Donnerstag, 24. März 2016

Atheisten: Radikale Randgruppe will Abkehr von Gott™

Die Anschläge von Brüssel waren eine ganz klare Botschaft von wahrhaft Gläubigen: Wir sind jetzt bei Euch angekommen, mitten in einem Europa, das sich vom wahren Glauben abgewandt hat und nur noch einen Gott kennt, den Mammon. Statt alle Vorteile des großen Wohlstandes zu genießen, den das vereinigte Europa genießt, schließen sich auf dem Kontinent immer mehr Menschen dem Atheismus an, einer radikalen gottlosen Sekte, deren Ziel die Errichtung des ungläubigen Staates ist, in dem nur noch weltliches Recht gilt.

Keine Kirchensteuern mehr, keine Fördermittel für den Bau von Moscheen, keine Rücksicht auf Nijab und Ganzkörperschleier fordern sie. Kreuze runter von den Schulwänden, Steuern hoch für Kirchenfürsten, die von staatlichen Alimentierungen leben. Drastische Forderungen, die den öffentlichen Frieden nach Ansicht von Experten zunehmend stören könnten. Der Verfassungsschutz hält den radikalen Atheismus für sehr gefährlich, denn er schafft die Grundlagen dafür, dass Menschen, die an Gott glauben, sich zurückgesetzt, benachteiligt und marginalisiert fühlen müssen.

Wir erklären das Phänomen, das sich selbst gelegentlich als "Kirche der Vernunft" bezeichnet, in Wirklichkeit aber nur Hass, Hetze und Zweifel sät:

Heinz Fromm, ehemals Präsident des Bundesverfassungsschutzes, gehört zu den genauen Kennern der deutschen Agnostikerszene. "Nicht jeder Atheist ist ein Terrorist, aber fast alle Terroristen, die wir kennen, hatten Kontakt zu Atheisten oder sind Atheisten", sagte er einmal mit Blick auf die RAF und die Bewegung 2. Juli. Das ist der Grund, warum Verfassungsschützer und Innenminister die Atheisten mit so viel Misstrauen beobachten.

Schätzungsweise 32 Millionen Menschen gehören in Deutschland dieser Strömung an, die sich nach dem altgriechischen Wort ἄθεος „ohne Gott“ oder auch „gottlos" nennt. Sie haben Wissenschaft und die Forschung zu ihren Vorbildern erkoren, Männer wie Albert Einstein, aber auch Frauen wie Rosa Luxemburg. Religion und Glauben werden als unwissenschaftlich abgelehnt.

Zentral ist das wörtliche Verständnis von Zahlen, Formeln und der tiefe Glaube daran, dass das Diesseits alles ist, was dem Menschen zur Verfügung steht. Einen Himmel oder eine Hölle gebe es nicht, behaupten Atheisten, Gebete seien unnötig, Gottesdienste reiner Götzendienst. So beschrieb der griechische Denker Cicero die weitverbreitete und von vielen Gläubigen als beleidigend empfundene Leugnungspraxis der militanten Gottlosen schon im antiken Griechenland.

Damit widersprechen die Sektenangehörigen den zentralen Glaubensbotschaften von Koran, Bibel und Talmud. Besonders stark ist der Atheismus in Ostdeutschland, aber im Norden und in Großstädten im Westen. Hier sind entsprechend auch die Wahlerfolge extremistischer Parteien wie Die Linke und AfD besonders groß.

Der zunehmend selbstbewusst ausgestellte Unglaube von Agnostiker und Atheisten unterminiert die Grundlagen der Wertebasis des Abendlandes. Atheisten spalten, wollen sich nicht integrieren, leugnen den verderblichen Einfluss des Unglaubens auf die Gesellschaft, unterstellen den Kirchen sogar, immer wieder Waffen gesegnet und Menschen unterschiedlichen Glaubens aufeinandergehetzt zu haben. Angeblich sei die Religion kein Teil der Lösung des Problems Krieg, sondern ebenso wie die Ideologie ein Stück der Ursache.

"Deshalb hat auch noch kein Bundespräsident die klare Aussage getroffen, dass der Atheismus zu Deutschland gehört", sagt der Bornaer Religionswissenschaftler Karl-Maria Adenberg.

Seine Wurzeln hat der Atheismus im 18. Jahrhundert, als Freidenker, Deisten, Pantheisten und Spinozisten begannen, Gott zu leugnen. In Ostdeutschland entwickelte sich daraus der Materialismus, jene besonders strenge atheistische Lehre, die Gebete nur noch im Fußballstadion erlaubt. In Schalke gründete sich nach der Jahrtausendwende eine Bewegung, die den katholischen Papst als Fußballgläubigen verweltlichte, um atheistische Grundsätze in die Kirche zu tragen. Atheisten versuchen sich in Erscheinung und Verhalten eher an Christen zu orientieren, weniger oft imitieren sie in ihrer Kleiderordnung Muslime mit ihren Turbanen, langen Gewändern und wild wuchernden Bärten.

Nur ein kleiner Teil der Atheisten in Deutschland - schätzungsweise neun bis elf - werden zu den politischen Atheisten gezählt, die sich den Umbau von Staat und Gesellschaft zum Ziel gegeben haben und kämpferisch für eine stärkere Trennung von Staat und Religion eintreten. Die von den staatlichen Finanzämtern eingezogene Kirchensteuer gilt ihnen als grundgesetzwidrig; Zahlungen von Steuermitteln an Kirchen lehnen sie ab. Wahre Gerechtigkeit könne es nur in einer Gesellschaft geben, in der jeglicher Götzenglaube Privatsache sei und eine auf absurden Glaubenssätzen beharrende Sekte wie die Katholiken oder die Moslems nicht anders behandelt werden als etwa die selbsternannte Scientology-Kirche.

Behauptungen, die längst das Gemeinwohl gefährden, weil sie an der Basis der gesellschaftlichen Verantwortung rühren, nach der Politiker Unterstützung von Glaubensgelehrten bekommen und im Gegenzug Glaubensschulen unterstützen.

Atheisten leugnen das. Mit dem Grundgesetz sei staatlich unterstützter Glaube nicht vereinbar, behaupten sie. Doch auch unter den politischen Atheisten gibt es nur wenige, die ihre Ziele mit Gewalt durchsetzen wollen. Die überwiegende Mehrheit der Atheisten ist friedlich und lebt seinen Unglauben im privaten Rahmen aus, ohne zu missionieren.

Gefährlich finden der Verfassungsschützer die Atheisten so vor allem deshalb, weil sie mit Alkohol, Drogen, Sex und enthemmten Partys Einstiegsdrogen in der Hand haben, um gezielt um gläubige Jugendlichen werben. Mit großem Geschick setzen sie dafür das Internet ein, wo atheistische Propagandisten wie Hayworth beleidigende Parolen wie "Fuck Church" skandieren und ihren Anhängern das Leben als Dauerparty predigen.

Atheistische Sätze wie "Christen und Juden glauben, dass sie in den Himmel kommen", stammen von atheistischen Vordenkern. Der Zusatz "aber am Ende sind sie einfach nur genau so tot wie wir" provoziert jedoch jeden Gläubigen auf unzulässige Weise. Das Ergebnis ist Gewalt,. Gewalt derer, die sich dagegen wehren, dass ihnen ihr Gott genommen werden soll.

Verantwortlich dafür sind die, die das Geschäft der Gottesleugner betreiben.

Mittwoch, 23. März 2016

Aufstand gegen den Allerbarmer



Es wird dunkel über Europa, das Kalifat streckt seine blutigen Finger aus. Kein Innenminister hat es kommen sehen, keine Polizeibehörde konnte helfen, kein Geheimdienst wusste etwas.

Wie immer schlägt der Terror im Namen Allahs des Allerbarmers ankündigungslos zu, wie immer trifft er Menschen, die sich für unschuldig halten, obwohl sie ihr Leben lang Zeit gehabt hätten, zum wahren Glauben zu finden. Dessen Logik ist unbestechlich: Wer zu ihm übertritt, stirbt in der hiesigen Welt als Märtyrer und geht ins Paradies ein. Wer es nicht tut, gehört nicht zu Gott und es ist nicht schade um ihn.

Ein alter religiöser Brauch, den der Zisterzienserabt Arnold Amalrich 1209 nach der Eroberung von Béziers konsequent umsetzte. "Caedite eos! Novit enim Dominus qui sunt eius", befahl er seinen Männern: „Tötet sie alle, der Herr kennt die Seinen".

Wahngebilde, die sich im jüngeren Islam bis heute gehalten haben. Zum Leidwesen des dänischen Singer/Songwriters Carl Ladeplads, der schon nach den heute längst vergessenen Anschlägen von Paris aus Seelennot zur Gitarre griff und unter Missachtung der persönlichen Gefahr für sich und seine kleine Familie einen Anti-Mohammed-Song schrieb. "Was für ein Prophet ist das", singt er da, "der verlangt, dass Du deine Frau in ein Zelt kleidest und immer dasselbe Buch liest?"

Ja, was für einer eigentlich?

In Dänemark ist die von Ladeplads selbst finanzierte Single mit dem Song bereits eine Woche nach Veröffentlichung auf dem Index gelandet. Carl Ladeplads möchte mit seinem Werk, das er im Studio eines guten Freundes unter großer Geheimhaltung eingespielt hat, niemanden beleidigen, versichert er. „Aber ich will auch klar machen, dass ich nicht verstehe, wie Leute, die etwas anderes glauben als ich, versuchen, mich zu zwingen, mich an ihre Regeln zu halten.“ Er erwarte von niemandem auf der Welt Respekt für Punkrock, Pogotanz und leichte Drogen, habe er aber dennoch selbst seinen Spaß daran. „Wenn jetzt jemand sagt, Punk ist vom Teufel, soll ich dann beleidigt sein?“

Amtlich: Doch, es geht um den Islam

Angstmacher missbrauchen Brüssel

Noch war das Blut nicht ganz getrocknet, noch waren die Täter nicht bekannt, da meldeten sich schon die ersten Populisten mit der üblichen Angstmache. Irina Studhalter etwa öffnete auf Twitter ihr Herz: Sie habe jetzt Angst vor populistischer Hetze, schrieb die junge Grüne aus der Schweiz, die nach eigener Aussage schon als "kleiner Spross bei der Kinderlobby Schweiz und als Lobbyistin für die Jugend im Bundeshaus ihren Senf" zu allem dazugab.

Es ist das die große Sorge aller Deutschen, wann immer Terror von belgischen, amerikanischen, britischen, norwegischen oder französischen Behörden nicht verhindert werden kann. Dass jetzt die AfD profitiert. Dass Pegida Zulauf bekommt. Dass Angela Merkel ihre Flüchtlingspolitik überdenken muss. Dass die nächsten Landtagswahlen in die Hose gehen. Und die Bundestagswahl im kommenden Jahr!

Während sogar Sachsen neuen Zahlen zufolge 2015 deutlich von der Zuwanderung von Ausländerinnen und Ausländern profitiert hat, missbrauchen Angstmacher wie Irina Studhalter die bedauerlichen Ereignisse von Brüssel. Der Terror, der nicht von ungefähr auf die EU als Wahrerin der europäischen Zivilisation zielte, muss herhalten, um von "Populisten für ihre Zwecke instrumentalisiert" zu werden, die damit "den Hass gegen ganze Bevölkerungsgruppen schüren" (Grüne).

Doch das gerade darf nicht sein. "Wenn ihnen das gelänge, hätten die Attentäter mit ihren Angriffen auf unsere Werte Erfolg“, wissen Menschen, die bereit sind, sich mit ihrer ganzen Twitter-Persönlichkeit zwischen die nächste Bomben und eine mögliche Beleidigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe zu werfen. "Wenn wir die Auseinandersetzung mit dem Terror als Krieg betrachten, dann haben wir ihn bereits verloren", hat Jakob Augstein herausgefunden, der wahrscheinlich auch den Krieg gegen Hitler aus Angst vor einer Niederlage lieber "Friedenseinsatz" genannt hätte. Können wir den IS stoppen, indem wir unsere Waffenexporte stoppen, wird ernsthaft gefragt. Können wir die wirren Anhänger einer Religion, die neben sich nichts anderes gelten lässt, nicht überreden, das alles nicht so ernst zu nehmen?

Jetzt geht die große Verschärferei von Gesetzen und Überwachung wieder los, das "wir sind Brüssel", die Krokodilstränen, das Gesicht zeigen und das endlose Talkshow-Geschwätz von Integration und grundsätzlicher Friedlichkeit.

Eine Heuchel-Olympiade, die umso begeisterter gefeiert wird, je hilfloser Politik, Polizei und Behörden den Strategien des islamistischen Terrors gegenüberstehen.

Keine Pointe.







Dienstag, 22. März 2016

PPQ in eigener Sache: Leiden als schwarzer Zwerg

Der Todesstoß im sozialen Internet-Leben ist eine Blockade in der virtuellen Welt der virtuellen Netzwerke. Wie aus dem Nichts kamen die Überwacher und Aufpasser auch zu PPQ, sie klingelten nicht, riefen nicht die Polizei. Sondern schnitten das kleine Märchenwald-Magazin gleich ab von den Strängen, die Likes und Shares bedeuten.

Ein Schicksal wie ein Ritterschlag, das schon Bessere erdulden durften, Bundesjustizminister Heiko Maas in seinem Kampf für ein sauberes Netz ein Heer freiwilliger Helfer der Onlinepolizei beschäftigt. Ein Schicksal aber auch, das Gelegenheit gibt, sich zurückzubesinnen auf das, was einmal wirklich wichtig war. Keine aktuell-politische Stunde, kein Alkohol, keine Frauen. Sondern wahre Wahrheiten aus einer Parallelwelt, in der kein Maas und kein Steinmeier, keine Merkel, kein Juncker, kein Schulz, ja, nicht einmal ein de Maiziere, ein Seehofer und ein Obama existieren.

Es ist eine Welt, aus der Stefan Schwarz berichtet, der an einer "Soziologie des DDR-Abendgrußes" schreibt, dessen Held Pittiplatsch einst auch diesem Leseangebot hier entscheidende Prägungen mitgab. Jener "Pitti kam aus Afrika", arbeitet Schwarz in einem instruktiven Forschungstext heraus, der einer weiteren Öffentlichkeit durch die Systemmedien bislang vorenthalten worden ist.

Dabei zeigt der Text, der wie jede gute Prosa schlauer ist als sein Autor, dass die Charaktere des DDR-Kinderfernsehens Problemlagen und Gruppenkonflikte nicht nur des Ostens im Puppenformat unverhüllt darstellten. Sondern auch die Konflikte der Gegenwart kaum verschlüsselt beschreiben.

Da ist Pitti, der schwarze Zwerg, der Kobold, der verlacht und verhöhnt und bestraft wird, wie es den Oberen gefällt. Wäre er bei Facebook, er wäre dort längst nicht mehr. "Was da jeden Abend über den Bildschirm flimmerte, war ein realistischer Spiegel der Gesellschaft", analysiert Stefan Schwarz, und er meint keineswegs die Tagesschau.

Marginalisiert, unterdrückt, zeitweise abgeschoben. Ein Sympathieträger. Schwarz sieht Pitti bei den Flüchtlingen, den Kohlenträgern, den Menschen ohne Stimme. "Tatsächlich ist Pittiplatsch von außerordentlich dunkler Hautfarbe, hat eine runde Nase und große leuchtende Augen - die Ähnlichkeit mit dem ehemaligen mosambiquanischen Präsidenten Samora Machel geht ins Doppelgängerische", heißt es. Die saucoole Pelzweste, die der Dropout trägt, wird später von der afroamerikanischen Rapperszene übernommen werden.

"Wenn man jetzt dazu noch weiß, dass Pittiplatsch Anfang der 1960er plötzlich bei Meister Nadelöhr auftaucht, also in der Zeit der intensiven Kontaktaufnahmen zwischen dem sozialistischen Lager und den afrikanischen Befreiungsbewegungen, drängt sich der Schluss auf, dass Pitti mitnichten ein Kobold, sondern vielmehr ein zu Ausbildungszwecken in die DDR verschickter Afrikaner ist." Genauere Analyse zeigt: Ethnisch gesehen ist Pittiplatsch wahrscheinlich ein Bantu. Mit Pitti, so Schwarz, das vermutlich vom Suahelischen Wort „Pitia“ wie „Vorbeikommen“ abgeleitet sei, komme "Jahre vorm westdeutschen Gastarbeitermitfühl-Hit „Griechischer Wein“ die Migrantenproblematik im ostdeutschen Fernsehen zur Sprache".

Im Westen damals kein Thema, im Osten eines, das unerkannt blieb und dessen Potential bis heute nicht genutzt wird. Mit gutem Grund: "Pittiplatsch erweist sich selbst als außerordentlich schwer integrierbar", hat Stefan Schwarz herausgefunden. Obschon der Zuwanderer versuche, sich äußerlich seiner deutschen Umgebung etwa mit Hilfe von Filzpantoffeln anzupassen, verleite ihn seine typisch afrikanische Impulsivität und sein Hang zu Schabernack immer wieder zu Disziplinverstößen und sehr undeutschen Eigenmächtigkeiten, um die sich die Großzahl aller Märchenwaldgeschichten drehen.

Pitti bringt das Exotische ein, eine importierte Jokerkarte. Er bleibt allerdings festgelegt auf diese rebellische Rolle, die ihn zum Gegenspieler des treudeutschen Schnatterinchen, die hintertriebenen Fuchses und auch des aus der Sowjetunion eingeschleusten KGB-Spitzels Mischka macht.

"Anders als die meisten deutschen, sonderbar verwandtenlosen Märchenwaldbewohner hat Pittipatsch eine ausgedehnte Familie von ähnlich pflichtvergessenen, der protestantischen Leistungsethik abgewandten Radaubrüdern – und Schwestern, die er mindestens einmal im Jahr besucht."Ein Typ, wie ihn keine Gesellschaft, erst recht nicht die unsere brauchen kann. Pittis ausgesprochener Familiensinn, der seinen aktuelle Aufenthaltsort verleugnet, zeigt, dass Integration eine Aufgabe ist, die nie leicht fällt und das keiner Seite.

Alle übrigen Geheimnisse des Märchenwaldes werden hier enthüllt.




Streit um Strauch: Laubenpieper Adolf tot!

Die Kolonnen einer neuen Völkerwanderung branden an Europas Gestade, die Parteienlandschaft ist kaputt, die CSU liebäugelt mit einem bundesweiten Engagement für Rechtspopulisten, neue Nazis und Zweifler. Auch der Euro, längst keine Schlagzeile mehr, ist noch krank, Europa zerstritten, China ein Fall für den Konkursrichter und die Kriege im Nahen Osten müssen auch erst aus der Luft gewonnen werden.

Tage wie diese sind ist, in denen auch die Medien jede Minute vor neuen Herausforderungen stehen. Wie reagieren? Was wie darstellen? Welche gewichtung bietet sich an? Was sind die Grundfragen, wie lautet unsere Antwort? In ihren Großraumbüros diskutieren die Leistungsträger der Pinocchio-Gesellschaft zwischen Latte und Druckerpapierstapel, zwischen Monitorpflegemittelflasche und veganem Stullenpaket, was die immer trimedialere Welt im Innersten zusammenhält.

Es sind dann diese kleinen Geschichten, die als ganz große Tragödien ihre Zeit am betsen beschreiben. "Angeberwessi mit Bierflasche erschlagen - ganz Bernau ist glücklich, daß er tot ist"" schilderte 1991 zutreffend den Stand der deutschen Einheit. im "Tatort Schreber-Garten" - in leichter Sprache mit Bindestrich geschrieben - findet sich jetzt der adäquate Nachfolger. "Laubenpieper Adolf tot nach Streit um Beeren-Strauch" heißt es das suchmaschinenoptimierter Sprache.

Was für ein Drama, wenige Tage nach dem Wahlsieg der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland und kurz vor einem erfolgreichen Abschluss des Flüchtlingsgipfels der EU. "Genau 50 Zentimeter sind es" hier nur, die zwischen Frieden und Krieg in der Kleingartenanlage Grubweg e.V. in Passau stehen. "Näher darf eine Pflanze nicht am Gartenzaun des Nachbarn stehen", erklärt die Bild-Reportage aus dem Krisengebiet, "doch ein Strauch hielt sich nicht an diese Regel."

Erinnert an die britische Position im Streit um die Zukunft Europas. oder an das französische Festhalten an einem verstockten Nationalismus.

Schlimmes Ergebnis im Schreber-Garten: "Jetzt ist ein Laubenpieper tot!"

Die gute Nachricht: Der Mann hieß Adolf, was nicht eben gegen Zweifel an seiner Verfassungstreue spricht.

Montag, 21. März 2016

Facebook: Initiative schaltet PPQ ab

Jahrelang konnten sie nicht nur im Internet, sondern auch beim sozialen Netzwerk Facebook ungebremst sozialen Sprengstoff, abweichende Ansichten und steifbeinige Realsatire verbreiten. Facebook hielt still und tat kaum etwas gegen Sprachkritik und Hassreportagen, selbst eindringliche Mahnungen der Bundesregierung in den rechtsfreien Raum fruchteten erst, Bundesjustizminister Heiko Maas mit der früheren Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane eine echte Meinungsfreiheitsschutzexpertin beauftragte, für Facebook eine „Initiative für Zivilcourage Online“ zu gründen.

Dessen operativem Zensur-Arm gelang nun schon im zweiten Monat seiner Tätigkeit ein vernichtender Schlag gegen die, die dem Hass die Stirn bieten: Facebook schaltete die Seite des Politmagazins PPQ kurzerhand ab. Ohne Erklärung, Erläuterung und Widerspruchsmöglichkeit wurde die Seite blockiert. Hassrede hat damit in unserer Gesellschaft wieder einen Platz - nicht im Internet, aber im geschlossenen Kosmos des Blauen Riesen aus Kalifornien.

So schnell geht das und so wirksam ist es. seit dem Anwachsen einer virtuellen Hasswelle durch schriftliche Kommentare im Nazi-Stil wurde Facebook von Regierungsmitgliedern aufgefordert, auf die regierungsfeindliche Kommentare im sozialen Netzwerk angemessen zu reagieren – jetzt hat das Unternehmen endlich eine großangelegte Kampagne gestartet, die sich vor allem gegen Seiten richtet, die Zweifel und Unsicherheit über den Verlauf der näheren wie auch der ferneren Zukunft säen.

Den ersten Erfolg der Initiative für Zivilcourage Online, die sich für eine demokratische Kultur und die Gleichwertigkeit aller einsetzt, feierten am späten Abend in Berlin Mitarbeiter der Meinungsfreiheitsschutzbehörde, des Bundesblogampelamtes im mecklenburgischen Warin und des Bundesjuszizministeriums und der Überwachungsinstitutionen der EU gemeinsam mit Vertretern des Internets und sozialen Netzwerkern. Bei Sekt und Schnittchen wurden weitere Tools und Maßnahmen besprochen, um zu schärferen Sanktionen gegen Hatespeech zu kommen. Es sei eine „zivile Kultur des Umgangs“ vonnöten – auch im Netz, sagte Anetta Kahane. Dazu gehöre perspektivisch das vorbeugende maschinelle Löschen von Einträgen, die oder deren urheber vermuten lassen können, dass sie unzulässige Ansichten oder Gefährdermeinungen enthalten könnten.

SPD am Ende: Oppermann geht voran

"Die Linke war ja durchaus eine Partei, die bereit war, Regierungsverantwortung zu übernehmen", sagt er, "da ist die AfD ja aus anderem Holz geschnitzt." Insofern seien die Linken "nicht prinzipiell für die Demokratie verloren" gewesen, glaubt Thomas Oppermann. Aber dann will er doch lieber noch mal "auf die Grundursachen zurückkommen", derentwegen seine Partei, die stolze alte Sozialdemokratie, bei den Landtagswahlen eine Ohrfeige bekommen hat, die selbst in der Parteizentrale zu hören war. Danach wird er unterbrochen. Befragt. Aber das geht hier rein und da raus. Oppermann ist Profi. Er kann, was normalen Menschen unmöglich ist: Weghören. Mit sich selbst sprechen. Auf Fragen antworten, indem er welche stellt.

Thomas Oppermann, im 36. Jahr SPD-Mitglied und im 26. hauptamtlicher Parlamentarier für die deutsche Sozialdemokratie, nimmt dann kein Blatt vor den Mund in der heute schon historischen Wahlauswertungssendung bei Maybrit Illner. Die Schuld für das miserable Abschneiden seiner Partei liege selbstverständlich, sagt der zuletzt in der Edathy-Affäre als Retter seiner Partei aufgetretene ehemalige Verwaltungsrichter, allein bei der Union. Deren Streit um den richtigen Ausweg aus der Flüchtlingskrise habe der SPD geschadet. So sehr, dass er jetzt alle Höflichkeiten fahren lasse.

Oppermann, der Ursachenforscher und Zensurengeber, wird ultimativ. "Zwei Forderungen", sagt er, habe er, und beide gehen natürlich Richtung "unseres Koalitionspartners". Erstens, sagt Oppermann, muss der den "unsäglichen Streit im Inneren der Union um die Grundsätze der Flüchtlingspolitik" beenden. Zweitens erwarte die deutsche Sozialdemokratie, dass "schnellstens die Dinge verabschiedet werden", die Oppermann dann gar nicht gleich einfallen wollen. "Wie Erbschaftssteuer, wie, ähm, ähm", stottert er, ehe ihm "Begrenzung der Leiharbeit" über die Zunge kollert (Video oben).

Grundsatzbeschlüsse werden das sein, so scheint er zu glauben, auf die das deutsche Volk wartet und die es wieder hinter der SPD versammeln werden. Obwohl es direkt um den Inhalt nicht geht. Wichtig sei nämlich vor allem, dass "die Menschen in Deutschland sehen, diese Regierung redet nicht nur."

Wie es Oppermann tut. Der ist nun im Rausch und hat gleich noch ein Drittens - ja, das ist jetzt schon ein Punkt mehr als angekündigt - aber, dennoch, drittens erwarte die SPD "konstruktive Gespräche über die ganzen sozialpolitischen Projekte" undsoweiter, undsofort.

Es sind diese zwei Minuten im deutschen Staatsfernsehen, die die dramatische Lage der SPD wie unter einem Brennglas zeigen. Dass Sozialdemokraten nicht rechnen können, war über Jahrzehnte bekannt. Dass sie nun aber öffentlich zwei ankündigen und bis drei zählen, muss Sorge erregen. Mehr noch aber stimmt bedenklich, dass die einst so selbstbewusste SPD nach Ansicht ihrer Spitzen selbst völlig fehlerlos agiert, dennoch aber abgestraft wird, weil der politische Gegner zerstritten ist.

Träfe diese Analyse zu, wäre die Schwäche des Konkurrenten stets die eigene Schwäche. Logischerweise müsste dann auch die CDU/CSU unter der Schwäche der SPD leiden und die SPD könnte selbst durch allerrichtigste Politik selbst nicht mehr dafür sorgen, beim Wähler Vertrauen zurückzugewinnen.

Eine Diagnose, die in besseren Tagen nicht einmal Sozialdemokraten geteilt hätten. Doch derzeit ist deren Spitzenpersonal augenscheinlich verwirrt, nicht mehr im Vollbesitz seiner Sinne. Genossen wie Thomas Oppermann wirken hilflos ergeben in ein Schicksal, das die einstmals von Konservativen und Nationalliberalen mit einem eigenen Gesetz "wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" verbotene Partei von Ferdinand Lassalle, August Bebel und Wilhelm Liebknecht unaufhaltsam in einen Abgrund aus Irrelevanz zieht.

Thomas Oppermann, rechtstreu, aber moralisch fragwürdig, spürt es in den alten sozialdemokratischen Knochen. Wie sein Parteichef Sigmar Gabriel und der gescheiterte SPD-Europakandidat Martin Schulz sieht er einem unausweichlich scheinenden Los ins Gesicht, das ihn in Bälde schon zu einem der Abwickler der deutschen Sozialdemokratie machen könnte.

Was bleibt da zu tun? Was soll man noch sagen? Oppermann, ehemals "Young Leader" der legendären Atlantik-Brücke, reagiert wie eine verschreckte Biene; wie ein Hund, der sich angegriffen fühlt; wie ein Stier, der das wedelnde Tuch vor sich für bedrohlich hält: Er greift an, gibt anderen Noten, stellt Zeugnisse aus, meldet Forderungen an.

Ein bedauernswerter, ein ganz, ganz armer Mann.


Sonntag, 20. März 2016

Der Schoß ist fruchtbar noch

Dieser Mann geht seinen Weg, gegen alle Widerstände, gegen jede Vernunft. Jakob Augstein, Verleger, Kommunist und Kapitalist, hat nach dem Siegeszug der AfD als erster Kolumnist weltweit die wahre Ursache für das Erstarken des rechten Randes entdeckt: "Der westlich geprägte Kapitalismus ist dabei, einen neuen Faschismus zu gebären", hat der derzeit führende Salonlöwe der Weltrevolution herausgefunden.

Ein Festessen für Verbalneurotiker, denn Augstein hat hier nicht etwa den Kapitalismus als solchen ins Visier genommen, sondern dessen "westlich geprägte" Ausformung. Die, verkörpert vom israelisch-amerikanisch-deutsch-russischen Komplex, gefährdet das Menschheitswohl. Während der chinesisch geprägte Staatskapitalismus gerade keinen Faschismus zu gebären im Begriff ist.

Freiheit andersherum, wenn auch nicht ganz. Zu wenig Analyse des Phänomens beklagt Augstein, zu wenige Versuche, "die Homogenität dieser nur scheinbar heterogenen politischen Landschaften zu erkennen und zu erklären". Nur Augstein selbst kann erklären, was die Russen,die Putin bewundern, die Polen, die eine rechtskatholische Regierung wählen, die Sachsen, die den Pegida-Pfeifern hinterherlaufen, die Franzosen, die Marine le Pen wählen und die Amerikaner, die Trump womöglich den Weg ins Weisse Haus ebnen, treibt. Alle ihre Länder liegen, so Augstein auf der "Nordhalbkugel".

Wo China eben nicht liegt.

Bomben im sicheren Herkunftsland

Ein bisschen Platz ist noch für neue Gedenkkreuze am Hintereingang des Bundestages.
Kein Tag ohne Tote, kein Tag ohne Sprengstoffattentate, Bomben auf Unschuldige, Polizeiwillkür, angebliche Antiterroreinsätze gegen Freiheitskämpfer und Schusswechsel mitten in gerade noch belebten Innenstädter. Die Türkei, Europas Abschiebbahnhof für "irreguläre Flüchtlinge" (Juncker) aus den Kriegs- und Elendsgebieten der Welt, rutscht auch nach dem Abschluss des Vertrages zu einer gemeinsamen europäischen Endlösung der Flüchtlingsfrage durch konsequentes Problemoutsourcing nach Ankara weiter in Richtung Bürgerkrieg. Wieder eine Selbstmordbomber, wieder Tote. Wieder wächst die Unsicherheit.

Deutsche Korrespondenten haben das Land verlassen, die Bundeswehr ist ebenfalls abgezogen. Reiseveranstalter berichten von einbrechenden Buchungszahlen, deutsche Urlauber haben Angst vor Reisen in das ehemals so beliebte Nato-Partnerland.

Der rechtlich ohnehin fragwürdige Deal der EU-Granden mit dem türkischen Diktator Erdogan zur Abnahme einer unbegrenzten Menge Flüchtender im Tausch gegen 72.000 Syrer, sechs Milliarden Euro, Visafreiheit für Türken und eine Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgesprächen gerät damit ins Wankeln. Dürfen europäische Institutionen Flüchtlinge in ein Land zurückschicken, in dem die innere Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist? Müssen sie nicht ganz im Gegenteil alle Tore auf machen, um Menschen, die von dort zu entkommen suchen, Geborgenheit zu geben?

Die seit Monaten vor allem von Deutschland ausgestellte Bilderbuchmoral, nach der die ganze Welt am deutschen Beispiel genesen soll, trifft brachial auf eine Realität, in der ein gutes Beispiel zum Opfer wird. Standhaft bleiben bedeutet für Angela Merkel den absehbaren Machtverlust. Einknicken aber darf sie auch nicht, denn das wäre gleichbedeutend mit einem Verlust von Glaubwürdigkeit. Und bedeutete Machtverlust.

Deshalb die Vereinbarung, die das individuelle Recht auf Asyl zugunsten einer Rampenlösung aushebelt. Eine Vereinbarung, die alle Lasten Griechenland aufhalst, das die jetzt beschlossenen Rückweisungen in die Türkei nach bisher geltender Rechtslage schon an jeden einzelnen Tag im vergangenen Jahr hätte veranlassen können. Eine Vereinbarung, die die von Merkel standhaft verweigerte Obergrenze einfach europaweit zieht - auf 72.000 Menschen, die ausschließlich Syrer sein sollen. Zum Vergleich: Im Februar kamen allein Deutschland 117.000 Menschen an.

Was wird, wenn der 72.001 an die Tür klopft? Ein neuer Flüchtlingsgipfel sicher. Was wird, wenn ein Gericht die Genfer Flüchtlingskonvention durch den Abschiebevertrag ausgehebelt sieht? Ein Flüchtlingsgipfel auf jeden Fall. Ebenso, wenn Richter die EU-Grundrechte-Charta oder das Grundrecht auf Asyl durch die neuen Regelungen als verletzt betrachten. Oder wenn Türken ab Sommer beginnen, die gewährte Visafreiheit zu nutzen, um sich ein neues Leben in einem Land aufzubauen, das nicht schleichend islamisiert, von Selbstmordattentäter heimgesucht, von Zensoren überwacht und nur noch mit Bajonetten befriedet werden kann?

Samstag, 19. März 2016

Zustrom: EU setzt auf menschliche Mauer

Zäune helfen nicht, Abschottung hilft nicht, Außensicherung hilft nicht, Stacheldraht hilft nicht und Grenzen helfen sowieso nicht. Die Europäische Union hat deshalb nach langen Verhandlungen mit der Türkei eine Lösung für die Flüchtlingskrise gefunden, die auf eine menschliche Mauer setzt: Danach wird jeder illegale Migrant, der "sich auf den gefährlichen Weg" (Merkel) nach Europa macht, nach seiner Ankunft automatisch wieder an die türkischen Behörden rücküberstellt. Das individuelle Recht auf Asyl können Flüchtende damit künftig nur noch gegenüber der Türkei geltend machen. Diese zeitweise Suspendierung von Teilen des Völkerrechts, die sich als nicht praktikabel erwiesen haben, erfolgt nach Angaben von Jean-Claude Juncker "in vollem Einklang mit Europa- und Völkerrecht".

Die menschliche Mauer, die Europa künftig schützen soll, funktioniert dabei wie ein Verschiebebahnhof. Wer ohne Fahrkarte erwischt wird, den transportieren in Europarecht geschulte Einsatzkräfte zurück in die Türkei. Damit die nicht überlastet wird, transportiert die Türkei für jeden einzelnen Flüchtling, der aus einem Staat der EU rücküberstellt wird, einen bereits in der Türkei befindlichen Flüchtling in die EU. damit die EU-Staaten damit nicht überfordert werden, haben sich die Staatenlenker auf eine neue gemeinsame Flüchtlingsobergrenze für ganz Europa geeinigt, die bei 58.000 oder 72.000 bis 160.000 Syrern liegt. Afghanen, Iraker und Nordafrikaner werden offenbar nicht berücksichtig.

Auch ein Zeitrahmen für die "kohärente und umfassende" (Francois Hollande) Endlösung wurde nicht genannt. Es ist also bislang noch nicht bekannt, ob es sich bei den genannten Zahlen um eine Tages-, Wochen-, Monats- oder Jahresquote handelt. Nach Angaben von Angela Merkel werde sich bei Schleppern schnell herumsprechen, dass der Rücktransport in die Türkei jeden Versuch einer illegalen Einreise für Flüchtlinge unattraktiv mache. Wenn niemand mehr komme, müsse auch niemand mehr in die Türkei zurückgebracht werden. Und die EU müsse von dort niemanden legal aufnehmen.

Das Gesamtpaket zur Beendigung des "Zustroms" beinhaltet weiter finanzielle Kompensationen für die Türkei, immerhin zweitgrößte Demokratie Europas, und eine Öffnung der Union für visafreie Reisen von Türken. Gleichzeitig werden die Verhandlungen um einen EU-Beitritt der Türkei zur Union verschärft. Die Gesamtregelung tritt quasi sofort, also unverzüglich in Kraft. Bereits am Sonntag sollen Spezialeinheiten der griechischen Armee, verstärkt mit europäischen Einsatzkräften, das Elendscamp in Idomeni räumen.



Zitate zur Zeit: Im späten Rom

„Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, der lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“

Guido Westerwelle (7. Dezember 1961 - † 18. März 2016) warnt im Februar 2010 in der "Welt" vor einem "Denken, an dem Deutschland scheitern" könne

Freitag, 18. März 2016

Der Müsser II: Maas und der Mussismus

Auf Fragen nicht antworten, statt klarer Worte wolkige Absichten: In Bundesjustizminister Heiko Maas hat der Altinternationale Elmar Brok einen würdigen Nachfolger als oberster Bundesmüsser gefunden.

In einem Gespräch mit der Berliner Taz gelingt es Maas sogar, Broks alten Rekord von zehn Muss in neun Sätzen anzugreifen. Maas kommt zwar nur auf zehn Muss in 15 Sätzen, gilt aber im Unterschied zu Brok, dem großen, dunklen Parlamentariervogel aus Brüssel, noch als hoffnungsvolle Nachwuchskraft des Mussismus.Er könnte es schaffen, sagen Experten in Sachen politischer Kommunikation, irgendwann einmal ein ganzes Gespräch zu komplexen Sachverhalten ausschließlich mit dem Wort Muss und der Ableitung Müssen zu führen.

PPQ dokumentiert den historischen Versuch des jungen Sozialdemokraten, die Muss-Frequenz des Altmeisters Brok zu erreichen, im Wortlauf der entscheidenden drei Stichworte:

Taz: Laut Behörden wurden viele Anschläge von Tätern begangen, die bis dahin nicht auffällig waren. Was hilft gegen radikalisierte „Wutbürger“?

Maas: Wie ich eben sagte: Wir müssen schon die verbale Radikalisierung stoppen. Denn: Vor den Taten kommen meist die Worte. Strafbare Postings müssen konsequent verfolgt werden, gegen die Verbreitung von Hass müssen wir alle unsere Stimme erheben. Außerdem müssen wir den Ermittlungsdruck erhöhen. Wer immer einen Anschlag erwägt, muss wissen, dass der Staat alles tun wird, um ihn zu finden und zu bestrafen.

Taz: In den Ländern triumphiert die AfD. Sie nannten deren Leute mal „rhetorische Brandstifter“. Muss auf sie genauso reagiert werden?

Maas: Das Abschneiden der AfD ist eine Bewährungsprobe für unsere Demokratie. Wir müssen klare Haltung zeigen gegen Protestierer und Vereinfacher. Die dumpfen Parolen müssen wir mit sachlichen Argumenten entlarven. Wir sind gemeinsam gefordert, wenn die AfD die Flüchtlingsdebatte zur Radikalisierung des politischen Klimas missbraucht. Da darf die schweigende Mitte nicht länger schweigen. Wir alle müssen uns entschieden zu Wort melden, um den Hetzern nicht das Feld zu überlassen.

Taz: Sie trafen nur die Justizminister. Bräuchte es nicht einen Schulterschluss aller Ressorts?

Maas: Ja. Gegen rechte Gewalt müssen wir alle staatlichen Kräfte bündeln. Wir brauchen eine enge und effektive Zusammenarbeit aller Behörden. Täter dürfen nicht ungestraft davonkommen. Und wir müssen auch präventiv alles tun, um Rechtsextremismus zu bekämpfen. Die vorhandenen Programme sollten ausgebaut und die Finanzierung dauerhaft gesichert werden.

Koalitionspoker: Das Casino ist eröffnet

Verhältnisse wie in Afrika, Stammeskämpfe, Grabenkriege, gestürzte Götter und gefallene Sieger - nach dem Erdbeben der drei Landtagswahlen hat in den am schlimmsten betroffenen Gebieten der der Koalitionspoker begonnen. Grün mit Schwarz, Rot mit Gelb, Schwarz mit Rot? Von Magdeburg bis Mainz drohen afrikanische Verhältnisse: Kenia ist im Gespräch, Ghana, Afghanistan, alle Farben dieser Welt, auf ein dünnes Brett aus Restzustimmung getuscht.

Beim Blackjack wäre es einfacher zu gewinnen. Das einzige Spiel, bei dem Spieler einen Vorteil gegenüber der Bank haben, kann mit der richtigen Strategie zur Gewinnmaschine werden. Mit der falschen aber lässt sich ebenso schnell alles verlieren wie am Wahltag: Enttäuschte Parteien wenden sich dann vom Wähler ab, der ist von der Enttäuschung der Parteien enttäuscht. Deren Spitzenpersonal gibt ein "Weiter so" als Parole aus, denn nun müssen Posten verteilt werden wie grbauchte Spielkarten.

Aber die hier pokern, sind ohnehin allesamt Verlierer. Der Grüne Winfried Kretschmann hat es in Baden-Württemberg zwar geschafft, die größte Fraktion zusammenzubekommen. Allein, es fehlt ihm eine Mehrheit, um zu regieren. Malu Dreyer hat ihrem Parteichef Sigmar Gabriel in Rheinland-Pfalz den Posten gerettet, aber sie wird eine Ampelkoalition mit FDP und Grünen zimmern müssen, um an der Macht bleiben zu können. Reiner Haseloff schließlich, der in Sachsen-Anhalt einem Parlament entgegentreten muss, das künftig zu zwei Fünfteln von radikalen, populistishcen oder ehemals als radikal und populistisch bezeichneten Parteien besetzt ist, sucht die Zukunft in Afrika: Nur eine Kenia-Koalition aus den verbliebenen Resten der ehemaligen Großparteien verspricht hier überhaupt noch eine regierungsfähige Mehrheit.

Dabei lautet der Wählerauftrag natürlich anders. In Sachsen-Anhalt möchte das "Pack" (Sigmar Gabriel), dass die CDU mit der AfD regiert: Die einen immer noch stärkste Partei, die anderen die Formation mit den höchsten Zuwächsen. Beide haben inhaltlich zweifellos größere Schnittmengen als die CDU und die Grünen, beide könnten sich rechts der Mitte auf ein Bündnis einigen, das die Bürgerlichkeit der Christdemokratie mit der Forderungsmentalität der selbsternannten Alternative zusammenbindet.

Größer und sicherer wäre keine andere Parlamentsmehrheit als in die Großen Koalition. Und schneller als im Regierungsbetrieb wäre die AfD nicht zu entzaubern.

Doch wie einst bei den Grünen, denen fünf Jahre lang nachgesagt wurde, sie seien regierungsunfähig, ehe Joschka Fischer im Dezember 1985 als Minister im Kabinett des hessischen Ministerpäsidenten Holger Börner bewies, dass das Amt den Menschen formt und nicht der Mensch das Amt, wagt Haseloff kein Experiment, das das Viertel der Bevölkerung, das den Altparteien entglitten ist, wieder einbindet.

Stattdessen der klassische Blackjack-Fehler: Bei weniger als 16 wird weitergespielt und bei 17 bis 21 stehengeblieben. Nach den Regeln verliert in diesem Fall der Spieler, wenn er und der Dealer sich überkaufen.

 Auf dieser Seite mehr lesen

Donnerstag, 17. März 2016

Zitate zur Zeit: Rassismus der Straße jetzt auch im Parlament

Am Sonntag hat sich der seit Monaten pöbelnde und zündelnde Rassismus der Straße parlamentarisch manifestiert.

Matthias Höhn definiert für die Linke den "vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, für die die regierenden Mehrheiten in den Parlamenten selbst die Verantwortung tragen"

Drecksrussenpack: Miese Schliche mit ohne Bomben

Von Putins Trollen an eine Hauswand in Dresden geschmiert: Friedensfeindliche Parolen.
Wie menschenverachtend und skrupellos der russische Diktator Wladimir Putin agiert, wurde klar, als er seine entmenschte Soldateska auf Syrien hetzte. Ohne Rücksicht auf Flüchtlinge und europäische Interessen bombten die roten Flieger Aleppo "zum zweiten Grosny" (Spiegel), sie ermordeten "Frauen und Kinder" (n-tv) und selbst Angriffe auf Krankenhäuser wurden zu einem "Teil von Putins Strategie". Zerstören wollte der Russe alles, was dem Rest der Welt heilig ist. und das nur, um seinen absurden Traum von einer Rückkehr Russland zur Weltmacht weiterträumen zu können.

Die USA hielten mutig dagegen, chirurgisch befreiten sie weite Teile des von Bashir Assad okkupierten Landes. Auch die deutschen Medien zogen mit: Sie enthüllten, wie Putin mit seiner Offensive jede Hoffnung auf Frieden untergrub. Wie er zu seinem privaten Vergnügen ein "endloses Sterben" auslöste. Und nicht davor zurückschreckte, den Nato-Verbündeten Türkei anzugreifen.

Was für ein perfider, hetzerischer Plan! Und obwohl es den Verbündeten im Westen gelang, die miesen Schliche des Kremlherrschers aufzudecken, macht Putin unverfroren weiter. Jetzt, indem er seine Bombenangriffe auf syrische Kinder, kurdische Freiheitskämpfer und kranke Frauen stoppt. Ohne das, wie es eigentlich vorgeschrieben ist, mit den westlichen Verbündeten abzusprechen.

Welche kranke Hinterlist, welche Menschenverachtung steckt im unvermittelten, weder von Berlin noch von Washington genehmigten Abzug eines Großteils der russischen Truppen aus Syrien! Wladimir Putin, daheim zunehmend unter Druck, weil nur noch 77 Prozent der Russen hinter seiner Politik stehen, während Angela Merkel mit ihrer Politik derzeit auf nahezu 85 Prozent kommt, will mit dem Abzug aus Syrien Stärke zeigen.

In Wirklichkeit aber zeigt er der Welt nur, wie schwach er ist.

Mittwoch, 16. März 2016

Flüchtlinge: Jetzt kommen sie aus Kaum

Sieg für Angela Merkel, Triumph für ihren gemeinsamen europäischen Flüchtlingskurs. Nachdem Ungarn, Bulgarien, Dänemark, Schweden, Mazedonien, Serbien, Slowenien und sogar das ehemals befreundete Österreich ihre Grenzen für Flüchtlinge mit Zäunen dichtgemacht haben, trocknet der "Zustrom" (Merkel) nach Deutschland allmählich aus.

Was noch aus der von Bombenanschlägen erschütterten Türkei nach Griechenland gelangt, hängt dort in menschenverachtenden Lagern fest. Die waren fünf Monate zuvor durch einen wegweisenden Beschluss der großen Koalition "Registrierzentren" getauft worden, stehen aber vergleichbar dem neuen Berliner Großflughafen immer noch ganz am Anfang ihrer Existenz.

Kommen also keine Flüchtlinge mehr? Droht der Traum von einer Blutauffrischung für die meistenteils völlig entvölkerten Gebiete in Ostdeutschland zu scheitern?

Nein, denn die Bild-Zeitung hat jetzt exklusiv enthüllt, dass es im abebbenden Strom der Migranten eine Ausnahme gibt: Offenbar erreichen Flüchtlinge aus einem Land namens Kaum immer noch Deutschland!  Am Wahlwochenende kamen einer Bild-Zählung zufolge 436 Migranten über die Grenze, wobei unklar ist, welche Route sie nutzen. Bis heute ist völlig unbekannt, wo das sagenhafte Land Kaum eigentlich liegt.

Doch der Zustrom ist ein Glücksfall, der gerade so ausgleicht, was Deutschland an Bevölkerung durch die letzte Volkszählung verloren hat. Glaubte die Regierung bis dahin, über 82 Millionen Deutsche zu herrschen, hatte sich dabei herausgestellt, dass es nur knapp über 80 Millionen sind. Zu viele Menschen sterben hierzulande, trotz anderslautender Jubelmeldungen werden zu wenige geboren. Deshalb schrumpfte Deutschland jedes Jahr weniger, schon im Jahr 2450 wäre die Landschaft, die heute noch Deutschland heißt, bei anhaltendem Trend menschenleer.

Das Signal der Kanzlerin, die Grenzen zu öffnen, was deshalb überlebensnotwendig für die Nation, auch wenn Rechtsextreme, Rechtspopulisten und Zweifler das nicht einsehen wollten. Doch nun ist die Kanzlerin eingeknickt. Merkel nimmt unter dem Druck drohender Wahlniederlagen ihr Versprechen zurück, dass wir das schaffen werden.

Folgen des Rechtsrucks: Virtuelle Ausreisewelle

Sie sind wieder da, die entmenschten Halbhirne, mit schwerer Zunge Hass artikulierenden und dem demokrratischen System abholden Provinzdeutschen. Niemand hat sie kommen sehen, all sind baff überrascht, wie viele es sind. Was nun? Wohin? Wann geht der letzte Zug?

Noch am Wahlabend, als sich der Erdrutschsieg der Alternative für Deutschland abzuzeichnen begann, schossen die Suchanfragen nach dem Wort "Auswandern" in die Höhe. Zuflucht vor den Nachstellungen einer renitenten Bevölkerungsgruppe, die meint, ungestraft gegen Fremde sein zu dürfen, die nicht gendern will, alle Euro-Rettungsschirme ablehnt, ja, selbst Zoo erlaubt sein lassen würde, wenn sie Tiere öffentlich vorzeigen.

Deutschland, das Land, aus dem die nächste große Fluchtwelle kommen wird. Nur wohin wird sie branden? @VollaufdieOmme ‏schreibt bei Twitter "wenn man so die Wahlergebnisse sieht, denkt man schnell ans Auswandern", weiß aber auch ncith, wohin. Osteuropa kommt nicht infrage, dort leben seit Monaten nur noch Fremdenfeinde und Faschisten. Frankreich? Eine einzige Nationale Front, rechtsradikaler als Bitterfeld.

Bleibt Skandinavien, aber sowohl in Dänemark als auch in Finnland ist die Rechte stärker als in Ostdeutschland. Schweden aber hat seine deutsche Einwanderungspolitik beendet, Norwegen hat sie nie gehabt. In Griechenland aber regieren die Faschisten mit, das Land ist zudem kein sicheres Herkunftsland. Italien, Spanien, Portugal? Stammstaaten der Hilfsverweigerung, ebenso wie Großbritannien.

Was bleibt als Fluchtziel? Die Türkei? Russland? Unmöglich. Nur in Übersee bieten sich Alternative, allerdings wird es nicht einfach. Australien, Kanada und Nueseeland nehmen nicht jeden, nach einem scharfen Punktesystem bewerten sie vorab die Brauchbarkeit aller Bewerber.

Und die USA? Steht Daten der Suchmaschine Google zufolge selbst vor einer gewaltigen Fluchtwelle. Sobald der Milliardär Donald Trump sich an die Macht gepöbelt hat, werden Medienberichten zufolge Zehntausende enttäuschter Bürger Gottes eigenes Land verlassen.

Also wieder Südamerika. Chile, Argentinien, Ecuador, wie immer.

Dienstag, 15. März 2016

Triumpf des Mannes, den sie Poggi nannten

Was für ein Sieg. Den schreit man heraus, spontan und laut. Die Alternative für Deutschland tut das auf die gute alte deutsche Art mit einem Sieges-Banner im Internet: "Triumpf! Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt" heißt es zu einer Bildkomposition, die Parteichef André Poggenburg vor dem Magdeburger Landtagsgebäude zeigt.

Der Versuch, aus der Einheitsfront der Triumphatoren auszubrechen? Einen deutschen Triumpf zu etablieren? Oder nur eine subtile Anspielung auf das "F" in Führer? Oder gar eine Lese-Rechtschreibschwäche? Man weiß es nicht.

Der Wahlsieger, geschlagen mit einem französischstämmigen Vornamen, lässt jedenfalls mit seiner Schreibweise des Wortes "Triumph" keinen Zweifel daran, dass ihm die griechische Ursprungsvokabel thriambos nicht geheuer ist.

Und das mit Recht: Thriambos hatte nach dem von den Griechen gewonnenen Trojanischen Krieg die ersten Siegeshymnen inspiriert, woraus sich angeblich die Sitte ergab, von einem Triumph zu sprechen. Das Wort Thriambos schleppten die Etrusker später nach Rom, die machten daraus sogenannte Triumphzüge zum Jupitertempel, die später gleich durch eine Reihe von Triumphbögen führten.

Auf dem Weg ins AfD-Deutschland des Jahres 2016 wechselte das H am Ende zu einem F. Der Triumpf war geboren. Und er wurde eine Tippfehlerfalle für eine Büstenhalter-Marke. Für viele Menschen ist das unerträglich, viele Medienarbeiter fragen sich zudem, ob es zulässig ist, den falschgeschriebenen Forderungen der rechten Radikalinskis eine Plattform zu geben, wie das im Wahlkampf vor allem in Mecklenburg und Berlin derzeit an der Tagesordnung ist. Die unabhängige Konrad-Adenauer-Stiftung hat das Programm der AfD jetzt noch einmal akribisch unter die Lupe genommen und ausgewertet. Mit verheerenden Ergebnissen: Die Protestpartei will derzeit überhaupt nicht regieren, sondern lediglich provozieren, um noch mehr Wähler anzuziehen.

Doch ehe jetzt Schadenfreude aufkommt: Poggenburg ist in allerbester Gesellschaft. Auch "Zeit" und "Spiegel" und das Neue Deutschland haben schon auf dieselbe Weise triumpfiert.

Demoskopen: Wettbewerb im Danebenliegen


Für die sozialistische Politikwissenschaft war es Budenzauber und Voodookunst. Wenn westdeutsche Demoskopen behaupteten, sie könnten nach Befragung von ein- oder zweitausend ausgewählten Wählen mit einer kleinen Fehlertoleranz vorhersagen, wie eine Wahl ausgehen wird, nannten das die DDR-Kollegen Kaffeesatzleserei.

Es sieht nun so aus, als seien die führenden Forschungsinstitute der westlichen Welt angetreten, den Ostkollegen mit Verspätung Recht zu geben. Bereits bei der letzten Niedersachsenwahl war es Infratest Dimap, der Forschungsgruppe Wahlen, Allensbach und Forsa erneut Zuvor war es Infratest Dimap, der Forschungsgruppe Wahlen, Allensbach und Forsa gelungen, den Wahlausgang mit einer Genauigkeit vorherzusagen, die an einen Bagger erinnert, der einen Zwirnsfaden in eine Nähnadel-Öse schiebt. Nichts stimmte, jede Partei bekam Stimmen, aber keine einzige auch nur annähernd die, die ihnen die Wissenschaftler mit ihren Computerprogrammen vorhergesagt hatten.

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist das Debakel nun noch größer. Aus den 32 Prozent, die der CDU versprochen waren, wurden knapp über 29, aus den 14 Prozent der SPD nicht einmal mehr zwölf, die Grünen, die Linke kam nicht auf 21, sondern nicht mal auf 17 und die AfD machte aus ihren 18 Prozent knapp 23.

Das sind Abweichungen, die von Fall zu Fall differieren, im Allgemeinen aber zwischen zehn und fast 25 Prozent liegen. Zahlen, die irgendwo in der Nähe von Raten, Losen und Lottospielen liegen. Das Endergebnis gleicht einer Ohrfeige für die Demoskopen, deren Abschneiden schon 2009 desaströser war als das Ergebnis der SPD, die damals das schlechteste Ergebnisse aller Zeiten erreichte. Bei der CDU (41,5 Prozent) lag die Abweichung mit 2,5 Prozent bei mehr als sechs Prozentpunkten. Die SPD erreichte statt 26 Prozent nur 25,7 Prozent. Die Linke schaffte es nur auf 8,6 Prozent statt auf neun, die Grünen landeten bei 8,4 Prozent statt bei neun - ebenfalls eine Abweichung um jeweils mehr als sechs Prozentpunkte.

Das Bezaubernde daran: Kaum sind die Ergebnisse raus, spricht niemand mehr über das Totalversagen der Propheten. Und die sind schon wieder eifrig dabei, sich Wählerwanderungen und Wählermotivationen auszudenken.

Montag, 14. März 2016

Zitate zur Zeit: Zum Wohle der Menschheit

Wir sind in der Lage, Entscheidungen zum Wohle der Menschheit zu treffen.

Thomas Oppermann erinnert die Welt bei Maybrit Illner an die bedeutsame Rolle der deutschen Sozialdemokratie


Landtagswahlen: Nicht mal aufs Wetter lässt es sich schieben

 
Es ist schön, wenn ein toller Plan funktioniert. Der der Landtagsparteien in Sachsen-Anhalt war es, den sich ankündigenden Triumph der Alternative für Deutschland zu verhindern, indem die demokratischen Restbestände der Bevölkerung im weitgehend entvölkerten Land zur Teilnahme an der Wahl motiviert werden sollten. Mit einer millionenschweren Werbekampagne der parteiunabhängigen Landeszentrale für politische Bildung trommelte die Regierung für den Urnengang, Testimonial war eine graukostümierte Gouvernante, die streng und dominant zur Teilnahme peitschte: "Triff die Wahl!" hieß es. In der illusorischen Vorstellungswelt der Parteizentralen nämlich bedeutet eine hohe Wahlbeteiligung stets schwache Ränder und eine starke Mitte.

Das ganze Gegenteil ist der Fall. Bei einer Wahlbeteiligung, die höher ausfiel als bei jeder Wahl seit 1998, sind die Ränder am Tag danach breiter denn je. 17 Prozent bei der Linken bedeuten zwar den größten Verlust einer SED-Nachfolgepartei seit 1990. Doch knapp 23 Prozent Zuwachs für die AfD schmälern das seit Jahren beständig schrumpfende Potential der Traditionsparteien auf nur noch 60 Prozent.

Ein Erdbeben, ausgelöst von der Ignoranz der Großparteien den Themen gegenüber, die die Bürger auf der Straße diskutierten, während die Wahlkämpfer in ihren eingeschworenen Anhang in abgeschirmten Sälen auf den Kampf gegen die neue Konkurrenz von rechts einschworen. Die Marktplätze überließen CDU, SPD, Grüne und Linke der AfD, als hätten sie den Kampf um die Köpfe der Wähler schon lange aufgegeben.

Nicht mal aufs Wetter lässt sich der Aderlass der Altparteien diesmal schieben. Der Versuch, über eine Verbreiterung der Beteiligungsbasis etwas am Ergebnis zu ändern, ist nach hinten losgegenagen: Nun kann die geringe Wahlbeteiligung nicht mal mehr, wie traditionell üblich, als Grund dafür herhalten, dass das eigene Abschneiden unter den Erwartungen geblieben ist.

Doch war es wirklich die bizarre Kampagne mit der graubestrumpften Domina, die die Wähler an die Urnen getrieben hat? Eher nicht. Wer sich in den letzten Wochen im Land umhörte, für den war schnell klar, dass eine Denkzettelwahl ansteht. Je mehr die Funktionäre der etablierten Parteien vor der AfD warnten, umso eher waren ehemalige Stammwähler von CDU, SPD und - vor allem - der Linken bereit, die verteufelte Neupartei nun gerade zu wählen.

Es ist wie immer und wie in der DDR gelernt: Sobald Propaganda als Propaganda erkennbar wird, verwandelt sie sich in Gegenpropaganda und wirkt ausschließlich gegen sich selbst.

Sonntag, 13. März 2016

Fremde Federn: Im Überlaufbecken

Zeit gegen Geld, Luft gegen Platz, das sei das Kalkül Angela Merkels vor der Grenzöffnung vom 4. September 2015 gewesen, hat Herfried Münkler zur Erklärung des Kanzlerinnen-Kurse in der Flüchtlingspolitik beschrieben. Deutschland habe im vergangenen September die Absicht gehabt, „gemeinsam mit Österreich und Schweden als eine Art 'Überlaufbecken‘ zu dienen, das die Zeit verschaffen sollte, eine europäische Lösung herbeizuführen: faire Verteilung in Europa, bessere Sicherung der europäischen Außengrenzen, Stabilisierung der Peripherie", so der Deuter der gerade im Licht der jüngsten Regierungsentscheidung zum "Ende des Durchwinkens" rätselhaften Merkel-Strategie.

Gunnar Heinsohn, ein Spezialist für junge Männer, hat das Vorgehen nach der alten strategischen Formel Raum gegen Zeit jetzt im European einem Praxistest unterzogen: Konnte der Plan, durch kalkulierten Verfassungsbruch taktische Optionen zur Lösung der Krise im großen zu gewinnen, überhaupt aufgehen?

Heinsohn glaubt es nicht. Am leichtesten könne man das Scheitern einer Politik des Überlaufbeckens natürlich an Merkels eigener Heimat studieren. Die Territorien der DDR hätten zwischen 1949 und 1989 rund 3,8 Millionen Bürger verloren, ab 1990 wandern durch die dann offenen Grenzen weitere zwei Millionen ab. "Obwohl die Lösungen der Probleme vor Ort je nach Berechnung zwischen 1300 und 2000 Milliarden Euro verschlingen, finden von den 5,8 Millionen nur 400.000 wieder nach Hause." Ungeachtet des langen Zeitraums und der Hyper-Summen werde die erhoffte Beseitigung der Auswanderungsgründe in Deutschlands „Peripherie“ zu einem Fiasko, das heute andauert und sich weiter verschärft: „Insgesamt lässt sich die demografische Situation in den neuen Ländern als schlecht bis katastrophal einstufen“.

Wie das zum Verständnis der aktuellen Fluchtbewegungen, deren Dimension und Wucht beitragen kann, schreibt Gunnar Heinsohn hier:

Auch über die Lage im viel größeren Afrika hätten ein paar googlende Schulkinder das Notwendige schnell ermitteln können. Zwischen 1950 und 2015 springt die Bevölkerung im Subsahara-Raum von 180 auf 980 Millionen und soll 2050 bei 2,1 Milliarden stehen. 600 Millionen sind ohne Stromanschluss und können selbst von den überwundenen DDR-Zuständen nur träumen. Die Zahl der absolut Armen (1,90 Dollar pro Tag) wächst allein zwischen 1990 und 2011 von 280 auf 390 Millionen (PovcalNet 2015). Deshalb verwundert nicht, dass bereits 2009 das Gallup-Institut 38 Prozent der Bevölkerung als migrationswillig einschätzt. Das wären heute 390 und 2050 rund 840 Millionen Hilfesuchende.

Wenn nun 100 Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und Schweden mit ihrem Durchschnittsalter von 44 Jahren für viele hundert Millionen nicht einmal halb so alte Afrikaner zum Auffangbecken werden sollen, bis es in deren Heimatländern keine Auswanderungsgründe mehr gibt, ist zu bedenken, dass man etwa in Schweden pro Kopf hundertmal so viel exportiert wie im Subsahara-Raum. Haben die Berliner Strategen über die Menge und Leistungskraft der für das Wenden dieser Zustände auszusenden Helfer wirklich nachgedacht? Gewiss wäre das eine Aufgabe für die Zukunft. Doch für die lässt sich leicht ermitteln, wie viele Helfer man tatsächlich über das Mittelmeer schicken könnte. In Gesamt-Europa (mit Russland) gibt es 2015 rund 140 Millionen Menschen unter 18 Jahren. Für 2050 werden sogar nur noch 130 Millionen prognostiziert. Gesamt-Afrika (mit dem arabischen Norden) hat heute 540 und 2050 rund 1000 Millionen Kinder und Jugendliche im selben Alter (Zahlen hier). Die hiesigen Jugendlichen werden nicht einmal ausreichen, um die Alten sowie die zornigen Gleichaltrigen ohne Ausbildung zu versorgen. Wie soll dann noch jeder vier oder acht Afrikaner für eine Hightech-Wirtschaft fit machen?

Am meisten allerdings überrascht, dass die wortmächtigen Moralisten der Berliner Politik keine humanitären Verordnungen für das Durchbrechen der Dublin-Regeln und auch keine Aufnahmeeinrichtungen fertig haben, als die Tore geöffnet werden. Hat man der Kanzlerin verschwiegen, dass seit den 1960er Jahren nach Vertreibung der Europäer über 18 Millionen Subsahara-Afrikaner in Kriegen und Genoziden umkommen und das Sterben täglich weitergeht (Zahlen u.a.hier)? Allein in Merkels Kanzlerschaft gibt es eine Zehnjahresfrist (2005-2015), um die plötzlich herausgestellte Politik der Herzen mit Gesetzen und Strukturen realitätsfest zu machen. Es ist die Erbarmungslosigkeit und das Fehlen jeglicher Vorbereitung bis 2015, die es so schwer machen, die humanitären Begründungen für den 4. September zu glauben.

Was nun hätten die Berater der Berliner Spitze zum arabischen und islamischen Raum mitteilen können? Die nicht endende Überraschung zur großen Zahl junger Männer unter den Kommenden ist nur erklärbar, weil man die Kanzlerin über globale Differenzen beim Kriegsindex im Unklaren gelassen hat. In Deutschland liegt er 2014 bei 0.66. Auf 1000 rentennahe Männer zwischen 55 und 59 Jahren folgen lediglich 660 Jünglinge zwischen 15 und 19 Jahren, die den Lebenskampf aufnehmen. In Pakistan aber sind es nicht 660, sondern 3600, in Syrien 3700, in Jemen 5700, in Gaza 6200 und in Afghanistan 6400, die um nur 1000 Positionen kämpfen müssen. In Schwarzafrika liegen die Spitzen sogar bei 6900 (Uganda) und 7000 (Sambia). Wer in dieser Aussichtslosigkeit nicht töten oder sterben will, schlägt ganz selbstverständlich den Weg des Wirtschaftsflüchtlings ein. Dorthin will jetzt eine halbe und bis 2050 eine ganze Milliarde. Und jeder Bleibende, der es doch mit dem Schießen auf die heimischen Eliten versucht, verwandelt sein Land in ein Kriegsgebiet, in das nach internationalem Recht niemand zurückgeschickt werden darf.

Über ganz lange Fristen hinweg wird sich die arabische (nicht die afrikanische) Situation entspannen, aber hat man zwischen Wien, Berlin und Stockholm genügend Jahrzehnte und Millionen Experten, um die Geflohenen zu versorgen und den Ferngebliebenen moderne Ökonomien hinzustellen? Von 70 auf 380 Millionen Araber geht es seit 1950. 2050 sollen die stolzen Völker zwischen Marokko und Oman fast 650 Millionen umfassen. Nach dem Gallup-Befund von 2009 hätten nur 23 Prozent bzw. 87 Millionen emigrieren wollen. Aber nach einer aktuellen Erhebung wollen 35 Prozent beziehungsweise 133 Millionen weg. Das ist ein Befund, den die Kanzler-Berater im September 2015 nicht kennen können, weil man ihn erst im Dezember 2015 vorlegt (. Er zeigt zugleich – bei 85 Prozent harten Antisemiten – den entsetzlichen Erfolg der arabischen Erziehung zum Judenmord, wozu vor allem Syrien seit 2001 bestens erforscht ist. Jeder hätte auch ohne die Sorgen der jüdischen Gemeinde wissen können, wen er da holt. Man kann nur hoffen, dass dabei lediglich Ignoranz und nichts Untergründiges im Spiel gewesen ist.

Im Ergebnis wirkt die Strategie des Überlaufbeckens wie die hastig nachgeschobene Rechtfertigung eines Handelns, für das es Vorüberlegungen oder gar Planungen in Wahrheit nicht gegeben hat. Man kann die Millionenaufnahme nur dann als gewollten Zeitgewinn für die Lösung der Probleme von Afrika bis Afghanistan hinstellen, wenn man dem die Diagnose einer grenzenlosen geopolitischen Inkompetenz der Berliner Führung hinzufügt.

Wahltag mit Tucholsky: Alles wie immer


Im September 1930 schrieb Kurt Tucholsky für die "Weltbühne" eine Wahlkampfreportage, die die Grundrhythmen aufnahm, die jeden Wahlkampf bis heute strukturieren. Versprechen, Symbole, Gesinnungstreffen im Saal. In der DDR durfte Gert E. Schäfer den Text in der Veranstaltungsreihe "Lyric, Jazz und Prosa" öffentlich vortragen, abgesehen von einigen Auslassungen über Juden, die nicht mehr zeitgemäß schienen.

Geholfen hat auch das nichts. Der Wahltag ist immer noch der Rummelplatz des kleinen Mannes. Die Nazzenahlsosjalisten sind mächtiger denn je. Wer SPD wählt, weiß, er tut was für die Revolution, aber er weiß auch ganz genau: mit dieser Partei kommt sie nicht.

"Wie Sie mir hier sehn, bin ick nämlich aust Fensta jefalln. Wir wohn Hochpachterr, da kann sowat vorkomm. Es ist wejn den Jleichjewicht. Bleihm Se ruhich stehn, lieber Herr, ick tu Sie nischt - wenn Se mir wolln mah aufhehm... so... hoppla... na, nu jeht et ja schon. Ick wees jahnich, wat mir is: ick muß wat jejessen ham...!

Jetrunken? Ja, det auch... aber mit Maßen, immer mit Maßen. Es wah - ham Sie 'n Auhrenblick Sseit? - es handelt sich nämlich bessüchlich der Wahlen. Hips... ick bin sossusahrn ein Opfer von unse Parteisserrissenheit. Deutschland kann nich untajehn; solange es einich is, wird es nie besiecht! Ach, diß wah ausn vorjn Kriech... na, is aber auch janz schön! Wenn ick Sie 'n Sticksken bejleiten dürf... stützen Sie Ihnen ruhig auf mir, denn jehn Sie sicherer!

Jestern morjen sach ick zu Elfriede, wat meine Jattin is, ick sahre: "Elfriede!" sahr ick, "heute is Sonntach, ick wer man bißken rumhörn, wat die Leite so wählen dun, man muß sich auf den Laufenden halten", sahr ick - "es is eine patt... pathologische Flicht!" sahr ick. Ick ha nämlich 'n selbständjen Jemieseladn. Jut.

Kennen Sie Jöbbels?

Sie packt ma 'n paar Stulln in, und ick ßottel los. Es wird ein ja viel jebotn, ssur Sseit... so ville Vasammlungen! Erscht war ich bei die Nazzenahlsosjalisten. Feine Leute. Mensch, die sind valleicht uffn Kien! Die janze Straße wah schwarz... un jrien... von de Schupo... un denn hatten da manche vabotene Hemden an... dies dürfen die doch nich! "Runta mit det braune Hemde!" sachte der Wachtmeister zu ein. "Diß iss ein weißes Hemde!" sachte der. "Det is braun!" sachte der Jriene. Der Mann hat ja um sich jejampelt mit Hände und Fieße; er sacht, seine weißen Hemden sehn imma so aus, saubrer kann a nich, sacht a. Da ham sen denn laufen lassen. Na, nu ick rin in den Saal. Da jabs Brauselimmenade mit Schnaps. Da ham se erscht jeübt: Aufstehn! Hinsetzn! Aufstehn! Hinsetzn! weil sie denn nämlich Märsche jespielt ham, und die Führers sind rinjekomm - un der Jöbbels ooch.

Kenn Sie Jöbbels? Sie! Son Mann is det! Knorke. De ham die jerufen: "Juden raus!" un da habe ick jerufen: "Den Anwesenden nadhierlich ausjenomm!" un denn jing det los: Freiheit und Brot! ham die jesacht. Die Freiheit konnte man jleich mitnehm - det Brot hatten se noch nich da, det kommt erscht, wenn die ihr drittes Reich uffjemacht ham. Ja. Und scheene Lieda ham die -!

Als die liebe Morjensonne
schien auf Muttans Jänseklein,
zoch ein Rejiment von Hitla
in ein kleines Städtchen ein...!

Na, wat denn, wat denn... man witt doch noch singen dürfn! Ick bin ja schon stille - ja doch. Und der Jöbbels, der hat ja nich schlecht jedonnert! Un der hat eine Wut auf den Thälmann! "Is denn kein Haufen da?" sacht er - "ick willn iebern Haufn schießen!" Und wir sind alle younge Schklavn, hat der jesacht, und da hat er ooch janz recht. Und da war ooch een Kommenist, den ham se Redefreiheit jejehm. Ja. Wie sen nachher vabundn ham, war det linke Oohre wech. Nee, alles wat recht is: ick werde die Leute wahrscheinlich wähln. Wie ick rauskam, sachte ick mir: Anton, sachte ick zu mir, du wählst nazzenahlsosjalistisch. Heil!

Denn bin ick bei die Katholschen jewesn...

Denn bin ick bei die Katholschen jewesn. Da wollt ick erscht jahnich rin... ick weeß nich, wie ick da rinjekomm bin. Da hat son fromma Mann am Einjang jestandn, der hatte sich vor lauter Fremmichkeit den Krahrn vakehrt rum umjebunden, der sacht zu mir: "Sind Sie katholischen Jlaubens?" sacht er. Ick sahre: "Nich, daß ick wüßte..." - "Na", sacht der, "wat wollen Sie denn hier?" - "Jott", sahre ick, "ick will mir mal informieren", sahre ick. "Diß is meine Flicht des Staatsbirjers."

Ick sahre: "Einmal, alle vier Jahre, da tun wa so, als ob wa täten... diß is ein scheenet Jefiehl!" - "Na ja", sacht der fromme Mann, "diß is ja alles jut und scheen... aber wir brauchen Sie hier nich!" - "Nanu...!" sahre ick, "sammeln Sie denn keene Stimm? Wörben Sie denn nich um die Stimm der Stimmberechtichten?" sahre ick. Da sacht er: "Wir sind bloß eine bescheidene katholische Minderheit", sacht er. "Und ob Sie wähln oder nich", sacht er, "desderwejn wird Deutschland doch von uns rejiert. In Rom", sacht er, "is et ja schwierijer... aber in Deutschland..." sacht er. Ick raus. Vier Molln hak uff den Schreck jetrunken.

Denn wak bei die Demokratns...

Denn wak bei die Demokratns. Nee, also... ick hab se jesucht... durch janz Berlin hak se jesucht. "Jibbs denn hier keene Demokratsn?" frahr ick eenen. "Mensch!" sacht der. "Du lebst wohl uffn Mond! Die hats doch nie jejehm! Und nu jippse iebahaupt nich mehr! Jeh mal hier rin", sacht er, "da tacht die Deutsche Staatspachtei - da is et richtich."

Ick rin. Da wah ja so viel Jugend... wie ick det jesehn habe, mußt ick vor Schreck erscht mal 'n Asbach Uralt trinken. Aber die Leute sinn richtich. Sie - det wa jroßachtich! An Einjang hattn se lauter Projramms zu liejn... da konnt sich jeder eins aussuchen. Ick sahre: "Jehm Sie mir... jehm Se mia ein scheenet Projamm für einen selbständigen Jemieseladen, fier die Interessen des arbeitenden Volkes", sahre ick, "mit etwas Juden raus, aber hinten wieder rin, und fier die Aufrechterhaltung der wohlerworbenen Steuern!" - "Bütte sehr", sacht det Frollein, wat da stand, "da nehm Sie unsa Projramm Numma siemundfürrsich - da is det allens drin. Wenn et Sie nicht jefällt", sacht se, "denn kenn Siet ja umtauschn. Wir sind jahnich so!" Diß is eine kulante Pachtei, sahre ick Ihn! Ick werde die Leute wahrscheinlich wähln. Falls et sie bei der Wahl noch jibt.

Denn wak bei die Sozis...

Denn wak bei die Sozis. Na, also ick bin ja eijentlich, bei Licht besehn, ein alter, jeiebter Sosjaldemokrat. Sehn Se mah, mein Vata war aktiva Untroffssier... da liecht die Disseplin in de Familie. Ja. Ick rin in de Vasammlung. Lauta klassenbewußte Arbeita wahn da: Fräser un Maschinenschlosser un denn ooch der alte Schweißer, der Rudi Breitscheid. Der is so lang, der kann aus de Dachrinne saufn. Det hat er aba nich jetan - er hat eine Rede jehalten. Währenddem daß die Leute schliefen, sahr ick zu ein Pachteigenossn, ick sahre: "Jenosse", sahre ick, "wieso wählst du eijentlich SPD - ?"

Ick dachte, der Mann kippt mir vom Stuhl! "Donnerwetter", sacht er, "nu wähl ick schon ssweiunsswanssich Jahre lang diese Pachtei", sacht er, "aber warum det ick det due, det hak ma noch nie iebalecht! - Sieh mal", sachte der, "ick bin in mein Bessirk ssweita Schriftfiehra, un uff unse Sahlahmde is det imma so jemietlich; wir kenn nu schon die Kneipe, un det Bier is auch jut, un am erschten Mai, da machen wir denn 'n Ausfluch mit Kind und Kejel und den janzen Vaein... und denn ahms is Fackelssuch... es is alles so scheen einjeschaukelt", sacht er. "Wat brauchst du Jrundsätze", sacht er, "wenn du'n Apparat hast!" Und da hat der Mann janz recht. Ick werde wahrscheinlich diese Pachtei wähln - es is so ein beruhjendes Jefiehl. Man tut wat for de Revolutzjon, aber man weeß janz jenau: mit diese Pachtei kommt se nich. Und das is sehr wichtig fier einen selbständjen Jemieseladen!

Denn wak noch bei die kleinern Pachteien...

Denn wah ick bei Huchenberjn. Sie... det hat ma nich jefalln. Wer den Pachteisplitter nich ehrt, is det Janze nich wert - sahr ick doch imma. Huchenberch perseenlich konnte nich komm... der hat sich jrade jespaltn. Da hak inzwischen 'n Kimmel jetrunken.

Denn wak noch bei die kleinern Pachteien. Ick wah bei den Alljemeinen Deutschen Mietabund, da jabs hellet Bia; und denn bei den Tannenberchbund, wo Ludendorff mitmacht, da jabs Schwedenpunsch; und denn bei die Häußerpachtei, die wähln bloß in Badehosn, un da wah ooch Justaf Nahrl, der is natürlicher Naturmensch von Beruf; und denn wak bei die Wüchtschaftspachtei, die sind fier die Aufrechterhaltung der polnschen Wüchtschaft - und denn wark blau... blau wien Ritter. Ick wollt noch bei de Kommenistn jehn... aber ick konnte bloß noch von eene Laterne zur andern Laterne... Na, so bink denn nach Hause jekomm.

Mutta hat valleicht 'n Theater jemacht...

Sie - Mutta hat valleicht 'n Theater jemacht! "Besoffn wie son oller Iiiijel -." Hat se jesacht. Ick sahre: "Muttacken", sahre ick, "ick ha det deutsche Volk bei de Wahlvorbereitung studiert." - "Besoffn biste!" sacht se. Ick sahre: "Det auch..." sahre ick. "Aber nur nehmbei. Ick ha staatspolitische Einsichten jewonn!" sahre ick. "Wat wißte denn nu wähln, du oller Suffkopp?" sacht se. Ich sahre: "Ick wähle eine Pachtei, die uns den schtarkn Mann jibt, sowie unsan jeliebtn Kaiser und auch den Präsidenten Hindenburch!" sahr ick. "Sowie bei aller Aufrechterhaltung der verfassungsjemäßichten Rechte", sahr ick. "Wir brauchen einen Diktator wie Maxe Schmeling oder unsan Eckner", sahre ick. "Nieda mit den Milletär!" sahre ick, "un hoch mit de Reichswehr! Und der Korridor witt ooch abjeschafft", sahre ick. "So?" sacht se. "Der Korridor witt abjeschafft? Wie wißte denn denn int Schlafzimmer komm, du oller Süffel?" sacht se.

Ick sahre: "Der Reichstach muß uffjelöst wern, das Volk muß rejiern, denn alle Rechte jehn vom Volke aus. Na, un wenn eener ausjejang is, denn kommt a ja sobald nich wieda!" sahre ick. "Wir brauchen eine Zoffjett-Republik mit ein unumschränkten Offsier an die Spitze", sahre ick. "Und in diesen Sinne werk ick wähln." Und denn bin ick aust Fensta jefalln.

Mutta hat ohm jestanden und hat jeschimpft...! "Komm du mir man ruff", hat se jebrillt. "Dir wer ick! Du krist noch mal Ausjang! Eine Schande is es - ! Komm man ja ruff!" Ick bin aba nich ruff. Ick als selbstänjdja Jemieseladen weeß, wat ick mir schuldich bin. Wollen wa noch ne kleene Molle nehm? Nee? Na ja... Sie missn jewiß ooch ze Hause - die Fraun sind ja komisch mit uns Männa! Denn winsch ick Sie ooch ne vajniechte Wahl! Halten Sie die Fahne hoch! Hie alleweje! Un ick wer Sie mal wat sahrn: Uffjelöst wern wa doch... rejiert wern wa doch... Die Wahl is der Rummelplatz des kleinen Mannes! Det sacht Ihn ein Mann, der det Lehm kennt! Jute Nacht -!"