitgliedslandes und den Repräsentanten der EU ist keine normale Beziehung zwischen einem Wähler und dem Politiker, der ihn vertritt. Zwischen den Bürgern und den Repräsentanten der Union existiert ein Abstand, der wesentlich größer ist, als innerhalb der einzelnen Mitgliedstaaten. Dies wird mit verschiedenen Begriffen bezeichnet: Demokratiedefizit, der demokratische Accountabilitätsverlust, Entscheidungen nicht durch Gewählte sondern Auserwählte, Bürokratisierung der Entscheidungsprozesse, usw. Die Vorschläge zur Änderung des heutigen Zustandes, die in der abgelehnten Europäischen Verfassung oder in dem von der EU Verfassung nur gering abweichenden Vertrag von Lissabon enthalten sind, würden diesen Defekt nur vergrößern.

Mit Bezug auf die Nichtexistenz eines europäischen Volkes stellt auch eine eventuelle Stärkung der Rolle des Europäischen Parlaments keine Lösung für diesen Defekt dar. Im Gegenteil. Es würde das Problem nur verstärken und würde zu einem noch größeren Gefühl der Entfremdung der EU-Bürger von den Institutionen der Union führen. Weder das weitere Anfachen des Feuers unter dem „melting pot“ des bisherigen Typs der europäischen Integration, noch die Unterdrückung der Rolle der einzelnen Mitgliedstaaten unter dem Motto einer neuen multikulturellen und multinationalen europäischen bürgerlichen Gesellschaft sind eine Lösung dafür.

Ich befürchte, dass die Versuche, die Integration immer weiter zu beschleunigen und zu vertiefen und die Entscheidungen über die Lebensbedingungen der Menschen in den EU-Ländern in immer größerem Umfang auf europäische Ebene zu verlagern, in der Folge alles Positive gefährden könnten, was in den letzten 50 Jahren in Europa erreicht worden ist. Wir sollten deshalb die Befürchtungen der Menschen in verschiedenen Mitgliedsländern, dass über ihre Angelegenheiten wieder wo anders und ohne sie entschieden wird und dass ihre Möglichkeit diese Entscheidungen zu beeinflussen, nur sehr begrenzt sind, nicht unterschätzen. Lassen wir also nicht zu, dass eine Situation eintritt, in der die Bürger der Mitgliedstaaten mit dem Gefühl der Resignation leben müssen, dass das Projekt der Europäischen Union nicht ihr Projekt ist.

Das hängt auch mit der Frage der Prosperität eng zusammen. Es muss offen gesagt werden, dass das heutige wirtschaftliche System der EU ein System des unterdrückten Marktes und der kontinuierlichen Stärkung der zentralen Lenkung der Wirtschaft ist. Und obwohl uns die Geschichte mehr als ausreichend gezeigt hat, dass der Weg nicht in diese Richtung führt, begeben wir uns heute erneut auf diesen Weg. Das Ausmaß der Einschränkung der Spontaneität der Marktprozesse und das Ausmaß der politischen Reglementierung steigen ständig. Zu dieser Entwicklung trägt in den letzten Monaten auch die falsche Interpretation der Ursachen der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise bei; als ob diese der Markt verursacht hat, während die wahre Ursache das Gegenteil ist: nämlich die politische Manipulation des Marktes. Und so muss erneut an die historische Erfahrung in unserem Teil Europas erinnert werden und an die Erkenntnisse, die wir aus dieser Erfahrung gezogen haben.

Vielen von Ihnen ist der französische Volkswirt Frédéric Bastiat und dessen berühmte Petition der Kerzenmacher bekannt. Sie gehört heute zu den kanonischen Lehrbuchtexten, die die Absurdität der politischen Einmischung in die Wirtschaft zeigen. Am 14. November 2008 erhörte die EU-Kommission nicht
Bastiats fiktive, sondern eine wirkliche Petition der Kerzenmacher und erhob auf die aus China importierten Kerzen einen Zoll von 66 Prozent. Ich würde nicht glauben, dass ein 160 Jahre alter literarischer Essay Wirklichkeit werden konnte, aber es ist so. Wirtschaftliche Rückständigkeit und Verlangsamung, wenn nicht sogar Stillstand des Wirtschaftswachstums Europas sind die notwendigen Folgen der umfangreichen Einführung solcher Maßnahmen. Die Lösung besteht einzig und allein in Liberalisierung und Deregulation der europäischen Wirtschaft.

Ich möchte an die Grundprinzipien erinnern, auf deren Grundlage die europäische Zivilisation seit Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden gebildet ist. Das sind Prinzipien von zeitloser und universeller Gültigkeit, die deshalb auch in der heutigen Europäischen Union gelten sollen. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Bürger der einzelnen EU-Länder Freiheit, Demokratie und Prosperität wünschen.

Offensichtlich am wichtigsten in diesem Augenblick ist aber das Erfordernis, die freie Diskussion über diese Dinge nicht für einen Angriff auf den Gedanken der europäischen Integration an sich zu halten. Wir waren immer der Meinung, dass die Möglichkeit über diese wichtigen Fragen diskutieren zu dürfen, gehört zu werden und jedem den Raum zur Darlegung einer anderen als der „einzig richtigen Meinung“ einzuräumen, eben jene Demokratie ist, die uns über vier Jahrzehnte hinweg verwehrt worden war. Wir haben uns durch diese unfreiwillige Erfahrung während eines großen Teils unseres Lebens überzeugt, dass der freie Austausch von Meinungen und Ideen die Grundvoraussetzung für eine gesunde Demokratie ist. Wir glauben, dass diese Prämisse auch in der Zukunft geachtet und respektiert wird.

Die Gentlemen bitten zur Kasse

Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker, der Solidaritätszuschlag der Kuss des Volkes für seine Regierung. Vorübergehend seit 18 Jahren zahlt jeder Bundesbürger die Steuer auf seine Steuern, um den Osten in "blühende Landschften" zu verwandeln. Dieses Jahr ist Gartenschau in Aschersleben, Zeit, Solidarität ganz neu zu lebe.

Etwa durch einen vorübergehend erhobenen "Krisen-Solidaritätszuschlag", der durch Abschöpfung von Kaufkraft helfen könnte, die Finanz- und Wirtschaftskrise weiter zu vertiefen und sie damit abzukürzen. "Wir brauchen einen Krisen-Soli", verriet der weiten Teilen der Bevölkerung bislang unbekannte "SPD-Haushaltsexperte" Florian Pronold dem Wirtschaftsmagazin "Bild". Dabei müsse aber darauf geachtet werden, dass das Volk mden Eindruck bekomme, diesen müssten vor allem Vermögende zahlen. Auch der seit Jahrzehnten glücklos auf einen Spitzenposten bei der SPD lauernde Ottmar Schreiner findet das gut. Die Wirtschaftskrise sei ein historischer Sonderfall, da gehöre es sich einfach, nach einer neuen Vene zu suchen, um vom Volkskörper noch etwas mehr abzuzapfen als bisher.

Auch der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick ist laut "Bild" derselben Meinung: "Wir brauchen einen neuen Solidaritätsbeitrag, damit die Krisen-Schulden nicht zulasten der Schwachen gehen." Breite Schultern müssten mehr tragen und gerade bei den deutschen Durchschnittsverdienern sei bei einer derzeitigen Abgabenquote von rund 50 Prozent noch eine Menge zu holen.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Bahn mit 80 Jahren Verspätung

Die Bahn kommt - zu spät. Diesmal jedoch planmäßig. Vom 1. März bis zum 13. Juni ist die Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin-Hamburg (angeblich 230 km/h) gesperrt. Grund sind 250.000 morsche Dielen, oder auch Schwellen, wie die gelernten Schienenstrang- und Gleisbaufacharbeiter diese nennen. Sie sind zu schwach, um das Tempo weiter auszuhalten.
Deshalb fahren die ICE-Züge 105 Tage einen Umweg über Stendal und Uelzen, teilte der Konzern heute mit.
"Da dies keine Hochgeschwindigkeitsstrecke ist, kommt es dabei zu einer verlängerten Fahrzeit von etwa 40 Minuten", so ein Bahn-Sprecher vor versammelter Journaille in der Berliner Firmenzentrale. Statt wie bisher eine Stunde und knapp vierzig Minuten, dauert die Fahrt zwischen den beiden größten deutschen Städten nun etwa zwei Stunden und zwanzig Minuten. Dafür gibt es einen kostenlosen Imbiss (1. Klasse), einen kostenlosen Snack (2. Klasse) sowie ein kostenloses Kaltgetränk und kostenlose Zeitungen in beiden Klassen. Das ist doch was, da macht das Bahnfahren wieder Spaß. Und 40 (in Worten: vierzig) Minuten, was ist das schon? Eigentlich nichts, denkt man dabei im Einzelfall.
Nun fahren jedoch täglich 10.000 Reisende diese Strecke. In der Woche die Pendler, also die verarmten Manager und Regierungsbeamten, die sich Lufthansa nicht leisten können oder dürfen, und am Wochenende die Hamburg- und Berlinbesucher. 10.000 Kunden täglich. Das sind bei 40 Minuten längerer Fahrt (nach oben offen) schon einmal 400.000 Minuten Verspätung für alle Reisenden. 105 Tage soll diese Baumaßnahme dauern, macht ergo (400.000 mal 105 Tage) 42 Millionen Minuten, dividiert durch 60 gleich 700.000 Stunden, gleich 29.166 Tage. Neunundzwanzigtausendeinhundertundsechsundsechzig Tage. Das sind 79,9086758 JAHRE. Wollen wir nicht kleinlich sein - 80 Jahre.
Die Bahn kommt also während dieser Bauzeit 80 Jahre zu spät und bietet den Mitreisenden Kunden dafür einen Snack und ein Kaltgetränk an. Hut ab.

Einfach mal zum Affen machen

Riesiger Rassismus-Skandal in den USA! Eine Karikatur sorgt für helle Aufregung bis in deutsche Fachorgane für guten Geschmack wie die Bild-Zeitung. Grund: Sie stellt eine Verbindung zwischen einem toten Schimpansen und dem ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush her. Jetzt hagelt es Rassismus-Vorwürfe!

Die "geschmacklose Karikatur" (Bild) zeigt George Bush mit Affengesicht, weitere Bush-Affen-Bilder gehen seit Wochen im Internet unter Hand herum. Der Bürgerrechtler Al Sharpton sieht darin einen rassistischen Angriff auf Bush. Er werde mit einem Schimpansen gleichgesetzt, wie dies in der Vergangenheit häufig mit Afro-Amerikanern geschehen sei. Auch auf der Website der liberalen „Huffington Post“ kritisierten Leser die Karikatur als rassistisch und geschmacklos, hat sich "Bild" ein Bild gemacht. „Schlimmstenfalls vergleicht sie den Präsidenten mit einem wild gewordenen Schimpansen“, heiße es dort. Es sei bekannt, dass "Affe" ein Schimpfwort für dunkelhäutige Amerikaner ist.

So zitiert das bekannte deutsche Bürgerrechtsorgan "Die Zeit" den Pfarrer Al Sharpton, der fast wie bestellt befindet, die Karikatur sei "bestenfalls Besorgnis erregend, wenn man die Geschichte rassistischer Attacken auf Afro-Amerikaner bedenkt". Bush war zwar nach allem, was über ihn bekannt ist, nie Afroamerikaner, sondern früher alkoholsüchtig. Doch Barbara Ciera, die Vorsitzende der Vereinigung schwarzer Journalisten, teilt die "Zeit" mit, habe auch entsetzt geurteilt, "das sei nichts anderes als rassistischer Blödsinn". Der Pressesprecher des Weißen Hauses wollte zu der Kontroverse keinen Kommentar abgeben.

Legal, illegal, scheißegal

Kinder unter 14 sind in Deutschland nicht strafmündig, ihre Daten dürfen auch nicht in den diversen Datenbanken von Polizei und Verfassungsschutz gespeichert werden, weil nach Ansicht des Gesetzgebers jüngere Menschen die Folgen ihrer Handlungen noch nicht überblicken. Kinder müssen daher nicht die Verantwortung übernehmen, wenn sie Diebstähle begehen, rauben, schlagen oder morden.

Auch in Sachsen-Anhalt gilt das. Ausgenommen, ein 11-Jähriger im westlichsten der Ost-Bundesländer malt etwa ein Hakenkreuz an eine Schulmauer oder sein Hausaufgabenheft. Dann gilt für ihn kein Recht und kein Gesetz mehr: Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalts speichert schon seit zwei Jahren auch alle Daten von Tätern unter 14, um künftige Staatsfeinde von Anfang an im Auge zu behalten. "Probehalber", wie es hieß, um den Gesetzesbruch der Gesetzeshüter wenigstens ein bisschen zu tarnen.

Holger Hövelmann, ehemals NVA-Offiziersanwärter und heute als Innenminister des Landes verantwortlich für die gesetzwidrigen Speichermaßnahmen, ist eigentlich der Ansicht: „die Arbeit des Verfassungsschutzes darf keinen Zweifel daran entstehen lassen, dass diese Behörde ihren gesetzlichen Auftrag unter genauester Einhaltung der vom Gesetzgeber vorgegeben Grenzen erfüllt.”

Natürlich hat der Geheimdienst mit der illegalen Speicherung der Kinder-Daten genau das Gegenteil getan und das Verfassungsschutzgesetz, das eigentlich seine Arbeit regeln sollte, insgeheim ganz offen gebrochen. Der ertappte Hövelmann hat unterdessen angewiesen, dass alle illegal elektronisch gespeicherten Kinder-Daten zu löschen sind. Die Datenbestände werden nun zuvor ausgedruckt und in Papierakten abgelegt. Das ist gesetzeskonform. Und gibt den Behörden später auch die Möglichkeit, unter Stellenbewerbern Kandidaten auszusieben, die mit elf oder 13 Jahren staatsfeindliche Tendenzen haben erkennen lassen.

Sundermann, geh du voran

Wohin geht es Staatssekretär mit 51-Jahren? An die vorderste politische Front, in ein Parlament, in die Wirtschaft? Mag sein. Manchmal aber auch einfach in den vorläufigen Ruhestand.

Vertrauen ist gut, Gülle ist besser


Immer mehr Gewalt von Neonazis, immer mehr Schwachsinn in der Zeitung: Mitte vergangenen Jahres vermeldete der "Tagesspiegel" überraschend wie immer, dass "die Rechtsextremisten in Deutschland im ersten Halbjahr erheblich mehr Straftaten begangen" hätten "als bisher bekannt". Die Polizei, so die harten Fakten, "registrierte von Januar bis Juni insgesamt 10.655 Delikte", wußte der "Tagesspiegel" von der Linksfraktion im Bundestag, die es vom Bundesinnenministerium erfahren hatte.

Nur fünf Monate später der nächste "traurige Rekord", diesmal von der Frankfurter Rundschau gemeldet: "Deutschland steuert auf einen Höchststand bei rechtsextremistischen Straftaten zu", hieß es völlig überraschend im Dezember. Im Vergleich zum Vorjahr sei "die Zahl der registrierten Fälle auf 11.928" gestiegen - ein "neuer Rekord" wie immer und "fast 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum".

Aber erstaunlicherweise doch nur noch 1.300 Delikte mehr als zum Halbjahr. Der rechte Terror war quasi in sich selbst zusammengebrochen: Im ersten Halbjahr noch mehr als 10.000 Fälle, in den ersten drei Monaten des zweiten nicht mal 1.500 - ein schöner Erfolg der nimmermüden Demokratisierungsbemühungen der Bundesregierung.

Mochte man meinen. Doch der nächste Rekord ließ nicht lange auf sich warten. Kaum hatte der "Spiegel" nach einem Blick ins eigene Archiv festgestellt, dass er den Rekord bereits mit 18.000 rechten Untaten für das Jahr 2006 festgeschrieben hatte, vermeldete die "Tagesschau" wieder, dass 2008 einen neuen Rekord mit zirka 14.000 rechten Untaten gebracht habe.

Was folgt, ist Stille Post auf höherem Niveau: Während uns die Tagesschau-Redaktion wissen lässt, dass der "Kollege, der den Artikel recherchiert hat", nicht im Hause sei, verweist der "Focus" darauf, dass Zahlen und Wertung von DPA ins Haus geschneit seien. Damit handele es sich um "Agenturmaterial, dem primär zu vertrauen ist" (Focus). Bei DPA allerdings fühlt man sich auf der sicheren Seite. Alle Zahlen seien vom Innenministerium bestätigt worden. "Nur der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die Einschätzung, dass sich die Zahlen auf Rekordniveau bewegen, nicht von uns, sondern von tagesschau.de stammt."

Da sind wir nun eine ganze Runde rum und immer noch dumm: 14.000 ist mehr als 18.000, amtlich. Und der zuständige Mathematiker ist nicht im Hause. Der Tagesschau-Chef schwört stellvertretend, dass "das Bundesinnenministerium jeden Monat diese Zahlen auf Anfrage neu heraus"gebe. Es handele sich "also nicht um einen alten Bericht, sondern um Zahlen und Fakten, die wir beim Innenministerium neu recherchiert haben."

Neu recherchiert also. Wir verstummen in Ehrfurcht vor dem Leitmedium, das solches vermag. Und lesen Netzwerkrecherche mit weiteren, noch grausameren Zahlen.

Von Berliner Polizisten lernen heißt flüchten lernen

Laut Polizeigewerkschaft tragen in Berlin "mehrere Tausend Täter" Waffen wie "Stahlruten, Schlagstöcke, Stichwaffen in allen Formen, viele sogar Schusswaffen. Die Waffenkammer rauf und runter." Angriffsziel der Täter: Polizisten. Das unterscheidet Berlin von bayern. Denn während in Passau nur einzelne Beamte Opfer von Angriffen werden, gab es allein 2007 knapp 3300 angezeigte Attacken und Körperverletzungen auf Polizisten. Die wahren Zahlen seien mindestens doppelt so hoch, sagt die Gewerkschaft. Ein Innenexperte der Berliner CDU sah gar Polizeibeamte, "die aus Hintereingängen flüchten mussten, weil sich Leute vor der Wache versammelten." Gar keine schlechte Idee. Da können bayerische Beamte von den Berliner Kollegen noch lernen. Der Weg durch den Hinterausgang hätte vielleicht auch Alois Mannichl die Lebkuchenmesserattacke erspart.




Polizeihelm Marke "Kreuzberger Nächte"

Mittwoch, 18. Februar 2009

Immer mehr weniger, dafür immer weniger mehr

Um Ordnung in die Debatte um die Zahl rechtsextremer Straftaten in Deutschland zu bringen, wenden wir uns den amtlichen Bekanntmachungsblättern zu und rekapitulieren die wichtigsten Daten und Fakten.

1.) 2006 wurde mit mehr als 18 000 rechtsextremen Delikten ein Rekord erreicht, der vom "Spiegel" als "Höchststand ... seit der Wiedervereinigung 1990" gefeiert wurde. Im gleichen Text hieß es: "Damit (wurde) der bisherige Rekord von 2005 mit 15 914 gemeldeten Straftaten noch übertroffen ...; im Vergleich zu 2004 mit 12 553 bekannten Delikten betrage die Zunahme sogar knapp 50 Prozent."
2.) Nur ein Jahr später war laut "Hamburger Abendblatt" die Zahl der Straftaten von mehr als 18 000 um rund 400 auf exakt 17 176 für 2007 abgesunken.
3.) Von dieser positiven Entwicklung erholte sich Deutschland jedoch rasch, so dass schon vorgestern die "Schwäbische Zeitung" und ungefähr alle anderen Medien des Landes einen neuen Höchststand für 2008 vermelden konnten. Von mehr als 18 000 und später 17 176 kletterte die Zahl der Delikte unaufhaltsam auf fast 14 000.

Alle Angaben wurden von den Platschquatsch-Statistikern der dpa nachgerechnet und für richtig befunden.

Kalt ist das neue warm

Dass es schlimm werden würde mit der Klimakatastrophe, das haben wir immer gewusst. Mehr Extreme, mehr Trockenheit, mehr Nässe, mehr Stürme und Windstille, mehr Hitze und deutlich weniger Winter, auf all das waren wir vorbereitet.

Dass es dann aber so kommen würde, haben selbst die Experten beim Deutschen Wetterdienst nicht geahnt: Der Januar 2009 war als erster Monat der gesamten Menschheits- und Erdgeschichte zugleich zu warm und zu kalt! Gut, dass es die Umweltprämie gibt, die den zuletzt nahezu zum Erliegen gekommenen Autoabsatz kräftig ankurbelt und Deutschlands Kampf um eine nachhaltige Klimaerwärmung ein gutes Stück nach vorn bringt.

Großküchen unter Volldampf

Zwei plus zwei ist zweiundzwanzig, 14 ist mehr als 17 und dreimal drei ist Scheune. Anschließend mach ich mir die Welt, wie sie mir gefällt, so singt es alleweil aus den Großküchen der deutschen Qualitätsmedienhäuser, in denen Nachrichten gebacken werden, indem einer vom anderen klaut, was der sich gerade nach einem recherchierenden Blick aus dem Bürofenster ausgedacht hat.

Immer gern genommen werden tautologisch "neue Rekorde" genannte Wasserstände bei rechtsextremen Straftaten. Dabei ist es mittlerweile an der Tagesordnung, dass ein Leitmedium sich eine Zahl ausdenkt, die dann von allen anderen kritischen Redaktionen besinnungslos und ohne überflüssige Recherchen übernommen wird: Als die Frankfurter Rundschau im Dezember verdienstvoll eine "neue Rekord"-Runde initiierte, stimmte das zwar nicht. Aber die Medienrepublik zitierte sich eine Woche wund an der neuen Rekordzahl von 14.000 rechtsextremen Straftaten - dass im Jahr zuvor 17.000 gezählt worden waren, merkte dann immerhin der "Spiegel", der es sogar mutig vermeldete.


Doch kein Chor, nirgends, diesmal. Die Hamburger Meinungsmacher blieben allein mit ihrer Fehlermeldung. Alle anderen setzten darauf, dass sich sowieso niemand irgendwelche Nazi-Gewalt-Zahlen merken kann, da ja im Monatsrhythmus neue Rekorde gemeldet werden.

Und da sind sie schon! Ganz ohne neue Zutaten wärmte die "Tagesschau" die schwer angeschimmelte Mär vom neuen Rechts-Rekord entschlossen noch einmal auf. Die allgegenwärtige Deutsche Presseagentur sprang eilig hinzu und die Großküchen überall im Land gingen blitzartig unter Volldampf. 121 deutsche Medienhäuser (nach Google News) bliesen den Nazi-Zahlen-Schwachsinn vom Dezember noch einmal im Chor hinaus ins Land, als sei auf der dunklen Seite des Mondes eine kostenlose Armenspeisung mit Atomofen entdeckt worden.

Unser kleines Rekordliebhaber-Blog PPQ hat selbstverständlich nachgefragt. Die Tagesschau teilte uns darob schon nach sieben Nachfrage-Mails bürgerfreundlich mit, dass "der verantwortliche Redakteur" heute nicht im Hause sei. Wir würden dann von dem Kollegen hören. DPA lässt wissen, dass man prüfen und sich bei uns melden werden. Keine Antwort gibt es von der lesernahen Süddeutschen Zeitung, bei der unsere Mails laut Read-Melder immerhin zweimal gelesen wurden.

Wenigstens der "Focus", online mittendrin im Rekord-Fieber, ließ uns inzwischen wissen, wie deutscher Journalismus kocht, backt und den ewig gleichen Einheitsbrei kollektiv abschmeckt: "Der von Ihnen angesprochene Artikel beruhte auf Agenturmaterial, dem primär zu vertrauen ist. Inzwischen ist er jedoch offline, weil er aufgrund der fehlerhaften Zahlen unhaltbar war."

Highway to Halle

Dienstag, 17. Februar 2009

Mehr war nie weniger

Gibt es schon nichts Neues vom Fall Alois Mannichl, weil die mutmaßlich rechtsextremen Täter immer noch auf der Flucht vor der 50-köpfigen Sonderkommission "Lebkuchenmesser" sind, so weiß die "Tagesschau" immerhin Angegrautes von den rechtsextremen Straftaten im Allgemeinen zu berichten. Wie die "Frankfurter Rundschau" kurz vor Weihnachten brühwarm aus dem Innenministerium zu berichten wusste, steuert Deutschland 2008 auf einen "neuen Rekord" der rechtsextremen Straftaten zu. Die "Frankfurter Rundschau" landete einen Volltreffer, aus dem alle anderen deutschen Zeitungen eine schöne Schlagzeile bauten. Dass der "Spiegel" zwei Wochen später doch mal nachgerechnet hatte und so wie PPQ zum Schluß kam, dass der Rekord ein rein virtueller ist, der nur unter Mißachtung der historischen Datenreihe als solcher verkauft werden konnte, fiel weiter nicht auf - alle anderen Zeitungen, die die "FR" zitiert hatten, taten einfach weiter so als ob.

Sechs Wochen später schlägt nun die Stunde der öffentlich-rechtlchen Rechercheure, die sich dieselben vorläufigen Zahlen, die schon die "FR" als Ausgangspunkt ihrer fröhlichen Nazi-Flunkerei genommen hatte, mangels Zugang zum eigenen Archiv nochmal aus dem Innenministerium haben durchreichen lassen. Prompt ist er auch schon wieder da, der "Rekord" mit den fast 14.000 rechtsextremen Taten, die nach ARD-Arithmetik weit mehr sind als die seinerzeit für das Jahr 2007 vom Bundesinnenministerium gemeldeten 17.600.

Wird es jemand merken? Wird es jemand merken wollen? Wird es die Qualitätsmedien beim Zitieren stören? Wird der Schwindel auffliegen? Man ahnt es, weiß es aber nicht. Doch Ende März schon kommen die endgültigen Zahlen. Und mit ihnen garantiert der nächste "neue Rekord".

Zu Gast im Knast

Die Gentlemen baten zur Kasse, wurden aber kurz darauf schon beim Automatendaddeln in einer Spielhalle am Westrand der Lüneburger Heide gefasst. Die Zwillinge, die aus dem Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe Schmuck und Uhren im Wert von mehreren Millionen gestohlen hatten, wurden heute zurück nach Berlin gebracht. Die BZ berichtet jetzt, was den beiden 27-jährigen Arabern aus Rotenburg bei Bremen im deutschen Hauptstadtknast droht: Zu Gast bei Freunden werden sie sein, die ihnen morgen früh Brot und Schwarzen Tee aus dem "Speiseplan Kostform Moslem" servieren werden.

Angela wird eingezogen

Eben noch bot uns der Münzversand MDM wegen der herausragenden Verdienste unseres kleinen Kanzlerinnen-Blogs PPQ um die Würdigung der Arbeit von Frau Dr. Angela Merkel an, uns ein Exemplar der äußerst raren Ehrenprägung "Angela Merkel" zuzusenden. Das sei "reinstes Gold, das sich jeder leisten kann", stellten die Experten klar, und dazu eine "Exklusive Würdigung der ersten Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland" für nur 29.90 (statt wie später 79.90). Denselben Brief hatten wir im Mai 2008 schon mal im Kasten, jetzt aber ist Gold natürlich ein ganz anderes Thema: Gold ist sicher, mit Merkel drauf erst recht.

Warum es das Goldkrümelchen dennoch nur in einer Auflage von 5.000 Stück gibt, lassen Gerüchte über einen bevorstehenden Währungsschnitt vermuten. Der wäre auf jeden Fall verbunden mit einem Verbot des Privatbesitzes von Gold, wie es in der Geschichte immer mal wieder verhängt wurde. Dann müssten auch alle Angela Merkel-Gedenkplaketten eingezogen werden. Und das geht natürlich schneller, wenn es nur 5.000 gibt.

Hometown im Schnelldurchlauf

Zwei Wünsche

Ach, zwei Wünsche wünscht' ich immer,
Leider immer noch vergebens.
Und doch sind's die innig-frommsten,
Schönsten meines ganzen Lebens.

Daß ich alle, alle Menschen
Könnt' mit gleicher Lieb' umfassen
und daß ein'ge ich von ihnen
Morgen dürfte hängen lassen.

(Adolf Glassbrenner)

Ewige Wahrheiten

Ein ehrlicher Politiker ist einer, der, wenn man ihn einmal gekauft hat, das auch bleibt.

Simon Cameron, US-Senator, 1862

Dummheitskoeffizient

"Der Dummheitskoeffizient scheint leider in deutschen Banken besonders hoch zu sein. Generell gilt ja die Regel: Je dümmer einer ist, umso mehr wächst das Vetrauen in die eigenen Fähigkeiten."
Der scheidende Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin im November 2008 über Bankmanager

Protestsongs gegen Rettungspaket

Sie haben Rambo befriedet und die Gefangenschaft in einem brennenden Reifenstapel überlebt, sie wurden in der FAZ besungen und singen nun selbst zornig an gegen die Folgen von Bankerboni und Merkel-Diktatur: "Waldemar, der Rennbootlenker" ist ein deutsches Schicksal in den Tagen der Krise, ein Mann, der "mit seiner Gitarre" auszieht, den "Tachometerstand" zu kontrollieren und trotz brennender Jacke nicht von seinem Posten weicht. Ein Energiesparer. Ein Verzichter. "In´n Schäddel schnell ne Pule Ruhs." Ein Mensch wie ich und Du, Bruce Springsteen und Präsident Sodann.

Montag, 16. Februar 2009

Zwillinge, bei der Geburt getrennt


Es hätte uns eher, viel eher auffallen müssen. Ex-Uno-Chef Morgan Annan und Schauspiellegende Kofi Freeman wechseln seit Jahren Funktion und wahrscheinlich auch Ehefrau, ohne dass Illuminaten und Hohlweltler auch nur die leiseste Ahnung hatten. Dabei genügten ein paar lustige Punkte im Gesicht, ein marginal geänderter Gesichtsausdruck und der Wechsel von Schlips und Hemd gegen ein T-Shirt, um aus einem distinguierten Afroamerikaner einen distinguierten Ghanaer und vice versa zu machen. Die geheime Weltregierung besteht definitiv aus Zwillingen, die ihre Karrieren als Politiker bzw. Actor offenbar seit Jahrzehnten lustig miteinander vermengen, um ihre Machtfülle zu kaschieren.
Langsam machen uns die Beispiele aus unserer "Wiedergeboren als"-Datenbank und der geheimen Zwillings-Sammlung Angst. Augenscheinlich kann man sich auf den Augenschein nicht mehr verlassen. Aber worauf dann?

Verbot der Woche: Konsequenzen für Schweden

Nach dem brutalen Neonazi-Überfall auf Gewerkschafter an einer Autobahnraststätte in Thüringen fahndet die Polizei nach drei Tatverdächtigen aus Schweden. Die Skandinavier sollen bei einem Halt an der Raststätte Teufelstal bei Jena aus einer Gruppe von Rechtsextremen heraus zwei Reisebusse mit Gewerkschaftern aus Thüringen und Hessen attackiert haben. Fünf der Angegriffenen wurden verletzt, einer davon erlitt eine schwere Kopfverletzung und liegt im Jenaer Klinikum.

Nach Polizeiangaben war sein Zustand am Montag "stabil" und "nicht lebensbedrohlich", die Bundesregierung erwägt dennoch ein sofortiges Verbot von Schweden. Der brutale Übergriff der mutmaßlichen Staatsbürger des Vorzeigestattes im Norden müsse "unbedingt Konsequenzen haben", sagte ein mit der Materie vertrauter Kabinettskenner: "Würde die NPD dahinterstecken, würden wir für die ja auch wieder ein Verbot fordern." Zuletzt hatten sich Stimmen gemehrt, die vereiste Seen in Mecklenburg, Reisen nach Thailand, Urlaub in Indien und Eishockeyspielen wegen rechtsradikaler Verstrickungen untersagen wollten.

Verner liefen

Schwelgen in Schweden, diesmal mit dem bezaubernden Jan Verner C und Charlie Chaplin. "The Last Train" ist rumpliger Unter-Folk, wie ihn Beck früher mal versucht hat. Verner aber ist richtiger Untergrund aus Akustik-Klampfe und Computerbeat. Und er macht übrigens jede Menge von dem Stoff.

Wunderwarme Wohlfühlwelt

Die Krise immer tiefer, der Hunger immer größer und zivilisatorische Fortschritte nur noch im Rtlprosiebensat1-Abendprogramm, wo Casting-Kandiodaten nicht mehr geschlagen, sondern nur noch mit lebenden Riesenschlangen umwickelt werden dürfen.

Man muss weit zurückrecherchieren in der deutschen Geschichte, um die wunderwarme Wohlfühlwelt der Jetztzeit wie ein weichgespültes Badetuch genießen zu können. 1979 etwa, auf den Tag genau 30 Jahre zuurück im Nebel der Zeit, befand das Oberste Landgericht Bayerns, dass die Prügelstrafe an den bayrischen Schulen kein Thema für ein Gerichtsurteil sei. Es berief sich dabei auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes von 1957, wonach die körperliche Züchtigung an Schulen zum "Gewohnheitsrecht" gehöre - damit sei die 1973 in Kraft getretene bayrische Schulordnung, die jegliches Schlagen verbietet, nur noch eine "Rechtsordnung ohne Gesetzeskraft".

Wie gut haben es unsere Kinder dagegen heute? Im Örtchen Kleinkühnau bei Dessau klebte eine Grundschullehrerin ihren fortgesetzt in den Unterricht schwatzenden Schützlingen vor einiger Zeit kurzentschlossen Tesa-Film über den Mund. Eine Lektion, die nach Ansicht des kindlichen Gefühlen gegenüber desensibilisierten Teils der Bevölkerung gehalten sein kann, Wirkung zu zeigen und in der Folge ganz normalen Unterricht zu ermöglichen. Generationen von jungen Menschen ertrugen die Pflasterqual ebenso mannhaft wie das Eckenstehen und das "aus-dem-Klassenraum-geworfen-werden". Angeblich unversehrt - doch die psychischen Spätschaden zeigen sich erst heute.

Das Pflasterkleben in Kleinkühnau nämlich ist den Pflasterklebeopfern der dunklen, brutalen deutschen Schulvergangenheit jetzt Anlaß für harte Gegenmaßnahmen. Die für die Abu-Ghraib-artige Foltermaßnahme verantwortliche Lehrerin wurde umgehend nach Bekanntwerden des klebrigen Tesa-Vorfalls vom Dienst suspendiert. Ihr droht der Verlust ihrer Arbeitsstelle. Dazu ermittelt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft, wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Nötigung.

Vor vier Jahren ahndete das Arbeitsgericht in Halle das Zukleben von vier Kindermündern durch eine Erzieherin, indem es die darauf folgende außerordentliche und fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber abnickte. Erziehungsmaßnahmen seien "in gewissen Grenzen zulässig".

Hierzu gehöre jedoch nicht körperliche Bestrafung. "Klebt eine Erzieherin einem Kind ein Stück Klebeband auf den Mund, wirkt sie körperlich auf das Kind ein", urteilte das Gericht, "ergreift sie eine solche Maßnahme um ein Kind zur Ruhe zu bringen, dann hat sie die Grenzen zulässiger Erziehungsmethoden überschritten." Solche Erziehungsmaßnahmen seien völlig unangemessen und daher unakzeptabel. "Als Erzieherin ist sie verpflichtet, Personen, die sich in ihrer Obhut befinden, vor Schäden zu bewahren. Klebt sie dagegen den ihr anvertrauten Kindern Klebeband auf den Mund, so fügt sie den Kindern eher einen Schaden zu als dass sie sie davon bewahrt."

Das Tausendjährige Reich

Von wegen Aussterben. Deutschland denkt um und bekommt wieder mehr Kinder, so viele sogar, dass die einheimische Population noch mehr als fünf blühende Jahrhunderte vor sich hat. Nach Berechnungen, die unser kleines PPQ-Demografie-Experten-Team mit Hilfe eines neuartigen Quantenrechners und aller zur Verfügung stehenden Zahlen von 0 bis 9 online durchgeführt hat, werden bei einem gleichbleibenden "Babyboom" (Tagesspiegel) durch ein anhaltendes "Umdenken der Gesellschaft" (von der Leyen) noch volle 15 Generationen von den Kindern, Enkeln und Enkelenkeln der derzeitigen Bewohner besiedelt bleiben.

Von 80 Millionen Deutschen werden bei einer Geburtenrate von 1,37 Neugeborenen pro Frau innerhalb der nächsten Generation immerhin noch fast 55 Millionen, die wiederum bekommen bei gleicher Kinderzahl noch 37,5 Millionen mal Nachwuchs. Über 25,6, 17,5 und 11,7 Millionen erreicht die Zahl innerhalb der nächsten 150 Jahre bereits unter zehn Millionen.

Um dann anhaltend schnell, aber in absoluten Zahlen im Grunde nur noch vernachlässigbar weiter zu schwinden: Anno 2200 werden noch rund 5,5 Millionen Deutsche das neue Jahr begrüßen, anno 2300 dann nur noch knapp eine Million.

Die können dann allerdings auch langsam zusammenpacken, denn sie werden beinahe Zeitgenossen der nur noch etwa 300.000 Mitglieder zählenden Generation sein, die sich um das Jahr 2450 in den weiten und weitestgehend von der Urbevölkerung entkleideten Landschaften verliert, die einmal Deutschland waren.

Das Ende wird das immer noch nicht sein: Erst weitere 15 Generationen oder umgerechnet rund 500 Jahre später werden die letzten Deutschen endgültig verschwunden sein - von heute an gerechnet bleibt also noch ein ganzes tausendjähriges Reich lang Zeit, den Babyboom zu feiern.

Kick ass from London


"The Sea": Am 24. April im Unikum.

Verhuschtes aus Dänemark


Greenpitch spielt am 22. Mai im Durchlauferhitzer. Mit "blood, sweat and tears" ist nicht zu rechnen.

Sonntag, 15. Februar 2009

Wir sterben langsamer aus

"Ich bin davon überzeugt, dass die Geburtenrate für 2007 deutlich über 1,4 gestiegen ist", verkündete die papsttreue Abtreibungsgegnerin Ursula von der Leyen im Juli 2008, nur um sich wenig später von den richtigen Zahlen belehren lassen zu müssen. Die Geburtenrate war doch nur auf 1,37 pro Frau gestiegen - weit weg von "über 1,4". Statt 48.000 Geburten mehr wie vorhergesagt gab es nur magere 12.000 mehr, knapp über der statistisch nicht erfassbaren Schwankungsbreite.

Von der Leyen aber lässt nicht ab vom Triumphgeheul, denn der Trend zeigt weiter und immer schwächer nach oben: Das Statistische Bundesamt schätzt die Gesamtzahl der Geburten im Jahr 2008 nun auf bis zu 690.000, noch einmal 5.000 mehr. Das wäre ein Wert von immer noch weit unter 1,4 pro Paar - die Deutschen sterben weiter hocheilig aus, nur ein ganz klein wenig langsamer als 2006. Denn erst ein Wert von 2 würde auch nur die einfache Reproduktion gewährleisten.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, keine Freundin von Wirklichkeit und Fakten, sprach in einem Interview dennoch frech von einer "Trendwende", die per dpa sofort als Babyboom und "Familie hat Konjunktur" ins Land geblasen wurde. Als Ursache für den marginalen Anstieg der Geburtenzahlen sieht von der Leyen gleich mal einen ganz grundsätzlichen "Mentalitätswandel". «Junge Menschen haben das Gefühl, die Gesellschaft lässt sie als Eltern nicht alleine.» So lange die Ministerin mit Lob zur Seite steht, gebähren die glücklichen wieder wie im letzten Jahr unter Rot-Grün. Ein schöner Erfolg gezielter "Familienpolitik".

Mal wieder aus dem Gedächtnis zitiert

Heute bei MDR Info: "Lange Zeit boomten Straßenstrich und Bordelle in tschechischen Städten im Grenzgebiet zu Deutschland. Doch jetzt zeichnet sich Entspannung ab."

Wer hat es gesagt?

[Die Deutschen] halten Araber für affige Wilde, für unmündige Menschen dritter Klasse, an die man noch keine aufklärerisch-humanen Maßstäbe anlegen darf. Die Zuneigung der Deutschen ist eine Art von vormundschaftlicher Verachtung. Der schwärmerische Respekt vor dem Fremdländischen ist nur Bequemlichkeit und Hochmut. Ich sehe im Multi-Kulti-Geschwärme meiner alternativen Zeitgenossen die seitenverkehrte Version des Rassendünkels von gestern.

(gefunden bei Gegenstimme)

Es war nicht alles Brot

Nein, es war gar nicht alles gut in der DDR, der Heimat aller fortschrittlichen Deutschen und Ort unserer Jugend. In der "Welt" rechnet jetzt ein Leser vor, was der Arbeiter- und Bauernstaat gewesen wäre, hätte er nicht nur 16 Millionen, sondern wie das Vereinte Deutschland 80 Millionen gehabt.

In der imaginären gesamtdeutschen DDR lebten danach heute, den Anteil der jeweiligen Berufsgruppe mal fünf genommen, 475.000 hauptamtliche Geheimdienstmitarbeiter statt wie rund 20.000. Ihnen hülfen rund 900.000 Informelle Mitarbeiter. Die Bundeswehr verfügte über etwa 950.000 Soldaten und Offiziere statt nur über 250.000, in der Landwirtschaft wären mehr als fünf Millionen Menschen tätig, nicht wie derzeit nur 560.000. Das Brot wäre billiger als sonst irgendwo auf der Welt, billiger sogar als Schweinefutter, weshalb Schweine gern mit Brot gefüttert würden. Auch dadurch wäre die gesamtdeutsche DDR der größte Brotverbraucher der Welt - pro Kopf gerechnet war das schon die alte, kleine DDR.

Dennoch blieben genügend Leute übrig, denen es nicht gut genug wäre, subventioniertes Brot zu essen und in mit 80 Prozent Staatszuschuß subventionierten Wohnungen zu leben. Deshalb säßen rund 250.000 Gefangene in Haftanstalten - statt der 75.000, die im derzeitigen kapitalistischen System sitzen.

Wiedergeboren als Schalke-Star

Es reicht, es geht einfach nicht mehr. Jahrelang hat er die Doppelbelastung locker weggesteckt: Abends stand der Mann aus Passau unter dem Namen "Bruno Jonas" auf der Bühne und amüsierte die Menschen mit politischem Kabarett. Von den ersten lustigen Schritten bei der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft" führte die Spaßmacher-Karriere den Humoristen, dem außer dem Islam nichts heilig ist, bis in die ZDF-Fernsehanstalt, in der er an der Seite von Matthias Richling und Georg Schramm am offenen Hirn praktizierte. Dennoch fand Jonas tagsüber Zeit, schön zurechtgemacht und in kurzen Hosen als vermeintlich 30 Jahre jüngerer "Heiko Westermann" beim FC Schalke 04 und in der deutschen Nationalmannschaft Fußball zu spielen.

Aufmerksamen Beobachtern entging nicht, dass "Westermann" Fußball spielte wie "Jonas" Witze, doch erst unbekannte Hacker, die mit Hilfe des Bundeswehr-Wurms Conficker in die PPQ-Wiedergeboren-Datenbank eindrangen, gelang es, nach der vereinsinternen Freistellung für Kevin Kuranyi auch das fatale Doppelspiel des Fußball-Kabarettisten zu enthüllen.

Samstag, 14. Februar 2009

Im Schiff nach irgendwo, Gespräch im Zwischendeck

A) ich frage mich, ob das vor allem in deutschland so ist: diese genuessliche faszination am derzeitigen "untergang", mit seinen stuendlich upgedatedeten superlativen im "krisenticker" und periodisch posaunten vokabular die "duester", "staerker als von allen experten erwartet" oder "horrorszenario". und das war nur das radio und das web, man moege sich nich ausdenken was im fernsehen los ist.

denn zumindest hier in dresden sind die supermarktregale ja noch voll. und eben war im deutschlandfunk einer, der ahnung zu haben schien und sagte, ja, in den us wahrscheinlich milder aufwaertstrend wieder in I/2010 wenn nich schon vielleicht sogar ab III/2009. irgendwie hatte ich mir den weltuntergang permanenter vorgestellt.
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B) das ist einfach publikumswirksamer als die nachricht "nichts neues vom weltuntergang", die sie, müssten sie ehrlich sein, stündlich zu bringen hätten. andererseits hast du recht, beim letzten weltuntergang sprangen die banker noch aus dem fenster und die leute holten das geld mit schubkarren aus dem lohnbüro. dafür ist der jetzige untergang recht kommod.

blöd ist, dass es keiner richtig weiß, ob er ist oder nicht, ob die panik übertrieben oder eher stärker angebracht wäre. wenn ich mir die wirtschaftsdaten anschaue, ist da nur schaum aufm wasser. aber wenn ich die krisenbekämpfungsmaßnahmen sehe, schwant mir böses. übrigens: im september stand die welt für fünf stunden wirklich vor dem untergang. da wurden in zwei stunden 550 milliarden $ aus amerikanischen bankkonten gezogen. viel mehr ging nicht. das hat uns damals keiner gesagt, logischerweise. aber kurze zeit später kam die merkel und erklärte alle bankguthaben für sicher ;-) dann wurde die kurzarbeiterregelung. erweitert, während vorn auf der bühne noch "die krise trifft uns nicht" geflunkert wurde. denen allen geht der arsch sowas von auf grundeis. wie heißt es im film "die welt is im wandel.."
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A) da ist mein punkt: welcher prozentsatz der krisendynamik ist eigendynamik durch untergangshype? ich bezweifle, dass irgendeine analystenclique die formel zur berechnung des ausmasses hat. die krisenbekaempfung hat auch zwei aspekte: zum einen das notwendige, zum anderen das element, dass zur bekaempfung eines superlativs ja immer neue superlative aufgefahren werden muessen, um den eindruck zu erwecken, man haette den orginalsuperlativ im griff. den republikaner in den usa beispielsweise sind da reservierter als liberale in europa, wenn es darum geht, dem grosskapital mit steuergeldern den arsch und damit das system zu retten. das finde ich bemerkenswert.

mit anderen worten: all die, die kurzarbeit ansetzen und milliarden beantragen... haben die alle individuellen durchblick und gelangen zu dem selben szenario was wahrhaft duester is? oder is das alles eine art brummkreisel wo ein wort das andere gibt und der superlativ zum handlungsmaxim fuer saemtliche handelnden wird?
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B) ich traf neulich den chef einer ziemlich großen, aber irgendwie doch noch mittelständischen firma. 200 filialen, 1000 mitarbeiter. er sagte, der jahresanfang war scheiße. das, glaubt er, lag am wetter.
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A) wenn es allerdings so is, is die schauderliche faszination am untergang vermutlich einer der herausragenden risikofaktoren bei dem ueberkommen einer krise durch eine voellig uebersaettigte westliche gesellschaft.
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B) das sehe ich genauso. der thrill, das ist es, ist es doch immer. und was die westliche gesellschaft betrifft, braucht die den ja auch. guck uns alle an. haben alles, brauchen nichts mehr. kaufen aus langeweile, nicht weil wir müssen. die krise ist so gesehen unterhaltung wie alle andere auch.
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A) du hast ja sogar einen krummdolch. wir standen letztens im saturn und sagten: wenn wir mal zusammen wohnen, was stellen wir da eigentlich hin, wo bei anderen das tv steht?
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B) und in einem buch aus den 30er jahren fand ich neulich was bemerkenswertes. these dort: erst war das rad, dann die dampfmaschine, dann die elektrizität, dann mobilität, dann kommunikation, konsum meinetwegen auch noch. es gab jedenfalls immer eine neue technologie, die revolutionär genug war, verwertungsketten neu zu erschaffen, bedarf zu produzieren usw. aber wo sehen wir heute sowas? in den entwickelten volkswirtschaften ist doch der wettbewerb um die konsumkraft jedes einzelnen bürgers das einzige, was noch wachstum produziert. im rest der welt stehen allerlei hürden vor dem großen sprung in die westliche wohlstandswelt.

eine wirklich neue technologie, sowas wie flugautos, eroberung ferner planeten, eine gesundheitsrevolution in richtung konsum von langlebigkeit oder irgendwas, was ich auch nicht weiß, sehe ich nirgends, nichts mal aufschimmern. wie lange können aber lcds größer werden, handys universeller einsetzbar, internetanschlüsse schneller und dvds hochauflösender, ohne dass das interesse daran erlahmt?
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A) ja, da hast du recht. es steht echt nix neues am horizont, und das nicht nur technologisch, sondern auch kuenstlerisch, literarisch, politisch, kulturell oder sonst was. nur noch variationen. "jetzt fuer kurze zeit." allerdings: jeder dieser schritte hat in umgekehrter weise nicht nur die welt dramatisch zusammenschrumpfen lassen, so dass wir heute grad mal drei, vier einigermassen autonome wirschaftsraeume haben. und damit natuerlich den raum fuer neuentdeckungen vereengt. andererseits haben sich aber die menschen evolutionsartig veraendert. da ist keine frontier mehr in amerika, kein unbesiedelter flecken, der weltraum ist zu teuer, und so haben wir uns auf wohlfuehltechnologie verlegt. und bei den meisten menschen, die mich umgeben, bin ich mir sicher: wenn bis zu deren lebensende arbeitsspeicher immer groesser und handys immer kleiner und flatrates immer guenstiger wuerden... denen reichte das fuers leben. hier wuerde doch, kurz gesagt, niemand mehr ein schiff nach irgendwo besteigen wollen. das war frueher. das hat uns da hin gebracht wo wir heut sind, aber eben nich mehr weiter.
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B) genau so ist es.aber mal ehrlich: wieviele superstars und supermodels gehen die noch mitsuchen? 5? 12? 22?
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A) ich fuerchte das ist eine ewige schleife: deutschlands superstar, dann girlgroup, dann model, dann koch, dann bauer, dann talent, dann sich-von-schulden-befreier, dann am-meisten-abnehmer, dann bestimmt am-saubersten-nacktputzer und vielleicht auch schnellsten-schnitzelesser, um die zwischenspeicher so weit belastet zu haben, das die neue season los gehen kann.
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B) nur wie oft werden die bayern noch meister und kriegen applaus dafür? dreimal? 22 mal? 711 mal? wird die 12. wm in deutschland das 12. sommermärchen bringen? oder kommt noch irgendwas anderes? irgendwann? irgendwas?---

Gesänge fremder Völkerschaften: Schwelgen in Schweden

Tief im Wald, wo nur selten Fremde auftauchen, schleifen sich die größten Melodien ab. Hier heißen Bands "The Travelin' Swedes", Orte nennen sich "Lennartsfors" und ein Song von U2 klingt auf der Open-Air-Bühne des Dorffestes plötzlich ein bisschen wie richtige Musik.

Freitag, 13. Februar 2009

Amazon macht dicht

Kommando zurück für Globalisierung, offene Märkte, grenzenlosen Handel und den ganzen neumodischen Kram. Amazon, einer der Hauptprofiteure des interkontinentalen Handels, marschiert nunmehr ganz vorn bei der Abschottung der Einzelmärkte.

Euro-Kunden, die vom billigen englischen Pfund profitieren und englische CDs direkt am Heimatmarkt kaufen wollen, empfängt neuerdings der Hinweis, dass sie leider aus der falschen Weltgegend kämen, um bei amazon.co.uk bedient zu werden. Dabei ist die CD der semi-bekannten Band Iko, die eigentlich angeschafft werden sollte, in England für acht Euro zu haben. In Deutschland hingegen kostet sie 21.

Amazon entschuldige sich vielmals für die entstehenden Unannehmlichkeiten, die denen gleichen, die Kunden von Apple seit Jahren haben: Die beliebte Firma verkauft dieselben Waren weltweit zu nahezu denselben Preisen, nur in anderen Währungen. Das gleiche Produkt ist dadurch in Deutschland ein Drittel teurer als in den USA.