Samstag, 17. September 2016

Geiles Klickluder: Die Zukunft des Journalismus ist nackt

Geile Klickluder! Überall geile Klickluder. Das Spiegel-Nachwuchsmagazin Bento macht alles richtig, indem es schon seit Monaten keine Gelegenheit auslässt, nacktes Fleisch, pralle Brüste und sexuell anzügliche Hintern zu zeigen. Sex sells, die alte Regel der illustrierten Wichsvorlagen gilt im Zeitalter des schnellen Internetblicks auf sekundäre Geschlechtsmerkmale mehr denn je: Nie zuvor war es so einfach, nackte Nippel als befreiende Tat im Sinne der ganzen Menschheit als #FreeTheNipple und #NippelStattHetze zu verkaufen. Und eine Seite weiter Respekt zu heischen für einen Mann, der einer Frau aus religiösen Gründen nicht die Hand geben will.

Nein heißt Nein und Brust ist Brust und die Zukunft des Journalismus ist zweifelsohne nackt. Mit offenem Schritt und ohne Unterhose, das tight gap stolz ausgestellt, sind es junge Frauen wie Bernadette (Foto oben), die dem Journalismus neues Leben einhauchen. Mit unverstellten Notizen aus der Tiefe ihres Herzens ziehen sie Leser an, mit schonungslosen Bildern ihrer Verletzungen zeigen sie der Welt, wie es sich im Digital leben lässt.

Bernadette, eine ganzkörpertätowierte Legasthenikerin, hat uns über Facebook kontaktiert und darauf hingewiesen, dass sexualisierte Gewalt anfängt, wo eine männlich zentrierte Darstellung der Welt dominiert. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, denn seit dem Ende der Herrschaft der Arbeiter und Bauern im Osten Deutschlands, die nie eine Herrschaft der Bäuerinnen und Arbeiterinnen war, schreiben hier bei PPQ nur Männer.

Wenngleich manche sich durchaus als Feministen bekennen und auch über geschlechtsangleichende Operationen nachdenken - zumindest wenn entsprechende Dokumentationen im Gebührenfernsehen lehrreiche Einblicke eröffnen - ist doch klar, so kann es nicht weitergehen.

Europa braucht einen neuen Anfang, PPQ braucht einen Sprung aus dem Mustopf männlicher Reflektionen. Bernadette, hauptberuflich Cutterin in einer Independent-Filmfirma, Hobby-Tänzerin und verliebt in Hunde, hat sich bereiterklärt, künftig hier im kleinen Alltagsbegleitboard mitzuschreiben - aus konsequent weiblicher Sicht, subjektiv und auch ein bisschen sexy.

Bernadette ist eine begnadete Erzählerin, die fast schon cinemaskopisch über ihre Erlebnisse, Gefühle und Beziehungen schreibt. Ihr "Tagebuch einer Sünderin" erscheint exklusiv bei PPQ - im kommenden Jahr dann bei Bastei Lübbe - und ist jeden Morgen einen Blick wert.

In eigener Sache: PPQ startet damit gleichzeitig sein neues PPQ-Plus-Angebot. Das bietet Ihnen jetzt noch mehr hinterfotzige Artikel und absurde Analysen. PPQ-Plus-Texte können Sie jetzt einfach lesen oder es sein lassen.

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Freitag, 16. September 2016

Zitate zur Zeit: Es kommt, wie es muss

Das sozialistische System wird letzten Endes an die Stelle des kapitalistischen Systems treten; das ist ein vom Willen der Menschen unabhängiges objektives Gesetz.

Welche Versuche auch immer die Reaktionäre unternehmen mögen, das Rad der Geschichte aufzuhalten, es wird dennoch früher oder später die Revolution ausbrechen, die dann unvermeidlich den Sieg davontragen wird.

Mao Tse Tung begründet in seiner Rede vor dem Obersten Sowjet der sowjetischen Genossen am 6. November 1957, warum alles immer kommt, wie es kommen muss.

Kriminalfälle ohne Beispiel: Im Alltag braver Bürger


Es sind diese großen Dramen der Kriminalgeschichte, die Schicksalsgeschichten, die dem Publikum Gänsehaut machen, denen sich die PPQ-Serie "Kriminalfälle ohne Beispiel" widmet. Mit Hingabe und Ratschlägen für Nachahmungstäter dokumentiert das Fallarchiv, wie das Grauen zuweilen ankündigungslos in den Alltag braver Bürger bricht und ihnen alles nimmt, was sie vorher nicht hatten.

Das Böse besucht dabei zusehends öfter auch kleine Gemeinden, Dörfer, die bislang noch als intakt und immun galten gegenüber der amerikanischen Unkultur des Schießens und Erschossenwerdens. In Memleben, einem für seine große Klosterkultur bekannten Ort an der Straße der Gewalt haben eine 35-jährige Frau und ein 39-jähriger Mann gezeigt, dass Verbrechen immer und überall sein kann, wenn nur ein Wille da ist, der den Weg weist.

Das Paar, enthemmt von Internet, Facebook, Glückspiel, Alkohol und Islamismus, versuchte bei helllichtem Tage, von einem Feld Strohballen zu stehlen. Dabei wurden sie von einem aufmerksamen Nachbarn, dessen Alter die Polizei mit 39 angibt, ertappt.

Gut vorbereitet, ergriff das Strohballendiebespärchen mit einem Quad die Flucht. Doch der Zeuge verfolgte sie in seinem Auto. "Die Straßen von San Francisco" im erweiterten Mansfelder Land - bis nach Allerstedt führte die Verfolgungsjagd. Dort trafen Hilfspolizist und Bonnie nebst Clyde in der Mühlgasse erneut aufeinander.

Das weitere Geschehen spricht nicht für die Klugheit von Täter und Verfolger, wohl aber von der überlegenen Moral des weiblichen Geschlechts: Die Frau habe sich vor das Auto des selbsternannten Hilfspolizisten geworfen, "um ihrem Begleiter die weitere Flucht zu ermöglichen", schildert die Polizei.

Doch auch die staatlichen Organe und die, die sich ihnen freiwillig andienen, kennen heute keine Skrupel mehr. Der Hilfssheriff fuhr drohend auf das Quad zu. "Es kam zur Kollision", heißt es im Polizeibericht, "dabei entstand Sachschaden".

Menschenopfer inklusive: Die Mittäterin wurde verletzt, nach ihrer Festnahme durch eine herbeigeeilte reguläre Polizeieinheit klagte sie "über Schmerzen im Rippenbereich, in der Schulter sowie einem Unterarm".

Alles in allem kennt die Tragödie nun nur noch Täter: Die Polizei ermittelt wegen versuchten Diebstahls gegen Bonnie und Clyde. Und wegen Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung gegen den Hilfssheriff.

Donnerstag, 15. September 2016

Mörderisch: Wie die Lage am Mittelmeer Staaten ins Unglück stürzt

Hans Achtelbuscher und ein junger Kollege aus der Ozeanografieabteilung bei Messungen der Meeresschwingungen am Strand des tunesischen Tazarka.
Es ist ein unbeobachtetes Phänomen, verschwiegen von den Zirkeln der Macht, das eine Gruppe von Forschern des An-Institutes für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung in Halle an der Saale jetzt erstmals öffentlich macht: Offenbar spielt die geografische Lage eine viel größere Rolle als bisher gedacht, wenn es um Erfolg oder Misserfolg von Volkswirtschaften geht. Dabei gibt es sogar Regionen der Welt, an denen wirtschaftlicher Erfolg, politische Stabilität und gesellschaftlicher Friede unmöglich zu sein scheinen, folgern die Forscher um den Medienwissenschaftler Hans Achtelbuscher in einer großangelegten Studie, für die über zehn Jahre zahlreiche Daten aus verschiedenen Weltregionen verglichen worden waren.

Konzentriert haben sich die Krisen-Wissenschaftler dabei vor allem auf den Mittelmeer-Raum, der bereits seit Jahren als Sorgenkind gilt. Untersucht wurden die Anrainerstaaten des Meeres zwischen Europa und Afrika - mit erstaunlichen Ergebnissen, wie Achtelbuscher sagt. "Wir haben hier eine durchweg negative Entwicklung, die sich bereits völlig verfestigt zu haben scheint", folgert er. Von 18 Staaten, die ans Mittelmeer grenzen, befänden sich derzeit erstaunliche 13 in mehr oder weniger tiefen Krisen. Achtelbuscher vergleicht die Situation mit der rund um die Ostsee. Hier sei keiner der neun Anliegerstaaten derzeit von einer offenen Krise, von Bürgerkriegen und Putschsituationen betroffen, wie sie in den ehemaligen Urlaubsregionen rund um das Mittelmeer normal seien.

Bei der Suche nach den Ursachen waren die Forscher lange ratlos. "Wir betrachteten es von allen Seiten, kamen aber einfach nicht weiter bei der Klärung der Frage, wo das gemeinsame Moment liegt, das es den Ländern offenbar unmöglich macht, eine Entwicklung zum Positiven zu nehmen", beschreibt Achtelbuscher. Erst nach einem "kompletten Neustart der gesamten Untersuchung", so der erfahrene Wissenschaftler, "stießen wir auf den mutmaßlichen Ursprung der sich unablässig verfestigenden Krise im Süden.

Der entpuppte sich als geografischer Natur. "Wir konnten nachweisen", beschreibt Achtelbuscher, dass die Nähe zum Mittelmeer offenbar verheerende Auswirkungen auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation von Staaten hat." So habe sich gezeigt, dass selbst die über Jahre andauernde und uneigennützige Hilfe eher nördlich gelegener Staaten ohne Beeinträchtigungen durch die Nähe zum Mittelmeer kaum nachhaltige Wirkungen hätten. Achtelbuscher: "Wir sehen, dass es kurz besser wird, danach aber setzt sich der morphische Einfluss des Mare Mediterraneum wieder durch und die Situation verschärft sich weiter."

Die Politik ist ratlos, die Wissenschaft sucht verzweifelt nach den Gründen für die Ursache. Der Mittelmeerraum, so haben Achtelbuscher Ozeanographen inzwischen herausgefunden, habe augenscheinlich nicht nur ein eigenes Klima, das sogenannte mediterrane Klima, sondern als am stärksten von Festländern umgebenes Meer zwischen den drei Kontinenten auch eine schädliche Wirkung auf seine Anrainerländer Spanien, Frankreich, Monaco, Italien, Malta, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Griechenland, die Türkei, Zypern, Syrien, Libanon, Israel, Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko. "Bislang sehen wir allerdings nur, dass es so ist", sagt Achtelbuscher, "nicht ein Mittelmeerland verzeichnet eine gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklung, die sich an der von Ostseeanrainern messen lassen kann".

Bislang ist die Annahme, dass  es sich um Auswirkungen von Meeresschwingungen handeln könne, die Staaten am Mittelmeer immer wieder ins Unglück stürzt, nur eine These. Hans Achtelbuscher ist aber optimistisch: "Das Phänomen ist so deutlich beobachtbar, dass wir seinen Ursprüngen zweifellos auf die Spur kommen werden".



Wer wird SPD-Wahlverlierer?

Zuletzt hatte auch noch Til Schweiger abgesagt. Aber das war nur eine Pleite der ehemaligen "Arbeiterpartei" (Willy Brandt) SPD auf der Suche nach einem Spitzenkandidaten für den Posten des großen Wahlverlierers der Bundestagswahl im kommenden Herbst. Schweiger zog zurück, nachdem zuvor bereits Parteichef Sigmar Gabriel, der als Wahlverlierer nicht unerfahrene Walter Steinmeier, die Reformerin Andrea Nahles ("Nahlismus") und die vor allem bei Kindern beliebte Manuela Schwesig hatten erkennen lassen, dass sie als Opfer für die nach dem Wahltag nicht zur Verfügung stehen wollen. Hoffnungsträger Martin Schulz, das schlechte Gewissen des Arbeitskreises linke Bürokraten in der SPD, teilte mit, dass er trotz der Terrorgefahr in Brüssel bleiben wolle. Es gebe für ihn kein Zurückweichen für Extremisten.

Doch parteiintern stößt diese Entscheidung der führenden Funktionsträger wie alle Entscheidungen auf Zustimmung und harsche Kritik. Während der marginalisierte Arbeitnehmerflügel die Verantwortung der führenden Genossen einfordert, obwohl auch der tonangebende Linke Ralf Stegner bislang keine Bereitschaft hat erkennen lassen, als Wahlverlierer zur Verfügung stehen zu wollen, bleibt es nach den Worten von Fraktionschef Thomas Oppermann dabei, dass die SPD "keinen Zählkandidaten für eine krachende Niederlage, sondern einen echten Gewinnertypen" suche.

Derzeit, heißt es bei den Mitarbeitern der sogenannten Kampa, liege die Partei mit etwa 10 bis 20 Prozent in den Umfragen gleichauf mit der rechtsdemagogischen AfD. "Wenn jeder unserer Wähler nur noch einen weiteren Wähler mitbringt", glaubt Kampa-Chefin Katarina Barley, "ist eine absolute Mehrheit greifbar."

Zeit genug bleibt den kampferprobten Truppen in Rot, die vielleicht ohne eigenen Wahlverliererkandidaten, aber auf jeden Fall mit einer neuen Strategie in den Bundestagswahlkampf ziehen wollen.

Statt nach Wählern zu suchen, wo sie sind, plant Parteichef Sigmar Gabriel eine tektonische Taktik: Die SPD will die gesamte Mitte mit Hilfe von Fernsehspots, Talkshowauftritten, Twitternachrichten und witzigen Plakaten nach links ziehen. Habe sich die Mehrheit der Wähler erst einmal dort versammelt, so Gabriel, werde sich auch ein Kandidat finden, der die deutsche Sozialdemokratie würdig als Wahlkämpfer vertrete. Je nachdem wie die Umfragewerte sioch entwickeln, könne er das auch selbst sein. "Sind unsere Aussichten gut, hat der Parteichef das erste Wahlörecht", wies Gabriel auf die in der SPD traditionellen Regularien hin.

Mittwoch, 14. September 2016

Songs Meanings: Wir ficken das System


"Freundin" ist ein fröhliches Liedlein aus der Schweiz, wo das Elend zuhause ist, seit die Eidgenossen sich mit einer missratenen Volksabstimmung selbst aus der Gemeinschaft der zivilisierten Länder herauskatapultiert haben. Die Schaffhausener Band Die Aeronauten sang es, als Deutschland noch nichts wusste vom freiwilligen Brandanschlagsverzicht der Berliner Revolutionsgarden, von den Vorboten kommender Aufstände gegen das Schweinesystem und dem Kampf engagierter Aktivisten gegen Pflegedienste.

Oliver Maurmann hat in seinem Song "Freundin" schon vorweggenommen, wohin der Hase läuft, wenn man ihn lässt: Linke Gewalt ist schlau, rechte schlimm, Rechte träumen im Allgemeinen auch schlechter als Linke, denn sie wissen, dass ihr Kampf vergebens ist, das hat die Links-Rechts-Forschung schon vor Jahren festgestellt.

Maurmann schildert nun die Begegnung zweier Antagonisten: Hier der von der Weltengerechtigkeit beseelte Linke, der Freunde hat, die faire Musik aus dem Baskenland hören und gegen skinheads kämfen. Dort die dumpfe Masse eben jener Skinheads, die sich heute oft als Identitäre in Outdoorjacken tarnen. Die einen schlagen die Faschisten und ficken das system, meist durch "Sachen" (Maurmann) die sie überall an die Wand schreiben. Die anderen greifen zu brutalster Gewalt und schlagen Menschen einfach "flach" (Maurmann). Und beide kommen sie, welche Tragik, nicht an Frauen heran.

PPQ dokumentiert das ganze Drama um eine von von zehntausenden rechten Straftaten, die - soweit ist das Lied allerdings nicht ganz eindeutig - wegen rechter Verquickungen der Behörden in Sachsen (mutmaßlich) bis heute ungesühnt geblieben ist.

Zum Mitsingen finden Rechte und Linke die Melodievorlage im Video oben.

Meine Freunde sagen mir
ich solle mit ihnen
sie schlagen die Faschisten
und ficken das System
sie schreiben überall Sachen an die Wand
sie hoeren Musik aus dem Baskenland
doch ich möchte eine Freundin
ich möchte lieber ein Maedchen kennen lernen
ich möchte eine Freundin
ich möchte lieder ein Mädchen kennen lernen

Die Band steht in der Ecke
und sie spielen wieder Punkrock
gegen den Klassenfeind
und für den revolutionaeren Block
die anderen hängen auf dem Fenstersims
und warten weiter auf die Naziskins
doch ich möchte eine Freundin
ich möchte lieder ein Mädchen kennen lernen
jeh jeh jeh
jeh jeh jeh
ich möchte eine Freundin
ich möchte lieder ein Mädchen kennen lernen

Ich ging nach Haus und die Naziskins
schlugen mich flach
sie traten mir in die Fresse
und einer von ihnen sprach
es wohnt keine Tugend mehr in meinem Herz
es drängt mich ein sehr seltsamer Schmerz
ich möchte eine Freundin
ich möchte lieder ein Mädchen kennen lernen
ich möchte eine Freundin
ich möchte lieder ein Mädchen kennen lernen

Erster Toter verklagt Fitnesstracker

Der Fitnesstracker-Hersteller Fitbit gerät durch eine Studie unter Druck, die deutliche Abweichungen bei der Messung des Herzschlags im Vergleich zu einem EKG festgestellt haben will. Die Geräte Fitbit Charge HR und Fitbit Surge sollen beim Messen der Herzfrequenz jeweils um bis zu 25 Schläge daneben liegen. Dadurch seien bestimmte Träger der Tracker bereits tot, ehe sie von ihren Überwachungsbändern darüber informiert würden.

Dies hat eine Studie der Ärzte Edward Jo und Brett A. Dolezal im Auftrag der US-Kanzlei Lieff Cabraser ergeben, die einen 43-Jährigen vertritt, der beim Joggen gestorben war, ohne es zu bemerken.

Jetzt droht Fitbit eine Sammelklage, weil zahlreiche betroffene Armbandträger verunsichert darüber sind, ob sie nicht eventuell nicht bereits mehrfach kurzzeitig tot gewesen sind. Die Kanzlei Lieff Cabraser hat Klage wegen ungenauer Messungen eingereicht, unter anderem für eine Klägerin, die bei hoher Belastung 160 Herzschläge pro Minute zustandegebracht hatte. Ihr Fitbit Charge HR hatte nur 82 Schlägen angezeigt, dadurch war die Einzelhandelskauffrau aus Minnesota in eine Sauerstoffschuld gerutscht.

Die Frau klagt darauf, die fehlenden Herzschläge gutgeschrieben zu bekommen. Fitbit ist Marktführer im Bereich der sogenannten Tracker. Das Unternehmen aus San Francisco hat im ersten Quartal 2016 rund 4,8 Millionen Fitnessuhren und -armbänder abgesetzt, 70 Prozent davon in den USA. Die Klage der beiden Geschädigten lautet auf jeweils 12,6 Millionen Dollar. Fitbit wird dadurch mit einem gesamtfirmenwert von etwa 61 Billiarden Dollar bewertet.

Dienstag, 13. September 2016

Stuttgart 21: Bedrohung aus der Fremde

Ein Land, das keine Probleme hat, macht sich welche. Es wirkt dann zuweilen leicht verstiegen, immer aber rettungslos verloren, auf lange Sicht. Beim Bahnprojekt Stuttgart 21, ehemals ein Aufreger sondergleichen, zuletzt aber wegen deftigerer Alternativen völlig aus den Schlagzeilen verschwunden, ist es jetzt die Umsiedlung von geschützten Eidechsenpopulationen, die ein Schlaglicht darauf wirft, wie ernst Deutschland seine Rolle als moralischer Leuchtturm der Welt nimmt.

Eigentlich sollten ICE-Neubaustrecke und der neue Bahnknoten in Stuttgart im Herbst 2021 in Betrieb genommen werden. Dann wurde eine Eidechsenpopulation an der Strecke entdeckt, deren Vorhandensein einen Planänderungsbeschluss nötig macht. Liegt der bis August nicht vor, können die rund 10.000 Eidechsen in diesem Jahr nicht mehr eingesammelt werden. Die Bauarbeiten würden sich damit um sieben Monate verzögern.

Was das kosten wird, ist unklar. dass aber allein die Umsiedlung mit bis zu 8.600 Euro pro Tier zu Buche schlägt, steht nach Angaben der FAZ fest. Die Rettung der Tiere kostet damit bis zu 86 Millionen Euro.

Wo aber kommen die Eidechsen plötzlich her? Sie waren durch den Bahngüterverkehr aus Italien eingeschleppt worden - Migranten also, wie der aufgeklärte Deutsche sagen würde. Oder gebietsfremde Fremdarten, wie sie die EU-Kommission nennt, die den invasiven Eindringlingen vorwirft, Ökosysteme schwer stören und das Aussterben einheimischer Arten auslösen zu wollen.

Leider lässt sich in Stuttgart kein Unterschied mehr zwischen heimischen Arten und bösartigen Fremdeidechsen feststellen. Hier ist Integration endlich einmal gelungen, so gut sogar, dass eine Differenzierung unterschiedlicher Eidechsenarten nur mehr mit Hilfe aufwendiger Gentests gelingen könnte.

Nach Angaben der Bahn handelt es sich um eine Mischpopulation, die trotz der Artenunreinheit zu schützen ist. Zunächst müssen Ersatzflächen gefunden und möglicherweise gekauft werden. Dann müssen die Tiere möglichst bei sonnigem Wetter mit Ruten, an denen „Eidechsenlassos“ befestigt sind, eingefangen werden. Bei einer Population von 6000 bis 10.000 Tieren werden hunderte Fänger benötigt, die zuvor ausgiebig geschult werden müssen.

Außerdem dürfen die Tiere nur im Frühjahr und im Spätsommer geborgen werden. So schreibt es die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU fest - einer der letzten Pfeiler der europäischen Rechtsordnung, die - zumindest in Deutschland - noch respektiert und eingehalten werden. Auch, weil das Bundesnaturschutzgesetz die „Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete“ und auch von darin lebenden, schützenswerten Tierarten unter Strafe stellt.

Ob diese eintritt, wird vor der Umsiedlung penibel geprüft und danach durch die zuständigen Behörden beobachtet. Die neue Heimat der Neuankömmlinge und ihrer einheimischen Aufnahmefamilien werden nach der Umsiedlung 30 Jahre lang überwacht werden.

Traumrenditen für alle: Die Bank mit den sauberen Händen

Was macht eigentlich dike Kreditanstalt für Wiederaufbau? Jetzt, wo Deutschland schon seit Jahren aufgebaut ist? Einfach weiter. Als Aushilfsinstitution tritt die Staatsbank überall dort auf, wo der Staat selbst nicht gesehen werden möchte. Die Geldinstitut, ursprünglich mit Hilfsgeldern aus dem Marshall-Fonds gegründet, ist Jahrzehnte später zu einem Giganten geworden, der überall mitmischt, "wo die Welt miteinander agiert", wie es in der Eigenwerbung heißt.

Von wegen Wiederaufbau. Das staatliche Institut hat nur eine einzige Filiale - im Gegensatz zu Deutschen Bank, die rund 2800 unterhält. Ist aber mittlerweile Deutschland drittgrößte Bank. Und was für eine: Mit nicht einmal drei Prozent der Beschäftigten und einem Fünftel der Bilanzsumme macht die KfW mehr Gewinn als Deutsche und Commerzbank zusammen.

Wäre man Anleger, müsste man sein Geld hier hineinstecken. Aber was ist das eigentlich für eine Superfirma, die einst unter Rot-Grün Zweigstellen und Niederlassungen in jedem Steuerparadies der Welt unterhielt, heute aber so tut, als könne sie kein Wässerchen trüben? Woher kommen die traumhaften Gewinne, die den vor Jahren von Politik und Medien gleichermaßen rigoros verurteilten Plan des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Ackermann, 25 Prozent Eigenkapitalrendite zu erzielen, zu einem erreichbaren Ziel werden lässt?

Ein Bankhaus, das nur von außen aussieht wie eine gemeinnützige Veranstaltung. Anfangs auf den heimischen Markt konzentriert, expandierte die KfV ab Anfang der 80er Jahre ins Ausland. Damals sei "Bewegung in die Finanzmärkte" gekommen, heißt es bei der Bank selbst: "Die zunehmende Internationalisierung der Kapitalmärkte eröffnete der KfW ganz neue Refinanzierungsmöglichkeiten." Die KfW nutzte, was der Markt bot, darunter "neue Instrumente wie Zins- und Währungsswaps", und sie begannt, "Anleihen in Fremdwährungen zu begeben".

Staatsgeld beim Spekulieren, Staatsgeld, das sich dann auch auf den lukrativen Markt der Briefkastenfirmen in Steueroasen begab. Auch wenn die offizielle Firmenchronik es nicht mehr verzeichnet, weil der "Kampf gegen Steuerhinterziehung" inzwischen an die Stelle einer Staatspolitik getreten ist, die staatliche Firmen und Landeshaushalte konsequent auf Steuervermeidung trimmte, bleibt es Tatsache, dass die KfW Auslandsniederlassungen in Steuerparadiesen wie dem US-Bundesstaat Delaware betrieb.

Damals war das Staatspolitik, heute folgt die KfW genauso willig der geänderten Strategie hin zu Negativzinsen. Angeführt von ehemaligen RBS-Bankerinnen voller Herz, die in Leitmedienschlagzeilen besungen werden, erzielt die KfW immer noch stolze Renditen "trotz des im aktuellen Zinsumfeld weiterhin geringen Verbilligungsspielraums".

Ein Bank mit sauberen Händen, eine Bank, die nur Gutes tut, und mit "Green Bonds", "Abwärmefinanzierung für Häuslebauer, Solarstromspeicher, günstigen Studienkrediten und zuverlässiger Energieversorgung für Bangladesh Gewinne für uns alle macht. Die Welt könnte so schön sein, wäre sie eine staatliche Bank.



Montag, 12. September 2016

Fall Honecker: Wie der BND Deutsche bespitzelt

Ein Stich ins Herz der Verfassungstreue, so geht die Mär, ein Verstoß gegen alles, was uns heilig ist. Drei Spitzenagenten des BND mussten ihren Hit nehmen, um den größten Geheimdienstskandal Deutschlands abschließend zu beruhigen: Gegen Recht und Gesetz, aber mit Wissen ihrer höchsten Vorgesetzten hatten die Männer nicht nur ausländische Ziele, sondern auch deutsche Staatsbürger abgehört - ohne Gerichtsbeschluss.

Die Politik spielt empört, die Bundesregierung ahnte nichts. Drei Bauern werden geopfert, damit das Staatswohl gewahrt bleibt: Nur ein Alleingang übereifriger Mitarbeiter, kein systemisches Programm des Bundesnachrichtendienstes.

Dem war schon immer verboten, Deutsche im Sinne des Grundgesetzes auszuspionieren. Getan aber hat er es dennoch - mit Einverständnis höchster Regierungsinstanzen. Beweise dafür finden sich öffentlich einsehbar im Bundesarchiv: Hier liegt etwa die Abhörakte Honecker, ein Dokument herausragender Infamie, das zeigt, wie der deutsche Auslandsnachrichtendienst unbeirrt von den eindeutigen Vorgaben des Grundgesetzes bis in die intimsten Lebensbereiche eines Mannes spähte, der nach bundesdeutscher Rechtsauffassung zweifellos bundesdeutscher Staatsbürger war.

Erich Honecker selbst sah das anders, doch aufgrund des Alleinvertretungsanspruches der Bundesrepublik für ganz Deutschland hätte das für den Geheimdienst West keine Rolle spielen dürfen. Honecker, geboren im Saarland, befand sich trotz seiner vorübergehenden Stellung als Staatsoberhaupt eines vermeintliche zweiten deutschen Staates nach bundesdeutscher Auffassung stets als Deutscher auf deutschem Staatsgebiet. Weder gab ihn ein Gerichtsbeschluss zur Ausspitzelung frei noch veranlasste ein Staatsanwalt eine Überwachung, weil Gefahr im Verzuge war.

Der BND grub sich trotzdem ins Privatleben des SED-Führers, ohne Rücksicht auf dessen Interesse, intimste Geheimnisse für sich zu behalten. In kaltem Bürokratendeustch vermerkten die jenseits von Recht und Gesetz agierenden Überwacher noch im August 1989, dass einer der Vertrauensärzte des Staatsratsvorsitzenden dessen Krankheit als "ernster als bisher angenommen" bezeichnet hätte.

Obwohl Staatsdiener rechtlich verpflichtet sind, eine Straftat wie die der Überwachung und Ausspitzelung eines deutschen Staatsbürgers anzuzeigen, weil sie sich sonst selbst strafbar machen, geschah das nicht. Stattdessen brüstete sich der BND in einem "Brieftelegramm" bei der damaligen Bundesregierung mit seinem illegal erworbenen Wissen um Honeckers schwere Erkrankung.

Optimismus, ein universelles Phänomen

Vom Gefühl her haben Menschen weltweit ein gutes Gefühl, auch wenn ihnen immer wieder gesagt wird, dass die Schere zwischen Arm und Reich sich permanent öffnet, schreckliche Kriege toben oder doch wenigstens drohen, Katastrophen und Hungersnöte an der Tagesordnung sind und viele auch keine Chance haben, an ihre Traumfrau ranzukommen.

Der Mensch ist in seiner Grundhaltung dennoch stur optimistisch, haben Wissenschaftler, die natürlich amerikanische sind, in einer weltumspannenden Befragung von 150.000 Freiwilligen herausgefunden. 89 Prozent der Befragten erwarten danach, dass die nächsten fünf Jahre "so gut sein werden wie jetzt oder noch besser". Allerdings, so legten die offenbar grundsätzlich optimistischen Forscher auf der Jahrestagung der Association for Psychological Science dar, gebe es von Land zu Land "unterschiedlich hohe Grade von Optimismus": Mit anderen Worten haben nirgendwo die Selbstmörder die Oberhand, auch wenn der Mensch etwa in Dänemark "deutlich optimistischer" ist als in Ägypten.

Optimismus sei trotzdem "ein universelles Phänomen", glaubt Studienleiter Matthew Gallagher von der University of Kansas. Selbst mitten in der Wirtschaftskrise seien 95 Prozent aller Befragten der Ansicht,  dass für sie persönlich alles so gut bleibe wie bisher oder sich sogar verbessern werde, weshalb sie sich nicht sofort entleiben, sondern unsinnige Dinge tun wie etwa Lotto spielen. Ganz vorn dabei sind im Weltmaßstab Irland, Brasilien, Dänemark und Neuseeland, am wenigsten optimistisch sind Simbabwe, Ägypten, Haiti und Bulgarien, die dafür alle nachvollziehbare Gründe vorbringen können - Nepotismus, Korruption, Gewalt, Unfreiheit, Islamismus, Alkoholverbot.

Portugal, in Westeuropa ganz hinten, hat für seinen Pessimismus kulturelle Gründe. Die traurigen Fado-Gesänge und das Abschneiden bei  Fußball-Höhepunkten können gar nicht anders gesichert werden.  Dahinter aber folgen mit Deutschland und Österreich zwei berührend komische Beispiele dafür, dass Lebensstandard, Lebenserwartung, Haushaltseinkommen, Sparvermögen, fußballerischer Erfolg und Fernreisefrequenz nichts zählen, wenn die Schere zwischen Wirklichkeit und medialer Wahrnehmung immer weiter aufklafft: Deutschland ist so optimistisch wie Namibia, Pakistan und Marokko.



Sonntag, 11. September 2016

Grüne gegen Bildschirmzeitung

Wir hal­ten es für bedenklich, wenn neue Satztechniken eingeführt werden, die Nach­richten per Funk direkt setzen und da­durch die Vereinheitlichungen von Nach­richten weiter fördern.

Zudem zerstören sie Arbeitsplätze. Gleiche Gefahren drohen von der Einführung der Bild­schirmzeitung.

Bundesprogramm, Die Grünen, 1980

15 Jahre 11. September: Nacht überm Hirn

Er ist Professor. Und er war Chef des staatlichen Deutschlandradio. Außerdem aber war er voll optimistisch. "Freiheit besiegt den Terror!", schrieb Ernst Elitz damals, zum 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September.

Es war das Jahr 2011. Der Westen hielt noch Frieden mit Russland, die Türkei war ein Verbündeter. das bisschen Finanzkrise verging ganz von allein. Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen, trieb die Furcht vor den Verhältnissen daheim, nicht die Verlockung einer in ein paar ausgeflippten Sommertagen verordneten Willkommenskultur am Zielort.

Ernst Elitz hatte damals, gebeten von der Bild-Zeitung, Anwandlungen. Er suchte und fand den Dichter in sich. Einen Poeten, der den gewalttätigen Islamismus mit seiner Feder ins Grab schrieb. Bin Laden war tot. Elitz` gute Laune lebte. "Glimmen" sah er "Mordlust". "Hass" hörte er im Gebet. "Hände abhacken, Augen ausstechen", stellte er sich vor. Dante. Die Höllenqualen. Neu erzählt von einem Träger des Gustav-Heinemann-Bürgerpreises. Von einem Jakob-Kaiser-Preisträger. Von einem Bundesverdienstkreuzinhaber.

Das Poem, das der frühere Theaterkritiker vor fünf Jahren stilsicher zu Papier brachte, ist es wert, auch zum heutigen 15. Jahrestag noch einmal gelesen zu werden.

Langsam. Laut. Und bitte mit Betonung.

Ihre Gebete sind Hass. In ihren Augen glimmt Mordlust. Sie wollen vernichten!

Den Anschlag auf das World Trade Center feierten sie als Fanal ihres Sieges. Auch heute wollen sie Angst und Schrecken verbreiten.

Aber sie können nicht siegen!

Wo immer Terroristen Menschen in den Tod bomben wollen, wächst die Kraft, ihnen das blutige Handwerk zu legen.

Denn hinter jedem Terroranschlag erscheint das Bild einer grausigen Welt: Frauen in die Burka gezwungen.

Willkür statt Recht. Kinder, die vor den Mullahs im Staub kauern müssen. Hände abhacken, Augen ausstechen.

Das ist die Welt, für die Terroristen kämpfen.

Das weckt Abscheu und Widerstand!

Wo Freiheit und Menschenwürde herrschen, sind Menschen vereint in dem Ziel, den Terror niederzuzwingen: Mit der Wachsamkeit der Bürger, der List der Geheimdienste, der zupackenden Arbeit der Polizei.

So wurde in Deutschland die Sauerland-Bande gefasst. Und die Berliner Islamisten, gierig nach Sprengstoff. So wehrt sich New York!

Freiheit macht nicht feige! Freiheit macht stark!

Sie wird den Terror besiegen!



Samstag, 10. September 2016

WHO warnt vor Krebs durch hohen Alter

Nur wenige Wochen nach der eindringlichen Warnung der Weltgesundheitsorganisation vor der bislang weitgehend unterschätzten Krebsgefahr, die von Lederschuhen und Wurstwaren ausgeht, hat die für ihre spektakulären Warnungen bekannt Uno-Organisation jetzt nachgelegt: Eindringlich wie selten warnt die Who nun auch vor dem Risikofaktor Alter als Krebsursache.

In einer aufsehenerregenden Studie zeigt die zur WHO gehörende internationale Krebsforschungsagentur IARC erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Lebensalter und der Entwicklung von Krebs fest. Danach sind nicht nur Rauchen, Fleischkonsum, Lederschuhe, Alkohol, Sex, fettes Essen und zu wenig Schlaf, die das individuelle Risiko für eine Krebserkrankung statistisch vergrößern. Vielmehr spiele auch das Lebensalter eine Rolle.

"Jedes gelebte Jahr erhöht das Krebsrisiko um etwa 1,31 Prozent", hieß es in der IARC-Studie. Gemeint ist damit allerdings nicht, dass bei einem Lebensalter von 76 Jahren das Risiko auf 100 Prozent steige, sondern dass das allgemeine Risiko, an Krebs zu erkranken, mit jedem Jahr um 18 Prozentpunkte von 0,061 Prozent zunimmt. Um auf 70 Prozent zu kommen, müsste die Testperson bei der derzeitigen Datenlage etwa 500 Jahre alt werden. Um auf ein individuelles Risiko von 100 Prozent zu kommen, wären es sogar 750 Jahre nötig.

"Man kann sich bedenkenlos auf das Alter freuen. Es kommt aber auf die Dauer an", sagt Professor Fritz Bönge vom Institut für Altertumsforschung in Eschwege, der nicht an dem Bericht beteiligt war. Kumuliert über Jahre hinweg, steigt das Sterberisiko im Leben mit der Zeit. Das sei aber "ganz natürlich". Wo Menschen älter werden, nehme die Todesrate durch schwere Erkrankungen zu. Zudem verzeichnen derartige reife Gesellschaften weniger junge Tote durch Kriege, Straßenschießereien oder unbehandelte Blinddarmdurchbrüche, so dass letztlich mehr ältere Menschen zur Verfügung stehen, die an schweren Krankheiten versterben können.

So erklärt sich, dass Menschen in den Wohlstandsgesellschaften einerseits älter werden, andererseits aber häufiger an Krebs erkranken - einer Krankheit, die Babys kaum betrifft, weil jede zweite Erstdiagnose in Deutschland Menschen betrifft, die älter als 70 Jahre alt sind.


Trotz Brexit: Flucht aus Europa



Im Juli vergangenen Jahres war der "Dschungel" von Calais plötzlich da. In Frankreich, kurz vor dem Kanaltunnel, so erfuhren die staunenden Deutschen, gebe es seit Jahren ein Lager, in dem sich Menschen versammeln, die aus dem vereinigten Europa fliehen wollen. Großbritannien ist ihr Ziel, alle Angebote der anderen europäischen Länder, sie aufzunehmen, lehnen sie ab. Mehr als zehntausend Menschen, vor allem tatkräftige junge Männer aus Nordafrika und Afghanistan, hatten sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Tunnel versammelt. Sie belagerten die Straßen und versuchten, auf vorüberfahrende Lkw zu springen.

Ein unhaltbarer Zustand, für den Europa zwar keine der beliebten gemeinsamen Lösungen fand. Aber eine im Alleingang: Beschützt von zahlreichen Polizisten, begannen Arbeiter auf Anweisung der französischen Regierung im Februar, den illegalen Slum der Migranten abzureißen.

"Zum Einsatz kamen auch zwei Bulldozer", hieß es seinerzeit in der "Zeit".
Ein letztes Lebenszeichen des Schandortes, der allen Bemühungen Europas Hohn spricht, zu einer geregelten Asylpolitik auf gesetzlicher Grundlage zurückzukehren. Der "Dschungel" verschwand. Allerdings nur aus der Berichterstattung.

Um nun plötzlich wieder aufzutauchen, weil Großbritannien angekündigt hat, auf französischem Boden eine Mauer bauen zu wollen, die den "Zustrom" (Merkel) von Migranten stoppen soll. Zustrom von Migranten? Von Frankreich nach Britannien? Trotz Brexit?

Es ist unvorstellbar für den durchschnittlichen deutschen Leitmediennutzer, der in den Monaten seit der Lossagung der Insel vom Kontinent gelernt hat, dass die separatistische Insel unter einer Welle an Auswanderung leidet, weil die Menschen sich im Zweifel für eine sichere Heimat in der Völkerfamilie der EU entscheiden, wo die EZB mit Luchsaugen über die Stabilität der Währung wacht, Angela Merkel als Quell nimmermüden Optimismus für alle Menschen sprudelt und Deutschland den Menschen leuchtendes Beispiel dafür ist, wie ein guter Plan zum Gelingen führen kann.

Niemand will hier weg. Außer die Flüchtlinge. Deren Traumland noch immer Großbritannien, trotz Brexit, trotz prophezeiter Wirtschaftsschwäche, trotz Boris Johnson und schwindsüchtigem Pfund. Die Flüchtlinge flüchten aus Europa, die EU hebt hilflos die Arme, Frankreich schafft das nicht.

Plötzlich muss wieder geräumt werden, was in der Erinnerung deutscher Mediennutzer längst geräumt ist. Und die Abwandlung von Donald Trumps Idee, eine Mauer zu bauen, wird vom höhnisch kommentierten Beweis für öffentlich ausgelebte Geisteskrankheit zum allseits akzeptierten Mittel, Fluchtwillige am Verlassen der EU zu hindern.

Gott hat Humor. Aber lustig ist der nicht.

Freitag, 9. September 2016

HFC: Auferstanden aus Ruinen

Nach vier Minuten ist schon wieder alles vorbei. Der Hallesche FC, angetreten, im dritten Heimspiel der Saison den ersten Heimsieg zu holen, steht vor dem Nichts. Preußen Münster, im vergangenen noch humorlos mit 3:0 nach Hause geschickt, hat gegen den von Rico Schmitt völlig umformierten HFC noch nichts Großes gezeigt. Und führt doch schon 1:0.

Wieder ein Nackenschlag, wieder kein Licht am Horizont. Selbst Neuzugang Dominique Fernell, auf dem seit der vergangenen Woche alle Hoffnungen der Vereinsführung und der Fans ruhen, zeigt heute nichts, was nicht Dorian Diring oder Sascha Pfeffer auch gezeigt hätten, spielten sie heute auf der 6.

Auch Barnofsky hält es so. Flanke von rechts. Keine Gegenwehr innen. Grimasse trifft. Tor für Münster.

Geht es schon wieder los? Der Heimklub, in dieses Spiel mit großen Ansagen gestartet, wird unrund , unruhig, unsicher. Kaum etwas klappt im Offensivspiel, das doch der Schlüssel zu einer begeisternden Saison werden soll. Und hinten brennt es lichterloh,  sobald Münster über die linke HFC-Seite kommt.

So war das nicht geplant.

Aber Fußball ist nicht Planung, sondern immer auch Glück. Und das lächelt heute und hier den Männern von Rico Schmitt. Kurz vor der Pause, als auf den Tribünen viele darüber nachdenken,  ob das mit dem Aufdenfingernpfeiffen noch klappen wird, zieht Benjamin Pintol nach einer plötzlichen Abwehrwackeleinlage der Münsteraner ab. Und trifft zum Ausgleich.

Was für ein Aufatmen im Erdgas-Sportpark. Der sein Glück erst recht nicht fassen kann, als Fabian Baumgärtel nur Sekunden später nach einer Ecke abzieht. Und zum 2 zu 1 trifft.

Halbzeit. Die Luft vibriert noch von diesem unverhofft Augenblick, in dem der Fußballgott gelächelt hat. Dann hört er auch gleich wieder auf. Die zweite Hälfte sieht zwei Mannschaften, die sich mühen, aber einfach nicht können, wie sie gern wollten. Aus Sicht der Hausherren stimmt nun zumindest das Gleichgewicht zwischen Offensive und Abwehr - nach vorn geht wenig, hinten aber passiert nichts. Münsters Angriffsbemühungen gleichen jetzt denen die HFC aus der ersten Hälfte.

Wer jetzt geht, verpasst nichts. Aber natürlich geht nun keiner mehr. Es geht auch keiner mehr rein, nicht hier und nicht dort. Drei Minuten Nachspielen, dann doch eher routiniert runtergespielt. Schließlich und endlich der erlösende Pfiff und die ersten Heimpunkte in einer Saison, von der womöglich nicht einmal Trainer Rico Schmitt derzeit sagen kann, ob sie den HFC in den Himmel oder in die Hölle führen wird.

Zitate zur Zeit: Rassenkunde des 21. Jahrhunderts

Die dummen Männer bleiben in der Provinz zurück. Und bemalen die Bäume mit ihren Zeichen.
Die klugen Frauen gehen zu den Dienstleistungsberufen in die Stadt, die dummen Männer bleiben allein zurück: Ein entzückendes Narrativ der Rassenkunde des 21. Jahrhunderts, geprägt vom Dorfmädchen aus der Provinz, das nun bei der grossen Zeitung online Bildchen schubst.

Don Alphonso bei FAZ.net zur Medienarbeit in der Provinz

Martin Schulz: Wenn es in Europa nicht mehr läuft

Beunruhigender Bedeutungsverlust: Martin Schulz erwägt wegen sinkender Aufmerksamkeitswerte einen Wechsel in die Bundespolitik.
Es geht schon Monate abwärts mit Martin Schulz, dem beliebtesten deutschen Sozialdemokraten Europas. Seit die EU vom unausweichlichen Schicksal der Völker zu einem nur noch geduldeten Gebilde mit dem Status eines alten Hundes geworden ist, von dem es alle am liebsten sehen, wenn er still hinter der Tür liegen bleibt, hat auch die Bedeutung des bedeutendsten Würseleners aller Zeiten nachgelassen (Grafik oben). Keine Talkshows mehr. Keine akuten Rettungseinsätze vor Tagesschaukameras. Kaum noch Gipfeltreffen. Schulz, vor zwei Jahren noch auf dem Sprung, Europa von Brüssel zu regieren, droht der Rückfall in das Vergessen, aus dem der einstige Spaßbadbauer gekommen war.

Doch der Mann kämpft. Wenn es eben in Europa nicht mehr läuft, wohin Schulz seinerzeit geflüchtet war, weil seine Partei in Deutschland keine Verwendung für ihn hatte, dann kehrt er eben nach Hause zurück. Hier präsentiert sich die SPD so malade, marode und schwach, dass einer wie Schulz, seit Jahrzehnten mit allen Hinterzimmertricks vertraut, fast schon wie ein Heilsbringer wirkt. Dass sich seine neu entdeckte Heimatliebe vor allem dem Umstand verdankt, dass Schulz nicht mehr daran glaubt, dass die hinter den Kulissen geschlossene Vereinbarung, nach der er nur eine halbe Amtszeit als EU-Parlamentschef amtiert und dann an einen Kollegen der Konkurrenz abgibt, noch aufgehoben wird, stört nicht.

Schulz, ganz gewiefter Taktiker, prüft das Wasser, indem er ihm eng verbundene Medien mit Informationen füttert. "Martin Schulz hat derzeit viele Optionen", hat er etwa dem "Spiegel" diktiert, der seinen Lesern zudem mitteilt, Schulz "kämpfe entschieden darum, zwei weitere Jahre Präsident des Europäischen Parlaments bleiben zu können". Ob das gelinge, sei allerdings "ungewiss". Denn schließlich gibt es da diesesominöse und  völlig undemokratisch von den Sozialdemokraten und der Europäischen Volkspartei unter drei ausgehandelte Geheimabkommen, wonach Schulz sein Amt nach der halben Amtszeit abgeben muss.

Bleibt es dabei, kehrt er zurück. Entweder früher, um den letzten SPD-Wählern als Zählkandidat für die Bundestagswahl eine Illusion von Machtalternative zu bieten.

Oder erst danach, um die Scherben der Ära Gabriel aufzukehren und mit seinen 61 Jahren einen Neuanfang mit frischen Kräften zu verkünden.

Donnerstag, 8. September 2016

Uno-Kommissar lobt Aufschwung in Mecklenburg

An der Landesgrenze haben die Vorpommerer Schilder aufgestellt, die Fremde abhalten sollen.
Das Wahlergebnis von Mecklenburg-Vorpommern sorgt selbst bei der Uno für Stirnrunzeln. Flüchtlingskommissar Filippo Grandi hat den Ausgang der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern von New York aus als paradox bezeichnet. "Mit einer Propaganda von bestimmten politischen Seiten, die die Flüchtlingskrise ausnutzt, gewinnt man sicher Stimmen", bestätigte er gegenüber der italienischen Zeitung "La Repubblica", was Wahlforscher bereits in Finnland, Frankreich und Schweden festgestellt hatten.

Um seine Argumentation zu untermauern, griff der Italiener dann zu einem Fakt. Und einer freien Erfindung. Mecklenburg sei das Bundesland, mit den „wenigsten Flüchtlingen“. Und dem „besten Wirtschaftswachstum", flunkerte der studierte Historiker, der seit 1988 beim UN-Flüchtlingskommissariat tätig ist. Im Zeitraum seiner Tätigkeit stieg die Zahl der Flüchtlinge weltweit von 14,4, auf 65 Millionen.

Ein Wachstum von 16 Prozent im Jahr – ganze 14 Prozent über dem, was Mecklenburg-Vorpommern im letzten Jahr tatsächlich schaffte. Da lag das Land nämlich nur bei 1,9 Prozent BIP-Wachstum, stolze 1,8 Prozent vor Sachsen-Anhalt, dem ewigen Armenhaus. Aber 1,2 Prozent hinter Baden-Württemberg. Und nur auf Platz acht im Vergleich aller Bundesländer.

Nun, "beste" heißt nicht zwingend "höchste". Und da Mecklenburg seit Jahrzehnten völlig ohne Industrie wächst, allein der durch den weltweiten Terror, westliche Sanktionen und Befreiungskriege aller Art beflügelte Inlandstourismus sorgt für gute Zahlen - mag Filippo Grandi die ressourcenschonende Qualität des auf die Sommermonate beschränkten Booms gemeint haben.

Doch kommt der Winter hier an der Küste, sind die polnischen Kellnerinnen und Kellner ebenso weg wie die Söhne und Töchter der Ost-Rentner, die schon immer hier leben. Und ihrer Seniorenkollegen aus dem Westen, die seit Jahren aus den Schmuddellagen des Ruhrgebiets nach Boltenhagen, Rostock und Stralsund ziehen, "weil es hier noch so ist wie früher bei uns".

"Es scheint also seltsam, dass es hier funktioniert hat, Flüchtlinge als Feinde darzustellen", wird Grandis Ferndiagnose deutscher Verhältnisse weiter zitiert. Abschließend gibt der Italiener eine Lektion in Menschenführung: Kanzlerin Angela Merkel habe bisher einen pragmatischen und humanitären Ansatz in der Flüchtlingskrise gehabt. "Um eine Leitperson zu sein, muss man die Ängste der Bürger anerkennen und in der Lage sein, diese zu steuern", sagt er. Während man an seiner größeren Vision festhalte.

Wenn die alten Witze wieder funktionieren


Noch einmal hat sie triumphiert. Die blutgierigen Hunde in die Schranken verwiesen, die eingebildeten Erben zum Verstummen gebracht, ihre Linie klar und deutlich als die einzig gültige festgezurrt. Angela Merkel ist im Moment der größten Bedrohung ihrer Macht, die in manchen Momenten grenzenlos scheint, erneut über sich hinausgewachsen.

"Mäßigt euch", hat sie den Divisionen der Diversanten zugerufen, die in den Regierungsparteien, die gerade regieren, aber auch in denen, die gern bald regieren wollen, nach ihr schnappen. Merkel, die Staatsfrau. Liest man deutsche Zeitungen, scheint es fast, als sei die Hamburgerin mittlerweile die einzige außerhalb der Redaktionen, die klar und in die richtige Richtung denken kann.

Die Bundeskanzlerin habe "alle demokratischen Parteien davor gewarnt, sich in der politischen Auseinandersetzung der aggressiven Sprache der Rechtspopulisten anzupassen und nicht mehr zwischen Fakten und falschen Behauptungen zu unterscheiden", stellt die SZ regierungsamtlich klar, warum es kein Leben ohne Angela Merkel geben kann. Die Antwort der Bundeskanzlerin auf ihre Kritiker sei "eine klare Alternative für Deutschland" gewesen, lobt auch die FAZ: "Entweder ihr seid für meine Vorstellung, wie das Land im 21. Jahrhundert aussehen soll, oder ihr seid nicht nur gegen mich, sondern eigentlich gegen alle Parteien, die Abgeordnete im Bundestag haben."

Kann denn aber, oder darf sogar, jemand gegen die sein, die an seiner Willensbildung mitwirken? Stellt sich nicht, wer sich gegen die Kanzlerin stellt, die im Bundestag gewählt worden ist, gegen sich selbst?

Wie Gerhard Schröder legt Angela Merkel ihr Schicksal in die Hände der Männer und Frauen, deren Schicksal in ihren Händen liegt.

Ein Meisterstück, das einen Wendepunkt markiert. Jetzt, wo Konsens über eine Obergrenze besteht, heißt es auf Linie bleiben und verbal abrüsten. Ein Wink in Richtung Gabriel und Maas, deren Versuch, sich aus der Konfrontation zu eskalieren, mit dem heutigen Tag gescheitert ist. Ein Hinweis aber auch darauf, dass die Ruder der Politik nicht mehr bis ins Wasser reichen. Das Schiff dreht sich im Wind. Im Kreis.

Angela Merkel, gestärkt aus dem Urlaub zurückgekehrt, der eben noch ihr letzter im Amt hatte sein sollen, gelingt das Kunststück, aus dem Ernst der Lage einen Witz zu machen. Es geht nun nicht mehr um richtig oder falsch, um gut oder schlecht, um Politik oder Posse. Sondern um Machterhalt.