Google+ PPQ: September 2008

Montag, 29. September 2008

Des Wahnsinns fette Beute

Heute: Peta. "People for the Ethical Treatment of Animals sent a letter to Ben Cohen and Jerry Greenfield, cofounders of Ben & Jerry's Homemade Inc., urging them to replace cow's milk they use in their ice cream products with human breast milk, according to a statement recently released by a PETA spokeswoman."

Hurra, die Schule brennt

auch malte lehming spricht uns heute aus dem herzen: "So schön kann Geschichte sein. Jedenfalls in der Wahrnehmung vieler liberaler Europäer. Für sie ist mit der US-Finanzkrise ein Stück Schadenfreude verbunden. Endlich hat George W. Bush, der verhasste fromme Krieger, jenen Knock-out-Denkzettel verpasst bekommen, der seine acht gruseligen Amtsjahre perfekt zusammenfasst."

Verliebt in die Apokalypse

michael miersch hat einen wunderbaren kleinen text zur kritik des wabernden geweses und geraunes, welches die deutsche öffentlichkeit gerade dann bestimmt, wenn es um präzision, gedankenschärfe und faktizität gehen sollte, geschrieben. er kommt zu einem schluss, den man in das eine oder andere poesiealbum nageln möchte: "Mit wirklicher Sorge oder gar mit dem Willen, schlechte Zustände zu verändern, hat das immer seltener zu tun. Die, die so reden oder schreiben, suchen meist nur eine scheinbar geistreiche Begründung für Nichtstun." thats it. zu weihnachten wünschen wir uns ausführungen zur deutschen sehnsucht nach einer dichotomischen welt, zur spaßbefreiten diskurszone und zu distinktionsgewinnen durch anti-amerikanismus.

Irgendwo ist immer April

Kaum haben die Regierungen von Belgien, Luxemburg und den Niederlanden beschlossen, den Regierungen von Venezuela und den USA zu folgen, und die bislang private Großbank Fortis in Gemeineigentum zu überführen, regt sich auf den Straßen von Los Angeles neuer Protest. Nicht gegen den Tod von Paul Newman geht es allerdings, sondern gegen das aus Steuergeldern gesponsorte Rettungsprogramm für faule Wallstreet-Kredite. Die sind, deutsche Zeitungsleser verstehen das ja oft nicht, weil es ihnen niemand in einem Satz zu erklären versucht, entstanden, weil es amerikanischen Banken seit 1977 erlaubt war, Kredite auch an nicht unbedingt kreditwürdige Schuldner auszugeben. Ein Risiko bestand kaum, denn durch die beständig steigenden Immobilienpreise waren selbst Häuser, die von wenig solventen Käufern erworben worden waren, allemal ihre Kreditsumme wert. Banken konnten also darauf vertrauen, entweder die vereinbarte Rate zu bekommen oder ein Haus, das sich zum Mehrfachen des ursprünglichen Kaufpreises weiterverkaufen ließ.

Der Himmel hängt voller Geigen, Kapitalismus hingegen ist, wenn man Leute einfach ohne Aufsich machen lässt, was sie machen wollen. Kaufen sie eines Tages keine Häuser mehr, sind Häuser auch keine Sicherheit mehr. Dann endet alles auf der Straße: Gleich neben dem Stern von Paul Newman fordern Nicht-Hausbesitzer heute etwas frivol "End the FED". Auf dem Plakat war leider kein Platz mehr für einen Hinweis darauf, was nach der Federal Reserve kommen soll, die der Dollar ist, von dem die Chinesen ebenso essen wie deutsche Stahlbauer und argentinische Steak-Züchter. DDR-Staatsbank? Goldgedeckte Mangelwährung? Schrumpfgeld? Irgendwo ist immer April. In diesem September halt in Hollywood.

Sonntag, 28. September 2008

Tatort Bundespräsidentenamt

Er ist ein Grantler, ein Fan von revolutionären Heldengestalten wie Marx, Lenin und dem Kleinen Trompeter, ein Schauspieler, der in jeder Rolle sich selbst darstellt, ein Polit-Prediger, der mit ein bisschen Bibel und ein wenig "Kapital" nichts erklären, aber allerlei beklagen kann. Jetzt wird Peter Sodann, ehemals hallescher Theatererbauer und "Tatort"-Kommissar vielleicht sogar noch Bundespräsident.

Die um originelle Einfälle zur Volksbespaßung nie verlegende "Linke" ist bei der Suche nach einem eigenen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl im Mai 2009 endlich auf Sodann gestoßen, der ein sehr naheliegender Kandidat ist: Neulich erst wollte der Mime für die Partei in den Bundetsag, kurz vor Urnenschließung aber dann doch nicht mehr. An der Demokratie aber hat Peter Sodann schon immer gefallen, dass sie ihm die Wahl ließ, sich wählen oder es sein zu lassen. Mit 72 ist der zuletzt im Zorn aus seinem ererbten Theaterdirektorsessel geschiedene Hobby-Marxist jung genug, noch zwei saubere Amtszeiten hinzuschmeißen. Genug Zeit, den Papast über die wahre Bedeutung der Bibel aufzuklären, Putin zum Kommunisten zurückzuerziehen und alle armen Kinder der Welt mit eigenhändig ausgereichten Bargeldspenden für immer glücklich und satt zu machen.

Samstag, 27. September 2008

Ein Sommer macht die Schwalbe

Harsche Kritik an der internationalen Finanzkrise kommt jetzt auch von Michael Sommer, dem Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der im Nebenjob Aufsichtsratsmitglied bei der in Finanzspekulationen hocherfahrenen Kreditanstalt für Wiederaufbau ist. Offenbar an sich selbst gerichtet, analysierte Sommer, dass "jene Manager, die sich am Kasino-Kapitalismus lustvoll beteiligt und die Milliardenverluste produziert hätten", nun als erste versuchten, den Schaden auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abzuwälzen.

Sommer, bei der KfW in vorderster Front beteiligt am wilden Herumjonglieren mit Telekom-Aktien, Kreditderivaten und amerikanischen Haus-Grundschulden, ist nach dem Zusammenbruch der Spekulationsspirale, an der er neben dem nunmehr nicht weniger unglücklichen Finanzminister Peer Steinbrück eifrig mitgedreht hatte, ein bisschen traurig über die Auswirkungen. Flugs macht der gewiefte Kämpfer für Arbeiterrechte die Schwalbe. Sommer wars nicht, der Kapitalismus wars! Der bedeute nämlich "Personalentlassungen und Lohndrückerei - zuerst bei Banken und Versicherungen und dann im Zuge des Wirtschaftsabschwungs auch in anderen Branchen." Der Arbeiterführer weiß genau, wovon er spricht: Sommers Gewerkschaftsbund ging bereits in den zurückliegenden Jahren mit schlechtem Beispiel voran und baute seine Mitarbeiterzahl kontinuierlich ab.

Wer hat es geschrieben?

welche zeitung hat folgende treffenden worte zur krise des weltfinanzsystems veröffentlicht:
"... zum ersten die internationalen geldmächte, die über allem selbstbestimmungsrecht der völker thronende überstaatliche finanzgewalt, das internationale großkapital ... zum anderen eine geistesverfassung, die sich weitester volkskreise bemächtigt hat; die unersättliche erwerbsgier ..."

Freitag, 26. September 2008

Moppelkotze im Reisrand

Nichts Neues unter der Sonne. Arbeiterführer Peer Steinbrück protestiert, weil die USA alles falsch machen, und das andere Amerika hört die Signale und protestiert gleich mit. 700 Milliarden für die Vergesellschaftung der Bankenschulden, nur um einen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems zu verhindern - da gehen in Amerikas Kleinstädten Menschenmassen auf die Straßen, an denen mittlerweile "Haus zu verkaufen"-Schilder im Dutzend stehen. Den Irak-Krieg zu verhindern, hat so nicht geklappt, aber den Bailout, der Moppelkotze mit Reisrand ist oder Schlimmeres, den werden die Volksmassen mit den Pappschildern bestimmt verhindern. Falls Peer Steinbrück, der als Aufsichtsrat der staatlichen KfW-Bank alle Gewinne aus Spekulationen am US-Bondmarkt gern mitgenommen hat, die junge Protestbewegung nicht in Krokodilstränen ertränkt.

Donnerstag, 25. September 2008

Swamp-Blues und Cabaret

Blumenvase oder Gefängnis

Die Welt:

Sind Sie mit den Ergebnissen der gescheiterten Anti-Islam-Konferenz in Köln zufrieden?

Henryk Broder:

Ich bin weder zufrieden noch unzufrieden, aber ich stelle fest, dass dieser kleine Vorfall in dieser auf ihre Liberalität so stolzen Stadt Köln eine totale Kapitulation des Rechtsstaats war. Das Demonstrationsrecht hängt nicht davon ab, ob man mit den Demonstranten Sympathie hat oder nicht: Das ist ein Grundrecht.

Sind die Ereignisse eine Gefahr für die deutsche Demokratie?

Broder:

Nein, aber die Verhinderung einer Versammlung von Rechtspopulisten ist ein schlechter Präzedenzfall. Das setzt ungute Vorzeichen. Die so genannte Antifa, die auf der Straße in der Überzahl war und sich gebärdete wie früher die SA, erzwang von der Polizei die Aufgabe des Schutzes der Rechtspopulisten. Das könnte auch mal umgekehrt sein - eine beunruhigende Perspektive.

Also darf die Polizei nicht kapitulieren?

Broder:

Das darf sie nie tun, das gefährdet den Rechtsstaat. Sie muss die Auflagen des Rechtsstaats durchsetzen. Hier hingegen ist aus opportunistischen Gründen eine Versammlung untersagt und abgesagt worden. Jeder darf eine Gegenkundgebung organisieren, aber eine angemeldete und genehmigte Demonstration muss von der Polizei geschützt werden! Hier in Köln hat sich der Staat der Macht der Straße gebeugt.

In Ihrem neuen Buch bestehen Sie auf der klaren Unterscheidung von Kultur und Zivilisation. Warum?

Broder:

Das ist eine ganz zentrale Frage. Nehmen Sie mal Samuel Huntington mit seinem Buch "Clash of Civilizations" - das wurde bei uns falsch übersetzt mit "Kampf der Kulturen". In Deutschland legt man größten Wert auf die Kultur und verachtet die Zivilisation. Ich lege größten Wert auf Zivilisation, weil ich die für etwas Verpflichtendes, Verbindliches halte. Kultur hingegen ist individuell. Mein Lieblingsbeispiel als Erklärung geht so: Kultur ist, wenn ich Ihnen den Kopf abhacke und daraus eine Blumenvase mache, Zivilisation hingegen ist, wenn ich dafür ins Gefängnis gehe.

(das ganze interview hier)

Mittwoch, 24. September 2008

PPQ auf dem Vormarsch

politplatschquatsch vor handelsblatt.com und ftd.de - wer hätte das gedacht?

Dienstag, 23. September 2008

Feine Unterschiede

die entführer von elf touristen und ihren acht begleitern in ägypten sind, da sind sich ein sprecher der zuständigen sicherheitskräfte und mdr sputnik einig, "nur kriminelle, keine terroristen". wodurch sich die einen von den anderen unterscheiden? kriminelle sind böse. terroristen auch, aber möglicherweise aus gutem grund.

Montag, 22. September 2008

Tollerant

wenn wir das oder das geschrieben hätten - oh mann, hätten wir prügel bekommen. aber wir haben es ja nicht geschrieben ...

Ich möchte ein Eisbär sein

falls sie im vertrauen auf die einschlägige medienberichterstattung über die anstehende klimaerwärmung schon eine kleine tomaten-plantage auf ihrem balkon eingerichtet haben oder die nebenkosten für die jahre ab circa 2020 ohne heizöl planen, dann sollten sie vielleicht noch einmal nachdenken.

Wer hat es gesagt?

Alles was wichtig war, ist schon gesagt worden, aber ich möchte noch ein paar Dinge sagen.

Sonntag, 21. September 2008

Sozialismus in den Farben der USA

Lange hat George W. Bush Widerstand simuliert, nun endlich aber schließt sich der Führer der freien Welt der Initiative von Venezuelas Commandante Chavez an: Bush, bisher als Büttel der Großindustrie gescholten, verstaatlicht wesentliche Teile der USA-Finanzindustrie. Während die Regierung in Deutschland noch so tut, als habe sie trotz zahlreicher Sitze im Aufsichtsrat der Staatsbank KfW zu keiner Zeit keinerlei Ahnung haben können, womit das mit Mitteln des Marshallplans gegründete Geldhaus die Moneten verdient, mit denen das Merkel-Regime seine Haushaltslöcher ebenso unauffällig zu stopfen pflegt wie vorher das Schrödersche, spendiert Bush 700 Milliarden Dollar, um dem geplagten Großkapital zur Seite zu springen. Applaus von allen Seiten: Obama sagt, er hätte dasselbe getan, nur besser, McCain jubelt, das er das Gleiche veranlasst hätte, nur früher, und außerdem Leute entlassen. In Deutchland ist der Finanzminister aufgebracht. Keiner hat ihm gesagt, dass er bei Lehmann Bros. mit drinhängt. Ein ausgesuchter Experte, der Peer Steinbrück.

Samstag, 20. September 2008

Oder?

der harzer kreistagsfraktionschef der rechtsextremen npd, michael schäfer, ist mit größerer sicherheit eine ziemlich doofe wurst. dass er am freitag durch das halberstädter amtsgericht zu einer geldstrafe in höhe von 400 euro verurteilt wurde, weil er im januar den fraktionsvorsitzenden der grünen im kreistag, peter lehmann, als "selbst ernannten kopf der gesinnungsmafia" beschimpft haben soll, lässt uns zwar im hinblick auf seine person völlig kalt, aber doch die frage offen, ob der richter nicht ungewollt schäfer nachträglich recht gibt, indem er sich implizit zum teil der angeblichen "gesinnungsmafia" macht. oder wäre ein ähnlicher spruch zu erwarten, wenn hans-christian ströbele mit den selben worten udo voigt angegriffen hätte? wohl kaum. ein richter soll aber recht sprechen und nicht "gute" gesinnung belohnen bzw. "schlechte" bestrafen. oder?

Freitag, 19. September 2008

Des einen Leid ist des anderen Freud

schönfärberei ist nun wirklich das letzte, was uns am herzen liegt. aber zumindest der klimawandel scheint auch seine positiven seiten zu haben.

Donnerstag, 18. September 2008

Die Schere klafft und klafft und klafft

so versuchen uns die zynischen handlanger des finanzkapitals sand in die augen zu streuen: "Die Zahl der von Armut bedrohten Menschen in Deutschland hat sich nach Erkenntnissen von Wirtschaftsforschern erstmals seit zehn Jahren verringert. Zudem seien die Einkommen weniger ungleich verteilt, und die Schere zwischen niedrigen und hohen Löhnen habe sich nicht weiter geöffnet, heißt es in Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ... Als Hauptursache für die Entwicklung nannte das DIW den Rückgang der Arbeitslosigkeit. «Damit ist zumindest ein Teil der Aussage, dass die Menschen nicht vom Aufschwung profitiert hätten, widerlegt», sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann in Berlin." doch wir wissen es besser - und lassen uns also nicht täuschen. denn die zahlen für die studien stammen aus dem jahr 2006. allein seitdem dürfte die schere zwischen arm und reich nichts anderes tun als zu klaffen, immer mehr und weiter und weiter. dass gerade in der größten finanzkrise seit mindestens 150 000 jahren die heuschrecken-farmer mit gegenteiligen zahlen herausplatzen, spricht doch ganz dicke bände. die werden wir jetzt lesen.

Mittwoch, 17. September 2008

Onkel Obamas Resterampe

Buttons ein Dollar, Aufkleber ebenso, T-Shirts 15 - beim Großangriff aufs Weiße Haus lässt Barack Obama die Merchandising-Maschine auf vollen Touren laufen. An der Fanshirt-Front weit im Westen ist McCain jedenfalls heute schon der klare Verlierer. Dabei sind Obamas Shirts viel zu häßlich zum anziehen.

Dienstag, 16. September 2008

Wow!

Französische und deutsche Wissenschaftler haben erstmals berechnet, welche Werte Insekten wie Bienen durch die Bestäubung von Agrarpflanzen schaffen. Der Studie zufolge hat der ökonomische Nutzen durch diese Bestäuber im Jahre 2005 etwa 150 Milliarden Euro betragen. Das entspricht knapp einem Zehntel des Gesamtwertes der Weltnahrungsmittelproduktion.

Ups

"Einigkeit herrscht unter den Experten, dass es beim Übergewicht und den sich daraus ableitenden Erkrankungen ein deutliches soziales Gefälle gibt." natürlich, ist doch klar, keine frage. seit hartz IV die menschen scharenweise dazu treibt, ihr hungertuch bei ebay zu versteigern, weil sie sich eh keinen zahnarztbesuch leisten können, ist die zahl der untergewichtigen alg-empfänger sprunghaft gestiegen. "Dies lässt sich eindrucksvoll an der Zahl der Diabetes-mellitus-Fälle ablesen. In der Oberschicht sind hierzulande nur 4,2 Prozent von Diabetes betroffen, in der Mittelschicht leiden schon 6,8 Prozent an dieser Erkrankung und in der Unterschicht gar 11,5 Prozent." ähm, ach so.

Samstag, 13. September 2008

Alles Nazis!

vorgestern hatte ich auf dem halleschen markt eine begegnung der dritten art - wenn das reicht. zwei ältere ehepaare unterhielten sich über politik. quintessenz: "sind doch alles nazis!" im verlauf des gesprächs wurde diese aussage nur noch durch eine angabe spezifiziert: "kommen alle aus dem westen." es gibt offenbar in halle, sachsen-anhalt, ostdeutschland eine gruppe von menschen, die vor allem durch ihre rechtsradikale gesinnung und ihre herkunft aus den alten bundesländern charakterisiert ist. das ende der debatte ergab sich fast folgerichtig mit dem satz: "das gabs doch hier früher nicht." um es kurz zu machen: zonen-rentner in popeline-jacken machten mal wieder das system aka den westen aka den kapitalismus aka "die da oben" für ihre schlechte laune verantwortlich. deutlich abgemildert stellte sich jedoch die situation nur einige sekunden später dar, als mittagstisch-coupons für möbel-höffner ("müsst ihr euch aber beeilen, gelten nur noch bis sonnabend, aber dafür mit [sic] klöße") getauscht wurden. hoffentlich stand kein nazi an der essensausgabe.

Freitag, 12. September 2008

Zwillinge, nach der Geburt getrennt

wenn die britische sängerin kt tunstall gerade nicht kleine hitparadenerfolge mit songs wie "black horse and the cherry tree" oder "suddenly i see" feiert, schreibt sie sich als charlotte roche die seele frei. der ebenso erfolgreiche wie ereignisarme bestseller heißt "feuchtgebiete" und erweiterte das wissen der menschheit zumindest über damm-massagen erheblich. dieses bizzare doppelleben zwischen gute-laune-liedern und anal-plugs dürfte aber dank der aufmerksamkeit von ppq in zukunft vorbei sein. zu einer stellungnahme war das pop-girlie mit den ausufernden kenntnissen über die rasur von schamhaaren trotz mehrmaliger aufforderung nicht bereit. unsere mails wurden mit einem freundlich geträllerten "eure fragen könnt ihr euch in den arsch schieben" nicht direkt ausführlich beantwortet.

Donnerstag, 11. September 2008

Handeln mit Heuschrecken

Was haben Roland Koch, Oskar Lafontaine, Matthias Platzeck, Frank-Walter Steinmeier, Wolfgang Tiefensee, Michael Glos, Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Frank Bsirske und Michael Sommer gemeinsam, fragt derGodmode-Trader?

Aber klar: Die genannten Damen und Herren, darunter der kommende Kanzlerkandidat de SPD, der oberste linke Gerechtigkeitskämpfer, der Klimaretter der Nation, der Finanzchef des Kabinettes, der seinen werktätigen Bürgern die steuerfreie Kostenpauschal gerade auf 300 Euro zusammenstreichen will, und die Gewerkschafts-Aktivisten Bsirske und Sommer, sind Mitglied des KfW Verwaltungsrats.


Als solche erachteten sie es 2001 als sinnvoll, Millionen der Allianz und der Münchener Rück für deren Beteiligung an der IKB Bank auszugeben. Damals hiess es, man wolle mit der Beteiligung sicher gehen, dass die IKB auch in Zukunft als "wichtiger Mittelstandsfinanzierer" erhalten bleibe und die IKB nicht in die falschen Hände gerate.

Tatsächlich hat die IKB hiernach, statt den Mittelstand zu fördern, vor allem in amerikanische Papiere investiert, deren Funktionsweise sie nicht verstanden hat. Dies war auch gar nicht so wichtig, viel wichtiger war dem damaligen IKB Chef das Ziel, einer der besten Kunden eines Verkäufers dieser Papiere zu sein: Der Deutschen Bank.

Nun sind die Gelder des Marshallplans, aus dem "Grundkapital" der KfW stammte, Jahre später durch eine ganz besondere Art der Vermögensumverteilung wieder dort, wo sie herkamen: In Amerika.

Um aber auch wirklich sicher zu gehen, dass die von der KfW mit 8 Milliarden Euro bezifferten Verluste auch wirklich nicht mehr aufgeholt werden, haben die Honoratioren des KfW Verwaltungsrates entschieden, die IKB zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt an eine "Heuschrecke" wie sie im Buche steht zu verscherbeln. Der Lone Star Fonds gilt Männern wie Franz Müntefering als beispielhaft dafür, wie amerikanische Renditejäger deutsche Unternehmen aushöhlen. Zuletzt schlachteten die Texaner das Fahrradwerk Biria in Sachsen-Anhalt, das angeblich keine Gewinne erzielte.

Auf dem Marktplatz gibt es für immer richtig Prügel von Steinmeier, Müntefering, Steinbrück, Sommer, Lafonataine und Bsirske. Im Hinterzimmer aber sind dieselben Herren schnell bereit, die zusammengekrachte Fast-Staatsbank an die vermeintliche Heuschrecke zu verkaufen. Proteste sind nicht überliefert, der Insider, der den Text auf Godmode verfasst hat, schreibt abschließend: Nun würden "Parteispender aus der Bankenszene" dafür sorgen, die Sache unter den Teppich zu kehren. Ist ja auch vorbei und erledigt. Jeder Deutsche hat es sich hundert Euro kosten lassen, die Verluste vor dem Verkauf auszugleichen. Das Geld hat der Steinbrück mit einer gekürzten Aufwandspauschale für alle Steuerbürger schnell wieder rein.

Swastika-Scherze

als erklärter bush-gegner überrascht der amerikaner dan bern (dennoch) mit fiesen kleinen vorschlägen. so will er bspw. hakenkreuze ständig und oft verwenden, weil sie als seit etwa 6000 jahren auf vier kontinenten verwendete symbole ein stetiges ärgernis für neonazis sein könnten. abgesehen von politischen themen singt der oft mit bob dylan verglichene jüdische liedermacher auch gern mal einen abend lang über seinen lieblings-baseballclub. auch seine elegien können sich hören lassen.

Das Schweigen der Sozialdemokraten

Mit dem Putsch an der SPD-Spitze ist es wie mit den Anschlägen auf die Twin Towers: Je mehr Zeit seit dem Sturz von Kurt "Mecki" Beck vergeht, desto unklarer wird, was wirklich geschah. Frank-Walter Steinmeier zum Beispiel, designierter Kanzlerkandidat der deutschen Sozialdemokratie, wusste ausweisliche einer von ihm verschickten Email bereits am Sonntagvormittag kurz vor zehn Uhr, das Kurt Beck zurücktreten wird. Ja, er wusste es nicht nur, er wusste auch, dass sich Beck zwei Stunden später vom versammelten Parteivorstand nicht würde umstimmen lassen.


Woher aber wusste Steinmeier, was passieren würde, wenn er es nicht selbt plante? Wir haben unmittelbar nach Bekanntwerden der Steinmeier-Mail beim SPD-Parteivorstand nachgefragt. Benjamin Mikfeld aber, Abteilungsleiter "Planung und Kommunikation", schweigt. Das ist die vielsagendste Art der Kommunikation, wenn die geheime Planung öffentlich zu werden droht.

Dabei fragten wir nur: "Uns ist heute eine Mail aufgefallen (beiliegend ein Auszug), die ausweislich Ihres Headers von Herrn Steinmeier am vergangenen Sonntag um 9.58 Uhr abgeschickt worden sein soll. Herr Steinmeier informiert den Empfängerkreis darin darüber, dass Kurt Beck zurückgetreten ist - ein Ereignis, das tatsächlich aber nach allen mir vorliegenden Presseberichten - und nach Kurt Becks eigener Darstellung vorhin in der Pressekonferenz - erst weit nach zehn Uhr am Sonntagmorgen stattfand.

Könnten Sie mich bitte wissen lassen, wie sich dieser Widerspruch erklärt? Sind hier interessierte Kreise dabei, mit gefälschten Informationen weiter Stimmung gegen die deutsche Sozialdemokratier zu machen?

Mit sozialistischem Gruß

Ebbe und Flut

«"Minijobs sollten eingedämmt werden", kritisiert Claudia Falk vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Berlin diese Entwicklung.» gemeint ist die zunahme der zahl geringfügig beschäftigter in sachsen und anderswo. da frau falk wohl kaum die per dekret verordnete umwandlung prekärer arbeitsverhältnisse in vollzeitstellen meint, kann ihr vorschlag nur darauf hinauslaufen, minijobber in die erwerbslosigkeit zu entlassen, weil sie mit ihrer tätigkeit die eigentliche klientel des dgb - zu denen die arbeitslosen offenbar nicht gehören - teilweise unter druck setzen. das ganze gequake von drohender altersarmut, ausbeutung etc. etc. ist nur die rhetorische bemäntelung der verteidigung dessen, was man im mittelalter pfründe nannte. falls es aber nicht an dem sein sollte, wäre falks aussage quasi inhaltsleer und ähnlich sinnvoll wie die forderung nach der eindämmung von ebbe und flut.

Mittwoch, 10. September 2008

Jammern zum Jubiläum

Zum Jahrestag mal was Neues: Die "Junge Welt", die in Extremismusdingen überaus erfahrene Tochtergesellschaft der früheren Freien Deutschen Jugend der DDR, enthüllt pünktlich zum Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center, dass es sehr wahrscheinlich gar keinen islamistischen Terror gibt. Die Anschläge vom 11. September 2001, zu denen sich Osama Bin Laden einst im Namen seiner Al Kaida bekannte, so schreibt das Berliner Blatt, hätten möglicherweise zwar stattgefunden. Sieben Jahre danach aber seien Millionen Menschen weltweit der Meinung, USA Geheimdienste hätten die Flugzeuge selbst in die Twin Towers gelenkt.

"Die Zweifel an der offiziösen Schilderung dessen, was in den USA am 11. September passiert ist, sind in der »Mitte« der Gesellschaft angekommen", fabuliert die FDJ-Zeitung. Repräsentative Umfragen zeigten, daß beispielsweise in den USA, Kanada oder Deutschland gut 60 Prozent der Bevölkerung davon ausgehen, nicht die Wahrheit über den 11. September erfahren zu haben. "Zwischen 19 und 30 Prozent der Befragten gehen gar davon aus, daß 9/11 ein Akt von Staatsterror war, also daß Teile der US-amerikanischen Machtelite mit in die Anschläge verstrickt sind."

Warum sie darin verstrickt sein sollten, wie Bin Laden überredet werden konnte, die Urheberschaft für sich zu reklamieren, und wieso ausgerechnet diese eine von unzähligen Verschwärungstheorien mehr sein soll als ein lukrativer Zeitvertreib für figerflinke Buchautoren, scchreibt die Junge welt zwar nicht. Aber, nach einer wahrscheinlich repräsentativen Umfrage von der Art, wie sie in den guten alten zeiten der DDR als "Instrument der westlichen Pseudo-Wissenschaft Demoskopie" galt, fanden die Frauen und Männer mit der "Blauen Brille" (Junge Welt, 1989) immerhin heraus: "Unter den Zweiflern befinden sich Schüler wie Studenten, Hausfrauen und Arbeiter genauso wie Architekten, US-Senatoren, Piloten, Professoren der Physik oder der Rechtswissenschaft."

Wenn das kein Beleg dafür ist, dass etwas dran sein muss am Verdacht! Immerhin waren ja unter den Menschen, die jahrhundertelang glaubten, die Erde sei eine Scheibe, auch Handwerker, Barbiere, Huren und Musiker! Und bis heute konnte das Gegenteil, glaubt man islamischen Gelehrten, nicht bewiesen werden!

Entsprechend still ist es im Weißen Haus, wahrscheinlich aus einem tiefsitzenden Schuldgefühl heraus schweigt der mutmaßliche Drahtzieher George W. Bush fein still. Nur die Bin-Laden-treuen Aktivisten von der Gmf, die PPQ seit vielen Monaten im Abo beziehen, könnten die Wahrheit enthüllen. Leider ist nun auch der zuletzt aktive Server in Malaysia abgeschaltet. Auf dem hatte die bunter Muslimistentruppe gerade begonnen, Bombenbauanleitungen, Bilder von zerfetzten Terroropfern und kleine Filmchen von Anschlägen auf US-Truppen in Afghanistan zu sammeln. Gucken konnte die nur, wer beim Webmaster eine Islamisten-Prüfung absolvierte, die ein ganz klein bisschen an den neuen deutschen Staatsbürgerschaftstest erinnerte. Haben wir geschafft. Aber wenig später war schon wieder Schluß mit dem virtuellen Terrorcamp. Gimf6x.to meldete nur noch Fehler 404.

Wenn das die Junge Welt erfahren hätte, wäre es ein Beweis mehr dafür gewesen, dass geheime Kreise die Wahrheit unterdrücken. Enttäuschung nun in den Redaktionsräumen, in denen freie Autoren Gehälter unter dem Mindestlohnniveau für Spargelpflücker kassieren, denn da sind sie ja immer noch, die muslimistischen Online-Kämpfer, inzwischen wieder bei Wordpress und unter dem Namen Ansar Media und Dschihadnews. Es fehlt immer noch an einer islamistischen, arabischen Blog-Software, auch arabische Server ggibt es nicht. Dafür ein altes Video vom ehemaligen Baggerfahrer, Pferdezüchter, vierfachen Ehemann und Vater von elf Kindern, mangels frischer Ware nochmal neu aufgemacht. Ausgerechnet Bin Laden hat darin aber auch nichts Besseres zu tun, als die Lügen der Ameriker zu bezeugen: "Die jungen Männer, denen Allah den Weg geebnet hat, haben die Schlacht ins Herz der USA gebracht."

Bands mit blöden Namen: Buffseeds

Es kommt immer drauf an, wie das Kind heißt, das ist klar, seit der Orkan "Gustav" die Hoffnungen vieler Deutscher auf eine Bestrafung Amerikas durch Gott enttäuschte und Kurt Beck die Spitze der SPD verlassen musste. Schon die Inthronisierung des Pfälzers war seinerzeit von endlosen Zitaten begleitet gewesen, in denen der Frank-Zander-Hit "Hier kommt Kurt / ohne Helm und ohne Gurt" eine führende Rolle spielte. The Buffseeds aus Exeter im vereinigten Königreich nannten sich dennoch so und zahlten den Preis: Trotz herzallerliebster Leidenshymnen wie "Sparkle Me" reichte es nur zu einer Art Semi-Ruhm. Sänger Kieran Scragg hat die Konsequenzen gezogen. Seine neue Band heißt ikonisch korrekt und ganz unironisch drogenfrei "Iko".

Deutsch den Deutschen

Die Hamburger Reform-Koalition von Schwarz und Grün packt mit großem Eifer die großen gesellschaftlichen Problemfelder an. So machen sich der CDU-Verkehrsexperten Klaus-Peter Hesse und seine grüne Kollegin Martina Gregersen jetzt stark für mehr deutsche Bezeichnungen im Stadtbild. Eine neue S-Bahn-Station am Flughafen soll zur Stärkung der nationalen Identität nicht wie bisher geplant "Hamburg Airport" heißen, sonmdern "Flughafen (Hamburg Airport)" heißen.

"Wir leben in Deutschland, und deshalb erwarte ich, dass zentrale Orte auch deutsch ausgeschildert werden", begründet Klaus-Peter Hesse sein Anliegen, das von beiden Reformfraktionen geteilt wird. Nächste Woche auf dem Fahrplan der Sprachnationalisten: Die bisherig nach dem lateinischen Wort "fractio" benannten Fraktionen in der Bürgerschaft werden in "Bruchteile" umbenannt, die bisher unter dem lateinischen "coalitio" bekannte Koalition soll dann gut deutsche „Vereinigung, " heißen und die im Moment noch unter Grün-Alternative Liste firmierenden Hamburger Grünen werden sich wegen des für viele Deutsche bis heute rätselhaft gebliebenen lateinischen Wortes "alternativ" in Grün-konkurrierend mit den bestehenden Normen-Liste umbenennen.

Danger! High Voltage

für einen bizarren start in der den tag:

The Beginning of the Twist

für einen beschwingten Sart in den tag:


On and on

für einen guten start in der tag:

Missionar für Miesepeter

Der gemeine Hallenser hat ja die Angewohnheit, grundsätzlich erstmal schlecht von seiner Stadt zu denken und schlecht von ihr zu reden. Alles hier ist grundsätzlich erstmal mies und grau und ohne jede Perspektive, die Häuser zerfallen und die städtische Politik tut auch nichts, um das altehrwürdige Städtchen endlich mal aus dem Schatten von Leipzig zu holen, in den es nach Ansicht seiner miesepetrigen Einwohner natürlich auch wieder nicht gehört.

So zutreffend viele Beobachtungen sind, so falsch ist das Bild, das Halle in den Augen seiner Einwohner erzeugt. Das zumindest glaubt Carsten Linke, der auf seinem Blog halle-fotos.de auch gleich den Beweis dafür antritt: Mit der einer alten Konika Minolta Dimage Z10, die, das passt prima zu Halle, bescheidene 3,2 Megapixel hat, zieht der Hobbyfotograf durch die Straßen und geht dem nach, was er "meine Mission” (Linke) nennt: Halle fotografieren. Neuerdings sind all seine sehenswerten Fotos mit Google Maps verlinkt - nur die miesepetrigen Nachbarn, die ihm eigentlich ihre eigenen Halle-Fotos zum Einstellen schicken sollten, scheinen nicht so recht Lust dazu zu haben. Haben sicher gerade wieder zu tun, darüber zu meckern, dass es über Halle keine anständige Foto-Seite gibt, auf die man seine sensationellen Neustadt-, Silberhöhe und Heide-Nord-Bilder hochladen kann.

Dienstag, 9. September 2008

Lexikon des unnützen Wissens: Billarderde

Es ist ja alleweil eine Menge los auf der Erde - hier der Kampf gegen den Terror, dort der Terror, hier der Hunger, dort Erdbeben, "Ike" und "Gustav", der Putsch in der SPD, Friedbert Pflüger, den die Berliner CDU nicht haben will, und dort Obama, den McCain überholt.

Von weitem betrachtet aber ist die Erde aber dennoch eine stille, runde, ja, überaus und überraschend glatte Sache. Um das richtig würdigen zu können, müsste man den Planeten allerdings erstmal schrumpfen, sagen wir auf das Maß einer Billardkugel. Dann offenbart die Erdkuller erstaunliche Eigenschaften: Eine Billardkugel zum Beispiel ist 55,125 Zentimeter groß und an ihrer Oberfläche höchsten 0,1225 Millimeter eingebeult. Will sagen: Keine Delle ist tiefer als 0,1225 Millimeter, keine Erhebung höher. Das Verhältnis zwischen dem Duchmesser der Kugel und den Abweichungen nach oben und unten beträgt damit 0,002.

Die Erde ihrerseits hat einen Durchmesser von 12.735 Kilometern - gerechnet nach der höchsten Abweichung, die eine Billardkugel nach oben und unten hat, könnte sie damit Erhebungen und Vertiefungen von 28 Kilometern haben, und sie hielte im Verhältnis doch mit der Glätte einer Billardkugel mit.

Hat sie ja aber nicht. Die höchste Erhebung hier unten ist der Mount Everest mit etwa 8.85 Kilometern Höhe, die tiefste Delle findet sich im Mariannengraben mit elf Kilometern Tiefe. Könnte man also, rechnet das Discover-Magazin aus, die gesamte Erde auf das Maß einer Billardkugel schrumpfen, wäre der Erdkugel runder und glatter als eine Billardkugel.

Zwillinge, bei der Geburt getrennt

eine blitzsaubere doppelkarriere legte, weitgehend unbemerkt, der auch als billy joel bekannte sänger und komponist peter gabriel in den vergangenen jahrzehnten hin. immer, wenn die eine musiker-laufbahn mangels hit-masse ins stocken geriet, futterte der unter dem pseudonym billy joel auftretende peter gabriel sich hamsterbacken an, spitzte die nase und machte unter falschem namen einfach weiter. haare und bart blieben stehen, auch das piano konnte in den meisten fällen weiter genutzt werden.
der betrug fiel vielleicht der öffentlichkeit nur deswegen nicht auf, weil sowohl joel-gabriel als auch gabriel-joel verblüffende ähnlichkeit mit dem schauspieler dennis hopper aufweisen. ob hopper-joel-gabriel, gabriel-joel-hopper, hopper-gabriel-joel usw. ihre leben nach dieser enthüllung weiter leben können, war bei redaktionsschluss noch unklar.

stand beck and do nothing

es war unvermeidlich. das drama um kurt becki meck, münti "münte" müntefering und steindings animierte die sprachspieler in den deutschen redaktionsbüros zu höchstleistungen. in den zeitungen, die normalerweise nur die wahl zwischen "wirbel um ...", "immer mehr ..." und "in der debatte ..." kennen, glühten angesichts der möglichkeiten die köpfe. "münte is beck" und "hin und beck" - hoho, was haben wir gelacht, zwinker-zwinker. das erst stefan raab auf "beck mich am arsch" kam, erstaunt angesichts dieses ausbruchs an redaktioneller kreativität fast ein wenig. gefehlt haben uns jedoch knaller wie "beck to the roots" bzw. "beck to basics", gewetzte "beckmesser", errötende "beckfische" und der ausruf müntes: "don't call me beck". auch das spd-freizeitprogramm mit "horse beck riding" ("don't beck the wrong horse!") kam etwas zu kurz. nur "beck to top" wäre wohl unangebracht gewesen. weiter mit musik: die unvergleichliche stevie nicks mit ihrem 86er-hit "stand beck".

Fünfte Kolonne im Kinderzimmer

Dass er das Nachmittagprogramm einiger und die Nachtschiene aller Sender mit Bildern aus seinem Familienalbum füllt, daran hat sich die Fernsehnation inzwischen gewöhnt. Ohne Hitler können viele Zuschauer nicht mehr wachbleiben, ohne Eva Braun und ein leichtes Gruseln vor dem humpelnden Goebbels nicht mehr einschlafen.

Während nationalsozialistsiches Gedankengut so wirksam zur Abschreckung von Nachahmern genutzt wird, haben gewissenlose Geschäftsleute in China oder sonstirgendwo den Führer, der in Deutschland ausschließlich eine Arbeitserlaubnis als Bereitsteller von redaktionellem Umfeld für Werbeblöcke hat, als Actionfigur entdeckt. Aus Plastik nachgebaut, dient der Liebhaber von Leberknödelsuppe, der davon abgesehen aber vegetarisch lebte, als Fünfte Kolonne für die arglosen Einwohner deutscher Kinderzimmer.

Hier muss und wird die Politik reagieren, zeitnah und wirksam, denn ein Herr Hitler darf nicht zum Spielball der Schwächsten werden!

Walter weiß es vorher

Es war kein Putsch, schwört Peer Steinbrück. Es war kein Putsch, meint auch Walter Steinmeier. Völlig überraschend habe SPD-Chef Kurt "Mecki" Beck den Seinen am Sonntagmittag eröffnet, dass er als Parteivorsitzender nicht mehr zur Verfügung stehe. Ein Schock für die Partei, aber nicht für alle ihre Mitglieder: Walter Steinmeier, die Schneeeule Hedwig der Sozialdemokratie, hatte es schon vor zehn morgens gewusst - um 9.58 Uhr verschickte der kommende Kanzlerkandidat eine Mail, in der er über den Rücktritt von Beck informierte. Weiter in die Zukunft schauen kann nur Franz Müntefering. Der gestand dem "Spiegel", bereits am Samstagmittag um 12.40 Uhr, 23 Stunden vor Becks Rücktritt, erfahren zu haben, dass er wieder SPD-Chef werden solle.

Viertes Reich vor der Tür

Gerissener Schachzug der rechtsextremen NPD: Nur wenige Wochen nach Gründung eines "Netzwerkes nationaldemokratischer Frauen" zur weiteren geheimen Unterwanderung der Demokratie sind sieben Neuntel des Vorstandes der Partei zurückgetreten.

Beobachtern zufolge waren die rund 250 Mitgliedern, davon etwa 100 Karteileichen, bis dahin damit beschäftig gewesen, immer weiter in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen. Verbündet mit den "Freien Kameradschaften", die nach dem erfolgreichen Verbot des rechten Netzwerkes "Blood&Honor" immer gefährlicher werden, ist es der NPD gelungen, einen Schornsteinfegermeister im Burgenlandkreis für die verfassungsfeindliche Sache zu gewinnen. Dadurch und durch wiederholte Massendemonstrationen mit bis zu 90 Mit-Marschierern war die Partei einer möglichen Machtübernahme noch näher gerückt. Roman Ronneberg, Geschäftsführer von Miteinander e.V. kommentiert bitter: «Der NPD ist es in den vergangenen Monaten gelungen, handlungsfähige Strukturen im Land aufzubauen und sich stärker an der öffentlichen Meinungsbildung zu beteiligen.»

Der Vorstand des Landesverbandes Sachsen-Anhalt ist nun den nächsten Schritt zur Abschaffung der Demokratie in Deutschland gegangen. Sieben von neun Mitgliedern des obersten Führungsgremiums der NPD traten zurück, weil der Kurs der Partei nicht revolutionär genug sei. Vieles hier erinnert an das Chaos bei der SPD, auch die Verfassungsfeinde proben zur Stärkung der eigenen Position einen Flügelkampf, der sich nach Analyse der HZ "vor allem um den Auftritt in der Öffentlichkeit dreht."

Duch ihre vemeintliche Schwäche, auch hier sehen Beobachter eine Parallele zur SPD, wird die NPD nur noch stärker und gefährlicher. Bei der letzten Wahl schon erreichte die mitgliederstärkste rechte Partei in Sachsen-Anhalt mit einer von 26.000 auf 13.000 zurückgegangenen Stimmenanzahl zehn neue Sitze in sieben von neun Kreistagen. Damit belegt die Partei nunmehr 13 von 396 Sitzen und steht Auffassung von Aktivisten etwa im Verein Miteinander unmittelbar vor der Errichtung eines Vierten Reiches.

Der öffentlichkeitswirksam inszenierte Streit an der Spitze ist so nur ein weiteres Puzzlesteinchen, das die Gesellschaft in Sicherheit wiegen soll. Klappt gut, wie der Sprecher des Innenministeriums in Magdeburg bestätigt: "Das ist eine Schwächung der NPD. Die Feinde der Demokratie zerlegen sich gegenseitig", glaubt er.

Moralische Grundlagen

manchmal wacht man morgens auf und stellt sich fragen wie folgende: "In was für einer Welt werden unsere Kinder und Enkel aufwachsen, wenn die Flut von Pornographie, Blasphemie und Unmoral in den Medien immer weiter ansteigt?" man antwortet sich dann selbst so etwas wie "keine ahnung" oder "mir doch egal" oder aber auch "nicht schon wieder eine flut". als nächstes schlürft man kaffee, blinzelt in die welt, schlürft weiter, blättert in der zeitung - und erkennt: holla, "zu viele in den Medien greifen rücksichtslos die moralischen Grundlagen unserer Kinder an." man könnte einwenden: "isch abe gar keine kinder". doch an diesem einen tag der woche will man es sich ausnahmsweise mal nicht leicht machen und beschließt: "Es darf nicht so weitergehen, daß die Kindheit in Deutschland durch sogenannte “Jugendzeitschriften” wie BRAVO, die in Wahrheit erotische Blätter sind, zerstört wird." selbst überrascht über diesen kühnen gedankenflug, beschließt man einen "Appell an Bundespräsident Köhler, Bundeskanzlerin Merkel und an die Bundesministerin für Jugend" zu schreiben. erschöpft darob, den "Feind Nr. 1 der Kinder" nicht nur entlarvt und angeprangert, sondern sogar bekämpft zu haben - legt man sich wieder schlafen. den rest erledigt der petitionsbeauftragte.

Montag, 8. September 2008

Eine Macke kommt selten allein

durch diesen hübschen blog bin ich auf dieses, äh, dings gestoßen. es gibt offenbar mehr als vier menschen, denen das blöde in halle und der welt, nun ja, aufstößt. welcome!

Genossen, so kann es doch nicht weitergehen

Wiedergeboren als Vorsitzender

Mit den Bayern aus München hat Ottmar Hitzfeld Titel gesammelt, bis es ihm und den Fans langweilig wurde. Weitsichtig ging der Mann, den viele für einen Schweizer halten, in die Schweiz, um dort Nationalmannschaftstrainer zu werden. Dann aber kam die Krise der SPD - und Hitzfeld, der früher halbtags und in der Bundesliga-Sommerpause unter dem Künstlernamen "Müntefering" als Vorsitzender der deutschen Sozialdemokratie ausgeholfen hatte, stellte den Sport sofort hintenan und erklärte sich bereit, ins Kurt-Schumacher-Haus zurückzukehren.

Gewalt im Grundgesetz

Endlich wird der grassierende Rassismus in Deutschland wirksam bekämpft. Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat jetzt gefordert, dass das Wort "Rasse" aus dem Grundgesetz gestrichen werden muss. Nach Ansicht von Hendrik Cremer vom Menschenrechtsinstitut sei mit der Zuordnung zu einer Rasse meist auch eine "Abwertung bestimmter Gruppen von Menschen" verbunden.

Wer gefragt werde, welcher Rasse er angehört, habe meist nichts Gutes zu erwarten, schreibt Cremer, ohne Einzelheiten zu verraten. Fest stehe: wie immer die Antwort ausfalle, mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse werde der Mensch nicht nur zugeordnet, sondern auch oft diskriminiert oder gar verfolgt. Zum Beispiel hätten auch die Nationalsozialisten den Begriff Rassen verwendet - dennoch komme der damit "extrem belastete" Begriff im Grundgesetz in Artikel 3, Absatz 3 vor: "Niemand darf wegen … seiner Rasse … benachteiligt oder bevorzugt werden." Das dürfe nicht sein, der Begriff müsse aus dem Grundgesetz als dem Fundament der deutschen Rechtsordnung gestrichen werden.

Darüberhinaus empfiehlt das Institut, auch alle anderen Gesetze und Verordnungen zu prüfen und zu verändern. So könne die Anti-Rassismusrichtlinie der EU im nationalen Recht praktisch umgesetzt werden. "In Deutschland ist dieser Schritt längst überfällig", heißt es beim Menschenrechtsinstitut. Weitergehend müsste dann endlich auch in internationalen Dokumenten des Menschenrechtsschutzes das Wort Rasse verschwinden.

Weitere Streichkandidaten im Grundgesetz sind Worte wie "Gewalt", "Zensur", "Treue", "unehelich", "Waffen", "Seuchengefahr", "Zwangsarbeit" und "Enteignung." Das Wort Treue trug die SS beim Völkermord auf dem Koppelschloß, die DDR enteignete zahllose kleine Gewerbetreibende, uneheliche Kinder könnten sich diskriminiert fühlen, wenn sie als unehelich bezeichnet werden. Worte wie "Gewalt" und "Waffen", aber auch "Zensur" gehören nicht in die Verfassung eines wirklich diskriminierungsfreien, barrierearmen und friedlichen Deutschland am Vorabend.

Nägel ohne Köpfe

Noch nicht mal im Amt, macht Franz Müntefering sofort Nägel ohne Köpfe: Natürlich glaube er daran, dass es auch nach der nächsten Bundestagswahl keine Koalition mit der Partei PDS/ML geben werde. Deshalb hat die SPD den alten Fuchs zurückgeholt - auf das Versprechen wird man Münte Festnageln können, denn eine Partei PDS/ML gab es nicht und gibt es nicht und auch in der Partei Die Linke gibt es derzeit keine Überlegungen, den Namen schon wieder zu ändern.

Ein Netzwerk aus Netzwerken

In der SPD gibt es die Netzwerker und in Ostdeutschland ein Netzwerk gegen Gewalt, Aktivisten in Anhalt betätigen sich in einem Netzwerk gegen rechts und neben dem Netzwerk Friedenskooperative arbeiten hierzulande auch ein Netzwerk Evidenzbasierte Medizin, ein Existenzgründer-Netzwerk, ein Netzwerk für Demokratie und Toleranz in Sachsen-Anhalt, ein Gesundes Städte Netzwerk, ein Netzwerk Medienethik, ein Netzwerk Hochbegabung, ein Netzwerk Selbsthilfe und ein Netzwerk für Demokratie und Courage. Nie zuvor ist soviel vernetzt worden wie heute, nie wurde mit soviel verbalem Aufwand sowenig Inhalt maskiert wie im Modewort Netzwerk. Google Timeline zeigt einmal mehr in fürchterlicher Klarheit, wie Geschwätz Karriere machen und immer mehr Gewätz begründen kann.

Becks begehrte Biografie

Es sollte einer der sozialdemokratischen Höhepunkte des deutschen Bücherherbstes werden, ein ähnlicher Knaller wie Reinhardt Höppners Klassiker "Acht unbequeme Jahre", das heute noch auf Platz 457.512 der amazon-Bestenliste liegt wie Blei.

Kurt Beck selbst hatte zur Feder greifen lassen, um im angesagten Pendo-Verlags eine Biografie mit dem spannungsgeladenen Titel "Ein Sozialdemokrat" herausbringen zu können. Das 260 Seiten-Werk drohte nach Vorankündigungen des Verlag ein "bewegendes Buch aus dem Leben eines sympathischen Menschen, der derzeit in der deutschen Politik wohl die schwerste Last zu schultern hat" zu werden und liegt nach den Vorbestellungen bei amazon heute schon auf Platz 52.000. Beck beschreibe darin, wie er vom Funkelektroniker zum Bürgermeister und vom erfolgreichen Ministerpräsidenten zum Verweser einer traditionsreichen deutschen Volkspartei wurde. Durch den plötzlichen Rücktritt des pfälzischen Charakterkopfes aber steht nun auch die Veröffentlichung des Bestsellers auf der Kippe.

Noch ist unklar, ließ der Verlag wissen, ob das Buch ergänzt oder verschoben werde. Denkbar wäre auch ein neuer Titel. Die Philipp Scheidemann-Biografie etwa heißt "Ein vergessener Sozialdemokrat". Beck könnte die seine nun "Noch ein vergessener Sozialdemokrat" nennen.

Wiedergeboren als Schneeeule

Er war der Minenhund des Kanzlers, ein als "Referent für Medienrecht und Medienpolitik" getarnter Mann mit Ambitionen, der erst die Leitung des persönlichen Büros von Ministerpräsident Gerhard Schröder übernahm, dann 1994 Leiter der Abteilung für Richtlinien der Politik, Ressortkoordinierung und -planung wurde und seinem Kanzler als Staatssekretär im Bundeskanzleramt und Beauftragter für die Nachrichtendienste zu Diensten war. Jetzt steht Frank-Walter Steinmeier vor dem größten Karrieresprung: Trotz seiner inzwischen perfektionierten Schröder-Mimikri, mit der er zuweilen selbst engste Vertraute täuscht, wird er die Bundestagswahl im kommenden Jahr gegen Angela Merkel verlieren. Kein Beinbruch für Steinmeier, der längst an einer zweiten Karriere bastelt: Als Schneeeule Hedwig hatte der Hobbyschauspieler schon einige gefeierte Auftritte in den beliebten Harry-Potter-Filmen.

Zombies

nachdem kurt becki meck von einem heckenschützen aus den eigenen reihen erledigt worden war, versuchten sich vielplauderer aus allen parteien an einer deutung der ereignisse. einer der vorerst letzten, die sich zu wort meldeten, war der fraktionschef der linken im bundestag, bodo ramelow. er warf der spd mobbing vor und erklärte, ihm sei unverständlich, "wie die sozialdemokraten so mit ihrem vorsitzenden umgehen" könnten. wie aus gut unterrichteten kreisen zu erfahren war, schnappte auch margot honecker, ehemals lilahaarige bildungsministerin der ddr und urnenverwalterin ihres verstorbenen gatten und vorgängers von oskar lafontaine als vorsitzender der sed-pds-linken (erich h.), die ramelow-äußerungen auf ihrem kleinen mittelwellenradio in chile auf. sie meldete sich stante pede zu wort und warf der partei "mobbing" vor. immerhin sei becki meck nicht wie ihr gatte unter unwürdigen bedingungen ins exil gezwungen worden. sie überlege nun, in verantwortungsvoller position die nachfolge ihres mannes in der partei anzutreten: "ich kann die aussagen von ramelow nur so interpretieren, dass die partei zwar nicht immer recht hat, aber wiedergutmachung leisten will." egon krenz, auch er ein spitzenpolitiker, der von oskar lafontaine beerbt worden war und erst 2003 das gefängnis verlassen durfte, meinte, ihm sei persönlich unverständlich, "wie die sozialisten so mit ihrem vorsitzenden umgehen" konnten. eine rückkehr als müntefering der linken schloss er ausdrücklich nicht aus.

Aus der Hecke ins Kanzleramt

"Heckenschützen" hat der geschiedene SPD-Vorsitzende Kurt "Mecki" Beck für seinen unfreiwilligen Rückzug von der Parteispitze verantwortlich gemacht.

Um die Spannung noch ein bisschen zu halten, ließ Beck offen, wen er damit meint - derm Ablauf der Ereignisse allerdings lassen beim Rätselraten nicht viele Kombinationsmöglichkeiten: Die "gezielten Falschinformationen" (Beck), mit denen "die Medien einen völlig anderen Ablauf meiner Entscheidung dargestellt" haben, stammten von Frank-Walter Steinmeier, der dem "Spiegel" schon am Freitag für die Montagsnummer erklärt hatte, warum er am Sonntag zum Kanzlerkandidaten gekürt worden sei.

"Das war und ist darauf angelegt, dem Vorsitzenden keinen Handlungs- und Entscheidungsspielraum zu belassen“, klagt Beck über die Illoyalität des Mannes, der ihm damit "keine Möglichkeit mehr" gelassen habe, „das Amt des Parteivorsitzenden mit der notwendigen Autorität auszuüben“.

Dem Machtwechsel an der Parteispitze scheint eine Art Verschwörung vorausgegangen zu sein. Der zeitablauf spricht eine klare Sprache: Nach der Rückkehr von Franz Müntefering aus seinem mit üppigen Diätenzahlungen abgepolsterten Sabbathjahr planten Steinmeier, Müntefering und Steinbrück den Sturz des glücklosen Parteibären Beck, unter dessen Leitung sich die SPD daran gemacht hatte, das FDP-Projekt 18 noch vor den Freidemokraten zu erreichen. Müntefering, der SPD-Spitzenmann mit den meisten Rücktritten pro Posten, verordnete der Partei einen Neuanfang mit altem Personal: Er selbst als Vorsitzender, Walter Steinmeier, ehemals Gerd Schröders farbloser Helfer, heute eine Art Schröder für Arme, als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im kommenden Jahr.

Mit einem sauerländischen Strippenzieher und einem Heckenschützen mit dem Charisma einer Aktentasche zieht die SPD nun ins letzte Gefecht, in dem die Sozialdemokratie darum kämpfen muss, nicht zwischen einer sozialdemokratischen CDU und einer sozialistischen Linken zerrieben zu werden. Das neue, alte Führungspersonal steht für die Strategie, die linke Flanke verlloren zu geben und stattdessen um Wählerstimmen an der linken Flanke der CDU zu werben. Geht es schief, wird Müntefering wieder zurücktreten. Das tut er ja immer. Steinmeier hingegen ist noch zu jung für den Ruhestand. Er wird von Heckenschützen aus den eigenen Reihen erledigt werden, sein Bundestagsmandat aber behalten. Von irgendwas muss man ja leben.

Sonntag, 7. September 2008

Umm unausgegraben

Nach dem 11. September 2001 wurde es ein bisschen ungemütlich für Al Kaida in Afghanistan. Eigentlich waren Bin Laden und sein Führungskollege Ajman al-Sawahiri davon ausgegangen, dass die amerikanische Administration zusammenbrechen und aus dem Bundesstaat zahlreiche kleine, unabhängige Länder werden würden. Stattdessen schickten die USA Marschflugkörper - und aus der Umma, der weltweiten Gemeinde der Gläubigen, strömten keineswegs die erwarteten Massen an Freiwilligen zur Fortführung des Dschihad in die Berge um Tora Bora.

Lawrence Wright berichtet in seinem erstaunlichen Buch "Der Tod wird Euch finden", wie Sawahiris Frau Umm Assa auf der Flucht nach Pakistan starb: Als die Liebste des Terroristen mit ihrem behinderten Kind in einem Gästehaus der Taliban-Regierung an der Straße nach Pakistan Halt machte, trafen US-Raketen ihre Unterkunft.

Umm Assa überlebte, ebenso wie die kleine Aischa. Doch während die sofort gefunden wurde, hatten Trümmer des Hauses ihre Mutter unter sich begraben. Die Retter setzten das Kind, das unter dem Down-Syndrom litt, vor dem Haus auf ein Bett, und gingen daran, Umm Assa zu bergen. Die aber weigerte sich, ausgegraben zu werden, weil sie befürchtete, die Männer könnten ihr Gesicht sehen. Als sie aufhörte zu schreien, schauten die Retter auch wieder nach dem Kind. Das war allerdings inzwischen erfroren.

Rechtsputsch in der Linken

Das deutsche Volk verdankt Franz Müntefering heute schon viel. Der sauerländische Sozialdemokrat mit dem knittrigen Keith-Richards-Gesicht war es, der den Begriff "Heuschrecken" erfand und dann im großfrei war, als die Staatsbank KfW die Staatsbank IKB in höchster Not an eben diese schrecklichen Heuschrecken verkaufen musste, weil sonst kein Käufer zu finden war. Müntefering kommentierte das nicht, denn er schrieb gerade an einem Buch, in dem er der wankenden, schwankenden Sozialdemokratie den Weg in eine Zukunft ohne Heuschrecken, Staatsschulden, Klimakatastrophen und CDU-Kanzler weisen wird.

Die bricht nun doch schon ab morgen an, denn der "Franz", seinerzeit wie alle SPD-Chefs seit Willy Brandt gescheitert als Vorsitzender der deutschen Sozialdemokratie, darf im zarten Alter von fast 69 noch mal als Hoffnungsträger ran: Nach dem Rückzug von Kurt "Mecki" Beck, der ebenso wie sein Vorgänger Matthias Platzeck "fehlende Kraft" als Kündigungsgrund vorschob, steht "Münte" vor einem gloriosen Comeback. Vorgeschlagen worden sei er, so reportiert n-tv, von Frank-Walter Steinmeier, dem SPD-Vorständler, der seit seinem Aufrutschen ins Außenamt zusehends korrekter versucht, seinen Ex-Chef Gerd Schröder in Gang, Gestik und Sprache zu imitieren. Vorausgegangen war der Inthronisierung des alten Parteichefs als neuem Parteichef und der Kür von Steinmeier als Kandidat für die Bundestagswahl eine breite innerparteiliche Debatte in bester SPD-Tradition. Viele Beobachter fühlten sich an den langwierigen Prozess erinnert, in dem die Amerikaner ihre Präsidentschaftskandidaten auswählen. Niemand hatte auch nur im Entferntesten den Eindruck, hier habe ein Grüppchen mächtiger Männer hinter verschlossenen Türen Entscheidungen auf eine Art getroffen, wie sie früher das DDR-Politbüro bevorzugte.

Nein, die SPD ist demokratisch, das geht ja schon aus ihrem Namen hervor. Eigentlich hatte Beck den kommenden Kanzlerkandidaten deshalb im Alleingang und ganz demokratisch bestimmen wollen. Nun kommt es anders - wie wir früher bereits enthüllten, gibt es im Deutschen ja leider kein Verb für "die Wahrheit sagen" - und ginge es nach Bundesarbeitsminister Franz Müntefering, bräuchte es auch kein Substantiv für "Wahrheit".

Denn natürlich handelt es sich bei dem "Wechsel an der SPD-Spitze" (Spiegel) um einen Rechtsputsch mitten in der Linken. Steinmeier, Steinbrück und Müntefering, ein Triumvirat aus rätselhafterweise beim Volk beliebten Egomanen, haben lange zugeschaut, wie Beck, der erratische Politbär aus der Provinz, die alte Dame SPD auf der Tanzfläche im Walzertakt herumschwenkte, während Foxtrott und Tango liefen. Freundliche Belehrungen nahm der Ministerpräsidenten-Mecki nicht an, folglich folgte nun der gewaltsame Sturz, in alter SPD-Tradition selbstverständlich unbewaffnet und mit Lobeshymnen auf den scheidenden Gescheiterten garniert.

Politrentner Münte muss es nun richten, denn viel mehr an Nackenschlägen verträgt die "Arbeiterpartei" (Willy Brandt) nicht. Das sagen sie nicht, aber jeder weiß es. In einer Rede vor dem Bundestag hat Franz Müntefering das vor Monaten, noch ehe er ein vollbezahltes Sabbatjahr auf Steuerzahlerkosten einlegte, mal schön beschrieben: "Da wird nicht immer so ganz die Wahrheit gesagt, eher grenzt das schon an Lüge."

Samstag, 6. September 2008

Gesänge fremder Völkerschaften: Elvis im Wald

Elvis lebt und er singt sogar noch. Tief in den schwedische Wäldern ist der King Chef einer Combo, die er ganz bescheiden The Response nennt. Meist rocken Presley und seine Kumpels nur so rum, wenn es aber gut läuft, gestatten sie sich auch den einen oder anderen Klassiker aus dem früheren Leben ihres Frontmannes. Autogrammkarten allerdings unterschreibt Elvis, der unter der Woche als Schleusenwärter in einem Örtchen namens Lennartsfors lebt, nicht mit seinem richtigen Namen, sondern als "Kalle Kvaellaender". Verständlich, sonst würde er ja auch sofort erkannt.

Max braucht kein Wasser

Es sollte nicht weniger sein als "die präziseste Kalkulation der Folgen des Klimawandels", die Forscher des Hamburger Max-Planck-Instituts (MPI) für Meteorologe nach jahrelanger Rechenarbeit vorlegten. Im Auftrag der Bundesregierung erstellt, behauptete das Papier, "in nie erreichter Genauigkeit" (Spiegel) und auf einzelne Regionen aufgeschlüsselt voraussagen zu können, wie sich das Klima bis ins Jahr 2100 verändert.

Wie fragwürdig dieses Versprechen wirklich ist, wird allmählich deutlich. Denn zwar verweisen die MPI-Forscher stolz auf einem "Großcomputer, der mehrere Räume des Max-Planck-Instituts in Hamburg füllt" und für jede Minute der kommenden 92 Jahre drei Szenarien errechnet habe, wie sich das Klima verändern könnte. Beachtet wurden dabei Einflußgrößen wie Niederschlag, Vegetation und Bodenbedeckung, denn diese, so schreiben die Forscher, beeinflussen natürlich die Klimaentwicklung. Richtig überzeugend klingt das Ganze, wenn die Forscher ausführen, es handele sich hier um ein "dreidimensionales hydrostatisches regionales Klimamodell", das ein "atmosphärisches Zirkulationsmodell" sei, welches "die relevanten physikalischen Prozesse dynamisch berechne" und dabei "insbesondere nicht-lineare Zusammenhänge" berücksichtige.

Das schönste Programm aber kann natürlich nur mit den Faktoren rechnen, die ihm eingegeben werden. Und da haben die Max-Planck-Forscher im Bezug auf die Klimaentwicklung in Mitteldeutschland einfach mal das Wichtigste vergessen: Ihr Modell berechnet das Klima nach Niederschlag, Vegetation und Bodenbedeckung, wie sie heute sind. Und unterschlägt dabei, dass in Sachsen. Thüringen und Sachsen-Anhalt mit dem "Leipziger Neuseenland", dem Geiseltalsee, der Goitzsche und den gefluteten Lausitzer Braunkohlengruben in den nächsten 20,30 Jahren eine Wasserfläche von mehr als 200 Quadratkilometern neu entstehen wird. Der Zwenkauer See wird mit seinen knapp 1.000 Hektar Wasserfläche zu den 50 größten Seen Deutschlands zählen, der Markkleeberger See ist mit 252 Hektar noch einmal ein Viertel so groß. Allein rings um Leipzig entstehen Seen mit einer Wasserfläche von künftig zusammen 120 km², davon werden 24 größer als 1 km². Größter See der 175 km² großen Wasserlandschaft, die aus gefluteten Braunkohletagebauen besteht, wird mit einer Fläche von 18,4 km² der Geiseltalsee südlich von Halle werden, der dann der größte künstliche See Deutschlands sein wird.

Aber Max Planck braucht kein Wasser, um in die Zukunft zu sehen. Nach dem Max-Planck-Modell werden "die Sommerniederschläge in Nordost-Deutschland besonders stark" zurückgehen - ungeachtet aller absehbaren Veränderungen des Mikroklimas durch die neue Seenlandschaft. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts erwarten die Präzis-Prognosten im Vergleich zu heute deshalb ein Minus von bis zu 30 Prozent bei den Sommerniederschlägen.

Am See selbst wird anders geplant: "Durch die riesigen Wasserflächen wird sich das lokale Klima nachhaltig ändern und dem ähneln, welches am Bodensee herrscht", sagen Forscher der Universität in Halle voraus. Wie der Baikalsee in Sibirien könnte die neue mitteldeutsche Seenlandschaft das durch den Harzschatten traditionell trockene Klima in der Region genau in die entgegengesetzte Richtung drücken: Die Sommer am Baikalsee etwa bringen wegen der höheren Verdunstung bei höheren Temperaturen derzeit mehr als zehnmal soviel Regen wie die Winter.

Bundesamt warnt vor Google

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nimmt seine Aufgabe ernst: Wo immer eine Gefahr heraufschimmert, etwa, wenn Bundesbehörden dazu übergehen, alle nur erreichbaren Daten zentral speichern zu wollen, warnt die Bundesbehörde in aller Stille vor der "Sammelwut" in den Nachbarzimmern. Und wenn die "Datenkrake" (Der Spiegel) Google zuschlägt, machendie Experten aus Berlin ihre Warnungen sogar öffentlich: Gnadenlos haben sie jetzt die Gefahren aufgedeckt, die der neue Google-Browser Chrome mit sich bringt.

Google habe eine unfertige Beta-Software in die Hände von Millionen unerfahrener Nutzer gegeben, empört sich die Behörde. "Google Chrome sollte deshalb nicht für den allgemeinen Gebrauch eingesetzt werden", sagte BSI-Sprecher Matthias Gärtner der Berliner Zeitung. Sehr leicht könne es durch die Benutzung der unfertigen Software zu Schlaganfällen, Häuserbränden und blutenden Elektrozuleitungen kommen.

Google pflegte in der Vergangenheit alle neuen Softwareangebote zum Teil jahrelang als Beta-version laufen zu lassen. Nach geheimen Erkenntnissen der Bundesinformarionstechnikschützer soll es dabei wiederholt zu Zwischenfällen gekommen sein. So hätte sich eine Hausfrau in Wiesbaden beim Versuch, eine Suppe mit Gmehl anzudicken, einen elektrischen Schlag versetzt. Ein älterer Mann aus Garmisch hingegen sei verunglückt, als er mit Youtube neues Wasser in sein Aquarium haben füllen wollen.

Die New York Times meldet inzwischen vorab, dass Google seinerseits vor den Analysen des Bundesamtes warnt. "Das BSI sollte derzeit nicht für den allgemeinen Gebrauch eingesetzt werden", zitiert die Zeitung einen Google-Sprecher. Beim BSI handele sich derzeit um eine offensichtlich fehlerhafte Beta-Version. Es sei problematisch, so die New York Times unter Berufung auf Google, dass das BSI seine Warnungen ungefragt über den Köpfen von zahllosen unerfahrenen Anwendern ausschütte.

Schmerz in F-Dur

Die hießen mal Pilate, aber das war nicht so ein großer Erfolg. dadurch allerdings waren nicht so viele Leute da, die den alten Namen vergessen mussten, um sich den neuen merken zu können. Der lautet extrem viel schnittiger Pilot Speed. Die Musik ist getragen geblieben: Schmerzen in F-Dur, a-Moll und d-Moll, als wären U2 noch im Jammer-mit-mir-Geschäft.

Plötzlicher Harndrang?

von vielen autobahn-pissoirs deutschlands grinst ein gramulierter mann, der obige frage mit "hab ich unter kontrolle" beantwortet. er nimmt nämlich prostagutt mit der einzigartigen pflanzenextrakt-kombination aus BRENNNESSEL UND SÄGEPALME!

Freitag, 5. September 2008

Jens Jessen plädiert für Sippenhaft

Jens Jessen, der durch sein beherztes Eintreten für junge Leute mit Hang zur Gewalt bekanntgewordene Kulturchef der Zeit, hat in seiner witzigen Videokolummne diesmal Sachen an, die nicht zueinanderpassen. das soll, so sagt er dann, die Illustrierung sein zum Thema der Woche: Wie amerikanische Politiker, die ich nicht leiden kann, heucheln, und wie ich heuchle, dass es mir persönlich gar nichts bedeutet, wenn einer wie der Palin plötzlich eine schwangere 17-jährige Tochter dazwischenkommt.

Jessen, zuletzt ja Verfechte eine eher lockeren Moral, findet 17-Jährige, die schwanger werden, natürlich "gar nicht so schlimm". Persönlich. Aber er amüsiert sich selbstverständlich wie Bolle, dass US-Republikaner, die seinen Informationen nach alle den sexualkundeunterricht in der Schule abschaffen wollen, das nun auch nicht mehr schlimm finden können, weil doch die Mutter Palin dem McCain die Präsidentschaft holen helfen soll.

Jessen, Video-Oberinquisitor der "Zeit", prangert das flammend als "Doppelmoral" an und hat damit eine echt elegante Möglichkeit gefunden, den "Skandal" um die 17-jährige Schwangere, den er sich natürlich niemals als einen solchen zu bezeichnen wagen würde, in seiner Kolummne zu verwursten. Jessen plädiert im Sinne einer höheren Moral für Sippenhaft - sagt die Mutter, 17-Jährige sollen nicht schwanger werden, und die eigene Tochter wird es dann doch, kann die Mutter nur noch alle politischen Ämter aufgeben und büßen. Dass sie das nicht tun wird, ärgert Jessen sichtlich. Fürwahr ein schönes Bild.

Größe ist nicht Geschmack II


während es bei jeremy enigk wenigstens noch zu einer eigenen kamera und einem mikro gereicht hat, müssen sich "the field mice" ihre videos von den wenigen fans bereitstellen lassen, die dann ihre handys über laptops und plattencover auf wanderung schicken.

Millionäre verarmen immer schneller

Weil der Euro im vergangenen Jahr immer teurer wurde, ist die Zahl deutscher Dollar-Millionäre schneller gestiegen als sonst irgendwo auf der Welt. 72.000 Haushalte reihten sich neu ein in den Klub, zu dem nach dem Doillarkurs vom Juni schon Leute Zugang hatten, die über ein Vermögen von 650.000 Euro verfügten. Seit der Weltwirtschaftskrise der 20er Jahre war es nicht mehr so leicht Millionär zu werden - dafür spricht auch die Gesamtzahl der deutschen Millionäre, die nach dem Global Wealth Report der amerikanischen Unternehmensberatung Boston Consulting Group auf nunmehr 422.000 kletterte.

Die reichen Haushalte in Deutschland besitzen demnach zurzeit sieben Billarden Dollar, seit 2001 ist das deutsche Vermögen Jahr für Jahr um rund fünf Prozent gewachsen. Das war auch gar nicht schwer, weil der Dollar im selben Zeitraum in ähnlichem Maße an wert verloren hat.

Im Augenblick ist die europäische Einheitswährung allerdings im Begriff, im selben Tempo an Wert zu verlieren. Damit verarmen hierzulande derzeit jeden Tag rund 200 Millionäre. Seit Anfang Juni sank die Zahl der Glücklichen nach PPQ-Berechnungen bereits wieder von 422.000 auf nur noch knapp über 400.000.

Größe ist nicht Geschmack

Zwischen verkannt und bekannt liegt manchmal nur schlechter Geschmack. Weshalb ein in der Asiette gebackener "Superstar" wie Thomas Godoji hierzulande die Hallen füllt. Und ein grandioser Songwriter wie Jeremy Enigk seine Alben selbst herausbringen muss. Aber wenn Oskar Lafontaine erst Kanzler und Andreas Ypsilanti Vizekanzlerin ist, wird aber alles anders: Mehr Gerechtigkeit hat die vereinigte Linke ja versprochen.

Mit Böhmer um die Wurst


Vormittags warnt er vor einer Übertreibung der rechten Gefahr, mittags belohnt ewr sich mit einem Würstchen, nachmittags klärt er Haushaltsfragen und am Abend dann stellt sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer einem Würstchentest des ZDF-Verbrauchermagazins WISO. Zur Verkostung standen zwölf aus Fernsehgebührengeldern finanziert Wurstsorten im Schafssaitling, die Böhmer "besonders schätzt, wenn sie knackig und herzhaft sind", wie der Hauslatsch unter den deutschen MInitserpräsidenten am Rande der hochrangig besetzten Veranstaltung im würdigen Rahmen der Magdeburger Staatskanzlei verriet.

Neben Böhmer selbst, der Würstchen am liebsten "morgens, mittags und abends, zumeist mit Senf aus Bautzen" isst und sich damit auffallend von seinem Teil-Amtsvorgänger Erich Honecker abhebt, der "Makkaroni mit Tomatensoße und Bratwurst" als Lieblingsessen angab, war der bekannte Fernsehhund Karlchen. Neben ihm nahmen die Ministerpräsidenten großer deutscher Würstchen-Hersteller Platz.

Denen wurden die Test-Würste ohne weitere Angaben serviert - damit wollte das Zweite Deutsche Fernsehen investigativ herausfinden, welches die beste deutsche Wurst ist. Auf einer Skala von 0 bis 15 mussten Böhmer und seine Mitstreiter den Imbiss nach Aussehen, Brät, Biss, Geruch und Geschmack bewerten. Wolfgang Böhmer gelang es dabei nach Angaben der Bild-Zeitung, die in seinem Lande hergestellten Halberstädter Würstchen am Geschmack zu erkennen. Obwohl die Sendung mit den Testergebnissen erst am 22. September im ZDF zu sehen sein wird, ist es dem rüstigen 72-Jährigen schon jetzt gelungen, der von vielen Bürgerinnen und Bürgern so oft kritisierten Politik ein Stück Würde zurückzugeben.

Mächtig gewaltig

dass google-anfragen nach "politplatschquatsch.com" direkt bei uns landen ist nicht direkt verwunderlich. dass aber folgendes zu uns führt, ist, nun ja, lustig: "der preis eines pfunds subterraner feldfrüchte hat welche mächtigkeit".

Wir stehen früher auf

Lawrence Wright zitiert in seinem bemerkenswerten Buch "Der Tod wird Euch finden" die von einer Werbekampagne des Landes Sachsen-Anhalt inspirierte Eidesformel von Bin Ladens Al Kaida: "Ich gelobe gegenüber Gott und seinem Bund, gewissenhaft auf meine Vorgesetzten zu hören und ihnen zu gehorchen, und früh aufzustehen in schwierigen wie in guten Zeiten."

Donnerstag, 4. September 2008

Die Scorpions haben immer Recht

barack "change" obama steht wie kein anderer für das neue, andere amerika jenseits verkrusteter politikstrukturen. er ist nicht nur schwarz und smart, sondern auch ein mann für den dringend benötigten frischen wind, ein windmacher sozusagen. weil er das ist, hat sich die wandel-anleihe unter den amrikanischen politikern joseph biden als designierten vize-präsidenten auserkoren. der 65-jährige arbeitet schon mehr als die hälfte seines lebens als senator in washington. kein zweiter dürfte als strukturenaufbrecher besser als er geeignet sein - sind sie doch ein teil seines hier- und daseins. seit 1973 sitzt biden für delaware im senat, er weiß also ganz genau, wen es jetzt in den hintern zu treten gilt.
john "vietnam-veteran" mccain hingegen repräsentiert das gestrige amerika zwischen herrschsucht, größenwahn und hohem benzinverbrauch. dem entsprechend ist seine wahl auf sarah palin als mögliche vize-präsidentin gefallen. eine frau und ex-schönheitskönigin mit fünf kindern, deren mann von beruf fischer ist und die bisher in zusammenhängen wie "weißes haus" oder "große politk" nicht vorkam - rückwärtsgewandter konnte die entscheidung nicht ausfallen. frau palin kennt niemanden in washington und niemand kennt sie: der "wind of change" dürfte wegen mangelnder kompetenz eher ein laues lüftchen werden.

Sensible Daten live im Ersten

Gott hat Humor, und deshalb Jörg Pilawa, den aus dem Osten eingebürgerten Ex-DDRler, kurz vor dem "Großen Einbürgerungstest" mit Claudia Roth und anderen Plappertaschen aus dem Spiel genommen. Stattdessen springt, nein, nicht Kerner, der ist beim anderen Kanal, aber Beckmann ein, der Westentaschenbruder des Alleskommentierers. Die Sendung ist dann nicht der Rede wert, ihr Zustandekommen schon. Wo, zum Teufel, hat die ARD die Namen und Adressen von 40 Menschen kaufen können, die kurz davor stehen, einen Einbürgerungstest zu machen? Handeln jetzt auch die Ausländermeldeämter, die moslemischen Gemeinden und die Einbürgerungstest-Lehrgänge offerierenden Volkshochschulen mit derart sensiblem Stoff?

Deutschland verbietet Google Chrome

Wegen des zuletzt zwar nicht gewachsenden, aber erfolgreich zur Füllung des Sommerlochs verwendeten Missbrauchs von Daten im Internet wollen Bund und Länder den Datenschutz mit strengeren Regeln und höheren Strafen verstärken. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble kündigt an, dass Daten künftig nur noch mit ausdrücklicher Einwilligung weitergegeben werden dürfen. Dazu sollen die Besitzer von Daten nicht mehr wie wie bisher eine Weitergabe ihrer Daten verhindern, indem sie Adresssammlern keine Zustimmung zur Weitergabe erteilen, sondern indem sie eine Weitergabe nicht erlauben. Es werde nicht mehr geduldet, dass Geschäfte im Internet nur geschlossen werden können, wenn der Käufer eine Weitergabe seiner Daten erlaubt.

Der eben erst gestartete Google-Browser Chrome steht damit in Deutschland vor dem Aus. Im Widerspruch zu den Forderungen des von Schäuble angekündigten Gesetzentwurfes verlangt der kalifornische Internet-Konzern vor dem Download eine ausdrückliche Zustimmung zur Datenweitergabe. "Durch das Übermitteln, Einstellen oder Anzeigen von Inhalten erteilen Sie Google eine unbefristete, unwiderrufliche, weltweit gültige, unentgeltliche und nicht exklusive Lizenz zum Vervielfältigen, Anpassen, Modifizieren, Übersetzen, Veröffentlichen, zum öffentlichen Darstellen und Anzeigen sowie zum Vertreiben sämtlicher mithilfe der Services übermittelten, eingestellten oder angezeigten Inhalte", heißt es.

Diese Lizenz diene "einzig dem Zweck, Google das Anzeigen, Vertreiben und Bewerben der Services zu ermöglichen" und beinhalte darüberhinaus, die unumschränkte Erlaubnis, dass Google "die Inhalte anderen Unternehmen, Organisationen oder Personen zugänglich". Eine solche globale Freigabeforderung ist nach der Absprache, die Wolfgang Schäuble als Deutschlands führender Datensammler mit den sogenannten Datenschutzbeauftragten getroffen hat, nicht länger zulässig: Nutzer des Chrome-Browsers müssten nach an einem Nachmittag ausgekobelten weitsichtig geplanten künftig geltenden Gesetzeslage hierzulande vielmehr auch die Möglichkeit haben, den Service zu benutzen, ohne zuvor zwingend einer Weitergabe ihrer Daten zuzustimmen.

Diese Variante bietet Google allerdings nicht an, vermutlich, weil der Konzern Datensammeln und weitergeben als seinen Unternehmenszweck definiert. Nach deutschen Recht müsste der Service folglich nach Inkrafttreten der neuen Regelung abgeschaltet werden, verboten ist künftig auch die Weitergabe von Anschriften, Telefonnummern, Geburtsdaten, Namen und E-Mail-Adressen über das Internet, wie sie Google und weitere sogenannten Suchmaschinen praktizieren. Da es ausdrücklich keine rückwirkende Zustimmung gibt, müssen alle gespeicherten Daten, für die nach dem Stichtag für die Neuregelung keine Zustimmung zur Weitergabe eingeholt wird, aus dem netz gelöscht werden - anderenfalls droht Google ein Bußgeld, dessen Höhe durch das neue Gesetz überdies nach oben angepaßt werden soll.

Telefonbuch wird illegal

Im Kampf gegen Datendiebe und Adresshändler haben der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar, mehrere Bundesminister, Vertreter der Länder und Innenminister Schäuble 2.0 scharfe Maßnahmen beschlossen. Statt wie bisher eine Weitergabe ihrer Daten zu verhindern, indem sie Adresssammlern keine Zustimmung zur Weitergabe erteilen, können Verbraucher eine Weitergabe ihrer Daten künftig verhindern, indem sie eine Weitergabe nicht erlauben. Das erschwere den Handel mit Adressen, zeigte sich die Versammlung unter Vorsitz des obersten deutschen Datensammlers zufrieden.

Der Datenschutzbeauftragte Schaar kündigte an, dass die Einwilligung in die Datenweitergabe nur für künftige Geschäfte gelte, nicht nachträglich. Damit kann auch der Ankauf von Kontodaten mutmaßlicher Steuerhinterzieher, mit dem das Bundesfinanzministerium vor einigen Wochen engagiert Werbung für den illegalen Adresshandel gemacht hatte, nicht mehr nachträglich legalisiert werden.

Unternehmen, die wie www.schober.com mit Daten handeln, sollen eine Übergangszeit bekommen, während der sie alle Adressinhaber in ihren Datenbanken um eine Einwilligung für die unbegrenzte Datenweitergabe bitten dürfen. Die Deutsche Telekom, die bisher als Herausgeber der größten deutschen Namens- und Adresssammlung fungierte, wird in dieser Zeit auf alle Inhaber von sogenannten Telefonbüchern zugehen und um die Herausgabe der nach Maßgabe der neuen rechtlichen Regelungen nunmehr illegal veröffentlichen Bücher bitten.

Gegen die jüngst bekanntgeworden Fälle von massenhaftem Datenmissbrauch werden die neuen Maßnahmen nach Ansicht der hochrangigen Expertenrunde eine außergewöhnlich schnelle Wirkung entfalten. Die nämlich waren, wie Wolfgang 2.0 Schäuble mitteilte, bereits nach derzeitiger Rechtslage strafbar.

Mittwoch, 3. September 2008

Halle auf der Rolle

Sauber ohne Saufen

Saufende Vatis, kotzende Jugendliche, Halbwüchsige, die vor lauter Bier nicht mehr gerade gucken können oder aber auch autowaschende Frührentner, heimwerkende Schichtarbeiter und Männer in den besten Jahren, die in Jogginghosen durch Baumärkte tigern, um Fliesenkleber zu kaufen: Solche Bilder soll es künftig nicht mehr in der Fernsehwerbung geben. Das EU-Parlament will klischeebehaftete Reklame verbannen, um Diskriminierung zu unterbinden - und auch Gewaltverherrlichung soll verboten werden.

Eva-Britt Svensson hatte vor der Abstimmung im Europaparlament eine klare Linie festgelegt: "Geschlechtsspezifische Klischees in der Werbung stecken Frauen, Männer, Mädchen und Jungen in eine Zwangsjacke, beschränken Individuen auf vorgegebene künstliche Geschlechterrollen, die oftmals herabwürdigend, beschämend und erniedrigend für beide Geschlechter sind", schrieb die schwedische EU-Abgeordnete der Vereinigten Linken in ihrem Bericht für den Frauenausschuss.

Svenssons Argumentation teilte die Mehrheit der Abgeordneten - sie wollen den Mann,d er angeblich nur säuft, den auf der Couch Nüsse knabbernden Fußballfan und den stinkefingerzeigenden Autofahrer aus der Fernsehwerbung verbannen. Mit großer Mehrheit forderten die Abgeordneten am Mittwoch in Brüssel ethisch oder rechtlich verbindliche Regeln für Reklamesendungen. Damit könnten Werbespots unterbunden werden, die diskriminierende oder entwürdigende Botschaften auf der Grundlage von Geschlechterklischees vermitteln oder zu Gewalt anstacheln, teilte die Parlamentsverwaltung zum Inhalt des Vorstoßes mit. Angelnde Männer, sich schminkende Frauen, Kinder, die mit Spielzeug spielen - all das verschwindet vom Bildschirm.

Stattdessen will das Parlament Aufklärungsaktionen und Bildungsprogramme, um gegen sexistische Beleidigungen und entwürdigende Bilder von Frauen und Männern in der Werbung und im Marketing vorzugehen. Künftig sollen Frauen beim Saufen bis zur Besinnungslosigkeit gezeigt werden, Männer hingegen sind für Kosmetikreklame vorgesehen.

Eingemeinden mit Cem und Dany

Der Kaukasus ist auch diese Woche noch ein ganz heißes Ding, ehe nächste Woche wieder der Streit um Mindestlohn und Kampfhunddatei losgeht. Kurz vor Ultimo ist es der Financial Times Deutschland gelungen, die grünen Positionen im Machtkampf zwischen Tiflis und Moskau, Berlin und Washington herauszuarbeiten. Der grüne Hoffnungsträger Cem Özdemir, einst bekanntgeworden als Krawattenmodell eines Frankfurter Lobbyisten, und Dany Cohn-Bendit, ein Mann mit einer sympathischen Vorliebe für unverkrampfte Geschlechtlichkeit schon in ganz frühen Jahren, verrieten in Berlin ihren Masterplan zur Beendigung des Kalten Krieges, der seit Olympia-Eröffnung mitten in die Erderwärmung geplatzt ist. Klappt das, rückt die Welt bald zusammen wie in obiger Grafik. Das wäre dann wegen der kürzeren Entfernung, die die Globalisierung bei der Distribution etwa von Adidastrikots und Fosters-Bier zurücklegen müsste, auch gut fürs Weltklima.

Brüssel ist irgendwo in Belgien und damit nicht weit weg. Klare Kiste. Daher sind die beiden grünen Europaabgeordneten Cem Özdemir und Daniel Cohn-Bendit nach Berlin gekommen, um dort, also in Deutschland, die Georgienpolitik der Grünen vorzustellen.

Cem Özdemir ist Schwabe, beziehungsweise Schwaben-Anatolier. Eigentlich wohnt er in Berlin-Kreuzberg. Daniel Cohn-Bendit ist Deutscher und Franzose gleichzeitig. Georgien wiederum, gelegen im Kaukasus, sei ja momentan in aller Munde wegen Abchasien und Südossetien, sagen die beiden.

Deshalb sei es mal Zeit, über eine privilegierte Partnerschaft mit Georgien und auch der Ukraine nachzudenken. Insgesamt sei ein schneller Beitritt der Türkei in die EU aber das Wichtigste. Özdemir kommt da ja her.

Vorbild für eine Lösung der ethnischen Konflikte in Georgien sei im Übrigen nicht das Kosovo, das mal ein Teil Serbiens war, sondern eher Südtirol, wo sich ja keiner mehr vorstellen könnte, wieder zu Österreich zu gehören, sagt Cohn-Bendit. "Alle kommen nach Südtirol Skifahren", sagt er noch, bevor sich ein Russe in das Gespräch einklinkt. Dass Georgien auch mal ein Teil Russlands war, was das nun bedeute? Dass dies zwar stimme, man aber genauso bis zu irgendwelchen kaukasischen Kriegen zurückgehen könnte, sagt Özdemir. Wo übrigens seine Vorfahren herkämen. Woher nochmal?

Eine Dame möchte jetzt noch über den Kolonialstatus der Kapverdischen Inseln reden. Wegen Portugal, Sie wissen schon. Die gehörten aber nun wirklich nicht mehr zu Europa, sagt Cohn-Bendit.