Dienstag, 12. August 2014

Die Legende vom Supermond: Wenn schon sonst nichts ist

Mitten im August sind die deutschen Leitmedien dem Mond so nahe wie selten. Ein "alles überstrahlender Pfannkuchen" wird am Firmament ausgemacht, ein "Supermond mit Strahlen um die ganze Welt" (FAZ), der "größte Vollmond des Jahres" (HuffPost) und ein "Himmelsspektakel", bei dem Deutschland "den Supermond sucht" (Spiegel). Wie mondsüchtig präsentieren sich die Magazine, die inmitten von Irak-, Ukraine-, Ebola- und Türkei-Krise begierig sind, auch mal etwas nettes zu erzählen.

Also der Mond. Der Satellit komme der Erde dieser Tage "so nahe wie nur sehr selten" heißt es, obwohl der letzte "Supermond" erst im vergangenen November am Himmel stand. Damals war es der Mond allein, der kaum für Aufsehen sorgte: Er kam der Erde so nahe, dass er Beobachtern fast 30 Prozent heller erschien.

Ursache ist jedes Mal der Umstand, dass der Erdbegleiter durch den niedrigen Stand am Himmel hinter Häusern oder Bäume hervorschimmert und deshalb vom menschlichen Gehirn für „näher“ gehalten wird als er wirklich ist. Der Effekt ist ähnlich wie bei einem Fotoapparat mit Teleobjektiv: Die lange Brennweite zieht Objekte, die sich hintereinander und zugleich weit voneinander entfernt befinden, optisch zusammen.

Der Mond, der gerade zu sehen war, ist zudem auch wieder wirklich nahe, weil zufällig Vollmond ist und zu diesem allmonatlichen Standard noch das Phänomen kommt, dass der Mond in seinem Jahreslauf um die Erde seinen erdnächsten Punkt erreicht hat. Im sogenannten Perigäum ist der Erdbegleiter nur 363 104 Kilometer von der Erde entfernt - das sind rund 20.000 Kilometer weniger als im Jahresdurchschnitt, der den Mond in 384.400 Kilometern Entfernung um die Erde kreisen sieht. Und sogar mehr als 40.000 Kilometer weniger als die Entfernung zum erdfernsten Punkt - dem sogenannten Apogäum.

Mathematik, keine Phänologie: Durch die extrem elliptische Form der Bahn, die der Trabant um seinen Mutterplaneten zieht, passiert das eigentlich immer wieder, seit hunderttausenden von Jahren. Der einzige Unterschied zu früher: Seit die "Welt" im März vor drei Jahren den Begriff "Supermond" erfand, erreicht der Erdbegleiter regelmäßig nicht nur den erdnächsten Punkt, sondern auch ein geneigtes Publikum. 2011 war die "Welt" mit der Supernachricht noch allein, im Jahr danach stieg schon der "Spiegel" ein, der auch 2013 verlässlich am Superball blieb.

In diesem Jahr spielen nun erstmals alle mit, der "Supermond" wird zum Schaustück auf exzentrischem elliptischen Medienorbit. Ein Thema, das sich noch schneller als manch anderes von den Empfängern entfernt: Der Mond jagt auf seiner Umlaufbahn mit ziemlich genau einen Kilometer pro Sekunde oder 3682 Kilometer pro Stunde entlang. Das nächste Mal wird am 28. September 2015 von ihm zu hören sein, wenn der Supermond der Erde sogar noch 20 km näher sein wird als jetzt.

Verbot der Woche: Dolchstoß in Mecklenburg

Volk steh auf! Sturm brich los! Sechs Monate nach dem Beginn der offenen Feldschlacht um den Besitz der Ukraine wehren sich die gesunden Teile des deutschen Volkskörpers immer engagierter gegen einen Missbrauch als lebende Schutzschilde für Wladimir Putins verkommene Despotie. Mit gut gemachten Leitartikeln, die unter der Überschrift "Russland beendet Militärmanöver" stehen, aber unter "russland-beendet-militaermanoever-in-der-ukraine" verlinkt sind, und spontanen Farbanschlägen auf ewiggestrige Putin-Versteher zeigt Deutschland, dass es genug hat von Unabhängigkeit und russischem Weltmachtanspruch.

Entsprechend harsch fällt auch das Echo auf eine Initiative aus Mecklenburg-Vorpommern aus, die darauf zielt, trotz Ukraine-Konflikt und Sanktionen gegen Putin und seine Gefolgsleute einen "Russlandtag" abzuhalten. Bei diesem Fest, so hat die Frankfurter Rundschau herausfinden können, sollen russische Lebensart, russische Gerichte und Wirtschaftsbeziehungen mit Russland verherrlicht werden. Am 1. Oktober plane die rot-schwarze Landesregierung ungeachtet des laufenden Kräftemessens mit dem traditionellen deutschen Kriegsgegner eine russlandfreundliche Veranstaltung im bis vor 24 Jahren von den Russen besetzten "Schwerin", schreibt das Blatt aus Hessen über das in Rostock stattfindenden Fest. Dabei sollen sowohl Russen als auch Russlandversteher wie Altkanzler Gerhard Schröder auftreten.

Zum Glück haben die Grünen im Schweriner Landtag die Pläne für diesen Dolchstoß in den Rücken der Sanktionsfront jetzt aufgedeckt. Wenn die gesamte EU fortwährend Sanktionen verschärfe, könne Mecklenburg-Vorpommern nicht für Wirtschaftskontakte werben, meint Fraktionschef Jürgen Suhr.

Der Mann aus Remscheid, der selbst nie unter russischer Besatzung gelebt hat, will "die Reißleine ziehen“ und er bekommt dabei Unterstützung von Reinhard Bütikofer, der einst nach einen demokratischen Ämtertausch mit dem derzeitigen Grünen-Chef Cem Özdemir auf dessen Platz im Europaparlament nach Straßburg gewechselt war und dort als gebürtiger Rheinland-Pfälzer die Interessen von Mecklenburg-Vorpommern vertritt. Er halte den Russland-Tag für eine „peinliche Propaganda-Veranstaltung der Putin-Versteher“, sagte Bütikofer der FR.

Im Zuge der bürgerschaftlich-engagierten Reihe "Verbot der Woche" hat sich die demokratische Presse umgehend aufgemacht, den Widerstand des Schweriner Regierungschefs Sellering gegen einen Absage zu brechen. Auf der Agenda steht auch eine Untersagungsverfügung gegen die deutsch-russischen Festtage und ein Verbot von Privatreisen nach Russland, wie sie derzeit noch unreguliert angeboten werden dürfen. Die SPD geht hier mit gutem Beispiel voran: Der "SPD-Reiseservice" bietet nach früher geäußerte Kritik an der Verbrüderungspraxis mit Dikatoren und Massenmördern derzeit schon keine Reisen ins das Reich des Menschenschinders von Moskau mehr an.

Montag, 11. August 2014

Wer hat es gesagt?

“Für mich ist immer wichtig, dass ich mir alle möglichen Entscheidungsoptionen, wie man es machen könnte, durchspiele, wie entwickelt sich das, und was würde das bedeuten, wer würde was dazu sagen, wer würde was vielleicht darüber schreiben, wer würde das kritisieren.”

Kriegen wir tatsächlich Krieg?

Wer hat angefangen? Das Ei? Das Huhn? Der Hahn? Oder doch Putin? Gorbatschow? Kohl? Genscher? Adenauer? Eisenhower? Stalin? Lenin? Der Kaiser? Je länger die deutschen Leitmedien in der Zeit zurückreisen, umso zuverlässiger informieren sie ihre Leser darüber, dass wohl schon eine ganze Weile lang nicht mehr alles glatt läuft. Fünf Monate nach der allseits beklatschten Verhängung der ersten Sanktionen gegen Russland hat sich der Westen in eine grandiose Sackgasse manövriert. Während die Begründungen für immer neue Sanktionsstufen mit dem Fortgang der Ereignisse in der Ukraine wechselten, blieben die Ziele nebulös: Nie haben die Weltwirtschaftskrieger von Nato, EU oder USA deutlich gemacht, was der Despot im Kreml eigentlich tun muss, damit der Westen den status quo ante wiederherzustellen bereit ist. Irgendwie "Einfluss" soll er nehmen, irgendwie raushalten soll er sich auch, Verträge muss er einhalten, aber natürlich einsehen, dass andere das nun so lange tun, wie es ihnen selbst nützt.

Aus der Logik einer endlosen Eskalation ohne greifbares Ziel entfaltet sich eine Dynamik, die aus der Ferne nicht mehr zu begreifen ist. Die aus Washington, Brüssel und Berlin betriebene fortwährende Verschärfung einer Kampagne, die mit den obskuren Busen-Kriegerinnen von Pussy Riot als Komödie begann, um nach und nach in eine Tragödie abzurutschen, entzieht sich inzwischen jeder rationalen Erklärung. Wie urzeitliche Stammeskrieger umtanzen die Kontrahenten sich, immer noch umtost vom Applaus gelangweilter Dichtersöhne, längst aber geht es ihnen nicht mehr um die Sache, also die Ukraine. Sondern ums Prinzip, also die alte Mielke-Frage: Wer wen?

Barack Obama, der einstige Eierkuchenprinz aus Chicago, kann gegen Mitte seiner zweiten Amtszeit auf eine Bilanz verweisen, gegen die die seines Vorgängers George W. Bush aussieht wie der Arbeitsnachweis von Adolf Hennecke. Bush zündelte hier und da und da und dort, verband damit aber immer die Absicht, zu löschen. Er ging nach Afghanistan, um Ruhe zu schaffen, er stürzte Saddam Hussein, um einen potentiellen Unruheherd zu beseitigen und er führte seinen Krieg gegen den Terror, um mögliche Bedrohungen im Vorhinein zu verhindern. Bush war nicht überall erfolgreich, aber die Zahl seiner offenen Krisen war überschaubar: Der Irak, Afghanistan, Iran und Nordkorea.

Der Zauberlehrling mit dem Nobelpreiskrönchen hingegen hat in nur fünf Jahren eine Welt geschaffen, die an allen Ecken brennt. Zu Bushs vier Schlachtfeldern gesellten sich zahllose weitere Fronten. Obama kämpft heute in Syrien und dem Irak, in der Ukraine, in Ägypten, Tunesien, Mali, im Südsudan, in Nigeria, Libyen und Pakistan, erkämpft gegen Separatisten und Islamisten, gegen ein "Kalifat", das die US-Geheimdienste schon vor zehn Jahren voraussagten. Und er verliert mit jedem kleinen Krieg mehr. Die "globale Partnerschaft für den Kampf gegen den Terrorismus", die Obama 2008 versprochen hatte, um "den Terrorismus zurückzuschlagen und den Sumpf auszutrocknen", steckt in einem völligen Desaster. Das von verantwortungsvollen Medien nur nirgendwo so genannt wird, weil wenigstens die Heimatfront stehen muss wie ein Mann.

Das Universelle im Völkerrecht löst sich derweil in Illusionen auf. Während der Westen seine Politik der Strafaktionen zu Erziehungszwecken führt, als zeige nicht das Beispiel Kuba, wie lang der Atem dazu notfalls sein muss, lassen Details erkennen, wie isoliert die Nato-Staaten in der Ukraine-Frage sind. Bisher haben sie es nicht einmal gewagt, den Versuch zu starten, im Uno-Sicherheitsrat eine Verurteilung Russlands zu erreichen - nicht weil die am russischen Veto ohnehin scheitern würde, sondern aus Angst, dass auch China, der Tschad, Chile, Nigeria oder Jordanien dagegen stimmen könnten.

Dann wäre die eingebildete Weltfront gegen Russland, die derzeit 32 von 194 Staaten der Erde vereint, blamiert und ihre Strategie der anhaltenden Verschärfung der Situation als gescheitert erkennbar. Deshalb fragen Kommentatoren danach so wenig wie nach Neuigkeiten vom Flugschreiber des Fluges MH17. Deshalb scheinen die großen Zusammenhänge nur im Kleingedruckten auf, während die großen Schlagzeilen dem ewigen Sermon der stimmungsanheizenden Warnungen gewidmet sind.

Taktik oder Tollerei? Plan oder Kontrollverlust? Vielleicht wissen es die handelnden Personen einfach selbst nicht mehr.

Hochinteressantes US-Geheimdienst-Grundsatzpapier aus dem Jahr 2005: Mapping the Global Future: Szenarien zwischen Pax Americana und dem Cycle of Fear

Sonntag, 10. August 2014

Zitate zur Zeit: Universelle Weltsprache


Verachtung ist eine Weltsprache.

Tyrion Lannister

Mehr Zitate zur Zeit

Negerstreit: Erster Schwarzer als Rassist ausgezeichnet

Darf sich ein Neger Neger nennen? Darf ein Neger nackt in der Öffentlichkeit posieren? Darf er ein Buch schreiben? Auf dem er ein Nacktfoto von sich zeigt?  Ganz in Schwarz? Oder darf ein Nicht-Neger einem Neger dann Rassismus vorwerfen? Der schneeweiße Studentinnen-, Studenten- und Studierendenrat der Uni Leipzig hat keinen Zweifel: Weil der schwarze Autor Marius Jung sein Buch „Singen können die alle! - Handbuch für Negerfreunde“ "rassistisch" beworben haben soll, verlieh ihm das "Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik (RGL)" den Preis „Der Preis ist heiß* - oder auch nicht!“

Jung ist damit der erste Neger deutschlandweit, der sich zugleich preisgekrönter Rassist nennen darf. Dabei, haben die Lebensweisen aus Leipzig unterdessen eingeräumt, sei nicht sein Buch an sich Grund für die Auszeichnung gewesen, sondern dessen rassistisches Posieren für dessen Titelbild. Auf dem hatte sich Jung nackt und schwarz und im Intimbereich nur bedeckt mit einer Geburtstagsschleife gezeigt.

"Hierbei zeigt sich unserer Meinung nach eine stereotype Darstellung eines nackten schwarzen Menschen, der durch eine rote Geschenkschleife objektiviert wird", zeigen sich die Referentinnen für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik Kerstin Schmitt und Daria Majewski entsetzt. "Dies erinnerte uns an rassistische Motivik." Schwarze Männer, die sich nackt machen, könnten "in einer Alltagssituation - wie zum Beispiel beim Gang in einen Buchladen – Menschen, die evtl. nicht der weißen Mehrheitsgesellschaft angehören, triggern", so dass sie "das N-Wort als Beleidigung" erfahren. Mit dem Blick der weißen Mehrheitsgesellschaft sei ein solches Vorgehen zu verurteilen, deshalb stehe derdiedas StuRa zu seiner Entscheidung, Marius Jung anzuprangern.

Samstag, 9. August 2014

Manchmal ändert sich nur die Jahreszeit

Manche Dinge ändern sich, manche nicht. Im April 1948 kamen Nachrichten aus Palästina, die die amtliche deutsche Danachrichtenagentur dpa morgen wieder melden könnte - sie würden  gern gedruckt und noch lieber geglaubt werden.

Der Anfang März an der Spitze arabischer Streitkräfte von Syrien aus in Palästina eingerückte arabische Truppenführer Fauzi Kawakji erlitt am Sonntag eine Niederlage, als er mit einer 1500 Mann starken Abteilung gegen Mitternacht die jüdische Kolonie "Mischmar Hämek" südöstlich von Haifa angriff. Mit Unterstützung der Nachbarkolonien fügten die jüdischen Ansiedler den Angreifern erhebliche Verluste zu.

Die Kämpfe im Jezreel-Jal. die am Sonntagnachmittag ihren Anfang genommen hatten, wurden am Montag beendet. Die beiderseitigen Verluste sollen hoch sein.

Das befestigte arabische Dorf Castel, das die Straße von Jerusalem nach Tel Aviv beherrscht, soll sich noch immer in den Händen der Juden befinden.

Die Araber haben damit begonnen, die Kinder aus den heißumkämpften Haifa nach Syrien und den Libanon zu evakuieren.

Sprecher der Juden und der Araber wiesen am Montag das vom britischen Hohen Kommissar Cunningham vorgeschlagene Waffenstillstandsangebot zurück.

Klimawandel: Durchnässte Dürre

So grausam geht der Klimawandel mit unseren besten Wissenschaftlern um! Vor sechs Jahren erst hatten Forscher des Hamburger Max-Planck-Instituts (MPI) für Meteorologe "die präziseste Kalkulation der Folgen des Klimawandels" vorlegt, die mit "nie erreichter Genauigkeit" (Spiegel) und auf einzelne Regionen aufgeschlüsselt voraussagte, wie sich das Klima bis ins Jahr 2100 verändern wird. Ein Triumph der Forschung, eine Wecksignal für Klimaleugner, eine Handreichung für Politiker, denen endlich ein Werkzeug zu Hand gegeben war, um gegen Vernässungen, Dürre, Tigermücken und Schneemangel anzukämpfen.

Für Sachsen-Anhalt, ein weitgehend entvölkertes Gebiet direkt an der Straße der Gewalt, prognostizierte das "dreidimensionale hydrostatische regionale Klimamodell" Schreckliches. So würden beispielsweise "die Sommerniederschläge in Nordost-Deutschland besonders stark" zurückgehen - eine Sicht, der sich das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung anschloss. Der „Klimawandel in Sachsen-Anhalt“, so eine Studie der Brandenburger Experten, werde neben „ansteigenden Temperaturen vor allem im Winter“ auch „weniger Niederschlag im Sommer, mehr im Winter“ mit sich bringen. Die stärksten Rückgänge träten im Norden des Landes auf, im Extremfall sei mit einer "spürbaren Verminderung der Wasserverfügbarkeit" zu rechnen. „Bereits heute weisen einige Teile des Landes eine negative klimatische Wasserbilanz im Jahresmittel auf“, hieß es da, „demnach reicht das den Pflanzen zur Verfügung stehende Wasser nicht aus, um sie während der gesamten Wachstumsphase zu versorgen.“

Dürre als tödliche Gefahr für die blühenden Landschaften im Osten, Pflanzen, die vertrocknen, Böden, die ausdörren. Oder es doch wären, hätte nicht die Warnung der Wissenschaft die Politik zu einem scharfen Umsteuern veranlasst. Erste Erfolge sind erkennbar, denn ein Jahr nach dem Jahrtausendhochwasser in Mitteldeutschland registrieren Metereologen den nassesten Juli seit mindestens zehn Jahren. In Magdeburg sei mit 120 Litern pro Quadratmeter das Zweieinhalbfache des langjährigen Durchschnitts erreicht worden. Bundesweit habe es im Schnitt 128 Liter pro Quadratmeter geregnet, bestätigt der Deutsche Wetterdienst, – normal seien 78 Liter. Der Juli 2014 gehöre damit zu den zehn niederschlagsreichsten Julimonaten seit 1881.

Auch die Wissenschaft hat auf die neue Lage reagiert. Die Dürre-Studie wurde inzwischen aus dem Internetangebot der Landesregierung entfernt, sie findet sich jetzt nur noch gut versteckt auf den Seiten des Landesamtes für Umweltschutz.

Freitag, 8. August 2014

Fremde Federn: Die Deutschen und ihr Lieblingskrieg


Es sterben viele Kinder in Konflikten weltweit, das ist dramatisch und traurig. Doch nur im Fall von Israel wird so etwas wie Absicht unterstellt, als bombardiere die israelische Armee besonders gern Schulen - was dann ja auch zum antisemitischen Klischee vom jüdischen Kindermörder passt.

Haareschneiden auf Spanisch

Erst der Haircut für private Kleinsparer in Zypern, nun die Sparersteuer in Spanien – im Kampf gegen die längste Finanzkrise der modernen Wirtschaftsgeschichte hat das immer noch unter einer gigantischen Schuldenlast stöhnende Spanien eine neue Vermögenssteuer eingeführt. Danach müssen künftig alle Besitzer von Sparguthaben eine Zwangsabgabe entrichten, die nicht nach entstandenen Zinsgewinnen, sondern auch der Substanz zu zahlen ist. Damit will die Regierung erreichen, dass die Sparer für das Staatsdefizit aufkommen.

Der Beschluss wurde gefällt, während Volk die Fußballweltmeisterschaft verfolgte. Und weil die sogenannte „Einlagensteuer“ zu Beginn nur 0,03 Prozent beträgt, gab es auch keinen großen Aufschrei: Ein Besitzer von 100.000 Euro zahlt schließlich gerechnet über 70 Jahre nur rund 2000 Euro.

Allerdings startete in Deutschland einst auch die Umsatzsteuer mit einem Prozentsatz von 0,5 Prozent. Das war im Jahr 1918, seitdem stieg sie auf 19 Prozent - eine Verachtundreißigfachung in nicht ganz 100 Jahren, wobei der größte Schwung am Ende kam: Noch 1968 hatte der Satz nur zehn Prozent betragen.

Heute steht die Umsatzsteuer, von Politikern mit Marxscher Vorbildung gern „Mehrwertsteuer“ genannt, für fast 200 Milliarden Staatseinnahmen – eine Verdreizehnfachung seit Ende der 60er Jahre. Spanien rechnet vorerst mit nicht mehr als 400 Millionen Steuereinnahmen aus der neuen Sparer-Strafsteuer, schon eine Erhöhung auf den ehemaligen Eingangssatz der Umsatzsteuer aber würde die Quelle schon mit 4,5 Milliarden im Jahr sprudeln lassen.

Spätestens dann wäre die Vermögensbesteuerung aus der Substanz auch in Deutschland wieder ein Thema: Eine alljährliche Belastung deutscher Sparguthaben mit 0,5 Prozent der der Masse brächte jährlich 23,5 Milliarden Euro und würde ein Rückführung der deutschen Staatsschulden auf Null binnen nicht einmal hundert Jahren rein rechnerisch möglich machen.

NSU: Beweisschau im Internet

Die größte Aufregung im Münchner NSU-Prozess verursachten von Anfang an die Banalitäten. Wer bekommt einen Platz im Saal? Was trägt die Zschäpe? Hat der Zeuge einen Nazi-Pulli an? Wie fühlten sich die Hinterbliebenen der Opfer von der Polizei behandelt? Und was sagen die Anwälte der Nebenklage zum NPD-Verbot?

Der Erkenntnisgewinn in der Sache dagegen blieb überschaubar. Ein Heer von Zeugen sagte am Kern der Dinge vorbei aus, die überwiegend rätselhaften Zusammenhänge zwischen drei selbsternannten Desperados und den Geheimdienten blieben rätselhaft. Der Versuch, Motive für die Ermordung etwa der Polizistin Kiesewetter zu finden, scheiterte, ebenso ergebnislos blieben alle Ansätze, Tatabläufe oder auch nur die Finanzierung der NSU aufzuklären.

Nach mehr als einem Jahr hat der NSU-Prozess nur eine Erkenntnis zutage gefördert, die von Anfang an auf der Hand lag: Irgendwie stimmt das alles nicht, irgendwie passt da nichts zusammen, irgendwie ergibt das keinen Sinn, was da an hanebüchenen Ungereimtheiten aneinandergereiht wird, als könne ein Urteil am Ende auf dem Umstand fußen, dass das Gericht weder Motiv noch Begehensart noch Tatbeteiligung kennt.

Die Leitmedien haben beschlossen, auf den großen Rätseln des NSU-Prozesses nicht weiter herumzuhacken. Lässt sich Beate Zschäpe nicht gerade die Haare neu frisieren oder beim Versuch beobachten, ihre Anwälte loszuwerden, beschränken sich die Edeljournalisten der Republik seit Monaten auf knappe Agenturberichte aus dem Gerichtssaal, in denen konzentriert von neuen Nichtigkeiten und Randskandalen erzählt wird.

Die Aufklärungsarbeit wird anderswo geleistet. Etwa im Blog Wer-nicht-fragt-bleibt-dumm, in dem Fatalist "NSU-Sach- und Lachgeschichten" erzählt, die dem Leser das kalte Grauen über den Rücken jagen. Stets belegt mit Originaldokumenten, die dem Phantomjäger von unzufriedenen Mitgliedern eines NSU-Untersuchungsausschusses und aus Justizkreisen zugespielt wurden, geht der Fatalist den zum Himmel schreienden Ungereimtheiten der angeblichen "NSU-Aufklärung" nach. Minutiös listet er verschwundene Waffen, verspätet aufgetauchte Beweise und widersprüchliche Zeugenangaben auf, er belegt, wie das BKA Menschen vernommen hat, die nie auch nur am Rande mit dem NSU zu tun hatten, während andere lange unbefragt blieben, um dann auf die Schnelle mitten in der Nacht in einem Polizeifahrzeug abgefragt zu werden.

Es sind vor allem Fragen, die hier gestellt werden. Wie kann eine so hoch angebundene Ermittlung so in die Binsen gehen? Wer ist dafür verantwortlich, dass der Prozess bereits läuft, obwohl die Ermittlungsbehörden kaum handfeste Beweise vorgelegt und schon gar keine Zusammenhänge rekonstruiert haben? Wie können Zeitungsschreiber glauben, die Angeklagte müsse vor Gericht ihre Unschuld beweisen? und wie kann ein ganzer Rechtsstaat samt seiner vierten Gewalt überhaupt so leichtfertig über unübersehbare übersinnliche Phänomene, über fehlenden Ruß in der Lunge und unbrennbare Beweismittel hinweggehen? Er kann, und deshalb ist Wer-nicht-fragt-bleibt-dumm eine Lektüre zum Kopfschütteln: Wenn das alles möglich ist, was dann noch?


Ein Land schreibt einen Thriller:

NSU: Klein, schmal und knochig
NSU: Die Toten auf dem Rücksitz
NSU: Hundert Tage April, April
NSU: Banküberfalltäter im Tattooarchiv
NSU: Die Fassade auf der Anklagebank
NSU: Nicht nur sauber, sondern rein

NSU: Doppelselbstmord zu dritt
NSU: Vorladung für Hollywood
NSU: Rufnummernmitnahme
NSU: Robert Redford gegen rechts
NSU: Strafe muss sein
NSU: Terror fürs Museum
NSU: Herz, Stern oder Halbmond
NSU: Schweigekomplott am Bosporus
NSU: Nazi per Nachname
NSU: Platznot auch im Alex-Prozess
NSU: Killerkatzen im Untergrund
NSU: Das weltoffene Deutschland im Visier
NSU: Liebes Terrortagebuch
NSU: NSU: Push the forearm fully forward
NSU: Heiße Spur nach Hollywood
NSU: Die Mutter von Hirn und Werkzeug
NSU: Musterstück der Selbstentlarvung
NSU: Rettung durch Rechtsrotz
NSU: Schreddern mit rechts
NSU: Softwarepanne halb so wild
NSU: Neues Opfer beim Verfassungsschutz
NSU: Im Namen der Nabe
NSU: Handy-Spur ins Rätselcamp
NSU: Brauner Pate auf freiem Fuß
NSU: Rufmord an den Opfern
NSU: Heiße Spur ins Juwelendiebmilieu
NSU: Eine Muh, eine Mäh, eine Zschäperättätä
NSU: Von der Zelle in die Zelle
NSU: Die Spur der Schweine
NSU: Gewaltbrücke zu den Sternsingern
NSU: Gebührenwahnsinn beim Meldeamt
NSU: Nun auch auf dem linken Auge blind
NSU: Die Welt ist klein
NSU: Verdacht auf Verjährung
NSU: Weniger hats schwer
NSU: Terrorwochen abgebrochen
NSU: Rechts, wo kein Herz schlägt
NSU: Was steckt dahitler?
NSU: Neue Spuren ins Nichts
NSU: Tanz den Trinitrotoluol
NSU: Der Fall Braun
NSU: Honeckers rechte Rache
NSU: Die Mundart-Mörder
NSU-Todeslisten: Sie hatten noch viel vor
NSU: Was wusste Google?
NSU: Kommando späte Reue
NSU: Die tödliche Bilanz des braunen Terrors
NSU: Mit Hasskappen gegen den Heimsieg
NSU: Mordspur nach Möhlau

Donnerstag, 7. August 2014

Wiedergeboren als Seelenrocker

Bekannt wurde er einer breiteren Öffentlichkeit als "Tatort"-Kommissar und Theaterimpressario, später aber warf ihn der öffentlich-rechtliche MDR wegen langweiliger Drehbücher und wenig abwechslungsreicher Gesichtsausdrücke raus. Peter Sodann (oben rechts), ein Sohn der Porzellanstadt Meißen, der diese Herkunft in seinem Mienenspiel nie verborgen hat, gab dennoch nicht auf. verstärkt widmet sich der 78-jährige seit seinem Serien-Aus seiner zweiten, weniger bekannten Karriere.

Als "Bruce Springsteen" hatte Sodann schon Anfang der 70er Jahre begonnen, Musik zu machen. Dabei versuchte er von Beginn an nicht, aus seinem populären Schauspielernamen Profit zu schlagen. Stattdessen startete Sodann ganz neu durch: Er schrieb Lieder, die er tief aus der amerikanischen Seele schürfte, umgab sich mit einer Reihe großartiger Musiker und wurde von Angestellten und Anhängern trotz perfekter Tarnung schnell genau wie in seinen Theaterzeiten im mitteldeutschen Halle der "Boss" genannt.

Sodann wurde weltweit äußerst populär und avancierte zu einem der kommerziell erfolgreichsten Rockmusiker überhaupt, ehe ihn das MDR-Angebot, als Tatort-Kommissar wieder mehr zu schauspielern, dazu bewegte, seine musikalische Karriere auf Eis zu legen. Statt ein Album jährlich vorzulegen, beließ es Sodann nun über anderthalb Jahrzehnte hinweg bei einer neuen CD aller drei, vier Jahre, dafür erntete er nun aber umso mehr Anerkennung für seine Rollen in Filmen wie "Nikolaikirche", "Wolffs Revier" und "Leinen los für MS Königstein".

Und verloren für die Welt der Musik war er ja auch nicht. Schon vor seinem Abschied als Kommissar Ehrlicher hatte Sodann unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September wieder begonnen, Songs zu schreiben, die amerikanische Alltagsleben zum Thema haben und mit den amerikanischen Traumata der Weltherrschaft abrechneten. Nun rief er seine E-Street-Band wieder zusammen, die Gruppe probte wie in alten Zeiten in einer von Sodann errichteten DDR-Bibliothek im sächsischen Stauch und überraschte Fans und Kritiker schließlich mit einer Album-Quadrology aus den Großwerken "Working on a Dream", "The Promise", "Wrecking Ball" und "High Hopes".

Ein Triumph, den Peter Sodann auf seine ganz eigene Weise still genießt. Seine wahre Identität hat er bis heute nicht offengelegt.

Mehr aus der großen Enthüllungsserie: Wiedergeboren als...

Niemand im Westen zweifelt noch ernsthaft daran

Puh, das war denkbar knapp! Anderthalb Wochen nach dem unglücklichen Absturz des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 schien sonnenklar zu sein, dass ostukrainische Mörderbanden den Flieger vom Himmel holten, um der ganze Welt ihre Verderbheit in aller Deutlichkeit zu zeigen. Beweise würden die USA jeden Moment vorlegen, so versicherten Berlin und Brüssel. Allein der Umstand, dass die Kreml-Soldateska aus vorgelegten Beweisen hätte Schlussfolgerungen über die Verteidigungsfähigkeit der Vereinigten Staaten im anstehenden 3. Weltkrieg hätte ziehen können, hinderte die Obama-Administration daran, Fotos der Täter, der Tatwaffe und ein Video vom Einschlag der Rakete ins Internet zu stellen.

Das Zögern legten Putinversteher, Islamkritiker, Rassenhasser und Montagsdemonstranten den USA und deren Verbündeten in Kiew natürlich als Eingeständnis aus, dass es keine Beweise gibt. Aber da haben sich die Betreffenden geschnitten. Denn nach langem Überlegen und einer erneuten Panzeroffensive zur Beendigung der Gefechte mit den Rebellen im Osten machte die zurückgetretene Regierung in Kiew zuerst klar, dass keine Rakete, sondern ein simpler Druckabfall für den Absturz von MH17 verantwortlich war.

Dann ließ Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wissen, dass er über „zahlreiche Angaben“ verfüge, die eine Schuld der ukrainischen Milizen beweisen.

Damit ist alles klar. Absturzursache von Flug MH17 ist der „durchlöcherte Rumpf“ gewesen, der von einer „starken Explosion" hergerührt habe. Die Ukraine hat inzwischen auch Ergebnisse der Prüfung des Flugschreibers, die die, die den Flugschreiber prüfen, noch nicht haben. Die Blackbox, so Kiew, habe sich „Durchlöcherung infolge einer Raketenexplosion" notiert, womit bewiesen sei, dass alle Vorwürfe aus Russland hinfällig seien.

In der Gegenrichtung ist es genauso. Auch die eifrigsten Vorbeter einer russischen Meta-Verantwortung für den Absturz schweigen seit mehr als einer Woche auffällig. Vorbei die Tage, als über einfallsreiche Konstruktionen aus vermeintlichen Indizien Beweise für eine russsiche Schuld gebastelt wurde. Plötzlich ist es, als habe es die Tragödie nie gegegen, als habe niemals jemand aus hanebüchenen Schuldzuweisen Gründe für einen neuen kalten Krieg zusammengepuzzelt und es mit Hilfe von "Thesen" (SZ) daraufangelegt, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Russland zu boykottieren.

Niemand im Westen zweifelt inzwischen noch ernsthaft daran, dass die Einheitsfront medialer Kriegstreiberei, die seit Monaten durch Deutschland rollte, zerbrochen ist. Das Kriegsgeschrei aus den bequemen Redaktionsstuben ist noch zu hören, aber die noch schreien, sind ausgewiesene Atlantiker mit einem Hang zum Schlachtgesang. Neben ihnen werden aber nun auch andere Stimmen hörbar.

Noch wichtiger jedoch ist, wer nicht zu hören ist. Obama, Kerry, Merkel, Steinmeier, Gabriel und die zahllosen Hinterbänkler, die schon dabei waren, die nächste Fußball-WM in ihren eigenen Sprengel zu holen - seit Tagen herrscht Funkstille bei allen, die Stunden nach dem Absturz von MH17 Härte gegen Putin und Russland forderten.

Die Zeichen stehen an der Wand und sie deuten auf Rückzug. Das heißt wohl, die Öffentlichkeit wird nie erfahren, was mit Flug MH17 wirklich geschah. Es heißt aber wohl auch, dass der III. Weltkrieg vorerst abgesagt ist.

Foto oben: Bild prangert Manipulationen bei Wikipedia an

Abstimmung mit den Füßen: 730.000 fliehen nach Russland

Mittwoch, 6. August 2014

Arithmetik in Zeiten des Krieges

Siehst du, Adam Riese, so wird das gemacht! Am 22. Juli noch meldete die Hamburger Wochenzeitschrift Die Zeit, dass Russland "mehr als 40.000 russische Soldaten in der Grenzregion zur Ukraine stationiert" habe. Eindeutig ein Zeichen für die aggressiven Absichten der Russen, denen das Blatt schon lange auf der Spur ist.

Und es kommt noch schlimmer!

Am 5. August berichtet die "Zeit", "Russland verdoppelt Truppen an ukrainischer Grenze". Damit habe Russland jetzt "um die 20.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen".

Aus 40.000 werden durch eine Verdoppelung also 20.000. 

Minus mal minus macht plus, dreimaldrei ist 333 und bei der "Zeit" können sie nicht rechnen, aber sie wissen, was zählt.

Tipp von HansMuc

Öffentliche Meinung in Deutschland: Merkels Paralleluniversum

Horror! Unterkühlung, Wasser in der Lunge und Schock in der Klinik! Deutschland regt sich furchtbar auf. Über wen? Über den Horror-Strudel in der Isar, der drei Frauen und acht Männer in Lebensgefahr gebracht hat.

Solche Unglücke bringen auch in anderen Ländern das Blut zum Kochen. Aber in Deutschland gibt es oft diese Art von Schizophrenie: Der Deutsche ahnt manchmal, was gerade passiert und vielleicht auch warum, will aber unbedingt ans Gegenteil glauben. Vor allem in Krisenzeiten ist das so, da wird dankbar zu den Schablonen gegriffen, die die sonst verhasste Obrigkeit anbietet. Sie machen die Orientierung sehr bequem: Hier ist das Böse, das derzeit vorzugshalber im Osten lauert. Dort ist die Sicherheit der heimischen Kleinkatastrophen.

Zum Thema Ukraine glauben die allermeisten Menschen in Deutschland, was ihnen das Fernsehen einbläut: dass dort Russen friedliche Freunde Europas umbringen, deren Schuld allein darin besteht, dass sie in die Nato und die EU eintreten wollen. Niemand fragt sich, warum der russische Präsident Putin seinen angeblichen Einfluss auf die Separatisten nicht nutzen sollte, um Sanktionen abzuwenden, niemand fragt sich, was ihm ein unerklärter heißer Krieg an seiner Grenze und ein neuer kalter mit dem Westen bringen sollte. Denn das wird ja im Fernsehen nicht thematisiert.

Die Medienmaschine arbeitet inzwischen derart auf Hochtouren, "dass niemand mehr weiß, wie sie noch zu kontrollieren ist". Magazine wie der „Spiegel“ schalten meist schon keinen Kommentare mehr frei, Meldungen müssen so nur noch sehr plump verfälscht werden. Umfrageergebnisse machen sich Medien selbst, Politiker, die nach dem Absturz von MH17 sofort alle Schuldfragen beantworten konnten, sind in den Wochen seitdem ebenso abgetaucht wie die kritischen Medienarbeiter, die bisher immer nur berichten konnten, dass es Beweise gibt, allerdings nicht, welche das sind.

Ein paar Beispiele für deutsche Wahrnehmungsstörungen aus der vorigen Woche, die auch Verdienst der überbordenden Nato-Propaganda sind:

Ohne russisches Gas lässt sich der Energieausstieg mit höherer Geschwindigkeit und niedrigeren Kosten zum Turbo-Energieausstieg umbauen, schrieb der „Spiegel“.

Die Wirklichkeit ist: Die deutsche Energiewende krankt an Übertragungs- wie an Versorgungsproblemen, ein Ersatz der aus Russland kommenden Grundversorgung mit Gas ist frühestens in 16 Jahren möglich. Die Kosten von 230 Milliarden Euro lägen noch einmal etwa 16 Milliarden pro Jahr über den bisher schon feststehenden Kosten von 62 Milliarden pro Jahr.

Öko-Selbstversorgung als Wachstumsmotor aufzubauen wird schon lange gefordert - es hat nur bis heute nicht geklappt. Jeder Deutsche weiß es und beklagt dies auch, denn die kleinen Leute tragen die Kosten. Und trotzdem erliegen die meisten der Propaganda, wonach das Land auf die Außenwelt nicht mehr angewiesen sei: Noch im März zeigten sich 70 Prozent der Deutschen unwillig, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Jetzt gelang es dem "Spiegel", eine Mehrheit von 52 Prozent für Sanktionen zu mobilisieren.

Die Auswirkungen sind jetzt schon zu spüren, werden aber kaum thematisiert. Das bislang geschätzte Wachstum von 1,5 bis 2 Prozent ist unerreichbar geworden, ein Nullwachstum das optimistischte Szenario. Nur die Europäische Zentralbank sorgt mit niedrigsten Leitzinsen für eine Wachstumsillusion, die allerdings über kurz oder lang bezahlt werden muss. Dafür die müssen Privatpersonen schon jetzt auf Zinsen verzichten, in Spanien werden Vermögen teilenteignet. Das trifft übrigens auch Investoren. Also jene Leute, die jetzt so dringend neue Werke bauen sollen, um Arbeitsplätze zu schaffen – ohne Absatzmärkte lohnt sich das nicht mehr.

Der Durchschnittsdeutsche aber glaubt inzwischen alles, was man ihm serviert. Er wundert sich nicht über die Schlagzeile der "Welt", nach dem anfänglich vorhandene Beweise um Flug MH17 inzwischen verschwunden sein müssen. Er staunt nicht über geistige Einberufungsbescheide, die die FAZ zustellt. Und er glaubt auch, dass Putins "Söldner" alle betrunkene Marodeure sind, während die CIA keinen Mann in der Ukrainie hat.

"Die Nato hat ihre Propaganda auf dem Gedanken aufgebaut, die Unterstützung seiner Politik sei die moralisch einzig richtige Sache", sagt Hans Achtelbuscher, Chef des Medien-Forschungszentrums am An-Institut für experimentelle Medienkunde der Uni Halle. Jeder wolle natürlich auf der richtigen Seite sein, niemand sehe mehr die Notwendigkeit zu kritischem Denken. Die Leute "leben in einer imaginären Welt." Die führende Elite Deutschland, die das Fernsehen und die übrigen Medien faktisch beherrscht, kann heute die öffentliche Meinung in jeder beliebigen Frage formieren. Sie gibt sich längst nicht mehr die Mühe, den Fakten nur einen anderen Spin zu geben. Inzwischen werde "direkt gelogen", sagt der Medien-Experte Hans Weckebusch. So erreiche der Staat schneller, was er wolle. Warum noch Platz für Zweifel lassen?

"Ich habe unter drei Kanzlern für deutsche Zeitungen gearbeitet, von Kohl bis Merkel", sagt Malin. "Aber so dreist und schamlos wie jetzt haben die Machthaber noch nie gelogen. Sie haben einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Dienstag, 5. August 2014

Ukrainische Truppen marschieren in Russland ein

Neue Eskalationsstufe im Ukraine-Konflikt: Mit dem Vormarsch von mehreren hundert Soldaten auf russisches Gebiet hat die zurückgetretene Regierung in Kiew versucht, den langsam in den Schatten des Gaza-Krieges rückenden ukrainischen Inlands-Konflikt um die Ostukraine auf eine neue Stufe zu heben. Nach Angaben der amtlichen deutschen "Tagesschau" sind mehr als 400 ukrainische Soldaten in Russland einmarschiert. Sowohl die ukrainische als auch die russische Regierung hätten die Offensive der Ukraine gegen das Nachbarland bestätigt. der übliche Protest aus Washington, Berlin und Brüssel blieb dennoch aus. Man werde protestieren, sobald russische Truppen auf ukrainisches Gebiet vordringen, hieß es in Berlin.

Im Westen herrscht große Enttäuschung darüber, dass der kriegstreiberische Diktator im Kreml das Angebot aus Kiew, mit einer breiten Offensive zurückzuschlagen, nicht angenommen hat. Obwohl die Kiewer Regierung den Einmarsch ins offiziell neutrale Russland in der Tradition des Schlieffen-Planes als "taktisches Manöver" erklärte und damit eine völkerrechtswidrige Offensive ohne Kriegserklärung einräumte, sprach Moskau beharrlich von ukrainischen Soldaten, die bloß Fahnenflucht begangen hätten. "Sie sind des Krieges müde und wollen nicht länger dabei mitmachen", sagte der Sprecher der Grenztruppen in der Region Rostow, Wasili Malajew, der Nachrichtenagentur Reuters. 180 der Soldaten sollen darum gebeten haben, wieder in die Ukraine zurückkehren zu dürfen. Man habe sie in Busse gesetzt und zurückgeschickt. Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnte die Regierung in Kiew davor, die zurückkehrenden Soldaten als Deserteure zu bestrafen: "Es ist absolut unakzeptabel, diejenigen wie Verräter an ihrem Heimatland zu behandeln, die sich weigern, gegen die eigenen Landsleute zu kämpfen".

Die Regierung in Kiew dementierte die massenhafte Fahnenflucht und betonte, ihre Truppen hielten sich im Rahmen militärischer Erfordernisse im Nachbarland auf. Washington, Berlin und Brüssel kommentierten den Vorfall nicht, die "Tagesschau", die "Deutsche Welle" und die NZZ nennen ihn einen "rätselhaften Grenzübertritt ukrainischer Soldaten", die übrigen Leitmedien verzichten darauf, ihre Leser mit solchen Kleinigkeiten von der Front zu verwirren.

Direktnachrichten aus der Ost-Ukraine vom Vineyard-Shaker

Steckt Attac hinter den Attacken?

Nach dem dritten Flugzeugabsturz in kürzester Zeit wächst der Verdacht, dass es sich um keine Kette von reinen Zufällen handeln könnte. Nach einem Flugzeug über der Ukraine war in Taiwan ein Flieger zerschellt, danach traf es eine algerische Maschine über dem Bürgerkriegsgebiet Mail. Ein Abschuss durch eine Rakete oder ein Bombenschlag gelten als unwahrscheinlich, aber naheliegend.

„Wir denken, dass dieses Flugzeug aus Gründen abgestürzt ist, die etwas mit den Wetterbedingungen zu tun hatten“, versucht der französische Innenminister Bernard Cazeneuve bisher von einer möglichen Verantwortung von islamistischen Separatisten abzulenken. Ähnlich äußerte sich Verkehrsstaatssekretär Frédéric Cuvillier zu Flug AH5017. „Die Trümmer liegen in einem begrenzten Bereich. Dies könnte darauf hindeuten, dass das Wrack auf dem Boden zerschellt ist und dass es keine Explosion während des Fluges gab“, erklärte er, offenbar darum bemüht, seinen Präsidenten Hollande aus dem Visier zu nehmen.

Hollande hatte nach der Machtübernahme islamistischer Rebellen unter Verweis auf die frühere französische Rolle als Kolonialmacht in Mali mit der Begründung, er müsse das Leben französischer Bürger schützen, einen Einmarsch seiner Truppen in Mali befohlen, ohne die Zustimmung der Uno abzuwarten.

Aber ist dieses illegale Vorgehen, das stark an die Strategie Wladimir Putins in der Ukraine erinnert, wirklich der Auslöser des möglichen Abschusses über Nordmali gewesen? Indizien, die dem Terrorexperten Horst Kranheim vorliegen, weisen auf ein viel größeres Bild. Nach Überzeugung des früheren Stasi-Spezialisten für verdeckte Funkaufklärung müssen die vermeintlichen Unglücke als Teil einer weltweiten Strategie gesehen werden, die ihren Ergebnissen nach von Anfang an darauf zielte, Ergebnisse der Globalisierung und Vernetzung weltweit rückgängig zu machen. Mit einer Strategie, die den Flugverkehr ins Visier nehme, träfen interessierte Kreise doppelt, so Kreise in Berlin. „Einerseits wächst die Verunsicherung, andererseits kommt es beim Versuch, die Schuldigen zu bestrafen, zu weiteren Einschränkungen von Handel und Warenaustausch.“

Experten beobachten seit Jahren, wie die Zahl der gerade vom Westen verhängten Sanktionen wächst, die allesamt mit aufkommenden Krisen und Kleinkriegen begründet werden. Zwar sei die Zahl der offiziell gemeldeten Kriege seit 1990 immer weiter zurückgegangen, die Zahl der Nationen, die aus diesem oder jenem Grund boykottiert würden, sei gleichzeitig aber dennoch beständig gestiegen.

Nach Überzeugung Eingeweihter ein klares Indiz dafür, wer hinter der gesamten Entwicklung stehe und sie wohl auch mit handfestem Eingreifen dirigiere: „Wir haben in den vergangenen Jahren zwei große Bewegungen gehabt, die sich den Kampf gegen die Globalisierung auf die Fahnen geschrieben hatten“, sagt er, „einmal war das Al Kaida, zum zweiten Attac mit der Nachfolgeorganisation Occupy Wall Street“. Auffallend sei, dass der Bedeutungsverlust von Attac und OWS direkt mit der Zunahme von Sanktionsmaßnahmen und Flugzeugabstürzen korreliere. „Das spricht dafür, dass die Organsisation eine andere Taktik wählt, um ihre Ziele zu erreichen.“

Montag, 4. August 2014

Hundert Jahre ohne Spuren

Wie die hier bei PPQ gelegentlich für Klartext sorgende Gebärdendolmetscherin Frauke Hahnwech sorgt auch Die Anmerkung seit Jahren verlässlich dafür, dass Heuchler, Schwindler und Lobbyisten zumindest im kleinen Kreis nicht ungehindert durchkommen mit Halbwahrheiten, wandelbaren Moralvorstellungen und offenem Hass auf alles Fremde.

Dem Anmerker fällt auf, was anderen entgeht, Parallelen, die auf der Hand liegen, weniger aufmerksamen Mediennutzern aber entgehen. Wie jetzt die zwischen einer Schlagzeile von 1914, die die Süddeutsche Zeitung aus dem eigenen Archiv gegraben hat. Und der der inhaltlich ähnlich ausgerichteten "Bild"-Zeitung, die schon im April verblüffend kongruent titelte.

Seitdem ist auch die "letzte Warnung an Russland", die vor hundert Jahren am Vorabend des I. Weltkrieges erging, wieder in Mode. Und auch die Mobilmachung macht schon gute Fortschritte.

Justizminister Maas plant Winterbremse

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will neben der Mietpreisbremse ein weiteres Gesetzespaket zur Kostenbegrenzung schnüren. Nach der Androhung des russischen Despoten Wladimir Putin, die Heizkosten in Europa durch höhere Gaspreise in die Höhe treiben zu wollen, werde er ein Gesetz einbringen, nach dem "steigende Heizkosten künftig nur noch bis zu zehn Prozent umgelegt werden dürfen", sagte Maas der staatlichen Deutschen Presse-Agentur.

Bisher ist dies ohne Beschränkungen möglich. Geplant ist zudem, die Temperaturen, die während der Wintermonate in Deutschland herrschen dürfen, nach unten zu deckeln. Kriterien für die Berechnung normaler Wintertemperaturen seien zu überarbeiten, sagte Maas. Beide Aspekte hatten Union und SPD nicht im Koalitionsvertrag vereinbart, nach dem dreisten Racheankündigungen der Russen wegen der gerechtfertigten Sanktionen des Westens sei man aber gezwungen, zu handeln.

Maas erwartet, dass die geplante Winterbremse dämpfenden Einfluss haben wird. "Wenn wir keine sinkenden Temperaturen mehr haben, wird sich auch der Gaspreis nicht mehr in der bisherigen Geschwindigkeit entwickeln." Putin werde durch dieses umsichtige Handeln der Bundesregierung die „Gaswaffe aus der Hand geschlagen“. In Kraft treten soll die Winterbremse 2015. Der Bundesverband der Metereologen begrüßte, dass Maas sich offen für Temperatur-Ausnahmen in der Fernsehberichterstattung geäußert hatte.

Sonntag, 3. August 2014

Fremde Federn: Mit offenen Augen

Alles Geschmackssache. Man darf, wie es die Süddeutsche Zeitung tut, Wladimir Putin auf einem „bizarrer Kurs in die Selbstisolierung“ sehen und so tun, als wären EU und USA die ganze Welt. Man darf auch, wie es der „Spiegel“ macht, die Position des unvoreingenommenen Beobachters verlassen und zu den Waffen rufen. Man darf wie die FAZ Wetten abschließen, wer wen zuerst aushungert – Russland den Westen oder der Westen Russland? Und man kann völlig ausblenden, wie die EU-Länder Al Kaida finanzieren, während man den Eindruck erweckt, die Ukraine könnte ein Land in Einklang und Frieden sein, wären da nicht die von außen geschickten Waffen und Söldner, mit denen Putin das ganze Paradies zum Wackeln gebracht hat.

Man darf allerdings alternativ auch Realist sein wie Julian Nida-Rümelin, der einst bei Gerhard Schröder Kulturstaatsminister war und jetzt im „Stern“ seine Erzählung von den inneren Zusammenhängen rund um die Ukraine-Krise liefert. Erstaunlich: Nida-Rümelin, von Beruf Philosoph, argumentiert so schlüssig, so stringent und überzeugend, dass den von wem auch immer bezahlten anonymen Kommentatoren beim „Spiegel“, den scharfmacherischen Atlantikern bei der „Zeit“ und den ins kriegerische gewendeten Pazifisten bei der Taz gleichermaßen die Feder aus der Hand fallen müsste.

Tut sie nicht, selbstverständlich. Dies hier ist eine Auseinandersetzung, in der Scham keine Rolle spielt. Es wird gelogen und zurechtgebogen, es wird aus Unterstellungen eine Anklage und aus einer Anklage ein Urteil gezimmert, als habe irgendwer die schreibende Zunft zum Volksgerichtshof berufen, in deren alleiniger Macht es liegt, Völker aufeinanderzuhetzen oder ihnen Frieden zu verordnen.

Mit welch unterschiedlichen Maßstäben die selbsternannten Moralwächter dabei arbeiten, macht nicht nur die Schlacht um den Gaza-Streifen deutlich, zu der einzig die Diskussion zugelassen ist, ob dazu eine Diskussion zulässig ist. Nieda-Rümelin verweist auf die demokratische Praxis im saudischen Feudal-Regime, gegen die „Russland als Hort der Menschenrechte durchgehen“ könne, denn „jedenfalls werden dort ehebrechende Frauen nicht gesteinigt, Russland finanziert keine islamistischen Terroristen, und es gibt sogar Parlaments- und Präsidialwahlen mit konkurrierenden Parteien“. Aber Saudi-Arabien sei eben ein enger Verbündeter des Westens und speziell der USA im Nahen Osten, so dass sich jedes kritische Wort, jede Strafmaßnahme und jeder Versuch, von außen einzuwirken, verbiete.

So einfach erzählt sich das, wenn einer mal die Augen aufmacht.

Der Rest des bemerkenswerten Textes steht hier

Wer ist der Kriegstreiber?

Lügen: Ja, sie glauben es selbst

Das größte Geheimnis bei großen Medienkampagnen wie der längst abgelaufenen zur Klimaerwärmung, der gentechnisch verseuchten rund um den SPD-Politiker Thilo Sarrazin oder der auf die Organisierung eines neuen Weltkrieges zielenden, die seit rund einem Jahr gegen Rußland läuft, ist immer die große Frage, ob die Ausführenden ihre Propaganda selbst glauben. Das ist keine unwesentliche, sondern eine moralische Frage: Wird guten Glaubens gelogen? Oder im Wissen darum, dass allein das Ziel zählt und deshalb alle Mittel gerechtfertigt sind?

Nikolaus Blome, Mitglied der Chefredaktion des früheren Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", hat jetzt einen tiefen Einblick in die inneren Zusammenhänge gegeben. Der frühere stellvertretender Chefredakteur der "Bild", der zur Montagsbild gewechselt war, um die ehemals knöchernde Nachrichtenredaktion zu boulevardisieren, äußerte sich beim Kurznachrichtendienst Twitter zu einer Meldung seines Blattes, nach der eine TNS-Infratest-Umfrage für den Spiegel ergeben habe, dass "52 Prozent der Deutschen für härtere Sanktionen sind, selbst wenn das „viele Arbeitsplätze“ in Deutschland kosten würde".

Das Problem dabei: In der den Umfrageteilnehmern vorgelegten Frage war von einem "Verlust" von Arbeitsplätzen nicht die Rede. Sie lautete "Sollten die Sanktionen verschärft werden, auch wenn dadurch viele Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet wären?" Der Unterschied ist signifikant, eine "Gefährdung" ist ein möglicher Verlust. Ein Verlust hingegen ist weg, verschwunden, verloren.Menschen etwa fahren Auto, obwohl die Gefahr besteht, dabei einen Unfall zu haben und zu sterben. Würden sie auch Auto fahren, wenn sie wüssten, dass sie unterwegs auf jeden Fall ums Leben kommen werden?

Auch die Praktikanten des "Spiegel" kennen den Unterschied, er schien ihnen aber im Dienst des angestrebten Zweckes, eine kriegerische Stimmung herzustellen, vernachlässigbar. Aus "gefährden" wurde "verlieren". Ein kleiner Kniff, den jeder gute Propagandist verwendet hätte, schließlich wurde der Beitrag von einer anonymen Masse aus bezahlten Schreiberlingen hergestellt wie so viele "Spiegel"-Artikel. Niemand wird persönlich haftbar gemacht für etwaige Unwahrheiten, kleine Verfälschungen und durchsichtige Manipulationen. Wenn der Schwinder auffliegt, wird sich kollektiv entschuldigt, fertig.

Das Außerordentliche hier aber ist, dass Nikolaus Blome der eigenen Mär auf den Leim gegangen ist. Er twitterte seinen 7000 Followern stolz: „Wer hätte das gedacht? Die Mehrheit in Deutschland ist für harte Sanktionen gegen #Putin, selbst wenn es richtig Jobs kostet."

Samstag, 2. August 2014

Wiedergeboren als Paria

"Newsweek" galoppierte voran, der "Spiegel" nutzte sein "Newsweek"-Abo wenig später, um die Bezeichnung abzuschreiben. Seitdem ist Wladimir Putin der "Paria", ein Ausgestoßener und Außenseiter, so benannt nach einem diskriminierenden Wort aus dem Tamilischen, das Paraiyar (பறையர்) lautet und eine unterdrückte Kaste meint.

Die "Spiegel"-Redaktion hat viel Lob für ihre entschieden und hasserfüllte Haltung im Ukraine-Konflikt bekommen. Ungeachtet der traditionellen Unabhängigkeit des Berichterstatters, der sich nie gemein mit einer Sache machen darf, auch nicht mit einer guten, haben die führenden Enthüller und Edelfedern den Stahlhelm aufgesetzt, die Schreibmaschinenpistole durchgeladen und den Widerling im Kreml unter Dauerfeuer genommen. Inspirieren lassen hat sich das einstige Nachrichtenmagazin dabei eben auch von der kämpferischen Haltung der "Newsweek", nicht an der reportierenden der "Time" - erstaunlich aber ist, wo die "Newsweek"-Redaktion ihre Anregungen hernimmt: Auch einer historischen Enthüllungs-DVD des Discovery Channel namens "Secrets of the Third Reich" (Cover oben links).

Mehr aus der großen PPQ-Serie Wiedergeboren als...

NSU: Baby Beate schrie nächtelang

Im Münchner NSU-Prozess wird immer klarer, wes' Geistes Kind die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ist. Eine Zeugin sagte jetzt aus, wie die spätere Terroristin sie 1981 im Kindergarten zu Boden geschubst habe. Damals sei sie in derselben Gruppe im Kindergarten "Rote Häschen" gewesen, Zschäpe und deren Freundin hätten sie beim Haschespielen im Garten eingeschüchtert und dann beim Reingehen zum Mittagessen angesprochen. Beate Zschäpe habe sie beschimpft, warum sie sich eben so lustig über sie gemacht habe. „Dann hat sie mich geschubst, dass ich unglücklich auf den Fuß gefallen bin.“, sagt Zeugin vor Gericht. Sie musste danach zum Arzt, der eine Fraktur des Fußes feststellte, und ihre Eltern erstatteten Anzeige. Eine Strafverfolgung fand nicht statt - für viele Prozessbeobachter ein klarer Hinweis darauf, wie sehr die Behörden von Anfang an in die spätere NSU-Affäre verstrickt waren.

Jahre später, 2011, kam nach Angaben der Betroffenen ein Journalist zu ihr und suchte mit ihr zusammen Bilder von der gerade festgenommenen Beate Zschäpe im Internet. Auf den älteren Fotos habe sie ihre Angreiferin deutlich erkannt: „Das war Beate Zschäpe.“ Und es war nicht der einzige Fingerzeig darauf, wie sich die Tochter eines Rumänen und einer Thürnigerin später entwickeln würde. Wie der Vorsitzende Richter Manfred Götzl durch stundenlanges Nachfragen herausfand, war dies nur die erste Augenzeugin, die nicht nur von einer Gewalttat der Angeklagten berichtet, sondern diese auch am eigenen Leib erfahren hätte. Zeugen für das überschäumende negative Temperament der Rechtsterroristin hingegen gibt es viele. So sagte eine frühere Nachbarin der Familie aus, dass Zschäpe als kleines Kind "nächtelang durchgeschrien" habe. Und ein Cousin von ihr hatte vor Monaten berichtet, Zschäpe habe einmal in einer Diskothek einer Frau „ein Glas über den Kopf“ gezogen.

Alles passt mit den neuen Beweisen zusammen. Die von Zschäpe im Kindergarten angegriffene Frau schilderte, wie Beate Zschäpe von ihr verlangt habe, den Satz ‚Ich bin eine Potte‘ zu sagen. Was das bedeutet, blieb am Mittwoch unklar, ein Gutachter soll beigezogen werden, um die Frage zu klären. Dass der Journalist, der der Zeugin seinerzeit eröffnete, dass Beate Zschäpe die Angreiferin gewesen sei, offenbar ausschließlich Bilder von Zschäpevorwies, schwächt die Aussage der Frau. Doch glaubhaft wirkt sie wiederum durch die Angabe, dass die Täterin damals im Kindergarten gar nicht auffällig als „Rechte“ gekleidet gewesen sei. Zschäpe sei sehr selbstbewusst, geradezu „raumgreifend“ gewesen und soll auch aggressiv Jungen gegenüber gewesen sein, wenn die etwa versuchten, ihr Bauklötzchen wegzunehmen oder einen Ball ins Gebüsch schossen. „Woher wussten Sie das?“, fragt der Vorsitzende. „Das hat man sich so erzählt.“

Die Polizeiakten zu dem Vorfall gibt es nicht mehr. Beim Bundeskriminalamt wurde bei der Kontaktaufnahme mit den Zeuginnen sofort nach Beate Zschäpe gefragt. Damit war die Marschrichtung mehr als festgelegt. So äußerte der Vorsitzende Richter am Mittwoch sein Unverständnis darüber, als er die zuständige Beamtin des BKA befragte: „Warum ist denn der ganze Sachverhalt samt Beate Zschäpes Namen direkt angesprochen worden?“ Die Antwort, dass die Zeugen direkt wissen sollten, worum es geht, konnte ihn nicht zufrieden stellen.


Ein Land schreibt einen Thriller:

NSU: Klein, schmal und knochig
NSU: Die Toten auf dem Rücksitz
NSU: Hundert Tage April, April
NSU: Banküberfalltäter im Tattooarchiv
NSU: Die Fassade auf der Anklagebank
NSU: Nicht nur sauber, sondern rein

NSU: Doppelselbstmord zu dritt
NSU: Vorladung für Hollywood
NSU: Rufnummernmitnahme
NSU: Robert Redford gegen rechts
NSU: Strafe muss sein
NSU: Terror fürs Museum
NSU: Herz, Stern oder Halbmond
NSU: Schweigekomplott am Bosporus
NSU: Nazi per Nachname
NSU: Platznot auch im Alex-Prozess
NSU: Killerkatzen im Untergrund
NSU: Das weltoffene Deutschland im Visier
NSU: Liebes Terrortagebuch
NSU: NSU: Push the forearm fully forward
NSU: Heiße Spur nach Hollywood
NSU: Die Mutter von Hirn und Werkzeug
NSU: Musterstück der Selbstentlarvung
NSU: Rettung durch Rechtsrotz
NSU: Schreddern mit rechts
NSU: Softwarepanne halb so wild
NSU: Neues Opfer beim Verfassungsschutz
NSU: Im Namen der Nabe
NSU: Handy-Spur ins Rätselcamp
NSU: Brauner Pate auf freiem Fuß
NSU: Rufmord an den Opfern
NSU: Heiße Spur ins Juwelendiebmilieu
NSU: Eine Muh, eine Mäh, eine Zschäperättätä
NSU: Von der Zelle in die Zelle
NSU: Die Spur der Schweine
NSU: Gewaltbrücke zu den Sternsingern
NSU: Gebührenwahnsinn beim Meldeamt
NSU: Nun auch auf dem linken Auge blind
NSU: Die Welt ist klein
NSU: Verdacht auf Verjährung
NSU: Weniger hats schwer
NSU: Terrorwochen abgebrochen
NSU: Rechts, wo kein Herz schlägt
NSU: Was steckt dahitler?
NSU: Neue Spuren ins Nichts
NSU: Tanz den Trinitrotoluol
NSU: Der Fall Braun
NSU: Honeckers rechte Rache
NSU: Die Mundart-Mörder
NSU-Todeslisten: Sie hatten noch viel vor
NSU: Was wusste Google?
NSU: Kommando späte Reue
NSU: Die tödliche Bilanz des braunen Terrors
NSU: Mit Hasskappen gegen den Heimsieg
NSU: Mordspur nach Möhlau

Freitag, 1. August 2014

Zur Feier des Tages: I. Weltkrieg, einfach erklärt


Putin bringt General Winter in Stellung

Erst hat es Russlands Diktator Wladimir Putin tagelang regnen lassen, jetzt reagiert er so wütend auf die angekündigte Sanktionen der USA und EU, dass er plant, den nächsten Winter noch kälter zu machen als den letzten. Dann wäre Europa trotz der Sanktionen gezwungen, teures Gas vom Russen zu kaufen. PPQ analysiert, wie hart die neuen Strafmaßnahmen Russlands Europa treffen werden.

Nachdem der Westen die Sanktion verschärft hat, kündigt Russland ebenfalls eine härtere Gangart an. Präsident Wladimir Putin droht mit negativen Folgen für die EU-Länder.

Der „verantwortungslose Schritt” werde unweigerlich einen Preisanstieg auf dem europäischen Energiemarkt zur Folge haben, teilte sein Außenministerium in Moskau mit. Gemein: Auch die in Russland tätigen Banken aus der Europäischen Union müssten negative Folgen fürchten.

Putin plant einen kalten Superwinter, um die Sanktionen auszuhebeln. Die betreffen zwar bisher nur rund 47 der 140 Millionen Russen, aus Sicht des sensiblen Diktators sind sie aber trotzdem ein Verstoß gegen angebliche Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Deutschland bezieht 37 Prozent seiner Gaseinfuhren aus Russland, und plant hier auch keinen Boykott, obwohl der die Russen richtig schwer treffen würde. Auch die baltischen Staaten und Finnland, die zu 100 Prozent von russischen Importen abhängig sind, wollen derzeit nicht auf alternative Energieträger wie Holzpellets und warme Pullover umsteigen, um Putin weiter Gesprächsbereitschaft zu signalisieren.

Putin aber droht mit einem kalten Winter. Die Russen verfügen nach Expertenangaben seit Jahrzehnten über das Know How, Wetter und Klima zu beeinflussen. Bei Maiparaden werden Regenwolken mit Silberjodid einfach aufgelöst, auf die gleiche Art hat man auch schon große Schneemassen über Moskau verjagt. Denn: kein Schnee, kein Verkehrschaos, keine Kosten für die Straßenräumung. Im Institut für atmosphärische Technologie in Moskau sollen in den vergangenen Jahren auch Strategien erdacht worden sein, um das Klima als Waffe verwenden zu können. Dabei, so ein Plan des Moskauer Komitees für Wissenschaft und Forschung, werden Wolken nicht geimpft, sondern angehoben. Das ist simpler und umweltfreundlicher. Mit Hilfe des "Tschischewskij-Leuchters" wird ein Ionenstrahl gen Himmel geschickt, der Wärme freisetzt und so die Wolken in höhere Schichten der Atmosphäre drückt, wo sie keine Regenwolken mehr sind. Eine Methode, die nach Angaben der Forscher immerhin zu 80 Prozent erfolgreich ist.

Die so erzeugten Hochdruckgebiete könnten dann Richtung Norden geschoben werden, wo sie nach Aufnahme von Kälte automatisch Richtung Südwesten zurückrutschen würden. das freie Europa würde unter einer Schneelawine begraben. Der Effekt ist durch die Entdeckung der Nordatlantischen Oszillation im vergangenen Jahr bekanntgeworden und dient Putin nun dazu, die Preise nach oben zu treiben wird.

Europa aber bleibt gelassen. „Die Gasspeicher sind gut gefüllt, und wir sind noch im Sommer“, beschreibt ein Experte. Zudem würde eine Erhöhung des Erdgaspreises um 50 Prozent nur einen „gedämpften Anstieg des Strompreises um 20 Prozent“ nach sich ziehen, dieser wiederum würde Lebensmittel nur um zwei Prozent teurer machen, Mieten blieben stabil, auch die Preise für Handys und Flachbildfernseher würden eher fallen.